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Juni 20111


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Liebe Wiwis, wahrscheinlich erinnert sich kaum einer von Euch daran, wie das „Wort zum Wiwi“ in seinen Anfangsjahren aussah. Nämlich so ähnlich wie dieses, das ihr jetzt gerade in der Hand haltet. Im Gegensatz zu heute war es aber auf ganz normalem Papier gedruckt, war nicht gebunden und hatte gerade einmal 12 Seiten. Während also draußen Schneeflocken tanzten, kamen 800 Tübinger Studierende und Lehrende in den Genuss des Lesens seiner Erstausgabe. Das war im Dezember 1990 Seit dem hat sich so einiges getan. 1990 stand der Begriff „Bologna-Prozess“ noch neun Jahre in der Zukunft, heute – im Jahr 2011 – sind wir bereits dabei, die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge zu reformieren. Über diesen Prozess möchten wir Euch in der aktuellen Ausgabe informieren. Ebenso über die Gründung des Wiwi-Netzwerkes, das hoffentlich bald die Alumni sowie die aktuellen Studenten mit dem Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Universität Tübingen verbindet. Es soll außerdem ein Beitrag zur Diskussion geleistet werden, wie wichtig BWL im Grundstudium eines Volkswirten ist. Da sich das Leben im Sommersemester in Tübingen aber trotzdem nicht nur um Studium und Lehre dreht, wollen wir Euch ein paar Tipps geben, wie ihr sportlich oder genüsslich die verbleibende Freizeit genießen könnt. Um nostalgisch an alte Zeiten zu erinnern, haben wir in diesem

Semester eine Titelseite ganz im Stil der ersten Lebensjahre des „Wort zum Wiwi“ gestaltet. Graphisch dargestellt ist hier eine Anekdote, die in den letzten 21 Jahren sicherlich in der einen oder anderen Einführungsveranstaltung zu den Wirtschaftswissenschaften selbstironisch vom Professor zum Besten gegeben wurde:

Ein Kreuzfahrtschiff sinkt und es überleben nur drei Personen, ein Physiker, ein Chemiker und ein Ökonom. Sie stranden auf einer einsamen Insel und mit ihnen wird eine große, stabile Dose Wiener Würstchen an den Strand gespült. Der Chemiker sagt: Ich werde Salz aus dem Meer extrahieren und eine Säure anmischen, um die Dose zu öffnen. Sagt der Physiker: Ich werde über Hebel und Kräfte versuchen, die Dose zu öffnen. Währenddessen liegt der Ökonom die ganze Zeit in seiner Hängematte am Strand und bräunt sich, bis die beiden anderen ankommen und ihn auffordern: MACH WAS!!! Darauf sagt der Ökonom: „Nehmen wir doch an, die Dose wäre offen.“

Ob die Wiwis in Tübingen vor 21 Jahren angenommen hätten, dass die Geschichte des „Wort zum Wiwi“ so erfolgreich weiterverläuft, bleibt fraglich. Weil wir aber genau darauf sehr stolz sind, schließen wir uns der Redaktion der allerersten Ausgabe an: Auf ein langes Leben des „Worts zum Wiwi“! Prost!

IMPRESSUM HERAUSGEBER Freie fachschaft wirtschaftswissenschaften mohlstrasse 36 72074 tübingen Tel.: 07071/29-74656

auflage 1.000 exemplare

V.i.s.d.P. Teresa fiolka

intresse an einer anzeige? dann schreiben sie uns eine e-mail!

erscheinungsdatum 28. juni 2011

Redaktion www.ffw.uni-tuebingen.de Jane dreyer, sabine eppinger, teresa fiolka, annika havlik, pia wzwmail@gmx.de kramer, Amadeus müller, fritzi trautmann sprechstunde Layout Dienstag 10-12 uhr, mittwoch 13-15 uhr, Teresa Fiolka montag + donnerstag 10-14 uhr auslandskorrespondent stefan rohm

sitzung montag, 20 uhr

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INHALTSVERZEICHNIS Fachschaftsthemen semesterrückblick fachschaftshütte weihnachtssingen wiwilympics

6 8 10 11

Studieren an der Wisowi-Fakultät wiwi-netzwerk durchfallquoten

bachelor/master-umstrukturierung auslandsbericht roadtrip usa praktika kommentar

12 13 14 16 18 21 26

Studieren und Leben in Tübingen oikos tübingen

Ökonomisch lesen nach der uni 60 jahre wzw best of... fotostory joggingstrecken unterwegs mit dem semesterticket rätsel wirr warr

28 31 34 37 40 42 47 48 51

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...

eiten Z e h c i e r s t i , arbe

Gute Zeiten

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Wie zu Beginn eines jeden Wintersemesters war die Fachschaft auch dieses Jahr bereits zum Ende der Semesterferien aktiv an der Ausgestaltung der Erstsemesterveranstaltungen beteiligt. Dank der großartigen Organisation von Teresa, Annika und Janika konnten die neuen Erstis gut informiert und ausgestattet mit vielerlei Wissen über Fakultät und Fachbereich, Fachschaftsarbeit, Wirtschafsstudium und natürlich das Tübinger Studentenleben in ihr Studium starten. Einen großen Beitrag zur Eroberung des Studentenlebens leisteten natürlich auch die diversen Spaßaktionen der Orientierungswoche, die Anna begleitete. Bei ziemlich schönem Wetter scheuten in diesem Jahr viele Erstis nicht den Sprung in den kalten Neckar, um ihre Chancen auf den Sieg beim Stadtspiel zu vergrößern. Großen Unterhaltungswert hatte auch die Vanillepudding-Verköstungsaktion, bei der die Erstis ihre Vanillepuddingkreationen mitbringen sollten, welche Chris dann ohne Scheu alle durchprobierte. Dem tollen Einsatz der diesjährigen Drittis, aber auch einiger „alter Hasen“ während der Einführungswoche, ist es zu verdanken, dass im Wintersemester die Zahl der an der Fachschaftsarbeit interessierten Erstis rasant anstieg. Hatten wir vorher noch angenommen, der nun nicht mehr ganz so neue Fachschaftsraum sei eine räumliche Vergrößerung, so wurden wir doch eines Besseren belehrt. Nicht nur der anfängliche Platzmangel, sondern auch die Vielzahl an neuen Namen und Gesichtern bereiteten dem ein oder anderen Probleme. Dem konnte jedoch bei einem eintägigen Team-Building-Work-

shop mit MLP Abhilfe geschaffen werden. In diesem Rahmen hatten wir die Gelegenheit, neue und alte Fachschaftsmitglieder besser kennen zu lernen, die verschiedenen Aufgabenbereiche unserer Arbeit zu definieren und auf Wünsche und Vorschläge einzugehen. Bei diversen Gruppenaufgaben konnten wir außerdem unsere Zusammenarbeit stärken und mussten erkennen, dass es gar nicht so einfach ist, kollektiv einen Turm aus Bauklötzchen zu errichten und vor allem ihn wieder kaputt zu machen. Insgesamt konnte der Tag als voller Erfolg verbucht werden, der uns als Gruppe zusammengeschweißt hat Im vergangenen Wintersemester beschäftigten sich verschiedene Arbeitskreise nun vor allem intensiv mit der Zukunft der Bachelorund Masterstudiengänge. Kontrovers wurden verschiedene Vorschläge zur Umstrukturierung und Verbesserung unserer Studiengänge diskutiert und der Professorenschaft präsentiert. Wie die tatsächliche Umsetzung der vorgetragenen Vorschläge aussehen wird, bleibt abzuwarten, dennoch möchten wir uns an dieser Stelle für das großartige Engagement und die kreativen Lösungsansätze des Arbeitskreises bedanken! Außerdem unterstützen die Gremienmitglieder die Fakultät bzw. den Fachbereich bei der Suche nach einem geeigneten Kandidaten für die PreußeNachfolge, die diesmal hoffentlich von Erfolg gekrönt wird. Trotz des schweren Abschiedes von Herrn Knoll aus der Unternehmenskontaktstelle, gelang es der Arbeitsgruppe an der Planung eines Alumni-Netzwerkes festzuhalten und die Aufgaben und Gründungsschritte weiter zu konkretisieren. Doch nicht nur intern


war die Fachschaft am Arbeiten. Nach der legendären Weihnachtsfeier im Vorjahr, hatte die Fachschaft sich in diesem Jahr hohe Ziele gesetzt. So wurde sich zunächst im beschaulichen Kreise der Seminarräume bei Waffeln und Glühwein weihnachtlich eingestimmt, bevor es zu späterer Stunde im Blauen Turm richtig los ging. Obwohl die nette Flyer- Sandy vom Vorjahr diesmal nicht vertreten war, mischten sich doch verkleidungsbegeisterte Gorillas und tanzende Weihnachtsbäume unter die feierfreudige Meute, die um den Gewinn, einer Flasche Sekt, buhlten.

semesterbericht Zu guter letzt möchten wir uns noch herzlich im Namen aller ausscheidenden Fachschaftsmitglieder bei der Fachschaft und der Fakultät für die tolle Zusammenarbeit der letzen dreieinhalb Jahre bedanken.

Schweren Herzens verlassen auch wir Semesterkoordinatorinnen die Fakultät, um nach einem Praktikum mit unserem Master weiterzumachen. Wir hoffen, dass die Fachschaftsarbeit auch in den nächsten Jahren genauso produktiv und lustig weitergehen wird und freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen bei der Graduateparty!

Auch bei der internen Weihnachtsfeier war es ein großer Spaß, zu sehen wie alle „dumm im Kreis herum“ liefen - wie gut, dass das kein Fachschaftsmotto ist! Es bleibt nun also Elena Scheurlen und Anna Feikus gespannt auf das kommende Semester zu blicken, in dem es mit der Bachelor-/Master- Semesterkoordinatorinnen WS 2010/11 frage, der ein oder anderen Berufungskommission, sowie der Gründung und Etablierung des Wiwi-Netzwerkes weitergehen wird.

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r?

llen wi o w s a w d ir un

Wer sind w

„Bücherflohmarkt“, „Ersti-Einführung“ und vor allem „Partys“ sind wohl die ersten Assoziationen, die man hat, wenn man an die Fachschaft denkt. Ob das jedoch das ist, was von der Außenwelt auch wahrgenommen werden soll, war nicht das einzige Thema auf der diesjährigen Fachschaftshütte in Feldberg Falkau. Frohen Mutes und dank dem Einsatz Einzelner (hier noch mal ein großes Dankeschön an Bernd, der keine Mühe scheute, ein luxuriöses Fortbewegungsmittel bereitzustellen), machten wir uns am Freitag, den 15. April, auf gen Süden. In einer gemütlichen Hütte in der Nähe desTitisees verbrachten wir das Wochenende bei strahlendem Sonnenschein – nicht nur, um zu arbeiten, sondern auch, um als Fachschaft besser zusammenzuwachsen. Dass wir uns schon am ersten Abend besser kannten als gedacht, zeigte sich bei vielen Runden „Mord in Palermo“ aka „Werwolf“, bei denen die Wolfis nie eine Chance hatten, zu siegen. Nach Verlegung der Runde in den „Partykeller“ kamen im Laufe der Nacht dann aber auch noch Eigenschaften Einzelner zum Vorschein, die den anderen bis dahin unbekannt waren. Während so manch einer, von der Nacht zuvor gezeichnet, den Samstag eher ruhig anging, erarbeiteten die meisten in den verschiedenen Workshops, wie es mit der Fachschaft weitergehen sollte. So wurden Texte für die Homepage konzipiert, das WZW geplant, so

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wie wieder einmal an der Bachelor- und Master-Umstrukturierung gewerkelt. Vor allem die Ergebnisse des zuletzt angesprochenen Themas zeigten, dass die Fachschaft eben nichtnur Partys organisiert, sondern sich auch mit der Lehre auseinandersetzt und dabei die Interessen der Studenten vertritt. Dies wurde im abschließenden „Corporate Identity“-Workshop besonders aufgegriffen und von Wolfi leidenschaftlich vorgetragen: „Wo will die Fachschaft hin und was will die Fachschaft sein?“ – Das waren die großen Leitfragen, die in einer mehrstündigen Diskussion behandelt wurden. Dabei kristallisierte sich heraus, dass wir uns auch in der Groß-Fakultät als Interessenvertretung der WiWi-Studenten stark einsetzen wollen. Zudem einigten

fachschaftshütte


darauf, dass auch der „Service“ gegenüber Studenten einen wichtigen Teil der Fachschaftsarbeit darstellt: So begann bereits im April die Arbeit an einer Klau surendatenbank; und auch an der Umsetzung anderer Ideen, wie einer Masterportraitsammlung, wird kräftig gefeilt. Durch die geistige Arbeit zwar geschwächt, reichte die Kraft später doch noch aus, um sich auf dem Titisee eine Seeschlacht nach der anderen zu liefern oder am Ufer Volleyball zu spielen. Zum Teil nass, aber glücklich freuten sich daraufhin alle auf das für den Abend geplante Grillen. Dieses Abendessen entwickelte sich dann aufgrund fehlender Holzkohle und der Verwendung von normalem Holz eher zum Mitternachtssnack. Zum Glück wurden zuvor so viele schmackhafte Salate vorbereitet, dass

sich dann doch alle wohlgenährt in den Keller stürzen konnten, um dort ihre Energie in Kickerduelle zu investieren.

Den Sonntagmorgen nutzten wir abschließend, um mit gestärktem Teamgeist die Hütte in Rekordzeit in seinen Ursprungszustand zu versetzen, die Tage Revue passieren zu lassen und zufrieden nach Tübingen zurückzukehren.

