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GOTTESDIENSTE, IMPULSE UND AKTIONEN RUND UMS BROT

ERNTEDANKFEST 2011


EINLEITUNG/ INHALT

GRUSSWORT

„BROT-ZEIT“

INHALTSVERZEICHNIS

„DIE BÄCKEREI UM DIE ECKE“

I

S. 2)

Einleitung/Inhalt

S. 3)

Grußwort

S. 4)

Erntedank-Gottesdienst

S. 8)

Familien-Gottesdienst

s gibt sie noch und ich mag sie: Die alteingesessene Bäckerei um die Ecke. Die Inhaberin steht hinter der Ladentheke, kennt den – langjährigen, treuen – Kunden beim Namen. Deshalb auch die häufige Frage: „Wie immer – den 1 Kilo Laib?“ „Ja, wie immer – und heute bitte auch noch ein Baguette!“

S.11)

Aktionen im Kindergarten

S. 13)

Aktion: Kirchencafe

S. 16)

Aktion: Brot in der Arbeit mit Kindern

S. 17)

Entdeckung

S. 18)

Bericht: Ein Besuch in der Backstube

S. 20)

Impressum

n der Zeit um das Erntedankfest backen viele oberfränkische Bäckereien ein besonderes Brot und kennzeichnen es mit der „Gott-sei-Dank“-Brotmarke.

Das Logo wurde im Rahmen eines Wettbewerbs der Evangelischen Landjugend entwickelt. Auf das Wesentliche beschränken solle sich die Zeichnung, sagte Dorothe Höllerer, die Gewinnerin des Wettbewerbs. „Das Erntedankfest ist mir wichtig, weil es uns an das Wesentliche erinnert.“ so Dorothea Höllerer. „Bei aller Kunst der Landwirte – ohne Gottes Schöpfung hätten wir nichts.“ Die Idee zur „Gott-sei-Dank-Brot“-Aktion wurde im Netzwerk „Gemeinsam für die Region“ / Bad Alexandersbad in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Landjugend in Oberfranken entwickelt und sehr erfolgreich durchgeführt. Gemeinsam mit den oberfränkischen Bäckerinnungen, der Katholischen Kirche, der Evangelischen Kirche und dem Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt – Fachstelle Kirche und Handwerk haben wir die Idee aufgenommen und weiterentwickelt. Mir der vorliegenden Arbeitshilfe möchten wir anregen, das Brot und den Dank bei den Veranstaltungen rund um das Erntedankfest zu thematisieren und dabei die Kirchengemeinden und die Handwerkerinnen und Handwerker zusammenzubringen.

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Dank für das Korn, das auf den Feldern wächst. Dank für das handwerkliche Können derer, die daraus Brot machen. Dank dafür, dass Menschen Brot und Arbeit haben.

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„Wie immer!“ – Mag die Vielfalt der Brotsorten zugenommen haben, mag sich die Technik in der Backstube verändert haben. Beim Brot ist vieles – „Wie immer!“ Und bevor wir den Laib anschneiden und frisches Brot in unseren Mund wandert, haben sich viele Hände um diese Scheibe Brot bemüht. Brot – ein Grundnahrungsmittel, das man sich nicht überisst. Und als Grundnahrungsmittel steht Brot in unserem westlichen Kulturkreis symbolisch für alles, was wir zum Leben brauchen. Deshalb die vierte Vater-unser-Bitte: „Unser tägliches Brot gib uns heute“. Martin Luther legt sie so aus: „Alles was not tut für Leib und Leben ...“ Der christliche Glaube sieht hinter dem

Brot noch mehr: Gott selbst. Im Abendmahl kommt Jesus Christus in, mit und unter dem Brot zu uns. So wird er uns Kraft und Nahrung für den Alltag und schafft Gemeinschaft zwischen unterschiedlichsten Menschen an seinem Tisch. Die Initiative „Gott-sei-Dank-Brot“ ist eine gute Idee. Der Brotaufkleber erinnert Menschen daran, dass Brot mehr ist als ein Mittel zum Satt-Werden. Er weist auf Gottes Treue und Fürsorge hin und ermutigt zum Dank. Und er unterstützt das Bäckerhandwerk vor Ort. Mit dem Kauf des „Gott-sei-Dank-Brotes“ setzen Kundinnen und Kunden ein Zeichen, dass sie Handwerksbetriebe und regionale Vermarktung schätzen und den Einzelhandel in der Nachbarschaft stärken wollen. Gott sei Dank, dass Sie sich für diese Aktion begeistern! – Denn es soll sie doch noch weiter geben: Die alteingesessene Bäckerei um die Ecke. Eben: „Wie immer!“ Detlev Bierbaum Oberkirchenrat

„Gottesdienste, Impulse und Aktionen rund ums Brot“: Wir freuen uns über Rückmeldungen, Ihr Martin Hoffmann Volkswirt, Netzwerk: „Gemeinsam für die Region“ maddin.hofmann@gmx.de Stefan Helm Diakon, Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt – Fachstelle Kirche und Handwerk helm@kda-muenchen.de

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GOTTESDIENST I

GOTTESDIENST I

GEDANKEN UND PREDIGT ZUM ERNTEDANKFEST AM 2. OKTOBER 2011 ÜBER JESAJA 58, 7-12 1. Predigttext Falsches und echtes Fasten 1 Rufe getrost, halte nicht an dich! Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit und dem Hause Jakob seine Sünden! 2 Sie suchen mich täglich und begehren meine Wege zu wissen, als wären sie ein Volk, das die Gerechtigkeit schon getan und das Recht seines Gottes nicht verlassen hätte. Sie fordern von mir Recht, sie begehren, dass Gott sich nahe. 3 »Warum fasten wir und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib und du willst‘s nicht wissen?« Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter. 4 Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll. 5 Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit, wenn ein Mensch seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der HERR Wohlgefallen hat? 6 Das aber ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! 7 Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! 8 Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird deinen Zug beschließen. 9 Dann wirst du rufen und der HERR wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich. Wenn du in deiner Mitte niemand unterjochst und nicht mit Fingern zeigst und nicht übel redest, 10 sondern den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag. 11 Und der HERR wird dich immerdar führen und dich sättigen in der Dürre und dein Gebein stärken. Und du wirst sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt. 12 Und es soll durch dich wieder aufgebaut werden, was lange wüst gelegen hat, und du wirst wieder aufrichten, was vorzeiten gegründet ward; und du sollst heißen: »Der die Lücken zumauert und die Wege ausbessert, dass man da wohnen könne«.

