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Gorz贸w Wielkopolski Stadt auf sieben H眉geln


Krystyna Kamińska Zbigniew Rudziński

Gorzów Wielkopolski Stadt auf sieben Hügeln


Autoren: Dr. Krystyna Kamińska – Abschnitte I (750 Jahre in Landsberg und Gorzów), V und Zusammenarbeit bei Abschnitt II Zbigniew Rudziński – Abschnitte I (Auf sieben Hügeln – fast wie Rom), II, III, IV, V und Kleines Wörterbuch architektonischer Fachbegriffe Projektkoordinatorin in der Stadtverwaltung: Anna-Katarzyna Plust Redaktion: Robert Piotrowski Konsultation: Christa Greuling, BAG Landsberg (Warthe) Übersetzung aus dem Polnischen: Pro Lingua Grzegorz Załoga Fotos auf den Umschlagseiten: Umschlag I: Boulevard an der Warthe, Foto: Daniel Adamski Umschlag IV: Sonnenuntergang über Gorzów, Foto: Bartłomiej Nowosielski Fotos: Daniel Adamski, Tomasz Chwalisz, Tomasz Jocz, Bartosz Nowosielski Archivbilder: Stadtverwaltung Gorzów Wielkopolski Kartengestaltung: Agnieszka Drapich, Patrycja Mikulska Entwurf der Umschlagseiten: Konrad Rządowski Grafisches Konzept: Paweł Panczakiewicz Satz: Michał Tincel Druck: Druckerei MAŁOPOLSKA POLIGRAFIA Vorliegende Publikation entstand im Ergebnis eines vom Stadtpräsidenten der Stadt Gorzów Wielkopolski, Herrn Tadeusz Jędrzejczak, ausgeschriebenen Wettbewerbs für den Entwurf eines touristischen Reiseführers über die Stadt Gorzów und ihre Umgebung. Der Wettbewerb wurde anlässlich der 750-Jahr-Feier der Stadt veranstaltet.

INHALTSVERZEICHNIS

 Abschnitt I: Landeskundlicher Teil  Abschnitt II: Stadtbesichtigungstouren  Abschnitt III: Radwanderrouten  Abschnitt IV: Touristische Wanderwege  Abschnitt V: Praktische Informationen  Kleines Wörterbuch architektonischer Fachbegriffe  Verzeichnis der Objekte aus Abschnitt II  Verzeichnis geografischer Namen aus den Abschnitten III und IV

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Jury des Wettbewerbs: Roman Sondej (Vorsitzender), Małgorzata Pera, Dr. Dariusz Rymar, Edward Jaworski, Wojciech Wyszogrodzki, Anna-Katarzyna Plust Die Autoren und Herausgeber des vorliegenden touristischen Reiseführers gaben sich die größte Mühe, mit ihrer Beschreibung der Wirklichkeit zu entsprechen. Sollten unsere aufmerksamen Leser dennoch Fehler oder nicht mehr aktuelle Informationen entdecken, so bitten wir um Kontaktaufnahme:

KARTENVERZEICHNIS

Amistad Sp. z o.o – Programm PolskaTurystyczna.pl ul. Pychowicka 7, 30-364 Kraków Tel.: +48(0)12 267 77 10, Fax: +48(0)12 267 77 11 E-Mail: biuro@polskaturystyczna.pl, www.polskaturystyczna.pl und Urząd Miasta Gorzowa Wielkopolskiego, Wydział Rozwoju i Promocji Miasta ul. Sikorskiego 3-4, 66-400 Gorzów Wielkopolski Tel.:+48 (0)95 735 57 89, E-Mail: plust@um.gorzow.pl

Gorzów Wielkopolski – Stadtmitte (Umschlag Vorderseite)

1. Auflage, Kraków 2008 ISBN 978-83-7560-026-1 Copyright © by Amistad & Urząd Miasta Gorzowa Wielkopolskiego, 2008

Besichtigungstour Nr. 4    49

Besichtigungstour Nr. 1    19 Besichtigungstour Nr. 2    31 Besichtigungstour Nr. 3    44

Wanderrouten in der Umgebung von Gorzów Wielkopolski    101 Umgebung von Gorzów Wielkopolski – Schematische Darstellung der Radwanderrouten

Das Programm PolskaTurystyczna.pl wurde im Jahre 2003 vom Verlag Bezdroża entwickelt. Seine Zielstellung besteht in der Vermarktung interessanter Regionen, Städte und Orte unter Nutzung sowohl modernster Multimedia-Anwendungen als auch traditioneller Verlagsprodukte. Wir laden Sie herzlich zum Besuch unseres Portals www.polskaturystyczna.pl ein. E-Mail für weitere Informationen: biuro@polskaturystyczna.pl Programmkoordinatorin: Agnieszka Błaszczak


Verehrte Damen und Herren! Jedes Jubiläum, ob im Leben eines Menschen oder einer Stadt, ist Anlass, auf verflossene Jahre zurückzuschauen und das gegenwärtige Wohlergehen des Jubilars näher in Augenschein zu nehmen. Unsere Stadt hat ihre 750jährige Geschichte, ihre eigene Architektur, eine besondere Natur und eine bleibende Erinnerung an die Menschen, die sie bewohnten oder nur für wenige Tage in ihr weilten. Wir finden hier alte Spuren von Ruhm und Wohlstand, Erniedrigung und Niederlagen, von Schönheit und Hässlichem, Spuren von Ereignissen, die wir vergessen möchten und von Tagen der stolzen Erinnerung. Von all dem erzählt dieser Reiseführer, indem er den Leser zu Fuß oder mit dem Rad durch unsere Stadt und ihre Umgebung begleitet. Wir widmen ihn den Bewohnern von Gorzów, damit sie unsere Stadt immer wieder aufs Neue entdecken können, und den Touristen, die hierher kommen, damit sie sie so gut kennen lernen, wie sie es zweifellos verdient. Willkommen in unserem Gorzów Wielkopolski (Landsberg)! Unsere Stadt ist kein Venedig, in das man sich im ersten Augenblick verlieben kann. Unsere Stadt verlangt nach reifender Liebe, aber gerade deshalb vergeht sie nicht schon nach einer Woche, sondern bleibt für das ganze Leben. Noch klingt das Läuten der „Friedensglocke” in unseren Ohren, damit wir uns der Vergangenheit erinnern, um in der Zukunft Gutes zu tun. Und deshalb gestatten wir es uns, zum Schluss die Worte der Vorsitzenden des Vereins der ehemaligen Einwohner unserer Stadt, Frau Ursula Hasse-Dresing, zu zitieren: „Dass sich diese Stadt weiter entwickelt und in Frieden erblühe, dass sie Freude sei für ihre früheren und für ihre heutigen Bewohner.“ Krystyna Kamińska und Zbigniew Rudziński

Landeskundlicher Teil Auf sieben Hügeln – fast wie Rom  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   6 750 Jahre in Landsberg und Gorzów  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   7 Wo die Kłodawka (Kladow) in die Warthe mündet  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   7 Reformation, Hexen und die große Einigung  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   8 Eine Stadt der Parkanlagen und Industrie  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   10 Neustadt  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   12 Die letzten Tage der Stadt L.  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   12 Ohne Respekt für die Vergangenheit  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   13 Die Jahre danach  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   13 Symbole  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   14 Liebt sie so, wie wir sie geliebt haben  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   15


Landeskundlicher Teil auf sieben Hügeln – fast wie Rom Gorzów Wielkopolski (Landsberg an der Warthe), gegenwärtig eine Stadt mit 126.000. Einwohnern, liegt an der Warthe (52o 44’ nördl. Breite und 15o 14’ östl. Länge). Hier treffen sich zwei geografische Landschaften: die Landsberger Ebene und das Landsberger Tal. Die Ebene ist hier trotz ihres Namens gar nicht so eben, im Gegenteil. Zahlreiche Moränenhügel (von 50 bis 80 m über NN) haben dazu geführt, dass viele Einwohner der Stadt an der Legende festhalten, Landsberg läge auf sieben Hügeln. Viele dieser Hügel sind vortreffliche Aussichtspunkte. Das Landsberger Tal im südlichen Teil der Stadt erreicht dagegen nur 15–20 m über NN. Die abwechslungsreiche Gestalt des Terrains verdankt die Stadt den Eiszeiten, besonders der Ostsee-Eiszeit, die „gerade mal“ vor 10.000–12.000 Jahren zu Ende ging. Nicht nur die vorbeifließende Warthe mit ihren Ufer-Boulevards fügt der Landschaft

in Der Umgebung von Gorzów Wielkopolski der Stadt zusätzliche Reize hinzu, sondern auch die Windungen der Kłodawka (Kladow), die zwischen den grünen Parks und Gärten auftauchen. Das Klima in Landsberg ist wegen der Einflüsse sowohl des Seeklimas (Atlantik) als auch des Kontinentalklimas ein Übergangsklima in der gemäßigten Zone und von großer Wechselhaftigkeit gekennzeichnet. Zwischen 1971 und 2000 betrug die langjährige mittlere Jahrestemperatur der Luft 8,5oC. Damit ist Landsberg einer der wärmsten Orte in Polen. Darüber hinaus sind relativ weniger Niederschläge als im übrigen Land zu verzeichnen (durchschnittlich unter 550 mm im genannten Zeitraum). Landsberg ist auch eine Ausnahme hinsichtlich seiner großen Anzahl von Grünflächen (ca. 130 ha) in 14 Parks. Das ergibt ca. 12,6 m2 pro Einwohner. Zwischen den Bäumen der Parks, die in weiteren Teilen dieses Reiseführers ausführlicher beschrieben sind, können wir zahlStadtansicht von 1860, Foto aus der Sammlung von R. Piotrowski

reiche Vögel zwitschern hören - insgesamt 90 Arten - darunter Eisvogel, Elster, Eichelhäher, Singdrossel und Turmfalke. Ihnen verdankt die Stadt, was keine andere hat: an vielen Stellen ihre eigene „Melodie” und nicht nur den üblichen städtischen Trubel und Lärm. In Landsberg kreuzen sich wichtige Handelswege und Touristentrassen. In einer Richtung verlaufen sie von Berlin nach Posen, in der anderen von Stettin nach Breslau. Früher führte über die Stadt auch die historische Handelsstraße von Aachen über Berlin und Landsberg bis nach Königsberg in Ostpreußen (Reichsstraße 1).

750 Jahre In Landsberg und Gorzów Die heutige Stadt Gorzów Wielkopolski hat eine 750jährige Tradition, aber die Geschichte ist brutal mit ihr umgegangen, hat viele Gebäude und andere Erinnerungen aus der Vergangenheit des ehemaligen Landsbergs an der Warthe vernichtet. Im Jahr 1945 wechselten ihre Bewohner, und die Neuankömmlinge wollten sie - vor allem aus politischen Gründen - von Grund auf neu errichten, ohne die Vergangenheit zu bedenken. Zum Glück haben wir diesen Abschnitt lange hinter uns.

Wo die Kłodawka (Kladow) in die Warthe mündet Landsberg/Gorzów Wielkopolski ist eine der wenigen Städte, die ein exaktes Gründungsdatum besitzen: Am 2. Juli 1257 übertrug Markgraf Johannes I. aus dem Geschlecht der Askanier an Albert de Luge das Recht zur Gründung der Stadt Neu Landsberg (lat. Landisberch Nuova) an der Mündung des Flusses Kłodawka (Kladow) in die Warthe. Sie sollte im Mittelalter zur wichtigsten brandenburgischen Stadt auf der rechten Seite der Oder werden, auf einem Gebiet, das erst kurz zuvor von den Piastenfürsten abgegeben wor-

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den war. Diese führende Position in der Region erfüllt die Stadt bis heute, denn hier befindet sich das Wojewodschaftsamt des Lebuser Landes; hier haben der Wojewode und die ihm unterstellten Behörden ihren Sitz. Die historische Stadt erstreckte sich über eine flache Erhebung zwischen den drei Flussläufen der Kłodawka (Kladow), die hier in die Warthe mündet. Den Zugang vom Land sicherten außerdem Sümpfe und Überschwemmungsgebiete beider Flüsse. Diese Lage ermöglichte eine verhältnismäßig leichte Verteidigung gegen die slawischen Nachbarn im Norden und Osten, die ebenfalls das Recht auf diese Gebiete beanspruchten. An dieser Stelle teilte sich der Handelsweg von Posen über Santok (Zantoch): Ein Abzweig führte über Myślibórz nach Pommern, der andere über Küstrin nach Brandenburg. Doch die Entwicklung der Stadt wurde weniger von den Landwegen bestimmt als von den Verbindungen über die launische Warthe, denn auf ihr wurden Waren nach Polen und aus Polen in die Städte Westeuropas transportiert. Die Freie Schifffahrt auf der Warthe und das Stapelrecht auf die an Land transportierten Waren garantierten die Entwicklung der Stadt. Die Altstadt hatte die Gestalt eines Ovals mit den Durchmessern 400 x 600 Meter. Von Süden war sie durch die Warthe geschützt, die halbkreisförmigen Stadtmauern verliefen im Osten in der Nähe der heutigen Straßen Dzieci Wrzesińskich und Fornalska, im Westen parallel zu den heutigen Straßen Młyńska und Strzelecka. In die Stadt hinein und aus ihr hinaus kam man durch zwei Tore: das Zantocher Tor und das Mühlentor. Erst wesentlich später wurden das Brückentor und die Pforte in der nördlichen Stadtmauer errichtet. Das Zentrum nahm der große Marktplatz mit 120 auf 80 m ein und die Hauptstraße, heute die Generała Sikorskiego-Str. Sie verlief von Osten nach Westen vom Zantocher Tor zum Mühlentor. Parallel dazu verliefen zwei gebo-

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Landeskundlicher Teil gene Straßen auf der Ost-West-Achse (heute die Straßen: Obotrycka und Łużycka sowie die Straßen Pocztowa und Wełniany Rynek). Sie waren durch enge Querstraßen verbunden; die wichtigste führte zum später errichteten Brückentor. Das Gebiet innerhalb der Stadtmauern war in 200 Parzellen aufgeteilt, die nach und nach bebaut wurden. An der östlichen Stadtmauer (wo sich heute die Straßen Obotrycka und Fornalska treffen) wurde ein großes Grundstück als Herrschaftsbesitz abgetrennt. Wahrscheinlich errichtete der Voigt Albert de Luge an dieser Stelle seinen bescheidenen Sitz. In den Jahren 1443–1450 stand dort eine Kreuzritterburg, in Form einer Curia – befestigten Hauses, das aber bereits im Jahr 1454 von den Bürgern zerstört wurde. Es gibt heute in Landsberg/Gorzów weder eine Burg noch Altstadtbebauung, dafür ist aber teilweise das mittelalterliche urbanistische System noch gut erkennbar: der Markt mit der Kathedrale (Stadtpfarrkirche bis 1945), die Hauptstraße - früher Richtstrasse, jetzt

in Der Umgebung von Gorzów Wielkopolski Sikorskiego-Str., ein Rest der Stadtmauer an der Zabytkowa-Str. (Mauer Str.) sowie Straßen, die mit der früheren Bebauungslinie übereinstimmen: Obotrycka, Łużycka (Louisen Straße), Pocztowa (Wollstraße) und Wełniany Rynek (Wollstraße). Früher gingen vom Markt fünf Straßen ab. An Stelle des ehemaligen Schützengrabens außerhalb der Altstadt entstand im 19. Jh. eine Grünanlage.

Reformation, Hexen und die große Einigung Das deutsche Landsberg entwickelte sich dank der Arbeitsamkeit seiner Bürger, es verfiel in Jahren mit Überfällen, Kriegen, Bränden, Epidemien - besonders schlimm war das 17. Jh.. Zwischen 1402–1454 herrschten die Kreuzritter, im Jahr 1433 überstand es die Belagerung durch die Hussiten, während des Dreißigjährigen Krieges (1619–1649) ertrug es über mehrere Jahrzehnte die schwedische Okkupation, im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) musste es die russische Armee versorgen und an die Armee Marktplatz, um 1910, Foto aus der Sammlung von R. Piotrowski

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Napoleons zahlte es hohe Kontributionen. Nach jedem Kataklysmus musste fast alles wieder von Neuem aufgebaut werden. Ein besonders wichtiges Datum in der Geschichte der Stadt war der 1. November 1537, als in der Marienkirche (heutige Kathedrale) der erste protestantische Gottesdienst abgehalten wurde. Damit übernahmen alle Einwohner die Lehre Dr. Martin Luthers, so wie der Herrscher – nach dem Beispiel des Markgrafen Johann von Hohenzollern, genannt von Küstrin. Über vier Jahrhunderte herrschte diese Form des Christentums in der Stadt vor, beeinflusste die Lebensweise der Bürger und das Bild der Stadt. Im Museum in Gorzów befindet sich eine einzigartige Sammlung großer Porträts von Pastoren und Diakonen aus der Marienkirche (heutige Kathedrale), geradezu schaurig und bedrohlich in ihrer Erhabenheit. In der neueren Geschichte bestimmte die Religion über Hexenprozesse und die Verbrennung derer, die des Umgangs mit dem Teufel angeklagt worden waren, auf dem Scheiterhaufen.

Aber es gibt auch Beweise für Toleranz. Im Jahr 1704 wurde die Konkordienkirche - Kirche der Einigkeit - feierlich geweiht (heute „Biały Kościół”, die „Weiße Kirche”), die einvernehmlich sowohl von der lutherischen als auch von der kalvinistischen Gemeinde benutzt wurde; und als sich in Landsberg Katholiken ansiedelten, konnten auch sie dort beten. Theologische Erfordernisse des lutherischen Bekenntnisses bestimmten die Bedingungen für den Umbau des Inneren der gotischen Marienkirche, doch die Veränderungen gingen nicht mit der Zerstörung all dessen einher, das vor der Reformation entstanden war. Zum Beispiel wurden für den Bau des Hauptaltars im typisch protestantischen Stil die mittelalterlichen katholischen Apostelfiguren verwendet. Im Jahr 1997 kehrte dieser wertvolle Altar, der früher den Protestanten gedient hatte, nach gründlicher Renovierung zurück auf seinen Platz in der katholischen Kathedrale der Himmelfahrt der Heiligsten Jungfrau Maria.

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Stadtteil Zawarcie vom Turm der Kathedrale um 1910, Foto aus der Sammlung von R. Piotrowski

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Landeskundlicher Teil Eine Stadt der Parkanlagen und Industrie Erst im 18. Jh. „sprengte“ die Stadt ihre Mauern. Östlich der Altstadt wuchs die Zantocher Vorstadt und im Westen die Mühlenvorstadt, es begann die Bebauung der Brückenvorstadt (Zawarcie – links der Warthe) und die Anfänge der Neustadt im Norden zeichneten sich ab. Eine grundsätzliche Veränderung des Stadtbildes brachte das 19. Jh. - das Jahrhundert der Dampfmaschinen, der Elektrizität und der Kommunikation. Bereits Ende des 18. Jahrhunderts war die Warthe reguliert worden und man hatte ein Kanalsystem angelegt, das die Schifffahrt und die wirtschaftliche Nutzung des Flusses nicht nur in Richtung Ostsee ermöglichte, sondern auch über die Netze (Noteć) nach Bromberg (Bydgoszcz) und über Kanäle nach Berlin. Über Landsberg führte die wichtigste Straße des Reiches - die „Reichsstraße 1.“, die Aachen über Berlin mit Königsberg (heute Kaliningrad) verband. Um den Verkehr auf dieser Strecke nicht zu behindern, wurden in den Jahren 1827–28 die Stadttore abgerissen.

in Der Umgebung von Gorzów Wielkopolski Im Jahr 1857 baute man die Preußisch Königliche Ostbahn. Sie verband Landsberg über Küstrin mit Berlin und über Kreuz (Krzyż) mit Königsberg (Kaliningrad). In der Stadt wurde sie an der Warthe entlang geführt, dort wo man vorher eigens zu diesem Zweck die Stadtmauer abgetragen hatte. Diese Anordnung erleichterte zwar das Umladen von der Bahn auf Schiffe und umgekehrt, erschwerte aber das Leben der Bürger erheblich. Ganze neun Mal kreuzte die Bahnlinie die Straßen der Stadt und als mit der Zeit die Zahl der Züge über 60 pro Tag erreichte, kam der übrige Verkehr fast zum Stillstand. Erst im Jahr 1914 wurde ein Eisenbahnviadukt nach Projekten der Berliner Hochbahn zur Nutzung übergeben, auf dem die Schienen über dem Niveau der Straßen entlang führten. Eine gute Verkehrsführung hatte bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung der Industrie. Die größte Fabrik gehörte Hermann Paucksch und produzierte in der Brückenvorstadt (Zawarcie) Maschinen, vor allem Dampfkessel, von denen bis 1887 bereits 1000 in ganz Europa den Betrieb Słowiański-Park um 1910, Foto aus der Sammlung von R. Piotrowski

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aufgenommen hatten. Eine weitere Investition Pauckschs war eine Werft für Binnenschiffe, die mit Motoren aus eigener Produktion ausgerüstet wurden. Zum Produktionsprogramm gehörten darüber hinaus Ausrüstungen für Fabriken zur Herstellung von Kartoffelmehl und Dieselmotoren. Ebenfalls in der Brückenvorstadt baute Gustav Schroeder seine Fabrik für Seile und Kabel. Zu diesen Betrieben führten spezielle Eisenbahnanschlüsse und auch der Ausbau des Binnenhafens ging voran. Im Jahr 1883 gründete Max Bahr die erste Sackfabrik, die zur Jahrhundertwende als „Jutespinnerei und Weberei“ zu einem Großunternehmen anwuchs – mit Spinnerei, Weberei, Fertigmacherei und Näherei - in dem Planen, Segel und Säcke aus Jute hergestellt wurden. Die Industriellen bauten für ihre Familien die schönsten Gründerzeit- und Jugendstilvillen Landsbergs, kümmerten sich aber gleichzeitig auch um die Entwicklung und die Verschönerung der Stadt. Anlässlich seines 80sten Geburtstags schenkte Hermann Paucksch sei-

ner „lieben Heimatstadt“ 10.000 Goldmark zum Bau eines Springbrunnens auf dem Markt. Bleibende Erinnerungen hinterließ auch Max Bahr, u.a. ein modernes Volksbad an der Jagiełły-Str., den ersten Kindergarten und Arbeiterwohnungen an der Śląska-Str. sowie das Wohlfahrtshaus an der Dąbrowskiego-Str. Lebensstandard und Schönheit der Stadt wuchsen mit der Anlage von Grün- und Parkflächen beträchtlich. Im Jahr 1866 gab die Stadtverwaltung den Aufruf für „Parkstadt Landsberg“, was die volle Unterstützung der Einwohner fand. Viele Bürger spendeten eigenen Grund und Boden oder Geld für die Anlage von Parks. Das war das Ergebnis der Arbeit des bereits 1844 ins Leben gerufenen „Verschönerungsvereins“. Man ging davon aus, dass die Stadt von Grün durchzogen werden solle. Alle wichtigen Parks der Stadt Landsberg entstanden in den Jahren 1882–1912: der Siemiradzki-Park, der ZaciszePark, der Park Wiosny Ludów, der SłowiańskiPark und der Park an der Kłodawka (Kladow). In diesen Parks und an einigen wenigen Pro-

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Die heutige Łokietka-Str. um 1910, Foto aus der Sammlung von R. Piotrowski

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Landeskundlicher Teil

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menaden pflanzte man zahlreiche originelle und seltene Bäume und Sträucher.

wird er erneuert, damit er wieder im vollen Glanz erstrahlt. Die Neustadt ist im Zentralen Register der Baudenkmäler erfasst, und der Stadtrat hat Neustadt das Revitalisierungsprojekt für das erste StadtNördlich der Altstadt dehnten sich nahezu unbe- viertel bestätigt. baute sumpfige Auen des Flusses Kłodawka Die letzten Tage der Stadt L. (Kladow) aus. Im Jahr 1878 bestätigte der Stadtrat von Landsberg den Bebauungsplan für einen Die Jahre des I. Weltkrieges (1914–1918) und die neuen Stadtteil. Die Hauptstraße hieß Neue Zeit unmittelbar danach brachten eine VerlangStraße, heute die Chrobrego-Str. Parallel legte samung der Stadtentwicklung mit sich, jedoch man auf beiden Seiten je zwei Parallelstraßen nach der Machtübernahme Hitlers im Jahr 1933 an: die heutigen Straßen Dąbrowskiego und kam es dank der öffentlichen Investitionen der Drzymały sowie Armii Polskiej und Kosynierów Stadt zur Neubelebung. Im Jahr 1936 begann Gdyńskich, die untereinander mit einem Netz auf ausdrücklichen Wunsch Hermann Görings von Querstraßen verbunden wurden. In der der Bau einer Fabrik des I.G. Farben-Konzerns ersten Ausbaustufe reicht die Neustadt bis zur (nach dem Krieg Kunstfaserwerke „Stilon“). Man heutigen Borowskiego-Str., zehn Jahre später baute Kasernen für die Armee, viele Mietshäuser, modernisierte die Straßenbeläge, pflanzte Bäume schon bis zur heutigen Roosevelta-Str. An der Wende vom 19. zum 20. Jh. errichtete man und Sträucher. Aber, in der „Reichskristallnacht” hier vor allem Mietshäuser, einzelne Villen - viele (8./9. November 1938) brannte man auch die Synim Jugendstil oder mit Jugendstilelementen. Die- agoge aus dem 19. Jh. nieder… ser Stadtteil hat während des Krieges verhält- Im Jahre 1939 wohnten in Landsberg 48.000 Einnismäßig am wenigsten gelitten. Gegenwärtig wohner. Zur Jahreswende 1944/45 stieg diese Blick auf den Markt vom Turm der Kathedrale um 1920, Foto aus der Sammlung von R. Piotrowski

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Zahl aufgrund zahlreicher Flüchtlinge und Evakuierter aus dem Osten auf bis zu 60.000 an. Ein literarisches Bild des Lebens im Landsberg jener Jahre, in der Stadt L., zeichnete die die hier geborene deutsche Schriftstellerin Christa Wolf in ihrem Roman „Kindheitsmuster” (1977, polnische Ausgabe: „Wzorce dzieciństwa”, 1980).

Ohne Respekt vor der Vergangenheit Im Februar 1945, als die Kriegshandlungen schon beendet waren, hörte die Altstadt auf zu existieren. Das war das Ergebnis vorsätzlicher Plünderungen und Brandstiftungen, verübt von der Sowjetarmee, und des Verbots, Brände zu löschen. An der Sikorskiego-Str., innerhalb der Grenzen der Altstadt standen vor dem Krieg 71 Häuser. Ende 1945 waren davon nur fünf ganzgeblieben. Ähnlich sah es in den benachbarten Straßen des Stadtzentrums aus. Auch die schwierigen Jahre der Besiedlung der Stadt durch Polen fanden ihre literarische Darstellung im Roman „Rubież” (Grenzland) Natalia Bukowiecka-Kruszonowas. Gorzów ist wahrscheinlich die einzige polnische Stadt, die eine literarische Wiedergabe ihrer letzten deutschen und der ersten polnischen Tage besitzt, festgehalten aus deutscher und aus polnischer Sicht. Zehn Jahre stand das Leben in der Stadt still, eine Zeit schweren, für viele nur als vorübergehend gedachten Lebens in einer fremden Stadt. Im Jahr 1955 begannen zwei Architektengruppen - ein Warschauer und ein Posener Team mit der Arbeit am Projekt des Wiederaufbaus des Stadtzentrums von Gorzów. Das Posener Projekt ging von der Wiederherstellung des Straßennetzes und der Bürgerhäuser mit Fassaden wie vor dem Krieg aus. Die Warschauer Architekten wählten das so genannte „Neue Bauen”, also die Errichtung von Blöcken, ohne Respekt vor dem alten Straßensystem mit dem Markt und den benachbarten historischen Baudenk-

mälern Kathedrale und Zeughaus. Bedauerlicher Weise wurde eben das zweite Projekt zur Realisierung angenommen, und seine Autoren erhielten obendrein sogar noch einen Staatspreis. Entscheidend waren politische und ideologische Hintergründe. Es sollte ein neues, ein polnisches, ein sozialistisches Gorzów Wielkopolski entstehen, das etwas anderes war als das deutsche Landsberg, dem man das Recht versagte hatte, im Bewusstsein der Menschen zu existieren. Mit dem Bau der Blocks verschwanden die Straßen der Altstadt: Charlotten-Str. (Lubuska), Priester-Str. (Braniborska) und Mauer-Str. (Omurna); es verschwanden: Schlosser- und Zeughaus-Gasse (zaułek Ślusarski und zaułek Arsenalny), Wilhelm-Str. (Lutycka) wurde zugebaut. Die Richtstraße – heute Sikorskiego-Str. – wurde begradigt und um das Doppelte verbreitert, sodass sie heute über den Kellern der alten Häuser verläuft. Mitten durch die Altstadt schlug man die vierspurige ChrobregoStr., über die der Verkehr auf die Warthebrücke geleitet wird. Nach wiederum 50 Jahren erreichen die Blöcke, die im Gegensatz zu den mittelalterlichen Parzellen stehen, selbst eine historische Dimension, werden zu Baudenkmälern der sozialistischen Architektur.

1 750 Jahre in Landsberg und Gorzów

750 Jahre in Landsberg und Gorzów

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Die Jahre danach Zu Beginn des 21. Jh. ist Gorzów dreimal größer als Landsberg vor dem Krieg. In den 40 Jahren nach dem Krieg war es vor allem eine Industriestadt mit den Giganten wie Chemiefaserwerke Stilon, Mechanische Werke (Zakłady Mechaniczne), Silwana, Stolbud. In den 60er und 70er Jahren des 20. Jh. war besonders das Stilon-Werk eine Ikone der Stadt, nicht nur wegen der Produktion von Kunstfasern, Magnettonbändern und Filmmaterial, sondern auch aufgrund seines allgegenwärtigen Einflusses auf das Leben

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Landeskundlicher Teil der Stadt (Wohnsiedlungen, Straßen, Schulen, Kindergärten, Kultur, Sport, Erholung usw.). Die Mechanischen Werke sponserten den Gorzówer „Stal”, den landesweit führenden Speedway-Klub, dessen Sportart die Gorzówer ganz besonders lieben. Die Stadt und ihre Einwohner machten berühmt: Krystyna Prońko – eine vorzügliche Sängerin, Katarzyna Zawidzka – eine der ersten „Miss Polonia“, Włodzimierz Rój Karate- Europameister, Lech Piasecki - Weltmeister im Radsport, die europäischen Speedway-Stars und Landesmeister Edward Jancarz, Zenon Plech und Bogusław Nowak. Die wirtschaftliche Transformation nach 1989 verursachte anfangs einen gewissen Stillstand, aber sie bewirkte auch, dass nun mehr für den Menschen getan wird, als für die Industrie. Es entstanden neue Stadtteile, man baut neue Straßen, es entwickeln sich die Dienstleistungen und der Tourismus. Die Gorzówer kümmern sich nicht nur um ihre Stadt, sondern auch um gemeinsame polnische Angelegenheiten. Stark eingeprägt haben sich die erste und die zweite Solidarność-Zeit mit ihrem Umfeld der demokratischen Opposition. Kazimierz Marcinkiewicz war während seiner Amtszeit als Premierminister der polnischen Regierung (Oktober 2005 - Juli 2006) Einwohner von Gorzów. Marek Jurek, Marschall des polnischen Sejms, legte seine Abiturprüfung in Gorzów ab, und mit seiner hier erworbenen Ausbildung ging er in die Politik. Der Sport ist immer noch ein starkes Argument der Stadt. Bürger von Gorzów sind: Tomasz Kucharski, zweifacher Gewinner von Goldmedaillen im Rudern bei Olympischen Spielen, Sebastian Świderski – einer der besten Volleyballer in der polnischen Vize-Weltmeister-Mannschaft. Alles deutet darauf hin, dass Gorzów seine besten Jahre wieder einmal noch vor sich hat.

in Der Umgebung von Gorzów Wielkopolski Symbole Name. Zwar erhielt die Stadt beim Gründungsakt den Namen „Neu Landsberg“, mit den Jahren bildete sich aber sein Name „Landsberg an der Warthe“ heraus. Den Namen „Gorzów” vergab eine Sonderkommission am 11. Mai 1945 an die hiesige Bahnstation. Erst am 2. März 1946 entschied die Regierungskommission zur Festlegung von Ortsnamen offiziell über den Namen für die Stadt „Gorzów” mit dem Zusatz „Wielkopolski” („Grosspolnisch“ – von der Region um Posen – Wielkopolska), unter starkem Einfluss wissenschaftlicher Kreise in Posen. Die Minister für Öffentliche Verwaltung und für die Wiedergewonnenen Gebiete unterzeichneten die Entscheidung über den offiziellen Namen am 7. Mai 1946. Im Jahr 2000 fand eine Bürgerbefragung statt, bei der sich die Einwohner dazu äußern sollten, ob der Zusatz „Wielkopolski” im Namen der Stadt verbleiben oder gestrichen werden soll. Die Mehrheit sprach sich für die Beibehaltung des Zusatzes aus, obwohl die Stadt weder geografisch noch historisch jemals engere Verbindungen zum klassischen Großpolen (Wielkopolska) gehabt hat. Zur Vereinfachung hat sich die Verwendung des Kürzels „Wlkp.“ eingebürgert. Wappen. Das Wappen der Stadt zeigt einen askanischen (brandenburgischen) Adler auf weißem (silbernem) Grund mit grünen Kleeblättern in gelben (goldenen) Krallen und mit einem gleichfarbigen Schnabel. Gorzów ist damit wohl die einzige Stadt mit dem grünen Kleeblatt als Symbol des Glücks im Wappen. Farben. In Übereinstimmung mit den

Prinzipien der Heraldik müsste die Stadtflagge von oben beginnend die Farbe des Wappentieres tragen, während die nachfolgenden Farben vom Grad ihrer Verwendung im Wappen abhängen. Nach diesem Prinzip müsste die Flagge von Landsberg rot-weiß-grün sein, aber am 6. Mai 1901 fasste der Stadtrat einen Beschluss, der die umgekehrte Reihenfolge der Farben festlegt: grün-weiß-rot. Als 1990 Gorzów Wielkopolski die Stadtflagge wieder einführte, erklärte man, dass diese Farbfolge in der Tradition wurzelt und außerdem der Farbanordnung Polens Fahne näher steht. Die Flagge von Gorzów ist also weiterhin grün-weiß-rot, auch wenn das den Prinzipien der Heraldik widerspricht. Die erste Standarte in der Geschichte der Stadt wurde am 28. März 1995 geweiht, anlässlich der Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag des polnischen Gorzóws. Stadtschlüssel. Der symbolische Stadtschlüssel wird im Arbeitszimmer des Stadtpräsidenten aufbewahrt. Hymne. Täglich zur Mittagsstunde erklingt aus dem Gebäude der Stadtverwaltung das Turmlied von Gorzów, von Jan Kupczyński komponiert. Blumensymbol. Im Jahr 2006 fand eine Bürgerbefragung über die symbolische Blume der Stadt Gorzów statt. Vorgeschlagen wurden Magnolien, Stiefmütterchen, Vergissmeinnicht; aber

die meisten Stimmen erhielt die Rose. Großen Anteil daran hatten die Rosen, die im Park des Völkerfrühlings (eh. Stadtpark) wachsen, der im Volksmund auch der Rosenpark genannt wird. Im Jahr 1938 waren hier dreieinhalb Tausend Rosenstöcke gepflanzt worden. Die Verwaltung von Gorzów hat erklärt, dass in der ganzen Stadt immer Rosen wachsen werden.

Liebt sie so, wie wir sie geliebt haben

1 Liebt sie so, wie wir sie geliebt haben

Symbole

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Das Jahr 1945 war für die früheren und für die neuen Einwohner der Stadt ein unvergessliches Jahr. Die Deutschen mussten von hier weggehen, und die meisten Polen kamen auch unter Zwang her. Über das Schicksal der einen und der anderen hatten die Geschichte und die Verträge entschieden, die von den damaligen Führern der Welt abgeschlossen worden waren. Sowohl die Polen, als auch die Deutschen wurden gezwungen, ihre Heimat zu verlassen, ihr Lebenswerk aufzugeben, und kamen traurig in den neuen Orten an, unsicher, was ihnen das Morgen bringen würde. Es mussten viele Jahre vergehen, bis sich die Helden jener Tage bewusst wurden, dass es dabei keine Sieger und Besiegten gegeben hatte, dass für die einen Landsberg, für die anderen Gorzów ihre gemeinsame Stadt ist. Die Warthe in Gorzów, Foto D. Adamski

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Liebt sie so, wie wir sie geliebt haben

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Landeskundlicher Teil Zu Beginn der 70-er Jahre begann Hans Beske ein Landsberger aus Herford nach Gorzów zu reisen. Er war der Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Landsberg (Warthe) Stadt und Land. Seine ersten Kontakte knüpfte er mit dem Bischof Wilhelm Pluta und mit Künstlern in Gorzów. Auf seine Anregung hin erschien 1982 der Bildband „Wege zueinander – Drogi ku sobie”, das erste Buch über die deutsche und polnische Geschichte der Stadt Landsberg/Gorzów. Formelle Kontakte wurden Anfang der 90er Jahre aufgenommen. Die Unterzeichnung des Vertrags über die Zusammenarbeit der Bundesarbeitsgemeinschaft mit der Stadt erfolgte 1995. Seit über zehn Jahren wird der 30. Januar, der Tag an dem die Rote Armee in Landsberg einmarschierte, als Tag der Erinnerung und der Versöhnung begangen, an dem die Landsberger und die Gorzówer auf den Friedhöfen Blumen niederlegen und zugleich ihre gemeinsame Arbeit für die Stadt hervorheben. Die erste in der Stadt sichtbare gemeinsame Aktion fand im Jahre 1993 statt, als im heutigen Kopernikuspark, dem ehemaligen evangelischen Friedhof, ein Stein mit einer Tafel aufgestellt wurde, auf der in zwei Sprachen zu lesen ist: „Zur Erinnerung an die Einwohner unserer Stadt, die auf diesem Friedhof in den Jahren 1831–1945 beigesetzt wurden.” Im Jahr 1997, hundert Jahre nach seiner Enthüllung, wurde das Symbol der Stadt Landsberg rekonstruiert: der Paucksch-Brunnen auf dem Markt. Während der Feierlichkeiten sagte Ursula Hasse-Dresing: Der Verlust des Springbrunnens wurde für uns zum Symbol für den Verlust der Heimat. Jetzt ist er auf seinen Platz zurückgekehrt. Liebt sie so, wie wir sie geliebt haben. Als erster benetzte der Enkel des Stifters, Eberhard Paucksch, seine Hand mit dem Wasser der Fontäne. Jetzt ist dieser Springbrunnen auch ein

Die Friedensglocke, Foto D. Adamski Symbol, das Landsberg mit Gorzów verbindet. Am 30. Januar 2001 wurde im Volksbad die Büste von Max Bahr enthüllt, der diese Einrichtung gestiftet hatte. Ebenfalls 2001 fand die Enthüllung eines Gedenksteins mit dem rekonstruierten Porträt von Egomet Brahtz statt, dem „Vater“ der Parks. Ein weiteres Symbol der Zusammenarbeit ist die Friedensglocke, die am 2. September 2006 auf dem Grunwaldzki-Platz (eh. Musterplatz) enthüllt wurde. Während des Gottesdienstes in der Kathedrale las man in Deutsch und Polnisch den Text des Evangeliums nach Matthäus mit den Worten über die Nichtverurteilung anderer. Auch die Ansprachen auf dem Grunwaldzki-platz wurden in zwei Sprachen übersetzt. Das Orchester intonierte den bekannten Militärmarsch „Alte Kameraden”, dessen Komponist Carl Teike auch ein Einwohner von Landsberg gewesen war. Die Weihe der Glocke nahmen ein evangelischer und ein katholischer Geistlicher aus Gorzów vor. Die Ansprachen hielten Stadtpräsident Tadeusz Jędrzejczak und Ursula Hasse-Dresing, die Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft. Dieser bedeutsame Akt der Zusammenarbeit zwischen Polen und Deutschen fand ein breites Echo in ganz Polen.

Stadtbesichtigungstouren Besichtigungstour Nr. 1.  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   18 Besichtigungstour Nr. 2.  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   29 Besichtigungstour Nr. 3.  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   42 Besichtigungstour Nr. 4.  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   48 Weitere sehenswerte Orte  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   54


Stadtbesichtigungstouren Besichtigungstour Nr. 1. Länge: 2,3 km Routenverlauf: Stary Rynek – ul. Bolesława Chrobrego – ul. Strzelecka – ul. Sikorskiego – Park Wiosny Ludów – ul. Wybickiego – ul. Władysława Łokietka – ul. Dąbrowskiego – ul. Władysława Jagiełly – Wełniany Rynek – ul. Hawelańska – ul. Sikorskiego – Stary Rynek Das architektonische Wahrzeichen der Stadt ist die in der II. Hälfte des 13. Jh. errichtete gotische Marienkirche 1 (heute Kathedrale der Himmelfahrt der Heiligsten Jungfrau Maria), von der aus wir unseren Erkundungsspaziergang beginnen. Die Kathedrale steht auf steinernen Fundamenten und wurde aus roten gebrannten Ziegeln im gotischen Still erbaut. Stets hat sie das Panorama von Landsberg und des heutigen Gorzów Wielkopolski beherrscht. Betrachtet man die Ziegel der südlichen Mauern aufmerksam, erkennt man leicht gewölbte Vertiefungen - das sind Spuren vom mittelalter-

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Landsberger Bürgersfrau Mit der St. Urban-Kapelle verbindet sich eine Legende. Sie handelt von einer Bürgerin, die in den Jahren der Hussitenkriege (1431–35) in Landsberg des Verrats angeklagt worden war. Man warf ihr vor, sie hätte dem polnischen Ritter Władysław (polnische Verbände unterstützten damals die Hussiten) von einem geheimen Eingang in der Stadtmauer erzählt, der von der Seite der Warthe in die Kapelle führte. Unter der Folter zwang man die Unglückliche zum Geständnis ihrer verräterischen Tat und verurteile sie zum Tode auf dem Rad. Das grausame Urteil wurde auf dem Hügel vollstreckt (heute Schnittpunkt der Straßen Asnyka, Chopina und Konstytucji 3 Maja), wo im Mittelalter die Hinrichtungen stattfanden. Seitdem erschien dort eine weiße Gestalt, um auf diese Weise ihre Unschuld zu manifestieren. lichen Brauch des Feuer Anfachens mit Hilfe so genannter „Feuerbohrer“. Dieser Brauch wurde zu jener Zeit an besonders wichtigen Feiertagen wie Weihnachten und Ostern gepflegt, um das „heilige Feuer” zu entzünden, das dann nach Hause getragen wurde. Es sollte den Bewohnern Glück und Sicherheit bringen. Die Legende - oder vielleicht ist es auch nur

Die Kathedrale, Foto D. Adamski eine Anekdote - erklärt diese ovalen Vertiefungen als bleibende Spuren besonders harter Sühne für begangene Sünden. Demnach wurden die Löcher von den Sündern während des Gebets mit den Fingen eingegraben. An der Mauer sind auch kantige Schrammen zu erkennen, die vom Schärfen der Säbel in späteren Zeiten stammen. Im Seiteneingang der südlichen Mauer befindet sich ein herrliches gotisches Eingangsportal mit Profilierungen, das im Original erhalten ist. Etwas rechts von diesem Portal erkennen wir Reste des Eingangs der heute nicht mehr vorhandenen St. Urban- Kapelle (gestiftet vor

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1385). Die Stelle, an der sie einst stand, erkennt man an den roten Ziegeln im Pflaster neben der Kirche. Während der Ausgrabungen an der Stelle der einstigen Kapelle fand man 25 Münzen, die älteste davon war ein halber Denar Otto V. vom Ende des XII. Gleich nebenan, im Schatten einer Kastanie steht das Denkmal des Bischofs Wilhelm Pluta 2 , geschaffen von der Hand Prof. Czesław Dźwigajs. Die Figur des Geistlichen wiegt 1200 kg und ist 2,7 m hoch. Zu ihren Füßen befindet sich ein Wappenschild mit der lateinischen Sentenz „Ut omnes unum sint”- „Dass alle eins wären“.

