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Wort zum WiWi

N째 62 Juni 2012 Freie Fachschaft Wirtschaftswissenschaften


WagEN SIE dEN NÄCHSTEN SpRUNg! BEWERBEN SIE SICH! BDO ist die führende mittelständisch geprägte Gesellschaft für Wirtschaftsprüfung und prüfungsnahe Dienstleistungen, Steuerberatung und wirtschaftsrechtliche Beratung sowie Advisory Services in Deutschland. An 25 Standorten in Deutschland betreuen wir mit über 1.900 Mitarbeitern national und international agierende Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größenordnungen. BDO ist Gründungsmitglied des internationalen BDO Netzwerks, das einzige der vergleichbaren Netzwerke mit Sitz in Europa. Wir bieten Ihnen folgende Einstiegsmöglichkeiten: y Nachwuchskräfteprogramm BDO Audit & Tax Success y Direkteinstieg in einem unserer Unternehmensbereiche (Wirtschaftsprüfung, Steuern und wirtschaftsrechtliche Beratung, Advisory Services) y Praktikum / Werkstudententätigkeit y Referendariat / Wahlstation Weitere Details finden Sie auf unseren Karriereseiten unter www.bdo.de. BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft WP StB Andreas Müller Augustenstr. 1 | 70178 Stuttgart Telefon: +49 711 50530-0 I stuttgart@bdo.de BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, eine Aktiengesellschaft deutschen Rechts, ist Mitglied von BDO International Limited, einer britischen Gesellschaft mit beschränkter Nachschusspflicht, und gehört zum internationalen BDO Netzwerk voneinander unabhängiger Mitgliedsfirmen. BDO ist der Markenname für das BDO Netzwerk und für jede der BDO Mitgliedsfirmen.


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Liebe WiWis, nun ist er also raus, der neue Studienfahrplan, der die internationalen WiWis vom kommendem Semester an noch schneller von A wie Abitur nach B wie Bachelor bringen wird. Sechs statt sieben Stationen müssen künftig bewältigt werden. Einige wollen von der alten Ordnung (die aber keine Bummelveranstaltung war und ist) zur neuen Raketenordnung wechseln. Das ist logisch, denn Raketenstarts haben immer eine faszinierende Wirkung auf die Massen. Durch die Gebührenabschaffung wird der Abiturientenandrang auf die sowieso schon begehrten Reiseplätze wohl noch zunehmen. Schiefgehen sollte beim Start im Oktober nichts, schließlich haben die WiWi-Ingenieure lange am neuen Fahrplan getüftelt.

am Fachbereich. Wie gewohnt schaut also das WZW genau, was zuhause in Tübingen geschieht. Außerdem schildert diese Ausgabe, wo es sich gut im Ausland studieren, forschen und praktizieren lässt und welche Gruppierungen versuchen die Welt zu verbessern. Des Weiteren fallen viele Worte zur früheren, aktuellen und zukünftigen Wirtschaftswissenschaft. Selbst die Europameisterschaft hält (in etwas abgeänderter Form) Einzug im WZW. Was oder wer, wie, wann, wo abgeht wie eine Rakete wird die Zukunft zeigen. Zunächst aber sucht ein sonniges Plätzchen, lehnt euch zurück und genießt den Blick auf das neue WZW!

E ure R edaktion

Natürlich widmet sich das 62. „Wort zum WiWi“ diesem Thema. Außerdem begrüßt es die neuen Instrukteure und Forscher

Impressum

Auflage 1.000 Exemplare

Herausgeber FreieFachschaft Wirtschaftswissenschaften Mohlstrasse 36 72074 Tübingen Tel: 07071/29-74656

Erscheinungsdatum 13. JUNI 2012 Interesse an einer Anzeige? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail!

V.i.S.d.P. Amadeus Müller

www.ffw.uni-tuebingen.de

Redaktion Anne Beck, Anna Böhm, Sabine Eppinger, Teresa Fiolka, Amadeus Müller

Sprechstunde Montag bis Donnerstag 10-14 Uhr

Layout Anne Beck & Amadeus Müller

Sitzung Montag, 20 Uhr

wzwmail@gmx.de

Editorial


Inhalt F achschaftsthemen Semesterbericht S. 6 Weihnachtssingen S. 7 Fachschaftshütte S. 9 Wiwilympics S. 11

S tudieren an der W i W ifakultät Die neue Studienordnung S. 13 Vorstellung neuer Professoren S. 15 WiWi-Netzwerk S. 21 Verfasste Studierendenschaft S. 22 Keine Studiengebühren mehr... S. 24 Weltethos-Institut S. 25 Desierto Florido e.V. S. 27

D as P rüfungsamt informiert ... A uslandsberichte Bachelorarbeit in Costa Rica S. 30 Semester in Kaliforniern S. 32 Semester in Mexico S. 34 Semester in Italien S. 38 Praktikum in Hongkong S. 40

Durchfallquoten S. 29

K arikaturen Neulich an der Uni... S. 42

W i W i -T hemen S tudentenleben in T übingen Unterwegs mit dem Semesterticket S. 53

Die Eurokrise aus Sicht einer Studentin S. 45 Der praktische Geldtheoretiker: Silvio Gesell S. 48 Rethinking Economics S. 51

D ies &D as , S piel &S pass „Länder versenken“ S. 54 WiWI-Europameisterschaft S. 55 WirrWarr S. 58


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Im Rückblick: Ein Semester voller Spaß Das letzte Wintersemester begann wie immer mit der Rückkehr einiger Fachschaftler aus dem Ausland und einem großen Zustrom an Erstis und Kommilitonen aus höheren Semestern, die Interesse an der Fachschaftsarbeit mitbrachten. Über Einführungen in die Fachschaftsarbeit durch unsere „Integration Dudes“ und gemeinsam verbrachte Stunden auch außerhalb der montagabendlichen Sitzung wuchs die Gruppe schnell zusammen. Eine unangenehme Nachricht zu Anfang des Semesters war die, dass es aus Sicherheitsgründen keine Clubhausfeste mehr geben würde. Dies machte uns hellhörig und wir brachten uns unter anderem in einem Arbeitskreis der Fachschaftenvollversammlung (FSVV) verstärkt ein, um der Sache auf den Grund zu gehen. Da eine Öffnung des Clubhauses für Feste nicht absehbar war, entschieden wir uns dafür eine andere Veranstaltung zu planen, wobei wir dann gleich Größeres anstrebten. Im Endeffekt wurde unsere XXL-Mas Party trotz der abgelegenen Location ein voller Erfolg! Im Fachbereich arbeiteten unsere gewählten Mitglieder auch im Wintersemester wieder an der Umstrukturierung der Bachelor- und Masterstudiengänge, die nun so gut wie fertig ist und einen besonderen Anreiz für viele Studierende im Bachelorstudiengang International Economics darzustellen scheint. Daneben engagierten sich Fachschaftsmitglieder in verschiedenen Berufungskommissionen und nahmen an Vorstellungsgesprächen teil. Eine Juniorprofessur in Makroökonomik wurde

erfolgreich besetzt, sowie eine Professur in Marketing und eine in Steuerlehre. Neben der hochschulpolitischen Arbeit haben wir auch an unsere Absolventen gedacht und hatten für die Grad-Party das Ludwigs gebucht, um sie gebührend zu feiern und zu verabschieden. In diesem Semester hätten wir allerdings gerne Platz für mehr Gäste und werden deswegen voraussichtlich im Museum feiern. Eine andere feste Tradition im Wintersemester ist unser Weihnachtssingen, welches wir für einen guten Zweck durchführen. Nun hat es sich eingebürgert, dass die Spenden für jeweils eine Institution aus der Region und eine überregionale Einrichtung gesammelt werden. Im letzten Jahr konnten wir uns über einen besonders hohen Spendenbetrag freuen, den wir als Weihnachtsgeschenk an die Organisationen weitergeben konnten. Einen schönen Abschluss vor Weihnachten für den gesamten Fachbereich stellte die Weihnachtsfeier in den Räumlichkeiten des WiWi-Seminars dar, wobei vor allem das Engagement des Weihnachtsmannes Stefan Rostek begeistert hat. So wie am Anfang des Semesters viele neue Fachschaftler dazugekommen sind, mussten wir ein paar lieb gewonnene Fachschaftler em Ende des Semesters auf ihren Wegen in die weite Welt verabschieden. Wir freuen uns in der neuen Konstellation auch dieses Semester wieder im Fachbereich mitzuwirken.

V on J essica F erklass & D aniel W eyrauch S emesterkoordinatoren


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Weihnachtssingen Schnee, Weihnachtslieder, Lebkuchen – drei Zutaten, die in jede besinnliche Weihnachtszeit hineingehören. Auch wenn uns ersteres im letzten Jahr leider kaum vergönnt war, so wurde den Professoren und uns Studenten der Unialltag vor Weihnachten mit Weihnachtsliedern versüßt. Zuständig dafür war ein Chor aus begeisterten und begnadeten Sängern der Fachschaft, der ein Repertoire aus sowohl althergebrachten als auch aus modernen Liedern einstudierte. Mit Nikolausmützen und einer Gitarre gewappnet zog die Sängergruppe los, die Professoren und ihre Mitarbeiter in ihren Lehrstühlen zu besuchen und in vorweihnachtliche Stimmung zu bringen. Dank Herrn Professor Starbatty durften wir auch diesmal wieder im Studium Generale auftreten und den Zuhörern Weihnachtslieder vorsingen. Ebenso gestatteten uns Herr Professor

Neus und Herr Professor Grammig, in ihrer jeweiligen Vorlesung das erste bzw. dritte Semester mit unserem Gesang zu beglücken. Das Weihnachtssingen ist mittlerweile als feste Tradition in das jährliche Programm der Fachschaft etabliert und dient nicht nur dazu, Weihnachtsstimmung zu verbreiten. Viel mehr dient diese Aktion einem guten Zweck: In den Nikolausmützen werden jedes Jahr Spenden für eine nationale und eine internationale wohltätige Organisation gesammelt. Diesmal gingen sie an die Bahnhofsmission in Tübingen und an das Projekt Steps for children in Namibia. Mit ihrem Motto „Menschlichkeit am Zug“ steht die Bahnhofsmission – getragen von Diakonie und Caritas – allen Reisenden, ob Kindern, Senioren oder

Fachschaftsthemen


8 Menschen mit Handicap, zur Seite. Die Mitarbeiter helfen beim Ein-, Aus- und Umsteigen am Bahnhof und begleiten Hilfsbedürftige auf ihrer Fahrt. Außerdem gibt es direkt am Bahnhof das sogenannte NachtCafé, in dem vor allem Menschen in existenziellen Notlagen – wohnungslos, süchtig, krank oder verzweifelt – Zuflucht suchen. Dort finden sie Gesprächspartner mit offenen Ohren, die mit nützlichen Adressen und sozialen Kontakten jedem weiterhelfen können.

bekommen. Um diese sozialen steps zu finanzieren, gibt es Einkommen generierende steps. Philipp leistete in dem Projekt seinen Zivildienst ab und war während seines Jahres hauptsächlich für die Einkommen generierenden steps Olivenplantage und Gemüsegarten zuständig. Außerdem kümmerte er sich um das Gästehaus, in dem sowohl Touristen als auch Namibier auf Geschäftsreise übernachten können und er war Lehrer in der Nachmittagsbetreuung.

Steps for children ist ein Projekt in Okakarara, Namibia, das sich das Ziel setzt, Kindern nachhaltig zu helfen und in naher Zukunft unabhängig von Spenden zu sein. Für diese beiden Ziele gibt es verschiedene steps. Einerseits gibt es die sozialen steps, z.B. eine Vorschule, in der Kinder auf die Grundschule vorbereitet werden oder die Nachmittagsbetreuung, in der Grundschulkinder der Klassen 1-7 Nachhilfeunterricht und Hausaufgabenbetreuung

An dieser Stelle gilt nun unser Dank allen Sängern und Helfern für ihr Engagement und allen Spendern für die großzügige Spende des stolzen Rekordbetrags von 1800 Euro!

V on P hilipp W alter & K atharina B arrios


Fachschaftshütte 2012: Spaß, Freude und effiziente Gruppenarbeit vereint! Am Freitag, den 27. April, war es endlich soweit. Es ging los auf die Fachschaftshütte in Falkau am Feldberg. Eine Gruppe fuhr mittags schon mit dem Zug gen Hütte, was in einer amüsanten und spannenden Fahrt endete. Die andere Gruppe fuhr in den Autos etwas später los, war jedoch trotzdem etwas schneller dort und konnte schon das erste Volleyballmatch auf dem eigenen Volleyballplatz der Hütte spielen. Nachdem auch die Zugfahrer eingetroffen waren, konnten die Zimmer bezogen und das Abendprogramm gestartet werden. Während sich Ksenia und Frank als Psychiater versuchten, verwandelten sich nach der leckeren Pizza als Abendessen ein paar nimmersatte Fachschaftler bei einkehrender Dunkelheit in gefräßige Werwölfe. Diese wurden jedoch bald von den schlauen Dorfbewohnern enttarnt und am Ende fand die Versöhnung im hauseigenen Partykeller statt, in dem bis in die Morgenstunden gefeiert wurde. Trotz des geringen Schlafpensums machten wir uns am Samstag schon früh an die Arbeit: Direkt nach dem Frühstück legte Sabine zunächst dem Plenum unsere Finanzen dar, dann erklärte Marco uns den Aufbau der neuen Fachschaftshomepage. Dank Marcos guter Arbeit ist nun jedes Fachschaftsmitglied in der Lage, Artikel auf der Seite zu veröffentlichen und sie auf dem neuesten Stand zu halten. In verschiedenen Workshops wurden anschließend die Konzepte der WiWilympics und des WZW überarbeitet. Dabei wurde beschlossen, dass dieses Jahr erstmalig auch Studententeams an den Wiwilympics teilnehmen können und das WZW wieder mehr akademische Themen

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enthalten soll. Zusätzlich wurde auch das WiWi-Netzwerk weiterentwickelt. Hier lag der Fokus vor allem auf der Bekanntmachung des WiWi-Netzwerks, der Sammlung von Marketing-Ideen, sowie der Organisation und Planung von kommenden Veranstaltungen. Ebenso haben sich die neuen studentischen Vertreter in der Studienkommission in einem Workshop auf ihre Aufgaben vorbereitet. Nach dem Beschluss der neuen Studienordnungen gilt es nun für die kommenden Vertreter auf einen studentenfreundlichen und weitestgehend reibungslosen Übergang zu achten. Max, Vivien und Jessi hatten außerdem von der Bundesfachschaftenkonferenz, von der sie am Freitagabend zurückgekehrt waren, viele neue Ideen mitgebracht. Besonders vielversprechend erschien uns die Einführung eines Pressebeauftragten, der sich zukünftig um die Öffentlichkeitsarbeit der Fachschaft kümmern wird. Dadurch soll die gesellschaftliche Arbeit der Fachschaft fernab von Partys und Kneipentouren, hier sei beispielsweise an das Weihnachtssingen und den WiWi-Impuls erinnert, publik gemacht werden. Nach so viel Arbeit hatten wir uns das Mittagessen und ein paar Stunden am nahegelegenen Titisee redlich verdient. Bei bestem Wetter mit strahlendem Sonnenschein lieferten sich einige Fachschaftler von ihren Tretboten aus eine Wasserschlacht; andere zogen diesem nassen Vergnügen ein gemütliches Picknick am und auf dem See vor. Schließlich fanden sich jedoch alle am Ufer ein, wo vor dem Aufbruch zur Hütte noch ein wenig Volleyball und Beachtennis gespielt

Fachschaftsthemen


10 wurde. Wer das Glück hatte, bei Marco im Auto zu sitzen, bekam auf der Rückfahrt noch eine ausgiebige SightseeingTour durch den schönen Schwarzwald spendiert. Bis am Abend die Steaks auf dem Grill lagen, hatte schließlich auch dieser Teil der Gruppe den Rückweg gefunden. Glücklicherweise war in diesem Jahr auch für Grillkohle gesorgt. Der Appetit einiger Werwölfe war jedoch so groß, dass sie an diesem Abend nach langem Kampf das Spiel für sich entscheiden konnten. Für die ganz hungrigen gab es danach noch leckere Brownies, denn am Sonntag hatte Margarita Geburtstag, was natürlich ausgiebig gefeiert wurde. Ihr zu Ehren tanzten die Fachschaftsmitglieder Limbo und den „Cha-Cha-Slide“. Dabei wurde der Schlaf verständlicherweise eher zur Nebensache und so waren einige von uns am nächsten Morgen eher semi-fit. Das Aufräumen der Hütte ging dafür erstaunlich schnell vonstatten. In der abschließenden Feedbackrunde stellten wir fest, dass das Konzept der Hütte sich wieder einmal als unabdingbar erwiesen hat. Nicht nur, dass wir durch die Workshops die inhaltliche Grundlage für anstehende Aufgaben legen, auch der Teamgeist wird immer wieder gestärkt. So wächst die Fachschaft am Titisee weiter zusammen, was in Zeiten von kurzem Bachelorstudium und Auslandsaufenthalten essenziell für die Fachschaftsarbeit ist. Voll Vorfreude auf das Sommersemester traten wir unsere Heimreise an und waren uns sicher, dass wir nicht zum letzten Mal als Fachschaft im Schwarzwald waren.