Jane Dreyer und Pia Kramer

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weihnachtssingen

„Alle Jahre wieder...“

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Auch im letzten Jahr haben sich die Goldkehlchen der Fachschaft zusammengefunden, ihre Nikolausmützen aufgesetzt und sind losgezogen, um Weihnachtsstimmung zu verbreiten. Die Tradition des Weihnachtssingens besteht nun schon seit vielen Jahren und hat sich mittlerweile richtig ausgeweitet. Seit vorletztem Jahr beglücken wir nicht nur die Professoren, sondern auch das Studium Generale. Ein herzlicher Dank an Herrn Professor Starbatty, der uns zu Beginn der Veranstaltung wieder Zeit zur Verfügung stellte. Auf Anregung von Herrn Professor Grammig konnten sich dieses Jahr auch die Studenten in der EDA-Vorlesung anunseren Gesangskünsten erfreuen. Das Programm war auch dieses Mal vielfältig: Neben traditionellen Weihnachtsliedern wie „Adeste fideles“ wurde auch „Wonderful Dream“ von Melanie Thornton zum Besten gegeben – genau, das Lied aus der Werbung einer beliebten Limonade-Marke. Für WiWiStudenten durchaus angemessen, wo selbige Limonaden-Marke angeblich mit einer Marketing-Strategie den Weihnachtsmann erfand. Doch es ging wie jedes Jahr nicht nur um Weihnachtslieder und -stimmung, sondern vor allem um den guten Zweck. Dieses Mal haben wir um Spenden für zwei Organisationen gebeten: die Tübinger Tafel und den Verein Nitya Seva e.V. Die Tübinger Tafel hilft seit 1998 einkommensschwachen und bedürftigen Menschen

und Familien mit Lebensmitteln weiter. Mittlerweile versorgt sie ungefähr 1200 Kunden, aber der Bedarf ist leider sehr viel größer und weiterhin steigend. Der Verein NITYA SEVA kümmert sich seit dem Jahr 2000 in Indien um Straßen-, Slum-, Bahnsteig- und kranke Kinder. Er betreibt zwei eigene Kinderheime und bietet den Kindern so ein Dach über dem Kopf, medizinische Versorgung, tägliche Mahlzeiten und Bildung. Am Ende konnten wir eine Rekordsumme von 1100 Euro „ersingen“, die jeweils zur Hälfte an die beiden Organisationen geht. Damit kann in Indien ein Kind ein ganzes Jahr versorgt werden. Wir möchten uns an dieser Stelle nochmals bei allen Sängern für die Unterstützung und vor allem bei den Spendern für die großzügigen Spenden bedanken! Tanja Wettingfeld


3. 1 r e d , Freitag

Praller Sonnenschein, frisch gemähter Rasen, junge athletische Körper, die sich in der Hitze präsentieren… Was kann es Schöneres geben? Dieser 13. Mai hatte sich, trotz abergläubischer Vorbelastung dieses Datums, extra fein herausgeputzt, um den diesjährigen Wiwilympics einen perfekten Rahmen zu bieten. Die Lehrstühle nutzten ihre Vorbereitungszeit auf dieses sportliche Event der Spitzenklasse intensiv – die Einen im Trainingslager, die Anderen am heimischen Schreibtisch beim Verfassen einer Ausre…verletzungsbedingten Absage. Und somit präsentierte sich dieses Jahr nur die ausgewählte Elite von vier Teams auf dem Grün der Unianlage. Es wurde im Vorweg viel über die optimale Taktik diskutiert, Spionage bei anderen Teams betrieben und schließlich dem ersten Spiel des Turniers entgegengefiebert. Damit sich alle Sportler auch voll und ganz auf eine Disziplin konzentrieren konnten (und wegen Mangel an Anmeldungen), entschied sich das Orga-Team dieses Jahr dafür, ein reines Fußballturnier zu veranstalten. Das traditionelle Eröffnungsspiel – BWL gegen VWL – heizte die Stimmung für die folgenden Spiele schon richtig an. Die BWLer konnten sich am Ende mit einem recht klaren Vorsprung durchsetzen.In den ersten Spielen der Hauptrunde zeichneten sich allmählich die Favoriten ab. Die „Stats on Fire“ (Lehrstühle Grammig und Biewen) fanden schnell Fuß (und Tor) auf dem Unisportgelände und setzten sich in ihren ersten Spielen durch, wohingegen die „International Economics“ einfach nicht so richtig ins Spiel finden wollten. Das Team der Fachschaft

ordnete sich – wie es sich für einen anständigen Gastgeber gehört – im mittleren Feld ein. So kam es im Finale zu der Begegnung zwischen den zuvor erwähnten „Stats on Fire“ und den ebenfalls mehr als passabel spielenden „dulce et decorum“ (Lehrstühle Schöbel ). Diese schielten schon mit einem Auge auf den Wanderpokal, der in der Sonne glänzte. Ob sie nun von diesem Anblick geblendet wurden, oder die Statistiker einfach alles genau berechnet haben, weiß man nicht. Fakt ist, sie unterlagen in einem packenden Finale. Somit stand der Sieger der Wiwilympics 2011 fest: Die „Stats on Fire“ konnten neben Ruhm und Ehre die Trophäe mit nach Hause nehmen und werden hoffentlich im kommenden Jahr die Mission Titelverteidigung antreten. Mit dem abschließenden Zusammensitzen bei Pizza und Expertenschnack fand das sportliche Highlight dieses Jahres einen würdigen Ausklang in der milden Abendsonne. Ohne Verletzte, dafür mit jeder Menge Spaß boten die diesjährigen Wiwilympics – trotz Professoren, die leider überwiegend mit Abstinenz glänzten – ein mehr als gut anzusehendes sportliches Ereignis, das definitiv Lust auf mehr gemacht hat. Wir hoffen, dass es auch den beteiligten Teams gefallen hat, bedanken uns nochmals für das Engagement von allen Seiten und freuen uns schon jetzt auf das nächste Jahr! Alexander Schmidt

wiwilympics

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we

etz N i w i ins„W

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ünMensch sollte in seinem Leben ein Haus GrJeder

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gebaut, ein Kind gezeugt und einen Verein gegründet haben - HÄ? Da stimmt doch was nicht?, Das Bäume pflanzen überlassen wir lieber den Stuttgartern am Bahnhof, wir sind ja schließlich Wiwis. Die 22 Gründungsmitglieder, die sich am Samstag, den 09.04.2011 um 15 Uhr im Gebhard-Müller-Saal einfanden, haben sich stattdessen dieser Lebensaufgabe angenommen und einen Verein gegründet. Der Verein versteht sich als Alumni- und Förderverein der Wirtschaftswissenschaft an der Universität Tübingen. Ein grundsätzliches Ziel ist die Vernetzung zwischen Fachbereich, Studierenden, Alumni und Unternehmen. Aus diesen Bereichen kommen auch die insgesamt 22 Mitglieder, die den Verein feierlich gründeten. Künftig soll durch die Arbeit des Vereins die Bindung der Alumni an den Fachbereich vertieft werden und auf eine unabhängige und besser finanzierte Grundlage gestellt werden. Dazu soll ein breiteres Angebot für die Alumni und die Studenten geschaffen werden, wie z. B. ein „Zehnjähriges Jubiläumstreffen“ für Alumni inklusive der Verleihung eines „Goldenen Diploms“. Für die Studierenden sollen in Zusammenarbeit mit den Studierendeninitiativen an der Fakultät eine Vielzahl verschiedener Veranstaltungen realisiert werden, z. B. in den Bereichen Karriereplanung und Praxiskontakte. Darüber hinaus plant der Verein die Vergabe von Stipendien, beispielsweise für Studierende, die im Rahmen ihrer Abschlussarbeit eine Konferenz besuchen möchten.

wiwi-netzwerk

ngen i b ü T rk

Der Gründungsvorstand setzt sich aus acht Personen zusammen. Der Alumnus Jochen Buchele (Abschlußjahrgang 1996) wurde zum Vorsitzenden gewählt, Stefan Büttner, Promotionsstudent, wurde zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Den erweiterten Vorstand bilden der Alumni-Beauftragte des Fachbereichs, Professor Dr. Bernd Jahnke, sowie die Alumni Holger Wanko (Abschlußjahrgang 2005) und Dr. Achim Kindler (Promotion 1995). Außerdem im Vorstand sind die Studierenden Annegret Brauß, Janika Helms und Maximilian Kittner. Geschäftsführer des Vereins ist Sven Luithardt, der Alumni-Referent des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaft. Wenn ihr also auch nach eurem Abschluss weiterhin mit dem Ort und Umfeld in Kontakt bleiben möchtet, wo ihr die wohl beste Zeit/ eine der wohl besten Zeiten eures Lebens verbracht habt, dann solltet ihr schnell Mitglied werden! Meldet euch an unter alumni@ wiwi.uni-tuebingen.de . Janika Helms und Maximilian Kittner


“

durchfallquoten ZwischenprĂźfung

Wintersemester 2010/11 Haupttermin Februar 2011 Klausur

Teilnehmer

nicht bestanden

Haupt

Neben

Haupt

Neben

BW WI

12

6

2

2

EDA

225

25

37

Einf Wiwi

134

97

I&F

153

Makro I

Durchfallquote Haupt

Neben

Durchschnitt Haupt

Neben

16,67% 33,33%

2,68

3,95

5

16,44% 20,00%

2,88

3,34

12

25

8,96%

25,77%

2,15

3,36

24

23

9

15,03% 37,50%

3,13

3,74

133

13

4

4

3,01%

30,77%

2,47

3,63

Mathe

234

88

28

37

11,97% 42,05%

2,72

3,68

QM

129

15

13

8

10,08% 53,33%

2,58

3,91

ReWe

229

30

17

13

7,42%

43,33%

2,39

3,79

P-Recht

196

7

5

0

2,55%

0,00%

2,04

3,49

Nachholtermin April 2011 Klausur

Teilnehmer

nicht bestanden

Durchfallquote

Durchschnitt

Haupt

Neben

Haupt

Neben

Haupt

Neben

Haupt

Neben

BW WI

15

2

2

0

13,33%

0,00%

2,99

2,85

EDA

48

8

13

4

27,08% 50,00%

3,47

4,00

Einf Wiwi

126

49

7

13

5,56%

26,53%

1,97

3,11

I&F

79

11

15

3

18,99% 27,27%

3,21

4,00

Makro I

100

9

12

8

12,00% 88,89%

2,86

4,67

Mathe

38

46

13

18

34,21% 39,13%

3,21

3,75

QM

72

3

8

2

11,11% 66,67%

2,81

4,33

ReWe

35

20

8

3

22,86% 15,00%

3,27

3,52

P-Recht

42

2

5

1

11,90% 50,00%

3,03

4,50

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Bachelor/Master – Umstrukturierung

Nachdem die Universität vor einem Jahr bereits große Änderungen angestoßen und Fakultäten zusammengelegt hat, stehen nun weitere Veränderungen an: Alle Studiengänge der Universität sollen bis zum Wintersemester 2012 akkreditiert werden, d.h. einheitlich gesetzten Qualitätsstandards entsprechen. Die Akkreditierung wird durch eine unabhängige Akkreditierungsagentur durchgeführt und dient den „Eliteambitionen“ der Universität. Dazu wurde unter der Führung der Prodekanin Frau Gropper, ein Leitfaden in der „Studium und Lehre“-Kommission des Senats entwickelt, an dem sich die künftigen Studiengänge messen müssen. Dieser Leitfaden soll mittelfristig auf alle Studiengänge übertragen werden, damit die Uni als Ganzes akkreditiert werden kann und nicht jeder einzelne Studiengang akkreditiert werden muss. Im Fachbereich WiWi wird die Umsetzung des Leitfadens für unsere Bachelor- und Masterstudiengänge in der Studienkommission, kurz Stuko, besprochen. In ihr sind drei Gruppen vertreten: Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter und Studierende aus der Fachschaft. Um bei dem Umsetzungsprozess mitzuarbeiten wurde ein Arbeitskreis eingerichtet, der sich wöchentlich trifft und bemüht ist, die studentischen Interessen innerhalb des Prozesses zu vertreten. Zusätzlich bringt die Fachschaft im Zuge der Reform noch eigene Verbesserungsvorschläge für die Studierbarkeit der Studiengänge ein. Hierzu zählen exemplarisch das Aufbrechen der VWL-Schwerpunktmodule oder auch eine geringere Gewichtung der Noten des ersten Semesters. Besonders der Wunsch nach mehr Wahlfreiheit in höheren Semestern wurde von den Professoren positiv aufgenommen, da die Regelung drei 14 Schwerpunkte zu je mindestens 15