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2. Vorüberlegungen Zweifellos ist der Zusammenhang des Textes bei der Predigtvorbereitung zu beachten. Tritojesaja befasst sich eigentlich mit dem Fasten. Durch die Auswahl der Perikope wird die Mahnrede über das „rechte Fasten“ aber ausgeklammert und es bleiben die bedingten Verheißungen Gottes übrig. Dadurch wird auch deutlich, dass Vers 7 noch ein Teil dieser Mahnrede ist, die eigentlich auf das rechte Fasten abzielt. Vers 7 beschreibt, was Gott von den Menschen will. Die Verse 8-11 entfalten dann die „bedingte“ Segensverheißung Gottes. Vers 12 spricht vom Wiederaufbau der Stadt. Tritojesaja beschreibt wie der einzelne und wie ein Volk leben kann, wenn es von Gott gesegnet wird. Die Verse 6 und 7 scheinen mir besonders wichtig und ein Schlüssel für den Abschnitt zu sein. Sie zeigen mir, dass Gott die „tätige Liebe am Mitmenschen“ will (Fohrer, 210). Bei den Hungrigen und Heimatlosen fallen die Parallelen zu Mt 25, 35 f. auf. Wichtig ist daher die Sorge für die Schwestern und Brüder. Das äußerliche Fasten wird kritisiert, stattdessen die Liebestat am Mitmenschen gefordert. Insgesamt scheint es so zu sein, dass Gott Voraussetzungen für den Segen erwartet. Und er erwartet eben keine kultische Leistung, sondern eine des täglichen Lebens (Fohrer, 212). Oder ist es so, dass Tritiojesaja ermutigen will? Ermutigen zum Einreißen sich selbst gesetzter Sicherungen? „Wenn du nur richtig fastest, dann wird Gott dich auch segnen!“ Vielleicht muss man den Text von hinten nach vorne lesen. Von der Verheißung her sich das der Verheißung entsprechende Verhalten aneignen. „Mit dem Hungrigen das Brot brechen“, dieser Satz führt uns nahe an die Intention des „Brotprojekts“ heran. Es geht hier ja nicht nur um eine Stichwortassoziation. Es geht um mehr, um eine Haltung, die sich aus den Verheißungen Gottes heraus speist. Es geht heute sicher auch um die nahen Wege (Nachhaltigkeit), um die Region, in der wir leben und die Menschen, die hier mit Brot zu tun haben (der Bäcker um die Ecke). Es geht um ein ganzheitliches Umdenken, das spätestens seit dem Atomunglück von Japan allen deutlich geworden ist. Es geht natürlich auch um Armut, Benachteiligung und Gerechtigkeit bei uns, aber auch global. Letztlich geht es um das ganze Leben, ein Leben das nicht als arm und ausgehöhlt, sondern als reich, als sinnerfüllt erfahren werden soll.

„Eine Predigt über diesen Tritojesaja-Text verspricht in dem Maße den befreienden Charakter des Erntedankfestes einzufangen, in dem es gelingt, ihn in der Predigt von hinten nach vorne – von der Verheißung zum Imperativ hin – durchzubuchstabieren.“ (Schulz, 230) Vielleicht noch ein Gedanke: Der Sinn des Fastens ist zur Zeit Tritojesajas offensichtlich fragwürdig geworden. Man hinterfragt die alten Rituale und fragt sich was sie einem bringen oder ob nicht ein ganz anderes Handeln an der Zeit wäre. Das Erntedankfest ist in den ländlichen Regionen stark verwurzelt, dennoch auch ritualisiert. Ich habe oft erlebt, dass es ein besonderer Tag und Gottesdienst für die in der Landwirtschaft Tätigen war. Nur - das sind nicht mehr viele. Ist denn das Danken für eine gute oder wenigstens ausreichende Ernte noch im Blick? Was ist der Sinn des Dankens? Was bringt es? Welchen Sinn hat unser bescheidenes „Gutes Tun“? Welchen Sinn hat es Danke zu sagen „für das tägliche Brot“? Wenn es den PredigerInnen gelänge hier eine Liste der „kleinen Beispiele“ zu geben wäre es hilfreich. Diese Dankbarkeit richtet sich an die eigenen Leute (Vers 7). Dankbarkeit will Solidarität mit allen schaffen. Wenn ich die Dinge, die ich habe genieße und dabei die übersehe, die zu kurz kommen, dann habe ich vermutlich nicht verstanden, was Gott will. Die Beziehung zu Gott hat auch soziale Auswirkungen. Ein schönes Bild ist das „sein wie ein bewässerter Garten“ (Vers 11). Da wächst etwas, da fühlt man sich wohl. Ich höre förmlich das Plätschern des Wassers im Garten und ernte die Früchte, die wir zum Leben brauchen. Gott gibt, was man braucht - er ist nahe. Der dritte Aspekt wäre der des Wiederaufbaus, der Hoffnung, so macht es der letzte Vers deutlich. Auch manche Risse im Lebensgebäude können hier angesprochen werden. Erntedank ist also • das Fest des Dankes für die Ernte des Jahres • das Fest der sozialen Perspektive • das Fest der Verheißungen Gottes • das Fest des Genießens dieser Gaben und der Nähe Gottes • das Fest des Wiederaufbauens und Wiederaufrichtens. All dies kann sich im Thema des Brotes verdichten. Literatur, i. Auswahl: Fohrer Georg: Das Buch Jesaja, Zürcher Bibelkommentare, 3. Band Zürich 1964 Grün, Anselm: Meditative Zugänge zu Gottesdienst und Predigt Reihe III, 2. Halbband, Göttingen 1993 Schulz, Rudolf: Predigtstudien, III, 2. Halbband, Stuttgart 1987