J utta B erg , J udith B lecke , J ohannes D ebelius & B enni W alser


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WiWilympics 2012 Lautes, fröhliches Stimmengewirr ertönte am 11. Mai den ganzen Freitagnachmittag rund um die Beachvolleyballfelder am Sportinstitut. Man sah ein reges, buntes Treiben von 130 Sportlern und Fachschaftlern, die mit ihren roten T-Shirts immer hin und her flitzten. Dieses Jahr gab es eine ganz besondere Neuheit: erstmalig durften auch Studierende an den Beachvolleyball- und Fußballwettkämpfen teilnehmen. Gegen 13 Uhr trudelten nach und nach alle Mannschaften bei strahlendem Sonnenschein ein. Eine Stunde später wurden unsere WiWilympics durch den lang ersehnten Klassiker „VWL gegen BWL“ eröffnet. Dieses Jahr waren die BWLer besser in Form, sodass sie das packende Spiel für sich entscheiden konnten. Herzlichen Glückwunsch! Danach begannen die offiziellen Turniere. Lehrstühle spielten gegen Lehrstühle und Studierende gegen Studierende. Trotz purer Sonne mit hochsommerlichen Temperaturen waren alle Teams höchst motiviert und ambitioniert. Niemand konnte mehr sagen, dass wir Wirtschaftswissenschaftler keine Ahnung vom Sport haben. So schritt der Nachmittag voran, geprägt von tollen Spielen mit packenden Duellen. Gute-Laune-Musik, Bier und das fantastische Wetter lockten zahlreiche Fans an, die ihre Freunde oder ihre Dozenten anfeuerten. Unsere Fachschaftsmannschaft im Beachvolleyball hatte das große Glück, Herrn Professor Jörg Baten in ihrem Team zu haben. Er unterstützte uns sowohl mit seinen exzellenten spielerischen Fähigkeiten als auch mit motivierenden

Anfeuerungsparolen, welche uns mitunter zu unserem überragenden zweiten Platz verhalfen. Auch beim Fußballtunier der Lehrstühle behauptete sich das Fachschaftsteam mit einer guten Leistung im Elfmeterschießen und landete auf Platz 2. Beim Studierendentunier verteidigte der „FC Vollgas“ die Ehre der Wirtschaftswissenschaftler gegen das Team der Sportmanagement-Studenten „the approximators“ und gewann das Studententunier mit einem starken Spiel 2:1. Nach einer kurzen Verschnaufspause ging es weiter mit den spannenden Endspielen. Die Gewinnerteams der Lehrstühle spielten gegen die Sieger der Studierendenmannschaften. An dieser Stelle gratulieren wir nochmals ganz herzlich dem Lehrstuhl-Team „SSKN“ mit Herrn Christian Koziol, Herrn Stefan Rostek, Herrn Tobias Schreijäg und all den motivierten Mitarbeitern für den Sieg im umkämpften Fußballspiel gegen den „FC Vollgas“ und dem Studententeam „Kombinatorik“ für den Sieg im Beachvolleyball. Großartige Leistungen! Insgesamt hatten alle Beteiligten einen wundervollen Tag, den wir gemütlich mit ein „paar“ Pizzastücken ausklingen ließen. Somit danken wir allen Sportlern und Fans für einen fairen, spannenden Wettkampftag und hoffen, dass das Gefühl der Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit uns noch lange erhalten bleiben wird.

Fachschaftsthemen

V on F elicitas B redow


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Impressionen vom Turnier


Der neue Bachelor - lohnt sich ein Wechsel?

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Oft wurde drüber geredet, viel wurde berichtet. Die neuen Studienordnungen für die Bachelor- und Masterstudiengänge sind da. Da sich im Studiengang International Economics am meisten geändert hat, haben wir zwei iVWLer, Ann-Christin (4. Semester) und Tore (6. Semester), diskutieren lassen, ob sich der Wechsel lohnt: >> Tore: Ich hab gehört, du willst in die neue Prüfungsordnung wechseln. Wie kommt’s? Ann-Christin: Die neue Studienordnung hat für mich mehr Vorteile. Zum Beispiel hab ich Principles nicht bestanden... Tore: ...na und? Man kann ja mal durchfallen, dann wiederholst du es eben. Principles ist vielleicht nicht einfach, aber ich fand es gut, dass man zu Beginn mal einen Einblick in die Denkweise der VWL bekommen hat. Ann-Christin: Stimmt schon. Allerdings kann ich auch auf Privatrecht und die BWL-Module ganz gut verzichten, da ich ja eigentlich nur VWL studieren möchte und das ganze Drumherum nicht unbedingt brauche. Tore: Aber genau das Drumherum macht das Studium doch rund. Sonst ist man am Ende nur Spezialist. Später muss man gegebenenfalls auch an Schnittstellen mit Juristen und BWLern arbeiten. Außerdem ist es nicht verkehrt, dass man auch die betriebswirtschaftlichen Abläufe in Unternehmen kennt. Ich will nicht mit einem Tunnelblick als VWLer Märkte betrachten, sondern eben auch eine Ahnung von den Akteuren haben.

Ann-Christin: Das mag sein, aber wenn ich dadurch ein Semester einspare, kann ich schon früher die Dinge machen, die mich besonders interessieren. Tore: Nur sollte man nicht bei den Grundlagen sparen. Insbesondere, weil man ja mit dem siebensemestrigen Studiengang genauso viel Wirtschaft macht wie an anderen Unis. Wenn man aber nur sechs Semester hat und eines davon die Sprachen sind, hat man ja im Grunde nur fünf Semester VWL studiert. Meinst Du nicht, dass das bei den Masterbewerbungen ein Nachteil sein könnte? Ann-Christin: Hmm.. das weiß ich natürlich nicht genau. Ich denke aber, dass es für den Master dann doch vor allem auf die Kernfächer wie Statistik, Mikro und Makro ankommt, die jetzt sogar noch höheres Gewicht haben. Wir sind ja nicht die einzige Uni, die interdisziplinäre Module anbietet. Außerdem reizt mich die neue Bachelorarbeit, die von 7,5 auf 12 Credits aufgewertet wird. Da kann ich mich dann wirklich mal intensiv mit einem Thema auseinandersetzen und in die Tiefe gehen. Tore: Naja, wenn man will, kann man auch bei 7,5 Credits sich intensiver mit einem Thema auseinandersetzen. Wie tiefschürfend die Ausarbeitung ist, liegt

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14 ja im gewissen Maß auch an einem selbst. Ann-Christin: Stimmt. Aber gerade weil es immer zu großen Teilen an einem persönlich liegt, finde ich die neuen Schwerpunkte so gut, in denen man so viel Wahlfreiheit hat. Dadurch kann ich noch viel mehr nach meinen Interessen studieren. Tore: Aber verdient denn das den Namen “Schwerpunkt” noch? Wenn man jetzt einen Schwerpunkt wählt, ist klar, dass man dann auf dem Gebiet auch wirklich was kann und kann im Master dann entsprechend weitermachen. Ann-Christin: Nur, weil ich Wahlmöglichkeiten habe, heißt das ja nicht, dass ich komplett durcheinander wählen muss. Durch die neue Studienordnung könnte ich beispielsweise sogar noch mehr Statistik oder Wirtschaftstheorie machen, als es früher der Fall war. Tore: Mir wäre das ganze Wechseln aber ehrlich gesagt auch viel zu aufwendig und kompliziert. Es werden ja alle Grundlagenveranstaltungen, die bisher 7,5 Credits geben jetzt mit 6 Credits angeboten, nur Mikro und Makro werden mit 9 Credits gewichtet. Was passiert

denn dann mit den Credits, die du zu viel gemacht hast? Außerdem hast du ja schon ein BWL Modul gemacht, fällt das bei dir dann weg? Ann-Christin: Eigentlich ist es gar nicht so aufwendig, wie man vielleicht denkt. Da alle Credits, die man zu viel gemacht hat, auf meinen Schwerpunktbereich angerechnet werden, geht mir auch nichts verloren. Sogar BWL-Module kann ich weiterhin machen, bin aber nicht mehr dazu verpflichtet. Tore: Aber das schmälert ja deine Schwerpunktwahl immens. Bist du denn gezwungen, dass du dir die überschüssigen 1,5 Credits aus den Veranstaltungen anrechnen lässt? Ann-Christin: Nein, bin ich nicht, der Wechsel ist wirklich sehr offen und flexibel gestaltet. Tore: Also für dich gibt es anscheinend echt gute Gründe zu wechseln. Vor allem fällt mir auf, dass ich doch noch nicht alles über den Wechsel zu wissen scheine. Ich bin ja sowieso fast fertig und mir gefällt auch das siebensemestrige Konzept, sonst würde ich mir das auch noch einmal überlegen. <<

Als Fazit kann man also festhalten, dass jeder für sich wissen muss, ob sich ein Wechsel lohnt. Es gibt je nach Ausgangslage und Überzeugung Vor- und Nachteile. Eine Überlegung ist es aber auf jeden Fall wert. Klar ist, dass sowohl für die, die nicht wechseln, als auch für die, die wechseln, keine großen Nachteile entstehen. Auch ohne den Wechsel kann man seinen Studiengang zu Ende studieren, da die Grundlagenveranstaltungen erst nach und nach mit den neuen Studierenden des Wintersemesters 2012/13 auf 6 bzw. 9 Credits umgestellt werden. Wer noch unsicher ist, ob er wechseln soll, dem kann die Studienfachberatung am besten weiterhelfen.


Vorstellung unserer neuen Professoren Prof. Dr. Christian Koziol

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Jugend a. Was war Ihr Traumberuf, als Sie klein waren? Wenn man klein als Kindergartenkind versteht, dann war mein Traumberuf Müllmann. Mich hat fasziniert, dass Müllmänner hinten auf dem Müllauto im Stehen mitfahren dürfen. Als ich dann in der Schule war, bin ich schnell von der Idee losgekommen und habe mich u.a. auch für den Lehrerberuf begeistert. Anderen etwas zu erklären und beizubringen, fand ich damals schon interessant. b. Was war Ihr Lieblingsfach in der Schule? Mathematik und Sport c. Wo haben Sie Ihr erstes Praktikum gemacht? Das war ein technisches Praktikum bei Mercedes-Benz wie Daimler früher hieß. Dort konnte ich viele wesentliche Stationen in Kurzform vom Schraubstock bis zur computergestützten Fräsmaschine durchlaufen, die auch die Auszubildenden als Industriemechaniker durchmachen. Junger Erwachsener a. Was haben Sie studiert? Wirtschaftsingenieurwesen b. Wieso dieses Studium? Im Rahmen dieses Studiums wurden sowohl mathematisch-technische Fächer als auch wirtschaftswissenschaftliche behandelt. Beide Bereiche haben mich sehr fasziniert und ich hätte mich daher vor dem Studium nur schwer auf einen festlegen

können. Zu Studienbeginn hatte ich noch die Vorstellung eines Tages mal in ein Industrieunternehmen zu gehen, um Produktionsprozesse zu optimieren und da empfand ich dieses breite Angebot als zielführend. c. Was waren Ihre Schwerpunkte oder Vertiefungen? Während des Grundstudiums bin ich auf den Bereich Kapitalmarkttheorie gestoßen, von dem ich nicht erwartet hätte, dass er erstens an einer Uni behandelt wird und zweitens so viele spannende Herausforderungen mit sich bringen würde. Ich habe schnell gemerkt, dass das genau die Kombination von praxisrelevanter Anwendung und Einsatz von spannenden mathematisch-statistischen Verfahren ist, nach der ich immer gesucht habe.

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16 d. Warum haben Sie die Laufbahn als Professor eingeschlagen? Zu Promotionsbeginn wollte ich durch meine Dissertation noch weitere Fähigkeiten auf dem Gebiet der Derivatebewertung erwerben, über die in der Praxis nicht jeder verfügt. Als Lehrstuhlmitarbeiter hatte ich zu dieser Zeit Gelegenheit neben der Forschung auch in die Lehre hinein zu schnuppern. Für mich ist Lehre nicht die Pflicht, um Zeit für Forschung zu haben, sondern ich empfinde das Eine als sinnvolle Unterstützung für das Andere und umgekehrt. Um daher sowohl in der Lehre als auch der Forschung aktiv bleiben zu können, hat sich nach etwa zwei bis drei Jahren Promotionszeit mein Berufsziel von der Praxis zur Uni bewegt. Aktuell a. Wie kam es dazu, dass Sie Professor in Tübingen wurden? Wenn eine herausragende Adresse wie die Uni Tübingen eine Professur ausschreibt, dann zieht das natürlich viele potenzielle Kandidaten aus dem In- und Ausland an. Ich habe mich dann ganz normal dem Bewerbungsverfahren gestellt und war sehr froh als dann irgendwann die Wahl auf mich gefallen ist. b. Was zeichnet Ihre Lehre besonders aus? Eine Besonderheit von mir ist, dass ich zu verschiedenen Themen gerne anschauliche Anwendungen wie Excel-Tabellen

einsetze, mit denen jeder herumspielen und individuelle Erkenntnisse gewinnen kann. c. Was wollen Sie den Studierenden vermitteln? Das Ziel meiner Lehre ist, die Studierenden auf dem Gebiet Kapitalmarktprodukte und Unternehmensfinanzierung mit allen gängigen Herausforderungen für die Praxis vertraut zu machen, indem ich Ihnen auch die dazu notwendigen methodischen Verfahren näher bringe. Tübingen a. Wie gefällt Ihnen Tübingen? Die Uni verfügt auf Grund ihrer vielfältigen Fachbereiche über eine hervorragende Reputation. Deshalb macht es einen sehr stolz, Teil dieser Institution sein zu dürfen. Ich finde auch, dass Tübingen als Stadt eine tolle Größe hat, um auf der einen Seite die vielen schönen Ecken entsprechend wahrnehmen zu können und auf der anderen Seite dies mit dem Studieren bzw. Arbeiten an der Uni zu verbinden. b. Wo findet man Sie in Ihrer Freizeit? Neben der historischen Innenstadt, haben es mir besonders die Wege am Neckar angetan.


Vorstellung unserer neuen Professoren Prof. Dr. Frank Stähler

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Jugend a. Was war Ihr Traumberuf, als Sie klein waren? Lokomotivführer oder Straßenbahnfahrer b. Was war Ihr Lieblingsfach in der Schule? Mathematik c. Wo haben Sie Ihr erstes Praktikum gemacht? Bremer Lagerhausgesellschaft Junger Erwachsener a. Was haben Sie studiert? Volkswirtschaftslehre b. Wieso dieses Studium? Ich habe mich damals für VWL entschieden, weil mich gesellschaftliche und ökonomische Zusammenhänge fasziniert haben. Allerdings wusste ich bei Einschreibung noch gar nicht genau, welche Methoden die VWL verwendet. Es war für mich, vielleicht im Gegensatz zu manchem Kommilitonen, eine sehr positive Überraschung, dass die VWL sowohl in der Theorie als auch in der Empirie streng formal orientiert ist. Mich hat das sofort begeistert. c. Was waren Ihre Schwerpunkte oder Vertiefungen? Im Studium habe ich mich nicht sehr spezialisiert, sondern mich für alle volkswirtschaftlichen Gebiete interessiert. Daneben habe ich mich damals mit regionalökonomischen Fragestellungen beschäftigt. d. Warum haben Sie die Laufbahn als Professor eingeschlagen? Mich hat die selbständige Arbeit an langfristigen Fragestellungen fasziniert. Außerdem betrachte ich es als ein Privileg, jungen Menschen in einer entscheidenden Phase Ihres Lebens etwas mit auf den Weg zu geben.

Aktuell a. Wie kam es dazu, dass Sie Professor in Tübingen wurden? Auf die Stelle habe ich mich sehr gerne beworben, da es für einen akademischen Volkswirt mit internationalem Schwerpunkt wohl kaum einen besseren Platz in Deutschland gibt. Irgendwie muss es mir dann gelungen sein, die Berufungskommission und den Fachbereich davon zu überzeugen, dass nicht nur ich es für eine großartige Idee halte, nach Tübingen zu kommen. b. Was zeichnet Ihre Lehre besonders aus? Auch wenn Vorlesungen nicht interaktiv sind, so versuche ich doch, in den Gesichtern der Zuhörer zu lesen, ob ich sie gerade zu Tode langweile oder völlig überfordere

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18 – und dann passe ich mich an. Ich habe kein enges Korsett für meine Vorlesungen, selbst wenn ich mit dem Beamer arbeite, und ich versuche, mich in die Rolle des Zuhörers zu versetzen: Würde ich gerne hierher kommen? Diejenigen, die kommen, und das müssen nicht immer alle sein, sollen etwas davon haben. Ansonsten könnte ich das auch über youtube abwickeln. c. Was wollen Sie den Studierenden vermitteln? Mit ist es wichtig, dass sich die Studierenden für ihr Fach begeistern können, und somit versuche ich, ihnen meine Begeisterung zu vermitteln. Ich erwarte auch, dass die Studierenden selbständig und kritisch

bleiben. Nur so können sie sich ihre Neugier erhalten. Dazu gehört auch, dass es in meinen Veranstaltungen um Verstehen und nicht um Auswendiglernen geht. Tübingen a. Wie gefällt Ihnen Tübingen? Tübingen hat sehr viel Charme und Ausstrahlung. Mir gefällt auch, dass ich hier soviel zu Fuß machen kann. b. Wo findet man Sie in Ihrer Freizeit? Meistens bei meiner Familie und manchmal, eher viel zu selten, beim Joggen.