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Wie sind Glocken gegossen worden Die mittelalterlichen Rezepturen zur Herstellung von Glocken empfahlen, man solle sie gießen aus „80 Teilen besten russischen Kupfers, 10–11 Teilen reinen Zinns, 5–6 Teilen Zink und 3–4 Teilen Blei“. Oft hörte man von den Glockengießern auch, es sei notwendig, der Legierung Silber oder Gold beizufügen, um die Farbe des Klangs der Glocke zu heben. In Wirklichkeit hoben sie auf diese Weise nur ihren Preis. Bevor wir ins Innere des Heiligtums eintreten, betrachten wir die Nägel, die in der Eichenholztür des Haupteingangs (Westtor) eingeschlagen sind. Die Bürger stifteten sogar versilberte und vergoldete Nägel, die aber den II. Weltkrieg nicht überstanden haben. Sie tauchten hier im Jahr 1917 auf, als Nachweis für Spenden an den Nationalen Witwen- und Waisenfonds, das so genannte „Hindenburg-opfer“. Das Tor, verziert mit den Wappen von Berlin und Brandenburg sowie dem Antlitz des St. Georg (am Schloss der Türklinke), wird auch „Eiserne Tür” genannt. Nachdem wir in den Turm eingetreten sind (53 m Höhe), der Anfang des 14. Jh. angebaut wurde, erblicken wir rechts den Sarkophag des Bischofs Teodor Bensch (1903 - 1958). Der erste römisch-katholisch-apostolische Administrator in Gorzów trat sein Amt am 16. Dezember 1956 mitten im verbissenen Kampf der Kom-

Bischof Wilhelm Pluta Der geistliche Hirte lebt in der Erinnerung der Gorzówer als Mensch, der sich mit großer Hingabe um die Gläubigen gesorgt hat und der, ohne Rücksicht auf die sich häufenden Hindernisse, die Kirche der Geduldig Zuhörenden Mutter Gottes in Rokitno (Rokitten) erneuerte - das den Gorzowern am nächsten gelegene Marienheiligtum. Man erinnert sich auch an seine schlesischen Scherze, die er in die Predigten an die Gläubigen einstreute. Der Bischof war ein aktiver Teilnehmer des II. Vatikanischen Konzils und ein herzlicher Freund des Papstes Johannes Paul II.

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munisten gegen die Kirche an. An diesem für ihn so wichtigen Tag sagte er über den Bund des Volkes und der Kirche: „Die Kirche und das Volk waren in der Geschichte immer wie Mutter und Kind miteinander verbunden. Versuchst du das Kind der Umarmung der Mutter zu entreißen, wirst du merken, dass sich die Hände des Kindes umso fester an den Hals der Mutter klammern“. An der Wand über dem Grabmal ein polychromes hölzernes Kruzifix aus dem 16. Jh.. Links im Vorraum das Grabmal seines Nachfolgers des Bischofs Wilhelm Pluta (1910 – 1986). Hier lesen wir die Worte, die dieser Geistliche oft wiederholt und an die er sich sein Leben lang gehalten hat: „Der Mensch im Menschen stirbt, wenn schon getanes Gutes ihn nicht freut, noch Böses ihn nicht schmerzt“. Daneben eine große Fotografie zur Erinnerung an den Besuch des Papstes Johannes Paul II. im Jahr 1997 in Gorzów Wielkopolski und an sein Gebet am Grab des Freundes. Im oberen Geschoss des Turmes (Einlass zu bestimmten Tageszeiten vom Kirchenschiff) befinden sich zwei Räume, die früher dem Stadtwächter dienten. Seine Aufgaben waren, die Glocke zu schlagen und über die Stadt zu wachen, um die Bürger mit bestimmten Signalen vor Feuer zu warnen. Die ältesten Denkmal Bischofs Wihelm Pluta, Foto D. Adamski

Kathedrale – Altar aus dem 16./17. Jh., Foto T. Jocz bekannten Glocken des Turms wurden 1448 gegossen. Die größere davon durchlöcherte im Jahr 1708 ein Blitz, die kleinere „Ave Maria” blieb bis 1945 erhalten. Im Laufe der Jahrhunderte wurden im Turm noch weitere Glocken aufgehängt, die aber im Jahre 1917 der Gier des damals tobenden I. Weltkrieges zum Opfer fielen. Es blieben allein die beiden Glocken der Turmuhr übrig. Die Bürger, durch Schaden klüger geworden, entschieden sich im Jahr 1921 für die Bestellung weiterer Glocken, die in Apolda aus Stahlguss gegossen wurden, der sich nicht für militärische Zwecke eignete. Im Jahr 1922 hingen im Turm vier neue Glocken: die Gebetsglocke (mit dem Zeichen des Kreuzes), die Trauerglocke (die beeindruckendste von allen, mit einer Urne und Weihrauch), die Gedächtnisglocke (mit dem Zeichen des Herzens) und die Hoffnungsglocke (mit einem Anker darauf). Außerdem brachte man auf den Glocken die Namen der damaligen Repräsentanten der Stadt an - die Bürgermeister Gerloff, Henckel, Meyer und Neuman sowie die protestantischen Pfarrer Niethe, Kellner, Schubach und Noack. Die Glockentöne geben eine Melodie nach Motiven aus dem „Parsifal“ von Richard Wagner wieder.

Ein charakteristisches Element des Turmes ist die Turmuhr, die 1899 in Hannover gefertigt wurde. Die erste Turmuhr gab es bereits Mitte des 18. Jh. und sie stand unter der Obhut von Albrecht J. Buck, der aus dem polnischen Skwierzyna (Schwerin/W.) stammte. Gegenwärtig stehen die Räumlichkeiten in den oberen Etagen des Turmes für Ausstellungen der musealen Sammlungen zur Geschichte des Gotteshauses und der Stadt zur Verfügung. Das vorletzte Obergeschoss dient als Aussichtsplattform, zu der wir gelangen, wenn wir 171 Stufen erklimmen. Nach dem Eintritt in die Kirche, die als Pseudobasilika angelegt ist, befinden wir uns in ihrem ältesten Teil, dem Hauptschiff. Daran schließen sich die Seitenschiffe an, getrennt durch achteckige Säulen, von denen sich ein Kreuzbogengewölbe erhebt. Licht gelangt durch Bleiglasfenster in die Kirche, die in den Jahren 1966–67 aus Anlass des tausendsten Jahrestages der Christianisierung Polens nach einem Projekt von W. Ostrzołek und E. Kwiatkowski angefertigt wurden. Das Thema des Fensters im Presbyterium sind die sieben heiligen Sakramente. Der Chor des Gotteshauses ist nach Osten gerichtet, von wo nach Überzeugung der mittelal-

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Triumphbalken in der Kathedrale, Foto D. Adamski

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Stadtbesichtigungstouren terlichen Christen am Jüngsten Tag der Erlöser kommen wird. Diesen Teil des Gebäudes mit einem Sterngewölbe schmückt ein wertvoller Altar im manieristischen RenaissanceStil aus dem 17. Jh.. Im Mittelteil dieses noch aus protestantischer Zeit stammenden Triptychon (ursprünglich Poliptyk) steht Golgatha, darunter das Heilige Abendmahl und in der Spitze die Gestalt Jonas im Schlund des Walfischs. Die Seitenflügel des Triptychon füllen gotische Apostelfiguren vom früheren Altar. An den Seitenwänden des Chores verdienen das Gestühl mit Plastiken der 24 Alten der Apokalypse unsere Aufmerksamkeit. Das Hauptschiff ist vom an drei Seiten geschlossenen Chor im Chorbogen durch eine spätgotische Kreuzigungsgruppe mit der Muttergottes und dem hl. Johannes getrennt. Das ist das älteste erhaltene Austattungselement der Kirche aus dem 15. Jh.. Bemerkenswert sind auch drei weitere Balken im Chorraum. An einer der Säulen das Abbild eines Adlers (14./15. Jh.), eins der wenigen Überbleibsel der Polychromie. Ursprünglich zierte die Kirche auch ein Kronleuchter aus dem Geweih eines stattlichen Hirsches. Der Legende nach war das Tier (angeblich im Winter 1599) auf der Flucht vor hungerwahnsinnigen Wölfen, in die Kirche eingedrungen und an den Stufen des Altars vor Erschöpfung tot zusammengebrochen. Leider kam der ungewöhnliche Leuchter Mitte des 19. Jh. nach Charlottenburg. In der Nähe des Eingangs vom Seitenschiff zur Sakristei (zwischen der 12. und 13. Station auf dem Kreuzweg) befindet sich im Sockel ein Quaderstein aus Granit (50 x 40 cm) mit einem geheimnisvollen Schachbrettmuster aus 11 waagerechten und 4 ½ senkrechten sichtbaren Feldern, der übrige Teil ist wahrscheinlich vom Gesims verdeckt. Alle bisher von Historikern entdeckten Schachbretter wurden ausschließlich in romanischen Kirchen gefunden

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und keines davon im Innern der Gotteshäuser. Rolle und Symbolik der Schachbrettmuster sind bis heute unbekannt und zahlreiche damit verbundene Hypothesen haben nichts aufklären können. In der Sakristei haben sich zwei originale gotische Schlusssteine erhalten - einer mit dem Motiv zweier Vögel, der zweite mit dem Motiv des „Agnus Dei” (Lamm Gottes). Im 15. Jh. gab es in der Kirche die erste Orgel. Nach dem Umbau im Jahr 1598 verfügten sie über 24 Register (registrierte Klangfarben). 1617 kamen weitere 12 Register hinzu. Mit der ersten Orgel steht die Geschichte eines Sittenund kriminalistischen Skandals in Verbindung. Als nämlich 1562 der Organist Walerius „in die Schule eindrang und nackt die Schüler belästigte”. Außerdem hatte er noch „zwei Jahre lang Pfeifen aus der Orgel genommen, eingeschmolzen und verkauft”. Am Ende wurde der Organist geköpft und die Orgel ein Jahr später repariert. Im Jahr 1926 bestellte man bei der Firma Sauer aus Frankfurt eine neue Orgel mit 46 Stimmen, die seit der letzten Instandsetzung bis heute in der Kirche ihren Dienst tut. Nach der Besichtigung der Kathedrale halten wir uns nördlich, in Richtung einer GrünDenkmal des Speedway-Fahrers Edward Jancarz, Foto B. Nowosielski

Denkmal Szymon Giętys, Foto D. Adamski anlage, wo unsere Aufmerksamkeit zweifellos vom „Blumen-Pfau” und der Trauerweide angezogen wird. Außerdem finden wir hier u.a. eine dekorative Form der Goldeibe, Sabinski-Wacholder und den kanadischen Geweihbaum mit seinen originellen, doppelt gefiederten Blättern. Hinter dem kleinen Park treffen wir auf die getreue Rekonstruktion einer städtischen Straßenbahn 3 aus dem Jahr 1899, die extra für Landsberg gebaut wurde und die seinerzeit eine Geschwindigkeit von 12 kmh erreichte. Die Replik ist zum großen Teil aus Holzelementen gefertigt und hat ein Originalfahrgestell vom Typ Bremen aus den 20er Jahren des 20. Jh.. Heute erfüllt der Wagen seine Rolle als Touristeninformation. Hier kann man Karten, Reiseführer und Andenken an Gorzów kaufen, aber auch Eintrittskarten für Kulturveranstaltungen. Wir empfehlen den im Jahr 2006 erschienen Stadtplan „Mit Szymon durch Gorzów” („Z Szymonem po Gorzowie”), illustriert

mit Zeichnungen der wertvollsten historischen Sehenswürdigkeiten der Stadt, angefertigt von Dariusz Sapkowski. Wenn wir uns weiter nach Norden halten, kommen wir am Kaufhaus Arsenał 4 vorbei, das zur Erinnerung an das Gebäude des historischen Zeughauses aus dem 18. Jh. so genannt wurde, das bis zu seinem Abriss im Jahr 1969 an dieser Stelle stand. Wir gelangen zum Fußgängerübergang und auf der anderen Straßenseite gehen wir in Richtung Bolesława-Chrobrego-Str. (HindenburgStr.) – bis zur Grünanlage an der Strzelecka-Str. (Schützengraben) Hier stehen wir vor dem weltweit einzigen Denkmal zur Erinnerung an einen Speedway-Fahrer 5 . Das Werk aus der Hand Andrzej Moskaluks zeigt den auf einem Speedway-Motorrad sitzenden Edward Jancarz, 11facher Repräsentant Polens bei Einzelweltmeisterschaften im Speedway. Der legendäre Rennfahrer aus Gorzów trägt auf seiner Brust das Zeichen von „Stal Gorzów“ – des Klubs mit dem er sein ganzes sportliches Leben zwischen 1965 und 1986 verband. Zweimal war er polnischer Meister, dreimal errang er den „Goldenen Motorradhelm” und zweimal den Titel des Vizeweltmeisters. Er hat sich für immer in das Gedächtnis der Gorzówer Speedwayfans eingeprägt, denn jeder Gorzówer fühlt sich ein bisschen als Speedwayfan. Wir folgen der Fußgängerzone in der Strzelecka-Str.; rechts kommen wir am ehemaligen Gebäude der Bierlagerhalle 6 aus dem Jahr 1877 vorbei, das zur Brauerei der Gebrüder Gross gehörte, und erreichen die Brücke über die Kłodawka (Kladow). Noch bevor wir sie überqueren, wenden wir uns einem kleinen Denkmal zu, das Maria Konopnicka 7 gewidmet ist. Sie war die Patronin der ersten polnischen Schule, die einst an dieser Stelle stand. Im Mai 1945 wurden an ihr 54 Kinder eingeschrieben, doch schon nach drei

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Stadtbesichtigungstouren Monaten Werbung hatte sie –183 Schüler. Etwas weiter rechts, am Ufer der Kłodawka (Kladow), wächst ein herrliches Exemplar der echten Sumpfzypresse 8 (238 cm Umfang). Dieser Nadelbaum (langlebig - erreicht bis zu 2000 Jahre!) stammt aus Nordamerika und kam Mitte des 17. Jh. als Zierde der Parks nach Europa. Sie hat charakteristische kleine Zapfen von 2–2 ½ cm Größe und bei älteren Exemplaren wachsen aus den Wurzeln Ableger bis über die Erdoberfläche. Sie versorgen die Wurzeln mit Sauerstoff. Auf der anderen Straßenseite steht das gründerzeitliche Gebäude des ehemaligen kaiserlichen Postamtes 9 aus dem Jahr 1890, das häufig ausgebaut wurde. Der vom Fußgängerweg sichtbare Innenhof war ehemals die Haltestelle der Postkutschen. Es lohnt sich, durch das jetzige Postgebäude hindurchzugehen, um auf der anderen Seite die Außenfassade zu betrachten, die zwei einachsige Vorsprünge (Risalite) zieren. Vor dem Risalit, das näher am Haupteingang liegt, befindet sich ein Portikus, über dem sich ein vieleckiger Turm mit einer azurfarbenen Helmkuppel erhebt. Das Gebäude gehört zu den schönsten gründerzeitlichen Gebäuden unserer Stadt. Auf der Strzelecka-Str. gelangen wir nun zum Parkplatz vor dem Kaufhaus „Park 111”, wo uns die nächste besondere Skulptur erwartet. Sie

Freimaurer Die Anfänge der Freimaurerei reichen zurück in die Zeit der Erbauer der mittelalterlichen Kathedralen, die ihre Regeln des Kirchenbaus streng hüteten. Mit der Zeit organisierten sie sich in Verbindungen, die sich zur Religionsfreiheit und zur politischen Freiheit, zu Universalität, Gleichheit und Brüderlichkeit zwischen den Menschen bekannten. Ihre geistigen Erben sind die späteren Mitglieder der Freimaurerlogen, die sich gerne auf die Symbole und die Terminologie ihrer Vorläufer bezogen. Es gab drei Stufen der Initiation - Lehrling, Geselle und Meister.

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Altes Postamt, Foto T. Jocz wurde von Andrzej Moskaluk geschaffen und ist einem Clochard 10 , einem Stadtstreicher gewidmet. Das mag verwundern, aber „Szymon Gięty” („der verbogene Simon“), eigentlich Kazimierz Wnuk (1914–98), war eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Sein Pseudonym erdachte der Schriftsteller und Poet Zdzisław Morawski aus Gorzów. Viele Anekdoten aus dem Leben Szymons sind zur Legende geworden. Die Gorzówer erinnern sich bis heute daran, wie Szymon Gięty im Stadtzentrum sein Zelt aufschlug, um gegen ein kleines Entgelt den darin befindlichen Affen zu zeigen. Von der Neugier getrieben krochen einige Leute in das Zelt, um darin… ihr eigenes Gesicht in einem Spiegel zu sehen. Ein andermal waren es exotische Vögel, das heißt: mit bunten Farben bemalte Spatzen. Solche Figuren vergisst man nicht. Initiator des Denkmals für „Szymon Gięty” war das Gesellschaftliche Komitee, ein Gorzówer der in Kanada lebt und in entscheidendem Maße die Tageszeitung „Gazeta Wyborcza”. Wir gelangen nun zur Sikorskiego-Str. (Küstriner Str.), an die Stelle, wo seit dem Mittelalter das Mühlentor und eine der vier städtischen Mühlen standen. Auf der anderen Straßenseite befindet sich das klassizistische Gebäude der

im Jahr 1810 in der Stadt gegründeten Frei­ maurerloge 11 des Heiligen Johannes zum Schwarzen Adler, die sich zur preußischen patriotischen Tradition bekannte. Erster Meister der Loge war der Gerichtsrat Bothe. Das Gebäude wurde in den 90-er Jahren des 19. Jh. ausgebaut. Es gehörte den Freimaurern bis 1935, als die Naziherrscher die Organisation für illegal erklärten und die rituellen Gegenstände, das Archiv und die Bibliothek konfiszierten. Letzter Meister der Loge war der Direktor der Mittelschule Lapke. Nach dem Krieg befand sich hier der erste Sitz des Landratsamtes (Kreisverwaltung). In der Fassade des Gebäudes (rechts vom Eingang) wurde im Jahr 2006 ein Gedenkmedaillon der Künstlerin Zofia Bilińska eingemauert, das der Erinnerung an den ersten Landrat von Gorzów, Florian Kroenke (1909–2004), gewidmet ist. Das war ein mutiger Mann und gleichzeitig ein Visionär. Von den kommunistischen Machthabern wurde er deshalb wegen „ideologischer Abweichungen” aus dem Amt entfernt. Angeblich hatte er anlässlich einer öffentlichen Feierlichkeit nach alter Tradition den Ring des Bischofs geküsst, was als „provokante Manifestation des Klerikalismus“ betrachtet wurde. Seine Mitarbeiter nannten ihn einen „Mann von

Wind und Feuer“. Er war der geistige Vater vieler Initiativen in einer Stadt voller Schutt und Asche. Als es an so vielem mangelte, gründete er z. B. den Fliegerklub des Lebuser Landes und wurde sein Vorsitzender. Wir entfernen uns auf der Sikorskiego-Str. weiter vom Zentrum und kommen an einer Staustufe der Kłodawka (Kladow) vorbei, wo sich bis 1969 das malerisch gelegene „Cafe Voley“ – nach dem Krieg „Wenecja“ („Venedig“) befand und erreichen eine Villa, die 1903 für den bekannten Landsberger Ingenieur Hans Lehmann nach einem Projekt von Karl Bengert im Berliner Jugendstil errichtet wurde. Heute ist das Haus der Sitz der Öffentlichen Wojewodschafts- und Stadtbibliothek 12 . An der Wand neben dem Eingang wurde die Silhouette von Bronisława Wajs Papusza, einer Dichterin der Sinti-Roma angebracht. Die Poetin hielt sich 1953 mit einem der letzten umherziehenden Zigeunertrecks in der Umgebung von Gorzów auf. Themen ihrer Gedichte sind das Leben der Zigeuner, ihre Sitten, ihre Bindung an die Tradition dieses Wandervolkes und die Schönheit der Natur. Ihre Verse erschienen in den Bändchen „Pieśni Papuszy” (Papuszas Lieder), „Pieśni mówione” (Gesprochene Lieder) und „Lesie, ojcze mój” (Wald, du mein Vater).

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Öffentliche Wojewodschafts- und Stadtbibliothek – repräsentative Eingangshalle, Foto D. Adamski

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Wiosny Ludów-Park, auch Rosenpark genannt – Platanen- und Kastanien-Allee, Foto T. Chwalisz Das Innere des Gebäudes ist im Jugendstil gehalten, der funktionale Lösungen mit dem Modernismus verbindet. Alle Räume sind um das Treppenhaus und die repräsentative, über zwei Etagen reichende Halle angeordnet, in der die Skulpturen von Literaten aus Gorzów stehen: Papusza, geschaffen von Karol Parno-Gierliński, Irena Dowgielewicz und Zdzisław Morawski, geschaffen von Andrzej Moskaluk. Im Parterre befand sich das Zimmer des Besitzers, verbunden mit dem Büro und dem Speisezimmer. Die Veranda auf der Parkseite diente der Erholung beim Anblick des grünenden Parks. Nach dem Ausbau des neuen Bibliothekkomplexes wird das nur noch teilweise möglich sein. Von der

früheren Innenausstattung haben sich die Treppen mit den dekorativen Geländer und einer Ampel erhalten, die Wandvertäfelung, die Einbaumöbel, der gekachelte Kamin mit dem Flechtgitter, das Bleiglasfenster mit Bürgerfiguren in traditioneller Tracht, ein ringförmiger DeckenLeuchter, Wandmalereien und Deckenverzierungen aus Stuck und Holz. An der Wand bei den Stufen die zum ersten Stock führen, hängen Karikaturen bedeutender Vertreter der Gorzówer Kultur von der Hand Zbigniew Olchowiks und Zeichnungen des alten deutschen Landsberg, die von Roman Piciński stammen. Nach der Besichtigung der Villa schreiten wir durch das Eingangstor des Park Wiosny Ludów Mittelalterliche Stadtmauer, Foto T. Jocz

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(„Park des Völkerfrühlings“, früher hieß er Kaiser-Wilhelm-Park oder Stadtpark), seine Fläche beträgt 4,78 ha. Es ist der schönste städtische Park. Angelegt wurde er im Jahr 1913 auf Gelände, das die Stadt rund um den früheren Mühlteich erworben hatte, der von den Wassern der Kłodawka (Kladow) gespeist wird. Wir halten uns rechts auf die Brücke zu (neben ihr wächst ein seltenes Exemplar des GinnalaAhorns, eine Art die aus China, Japan und Korea stammt), von wo aus sich ein interessanter Ausblick eröffnet auf die mit Ulmen bewachsene Insel in der Mitte des von der Kłodawka (Kladow) gebildeten Teiches. Die Insel ist ein beliebter Nistplatz von Wildenten. Gehen wir weiter durch die Kastanienallee, kommen wir (wenn es Sommer ist) rechts an hunderten verschiedenfarbigen Rosen unterschiedlicher Arten vorbei, die dem Park im Volksmund den Namen „Park Róż” (Rosenpark) gegeben haben. Hier ist ein idealer Platz, um innezuhalten, auf einer der Bänke auszuruhen und die majestätisch über den Teich gleitenden Schwäne zu beobachten. Es lohnt sich, im Park etwas mehr Zeit zu verbringen, durch die Alleen mit Kastanien, Ahornplatanen oder Weißbuchen umher zu spazieren, den Trompetenbaum zu entdecken, die japanische Berberitze, die behüllte Hexenbrunnen, Foto T. Jocz

Heckenkirsche, die Glanz-Zwergmispel, ebenso Eiben, mehrere Ahornarten, den Perlgrasfalter, den abendländischen Lebensbaum, die Mandschurische Weide und die großblättrige Pappel, die aus China stammt. Wir verlassen den Park über die Platanenallee, die an der Kłodawka (Kladow) entlang führt und gelangen zum nordöstlichen Tor an der Einmündung der Wybickiego- und Łokietka-Str.. Wir bleiben auf dem Fußweg zur Łokietka-Str., um über sie zur Bolesława Chrobrego-Str. und zur historischen Brücke über die Kłodawka (Kladow) zu gelangen, neben der ein bemerkenswertes Exemplar der Weißweide wächst, deren hängende Äste bis ins Wasser reichen. Hier beginnt eine der städtischen Grünanlagen, die bereits im Jahr 1899 entlang des Kłodawka-Kanals angelegt wurden. Diese hier nannte sich Bismarck-Platz. Der Schmuck dieses Ortes sind eine am Ufer des Flusses wachsende Schwarzpappel (320 Jahre alt) mit einem Umfang von 660 cm und eine Flatterulme mit einem Umfang von 351 cm. Wir biegen nach rechts auf die nächste Brücke ab und sind in der Dąbrowskiego-Str. (MoltkeStr.) neben dem modernen Gebäude der Feuerwehr. Wenn wir die Allee der Ebereschen weiter entlang gehen, kommen wir am Gebäude der heutigen Schulen für Mechaniker und Elekt­ riker vorbei. In letzterer befand sich das frühere Wohlfahrtshaus 13 . Hier gab es ab 1920 eine Turnhalle, Volksbibliothek (15.000 Bände) mit einem Lesesaal. Auch zahlreiche Organisationen hatten ihren Sitz in diesem Gebäude, sogar eine Volksküche. Wir kommen nun an die Kreuzung mit der Jagiełły-Str., wo wir nach links abbiegen, vorbei am 1930 errichteten Volksbad 14 . Für die damalige Zeit war das ein modernes Objekt mit einem 20 x 25 m großen Hallenbad, Räumlichkeiten für Heil- und Solarbäder. Es lohnt sich in das Bad hineinzuschauen und in der Eingangshalle vor der Büste seines Stifters zu

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Stadtbesichtigungstouren verweilen, eines bedeutenden Mannes, der zu allen Zeiten auch der Stolz aller anderen Städte gewesen wäre - Max Bahr. An den Feierlichkeiten zur Enthüllung der Rekonstruktion seiner Büste im Jahr 2001 nahmen auch seine Nachkommen teil (mehr zum Thema Max Bahrs im Kapitel Weitere sehenswerte Orte). Wir begeben uns auf die andere Straßenseite in Richtung eines Restes der aus Steinen und Ziegeln bestehenden Wehrmauern aus dem 14. Jh. 15 . von 130 m Länge und mit vier Weichtürmen. Bereits um 1325 umgaben die Stadt Wassergräben und steinerne Wehrmauern von 4476 m Länge mit 32 Wachtürmen und drei Toren - dem Zantocher Tor, dem Mühlentor und dem Brückentor. Die Mauern, deren Teil wir heute betrachten, sind das Ergebnis des Ausbaus der ursprünglichen Anlagen, der aus Furcht vor den erwarteten Überfällen der Hussiten im 15. Jh erfolgte. Dazu kam es dann tatsächlich. Im Juni 1433 wurde Landsberg 7 Tage lang von den Hussiten und deren polnischen Verbündeten belagert. Die Mauern bewährten sich damals vollkommen - die Stadt konnte nicht eingenommen werden. Der erste, der die Stadt eroberte und dabei einen Teil der Mauern abriss, war im Jahr 1631 der Schwedenkönig Karl Gustav. Mit der Zeit, ab dem 18. Jh., schüttete man die Gräben zu und riss die Stadttore ab, auch fast alle Wachtürme und Mauern. An der Stelle der früheren Stadtgräben entstanden Häuser, Straßen und zum Teil Grünanlagen. Im Grünen, steht gleich bei der Mauer eine Skulptur, die in der Vergangenheit unter den Einwohnern von Gorzów viele Kontroversen hervorgerufen hat - getauft auf den Namen Śfinster 16 . Der athletische eiserne Nackte, geschaffen von Zbigniew Frączkiewicz, war in den 90-er Jahren von einer Stelle zur anderen geschoben worden, fast wäre er auf dem Schrott gelandet, bis er in diesen Park kam, wo er auf seine Weise am Leben der Stadt teilnimmt,

Gorzów Wielkopolski Włodzimierz Korsak Włodzimierz Korsak (1886–1973). Der Autor des 1922 herausgegebenen Kompendiums für Jäger „Rok Myśliwego” (Das Jahr des Jägers) wohnte vom 7. Juli 1945 bis zum Jahr 1969 in Gorzów. In den Zwischenkriegsjahren trug er den ehrenvollen Titel des Obersten Jagenden Polens und schrieb zahlreiche Bücher für Jäger - gewöhnlich in Form von Erzählungen. Mit der Zeit verwandelte sich seine Jagdleidenschaft (zu seinen Trophäen gehörten u. a. Wolf, Bär, Tiger und Auerochse) in den Wunsch, die Schönheit der Natur zu schützen. So war er einer der Ersten, der die Notwendigkeit erkannte, die einmalige Natur des Mündungsgebietes der Warthe in die Oder zu schützen. Sein letztes Buch „Las mi powiedział” (Der Wald hat mir gesagt) erzählt von den Gesetzen, die in der Natur regieren und betrifft das Lebuser Land, aber adressiert ist es an die jungen Menschen. Ein Vogelreservat am verlandenden See „Janie” in der Nähe von Lubniewice wurde nach seinem Namen benannt.

indem er z. B. am Nikolaustag eine rote Mütze aufsetzt. Seinen Namen verdankt er einem der damaligen Stadträte - Józef Teofil Finster - der die Skulptur für die Stadt gekauft hatte. Wir kommen auf den Wełniany Rynek (WollStr.), eine Erinnerung an die Zeiten, als Landsberg die Hauptstadt des Wollhandels in Preußen war. Wir stehen vor dem Hexenbrunnen 17 mit seinem kegelförmigen Kupferdach, geschmückt mit der Figur einer nackten Hexe, die auf ihrem Besen reitet. Er war einst einer von vielen Brunnen zur Wasserversorgung der Bürger und stand hinter der heutigen Stadtverwaltung (Rathaus, Sikorskiego-Str. 3–4). Die Legende erklärt den Namen des Brunnens aus dem Jahr 1926 im Zusammenhang mit der Verbrennung der letzten Hexe aus Landsberg, die 1686 an der Stelle stattfand, an der der Brunnen ursprünglich gestanden hat. Nach dem Krieg war die Hexenfigur verschwunden, aber der Brunnen blieb verschont. Er kehrte 1997 als Touristenattraktion in den Dienst der Stadt zurück, als die Gorzówer Künstlerin

Zofia Bilińska die Hexe rekonstruierte und der damalige Stadtpräsident Henryk Maciej Woźniak entschied, ihn an dieser Stelle aufzustellen. Wir gehen weiter die Hawelańska-Str. (Post-Str.) entlang, kommen an der Buchhandlung vorbei, an deren Fassade eine Gedenktafel 18 angebracht ist zu Ehren des großen Naturfreundes, Schriftstellers, Malers, Fo t o g r a fe n, R ei s e nd e n u nd Jä ge r s Włodzimierz Korsak. Wir kommen auf die Sikorskiego-Str. und nachdem wir auf die andere Straßenseite gegangen sind, stehen wir auf dem Markt, wo die Trasse Nr. 2 beginnt.

verwaltung. Dieses zweigeschossige Gebäude mit einem steilen und hohen Satteldach sowie einem Turm, in dem einst der Trompeter hoch über der Stadt saß, ist im Zuge einer Baukatastrophe im Jahre 1825 zerstört und später, im Winter 1850/51, abgerissen worden. Bevor das Rathaus jedoch endgültig vom Erdboden „verschwand“, besaß es, wie jedes geschichtsträchtige Gebäude, das etwas auf sich hält, seinen eigenen Geist, oder genauer gesagt: ein Schreckgespenst. Eine andere Geschichte erzählt vom Stahlfisch (dem Hering), der oben auf dem Rathaus angebracht wurde. Die einen meinen, dass der Fisch den Wasserstand am Rathaus während des großen Hochwassers im Jahre 1564 anzeigte, die anderen erzählBesichtigungstour Nr. 2. ten, dass dieser Fisch über die minimale Länge der in der Stadt zum Verkauf zugelassenen Gesamtlänge: 2,5 km Fische informierte. Vor dem Rathaus stand bereits seit dem MitRoutenverlauf: Stary Rynek – ul. Obotrycka telalter ein Pranger, an dem die Stadtbürger – ul. Pionierów – ul. Sikorskiego – ul. Dzieci ihre Strafen verbüßten und ein SpringbrunWrzesińskich – ul. Władysława Jagiełły – nen mit der Figur des Roland. ul. Warszawska – ul. Szpitalna – ul. Teatralna An jener Stelle, an der sich einst das Rat– ul. Cichońskiego – ul. Sikorskiego – ul. Forhaus befand, wurde 1897 ein Springbrunnalskiej – ul. Obotrycka nen – ihn zieren aus Bronze gegossene, insDas Herz der Stadt pulsierte schon immer in der gesamt 1.575 kg schwere Figuren – errichtet, Altstadt. Seit dem Mittelalter befand sich hier den der Landsberger Industrielle Hermann das Rathaus – der Sitz der damaligen Stadt- Paucksch (1816 - 99) gestiftet hatte. Der Sohn

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Markt, Foto T. Jocz

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Stadtbesichtigungstouren Schreckgespenst vom Rathaus Und so kam es der Legende nach dazu: Zwei Ratsherren stritten wegen einer Angelegenheit im Magistrat heftig miteinander, und als einem der beiden schließlich die Argumente ausgingen, stach er seinen Gegner mit einem Messer direkt ins Herz, wodurch der Getroffene auf der Stelle freilich tot umfiel. Der Täter floh in Panik aus der Stadt, jedoch kehrte er – entweder vom Wahnsinn getroffen oder im Glauben, er würde ungestraft davon kommen – einige Zeit später wieder zurück. Allerdings erfüllten sich seine Hoffnungen nicht. Er wurde aufgegriffen, verurteilt und auf dem Landsberger Marktplatz hingerichtet, was zur damaligen Zeit hieß: geköpft. Seit jenem Tage nun, an dem das Urteil an ihm vollstreckt wurde, bangte es den Menschen sehr, sich in den Räumen des Rathauses oder gar auf dem Marktplatz aufzuhalten, da man dort des häufigen einen Ratsherren ohne Kopf hat gewahren können. Und so ging es dann jahrein jahraus, bis sich das Schreckgespenst schließlich eines Tages, und dies trug sich im Morgengrauen am Tage der Weihnacht zu, einer alten Frau zeigte und sie darum bat, sie möge für seine sündige Seele das „Vater Unser“ sprechen. Das schwer verschreckte alte Mütterchen erfüllte seine Bitte, nur war sie wortwörtlich zu Tode erschreckt worden und verstarb am nächsten Tag höchstselbst. Seitdem wurde das Schreckgespenst des Ratsherren nie wieder auf dem Marktplatz gesichtet. der Stadt stellte weltweit berühmte Dampfkessel her. Der Paucksch-Brunnen 1 wurde schließlich zum Wahrzeichen der Stadt auserkoren. Auf gestuften Hügeln aus Felsbrocken und Platten aus Sandstein, die aus dem Steinbruch Neu Warthau herbeigeschafft wurden, steht eine Frauenfigur mit zwei Eimern in ihren Händen; sie wird auch „Paucksch-Marie“ oder „bamberka“ (zu deutsch: Bäuerin, ebenso in Entlehnung der Paucksch-Brunnen auf dem Markt, Foto T. Jocz

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Figur auf dem Markt in Posen) genannt. Die Figur symbolisiert den Fleiß der Landsberger und Landsbergerinnen sowie die Lebensader der Stadt, die Warthe. Zu Füßen von Paucksch-Marie wurden drei Kinderfiguren in die Felsen gesetzt, die die drei damaligen Wirtschaftssäulen der Stadt versinnbildlichen: ein Junge mit dem Hammer (einst auch ein Zahnrad) steht für die Industrie (Maschinenbetriebe), ein Mädchen mit der Angel für den Fischfang (sowie die Fischnetzfabrik) und ein Mädchen mit Fischernetz und Schiff für die Werft und die Flussschifffahrt. Für die Figur des letzten Mädchens mit hochgestecktem Haar stand angeblich die Enkelin des Stifters Modell. Der Autor des Brunnens war Cuno von Uechtritz. Während des II. Weltkrieges, 1942, wurde die gesamte Komposition abgebaut und vermutlich für militärische Zwecke eingeschmolzen. Eine andere Hypothese besagt, dass die Statuen erst 1945 die Stadt verlassen mussten und danach eingeschmolzen wurden. Später soll daraus ein Denkmal zum Ruhme der Roten Armee auf dem Grabhügel Mamaja in der Gegend um Stalingrad gegossen worden sein. Einhundert Jahre nach seiner feierlichen Einweihung wurde auf Bemühen der

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Stadtverwaltung hin und mit tatkräftiger Unterstützung der ehemaligen Landsberger eine Replik der Figuren aufgestellt. Autorin dieser Plastik ist Zofia Bilińska. Im zentralen Teil des Marktes wurde nach den Plänen von Andrzej Moskaluk eine Art Gorzówer „Walk of Fame“ – die Allee der Stars 2 angelegt, auf der Gedenktafeln in den Boden eingelassen wurden, auf denen die berühmtesten Kulturförderer der Stadt verewigt werden sollen. Ihren Platz auf ihr haben bereits solche Persönlichkeiten wie der Graphiker und Bühnenbildner, Wiesław Strebejko (1945–1994), die Kunstmaler Jan Korcz

(1905–1984) und Andrzej Gordon (1948–1992), der Künstler Bolesław Kowalski (1941–2001), die Kunstphotographen Waldemar Kućka (1932–1981) und Jerzy Szalbierz (1947–1997), der Dramen- und Prosaautor sowie Dichter, Zdzisław Morawski (1926–1992), die Kunstweberin, Henryka Żbik-Nierubiec (1944–2001), der Bühnenbildner Michał Puklicz (1934– 2002), der Innenarchitekt Mieczysław Rzeszewski (1931–2005) und der Architekt Hieronim Świerczyński (1933–2004) gefunden. Es gab auch eine Gedenktafel zu Ehren der RomaDichterin, Bronisława Wajs Papusza, aber auf Verlangen der Roma-Gemeinde ist die Tafel

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Stadtbesichtigungstouren anderen WebCam´s zeigen den Pauksch-Brunnen, die Brücke über der Warthe, die wundervolle Aussicht auf den Boulevard und die Hawelańska-Str.. Vom Markt aus geht es in die Obotrycka-Str. (Schloss-Str.) und weiterhin bis zur Kreuzung mit der Pionierów-Str., wo zwei Patrizierhäuser unbedingt sehenswert sind. Das eine, ein viergeschossiges Gebäude mit einer Gründerzeitfassade wurde im Jahre 1867 von einem Bäcker namens Carl Becker errichtet, und von seinem Sohn, Carl Ernest Becker, im Jahre 1892 um- und ausgebaut. Mit seiner besonderen Schönheit Gorzówer „Allee der Stars“ auf dem Markt, Foto D. Adamski besticht der Eckerker, gedeckt mit einem Helm mit Pinakel. Das Brot der Bäckers testeten u.a. auf die Wand des Hauses in der Kosynierów 1936 deutsche Sportler, die an der OlympiaGdyńskich-Str. 20 verlegt worden, in dem die Regatta von Amerika nach Hamburg teilnahPoetin einst wohnte (gegenüber des Hotels men und befanden es als das im gesamten Reich beste Brot. Die Nachfahren der Familie halten „Mieszko“). Auf die Fassade eines der Häuser an der süd- bis heute die Familientradition aufrecht und lichen Straßenfront des Marktplatzes fertigte führen in Uelzen eine Süsswarenfabrik. In den der Künstler Bolesław Kowalski ein Panorama Jahren 1945 und 1946 residierte in genau diedes alten Landsberg 3 an, dort ist auch eine sem Bürger Haus 6 der sowjetische KriegsGedenktafel zu Ehren von Jan Korcz 4 ange- kommandant Josif Michajłowicz „Siergiej“ Drabracht worden, der in diesem Haus über viele gun (1896–1957). Sein erster Befehl lautete, die noch zwei Wochen nach dem Einmarsch der Jahre hinweg seine Kunstwerkstatt betrieb. Ein wesentlicher Beitrag zur Förderung des Roten Armee in die Stadt überall herumliegenden Tourismus in der Stadt bildet eine Sitzbank Leichen einzusammeln. Die Pioniere haben ihn mitten im Stadtzentrum: Sie verfügt über einen als einen den Polen wohlgesonnenen Menschen eigenen „Internetanschluss“ einschließlich der in Erinnerung behalten. Übertragung der Bilder per WebCam 5 . Um Auf der anderen Seite der Straßenkreuzung steht sich Verwandten und Bekannten im Internet das zweigeschossige, älteste Patrizierhaus in zu präsentieren, reicht es also, auf dem Markt- der Stadt 7 ; es wurde gegen Ende des 18. Jh. platz eine mit „WEBSTREFA“ ausgeschilderte errichtet. Im Kellergewölbe befindet sich hinter Bank zu finden, sich darauf zu setzen und die Glas ein Fragment einer Wand eines noch ausgewählte Person anzurufen oder ihr eine früheren Gebäudes. Diese geschichtsträchtige SMS zu schicken, mit der Bitte, sie möge die Gaststätte gehörte seit dem Ende des 19. Jh. der Internetseite www.gorzow.pl aufmachen, dort Familie Stenigke, Hersteller von ausgezeichneden Link WebCAM anklicken und die „ławka ten Weinen und Likören. WEBstrefa“ zu wählen. Nach einer Weile kann Auf dem Spaziergang durch die Stadt geht es man den Gesprächspartner grüßen, indem nun nach links in die Pionierów-Str. Hier fällt man z.B. einfach in die Kamera winkt. Die besonders ein weiteres Patrizierhaus ins

Gorzów Wielkopolski Auge, Wohnsitz des Landsberger Kaufmanns Johann Mattis 8 vel Matysiewicz (1890–1960), eines polnischen Emigranten, der seit etwa 1918 in der Stadt lebte (heute befindet sich in diesem Haus eine Bank). Etwas weiter geht es an einem interessanten Seitenportal des 1925 im späten Jugendstil erbauten Sitzes des Landsberger Kreditvereins 9 vorbei, welches Abbildungen von Fröschen und Pelikanen zieren (heute ein Bankautomat). Einige Schritte weiter befindet sich eine Gedenktafel zu Ehren der Pioniere 10 , die 1945 die Stadt besiedelten. An der Sikorskiego-Str. führt die Besichtigungstour vor die viergeschossige Front der GBS-Bank 11 . Ein wichtiges Element der Fassade bildet das Eingangsportal, das zum Teil aus Sandstein errichtet wurde sowie das über dem Portal angebrachte viereckige Risalit mit einem ovalen Medaillon, auf dem ein verdientes Mitglied der Kreditgesellschaft, und zwar der Bürgermeister Lehmann abgebildet ist. Über dem Risalit befindet sich eine kleine Terrasse und ein Giebeldreieck. Etwas weiter in der Sikorskiego-Str. befindet sich ein Gebäude, das einen Lebensmittelladen und eine Bank beherbergt. An dieser Stelle stand seit 1897 bis zu der Nacht vom 16. auf den 17.07.1945 ein Buchladen und gleichsam Haus

des Landsberger Humanisten, Buchhändlers und Sammlers Wilhelm Ogoleit (1869–1953). Seine Sammlung von Andenken an Goethe und Schiller hatte hinsichtlich der Größe keine ihresgleichen in ganz Norddeutschland. Die Bestände sind zum einen Teil von den sowjetischen Soldaten ausgeplündert worden und zum anderen Teil dem Feuer zum Opfer gefallen. Einen kleinen Teil retteten jedoch einige, für die Schönheit der Kunst empfänglicheren, polnische Siedler. Der Bischof Kurt Scharf, ein Patensohn Wilhelm Ogoleits, hatte testamentarisch dem Gorzówer Museum weitere Sammlungsteile übereignet. Als nächstes gelangt man nun, zur Abwechslung, zum Gebäude des Klubs der kreativen Denker „Lamus“ 12 , charakteristisch mit seiner farbenfrohen Fassadengestaltung aus der Hand von Joanna Bubienko und einem bezaubernden Lokal im Inneren. Bald ist auch das jetzige Stadtamt 13 erreicht, das sich im Gebäude der ehemaligen Stadtsparkasse befindet und dessen Fassade die stolzen Worte „Pro publico bono“ (zum Gemeineohl) schmücken. Eine heute in Vergessenheit geratene Anekdote berichtet, dass die erste vom polnischen Magistrat erstellte Urkunde anstatt eines Siegelabdrucks, da es nolens volens noch keine Siegel gab, den

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Obotrycka-Str. – zur Linken das Bürgerhaus der Familie Becker, Foto T. Jocz

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Stadtverwaltung/Magistrat, Foto T. Jocz Abdruck einer 5 Złoty Münze aus der Vorkriegszeit erhielt. Der erste polnische Stadtpräsident, Piotr Wysocki (ein Teilnehmer des Aufstandes in Großpolen), war ein arbeitsamer und sparsamer Mensch. Die Gorzówer Pioniere erzählen bis heute, dass er seinen Tag immer mit dem Löschen der Gaslaternen in den Straßen begann. Im Kellergewölbe des heutigen Rathauses gab es bis 1945 ein Restaurant. Heute finden hier die Sitzungen der Stadtabgeordneten statt. An die Hausfassade wurde im September 2002 eine Gedenktafel zu Ehren des Namengebers der Straße, Władysław Sikorski, entworfen von Zofia Bilińska, angebracht. Auf der Tafel ist seine Büste abgebildet, die Inschrift lautet in übersetzter Form: „Generaloberst Władysław Sikorski (1881–1943), Premier der Regierung der Republik Polen, Oberster Befehlshaber der Polnischen Streitkräfte, Großer Pole, Leidenschaftlicher Patriot, kämpfte und starb für unsere Freiheit“. Die Gedenktafel stifteten gemeinsam polnische Kombattanten, nach

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Sibirien Deportierte, der Verein zum Gedenken an die Katyń-Familie und viele Stadteinwohner. Am Mittag wird vom Dach des Magistrats aus das von Jan Kupczyński komponierte Turmlied abgespielt. Ursprünglich gab es den Vorschlag, dass das Turmlied einen Ausschnitt des Marsches „Alte Kameraden“ des Landsberger Musikers Carl Teike bilden sollte. Stadtwappen und Symbole der EU aus Blumen, Foto T. Jocz

Die Idee wurde jedoch infolge von Einwänden, ausgerechnet aber der ehemaligen Landsberger verworfen, die sich wahrlich erstaunt über die Idee gezeigt hatten, gerade einen kleinen Teil eines Marsches zum Turmlied zu erklären. Auf der anderen Straßenseite geht es zum 7 Tonnen schweren Wappen von Landsberg/ Gorzów 14 . Einst war dies eines von zwei am Mitteljoch der Brücke über die Warthe angebrachten Wappen. Am 30. Januar 1945 sprengte die Wehrmacht die Brücke, wobei beide Stadtwappen ins Wasser stürzten. Nach Jahren ist einer der Stadtwappen geborgen und 1997 vor dem Magistrat aufgestellt worden. Weiterhin führt die Straße zur Kreuzung mit der Dzieci Wrzesińskich-Str., bis zu einem architektonisch sehr interessanten Patrizier­ haus im Jugendstil 15 aus dem Jahre 1905. Es steht an der Stelle, wo sich schon im Mittelalter die Zantocher Vorstadt erstreckte und, etwas genauer, der repräsentative Paradenplatz, der 1945 zerstört wurde. Die Dzieci-Wrzesińskich-Str. führt in einen Tunnel hinein, dessen Ausgang sich gegenüber der heutigen Kirche des St.-Antonius und des St. Stanisław Kostka befindet, die zwischen 1696 und 1704 vom Stadtrat gemeinsam mit dem Brandenburger Kurfürsten und späteren Preußenkönig, Friedrich I., als Konkordien­kirche 16 für die lutheranischen und kalvinistischen Gläubigen erbaut wurde. In der Kirche diente u.a. der berühmte evangelische Philosoph und Theologe, Friedrich Daniel Schleiermacher. In den Jahren zwischen 1794 und 1796 war er hier als Hilfsprediger tätig, seine Freizeit verbrachte er mit der Übersetzung u.a. von Schriften des englischen Predigers Black. Das 1848 gestiftete Denkmal mit der Büste Schleiermachers stand bis zum Ende des II. Weltkriegs nördlich des Gotteshauses. Die

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„Weiße Kirche”, einst Koncordienkirche, Foto T. Jocz Kirche wurde in den 60-er Jahren des 19. Jh. umgebaut und um einen neoromanischen Turm ergänzt. Auch die Landsberger Katholiken beteten in diesem gemeinsamen Gotteshaus, bis sie dann ihre eigene Kirche erbauen konnten. In der Nacht vom 23. auf den 24. Juli 1911 entfachte ein Blitzeinschlag, der den Turm getroffen hatte, einen Brand in der Kirche. Heute wird die Kirche von den Stadteinwohnern die „Weiße Kirche“ genannt. Eben in diesem Gotteshaus beteten am 29. Januar 1995 zum ersten Mal Landsberger und Gorzówer gemeinsam, gaben einander ein Zeichen des Friedens und begründeten damit die alljährliche Tradition der Begehung des Gedenk- und VersöhnungsTages, im Übrigen anstelle der Feier zu Ehren der „Befreiung“ durch die Rote Armee. In den 80-er Jahren wurde der Innenraum umgestaltet und im Jahre 2000 brachten die Kapuzinermönche elektronische Glocken an, die u.a. das „Angelusgebet“ und „Maria, Königin Polens“ spielen.