3. Predigt: Liebe Gemeinde, „Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus“, so beginnt unser Predigttext für den Erntedanktag. Da gehen mir gleich verschiedene Gedanken durch den Kopf. Mit Hungrigen das Brot teilen - das mache ich gerne, wenn ein Durchreisender am Pfarrhaus klingelt, wenn ich jemanden kenne, dem es nicht gut geht - oder wenn ich wieder einmal einem Spendenaufruf nachgebe für Menschen, die von einer Naturkatastrophe heimgesucht wurden. Aber das andere: Den Obdachlosen ins Haus führen? In welches Haus? Gar in meines? Vielleicht will er auch noch in meine Dusche, an meinem Esstisch sitzen? Ich will meinen kleinen Lebensraum gar nicht teilen, jedenfalls nicht für längere Zeit. Und sie merken schon an den ersten Worten: Dieser Predigttext für Erntedank hat es in sich, so wie die Aktion des „Erntedankbrotes“ es in sich hat, denn es geht um mehr als um einen Laib Brot. Es geht an diesem Tag um einen Blick auf unsere Lebenseinstellung. Hören wir zunächst einmal auf die Verse aus Jesaja 58: 7 Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! 8 Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird deinen Zug beschließen. 9 Dann wirst du rufen und der HERR wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich. Wenn du in deiner Mitte niemand unterjochst und nicht mit Fingern zeigst und nicht übel redest, 10 sondern den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag. 11 Und der HERR wird dich immerdar führen und dich sättigen in der Dürre und dein Gebein stärken. Und du wirst sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt. 12 Und es soll durch dich wieder aufgebaut werden, was lange wüst gelegen hat, und du wirst wieder aufrichten, was vorzeiten gegründet ward; und du sollst heißen: »Der die Lücken zumauert und die Wege ausbessert, dass man da wohnen könne«. Liebe Gemeinde, mit wem brechen wir unser Brot, mit wem teilen wir und wie leben wir in unserem Verhältnis zu Gott? All dies sind Fragen, die hinter dem Bibelabschnitt stehen. Das Brot soll heute exemplarisch für die vielen Gaben auf unserem Erntealtar stehen.

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GOTTESDIENST I

Und Brot ist eines unserer wichtigsten Lebensmittel. Brot wird in der Bibel als Vergleichsgegenstand gebraucht, auch für das Heil in Jesus selbst (Joh 6,35 oder Joh 6,48). Bei Jesaja wird das Brot als etwas Existentielles aufgefasst, das es zu teilen gilt. Und damit wird es zu einem Beispiel für eine Lebenshaltung. Eine Lebenshaltung ist es, die den anderen in den Blick nimmt. Erntedank erinnert uns daran mit anderen zu teilen. Ganz konkret. Wo, wie und wann tun wir das? Teilen heißt nicht sich selbst aufopfern, selbst nichts mehr haben. Teilen muss aber so geschehen, dass letztlich für alle genug da ist. Und Teilen geschieht nicht nur mit Geld und Brot. Ich freue mich über die Menschen, die ihr Wissen mit mir teilen. Ich freue mich über die, die ihr Engagement teilen und soziale Dienste tun. Ich freue mich über die, die sich einsetzen für Nachhaltigkeit, für Qualität. Gerade bei unserem Beispiel „Brot“ ist das wichtig. Ich wünsche mir ein Brot, das in der Region hergestellt wurde mit Zutaten aus der Region. Ich wünsche mir, dass so Arbeitsplätze geschaffen werden in kleinen Bäckereien, oder dass sie wenigstens nicht verloren gehen. Ich freue mich, wenn ich sehe, dass jemand die Qualität hier schätzt und zur Geltung bringt und sowohl die Gaben der Natur als auch die Begabungen der Menschen teilt und mir keine Semmelteiglinge von irgendwoher andrehen will. Ich will mit diesen Menschen auch teilen und bei ihnen kaufen, weil ich weiß, dass sie ihren Beruf tun, um in ihrer jeweiligen Region Menschen in Lohn und Brot zu bringen. Das ist das eine. Das andere ist, dass es auch bei uns Armut gibt. Manchmal verdeckt und verschämt, manchmal beschämend. Im Jahr 2010 erschien ein Band der EKD mit dem Titel „Nähe, die beschämt. Armut auf dem Land“. Für mich drückt dieser Titel alles aus. Ja, es gibt Armut bei uns und unter uns. Und wir schämen uns darüber zu reden. Wir schämen uns Hilfe anzubieten, weil es als Makel empfunden wird arm zu sein. Dabei können die Gründe, das ist uns auch klar, ganz unterschiedlicher Natur sein. Jesaja macht es anders. Er setzt voraus, dass wir uns einmischen werden. Dass wir etwas tun, um die Situation vor Ort zu verbessern. „Brich dem Hungrigen dein Brot, entziehe dich nicht!“ Jesaja weiß, dass dies der richtige Weg ist, denn ein solches Verhalten würde viele positive Dinge nach sich ziehen. Er nennt sie: Gerechtigkeit wird kommen und Heilung, Licht wird sein in der Finsternis, Gott wird uns führen, er wird immer da sein, wir werden sein wie ein bewässerter Garten, dem es nie an Wasser fehlt. Welch schöne Bilder, welch tolle Verheißungen sind das! Wenn wir den Blick auf den Nächsten ändern, dann kann das alles geschehen.