ECTS zu belegen oft zu massiven Einschränkungen führt. Doch nicht nur die Fachschaft nimmt die Umstrukturierung als Anlass, eigene Ideen einzubringen. Auch von Seite der Lehrenden gibt es Reformvorschläge: Insbesondere soll die Attraktivität der Masterstudiengänge im Bereich I-VWL erhöht werden. Die Bewerberzahlen für die volkswirtschaftlichen Master liegen in den letzten Jahren auf einem niedrigen Stand und sind mit den Bewerbungen für die Bachelorstudiengänge nicht zu vergleichen. So scheinen aus professoraler Sicht die dreisemestrigen Masterstudiengänge zum einen auf externe Bewerber keine so hohe Attraktivität zu haben, während zum anderen viele “International Economics”Studierende Tübingen nach dem Bachelor verlassen, um ihr Studium anderorts fortzusetzen. Da den Professoren besonders die Masterstudiengänge am Herzen liegen, weil sie dort ihren wissenschaftlichen Nachwuchs finden und die Reputation des Studienstandortes entscheidend geprägt wird, soll die Anziehungskraft der Masterstudiengänge erhöht werden. Deswegen wird eine Erweiterung des Masterprogramms auf vier Semester angestrebt, um den Studiengang an die bundesweit übliche Struktur anzupassen. Da man aber nach Landeshochschulgesetz nicht mehr als zehn Semester Regelstudienzeit an einer Universität absolviert werden dürfen, heißt das im Umkehrschluss, dass der International Economics Bachelor zwangsläufig auf sechs Semester gekürzt werden müsste. Da hierbei natürlich Inhalte vom Umfang eines Semesters eingespart werden müssten, ist es von besonderem Interesse seitens der studentischen Vertreter, dass einzigartige Tübinger Profil zu wahren. Hierzu müssen Kompromisse gefunden werden, die sowohl den Anforderungen der Professoren als auch den sprechen und gleichzeitig mit den Landesregelungen und dem universitätsweiten


Leitfaden vereinbar sind. Wünschen der Studierenden bestmöglich entWir sind der Ansicht, dass ein iEco Studiengang mit nur noch sechs Semestern an Qualität und Attraktivität einbüßen wird, konnten diese Meinung aber nicht gegen den Professoralen Konsens durchsetzten. Der siebensemestrige iBA-Bachelor soll dahingegen weitestgehend unverändert bleiben. Zum einen sind die BWL-Professoren mit der Bewerberquote für den Masterstudiengang zufriedener und zum anderen ist der Berufseinstieg für Betriebswirte nach dem Bachelor keine Seltenheit, während ein Masterabschluss für einen Volkswirten nahezu Pflicht ist. In diesem Studiengang ist also ähnlich wie bei “Economics and Business Administration” die Anpassung an den Leitfaden bei Wahrung des derzeitigen Profils die vordringlichste Aufgabe. Neben den Reformwünschen der Professoren und Studierenden, gibt es auch Reformverpflichtungen, die sich direkt aus dem entwickelten Leitfaden ableiten und deren Umsetzung die Mitarbeit der Fachschaft zur Berücksichtigung studentischer Interessen bedarf. So beinhaltet der Leitfaden vor allem die Umstrukturierung der Leistungspunkte von dem uns bekannten 7,5-er auf ein 3er/6er/9er System, das Erhöhen des Umfangs der Schlüsselqualifikation auf 21 ECTS-Punkte, sowie die Aufwertung der Bachelorarbeit auf 12 ECTS-Punkte. Auf Grund dieser Anforderungen, haben die Mitglieder des Arbeitskreises angefangen, mögliche neue Studienpläne zu entwickeln, Veranstaltungen zu verschieben und Konzepte für die Schlüsselqualifikationen, wie etwa Pflicht-SQ für Sprachen, zu entwerfen. Weiterhin konzentriert sich der eingerichtete Arbeitskreis derzeit darauf, in Einzelgesprächen mit den Lehrenden, unsere Ansichten und Forderungen mitzuteilen und den Umgestaltungsprozess aktiv mitzugestalten. Eines unserer Anliegen ist neben den oben genannten Beispielen, dem

Aufbrechen der Schwerpunktmodule sowie der Reduzierung der Notengewichtung zu Studienbeginn, eine gerechte Vergabe von Leistungspunkten für Veranstaltungen. Mathe hat seit der Umstellung vom Diplom- auf das Bachelor-Ssystem und der damit einhergehenden Verkürzung von zwei Semestern auf eins, einen deutlich erhöhten Arbeitsaufwand. Deswegen wäre es aus Sicht der Studierenden nur nachvollziehbar, dies auch in der ECTS-Anzahl zu berücksichtigen. Insgesamt müsste sehr genau überprüft werden, dass der Arbeitsaufwand auch der ECTS-Veränderung angepasst wird. Eine Credit-Aabsenkung von 7,5 auf 6 müsste ebenso eine Stoffkürzung um 20% nach sich ziehen, damit die Belastung nicht durch die Hintertür erhöht wird. Hier wird zukünftig eine genaue Absprache mit den Dozenten bezüglich der Lehrangebote nötig sein. Weiterhin ist der Erhalt der Sprachenausbildung und des möglichen interdisziplinären Profils eines der Hauptanliegen der Fachschaft. Auch eine vielseitigere Leistungsprüfung gehört zu diesen Anliegen. Somit begreift die Fachschaft die notwendige Reform der Studiengänge im Zuge der Akkreditierung als Möglichkeit aktiv an der Gestaltung der neuen Studiengänge teilzuhaben, um die studentischen Interessen einzubringen und eine gute Studierbarkeit sicherzustellen. Trotz der Kompliziertheit des Prozesses und des hohen Arbeitsaufwandes, ist eure Fachschaft weiterhin engagiert, die studentischen Interessen zu vertreten, auch wenn diese Studienreform wohl erst zum Wintersemester 2012/2013 in Kraft treten wird. Johannes Debelius, Lennart Stangenberg und Thomas Arnold

bachelor/master

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„Bis nach Toulouse...“

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Südwestfrankreich – Sonne, Rugby und Foie Gras... Aber studieren? Auch das geht: Ich habe zwei Semester lang an der Universität Toulouse Internationale VWL und Finance studiert. Im Gegensatz zu den meisten Tübinger Frankreichlegionären habe ich mich also entschlossen, nicht an eine unserer Erasmus-Partnerunis zu gehen, sondern mich sozusagen auf eigene Faust in Toulouse zu bewerben. Die Bewerbung war eigentlich überraschend unkompliziert: Außer eines Französisch-Sprachtests und den üblichen Dokumenten wie Lebenslauf, Notenspiegel und Motivationsschreiben ist nichts anderes verlangt. Außerdem sind die Studiengebühren mit 150 Euro für das Jahr (!) erfrischend gering. Aber warum Toulouse? Nun, zunächst ist Toulouse eine der besten VWL-Unis in Frankreich und die angeschlossene Toulouse School of Economics zählt mit zu den besten VWL-Forschungsinstituten der Welt und ist u.a. die Heimat des berühmten Industrieökonomen Jean Tirole. Doch auch außerhalb der Uni bietet die Region vieles. So ist die Stadt für mich persönlich (vielleicht mal von Paris abgesehen) die Schönste Frankreichs. „La ville rose“, wie Toulouse wegen der mit rosaroten Backsteinen gebauten Häusern auch genannt wird, bietet alles, was das Herz begehrt. Eine wunderschöne Innenstadt mit dem Place du Capitole als Höhepunkt, vielen Museen, Veranstaltungsorten, Theatern, der Oper und nicht zu vergessen mit „Stade Toulousain“ die beste Rugby-Clubmannschaft der Welt. Und natürlich findet man an allen Ecken – typisch französisch – kleine Cafés, Crêperien und Bäckereien, die im sonnenverwöhnten Südfrankreich immer gut besucht sind.

Und wer genug hat von Toulouse, der hat die Qual der Wahl: Bordeaux, Lourdes, Perpignan und damit also Atlantik, Mittelmeer oder Pyrenäen liegen alle maximal nur zwei Stunden von Toulouse entfernt. Und auch Barcelona liegt nur vier Autostunden entfernt. Wer auch mal weiter weg will (aber wer will das schon), der findet am Flughafen Blagnac Verbindungen in die ganze Welt... Apropros Flughafen: Hier findet sich der Hauptsitz von EADS und für Technik-Fans ist der Besuch der Airbus A380-Produktionsstätten ein Muss! Aber noch mal zurück zur Uni. Die Bewerbung auf eigene Faust hat einen Nachteil, denn auf das Erasmus-Privileg, sich die Kurse, auch aus dem Master-Programm, frei aussuchen zu können, muss man leider verzichten. Aber, und das ist ein großes aber, durch diese spezielle Bewerbung wird man als fest eingeschriebener Student betrachtet und das heißt, dass man am Ende des Jahres so „ganz nebenbei“ einen französischen Bachelor-Abschluss in der Tasche hat, denn in Frankreich gibt es kein Bachelor-Paper und so muss man lediglich alle Prüfungen bestehen, um das Jahr erfolgreich abzuschließen und französischer Bachelor zu werden. Die zu belegenden Veranstaltungen reichen von Mikro und Makro, die übrigens von Semester 1 bis 6 immer stattfinden, über Trade und Internationaler VWL bis hin zu Finance- und


auslandsbericht Monetary Economics-Veranstaltungen, wie es sie zumindest zu meiner Zeit in Tübingen nicht gab. Es fällt aber auf, dass das Niveau an der französischen Uni zumindest im Bachelor dann doch etwas unter dem in Tübingen liegt. Die Vorlesungen sind im Allgemeinen eher verbal als mathematisch und die Professoren lassen sich mehr Zeit, den Stoff an die Studenten zu vermitteln, was das Tempo der Vorlesungen dann doch deutlich verringert. Das mag aber auch an der Art und Weise der Stoffvermittlung liegen, denn ich musste zu meinem Leidwesen feststellen, dass die Slides der Profs NICHT an die Studenten weitergegeben werden, es sogar manchmal gar keine Slides gibt und einem somit nur ganz viel Papier und ein gutgefüllter Kuli bleibt. Ein schöner Nebeneffekt des Studiums in Toulouse ist übrigens die deutliche Verringerung der studententypischen Faulheit, denn wenn man am Ende in fünf aufeinander folgenden Tagen sieben Klausuren zu bewältigen hat, kann man gar nicht anders, als schon etwas früher mit dem Lernen zu beginnen. Doch ein geübter Tübinger Student kann es trotzdem schaffen, einigermaßen gute Noten zu bekommen, denn diese Klausuren sind so aufgebaut, dass man in den anderthalb verfügbaren Stunden die gestellten Aufgaben in einer Stunde locker lösen kann und einem somit genügend Zeit zum Nachdenken bleibt. Wer jetzt denkt, dass mein Auslandsjahr dann ja ganz viel Studium und wenig Spaß beinhaltet, der sei beru-

higt, denn dem war ganz undgar nicht so. Der Großteil meiner Kurse war von Erasmus- und anderen Studenten aus allen Herren Ländern gefüllt und diese schnell geknüpften Kontakte ermöglichten fast täglich Koch- und Partyabende, die sich dann spätabends in den zahlreichen Clubs, Kneipen und Diskos von Toulouse fortsetzten. Außerdem ist es recht unkompliziert, als ausländischer Student an den immer mal wieder organisierten Erasmus-Ausflügen teilzunehmen und so auch etwas von dem vorher schon ang esprochenen schönen Umland zu sehen. Leider vergingen meine etwas mehr als neun Monate in Toulouse viel zu schnell und ich kann nur hoffen, bald wieder in den „Süden“ zurückkehren zu können. Deswegen möchte ich jedem, der sich überlegt, nach Frankreich zu gehen, unbedingt empfehlen Tolouse in Erwägung zu ziehen. Unverständlicherweise ist es unter uns Tübingern noch ein Geheimtipp und der geringe Mehraufwand für die Bewerbung lohnt sich alle Mal! Also: Auf alle Fälle „bis nach Toulouse“! P.S.: Wer mehr Infos haben möchte, kann sich gerne bei mir melden! Stefan Rohm

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Um die restliche Visumszeit nach dem Semester in den USA nicht einfach verfallen zu lassen, bietet es sich an, einen Roadtrip zu machen. Im Folgenden ein paar Tipps und Tricks und nur eine von unzähligen Möglichkeiten, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten noch einmal zu bereisen: Wir überlegten uns bereits vor der Abreise in die USA, auf jeden Fall die Westküste der USA zu bereisen. Dies hat den Vorteil, dass es dort im Dezember und Januar sehr viel wärmer ist als an der Ostküste. Wer bereits bei der Buchung seines Fluges in die USA weiß, dass er noch reisen wird, sollte hier also auch einen eventuellen Inlandsflug mit einplanen; Das spart Zeit und Geld!