Vorstellung unserer neuen Professoren Prof. Dr. Johannes Pfeifer

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Jugend a. Was war Ihr Traumberuf, als Sie klein waren? Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich einen Traumberuf hatte. Wahrscheinlich war ich dafür schon immer zu pragmatisch. Als jemand der in einem kleinem Winzerbetrieb groß geworden ist, wurde mir nur eines von meiner Familie eingeimpft: „Werde alles, nur bloß nicht Winzer!“ b. Was war Ihr Lieblingsfach in der Schule? In der Grundschule war dies Sachkunde. Später am Gymnasium war dann Sozialkunde mein Lieblingsfach. c. Wo haben Sie Ihr erstes Praktikum gemacht? Aufgrund meines Doppelstudiums an zwei unterschiedlichen Fachbereichen habe ich nie die Zeit für ein Praktikum gefunden. Ständig waren Klausuren oder Hausarbeiten zu schreiben. Da blieb leider keine Zeit für Praktika. Sie sehen ja, was deshalb aus mir geworden ist. Junger Erwachsener a. Was haben Sie studiert? Ich habe in Trier Volkswirtschaftslehre auf Diplom und Politikwissenschaft auf Magister studiert. Während eines Auslandsjahres an der University at Buffalo in Buffalo, New York habe ich dann einen Master in Economics gemacht, bevor ich schließlich in Bonn in quantitativer VWL promovierte.

b. Wieso dieses Studium? Weil ich dies aufgrund meines Interesses an wirtschaftlichen und politischen Themenstellungen irgendwie naheliegend fand. c. Was waren Ihre Schwerpunkte oder Vertiefungen? Im Bereich der VWL war dies zunächst die Makroökonomik mit besonderem Schwerpunkt auf „Geld, Kredit, Währung“. Aufgrund des integrierten Studienkonzeptes in Trier beinhaltete dies auch zahlreiche BWL-Finanzierungsveranstaltungen. Während meiner Promotion habe ich mich vor allem mit der Rolle von Unsicherheit im Konjunkturzyklus und struktureller Makroökonometrie beschäftigt. Im Bereich der Politikwissenschaft lagen meine Schwerpunkte im Bereich der Regulierung von Kapitalmärkten und der Rolle des Staates in der Entwicklungspolitik.

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20 d. Warum haben Sie die Laufbahn als Professor eingeschlagen? Was soll man als promovierter Volkswirt ohne Praktikumserfahrung schon anderes machen… Spaß beiseite: Einerseits, weil mir das Vermitteln von Wissen und das Weitergeben meiner Erfahrungen an Studenten Spaß macht. Andererseits, weil mir die Professorenlaufbahn die einmalige Freiheit gibt, Fragestellungen und Themenkomplexen, die mich besonders interessieren, tiefer auf den Grund zu gehen. Aktuell a. Wie kam es dazu, dass Sie Professor in Tübingen wurden? Als eine Juniorprofessur in Makroökonomik ausgeschrieben wurde, habe ich die Gelegenheit ergriffen und mich beworben. Ich hatte dann das Glück, dass ich die Berufungskommission überzeugen konnte. Danach ging alles sehr schnell. b. Was zeichnet Ihre Lehre besonders aus? Mir ist es wichtig, dass Studierende nicht nur Lehrbuchstoff auswendig lernen, sondern Konzepte und Techniken selbstständig anwenden können. Daher sind Übungszettel und Computerübungen ein wichtiges Instrument in meiner Lehre. Weil ich denke, dass Teamarbeit eine wichtige Qualifikation ist, die im Studium erlernt werden sollte, setze ich derzeit verstärkt auf Gruppenübungszettel. Außerdem ist das gegenseitige Helfen in solchen Arbeitsgruppen ein sehr effektives Instrument zur Erreichung der Lernziele und hilft bei der Integration von ausländischen Studierenden.

c. Was wollen Sie den Studierenden vermitteln? In kaum einem Zweig der Ökonomik ist die Lücke zwischen den Standardlehrbüchern auf Bachelor- und Masterniveau und der aktuellen Literatur größer als in der Makroökonomik. Daher versuche ich, Studierende an das Handwerkszeug der modernen Makroökonomik heranzuführen. Hierzu gehören vor allem auch Computerübungen, in denen Studierende lernen, selbstständig dynamische Modelle zu lösen. Ziel ist es, dass Studierende aktuelle Fachartikel aufschlagen können und zumindest im Prinzip verstehen, wie die dortigen Ergebnisse hergeleitet wurden. Tübingen a. Wie gefällt Ihnen Tübingen? Tübingen als Stadt gefällt mir sehr gut. Die Stadtsanierung ist so gut gelungen wie in kaum einer anderen Stadt. Besonders an sonnigen Tagen laden die vielen Grünflächen und Parkanlagen sowie die Neckarpromenade zum Verweilen ein. Außerdem hat die Stadt ein studentisches Flair, das mir sehr entgegenkommt. b. Wo findet man Sie in Ihrer Freizeit? Schwierige Frage. Welche Freizeit? Auch wenn die Antwort langweilig ist, blieb zwischen Umzug, Lehre, Bürokratie, Forschung und Konferenzen in meinen ersten 6 Wochen leider nur wenig Freiraum. Ich hoffe, dass sich dies bald ändert und ich dann auch bald die Stadt und die lokale Kulturlandschaft etwas mehr erkunden kann.

D ie I nterviews wurden durchgeführt von S abine E ppinger & T eresa F iolka


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Das WiWi-Netzwerk Ein gutes Jahr ist es jetzt her, dass sich 22 freudige und engagierte Gründungsmitglieder im Gebhard-Müller-Saal getroffen haben, um etwas Historisches zu schaffen. Die Gründung des ersten und

erlangen oder über den möglichen Arbeitgeber mehr zu erfahren.

einzigen Alumni- und Fördervereins des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaft der Eberhard Karls Universität Tübingen, dem WiWi-Netzwerk Tübingen e.V.

den erste Kontakte geknüpft und einige Praktika haben sich dadurch auch schon ergeben. Im nächsten Semester wird es eine Veranstaltung zu dem Thema „Investor Relations“ von der Dürr AG geben.

Seitdem ist viel Schweiß und harte Arbeit in den Verein und die damit verbundene Vision geflossen. Der Vorstand und die Mitglieder können auf ein bewegtes Jahr mit ersten kleinen Erfolgen zurückblicken. Nun geht es mit großer Vorfreude auf neue Aufgaben und die kommenden Veranstaltungen in das zweite Jahr. Wir möchten noch einmal die Gelegenheit nutzen, euch den Verein und die kommenden Veranstaltungen näher zu bringen: Ziel des Vereins ist es, die Vernetzung zwischen den Studierenden, den Alumni und der Wirtschaft zu fördern. Aus dieser Symbiose soll für alle Mitglieder des Vereins ein Nutzen entstehen und wachsen. So sollen Studierende über den Verein die Möglichkeit bekommen, von den Alumni zu lernen und Kontakte in die Wirtschaft zu

Bei den Veranstaltungen von Ernst & Young, Hays und Oliver Wyman wur-

Des Weiteren veranstaltet das WiWiNetzwerk am 29.06.2012 ein 10-YearsAfter, bei dem ehemalige Studierende und Professoren nach Tübingen eingeladen werden, um in alten Erinnerungen zu schwelgen. Das Treffen soll am 30.06.2012 mit einem Weißwurstfrühstück und einer anschließenden Stocherkahnfahrt auf dem Neckar abgerundet werden. Wenn Du mehr über das WiWi-Netzwerk erfahren möchtest oder ein Teil unseres Netzwerks werden möchtest, dann schau doch mal unter www.wiwinetzwerk.com vorbei.

V on J essica F erklass & M aximilian K ittner

WiWi-Fakultät


22

Die verfasste Studierendenschaft

Wenn dieser Artikel erscheint, ist vieles vom Inhalt mit großer Wahrscheinlichkeit schon wieder Schnee von gestern. Denn im Moment passiert viel Spannendes im Zusammenhang mit der Verfassten Studierendenschaft. Aber was steckt eigentlich hinter diesem bürokratischen Begriff? Bis zum Jahr 1977 wurde im Land Baden-Württemberg jeder Studierende durch seine Immatrikulation Teil der sogenannten Studierendenschaft. Wenn diese dann auch noch eine eigenständige öffentlich-rechtliche Körperschaft war und ihre Rechte und Pflichten durch das Gesetz geregelt wurden, sprach man von der Verfassten Studierendenschaft. Diese wurde vor mehr als 30 Jahren dann durch den Allgemeinen Studierenden Ausschuss ersetzt. Dadurch schränkte die damalige Regierung das Mitspracherecht der Studenten beträchtlich ein, so hat der AStA im Endeffekt wenig Rechte. Die (politische) Interessenvertretung ist nicht seine Aufgabe, nur über geistige, kulturelle, musische und sportliche Belange darf er sich in beschränkter Weise äußern. Während in allen anderen Bundesländer –außer Bayern – die Verfasste Studierendenschaft als eine Teilkörperschaft der Universität existiert, wurde die Wiedereinführung im Ländle erst durch die neu gewählte rot-grüne Landesregierung initiiert. Verankert im Koalitionsvertrag ist dieser Schritt wohl noch wichtiger als die bereits erfolgte Abschaffung der Studierendengebühren. Studenten brauchen ein mündiges Organ in dem sie Verantwortung übernehmen und zu politischen Belangen Stellung beziehen können.

Wichtig für die Gesetzesnovelle sind dabei vor allem die folgenden Punkte. Wichtig ist die Verfasstheit an sich, denn nur wenn die VS als Körperschaft des öffentlichen Rechts eine juristische Person ist, kann sie als solche agieren und zum Beispiel Verträge mit den Stadtwerken bezüglich des Semestertickets aushandeln. Momentan ist dies vielerorts – wie auch bei uns – noch Aufgabe des Studentenwerks, bei denen die Studierenden kaum Einfluss üben können. Inwieweit sich die Zuständigkeiten, und somit die Chance das Studentenwerk auch studierendenfreundlicher zu gestalten, verschieben werden, ist momentan noch nicht in Stein gemeißelt. In jedem Fall hat die Studierendenschaft durch die VS ein höheres Gewicht als politischer Verhandlungspartner gegenüber sämtlichen andern Akteuren. Um ihre Aufgaben als Vertretung wahrnehmen zu können, erhebt die VS pro Semester Mitgliedsbeiträge von ihren Mitgliedern, also von allen Studierenden. Dieser Betrag kann jedoch nicht beliebig hoch sein, sondern muss gerechtfertigt sein und wird wahrscheinlich zwischen 5 und 13 Euro liegen. Das mit dem Semesterbeitrag eingezogene Geld dient zur Finanzierung der Arbeit der studentischen Gremien, von Büromaterial über nachhaltige Hochschultage bis hin zu Fahrradwerkstätten muss damit alles gedeckt werden. Zur Kontrolle der Finanzen muss die VS einen Sachverständigen bestellen, der ausreichend qualifiziert ist. Allerdings besteht der Sinn der Studierendenschaft nicht darin das Geld ihrer Kommilitonen zu verwalten,


23 sondern diese (politisch) zu vertreten. Hierbei ist es wichtig, dass jetzt möglich wird, was die letzten dreißig Jahre nicht der Fall war: Eine Äußerung der studentischen Vertreter zu allen die Studierenden betreffenden Themen, was im Endeffekt alle gesellschaftlichen Themen sind, sei es rassistische Übergriffe oder gebührenfreier Nahverkehr. In Baden-Württemberg gibt es viele verschiedene Hochschulen; von großen Universitäten wie der Unseren über Fachhochschulen oder kleinere Musikhochschulen die weniger Studenten haben als an unserem Fachbereich immatrikuliert sind. An all diesen verschiedenen Orten sind in der Vergangenheit verschiedene Modelle gewachsen, die sich jeweils als sinnvoll erwiesen haben. Dazu kommt die relativ hohe Komplexität der VS mit ihren vielen Gremien und Organen, um Studierende auf möglichst vielen Ebenen einzubringen. Während des Ausarbeitungsprozesses des Gesetzesentwurfs hat sich gezeigt, dass es kein perfektes Modell für die verschiedenen Gegebenheiten gibt. In das Landeshochschulgesetz sollen somit auch nur gewisse Kernelemente festgeschrieben werden; die Ausgestaltung bleibt in der Hand der einzelnen Hochschulen. Sollten diese aus irgendeinem

Grund nicht erfolgen – zum Beispiel durch fehlendes Engagement – greift ein parlamentarisches Ersatzmodell. Es können auch mehrere Satzungsmodelle vorgeschlagen werden, letztendlich entscheiden die Studierenden jeder Hochschule in einer Urabstimmung selbst, welches Modell sie bevorzugen. Im Gespräch sind hierbei hauptsächlich ein parteidurchtränktes Studentenparlament und eher basisdemokratisch orientierte Fachschaftsmodelle, wie die momentan in Tübingen existierende erweiterte Fachschaftenvollversammlung, in der alle Fachschaften und politischen Gruppen eine Stimme haben. Diese Satzungsautonomie ist wohl der zentrale Bestandteil für eine funktionierende, arbeitsfähige Studierendenschaft. Es liegt also viel Arbeit vor uns, aber auch die Möglichkeit die Geschichte der Tübinger Studierendenvertretung nachhaltig positiv zu prägen, wenn Ende Juni das Gesetz hoffentlich im Landtag verabschiedet wird. Wer hierbei aktiv mitarbeiten möchte, ist herzlich willkommen mittwochabends um 18 Uhr zum Arbeitskreis in das Clubhaus zu kommen!

WiWi-Fakultät

Von Pia Kramer


24

Nicht mehr über Gebühr

Eigentlich sollte dies hier eine Trauerrede anlässlich der Beerdigung der Studiengebühren in Baden-Württemberg werden. Im Sommersemester 2007 erhoben die Hochschulen in BaWü erstmals Studiengebühren in Höhe von 500 Euro; im letzten Semester wurden sie wieder abgeschafft. Die Studiengebühr wurde also nur fünf Jahre alt. Trauer erschien angemessen, weil die Studiengebühren jedes Jahr rund 140 Millionen Euro in die klammen Hochschulkassen spülten – das sind knapp 10 Prozent der Summe, die das Land für die Hochschulen aufbringt. Verwendet wurden die zusätzlichen Mittel für mehr Lehrkräfte, zur Verbesserung der Ausstattung der Bibliotheken und der EDV, für mehr Studienberatung und ein Zusatzangebot an Schlüsselqualifikationen. Die wirtschaftswissenschaftliche Bibliothek in Tübingen finanzierte durch Studiengebühren beispielsweise 2011 die Erweiterung ihrer Öffnungszeiten oder die Anschaffung von 427 aktuellen Lehrbüchern im Wert von 22.500 Euro. Sind die Tutorien nun ohne Studiengebühren noch voller als zuvor, werden langfristig weniger aktuelle Lehrbücher in den Bibliotheken vorhanden sein und wird manch eine Veranstaltung gestrichen? Nein ist hierauf die klare Antwort. Die grün-rote Landesregierung ersetzt durch staatliche Qualitätssicherungsmittel den Wegfall der Studiengebühren für Hochschulen – dies berücksichtigt Ausnahmen und Befreiungen von zuletzt 44

Prozent. Die Befreiungen wurden von der „Geschwisterregelung“ mit fast 28 Prozent dominiert. Ausgehend von 500 Euro pro Semester ergibt sich für jeden Studierenden ein Nettobetrag von 280 Euro pro Semester, der den Hochschulen zufließt. Dieses Modell ist zukunftsträchtig: Wenn die Zahl der Studierenden steigt, erhalten die Hochschulen anteilig mehr Geld. Im Jahr 2012 können die Hochschulen mit Qualitätssicherungsmitteln in Höhe von 150 Millionen Euro rechnen. Dies ist mehr als zuvor die Studiengebühren eingebracht haben. Nun wurde aus einer Trauerrede eine Festrede. Anlässlich einer Beerdigung erscheint dies etwas makaber, ist aber aus studentischer Sicht durchaus vertretbar.