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Stadtbesichtigungstouren Unbedingt empfehlenswert ist es, sich im Inneren den von Ryszard Kaczor entworfenen Kreuzweg anzuschauen und dabei insbesondere die Station 2.: Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern, wo unter den Beobachtern auch Papst Johannes Paul II. zu entdecken ist. Am Eingang steht eine unter Naturschutz gestellte Sommerlinde 17 mit einem Umfang von 420 cm und einer Höhe von 25 m. Es ist die größte Linde dieser Art in der gesamten Stadt. Gewöhnlich wächst die Baumart in den Bergen und in den Höhenzügen Südeuropas, in Kleinasien und im Kaukasus. Etwas weiter bergauf (an der Bushaltestelle) steht eine Ahornblättrige Platane 18 mit ähnlichen Ausmaßen. Entlang der Warszawska-Str. (Zechower-Str.), die eine Fortführung der Sikorskiego-Str. bildet, geht es linker Hand am Kloster 19 vorbei, wo in einer verglasten Mauerecke eine nachts beleuchtete Kapelle mit der Nachbildung der Figur der Mutter Gottes aus Fatima aufgestellt wurde. Dort, wo sich einst der Lindenplatz erstreckte und später in den 30-ern der TeikePlatz (und heute wiederum etwas verwirrend „Altstadtplatz“ genannt), steht gegenüber des ehemaligen Gebäudes der Versicherungsge-

Gorzów Wielkopolski Gingko biloba Vor etwa 100 Millionen Jahren bedeckten Bäume dieser Art einen großen Teil unseres Planeten und wurden daher von Charles Darwin als lebendiges Fossil angesehen. Es ist eine äußerst langlebige Baumart, einzelne Exemplare können ein wahrhaft biblisches Alter von 3.400 Jahren und einen Stammumfang von 1.400 cm erreichen. Bis heute ist die Art erhalten geblieben, weil buddhistische Mönche in China und Japan sie als heilig ansahen und die Bäume häufig in und um ihre Klöster anpflanzten. In der chinesischen Medizin wird der Ginkgo-Baum als Aphrodisiakum angewandt und erfolgreich bei Sklerose eingesetzt.

sellschaft PZU (am Kiosk) ein weiterer dendrologischer Exot der Stadt, ein Gingkobaum 20 . Die Route verläuft weiter schließlich an das Eingangsportal Jan-Dekert-Lubuskie-Museums 21 . Das Museum befindet sich in der Gründerzeivilla von 1903 des ehemaligen Eigentümers der Kabelfabrik, Gustav Adolf Schroeder (1838–1916). Das zweigeschossige Gebäude sowie das Wirtschaftshaus stammen vom Architektenbüro Reimarus & Hetzel aus Berlin-Charlottenburg. Die Front­ fassade schmückt ein Risalit mit einem beeindruckenden Balkon. Die überdachte Lubuskie-Museum, Foto T. Jocz

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Arboretum am Lubuskie-Museum, Foto B. Nowosielski und verglaste Loggia von der Parkseite aus gestattet es, den Park auch an kalten und regnerischen Tagen zu beobachten. Einer der Seitenfassaden wurde ein sechseckiger Turm hinzugefügt. Eine jede der Außenfassaden schmücken reiche architektonische Details aus Sandstein. Vor dem Museumsbesuch sollte man jedoch unbedingt einen Spaziergang im Arboretum 22 einplanen, der täglich ab 10.00 Uhr bis zur Abenddämmerung geöffnet ist. Auf einer Fläche von 3,32 ha wurde hier ein Lehrpfad angelegt, entlang dessen man rund 150 Baum- und Straucharten kennen lernen kann. Im Baumbestand überwiegen Ahornblättrige Platanen, Eiben, Eichen, Ahorn-Bäume, Linden, Ulmen und eine Magnoliensammlung (KobushiMagnolie, Tulpenmagnolie und die Sternmagnolie). Darüber hinaus stehen hier auch so exotische Pflanzenarten wie der Ranunkelstrauch, die Colorado- und die Korea-Tanne, einige Arten von Wacholder, die Korkenzie-

herweide, die Mahonie und der Rhododendron. Auf dem Gelände des Parks wächst das einzige Exemplar der Pimpernuss, die früher zur Herstellung von Gehstöcken und Butterfassstöcken diente. Aus dem Samen der Pflanze wurden Rosenkränze hergestellt. Im Park wurde auch ein kegelförmiger Hügel, den man „Burg“ nennt, angelegt sowie eigens ein Kistengrab der Kugelamphorenkultur von vor 4.100 Jahren rekonstruiert. Es besteht aus Steinplatten, deren Gewicht bis zu erstaunlichen 3 Tonnen erreichen kann. Im Inneren des Megalithgrabs wurden Überreste von 17 Personen gefunden, die vermutlich alle Angehörige einer Familie waren, sowie Grabbeigaben in Form von Äxten, Meißeln, einer Streitaxt aus Feuerstein, zwei Zähnen eines Wildschweins, Überreste von Bernsteinschmuck und eines Keramikkelchs. Im Inneren der Villa werden thematische Dauerausstellungen vorgestellt. Das repräsentative Treppenhaus verfügt über eine

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Stadtbesichtigungstouren Balustrade in Ajour-Technik mit einem Treppengeländer aus Eichenholz. Viele der Besucher fragen sich, warum der Spiegel so hoch angebracht wurde, das man sich nicht darin sehen kann. Eigentlich soll sich darin aber nämlich das Licht des Kronleuchters spiegeln und den Raum zusätzlich erhellen. Zu den zahlreichsten Sammlungen zählen Exponate der Zinngiesserei von 17.bis 20. Jh.. Neben Geschirr, anderen im Haushalt oder bei Zunftzeremonien genutzten Obiekten werden auch religiöse Gegenstände ausgestellt. Das wertvollste Exponat des Museums bildet eine mittelalterliche Skulptur (14./15. Jh.) mit dem Kopf Johannes des Täufers auf einer Holzschüssel, in der eine ovale Vertiefung zu sehen ist, in der einst die Reliquien des Heiligen aufbewahrt wurden. Andere Abteilungen präsentieren eine typische Innenausstattung im Stil des Biedermeiers, polnische Malerei und Kunstgewerbe: Porzellan (17. bis 20. Jh.), Glas, Goldschmiede­a rbeiten und Möbel. Interessant sind daneben aus der St. Marienkirche stammenden Portraits (Epitaphien) der evangelischen Geistlichen aus dem 16. und 18. Jh. sowie Wappen, Stangenwaffen und eine umfangreiche numismatische Sammlung. Letztere ist hauptsächlich dank der in Gorzów. und in seiner Umgebung gehobenen Münzschätze entstanden. Zu den wertvollsten Funden zählen ein römischer As des Kaiser Claudius (41–54 n. Chr.) und eine silberne Drachme aus Parther (1./2. Jh. n. Chr.). Im Stich-Kabinett werden Stadtpanoramen aus der gesamten Region ausgestellt. Eine Kostbarkeit der Museumsbestände ist zweifelsohne der in einem gesonderten Raum ausgestellte Zyklus von Aquarellen Henryk Rodakowskis unter den Namen „Album Pałahickie”. Es besteht aus 11 zwischen 1867 und 1868 virtuos gemalten

Bauern- und Judenfiguren aus dem Landgut des Bruders des Künstlers in Pałahicze bei Stanisławów (heute Ukraine). Zurück auf der Warszawska-Str. geht es weiter zur historischen, katholischen Kreuzerhöhungskirche 23 , die in den Jahren zwischen 1905 und 1907 im neoromanischen Stil aus rotem Klinkerstein erbaut wurde. Es ist bereits das zweite sakrale Gebäude an dieser Stelle, die erste Kirche ist in den 50-er Jahren des 19. Jh. entstanden und erwies sich als zu klein für die hiesige einzige Katholische Pfarr­ gemeinde. Zu den Stiftern gehört u.a. Klaudiusz Alkiewicz, ein polnischer Adeliger tatarischer Abstammung. Sein Grabstein, auf dem er auch als Stifter des Friedhofs ausgewiesen wurde, befindet sich rechterhand der Hauptallee des wertvollen und sehenswerten Friedhofs. Das Bauprojekt der Basilika und des Turms mit einem aufgesetzten Pyramidenhelm und einer halbrund geschlossenen Apsis des Chorraums stammte von dem Berliner Architekten Konrad Nuon. Das Gesamtgebäude bilden acht phantasievoll miteinander verknüpfte Elemente unterschiedlicher Größe: dies sind das Hauptschiff und zwei Seitenschiffe, zwei Halbtürme, ein Querschiff, die Sakristei und der Chorraum. Den Innenraum schmücken Wandmalereien, die 1907 bis 1915 Theodor Nüttgens anfertigte. Mit ihrer Komposition knüpfen sie an die frühchristlichen Vorbilder an. Ein interessantes Detail bildet dabei, dass im Hintergrund die weitläufige Landschaft an der Warthe mit sichtbaren Türmen der Kathe­ drale und der Kreuz-Kirche zu entdecken ist. Im Jahre 1912 wurde in der Kirche eine Grünberg-Orgel installiert. Sie ist in einem hervorragenden Zustand erhalten geblieben und dient noch heute vielen anerkannten Musikern, denen die Ehre zuteil wird, auf den Konzerten des Freundeskreises für Orgelmusik ihre musi-

Gorzów Wielkopolski internierten. Der erste polnische Geistliche, der in die Pfarrei entsandt wurde, war der Kapuziner Przemysław Knap. Nach dem Verlassen der Kirche führt die Route in Richtung der Verkehrsinsel „Rondo Santockie“, vor dem Kreisverkehr nach rechts in die Szpitalna-Str. und vorbei an dem seit 1848 errichteten Städtischen Krankenhaus 24 (heute in Liquidation). Die Verbindung von mehreren Gebäuden aus unterschiedlichen Epochen in ein harmonisches Ganzes erweckt eine gewisse Hochachtung gegenüber den alten Architekten. Im weiterem Verlauf des Spazierganges erreicht man die Teatralna-Str. (Theater-Str.), an der sich das stadtweit beeindruckendste Beispiel der klassizistischen Architektur befindet. Dieses dreigeschossige Gebäude mit einer Fassade von Kreuzerhöhungskirche, Foto T. Jocz 24 Achsen und einem Satteldach ist heute der kalische Kunst unter Beweis zu stellen. Von Sitz der Staatlichen Fachhochschule 25 . Die der ursprünglichen Innenausstattung blieb ursprüngliche Bestimmung des 1799 auf Order der Hauptaltar mit den Szenen des Abraham- des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm II. errichOpfers und des gekreuzigten Christus erhalten. teten Baus lautete eigentlich ganz anders. Es Darüber hinaus überdauerten auch die viere- wurde nämlich als Landarmenhaus der Prockige Kanzel aus Holz mit geschnitzten Sze- vinz Brandenburg angelegt, womit die Aufgabe nen aus dem Leben Jesus auf den Seiten sowie der Einrichtung in der Fürsorge für Invaliden und in der Resozialisierung von Kleinkrimiverzierte Beichtstühle und Bänke. In einer Gießerei in Bochum sind eigens drei nellen oder Landstreichern mittels Arbeit in der eiserne Glocken gegossen worden. Jede der Staatliche Fachhochschule, Foto T. Jocz Glocken wurde einer Person gewidmet und hat somit einen Schutzpatron: die größte, genannt „Pius“, den damaligen Papst Pius X, die mittlere „Georg“, den Erzbischof Kopp, der das Gotteshaus im Jahre 1907 einweihte und die kleinste „Theodor”, den Pfarrer der Pfarrei, Theodor Grühling (der auf dem Friedhof hinter der Apsis begraben liegt). Der letzte deutsche Probst der Pfarrgemeinde war Paul Dubianski (ein aus der Lausitz stammender Geistlicher), den die Nationalsozialisten in Dachau wegen seines offenen Widerstandes gegen die Ideologie des Dritten Reiches

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Juliusz-Osterwa-Theater, Foto T. Jocz Spinnerei und in der Weberei lag. Bereits im ersten Jahr wurden 252 Arme, 33 Gefangene und 14 Geisteskranke in die Einrichtung aufgenommen, insgesamt 299 Personen. Neben den Schlafräumen für diese Menschen gab es hier auch Wohnungen für die Mitarbeiter der Einrichtung. Im Jahre 1804 wurde der Ostflügel angebaut, wo sich ein Arrest befand, 1879 folgte der Westflügel, wo die Räumlichkeiten für die Anstaltsverwaltung untergebracht wurden. Im Jahre 1920 ist das Armenhaus dann abgeschafft worden, woraufhin nun die aus Bydgoszcz verlegten Preußischen landwirtschaftlichen Forschungs- und Versuchsanstalten in das Gebäude einzogen. Ihre Tradition führte nach dem II. Weltkrieg das polnische Institut für Pflanzenanbau, Düngung und Bodenkunde weiter. Weiterhin entlang der Teatralna-Str., gleich in der Einfahrt auf das Gelände des alten Krankenhauses, lässt sich eine sehr interessante, achteckige und mit einem Pyramidendach gedeckte Kapelle 26 aus dem 19. Jh. im Stile der Neogotik erblicken. Am Straßenzusammenlauf der Teatralna- und Ogrodowa-Str. lohnt es sich ein Blick auf das Eckhaus zu wer-

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fen, an dessen Fassade über dem letzten Geschoss Reliefs 27 im antiken Stil mit Attributen verschiedener Berufe (Hammer, Meißel, Axt, Anker, Mauerkelle, Zahnrad) sowie Arten der Freizeit und Erholung (Buch und Harfe) angebracht wurden. Weiterhin gerade aus führt die Straße zum Juliusz-Osterwa-Theater 28 . Es ist 1873 als Aktionstheater erbaut worden und war für das 19. Jh. typisch: Unterhaltung verband sich hier mit gastronomischen Freuden. Die erste professionele Aufführung, die auch das eigentliche Theater eröffnete, fand 1886 statt. 1917 ist die Theater-Verein begründet worden, der auch sogleich die Obhut über das Theater übernahm. Dank der Bemühungen dieser Gesellschaft ist es gelungen, Künstler von Weltruf, wie z. B. den weltberühmten „König der Tenöre“, Enrico Caruso, nach Landsberg zu locken. 1923 begann man unter der Leitung des städtischen Baurates Meyer, mit dem Umbau des Theatergebäudes. Die Front erhielt vier dorische Säulen, auf denen sich das Giebeldreieck stützt, das wiederum ein kleiner dreieckiger Aufsatz mit Walm abschließt. Der

Malerkünstler Sandforth entwarf eine neue Innenausstattung. Nach Kriegsende nahm das Theater am 8. September 1945 seine Tätigkeit wieder auf. Eine Gruppe vom Amateurschauspielern führte als erstes das Stück „Ciotunia“ (Tantchen) von Aleksander Fredro auf. Unter der Leitung von Leonia und Henryk Barwińscy nahm auch die alte Schauspielertruppe im Jahre 1946 ihre Proben wieder auf. Während des ersten Jahres wurden immerhin bereits 13 Premieren aufgeführt, insgesamt waren es 163 Aufführungen, darunter 89 außerhalb von Gorzów Ähnlich aktiv arbeitete das Theater in den Jahren zwischen 1947 und 1948, als Aleksander Gąssowski die Leitung übernommen hatte. Leider ist in den darauffolgenden Jahren die Theatertätigkeit aufgegeben worden, und auf der Bühne fanden neben Aufführungen sogar Zirkusauftritte oder gar Box- und Ringkämpfe statt. Das Staatstheater ist dann schließlich 1960 gegründet worden, seine Renaissance feierte es zwischen 1963 und 1966 unter der Leitung der bekannten polnischen Schauspielerin und Regisseurin Irena Byrska. Damals sammelte das Theater haufenweise Preise auf landesweiten Theaterwettbewerben, die Inszenierung des Stücks „Don Alvares“ aus der Feder von Herakliusz Lubomirski wurde sogar im polnischen Staatsfernsehen ausgestrahlt. Im Jahre 1967 initiierte man den The-

Nachkriegsabenteuer der Künstler Das Leben der Schauspieler war damals jedoch weder einfach noch sicher. Das beste Beispiel dafür liefert die durchaus traurige Tatsache, dass die Revue-Künstlerin Maria Didur-Załuska während einer Vorstellung im Restaurant „Polonia“ am Bein angeschossen wurde. Die Schusswunde war so fatal, dass sie bis zu ihrem Lebensende an einer Beinlähmung litt. Trotz aller Widerstände und Gefahren wurde die kulturelle Tätigkeit jedoch weiterhin mit großem Engagement ausgeführt.

ater-Wettbewerb, die sog. Theaterkonfrontationen (seit 1983 als Gorzówer Theatertreffen bekannt), die über Jahre hinweg die Gorzower Theatertradition aufbauten und dies auch weiterhin tun. Auf den Bühnenbrettern konnte man während der Veranstaltungen, aber nicht nur dann, die besten polnischen Schauspieler beobachten, wie z. B. Zbigniew Zapasiewicz, Jerzy Zelnik, Kazimierz Kaczor, Krystyna Feldmann, Anna Seniuk, Wojciech Pszoniak, Piotr Fronczewski, Krzysztof Tyniec, Leonard Pietraszak, Piotr Machalica, Marian Kociniak, Marek Perepeczko, Andrzej Grabowski und viele, viele andere. Ein landesweites Unikum ist das Sommertheater, die nun umgebaut und rekonstruiert als Plenaire- und Kammer-Bühne dient. Neben den Aufführungen lässt sich im Theater auch ausgezeichnete Musik hören, wie z. B. das Flügelkonzert G-dur Op. 58 von Ludwig van Beethoven, das der geniale und weltberühmte Pianist Michael Ponti unter der Begleitung des Brandenburgischen Symphonieorchesters gab. Sowohl das Theater wie auch sein jetziger Leiter (seit 2003), Jan Tomaszewicz, wurden mit dem Preis des Kultusministeriums (und zwar der Medaille „Verdient um die Kultur - Gloria Artis“) sowie dem Preis des Bildungs- und Erziehungsministeriums (Medaille der Kommission für Nationale Bildung) ausgezeichnet. In Gorzów erhielt es den Kulturpreis des Stadtpräsidenten „Motyl“ (Schmmeterling). Im weiterem Verlauf der Teatralna-Str. erreicht man nun linker Hand eine pseudomittelalterliche Mauer mit einer Pforte. Diese dekorative, neogotische Mauer 29 aus gebrannten Abfallziegeln stammt aus den 90-er Jahren des 19. Jh.. Im linken Teil der Mauer befindet sich ein überhängendes Türmchen mit halbrundem Grundriss, das auf einem pyramidenförmigen Mauervorsprung ruht. Über und unter dem oberen, verblendeten Fenster befinden sich mit einem

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Aufführung der „Dziady“ im Osterwa-Theater, Foto D. Adamski Ornament geschmückte Basteien. Auf der rechten Seite befindet sich ein aus Ziegeln errichteter viereckiger Torpfosten mit einem profilierten Gesimse mit Lambrequin-Ornament. Entlang der Mauer rankt ein Efeu, das, den Naturschützern zufolge, mit seinen 40 cm Stammumfang und 5,5 m Höhe den landesweit dicksten Stamm aufweist. Nachdem die Route an dieser Stelle nach rechts hin verlassen wird, geht es erneut in die Sikorskiego-Str., um dann entlang der Fornalska-Str. das Gebäude des in den Jahren 1923 und 1924 errichteten alten Stadthauses 30 zu erreichen. Den Haupteingang in For m eines Säulenpor tikus zier ten ursprünglich die allegorischen Figuren der Kinder, die nun auf dem Parkgelände des Lubuskie Museums zu besichtigen sind. Vom Rathaus geht es nach rechts in die Obotrycka-Str. Zur Linken steht das Gebäude einer Krippe. Im 15. Jh. stand an dieser Stelle ein Ordensschloss, später ein Gymnasium, das 1945 infolge der einsetzenden Kriegshandlungen niedergebrannt wurde. Auf der rechten

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Seite befindet sich ein klassizistisches Gebäude des Architekten Carl Wilde, das einst das Waisenhaus 31 beherbergte. Das bis heute erhaltene Gebäude stammt aus dem Jahre 1824 und ist an Stelle eines früheren, vom einem gewissen Kapitän Meier gestifteten Waisenhauses errichtet worden. Als solches diente es bis zum Jahre 1891, als man das Waisenhaus in ein anderes Gebäude verlegte und in dieses wiederum die Stadtkasse und Polizei einzogen. Noch einige wenige Schritte und die Route führt erneut vor das älteste Patrizierhaus in der Stadt, das der Familie Stenigke gehörte und das bereits eingangs näher beschrieben wurde.

Diese Tour führt von der Kathedrale (Marienkirche) 1 aus hinüber in den am linken Ufer gelegenen Stadtteil Zawarcie. Gleich zur Linken geht es an einem der interessantesten Gebäude moderner Architektur vorbei, das von den Brüdern Paweł und Jacek Sierakowski entworfen wurde: einem aus Glas und Aluminium errichteten Bürohaus. Der Bau wurde im Jahre 2000 abgeschlossen. Die ungewöhnliche Form sowie die 1.200 m2 große Fläche brachten ihm den Namen Titanik 2 ein. Bald sind auch die schönen Boulevards an der Warthe mit Anlegestellen für die Flussfahrt und mit einer auf zwei Terrassen angelegten Promenade erreicht. Die Route führt unter dem landesweit längsten Eisenbahnviadukt (die von 70 Jochen getragene Hochbahn wurde zwischen 1910 und 1914 erbaut) hindurch und über die 2006 und 2007 rekonstruierte Altstadtbrücke, die mit ihrer Form an die Gerloff-Brücke aus dem Jahre 1926 anknüpft und auf deren Pfeilern sie sich stützt. Aus den Kanzeln auf der rechten Seite bietet sich eine herrliche Aussicht auf die Warthe-Promenade mit dem sie überragenden Sockel (ursprünglich war dies der Unterbau des Hafen-

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Boulevard an der Warthe, Foto B. Nowosielski krans) des Denkmals zu Ehren der Pioniere der Stadt 3 , das Andrzej Moskaluk entwarf. Jene polnische „Stadtpioniere“ von 1945 symbolisiert ein vom Boden abhebender Adler, dessen Schnabel gen Osten gerichtet ist, von wo die meisten dieser Menschen herkamen. Hinter der Brücke, an der großen Verkehrsinsel in Zawarcie geht es nach links, um dann Naturdenkmal – Efeu, Foto T. Jocz

Besichtigungstour Nr. 3. Gesamtlänge: 3,4 km Routenverlauf: Stary Rynek – ul. Mostowa – Most Staromiejski – Kreisverkehr Na Zawarciu – ul. Wał Okrężny – ul. Zielona – ul. Grobla – ul. Woskowa – ul. Przemysłowa – ul. Fabryczna

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„Titanik“, Foto T. Jocz

Städtisches Kulturhaus – Paucksch-Villa, Foto T. Jocz am Straßenzusammenlauf der Grobla- und der Wał-Okrężny-Str. (Am Wall) das Fachwerkgebäude des sog. Roten Speichers 4 zu erreichen. Der Speicher ist vor etwa 200 Jahren errichtet worden und erscheint auf einem 1863 herausgegebenen Stadtplan zum ersten Mal. Das viereckige und viergeschossige Gebäude mit einem steilen Satteldach diente Denkmal für die Pioniere der Stadt auf dem Boulevard, Foto B. Nowosielski

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zur Lagerung von Getreide und Tierfutter. Es gehörte Landsberger Kaufleuten, die mit Getreide handelten. Heute ist der einstige Speicher nicht mehr im Gebrauch. Die weitere Route verläuft entlang der von Kastanienbäumen gesäumten Straße Wał Okrężny. Es geht am Sitz der Gorzówer Niederlassung des Polnischen Verbandes für Touristik und Landeskunde PTTK und des Sportklubs „Admira“ 5 vorbei, in dem der Ruderer und Olympiasieger Tomasz Kucharski seine Karriere begann. Kurz darauf erreicht man die eklektische Villa aus dem Jahre 1876. Einst gehörte sie Hermann Johann Gottlieb Paucksch 6 , dem Landsberger Industriellen und Vorreiter des Zeitalters der Dampfmaschine in der Neumark. Dieses dreigeschossige Schlösschen mit Portika an den Fassaden im Norden und Westen sowie einem charakteristischen achteckigen Turm ist das architektonisch interessanteste Gebäude in diesem Teil der Stadt. Die Innenräume sind im großen Teil im Originalzustand erhalten

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Historischer Eisbrecher „Kuna“ – Stolz der Gorzówer, Foto D. Adamski geblieben: eine zweigeschossige Eingangshalle, mit Kassettendecken, Wandverkleidungen und Kaminöfen. Besonders interessant sind das Boudoir der Hausherrin mit einem achteckigen Zimmer unter dem Turm sowie die Bibliothek und das Zimmer des Hausherren. Im Süden ist die Villa von einem 1,5 ha großen Park umgeben, der von Winterlinden und Ahornblättrigen Platanen beherrscht wird. Auf der Terrasse befindet sich von Bäumen umringt ein Springbrunnen, dessen Hauptelement zwei spielende Kinder bilden. Im Jahre 1932 erwarb der Kaufmann Reinhald Boehnig diese Villa, um sie seiner Tochter Gertrud zu schenken. 1945 befand sich hier für kurze Zeit das Quartier der Rotarmisten. Im Park stehen darüber hinaus zwei originale Zigeunerwagen, ein Andenken an die einst hier vorbeiziehenden Zigeunerlager, von denen sich eines hier in der Stadt ansiedelte. Weiterhin auf der Deichkrone entlang führt die Route nun unter der neuen Lubuski-Brücke hindurch, deren Bau 1999 abgeschlossen wurde. Die vom Ingenieur Jacek Żelaśkiewicz entworfene Brücke weist eine Länge von 281,5 m und eine Breite von 18 m auf, ihre Tragfähigkeit beträgt

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450 Tonnen. Während der abschließenden Tests haben gleichzeitig 18 mit je 25 Tonnen Kies beladene LKW die Brücke überquert. Das längste Joch gab dabei gerade einmal 6 cm nach. Für den Bau sind 3.300 Tonnen Stahl, Hunderttausende Tonnen Beton aufgewendet und fast eine Viertel Million Tonnen Erde bewegt worden. Am anderen Ufer, im weiteren Teil des Parks an der Pauksch-Villa (etwas im Hintergrund) wächst eine selten anzutreffenden Eichenart, die Pyramiden- oder auch Säuleneiche: anzutreffen ist hier ein beeindruckendes Exemplar mit einer Höhe von 25 m und einem Stammumfang von 342 cm. Weiter in dieselbe Richtung taucht die alte Werft 7 und das ehemalige Winterhafen für Kähne auf. Heute befindet sich hier eine Reparaturwerft mit Hafen. Die meisten Kähne rosten derzeit vor sich hin und stellen nur ein trauriges Andenken an die Glanzzeit des Flusshandels auf der Warthe dar. Es gibt jedoch glücklicher Weise bereits Aussichten darauf, dass sich dieser Umstand bald ändern wird. Im Rahmen eines internationalen Projektes „Flüsse verbinden uns“ wird hier die Errich-

Das Innere der Christus-König-Kirche, Foto T. Jocz tung eines Hafens und einer Anlegestelle für den touristischen Flussverkehr geplant. Vorgesehen ist ebenfalls die Errichtung eines Zeltplatzes, eines Hangars und eines Bootshauses, einer Feuerstelle wie auch Übernachtungsmöglichkeiten und einer Gasstätte. Es geht nach rechts in die Zielona-Str. hinunter, an einer großen Stieleiche 8 mit einem Stammumfang von 300 cm und einer Höhe von 20 m vorbei. Die Grobla-Str. (Damm-Str.) ist erreicht, entlang der einst die mittelalterliche Handelsroute durch die Warthesümpfe nach Großpolen verlief. Hier führt die Besichtigungstour nach links zu der ehemaligen evangelischen Luther-Kirche (heute trägt das katholische Gotteshaus den Namen Christus König 9 ). Mit der Planung eines Kirchenbaus an dieser Stelle begann der erste Pfarrer dieses Stadtteils, Paul Textor, bereits vor 1914. Zur endgültigen Umsetzung dieses Vorhabens kam es jedoch erst im Jahre 1930, als hier ein modernistisches Gebäude mit einer ausgeprägt expressionistischen Linie nach den Bauplänen des Berliner Architekten Dr.Ing. Kurt Steinberg

errichtet wurde. Das Gotteshaus überrascht in seiner Form der aus Klinkersteinen errichteten Rotunde mit einem Kegeldach und einem offenen Turm, den ein mehrere Meter langes Kreuz krönt. Die hohen, viereckigen Fenster beleuchten den mit einem Kuppelgewölbe abgeschlossenen Innenraum. Der Chorraum ist nur unwesentlich in Bezug auf den Rest der Kirche angehoben, gegenüber stehen Bankreihen. Dort befindet sich auch ein für die Orgel vorgesehener Gebäudeteil, der noch aus der Bauzeit stammt. Diese in der ganzen Stadt einzige runde Kirche hat einen unverwechselbaren Charme und lädt zum Versinken in religiösen Gedanken ein. Entlang der Woskowa-Str. (Wachsbleiche) gelangt man zur Przemysłowa-Str. (Anger-Str.) und biegt dort rechter Hand ein. Es geht an einem 1887 errichteten Verwaltungsgebäude der Kabelfabrik 10 von Gustav Schroeder vorbei, heute befindet sich darin der Sitz des Nationalen Gesundheitsfonds NFZ. Der Industrielle stammte aus der seit dem 16. Jh. in der Stadt bekannten Familie von Seilmeistern, war Stadtrat und Mitglied der Freimaurerloge.

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Stadtbesichtigungstouren Einige Minuten Fußmarsch weiter liegt der in diesem Stadtteil einzige Park, der 1,7 ha große, ehemalige Lützowpark, angelegt 1875 zwischen den heutigen Straßen: Przemysłowa und Wawrzyniaka. Hinter der Reihe von Silberlinden führt der Spaziergang weiter inmitten eindrucksvoller Hainbuchen und Sommerlinden. Mit etwas Ausdauer lassen sich auch einzelne unter Naturschutz stehende und häufig exotische Exemplare des Silberahorn (376 cm im Umfang, der größte Baum seiner Art in der Stadt), der Krimlinde, des Bergahorn, der Pennsylvanischen Esche oder der im Mai und Juni herrlich weiß blühenden, Schwedischen Mehlbeere finden. Ist der Park in Richtung Warthe verlassen, trifft man nun auf das massive Gebäude des in Fachwerktechnik gegen Ende des 18. Jh. zur Bedienung des intensiven Handels auf der Warthe, Oder und Netzte errichteten Speichers (Stelle des Neuen Werks, einer Brückenredoutte). Das Erdgeschoss ist aus Backstein errichtet worden, weitere Etagen aus Holzbalken, eben typisch für Fachwerk. Heute befindet sich hier das Warthe-Museum „Speicher“ 11 . Auf drei Etagen sind unterschiedliche Dauerausstellungen zu bewundern. Eine der Museumssammlungen stellt die Arbeiten berühmter polnischer Künstler, die 1955 als erste mit dem in der Kunst der damaligen Zeit über allem stehenden sozialistischen Realismus brachen. Die Sammlung trägt den Namen „Krąg Arsenału“ (Kreis des Arsenals), nach der Warschauer Galerie „Arsenał“, wo ihre Kunstwerke zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Unter den Bildern ist u.a. „Der Kopf eines Mannes auf rotem Hintergrund“ von Andrzej Wróblewski zu besichtigen. Andere Dauerausstellungen präsentieren z. B. Kunstteppiche, Erzeugnisse der landesweit berühmtesten Kunsthandwerker oder die größte Sammlung von Bildern des Gorzówer Malers Jan Korcz. Insgesamt stellt

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das Museum eine reichhaltige und interessante Sammlung über die Geschichte der Stadt Landsberg/Gorzów vor, angefangen bei den archäologischen Artefakten, über kartografische und numismatische Exponate bis hin zu Fotografien und anderen Andenken aus der Vergangenheit der Stadt.

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2 Besichtigungstour Nr. 4.

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Gesamtlänge: 5,9 km Routenverlauf: Papsthügel (pl. Jana Pawła II) – ul. Mikołajczyka – ul. Okulickiego – Park Górczyński – ul. Górczyńska – ul. Dowgielewiczowej – Park an der Psychiatrischen Klinik – ul. Walczaka – Park Kopernika – rondo Piłsudskiego – al. Odrodzenia Polski – Park Zacisze – Park Siemiradzkiego Diese Besichtigungstour nimmt am Wzgórze Papieskie (Papsthügel) und der Kirche der Ersten Polnischen Märtyrer im Stadtviertel Górczyn, direkt an dem polnischen Papst gewidmeten Platz, ihren Ausgangspunkt. Von diesem künstlich errichteten Hügel aus sprach Papst Johannes Paul II. am 2. Juni 1997 an die rund 400.000 Versammelten. Anlässlich des fünften Denkmal Johannes Paul II. auf dem Papsthügel, Foto B. Nowosielski

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Springbrunnen im Górczyński-Park, Foto D. Adamski Jahrestages dieses Ereignisses wurde im Jahre 2002 auf dem Hügel ein Denkmal aufgestellt, das den Papst 1 so darstellt, wie ihn die Gläubigen in Erinnerung behalten haben. Autor dieser Plastik ist Prof. Czesław Dźwigaj, der die 3 m hohe und nahezu 2 Tonnen schwere Figur in Bronze gegossen hat. Über dem Papst erhebt sich ein 13 m hohes Kreuz. Auf dem Sockel des Denkmals befinden sich die Stadtwappen von Gorzów und Zielona Góra sowie zwei Sätze aus der Ansprache des Heiligen Vaters, die er damals an die hier versammelten Gläubigen richtete: „Habt keine Angst Zeugnis abzulegen. Habt keine Angst vor Heiligkeit“. Vom Hügel aus geht es hinunter in das zwischen 1993 und 2000 errichtete fünfschiffige Gotteshaus mit einer durchaus mutigen, aber in jedem Falle harmonischen Silhouette. Das Bauprojekt stammt vom Architektenpaar Jolanta Mijas-Król und Jerzy Król. Die Innenausstattung der Märtyrer-Kirche 2 beherrscht der landesweit größte hölzerne Altar. Darauf sind fünf ursprünglich aus Międzyrzecz (Meseritz) stammenden Märtyrer – Benedykt, Jan, Izaak,

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Mateusz und Krystyn – auf einem Felsen stehend abgebildet. Die drei Meter hohen Figuren richten ihren Blick auf den gekreuzigten Christus, der sie überragt. Rechts vom Hauptaltar ist die Heilige Joanna Beretta-Molla – Schutzheilige der Jugendlichen, Verliebten, Verlobten, der Ehepaare, Mütter und Familien – abgebildet. Auf der rechten Schulter wurde die Reliquie der Heiligen in Form eines Fragments ihrer Kleidung angebracht. Auf den Säulen befinden sich eindrucksvolle Reliefe des Kreuzweges. In den äußeren Seitenschiffen, die als Kapellen dienen, steht an der linken Seite ein Altar der Mutter Gottes von der Immerwährenden Hilfe. Das Triptychon stellt die Szenen der „Verkündigung“ und der „Geburt“ sowie nach dem Schließen der Flügel die Szene der „Mariä Heimsuchung“ dar. In der rechten Kapelle befindet sich der Altar des Barmherzigen Jesus. Hier bildet das Triptychon die Szenen der „Wunderbaren Brotvermehrung“ und der „Berufung der Apostel“ ab, auf der Rückseite der Flügel erscheint wiederum die Szene „Christi Taufe im Jordan“. Alle Elemente der Innenausstattung sind aus Linden-

holz gefertigt und stammen vom Posener Bildhauer Jacek Nowak. Die Kirche weist eine ganz hervorragende Akustik vor und wurde mit einer modernen Konzertorgel der Firma Visconta Prestige 80 ausgestattet; sie verfügt über 52 Stimmen und 3 Manuale, die wiederum 16 unterschiedlichste Instrumente ersetzen. Nach einer Besichtigung der Kirche führt die Route in östliche Richtung entlang der Mikołajczyka-Str., auf die andere Seite der Okulickiego-Str. und schließlich in einen der jüngsten Parks der Stadt. In dem 8,5 ha großen Górczyński-Park, der 2003 angelegt wurde, stehen u.a. junge Roteichen, Eschen-AhornBäume, Winterlinden, Gemeine Eschen und Trauerweiden. Farbe geben zusätzlich zahlreiche Ziersträucher, wie u.a. Forsythien und Pfeifensträucher. Der ganze Stolz dieser Parkanlage ist jedoch der stadtweit größte Springbrunnen 3 . In dem mit Granitplatten ausgelegten runden Becken mit einem Durchmesser von 25 m wurden 30 Düsen montiert. Die Hauptdüse ergibt eine 7 m hohe Wassersäule, die weiteren 12 Seitendüsen eine Höhe von 3 bis 4 m. In einer Senke unterhalb des Springbrunnens wurden im Freien Geräte für ein Krafttraining aufgestellt. Ein herrlicher Ort, um überschüssige Energie und angestaute Aggressionen abzubauen. Nach einer kleinen Rast im Park verläuft die Route zunächst auf die andere Seite der Górczyńska-Str. und weiter entlang der Dowgielewiczowej-Str. bis zum nächsten Park. Der Park an der Psychiatrischen Klinik (einstigen Landesirrenanstalt) ist wohl der interessanteste der Gorzówer Parkanlagen, zumindest mit Blick auf die hier anzutreffenden Natur. Eingeweiht wurde er im Jahre 1888 und umfasst derzeit eine Fläche von 7,2 ha. Das Parkgelände liegt direkt an der Walczaka-Str., entlang der ein mit 200-jährigen Linden bepflanzter Abschnitt der historischen Reichstraße von Aachen über Ber-

lin nach Königsberg verläuft. Der Park selbst besteht aus zwei Teilen, die eine Lindenallee voneinander trennt: ein offener Teil mit reichem Baumbestand und ein Teil, der die Innenhöfe der Psychiatrischen Klinik sowie der Schulen an der Dowgielewiczowej-Str. umfasst. Sehenswert sind insbesondere zwei Exemplare von Tulpenbäumen (368 und 357 cm im Umfang) – Bäume mit herrlichen Blüten, die mit ihrer Form und Größe an Tulpen erinnern. Das Holz dieser Baumart nutzte man einst aufgrund seiner Leichtigkeit zum Bau von Musikinstrumenten. Ein anderer exotischer Gast ist die aus dem Mittelmeerraum stammende Esskastanie mit einem Stammumfang von 314 cm. Leider trägt dieses Exemplar keine Früchte mehr. Darüber hinaus ist im Park ein Naturdenkmal zu finden: eine Stieleiche mit einem Stammumfang von 460 cm, sowie des weiteren Eiben, Gemeine Eschen, Ulmen, Ahornund Berg-Ahorn-Bäume, Pappeln, Hainbuchen, Scheinakazien, Sommer- und Winterlinden, Schwarzpappeln, Douglasien, Roteichen, Scheinzypressen, Rosskastanien, Tulpenmagnolien, Lebensbäume, Lärchen sowie eine Gruppe von Stieleichen und Buchen. Der Baumbestand dieses Parks ist ein wahrer dendrologischer Schatz der Stadt, obwohl er doch am wenigsten bekannt ist und dementsprechend mehr geschätzt werden sollte. Die Walczaka-Str. führt die Besucher zu einem weiteren interessanten Ort der Stadt, nämlich zum Kriegsfriedhof 4 . Dieser 3,2 ha große Friedhof ist in den 50-er Jahren des 20. Jh. entstanden und wurde zur letzten Ruhestätte von über 7.000 sowjetischen und polnischen Soldaten, die in der Region gefallen sind, hier ruhen auch Überreste anderer Kriegsopfer unterschiedlichster Nationalität. Unter anderem befinden sich hier auch die Gräber polnischer Offiziere, die in dem Kriegsgefangenenlager Oflag II C in Dobiegniew gestorben sind sowie von

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Besichtigungstour Nr. 4.