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- Ein guter Plan ist sehr hilfreich, solange er immer noch Platz für spontane Änderungen lässt! Hier jetzt also eine von wirklich unzähligen Möglichkeiten eines Roadtrips entlang der Westküste, wobei unser Trip definitiv das Potential hat, um als legendär in die Geschichte einzugehen:

Hier einige Tipps, bevor wir über unsere 21.12. Ankunft LAX. Die Abholung mit dem Route berichten: bereits abgeholten Auto durch die LA-„Locals“ ist Luxus. · Ein „Basiscamp“ an einem Campus der CSU 22.12. LA zeigt sich von seiner unschönen (California State University, Anm. d. Redak- und regnerischen Seite. Macht nichts: Das tion) ist optimal, um überflüssiges Gepäck Studentenwohnheim in Dominguez Hills, das während der Reisezeit aufzubewahren. unser Ausgangslager ist, ist trocken und könn· Bevor ihr den Rückflug festlegt, schaut un- te jederzeit als Kulisse in einem typischen bedingt nach, wann euer Visum abläuft. amerikanischen Collegefilm dienen. 23.12. Sonne, blauer Himmel und „The hap· Mietet euer Auto so früh wie möglich. · Plant im Auto viel Platz ein: in einem 7-Sitzer piest place on earth“: Disneyland! Absolutes sind 5 Leute + Gepäck machbar; jedoch nur, Muss: die Parade der Disneyfiguren, das wenn die Hälfte des Gepäcks im „Basiscamp“ Feuerwerk und der Indiana-Jones-Ride. Tipp: bleibt. Einige Fahrgeschäfte bieten „Skip-the-line“· Spart euch Geld, indem ihr kurzfristig (1-2 Tickets, was viel Zeit sparen kann. Tage im Voraus) Hotels über die Website 24.12. Heiligabend in Hollywood in T-Shirt www.hotwire.com bucht. und mit Burgern als Festessen. · Eine Luftmatratze kann manchmal den Tag, 25.12. Sightseeing: Kodak-Theatre, Walk of vor allem aber die Nacht, retten. Fame, Chinese Theatre, Hollywood-Sign · Achtet auf die Flyer, die in den Hotels aus- 26.12. Universal Studios: Gerade die Studioliegen, um auf aktuelle Veranstaltungen auf- Tour und der Simpsons-Ride würden eine lanmerksam gemacht zu werden. ge Wartezeit rechtfertigen. · Tickets für diverse Freizeitparks etc. bekom- 27.12. Über Huntington sowie Laguna Beach men Studenten der CSU günstiger! geht’s nach San Diego. Wer das Ego pushen will, kann bei tollem Sonnenuntergang ins

roadtrip USA


Meer springen. 28.12. Nach anstrengender Fahrt kann ein Strandtag am Mission Beach nicht schaden! Zum Sonnenuntergang unbedingt nach La Jolla fahren und Fotos für sämtliche nächsten Weihnachtskalender machen. 29.12. Shoppen im Outlet am Grenzzaun zu Mexiko; „Last exit in the US“ auf keinen Fall verpassen! 30.12. Seaworld – gute Möglichkeit, Geld zu sparen: Nicht hingehen! 31.12. Downtown San Diego, Seaport Village und Point Luma sollte man gesehen haben. Der Balboa Park ist ein tolles Ziel, falls man nicht geistig schon auf die Silvesterparty am Abend eingestellt ist. 01.01. Von San Diego geht’s über Venice Beach nach Santa Barbara. 02.01. Regen in Santa Barbara – Burger, Beer and Bowling sind die perfekte Lösung. Danach weiter nach Monterey mit Abendessen im „Bubba Gump“, genauso, wie es Forrest auch geschmeckt hätte. 03.01. In Monterey auf jeden Fall den Seehunden in Fisherman’s Wharf beim Sonnenbad zusehen und über den 17-Miles-Drive fahren, der mit Sicherheit einer der schönsten Abschnitte der gesamten Westküste ist. Auf dem Weg nach San Francisco kann noch ein Umweg über die „Mission San Juan Bautista“ eingeplant werden – nicht nur, weil das

Kloster als Filmkulisse für Hitchcock’s Vertigo gedient hat. 04.01. Einfach mal eine Runde Relaxen im Hotel in Downtown San Francisco; Abendessen in Chinatown. 05.01. Eine Stunde südlich von San Francisco befindet sich „Ano Nuevo“, ein Naturschutzgebiet in dem sich Seelöwen treffen. Vorher im Internet recherchieren und anmelden, um Einlass zu erhalten! 06.01. Ab aufs Cable Car und runter zur Fähre nach Alcatraz. Danach schlendern in Fisherman’s Wharf, einen Blick auf die Serpentinen der Lombard Street werfen und zum Coit Tower laufen.

07.01. Golden Gate Bridge – Erinnerungsfotos bei absolut nebelfreiem Hintergrund! Damit kann nicht jeder angeben. 08.01. Fahrt zum Yosemite National Park. „Schneekettenpflicht“ wörtlich nehmen und nicht erst am Parkeingang kaufen! Winterfeste Kleidung ist stark von Vorteil und der Akku der Kamera sollte voll aufgeladen sein. Sobald es dunkel wird, auf zum Zwischenlager in Fresno.

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09.01. Von Fresno zurück an die Küste nach Pismo Beach und für zwei Stunden Quads mieten, um über Sanddünen zu cruisen. Danach ab nach Las Vegas! 09.01. – 13.01. “What happens in Vegas…” Hinweis: Der Grand Canyon ist ca. fünf Autostunden, der Hoover-Dam 45 Minuten entfernt. 14.01. Zurück nach LA. Zeit für einen Film im Kino und geniale Burger im „Island’s“. 15.01. Ein kompletter Tag am Strand, und das Mitte Januar! 16.01. Rückflug nach Deutschland, aber nicht ohne das NBASpiel und Stadtderby zwischen den siegreichen Clippers und den Lakers anzusehen. Selbstverständlich kam auf dem Roadtrip auch der partytechnische Teil zur Geltung, und das auf keinen Fall zu knapp!

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Auf eine nähere Beschreibung von Bars und Clubs, Wohnheim- und Poolpartys sowie allgemeinen Eskalationen in Hotelzimmern wurde absichtlich und aus guten Gründen verzichtet. Wer jedoch zusätzliche Informationen über den Roadtrip benötigt, darf sich gerne an uns wenden! Sebastian Graf, Markus Lambrecht und die gesamte Crew ;)


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Spannendes Praktikum während oder nach des Studiums??? Jung, qualifiziert und ausgenutzt - drei Adjektive, die vermutlich viele mit Praktikanten assoziieren. Kaffee kochen statt selbstständig Daten mit Hilfe von Statistik-Software zu analysieren, Bilanzen abheften statt selbst Einblicke in Buchhaltung und Bilanzierung in der Praxis zu erlangen, solche erschreckenden Bilder tauchen vor dem inneren Auge eines jeden auf, der sich entschließt ein Praktikum zu machen. Besonders dann, wenn man nicht weiß, was einen erwartet und den Tipp für das Praktikum nicht vom Kommilitonen des nächsthöheren Jahrgangs bekommen hat. Sollte man sich also entscheiden die Zeit

nach dem Auslandssemster oder nach dem Bachelorabschluss zu nutzen, um im Rahmen eines Praktikums ein wenig Praxisluft zu schnuppern, steht man noch vor vielen weiteren, viel wichtigeren Fragen. Während die Entscheidung, ob lieber Wirtschaftsforschung oder lieber Wirtschaftsprüfung noch relativ leicht fallen sollte, stellen die Frage, welche Institution oder Firma, welcher Zeitraum die meisten schon vor größere Probleme. Und dann muss die Bewerbung natürlich auch noch erfolgreich sein! Im Folgenden stellen wir kurz zwei Praktika vor: eines ganz nah, in der Hauptstadt, und eines in einer anderen Welt, Saudi-Arabien.

Praktikum im Auswärtigen Amt in Berlin Nach Ende meines Bachelors hat es mich für ein Praktikum beim Auswärtigen Amt nach Berlin verschlagen. Ich bin dort im Referat für Internationale Diplomatenausbildung tätig, welches zur Akademie des Auswärtigen Amtes gehört. In diesem Referat werden jährlich bis zu 15 Lehrgänge für junge, ausländische Diplomaten durchgeführt, die für einen Zeitraum von bis zu drei Monaten nach Berlin kommen, um in Seminaren und Exkursion mehr über die deutsche Geschichte, Kultur, Außenpolitik, sowie praktische Fertigkeiten zu lernen. Während meines Praktikums habe ich einen deutschsprachigen Lehrgang mit Teilnehmern aus Osteuropa, China, Japan, Mexiko uvm. betreut, sowie mitgeholfen, andere Lehrgänge inhaltlich vorzubereiten. Die Aufgaben sind oftmals organisatorischer Art, aber mir wurde immer die Möglichkeit ge-

boten, auch an den Vorlesungen, sowie Exkursionen in Berlin teilzunehmen, sodass ich selbst viel über deutsche Außenpolitik, Diplomatie, die Arbeit der Referate im Auswärtigen Amt, sowie die Aufgaben der ausländischen Diplomaten gelernt habe. Da das Praktikum im Amt unentgeltlich ist, wird den Praktikanten eine ideelle Entlohnung in Form eines großzügigen Praktikantenprogramms ermöglicht. Somit habe ich ein bis zweimal die Woche frei bekommen, um mir mit anderen Praktikanten ausländische Botschaften, Organisationen wie GIZ, ZIF, Transparency International und Institutionen wie die OECD anzuschauen. Im Rahmen der regelmäßig stattfindenden Kamingespräche habe ich außerdem mehr über die Arbeit der Diplomaten im In-und Ausland erfahren sowie die Gelegenheit bekommen, mir schwerzu- 21


gängliche Orte wie das Krisenreaktionszentrum anzuschauen. Auch wurde den Praktikanten die Möglichkeit geboten, bei Konferenzen wie der NATO-Außenministerkonferenz mitzuhelfen, oder an Podiumsdiskussionen hochrangiger Politiker zu den Themen Entwicklungspolitik und Europafragen teilzunehmen.

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Bei dieser gut bezahlten Tätigkeit bereitet man dann einen Kurslehrgang (s.o.) vor und betreut während des Kurses die Teilnehmer. Ich werde nun auch spontan länger bleiben, um Diplomaten aus Afrika zu begleiten und freue mich schon auf die spannenden Diskussionen mit Teilnehmern aus vielen afrika-

Die Bewerbung im Auswärtigen Amt ist leider eher längerfristig angelegt, da man sich bereits 6 Monate vorher über die OnlineMaske auf der Homepage des AAs bewerben muss. Dort kann man dann bis zu 9 Präferenzen angeben, sowie die Notiz, dass man auch früher verfügbar wäre. Wie die Vergabe dann im nischen Staaten und die Auseinandersetzung Endeffekt von statten geht, ist mit nicht sehr mit Deutsch-Afrikanischen Fragestellungen. ersichtlich und ein bisschen Glück ist sicher auch dabei. Dennoch bin ich überzeugt, dass das Wirtschaftsreferat, die verschiedenen Länderreferate, oder auch das VN-Referat gute Adressen für Tübinger Wiwi-Studenten sind. Ein anderer Tipp ist es, während des Masterstudiums 3-4 Monate als Seminarassistent in der Abteilung für Internationale Diplomatenausbildung tätig zu werden. Elena Scheurlen

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Praktikum im Königreich Auf der Suche nach einem Praktikum für die Zeit nach meinem Auslandssemester wurde ich im Internet auf eine interessante Stelle aufmerksam (thx Costa!): 4-monatiges Praktikum für die Fraport AG im Bereich Marketing und Pressearbeit im Königreich Saudi Arabien. Auf meine Bewerbung hin kam überraschend schnell die Zusage, dass ich zum 1. Februar anfangen könnte! Zunächst war ich skeptisch, da das Ganze ohne Assessment Center, Auswahlgespräch oder Telefoninterview ablaufen sollte, doch durch den informativen eMail-Verkehr mit den Verantwortlichen vor Ort stand meine Entscheidung schnell fest. Als letzte Hürde traf auch das Visum pünktlich ein, womit alle planungstechnischen Zweifel beseitigt waren: Ab dem 1. Februar würde ich am King Abdulaziz International Airport für die Fraport Saudi Arabia Ltd. im Bereich Business Development und Marketing arbeiten, in einem Compound für ausländische Expatriats, zusammen mit einem anderen deutschen Praktikanten in einem Apartment wohnen und alle 30 Tage das Land verlassen, damit das Visum seine Gültigkeit nicht verliert. Das alles wusste ich. Wovon ich keine Vorstellung hatte, waren das Land und die Kultur. Da ich noch nie in einem arabisch geprägten Land war und auch nach der Lektüre von diversen Informationsquellen nicht wirklich wusste, was auf mich zukommen würde, stieg ich leicht nervös in den Flieger, der mich nach Jeddah, einer am Roten Meer gelegenen Millionenstadt, bringen sollte. Nach der Ankunft wurde ich von unserem Firmenfahrer ins „Sharbatly

Village“ gebracht. In diesem von Mauern und Stacheldraht umgebenen Compound, das von Militär und privater Sicherheitsfirma rund um die Uhr bewacht wird, wohnen ca 2000 Leute. Alleine hier kann man es vier Monate lang aushalten: Vom eigenen Supermarkt über Frisör, Poollandschaften, Fitnessstudio, Bowlingbahn, bis hin zu Restaurant gibt es fast alles, was man braucht. Interessanterweise wohnen hier keine Saudis, und diese dürfen nicht einmal als Gäste eine der Poollandschaften betreten! In den vier Monaten meines Praktikums, die ich im Managementbereich des Flughafens absolvierte, bekam ich die Möglichkeit zu sehen, dass Business nicht gleich Business ist. Es gibt riesige Unterschiede zwischen Deutschland und Saudi Arabien, die vor allem in der Arbeitsintensität sichtbar werden. Staatsangestellte arbeiten lediglich von 8.0014.30 Uhr, und sind sehr viel mit Networking beschäftigt, da viele Dinge nur durch gute

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Kontakte umzusetzen sind. Ebenfalls in diese Zeit fällt das Mittagsgebet, wodurch alle Angestellten für eine halbe Stunde beten gehen. Womit man auch rechnen muss, sind vom König spontan ausgerufene Feiertage. Insgesamt hatte ich einige interessante Themen zu bearbeiten: angefangen von Planungen für einen neuen Cargo-Terminal, über das Erstellen eines Marketingplans für einen neuen Passagier-Terminal, Kalkulationen zu erwartender Passagierzahlen, hin zum Ausschreibungsprozess für eine VIP-Lounge. Gerade bei letzterem Punkt wurde sichtbar, wie wichtig gute Beziehungen sind. Als die Ausschreibung zur Neubesetzung an verschiedene Interessenten verschickt werden sollte, 24 meldete sich ein saudischer Prinz, der