V on A madeus M üller


25

Das Weltethos-Institut Ob Empörung über wuchernde Managerboni in Zeiten der Eurokrise, ein enthemmter Finanzkapitalismus und die weltweite Occupy-Bewegung, oder die steigende Zahl an Burn-Outs, die Forderung nach einem gesellschaftlichen Diskurs über verantwortliches Wirtschaften und ethischem Miteinander wird lauter. Als Reaktion auf diese Forderung kann der starke Zulauf, den die studentischen Gruppen wie oikos, Sneep und die Gruppe für post-autistische Ökonomie in den letzten Jahren erfahren haben, gesehen werden. Diese studentischen Gruppen haben es sich zur Aufgabe gemacht, die herrschenden Verhältnisse des Wirtschaften und Paradigmen der Wirtschaftswissenschaft zu überdenken und sie hin zu einer nachhaltigeren, ethischen Ökonomie zu führen, welche auch in der Lehre verankert wird. Ein Vordenker dieses gesellschaftlichen Diskurses ist Prof. Hans Küng, der bereits 1995, ausgehend von seinem Buch "Projekt Weltethos", die Stiftung Weltethos in Tübingen gründete. Ausgangsbasis war die Vision eines globalen Bewusstseinswandels im Ethos. So sei ein friedliches Miteinander auf ethische Werte zurückzuführen, welche auch für eine globalisierte, multikulturelle Welt gelten. Als Aufgaben nennt die Stiftung unter anderem interkulturelle und interreligiöse Forschung und Bildungsarbeit. Vielen Tübingern ist die Stiftung insbesondere durch die

jährliche Weltethosrede ein Begriff. Dort trugen bereits namhafte Redner wie beispielsweise Tony Blair, Kofi Annan und Helmut Schmidt ihren Teil zum Projekt Weltethos bei. Der diesjährige Referent Prof. Claus Dierksmeier, der mit der Rede "Wie sollen wir wirtschaften? Weltethos im Zeichen der Globalität" begeisterte, wird zukünftig als Direktor des von der Stiftung Weltethos an der Universität Tübingen im April 2012 neu gegründeten Weltethos Instituts wirken. Das Weltethos Institut bietet neben Grundlagenforschung und wissenschaftlicher Fundierung der Idee eines Weltethos unter anderem auch ein Lehrangebot für Studierende der Universität Tübingen an. So sind in diesem Sommersemester vier Kurse des Instituts als Schlüsselqualifikationen für Wirtschaftswissenschaftler anrechenbar. Von den angebotenen Veranstaltungen „Berufsethos und innere Haltung", „Ethische Entscheidungsfindung – ethische Dilemmata", „Unternehmensethische Fallstudien", sowie „Interkulturelle Kompetenz – Hinduismus" soll das Seminar „Unternehmensethische Fallstudien" als Beispiel kurz vorgestellt werden. Unter der Leitung von Herrn Clemens Müller-Störr werden wöchentlich Gastredner aus der Wirtschaft eingeladen.

WiWi-Fakultät


26 Nach einer kurzen Einführung in das Wochenthema innerhalb des Seminars hält der Referent einen Vortrag und schließt mit einer offenen Diskussion ab. Zu den Gästen gehören beispielsweise private Unternehmer oder Referenten für Unternehmensethik bei Daimler. Sie behandeln Themen wie Social Corporate Responsibility, die Bedeutung von verantwortlichem Zusammenarbeiten oder Zielkonflikte in Unternehmen, wie zum Beispiel die schwierige Aufgabe Mitarbeiter zu entlassen. Die entspannte Atmosphäre von ungefähr dreißig Studierenden aus verschiedenen Studienrichtungen bietet eine breite Blickweise auf wirtschaftswissenschaftliche Themen und Problemstellungen. Die Notengebung erfolgt durch mündliche Prüfungen und der Vorstellung des wöchentlichen Themas zu Beginn des Vortrags. Somit bietet das Lehrangebot des Instituts eine gewinnbringende Bereicherung für Studierende der Wirtschaftswissenschaften und wird von den teilnehmenden WiWis wärmstens

empfohlen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Weltethos Institut und Fachbereich ist von Studierendenseite sehr wünschenswert, z.B. durch Erhöhung des Lehrangebots bei Unterstützung durch den Fachbereich. Insbesondere in Anbetracht der Pflicht-Schlüsselqualifikations-Kurse im Umfang von 9 Credits in den neuen Prüfungsordnungen ist hier mit einer höheren Nachfrage zu rechnen. Inwiefern eine tiefergehende Verzahnung gewollt und wahrscheinlich ist, bleibt offen. Jedoch gibt die Ernennung von Bundespräsident a.D. Horst Köhler als Präsident der Stiftung Weltethos und Nachfolger von Hans Küng ab März 2013 Grund zur Hoffnung. So gibt es durch die Verbindung Horst Köhlers als Alumnus der Wirtschaftswissenschaft Tübingens und die Honorarprofessur eine direkte Verbindung zum Fachbereich und lässt auf einen Ausbau der Beziehungen hoffen. Die Fachschaft wird an dem Thema dranbleiben.

V on J ohannes D ebelius


Desierto Florido e.V. Vorstellung einer Hochschulgruppe

27

Über unseren Verein Wir sind eine Gruppe junger Menschen, die etwas Wichtiges verbindet: Die Motivation, sich für die Verbesserung der Lebensverhältnisse in Lateinamerika zu engagieren und in unserem sozialen Umfeld das Interesse und Problembewusstsein für den Kontinent zu wecken. Aus diesem gemeinsamen Anliegen heraus entstand im Jahr 2004 der Verein Desierto Florido e.V. Desierto Florido bedeutet blühende Wüste. „Wenige Regentropfen können einen ausgedörrten Boden in eine blühende Wüste verwandeln. Auch wir verstehen uns als einen sol chen Tropfen, der etwas verändert.“ Gemeinsam mit unseren Spendern leisten wir finanzielle Unterstützung für

soziale Projekte in Lateinamerika. Darüber hinaus organisieren wir kulturelle und entwicklungspolitische Veranstaltungen mit Bezug zu Lateinamerika, wie beispielsweise unsere Lateinamerikanischen Aktionstage „Lärm aus dem Süden“ (2011). Die von uns geförderten Projekte sind aus lokalen Initiativen entstanden, welche auf verschiedene Weise sozialen Missständen entgegenwirken. Kernpunkte der Projekte sind Ernährungssicherheit, medizinische Versorgung, Bildung und Kultur. Unsere Projekte Die Casita Colectiva in Mendoza, Argentinien Die Casita Colectiva (Das kollektive Häuschen) ist ein beeindruckendes Beispiel für die Vernetzung mehrerer lokaler sozialer Gruppen mit denselben Zielen: Eine sozial, ökologisch und ökonomisch gerechtere Gesellschaft. Eine Gesellschaft ohne Armut und Hunger, in der niemand diskriminiert wird und in der sich nicht einige wenige auf Kosten von vielen Menschen bereichern. Jede Gruppe verfolgt andere Wege um diese Ziele zu erreichen. Durch die Unterhaltung von gemeinsam genutzten Räumlichkeiten wird der Austausch und Diskussion der Gruppen angeregt und Raum geschaffen für vielfältige Veranstaltungen. Seit dem Jahr 2004 unterstützt Desierto Florido e.V. die Miete für die Räumlichkeiten der Gruppen, die heute in der Casita vereinigt sind.

WiWi-Fakultät


28 Inmensa Esperanza (Suppenküche, Kulturzentrum, Familienwohnheim) Anfang 2004 begann die Förderung durch Desierto Florido e.V. Die Suppenküche bekam den Namen "Inmensa Esperanza" und weitete seine Aktivitäten im Laufe der Zeit auf kulturelle Angebote, Fortbildungs- und Freizeitveranstaltungen aus und wurde darüber hinaus Ende 2008 zum Wohnheim für zwei bedürftige Mütter mit ihren Kindern. Medizinische Hilfe in Peru Ziel unserer Partnerschaft ist es, die medizinische und psychosoziale Betreuung der Menschen in Chilca und San Antonio zu verbessern, da die Gesundheit die Voraussetzung für eine positive Entwicklung der übrigen Lebensbereiche ist. Medizinische Hilfe soll dabei vor allem auch in Bereichen ermöglicht werden, die vom SIS ("Seguro Integral de Salud" - Basisversicherung für Menschen in Armut und extremer Armut) vernachlässigt werden. Mit unserer Arbeit übernehmen wir ein Stück globale soziale Verantwortung und laden euch herzlich ein, dies ebenfalls zu tun. Wir würden uns sehr über neue interessierte Mitglieder freuen und laden euch herzlich ein an unseren regelmäßigen Treffen immer dienstags, 20 Uhr im Fichtehaus (Herrenberger Str. 40) teilzunehmen!

V on F arrah F rick


29

Das Pr端fungsamt informiert Zwischenpr端fung

Wintersemester 2011/12 Haupttermin Februar 2012 Klausur

Teilnehmer

nicht bestanden

Durchfallquote

Durchschnitt

Haupt

Neben

Haupt

Neben

Haupt

Neben

Haupt

Neben

BW WI

41

10

3

2

7,32%

20,00%

2,96

3,16

EDA

260

41

32

13

12,31% 31,71%

2,79

3,60

Einf Wiwi

214

115

22

48

10,28% 41,74%

2,56

3,87

I&F

158

26

34

13

21,52% 50,00%

3,14

3,88

Makro I

133

24

12

9

9,02%

37,50%

2,80

3,75

Mathe

263

81

43

44

16,35% 54,32%

2,93

4,11

QM

170

15

21

6

12,35% 40,00%

2,69

3,91

ReWe

263

35

18

12

6,84%

34,29%

2,15

3,40

P-Recht

189

4

8

1

4,23%

25,00%

2,59

3,73

Nachholtermin April 2012 Klausur

Teilnehmer

nicht bestanden

Durchfallquote

Durchschnitt

Haupt

Neben

Haupt

Neben

Haupt

Neben

Haupt

Neben

BW WI

15

3

1

2

6,67%

66,67%

2,75

4,33

EDA

85

15

12

6

14,12% 40,00%

2,82

3,93

Einf Wiwi

110

65

2

18

1,82%

27,69%

1,78

3,25

I&F

111

20

15

6

13,51% 30,00%

2,93

3,81

Makro I

114

19

9

11

7,89%

57,89%

2,68

4,05

Mathe

81

50

12

32

14,81% 64,00%

2,85

4,29

QM

25

7

4

5

16,00% 71,43%

3,17

4,67

ReWe

64

24

10

9

15,63% 37,50%

2,70

3,78

P-Recht

46

0

3

0

6,52%

2,57

---

Durchfallquoten

----


30

PURA VIDA im Nationalarchiv Costa Rica

Eine etwas andere Bachelor-Arbeit Costa Rica… Sommer, Sonne, Sonnenschein. Karibik, weiße Sandstrände, Ökotourismus, Dschungel und bunt schillernde Vögel gehören zu den ersten Assoziationen, die mit diesem exotischen Fleckchen Erde verbunden werden. Oft hört man auch von der „Schweiz Mittelamerikas“ reden, wenn es um das besondere Land geht, das ich unterstützt von Professor Baten und seinem Lehrstuhl für Wirtschaftsgeschichte im Rahmen meiner kleinen zweimonatigen Forschungsmission näher kennenlernen durfte. Moment. Forschungsmission? Costa Rica? Bachelor-Arbeit unter Palmen, oder wie? Nun, nicht ganz. Aber fast. Archivrecherche. Datensammeln. Selbstständiges empirisches Arbeiten. Die touristisch nur marginal weniger attraktiven Hallen des „Archivo Nacionals“.

Soviel zu den primären Assoziationen, die im Vordergrund meines Aufenthalts in Mittelamerika standen. Dazu noch ein Projekt der aktuellen wirtschaftsgeschichtlichen Forschung mittels sogenannter „Age-Heaping-Analysen“. Meine Forschungsmission bedeutete also Dokumente aus dem 18./19. Jahrhundert aufspüren, die selbstgetroffene Altersangaben beinhalten, mittels dieser die rechnerischen Fähigkeiten der Bevölkerung und damit die Bildungssituation der damaligen Zeit geschätzt, sowie mit anderen Ländern verglichen werden kann. Ziel war es, mittels eventueller neuer Funde aus Mittelamerika, ökonometrische Analysen zu vollziehen und diese in meiner Bachelorarbeit zu thematisieren. Vorherige Absprachen mit Verantwortlichen im Archiv gestalteten sich schwierig, da auf meine Fragen nur geantwortet wurde, dass insgesamt 8 km (!) Datenmaterial auf meine Inspektion warten würde, konkrete Nachfragen allerdings nur vor Ort Sinn machen würden. Schließlich kam ich nach gemeistertem Endlos-Flug an und ließ mich von dem hilfsbereiten Personal in die Arbeitsweisen des Nationalarchivs inmitten des Universitätszentrums von San José einweisen. Die Freude über die Funde von Tabellen und Statistiken verschiedener Regionen und Städte wurde jedoch schnell getrübt von der Nachricht, dass all die von mir herausgesuchten Dokumente seit 1998 aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht mehr eingesehen, bzw. vervielfältigt werden können. Kein Scherz. Selbst die Universität von San José und somit die Forschung vor Ort hat keinen Zugriff mehr auf die Dokumente, solange


31 sie sensible und demnach Individualdaten enthalten. (Notiz: Korruption ist dort nicht weit verbreitet – meine Bestechungsversuche blieben erfolglos). Meine Kontaktaufnahme zu Professoren und dem „Centro de Investigaciones Historicas de America Central (CIHAC)“ vermochte leider nichts an dieser fragwürdigen Regelung zum Schutz der Privatsphäre der inzwischen seit vielen Jahrzehnten unter der Erde liegenden Costa Ricanern zu ändern. Dennoch konnte ich eine umfassende Übersicht über das vorliegende Datenmaterial erstellen. Nun bleibt es zu hoffen, dass sich die gesetzlichen Bedingungen eines Tages ändern werden (Das heißt: Potenzielle neue Bachelor-Arbeiten, bestimmt auch für 12 ECTS!). Trotz dieser Enttäuschung zahlte sich mein hartnäckiges Nachforschen aus, da ich durch kontinuierliches Herumfragen auf einen interessanten Datensatz stieß, der vor 1998 von Forschern des CIHACs zusammengestellt wurde und nun aktuell für meine komparativen Studien genutzt wird. 24.000 Daten nahm ich also wieder mit nach Deutschland sowie die Erkenntnis, weiterhin nicht locker zu lassen, nicht aufzugeben und vor allem nicht aufzuhören, nachzufragen (egal, wie semi-perfekt die Fremdsprachkenntnisse auch sein mögen). Für jeden, der auch erfahren möchte, wie es sich anfühlt, zweihundert Jahre alte, für Land und Leute entscheidende Dokumente in der Hand zu halten und was es bedeutet, eigenständig empirisch zu arbeiten, dem kann ich nur empfehlen, sich selbst auf Mission zu begeben. Und für alle anderen gibt’s zum Abschluss noch

ein - PURA VIDA! - das entspannte Lebensmotto der Ticos, das mir in- und außerhalb der stillen Hallen des Nationalarchivs eine unvergessliche Zeit mit Palmen, Sonne, Karibik, weißen Sandstränden, Ökotourismus, Dschungel und bunt schillernden Vögeln bescherte und dessen Essenz gerade uns Always-Busy-Bachelor-Wiwis ab und zu ganz gut tut.

Auslandsberichte

V on J osefine K oebe


32

Sommer, Sonne, Sonnenschein

California State University Fullerton; USA Kalifornien hält, was es verspricht! Nicht einmal seit 4 Stunden in Los Angeles gelandet und schon mit einem Surfbrett auf der Ladefläche des Trucks, mit maximalen 104kmh (65mph), auf dem achtspurigen Highway ab zum Strand bei blauem Himmel und 30°C (86F). „If you’re coming to …“ Southern California, solltest du dich auf eine geniale Zeit einstellen, am besten daheim vorschlafen, Regen in Deutschland genießen, Hamburger und mexikanisches Essen mögen und Mathe bzw. Statistik nicht zu sehr vermissen. Frisch angekommen musste man sich erst einmal an die neue Umgebung gewöhnen. Kein einziges Maß ist das Gleiche, egal ob DIN, Liter, kg oder m2 – gewöhn dich um! Naturgemäß finden internationale Studenten sehr schnell zusammen und ich knüpfte schnell Freundschaften mit Leuten aus allen Teilen der Welt. Weil viele nur ein Semester da sind, bleibt nicht viel Zeit, um voll durchzustarten. Der Großraum LA ist der perfekte Ausgangspunkt für Reisen, was natürlich ausgenutzt werden muss. LA, Huntington Beach, San Diego, San Francisco, Las Vegas, Grand Canyon, Nationalparks, Mexico – alles gut erreichbar. Inlandsflüge sind meist recht günstig und brachten mich

nach NY, Boston, Miami, Indianapolis und Hawaii. Nebenbei studieren noch 50 weitere Tübinger in Kalifornien und viele mehr in den USA. Mit etwas Geschick lässt sich somit oftmals eine günstige Übernachtungsmöglichkeit arrangieren. Ich war froh, zwei Semester hier zu sein, so konnte ich deutlich mehr Amerikaner kennenlernen und außerdem alle Ziele abarbeiten, aber auch in einem Semester kommt man nicht zu kurz. Immer wieder musste ich mir dann aber von der Freizeit frei nehmen und mich um die Uni kümmern. Obwohl ich Economics & Business Administration studiere, habe ich mich hier als Political Science Major eingeschrieben. Wie erwartet, haben die Amerikaner eine sehr viel selbstbezogenere Sicht auf weltpolitische Ereignisse. Trotzdem haben die Kurse mein Verständnis für amerikanische Politik deutlich verbessert. Außerdem belegte ich zwei Kurse in Finance und einen in International Economics. Es ist klasse, dass Profs hier praktische Erfahrung haben und beispielsweise Aktienoptionen nicht nur als mathematische Formeln sehen, sondern auch ein praktisches Verständnis von Nutzen, Risiken und Umgang lehren. Insgesamt hatte ich das Gefühl, hier besser auf die Arbeit in einem Unternehmen vorbereitet zu werden.


