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Vergleich der GRI-Kennzahlen: was die Elite wirklich publiziert GRI-Kennzahlen sollen ökologische und soziale Informationen der Unternehmen genauso transparent machen wie Bilanzen das Finanzgebaren. Obwohl es die Standards schon länger gibt, ist der Weg zur echten Transparenz noch weit. Das ergab eine erste Analyse des CSR Guide.

„GRI“ steht für die Richtlinien der „Global Reporting Initiative“ mit Sitz in Amsterdam, an deren Wiege im Jahr 1997 mehrere UN-Organisationen standen (www. globalreporting.org). Die Standards werden immer wieder neu und genauer definiert, wer sich aber an der aktuellen Richtlinie GRI G4 orientiert, weiß beispielsweise genau, wie die eigenen CO2-Emissionen zu berechnen sind (nach Scope 1 bis Scope 3). Es wird auch empfohlen, längerfristige Zeitreihen über mindestens fünf Jahre zu veröffentlichen. Nur dann kann man ja erkennen, ob die Kennzahlen wirklich dauerhaft besser werden und das Unternehmen folglich entsprechend investiert oder die Mitarbeiter zur Verhaltensänderung anhält. Ob etwa die Fluktuation nicht nur aufgrund einer vorhergegangenen Kündigungswelle gesunken ist, sondern sich in der Personalpolitik tatsächlich etwas verändert hat.

Wer welche Kennzahlen publiziert Eine Mehrheit der Unternehmen macht es sich immer einfach und publiziert einfach nichts, was sich Nachhaltigkeitsbericht, Umweltbericht oder Sustainability Report nennt. Eine kleinere Gruppe veröffentlicht zwar Nachhaltigkeitsberichte, die meist optisch sehr ansprechend sind, aber keine Kennzahlen preisgeben. Und eine weitere Gruppe, die gar nicht so klein ist, gibt zwar an, GRI-Kennzahlen zu veröffentlichen, windet sich aber in der Praxis raus, indem sie nur Kennzahlen für ein oder zwei Jahre bekannt gibt. Oder sie haben seit mehreren Jahren keine aktuellen Zahlen mehr veröffentlicht, und haben keine Hemmungen, Zahlenreihen auf ihrer Website zu publizieren, die 2011 enden. Knapp 30 österreichische Großunternehmen veröffentlichen jedoch aussagekräftige Kennzahlen, die im Folgenden analysiert werden.

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SER VICE

Vier ökologische und vier soziale Kennzahlen Umwelt: Energieverbrauch, CO2-Emissionen, Wasserverbrauch, Abfallmenge. Mitarbeiter: Anteil der Frauen in Führungspositionen, Anteil der Mitarbeiter „50+“, Fluktuation und Anzahl der Ausbildungsstunden für die Mitarbeiter. Im Folgenden ein paar interessante Vergleichsergebnisse. Energieverbrauch: Kennzahl, zu der es die meisten Daten gibt. Einige Unternehmen publizieren nicht den Gesamtwert, sondern pro Produktionseinheit, z. B. AT&S pro Quadratmeter Leiterplatte, die hergestellt wird, und die AMAG pro Tonne an produziertem Aluminium. Palfinger publiziert beides (hier und auch bei anderen Kennzahlen, den Absolutwert und den Palfinger-Index). CO2-Emissionen: Hier sehen die Kennzahlen am besten aus, unter allen, die analysiert wurden. Verbund, Agrana, Palfinger, Raiffeisen International, STRABAG oder Post (Letztere nur im Drei-Jahres-Vergleich), sie alle weisen sinkende C02-Emissionen aus. Bei den Mitarbeiterkennzahlen gibt es kaum fünfjährige Zeitreihen und die Aussagekraft ist entsprechend geringer. Bei Frauen in Führungspositionen sticht die Telekom Austria heraus, die auf mehr als ein Drittel kommt (ein Vergleich zwischen den Unternehmen ist trotzdem nicht zulässig, da „Führungskraft“ von den Unternehmen ganz unterschiedlich definiert wird). Bei der Fluktuation gibt es sehr große Unterschiede, aber wenig Verbesserungen. Auffällig ist hier die Transparenz der Erste Bank, die als einzige zwischen Kündigungen unterscheidet, die das Unternehmen ausspricht und jenen, die vom Mitarbeiter initiiert sind, und auch diese Zahlen veröffentlicht.

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CSR Guide 2017  

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