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GOTTESDIENST I

Ich meine, dass Sie, wenn Sie in sich hinein hören das auch wissen. Wir wollen das ja. Wir wollen ja, dass es uns, aber auch möglichst vielen Menschen, gut geht. Wir wollen eine Atmosphäre schaffen und in ihr leben, die lebenswert ist. Wichtiger als viele Äußerlichkeiten ist für mich dabei, dass wir menschlich zueinander sind. Gerechtigkeit wäre ja ein solcher idealer Zustand des sozialen Miteinanders. Wenn wir es dann noch schaffen all dies nicht gönnerhaft, sondern ehrlich und mit ganzem Herzen zu leben, dann könnte unsere Welt wirklich besser aussehen. „Gott wird uns führen“, fügt Jesaja noch an. Ja, diese Führung und Ausrichtung an seinem Willen die werden wir brauchen, damit wir den Mut haben, gegen manche Widerstände dieses Recht einzufordern. Liebe Gemeinde, dies ist heute ein Tag des Dankens, zweifellos. Es ist für mich ein Tag der Freude und des Feierns. Solche Tage brauchen wir im Leben. Es ist auch ein Tag des Forderns an uns selbst, an unsere Gesellschaft für mehr Gerechtigkeit und dafür stärker den Blick auf die Schwächeren in der Gesellschaft zu lenken. Das Brot steht für etwas das wir leicht teilen können. Ein Stück Brot abgeben von dem ganzen Laib. Ein Stück abgeben vom Wohlstand. Ein Stückchen teilhaben am Leben unserer nächsten Mitmenschen. Das Brot zeigt uns, dass das geht. Letztlich ist es heute auch ein Tag, noch weiter zu denken. Jesaja tut dies ganz am Ende. Was lange wüst gelegen hat wird wieder aufgerichtet. Diese Hoffnung möchte ich nicht preisgeben. Der Erntedanktag macht Mut, Brachflächen zu fruchtbarem Land zu machen. Er fordert heraus, neue, andere Wege zu gehen, weiter zu denken, wieder aufzubauen. Wir tun das heute, wenn wir uns einsetzen für regionale Produkte, für gute und verantwortete bäuerliche Landwirtschaft, für Gerechtigkeit unter uns hier und weltweit. Neu sind diese Gedanken eigentlich nicht. Generationen vor uns haben sie schon gepflegt. Manchmal aber wird das „Alte“ wieder neu. Dieser Tag, liebe Mitchristen, zeigt unsere Verantwortung auf, die wir mit dem Brot angedacht haben. Verantwortung für die Menschen, die an diesem Brot arbeiten und gleichzeitig dafür, dass jeder Brot in ausreichendem Maß bekommt. Dass wir diese Verantwortung wahrnehmen und sie nicht beiseitelegen, dazu helfe uns Gott. Amen. Thomas Guba Pfarrer, Gemeinde- und Regionalentwicklung Nordostbayern www.gemeinsamfuerdieregion.de guba@ebz-alexandersbad.de

Fürbittengebet L

Gott hat uns die Ernte dieses Jahres wachsen lassen. Viele Erwartungen wurden erfüllt; lasst uns ihm danken.

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Wir danken Gott: für alles, was er uns zum Leben gegeben hat; für unser tägliches Brot, das wir reichlich haben; für die Fähigkeit, uns mit unserer Hände Arbeit zu erhalten; für das Wissen und den Mut, Neues zu erforschen, damit wir gewinnen, was wir für das Leben brauchen, und davon weitergeben können lasst uns Gott Dank sagen:

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Herr, wir danken dir.

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Wir danken Gott: für das Zusammenleben mit anderen Menschen; für alle, die uns nahe stehen und uns ihre Zuwendung erfahren lassen; für die Menschen, denen wir begegnen und die unser Leben bereichern; für alle Gemeinschaft, die Einsamkeit überwindet, damit wir Freude erfahren und weitergeben können lasst uns Gott Dank sagen: Herr, wir danken dir.

G D

Wir danken Gott: für seine Barmherzigkeit, die uns befreit und entlastet; für Brot und Wein, die uns Leben und Freude schenken; für sein Wort, das uns die Augen öffnet, damit wir unsere Verantwortung erkennen füreinander lasst uns Gott Dank sagen:

G

Herr, wir danken dir.

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Die bittere Not vieler Menschen ist noch nicht behoben; lasst uns Gott um Hilfe bitten.

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Wir bitten Gott: dass er unsere Bereitschaft mehre, die uns gestellten Aufgaben zu erfüllen; dass er unseren Widerstand überwinde, den Wohlstand zu teilen und den Hunger nach Gerechtigkeit und Liebe zu stillen;

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dass er uns lehre, zu verzichten und uns einzuschränken, damit andere leben können lasst uns Gott bitten: Herr, erhöre uns.

D

Wir bitten Gott: dass er allen, die in Wirtschaft und Politik Verantwortung tragen, gangbare Wege weise, die Probleme des Mangels und der Ungerechtigkeit zu lösen; dass in Wissenschaft und Technik Möglichkeiten gefunden werden, die Ernährung der Menschheit zu sichern; dass er uns alle befähige, mit den Gütern der Erde gerecht und verantwortlich umzugehen, damit wir heute und in Zukunft menschenwürdig und glücklich leben können lasst uns Gott bitten:

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Herr, erhöre uns.