33 ABER ohne theoretische, mathematische Berechnung ist es schwieriger grundlegende Konzepte zu verstehen. Da alles praktisch erklärt wird, fällt es Studenten hier schwerer, Gelerntes auf andere Fälle anzuwenden und deshalb gibt es in vielen Kursen einen Study Guide, in dem schon recht genau bekannt gegeben wird, was abgeprüft wird. Am Ende habe ich die, in Tübingen oft nicht gerade beliebte, Theorie schon manchmal vermisst. Als Internationaler kannst du und solltest du auch fachfremde Kurse wählen. Das Angebot in Fullerton ist riesig und ich entschloss mich, Surfen und Tennis zu vertiefen. Außerdem gibt es jede Menge Clubs und Campusaktionen, die sich lohnen. Ich hatte ein wunderbar ereignisreiches Jahr und Fullerton ließ keine Wünsche unerfüllt: Ob akademisch, sportlich, kulturell, partymäßig, reisetechnisch oder wettermäßig – SoCal is the place to be!

V on T homas A rnold

Auslandsberichte


34

Minen, Mumien und Micheladas!

Universidad de Guanajuato, Mexiko Angenommen, dir gefällt Tübingen mit all seinen Facetten, du hast aber ein Problem mit Winterdepressionen, schlechtem Wetter und generell mit der schwäbischen Sprache. Wenn es euch also genauso geht wie mir, kann ich euch ein Auslandssemester im Hochland Mexikos ans Herz legen. Die Stadt, Guanajuato mit Namen, liegt im gleichnamigen Bundesstaat in Zentral Mexiko und zählt 120.000 Einwohner. Ende des 19. Jahrhunderts wurde in den Minen Guanajuatos in hohem Maße Silber gefunden, weshalb die Stadt in dieser Zeit viel Reichtum genoss. Dies spiegelt sich hier in der Architektur wider, was dazu führte, dass die Stadt zum UNESCOWeltkulturerbe ernannt wurde. Von der Größe und Beschaffenheit her kann man die Stadt mit Tübingen vergleichen, sodass bei mir bereits nach drei Tagen die Frage aufkam „Guanajuato, warum bist du so hügelig?“ Die etwas schlechteren Straßenverhältnisse, der sehr turbulente Straßenverkehr und die eben erwähnten signifikanten Höhenunterschiede in der Stadt lassen einen doch auf das Fahrrad verzichten. Stattdessen nutzt man hier gern den transporto publico, der wiederum sehr erschwinglich ist. Man fühlt sich jedoch schnell wie Gandalf unter den Hobbits, da die Mexikaner im Schnitt doch etwas kleiner geraten sind und sich die Beinfreiheit in den Bussen an die Bevölkerung angepasst hat. Als Europäer steht man daher auch mal gerne im Bus.

Vom Klima her kann man es in Guanajuato sehr gut aushalten. Die Stadt liegt 2000 Meter über dem Meer und ist für mexikanische Verhältnisse eher kühl: Im Sommer gern 35 Grad und kein Schatten in Sicht, im Winter 10 Grad und auch gut windig. Da für Mexikaner „Heizung“ ein Fremdwort ist, muss man im Winter aufpassen. 10 Grad draußen = 10 Grad im Zimmer. Von daher kommt man im Winter selbst hier nicht ohne dicke Steppdecke aus. Regen gibt es fast nie. Gelegentlich von August bis November, jedoch nicht allzu oft. Aber wenn es regnet, dann regnet es richtig. Die schlecht ausgebaute (oder fehlende) Kanalisation verwandelt die Straßen dann auch mal gern in knietiefe Strömungen. Die mexikanische Küche ist etwas gewöhnungsbedürftig. Tacos, Burritos, Quesadillas oder Hamburguesas sind gewöhnliches Fast Food, welches sehr kostengünstig zu erwerben ist. Dabei ist jedoch Vorsicht geboten. Billiger ist hier nicht immer besser. So kann es schnell vorkommen, dass sich der gute Montezuma an einem rächt. Man sollte sich von daher bei Freunden erkundigen, wo man ohne Probleme gut essen kann. Wer scharfes Essen mag, wird sich hier sehr wohl fühlen. Standardmäßig zu jedem Essen (und Trinken) werden Limonen und Salsa geliefert. Wie die Überschrift schon andeutet, eine „Michelada“ ist einfach ausgedrückt ein Bier gemischt mit Salsa und Limone. Davon kann ich aber nur abraten,


35 da der Geschmack für uns Europäer sehr ungewöhnlich ist. Was die Abendgestaltung angeht, hat Guanajuato auch viel in petto. Für Freunde des Top10 stehen hier zwei große Clubs zur Auswahl. Möchte man hingegen eher Salsa, Rumba oder Cumbia tanzen, stehen dafür weitere Bars zur Verfügung. Weiterhin gibt es einen Irish Pub, wie auch eine Reggaebar. Alle Bars sind ziemlich zentral gelegen, sodass man ohne Probleme zu Fuß nach Hause kommt. Sollte man dazu nicht mehr imstande sein, kann man ohne große Unkosten auch ein Taxi nehmen. Guanajuato ist die Geburtsstätte des größten Kulturfestivals Mexikos, dem sogenannten Cervantino. Dies dauert fast den ganzen Oktober und versetzt die Stadt derweil in einen Ausnahmezustand. Millionen von Touristen zieht es in diesem Monat nach Guanajuato. Verständlich, da es täglich zahllose Konzerte, Ausstellungen und andere Events kostenlos zu sehen gibt. Abgesehen vom Cervantino spielt jede Woche das Sinfonieorchester in einem der fünf Theater, die es hier in Guanajuato gibt. Die Tickets dafür kann man kostenlos in der Uni bekommen. Ach ja Guanajuato hat auch eine Uni... Das „DCEA“ (Division de Ciencias economico administrativas), wo die Veranstaltungen abgehalten werden, befindet sich überraschenderweise auf einem Berg, was die Anreise mit dem Fahrrad wieder unmöglich macht. Die Klassen sind relativ klein und selten größer als 20 Personen. Mit den Professoren ist man schnell per Du und trifft sich ab und an später auch zum Plausch in einer Bar. Vom Niveau her

kann Guanajuato sehr gut mit Tübingen mithalten. Von den Unis in Mexiko, an denen man VWL studieren kann, ist Rankings zufolge Guanajuato unter den Top 3. Das merkt man den Profs und den Inhalten der Veranstaltungen auch an. Im Gegensatz zu Tübingen gibt es hier mehrere Teilprüfungen, sowie Case-Studies und andere Hausaufgaben, die alle mit in die Endnote eingehen. Die Uni ist sehr gut mit Computern ausgestattet und weiß diese auch zu nutzen. Ein Beispiel wäre die Klasse von Econometria II, wo wir mit Matlab, Gretl und R arbeiten. Alle Klassen, die hier besucht werden, sind vierstündig und die Profs nutzen in ihren Klassen ausschließlich Whiteboards und nie den Beamer. Weiterhin ist der Bestand der Bücher in der Bibliothek ausreichend und man muss fast nie auf sein Buch warten. Es sind ebenso immer spanische und englische Versionen verfügbar. Ein weiterer Vorteil in Guanajuato ist, dass es fast keine anderen Austauschstudenten gibt und die Mexikaner sehr offen gegenüber Austauschstudenten sind. Demnach fällt es leicht, sich hier zu

Auslandsberichte


36 integrieren und die Sprache zu erlernen. Bereits in der ersten Woche wurde ich von meinen Mitstudierenden zum Campen in den Bergen eingeladen. Später folgten Ausflüge zum Strand und in die Berge. Was die Wohnungen anbetrifft, kann ich nur empfehlen, sich im Voraus schon im Internet zu erkundigen (http://www. compartodepa.com.mx oder http://micasaenguanajuato.com/), da es hier keine Studentenwohnheime gibt. Aus meiner Sicht ist dies ebenfalls ein Vorteil, da man so immer mit Einheimischen zusammenwohnt und man auf diese Weise am besten Spanisch lernt. Um die Verpflegung braucht man sich hier im Allgemeinen auch keine Sorgen machen. Wenn man die Straßen entlang geht, merkt man schnell, dass sich Tacostände und Tienditas (kleine Läden, wo man allen Ramsch kaufen kann) alle 30 Meter abwechseln. Schlussfolgern kann man demnach, dass jeder hier in Guanajuato nebenberuflicher Taco-Verkäufer ist,

oder jeder noch nebenbei einen Laden besitzt, wo man die Kinder schuften lässt. Was man an Guanajuato jedoch bemängeln könnte, ist, dass man zwar in einer Stadt lebt, jedoch alles eben noch nicht so weit entwickelt ist wie in Europa. Will man beispielsweise ins Schwimmbad gehen, benötigt man laut Vorschrift eine Badekappe. Das klingt jetzt nicht seltsam. Das Problem jedoch ist, einen Laden zu finden, wo man Badekappen kaufen kann. Da gehen schon mal schnell zwei Stunden verloren. Ein anderes Beispiel wäre, wenn man einen Kuchen für seine Liebste backen will: In Deutschland geht man in den nächsten Supermarkt und hat in 20 Minuten alles, wo hingegen man hier schnell fünf Läden abklappern muss und weitere drei Stunden dahin sind. Das ist aber alles Gewöhnungssache. Verglichen mit anderen mexikanischen Städten ist Guanajuato relativ sicher. Man muss sich hier als Mann keine Sorgen machen, überfallen zu werden. Für Frauen gilt


37 jedoch nach wie vor Vorsicht. Nach einer Feier sollte man immer von einer Begleitung nach Hause gebracht werden. Diese Form von „Caballero“ der Männer ist hier weit verbreitet. Dazu gehört, dass auf dem Bürgersteig die Frau neben dem Mann entlang den Häusern läuft (der Mann muss ja schließlich die Frau vor den bösen Autos beschützen), der Mann der Frau die Tür aufmacht und erst danach eintritt usw. Wenn man die Lebensunterhaltskosten mit anderen Städten Mexikos vergleicht, merkt man schnell, dass man hier sehr günstig über die Runden kommt. Ich beispielsweise zahle 100 Euro Miete im Monat, habe mein eigenes Zimmer, eigenes Bad, eigene Küche (die Mitbewohner kochen nicht bzw. können nicht kochen), einen Limonenbaum im Innenhof und zwei Terrassen mit zwei Hängematten. Platz für Jacht und Helicopter wären auf der zweiten Terrasse auch noch, aber davon wollen wir jetzt nicht reden. Man merkt schnell, dass man hier nicht verarmen wird. Sollte das Geld dann doch mal knapp werden, kann man immer noch in den Minen nach Silber suchen.

wir, dass wir die Einzigen waren, die sich an die Verkehrsregeln hielten. So viel zum Verkehr. Der Strand war einzigartig; die großartige Bucht hatten wir für uns allein. Nachts wurden wir von Riesenschildkröten besucht, die zur Eierablage aus dem Wasser kamen.

Mein Fazit: Guanajuato ist zum Studieren ein echter Geheimtipp (jetzt nach dem Artikel wohl nicht mehr). Es lockt eine vortreffliche Atmosphäre und ein hohes Unterrichtsniveau. Weiterhin empfiehlt sich Mexiko super zum Reisen. Daumen hoch!

Als letzten Punkt möchte ich noch das Reisen aufgreifen. Mexiko ist verglichen mit anderen Ländern sehr vielfältig. Strand, Wüste, Dschungel oder Hochgebirge. Mexiko hat alles, was das Herz begehrt. Mich selbst hat es im Dezember nach Chiapas (südlichster Bundesstaat Mexikos) verschlagen, wo ich über Pyramiden hin durch den Dschungel auf einen inaktiven Vulkan gewandert bin. Kurz darauf bin ich mit meinen Mitbewohnern und zwei Companeros aus Tübingen an den Strand gefahren. Für diese Zeit hatten wir uns ein Auto gemietet. Als uns ein LKW mit 150 rechts überholte, merkten

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Pavesischer Uni-Alltag, spanisches Essen und eine große Portion Italien

Università degli studi di Pavia, Italien Mittelgroße Stadt mit 23.000 Studenten, ein Fluss am Rande der Altstadt, ein Universitäts- oder Wohnheimsschild an jedem zweiten Gebäude, auf der Straße unter der Woche fast nur Studenten… Nein, ich schreibe hier nicht von Tübingen! Sondern von Pavia, einer gemütlichen Universitätsstadt im Norden Italiens, in der ich im letzten Semester eine tolle Zeit verbringen konnte. Die Stadt Pavia an sich besitzt zwar keine großartigen Monumente, dafür besitzt sie viele Gebäude, zum Teil noch aus dem Mittelalter, und die Domkuppel ist die drittgrößte Italiens. Leider wird genau dieser Dom seit geraumer Zeit renoviert und war stets mit einem riesigen Gerüst verhüllt. Davon, dass er zwei Tage lang geöffnet war, erfuhren die meisten erst einen Tag später in der Uni, als die Professoren von dem in Pavia einzigartigen Monument schwärmten und allen ausländischen Studenten ans Herz legten, ihn zu besichtigen. Das war aber nicht der einzige Tipp, den man vonseiten der Universität bekam. Während die Verwaltung sich gern mit Informationen zurückhielt, was sich vor allem am Anfang des Semesters als anstrengend erwies, waren viele Dozenten sehr bemüht, den Studienaufenthalt für uns Ausländer so angenehm wie möglich zu machen. Nicht selten boten sie extra Wiederholungsstunden an, wenn sie dachten, dass man den Stoff nicht verstünde, was meist aber überhaupt nicht der Fall war. Gerade in den Kursen auf Englisch waren

es meist die italienischen Studenten, die verdutzt dreinschauten, wenn zusätzlich zum Englischen manchmal auch noch komplizierte Gleichungen hinzukamen. Verdutzt schaute ich dann allerdings drein, als meine „professoressa“ für Business Communication zu Beginn ausschließlich Italienisch redete – und das mit einem mir bis dahin unbekannten italienischen (es hätte auch ein portugiesischer sein können) Dialekt. Was meine Erfahrung angeht, würde ich das Kursniveau dabei generell niedriger ansetzen als in Tübingen, da zwar viele Themen besprochen wurden, aber diese meist nur oberflächlich. Allerdings wird viel Auswendiglernen erwartet, und damit ist dann nicht nur die Wiedergabe des ungefähren Inhalts gemeint, sondern jede Definition aufs Wort genau.

Aber ein Auslandssemester wäre kein Auslandssemester, wenn man die ganze Zeit mit Studieren verbringen würde. An Alternativen mangelte kaum. So verbrachten wir noch Ende Oktober die sonnenreichen Nachmittage am Ticino. Zudem machte das ESN-Team es einem vor Ort leicht, sich von Anfang an wohlzufühlen.