Anteile an der Firma hatte, welche die Lounge betrieben hatte. Er meinte, dass er es nicht in Ordnung fände, den Betreiber zu wechseln, wodurch sich der komplette Prozess um mehr als zwei Monate verschob, da niemand einem Prinzen widersprechen kann. Nicht nur aus Sicht des Praktikums war Saudi Arabien eine wertvolle Erfahrung, sondern vor allem aus kultureller. Das Land ist zu 100% muslimisch, mit Makkah und Madinah befinden sich hier zwei der wichtigsten Orte der muslimischen Welt. Als Tourist hat man kaum Möglichkeiten, das Land zu betreten, wodurch die Souks (Märkte) sehr traditionell sind, Sehenswürdigkeiten, wie das UNESCOWeltkulturerbe Madain Saleh, nicht von Touristenmassen belagert werden, und man als t


praktika westlich aussehende Person häufig interes- Auch das Flirtverhalten der saudischen Mädsiert, manchmal auch argwöhnisch betrachtet chen hat durchaus etwas Positives gebracht: wird. Bei verschleierten Frauen, von denen man die Figur nur im Ansatz erkennen kann, wird Bevor ich nach Saudi Arabien kam, hatte ich man(n) dazu gezwungen, auf die Augen zu keine Ahnung, was ich vom, nach eigener achten. Also Mädls, wenn ich ab jetzt behaupAussage, „reichsten Land der Welt“, zu er- te, dass ihr schöne Augen habt, meine ich das warten hatte. Meiner Einschätzung nach han- vollkommen ernst. ;) delt es sich um eine Art Entwicklungsland mit sehr viel Öl. Das Land liefert einige Kontraste: Viele Saudis sind reich, leisten sich Yachten und wohnen in riesigen Villen, andere Leute, v.a. Gastarbeiter aus Indien oder Pakistan, verdienen nur 100€ im Monat; neben FreizeitSebastian Graf parks und Kartbahnen findet man öffentliche Hinrichtungsplätze; es gibt riesige Malls, genauso wie traditionelle Märkte. Den größten Kontrast liefert jedoch der Umgang mit Frauen. Diese dürfen nicht Auto fahren, im Normalfall nicht arbeiten und tragen in der Öffentlichkeit sogenannte Abayas, also schwarze Gewänder, welche die Frau fast komplett verhüllen und oft nur einen Schlitz für die Augen offen lassen. Gerade in den Malls gibt es jedoch viele Läden, in denen die Saudis gerne Geld für Dessous, Schuhe und Make-up ausgeben. Die Tatsache, dass Frauen zu Hause das Sagen haben, ist ein offenes Geheimnis! Meine Zeit in Saudi Arabien war eine faszinierende Erfahrung! Neben dem Praktikum habe ich Einblicke in eine mir bis dahin unbekannte Kultur erhalten, von der ich ehrlich gestehen muss, bisher eine falsche und von Vorurteilen geprägte Vorstellung gehabt zu haben.

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i

wie v Bitte sehr,

ein?

ute s e h s ’ f r a d el BWL

den BWL-Anteil zu belassen, greift aus meiner Sicht zu kurz. Zwar ergreifen in der Tat viele VWL-Studierende später einen Beruf, in dem ihre spezifischen Kenntnisse volkswirtschaftlicher Zusammenhänge nicht gefragt sind oder entscheiden sich später für eine Karriere in Finance oder Management, aber es leuchtet mir nicht ein, warum deshalb all diejenigen, die wirklich VWL studieren und zum Inhalt ihres Berufslebens machen wollen, benachteiligt werden sollten.

Die aktuell in den Gremien des Fachbereiches diskutierte Studiengangsreform im Bachelor in International Economics, die am Ende zu einer Reduktion der Studiendauer von 7 auf 6 Semester führen wird, soll vor allem durch eine starke Kürzung der Pflichtelemente in BWL realisiert werden. Zur Disposition könnten dabei die Vorlesungen Rechnungswesen und Privatrecht stehen sowie der Block „2 aus 4“ mit Personal, Marketing, Internem Rechnungswesen und Bilanzen. Einzig Investition Nein, mir geht es vielmehr darum, dass ein und Finanzierung scheint noch gesetzt sowie solides Grundwissen in Unternehmensabläudie Einführung in die WiWi. fen und Managementprinzipien auch für die volkswirtschaftliche Forschung und TagesIch gebe zu, dass eine solche Perspektive politik unabkömmlich ist. Schließlich ist einer für einen Studierenden jüngeren Semester der wichtigsten Grundbausteine eines jeden durchaus verlockend klingen mag. Auch mir volkswirtschaftlichen Modells das Unterneherschienen zu Beginn meines Studiums die men – und um dessen Verhalten über das BWL-Veranstaltungen vor allem als zu überPrimat der Gewinnmaximierung hinaus zu windendes Übel auf dem Weg zu den wirklich verstehen, braucht es eben Kenntnisse über interessanten Dingen der Welt – zum Beispiel dieses Unternehmen. (Gleiches gilt im Übrieiner Einführung in die Makroökonomik. So gen meiner Meinung nach auch für alle angesehen halte ich es auch heute noch für deren Akteure der Modelle wie Haushalte und richtig, dass die damals verpflichtende Vorleden Staat, zu deren Verständnis ein Grundsung in Internem Rechnungswesen auf unser wissen an Psychologie, Soziologie bzw. PoliDrängen hin durch „Principles in Economics“ tik notwendig ist.) ersetzt wurde, um VWL und BWL aus dem Ungleichgewicht herauszuholen, in das sie Als berühmtestes Beispiel aktueller integrierbei der Einführung des Bachelors geraten ter Forschung bietet sich laut rufend die Fiwar. nanzkrise an. Wer beispielsweise möchte behaupten, er könne Erklärungsansätze für die Jetzt aber droht die Balance in die andere Finanzkrise und ihre Rezessionsfolgen liefern, Richtung zu kippen – und das sage ich nicht, der nicht die Funktionsweise einer Bankbilanz weil ich inzwischen zum BWLer mutiert bin versteht? Aber auch ein Verständnis für Theooder einer derjenigen VWL-Studenten bin, die rien der Managementanreize könnte hilfreich sich am Ende doch für eine Karriere im Management entscheiden. Auch die Argumenta26 tion, mit Rücksicht auf solche Studierende

kommentar


sein, wenn man verstehen will, warum so viele Banken dem Herdentrieb hinterherliefen. Auch im Feld der Arbeitsmarktforschung stehen volkswirtschaftliche Betrachtungen und betriebswirtschaftliche Elemente Seite an Seite. Wer zum Beispiel heutzutage Theorien struktureller Arbeitslosigkeit verstehen will, kommt an BWL-Fragen nicht mehr vorbei: Warum zahlen Unternehmen Aufschläge auf die markträumenden Löhne? Welche Kräfte binden Unternehmen und ihr Personal aneinander? Welche Rolle haben Gewerkschaften dabei? Im Feld der internationalen Volkswirtschafslehre geht der Trend in Zeiten heterogener Firmen auch immer mehr ins (Unternehmens-)Detail: Je ausgeklügelter die Theorien werden, desto mehr kümmern sie sich um Anreize und Funktionsformen von Unternehmen – und schwupps landen Marketingtheorien in den Modellen von Industrieökonomen und Handelstheoretikern. Das alles wäre nicht weiter schlimm, hätte jeder Volkswirt mal für ein paar Jahre in der realen Welt gearbeitet und vielleicht in der Bilanzierung, im Personal oder Exportwesen seine Sporen verdient. Solange aber klassische Akademikerkarrieren den Schüler zum Student zum Doktorand zum Professor befördern, muss eben die Universität einspringen und den jungen Studierenden mit den nötigen Grundkenntnissen über Unternehmen und Finanzen füttern.

Besonders schön wird diese Symbiose übrigens in einem Tübinger Original gelehrt und gelebt: der Einführung in die Wirtschaftswissenschaft. Die Veranstaltung, die von BWLern als VWL- und von VWLern als BWL-Einführung bezeichnet wird und ihr ganzes Potential im Grundsteinlegen erst nach vielen Semestern des Studiums zeigt, wird in Tübingen von Professoren und Studierenden nur zu gerne unterschätzt. Ob Öffentliche Güter, Externe Effekte, Erwartungsnutzentheorie, Risiko, Effizienz, Coase, Nash-Gleichgewicht, Verhandlungsmodelle, Cournot, Pareto, Transaktionskosten, Informationsassymetrien... alles schon mal gehört, nicht wahr? Genau – im ersten Semester bei Professor Neus. Und da sage nochmal einer, BWL und VWL seien zwei paar Schuhe in der Wirtschaftswissenschaft.

Philipp Stiel

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oikos Tübingen – students for sustainable economics and management oder Was hat Josef Ackermann mit einer alternativen Studentengruppe zu tun? Auf die Frage, ob an den Universitäten geSt. Gallen: „Eliteschmiede für Vollkarrieristen“, „Mekka der Unternehmensberater von morgen“ „Brutstätte zukünftiger Businesskader“ - so oder so ähnlich lauten die gängigen Klischees unter Studenten. Lustigerweise sowohl bei denen, die damit etwas Negatives, als auch denen, die damit etwas Positives verbinden. Nicht ganz diesem Klischee entspricht Hans Christoph Binswanger. Er ist seit über 40 Jahren Professor in St. Gallen und gilt als einer der profiliertesten Geld- und Wachstumskritiker unserer Zeit. Seine Forschung beschäftigt sich seit den Sechzigern mit den Zusammenhängen von Ökonomie und Ökologie, insbesondere auch dem Zusammenspiel von monetärer, Währungs- und Gleichgewichtstheorie. Hierbei überschritt er oft die Grenzen der klassischen VWL, arbeitete interdisziplinär und bezog psychologische und naturwissenschaftliche Erkenntnisse mit ein. Wenig überraschend, dass er das Erklärungspotential der neoklassischen Modelllehre für recht beschränkt hält. Josef der Realo Dieser Ansicht ist im Übrigen auch sein bekanntester Schüler: Josef Ackermann. Der hat ´77 bei Binswanger über den „Einfluss des Geldes auf das reale Wirtschaftsgeschehen“ promoviert und stellt darin massiv die klassische Ansicht, Geld habe keinen wesentlichen Einfluss auf die Realwirtschaft, infrage. Wie man hört, ist der junge Herr Ackermann mit 28 seinen Thesen recht erfolgreich geworden.

nügend Auseinandersetzung mit den über die klassische Modelllehre hinausgehenden Aspekten, etwa Werten, stattfinde, antwortete Ackermann 2009 in einem Interview: „Viele Entwicklungen haben nichts mehr mit den Modellwelten zu tun, sondern werden durch die Politik oder Maßnahmen der Zentralbank angestoßen. Im Studium muss deshalb auch die Fähigkeit vermittelt werden, politische und gesellschaftliche Strömungen wahrzunehmen. Über Modellwelten und Mathematik geht leicht der Bezug zur Realität verloren.“ (googelt mal „Es fehlt das Geld. Nun gut, so schaff es denn!“) Womit wir zurück zu Herrn Binswanger kommen. Der fand nämlich auch, dass der Realitätsbezug während des wirtschaftswissenschaftlichen Studiums – nicht nur in St Gallen - oft zu wünschen übrig ließ. Daher unterstützte er die Gründung eines Netzwerks, das eben diesen Mängeln entgegenwirken sollte. Der Name dieses Netzwerkes lautet – Ihr erratet es – oikos. Wer oder Was ist oikos? “oikos is the international student organisation for sustainable economics and management and a leading reference point for the promotion of sustainability change agents“ - so steht es zumindest auf der Homepage. Konkret bedeutet dies, dass sich weltweit über 1000 Studenten (und Doktoranden


und Alumni und…) in etwa 40 Regionalgruppen zusammengeschlossen haben, um den Aspekten der Nachhaltigkeit in den Wirtschaftswissenschaften einen, ihnen entsprechenden, hohen Stellenwert beizumessen. Weltweit ist hier übrigens wörtlich zu nehmen, denn es gibt Chapter in Neu-Dehli, Johannesburg, Paris, Prag, … - und seit neuestem eben auch in Tübingen. Ziel des Ganzen ist ausdrücklich nicht, der Wirtschaftswissenschaft irgendeinen ideologischen Stempel aufzudrücken, sondern sich für die Diskussion moderner Forschungsschwerpunkte und Praxiserfahrungen im und um das Studium herum stark zu machen.