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Gott, du gibst uns in deiner Güte und Barmherzigkeit mehr als wir bitten und verstehen können. Hilf uns, dass wir niemals aufhören, dir dafür zu danken, dich zu loben und zu preisen. Durch Jesus Christus, unsern Herrn.

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Amen.

Quelle: Kirchenleitung der VELKD (Hg.), Evangelisches Gottesdienstbuch, Berlin 2000, S. 594f.

Gebet des Tages Unser Vater, Schöpfer und Erhalter des Lebens, du willst das Gebet um das tägliche Brot erhören: Darum bitten wir, lass alle Menschen in Armut, Hunger und Not gesättigt werden mit Gutem, darin deine Liebe erfahren und erkennen, dass du gütig bist und gerecht. Denn du bist die Hoffnung aller Schwachen, und deine Barmherzigkeit gibt ihnen neue Kraft, dir zu lobsingen und dich zu rühmen. Durch Jesus Christus, unsern Herrn. Quelle: Kirchenleitung der VELKD (Hg.), Evangelisches Gottesdienstbuch, Berlin 2000, S. 463

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GOTTESDIENST II

GOTTESDIENST II

VOM WUNDER DES WACHSENS – EIN FAMILIENGOTTESDIENST ZUM ERNTEDANK Glocken – Vorspiel BEGRÜSSUNG Liturg/Liturgin (L): Im Namen Gottes des Vaters, der die Welt ins Leben gerufen hat und erhält, des Sohnes, der sie befreit zum ewigen Leben, und des Heiligen Geistes, der uns Erkenntnis und Frieden schenkt. Amen. L: „Gott-sei-Dank-Brot“ – so heißt der Familiengottesdienst am Erntedankfest, zu dem wir Sie und euch herzlich begrüßen. Unsere Kirche ist reich geschmückt: einzelne Gaben aufzählen, auf Getreidesträuße hinweisen und zuletzt auf das „Gott-sei-Dank-Brot“. Heute stehen hier so viele wunderbare Dinge, für die wir Gott danken. Heute betrachten wir vor allen anderen Dingen das Brot, das uns Bäcker XY gestiftet hat. Jesus hat seinen Jüngern gesagt, sie sollen beten: Unser tägliches Brot gib uns heute. Das Brot, das steht für alles, was wir zum Leben brauchen, es steht im Vaterunser für alle anderen Dinge, die hier vor dem Altar liegen und sogar für noch mehr. Was das noch ist, das wollen wir heute herausfinden. Ihr seid da, die vielen Gemüse und Obstsorten .... sind da. Wir wollen Gott danken für alles, was er uns schenkt. Lied Ich singe dir mit Herz und Mund (EG 324) oder Morgenlicht leuchtet (EG 455) oder Lobe den Herren (EG 317) oder Himmel, Erde, Luft und Meer (EG 504) oder ein anderes Schöpfungsloblied Psalm 104 (in Auszügen) im Wechsel (Männer/Frauen, Erwachsene/Kinder) sprechen: Lobe den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, du bist sehr herrlich; du bist schön und prächtig geschmückt. Licht ist dein Kleid, das du anhast. Du breitest den Himmel aus wie einen Teppich. Du lässest Wasser in den Tälern quellen, dass sie zwischen den Bergen dahinfließen, dass alle Tiere des Feldes trinken und das Wild seinen Durst lösche. Darüber sitzen die Vögel des Himmels

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und singen unter den Zweigen. Du feuchtest die Berge von oben her, du machst das Land voll Früchte, die du schaffest. Du lässest Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutz den Menschen, dass du Brot aus der Erde hervorbringst, dass der Wein erfreue des Menschen Herz und sein Antlitz schön werde vom Öl und das Brot des Menschen Herz stärke. Es warten alle auf dich, dass du ihnen Speise gebest zur rechten Zeit. Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist wie im Anfang so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen. Lied Wir pflügen und wir streuen (EG 508) oder Ich lobe meinen Gott (EG 272) WORTTEIL Brot für Leib und Seele Regieanweisungen: Für die Durchführung können einzelne Stationen im Gottesdienstraum aufgebaut werden. Alternativ tragen Kinder (aus dem Kindergottesdienst) die einzelnen Symbole gut sichtbar für alle Gottesdienstteilnehmenden nach vorne. Es können auch Schälchen mit den jeweiligen Materialien (Weizen, Mehl ...) durch die Reihen gegeben werden. WICHTIG: Bei der Beteiligung von Gemeinde und Kindern ist der Zeitrahmen zu beachten! Benötigt werden: Weizenkörner, Schale mit Erde, Krug mit Wasser, Schale mit angekeimten Weizenkörnern (wie für Ostergras - bitte rechtzeitig vorbereiten!), Garbe aus Weizenähren, Mehl, Brot („Gott-seiDank-Brot“, wo es gebacken wird), Patene mit Hostien, ggf. Tische und Tischdecken für die einzelnen Stationen. 1. Station: Eine Schale mit Weizenkörnern wird betrachtet. Wo dies möglich ist, erhält jeder Gottesdienstteilnehmende ein Korn. Liturg/Liturgin (L): Ein kleines Weizenkorn (hält jeder in Händen). Braun ist es und unscheinbar in seiner festen Hülle. Leicht kann es auf den Kirchenboden fallen und wir finden es nicht oder nicht