39 Das ESN-Team organisierte nicht nur Touren durch die Stadt und Bars, Partys und Aperitivi, sondern auch Trips in die Toskana oder nach Rom. Da Pavia wirklich gut gelegen ist, nutzten wir auch alleine oft die freien Tage, Norditalien mit dem gut ausgebauten Zugnetz zu erkunden. Mit Mailand direkt vor der Tür, war die Modemetropole aber natürlich nicht nur für die Shopaholics die am häufigsten besuchte Stadt. Da im Winter in Pavia der Clubbesuch recht mühsam werden kann (Busse fahren bis halb zwölf und die Clubs lagen meist 40 Minuten von meinem Wohnheim entfernt) und bei Schnee, das heißt 3 cm schneeähnlicher Niederschlag, manche Örtlichkeiten geschlossen bleiben, lag es oft nahe, gleich nach Mailand zu fahren, was die Ausgehmöglichkeiten enorm verbesserte und dank der vielen Erasmus-Mitstudenten so gut wie jeden Abend zu einem besonderen Event machte. Besonders lustig war dabei meist die Rückkehr nach Pavia, auf der immer die Hälfte verloren ging und die um sieben Uhr morgens von einem stets seltsamen „spanischen Frühstück“ gekrönt wurde. Warum spanisches Frühstück? Weil 75 % der Erasmus-Studenten in Pavia aus Spanien kommen, deren Italienisch und Englisch manchmal so schlecht ist, dass man nur auf Spanisch kommunizieren kann. Ein großer Vorteil liegt natürlich aber darin, dass dementsprechend nur wenige Deutsche da sind, um Deutsch zu reden und man fast schon gezwungen ist, zumindest eine romanische Sprache zu sprechen. Meine Sprachkenntnisse haben sich hierdurch auf jeden Fall verbessert. Hier ist zu betonen, dass es meiner Meinung nach generell von Vorteil ist, möglichst

grundlegende Italienischkenntnisse mitzubringen, da man selten erwarten kann, dass Englisch gesprochen wird. Zusammengefasst kann ich nur noch einmal wiederholen, dass es eine wirklich tolle Zeit war, auch wenn Pavia zuerst einen verschlafenen Eindruck erweckt. Denn gerade die Überschaubarkeit der Stadt ermöglicht es einem sehr schnell, sich auszukennen und dabei Land und Leute kennen zu lernen. Denn sicherlich waren es zum größten Teil die vielen tollen Menschen, von denen ich viele nicht mehr missen möchte, welche die sechs Monate zu einer unvergesslichen Zeit gemacht haben.

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Als Expat in Hong Kong

Praktikumsprogramm: Join the Best – MLP Mitten in meinem Auslandssemester am Rhodes College in Memphis, Tennessee flatterte mir einer dieser Newsletter rein, mit einem Hinweis auf das MLP Join the Best Programm. Ein Praktikum bei einem Global Player irgendwo in der Weltgeschichte klang attraktiv, das Bewerbungsformular war schnell ausgefüllt und das Ganze auch schon ziemlich schnell wieder vergessen. Bis dann im Januar das erste Assessment-Center anstand, welches in der jeweils nächstgelegenen MLP-Geschäftsstelle stattfindet. Das eintägige AC bestand aus Selbstpräsentation, schriftlichem Test und einer Gruppenübung. Daraufhin bekam ich eine Einladung zum Finale nach Wiesloch und damit die Chance, unter den verbliebenen dreihundert Kandidaten eines der 15 Praktika zu ergattern. Ich wurde der Gruppe der BASF zugeteilt (nach dem 1. AC müssen 3 Prioritäten angegeben werden), was bedeutete, dass es nun an zwei Tagen um ein Praktikum in Hong Kong gehen würde. Im

Seminarraum angekommen, stellte sich heraus, dass wir Tübinger mit drei Leuten vertreten waren. Erneut die übliche 3-Minuten-Selbstpräsentation und dazu zwei Gruppenübungen bildeten den ersten Tag. Nach einer kurzen Nacht, die an der Hotelbar begonnen hatte, konnte ich mich darüber freuen, bei den letzten vier Kandidaten im finalen Interview zu sein – ich hatte nach dem ersten Tag nicht damit gerechnet. Das Gespräch lief super – die Wartezeit bis zur Verkündung am Abend konnte man sich auf der Karrieremesse aller vertretenen Unternehmen vertreiben und so noch den ein oder anderen zusätzlichen Kontakt herstellen, sollte es mit dem Gewinn des Praktikumplatzes nicht klappen. Als schließlich mein Name bei der Verkündung der Gewinner fiel, war die Freude grenzenlos. Hong Kong Die ehemalige britische Kronkolonie ist heute eine Sonderverwaltungszone der Volksrepublik China. In dieser schillernden Stadt jagt ein Superlativ den nächsten. Sie ist eine der am dichtesten besiedelten


41 Metropolregionen der Welt, obwohl nur 25% der Gesamtfläche überhaupt bebaut sind - der Rest ist zu bergig. Deshalb ist Hong Kong die Stadt mit der größten Anzahl an Wolkenkratzern, derzeit mit 112 Gebäuden, die höher als 180 Meter sind. Das ist eine gigantische Skyline, die vor allem bei Nacht umwerfend ist und als die vielleicht schönste der Welt gilt. Die Kehrseite der Medaille ist, dass das Leben hier unfassbar beengt und auch teuer ist, weshalb die Stadt laut Forbes auch zu den teuersten Städten weltweit zählt. Die Möglichkeiten jedoch, sich die Zeit zu vertreiben, wenn man gerade nicht arbeitet, sind dafür zahllos: Bars, Restaurants, Clubs, Shopping Malls, Strände, Inseln, Märkte, Fischerdörfer, etc. Wenn einem die schwüle tropische Hitze nicht in den Boden presst, kann man auch hervorragend wandern. Trips nach Macau oder Mainland China bieten sich an, für den Urlaub nach dem Praktikum wird es für mich persönlich dann nach Thailand und Kambodscha gehen – andere Ziele wie Vietnam oder die Philippinen sind ebenfalls nicht weit. Die Internationalität Hong Kongs hingegen ist eher ein Mythos. 95% der Einwohner sind ethnische Chinesen, die restlichen 5% verteilen sich hauptsächlich auf Filipinos, Indonesier, Thais und Inder und nur ein Bruchteil entfällt auf die sogenannten Expats (vor allem US-Amerikaner, Briten, Kanadier, Australier, Japaner - und eben ein paar Deutsche). Praktikum Nach nun knapp 7 Wochen im Strategic Marketing & Projects Team der Business Unit Intermediates (Zwischenprodukte) geht es langsam aber sicher auf die

Halbzeit zu. Ich arbeite hier in einer Stabstelle und mein Team befasst sich mit allen strategischen Fragestellungen, die unsere Business Unit in Asia/Pacific betreffen. Mein Aufgabenfeld ist daher sehr groß – in einem mittelgroßen Unternehmen wie der BASF ist das eine sehr schöne Sache. Bisher habe ich mich hauptsächlich mit der Analyse bestehender Märkte und Wettbewerber sowie dem Auffinden neuer Potentiale beschäftigt. Dabei steht für meine Arbeit vor allem das Verhalten der Marktteilnehmer in Bezug auf Pricing, Value Chain, Investments oder M&A-Aktivitäten im Vordergrund. Da ich hier im East Asia Regional Headquarters der BASF sitze, kommuniziere ich in all diesen Bereichen meist mit einem Großteil der 16 Länder, die bei BASF die Region Asia/Pacific bilden. Auf Basis meiner bisherigen Erfahrungen kann ich über mein Praktikum nur Positives berichten. Ich fühle mich hier als vollwertiges Teammitglied, meine Jobs sind herausfordernd und spannend und die Lernkurve ist steil. BASF als Unternehmen macht Spaß und in Verbindung mit Hong Kong und dem Business in Asien ist das eine tolle Erfahrung, die ich jederzeit weiterempfehlen kann.

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Neulich an der Uni...


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K arikaturen


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V on B enedikt W iegel


Die €urokrise aus Studentensicht Griechenland-Lüge oder GriechenlandTragödie? Wer hat Schuld und wie kam es dazu? Was bedeutet das für die Zukunft und wer kann es richten? Sollte man versuchen, Griechenland gegebenenfalls mit allen Mitteln zu retten? Fragen über Fragen, mit denen sich der interessierte WiWi-Student in seinen schlaflosen Nächten herumplagt. Fangen wir an… Wie alles begann Der Grundstein für die Europäische Währungsunion und die Einführung des Euro wurde 1992 mit dem Vertrag von Maastricht gelegt. Hierbei verpflichteten sich die EU-Mitgliedstaaten zu den EU-Konvergenzkriterien, deren Erfüllung dazu dienen sollte, die Leistungsfähigkeit der einzelnen Länder anzugleichen, um somit wirtschaftliche Stabilität in der EU zu gewährleisten. Die Einhaltung der sogenannten Maastricht-Kriterien war Voraussetzung für die Aufnahme in die Währungsunion. Auf die Initiative Deutschlands hin wurde auf dem EG-Gipfel 1996 in Dublin beschlossen, dass zwei der Kriterien auch später innerhalb der Währungsunion eingehalten werden müssten. Der sogenannte Stabilitäts- und Wachstumspakt war um die Haushaltsstabilität bemüht: Die Mitgliedsstaaten der Währungsunion wurden dazu verpflichtet, die Höhe des Defizits und des Schuldenstandes im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt ein bestimmtes Niveau nicht überschreiten zu lassen. Angemessene Sanktionen sollten bei Nichteinhaltung verhängt werden. Beim Start der Wirtschafts- und Währungsunion am 1. Januar 1999 war Griechenland noch nicht mit von der Partie; dies geschah erst zwei Jahre später. Mit

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geschönten Zahlen und Dank mangelnder Kontrolle seitens der europäischen Institutionen stach die romantische Idee – man muss es wohl so nennen – die wirtschaftliche Vernunft aus. Und so kam es, dass Griechenland den Euro einführte, ohne jemals zuvor die Konvergenz-Kriterien erreicht zu haben. In der Praxis entpuppten sich die Maastricht-Kriterien auch für die anderen Mitgliedsstaaten als zahnloser Tiger, da es keine automatischen Sanktionsmechanismen gab. Sanktionen waren vielmehr eine politische Entscheidung. Als dann Deutschland von 2002 bis 2005 dreimal die Kriterien nicht erfüllte, war es nicht in der Position, für Disziplinarmaßnahmen gegen andere Staaten einzustehen. So kam es – in Verbindung mit einem allgemeinen Klima der Sorglosigkeit auf den Märkten – zu einer Aufweichung des Stabilitäts- und Wachstumpaktes und das Vertrauen in die Regeln (inkl. „No-bail-out“-Klausel) und Institutionen verschwand. Man verließ sich voll und ganz auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit der Mitgliedsstaaten. Was auch gut ging, bis die Krise nach Europa schwappte… Der neue Blick auf alte Risiken und die Rolle der Rating-Agenturen Mit der Einführung der gemeinsamen Währung (und auch schon vorher) konvergierten die Zinsen der Mitgliedstaaten der EWWU vor allem bei langfristigen Anleihen relativ stark. Die Peripherieländer profitierten eindeutig von der Währungsunion, erlebten sie doch eine Phase immer weiter fallender Zinsen und somit eine immer günstiger werdende Refinanzierung alter Schulden. Die Inflation bewegte sich auf

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46 einem bemerkenswert niedrigen Niveau und allgemein schienen die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen vielversprechend. Doch unter der Oberfläche baute sich ein erhebliches Ungleichgewicht aus. Durch die niedrigen Risikozinsen und die billige Neuverschuldung floss das Geld regelrecht in die Peripheriestaaten. Die Bevölkerung verfiel einem Konsumrausch, die Nachfrage boomte und die Löhne stiegen. Das Resultat war ein deutlicher Verfall der Wettbewerbsfähigkeit, was aufgrund andauernder Leistungsbilanzdefizite zu einem steten Anstieg der Staatsverschuldung führte. Allerdings wurden keine Konsequenzen gezogen, da sich das Leben auf Pump doch so problemlos finanzieren ließ! Hier kommt die Rolle der Rating-Agenturen ins Spiel. Länder wie Griechenland, die mit nüchternem Blick betrachtet schon Jahre vor der Krise einen Verschuldungsgrad aufgebaut hatten, der nicht im Geringsten im Verhältnis zur wirtschaftlichen Leistung stand, genossen Investment-Grade Noten. Anleger investierten also in vermeintlich risikofreie Anleihen zu sehr niedrigen Zinsen. Die Verschuldung im Euro-Raum stieg kontinuierlich an, während das Triple-A-Rating blieb und diese Fehlentwicklung von den Märkten weitgehend ignoriert wurde. Die Trendwende kam mit der Subprime-Krise im Jahr 2007. Mit der Sorglosigkeit war es zu Ende, Risiken wurden wieder realistisch bepreist und auf das Platzen der Immobilienblase in den USA folgte eine Bankenkrise, die schnell zu einer Wirtschaftskrise führte. Strauchelnde Staaten – vor allem die Peripherieländer der Euro-Zone – sahen sich einer Dreifach-Belastung ausgesetzt, die eigentlich nicht zu stemmen war: Die enorm kostspielige Rettung des Bankensystems

ging mit einem explodierenden Zinsniveau für Staatsanleihen einher, was die weitere Neuverschuldung quasi unmöglich machte. Zeitgleich brach die Wirtschaft ein und die Arbeitslosigkeit stieg enorm an. Es folgte ein Downgrade nach dem anderen; die Rating-Agenturen bewerteten nun realistisch und unumgänglich auch prozyklisch. Die Griechenland-Lüge „Traue nur den Statistiken, die du selbst gefälscht hast!“ Dieser Spruch trifft im Falle Griechenlands wohl ins Schwarze. Fragt man Theo Waigel, so war es der wohl „größte Sündenfall“, Griechenland in die Währungsunion aufzunehmen. Laut JeanClaude Juncker hätte man schon viel früher den amtlichen Statistikern Europas weiterreichende Kontrollrechte über nationale Statistiken übertragen sollen. Denn schon 2004 war es Eurostat bekannt, dass Griechenland in den vorangegangen Jahren geschönte Zahlen gemeldet hatte. Eingegriffen wurde jedoch nicht, denn Eurostat waren die Hände gebunden: Man war gezwungen, die Autonomie der nationalen Regierungen bei der Erstellung von amtlichen Statistiken zu respektieren. Dieser Missstand wurde erst 2009 behoben. Mit Griechenlands Wettbewerbsfähigkeit ging es bergab, der Mittelstand starb aus, Korruption und Steuerhinterziehung fanden auf gewohnt hohem Niveau weiterhin statt. Griechenlands Staatsverschuldung hat sich zwischen 2002 und 2010 mehr als verdoppelt, aber die Zahlen blieben moderat. Ein kleines Beispiel: Bei der Berichterstattung über Griechenlands Defizit im Jahre 2008 wurden ursprünglich -5% gemeldet, bis man sich dann nach einigen Monaten und langem Nachdenken auf -10% einigte. Unglaublich, aber wahr! Dazu, dass es


47 so weit kommen konnte, gehören immer zwei Seiten. Die Nonchalance-Einstellung Griechenlands wurde in der restlichen Währungsunion geduldet. Es war wohl politisch nicht gewollt, weiter nachzuhaken, und Sanktionen wollte auch keiner verhängen. Der „worst case“ trat ein und die Währungsunion entschied sich zu versuchen, Griechenland zu retten. Bis heute. Die Griechenland-Frage Griechenland ist pleite. Und warum? Die expansiv betriebene Finanzpolitik und starke Lohnsteigerungen haben zu gewaltigen Leistungsbilanzdefiziten geführt. Die einfache Neuverschuldung machte es möglich. Nun ist die Staatsverschuldung nicht mehr tragbar. Zwei Rettungspakete und ein Schuldenschnitt konnten die Zahlungsunfähigkeit lediglich aufschieben, aber der realwirtschaftliche Kern der Krise bleibt weiterhin bestehen. Griechenland ist durch den Euro international wettbewerbsunfähig geworden. Warum will es dennoch unbedingt in der Euro-Zone bleiben? Ansteckungsgefahr hin oder her, die restlichen Mitgliedstaaten werden bei der Abwägung der Alternativkosten zum Verbleib Griechenlands im Euro mittlerweile wohl zu einem anderen Ergebnis kommen, als noch vor ein paar Monaten. Eine kostengünstige Lösung gibt es nicht. Wichtig für den Euro sind jetzt die Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit der „No-bailout“-Klausel, die Einführung automatischer Sanktionsmechanismen und die strikte Wahrung der Unabhängigkeit der EZB. Für Griechenland selbst werden die Anpassungsprozesse bei einem Euro-Austritt wohl wesentlich schmerzhafter sein, als die strenge Fortführung der Sparpolitik. Langfristig gesehen scheint es dennoch

die bessere Lösung zu sein, denn die Wiedergewinnung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands wird ohne formelle Abwertung – also durch Austreten aus dem Euro – nicht möglich sein. Dem vom jugendlichen Leichtsinn geprägten WiWi-Studenten sei es daher nachzusehen, wenn er der Überzeugung ist, dass ein Ende mit Schrecken immer noch besser ist, als ein Schrecken ohne Ende. Und was bedeutet das für uns? Sinn und Nutzen der Lehre der Wirtschaftswissenschaft sind im Laufe der Krise oft in Frage gestellt worden. Es ist naheliegend, sich als Student zu fragen, was wir hier eigentlich lernen. Können wir uns lediglich Methoden und Modelle aneignen, mit Hilfe derer wir wirtschaftliche Zusammenhänge und Entwicklungen im Nachhinein nachvollziehen, oder bekommen wir das Handwerkszeug in die Hände gelegt, um Fehlentwicklungen antizipieren zu können und eventuell in der Lage zu sein, präventive Handlungsanweisungen zu geben? Als Antwort auf diese Frage, möchte ich folgendes Zitat heranziehen: „Ich bin mir sicher, dass uns der Euro zur Einführung neuer wirtschaftspolitischer Instrumente zwingen wird. Es ist politisch nicht möglich, das zum jetzigen Zeitpunkt vorzuschlagen. Aber eines Tages wird es eine Krise geben, und die neuen Instrumente werden dann nachgeliefert.“ EU-Kommissionspräsident Romano Prodi, Dezember 2001

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V on T ina S trassburger


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Der praktische Geldtheoretiker: Silvio Gesell

Von einer Systemkrise ist immer wieder die Rede, wenn über die aktuellen wirtschaftlichen Verwerfungen diskutiert wird. In einer neuen Serie stellt das WZW nun Ökonomen und Denker vor, die ein anderes, aus ihrer Sicht besser funktionierendes Wirtschaftssystem vorschlagen. Die grundsätzlichen Überlegungen können helfen unser Wirtschaftssystem umzugestalten. Dass Veränderungen nötig sind, scheint Konsens zu sein. Silvio Gesell eröffnet die neue Serie. Anders als die meisten Philosophen und Sozialreformer gewann Gesell seine Erkenntnisse nicht durch eine akademische, theoretische Laufbahn, sondern durch eine kaufmännische, praktische Laufbahn. Bald begann er seine Erkenntnisse durch mehrere Bücher und die Herausgabe einer Zeitschrift schriftlich festzuhalten und zu veröffentlichen. 1918 erschien sein Hauptwerk „Die natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld.“ Silvio Gesell war gebürtiger Schweizer, wanderte aber nach Argentinien aus. 1887 machte sich Gesell selbstständig und eröffnete in Buenos Aires eine Filiale des Geschäftes seiner Brüder. Drei Jahre später stand die argentinische Wirtschaft vor einer schweren Krise. Große Preisniveauschwankungen veranlassten Gesell sich aus Geschäftsinteresse mit dem Geldwesen zu beschäftigen. Er gelangte zu Schlussfolgerungen, die ihm ermöglichten trotz schwieriger wirtschaftlicher Umstände sein Geschäft vor Schäden zu bewahren und sich ein ansehnliches Vermögen zu erarbeiten.