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Stadtbesichtigungstouren alliierten Kriegsgefangenen. Über dem Friedhof erhebt sich ein Denkmal: ein 1967 enthüllter Obelisk mit einem Relief, welches das Kreuz Virtuti Militari darstellt. Entlang der sorgfältig markierten Alleen wurden zahlreiche Bäume unterschiedlichster Arten gepflanzt. Besonders malerisch erscheinen hier die Essigbäume mit ihren 50 cm langen gefiederten Blättern und die Trompetenbäume mit ihren großen und breiten Blättern sowie langen, schmalen Schoten. Die weitere Route verläuft entlang der Walczaka-Str. (Friedeberger Str.) und führt mitten in den zwischen der Piłsudskiego-Str. (Wormsfelder Str.) und der Walczaka-Str. gelegenen Kopernikuspark hinein. Die Anfänge des 17,93 ha großen Parks sind auf die Epidemie der asiatischen Cholera im Jahre 1831 zurückzuführen. Seit 1833 wurde hier ein architektonisch und dendrologisch sorgsam geplanter Friedhof angelegt. Das Gelände wurde in bequeme und breite Quartiere eingeteilt. In den Friedhof führten viele Eingangstore, am südwestlichen Eingang ist 1883 die bis heute erhaltene Friedhofskapelle errichtet worden, heute nutzt sie die Evangelisch-Augsburgische Gemeinde als evangelische Trinitatis-Pfarrkirche 5 . Neben dem Gotteshaus wurde ein Denkmal in Form eines flachen, senkrecht aufgestellten Steines errichtet und mit einer Tafel versehen, auf der eine polnische und deutsche Inschrift zu lesen ist: „Im Gedenken an die Einwohner unserer Stadt,

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die auf diesem Friedhof in den Jahren zwischen 1831 und 1945 beigesetzt wurden“. Sie wurde im Jahre 1993 von der Gorzówer Stadtverwaltung und der Bundesarbeitsgemeinschaft Landsberg (Warthe) gestiftet. Im Entsehen ist auch ein Lapidarium für die Grabsteine des Friedhofes Auf diesem repräsentativen Friedhof fanden u.a. Carl Teike, ein berühmter Komponist, und Hermann Paucksch, ein sozial engagierter Industrieller, ihre letzte Ruhestätte. 1972 beschloss man, den Friedhof in einen Stadtpark umzuwandeln. Der zweifelsohne eindrucksvollste Baum des Parks ist die schöne Hängeblutbuche, die auf der Verkehrsinsel zwischen der Walczaka- und der Pomorska-Str. steht. Der älteste Baum im Park ist wiederum eine weibliche Eibe mit einem Stammumfang von 150 cm. Bereits der polnische König Władysław Jagiełło (1351–1434) schätzte das Holz dieser Baumart wegen seiner ganz hervorragenden Eigenschaften, die es bei der Herstellung von Bögen unschätzbar machten, so hoch ein, dass er Eiben generell unter rechtlichen Schutz stellte. Weitere interessante Baumarten in diesem Park sind die Hängeesche, ein gelb gefärbter Bergahorn der seltenen Art Worlee und ein Einwanderer aus Nordamerika, die Nootka-Scheinzypresse, deren schmucken Äste kleine Schuppen bedecken. Unter den Vertretern der Nadelbäume befinden sich insbesondere vier beachtliche GrauStadtpanorama bei Nacht, Foto B. Nowosielski

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Festival der Roma-Musik „Romane Dyvesa”, Foto T. Jocz tannen mit langen bläulich-grünen Nadeln. An jener Stelle, an der einst eine neuere, da erst im Jahre 1926 errichtete Kapelle stand, später verfiel und dann nach dem II. Weltkrieg abgerissen wurde, ist ein herrlicher Springbrunnen nach dem Projekt von Mieczysław Rzeszewski erbaut worden. Gegenwärtig teilt die Verbindungsstraße zwischen der Piłsudskiego und der Walczaka-Str. den Park in zwei Teile, die durch einen eigens errichteten Steg für Fußgänger miteinander verbunden sind. Nachdem der Kreisverkehr Piłsudskiego erreicht ist, geht es auf dem Fußgängerübergang weiter in den nahegelegenen Park Zacisze. Der 6,4 ha große Park wurde 1905 von dem an der Königsberger Universität lehrenden, aus Landsberg stammenden Mathematikprofessor Arthur Schönfliess gestiftet und bekam daher den Namen Schönfliesspark. Problemlos lässt sich hier die stadtweit wohl letzte gepflasterte Parkgasse (die Zacisze-Str.) finden. Entlang dieser geht es bergab inmitten heimischer Baumarten wie Eichen, Buchen, Hainbuchen, Ahorn-Bäumen und einiger wenigen Birken. Hinter dem Park geht es nun weiter hinunter, zur linken erstreckt sich eine Kleingartenanlage. Hinter dem letzten Schrebergarten verläuft die

Route nach links und dann steil bergauf zum Siemiradzkiego-Park (einst Quilitzpark). Der 11,22 ha große Park erstreckt sich zwischen der Walczaka- und der Wyszyńskiego-Str. Dieser Park bildete den ersten, der auf Initiative des 1844 gegründeten Verschönerungsvereins entstanden ist. Angelegt wurde er 1899 hauptsächlich dank der Freigiebigkeit und dem Engagement des Landsberger Bankiers Friedrich Quilitz, der zu seinem 70. Geburtstag der Stadt ein Geschenk machte und ihr das Gelände der ehemaligen Sandgrube zwischen der heutigen Drzymały- und Walczaka-Str. überlies, um dort einen Park anzulegen. Das bewaldete Gelände ist von kleinen Tälern und bis etwa 40 m hohen Hügeln übersät. Zu den hier am häufigsten vertretenen Baumarten gehören Ahorn, Linde, Scheinakazie und Bergahorn, die sich im Herbst herrlich verfärben. Ein Pfad führt auf den Gipfel des Kosakenberges, wo sich ein Aussichtspavillon 6 mit einem auf sechs dorischen Säulen ruhenden Kuppeldach befindet. Von hier aus erstreckt sich ein weites Stadtpanorama. Weiterhin in südlicher Richtung tauchen linker Hand im weiteren Teil des Parks die Gebäude des ehemaligen Mutterhauses vom Roten Kreuz „Bethesda“ 7 , in der Nachkriegszeit als Kinderkrankenhaus genutzt, auf. Etwas weiter, auf dem künstlich errichteten Hügel (in dessen Inneren sich zwei Kammern eines Wasserspeichers befinden) steht ein 1896 errichteter Wasserturm 8 , der einen mittelalterlichen Wehrturm mit Zinnen nachbildet. Vor der Brücke über eine tiefe Schlucht lohnt es sich eine Verschnaufpause einzulegen und nach rechts zu schauen. Hier befand sich ehemals ein besonderes „Andenken an die Freundschaft mit der Roten Armee“ zu sehen, ein Feldstein mit einer Gedenktafel zu Ehren von General Oberst Nikolai Erastowitsch Bersarin 9 (1904–45), dessen Truppen am 30.01.1945 in Landsberg einmarschierten. Er selbst wurde

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Stadtbesichtigungstouren zum ersten sowjetischen Stadtkommandanten von Berlin ernannt. Die für Januar 1984 vorbereitete feierliche Enthüllung endete fast mit einem Skandal, da zwei Tage zuvor das Werk von Michał Puklicz vom Findling einfach verschwand. Der Künstler machte eilig einen Gipsabdruck, bemalte und patinierte ihn entsprechend und befestigte ihn auf dem Stein. Der festliche Akt konnte dann ohne weitere Störungen stattfinden. Die Gedenktafel wurde einige Tage später im Park, zwischen den Sträuchern wiederaufgefunden. Nach Jahren wurde sie wieder gestohlen und konnte bis heute nicht gefunden werden. Hinter der Stelle an der sich der Gedenkstein befand, ziehen eine Silberlinde und eine Schwarzkiefer die Blicke auf sich. Nach dem Überqueren der Parkbrücke erreicht man das 1980 errichtete Freilichtbühne 10 , in dem viele kulturelle Veranstaltungen stattfinden. Am Zaun entlang geht es bis zu einer von links her hinaufführenden Treppe, weiter die Treppe hoch und bis zu einer breiten Allee, die schließlich auf eine Aussichtsplattform 12 (Düsterlohschanze) führt. Von hier aus erstreckt sich eine herrliche Aussicht auf die Innenstadt und sogar auf die südlichen Vororte. Gut zu erkennen sind dabei zur Rechten die grüne Parkan-

Gorzów Wielkopolski

lage des Parks Wiosny Ludów (Stadtpark), ein in Ajour-Technik errichtete Turm des Postgebäudes, historische Patrizierhäuser des Wełniany Rynek sowie die Marienkirche (Kathedrale), das Dach des Speichers, die Schroeder-Villa, die ovale Luther-Kirche (Christus-König-Kirche) und im Vordergrund die Stadtmauern. Von dort oben sind auch die 241 Stufen einer aus Beton errichteten, einst repräsentativen und den Gipfel erklimmenden, heute jedoch der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Treppe „nach Nirgendwo“ 13 gut sichtbar. In der Nähe wurde auf Initiative der Regionalzeitung „Gazeta Lubuska“ eine symbolische Tafel mit der Markierung des „Mittelpunktes der Stadt“ 14 aufgestellt.

Weitere sehenswerte Orte Der Jüdische Friedhof Stadtviertel Słoneczne (eh. Friedrichstadt), in nördlicher und nordwestlicher Richtung von der Gwiaździsta-Str. aus Eine jüdische Gemeinde gab es in der Stadt vermutlich bereits seit dem Mittelalter, der Friedhof selbst, jidisch Kirkut, taucht in den Urkunden Jüdischer Friedhof, Foto T. Jocz

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jedoch erst im Jahre 1723 auf. Er ist malerisch zwischen den Moränenhügeln am Rande des Viertels Słoneczne gelegen und nicht gerade leicht zu finden. Auf dem Friedhofsgelände sind etwa 300 jüdische Grabmäler zu finden. Der älteste Grabstein stammt aus dem Jahre 1759 und trägt die Inschrift: „Rabbi Mordechaj, Sohn des Rabbi Mordechaj, des gesegneten Andenkens des Gerechten aus Nojen“. Der zentrale Teil des kirkuts liegt auf dem Hügel mit einer durch Stützmauer gestärkten Plattform. Der Friedhof ist so angelegt, dass sich zwei voneinander getrennte Teile abzeichnen: der untere Eingangsbereich, wo die macewas in Reihen entlang der Kastanienallee aufgestellt wurden und der obere Bereich, wo sie gleichmäßig auf dem ganzen Gelände verstreut stehen. Auf der Westmauer des Friedhofs, die 1830 errichtet wurde-, stehen architektonisch anspruchsvollere Grabmäler der ehemaligen Elite der Stadt. Im Baumbestand ziehen zwei Stieleichen, eine mit einem Umfang von 430, die andere von 340 cm und einer Höhe von rund 20 m, die Blicke auf sich. Auf einem Streifzug auf dem Friedhofsgelände lassen sich so wertvolle Vertreter der Flora antreffen wie die Krimlinde, der Mor-

2 Weitere sehenswerte Orte in der Stadt

Weitere sehenswerte Orte in der Stadt

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Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof, Foto T. Jocz genländische Lebensbaum (Vorsicht! – eine giftige Pflanze) oder die Gewöhnliche Esche. Zu den integralen Elementen des Friedhofs gehören das rekonstruierte Eingangstor in Form einer Arkade sowie das Gebäude des Begräbnishauses, beide aus der Mitte des 19. Jh..

Schlösschen auf der Kuhburg Stadtteil Zakanale, Kobylogórska-Str. Bereits im Mittelalter legten die Zisterzienser aus Paradyż (Paradies) einen befestigten Mönchshof an. Im Jahre 1372 wurde die KuhSchlösschen auf der Kuhburg, Sitz der Dt.-Pl. Wirtschaftsförderungsgesellschaft, Foto D. Adamski

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Gorzów Wielkopolski abgeschlossen. Ein Jahr später ergänzte das Ensemble ein kleiner Weinkeller. Von der alten Innenausstattung ist die Eingangshalle mit einem repräsentativen Treppenhaus aus Holz erhalten geblieben. Die Villa umgibt ein kleiner Park mit einem Springbrunnen, vom nordwestlichen Rand des Parks ist ein kleiner See (Schützensee) zu sehen, heute gennant Russenteich. Den Namen gab dem See ein Gerücht, dem zufolge auf dem Grund des See, tief im Schlamm vergraben, ein versunkener russischer Panzer steckt, der an dieser Stelle im Januar 1945 zusammen mit seiner Besatzung unterging, als das Eis unter ihm nachgab. Heute dient die Villa als Ort der Trauung, Sitz der Euroregion Pro Europa Viadrina und des Zweckverbandes der Gemeinden MG-6.

Standesamt in der Carl-Bahr-Villa, Foto T. Jocz burg an die Landsberger Stadtbürger verkauft. Direkt daneben führte eine sog. Mönchsbrücke über die Alte Warthe, was das gesamte Vorwerk zu einem strategisch wichtigen Objekt machte, welches die aus dem Süden in die Stadt führende Handelsstraße schützte. Während des Dreißigjährigen Krieges errichteten hier die Schweden eine Befestigungsanlage in Form einer Redoute, die später, im Jahre 1709, vergrößert wurde. Im Herbst, wenn die Laubbäume ihr Kleid ablegen, lässt sich in den heutigen Überresten dieser Schanze die einstige Form erahnen. Nachdem der Verlauf der Warthe reguliert wurde, verlor die Kuhburg ihre militärische Bedeutung und so entstand an dieser Stelle ein Landgut mit einem Vorwerk und einem Gutshaus. Zur Jahrhundertwende zwischen dem 19. und 20. Jh. wurde anstelle dieser Gebäuden eine eklektische Villa mit Erdund bewohnten Dachgeschoss errichtet. Die Fassade schmücken Risalite und ein stufenförmiger Giebel. Ein Eckturm mit einem pseudomittelalterlichen Zinne verleihen dem Gebäude

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Eleganz und Schönheit. Das Gebäude bedeckt ein Satteldach mit Walmen. Das Schlösschen umgibt ein kleiner Park, in dem u.a. ein 340 cm dicker Silberahorn und eine Flatterulme mit einem Stammumfang von 325 cm vorzufinden sind. Nach dem Krieg diente das Schlösschen der Polnischen Gesellschaft für Touristik und Heimatkunde PTTK als Herberge und wurde später zum Sitz der Deutsch-Polnischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft.

und Philahntropen, Max Bahr und seinem Bruder Robert Bahr (später dem Kaufmann Wilhelm Henke). Die Frontfassade im Jugendstil wird von zwei Risaliten geschmückt und von einem polygonalen Turm mit einem Turmhelm und Laterne überragt. Im Baumbestand des umliegenden Parks sind zwei Eiben, eine Stieleiche und eine Douglasie besonders sehenswert. Einst verband eine kleine hölzerne Brücke die beiden Ufer der Kłodawka (Kladow), über die man den weiteren Teil des Parks erreichen konnte, in dem noch heute u.a. Blutbuchen und der Ginkgo-Baum stehen. Gegenüber der Villa befindet sich das Gebäude des ehemaligen Mädchenlyzeums (heute beherbergt es das Schulzentrum für Wirtschaft), das u.a. die später berühmt gewordene Jugendstil-Villa von Max Bahr deutsche Schriftstellerin Christa Wolf besuchte. 30.- Stycznia-Str. Zu ihren Roman zählen u.a. „Der geteilte HimNach 1945 diente die Villa als Bischofspalast mel“, „Nachdenken über Christa T.“ und „Kindund bis Februar 2007 dem Diözesanen Kirchen- heitsmuster“, wo ein Teil der Handlung in den gericht. Der Gesamtkomplex besteht aus zwei Jahren 1932 bis 1945 in Landsberg spielt. Gebäuden: aus der zweigeschossigen Villa mit Grunwaldzki-Platz einem Mansardendach sowie mit einer Brandmauer verbundenen Gründerzeitvilla, errich- Zwischen Mieszka I.- und Dąbrowskiego-Str. tet um 1900. Sie gehörten dem gesellschaft- Die Geschichte des größten der Landsberger lich engagierten Landsberger Industriellen Plätze reicht bis in die Anfänge der Stadt zurück.

2 Weitere sehenswerte Orte in der Stadt

Stadtbesichtigungstouren

Weitere sehenswerte Orte in der Stadt

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Max-Bahr-Villa, Foto T. Jocz

Jugendstil-Villa von Carl Bahr Kazimierza-Wielkiego-Str. 1 Die Villa wurde 1903 im Stile der Berliner Sezession nach Bauplänen des Architekten Carl Edward Bangert aus Berlin errichtet. Sie gehörte Carl Bahr, Stadtrat und Mitglied der für Landsberg sehr verdienten Familie. Der Haupteingang befindet sich im Frontgiebel, über dem Eingang gibt es ein großes Fenster mit Glasmalerei. Als im Jahre 1911 die Veranda umgebaut wurde, ist ein weiteres Geschoss hinzugefügt worden und mit einem kleinen Turm

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Stadtbesichtigungstouren Nachdem der Platz zugunsten der Gebäude der Neustadt etwas von seiner Größe eingebüßt hat, säumen ihn heute herrliche PlatanenAlleen. Das Gesamtbild beherrscht ein 1975 enthülltes Denkmal der Waffenbrüderschaft des Künstlers Leszek Krzeszowski. In der Nachbarschaft erhebt sich ein Glockenturm mit der von den ehemaligen Landsbergern gestifteten Friedensglocke. Den Glockenturm sowie eine Gedenktafel stiftete dagegen die Stadtverwaltung von Gorzów Auf der Gedenktafel wurden u.a. die letzten beiden Zeilen aus Friedrich Schillers „Das Lied von der Glocke“ verewigt: „Freude dieser Stadt bedeute, Friede sei ihr erst Geläute.“ Zum ersten Mal ertönte die Glocke am 02.09.2006, als sie die feierliche Eröffnung der Festlichkeiten anlässlich des 750. Jubiläums der Stadt einläutete. Die Feierlichkeiten eröffneten gemeinsam Ursula Hasse-Dresing (Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Landsberg/Warthe) und Tadeusz Jędrzejczak (Stadtpräsident von Gorzów). Und so stehen nun in friedlicher Eintracht nebeneinander zwei Symbole: das der Vergangenheit, die wir nicht vergessen dürfen, und das der Zukunft, für die es sich lohnt zu leben. Nach dem Umbau ist der Platz mit Steinplatten ausgelegt und im zentralen Punkt befindetsich ein runder Springbrunnen, wodurch er zum repräsentativsten Platz der gesamten Stadt geworden ist. Auf dem Platz gewölbt sich Deckel der Zeitkapsel, wo am 2. Juli 2008 zahlreiche Depositen der Stadt und seiner Einwohner für die nächsten Einhundert Jahre eingemauert worden sind.

Orthodoxe St. Georg- und Geburt der Gottesmutter-Kirche Stadtviertel Słoneczne, Kostrzyńska-Str. Das Gotteshaus wurde auf dem Grundriss eines griechischen Kreuzes errichtet, wobei die Anordnung der Kreuzarme den Himmelsrichtungen

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entspricht. Das Dach krönen fünf Kuppeln. Die größte, zentral gelegene Kuppel symbolisiert Christus und die vier kleineren stellen Sinnbilder der vier Evangelisten dar. Sowohl die Länge der Arme wie auch die Höhe der Kirche ist symmetrisch und beträgt jeweils 25 m. Im Inneren befindet sich ein Ikonostas mit drei Türen, wobei die mittlere Himmelspforte genannt wird und nur vom Geistlichen während der Andachten benutzt werden darf. Die Gläubigen stehen gen Osten gewandt, was die Ankunft der Erlösung aus dem Osten symbolisieren soll. Das Ikonostas verzieren moderne Ikonen aus der Werkstatt der Ikonenschule in Bielsko Podlaskie sowie zwei originale Ikonen aus dem 19. Jh., die Christus Pantokrator (Weltherrscher) und die Heilige Dreieinigkeit darstellen. Das Ikonostas trennt den Gemeinderaum vom im Chorraum verborgenen Altar (der das Gottesreich symbolisiert), und zu dem nur der Priester im festlichen, liturgischen Gewand einen Zutritt hat. Das Gotteshaus wurde vom Erzbischof Basilius 1995 geweiht.

Orthodoxe Kirche an der Kostrzyńska-Str., Foto D. Adamski

Max-Bahr-Eiche Stadtteil Zawarcie, Ecke Fabryczna- und Towarowa-Str. Am 25. Oktober 1918 pflanzten die Arbeiter der „Jute-Spinnerei und -Weberei Max Bahr AG“ zu Ehren des Eigentümers Max Gottlieb Adolf Bahr, zu seinem 70. Geburtstag eine Stieleiche. Vor dem Baum steht ein am 17. September 2000 rekonstruierter Gedenkstein mit einer deutsch-polnischen Inschrift, der an dieses Ereignis erinnert.

Słowiański-Park und Gedenkstein zu Ehren Egomet Brahtz Nördlich des Stadtviertels Staszica Die Gründung des Parks (Zanziner Wäldchen) geht auf den Landsberger Baurat Egomet Brahtz (1838–1918) zurück. Mit Hilfe einer Stiftung und dank seines großen persönlichen Engagements ist 1903 der Zanziner Wald angelegt worden. Zu Ehren des Initiators wurde an der Ecke der Kosynierów Gdyńskich und der Słowiańska-Str. auf einem Findling eine Gedenktafel (Rekonstruktion von Max Bahr-Büste im Eingang des alten Volksbades an der Jagiełły-Str., Foto D. Adamski

Max Bahr Max Bahr war ein Industrieller, aber vor allem ein Förderer der Stadt: als Initiator trug er zur Entstehung zahlreicher öffentlicher Objekte und Einrichtungen bei, wie Volksbad oder Wohlfahrtshaus, auf seine Initiative hin und mit seiner Unterstützung entstanden die ersten Betriebssparkassen, Krippen und Kindergärten, die Bibliothek und viele andere. Max Bahr war ein außergewöhnlicher Mensch – Abgeordnete des Reichstages, Mitglied eines Turnvereins, der Freiwilligen Feuerwehr, des Anglervereines, Gründer der „Dienstagsgesellschaft“, Initiator des Vereines zur Förderung der Volksbücherei, Mitglied des Bürgerbauvereines. In der Stadt sprach man von ihm als „dem Hecht im Karpfenteich“. Seine Begeisterung und Aufopferung sowie sein unermüdliches Engagement in allem, was er anpackte, trug zur maßgeblichen Entwicklung der Stadt in den Bereichen Kultur und Sport, Bauwesen wie Sozialfürsorge bei. In jeder Stadt und zu jeder Zeit wäre man stolz auf einen solchen Stadtbürger.

2 Weitere sehenswerte Orte in der Stadt

Weitere sehenswerte Orte in der Stadt

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Zofia Bilińska) angebracht. Der SłowiańskiPark stellt die größte der Gorzówer Parkanlagen dar (36,18 ha) und ist sehr naturnah in Form eines Waldparks gestaltet worden. Auf dem Gebiet des Parks befinden sich u.a. Gebäude der 1896 errichteten Wasserwerke. Auf einem der Gebäude befindet sich ein wundervoll restauriertes Stadtwappen mit vollständigen Attributen und Farben. Auf dem Gelände der Wasserwerke stehen einige interessante und eindrucksvolle Bäume: der Riesenlebensbaum, die Ahornblättrige Platane, Rot- und Stieleichen und die Scheinzypresse. Letztere trägt die in der Pflanzenwelt kleinsten Zapfen – 5 bis 7 mm –, also von der Größe einer Erbse. Am Straßenzusammenlauf hinter den Wasserwerken wurde ein anderer Gedenkstein zu Ehren des langjährigen Vorsitzenden der Landsberger Schützengilde, Heinrich Isensee, aufgestellt. In der Nähe befand sich auch der Sitz der Gilde, im Neuen Schützenhaus (heute befindet sich dort

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Stadtbesichtigungstouren

Weitere sehenswerte Orte in der Stadt

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Radwanderrouten

Słowiański-Park, Foto T. Jocz das „Słowianka“). Ein großer Teil des Parks bildet eine Lichtung, auf der traditionell Zirkusvorstellungen stattfinden. Die Ränder der Lichtung säumen viele andere exotische Baumarten. Der aus China, Korea und Japan stammende Amurkorkbaum (13 m hoch und 43 im Umfang) hat bis zu 35 cm lange und gefiederte Blätter, die einen unangenehmen Geruch verbreiten, wenn man sie auseinander reißt. Das weiche und elastische Holz dieser Bäume nutzte man früher zur Herstellung von Schwimmern an Fischernetzen. Aus Nordamerika stammen die Douglasie, die lange, leicht silbern schimmernde Nadeln aufweist,

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und die Sumpfeiche mit langen, bis hinunter zum Boden hängenden, dünnen Ästen. Zu den Vertretern der heimischen Baumarten gehören u.a. Eichen, Buchen und Gemeine Eschen, ein Exemplar der letzten Art misst 280 cm im Umfang. Im anderen Teil des Parks befindet sich der ganze Stolz der Gorzówer – das moderne Sportund Rehabilitationszentrum „Słowianka“. Darin laden u.a. ein 50 x 20 m großes Sportschwimmbecken mit 10 Bahnen, ein weiteres Schwimmbecken, ein Fitnessclub und ein Kraftraum zur sportlichen Erholung sowie ein Wellness-Salon zur Entspannung ein.

Radwanderroute Nr. 1  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   62 Bahnhof in Gorzów – Chróścik – Moränenhügel– Bogdaniec – Gostkowice. – Warthetal – Wieprzyce – Gorzów Radwanderroute Nr. 2  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   66 Gorzów – Santocko – Naturschutzgebiet„Dębina” – Łośno – Lipy. – Tal der Santoczna – Santoczno – Ostrowite-See – Wojcieszyce – Gorzów Radwanderroute Nr. 3  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   73 Gorzów – Zawarcie – Ciecierzyce – Borek – Brzozowiec – Glinik – Orzelec. – Bolemin – Płonica – Koszęcin – Niwica – Zawarcie – Gorzów Radwanderroute Nr. 4  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   77 Gorzów – Czechów – Santok – dolina Polki – Górki Noteckie – rezerwat „Zdroiskie Buki” – Santoczno – Kłodawa Radwanderroute Nr. 5  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   83 Gorzów – Kłodawa – Mironice – Santocko – Marwice Radwanderroute Nr. 6  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   85 Kłodawa – Mironice – Marzęcin – Tal der Kłodawka – Marwicko-See. – Wysoka – Lubno – Stanowice – Bogdaniec Radwanderroute Nr. 7  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   88 Kłodawa – „Manhattan” – Wawrów – Czechów Radwanderroute Nr. 8  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   89 Wieprzyce – Chróścik – Baczyna – Marwice – Wysoka Radwanderroute Nr. 9  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   91 Stanowice – Racław – Łupowo – Lubczyno – Chwałowice. – Hochwasserschutzdeich Radwanderroute Nr. 10  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   93 Borek – Deszczno – Karnin – Łagodzin – Ulim – Niwica Deich Radwanderroute Nr. 11  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   96 Czechów – Janczewo –Grzybno-See (Przecięte) – Zdroiska Radwanderroute Nr. 11a  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   97 Waldkreuzung auf der grün markierten Radwanderroute Nr. 11. – Landstraße Nr. 22 – Ostrowite-See – Kreuzung an der grün markierten Radwanderroute Nr. 2 Radwanderroute Nr. 11b  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   97 Santok – Naturschutzgebiet „Santockie Zakole” – Deich in Borek Radwanderroute Nr. 11c  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  98 Bahnhof in Deszczno – Maszewo – Glinik – Glinik-See Radwanderroute Nr. 12  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   98 Forsthaus in Wojcieszyce – Łośno


RADWANDERROUTEN Radwanderroute Nr. 1. Routenverlauf: Bahnhof in Gorzów – Chróścik – Moränenhügel– Bogdaniec – Gostkowice – Warthetal – Wieprzyce – Gorzów Routenmarkierung: blau Gesamtlänge: 47 km Der mit einem blauen Balken markierte Radwanderweg führt über eine herrliche, von den Gletschern der letzten Eiszeit geformte Moränenhügellandschaft durch ausgedehnte Mischwälder sowie entlang des Warthetals. Auf den längeren Abfahrten entlang der Waldwege ist Vorsicht geboten. Die Route nimmt am Bahnhof in Gorzów (0.0 km), direkt vor der großen Informationstafel mit der Übersicht über alle touristischen Wanderrouten in der Region, ihren Ausgangspunkt. Sie verläuft hier zunächst entlang der Dworcowa-, d.h. Bahnhofsstraße, überquert die erste Kreuzung und führt dann zum Adam Mickiewicz-Denkmal, das sich am Rande des Park Wolności (Alter Friedhof) befindet. Das Gelände des heutigen Parks (insgesamt

in Der Umgebung von Gorzów Wielkopolski 1,7 ha groß) diente vom Mittelalter bis in das Jahr 1831 als Friedhof. Einst stand hier (wahrscheinlich dort, wo sich heute die sog. „Tuchhallen“ an der Sikorskiego-Str. befinden) die Heilige-Geist-Kapelle. Die noch von der einstigen Funktion des Gelände zeugenden Grabplatten blieben dagegen noch bis zum Ende des 20. Jh. erhalten, als dann die letzten beiden in das Lubuskie Museum verlegt wurden. Als Begräbnisstätte diente der Park für kurze Zeit noch ein einziges Mal im Jahre 1945, als hier die im naheliegenden Lazarett (heute die Gebäude der Sportakademie) verstorbenen sowjetischen Soldaten beigesetzt wurden. Von der Sikorskiego-Str. aus säumt den Park eine Pyramidenpappel-Allee. An der Kreuzung am Denkmal führt die Route nun nach links ab und weiter auf geradem Weg zur nächsten Kreuzung, wo es rechtsseitig, inmitten des Galeria Askana-Komplexes, eine kleine Bildstock zu entdecken gibt, in der sich ein aus Metall gefertigtes Bildnis der Gottesmutter mit dem Kinde Jesus befindet. Dort erhebt sich auch ein historischer Wasserturm. Das fünfstöckige Gebäude auf dem Grundriss eines Achtecks mit einer leicht wirkenden Balustrade in Ajour-Technik aus SandHundertjähriges Gutshaus in Racław, Foto D. Adamski

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3 Radwanderroute Nr. 1.

Radwanderroute Nr. 1.

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Mühlen-Sammlung im Museum in Bogdaniec, Foto D. Adamski stein wurde gegen Ende des 19. Jh. in den bis zum Ende des 20. Jh. hin bestehenden Fleischereibetrieben errichtet. Die Wanderroute erklimmt an dieser Stelle eine steile Auffahrt hinauf zur Konstytucji 3 Maja-Str., führt an den zwei Verkehrsinseln an der Myśliborska-Str. (Soldiner Str.) vorbei und biegt direkt vor der Tankstelle nach links (2,5 km) in einen mit Linden umsäumten Feldweg ab. Weiter geht es nun über der Umgehungstrasse Trasa Zgody bis hin zur Verkehrskreuzung (nach 6,2 km) mit einem Kreuz und einer Eiche. Zur linken Hand ist bereits die Ortschaft Chróścik (ehemals Neuendorf) zu erblicken, wo sich die neogotische St. Josefs-Kirche aus dem 19. Jh. mit sechseckigem Chorraum befindet. Nachdem die hier den Radwanderweg kreuzende Eisenbahnlinie überquert ist, erreicht man bald den Waldrand (7,7 km), von wo es nunmehr auf Waldwegen steil bergab inmitten der vom Gletscher gebildeten Moränenhügel geht. An der Straßengabelung an km 9,0 der Streckenführung geht es nach rechts ab, um kurz darauf eine steile Auffahrt auf einem für diese recht flache Bergregionen typischen Weg in Angriff zu nehmen (10,0 km), der sich herrlich mitten

durch ausgedehnte Buchenwälder schlängelt. An km 11,0 lädt den Wanderer eine kleine Bank zu einer durchaus empfehlenswerten Erholungspause ein: von hier aus eröffnet sich ein besonders schönes Panorama über die Berge und Täler rund um Gorzów Im weiteren Trassenverlauf erwartet den Radwanderer bei km 11,6 km eine weitere Bank, an der es auch eine Entsorgungsmöglichkeit für die mittlerweile aufgebrauchten Trinkflaschen usw. gibt. Kurz darauf führt ein wiederum abschüssiger Waldweg hin zur asphaltierten Kreisstraße Nr. 132 zwischen Racław (Ratzdorf) und Jenin (Gennin) führt. Am km 11,9 wurde ein Rastplatz mit einer überdachten Hütte, Bänken und einer Feuerstelle eingerichtet. Nur zweieinhalb Kilometer weiter in nördliche Richtung liegt die Ortschaft Racław (vormals Ratzdorf), deren historische Wurzeln bis in das Mittelalter zurückreichen, heute besonders sehenswert mit ihrer neogotischen Kirche aus dem Jahre 1863 sowie einem hundert Jahre alten, im Stile der Neoklassik errichteten Gutschloss. Ein Abstecher lohnt sich durchaus. Der Radwanderweg führt an dieser Stelle jedoch weiterhin durch den Wald entlang des rot markierten Wanderpfades bergauf, bis er dann an km

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RADWANDERROUTEN 13,1 nach links abbiegt. Das Geländeprofil ist hier erst einmal flach, um danach jedoch erneut steil hinunter zur Asphaltstraße (16,3 km) zwischen Stanowice (Stennewitz) und Bogdaniec abzufallen. An dieser Stelle beginnt der gelb markierte Radwanderweg, unsere Route führt jedoch weiter nach links. Nach etwa einem Kilometer ist eine kleine Lichtung erreicht, auf der eigens ein Rastplatz mit Bänken und Tischen sowie einer Feuerstelle eingerichtet wurde. Gleich in unmittelbarer Nähe erstrecken sich zwei ganz eindrucksvolle Douglasien gen Himmel. Neben den Bäumen steht noch ein Obelisk, von dem man aber die Gedenktafel entfernte. Sie wurde dort einst zu Ehren Gerhard Libschow, eines Hitlerjugendaktivisten, angebracht, der 1931 nach einem der Fußballspiele im Dorf bei einer Schlägerei zwischen den Fans tödlich verletzt wurde. Der ganze Vorfall erhielt damals politische Brisanz, der Ort wurde im späteren Verlauf zu einem Platz alljährlicher Aufmärsche der Nationalsozialisten. An der Organisation dieser Zusammentreffen war maßgeblich ein Einwohner des damaligen Bogdaniec, Erich von dem Bach-Zalewski, späterer SS-Obergruppenführer und „Liquidator“ des Warschauer Aufstandes, beteiligt. Auf dem weiteren Weg, bereits in Bogdaniec (ehemals Dühringshof), geht es nun linksseitig

in Der Umgebung von Gorzów Wielkopolski an einer im Jahre 1826 errichteten Mühle (bei km 17,7) vorbei, die heute als Sitz des Museums für ländliche Baukunst und Technik dient. Hier kann man das Haus des Müllers besuchen, die gesamte, teilweise restaurierte Innenausstattung sowie eine interessante Sammlung von liebevoll zusammengetragenen Mühlen bewundern, in der Mühle selbst ist die noch intakte, originale Mahlvorrichtung zu besichtigen und im Hof eine für den Städter gänzlich exotische Sammlung landwirtschaftlicher Gerätschaften und Maschinen. In der unmittelbaren Nähe befindet sich eine interessante Schmiede. Insoweit nun noch genügend Kraft und Zeit vorhanden ist, so empfehle ich den Radwanderweg am Gebäude der Oberförsterei (bei km 18,3) kurz zu verlassen, um auf einem vier Kilometer langen Naturlehrpfad durch einen Eichenwald in einer von Moränenhügel geprägten Landschaft spazieren zu gehen. Aus den Informationstafeln an den zahlreichen Stationen des Lehrpfades erfährt man Wissenswertes und Kurioses u.a. über den „Vogelwecker“, die Wanderung der Bäume, das Naturschutzgebiet Bogdaniec III und über die Bewohner aus dem Unterholz. Nach diesem Abstecher erreicht man nun, mitten im Dorfkern von Bogdaniec an km 18,8 des Museum in Bogdaniec – Innenausstattung der Mühle , Foto D. Adamski

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Radwanderweges die Kreuzung mit der Landesstraße zwischen Gorzów und Kostrzyn. Bogdaniec ist ein im Jahre 1786 von 32 Familien polnischer und deutscher Kolonisten besiedeltes Dorf, dessen Ursprung auf die Trockenlegung des Warthebruches zurückgeht. Friedrich II. der Große befreite die Kolonisten für den Zeitraum von 8 Jahren von der Entrichtung jeglicher Steuern, darüber hinaus erhielten die Neusiedler einen Hufen Ackerboden sowie Baumaterial für die Errichtung der mit Schilfdach gedeckten Holzhütten. Die gegenwärtige gemauerte und einst als Fachwerk errichtete Kirche stammt aus dem Jahre 1783 und wurde danach mehrfach umgebaut. Nachdem die Straße überquert ist, gelangt man zum Bahnübergang (linksseitig befindet sich der Bahnhof in Bogdaniec, von wo aus man seinen Ausflug durch das Lebuser Land auch per Bahn fortsetzen kann). Wer sich zu einer Fortsetzung der Radwanderung entschließt, folgt in südlicher Richtung einer Bitumenstraße – Pappeln-Reihen spenden hier lindernden Schatten –, die weiter über Kwiatkowice (Blumenthal), Jeniniec (Ober-Gennin) und Krzyszczyna (Cocceji) führt. All diese Dörfer sind im 18. Jh. im Zuge der Kolonisierung der dem Fluss durch die Trockenlegung entrissener Gebiete entstanden. Sind die letzten Häuser von Gostkowice (Gerlachsthal) und der Hochwasserschutzdamm erreicht, gelangt man bei km 26,8 an ein Stahlkreuz. Hier geht es nach links und kurz darauf an einem ohne erkennbaren architektonischen Stil gemauerten Bildstock (31,2 km), mit einem Medaillon der Mutter Gottes in der Nische und einer Christusfigur im Giebel, vorbei. Der weitere Weg verläuft entlang der Deichkrone in östliche Richtung, wo man eine einmalige Stille genießen und sich an zahlreichen Storchnestern sowie Enten- und Gänsescharren inmitten des von alten Weiden bewachsenen

Warthebruchs erfreuen kann. Die Route führt an den in der Ferne gut sichtbaren, verstreuten Gehöften der Ortschaften Włostowo, Jasiniec und Jeżyki vorbei, um bei km 42,8 km an der großen Eiche in Wieprzyce (Wepritz) nach links den Deich zu verlassen. Weiter geht es am historischen, mit einem typischen Krüppelwalmdach bedeckten Bahnhofsgebäude aus dem 19. Jh. vorbei, am alten Friedhof (43,2 km) in Wieprzyce (zu deutsch: Wepritz) erreicht der Radwanderer nun die Straßenbahnschleife. Der alte Friedhof ist heute ein 1,8 ha großer Park mit reichem Baumbestand an Lebensbäumen, Eschen, Ahornbäumen, Pappeln und Robinien. Etwas weiter, allerdings nicht ausgeschildert, befindet sich eine klassizistische Kirche aus dem Jahre 1833 mit einem neogotischen Turm und zweistöckigen Emporen im Inneren. Neben der Kirche stehen die Grabplatte von Anna (1857–1931) und Ernst (1852–1940) Henseler. Der in Wepritz geborene Ernst Henseler war Professor für Malerei an der Technischen Universität in Berlin. Während zahlreicher Aufenthalte in seiner Heimatregion widmete er sich der Landschaftsmalerei und so entstanden viele einmalige WartheBilder. Zu seinen starken Seiten gehörte auch die Portraitmalerei, so stammte von ihm u.a. ein Portrait von Franz Hoffmann von Fallersleben, dem Autor der deutschen Nationalhymne, sowie ein Portrait Kanzler Bismarcks. Seine Kunstwerke wurden in Paris, Berlin, Wien und London ausgestellt. Sein Grabstein wurde hierher aus Berlin im Jahre 2005 verlegt. Die Route führt nunmehr nach rechts und weiter entlang der Kostrzyńska-Str. bis zu der architektonisch interessanten orthodoxen Kirche, getauft auf den Hl. Georg und die Geburt der Mutter Gottes. Weitere Informationen finden Sie unter „Weitere sehenswerte Orte“. Nachdem ins-

3 Radwanderroute Nr. 1.

Radwanderroute Nr. 1.

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in Der Umgebung von Gorzów Wielkopolski

Sport- und Rehabilitationszentrum „Słowianka”, Foto T. Jocz

gesamt eine Strecke von 47 km zurückgelegt wurde, erreicht man entlang der 11. ListopadaStr. und der Edwarda Jancarza-Str. schließlich erneut das Bahnhofsgebäude in Gorzów

Radwanderroute Nr. 2 Routenverlauf: Gorzów – Santocko – Nat urschutzgebiet„Dębina” – Łośno – Lipy – Tal der Santoczna – Santoczno – Ostrowite-See – Wojcieszyce – Gorzów Routenmarkierung: grün Gesamtlänge: 65,4 km Der grün markierte Radwanderweg führt vorwiegend durch den für Naturliebhaber interessanten Komplex der in ihrem Hauptteil als Landschaftspark unter Schutz gestellten BarlineckoGorzowska Heide. Zwar ist diese Route technisch recht einfach zu bewältigen, dafür aber sehr lang und daher eher für fortgeschrittene Radtouristen oder aber in Etappen mit Übernachtungen in Santocko (Zanzin), Lipy (Lübbesee) oder Santoczno (Zanzhausen) zu empfehlen. Die Route nimmt ihren Ausgangspunkt vor dem Bahnhof (km 0,0) in Gorzów, von wo aus sie entlang der Dworcowa-Str. bis zum Denk-

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mal zu Ehren des polnischen Nationaldichters Adam Mickiewicz führt, das am 15. Dezember 1957 anlässlich seines 100-sten Todestages enthüllt wurde. Der Autor des Denkmals ist der Bildhauer Józef Gosławski, sein Werk stellt eine gusseiserne Figur des Dichter vor. Es wurde in den hiesigen Maschinenbetrieb „Gorzów“ gegossen und von den Einwohnern der Stadt gestiftet. Direkt vor der feierlichen Enthüllung des Denkmals haben die Feuerleute die Skulptur gründlich gereinigt. Man mag sich vorstellen, wie groß dann die Verwunderung war, als sich den Augen der Versammelten, nachdem die Hülle fiel, ein aus der Nase des Nationalpoeten herunterhängender, beachtlicher Eiszapfen präsentierte. Die Wanderroute führt weiter nach rechts in die Estkowskiego-Str., um hier die Verkehrsinsel am Park Wiosny Ludów (Stadtpark) zu erreichen, wo sich einst im historischen Gebäude der Öffentlichen Wojewodschaftsund Stadtbibliothek die Kommandozentrale des Marschalls der Sowjetarmee, Gieorgij Schukow, befand. Hier hielt er sich Ende März, Anfang April 1945 auf, kurz vor dem Beginn der sog. Berliner Operation, die den II. Weltkrieg beendete. An

diese Zeit erinnert heute eine an der Giebelseite angebrachte Gedenktafel. Die aus Marmor gefertigte Gedenktafel ist bei der Montage heruntergefallen und zerbrochen. Vor der feierlichen Enthüllung musste sie so geklebt werden, wovon noch bis heute Spuren zu sehen sind. Die Route verläuft weiter entlang der Kosynierów Gdyńskich-Str.. Linkseitig geht es an dem Vetoquinol „Biowet“ vorbei (1908 vom Dr. Schreiber als privates Serum-Institut, im Jahre 1946 besuchte es Premierminister Stanisław Mikołajczyk) sowie am Ende der Bohaterów Warszawy-Str., wo unter der Hausnummer 4 in den Nachkriegsjahren ein Institut für Bienenkrankheiten untergebracht wurde, das zwischen 1946 und 1956 der berühmte Wissenschaftler, Professor Stanisław Kirkor leitete. Dieser große Patriot kehrte nach dem Krieg trotz zahlreicher verführerischer Angebote der westlichen Demokratien in sein Land zurück, um hier die polnische Imkerei wieder aufzubauen. Ohne sein hierzulande berühmtes Handbuch „Die Krankheiten der Bienen“ und seinen persönlichen Einsatz für die Rettung der Bienenstöcke gäbe es in Polen vielleicht keinen einzigen Imkereibetrieb mehr. Zu seinen Ehren wurde in der Boh. Warszawy-Str. eine seine Leistungen würdigende Gedenktafel angebracht. Auf dem weiteren Weg durch die regionale Hauptstadt fahren wir am größten der Gorzówer Hotels, am „Mieszko“, vorbei, vor dem ein Spalier alter und überaus eindrucksvoller Eiben wächst. Bäume dieser Gattung gehören zu den polenweit ältesten, wobei einzelne Exemplare sogar ein Alter von etwa 1.260 Jahren aufweisen. Die gesamte Pflanze ist giftig, weswegen sie bei den Galliern als der „Baum des Todes“ galt (sie benutzten seine Säfte, um ihre Pfeile zu vergiften).

Kurz darauf, nachdem die Route hinter den Wasser- und Abwasserwerken links abbiegt, ist der Słowiański-Park erreicht. Weitere Informationen über den Park finden Sie in dem Kapitel zu anderen interessanten touristischen Objekten. Im Park geht es am Sportund Erholungszentrum (2,4 km) vorbei, etwas weiter am Sport- und Rehabilitationszentrum „Słowianka“ mit Olympia-Schwimmbecken, Kegelbahn und zahlreichen anderen Sportanlagen. Bei der Ausfahrt aus dem Park wird der städtische Radweg rechter Hand kurz verlassen, um in das offene Gelände der ehemaligen Truppenübungsplätze zu führen. Wir lassen die Ruinen der einstigen Munitionslager hinter uns und erreichen bei km 4,1 bald darauf ein auf einem Hügel gelegenes Wäldchen mit weiteren Ruinen. Der Weg führt um die Ruinen herum weiter gerade aus, inmitten einer nahezu steppenartigen Landschaft, in die Richtung des sich in der Ferne abzeichnenden Waldkomplexes. An der Stelle, wo sich zwei Hauptstraßen kreuzen, geht es nun nach rechts, um bald im Wald eine weitere Kreuzung an einer gespaltenen Weide (km 7,6) zu erreichen und dort nach links abzubiegen. Auf verzweigten Waldwegen (hier bitte auf die Markierungen achten!) erreicht der Radwanderer nun bereits die ersten Gehöfte von Santocko (Zanzin). Unübersehbar sind hier, bei km 9,3, die äußerst interessanten Holzkapellen. Auf einer asphaltierten Straße, entlang einer herrlichen Eichenallee und gemeinsam mit dem schwarz markierten Radwanderweg, führt die Route nunmehr in den Dorfkern von Santocko (das ehemalige Zanzin). Das Dorfbild prägt eine im Jahre 1909 aus rotem Backstein errichtete Kirche im Stile der Neogotik (km 12,0). Die typische, steil in den Himmel aufwärts ragende Form des auf einem Hügel erbauten neogotischen Gotteshauses wird zusätzlich vom Kirchenturm mit seiner Uhr unterstrichen.