so schnell wieder. Dieses kleine unscheinbare Korn trägt ein Geheimnis in sich. Man sieht es ihm nicht an, wie viel Lebensenergie in ihm steckt. Eine Schale mit Erde und ein Glaskrug mit Wasser werden neben die Schale mit den Körnern gestellt. L: Wenn das Weizenkorn in die Erde fällt und Wasser seine Schale aufweicht, dann beginnt das Korn sein Geheimnis zu zeigen. Kinder säen Weizenkörner in die Schale mit Erde, tauchen ihren Hände in den Wasserkrug und träufeln, den Regen symbolisierend Wasser über die Saat. 2. Station: Die Schale mit den in Erde angekeimten Körnern wird betrachtet. L: Wenn das Korn in die Erde fällt und der Regen es gießt, beginnt etwas Wunderbares. Die Kraft, die in ihm steckt wird sichtbar. Bald schon sehen wir das Grün der Hoffnung. Langsam setzt das Korn seine Energie frei und keimt, es treibt aus. Auf den Feldern sind grüne Flächen zu sehen. Das Grün der Hoffnung auf eine gute Ernte, die uns alle ernährt. 3. Station: Die Garbe aus Weizenähren wird aufgestellt. L: Wenn der Weizen ausreichend Wasser, Sonne und einen geeigneten Nährboden hat, können sich die Körner in den Ähren gut und prall entwickeln. Das Grün der Hoffnung verwandelt sich in ein Goldgelb. Das Bangen um die Ernte bleibt. Es ist eine Katastrophe, wenn ein Unwetter, Hagel, Sturm Regen über dem Feld nieder geht. Halme werden geknickt und richten sich nicht mehr auf, oder es regnet so sehr, dass die Körner in den Ähren das Keimen beginnen. Diese Ähren haben es geschafft. Das Korn ist ausgereift, bereit für die Ernte. Aus dem einen Korn sind viele geworden. Eine Ähre in den Händen zerreiben oder von den Kindern zerlegen lassen, damit alle sehen wie viele es sind.

Brot wie dieses stärkt uns körperlich, macht uns satt, gibt uns Kraft, erhält uns am Leben. Patene mit Hostien wird auf die andere Seite der Schale mit dem Mehl gestellt. L: Brot, das das Menschenherz stärkt heißt es im Psalmtext. Hostien verwenden wir beim Abendmahl. In der Feier des Mahls erleben wir die Gegenwart Gottes und die Gemeinschaft der Gläubigen, unsere Gemeinschaft untereinander, das stärkt das Menschenherz. Im Anschluss an die Betrachtung besteht die Möglichkeit, einen heimischen Bäcker, der sich an der Aktion beteiligt, zu bitten diese zu erläutern. Zusätzlich kann er der Gemeinde kurz den Ablauf des Brotbackens schildern und wie es ist, wenn nach der Arbeit das frische Brot aus dem Ofen genommen wird und es überall nach frischem Brot duftet. (Bitte auf klare Zeitvorgaben achten.) Nach dem Gottesdienst besteht vielleicht die Möglichkeit die Backstube zu besichtigen oder mit den Kindern Brot zu backen. Lied Danket Gott, danket Gott (EG 611) oder Wo zwei oder drei (EG 568) oder Danket, danket dem Herrn (EG 336) oder Die Herrlichkeit des Herrn (EG 513)

4. Station: Schale mit Mehl in die Mitte stellen. L: Die Körner werden nach der Ernte gemahlen und so erhalten wir Mehl. Vieles stellen wir daraus her. Leckeren Kuchen und süße Plätzchen, für den Waffelteig und die Pfannkuchen brauchen wir es. Sicher fällt euch und Ihnen noch eine ganze Menge mehr ein. Zur Zeit Jesu und heute brauchen wir Mehl für die Herstellung von Brot. Der Brotlaib wird auf die eine Seite neben die Schale mit dem Mehl gelegt. L: Brot war und ist ein wichtiges Lebensmittel. Im Psalm 104 heißt es: Du lässest Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutzen der Menschen, dass du Brot aus der Erde hervor bringst ... und das Brot des Menschen Herz stärke.

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GOTTESDIENST II

AKTIONEN IM KINDERGARTEN

AKTION BROTTEILEN

FÜRBITTEN

L: Von Anfang an gehörte es zur christlichen Gemeinde, dass sie im Gottesdienst das Brot gebrochen und geteilt hat. So zeigen Christen ihre Dankbarkeit, dass Gott sie versorgt. Und so zeigen Christen, dass sie aufeinander achten. Alle sollen satt werden, darum teilen wir miteinander. Darum sammeln wir eine Kollekte ein und teilen mit den Geschwistern, mit denen wir das Brot nicht hier teilen können. Wir werden jetzt dieses große „Gott-sei-Dank-Brot“ in 8 Stücke schneiden und in diese Körbe legen. Dann geben wir dieses Brot durch die Reihen. Das „Gott-sei-Dank-Brot“ wird mit einem Brotmesser geachtelt und in 8 Körbe verteilt und in die Gemeinde gebracht. Hier sind 8 Austräger/innen nötig! Je nach Situation vor Ort muss gut abgesprochen sein, wie die Körbe im Gottesdienstraum verteilt werden. In kleinen Gemeinden reichen vielleicht auch zwei angeschnittene Brotsegmente. Am Ende der Aktion werden die Brotkörbe wieder nach vorne gebracht.

Gott, von dir kommt alles, was wir sind und haben. Dafür danken wir dir. Wir danken dir fürs Brot, für unsere Wohnung, unsere Kleidung, für alle, die uns lieb haben und begleiten. Wir danken dir für alle Menschen, die für unser tägliches Brot sorgen: die Bäcker, die Bauern, die Menschen in den Kleider- und Schuhfabriken. Zeig ihnen immer wieder, wie wichtig ihre Arbeit für uns ist. Du willst, dass alle Menschen gut leben können. Darum bitten wir dich: Öffne unsere Augen für alle Menschen, die Hunger haben und die krank sind. Gib uns gute Einfälle, wie wir ihnen helfen können. Wir bitten für alle Menschen, die heute ganz allein sind. Besuche du sie, damit sie sich nicht vergessen fühlen. Wir bitten für alle Menschen, die traurig sind, besonders für.......evtl. Sterbefälle einfügen. Platz für andere Kasualien. Was wir sonst noch auf dem Herzen haben, fassen wir zusammen mit dem Vaterunser.