„Wenn man Umschau hält in der großen herrlichen Schöpfung, so gewinnt man die Überzeugung, dass unsere Erde ein Paradies ist und dass nur die Menschen die Erde zur Hölle machen.“ Diese Worte Silvio Gesells zeigen im Kern sein Menschenbild. Zu seiner Zeit drehte sich das wissenschaftliche Denken um die Unterwerfung der Natur. Gesell sah aber die Natur als Richtschnur seines gesamten Denkens. Für ihn bedeutete Wissen die menschliche Gesellschaft sowie ihr Wirtschaftsleben so zu ordnen, dass sie sich nahtlos in die gesamte Ordnung der Natur einfügt und diese respektiert. Die Ausbeutungswirtschaft erkannte er als Abirrung von der Natur. Die natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld bezeichnet einen dritten Weg zwischen Kapitalismus und Kommunismus, eine Art Marktwirtschaft ohne Kapitalismus. Weil Behörden kurzsichtig handeln, soll Freiwirtschaft ohne fremdes Zutun funktionieren und nur dem freien Spiel der Märkte überlassen werden. Freiwirte wie Silvio Gesell vergleichen ihre Auffassung vom Verhältnis zwischen Gesellschafts-, Wirtschafts-, und Währungssystem gerne mit einem einstöckigen Haus: im ersten Stock befindet sich die Gesellschaft, im Erdgeschoss die Wirtschaft und das Fundament bildet das Währungssystem. Folglich wirkt sich jede Erschütterung des Fundaments auf die gesamte Wirtschaft und auf den gesellschaftlichen Überbau aus. Das Geldwesen ist ergo von zentraler Bedeutung für


49 das Funktionieren von Wirtschaft und Gesellschaft. Gesell zufolge „wurstelt“ die Geldverwaltung mit Erfahrungserkenntnissen, weil das Geldsystem dermaßen abstrakt ist, sodass nicht einmal Geldtheoretiker die Kräfte des Geldumlaufs mit Sicherheit benennen, erklären und beeinflussbar machen können. Damit wird seit 3000 Jahren in einer der wichtigsten Staats- und Privatangelegenheiten blindlings und erkenntnislos vorgegangen. Bisher dient das Geld als Tausch- und Wertaufbewahrungsmittel. Man kauft nur Ware, wenn man hungrig ist, oder Aussicht auf Gewinn hat. Ansonsten zieht man es vor Geld aufzubewahren, weil es im Gegensatz zu den Waren nicht an Wert abnimmt – in Gesells Worten „nicht fault, vergeht, bricht oder rostet.“ Dies hat zur Folge, dass Geldbesitz dem Warenbesitz vorgezogen wird. Anbieter von Waren haben es von Natur aus stets eilig ihre Waren zu tauschen, weil sie mit der Zeit an Wert verlieren und sie hohe Lager- und Wartekosten haben. Diese Tatsache wird häufig als negativer Zins bezeichnet. Demgegenüber bekommt der Geldbesitzer noch eine Prämie, wenn er sein Geld auf der Bank „lagert.“ Dadurch kann der Geldbesitzer (Kapitalist) auf den Warenbesitzer (Arbeiter) Druck ausüben und den Preis drücken. Demnach wird das Arbeitserzeugnis (Arbeitskraft) ständig unter Preis verkauft. Als Liquiditätsprämie bezeichnet Keynes den Mehrwert des Geldes, weil es im Gegensatz zu Handelswaren nicht an Wert verliert.

Gesells Ziel ist es, die Nachfrage und damit die Geldbesitzer unter denselben Zwang wie den Warenbesitzer zu stellen. Dazu müssen die Vorrechte des Geldbesitzers beseitigt werden. Das Freigeld besitzt also körperliche, unangenehme, verlustbringende Eigenschaften. Wöchentlich soll das Freigeld einen Zahlkraftverlust zulasten des Geldinhabers von einem Tausendstel erleiden, was einem jährlichen Kursverlust von 5,2 % entspricht. Banknoten bewahren ihren Wert nur, wenn sie jeden Monat gegen Gebühr gestempelt werden. Solches Geld wird weder vom Käufer noch vom Verkäufer vorgezogen. Demzufolge wird Geld nur noch gegen Ware eingetauscht, weil es als Tauschmittel benötigt wird, nicht weil man sich vom Besitz des Geldes einen Vorteil erhofft.

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50 Bislang konnte sich der Geldbesitzer beim Warenkauf zurückhalten. Dieser „Zurückhalteeffekt“ wird von politischen, wirtschaftlichen oder natürlichen Ereignissen beeinflusst und bewirkt damit eine Änderung der Güternachfrage. Das Freigeld verhindert somit Schwankungen in der Konjunktur. Folglich können Unternehmer mit einer konstanten Nachfrage rechnen, welche im Anpassungsprozess noch zunimmt, weil der Zinssatz auf null sinkt (Menschen bevorzugen Waren). Langfristig sinkt die Arbeitslosenzahl. Durch den jährlichen Kursverlust des Geldes sinkt die umlaufende Geldmenge. Die Notenbank muss daher neues Geld herstellen, um die Geldmenge und damit das Preisniveau zu bestimmen. Durch den beschleunigten Geldumlauf wirkt eine Geldmengenänderung direkter. Weil das Preisniveau konstant gehalten werden kann, entfallen Preisschwankungen als weiterer Auslöser für Wirtschaftskrisen. Um eine „Kapitalflucht“, also das Anlegen von Geld in feste Werte wie Häuser oder Rohstoffe, zu verhindern, verstaatlicht Gesell Grund und Boden („Freiland“). An der öffentlichen Pachtversteigerung kann sich jeder Bewohner der Welt beteiligen, also auch der ehemalige Eigentümer. Die Pachtverträge sind auf Jahre befristet oder gelten lebenslänglich. Lebenslängliche Pachtverträge und vertragliche Regelungen machen dabei Raubbau unmöglich. Durch die Pachtregelung soll die Freizügigkeit der Person nicht nur gesetzlich, sondern auch wirtschaftlich garantiert werden. Landesgrenzen werden zu einfachen Verwaltungsgrenzen. Dazu ist

„Freiland das allgemeine Sicherheitsventil, mit Freiland verteilt sich die Menschheit frei und reibungslos über die Welt.“ Trotzdem kann Gesell nicht ausschließen, dass die Menschen in Ersatzmittel, wie Edelmetalle oder Spekulationsgüter, flüchten würden. Dass Gesells Freigeld in der Praxis funktionieren kann, zeigt das Beispiel von Wörgl. 1932 kämpfte die österreichische Gemeinde, wie der Rest der Welt, mit der Großen Depression. Die Gemeinde beschloss Freigeld auszugeben, welches durch den gleichen Betrag an Schilling abgedeckt war. Zum Monatsende verloren die Scheine an Wert. Der Effekt war verblüffend, denn jeder Bürger Wörgls versuchte sein Geld vor Monatsende auszugeben und verschaffte damit seinen Mitbürgern Arbeit und bezahlte seine Steuern im Voraus. Die Arbeitslosigkeit sank innerhalb eines Jahres um 25 Prozent, während sie im restlichen Österreich sogar noch zunahm. Heute würde Europa solch eine Freisetzung von Arbeitsplätzen ebenfalls gut zu Gesichte stehen, aber den Status quo zu verändern widerspricht immer einigen Interessengruppen – damals war es die österreicherische Zentralbank, die ihr Monopol in Gefahr sah. V on A madeus M üller


„Rethinking Economics“ – Eine Initiative Tübinger Studenten „Große Krisen testen unsere ökonomischen Modelle.“ Diese etwas antiquierte Weisheit genügt um angesichts der weltweiten Finanz- und Staatsschuldenkrise am derzeitigen Fundament der Volkswirtschaftslehre zu zweifeln. Seit einigen Jahren sind es keineswegs mehr nur notorische Querulanten und wissenschaftliche Außenseiter, die die Entwicklung der Volkswirtschaftslehre kritisieren und Raum für neue Konzepte fordern. Die Debatte um eine mögliche Neuausrichtung der Volkwirtschaftslehre ist in der Mitte der akademischen Welt angekommen, nicht erst seit der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz vergangenen Monat eben darin den “Silberstreifen der Finanzkrise“ ausmachte. Aus einem Gefühl des Unwohlseins mit der derzeitigen Lehre, wie es wohl viele Studierende der VWL spüren, bildete sich auch hier in Tübingen im vergangenen Wintersemester eine Gruppe von 10-15 Studierenden mit dem Ziel, sich mit dem derzeitigen Stand der Volkswirtschaftslehre kritisch auseinander zu setzen und an der Neuausrichtung teilzuhaben. Konkret vermissen wir in zahlreichen Lehrveranstaltungen sowohl die wissenschaftstheoretische Einordnung und kritische Reflexion von Lehrinhalten, als auch inhaltliche und methodische Pluralität. Weshalb die VWL neu überdenken? Interne Konsistenz ist alles. In der modernen Makroökonomik werden ausgehend von einigen vereinfachenden Grundannahmen und Axiomen mathematische Modellökonomien gebaut. Diese Wirtschaftssysteme werden jeweils von einem

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perfekt voraussehenden, rational handelnden repräsentativen Agenten bewohnt, dessen Optimierungskalkül das ökonomische Gleichgewicht bestimmt. Externe Konsistenz ist nichts? In dieser Welt gibt es keinen Finanzsektor, keine Unwissenheit über zukünftige Zustände der Welt, keine Interaktion zwischen den Agenten, keine Rolle für Einkommensungleichheiten, keine Schuldendynamiken und keine Krisen. In unserem Studium haben wir daher den Eindruck gewonnen, dass der Anspruch auf Rigorosität und interne Konsistenz oft dem eigentlichen Erkenntnisinteresse, dem Verstehen wirtschaftlicher Zusammenhänge, übergeordnet wird.

Economic theory falls like mana from heaven. Die heute vorherrschende Sichtweise in der VWL ist Auszug einer langen Geschichte wissenschaftlicher Umbrüche. Paradigmenwechsel haben meist dann stattgefunden, wenn die vorherrschende Theorie dem Abgleich mit der Realität nicht standgehalten hat. Wie durch die Great Depression die Lehren Keynes‘ an Popularität gewannen, so begünstigte die Stagflation der 1970er Jahre die Abkehr von ihnen. Ohne ideengeschichtliche

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52 Einordnung der Lehrinhalte gewinnen wir Studierende leicht den Eindruck, dass dieser dynamische Prozess wissenschaftlicher Erkenntnissuche abgeschlossen sei. Für uns muss die Finanzkrise Weckruf und Anlass zur kritischen Reflexion der gegenwärtigen Ausrichtung der VWL sein. Aus diesem Grund werden wir nun selbst aktiv und veranstalten in diesem Semester vom 22. – 24. Juni hier in Tübingen eine internationale Sommertagung zum Thema „Rethinking Economics“. Als Kooperationspartner konnten wir die Studienstiftung des deutschen Volkes und das Institute for New Economic Thinking gewinnen. Dabei möchten wir mit dieser Tagung auf Grundlage dreier Schwerpunktthemen die universitäre VWL-Lehre mit drei aus unserer Sicht regelmäßig vernachlässigten Aspekten bereichern: 1. Wissenschaftstheoretische und ideengeschichtliche Einordnung der VWL 2. Methodik: Reflexion vorherrschender Modelle und Analysekonventionen 3. Zukunft der VWL und alternative Ansätze Überdieseinhaltliche Auseinandersetzung wollen wir bei der Umgestaltung der derzeitigen Lehre konstruktive Impulse setzen und in der Diskussion um die Zukunft der Volkswirtschaftslehre eine Studierendenperspektive aus Deutschland einbringen. In diesem Sinne laden wir Studienende aller Semester ein, den Diskurs um die zukünftige Entwicklung der Volkswirtschaftslehre mitzugestalten und eigene Vorstellungen einzubringen.

V on A lexander H aas , L u L iu , J ohan nes W ohlfart

Info: Freitag, 22.Juni – 18:00 Uhr: Robert Johnson, Executive Director des Institute for New Economic Thinking Economic Thinking for the 21st century Samstag, 23. Juni – 19:00 Uhr: Prof. Alan Kirman, Universitéd’Aix-Marseille III The Crisis in Economic Theory - The economy as a complex system: rethinking the relation between micro and macro


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Auf nach Konstanz! Donnerstag = Feiertag, was bietet sich da mehr an als ein verlängertes Wochenende?! Das dachten wir uns auch, also haben wir uns den Freitag auch noch freigenommen und beschlossen, die Zeit für eine Fahrradtour zum Bodensee zu nutzen. Am Donnerstagmorgen trafen wir uns gerüstet mit Satteltaschen, Fahrradkarte, Ersatzschlauch fürs Fahrrad, jeder Menge Proviant und anderem Schnickschnack am Tübinger Bahnhof. Dass ein bisschen Sonnencreme ebenfalls ratsam gewesen wäre, sollte sich in Form von Sonnenbrand bereits am ersten Abend zeigen. Da unsere schöne Radstrecke erst in Reutlingen ihren Anfang hatte und wir noch genug Weg vor uns hatten, begann unsere Radtour mit einer Zugfahrt von Tübingen nach Reutlingen – ganz getreu dem Motto „Unterwegs mit dem Semesterticket“. In Reutlingen ausgestiegen, schwangen wir uns auf unsere Fahrräder und suchten den richtigen Weg. Wie sich noch öfter zeigen sollte, ist die eigentlich mit grünen Fahrradschildern ausgewiesene Strecke besonders innerhalb von Ortschaften schwierig zu finden. Nachdem wir endlich aus Reutlingen herausgefunden hatten, wartete kurz nach dem Ortsausgangsschild schon die nächste Überraschung auf uns: der Albaufstieg. Ungefähr eine Stunde lang ging es steil bergauf, aber damit hatten wir dann den schlimmsten Teil der gesamten Strecke auch schon hinter uns. Nach kurzer Pause setzten wir unseren Weg Richtung Sigmaringen, unserer Zwischenstation für die erste Nacht, fort. Immer bemüht, den grünen Radwegschildern zu folgen, radelten wir die nächsten 5 Stunden frohen Mutes gen Süden. Das klappte natürlich nicht ohne Zwischenfälle und so fanden wir uns beispielsweise auf einmal mitten im Wald wieder (der Weg war einfach zu Ende) oder standen plötzlich in der

Auffahrt zu einer Bundesstraße. Gegen 16 Uhr hatten wir endlich unser Etappenziel erreicht und damit in etwa die Hälfte der insgesamt ca. 120 km zum Bodensee geschafft. Dass wir bei der Buchung der Übernachtungsmöglichkeit besser auch auf die Höhenmeter geachtet hätten, wurde uns leider erst bewusst, als wir sahen, dass Sigmaringen in etwa so hügelig wie Tübingen ist. Völlig erledigt erreichten wir ungefähr auf WHO-Ebene schließlich unsere Pension. Am nächsten Morgen starteten wir ausgeruht unsere zweite Etappe. Bei strahlendem Sonnenschein fuhren wir stets Richtung Schwäbisches Meer. Trotz einiger Unterbrechungen (Pferde streicheln! Pferde fotografieren! und „Ohh schaut mal, da sind Pferde!“) und einiger Umwege (besonders ärgerlich, wenn man dafür steile Berge hinauf gefahren ist…) war am frühen Nachmittag das erste Mal der Bodensee in Sicht. Angekommen in Überlingen fuhren wir DIE Touri-Strecke rund um den Bodensee entlang nach Meersburg, wo uns eine Fähre nach Konstanz brachte. Dort verbrachten wir zwei wunderschöne Tage und fuhren am Sonntagnachmittag mit dem Zug zurück nach Tübingen. Das Semesterticket deckte glücklicherweise den Großteil der Strecke ab, sodass sich die Fahrtkosten in Grenzen hielten. Gerüchteweise sollen besonders motivierte Studenten dieselbe Strecke auch an einem Tag bewältigt haben, aber das war uns dann doch ein bisschen zu stressig. Abschließend noch einige Tipps für potenzielle Nachahmer: Sonnencreme! Fahrradkarte! Foto mitnehmen! Konstanz anschauen und den Bodensee genießen :) Danke an Lena und Lissy für die tolle Zeit!