oikos

internationale Dachorganisation alle Regionalgruppen für ein Wochenende unter einer thematischen Überschrift zu gemeinsamer Diskussion und zum Austausch einlädt. Hier steht der Netzwerkgedanke im Mittelpunkt und es dominieren, zumindest tagsüber, die klassischen Gesprächsthemen„Wo gibt´s gute Master?“, „Wie ist das Studium in Bayreuth?“, „Was ist das neue Kooperationsprojekt zwischen den Gruppen in Brüssel und Köln?“, „Wer kann einen guten Praktikumsplatz in London empfehlen?“ – Die abendlichen Themen würden vermutlich Anspruch und Umfang dieses Artikels sprengen, aber jeder kann sich ja in etwa ausmalen, was dabei herauskommt, wenn eine Gruppe aus Und was tut also oikos? Indern, Franzosen, Ungarn und Norwegern Oikos organisiert Vorträge, Diskussions-Pa- nachts durch Prag zieht. nels, Readingcircles, Tagungen, Exkursionen und vieles mehr. Dabei liegt der Fokus sehr Was habe ich damit zu tun? klar auf der wirtschaftswissenschaftlichen Du studierst vermutlich in Tübingen VWL, Perspektive. Der Kerngedanke ist es, heutigen BWL oder EcoBa. In diesem Falle hast Du Studenten Erkenntnisse für ihr zukünftiges zwei Optionen: Die eine ist, dass Du sagst Wirken in Forschung und Beruf zu vermitteln. „Ja schön, das hört sich ja alles ganz nett an Und da recht absehbar ist, dass der Sustaina- und jetzt her mit dieser Ökorendite“ – in dem bility-Kontext zukünftig in den meisten Beru- Fall bist Du herzlich eingeladen, zu unseren fen, ganz egal, ob beim IWF, dem Ifo-Institut Vorträgen (zuletzt etwa „ökologisches Anlageoder der Deutschen Bank, eine Rolle spielen rating“), Tagungen („Ökosoziale Hochschultawird, entsteht so eine „win-win“-Situation für ge“) oder Workshops („alternative Wachstumdie Umwelt und die Studenten. Eine Art öko- sindikatoren“) zu kommen. Ganz egal, als logische Bil- was Du später einmal arbeiten möchtest: das dungsrendite, hier hat sicherlich mehr damit zu tun, als die um es mit den Cobb-Douglas-Nutzenfunktion – nehmen Sie Worten eines mir das bitte nicht böse, Herr Stadler. Wirtschaftswis- Die zweite Option ist, dass Du gerade auf dem senschaftlers Tisch tanzt und darüber jubelst, dass Du nicht auszudrücken. allein auf dieser Welt an einem oft eintönigen Daneben gibt und realitätsfernen Studium zweifelst, obwohl es die jährlichen Du Wirtschaftswissenschaften eigentlich für Spring- und Au- ein interessantes Fach hältst. Wenn Du jetzt tumnmeetings, noch ein gewisses Interesse für Nachhaltigbei denen die keit mitbringst und Spaß am Organisieren 29


hast, dann bist auch Du herzlich eingeladen, einmal bei uns rein zu schauen. Dein Vorteil hierbei ist, dass Du bei unserer noch recht jungen Gruppe viele Möglichkeiten hast, Deine eigenen Ideen einzubringen: Du wolltest schon immer mal Amartya Sen im Original lesen? – Gründe einen Lesezirkel! Du würdest gern mehr über Carbon-trade wissen? Lade ein paar Experten ein und lass sie auf einem Panel diskutieren! Was auch immer Dich interessiert, bei oikos findest Du Gleichgesinnte, die Spaß daran haben, etwas mit Dir auf die Beine zu stellen. Weitere Infos gibt’s auf unserer Homepage www.tuebingen.oikosinternational.org

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So, nun wisst Ihr, wessen Geistes Kind oikos ist, was unser Antrieb und unsere Ziele sind und wie wir diese umzusetzen gedenken. Bleibt mir nur noch Euch aufzufordern: „Be informed, get involved, make a difference!“ Oder um es etwas allgemeiner mit den Worten eines anderen kritischen Denkers auszudrücken: „Wer sich nicht darauf einstellt, wie die Welt (wirklich) funktioniert, wird niemals erfolgreich sein.“ - Josef Ackermann Lennart Jansen


Ökonomisch lesen nach der Uni: Welcher Blog darf’s sein? Wer nach der Vorlesung noch nicht genug von Ökonomie hat und ein bisschen mehr aus der aktuellen Wirtschaftswelt und Forschung wissen möchte, findet im Internet eine riesige Spielwiese zum austoben: Blogs, Magazine, Zeitungen, Kolumnen von Journalisten, Akademikern und Praktikern warten auf ihre Leser. Doch wo sollte man anfangen? Wo kann man eine gute Analyse erwarten, wo eine fundierte Meinung? Um es euch ein bisschen einfacher zu machen, haben wir Studierende und Professoren gefragt, was sie lesen und für die ökonomische Abendlektüre empfehlen können. Herausgekommen ist eine kleine Zusammenstellung, in der ihr wohlbekannte Klassiker genauso findet wie ein paar Geheimtipps und – und die besten Econ-Witze... Wir beginnen mit den Tageszeitungen – denn der von den meisten inzwischen in digitaler Variante konsumierte Klassiker im Journalismus ist immer noch bei vielen die Nummer 1 auf der Liste, getreu dem Motto: wer Ökonomie studiert, aber nichts vom Tagesgeschehen weiß, weiß nur die Hälfte. Oder wie Markus Plewa es uns formuliert hat: „Als Ökonom muss man die politische Praxis verfolgen – sonst verliert sich die ursprüngliche Motivation des Studiums“. Welche Tageszeitung man dabei präferiert, ist wohl Geschmackssache – Professor Grammig schwört übrigens auf die FAZ – aber man sollte sich schon ein OnlineAbo gönnen, da sind die Artikel besser, so seine Empfehlung. Wer etwas mehr als nur das Tagesgeschehen journalistisch aufbereitet haben möchte, greift wohl zum Klassiker unter den Ökonomen schlecht hin: den Economist, zu dem Tanja Goodwin nur schreibt: „aber den liest

vermutlich jeder.“ Hier mischen sich fundierte Hintergrundanalysen zu wirtschaftlichen Fragestellungen mit Kolumnen, wie zum Beispiel der uns mehrfach empfohlenen SchumpeterKolumne, die sich hauptsächlich Themen zwischen Innovation und Unternehmertum widmet. Beim Economist ist übrigens der Unterschied zwischen Print- und (kostenloser) Onlineausgabe ebenfalls recht groß – doch mit ein bisschen Suche sollte jeder VWLStudent an ein günstiges Abo herankommen können: es lohnt sich! So spannend das Tagesgeschehen aber auch ist – am Ende fehlt jedem noch so gut geschriebenen und recherchierten journalistischen Artikel die akademische Diskussion, durch die Ideen und Analysen von Ökonomen geschleust werden, bevor sie in akademischen Journals veröffentlicht werden. Leider werden Letztere aber nur von spezialisierten Fachleuten gelesen – weshalb einige Akademiker eigene Blogs oder Internetmagazine nutzen, um ihre Erkenntnisse für die Allgemeinwelt verständlich erklärt darzulegen. Diesen liegen dann häufig komplexe empirische oder theoretische Argumente zu Grunde, die hier aber angenehm aufbereitet konsumiert werden können – teilweise mit eigener, aber immer gut erkennbarer eigener Meinung. Ein Klassiker unter den akademischen Kolumnisten ist Paul Krugman (krugman.blogs. nytimes.com) mit seinem Blog und Kolumnen in der New York Times – empfohlen unter anderem von Professor Kreickemeier für meinungsstarke und nie langweilige Analysen – auch wenn für manchen Geschmack ein wenig zu viel amerikanische Politik dabei sein könne. Für ein Blog-Battle und als Gegendenker eignet sich übrigens 31

blogs


hervorragend der Blog von Brad DeLong (delong.typepad.com), der sich mit Krugman gelegentlich die Blog-Bälle hin und her wirft. Als Alternative zum amerikanischen Blogalltag empfiehlt Matthias Mrotzek den Blog von Hans-Joachim Voth (bgse-trademaster.blogspot.com), Professor für Economic History an der Universität Pompeu Fabra in Barcelona. Voth kommentiert auf seinem Blog das aktuelle wirtschaftliche Geschehen und hinterlegt seine Analyse mit ökonomischer Theorie – teilweise sogar mit direkt verlinkten aktuellen Papers. Seine Analyse verkauft er dabei häufiger mit deutscher Direktheit und gleichzeitig lockerem Schreibstil – eine wohltuende Alternative. Eine Empfehlung von Professor Kohler geht an den Blog von Daniel Rodrik (rodrik.typepad.com) für seine gute und fundierte EconAnalyse – wobei Tanja im Vergleich den Blog von Hamilton und Menzie Chenn noch mehr demjenigen empfiehlt, der eine verständliche Analyse aktueller ökonomischer Analysen sucht. Greg Mankiw’s Blog, auch einer der Klassiker im Krugman-Format, kommt hingegen bei den meisten nicht so gut weg – vor allem wegen seiner „etwas von sich selbst eingenommenen“ Meinung – aber er scheint wohl ein Händchen für Humor zu haben: Für die besten Econ-Witze lohnt sich ein Besuch auf seinem Blog offensichtlich doch. Etwas mehr in den ökonomischen Nischen können wir den Development-Blog von Chris Blattman (chrisblattman.com) empfehlen für seine „on-the-ground Erfahrung“ und Studien aktueller Konflikte. Für die makroökonomische Analyse empfiehlt Professor Kreickemeier die Kolumnen von Martin Wolf in der Financial Times (www.ft.com/comment/columnists/martinwolf).

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Wer mehr als nur eine Meinung lesen möchte, ohne den Blog zu wechseln, der könnte mit der Seite „Ökonomenstimme“ (oekonomenstimme.org) glücklich werden – Benjamin Guin empfiehlt sie, da hier vornehmlich Ökonomen aus dem deutschsprachigen Raum Stellung nehmen. Ein ähnliches Konzept verfolgen übrigens die Seite voxeu.com aber mit Fokus auf die Europa. Die Empfehlung der Redaktion geht aber an die Meinungsseite Project Syndicate (projectsyndicate.org), in der Akademiker und Intellektuelle aus aller Welt (und aus allen Wissenschaften) zu verschiedensten Themen Stellung nehmen – das erweitert den Horizont und die Artikel sind gut verdaulich und nicht zu lang – perfekt für die Kaffeepause sozusagen. So, und wer jetzt noch nicht genug gelesen hat, der darf noch ein bisschen Bilderserie schauen auf Spiegel Online...

Philipp Stiel

PS: Was lesen eigentlich die BWLer? Das hatte ich mich auch gefragt – und mich deshalb besonders auf deren Rückmeldung gefreut. Doch leider bekamen wir auf unsere Emails hier keine Antwort – außer der eines Professors, der uns schrieb, er lese noch keine Blogs – na dann hoffen wir aber, dass dieser Artikel ein paar Anregungen enthält...


erste vs. letzte Reihe Im Laufe des Studiums steht ein Wiwi-Student vor vielen Entscheidungen. Bereits vor der tatsächlichen Hochschulkarriere muss er wählen, ob er sich der BWL oder VWL zugehörig fühlt. Danach die Frage, welche Hochschulform: Eher praxisnah oder doch forschungsorientiert? Hat man sich dann durch den endlos langen Entscheidungsdschungel gekämpft und steht schließlich vor den großen Hörsälen, muss man nur noch eine wichtige Frage klären. Was man im ersten Moment als eher nebensächlich einschätzt, kann zwischen guter und schlechter Note entscheiden: Wo ist der ideale Platz??? So mancher wird sich jetzt fragen, wie der Platz im Hörsaal die Noten beeinflussen soll. Tatsache ist aber, dass die Quote der Leute, die um 8 Uhr morgens in der Vorlesung schlafen, in der ersten Reihe deutlich geringer ist als in der letzten. Und wer aufpasst oder aufpassen muss, spart sich am Nachmittag eine Stunde Nachbereitung, weil man tatsächlich weiß, wovon der Professor geredet hat. Man kann die Stunde natürlich in noch mehr Lernen investieren. Denn wenn wir jetzt noch annehmen, dass mehr Lernen bessere Noten bewirkt, sollte für jeden Effizienz-orientierten Wirtschaftsstudenten klar sein, für welche Reihe er sich entscheidet. Nicht selten knüpft man zudem aus der ersten Reihe aus die ersten Kontakte mit den Dozenten. Sei es die Bitte nach dem Verschieben der drei Overhead-Projektoren in Hörsaal 21 oder ein Blick in die Vorlesungsunterlagen – die Studenten in der ersten Reihe sind stets der erste Anlaufpunkt. Und sollte die Technik im Kupferbau mal wie der streiken und der Dozent sich in alter

Tradition für das Medium „Tafel“ entscheiden, muss man sich nicht durch das Chaos des eigenen Rucksacks kämpfen, um die Brille zu finden. Während die motivierten und meist auch vorbereiteten Studenten in den ersten Reihen Platz nehmen, gibt es auch die, deren Wille zur Mitarbeit eher beschränkt ist und die, die Zeit damit verbringen, fachfremde Materie zu studieren. In den hinteren Reihen geht es also eher gemütlich zu, der ein oder andere trudelt erst eine Dreiviertelstunde nach Vorlesungsbeginn ein, schaut auf die Uhr und fragt sich: „Warum ist bloß erst die Hälfte vorbei?“ Gesprächsthema ist hier keinesfalls der Cournot-Wettbewerb, es beschäftigt vielmehr die Frage, wieso man nach der Party am Samstag eigentlich auf dem Küchenboden aufgewacht ist. Einer solchen Frage kann man natürlich am besten nachgehen, wenn man den verpassten Schlaf erst einmal nachgeholt hat. Ein Risiko besteht allerdings darin, dabei doch noch ertappt zu werden: In den hinteren Reihen schreckt man nämlich erst auf, wenn der besonnene Dozent plötzlich ins Mikrofon brüllt. Vielleicht lohnt es sich dennoch, den Tag ruhig angehen zu lassen, denn wir wissen: Die Letzten werden die Ersten sein! Jane Dreyer und Teresa Fiolka 33


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6o Jahre WZW Das WZW wird 60! Zwar feiert es 2011 noch nicht seinen 60. Geburtstag wie etwa Phil Collins oder Wolfgang Petry, doch immerhin kann das Wort zum WiWi seine 60. Ausgabe präsentieren. Die WZW-Redaktion traf sich nun zum 60. Mal; eine von ungefähr sechzig Redaktionen, die sich jedes Semester neu formierten. Neue Gesichter kamen dazu, brachten neue Ideen und neue Impulse. Die Herausgeber machten sich zum 60. Mal Gedanken über den Inhalt und die Artikel. Wer schreibt welche Berichte? Was interessiert die Leser, die Studenten, die Profs? Wie bringen wir die Uni-Mitarbeiter und Professoren ein? Wie ziehen wir die Leser in unseren Bann? Wer ist verantwortlich für die Sponsorensuche, das Layout und das Titelblatt?