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RADWANDERROUTEN Das gesamte Gebiet wurde bereits um das Jahr 800 v. Chr. besiedelt, wovon ein von Dietz von Beyer entdeckter Friedhof der Lausitzer Kultur zeugt. Im Mittelalter gehörte das slavische Dorf zu den Besitztümern der Santocka Kastellanei und später, um die Mitte des 13. Jh., ging es in die neu gegründete Neumark ein. Erstmalig urkundlich erwähnt wird die Ortschaft jedoch erst um die Jahrhundertwende zwischen dem 13. und 14. Jh.. In jener Zeit wurde hier bereits ein Wirtshaus betrieben. Seit dem 14. Jh. widmeten sich die Einwohner traditionell der Bienenzucht, weswegen auch heute noch zahlreiche Bienenstöcke in gesamten Dorf zu finden sind. Im 17. Jh. gründete man hier ein Vorwerk mit einer Schäferei und einem Bestand 450 Schafen. In der Zwischenkriegszeit wohnten in Santocko (Zanzin) sehr musikalische Bauern, die einen Gemeindechor begründet hatten. Nach dem II. Weltkrieg siedelte man in Santocko (Zanzin) Einwohner eines Dorfes aus der Region Polesie an. An der Straßengabelung (von wo aus nun nach rechts führend der schwarz markierte Pfad nach Mironice (Himmelstädt) und Kłodawa (Kladow) abbiegt), führt der Radweg nach links in die Kolonia Santocko und

in Der Umgebung von Gorzów Wielkopolski direkt an der „Chata za wsią“ vorbei, einem Hof, in dem ganz besondere Ferien auf dem Bauernhof angeboten werden. Entlang der Straße stehen zahlreiche beeindruckende Eichen. Hinter dem Dorfausgang überquert der Weg bei km 16,2 eine kleine Brücke über den eisenhaltigen Quellbach Marwica. Kurz darauf ist nach 17,7 km ein Knotenpunkt der Radwanderwege erreicht, an dem der schwarz markierte Verbindungspfad seinen Ausgangspunkt nimmt. Entlang der Waldstraße, über eine Brücke und Schleuse auf der Kłodawka (Kladow) gelangt man nun bei km 20,4 zu einem verwunschenem Ort, dem heute noch kaum bekannten Dorf Marzęcin (einst Marienspring). Seine Siedlungsgeschichte geht auf die Zeit der Entstehung einer Zisterziensermühle im 14. Jh. zurück. Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) bescherte der Ortschaft ein jähes Ende. Gegen Ende des 17. Jh. wurde das Dorf wiederaufgebaut, es entstanden ein Sägewerk und eine Mühle. Zum Jahresende 1782 wurden die bestehenden Gebäude durch zwei Schmieden ersetzt, in denen Eisenstäbe, Stabeisen und später auch Artilleriegeschosse, die sog. Kartätschen, sowie Weißblech hergestellt wurden. Die Schmiede wurde von einem 320 cm großen Wasserrad angetrieben. Kaum Ein Teil des Friedhofs in Marzęcin, Foto D. Adamski

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zwei Monate nach der Beendigung der Bauarbeiten kam es zu einer Katastrophe. Die Balken des hölzernen Staudammes auf dem großen Hüttensee hielten den Wasser- und Eismassen nicht mehr stand und krachten auf die gerade erst errichteten Gebäude nieder. Diese Katastrophe überdauerten lediglich zwei Wohnhäuser. Schnell entschied man sich zum Wiederaufbau und bald konnte man mit der geplanten Produktion erneut beginnen. Im Jahre 1835 wurde die Hütte dann zunächst als Papiermühle, und dann im Jahre 1860, nachdem sich diese Branche als unrentabel erwiesen hatte, als Kornmühle betrieben. Bereits seit dem Beginn des 19. Jh. verließen dann allmählich die Einwohner und in der Hütte angestellten Arbeiter die Ortschaft. Im Februar 1945 kam es auf dem Gebiet des Dorfes zu einem kleineren Zusammenstoß zwischen einer deutschen Truppe und den Soldaten der Roten Armee. Die Kampfhandlungen, und später von zwei Panzern abgefeuerte Granaten führten schließlich dazu, dass die gesamte Dorfbebauung ausbrannte. Die verlassene Brandstätte eroberte dann langsam Mutter Natur zurück. Von der Vergangenheit zeugen heute ein Fragment des verlassenen Friedhofs, einige Gedenktafeln, auf denen die Namen der Dorfeinwohner und die Geschichte der Ortschaft festgehalten wurden, sowie ein den im I. Weltkrieg auf allen Fronten der Welt gefallenen Einwohnern des Dorfes gewidmeter Obelisk. An der Uferböschung der Kłodawka (Kladow) entspringt hier die Maria-Quelle, allerdings benannt nach der Tochter von Ernst Gotthilf Ratsch, dem ehemaligen Inhaber der Mühle. Der Fluss Kłodawka (Kladow) (mit einer Gesamtlänge von 27 km) entspringt dem Karskie Wielkie-See, überquert das Gebiet der Barlinecko-Gorzowska Heide und mündet schließlich in die Warthe bei Gorzów, wo

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Naturschutzgebiet „Dębina”, Foto D. Adamski sie dem Teich im Park Wiosny Ludów Wasser zuführt. Weiter führt die Route nun ein kurzes Stück steil bergauf, danach biegt sie nach links ab und führt dann zusammen mit dem rot markierten Radwanderweg in das interessante Waldschutzgebiet „Dębina“, errichtet zum Schutz des mitteleuropäischen Laubmischwaldes. Im Baumbestand des 12,18 ha großen Schutzgebietes überwiegen Eichen und Buchen, es wurden 68 Gefäßpflanzenarten festgestellt und über 50 Arten von Baumflechten. Es handelt sich darüber hinaus um ein besonders wertvolles Rückzugsgebiet für zwei unter Schutz gestellten Insektenarten, und zwar den Hirschkäfer und den Heldbock. Für den Touristen ist es vor allem einer der letzten Orte, an denen man einen lebendigen Eindruck davon erhält, wie die sich hier einst großflächig erstreckenden Eichenurwälder aussahen. Einen halben Kilometer nach Verlassen des Naturschutzgebietes erreicht die Trasse nun Buchenwälder. An km 29,1 trifft man auf einen Waldparkplatz an der Straße von Gorzów nach Barlinek. Nachdem die Straße überquert ist, erreicht man auf einem Waldweg

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RADWANDERROUTEN die Waldsiedlung Mszaniec (Mückenhäuser). Hier im Forsthaus verbrachte seine freie Zeit der große Jäger, Schriftsteller und Umweltschutzaktivist Włodzimierz Korsak. In der Nähe steht eine denkmalgeschützte Stieleiche mit einem Stammumfang von 330 cm. Auf einer Steinpflasterstraße, dann erneut auf einem Feldweg erreicht man nunmehr bei km 33,9 die Felder von Łośno (einst: Lotzen), um direkt am Lebensmittelladen links auf eine asphaltierte Straße abzubiegen. In der Ortschaft, deren Ursprünge in das Jahr 1300 zurückreichen, wurde seit 1746 eine Glashütte betrieben. Nur zehn Jahre nach ihrer Errichtung wurde sie von russischen Soldaten ausgebrannt und im Jahre 1788 entgültig geschlossen. Von ihrer Existenz zeugt heute einzig das noch erhaltene Bürogebäude. Der Radwanderweg führt an einer neobarocken Kirche aus dem Jahre 1913 vorbei und weiter durch den Wald bis zur Lehrstation (37,3 km) des Barlinecko-Gorzowski Landschaftsparks in Lubociesz. Etwas weiter, inmitten der Wälder, liegt das malerisch von drei Seen – dem Lubieszewko (28 ha), dem Lubie-See, Foto B. Nowosielski

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in Der Umgebung von Gorzów Wielkopolski Suche (22 ha) und dem Lubie (Groß Lübbe See) (77 ha) – umgebene Dorf Lipy (Lübbesee). Die Ortschaft ist im Jahre 1730 als Siedlung mit einer Mühle gegründet worden. Heute ist dies ein gern besuchter Erholungsort, wo man in Bungalows oder auf dem Zeltplatz des ehemaligen Erholungszentrum der Textilwerke „Stilon“ übernachten kann. Vor Ort gibt es ebenso einen Kanu- und Kajak-Verleih. An der Informationstafel „Ptasi Budzik“ (Vogelwecker) beginnt ein 1,6 km langer Lehrpfad, der aus Lipy (Lübbesee) über das Tal der Santoczna (Zanziner Fließ) bis zum Suche-See führt. Nach einer gemütlichen Abfahrt zwischen zwei Seen und einem leichten Anstieg geht es von der Asphaltstraße rechter Hand in einen Waldweg (39,6 km) hinein. Der Weg führt an den Seen Chłop (Kloppsee) (58,7 ha), Lubie (Groß Lübbe See) (75,8 ha), Mrowino (Groß Mierenstubbensee) und Mrowinko (Klein Mierenstubbensee) vorbei. Dahinter (nach insgesamt 44,8 km) laufen der grün und der rot markierte Radwanderweg zusammen und führen ab dort auf einem breiten Waldweg Barlinecko-Gorzowski-Landschaftspark, Foto B. Nowosielski

zu einem umzäunten Rastplatz mit Bänken und einer Feuerstelle (45,3 km), und etwas weiter bei nun km 45,8 des Weges zu einer überdachten Hütte und Bänken. Auf dem weiteren Weg erreicht man den Knotenpunkt der Radwanderwege (46,0 km) in Santoczno (Zanzhausen). Die Ortschaft ist über der Gletscherrinne des Mrowinko-See (Klein Mierenstubbensee) (22,5 ha) und dem aus ihm fließenden Santoczna-Fluss (Zanziner Fließ) gelegen. Im Dorf befindet sich eine einschiffige Fachwerkkirche aus dem Jahre 1767 mit einem 1819 hinzu gebauten Turm. Zur Kirchenausstattung gehören Emporen, die durch den Umbau eines Lagerhauses der ehemaligen Eisenhütte entstanden sind. Direkt in der Kirche, in einem der Seitenräume, ist eine kleine Heimatstube mit einer beachtlichen Sammlung die regionale Geschichte verdeutlichender Exponate eingerichtet worden. In der hiesigen Hütte wurden Draht, Nägel und Stabeisen hergestellt, im Jahre 1785 sind hier sogar einige Elemente der ersten deutschen Dampfmaschine entstanden, die Grundlage bildete jedoch die Herstellung von Kartätschen, insbesondere in der Zeit der napoleonischen Kriege. Vor Ort wurden auch Bleche verzinkt und geschliffen. Erwähnenswert ist daneben, dass die Hütte bereits im 18. Jh. einen eigenen Chirurgen besaß. Lässt sich diese Tatsache vielleicht darauf zurückführen, dass die Unfallquoten damals so hoch lagen? Zum Andenken an die Hütte wurde 2005 vor der Kirche ein Findling mit einer Tafel aufgestellt, auf der ein gusseisernes Model der ersten deutsche Dampfmaschine festgehalten wurde. Unweit der Brücke und des „Wasserfalls“ auf dem Santoczna (Zanziner Fließ) befindet sich ein kleines Lapidarium aus Grabsteinen des alten deutschen Friedhofs. Daneben steht ein klassizistisches Gebäude aus dem 19. Jh. mit

einem Walmdach. Es handelt sich hierbei um das ehemalige Pfarrhaus, das im 20. Jh. um einen weiteren Flügel erweitert wurde. Im II. Weltkrieg konzentrierten sich die Kräfte der II. Armee auf eben diesem Gebiet. Zusammen mit dem rot markierten Pfad verlässt die Trasse nun das Dorf und lässt bei km 46,9 linker Hand Fischzuchtteiche hinter sich. Linksseitig trennt sich der rot markierte Wanderpfad von dem grünen Radwanderweg. Auf einem Waldweg geht es weiter zu einem wundervoll auf einer Landenge zwischen den Seen Jeż und Ostrowite (Groß Osterwitzsee) gelegenem Parkplatz (49,0 km), um kurz darauf eine Eichengruppe zu erreichen, wo er wiederholt den rot markierten Wanderweg kreuzt. Weiter geht es nun durch einen Wald, am Forsthaus vorbei bis zu einer weiteren Eichengruppe (51,8 km). Dort angekommen ist direkt neben der Wegmarkierung, die nun nach links weist, ein großer Ameisenhügel zu bewundern, einen Kilometer weiter überquert die Radwanderroute eine kleine Brücke auf dem Fluss Srebrna (Silber Fließ). Am Gebäude der ehemaligen Försterei (hier laufen der schwarz markierte Wanderpfad und der ebenfalls schwarze Radwanderweg zusammen) folgen wir der Route links herum (53,4 km), um dann rechter Hand hinter der Ruine, nach Überquerung einer zweiten Brücke über die Srebrna (Silber Fließ) den Waldrand direkt am Schießplatz an der Srebrna (Silber Fließ), „Trap“ genannt, zu erreichen. Dem Weg durch die Felder folgend erreicht man nach 55,9 km Wegstrecke Wojcieszyce (ehemals Wormsfelde), ein Dorf am bereits im Jahre 1337 urkundlich erwähnten, 8,6 ha großen Wojcieszyckie-See (Wormsfelder See). Diese alte Ortschaft aus dem 9. bis 12. Jh. gehörte im Mittelalter zu den Besitztümern der Rittergeschlechter von Lossow, von Rak und von Strauss. Später ging es in das Besitz-

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RADWANDERROUTEN tum der Adelsfamilien Marwitz und Hohenzollern über. Im Ortskern steht eine interessante spätromanische Kirche, die aus Granitstein im 13. Jh. errichtet wurde. Der einschiffigen Kirche auf dem Grundriss eines Vierecks wurde im Jahre 1705 ein Turm hinzugefügt. Zur Kirchenausstattung gehörte bis 1945 u.a. ein historischer gotischer Kelch aus Silber. Sein Schicksal ist heute jedoch unbekannt, vielleicht wurde er fortgeschafft, vielleicht gestohlen und vielleicht liegt er auch noch irgendwo in seinem Versteck und wartet auf „bessere Zeiten“? Von der Innenausstattung ist bis heute eine auf acht Pfeilern gestützte Orgelempore sowie ein neogotisches Taufbecken aus Eichenholz, verziert mit einem Relief mit Eichenblattmotiv, erhalten geblieben. Der Altar sowie die vor der Kirche stehende Figur stammen vom Bildhauer Karol Gierliński-Parno, der in den 90-er Jahren in Wojcieszyce (Wormsfelde) wohnte. Heute ist der gebürtige Roma Abgeordneter im Internationalen Roma-Parlament in Wien und nach Gorzów verzogen. Durchaus sehenswert ist ebenfalls das nahezu zweihundert Jahre alte historische Gebäude mit der Hausnummer 45, das aus den ersten Jahren des 19. Jh. stammt. Auf den Feldern dieser Ortschaft wurde 1975 ein einzigartiger Schatz gefunden: 248 mittelalterliche Geldmünzen, Denare, Obolen und Brakteaten, die in der zweiten Hälfte des 13. Jh. dort vergraben worden waren. Entlang einer Apfel- und Birnbaumallee inmitten der Felder geht es in Richtung des sich an dieser Stelle des Weges bereits am Horizont abzeichenden Gorzów (Stadtteil „Manhattan“, Fertighausfabrik, Schornsteine des Heizkraftwerkes Gorzów AG), um schließlich bei km 59,4 inmitten der Schrebergärten an die Kreuzung mit der Srebrna-Str. zu gelangen. Hier kreuzt auch der gelb markierte Radwanderweg zwischen Kłodawa (Kladow), Man-

in Der Umgebung von Gorzów Wielkopolski hattan, Wawrów (Lorenzdorf) und Czechów (Zechow) den Weg. Die Route führt an dieser Stelle zunächst nach rechts, gleich darauf nach links in die Dekerta-Str. und dann noch einmal nach links in die Czartoryskiego-Str.. Zur Rechten befindet sich der anlässlich des 750. Stadtjubiläums neu errichtete Park mit einem entsprechenden Gedenkstein. Im Oktober 2006 pflanzten hier die Gorzówer Einwohner u.a. 30 wunderschöne Katalpen. Auf Initiative des Vorsitzenden der Neuen Gesellschaft für Stadtverschönerung, Bożydar Bibrowicz, ist für das Jahr 2008 geplant, eine Allee mit Findlingen zu errichten, die den berühmtesten Einwohnern der Stadt gewidmet werden sollen. Auf den Steinen werden kleine Tafeln aus Bronze angebracht, auf denen ein kurzer Text über die jeweilige Persönlichkeit zu lesen sein wird. Über die Kreuzung geht es nunmehr auf geradem Wege weiter bis zur Piłsudskiego-Str. und zur großen Verkehrsinsel, von wo aus eine steile Abfahrt zur Wyszyńskiego-Str. (nach 62,7 km) führt, um direkt dahinter nach links abzubiegen und zusammen mit dem schwarz markierten Radwanderweg rechtsseitig an einem Kornelkirschen-Baum und linksseitig an einer Jugendherberge vorbei zu führen. Weiter geht es in die Borowskiego-Str., in der sich an der ehemaligen Mühle aus dem Jahre 1821, die auch Fernemühle genannt wird, ein rekonstruiertes altes Mühlenrad befindet. An der Kreuzung, bei km 64,1, führt die Route nach links in die Dąbrowskiego-Str., entlang der es hier in Richtung der Brücke über die Kłodawka (Kladow) geht, vor der die Route rechts in die Łokietka-Str. abbiegt. Linker Hand erhebt sich eine Schwarzpappel von ganz beträchtlichen Ausmaßen (stolze 660 cm im Umfang und 37 m in der Höhe), der größte Baum in der Stadt. Achtung! Hier müssen die Straßenbahnschienen überquert werden. Kurz darauf kann

auch kurz in der Bar „Bartosz“ an einer weiteren Kreuzung zu einer Erfrischung eingekehrt werden. Über den Fußgängerübergang geht es weiter in Richtung des Parktores (Park Wiosny Ludów, 4,78 ha). Im Park wurden herrliche Alleen mit Rot­ blühenden Rosskastanien oder Platanen angelegt, zur linken Hand erstreckt sich ein künstlicher Teich mit einer von Stockenten besiedelten Insel. Hier empfiehlt es sich auf einer von Rosenstöcken umgebenen Bank eine Rast einzulegen und nach so seltenen Baumarten wie dem Geweihbaum, der Weigelie oder dem Schnurbaum Ausschau zu halten. Wieder unterwegs geht es zunächst in die Sikorskiego-Str., die sogleich überquert (64,9 km) wird und weiter erst einmal in die Garbary-Str., dann vor dem Eisenbahnviadukt nach rechts, um schließlich zurück an den Ausgangsort am Knotenpunkt der Radwanderwege am Bahnhof in Gorzów (65,4 km) zu gelangen.

Radwanderroute Nr. 3 Routenverlauf: Gorzów – Zawarcie – Ciecierzyce – Borek – Brzozowiec – Glinik – Orzelec – Bolemin – Płonica – Koszęcin – Niwica – Zawarcie – Gorzów Routenmarkierung: grün Gesamtlänge: 51,4 km Der ebenfalls grün markierte Radwanderweg verläuft hauptsächlich entlang der Hochwasserdeiche an der Warthe und durch den Gorzówer Talkessel. Es handelt sich auch hier um eine sehr lange Route, die ebenso bequem in zwei Abschnitten von zunächst 27,0 km und dann 24,8 km zu bewältigen sein kann. Der Ausgangs- und Zielpunkt im Falle einer Teilung der Route liegt dann am Bahnhof in Deszczno (Dechsel).

Der Ausflug beginnt bereits traditionell vor dem Bahnhof in Gorzów (0,0 km), an der Informationstafel mit dem Überblick über die touristischen Wander- und Radwanderwegen. Am Denkmal zu Ehren der Pioniere der Eisenbahn, der von der Bahnbelegschaft in Gorzów im Jahre 1985 gestiftet wurde, geht es zunächst in die Składowa-Str. hinein, wobei rechter Hand ein historischer Wasserturm zu erblicken ist, ein hundert Jahre altes Gebäude mit drei Stockwerken, einem achteckigen Grundriss und einem ebensolchen Dach. Der Weg führt weiter über eine kleine Brücke über die Kłodawka (Kladow) (in der Nähe ihrer Mündung in die Warthe), und dann unter dem Bahnviadukt hindurch nach rechts (0,3 km) und sofort wieder nach links. Entlang des Weges befindet sich das außerordentlich schmuck renovierte Gebäude der ehemaligen Lagerhallen von Max Bahr (heute Bürohaus Wildom), gleich danach erreicht die Strecke den ganzen Stolz der Stadt, die herrliche Warthepromenade. Entlang der Promenade nun weiter bis zur Brücke über die Warthe, die auch überquert wird. Hier, zur Rechten, erhebt sich imposant der 200 Jahre alte Speicher, wo heute das „Warthe-Museum“ (1,0 km), ein Teil der Gesamtanlage des Lubuskie Museums, seinen Sitz hat. Vor seinem Eingang wurde das gigantisches historische Schwungrad eines dampfbetriebenen Sägewerkes aufgestellt. Nach einer Museumsbesichtigung, so der geneigte Besucher möchte, geht es weiter über den Fußgängerübergang zur Brücke zurück und weiter am Fluss entlang in östliche Richtung, bis am Zusammenlauf der Straßen Grobla und Wał Okrężny, die von der Rotblühenden Rosskastanie umsäumt ist, die Silhouette des Roten Speichers (nähere Beschreibung siehe Besichtigungstour Nr. 3) erscheint. Zur Rechten führt der Weg an einem Gebäude der Gorzówer Niederlassung der Polnischen

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RADWANDERROUTEN Tourismusgesellschaft PTTK vorbei, um schließlich an die im Jahre 1876 im eklektischen Stil erbauten Villa Hermann Pauksch´s (2,0 km), in der sich heute das Städtische Kulturhaus befindet, zu gelangen. Die Villa umgibt ein schöner Park mit Platanen, Eichen, Ahorn-Bäumen, Eschen und Linden sowie einem Springbrunnen, den eine Skulptur spielender Kinder ziert. Die Weiterfahrt geht nun direkt am Hochwasserschutzdeich entlang, unter der Warthebrücke Lubuski-Brücke, am alten Hafen, wo einst Flusskähne andockten und heute eine Reparaturwerft ihren Betrieb aufgenommen hat, nach 3,3 km ist auch die Brücke am Entlastungskanal erreicht. Auch diese Brücke bitte überqueren, direkt dahinter führt die Radwanderweg nach links in Richtung des Deiches. Zur Linken erstreckt sich ein weites, wahres Postkartenpanorama von Gorzów mit seinen Kirchtürmen, wie zum Beispiel dem verklinkerten Turm der König-Christus-Kirche (einst Luther-Kirche) und der neoromanischen Kirche des Heiligen Kreuzes sowie den Schornsteinen des Heizkraftwerkes und dem Mast der Sende- und Empfangstation an der Podmiejska-Str..

in Der Umgebung von Gorzów Wielkopolski Auf dem weiteren Weg geht es rechter Hand am Wasserwerk (6,8 km) vorbei. Der Deich, auf dessen Krone die Route nun führt, ist mit alten Weiden bewachsen, die der gesamten Umgebung einen besonderen Charme verleihen. Hier befindet sich das Reich der Elstern und Dohlen. Am anderen Ufer tauchen bereits die Wohnhäuser und die Kirche von Czechów (8,0 km) auf, und etwas weiter, kurz vor einer Kreuzung bei km 13,8 ist dort der Aussichtsturm in Santok (Zantoch) gelegen. An der Kreuzung beginnt ebenso der schwarz markierte Radwanderweg, der von hier aus in nördliche Richtung verläuft, um schließlich zur Fähre in Santok (Zantoch) zu geleiten. Der grün markierte Radwanderweg führt jedoch weiterhin auf dem Deich entlang, um ihn dann im Dorf Borek (vormals Borkow) zu verlassen. Die Ortschaft wurde bereits um das Jahr 600 von slawischer Bevölkerung besiedelt. Gegen Ende des 13. Jh. ist die Siedlung in die Besitztümer des polnischen Ritters Mikołaj Borko eingegangen, danach verblieb sie in den Händen eines gewissen Beniamin Namkanow, der sie im Jahre 1335 an den Gorzówer Bürgermeister Bünschen weiterverkaufte. Über viele Speicher – Niederlassung des Lubuskie-Museums, Foto T. Jocz

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Jahrhunderte hinweg gab es Streitigkeiten um die Zugehörigkeit der Ortschaft zum polnischen Staatsgebiet, bis das Dorf im Zuge der Hussitenkriege im 15. Jh. von der polnischen Reiterei unter der Fürhung Stanisław Ostrorógs niedergebrannt wurde. An einer neobarocken Kirche aus dem Jahre 1906, die an der Stelle der alten aus dem 18. Jh. stammenden Kirche errichtet wurde und in deren Turm sich eine Glocke aus dem Ende des 16. Jh. befindet (16,3 km), führt die Route auf eine asphaltierte Straße hinaus. Etwa einen halben Kilometer hinter dem Dorfausgang, gleich gegenüber der Försterei, wurde ein Rastplatz angelegt. Etwas weiter befindet sich das Fußballfeld des hiesigen Sportklubs „Korona“. Hier geht es nun in den Wald hinein, wo sich an der linken Straßenseite die Bungalows des ehemaligen Verbandes der polnischen sozialistischen Jugend befinden. An der Straßenkreuzung (km 18,5) verlässt der Weg den Wald wieder und erreicht auf geradem Wege inmitten der Felder den Ortskern von Brzozowiec (zu deutsch: Berkenwerder), einem Dorf, welches schon vor 1347 dem polnischen Ritter Mikołaj de Jago gehörte. Das verlassene, vielleicht auch mutwillig zerstörte Dorf besiedelte der Landsberger Magistrat in der zweiten Hälfte des 18. Jh. mit hauptsächlich deutschen Kolonisten aus polnischen Gebieten. Im Dorf geht es zunächst nach rechts, dann neben der Kirche nach links (20,7 km), wo die Landesstraße Nr. 3 überquert wird. Weiterhin führt die Route auf einem Feldweg wiederum in Richtung Wald, überquert eine kleine Kreuzung (der nicht ausgeschilderte Feldweg nach links führt zum Bahnhof, der in einer Entfernung von etwa 200 m gelegen ist), dann einen Bahnübergang, führt schließlich in den Wald hinein und nach insgesamt 24,6 km weiter zu einer asphaltierten Straße in der Ortschaft Glinik (Altensorge).

Sollte Ihre persönliche Routenplanung eine Teilung des Weges in zwei Abschnitte vorsehen, so können Sie hier nach rechts abbiegen, um über Maszewo (Massow) an den 2,9 km entfernten Bahnhof in Deszczno (Dechsel) zu gelangen. Richtet man sich an diese Stelle allerdings nach links, so gelangt man nach 2 km an eine unbewachte Badestelle am Glinik-See (Bestiensee). Glinik (ehemals: Altensorge) ist eine alte slawische Siedlung, deren älteste bekannte Name „Glinick“ aus dem Jahre 1319 stammt. Einer Legende zufolge hütete der nahegelegene Räuberberg in seinem Inneren Schätze. Sie sollen dort von einem mittelalterlichen Ritter – dem Besitzer des Dorfes – versteckt worden sein, der entgegen dem ritterlichen Eid Kaufleute überfiel, wehrlose Menschen ermordete und ausraubte. Für diese Missetaten soll er jetzt dazu verbannt sein, seine einstigen Schätze bis an das Ende der Welt zu bewachen. 8 Tage vor seinem Tode (die Quellen geben den 06.08.1319 an) schenkte Markgraf Waldemar das Dorf dem Landsberger Stadtrat. Die Ortschaft ist vermutlich im Jahre 1326 vom polnischen König Władysław Łokietek während seines Feldzug gegen die Neumark zerstört worden. Wiederaufgebaut besaß das Dorf nun eine Mühle. Etwas später gründete die Stadt Landsberg dort ein Vorwerk, im 17. Jh. wurde auch ein Sägewerk und ein Hirsestampfer errichtet. Im Jahre 1763 lies Friedrich II. das Vorwerk zu einer Kolonie ausbauen – was im Übrigen einer Befreiung der Einwohner vom Frondienst gleichkam –, woraufhin sich 16 Kolonistenfamilien an diesem Ort ansiedelten. Im Jahre 1797 wurde die erste Fachwerkkirche errichtet. Sie fiel einem Brand zum Opfer, und so baute man gleich im Jahre 1896 eine neue und bis heute erhaltene Kirche. In der Zwischenkriegszeit diente das Dorf als beliebtes Ausflugsziel für Gäste aus

3 Radwanderroute Nr. 3.

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RADWANDERROUTEN Berlin. Ihre Bedürfnisse nach Erholung stillten u.a. einige Restaurants, eines davon wurde sogar auf Pfählen mitten auf dem naheliegenden See Glinik, den man damals Bestiensee nannte, errichtet. Während des II. Weltkriegs wurde hier ein Kurhaus für Offiziere der Luftwaffe eröffnet, das gegen Ende des Krieges dann als Lazarett fungierte. Als die Rote Armee einmarschierte, sollten sich dort noch Kranke und Verwundete aufgehalten haben. Gegenwärtig befindet sich in der Nähe des Platzes, an dem einst das Kurhaus stand, ein Zentrum für Erholung und Hippotherapie in einem neuen Landgasthof. Die Besitzer planen hier die Errichtung eines Rehabilitationszentrums für Opfer von Straßenunfällen und anderen Schicksalsschlägen. Der weitere Weg führt geradeaus in Richtung der im Dorfkern gelegenen Kirche (24,9 km). In zweihundert Metern Entfernung stellte die Oberförsterei zwei interessante Lehrtafeln auf: eine zum Thema der „Nahrungsnischen der Vögel“, die zweite zum sog. „Vogelwecker“. Weiter geht es auf Waldwegen, bis bei km 27,4 an der Bushaltestelle der Stadtwerke die Ortschaft Orzelec (das ehemalige Kattenhorst) erreicht ist. Das Dorf wurde im Jahre 1770 von deutschen Kolonisten, die hauptsächlich aus den polnischen Gebieten stammten, besiedelt. Im Jahre 1946 wirkte auf dem Gebiet des Dorfes eine kleine Gruppe der polnischen Heimatarmee, die „AK-Grom“. Sie hatte den Ortsvorsteher des nahegelegenen Kołczyn sowie seine Familie ermordet. Im Ortskern erhebt sich eine denkmalgeschützte Eiche mit einer beeindruckenden Krone. Die Route führt nunmehr auf einer Asphaltstraße nach Bolemin (einst Blockwinkel). Spuren der Besiedlung dieses Gebietes reichen in die Bronzezeit zurück (1.300 - 300 v. Chr.). An der Kreuzung wird die Landstraße Nr. 22 überquert, vor dem Eisenbahnübergang ist nach

in Der Umgebung von Gorzów Wielkopolski insgesamt 32,4 km die nächste Sehenswürdigkeit dieser Route erreicht: eine Fachwerkkirche (heute ist sie allerdings verputzt…) aus dem Ende des 18. Jh.. Die Bauplanung ging auf die Zeit der Besiedlung der Ortschaft zurück, Architekt der Kirche war F.U. Krause. Auf dem weiteren Wege erreicht der Radwanderer bei km 33,5 nun die Kreuzung in Płonica (vormals Plonitz). Die im Jahre 1616 unternommenen ersten Versuche, dieses Gebiet mit 9 holländischen Familien zu besiedeln, sind auf Grund eines Hochwasserereignisses sowie der Verwüstungen, die der 30-jährige Kriege nach sich zog, gescheitert. Der zweite Versuch, dieses Fleckchen Erde urbar zu machen, war dann aber von Erfolg gekrönt. Auf Geheiß Preußenkönigs Friedrich des II. ließen sich hier noch vor dem Jahr 1757 Siedler polnischer und deutscher Herkunft nieder. Im Dorf befindet sich ein Geschäft sowie eine Bushaltestelle, bereits geradezu typisch ist die weitere, denkmalgeschützte Eiche. Die asphaltierte Straße wird an dieser Stelle verlassen, entlang eines Feldweges erreicht man nach nunmehr 35,6 km den Deich, von dessen Krone aus erneut eine herrliche freie Sicht auf die Überschwemmungsgebiete der Warthe mit ihren malerischen Weiden, Eichen und Pappeln nicht nur den Naturliebhaber erfreut. Auf der Deichkrone geht es am Pumpwerk vorbei und gelangt kurz darauf, an einem einsamen Gehöft (39,5 km) mit einer Eichengruppe an einen Knotenpunkt der Radwanderwege. Hier nimmt der gelb markierte Radwanderweg über Karnin (Kernein) und Deszczno (Dechsel) nach Borek (Borkow) seinen Ausgangspunkt. In Niwica (Gürgenaue) befindet sich das nächste Pumpwerk (42,0 km), kurz später ist bei km 42,6 eine malerische Grauerlen-Gruppe erreicht. Die Route nähert sich wiederum Gorzów, vom Deich aus ist ein sehr schönes Panorama der Stadt – hier mit den das Stadtbild

überragenden gelben Gebäuden der alten Kasernen – zu erhaschen. Eine asphaltierte Straße (45,3 km), die hier nach links verläuft, führt über den Entlastungskanal zum Bahnübergang vor der Brücke. Weiter geht es geradeaus zur Brücke über den Entlastungskanal (46,2 km), wo sich die Schleife des grün markierten Radwanderweges schließt. Das Stadtzentrum von Gorzów (47,6 km) ist nun nach links, entlang der Grobla-Str. zu erreichen.

Radwanderroute Nr. 4 Routenverlauf: Gorzów – Czechów – Santok – Tal der Polka – Górki Noteckie – Naturschutzgebiet „Zdroiskie Buki” – Santoczno – Kłodawa Routenmarkierung: blau und rot Gesamtlänge: 48,8 km Ein zunächst blau, dann rot markierter Radwanderweg, der entlang der Flusstäler der Warthe, Netze und der Polka sowie durch die Wälder der Gorzówer-Heide verläuft. Der erste Abschnitt ist landeskundlich besonders interessant, der zweite dagegen bietet herrliche Landschaften und einmalige Naturerlebnisse. Versprochen!

Die Route nimmt traditionell am Bahnhof in Gorzów (0,0 km) ihren Ausgang und führt entlang der Składowa-Str. in östliche Richtung. An der ersten Kreuzung verläuft der Weg hier nach rechts und weiter entlang der Nadbrzeżna-Str. und der schönen neuen Flusspromenade in Richtung der Brücke über die Warthe. Jenseits des Flussufers steht auf einer Ufer-Terrasse ein historischer Kutter. Das Panorama beherrschen jedoch die Fluten der Warthe und das Gebäude des zweihundert Jahre alten Speichergebäudes. Derzeit beherbergt es das Warthe-Museum mit einer Sammlung moderner Kunst sowie Exponaten aus der bewegten Stadtgeschichte. Erneut unter dem Viadukt geht es in die Spichrzowa-Str. hinein, und nach der Überquerung der Landesstraße Nr. 3 weiter in die Cichońskiego-Str. sowie nach einer Biegung nach rechts in die Teatralna-Str. hinein. An dieser Stelle lohnt es sich kurz anzuhalten (1,7 km), um ein denkmalgeschütztes Exemplar des Gemeinen Efeu (40 cm im Umfang und etwa 6 m hoch), das sich an einer historischen Mauer empor rankt, in Ruhe bewundern zu können. Im weiterem Verlauf der Straße ist ein nach Ende des I. Weltkriegs umgebautes neoklassizistisches Gebäude aus dem 19. Jh.

3 Radwanderroute Nr. 4.

Radwanderroute Nr. 3.

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Ruinen der Holländer-Mühle, Foto D. Adamski

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RADWANDERROUTEN besonders sehenswert; heute hat hier das Juliusz-Osterwa-Theater seinen Sitz. Auf geradem Wege erreicht man nach 2,6 km Wegesstrecke die Verkehrsinsel „Santockie“, an dem die Route nun nach rechts in die WarszawskaStr. hinein verläuft. An der Warszawska-Str. sind zwei denkmalgeschützte Ahornblättrige Platanen mit einem Stammumfang von 375 cm und nahezu 30 m Höhe durchaus bewundernswert. Auf dem weiteren Wege geht es bis zum Eisenbahnviadukt (4,4 km), um dann bereits entlang der Warthe (7,2 km) Czechów (zu deutsch: Zechow) zu erreichen. Es handelt sich hierbei um eine Ortschaft mittelalterlicher Herkunft, deren Namensgebung angeblich auf tschechische Soldaten zurückgehen soll, die Herzog Mieszko I. bei seinen Kämpfen um die Odermündung zu Seite standen und sich nach der Beendigung der Kriegszüge hier im 10. Jh. niedergelassen haben sollen. Im Dorf befindet sich eine gemauerte Kirche aus dem 19. Jh.. Die mittelalterliche Herkunft bestätigt eine erhalten gebliebene Siedlung aus dem 10. Jh., die etwa 400 m nordöstlich vom heutigen Dorf entfernt liegt. Die deutsche Erklärung des Namens geht deutschen Historikern zufolge auf das slawische Wort „cec“ zurück, das „weibliche Brust“ bedeutet und soll die Fruchtbarkeit des hiesigen Bodens symbolisieren. Die erste schriftliche Erwähnung findet das Dorf in einer vom großpolnischen Herzog Władysław Odonic ausgestellten Schenkungsurkunde, in der im Jahre 1238 der Templerorden mit den Zechower Besitztümer beliehen wird. Nach 1250 geraten Czechów (Zechow) wie auch der gesamte Landstrich in das Herrschaftsgebiet der Brandenburgischen Markgrafen, die 10 Jahre später die Freigabe des Dorfes vom Orden auf dem Wege eines Tauschgeschäftes erzwingen. Ab den 30-er Jahren des 14. Jh. befindet sich das Dorf in den Hän-

in Der Umgebung von Gorzów Wielkopolski den wechselnder polnischer und deutscher Rittergeschlechter, um schließlich 1475 in die umfangreichen Landsberger Besitztümer einzugehen. Seit dem Mittelalter bis hin zum 18. Jh. gingen die hiesigen Einwohner der Fischerei nach und widmeten sich nur im geringen Maße der Landwirtschaft. Im Tausch für das Fischereirecht wurden sie mit der Pflicht belegt, am Landsberger Marktplatz Fische zu verkaufen. Infolge eines Blitzeinschlags im Jahre 1834 fiel ein großer Teil der Ortschaft dem Brand zum Opfer. Nach dem II. Weltkrieg wurde der Einheimische Kmiecik, der seit 1907 im Ort wohnte, zum ersten Ortsvorsteher ernannt. Hinter dem Dorf beginnt ein gut und sicher befahrbarer Radweg. Linksseitig, an der steilen Böschung des Wartheufers, ragen die Ruinen einer Holländermühle (8,5 km) empor, die im Jahre 1843 ein reicher Bauer namens Wunnicki errichtete, ein kegelförmiges Gebäude aus rotem Backstein mit einem Umfang von 8 m am Fundament und einer Höhe von etwa 9 m. In den Innenraum führen drei Eingänge. Zwischen die oberen Etagen wurden Balkendecken eingezogen. Das Gebäude krönt eine aus Holz gefertigte und bewegliche Haube mit dem Flügelkreuz, die bequem in den Wind gestellt werden konnte. In ihren besten Jahren arbeitete sie an etwa 100 Tagen im Jahr und mahlte bis zu 1 Tonne Getreide am Tag. Zu Beginn der Zwanziger Jahre brach ein furchtbarer Sturm einen Flügel ab, im Laufe der Zeit wurde das Gebäude in das deutsche Denkmalregister als technisches Denkmal aufgenommen. Nach dem Krieg verfiel sie zunehmends und dient heute als Übungskletterwand für den Gorzówer Alpinistenverein. Hier an dieser Wand unternahm u.a. die lokale Berühmtheit Sylwia Bukowicka, Besteigerin des Cho Oyu (8.201 m über NN) und des Gasherbrum II (8.035 m über NN), ihre ersten Klettertouren.

Der ausgewiesene Radweg endet an einer ganz hervorragend ausgestatteten Raststätte (9,7km) mit überdachter Hütte, Bänken, Tischen und einer Feuerstelle. Im weiteren Verlauf geht es an den Ruinen zweier aus Stahlbeton errichteter Bunker (10,2 km), Zeugen des II. Weltkrieg, vorbei: sie überwachten einst die Flussschifffahrt auf der Warthe. Santok (das einstige Zantoch) ist nach 11,7 km erreicht. Das typische Straßendorf Santok (Zantoch) ist an der Mündung der Netze in die Warthe gelegen, seine Ursprünge reichen bis in das 8. Jh. zurück, als an dieser Stelle bereits eine Siedlung existierte. Der Name geht auf das altslawische Wort „sątok” zurück, was den Zusammenlauf zweier Flüsse bedeutet. Seit dem 10. Jh. war dies eine strategisch wichtige Wehranlage, die die Gebiete der Polanen vor den Angriffen der Pommeraner und später der Brandenburger schützte, weswegen es der berühmte polnische Chronist, Gallus Anonimus, „Schlüssel und Feste des Polnischen Königreichs“ nannte. Seit dem 12. Jh. war Santok (Zantoch) Sitz einer Kastellanei. Die Ehrenwürde eines Santoker Kastellanen wurde bis zur Zweiten Teilung Polens, also bis 1793, verliehen. In Santok (Zantoch) kam es im Jahre 1124 zum Treffen

des Santoker Comes Pawlik und des Bischofs des Hl. Otton mit dem Pommerschen Herzog Warcisław vor der geplanten Christianisierung Pommerns. Aufgrund seiner strategischen Lage am Zusammenlauf der Flüsse und damit der Handelswege zu Wasser und auf dem Lande bildete Santok (Zantoch) den Ausgangspunkt zahlreicher politischer wie auch bewaffneter Konflikte, was wiederum zu seiner völligen Zerstörung und schließlich zur massenhaften Flucht der Bevölkerung der Ortschaft führte. Aus diesem Grund, wie auch wegen zahlreicher Überschwemmungen im 16. Jh., verlor Santok den Status einer Kleinstadt und ist heute trotz seiner bewegten Historie ganz „gewöhnlicher“ Hauptort der gleichnamigen Landgemeinde mit dem Sitz der Gemeindeverwaltung. Die Eigentümer von Santok (Zantoch) wechselten sehr häufig. Mal waren es die herrschenden Adelsgeschlechter, dann wieder unterschiedlichste Rittergeschlechter, und nicht zuletzt auch der Deutsche Orden. Mit der näheren Geschichte dieser Siedlung kann man sich im Burgmuseum Santok (Zantoch) bekannt machen. Dort werden Artefakte präsentiert wie auch Ergebnisse der archäologischen Ausgrabungen, die bereits deutsche Forscher durch-

3 Radwanderroute Nr. 4.

Radwanderroute Nr. 4.

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Rekonstruktion der Burg im Burgmuseum Santok, Foto D. Adamski

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Gesicherte Mauer eines Bunkers in Santok, Foto D. Adamski führten und auch von polnischen Archäologen fortgesetzt wurden. Der Beweis dafür, dass es im Verlauf der Zeit an diesem Ort sogar 12 nacheinanderfolgende Wehrsiedlungen bzw. Wehrburgen gab, führte schließlich dazu, dass Santok (Zantoch) den durchaus ehrenvollen Namen „Troja des Nordens“ erhielt. Gegenüber des Museums befindet sich eine Anlegestelle, von wo aus eine Fähre die Besucher zu der archäologischen Ausgrabungsstätte befördert (in Betrieb ist sie zwischen Frühling und Herbst von 8.00 Uhr morgens bis zur Abenddämmerung). Dort sind die Überreste der mittelalterlichen Wehrsiedlungen aus dem 10. bis 15. Jh. zu besichtigen. Auf dem Gebiet der Burg war einst ein Friedhof gelegen, in dessen Zentrum bereits im 12. Jh. die romanische hl. Andreas-Kirche mit einem gemauerten Turm erbaut wurde. Wahrscheinlich war dies das erste gemauerte Gebäude auf diesem Gebiet überhaupt, sie bildete gleichzeitig den Sitz des Santocher Präpositus (Probstes). Entlang der Route taucht nun der Fachwerkglockenturm einer heute nicht mehr erhaltenen, den Dokumenten zufolge ehemals mit einem Walmdach bedeckten Kirche aus dem Jahre 1725

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in Der Umgebung von Gorzów Wielkopolski am Horizont auf. Die Kirche wurde Mitte des 19. Jh. im Zusammenhang mit dem Bau der Eisenbahnverbindung zwischen Berlin und Königsberg abgetragen. Das Erscheinungsbild des Dorfes prägt ein 1936 errichteter, steinerner Aussichtsturm, der als „Denkmal des Deutschtums“ dieser Region gelten sollte. Zuvor wurde an gleicher Stelle zu Beginn des 12. Jh. eine kleine Wehrsiedlung der Pommern errichtet, die bereits bei Gallus Anonimus Erwähnung fand. Dem Bericht des berühmten Chronisten zufolge wollten die Pommern nach dem Sturm Bolesław Krzywoustys nicht länger warten, bis er mit verstärkten Kräften wiederkehren würde und zogen es vor, ihre kleine Burg selbst dem Erdboden gleich zu machen. Eine weitere Wehranlage an gleicher Stelle bildete ein Bergfried der Kreuzritter, der noch vor 1437 erbaut und im Jahre 1454 von den Landsberger Bürgern während ihres Aufstandes gegen den Orden in Schutt und Asche gelegt wurde. Der dort heute gen Himmel ragende Turm wurde erbaut, um Besuchern die Ergebnisse der von deutschen Archäologen in den 30-er Jahren des 20. Jh. geführten Ausgrabungen besser präsentieren zu können. Von hier aus erstreckt sich nunmehr eine herrliche Aussicht auf Santok (Zantoch), die Überreste der Wehrsiedlung sowie auf das Urstromtal und ein Tal des Höhenzugs. Gegenwärtig befindet sich der Turm in privaten Händen: er gehört dem Gorzówer Künstler Jerzy Gąsiorek. Im Inneren wurde eine interessante Ausstellung von Assemblagen des Künstlers eingerichtet, die der Turmbesitzer, insoweit er daheim ist, auch gerne seinen Besuchern zeigt. 1910 wurde in den Warthesümpfen bei Santok (Zantoch) ein mittelalterliches Schwert aus dem 13. Jh. gefunden, das aller Wahrscheinlichkeit nach dem tschechischen König

3 Radwanderroute Nr. 4.

RADWANDERROUTEN

Radwanderroute Nr. 4.