Studentenleben

V on V ivien O sswald


54

Schiffe versenken

Deine Schiffe im Schuldenmeer A B C D E F G H

I

J

K

L

M N O

1

o o o o

2 3 4

o o o

5 6 7 8

o o

9 10

o

11 12

Schon untergegangen... N FDP

13 14

N

15 Schiffe deines Gegenspielers A B C D E F G

Deine Flotte: 4x2er „Rettungsschirm-Halter“ Safe Haven Germany Die Piraten La France encore sûr Der fliegende Holländer 3x3er „Rettendes-Ufer-Sucher“ Irland Pommesdampfer Belgien Costa Concordia Italia 2x4er „Bis-zum-Hals-im-WasserSteher“ Espana sin fondo Santa Maria Portugal 1x5er „Schuldenwrack“ MS Sinking Greece

Spanien

H

I

J

K

L

M N O

Marktwert Kader: 843.000.000 € (22.783.784 € pro Spieler)

1

Reales BIP pro Kopf (2010): 24.475 €

2

Alkoholkonsum pro Kopf pro Jahr: 10l

3

Schuldenquote an Jahres-BIP (2010): 60,1 %

4

Monatl. Durchschnittseinkommen: 1.827 €

5

Wachstumsrate (2010): -0,1 %

6

Schlüsselindustrie: Metall- und Chemieindustrie Wichtigste Handelspartner: Frankreich, Deutschland

7 8

Kroatien

9 10

Marktwert Kader: 185.000.000 € (5.967.742 € pro Spieler)

11

Reales BIP pro Kopf (2010): 14.864 €

12

Alkoholkonsum pro Kopf pro Jahr: 12,3l

13

Schuldenquote an Jahres-BIP (2009): 35,3 %

14

Monatl. Durchschnittseinkommen: 837,23 €

15

N

Wachstumsrate (est. 2012): 1,7 % Schlüsselindustrie: Chemie- und Plastikindustrie Wichtigste Handelspartner: Italien, Deutschland


55

WiWi-Europameisterschaft Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung ist die Summe der Marktwerte der Spieler in den Nationalmannschaften ein guter Indikator für deren sportliche Leistungsfähigkeit und deren sportlichen Erfolg. Deutschland Marktwert Kader: 525.000.000 € (16.406.250 € pro Spieler) Reales BIP pro Kopf (2010): 28.774 € Alkoholkonsum pro Kopf (ab 15 Jahren) pro Jahr: 11,8l Schuldenquote an Jahres-BIP (2010): 83,2 % Monatl. Durchschnittseinkommen: 2.040 € Wachstumsrate (2010): 3,7 % Schlüsselindustrie: Eisen-, Stahl-, Chemie-, Auto- und Maschinenbauindustrie Wichtigste Handelspartner: Frankreich, China, Niederlande

Das WZW fügt nun dieser Prognosemethode, die bei der letzten WM tatsächlich funktionierte, noch weitere Kennzahlen hinzu; wenn die wirtschaftliche Stärke einzelner Spieler Rückschlüsse auf deren Leistungsfähigkeit und Erfolg erlauben, müsste es doch möglich sein, auch anhand der wirtschaftlichen Stärke einzelner Nationen deren sportlichen Erfolg abzulesen. Alle relevanten Daten, wie der durchschnittliche Marktwert eines Einwohners (reales BIP pro Kopf), die Belastbarkeit (Alkoholkonsum pro Kopf - ab 15 Jahren - und Jahr) oder die Schlüsselposition, wurden akribisch zusammengetragen. Auf Seite 57 ist ein Spielplan der diesjährigen Europameisterschaft zu finden – tragt also jeweils eure Ergebnisschätzung ein und gelangt so zu eurem persönlichen Europameister. Am 1. Juli könnt ihr dann vergleichen, ob ihr richtig prognostiziert habt.

Ukraine

Tschechien

Marktwert Kader: 140.200.000 €

Marktwert Kader: 122.400.000 €

(3.689.474 € pro Spieler)

(3.709.091 € pro Spieler)

Reales BIP pro Kopf (2011): 5.659,49 €

Reales BIP pro Kopf (2010): 19.435 €

Alkoholkonsum pro Kopf (ab 15 Jahren) pro Jahr: 9,2l

Alkoholkonsum pro Kopf (ab 15 Jahren) pro Jahr: 14,6l

Schuldenquote an Jahres-BIP: 38,4 %

Schuldenquote an Jahres-BIP (2010): 38,5 %

Monatl. Durchschnittseinkommen (2011): 237 € (brutto) Wachstumsrate (2010): 4,2 %

Monatl. Durchschnittseinkommen (2010): 1.069 € (brutto)

Schlüsselindustrie: Kohle und Energiesektor

Wachstumsrate (2010): 2,7 %

Wichtigster Handelspartner: Russland

Schlüsselindustrie: Autoindustrie

Griechenland

Irland

Marktwert Kader: 102.350.000 €

Marktwert Kader: 95.500.000 €

(3.301.613 € pro Spieler)

(3.183.333 € pro Spieler)

Reales BIP pro Kopf (2010): 21.897 €

Reales BIP pro Kopf (2010): 31.140

Alkoholkonsum pro Kopf (ab 15 Jahren) pro Jahr: 9,2l

Alkoholkonsum pro Kopf (ab 15 Jahren) pro Jahr: 13,3l

Schuldenquote an Jahres-BIP (2010): 142,8 %

Schuldenquote an Jahres-BIP (2010): 96,2 %

Monatl. Durchschnittseinkommen (2006): 1.372€

Monatl. Durchschnittseinkommen: 2.025 €

Wachstumsrate (2010): -3,5 %

Wachstumsrate (2010): -0,4 %

Schlüsselindustrie: Tourismus, Schiffshandel

Schlüsselindustrie: Stahlindustrie

Wichtigste Handelspartner: Deutschland, Italien

Wichtigste Handelspartner: USA, Großbritannien

Spiel&Spass


56

Marktwert Kader: 141.250.000 € (4.556.452 € pro Spieler)

Schweden

Niederlande Marktwert Kader: 331.500.000 €

Reales BIP pro Kopf (2010): 30.286 €

(9.750.000 € pro Spieler)

Alkoholkonsum pro Kopf (ab 15 Jahren) pro Jahr: 7l

Reales BIP pro Kopf (2010): 32.447 €

Schuldenquote an Jahres-BIP (2010): 39,8 %

Alkoholkonsum pro Kopf (ab 15 Jahren) pro Jahr: 10,9l

Monatl. Durchschnittseinkommen: 2.155 €

Schuldenquote an Jahres-BIP (2010): 62,7 %

Wachstumsrate (2010): 5,6 %

Monatl. Durchschnittseinkommen (2006): 1.980 €

Schlüsselindustrie: Telekommunikations-, Holz-, Papierund Autoindustrie

Wachstumsrate (2010): 1,7 %

Wichtigste Handelspartner: Deutschland, Norwegen, Dänemark

Schlüsselindustrie: Produkte für Agrar- und Metallindustrie Wichtigster Handelspartner: Deutschland

England (Großbritannien) Marktwert Kader: 537.800.000 €

Dänemark Marktwert Kader: 95.950.000 €

(16.296.970 € pro Spieler)

(3.095.161 € pro Spieler)

Reales BIP pro Kopf (2010): 27.385 €

Reales BIP pro Kopf (2010): 30.949 €

Alkoholkonsum pro Kopf (ab 15 Jahren) pro Jahr: 11,7l

Alkoholkonsum pro Kopf (ab 15 Jahren) pro Jahr: 11,5l

Schuldenquote an Jahres-BIP (2010): 80,0 %

Schuldenquote an Jahres-BIP (2010): 43,6 %

Monatl. Durchschnittseinkommen: 2.749 €

Monatl. Durchschnittseinkommen: 2.390 €

Wachstumsrate (2010): 2,1 %

Wachstumsrate (2010): 1,3 %

Schlüsselindustrie: Chemie-, Luftfahrt-, Pharmazieindustire

Schlüsselindustrie: Gas-, Petroleum-, Eisen- und Stahlindustrie

Wichtigste Handelspartner: USA, Deutschland

Wichtigste Handelspartner: Deutschland, Schweden

Frankreich Marktwert Kader: 475.000.000 €

Russland Marktwert Kader: 209.400.000 €

(14.393.939 € pro Spieler)

(6.158.824 € pro Spieler)

Reales BIP pro Kopf (2010): 26.276 €

Reales BIP pro Kopf (2011): 13.056,8 €

Alkoholkonsum pro Kopf (ab 15 Jahren) pro Jahr: 13,2l

Alkoholkonsum pro Kopf (ab 15 Jahren) pro Jahr: 11l

Schuldenquote an Jahres-BIP (2010): 81,7%

Schuldenquote an Jahres-BIP (2008): 5 %

Monatl. Durchschnittseinkommen: 2.730€

Monatl. Durchschnittseinkommen: 527,77 €

Wachstumsrate (2010): 1,5 %

Wachstumsrate (2010): 4,0 %

Schlüsselindustrie: Maschinen-, Chemie- und Automobilindustrie

Schlüsselindustrie: Dienstleistungs-, Handels- und Energiesektor

Wichtigster Handelspartner: Deutschland

Wichtigster Handelspartner: Deutschland

Italien Marktwert Kader: 461.800.000 €

Marktwert Kader: 103.450.000 €

(12.481.081 € pro Spieler)

(3.042.647 € pro Spieler)

Reales BIP pro Kopf (2010): 24.560 €

Reales BIP pro Kopf (2010): 15.295 €

Alkoholkonsum pro Kopf (ab 15 Jahren) pro Jahr: 8,5l

Alkoholkonsum pro Kopf (ab 15 Jahren) pro Jahr: 9,5l

Schuldenquote an Jahres-BIP (2010): 119,0 %

Schuldenquote an Jahres-BIP (2010): 55 % des BIP

Monatl. Durchschnittseinkommen: 1.457 €

Monatl. Durchschnittseinkommen (2009): 762,63 €

Wachstumsrate (2010): 1,5 %

Wachstumsrate (2010): 3,9 %

Schlüsselindustrie: Tourismus-, Kommunikations- und Maschinenbauindustrie

Schlüsselindustrie: Dienstleistungssektor

Wichtigster Handelspartner: Deutschland

Polen

Wichtigster Handelspartner: Deutschland


V on A nne B eck , A nna B öhm & A madeus M üller

Russland

Warschau - Nationalstadion

Griechenland

Sa, 16.06. - 20:45 Uhr

ZDF

Tschechien

Breslau - Städtisches Stadion

Griechenland

Di, 12.06. - 18:00 Uhr

ARD

Griechenland

ARD

P

ZDF

Polen

Breslau - Städtisches Stadion

Tschechien

Sa, 16.06. - 20:45 Uhr

ARD

Russland

Warschau - Nationalstadion

Polen

Di, 12.06. - 20:45 Uhr

ARD

Tschechien

Breslau - Städtisches Stadion

Russland

Fr, 08.06. - 20:45 Uhr

:

:

:

:

Diff.

ZDF

Niederlande

ARD

Portugal

Charkow - Metalist Stadium

Portugal

So, 17.06. - 20:45 Uhr

Lwiw - Arena Lwiw

Dänemark

Mi, 13.06. - 18:00 Uhr

ARD

Dänemark

Charkow - Metalist Stadium

Niederlande

Sa, 09.06. - 18:00 Uhr

4.

3.

2.

1.

Tabelle Gruppe B

:

:

:

:

Tore

Diff.

Zweiter Gruppe A

Deutschland Lwiw - Arena Lwiw

Dänemark

So, 17.06. - 20:45 Uhr

ARD

Deutschland

ZDF

Portugal

ARD

P

ARD/ZDF

Charkow - Metalist Stadium

Niederlande

Mi, 13.06. - 20:45 Uhr

Lwiw - Arena Lwiw

Deutschland

Sa, 09.06. - 20:45 Uhr

Gruppe B

Tore

Gruppe A

Warschau - Nationalstadion

Polen

Fr, 08.06. - 18:00 Uhr

4.

3.

2.

1.

Tabelle Gruppe A

Danzig - Arena Gdansk

Warschau - Nationalstadion

Fr, 22.06. - 20:45 Uhr

Spanien Danzig - Arena Gdansk

Kroatien

Mo, 18.06. - 20:45 Uhr

ZDF

Kroatien Posen - Städtisches Stadion

Italien

Do, 14.06. - 18:00 Uhr

ARD

Italien

ZDF

:

:

:

:

Tore

Diff.

Zweiter Gruppe D

Irland Posen - Städtisches Stadion

Italien

Mo, 18.06. - 20:45 Uhr

ZDF

Irland Danzig - Arena Gdansk

Spanien

Do, 14.06. - 20:45 Uhr

ARD

Kroatien

ZDF

P

ARD/ZDF

Posen - Städtisches Stadion

Irland

So, 10.06. - 20:45 Uhr

Gruppe C

Donezk - Donbas Arena

Sa, 23.06. - 20:45 Uhr

Danzig - Arena Gdansk

Spanien

So, 10.06. - 18:00 Uhr

4.

3.

2.

1.

Tabelle Gruppe C

Sieger Gruppe C

Viertelfinale 3

Sieger VF4

Frankreich Kiew - Olympiastadion Kiew

Schweden

Di, 19.06. - 20:45 Uhr

ARD

Frankreich Donezk - Donbas Arena

Ukraine

Fr, 15.06. - 18:00 Uhr

ZDF

England

ZDF

:

:

:

:

Tore

Ukraine Donezk - Donbas Arena

England

Di, 19.06. - 20:45 Uhr

ARD

England Kiew - Olympiastadion Kiew

Schweden

Fr, 15.06. - 20:45 Uhr

ARD

Schweden Kiew - Olympiastadion Kiew

Ukraine

ZDF

P

ARD/ZDF

Diff.

Zweiter Gruppe C

Mo, 11.06. - 20:45 Uhr

Gruppe D

Kiew - Olympiastadion Kiew

So, 24.06. - 20:45 Uhr

Donezk - Donbas Arena

Frankreich

Mo, 11.06. - 18:00 Uhr

4.

3.

2.

1.

Tabelle Gruppe D

Sieger Gruppe D

Viertelfinale 4

Warschau - Nationalstadion

Do, 28.06. - 20:45 Uhr

Monatl. Durchschnittseinkommen: 894 €

Sieger Gruppe B

Viertelfinale 2

Sieger VF2

Halbfinale 2

Verlierer Finale

Vize-Europameister 2012

Wichtigster Handelspartner: Spanien

ARD/ZDF

ZDF

Schlüsselindustrie: Textil- und Bekleidungsindustrie

Zweiter Gruppe B

Kiew - Olympiastadion Kiew

Sieger HF2

Wachstumsrate (2010): 1,4 %

Do, 21.06. - 20:45 Uhr

Sieger VF3

ARD/ZDF

So, 01.07. - 20:45 Uhr

Schuldenquote an Jahres-BIP (2010): 93,0 %

Sieger Gruppe A

Donezk - Donbas Arena

Mi, 27.06. - 20:45 Uhr

Sieger HF1

Stand: 04.04.2012 - V1.4de

Alkoholkonsum pro Kopf pro Jahr: 12,3l

Viertelfinale 1

Sieger VF1

Halbfinale 1

Sieger Finale

Finale

EM 2012 Spielplan - Polen & Ukraine 08.06.-01.07.2012

Europameister 2012

Das neue Tippspiel für Bundesliga & EM 2012 auf KICKprophet.com

Portugal Marktwert Kader: 376.200.000 €

57

(11.756.250 € pro Spieler)

Reales BIP pro Kopf (2010): 19.548 €


mauer *

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Wort zum WiWi Nr. 62  

Die Fachschaftszeitung der Freien Fachschaft Wirtschaftswissenschaften an der Universität Tübingen im Sommersemester 2012

Wort zum WiWi Nr. 62  

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