Jeder und jede bricht ein Stückchen Brot ab und gibt es dem linken Nachbarn. Den Korb reichen Sie nach rechts weiter und bekommen dann von Ihrem rechten Nachbarn ein Stückchen Brot gereicht. Der Korb ist also schon immer eine Person weiter als die Brotstückchen. Geben Sie das Brot weiter mit den Worten: „Gott segne es dir“. Und der Nachbar antwortet mit Amen. Wenn ihr möchtet, dann kaut das Schwarzbrot ganz sorgfältig. Ihr werdet etwas merken. Nach und nach wird das Brot süß. Lied Wenn uns das Leben lebendig macht Lobe, lobe den Herrn meine Seele

Vaterunser Lied: Möge die Straße Segen Nachspiel Im Anschluss kann die Gemeinde zu einem Eintopfessen einladen, zu dem „Gott-sei-Dank-Brot“ gereicht wird. Der Erlös des Essens kann an Bedürftige vor Ort, an eine Institution, der sich die Gemeinde verbunden fühlt, eine Partnergemeinde gespendet werden. Eva Forssman Pfarrerin, St. Johannes, München eva.forssman@elkb.de Ute Christa Todt Diakonin, Referentin für Kinderbibelwochen, Nürnberg ute-christa.todt@afg-elkb.de

DAS MAHLE-MÜHLE-LIED Text: Barbara Cratzius, Melodie: Paul G. Valter

2. Du, Mahle-Mühle-Müller, noch sind die Säcke leer. Du, Mahle-Mühle-Müller, bring du das Mehl uns her. 3. Das Mahle-Mühle-Mahlen hört Tag und Nacht nicht auf. Der Sturm greift in die Flügel auf seinem langen Lauf. 4. Du, Mahle-Mühle-Müller, nun sind die Säcke schwer. Das gute Mehl, das bringst du ganz schnell zum Bäcker her. 5. Du backst uns süßen Kuchen, auch Brötchen und das Brot. Wir haben satt zu essen. Wir kennen keine Not. 6. Ihr Mahle-Mühle-Flügel, nun dreht euch doch geschwind. Mahlt Mehl für so viele Kinder, die heute hungrig sind

Lisa Nickl Kindergarten Spatzennest Kiga.spatzennest@gmx.net

WIE MAN AUS KÖRNERN MEHL GEWINNT Ziele: Erweiterung des Wissens und des Begriffsschatzes. Einsicht in Zusammenhänge zwischen Pflanzenanbau und menschlicher Ernährung. Erlebnis der Herstellung von Mehl aus Getreidekörnern. Vorbereitende Tätigkeiten: Ein Kornfeld besuchen oder in Büchern betrachten und darüber sprechen, was Getreide ist und wozu es angebaut wird. Material: Ähren und verschiedene Getreidekörner, Lupen, flache Steine, Siebe, Bücher und Bilder über Mühlen Durchführung: Der Erzieher bietet im Freispiel an, Ähren genau zu untersuchen und Körner zwischen Steinen zu zermahlen. Im gemeinsamen Kreis wird dieses Experimentieren aufgegriffen, indem die Kinder von den Erfahrungen und Beobachtungen berichten. Noch einmal werden Körner zu Mehl zermahlen und auf einen Teller gesiebt. Die Kinder können auch ein Korn zerbeißen und das Mehl darin probieren. Daraufhin entwickelt sich ein Gespräch über die Verwendungsmöglichkeit von Mehl. Die Kinder sollen dabei erkennen, dass sehr viel Mehl gebraucht wird. Dieses kann sichtbar gemacht werden, indem man ihnen eine Tüte mit einem Pfund Mehl zeigt und dabei betont, dass allein diese Menge erforderlich ist, um einen einzigen Kuchen zu backen. Gute Abbildungen, die später als Ausstellung im Gruppenraum ausgehängt werden, regen zu einem Gespräch über die heutige industrielle Mehlgewinnung an. Weiterführende Tätigkeiten: Besuch eines Bäckers. Gespräch über Getreideanbau und Mehlgewinnung wieder aufgreifen und vertiefen, so dass den Kindern schrittweise der Weg vom Korn über das Mehl zum Brot deutlich wird. Ideen: Barbara Cratzius, „Herbst im Kindergarten“

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AKTIONEN IM KINDERGARTEN

AKTIONEN

KOMMT, WIR BACKEN BRÖTCHEN AUS VOLLKORNMEHL Zutaten für Vollkornbrötchen 3,5

Weizenmehl, Type 1050

2

Roggenmehl

1

Salz

1,5

Milch, lauwarm

5

Öl

1

Zucker

1

Hefe

Sesam, Kümmel, Haferflocken 1. Schüttet alle Zutaten nacheinander, wie im Rezept zu sehen, in eine große Schüssel. Achtet darauf, dass die Milch lauwarm ist.

2. Knetet alle Zutaten zu einem Teig zusammen. Wenn der Teig zu feucht ist, dürft ihr etwas Mehl hinzufügen. 3. Jetzt muß der Teig ruhen. Deckt die Schüssel mit einem Küchentuch zu und stellt die Schüssel an einen warmen Platz.

4. Nach einer halben Stunde ist der Teigklumpen größer geworden. 5. Knetet ihn noch einmal recht kräftig durch. 6. Teilt den Teig in pflaumengroße Stücke und formt Brötchen daraus. Legt die Brötchen auf ein gefettetes Backblech, bestreicht sie mit

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Milch und bestreut sie mit Kümmel, Sesam, Mohn oder groben Haferflocken. 7. Jetzt müssen die Brötchen wieder ruhen, eine halbe Stunde lang.