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Rapsfelder, Foto D. Adamski Przemysł Otokar II. gehörte. Heute fällt es den Historikern schwer eine fundierte Hypothese zu wagen, welches Schicksal nun ausgerechnet dazu führte, dass es gerade hier aufgefunden wurde, zumal es seit dem Ende des II. Weltkriegs erneut verschollen bleibt. Auf den Feldern um Santok (Zantoch) wurde 1948 noch ein weiteres „mit Silber besetztes, eisernes Piasten-Schwert“ entdeckt. Gegenwärtig befindet es sich in der Sammlung des Lubuskie Museums in Gorzów In der Nähe der Straßenbrücke befindet sich eine Anlegestelle sowie ein Kai und ein Zeltplatz. Der Radwanderweg überquert nun am Gebäude des ehemaligen Gasthofes die Landstraße Nr. 158 zwischen Gorzów und Drezdenko (13,8 km). Die Route führt hier in Richtung des Hauptbahnhof in Santok, wobei es noch vor dem Gebäude, bei km 14,4 nach rechts in das Tal der Netze und der Polka hinein geht, um unmittelbar darauf nach links, nunmehr wieder entlang des Deiches abzubiegen. Das offene und weitläufige Gelände im Tal der Flüsse Alte Netze, Polka (Puls) und Netze erscheinen einem Stadtbewohner schier grenzenlos. Es herrscht völlige Stille, Einsamkeit und Ruhe.

Nach einer Weile erreicht man die kleine Ortschaft Brzezinka (Birkbruch) (21,4 km), wo man über eine Brücke am Holzkreuz die Polka überquert. Hinter einem Bahnübergang geht es in die Wälder der Gorzówer Heide hinein weiter, hier kreuzen ebenso der gelb und der grün markierte Wanderweg (23,0 km), darüber hinaus gibt es eine Verbindung zum gelb markierten Radwanderweg, der auf direkt nach Strzelce Krajeńskie (Friedeberg) führt. Richtet man sich wiederum nach rechts, führen die Wegesmarkierungen nach etwa einem Kilometer zum Bahnhof in Górki Noteckie (dem ehemaligen Gurkow). Górki Noteckie ist ein kleines beschauliches Dorf am Ufer der Pełcz am südöstlichen Rand der Gorzówer Heide. Archäologische Ausgrabungen an diesem Ort haben Besiedlungsspuren aus der Bronzeund Eisenzeit sowie eine frühmittelalterliche Grabstätte an den Tag gefördert. Das Dorf wurde einst von autochthoner Bevölkerung polnischer Herkunft bewohnt, noch im Jahre 1684 klagte der hiesige Pastor, dass er seine Predigten nur auf polnisch halten müsse, da ihn sonst keiner hier verstehen würde. Im Dorf befindet sich eine neogotische Kirche aus dem Jahre 1818. Alte Legenden besagen, dass in den

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RADWANDERROUTEN heidnischen Zeiten auf den Feldern des Dorfes ein der bösen Gottheit „Zernebog“ (Finsterer Gott) gewidmetes Heiligtum stand. Der Weg führt auf einem Waldweg, dem blau markierten Radwanderweg, der hier zusammen mit dem grün markierten Wanderweg verläuft, folgend nach links bis zur Grenze des Naturschutzgebietes (24,2 km) „Zdroiskie Buki“. Dies ist ein in der hiesigen Tiefebene gelegenes, einzigartiges Waldschutzgebiet mit einer Fläche von insgesamt 75,57 ha, das zum Schutz des hemischen natürlichen Mischwaldes mit überwiegendem Buchenbestand auf den schluchtenartig geformten Uferböschungen der Santoczna (Zanziner Fließ) errichtet worden ist. Die im Laufe der Jahrhunderte von der Natur „bezwungenen“ Baumriesen – sie stürzten geradewegs in den hier reichlich mäandrierenden Fluss hinein – hinterlassen einen einfach unvergesslichen Eindruck wilder, unberührter Natur! Hoch über den malerischen Flussbiegungen führt der Weg nach 120 m ab der Grenze des Naturschutzgebietes zu einer überdachten Hütte und Bänken zum Verschnaufen und Genießen. Das Schutzgebiet endet am Erholungs- und Schulungszentrum „Zdroisko“ (28,2 km), das sich im Eigentum der Gorzówer Stromwerke befindet. Auf einem breiten Weg, inmitten der zahlreichen Ferienhäuser und Bungalows, erreicht der Radwanderer nun Zdroisko (ehemals Zanzthal), einem großen, inmitten der Wälder der Gorzówer Heide gelegenen Urlaubsort an der Santoczna (Zanziner Fließ). Einst stand auch hier eine Mühle (erhalten geblieben ist von der gesamten Anlage lediglich der Mühlenteich), dann wurde hier 1770 eine Eisenhütte errichtet, in der Draht, Nägel, Nadeln, Stahl in Form von Stäben und Stangen sowie Bleche hergestellt wurde. Im Jahre 1783 wurde Produktion von Kartätschen aufgenommen. Später, im Jahre 1856, wurde die Schmiede dann

in Der Umgebung von Gorzów Wielkopolski zu einer Werkzeugfabrik umgebaut, danach, um das Jahr 1870, zu einer wasserbetriebenen Getreidemühle und schließlich zu einem Sägewerk. In der Zwischenkriegszeit baute man hier die Amerikanische Heidelbeere an. Im Ort ist eine sehr interessante Heimatstube eingerichtet worden, in der man alte Fotografien, Münzen, Zeitschriften, Hauseinrichtungsgegenstände, Haus- und Gartenwerkzeug sowie landwirtschaftliche Geräte aus den längst vergangenen, „goldenen Zeiten“ der Ortschaft Zdroisko (Zanzthal) besichtigen kann. Am Rande der Route ist ein symbolisches Ehrenmal, errichtet für die im I. Weltkrieg gefallenen deutschen Soldaten, einen kleinen Abstecher wert. Weiter geht es nun entlang die Landstraße Nr. 22 (29,8 km) von Gorzów nach Strzelce Krajeńskie (Friedeberg) bis hin auf eine durch dichte Wälder führende asphaltierte Straße. Bei km 33,3 der Strecke macht die Route dann eine Linksbiegung, wo es auf einem Feldweg nach Santoczno (zu deutsch: Zanzhausen) geht. Hier gibt es wiederum einen Knotenpunkt der touristischen Wanderwege (34,3 km) (eine nähere Beschreibung der Ortschaft: Radwanderweg Nr. 2). Die über der Gletscherrinne des Mrowinko-See (Klein Mierenstubbensee) gelegene Ortschaft wird unter den Urlaubern von Jahr zu Jahr beliebter. Über eine Brücke über den Santoczna (Zanziner Fließ), direkt an der Stauanlage bei der ehemaligen Mühle, geht es nach insgesamt 34,5 km weiter zum nächsten Knotenpunkt der Radwanderwege, wobei der blau markierte hier endet. Achtung! Die Route wechselt auf den nächsten Kilometern einige Male die Wanderwege: Im weiteren Streckenverlauf geht es also nun zunächst entlang des rot markierten Radwanderwegs, um dann jedoch zusammen mit dem grün markierten nach rechts abzubiegen. Am Zeltplatz vor-

bei erreicht man an dieser Stelle auf einem bequemen Waldweg den rot markierten Pfad, an der nächstgelegenen, zu einer Bitumenstraße führenden Kreuzung, erreicht man an km 41,3 schließlich den schwarz markierten Radwanderweg. An dieser Stelle geht es weiterhin geradeaus bis zur Landstraße Nr. 151 zwischen Gorzów und Barlinek (46,8 km), dort linksherum auf einen Radweg, der direkt nach Kłodawa (dem einstigen Kladow) (48,9 km) führt. Heute ist das an der Kłodawka (Kladow) und dem Kłodawskie-See (Kladowsee) (24,35 ha) gelegene Dorf (etwa 1.400 Einwohner) Sitz der Gemeindeverwaltung. Das älteste „Relikt“, das mit der Ortschaft in Verbindung gebracht wird, ist ein auf den hiesigen Feldern aufgefundener Dolch aus Bronze, der aus der Zeit um 1.800 bis 1.700 v. Chr. stammt. Die Ursprünge der Ortschaft selbst reichen in die Zeit des ersten polnischen Herrschergeschlechts, der Piasten, zurück, als diese eine mit mächtigen Holzbalken verstärkte Wehrsiedlung errichteten, um das nahe gelegene und strategisch damals enorm wichtige Santok (Zantoch) zu unterstützen. Ausgehend von dieser Befestigungsart stammt auch der eigentliche Name der Ortschaft: „kłoda“ bedeutet Balken. Seit dem Mittelalter, genauer seit 1337, stand hier ein Gutschloss und ein Wirtshaus, später kamen eine Mühle, eine Papiermühle, eine Windmühle sowie eine Schmiede hinzu. Die ursprüngliche Form eines Runddorfes ist gut erhalten geblieben; in der Ortschaft befindet sich eine neogotische Kirche aus rotem Backstein und einem hölzernen Tonnengewölbe aus den Jahren 1858–60. Auf dem Dorfgelände wurde 1854 ein Schatz mit nahezu Tausend Münzen aus dem 16. Jh. gehoben. Das noch erhaltene Gutshaus aus Fachwerk aus dem Jahre 1830 beherbergt heute die Oberförsterei. Während des II. Welt-

krieges ist hier ein kleineres Internierungslager für etwa 40 französische Kriegsgefangene errichtet worden. Das Dorf ist am Rande der Gorzówer Heide, gerade einmal 6 km nördlich von Gorzów gelegen, was bedeutet, dass es das nächstgelegene Naherholungsgebiet für die Einwohner der regionalen Hauptstadt darstellt. Von Gorzów aus ist die Ortschaft auf einem bequemen und sicher befahrbaren Radweg zu erreichen. Ein ganzes Netz von Radwegen im Ort selbst trägt erheblich zur Sicherheit der Radtouristen bei und erhöht die Attraktivität der Ortschaft. Für eine gute Erholung sorgt auch eine ausgezeichnete Badestelle mit Strand, einem Steg, Toiletten und einem Planschbecken.

3 Radwanderroute Nr. 5.

Radwanderroute Nr. 4.

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Radwanderroute Nr. 5 Routenverlauf: Gorzów – Kłodawa – Mironice – Santocko – Marwice Routenmarkierung: schwarz Gesamtlänge: 17,3 km Der schwarz markierte Radwanderweg führt durch eine vielfältige Landschaft mit einer interessanten und mannigfaltigen Flora und Fauna sowie einer eindrucksvollen, wechselvollen Geschichte. Es handelt sich um eine technisch einfach zu bewältigende Route mit langen Abschnitten auf einem gut ausgebauten Radweg. Die Route beginnt am Sport- und Rehabilitationszentrum „Słowianka“ (0,0 km) in Gorzów einem Komplex mit einem Olympiaschwimmbecken sowie einem Spaßbad mit Rutschen, einem eigenen, aber künstlichen Fluss, mehreren Saunen usw. Entlang der Słowiańskaund Roosevelta-Str. gelangt man an den Straßenzusammenlauf der Mieszko I-Str. und der Alleen Odrodzenia Polski und Kazimierza Wielkiego, wo sich an der linken Seite in einem

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RADWANDERROUTEN kleinen Park die Villa von Carl Bahr befindet. Auf der Allee Odrodzenia Polski geht es weiter bis zur Stefana Wyszyńskiego-Str. (1,7 km) und anschließend an der Verkehrsinsel nach links. Etwa 200 m weiter taucht linker Hand eine alte Wassermühle an der Kłodawka (Kladow) aus dem Jahre 1897 auf. Sehr sorgfältig renoviert dient es gegenwärtig als Hotel und Restaurant „Młyn“. Bald darauf, nach 4,7 km ist auch schon der Radweg erreicht, der zum idyllisch gelegenen Rastplatz am Kłodawskie-See (Kladowsee) mit Tischen, Bänken und einer Feuerstelle führt (6,6 km). Hier besteht die Möglichkeit sich zu entscheiden, den Weg nach rechts zur Badestelle und einem Fahrradparcours zu wählen oder aber weiterhin auf dem geradeaus verlaufenden Radweg (7,9 km) ins Zentrum von Kłodawa (dem ehemaligen Kladow) zu fahren. Am folgenden Knotenpunkt der Radwanderwege geht es nun nach links, um zusammen mit dem rot markierten Weg bei km 10,4 nach Mironice (zu deutsch: Himmelstädt) zu gelangen. Im Frühmittelalter, zwischen dem 9. und dem 12. Jh., gab es hier eine Siedlung. Nachdem dieses Gebiet im 13. Jh. dann in die Hände der Brandenburger Markgrafen überging, grün-

in Der Umgebung von Gorzów Wielkopolski dete Albrecht III. im Gutschloss „Creusdorf“ am 22. Mai 1300 eine Zisterzienserabtei. Der ursprüngliche Name der Abtei „Himmelstädt“ bedeutete soviel wie „himmlischer Ort“. 1326 wurde das Dorf von der polnisch-litauischen Streitmacht niedergebrannt. Die Abtei ist erst im Jahre 1368 wiederaufgebaut worden. Zu dieser Zeit wurde in diesem Gebiet wahrscheinlich auch die Fischereiwirtschaft eingeführt, wofür man die Gewässer der Kłodawka (Kladow) eigens aufstaute und Zuchtteiche anlegte. Im Jahre 1470 fiel die Abtei erneut einem Brand zum Opfer: die Kampftruppen der Pommerschen Herzöge hatten den Landstrich überfallen. 1539 wurde die Abtei von Markgraf Johann von Küstrin aufgrund des Sittenverfalls in der Abtei selbst einerseits und wegen der sich in der Neumark rasch ausbreitenden Reformation anderseits säkularisiert. Die Zisterzienserkirche wurde daraufhin den Bedürfnissen einer Schnapsbrennerei angepasst, das gesamte Gut ging in die Besitztümer des Landes über. Das aus dem Jahre 1830 stammende Gutschloss sowie der ihn umgebende Landschaftspark und der Speicher aus dem 19. Jh. wurden von der Familie von Bayer erbaut bzw. eigens angelegt. Heute ist befindet es sich wieder in privaten Händen. Die hier durchgeführten archäoloSport- und Rehabilitationszentrum im Słowiański-Park, Foto T. Jocz

gischen Ausgrabungen bestätigen, dass es an dieser Stelle einst eine aus dem 14. Jh. stammende Zisterzienserkirche gab, die 1872 ausbrannte. Das Baumaterial diente dann erneut zum Bau einer heute nicht mehr stehenden Scheune und eines Brunnens, ausgehoben um die 50-er Jahre des 19. Jh.. Im Dorf selbst ist ein Fachwerkhaus aus dem 17. Jh. erhalten geblieben. Auf dem schwarz markierten Radwanderweg geht es über Felder nach Santocko (ehemals Zanzin) (12,1 km). Hier führt der Weg nach links, an einer neohistorischen Kirche vorbei bis zum einer weiteren Kreuzung (13,1 km), an der die Route dann nach rechts verläuft. Durch ein kleines Wäldchen hindurch erreicht man die Landstraße Nr. 3 (15,4 km), die geradeaus in Richtung Marwice (einst: Marwitz) (eine nähere landeskundliche Beschreibung der Ortschaft – Radwanderweg Nr. 8) überquert wird; im Zentrum der Ortschaft (16,3 km) steht eine romanische Kirche.

Radwanderroute Nr. 6 Routenverlauf: Kłodawa – Mironice – Marzęcin – Tal der Kłodawka – Marwicko-See – Wysoka – Lubno – Stanowice – Bogdaniec Routenmarkierung: rot und gelb Gesamtlänge: 35,5 km Ein rot und gelb markierter Radwanderweg, der durch dichte Wälder und landeskundlich interessante Dörfer führt. Die Route beginnt am Gebäude der Gemeindeverwaltung in Kłodawa (Kladow), von wo aus es zusammen mit dem schwarz markierten Wanderweg auf einer bequem zu befahrenden Bitumenstraße (2,2 km) nach Mironice (dem ehemaligen Himmelstädt) geht. (für eine nähere Beschreibung schauen Sie

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bitte beim Radwanderweg Nr. 5 nach). An einem Kreuz am Dorfrand biegt die Route nach rechts ab und führt am Rande einer gepflasterten Straße zum Forsthaus (4,6 km), wo an zwei Eichen und einem Zeltplatz mit einer überdachten Hütte und Bänken ein um den nahegelegenen Sulenińskie-See verlaufender, 2,4 km langer Naturlehrpfad seinen Ausgangspunkt nimmt. Den genauen Verlauf beschreiben zahlreiche Informationstafeln, auf denen z.B. die Belange des Waldschutzes oder des Schutzes der hier lebenden Tiere oder aber auch die „Wanderung der Bäume“ näher erläutert werden. In der Nähe der Fischzuchtteiche kann in eigens dafür angelegten Teichen von Z&R Rosowski „Azyl“ geangelt oder gefischt werden, ebenfalls stehen Übernachtungsplätze zur Verfügung. Weiter trifft man nach 7,1 km den grün markierten Wanderweg, der zur linken in das längst verlassene „Geisterdorf“ Marzęcin (zu deutsch: Marienspring) mit einem noch erhaltenen Teil des Friedhofs führt. Außerdem sehenswert die Maria-Quelle (benannt nach der Tochter eines der einstigen Eigentümer) und eine Gedenktafel zu Ehren der ehemaligen Bewohner der Ortschaft. Ein nicht ausgeschilderter Weg nach rechts führt nach 1,5 km direkt an einen Findling mit einer Gedenktafel zu Ehren des Försters Hermann Schultz. Der in deutscher Sprache gehaltene Text erklärt den Grund der Aufstellung dieses Denkmals: „Treu bis in den Tod hinein! Bei gewissenhafter Ausübung seiner Pflichten fiel an diesem Ort am 18. November 1923 im Kampf gegen die Wilderer der Staatsförster Hermann Schultz aus der Försterei Gośniewie. In Gedenken an die Hüter der Landsberger Wälder“. Die Mörder des tapferen Försters wurden gefasst und zum Tode verurteilt.

3 Radwanderroute Nr. 6.

Radwanderroute Nr. 5.

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RADWANDERROUTEN Die vorgeschlagene Route führt zusammen mit dem grün markierten Pfad geradeaus bis zu einer kleinen Waldkreuzung und weiterhin nach rechts (wobei man an dieser Stelle den grünen Pfad verlässt) hinein in das Tal der Kłodawka (Kladow). An Fischzuchtteichen (nach 10,2 km) kann eine kürzere oder längere Rast angelegt werden. Von hier aus geht es kurz bergauf, danach erneut eine scharfe Biegung nach links und über eine Betonbrücke über die Marwica (15,8 km) gelangt man nun an die Landesstraße Nr. 3 zwischen Gorzów und Szczecin. Der weitere Weg führt durch einen herrlichen Wald mit üppigem Eichen- und Buchenbestand, um am Ufer des MarwickoSee (Stegsee) entlang (Vorsicht: nach Regenfällen ist dieser Abschnitt recht glatt) eine Badestelle zu erreichen. Am Strand befinden sich ebenfalls zwei Zeltplätze und eine Feuerstelle (21,2 km). Der Marwicko-See (Stegsee) stellt ein großes Wasserreservoir mit einer Gesamtfläche von 152,24 ha und einer maximalen Tiefe von 12,4 m dar, er verfügt über eine Wasserreinheit der Stufe II. Den See hinter sich lassend gelangt man nun an eine Gabelung der beiden Radwanderpfade. Die Route verlässt hier den rot markierten und folgt von nun an dem gelb markierten Weg mitten durch den Wald bis zu einem RastMarwicko-See, Foto D. Adamski

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in Der Umgebung von Gorzów Wielkopolski

Naturschutzgebiet „Cisy Bogdanieckie”, Foto D. Adamski platz (24,5 km) mit überdachten Tischen, Bänken und einer weiteren Feuerstelle am Rande der Ortschaft Wysoka (dem einstigen Hohenwalde). Rechterhand geht es an einem sehr gepflegten, liebevoll und interessant zusammengestellten Steingarten mit einem Springbrunnen und zahlreichen Pflanzenarten vorbei. Hier kommt die grün markierte Radwanderweg (Nr. 8) hinzu, beide zusammen führen zur Fachwerkkirche (25,7 km) aus dem Jahre 1735 mit einem noch älteren Holzturm (1719) sowie einem barocken Altar aus dem Jahre 1659. Auf einem Feldweg in südlicher Richtung verlässt

die Route das Dorf. Am Bahnhofsgebäude mit einem Wasserturm von 1925 wird die Bahnlinie Gorzów - Myślibórz überquert und weiter geht es auf einer asphaltierten Straße. Fährt man von hier aus nach links, entlang eines unmarkierten Weges, so gelangt man nach etwa 2 km zum Naturschutzgebiet „Cisy Bogdanieckie“. Dieses Naturschutzgebiet zeichnet sich insbesondere aufgrund der 2.056 Exemplare zählenden Population von Eiben im Alter von bis zu 130 Jahren aus, die auf einem Gebiet von insgesamt 21,24 ha Wald mit überwiegendem Buchen- und Kiefernbestand wachsen. Hinter der Wegmarkierung geht es nach rechts in Richtung der bereits sichtbaren Häuser von Lubno (zu deutsch: Liebenow). Es ist dies eines der ältesten Dörfer in der gesamten Region und wird gemeinsam mit anderen bereits in Urkunden von 1243 erwähnt. Damals befand sich die Ortschaft höchstwahrscheinlich im Besitz des Templerordens. Im Jahre 1853 wurde beim Ausheben eines Brunnens zufällig eine Braunkohlelagerstätte entdeckt, die bis zum I. Weltkrieg von den Dorfbewohnern für ihre eigenen Bedürfnisse auch abgebaut wurde. Die Route führt an einer aus Granitblöcken errich-

teten Kirche aus dem 13. Jh. im Stile der Spätromanik mit einem originalen romanischen Südportal vorbei (31,1 km). Gegenwärtig ist der Eingang zugemauert. In unmittelbarer Nähe befindet sich ein Glockenturm aus Holz und zwei denkmalgeschützte Eichen. Die größere der beiden weist einen stolzen Umfang von 527 cm auf. Im Landschaftspark entlang der anderen Straßenseite liegen die Ruinen eines vor nicht allzu langer Zeit noch äußerst prachtvollen neogotischen Schlosses aus dem 19. Jh. verborgen. Eine Legende besagt, dass man noch bis heute in manchen Nächten die hübsche Herrin des Schlosses, Celina, auf einem Pferd durch ihren Park galoppieren erblicken kann. Sie soll nach dem Tod ihres geliebten Mannes Selbstmord begangen haben, andere wiederum munkeln, sie hätte sich umgebracht, nachdem ihr im Traum das Schicksal ihres herrlichen Schlosses vorhergesagt wurde. Im Jahre 1932 sollte dieses Schloss, das zu dieser Zeit Hans Carl von Treichel gehörte, angeblich Adolf Hitler besucht haben. Im Park selbst lassen sich prächtige Exemplare von Sumpfzypressen, Tulpenbäumen und Riesentannen entde-

3 Radwanderroute Nr. 6.

Radwanderroute Nr. 6.

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Museum für ländliche Baukunst und Technik in Bogdaniec, Foto D. Adamski

Kirche in Wysoka, Foto D. Adamski

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RADWANDERROUTEN cken, bis vor kurzem stand hier auch die landesweit prächtigste Ulme, die jedoch leider von Krankheit befallen wurde und so gefällt werden musste. Auf dem Friedhof befindet sich ein symbolisches Grab, in Form eines großen Granitblocks, von Tadeusz Kudelski. Der aus Lubno (Liebenow) stammende Alpinist war der erste unter den Gorzówer Bergsteigern, der sich aufmachte, die Gipfel des Himalaja zu bezwingen. 1999 gelang ihm zwar der Aufstieg zum Mont Everest (8.848 m über NN), beim Abstieg aber verunglückte er wegen der sehr schwierigen Wetterbedingungen leider tödlich. Auf asphaltierter Str. (34,0 km) führt der weitere Weg zunächst bergauf nach Stanowice (vormals Stennewitz). Im Mittelalter befand sich das von den Schlesischen Herzögen der Piastendynastie nach deutschem Recht gegründete Dorf im Besitz zahlreicher Rittergeschlechter, darunter seit dem 15. Jh. bis in das Jahr 1740 dem Geschlecht derer von Marwitz. Die erste, im 15. Jh. errichtete Kirche wurde in der Folgezeit gänzlich umgestaltet, erhielt u.a. eine barocke Kapelle sowie im Jahre 1771 einen Fachwerkturm. In den Jahren zwischen 1748 und 1860 wurde in der Nähe der Ortschaft eine Glasfabrik betrieben, in der Flaschen produziert wurden. Auf dem Gelände des 8,6 ha großen Landschaftsparks mit einer herrlichen Hainbuchenallee befindet sich ein klassizistisches Schloss aus dem 18. Jh., das die Familie von Treichel 1870 um zwei Flügel im Stile der Neobarocke und einen dreistöckigen Turm ergänzten. Derzeit liegt es jedoch in Ruinen. In der 2. Hälfte des 19. Jh. wurde auf den umliegenden Feldern im Tagebau „Glück“ Braunkohle abgebaut. Nach einer ausgiebigen Dorf besichtigung geht es nun erneut in den Wald, um dort an die Verbindung zum blau markierten Weg (35,5 km), wo der gelb markierte Pfad endet, zu gelangen. Von hier aus ist es, auf asphal-

in Der Umgebung von Gorzów Wielkopolski tierter Straße, bereits nicht mehr weit (1.400 m) zu einem äußerst interessanten Museum für ländliche Baukunst und Technik sowie zum Bahnhof in Bogdaniec (2.900 m).

Radwanderroute Nr. 7 Routenverlauf: Kłodawa – „Manhattan” – Wawrów – Czechów Routenmarkierung: gelb Gesamtlänge: 8,6 km Der gelb markierte Radwanderweg gestattet es den Einwohnern „Manhattans“ (einem der Gorzower Stadtteile), Ausflüge in das Warthetal und die Gemeinde Kłodawa zu unternehmen. Die Radwanderroute beginnt in der SrebrnaStr. unweit der Pforte zur Gemeinde Kłodawa (Kladow), direkt am Radweg. Ein befestigter Feldweg führt – linker Hand eine kleine Schrebergartenkolonie mit einer herrlichen Birkenallee hinter sich lassend – in das Tal der Srebrna (Silber Fließ) hinunter. Weiter, bereits auf dem Radweg, geht es zur Straßenbahnschleife (3,2 km) und zur Landstraße Nr. 22, einer historischen Baumallee mit etwa 120 Winterlinden im Alter von 200 bis 300 Jahren. An der Straßenbahnschleife befindet sich eine kleine Grünanlage: ein ehemaliger Friedhof, auf dem zwischen 1880 und 1968 Verstorbene bestattet wurden, die aus dem psychiatrischen Krankenhaus stammten sowie Obdachlose und Personen „unbekannter Identität“. Die Landstraße wird überquert und auf einem Feldweg, unter den Rohrleitungen der städtischen Heizanlage und inmitten der Felder (5,3 km) erreicht man Wawrów (Lorenzdorf). Im Mittelalter trug das Dorf den Namen Lorenzdorf und gehörte dem Rittergeschlecht der Horker, was eine von Herzog

3 Radwanderroute Nr. 8.

Radwanderroute Nr. 7.

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Blick auf das Warthe-Tal, Foto D. Adamski Wratislaw ausgestellte Urkunde aus dem Jahre 1319 bestätigt. Im Ortskern befindet sich ein Löschwasserteich. Daneben steht eine eingeschossige Kirche aus Bruchgranit mit einem hohen Satteldach. Vor dem Eingang in den 1833 errichteten, gemauerten Turm mit drei Stockwerken und einem achteckigen Turmhelm, wurde ein Findling mit einer Gedenktafel anlässlich des 1000-jährigen Jubiläums der Christianisierung Polens (im Jahre 966 hatte diese mit der Taufe des Piastenherzog Mieszko I. begonnen) aufgestellt. Im Kircheninneren ist ein interessante Kreuzweg zu besichtigen, dessen Autor der Künstler Janusz Krauze, ein Schüler des berühmten Władysław Hasior, ist. Ein Feldweg führt aus dem Dorf heraus und an einer Aschenbahn für die jüngsten Liebhaber der Speedwayrennen vorbei. Am Waldrand (7,1 km) an der Weggabelung biegt die Route nach rechts ab, quer in einen Feldweg, von dem aus sich eine herrliche Aussicht auf das Warthetal erstreckt. Auf der nun folgenden steilen Abfahrt ist Vorsicht geboten. Unten angekommen trifft man auf eine Kirche und einen Lebensmittelladen. Auf dem letzten Abschnitt der Route folgt eine kurze Fahrt bis

zu einer Asphaltstraße, entlang der es nach rechts zum Bahnhof in Czechów (Zechow) geht (8,6 km). Achtung! Der Bahnhof befindet sich nicht mehr in Betrieb.

Radwanderroute Nr. 8 Routenverlauf: Wieprzyce – Chróścik – Baczyna – Marwice – Wysoka Routenmarkierung: grün Gesamtlänge: 21,8 km Der grün markierte Radwanderweg führt aus Gorzów hinaus über Moränenhügel, auf Feld- und Waldwegen entlang nach Marwice (Marwitz) und Wysoka (Hohenwalde), zwei Ortschaften nicht nur mit einer äußerst interessanten Geschichte, sondern auch einer einmaligen Lage inmitten herrlicher Naturlandschaft. Die Route beginnt am Knotenpunkt der Radwanderwege an der Schleife der Straßenbahn (0,0 km) in Wieprzyce (ehemals Wepritz). Auf asphaltierter Straße geht es nach Norden, rechter Hand an einem Park vorbei, in die Dobra-Str. hinein. Hier erreicht man bereits ein Waldgebiet, in dem sich auf der rechten

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RADWANDERROUTEN Straßenseite ein 78,43 ha großes Landschaftsgebiet erstreckt, das eigens zum Schutz der hier auftretenden, sehr seltenen xerothermen (wärmeliebende) Grasarten errichtet wurde. An den steilen Böschungen des Warthetals lassen sich so seltene Pflanzen finden wie die Astlose Graslilie mit schönen weißen Blüten, die Zottige Fahnenwicke mit einem behaarten Stiel und hellgelben Blüten sowie die violettblaue Sibirische Glockenblume. Kurz darauf geht es nach links (1,0 km) in einen Feldweg, der zu einem Waldparkplatz führt. Von hier aus führt die blau markierte Wanderroute über die nahegelegenen Moränenhügel mitten hinein in das Gorzówer Land. Der genaue Verlauf aller dieser Spazierwege ist der Informationstafel zu entnehmen. In unmittelbarer Nähe befindet sich eine alte Kiesgrube mit einer Feuerstelle. Die Route führt nun geradeaus und schon bald auf einer Strecke von etwa 300 m steil bergauf bis an den Waldrand. Auf einer für Fußgänger errichteten kleinen Brücke über die Gorzówer Umgehungsstraße und weiter, bereits mit Ausblick auf die ersten Häuser von Małyszyn (Merzdorf), geht es auf einem Feldweg weiter. Schmiede in Marwice, Foto D. Adamski

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in Der Umgebung von Gorzów Wielkopolski Es folgen eine Rechts-, dann eine Linksbiegung und schließlich entlang der Okopowa-Str. (3,3 km) ist Chrościk (zu deutsch: Neuendorf) erreicht. Es handelt sich hierbei um ein altes slavisches Dorf, dessen Ursprünge in das 12. Jh. zurück reichen. Aus Chróścik stammte der bereits im Jahre 1470 urkundlich erwähnte Bürgermeister von Landsberg, Cawel Einnahmen. Im 16. Jh. hatte hier Jan Kune seinen Sitz, der letzte Abt des Zisterzienserklosters in Mironice (Himmelstädt), der nach der Einführung der Reformation Pastor in Baczyna (Beyersdorf) wurde, weiterhin jedoch in Chróścik wohnte. Durchaus lohnenswert ist es, hier an einer kleinen, schattenspendenden Eichengruppe kurze Rast einzulegen. Auch an diesem Ort steht noch der Sockel des alten Obelisken zu Ehren der im I. Weltkrieg gefallenen Einwohnern des Dorfes und gleich daneben eine aus roten Backstein errichtete neogotische St. Josefs-Kirche mit einem sechseckigen Chorraum. Es geht nunmehr nach rechts und auf einem weiten Feldweg bis zu einer Kreuzung, an der der blau markierte Radwanderweg (3,9 km) die Route kreuzt. Der blaue Pfad führt nach links, etwa 100 m weiter nach rechts und entlang einer schönen Allee mit Laubbäumen. Baczyna (einst Beyersdorf) ist erreicht. Hier führt die Route weiter auf asphaltierter Straße (5,8 km), bis hin zur Landstraße Nr. 130. Diese verläuft nach links und durch den Ortskern, linker Hand vorbei an einer neogotischen Kirche (6,9 km), die um die Jahrhundertwende zwischen dem 19. und 20. Jh. aus Feldstein und roten Backsteinen erbaut wurde. In der früheren, nicht mehr erhaltenen Kirche hielt im Jahre 1539 der letzte Abt des Zisterzienserklosters in Mironice (Himmelstädt), zu dessen Besitztümern das Dorf seit 1300 gehörte, die erste lutheranische Andacht. Im Dorf selbst blieben zahlreiche Fachwerkhäuser aus dem 19. Jh. erhalten. Beim Verlassen der Ortschaft führt die Route an drei kleinen Läden vorbei.

Der Ortsausgang wird dann entlang der Landstraße nach Szczecin erreicht, inmitten der Felder führt die Wegstrecke nun nach Marwice (zu deutsch: Marwitz). Zur Linken kreuzt hier eine denkmalgeschützte Fachwerkschmiede mit einem Laubengang (9,4 km), etwas weiter eine spätromanische Kirche (9,7 km), die zusammen mit der sie umgebenden Mauer aus Granitblöcken aus der Mitte des 13. Jh. stammt, den Weg. Im Kircheninneren ist auf dem Dachboden eine gotische Polychromie aus der Mitte des 14. Jh. entdeckt worden. In der südöstlichen Ecke des Kirchenschiffs befindet sich in der Höhe von 5,20 m auf einem roten Granitblock (29 x 32 cm) ein recht rätselhaftes Schachbrett (7 waagerechte und 5,5 senkrechte Felder). Während der um die Jahrhundertwende vom 17. zum 18. Jh. ausgeführten Ausbaumaßnahmen wurde die Kirche um eine Kapelle und Sakristei ergänzt. Im nahegelegenen Landschaftspark trifft man auf eine Gruppe beeindruckender Stieleichen und Ahornblättriger Platanen mit einem Umfang von je 340 bis 390 cm. Gleich an der Kirche geht es nach links in einen Feldweg hinein, der in Richtung Westen führt, um am Waldrand an einer Gruppe eindrucksvoller Buchen und Eichen zunächst nach rechts (11,6 km) und kurz darauf nach links abzubiegen. Auf einem Waldweg erreicht man nun eine Kreuzung am Rande der Ortschaft Wysoka (Hohenwalde), dort geht es nach links auf eine asphaltierte Straße und schließlich nach rechts. Am Laden vorbei gelangt man zum Dorfkern neben der Kirche in Wysoka (zu deutsch: Hohenwalde) (15,1 km), wo die Markierung des gelben Radwanderwegs (Nr. 6) hinzukommt.

3 Radwanderroute Nr. 9.

Radwanderroute Nr. 8.

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Kirche in Marwice, Foto D. Adamski

Radwanderroute Nr. 9 Routenverlauf: Stanowice – Racław – Łupowo – Lubczyno – Chwałowice –Hochwasserschutzdeich Routenmarkierung: grün Gesamtlänge: 16,2 km Eine Radwanderung entlang des grün markierten Wanderweges gestattet es in Verbindung mit anderen Routen, individuelle Ausflügen in die Umgebung von Bogdaniec (Dühringshof) zu planen. Von historischem Blickwinkel aus ist dies eine äußerst interessante Route, gespickt mit mannigfaltiger Naturlandschaft. Die Route beginnt im Zentrum der Ortschaft Stanowice (ehemals Stennewitz) an der Kirche (0,0 km) aus dem 18. Jh. mit einem Fachwerkturm aus dem Jahre 1771. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich ein Schloss aus dem 18. Jh. mit zwei neobarocken Flügeln und einem in den 70-er Jahren des 19. Jh. erbauten Turm. Neben dem Schloss erstreckt sich eine herrliche Hainbuchenallee. Die Kirche rechter Hand hinter sich lassend verlässt die Route entlang einer asphaltierten Straße die Ortschaft in

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Kirche in Racław, Foto D. Adamski östliche Richtung und verläuft dann auf einem Waldweg die ganze Zeit gerade aus. Es geht an einem Hochsitz vorbei (1,0 km) und danach zu einer asphaltierten Straße und kurz darauf in das Dorf Racław (dem einstigen Ratzdorf). Racław ist eine Ortschaft slavischer Herkunft mit einer sehr gut erhaltenen, typischen Form eines mittelalterlichen

in Der Umgebung von Gorzów Wielkopolski Runddorfes aus dem 12. Jh.. Der ursprüngliche Name geht auf den Personennamen Racław zurück, insoweit wahrscheinlich dem ersten Besitzer der Ortschaft. Zu den Sehenswürdigkeiten hier zählt eine neogotische Kirche aus dem Jahre 1863 (3,9 km) aus Granitstein mit einem Turm aus Bachstein. Darüber hinaus befindet sich im Dorf ein neoklassizistisches Gutschloss. Einer der Bewohner des Dorfes, ein gewisser Johann Gottlieb Dumdey, ging in die Geschichte auf eher unrühmliche Art ein: er war der letzte Mörder, der zum Tode verurteilt und in Landsberg öffentlich hingerichtet wurde. Das Dorf wird hier in nördliche Richtung verlassen, um kurz darauf in einen Feldweg einzubiegen, der zu einem Findling mit einer symbolischen, in deutscher und polnischer Sprache gehaltenen Aufschrift hinführt: „Doch alle erwartet die eine Nacht“ Horaz Zum Gedenken an die hier Ruhenden Einwohner von Ratzdorf, den 18.06.2000 Gleich daneben stehen alte deutsche Grabsteine. Inmitten der Felder führt ein Weg an einen Waldrand (4,7 km), wo es plötzlich steil bergab hinunter geht. Hier befindet sich eine Kirche in Chwałowice, Foto D. Adamski

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Verbindung zum blau markierten Radwanderweg (4,9 km). Entlang dieses Pfades verläuft nun die Route nach rechts bis zu einer Gabelung der Wege, an der der blaue Pfad nach rechts abbiegt (5,9 km) und wieder bergauf führt. Die Route verläuft an dieser Stelle weiter geradeaus und trifft auf den rot markierten Wanderpfad (6,8 km), beide gemeinsam führen durch das Tal der Łupica. Auf einer kleinen Brücke biegt der Wanderpfad nach links ab, unsere Route führt jedoch geradeaus bis zur Landstraße Nr. 132 (8,3 km) in Łupowo (vormals Loppow). Dies ist ein altes Fischerdorf, dessen Ursprünge im frühen Mittelalter zu suchen sind, wie u.a. die sichtbaren Spuren zweier Siedlungen aus dem 10. bis 11. Jh. belegen. Seit 1300 gehörte das Dorf zu den Besitztümern des Zisterzienserklosters in Mironice (Himmelstädt), nach seiner Säkularisierung ging es in die Hände der Brandenburger Markgrafen über. Im 16. Jh. wurde in Łupica eine Mühle errichtet, die leider im Jahre 1586 von einem verheerenden Hochwasser zerstört worden ist. Ausgerechnet aus Mangel an Wasser wurde die Mühle danach nie wieder aufgebaut. Während des 30-jährigen Krieges brannte die schwedische Armee das Dorf nieder. Im Jahre 1909 wurde eine neobarocke Kirche mit einem herrlichen Tonnengewölbe erbaut. Gegenüber des Gotteshauses befindet sich ein klassizistisches Gutschloss aus dem Jahre 1887. Auf dem weiteren Wege geht es nun nach rechts auf der Landstraße Nr. 132, um bei km 9,3 den Bahnhof in Łupowo (Loppow) zu erreichen. Der Bahnübergang wird überquert, entlang der asphaltierten Straße führt die Route in Richtung nach Süden über Lubczyno nach Chwałowice (dem ehemaligen Landsberger Holländer) (14,3 km). Anfänglich bestand das Dorf aus lediglich drei zwischen der Warthe und dem Kanal Kołomęt gelegenen Gehöften. Zu einem Aufschwung der Siedlung kam es erst etwa 100 Jahre später, anlässlich der großen Kolonisa-

3 Radwanderroute Nr. 10.

RADWANDERROUTEN

Radwanderroute Nr. 9.

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Innenansicht der Kirche in Chwałowice, Foto D. Adamski tion der Warthebrüche durch den Preußenkönig Friedrich II. Etwa 100 Meter abseits der Route verbirgt sich auf der linken Seite, von Bäumen umgeben, eine Fachwerkkirche aus dem Jahre 1790 mit einem spätbarocken und von wundervollen Schnitzerarbeiten geschmückten Altar im Inneren. Daneben erhebt sich ein Glockenturm aus dem 19. Jh., ebenso dort gelegen ist der Dorffriedhof mit Grabsteinen, die noch aus der Zeit von vor 1945 stammen. Nun geht es weiter dem Deich entgegen, bei km 15,0 zunächst nach links, später nach rechts und schließlich auf den Deich hinauf (16,2 km). Hier begegnet man dem blau markierten Radwanderweg (Nr. 1).

Radwanderroute Nr. 10 Routenverlauf: Borek – Deszczno – Karnin – Łagodzin – Ulim – Niwica Deich Routenmarkierung: gelb Gesamtlänge: 18,9 km Die Route folgt dem gelb markierten Radwanderweg, ist technisch einfach zu bewältigen und gestattet eine nähere Erkundung von Deszczno (Dechsel), seiner Umgebung sowie der Badestellen in Glinik (Altensorge) und in Karnin (Kernein). Die 93


RADWANDERROUTEN Route ist so ausgelegt, dass sie auch eine individuelle Ausgestaltung erlaubt, wie z.B. von Santok (Zantoch) (Fährüberfahrt) in das Naturschutzgebiet „Santockie Zakole“ und weiter über Borek (Borkow) zum Bahnhof in Deszczno (Dechsel). Die Route nimmt an der Kirche in Borek (Borkow) (0,0 km) (eine nähere Dorfbeschreibung finden Sie beim Radwanderweg Nr. 3) ihren Ausgangspunkt, führt zunächst zur asphaltierten Straße und danach nach rechts in einen Waldweg durch einen Kiefernwald hinein. Auf dem weiteren Wege überquert man zwei weitere Waldwegkreuzungen (nach 1,4 km und 2,3 km), woraufhin es aus dem Wald hinaus geht (3,4 km) und entlang einer Laubbaumallee zur dritten Kreuzung (4,2 km), wo die Route dann nach links abbiegt. Eine zweite Allee führt an den Ausgangspunkt eines Wander - und Radweges in Deszczno (Dechsel) (6,2 km), der hier nach rechts verläuft. Deszczno (das ehemalige Dechsel) zählt zu den ältesten Siedlungen im Thorn-Eberswalder Urstromtal, da sich die Siedlungsgeschichte an diesem Ort bis hin in die Bronzezeit verfolgen lässt, als hier das Volk der Aunjetitzer-Kultur ansiedelte (1.800–1.700 v. Chr.). Die frühe Besiedlung des Gebietes bestätigen zwei aufgefundene Schätze, in denen sich ein Bronzeknopf, ein Armreif, eine Nadel, eine Halskette und eine Axt befanden. Eine beständige Besiedlung des heutigen Dorfes belegen

Kegelspiel Mit der Kirche in Deszczno selbst ist darüber hinaus eine Legende verbunden, die von einem Glöckner-Jungen erzählt, der einst mit Geistern Kegeln gespielt haben soll. Gespielt wurde dabei allerdings mit menschlichen Schädeln, es dauerte von der Abenddämmerung bis Mitternacht an. Als der Junge einen der Knochen mitnahm, soll der Tod zu ihm gekommen sein, um sich das Diebesgut wiederzuholen.