Mehr als 20 Jahre WZW – 60 Ausgaben unserer Zeitung – da können wir bald mit den „ganz Großen“ mithalten. So wird auch das Micky Maus Heft dieses Jahr 60! Davon sind wir leider noch weit entfernt und 50 Ausgaben pro Jahr veröffentlichen wir auch nicht, aber nehmen wir doch einfach mal an - frei nach dem gestrandeten Ökonomen - das WZW wird es noch in 200 Jahren geben, dann stünSo machten wir uns im Vorfeld zum 60. Mal de ihm seine Blütezeit noch bevor. auch Gedanken über die kleinen Lacher am Rande, damit Du nun diese 60. Ausgabe in Auf dass es noch viele weitere Jubiläen geben wird! Händen halten kannst. Sabine Eppinger

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e...

r Jahr e d e f u a L Im

Das WZW wird 60. Um dieses Jubiläum ordentlich zu begehen, wühlten sich drei Redaktionsmitglieder einen Nachmittag lang durch sämtliche alte Ausgaben, um die Entwicklung des WZWs nachzuzeichnen und ein kleines „Best Of“ zusammenzustellen. Früher noch alle zwei Monate herausgegeben, könnt ihr es nun zwar nur noch zweimal im Jahr bewundern, dafür aber in Farbe und mehr als doppelt so dick. Aber nicht nur das Erscheinungsbild hat sich im Laufe der Jahre geändert, sondern auch die Inhalte fallen heute ein wenig anders aus als noch in dem Heftchen von 1990: Während Wir staunten auch darüber, dass manche Studes Stö berns durch die alten Ausgaben sorg- dienbelange uns auch noch heute betreffen. Aber lest selbst! ten nicht nur so manche Titel für Lacher. Da das WZW zu Beginn gemeinsam von den beiden wirtschaftswissenschaftlichen Gruppen FFW und RDCS/Unabhängige herausgegeben wurde, mangelte es nicht an Sticheleien innerhalb des WZWs. „Der Antrag der FFW (sog. „freie Fachschaft“), die Tübinger Ernst-Bloch-Tage „Sozialismus und Demokratie“ mit DM 500.- aus dem Topf der WiWis zu unterstützen, wurde am 25.10. im Fachschaftsrat mit den Stimmen von RCDS/Unabhängige abgelehnt [Nr. 5 (November 1991)] Aber auch die Fachschaftsarbeit an sich war ein Thema… Zur Bearbeitung der Skripte und Aktualisierung der Klausureninfos beschäftigt die Fachschaft zwei Hiwis. Dieser Beschluss wurde einstimmig gefaßt.“ [Nr. 5 (November 1991)] „Von E-Mail Accounts, die in anderen Ländern eine Selbstverständlichkeit sind, will ich gar nicht reden...“ [Nr. 14 Juli 93] „[...]zudem mit bewundernswertem persönlichem Aufwand des Autors erstellt (mechanische Schreibmaschine ohne Umlaute), die Redaktion war gerührt.“ 37 [Nr. 13 Mai 93]


Da die Fachschaft die Interessen der Studenten innerhalb der Fakultät vertritt, gab es natürlich auch Artikel mit Anregungen für neue Studieninhalte, neuen Regelungen oder dem studentischen Miteinander…

„Wer z.B. einmal die amerikanischen Studenten getroffen hat, der weiß, dass ihre Ghettosierung im WHO sicherlich nicht zum Studienerfolg in Tübingen beiträgt, der auch von der Interaktion mit deutschen Studenten abhängt.“ [Nr. 14 Juli 93] Aus: Bleibt Umwelt auf der Strecke? „Einführung eines Wahlpflichtfaches „Umweltökonomik“ ist überfällig. Seit längerem wird an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Uni Tübingen über die Einführung des Wahlpflichtfaches „Umweltökonomie“ gesprochen. [...] Die Entwicklung läuft aber entgegengesetzt. [...] Andere Unis sind da weit fortschrittlicher. [...] Will die Fakultät in diesem Prozess weiter durch Ignoranz auffallen? Gerade in diesem zukunftsorientierten Gebiet ist eine große Nachfrage entstanden: Wir Studenten wissen doch, dass es neben „rein“ betriebs- und volkswirtschaftlichen Fragestellungen immer wichtiger ist, als zukünftige Entscheidungsträger die Belange der Natur zu berücksichtigen.“ [Nr. 10 November 1992] „Kaum zu glauben: da treffen sich 62 Studis aus der ganzen Republik von Rosenheim bis Emden, von Freiburg bis Magdeburg – um ein ganzes Wochenende über Umweltökonomie zu diskutieren.“ [Nr. 14 Juli 93] „Vom Regional-Leerstuhl zum regionalLehrstuhl?“ [Nr. 13 Mai 93]

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„Man erinnere sich: beispielsweise können die Damen den Titel Diplom-Kauffrau (auf Antrag) bekommen. Dies war wohl die unwichtigste Neuerung.“ [Nr. 19 Juli 94]


Aber auch wirtschaftswissenschaftliche Inhalte kamen noch nie zu kurz im WZW. So wurde mehrmals das Clubhausfest als Beispiel für Angebot und Nachfrage verwendet und der Frage nachgegangen, welche Disziplinen der Wirtschaftswissenschaft wirklich benötigt werden. Aus: Die Wiwi-Clubhausfete vom 20.11.97 oder „Planung und Organisation“ „Doch hier zeigte sich wieder einmal, wie wirklichkeitsfremd volkswirtschaftliche Modelle sein können. Denn unsere Kunden hatten (verständlicherweise) kein Verständnis dafür, dass der Bierpreis sich längere Zeit auf einem Niveau um die 5 DM hätte einpendeln müssen, um Angebot und Nachfrage in Einklang zu bringen. Ein niedrigerer Preis war aber nur durch die Manipulation von Angebot und Nachfrage zu bewerkstelligen. Bei der großen Anzahl durstiger Besucher war an eine Rückverschiebung der Nachfrage nicht zu denken. Es musste also eine schnelle Angebotsausweitung bewirkt werden. [...]Insofern war WiWi-Fete wieder einmal ein Paradebeispiel, dass neben einer fundierten Marktanalyse auch betriebswirtschaftliche Aspekte der Planung und Organisation notwendige Bedingungen für eine gelungene Fete vorhanden sein müssen. Daher wäre es sicherlich nützlich, wenn unsere stark VWL (Regional)-lastige Fachschaft wieder einmal Zulauf von Studierenden der Betriebswirtschaftslehre bekommen könnte.“ [Nr. 34/ Februar 1998] Neben BWL und VWL dürfen Statistik und Mathematik natürlich nicht fehlen… „Das Clubhaus-Klischee „Zum Wiwi gehört ein Laptop.“ Zeigt eine hohe empirische Relevanz. Etwa zwei Drittel aller teilnehmenden Studierenden geben an, einen Laptop zu besitzen, weitestgehend unabhängig vom Fachsemester. Knapp Drei Viertel der Studenten geben an, mindestens einmal täglich ihre Emails abzurufen. Wir lernen also: Wer immer noch glaubt, als Laptop-Nutzer zur technologischen Avantgarde zu gehören, irrt gewaltig.“ [Nr. 47 (WS 2004/05)] „Mathematiker haben errechnet, dass ein Student der in einer UB ein Buch such, durchschnittlich 1,2 Kilometer zurücklegt, 23 Treppen steigt, 98 Bücher stemmt und mit 2.3 Uni-Bediensteten sowie höllischer Verzweiflung ringt. Dabei verliert er etwa 0,5 Liter Flüssigkeit, 1,4 kg Körpergewicht, ein Portemonnaie und seinen Verstand.“ [Nr. 14 Juli 93] Jane Dreyer, Annika Havlik und Pia Kramer

best of...

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Studentenalltag im

damals/heute

Wandel der Zeit

Nicht nur die Titelblätter der Ausgaben des Wort zum WiWi haben sich im Laufe der Jahre verändert, auch der Tagesablauf eines Studenten hat eine andere Gestalt angenommen. Von Klischees verfolgt – als kleine Anknüpfung an den Bericht unserer letzten Ausgabe –, haben wir den Alltag eines Studenten damals sowie heute nachgestellt. Während man sich früher noch sportlich auf dem Drahtesel zur Uni begab, gibt es heute doch viel komfortablere Möglichkeiten, zur Vorlesung zu kommen. Diese sind zwar nicht mehr mit Bewegung verbunden, doch der sportliche Look bleibt allemal erhalten.

An der Uni angekommen, begab man sich auf direktem Wege in die Vorlesung, die ihrem Namen wohl noch alle Ehre machte: Es wurde vorgelesen. Heute werden hingegen die neuesten Technologien angewandt, um den Studenten alles so anschaulich wie möglich zu präsentieren – auch wenn so manchem wahrscheinlich nicht einmal die neuesten Technologien zum Verständnis verhelfen...

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Mit knurrendem Magen das Ende der Vorlesung herbeisehnend, eilten die Studenten in ihrer Mittagspause in die „Prinz Karl“, um dort gesundes Komponentenessen, auf Tellern serviert, zu sich zu nehmen.

Heute gilt es nur noch abzusprechen: „Döner, McDonalds, Burger King oder doch lieber Subway?!“

An Wissen bereichert und gestärkt, machte und macht sich der vorbildliche Student an die Vor- und Nachbereitung der Vorlesung und der Tutorien. Doch auch hier gibt es entscheidende Unterschiede in der Art und Weise der Dokumentation. Während Tippfehler so manchen früher zur Verzweiflung treiben konnten, ist dies dank der Delete-Taste heutzutage kein Problem mehr, denn Dokumente existieren sowieso nur noch in digitaler Form.

Doch eines bleibt wohl immer gleich: Studenten feiern! Sabine Eppinger und Pia Kramer

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joggingstrecken

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Der Sommer ist nicht nur die beste Jahreszeit zum Eis essen und zum Grillen. Er ist auch bestens geeignet, Tübingen mit Laufschuhen zu erkunden. Wer also demnächst die Stadt und ihre Umgebung auf ihm noch unbekannten Pfaden unsicher machen möchte, dem haben wir hier ein paar Ideen unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades zusammengestellt. Jetzt geht zurück in Richtung Stadt, ab der Für Anfänger: Durch die Stadt Jugendherberge folgt auch wieder eine kleine Steigung, die die Profis wohl kaum bemerken Diese kleine Laufrunde ist bestimmt nicht die werden, die aber auch für jeden Laien machanspruchsvollste in ganz Tübingen, weist sie bar ist. Zurück auf der Mühlstraße, in der Zividoch weder nennenswerte Steigungen oder lisation, ist man auch schon fast am Ende. Am eine ordentliche Länge auf; trotzdem ist sie Lustnauer Tor nur noch ein kleiner Schlenker mit Sicherheit eine der schönsten. zurück zur Prinz Karl, und das war’s auch Der Start- und Zielpunkt liegt direkt bei der schon! Prinz Karl Mensa, von dort aus folgt man Insgesamt kann man für diese kleine Sightdann den verschiedenen Gassen in westlicher seeing-Tour als ungeübter Läufer ungefähr Richtung, bis die Möglichkeit besteht links in eine halbe Stunde einplanen, ein normaler die Fußgängerzone einzubiegen. Spätestens Jogger braucht für die Kilometer bestimmt hier rächt es sich, wenn man es nicht geweniger. schafft sich in früher Morgenstunde aus dem Bett zu quälen, denn sobald die Geschäfte sich öffnen, wird der gemütliche Rundlauf zu Pia Kramer einem Slalomlauf durch Passanten mit und ohne Kinderwagen. Sobald jedoch der Fußgängertunnel durchquert ist, beginnt der „Naturteil“ der Strecke. Runter auf die Neckarinsel muss man nur noch darauf achten, nicht über Stock und Stein zu fallen. Irgendwann eröffnet sich dann auch die typische Postkartenfront, auf die auch schon die wahre Steigung folgt: Die Treppe zur Neckarbrücke! Schnell über die Straße, am Kino „Blaue Brücke“ vorbei, zurück zum Neckar. Hier ist man nun fast allein, trotz der schönen Aussicht kommen einem nur vereinzelt Spaziergänger entgegen. An der Brücke angekommen nutzt man diese nun, um den Neckar zu überqueren. Von hier hat man einerseits einen wunderschönen Blick auf Tübingen selbst, andererseits in die Natur. Das lohnt sich besonders bei Sonnenauf- und -untergang!