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IN Der Umgebung von Gorzów Wielkopolski Spuren einer frühmittelalterlichen Siedlung aus dem 8. Jh., die bei Ausgrabungen an das Tageslicht befördert worden sind. Die ersten urkundlichen Erwähnungen stammen dagegen erst aus dem 14. Jh.. Die Route führt in Richtung des Dorfzentrums, zur linken erhebt sich ein Denkmal in Form eines piastischen Adlers, das in Erinnerung an die Soldaten der II. Armee der polnischen Streitmacht, von denen sich später hier viele niederließen, aufgestellt worden war. Zwischen Bäumen versteckt liegt eine Kirche (6,9 km) aus dem Jahre 1829 mit einer neobarocken Innenausstattung. In den Jahren zwischen 1900 und 1941 war hier Felix Hobus als Pastor tätig, den man auch den „Schliemann des Warthebruchs“ nennt. Dem leidenschaftlichen Hobbyarchäologen gelang es nach jahrelangen Recherchen wertvolle Entdeckungen und Funde auf den Feldern von Deszczno und seiner Umgebung zu machen. Während der Forschungsarbeiten auf der Grabungsstätte aus der Zeit der Lausitzer Kultur (700–750 v. Chr.) entdeckte er u.a. die berühmte kultische Figur der sog. „Götze aus Dechsel“. Es handelt sich hierbei um eine aus Ton gefertigte anthropomorphe Figur mit einem walzenförmigen und im Inneren hohlen Korpus. Die Figur hält ein Opfergefäß vor sich und trägt lange Kleidung, ihr Kopf (die Maske) weist die Form eines Tierkopfes auf. Eine Replik dieser Figur befindet sich in den Beständen des Lubuskie Museums. Der Pastor wurde auf dem Kirchenplatz seiner Pfarrkirche beigesetzt. In der Nachbarschaft zur Kirche befindet sich ein Gebäude der Gemeindeverwaltung in Deszczno. Die Landesstraße Nr. 3 wird überquert und in Richtung Glinik (Altensorge) geht es weiter bis zum Bahnübergang (7,2 km) gleich neben dem Bahnhof in Deszczno (Dechsel). Von hier aus folgt man einem Feldweg

bis hin zur ersten Brücke über den Postomski-(Bema-) Kanal (9,1 km), nun erneut nach rechts bis zur zweiten Brücke. Gleich an der Brücke am Deszczniański(Rożkowiecki-) Kanal (10,4 km) beginnt eine asphaltierte Straße, die direkt nach Karnin (zu deutsch: Kernein) (11,7 km) vor die oft umund ausgebaute spätklassizistische Kirche aus dem Jahre 1822 führt. Im Inneren des Gotteshauses befindet sich ein spätbarockes hölzernes Taufbecken und erhalten gebliebene lutheranische Ausstattung (Emporen). Auf den Feldern rund um das Dorf wurde eine Siedlung aus dem Neolithikum (8.000–4.500 v. Chr.), eine Grabungsstätte der Lausitzer Kultur (700–40 v. Chr.) sowie eine weitere Siedlung (50–500 n. Chr.) entdeckt. Dies beweist, dass das Gebiet des heutigen Karnin über einen Zeitraum von 10.000 Jahren ununterbrochen besiedelt war! Die ersten schriftlichen Zeugnisse, in denen die Ortschaft Erwähnung fand, stammen dann erst aus dem Jahre 1252, als die Ortschaft zu den Besitztümern der Zisterzienser aus Paradies gehörte. Im Jahre 1384 zerstörten die von Titze de Wedel angeführten Landsberger Bürger die Ortschaft. Damals ist sowohl die Kirche wie auch das gesamte Gut der Zisterzienser dem ausbrechenden Feuer zum Opfer gefallen. Ein Jahr später kauften die Landsberger Bürger das Dorf mit einer zusätzlichen Abgabeverpflichtung gegenüber den Zisterziensern in Form einer festen Abgabe von Pfeffer. Die Chroniken verzeichnen, dass im Jahre 1577 auf den Feldern der Ortschaft zwei Bären geschossen wurden. Eine Feuersbrunst im Jahre 1812 verschlang einen großen Teil der Dorfbebauung. Seit 1977 bildet Karnin verwaltungstechnisch einen Teil des Landkreises Gorzów. Von der Kirche aus führt der Weg dem Bahnübergang entgegen (verstärkte Achtsamkeit ist geboten), nach dessen Überquerung es nun weiter bis zur Straße geht.

3 Radwanderroute Nr. 10.

Radwanderroute Nr. 10.

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Ostrowite-See, Foto D. Adamski Nach links erreicht man eine Badestelle an der alten Kiesgrube und einen Zeltplatz. Geradeaus folgt man einem Betonplattenweg, der bis zur Gabelung (13,5 km) von Pappeln umsäumt ist. An der Straßengabelung geht es entlang der Straßenbiegung und weiter an Eisenbahngleisen bis zur Kreuzung in Łagodzin (14,1 km), wo sich ein Bahnübergang befindet. Weiter entlang der asphaltierten Straße nach links bis zu einem Stahlkreuz auf einem steinernen Sockel. Die weitere Route verläuft auf geradem Wege. Der Asphalt geht zu Ende (14,7 km), auf einem Waldweg wird eine Aschenbahn erreicht, auf der zuweilen junge Speedwaybegeisterte ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen: sie trainieren hier unter dem wachsamen Auge des ehemaligen Landesmeisters Bogusław Nowak. Direkt hinter der Aschenbahn wurde ein überdachter Rastplatz (15,7 km) mit Bänken, Tischen und einer Feuerstelle eingerichtet.

Stanisława Plewińska Im Dorf lebt die bekannte Dichterin, Malerin und Bildhauerin Stanisława Plewińska. Ihre Gedichte widmet sie vor allem der Schönheit der uns umgebenden Welt. Mit Deszczno (Dechsel) sind vor allem Gedichtbände verbunden wie „Mój dom wapnem malowany“ [Mein geweißtes Haus], „Kłosy“ [Ähren], „Polny Kwiat“ [Feldblume] sowie die Prosastücke „Na swoim“ [Bei sich zu Haus], „Dwie ziemie“ [Zwei Welten], „Przyloty i odloty“ [Ankünfte und Abflüge] sowie „Tak było“ [So war es].

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RADWANDERROUTEN Etwas weiter in Ulim (vormals Eulam) erreicht man erneut eine asphaltierte Straße (16,0 km). Bald darauf taucht in der Ferne eine neogotische Backsteinkirche (16,9 km) mit einem Turm aus dem Jahre 1876 mit Scheintürmchen an den Ecken auf. Hinter der Kirche führt die Route nach rechts, über die Brücke über den Deszczański-Kanal (17,1km) und weiterhin auf einem Feldweg in Richtung Niwica (Gürgenaue). An einer Eichengruppe ist nun der Deich erreicht, wo die grün markierte Radwanderweg Nr. 3 (18,9 km) die Route kreuzt.

Radwanderroute Nr. 11 Routenverlauf: Czechów – Janczewo – Grzybno-See (Przecięte) – Zdroiska Routenmarkierung: grün Gesamtlände: 13,5 km Auch der grün markierte Radwanderweg ist technisch einfach zu bewältigen und erlaubt ebenso eine individuelle Planung, wobei der Ausflug dann aus dem Warthetal hinaus über den Gorzówer Höhenzug und die Gorzówer Heide in das Santoczna-Tal hinein führt. Ausgangspunkt der Route ist der Bahnhof (0,0 km) in Czechów (zu deutsch: Zechow). Kurz verlaufen der grüne und der blaue Pfad auf einem Asphaltweg zusammen, bald darauf geht es links ins Dorfzentrum bei der Kirche (0,3 km), wo auch der gelb markierte Wanderweg hinzukommt. Hier geht es auf der Hauptstraße durch das Dorf in Richtung Janczewo (Jahnsfelde), bis sich der gelb markierte Wanderweg nach links weg von der Route trennt (1,7 km). Die Radwanderroute verläuft weiterhin geradeaus, über eine Kreuzung (2,0 km) und dann steil bergauf bis an den Rand des Höhenzugs.

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IN Der Umgebung von Gorzów Wielkopolski Oben nach 2,4 km Wegesstrecke angekommen, auf einem Weg inmitten der Felder (hier kreuzt erneut der gelb markierte Wanderweg die Route) (3,7 km), erreicht man bei km 4,3 an einer Fachwerkkirche aus dem Jahre 1735 mit einem quadratischen Turm den Ortskern von Janczewo (dem ehemaligen Jahnsfelde). Einst bildete Janczewo das Zentrum eines Landgutes mit über 2.000 ha bewirtschaftetem Ackerboden, das sich auch auf die Ortschaften Wawrów (Lorenzdorf), Santok (Zantoch) und Gralewo (Gralow) erstreckte. Eigentümer dieser Güter war Graf Otto Werner, und später, seit 1853 Mitglied des Ritterordens der Johanniter, Baron Carnap Bornheim. Im Park befand sich einst eine Familiengruft, in der u.a. 1928 der einbalsamierte Leichnam der Baronin Carnap (geborene Longpre), der ehemaligen Schwägerin des ägyptischen Königs, beigesetzt wurde. Im Baumbestand des Parks hebt sich ein Exemplar der Ahornblättrigen Platane mit einem Umfang von 390 cm hervor. Entlang des weiteren Weges stellte die Oberförsterei in Kłodawa (Kladow) eine Informationstafel auf, die über den beim traditionellen, nun bereits untersagten Ausbrennen der Wiesen im Frühjahr entstehenden Schaden aufklärt. Eine asphaltierte Straße führt an einer Kolonie am Wald vorbei, dort endet auch der Asphaltweg (7,2 km). Bald ist der Waldrand erreicht (7,9 km), dort an einer Kreuzung der Waldwege (8,6 km), geht es weiter geradeaus der Markierung „Wasserentnahmestelle“ folgend. An der Kreuzung beginnt ebenfalls die Verbindungsroute Nr. 11a, die nach links zur Landstraße Nr. 22 an den Ostrowite-See (Groß Osterwitzsee) führt. Linkerhand geht es nun am Grzybno- (auch: Przecięte-) See (Griebensee) (10,4 km) vorbei, an dem ein im Stile eines Gutshofes errichtetes Wohnhaus steht. Vom Haus aus, ent-

lang der Stromversorgungslinie nach links, wird auf einem breiten Waldweg Zdroisko (einst Zanzthal) vor einer Brücke über die Santoczna (Zanziner Fließ) erreicht. Hinter der Brücke, direkt an einer Bar (13,5 km), entdeckt man wieder die Markierungen des blau markierten Radwanderweges, der grün markierte endet hier.

Radwanderroute Nr. 11 a Routenverlauf: Waldkreuzung auf der grün markierten Radwanderroute Nr. 11 – Landstraße Nr. 22 – Ostrowite-See – Kreuzung an der grün markierten Radwanderroute Nr. 2 Routenmarkierung: schwarz Gesamtlänge: 4,4 km Eine verbindende Radwanderroute mit schwarzer Markierung, die durch den Wald verläuft, zwei Routen miteinander verbindet und an den Badestrand in Nierzym führt. Von der Kreuzung (0,0 km) aus führt ein breiter Waldweg nach links. Die Landstraße Nr. 22 zwischen Gorzów und Gdańsk wird überquert. An der nächsten Waldkreuzung nach 2,8 km geht es geradeaus, vor dem Ostrowite-See (Groß Osterwitzsee) tritt der rot gekennzeichnete Wanderweg hinzu, gemeinsam führen sie an einen Aussichtpunkt am Seeufer (3,3 km). Der Ostrowite-See (Groß Osterwitzsee)ist 26 ha groß und besitzt eine kleine bewaldete Insel in seinem östlichen Teil, wo auch die Srebrna (Silber Fließ), ein Zufluss der Kłodawka (Kladow), ihren Ursprung nimmt. Auf dem weiteren Wege wird in Kürze eine Kreuzung erreicht (3,5 km), an der der rot markierte Wanderpfad nach rechts abbiegt. Die Route führt weiterhin geradeaus bis zur Verbindung (4,4 km) mit dem grün markierten Radwanderweg.

Fragment der Befestigungen der Wälle aus Eichenbalken im Burgmuseum Santok, Foto D. Adamski

Radwanderroute Nr. 11 b

32 Radwanderroute Nr. 11 a | Radwanderroute Nr. 11 b

Radwanderroute Nr. 11.

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Routenverlauf: Santok – Naturschutzgebiet „Santockie Zakole” – Deich in Borek Routenmarkierung: schwarz Gesamtlänge: 3 km Eine sehr kurze Verbindungsroute mit schwarzer Kennzeichnung, die am Rande des Naturschutzgebietes, einem im Übrigen wertvollen Rückzugsgebiet für Vögel, verläuft. Die Radwanderroute beginnt am Hochwasserschutzdeich an der Warthe zwischen Borek (Borkow) und Ciecierzyce an der Straßenkreuzung auf km 13,8 des Streckenverlaufes der grün markierten Radwanderroute (Nr. 3). In nördlicher Richtung geht es inmitten der Wiesen den in der Ferne bereits sichtbaren Gebäuden von Santok (Zantoch) entgegen. Auf der rechten Seite gelegen ist das Naturschutzgebiet „Santockie Zakole“ mit geschützter Naturlandschaft, Vogel- und Pflanzenwelt. Das 455 ha große Areal ist insbesondere zum Schutz von Wasservögeln errichtet worden, von denen hier 121 Arten ihre Brutplätze haben. Anzutreffen

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Radwanderroute Nr. 11 c | Radwanderroute Nr. 12

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RADWANDERROUTEN sind u.a. Kraniche, Graugänse, Große Brachvögel, Trauer- und WeißbartSeechwalben. Die Landschaft prägen Wiesen mit jahrhundertealtem Eichenbestand, 220 Exemplare erreichen bereits Ausmaße, um sie eigentlich unter Naturschutz zu stellen. Die Fährverbindung über die Warthe ist erreicht (sie ist von Mai bis September von 8.00 Uhr bis zur Abenddämmerung in Betrieb); die Route endet an einem Rastplatz mit Bänken und einer Feuerstelle. Gleich in der Nähe befindet sich ein archäologisches Schutzgebiet auf dem Gelände einer mittelalterlichen Siedlung, die einst am ursprünglichen Zusammenlauf der Warthe und der Netze errichtet wurde. Die Ergebnisse der Forschungsarbeiten an der Grabungsstätte sind im Museum der Siedlung Santok (Zantoch) zu besichtigen (es ist täglich zwischen 10.00 und 18.00 Uhr geöffnet).

in Glinik (Altensorge) – eine nähere Beschreibung der Ortschaft finden Sie unter: Radwanderweg Nr. 3. Entlang dieser Markierung geht nun es in den Ortskern hinein und an der Kirche (3,3 km) vorbei, am Gebäude der Oberförsterei biegt die schwarz markierte Route vom Asphaltweg in einen Waldweg ab. Achtung! Auf der Straßengabelung geht es nach links! Im Wald erreicht man nun die Kreuzung „Drei Eichen“ (4,5 km) – im Schatten dieser Bäume sollte einst selbst der große Feldherr Napoleon Bonaparte Rast gesucht haben – , hier nach rechts und gleich dahinter nach links (eigentlich aber auf geradem Wege) entlang eines Pfades am Bach und Fischzuchtteichen (5,5 km) bis zur Badestelle am Glinik-See. Den 46,3 ha großen und max. 4 m tiefen See umgeben pilzreiche Wälder. Im Herbst einfach ein Muss!

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Radwanderroute Nr. 12

Routenverlauf: Bahnhof in Deszczno – Maszewo – Glinik – Glinik-See Routenmarkierung: schwarz Gesamtlänge: 5,5 km

Routenverlauf: Forsthaus in Wojcieszyce – Łośno Routenmarkierung: schwarz Gesamtlänge: 4,6 km

Eine kurze, mit schwarzer Markierung gekennzeichnete Radwanderroute, die direkt an den Glinik-See (Bestiensee) führt.

Eine ebenfalls schwarz markierte Route, die aus Gorzów unterschiedliche Ausflugsmöglichkeiten in den Wäldern des Barlinecko-Gorzowski Landschaftspark bietet.

Ausgangspunkt der Route ist der Bahnhof in Deszczno (Dechsel) (0,0 km). Von hier aus führt sie zu einer asphaltierten Hauptstraße, dort nach rechts, nach dem Bahnübergang erreicht sie Maszewo (vormals Massow). Am Straßenrand ragt ein Storchennest in die Höhe (1,0 km), kurz darauf gibt es einen kleinen Laden mit einer schön eingerichteten, überdachten Veranda mit Tischen und Bänken. Auf dem weiteren Weg trifft die Route auf den grün markierten Radwanderweg (2,9 km)

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Die Route beginnt am Gebäudekomplex der Försterei in Wojcieszyce (Wormsfelde) (0,0 km), von wo aus befestigte Straßen durch herrliche Kiefernwälder führen. Kurz darauf geht es auf der asphaltierten Straße (3,2 km) zwischen Kłodawa (Kladow) und Lipy (Lübbesee) auf geradem Wege nach Łośno (Lotzen), um dort am Lebensmittelladen die grün markierte Radwanderroute zu erreichen. An dieser Stelle ist unser Radwanderweg am Ende angelangt.

Touristische Wanderrouten Wanderroute Nr. 1  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100 Gorzów – Małyszyn – Chróścik – Moränenhügel – Bogdaniec Wanderroute Nr. 2  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104 Gorzów – Wojcieszyce – Ostrowite-See – Santoczno Wanderroute Nr. 3  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 105 Gorzów – Czechów – Janczewo – Gralewo – Santok Wanderroute Nr. 4  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 107 Santoczno – Duże Wełmino-See – Wełminko-See – Naturschutzgebiet „Zdroiskie Buki“– Gralewo – Santok


TOURISTISCHE WANDERrouten Die Wanderwege führen aus Gorzów in die umliegenden Wälder. Ihr großer Vorteil besteht darin, dass sie den Wanderer oft an Orte leiten, die weder motorisierte Touristen noch Radwanderer erreichen können. Selten trifft man dort auf einen Menschen, eher läuft einem dort ein Wildschwein, ein Reh oder ein Fasan über den Weg. Im Unterschied zu den Radwanderwegen bilden die Wanderrouten keine Schleifen, was zur Folge hat, dass man gezwungen ist, den Heimweg mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewältigen oder entlang einer Radwanderroute.

Wanderroute Nr. 1 Routenverlauf: Gorzów – Małyszyn – Chróścik – Moränenhügel – Bogdaniec Routenmarkierung: rot Gesamtlänge: 17,4 km Ausgangspunkt der Wanderung ist die Verkehrsinsel „Kardynała Stefana Wyszyńskiego“ (0,0). In südliche Richtung geht es rechterhand am Stadion des Akademischen Sportverbandes, d.h. seiner Außenstelle in Gorzów, vorbei. Die Route führt nach rechts in die Adama Mickie-

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wicza-Str. und überquert eine Steinbrücke über die Kłodawka (Kladow). Von hier aus erstreckt sich ein 1882 von Friedrich Klose, einem Mitglied des Landsberger Stadtrates, gestifteter Park (2,10 ha). Er ist einfach ein wundervoller Ort, um hier vor der weiteren Wanderung einen kleinen Spaziergang zu unternehmen. Direkt an der Brücke stehen zwei Säuleneichen. Im Teil des Parks zur rechten Hand kommen Sommer- und Winterlinden, gewöhnliche Eschen, PyramidenPappeln, Ahornblättrige Platanen und Douglasien hinzu. Zwischen den Bäumen wurde ein Gedenkstein mit einem Medaillon zu Ehren der Gorzówer Schriftstellerin und Dichterin Irena Dowgielewiczowa errichtet. Im linken Teil des Parks befindet sich ein Kinderspielplatz. Auch hier lassen sich interessante Baumarten entdecken: der exotische Gelbe Trompetenbaum, die Sumpfzypresse oder aber die hier beheimatete Eiche oder auch Flatterulme und die an den Ufern der Kłodawka (Kladow) wachsenden, eindrucksvollen Schwarzpappeln. Von hier aus ist es nur ein Katzensprung, um auch ohne Wegesmarkierung den in der nähe gelegenen Plac Grunwaldzki zu besu-

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Grünanlage an der Kłodawka, Foto D. Adamski

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TOURISTISCHE WANDERrouten Irena Dowgielewiczowa In ihren Texten verarbeitete sie literarisch die Geschichte des Gorzów der Nachkriegszeit, sozusagen der Pionierzeit (so z. B. im „Rubież“ (Grenzland) genannten Werk). Sie debütierte im Jahre 1962 mit dem Erzählband „Lepszy obiad“ (Besseres Mittagessen), in dem sie sich mit dem Thema der von Krankheit gezeichneten Menschen sowie von Menschen, die mit Schmerzen und Leiden leben müssen, beschäftigte. Einen weiteren Teil ihres Werk bilden die Gedichte „Rzecz o mieście Gorzowie“ (Ein Beitrag zur Stadt Gorzów) aus dem Gedichtband „Tutaj mieszkam“ (Hier wohne ich). Sie wohnte in der nahegelegenen Villa an der Dąbrowskiego-Str. 18 über 40 Jahre lang. Nachfolgend eine kleine Kostprobe ihrer Dichtung über Gorzów: „Czy można kochać mury? Można. (Kann man denn Mauern lieben? Ja, man kann) Nie Kapitol ani gotyk Kolonii, (Kein Kapitol, noch Kölner Gotik,) Tylko tamten załom ściany narożnej, (Nur diesen kleinen Winkel einer Eckwand) Szorstki opór zesłabłej dłoni”. (Rauer Widerstand der schwachen Hand) Anerkennung erlangte die Schriftstellerin darüber hinaus als Autorin des Romans „Krajobraz z topolą“ (Landschaft mit Pappel), des Erzählbandes „Przyjadę do ciebie na pięknym koniu“ (Ich komme zu Dir auf herrlichem Pferde) und eines weiteren Erzählbandes mit dem Titel „Wujaszek Snep i inni przyjaciele“ (Onkel Snep und andere Freunde), dessen Helden Tiere sind. Die Handlung vieler ihrer Erzählungen spielt während des Krieges, aber weder militärische Begebenheiten noch Heldenmut bilden das Thema, sondern die Haltung der einfachen, „zivilen“ Einwohner kleiner Ortschaften, für die der Krieg eine Art Charakterprüfung darstellte. Dowgielewiczowa interessieren vor allem die Voraussetzungen der humanitären Grundhaltung ihrer Helden, Gründe für ihren Mut und schließlich jene Umstände, die sie zum Treffen schwieriger Entscheidungen zwingen. chen (eine nähere Beschreibung findet sich im Kapitel zu den weiteren sehenswerten Orten in der Stadt). Vom Grunwaldzki-Platz kann man über die Jagiellończyka- und die Kosynierów Gdyńskich-Str. abkürzen und erneut auf den rot markierten touristischen Pfad zurückkehren. Die Wanderroute verläuft entlang der Mickiewicza-Str. bis zur Kosynierów Gdyńskich-Str. und weiter in südlicher Richtung bis zur KreuGorzów bei Nacht, Foto T. Jocz

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zung (0,9 km) mit der Matejki-Str.. An der Kreuzung geht es nach rechts und entlang der von Laubbäumen umsäumten Matejki-Str. bergauf. An der Kreuzung (2,1 km) mit der Marcinkowskiego-Str. befindet sich zur Linken eine weitere mit Winterlinden bepflanzte Grünanlage. Kurz darauf ist die Kreisverkehr Szembek erreicht, etwas weiter die Kreisverkehr Szczecińskie, hinter der (aber noch vor der Tankstelle) die Route nach links abbiegt. Ein Feldweg, an dem erhabene, betagte Laubbäume (Linden, Ahornbäume, Eichen usw.) ein Spalier bilden, führt bis zur Dobra-Str. am südlichen Ende von Małyszyn (Merzdorf). Im nördlichen Teil des Dorfes (abseits der markierten Route) befindet sich ein Gutshaus aus dem 19. Jh. mit einem Garten, in dem Winterlinden, Buchen, Flatterulmen, Rosskastanien und Lerchen gen Himmel empor ragen, die ihren Größen nach durchaus unter die Belange des Naturschutzes fallen würden. Durch den Garten verläuft eine mit Linden und Ebereschen bepflanzte Allee, in der auch Falscher

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Teich am Museum in Bogdaniec, Foto D. Adamski Jasmin und Schneebeeren auftreten. Problemlos lassen sich hier auch so interessante und schöne Bäume entdecken wie der Amerikanische Tulpenbaum, der Götterbaum, Buchsbaum, Roteiche und die Magnolie. Weiterhin führt die befestigte Stalowa-Str. bis zur Trasa Zgody (die westliche Umgehungsstraße), die überquert wird und auf asphaltierter Straße weiter nach Chróścik (dem einstigen Neuendorf) führt. Im Dorfzentrum (6,9 km) steht rechterhand eine aus rotem Backstein errichtete neogotische St. Josefs-Kirche aus dem Jahre 1871 mit einem charakteristischen, sechseckigen Chorraum. Im Inneren befindet sich ein spätbarockes Taufbecken, im Turm eine Glocke aus dem Glockenturm eines früheren Gotteshauses aus dem 18. Jh.. Gegenüber, inmitten einer Gruppe alter Eichen, befindet sich ein Sockel mit einer umgestürzten Steinplatte, die man einst zu Ehren der im I. Weltkrieg gefallenen Einwohner dieses Dorfes gestiftet hatte. Entlang des Weges führt die Route nun an der inmitten von Feldern gelegenen Städtischen Mülldeponie vorbei. Erst hier wird uns wirklich bewusst, was für „Müllproduzenten“ wir eigentlich sind. Es kommen da ganz beträchtliche Berge zusammen!

Wie dem nun auch sei, auch an dieser Stelle geht es weiter, und zwar in den Wald hinein bis zum Eisenbahnviadukt (9,1 km) der gegenwärtig außer Betrieb gesetzten Linie zwischen Gorzów und Myślibórz. Die weitere Route führt unter dem Viadukt hindurch entlang des linken Ufers der Łupica. Dieses kleine Flüsschen war nie wasserreich gewesen, daher besagt die Legende auch, dass das Wasser hier im Sommer nur nachts und früh nur bis zur Mittagsstunde fließt und danach bis zum Abend einfach mal wieder verschwindet. Die Route erreicht die ersten Häuser von Łupowo (zu deutsch: Loppow) (10,5 km), nach einigen hundert Meter geht es nun über die Brücke an der Łupica und weiter, bereits entlang des anderen Ufers, auf einem Feldweg in Richtung Wald. Hier biegt die Route nach links ab (bitte unbedingt die Markierungen beachten!). Die Route führt sich nun weiter schlängelnd und bereits zu einem kleinen Pfad geworden bergauf, um sich nach dem Erreichen eines gut sichtbaren Waldweges, fast auf der Kuppel eines Hügels, wie in Bergen zu fühlen! Ringsherum erstreckt sich ein die steilen Hänge bewachsender Buchenwald. Die Strecke führt wieder hinunter bis zu den Gebäuden des Forsthauses in Łupowo.

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TOURISTISCHE WANDERrouten Unten angelangt geht es zunächst nach rechts, danach wird die Landstraße von Łupowo (Loppow) nach Racław (Ratzdorf) überquert (14,1 km) und schließlich ein dort angelegter Rastplatz erreicht (überdacht mit Tisch, Bänken und einer Feuerstelle). Die weitere Wanderung verläuft nun auf einem breiten Waldweg bis zu einer Kreuzung, dort nach links. Danach geht es auf zahlreichen Pfaden, gerade zu einem ganzen Pfad-System, sowie durch unwegsames Gelände (hier bitte unbedingt die Markierungen beachten!) mehrfach hinauf auf die durch die Gletscher geformten Moränenhügel und wieder hinunter, häufig inmitten von Buchenwäldchen. Fast am Rande von Jenin (vormals Gennin) taucht eine Eichengruppe auf, unter der sich ein Baum mit einem stolzen Umfang von 380 cm deutlich hervorhebt. Noch immer inmitten des Waldes werden weitere Moränenhügel erklommen, darunter auch ein wahrhaftiger Bergkamm. Schließlich ist das Waldgebiet nach 16,5 km Wegesstrecke durchquert. Hier biegt die Route nach rechts ab, nach wenigen Minuten ist am Gebäude der Oberförsterei in Bogdaniec (Dühringshof) (17,4 km) die Chaussee von Bogdaniec nach Lubno (Liebenow) erreicht. Wenn man von hier aus nach links weiterläuft, gelangt man an die Bushaltestelle und den örtlichen Bahnhof.

Wanderroute Nr. 2 Routenverlauf: Gorzów – Wojcieszyce – Ostrowite-See – Santoczno Routenmarkierung: rot Gesamtlänge: 18,3 km Die Wanderung nimmt wiederum an der großen Kreisverkehr Kardynała Stefana Wyszyńskiego ihren Anfang (0,0). Von hier aus verläuft die Route zunächst in östlicher Richtung, bergauf in die Allee Odrodzenia

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Polski durch den Park Zacisze und weiter zur nächsten Verkehrsinsel (0,4 km), der man den Namen des Marschalls Piłsudski verliehen hat. In Kürze soll hier ein Springbrunnen aufgestellt werden. Dahinter beginnt der Kopernika-Park (eine nähere Beschreibung finden Sie unter der Besichtigungsroute Nr. 4). Die Piłsudskiego-Str. führt zu der sich rechterhand befindenden Hl. Maksymilian M. Kolbe-Kirche aus den achtziger Jahren. Erneut überquert man eine Verkehrsinsel, das sog. Kreisverkehr Górczyńskie, und weiter entlang der Czartoryskiego- und Dekerta-Str. gelangt man in die Schrebergartenanlage. Von dort aus führt ein Feldweg zunächst in die weiten Felder hinaus und schließlich nach Wojcieszyce (dem ehemaligen Wormsfelde) (für eine nähere Beschreibung schauen Sie bitte beim Radwanderweg Nr. 3 nach). Im Ortskern (6,3 km) geht es nach links bis die Ortschaft entlang des grün markierten Radwanderweges verlassen wird, hier am Schießplatz und Ruinen vorbei. An der Kreuzung, am Gebäude der ehemaligen Försterei in Wojcieszyce (Wormsfelde) (8,8 km) folgt man dem Pfad nach rechts und bald darauf, nachdem eine Brücke über die Srebrna (Silber Fließ) überquert ist, wird auch der grün gekennzeichnete Radwanderweg verlassen. Weiterhin geht es auf Waldwegen entlang des ausgeschilderten Wanderweges. Bald ist ein konzentrisch angeordneter Zusammenlauf von fünf Waldwegen erreicht. Dies ist ein äußerst geheimnisvoller Platz. Zentral befindet sich dort ein kleiner, etwa 1,5 m hoch aufgeschütteter Hügel, auf den vier Auffahrten führen (oder sind es etwa Rampen?). Um den kleinen Hügel kreisförmig herum stehen 11 Eichen im Alter von etwa 150 Jahren, die jeweils 29,5 m von seiner Mitte entfernt sind. Berücksichtigt man, dass die Bäume sowohl innerhalb als auch außerhalb des Waldwege-

in Der Umgebung von Gorzów Wielkopolski netzes wachsen, kann man behaupten, dass der Eichenkreis noch vor der Anlage der heutigen Wege entstanden sein musste. Auf Karten aus dem 19. Jh. trägt der Ort den Namen Stern. Vermutungen zufolge kann es sich hierbei um eine Begräbnisstätte für napoleonische Soldaten, die während des Abzugs der Großen Armee von Moskau gestorben sind, oder aber auch um ein Element der Landschaftsgestaltung handeln. Endgültig können diese Thesen einzig durch Ausgrabungen bestätigt oder verworfen werden. Am Eichenkreis kommt erneut der grün markierte Radwanderweg hinzu, zusammen verlaufen die Routen nun auf Waldwegen durch einen ausgedehnten Kiefernwald. Nach insgesamt 11,8 km ist das Gebäude des ehemaligen Jägerhauses Różanki Mokre erreicht, kurz darauf gelangt man zum Naturdenkmal „Eiche“ (hier auf Wegesmarkierung achten!), von wo aus nach rechts ein Pfad in die Tiefen des Waldes führt. Entlang dieses Pfades erreicht man das Ufer des Ostrowite-See (Groß Osterwitzsee) (12,8 km). Von dieser Stelle aus ist eine kleine bewaldete Insel gut sichtbar. In den achtziger Jahren hatte die Insel ihren ganz eigenen „Robinson“ gehabt – ein Mitarbeiter der Gorzówer Fabrik „Stilon“ verbrachte, stets einsam und ohne „Freitag“, seinen Urlaub auf der Insel. Aus dem 26 ha großen See entspringt das Flüsschen Srebrna (Silber Fließ), ein Zufluss der Kłodawka (Kladow). Am südlichen Ufer entlang verläuft die Route inmitten der den See umgebenden Laubwälder. Nachdem ein breiter Waldweg erreicht ist, geht es nach links ab (hier gibt es dann wieder die Markierungen des schwarz gekennzeichneten Radwanderweges) und an den östlichen Rand des See. Hier lohnt es sich zum Ufer hinunterzusteigen, um einen Blick auf die Wasseroberfläche zu werfen, die inmitten der herrlichen Wälder schimmert. Über einen

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Insel auf dem Ostrowite-See, Foto D. Adamski ganz besonderen Zauber verfügt dieser Ort im Herbst bei Sonnenuntergang. Nach der Rückkehr zum ausgeschilderten Pfad geht es nun weiter bis zu einer Waldkreuzung, wo nach rechts abgebogen wird und auf der darauffolgenden Kreuzung wiederum nach links (14,9 km). Hier ändert sich der Wald schlagartig. Anstelle der Laubbäume treten nun vermehrt Kiefern. An einer weiten Lichtung vorbei führt der Weg bis zu den ersten Häusern von Santoczno (Zanzhausen). Nachdem die Brücke über die Santoczna (Zanziner Fließ) überquert ist, erreicht man hier einen Knotenpunkt der Wander- und Radwanderwege gleich in der Nähe der Kirche (18,0 km). Eine nähere Beschreibung der Ortschaft finden Sie beim Radwanderweg Nr. 2.

Wanderroute Nr. 3 Routenverlauf: Gorzów – Czechów – Janczewo – Gralewo – Santok Routenmarkierung: gelb Gesamtlänge: 17,6 km Diese Wanderroute beginnt am Bahnhof in Gorzów und verläuft direkt durch das Stadtzentrum entlang der Straßen: Dworcowa, Sikorskiego und Warszawska bis zur Kreisverkehr Santockie (2,3 km). Direkt hinter der Verkehrsinsel stehen zwei denkmalgeschützte Ahornblättrige Platanen. Entlang

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TOURISTISCHE WANDERrouten Gorzówer Tataren Die Nachkriegsgeschichte dieser Gegend ist eng mit der Volksgruppe der polnischen Tataren verbunden. Sie kamen hauptsächlich aus der ehemaligen Wojewodschaft Nowogrodzkie nach Gorzów und gründeten 1947 eine muslimische Gemeinde, die vom Imam Bekir Radkiewicz geleitet wurde. Die hier niedergelassenen Tataren (etwa 100 Personen) konnten sich jedoch nicht den Bau einer Moschee leisten, daher trafen sie sich zum Gebet in privaten Wohnungen. Wegen der Emigration sowie der kulturellen und religiösen Assimilation der Nachfahren gibt es heute kaum noch „echte“ Tataren in der Stadt. Und das ist ein ganz trauriger Umstand, da ihre farbenprächtige und interessante Kultur (sie organisierten ausgezeichnete Tanzfeste, die „tatarische Bälle” genannt wurden) die Stadt sicherlich bereichern würde. Hebt man die religiöse „Andersartigkeit“ der Tataren immer wieder hervor, so vergisst man nur all zu häufig, dass Polen tatarischen Ursprungs unser Land immer unterstützt haben: von der Schlacht um Grunwald (Tannenberg), über die siegreichen Kriegszüge Königs Jan III. Sobieski, den Krieg gegen die Bolschewiken im Jahre 1920 bis hin zum II. Weltkrieg, als es in den Reihen der polnischen Armee ein tatarisches Geschwader gab. der Warszawska-Str. geht es weiter unter dem Viadukt hindurch und dann leicht bergauf in die Wawrowska-Str.. Es geht bergauf auf den Rand des Höhenzugs. Zur rechten Hand erstreckt sich der dichte Wald des Czechówek-Parks (34,3 ha). Der Park wurde im Jahre 1927 als Goldbeckwäldchen gegründet und wurde bald darauf zu einem beliebten Ausflugsort der Landsberger. Heute ist dies leider nicht mehr so. Wenn man sich zutraut, sich auf einem der Pfade in das Dickicht zu begeben, so begegnet man zahlreichen Quellen, Schluchten mit steilen Hängen und eine langgestreckte Lichtung – die alte „Verlobungswiese“. Die Lichtung wird von der einen Seite durch Nadelwald begrenzt, auf der gegenüberliegenden Seite erstreckt sich ein Laubwald. In den dreißiger Jahren wurde am östlichen Rand des Parks das

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„Waldwirtshaus“ erbaut: ein Treffpunkt, an dem man bei Bier und Kartenspiel die Zeit verbringen konnte. In diesem Zeitraum wurden auf dem Gelände des Parks auch mehrfach Megalithgräber von vor über 4.000 Jahren entdeckt. Das eindrucksvollste, von Fritz Bucholz 1932 entdeckte Grab wurde zunächst in den WolnościPark (Freiheitspark) und später, im Jahre 1960, in den Park am Lubuskie Museum verlegt. Am südlichen Rand des Parks, an der Straße nach Czechów (Zechow), ist ein kleiner, mit Quellwasser gespeister Teich angelegt worden. Im Baumbestand überwiegen Kiefern mit Eichen, Birken, Lerchen, Ahornbäumen, Hainbuchen, Ulmen und sogar Weymouthskiefern. Zurück auf dem Wanderpfad erstreckt sich zur Linken ein Panorama auf den industriellen Teil der Stadt sowie den Kirchturm in Wawrów (Lorenzdorf). Die Route erreicht hier die befestigte Straße zwischen Wawrów (Lorenzdorf) und Czechów (Zechow). Diese wird überquert und weiter geht es auf einem Feldweg auf einem Hügelkamm entlang bis zur gepflasterten Straße, die in die Ortschaft Czechów (einst: Zechow) hineinführt (für eine nähere Beschreibung des Dorfes schauen Sie bitte unter: Radwanderweg Nr. 4). An der Kirche biegt die Straße nach links, danach nach rechts ab, weiter führt sie entlang eines malerischen Tales wieder in den Wald hinein. Nach einer erneuten Linksbiegung tauchen zur Rechten die Hügel (69 m über NN) der Bieszczady Janczewskie auf. Auf dem weiteren Wege gelangt man in die Nähe der ehemaligen Kohlestaubhalde des Gorzówer Heizkraftwerkes. Seitdem das HKW von Kohle auf Gas umgestellt hat, wird dieser Lagerplatz nicht mehr genutzt und nach und nach von der Natur wieder zurückerobert. Vor dem Friedhof in Janczewo (zu deutsch: Jahnsfelde) (für eine nähere Beschreibung des Dorfes vergleichen Sie bitte unter: Rad-

in Der Umgebung von Gorzów Wielkopolski wanderweg Nr. 11) geht es auf einem breiten Feldweg weiter, der direkt ins Dorfzentrum hineinführt (11,2 km). Auf einer asphaltierten Straße, im Schatten alter Laubbäume, verläuft die Straße in Richtung Gralewo (dem ehemaligen Gralow). Die Geschichte der Ortschaft reicht in das 14./15. Jh. zurück, als hier die erste Kirche errichtet wurde und das Dorf zwei Rittergeschlechtern gehörte, den Strauss’ und den Rulicks. Die heutige Fachwerkkirche mit einem von der Familie von Schöning gestifteten Altar aus dem 18. Jh. ist nach einem Brand des vorherigen Gotteshauses erbaut worden. Dort lässt sich auch das Familienwappen der Stifter wiederentdecken. Der mit Blattgold und Silber überdeckte Altar (ursprünglich ein Kanzelaltar) im Stile der Barocke stellt das Letzte Abendmahl und die Kreuzigung Christi dar. Im Inneren ist eine Unterschrift des aus Barlinek stammenden Meisters und Erbauers, Adam Kinitz, erhalten. Das Gotteshaus verfügt darüber hinaus über einen Turm mit einer Laterne und einen Turmhelm. Im Turm befinden sich zwei von Rudolf von Schöning im Jahre 1735 gestiftete Glocken. Auf den Feldern des Dorfes wurden in den Jahren 1818 und 1896 mit Silbermünzen und Geschmeide gefüllte Tontöpfe aus dem Ende des 10. und der Mitte des 11. Jh. ausgegraben. Vor den letzten Häusern des Dorfes geht es schräg nach rechts bergab und auf einem Feldweg fast bis zum Aussichtsturm (15,6 km) in Santok (vormals Zantoch). (Für eine nähere Beschreibung der Ortschaft schauen Sie bitte beim Radwanderweg Nr. 4 nach). Hier verläuft die Route nach links, abschüssig in ein kleines Tal mit steilen Hängen, unter dem Eisenbahnviadukt hindurch. Danach biegt die Route erneut nach

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Historisches Haus entlang der Route (Santok), Foto D. Adamski links in die Gorzowska-Str. ein und führt direkt in den Ortskern. Weiterhin geht es an der Kreuzung mit der Landstraße Nr. 158 vorbei bis zum Bahnhof in Santok (Zantoch) (17,6 km).

Wanderroute Nr. 4 Routenverlauf: Santoczno – Duże WełminoSee – Wełminko-See – Naturschutzgebiet „Zdroiskie Buki“– Gralewo – Santok Routenmarkierung: blau Gesamtlänge: 18,7 km Die Wanderung nimmt am Knotenpunkt der touristischen Wanderwege an der Kirche in Santoczno (Zanzhausen) ihren Ausgang und verläuft zunächst auf einem breiten sandigen Weg in östliche Richtung. Nach 0,2 km geht es nach links und nochmals nach links, um die Landstrasse zwischen Rybakowo und Zdroisko (Zanzthal) (1,1 km) zu überqueren. Nachdem eine gut sichtbare Waldschneise erreicht ist (1,3 km), biegt die Route nach rechts ab. Nun geht es geradeaus bis zu einer erneuten Linksbiegung, danach an einer Kreuzung vorbei, unter einer Hochspannungsleitung (3,8 km) hindurch und schließlich zur Straße zwischen Gorzów und Strzelce Krajeńskie (Friedeberg) (5,1 km). Gegenüber, an dem 24 ha großen Duże Wełmino-See (Welmsee) liegt eine Urlaubs-

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TOURISTISCHE WANDERrouten

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Auf dem See, Foto B. Nowosielski anlage für Polizeiangestellte. Hier gibt es auch eine Bushaltestelle, an der Busse auf Wunsch halten. Es geht zunächst nach links weiter, direkt dahinter nach rechts (über die Straße), und danach hinunter an das östliche Ufer des See. Entlang des malerischen Pfades um den See herum, inmitten eines wunderschönen Buchenbestandes erreicht man den nächsten See, den etwa 8 ha großen Wełminko-See (Welmsee). An seinem südlichen Ufer, neben einer Gruppe betagter Buchen (7,0 km), gibt es einen ausgezeichneten Aussichtspunkt auf den gesamten See. Nach ein steiles Teilstück bergauf bezwungen wurde, erreicht man eine breite Waldstraße: hier geht es zunächst rechts, dann links, schräg in einen jungen Wald in das Naturschutzgebiet „Zdroiskie Buki“ (7,9 km) – für eine Beschreibung des Naturschutzgebietes schauen Sie bitte beim Radwanderweg Nr. 4 nach – hinein. Über den Stamm einer umgestürzten Buche wird der hier stark mäandrierende Fluss überquert, weiter geht es erneut steil die Uferböschung hinauf. Auf

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Entlang der Route „Blau”, Foto D. Adamski unwegsamem Gelände gelangt man nun an eine breite Waldstraße, kurz darauf bei km 10,4 zum Straßenzusammenlauf von sechs Waldwegen. Auf geradem Wege geht es hier bis zur Brücke über einen Bach, der aus dem auf der linken Straßenseite gelegenen, langsam verlandenden Racze-See (Raaksee) strömt (Der See ist vom Weg aus nicht sichtbar. Man kann ihn erreichen, indem man die Wanderroute vor der Brücke rechts verlässt und einem nicht markiertem Pfad folgt). Die Brücke wird überquert und kurz darauf gelangt man an eine Kreuzung von fünf Waldwegen, bereits am Rande der Gorzowska-Heide (13,2 km). Auf einer breiten Straße, an deren Rändern der Riesen-Schachtelhalm wächst, erreicht man den Ortskern von Gralewo (ehemals Gralow) (15,7 km); eine nähere Beschreibung bietet Ihnen die Wanderroute Nr. 3. Die weitere Wanderung folgt dem letzten Abschnitt der gelb gekennzeichneten Wanderroute von Gorzów nach Santok (Zantoch). Der Ausflug endet am Bahnhof in Santok (Zantoch) (18,7 km).

Praktische Informationen Gorzówer Küche  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   110 Übernachtungen in Gorzów  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   112 Museen  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   113 Wichtige kulturelle Einrichtungen in Gorzów  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   114 Wichtigste Sportanlagen in Gorzów  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   115 Badestellen und Schwimmbäder in der Umgebung von Gorzów  . . . . .   116 Pferdegestüte in der Umgebung von Gorzów  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   116 Weitere interessante Orte in der Umgebung von Gorzów  . . . . . . . . . . .   116 Regelmäßige Veranstaltungen in Gorzów  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .   117


Praktische Informationen Gorzówer Küche Gorzów entzückt den Besucher nicht nur mit der herrlichen Natur seiner Parkanlagen oder der Schönheit seiner Architektur. Auf einer Wanderung durch Gorzów kann man auch gute, interessante und gesunde Küche kennen lernen. Im Folgenden sollen einige Restaurants und ihre Spezialitäten vorgestellt werden. Don Vittorio ul. Sikorskiego 21 Ein elegantes Restaurant, dessen Hauptspeiseraum auf eine lange und interessante Tradition zurückblicken kann: einst war hier der Sitz der Freimaurerloge und dann, nach dem Krieg, der „Piastensaal“ des ersten Landratsamtes. Die Küche gilt als die beste in ganz Gorzów mit Blick auf die Auswahl der Speisen, sie ist eine Küche für ausgesprochene Feinschmecker und maßgeblich an der Entwicklung neuer Trends in der gastronomischen Mode beteiligt. Im Menü

Touristeninformation Die ausführlichsten Tourismusinformationen finden Sie im Internet. Ein vollständiges Tourismusangebot für Gorzów und Umgebung hält die Seite http://www.wypoczynek. gorzow.pl bereit. Die Tourismusinformation des polnischen Tourismusverbandes PTTK befindet sich in der Wał Okrężny-Str. 32, Tel.: +48 (0)95 7352838, Internet: http://www.gorzow.pttk.pl, E-Mail: oddzial_pttk_gorzow@wp.pl. In der Fußgängerzone am Wełniany Rynek (Wollmarkt, gleich neben dem Einkaufszentrum „Arsenał“) steht unser PR-Straßenbahnwagen – eine historische „Bimmelbahn“, in der man unzählige Andenken, Bücher, Broschüren und Tourismuskarten, lokale Presseerzeugnisse sowie Werbeartikel rund um Gorzów Wielkopolski käuflich erwerben kann.

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5 findet man ausschließlich Gerichte aus dem Mittelmeerraum mit überwiegend italienischen Namen. Das Carpaccio aus Rinderfilet mit klitzekleinen Brötchen panini ist – wie die Gäste einstimmig behaupten – das weltweit beste. Die erlesenen Speisen werden stets von hervorragendem Wein aus aller Welt begleitet. Restaurant „Karczma Słupska“ ul. Mieszka I 61 Die Spezialität des Hauses bilden altpolnische Gaumenfreuden mit besonderer Berücksichtigung der kaschubischen Küche. Und da hier wirklich gut gekocht wird, erklärt der Küchenchef ganz ohne Risiko: „wenn dem Gast das Gericht nicht mundet, sollte er nach einem Tausch bei der Wirtshausbedienung fordern“. Ein besonders empfehlenswertes Mittagsmenü bietet folgende Zusammenstellung: 1) Brotsuppe mit Schweinefleischbällchen in Brot gereicht, 2) Schnitzel aus Schweinefilet mit Pfifferlingen, 3) Bratkartoffel mit Zwiebel und drei verschiedene Salate. Restaurant „U Marii“ im Hotel „U Marii“ , ul. Walczaka 16a Hier leitet den Küchenchef die Feststellung, dass es „keine ehrlichere Liebe gibt als die Liebe zum Essen“. Und in der Tat dienen sehr viele Gerichte und Getränke der Liebe. Auf der Speisekarte des Restaurants „U Marii“ findet man die besten (und wirkungsvollsten) unter ihnen: Gemüse. Erbsen, Saubohnen, Rettich, Artischocke, Porree, Salat und Zwiebel sind Aphrodisiaka, über die bereits der Schriftsteller Johann Jakob Wecker (1570–1657) schrieb: „Wenn der Mann ein starker Kämpfer in der Armee der Göttin Venus sein möchte, so muss er mit diesen Gerichten bewaffnet sein, insbesondere die mit einem Knollen“.

Spargel. Scheich Umar Ibn Muhamed Al. Nefzawi schrieb in seinem Werk aus dem 16. Jh. über den Spargel folgendermaßen: „Werden sie mit Eigelb in fettreicher Milch und Honig geschmort, bewirken sie, dass die Männlichkeit Tag und Nacht in Bereitschaft ist.“ Doppeltes Beefsteak. In den dreißiger Jahren herrschte die Überzeugung vor, dass der Verzehr von blutigem Beefsteak im Manne Begierde und Temperament wecke. Diese Meinung vertraten u.a. der Schriftsteller und Politiker Chateaubriand sowie der Komponist Rossini. Wenn sie also einen prickelnden Abend mit einer ihnen nahe stehenden Person verbringen möchten, so ist das „U Marii“ auf jeden Fall empfehlenswert. Bar „U Bartosza“ An der Ecke Łokietka- und Wybickiego-Str. Ein Ort mit einer langen, sogar 27-jährigen Tradition und besonderem Flair. Hier werden Dutzende Arten von Eierkuchen sowie eine aromatische und immer gleich schmackhafte Rote Beete Suppe serviert. Der Leitgedanke der Bar lautet: „Eierkuchen sind ein

schmackhaftes und preiswertes Gericht“. 2006 zählten Eierkuchen mit Spinat und Feta sowie Eierkuchen mit Putenfleisch, Moosbeeren und Brie zu den beliebtesten Kompositionen.

Gorzówer Küche

Gorzówer Küche

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Restaurant „Frajda smaku“ ul. B. Chrobrego 13 ... und alles begann mit einer Gans, die in ihrer ganzen Größe auf Mutters Tisch in Pflaumen, Äpfeln und Kräutern zu erscheinen pflegte. Die Hausgäste leckten sich die Finger nach ihr, und so ward schließlich die Idee geboren, ein Restaurant namens „Frajda“ zu gründen, um auch ein größeres Kreis von Gästen an diesem himmlischen Genuss einer Gans teil haben zu lassen. Als Motto könnte der etwas abgewandelte Spruch des Vaters der polnischen Literatur, Mikołaj Rej, dienen: „Die Gorzówer sind Feinschmecker und haben ihre Speisen aus Gänsen“ [Im Original: „Polen sind schließlich keine Gänse und haben ihre eigene Sprache“]. Vom Gulasch über Gänseleber bis hin zur Gänsekeule: alle Gerichte werden aus Gänsefleisch zubereitet. Brotbacken in Bogdaniec, Foto D. Adamski

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Praktische Informationen Pub „Rycerski“ ul. Wodna 9 Der Trumpf dieses Pubs ist zweifelsohne seine Innenausstattung. Beim Essen kann man hier Schwerter, Stichwaffen, Schilder und andere Rüstungselemente bewundern, die seit den Zeiten der Schlacht um Grunwald/Tannenberg bis zu der Zeit der gefürchteten geflügelten Einheiten der polnischen Reiterei im Einsatz waren. Der ausgezeichnete Standort im Zentrum sowie preiswerte Gerichte führen dazu, dass der Pub gern und zahlreich besucht wird.

Ein solches Menü bestellen Veranstalter von Festessen. Die Gäste werden mit frisch geräucherten Wurstwaren, die auf eigens angefertigten Ständern hängen, überrascht sowie mit ausgezeichneter Presswurst, Räucherbauchspeck und Rollschinken. Als Beilagen dienen saure Gurken und sauer eingelegte Pilze. Die meisten der hier angebotenen Gerichte werden in der Küche vor Ort zubereitet, sind also frisch und ohnehin sehr schmackhaft.

Restaurant im Hotel „Qubus“ ul. Orląt Lwowskich 3 Hotel und Restaurant, das vor allem von Geschäftsleuten besucht wird. Zum Mittagstisch wird dann am häufigsten das argentinische Entrecote, die Seezunge auf königliche Art oder Hasenrückenbraten gespeist. Stets gibt es eine ganz hervorragende Auswahl an Fischgerichten. Das Menü beinhaltete daneben verschiedene Spezialitäten der italienisch-französischen Küche. Der Küchenchef bereitet täglich frische Suppen zu, die gern von den Restaurantgästen bestellt werden.

Hotel „Azyl“, ul. Chopina 45 (500 m von Haupt- und Busbahnhof entfernt), 66-400 Gorzów, Tel.: + 48 (0)95 7227276; 100 Plätze in 55 Zimmern (1-, 2-, 3- und 4-Bett-Zimmer); im Hotel ebenso ein Restaurant, Spiel und Spaß. Hotel „Dworcowy“, ul. Dworcowa 1, 66-400 Gorzów, Tel./Fax: +48 (0)95 7228591, http:// www.hotelikdworcowy.pl Hotel „Gorzów“, ul. Walczaka 20, 66-400 Gorzów, Tel.: +48 (0)95 7221133, http://www. hotelgorzow.pl, E-Mail: recepcja@hotelgorzow.pl; 96 Plätze in 69 Zimmern (1- und 2Bett-Zimmer); Ausstattung in den Zimmern: Telefon, TV/Sat, Bad/WC, Radio; zusätzlich im Hotel: Restaurant (geöffnet zwischen 12.00 und 22.00 Uhr), Konferenzzentrum, bewachte Parkplätze (gegen Gebühr), Internetcafe. Hotel „Gracja“, ul. Dąbrowskiego 20B, 66400 Gorzów, Tel.: +48 (0)95 7202815, http:// www.hotelgracja.pl; 40 Plätze in 21 Zimmern (1- und 2-Bett-Zimmer); Ausstattung in den Zimmern: Telefon, TV/Sat, Bad/ WC, Radio; zusätzlich im Hotel: Restaurant, bewachte Parkplätze (gebührenfrei), Konferenzsaal, Kraftraum, Pool, Squash, Jacuzzi, Sauna, Wasser-Gymnastik.

Restaurant „Oda“ im Hotel „Mieszko“ ul. Kosynierów Gdyńskich 82 „Mieszko“, „Oda“ – Namen, die zur Förderung der altpolnischen Küche einfach verpflichten. Als erster Gang wird eine klassische polnische Sauerteigsuppe (żur) mit Wurst oder hartgekochtem Ei empfohlen, oder – ebenso empfehlenswert – Rote Beete Suppe (barszcz), stark mit Knoblauch und Majoran gewürzt. Danach wird häufig Bigos oder typische polnische Teigtaschen mit unterschiedlicher Füllung (pierogi) genommen.

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Übernachtungen in Gorzów

Hotel „Huzar“, ul. Husarska 2, 66-400 Gorzów, Tel.: +48 (0)95 7224407, 7359141, 7359142, Fax: +48 (0)95 7359145, http://www. hotel-huzar.pl, E-Mail: recepcja@hotel-huzar. pl; 12 Zimmer (1-, 2- und 3-Bett-Zimmer); behindertengerechte Ausstattung; Ausstattung in den Zimmern: Telefon, TV/Sat, Bad/ WC, Radio; zusätzlich im Hotel: Bar, Hotelparkplatz, Aussichtsterrasse. Hotel „Metalowiec“, ul. Szczecińska 25, 66400 Gorzów, Tel.: +48 (0)95 7287628; 127 Plätze in 64 Zimmern (1-, 2- und 3-BettZimmer); Ausstattung in den Zimmern: TV (auf Anfrage), Bad/WC; zusätzlich im Hotel: Restaurant, bewachter Parkplatz (gegen Gebühr), Parkplatz für Busse und LKW (gebührenfrei), Kraftraum, Konferenzraum. Hotel „Mieszko“, ul. Kosynierów Gdyńskich 82, 66-400 Gorzów, Tel.: +48 (0)95 7205051, Fax: +48 (0)95 7225671, http://www.hotelmieszko.pl, E-Mail: office@hotel-mieszko. pl; 238 Plätze in 139 Zimmern (1-, 2- und 3-Bett-Zimmer); Ausstattung in den Zimmern: Telefon, TV/Sat, Bad/WC, Radio; zusätzlich im Hotel: Restaurant, Konferenzzentrum, Tourismuszentrum, bewachter Parkplatz (gegen Gebühr), MIESZKO-Taxi, Friseursalon, Kasino, Spielsalon, Wechselstube, Kraftraum, Sauna; Kreditkarten werden akzeptiert. Hotel „Młyn“, ul. Wyszyńskiego 111, 66-400 Gorzów, Tel.: +48 (0)95 7350315, Mobil: +48 605447993, http://www.mlyn.gorzow.pl; 25 Plätze in 8 Zimmern; Ausstattung in den Zimmern: Telefon, TV, Bad/WC, Radio; zusätzlich im Hotel: Restaurant, Konferenzsaal (AudioVideo-Ausstattung), Video-überwachter Parkplatz, Diskothek, Garten, Vermietung amerikanischer Limousinen und anderer Pkw. Hotel „Parkowy“, ul. Walczaka 20a, 66-400 Gorzów, Tel.: +48 (0)95 7332461, E-Mail: recep-

cja@hotelparkowy.pl; 145 Plätze in 67 Zimmern (1-, 2-, 3- und 4-Bett-Zimmer); Ausstattung in den Zimmern: Telefon, TV/Sat, Bad/WC, Radio; zusätzlich im Hotel: Restaurant, bewachter Parkplatz (gegen Gebühr). Hotel „Qubus“, ul. Orląt Lwowskich 3, 66400 Gorzów, Tel.: +48 (0)95 7350735, http:// www.qubushotel.com; 114 Plätze in 89 Zimmern (1- und 2-Bett-Zimmer); Ausstattung in den Zimmern: Telefon, TV/Sat, Pay-TV, Bad/ WC, Radio, Klimaanlage, Minibar; zusätzlich im Hotel: Restaurant, Konferenzzentrum, Business-Center, bewachter Parkplatz (gegen Gebühr), Wellness- und SPA-Angebote, Schließfächer; Kreditkarten werden akzeptiert. Hotel „U Marii“, ul. Walczaka 16A, 66-400 Gorzów, Tel.: +48 (0)95 7366656, 7367681, 7367682, http://www.umarii.pl, E-Mail: hotel@umarii.pl; 50 Plätze in 26 Zimmern (1- und 2-Bett-Zimmer); Ausstattung in den Zimmern: Bad/WC, Telefon, Kabelfernsehen, Internetanschluss; zusätzlich im Hotel: Restaurant, Night-Club, bewachter Parkplatz (gegen Gebühr), im Sommer: Aussichtscafe. Jugendherberge (insb. für Schulen), ul. Wyszyńskiego 8, 66-400 Gorzów, Tel.: +48 (0)95 7227470; 86 Übernachtungsplätze in 20 Zimmern (von 2-Bett- bis 11-Bett-Zimmer); akzeptier te Mitgliederausweise: PTSM (polnischer Jugendherbergsverband) und IYHF.

Übernachtungen in Gorzów

Übernachtungen in Gorzów

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Museen In Gorzów Museum Alter Künste/Muzeum Sztuk Dawnych (Jan-Dekert-Lubuskie-Museum) Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 9.00–16.00, Freitag 11.00–19.00, Son-

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Praktische Informationen

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ntag 12.00–17.00. Eintritt normal: 5,- zł., ermäßigt: 2,50 zł. Telefon: 0048 (0)95 732 28 43. Adresse: ul. Warszawska 35, 66-400 Gorzów, Tel.: 0048 (0)95 732 38 14, www. muzeumlubuskie.pl, E-Mail: info@muzeumlubuskie.pl Warthe-Museum „Speicher“/Muzeum Warty „Spichlerz” (Jan-Dekert-Lubuskie-Museum) – , Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 9.00–16.00, Freitag 11.00–19.00, Sonntag 12.00–17.00. Eintritt normal: 5,- zł., ermäßigt: 2,50 zł. Adresse: ul. Fabryczna 1–3, 66-400 Gorzów, Telefon: 0048 (0)95 722 54 68.

In der Umgebung von Gorzów Museum für ländliche Baukunst und Technik/Muzeum Kultury i Techniki Wiejskiej (Jan-Dekert-Lubuskie-Muzeum) Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 9.00–16.00, Freitag: 11.00–16.00, Sonntag 12.00–17.00. Adresse: ul. Leśna 22, 66-450 Bogdaniec, Tel.: 0048 (0)957510007. Burgmuseum Santok (Jan-Dekert-LubuskieMuseum) Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 9.00–16.00, Samstag-Sonntag 12.00– 17.00. Eintritt normal: 5,- zł., ermäßigt: 2,50 zł. Adresse: ul. Wodna 4, 66-431 Santok, Tel.: 0048 (0)95 731 65 91. www.muzeumlubuskie. pl, E-Mail: info@muzeumlubuskie.pl

Wichtige kulturelle Einrichtungen in Gorzów Juliusz-Osterwa-Theater, ul. Teatralna 9, 66-400 Gorzów, Tel.: 0048 (0)95 728 99 30, www.teatr-gorzow.pl, E-Mail: kontakt@ teatr-gorzow.pl Multikino „Helios” im Handelszentrum „Askana” Kino „Kopernik”, ul. Warszawska 33, tel.: 095 7258331, http://www.kino-kopernik. com.pl

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Lubuskie-Museum, Foto T. Jocz Jazz Club „Pod Filarami“, ul. Jagiełły 7 , 66-400 Gorzów, Tel.: 0048 (0)95 722 87 80, www.jazzfilary.pl Städtisches Kunstzentrum, ul. Pomorska 73, 66-400 Gorzów, Tel.: 0048 (0)95 733 25 60, www.mosart, E-Mail: info@mosart.pl Städtisches Kulturhaus, ul. Wał Okrężny 36/37, 66-400 Gorzów Tel.: 0048 (0)95 722 55 82, www.gik.pl, E-Mail: gdk@kulturagorzow.pl Jugendkulturhaus, ul. Teatralna 8, tel.: 0048 (0)95 7228575 Städtisches Kulturzentrum, ul. Drzymały 26, 66-400 Gorzów, Tel.: 0048 (0)95 720 29 11, www.emceka.pl, e-mail info@emceka.pl Städtisches Kulturzentrum „Zawarcie“, ul. Wawrzyniaka 65 A, 66-400 Gorzów, Tel.: 0048 (0)95 722 30 65, Mobil: 0048 (0)691 854 882, zawarcie@emceka.pl Städtisches Kulturzentrum-„Amphitheater”, ul. Drzymały, Tel.: 0048 (0) 95 720 86 46; Ver-

walter der Einrichtung: Jolanta Godawska, Mobil: 0048 (0)665 204 324 Kulturhaus „Małyszyn“, ul. Małyszyńska 8, 66-400 Gorzów, Tel.: 0048 (0)95 722-33-10, http://www.dkmalyszyn.neostrada.pl, dom. kultury.malyszyn@neostrada.pl Klub der kreativen Denker „Lamus“ , ul. Sikorskiego 4, 66-400 Gorzów, Tel.: 0048 (0)95 722 67 96. Öfnungszeiten 9.00–1.00, Samstag/Sonntag 20.00-1.00. Lehrerklub, ul. Wyszyńskiego 3, 66-400 Gorzów, Tel.: 0048 (0)95 720 61 13 Kleine Galerie GTF, ul. Chrobrego 4, 66-400Gorzów, Tel.: 0048 (0)95 736 76 67, E-Mail: malagaleria@free.art.pl Galerie „Azyl-Art ”, Städtisches Kulturhaus, ul. Wał Okrężny 36/37, Tel.: 0048 (0)95 7224427 Galerie BWA, Städtisches Kunstzentrum, ul. Pomorska 73, Tel.: 0048 (0)95 7332567, http://www.mosart.pl Galerie des Lehrerklubs, ul. Wyszyńskiego 3, Tel.: 0048 (0)95 7356315 Galerie des Warthe-Museums „Speicher“, ul. Fabryczna 1, Tel.: 0048 (0)95 7225468, 7216140

Galerie Neue Medien, Städtisches Kunstzentrum, ul. Pomorska 73, Tel.: 0048 (0)95 7332566, http://www.mosart.pl/?id=2 Kunstgalerie „Pod Pocztową Trąbką“, ul. Jagielończyka 4, 66-400 Gorzów, (Eingangshalle der Hauptpost) Galerie „Relax”, ul. Drzymały 16, tel./faks: 095 7225095, http://www.kolor.gor.pl Galerie „Skoda Art”, ul. Olimpijska 46, tel.: 095 7238660, faks: 095 7238662 Galerie der Kinder- und Jugendkunst, Wojewódzki Ośrodek Metodyczny, ul. Łokietka 20a, Tel.: 0048 (0)95 7216140

Wichtigste Sportanlagen in Gorzów

Wichtige kulturelle Einrichtungen in Gorzów

Mussen

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Sport- und Rehabilitationszentrum „Słowianka“, ul. Słowiańska14, 66-400 Gorzów, Tel.: 0048 (0)95 733 85 00, Fax: 0048 (0)95 733 85 02, www.slowianka.pl AZS Sportakademie: Sporthallen, ul. Myśliborska 36 sowie ul. Słowiańska 15; Sportplatz, ul. Wyszyńskiego; Tel.: 0048 (0)95 7279281.

Immer gut besucht – „Słowianka”, Foto T. Jocz

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Praktische Informationen AZS Sportverein der Staatlichen Fachhochschule: Sporthalle, ul. Chopina, tel.: 0048 (0)95 7279501. Städtisches Sport-und Freizeitzentrum OSiR: Speedway-Stadion, ul. Kwiatowa 55, Tel.: 0048 (0)95 7356245; Fußballstadion, ul. Myśliborska 1, Tel.: 0048 (0)95 7225504. ZKS „Stilon” in Abwicklung: Sporthalle, ul. Czereśniowa 2, Tel.: 0048 (0)95 7332469.

Badestellen und Schwimmbäder in der Umgebung von Gorzów „Goldstrand“ in Dzierżów, 7 km von der Stadt in Richtung Lubniewice. Anfahrt mit den Städtischen Verkehrsbetrieben MZK, Linie 109 oder regionalen Busverbindungen der PKS. Der Baggersee ist bis zu 15 m tief, an den Ufern befinden sich jedoch zahlreiche flache Stellen. Überwiegend Sandstrand, schwimmende Pontons, Brücke auf eine Insel. Angeln gegen eine kleine Gebühr. Karnin, 8 km von Gorzów. Anfahrt mit Bussen der Verkehrsbetriebe MPK oder der staatlichen Busgesellschaft PKS, Haltestelle Deszczno. Einige bewachte sowie wilde Strände, ebenso ein Strand eigens für Hunde (und natürlich ihre Besitzer). Verleih von Wassersportgeräten. Am Strand eine kleine Gaststätte mit Getränken, Eis und Bier. Kłodawa, 4 km von Gorzów in Richtung Barlinek. Anfahrt mit den Städtischen Verkehrsbetrieben MZK (Sonderlinie „K“) oder regionalen Busverbindungen der PKS. Spielplatz, Sitzbänke, Tische, zwei Rutschen, Verleih von Kanus, Kajaks und Wasserfahrrädern. Direkt zur Badestelle führt ein Radweg von der Brücke über die Srebrna an der Wyszyńskiego-Str. aus. Lipy, etwa 14 km nördlich von Gorzów. Außerordentlich attraktiver Erholungsort

5 für Radfahrer und motorisierte Zeitgenossen. Übernachtungen in Campinghäuschen sowie auf dem Zeltplatz (ehemals befand sich hier das Betriebserholungsheim der Chemiefaserwerke „Stilon“). Kajaks, Kanus, Wasserfahrräder und Boote können ausgeliehen werden. Marwice, Badestelle am See in der Gemeinde Lubiszyn, 10 km von Gorzów entfernt. Eigene Anfahrt. 120-Meter langer Steg, Bar und Campingplatz. Nierzym, 15 km von Gorzów in Richtung Strzelce Krajeńskie. Anfahrt mit den Städtischen Verkehrsbetrieben MZK (Sonderlinie „Z“). Bewachte Badestelle mit einfach dem schönsten Strand. Im Sommer das Zentrum des Gorzówer Strandfuss- und volleyballs. Verleih von Kanus, Kajaks und Wasserfahrrädern; ebenso Ausleihe von Zelten und Vermietung kleiner Strandbungalows. Hamburger, Eis, Pizza.

Pferdegestüte in der Umgebung von Gorzów Chwalęcice (Gemeinde Kłodawa), Pferdegestüt, Tel.: +48 (0)95 7201563 Glinik (Gemeinde Deszczno), Zentrum für Hippotherapie und Erholung mit und auf dem Pferde „Ornowia“, Tel.: +48 (0)95 7513310 Lubiszyn - Siedlung Myśliborska, Arabergestüt, Tel.: 608461490 Nowe Polichno (Gemeinde Santok), Reitsportzentrum, Tel.: 095 7317901

Weitere interessante Orte in der Umgebung von Gorzów Dinosaurierpark, Nowiny Wielkie, ul. Kolejowa (15 km von Gorzów). Über 30 lebensgroße Dinosauriernachbildungen (nach streng

wissenschaftlichen Erkenntnissen) in einem wundervoll angelegten Park. Weitere Informationen unter: http://www.park-dinozaurow.pl, E-Mail: biuro@park-dinozaurow.pl ZOO Safari, Świerkocin, an der Straße zwischen Nowiny Wielkie und Krzeszyce (18 km von Gorzów). Der einzige Zoopark seiner Art in ganz Polen. Tiere aus fast allen Kontinenten (Asien, Afrika, Australien) lassen sich aus dem Fahrzeug heraus beobachten; die Anzahl der Safaris durch den Zoo ist unbegrenzt. Im anderen Teil des Zoos können auf einem Spaziergang die gefährlicheren Tiere in weitläufigen Geländen und Käfigen beobachtet werden. Daneben gibt es eine große Anlage mit freilaufenden Ziegen, die man auch eigenhändig füttern darf (an den Kiosken verkaufen wir entsprechendes Futter). Darüber hinaus reiches Angebot für Kinder auf zahlreichen Karussellen und anderen Spielplatzgeräten. Weitere Informationen unter: http://www.zoo-safari.com.pl, EMail: poczta@zoo-safari.com.pl Park der Wegweiser und Meilensteine der Zivilisation, Witnica (25 km von Gorzów). Das Museum befindet sich unter freiem Himmel im Stadtpark von Witnica und kann rund um die Uhr besucht werden. Der Park wurde in vier Themenbereiche unterteilt: •  im Themenbereich „Straßenkultur“ werden unterschiedliche Straßenbeläge und am Straßenrand befindliche Objekte gezeigt (darunter Meilensäulen, Grenzsteine und Grenzzeichen, Wegweiser, etc.), •  zur Thematik „Reflexion“ werden Exponate ausgestellt, die die Folgen des Einzugs von Kriegen und verbrecherischer Ideologien illustrieren (bspw. die Installation „Exodus“), •  im Bereich „Meilensteine der Zivilisation“ werden all jene Objekte gesammelt, die den technischen Fortschritt und seinen Einzug

Gorzów im Internet http://www.gorzow.pl – offizielle Internetseite der Stadt Gorzów http://www.gorzow24.pl – eine private, der Stadt gewidmete Internetpräsentation http://www.gorzowwielkopolski.info – Seite zur Geschichte der Stadt http://www.giik.pl – Seite über das Kulturleben in der Stadt http://www.ziemialubuska.pl – umfangreiche Seite zum Tourismusangebot der Wojewodschaft Lubuskie (Lebuser Land) http://www.powiatgorzowski.pl – der Landkreis Gorzów im Überblick nach Witnica verdeutlichen (bspw. Mühlensteine, die erste deutsche Dampfmaschine, Gaslaternen, ein Dampfschiff, eine Eisenbahn u.ä.), •  zum Themenbereich der „Phantasie“ (schließlich verbindet man den weg ja auch mit Träumen von fernen Reisen) wurden Wegweiser aufgestellt, die auf polnische Ortschaften mit seltsam klingenden Namen verweisen. Weitere Informationen unter: http://www.witnica.pl

RegelmäSSige Veranstaltungen in Gorzów Kulturveranstaltungen Nähere Informationen unter: http://www. giik.pl Alljährliche Fotographie-Ausstellung – Februar Gorzówer Rock-Festival – März Inter nationaler Pianisten-Wettbewerb „Johann Sebastian Bach“ – März Landesweites Festival des Straßentheaters – Mai/Juni Festival des ostpolnischen Liedes „Kresoviana“ – Mai

Pferdegestüte in der Umgebung von Gorzów | Weitere interessante Orte in der Umgebung von Gorzów

Wichtigste Sportanlagen in Gorzów | Badestellen und Schwimmbäder in der Umgebung von Gorzów

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Regelmäßige Veranstaltungen in Gorzów

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Praktische Informationen Fotographiewettbewerb – Mai Landesweites Festival des Straßentheaters – Mai Landesweites Festival der Kinder- und Jugendtanzgruppen – Juni Internationale Rassehunde-Ausstellung – Juni Internationales Treffen der Roma- und SintiEnsemble „Romane Dyvesa“ – erstes JuliWochenende Reggae an der Warthe – Mitte Juli Gorzówer Christliche Kulturtage – September/Dezember Gorzówer Musiktage – etwa 10 Tage im Oktober

Gorzówer Theatertreffen – etwa 10 Tage im November Jazz-Herbst „ Schlüssel zur Karriere“ – November

Sportveranstaltungen Warthe-Eispokal – Polnischer Grand Prix im Sportbridge – Februar Polnische Rallye-Meisterschaften: Geländefahrzeuge – September Junioren-Basketballturnier – September Internationale Kanu-Regatta – September

Kleines Wörterbuch architektonischer Fachbegriffe Ajour – dekoratives Muster aus Löchern; Öffnungen in beliebigem Material. Apsis – ein meist gewölbter Raum, der in den Kirchen den Abschluss eines Kirchenschiffes bildete. Balken im Triumphbogen des Altars – ein langes bearbeitetes Vierkantholz, das quer im Triumphbogen angebracht wurde. Balustrade – eine individuell gestaltete niedrige Reihe von Säulen oder Stäben, die mit einem Geländer zusammengehalten werden und als Brüstung an Treppen, Terrassen und Balkonen dient. Basilika – in der christlichen sakralen Architektur versteht man darunter eine Langkirche, in der das mittlere Langschiff wesentlich höher ist als die seitlichen. Blend- oder Halbsäule – nur zur Hälfte aus der Wand herausragende Säule. Boudoir – großzügig ausgestattetes, intimes Gemach der Frau des Hauses. Chorgestühl – beiderseits an den Wänden des Chorraums befindliche hohe und verzierte Sitze, meist in je zwei Reihen, die von den Geistlichen eingenommen werden. Chorraum (Chor) – in der sakralen Architektur bezeichnet Chorraum den Altarraum in Kirchen, der nur dem Klerus vorbehalten war und der vom übrigen Kirchenraum durch Chorschranken oder Chorgitter abgetrennt war. Dorische Säule – ein tragendes Element eines Gebäudes, das aus einem Schaft und einer Kapitel besteht; der Schaft weist einen runden Grundriss und ist stark geriffelt und die Kapitel hat die Form einer quadratischen rohen Steinplatte. Eingangshalle – ein repräsentativer Flur, Vorraum in Schlössern, Appartements sowie öffentlichen Gebäuden. Eklektizismus – Verbindung von Elementen unterschiedlicher architektonischer Stile in einem Gebäude. Erker – aus der Hausfassade oder an der Hausecke (Auslugerker) meist aus den höheren Eta-

gen ragender Vorbau, kann über mehrere Stockwerke reichen. Facette – schräg oder konkav abgerundete Ecke zwischen der Wand und der Decke oder zwischen den Wänden. Fachwerk – Skelettbautechnik, bei der die Konstruktion eines Gebäudes aus Holzpfosten und waagerechten Balken (Riegeln) sowie schrägen Streben besteht. Die Hohlräume zwischen dem tragenden Holzgerüst füllte man mit Ziegeln, Lehm, Stroh und anderem Material. Fassade – die Eingangsseite eines Gebäudes mit allen darauf befindlichen Elementen. Gesims – ein waagerecht aus der Mauer vortretender, oft auch schmuckvoller Streifen zur horizontalen Gliederung des Bauwerks. Ein Gesimse kann Innen- und Außenmauern eines Gebäudes, Kamine, Öfen, Fenster, Türen usw. verzieren. Gewölbe – bogenförmige Überdachung von Räumen, die sich auf Mauern (Widerlager) und Rippen abstützt. Sterngewölbe – aus dem Rippengewölbe entstandene spätgotische Gewölbeform, bei der die Rippen ein dekoratives sternförmiges Muster bilden. Glasmalerei – aus farbigen Glasstücken mosaikartig zusammengesetzte und in Bleiruten gefasste Ornamente in Fenstern. Gotik – ein in Europa zwischen dem 12. und 16. Jh. vorherrschender architektonischer Stil, dessen charakteristischen Merkmale Kreuzrippengewölbe und Spitzbögen bilden, die den emporsteigenden Charakter der Architektur unterstrichen. Kassetten – mit Ornamenten, Bildern oder Polychromie ausgefüllte, regelmäßig vertiefte Felder (Kassetten) in viereckiger oder polygonaler Form in Holz, Stuck oder Stein, die als Verzierung an Decken, Kuppeln und Gewölben eingesetzt werden. Klassizismus – architektonischer Stil, der an die charakteristischen Züge der antiken Baukunst in Griechenland und Rom anknüpft. Laterne – ein runder oder polygonaler, turmartiger Aufsatz mit Fenstern über dem Dach oder

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Kleines Wörterbuch architektonischer Fachbegriffe einer Kuppel, die zur Beleuchtung des Gebäudes von oben dient. Loggia – offener, aber nicht vorspringender, gedeckter Raum an einer Wohnhausfassade (im Gegensatz zum vorspringenden Balkon). Mansarde – ein Wohn- bzw. Wirtschaftsraum im Dachraum eines Mansardendaches. Mansardendach – ein aus zwei Etagen bestehendes Dach, wobei der untere Dachteil schräger ist als der obere. Modernismus – Gesamtheit der avantgardistischen Richtungen in der Literatur und Kunst zur Jahrhundertwende zwischen dem 19. und dem 20. Jh., die dem Symbolismus, Ästhetizismus und Individualismus zugewandt sind. Neogotik (Neugotik) – Sammelbezeichnung für alle die Gotik eklektizierenden Stilrichtungen in der Kunst und Architektur, am stärksten im 19. Jh. vertreten. Neoromanik (Neuromanik) – Stilrichtung in der Kunst und Architektur die auf die romanische Formensprache zurückgreift, vor allem im 19. Jh. beliebt. Ornament – Bezeichnung für Verzierungen innerhalb eines Dekorationsschemas in der Architektur, bestehend aus geometrischen oder figurativen Formen sowie Pflanzen- oder Tiermotiven. Pieta – in der bildenden Kunst die Darstellung Marias als Mater Dolorosa mit dem Leichnam des vom Kreuz genommenen Jesus Christus auf dem Schoß. Polychromie – ein vielfarbiges Bild, das Wände, Decken und Gewölbe eines Gebäudes oder Plastiken und Handkunstwerk verziert. Portal – architektonisch oder bildhauerisch hervorgehobener Eingang eines Gebäudes bzw. der Eingangsrahmen. Portikus – der von Säulen oder Pfeilern getragene Vorbau an der Haupteingangsseite eines Gebäudes, häufig in Form eines Dreiecks. Querschiff (Querhaus) – in mittelalterlichen Basiliken der zwischen Hauptschiff und Chor quer zum Langhaus verlaufende ein- oder mehrschilfiger Raum.

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Risalit – ein auf ganzer Höhe, das Dach eingeschlossen, hervorspringender Gebäudeteil. Rosette – Ornament in Form einer stilisierten runden Blüte (ursprünglich einer Rose), z. B. in einem Fries oder einer Kassette. Auch ein rundes Fenster mit einem Maßwerk. Sarkophag – ein Prunksarg aus Stein in Form einer Truhe mit einem Sargdeckel, häufig mit der Figur des Verstorbenen darauf. Schälturm – ein Turm in der Wehrmauer, der nach innen hin offen ist. Schiff – ein für die Gläubigen bestimmter Teil der Kirche zwischen dem Chor- und dem Kirchenvorraum. Sezession (A) / Jugendstil (DE) – Stilrichtung in der Kunst, die sich durch Stilisierung, freie Komposition, Asymmetrie und wallende, geschwungene Linien auszeichnet. Stützpfeiler – senkrechtes Bauelement mit einem rechteckigen oder mehrkantigen Grundriss, das aus Basis, Schaft und Kapitel bestehen kann. Terrasse – eine offene Plattform für den Aufenthalt im Freien mit Geländer, manchmal auf Trägern gestützt, in höheren Etagen wird die Terrasse vor die Mauer vorgezogen. Turmhelm – zierender Turmabschluss, meistens in Form einer Pyramide, eines Kegels oder einer Halbkugel, der mit Dachziegel, Dachschindeln oder Blech bedeckt wird. Vertäfelung – Wandverkleidung aus Holz, häufig mit Schnitzereien oder Malereien geschmückt oder vergoldet. Walm – an der Giebelseite heruntergezogene Dachfläche in Form eines Dreiecks. Wölbstein, Schlussstein, Kolophon – Bezeichnung für die Steine an den Knotenpunkten der Kreuzrippen bei Kreuzrippengewölben. Der Schlussstein kann aber auch am Scheitelpunkt von Bögen und Gewölben als Keilstein ausgebildet sein. Zinnen – ein pfeilerförmiges Stück Mauerwerk auf den Wällen von Burgen und frühen Festungen, das zur Deckung der Verteidiger gegen die Fernwaffen der Angreifer diente.

Verzeichnis der Kästchen Landsberger Bürgersfrau  18 Wie sind Glocken gegossen worden  20 Bischof Wilhelm Pluta (1910–86)  20 Freimaurer  24 Włodzimierz Korsak  28 Schreckgespenst vom Rathaus  30 Gingko biloba  36 Nachkriegsabenteuer der Künstler  41

Max Bahr  59 Kegelspiel  94 Stanisława Plewińska  95 Irena Dowgielewiczowa  102 Gorzówer Tataren  106 Touristeninformationa  110 Gorzów im Internet  117

Verzeichnis der in Abschnitt II erwähnten Objekte Ahornblättrige Platane 36, 78, 96 Allee der Stars 31 Alte Werft 46 Alten Stadthauses 42 Arboretum 37 Arsenal 23 Aussichtspavillon 53 Aussichtsplattform 54 Älteste Patrizierhaus In der Stadt 32 Bürger Haus 32 Clochard 24 Christus-König-Kirche 47 Denkmal des Bischofs Wilhelm Pluta 19 Denkmal das Maria Konopnicka 23 Denkmals zu Ehren der Pioniere der Stadt 43 Denkmal Papst Johannes Paul II. 50 Der stadtweit größte Springbrunnen 51 Ehemaligen kaiserlichen Postamtes 24 Evangelische Trinitatis-Pfarrkirche 52 Exemplar der echten Sumpfzypresse 24 Freilichtbühne 54 Freimaurerloge 25 Friedensglocke 16, 58 GBS-Bank 33 Gebäude der Bierlagerhalle 23 Gedenktafel 29 Gedenktafel zu Ehren der Pioniere 33

Gedenktafel zu Ehren von General Oberst Nikolai Erastowitsch Bersarin 53 Gedenktafel zu Ehren von Jan Korcz 32 Gingkobaum 36 Górczyński-Park 51 Grunwaldzki-Platz 16, 57 Hexenbrunnen 28 Jugendstil-Villa von Carl Bahr 56 Jugendstil-Villa von Max Bahr 57 Juliusz-Osterwa-Theater 39 Kloster 36 Klubs der kreativen Denker „Lamus“ 33 Konkordienkirche 35 Kopernikuspark 52 Kreuzerhöhungskirche 38 Kriegsfriedhof 51 Lubuskie-Museums 36 Marienkirche (Kathedrale) 18, 43 Max-Bahr-Eiche 59 Märtyrer-Kirche 50 Mutterhauses vom Roten Kreuz „Bethesda“ 53 Neogotische Kapelle 39 Neogotische Mauer 41 Orthodoxe St. Georg- und Geburt der Gottesmutter-Kirche 58 Panorama des alten Landsberg 32 Park an der Psychiatrischen Klinik 51

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Verzeichnisse Park Wiosny Ludów 26 Patrizierhaus im Jugendstil 35 Patrizierhaus von Johann Mattis 32 Paucksch-Brunnen 30 Pauksch-Villa 45 Polnischen Verbandes für Touristik und Landeskunde PTTK und des Sportklubs „Admira“ 45 Rekonstruktion einer städtischen Straßenbahn 23 Roten Speichers 45 Schlösschen auf der Kuhburg 55 „Śfinster“ - Skulptur 28 Siemiradzkiego-Park 53 Sitz der Öffentlichen Wojewodschafts- und Stadtbibliothek 25 Sitzes des Landsberger Kreditvereins 33 Słowiański-Park und Gedenkstein zu Ehren Egomet Brahtz 59

Sommerlinde 36 Staatlichen Fachhochschule 39 Stadtamt 33 Städtischen Krankenhaus 39 Stieleiche 47 Tafel mit der Markierung des „Mittelpunktes der Stadt“ 54 Titanik 43 Treppe „nach Nirgendwo“ 54 Verwaltungsgebäude der Kabelfabrik 47 Volksbad 27 Waisenhaus 42 Wappen von Landsberg/Gorzów 35 Warthe-Museum „Speicher“ 48 Wasserturm 53 WebCam 32 Wehrmauern aus dem 14. Jh. 28 Wohlfahrtshaus 27

Verzeichnis geografischer Namen aus den Abschnitten III und IV Baczyna (Beyersdorf)  90 Bogdaniec (Dühringshof)  64, 91, 104 Bolemin (Blockwinkel)  76 Borek (Borkow)  74, 94 Brzezinka (Birkbruch)  81 Brzozowiec (Berkenwerder)  75 Chłop (Kloppsee)   70 Chróścik (Neuendorf)  63, 90, 103 Chwałowice (Landsberger Holländer)  93 Czechów (Zechow)  72, 78, 89, 106 Deszczno (Dechsel)  73, 93, 98 Duże Wełminko (Welmsee)  107 Glinik (Bestiensee)  75, 98 Glinik (Altensorge)  75, 98 Gorzów Wielkopolski  62, 66, 73, 77, 83, 100, 104, 105

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Gostkowice (Gerlachsthal)  65 Górki Noteckie (Gurkow)  81 Gralewo (Gralow)  107, 108 Grzybno (Griebensee)  96 Janczewo (Jahnsfelde)  96, 106 Jenin (Gennin)  104 Jeniniec (Ober-Gennin)  65 Jeż (Klein Osterwotzsee)  71 Karnin (Kernein)  95 Karskie Wielkie (Groß Kartziger See)  69 Kłodawa (Kladow)  83, 86 Kłodawka (Kladow)  68, 83 Kłodawskie (Kladowsee)  83, 84 Krzyszczyna (Cocceji)  65 Kwiatkowice (Blumenthal)  65 Lipy (Lübbesee)  70

Lubie (Groß Lübbe See)  70 Lubieszewko (Klein Lübbe See)  70 Lubno (Liebenow)  87 Łośno (Lotzen)  70, 98 Łupowo (Loppow)  93, 103 Małyszyn Wielki (Merzdorf)  90, 102 Marwice (Marwitz)  85, 91 Marwicko (Stegsee)  86 Marzęcin (Marienspring)  68, 85 Maszewo (Massow)  75, 98 Mironice (Himmelstädt)  84 Mrowinko (Klein Mierenstubbensee)  70 Mrowino (Groß Mierenstubbensee)  70 Mszaniec (Mückenhäuser)  70 Niwica (Gürgenaue)  76 Noteć (Netze)  10, 81, 98 Orzelec (Kattenhorst)  76 Ostrowite (Groß Osterwitzsee)  71, 97, 105 Pełcz (Puls)  81 Płonica (Plonitz)  76 Polka (Puls) 81 Przecięte siehe Grzybno (Griebensee)

Puszcza Barlinecko-Gorzowska (BarlineckoGorzowska Heide)  69 Racław (Ratzdorf)  63, 92 Racze (Briesensee)  108 Santocko (Zanzin)  67, 85 Santoczna (Zanziner See)  70, 82 Santoczno (Zanzhausen)  71, 82, 105, 107 Santok (Zantoch)  79, 97, 107 Srebrna (Silber Fließ)  71, 88, 104 Stanowice (Stennewitz)  64, 88 Strzelce Krajeńskie (Friedeberg)  81 Suche (Dürrebruch)  70 Sulenińskie (Mietzelthinsee) 85 Ulim (Eulam)  96 Warta (Warthe) 65, 69, 73, 77, 88 Wawrów (Lorenzdorf)  88 Wełminko (Welmsee)  108 Wieprzyce (Wepritz)  65, 89 Wojcieszyce (Wormsfelde)  71, 98, 104 Wojcieszyckie (Wormsfelder See)  71 Wysoka (Hohenwalde)  86, 91 Zdroiska (Zanzthal)  82, 97

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Notizen


Notizen


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ISBN 978-83-7560-026-1

Wie man Gorzów entdecken kann... einige Vorschläge für Stadtspaziergänge einige Ideen, wie man aktiv die Umgebung Gorzóws kennenlernen kann unsere schönsten und originellsten Orte und Denkmäler einige praktische Informationen – von uns geprüft und für sehr empfehlenswert befunden Stadtplan und Umgebungskarte Die vorliegende Veröffentlichung entstand in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit dem Stadtamt in Gorzów Wlkp. Publikacja jest efektem partnerskiej współpracy z Urzędem Miasta w Gorzowie Wlkp.


GorzowPrzewodnik_DEU-1-2008