Für Geübte: Die Kloster-Runde Vor Beginn sei darauf hingewiesen, während des Laufens Kräfte für einen möglichen Schluss-Sprint aufzusparen. Jogg-Erfahrung und Trittsicherheit sind von Nöten. Start und Ziel sind am Hendl House in Lustnau. Um schnell warm zu werden, startet die Runde mit einem Anstieg in Richtung Waldhäuser Ost zur Eberhard-Wildermuth-Siedlung. Oben angekommen wird der aufmerksame Jogger von einer überdimensionierten Halskette mit der Aufschrift „Friedenseiche 1871“ begrüßt. Naja, noch zwei Eichen brauchte es bis zum heutigen Frieden. Hier, vor dem astronomischen Institut, muss rechts abgebogen werden. Auf dieser Passage ist wichtig, auf dem Traufweg zu bleiben, sonst heimst man sich einige Duftmarkierungen ein, was dazu führen kann, dass einem bei einer Dehnpause ans Bein gepinkelt wird. Beim Spielplatz angekommen, muss man den Schildern Richtung Bebenhausen folgen und in einer Linkskurve kurze Zeit später den Schotterweg geradeaus verlassen. Ein schmaler Pfad windet sich nun durch den wildesten Teil der Strecke: Uhus uhuen, Rammler rammeln und ganz wenige Jogger joggen hier. Vielleicht, weil man vor lauter Buchen das Schönbuch nicht sieht. Schwuppdiwupp, und vor einem liegt das Jahrhundert alte Kloster Bebenhausen, das übrigens jeder Tübinger Student einmal gesehen haben sollte. Halbzeit! Wessen Pumpe schon jetzt nicht mehr mitmacht, sollte sich schleunigst in die Klosterkirche begeben, gemeinsam mit rüstigen Rentnern die Hände ineinanderlegen und ein Stoßgebet gen Himmel schicken, um nicht an Herzversagen zu krepieren. Hin wie her führt der Weg durch das kleine Bebenhausen. Wer der krebserregenden Feinstaubbelastung durch die vielen Benzinkutschen

entgehen will, läuft nicht entlang der Landstraße, sondern quert diese mit Hilfe des Zebrastreifens, rennt ein paar Meter bergauf und läuft schließlich auf einem Waldweg Richtung Tübingen. Optional bietet sich an, die Wanderwege am Hang, die für Mountainbiker ein Eldorado darstellen, zu erkunden. Andererseits sollte man auf den nächsten zwei Kilometern seine Kräfte und sein Daherkommen schonen, denn danach (ab einem Grillplatz) findet man sich auf stark frequentiertem Asphalt wieder. Allerhand kreuzt dort den Weg: Gehhilfen, Radlerhosen, Hot Pants, Schnuller (Achtung: Bewegen sich oft unberechenbar!), Rollstühle, Maulkörbe und vor allem andere Joggingschuhe. Sind diese an fettreiche Beine geschnürt ist das kein Problem, aber wehe so durchtrainierte Dinger wagen es zu überholen, dann werden die aufgesparten Kräfte mobilisiert und mit einem Grinsen im Gesicht zurück überholt. Wenn dies trotz der frühen Hinweise nicht klappen sollte, kann ein Schnaps in der Goldersbachklause zur Verdauung der Niederlage hilfreich sein. Die ungefähr 12 Kilometer lange Strecke endet schließlich am Startpunkt. Wer sich die Sinnfrage für die Strapazen stellt, der findet die Antwort im Ziel. Denn was für Hendl gilt, gilt auch für Menschen: Je eher sie fett sind, desto früher erwartet sie das Ende. Amadeus Müller 43


Für Profis: Halbmarathon-Strecke Für die von euch, die gerade auf einen Halbmarathon trainieren oder einfach zwei Stunden Zeit haben und sich sportlich betätigen wollen, empfiehlt sich folgende Strecke: Start ist der Hornbach in Lustnau. Von dort aus läuft man auf der Schotterstraße Richtung Kirchentellinsfurt durch den Wald an den Bahnschienen entlang. Nach guten vier Kilometern, jedoch noch kurz vor Kirchentellinsfurt, biegt ihr rechts auf den Radweg ab, der den Berg hinauf Richtung Kusterdingen führt. In dem Ort angekommen, gibt es verschiedene Wege. Wichtig ist nur, dass ihr die Marktstraße findet und dieser geradeaus weiter in den Wald folgt. Ab jetzt wird es ein bisschen leichter. Bergab gehts auf der Waldstraße, auch „Königsallee“ genannt, durch ein idyllisches Wäldchen. Nach guten zwei Kilometern gelangt ihr auf eine große Kreuzung im Wald. Da alles andere viel zu einfach wäre, folgt ihr dann der „Neuen Ackersteige“ (links bergauf). Dies soll aber die letzte Bergetappe sein. Falls ihr es bis oben geschafft habt, lauft ihr einfach der Straße folgend Richtung Wankheim. Am Kreisverkehr am besten direkt an der ersten Ausfahrt abbiegen. Bevor ihr nun Wankheim erreicht, befindet sich gut 200 Meter vor den ersten Häusern ein unbefahrener Pfad auf der rechten Seite. Den müsst ihr nehmen, so dass ihr vor euch einen wunderschönen Ausblick auf Tübingen habt. Ist das nicht der Fall, dann seid ihr falsch 44 und vollkommen verloren.

Für die, die aber gerade die atemberaubend schönen Plattenbauten des WHO aus der Ferne begutachten können, bietet sich die Gelegenheit, weiter Richtung Botanik an der Schranke vorbei zu laufen. Nach 200 Metern nehmt ihr die erste Abzweigung nach rechts. Dem Waldweg jetzt noch kurz folgend, bringt er euch auf eine Betonstraße, der ihr links folgen müsst. Nach weiteren zwei Kilometern habt ihr das Französische Viertel erreicht. Von dort aus könnt ihr selbst entscheiden, wie ihr weiter lauft. Um die Runde komplett zu machen, könnt ihr am Tierheim vorbei wieder zum Hornbach laufen.

Alles in allen sollten das gute 18 oder 19 Kilometer sein. Unterschätzt das aber nicht, da die Strecke anfangs sehr bergig ist und einiges an Kraft abverlangt. Sehr gut trainierte Läufer schaffen diese Runde in 1,5 Stunden. Bei Fragen oder genaueren Instruktionen einfach nachfragen! Ihr könnt auch gerne mal mitlaufen. Christoph Schulze


Sommer,

...

in e h c s n e n n Sonne, So

An so manchem heißen Sommertag sehnt man sich nach nichts anderem als einer leckeren kühlen Kugel Eis. Bevor man sich jedoch entscheiden kann, welche Eisdiele man dann tatsächlich aufsucht, ist oft schon die erste Wolke aufgezogen. Damit euer nächstes Entscheidungsproblem ein positives Ende nehmen kann, haben wir keine Mühe gescheut und zahlreiche Kugeln Eis verspeist. Da unsere Stichprobe aber wohl keine repräsentative Studie darstellt, und wir keine Wettbewerbsverzerrung bewirken wollen, konnten wir leider nicht die richtigen Namen der getesteten Orte abdrucken. Mit ein wenig Kombinationsgabe wird man aber wohl trotzdem die eine oder Eisdiele erkennen. ;)

Die Umweltbewusste Facts: Preis: 1,50 € Atmosphäre: kühler als das Eis Auswahl: begrenzt, aber Qualität vor Quantität Service: Kann auch komplizierte Bestellungen richtig interpretieren Egal ob risikofreudig oder abenteuerlustig: Hier wird man garantiert nicht enttäuscht. Wenn man sich nämlich an den parkenden Autos vorbeigeschlängelt und dabei nicht von einem herannahenden Fahrrad überrollt wird, kann man seine geschmackliche Toleranzgrenze testen. Auch wenn man sich nicht an Tomate-Basilikum oder Karotte probieren möchte, kommt der Genuss beispielsweise bei Himbeere nicht zu kurz. Nicht zu vergessen ist zudem die Farbe, die jeden Tuschkasten alt aussehen lässt.

eisdielen

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Die Park-Nahe Facts: Preis: 1 € Atmosphäre: Mischung aus Golfplatz und Drive-In zu Fuß Auswahl: reichlich Service: hektisch, aber freundlich Zu lange im Park in der Sonne gelegen und das Freibad ist für Abkühlung viel zu weit weg? Hier bist du richtig. Denn die Lage entschädigt für so einiges: Draußen sitzend drückt man schon mal ein Auge zu, wenn die Farbintensität nicht so bestechend ist und der Kakaogehalt des Schokoladeneises unter 30% liegt. Entscheidet man sich trotzdem dafür und nimmt das Eis mit zurück in den Park, bescheren einem ein Augenaufschlag und ein bezauberndes Lächeln eine Extra-Waffel und einen Becher mit fast anderthalb Kugeln Eis.

Die auf der rechten Seite

Facts: Preis: 0,7€/1 €/1,5€ Atmosphäre: Eislabor Auswahl: gigantisch Service: professionell

Wer sich gerade in Entscheidungsunfreudigkeit übt, der sollte einen großen Bogen um diese Eisdiele machen. Wenn man es doch wagt, sieht man sich nicht nur mit der großen Anzahl an Eissorten konfrontiert, sondern auch mit den Fragen: Kinderkugel? Jumbokugel? Sahne? Schokosoße? Erdbeersoße? Oder doch ein Milchshake? Fruchtig-frisch sollte man hier vielleicht nicht erwarten, sondern eher cremig-sahnig mit Schokoladensplittern.

Die auf der linken Seite Facts: Preis: 1€ Atmosphäre: gemütlich Auswahl: überfordernd Service: nett und freundlich Diese Eisdiele hat mit Abstand den schönsten Blick von der Terrasse aus, beim Eisgeschmack gab es leider ein großes Manko. Trotz der Beteuerungen des Service-Personals, das Fruchteis enthalte „echte Frrruuucht“, konnten wir diese leider nicht entdecken. Dafür kommen Zuckerliebhaber voll auf ihre Kosten. 46 Jane Dreyer und Teresa Fiolka


Bin

.

olen.. h e t t e u g a mal B

Falls ihr mal wieder die Lust verspürt frisches Baguette zu essen, oder eure Kehlen nach französischem Wein schreien, haben wir genau das Richtige für euch: Holt den Drahtesel aus der Garage und fahrt nach Strasbourg! Was sich zuerst verdammt weit anhört, ist es eigentlich gar nicht. Wer im Sommer drei Tage Zeit hat, kann diese zur sportlichen Betätigung nutzen; schöne Aussichten und die Kultur Frankreichs inklusive. Freunde der Natur können gerne ein Zelt und einen Schlafsack mitnehmen. Schlafplätze finden sich unterwegs genügend. Wer jedoch weder auf Lagerfeuerromantik noch auf Übernachten in freier Natur steht, sollte sich vorher über Hütten oder andere Schlafmöglichkeiten informieren. Startpunkt ist Tübingen. Entlang am Neckar führt euch die Strecke nach Horb, von wo aus ihr über Freudenstadt nach Kniebis fahrt. Von jetzt an Richtung Norden fahrend, führt euch die Schwarzwaldhochstraße Richtung Baden Baden. Hier braucht ihr gutes Sitzfleisch, da dieser Ritt ca. 50km lang ist, wovon ihr bei den ersten 30km das Bergtrikot erkämpfen müsst. Es geht nämlich bis auf gute 1200m hinauf. Zur Beruhigung ist aber zu sagen, dass die letzten 20km strikt bergab gehen. Außerdem

warten unterwegs verschiedene Herbergen und Wirtshäuser, die euch mit allem, vom Bauernfrühstück bis hin zum Wurstsalat, gut versorgen können. Im idyllischen Kurort Baden Baden, der kaum größer ist als Tübingen, könnt ihr nochmals Kräfte für den letzten Endspurt sammeln. Die verbleibenden 50km führen euch über Lichtenau und Rheinau am Rhein entlang nach Kehl. Die Grenze ist nun nur noch einen Katzensprung entfernt. Endlich angekommen, habt ihr euch wahrlich einen Crêpes verdient! Nach ausgiebigem Sightseeing ist Tübingen von Kehl aus mit dem BaWü-Ticket problemlos zu erreichen. Alles in allem umfasst die Tour gute 200km und man sollte mindestens eine Übernachtung einplanen. Die Schwarzwaldhochstraße ist zu empfehlen, da besonders hier der Schwarzwald seine besondere Pracht entfaltet. Unterwegs finden sich viele Plätze zum Verschnaufen und Aussicht genießen. Bon Voyage! Christoph Schulze

unterwegs mit dem semesterticket

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rätsel 1. Wichtigstes Fortbewegungsmittel in Tübingen 2. Von dort hat man einen tollen Blick über Tübingen

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3. Beschäftigte sich unter anderem mit „social costs“ und der „nature of the firm“ (Nachnahme) 9

4. Montags wird gesungen 5. Zuständig für die Förderung der sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Belange der Studenten und man beantragt dort Urlaubssemester

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6. (Einziger) deutscher Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften 7. Lern- und Lehrveranstaltung, die dazu dient, Wissen in kleinen Gruppen interaktiv zu erwerben oder zu vertiefen 8. Beliebtes skandinavisches Land für Auslandssemester 9. Erster akademischer Abschluss 10. Muss man als Student selbst bedienen, wenn man nicht mit dreckigen Klamotten rumlaufen möchte 11. Mögliches nicht-wirtschaftswissenschaftliches Schwerpunktmodul

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12. Übung zur Vorlesung

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13. Steigend, sinkend oder konstant 14. Gibt’s betrieblich, intern und extern 15. Darauf fand das Stocherkahnrennen statt

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Wort zum WiWi Nr. 60  

Die Fachschaftszeitung der Freien Fachschaft Wirtschaftswissenschaften an der Universität Tübingen im Sommersemester 2011

Wort zum WiWi Nr. 60  

Die Fachschaftszeitung der Freien Fachschaft Wirtschaftswissenschaften an der Universität Tübingen im Sommersemester 2011

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