8. Danach werden sie gebacken bei 200°, etwa 20 Minuten lang. Guten Appetit! Statt vieler einzelner Brötchen könnt ihr alle bestreuten Brötchen zu einer bunten „Torte“ auf dem Backblech zusammenschieben und backen.Eine Brötchentorte sieht gut aus, und es macht Spaß, sich ein leckeres Brötchen herauszubrechen. E. Scharafat

EIN BACKFEST ZU HAUSE ,,Mami, warst du noch nicht beim Bäcker? Ich hab‘ so Appetit auf frische Brötchen, ganz weiß sollen sie innen sein!“ - ,,Ganz weiße Brötchen mit viel süßer Marmelade drauf sind gar nicht so gesund!“ sagt die Mutter. Wir waren doch gestern erst beim Zahnarzt. Wir sollen lieber ordentlich Schwarzbrot mit vielen Körnern drin essen. Weißt du, in dem Vollkornbrot steckt doch noch der kleine Keim drin. Der hat so viel Kraft. Wenn man ihn in die Erde legt, dann kann daraus ein richtig langer Halm werden mit vielen Ähren dran. Und diesen kleinen kräftigen Kerl sollst du doch mitessen, damit du groß und stark wirsr!“ ,,Steckt denn der kleine Kerl nicht auch in unseren weißen Brötchen drin?“ fragt Kai. ,,Nein, beim Mahlen wird dieser wichtige kleine Keim entfernt; da ist nämlich ein ganz gesundes Öl drin, das leicht ranzig wird und das Mehl verdirbt. - Auch die dunklen Randschichten vom Korn werden beim Mahlen herausgenommen, damit das Mehl schön weiß bleibt. Aber da sind ebenso gute Stoffe drin für deine Knochen und Zähne und Haut und Haare. In dem guten dunklen Vollkornmehl sind alle diese Dinge noch enthalten. Ich muß es nur bald verbrauchen, weil es schneller verdirbt.“ ,,Wenn bloß die weißen Brötchen und das weiße Brot nicht so gut schmecken würden!“ lacht Kai. ,,Wir werden heute nachmittag Brötchen backen. Die werden dir bestimmt schmecken, mit Kümmel und Sesam und Mohn. Wir werden das richtig ausprobieren. Du darfst auch noch Ingo und Rolf einladen, dann machen wir ein kleines Backfest für fleißige Kuchenbäcker.

AKTIONEN RUND UM DAS ERNTEDANKFEST Kirchencafe ... Erfahrungen und Anregungen der Evangelischen Landjugend zur „Gott-sei-Dank-Brot“-Aktion. Das „Gott-sei-Dank-Brot“-Projekt ist ideal, um Jugendliche zu beteiligen. Es bietet Möglichkeiten, handfest anzupacken oder für weiter führende inhaltliche Diskussionen. Es verknüpft die spirituelle Komponente des „Unser tägliches Brot gib uns heute“ mit Themen der Lebenswelt Jugendlicher. Gesunde Ernährung und die Sorge um die Zukunft der Heimat lassen sich mit dem „Gott-sei-Dank-Brot“ mit allen Sinnen erfahren. Der Einstieg: Brot-Test Wer den Unterschied zwischen Steinofenbrot aus dem Dorfbackofen und 99cent-Brot vom Discounter geschmeckt hat, wird ansprechbar für Themen regionalen und globalen Handels. Wie wird’s gemacht? Verschiedene Brotsorten von unterschiedlichen Anbietern (Bäcker, Öko-Bäcker, Supermarkt, Discounter) einkaufen und die Teilnehmer blind verkosten lassen. Folgende Fragen zum Geschmackserlebnis bieten sich an:

• • • •

Was hast du geschmeckt?/Beschreibe den Geschmack! Welche Brotsorte hast du geschmeckt? Was glaubst du, wie ist dieses Brot hergestellt worden? Wie würdest du ein Bild / ein Werbeplakat zu diesem Brot gestalten?

Dieser Einstieg eignet sich sowohl für die thematische Weiterarbeit als auch als Auftakt für ein Aktionsprojekt. Tipps für die inhaltliche Weiterarbeit: • Werkbrief für die Landjugend: Globalisierung total. Herausgeber: Kath. Landjugendbewegung. Bezug: www.landjugendverlag.de Ökoprojekt Mobilspiel e. V. Münchner Agenda21• Initiative mit gut dokumentierten Projekten, Links und Aktionsideen zu Ernährung, fairem Handel, Bürgerbeteiligung und Klimaschutz. http://mobilspiel.de/Oekoprojekt/index.html • www.talking-food.de Jugendseite des aid zu gesunder Ernährung. Didaktische Materialien auf www.aid-macht-schule.de

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AKTIONEN

AKTIONEN

Aktionsidee: Das Kirchencafé mit „Gott-sei-Dank-Brot“ Die Evangelische Landjugend (ELJ) ruft Jugendgruppen auf, am Erntedankfestsonntag in ihren Kirchengemeinden ein Kirchencafé mit „Gott-sei-Dank-Brot“ zu veranstalten. Nach dem Gottesdienst können die Gemeindeglieder ins Gemeindehaus zu einer Tasse Kaffee – fair gehandelt! – und zu Leckereien rund um das „Gott-sei-Dank-Brot“ eingeladen werden. Aktionsbeispiele aus dem letzten Jahr zeigen, was alles möglich ist: Fischbach (Dekanat Kronach): „Gott-sei-Dank-Brot“ mit selbst gemachter Marmelade Schon zwei Wochen zuvor begann die ELJ Fischbach mit den Vorbereitungen. Schlehen, Äpfel, Birnen und Hagebutten wurden in heimischen Gärten oder in der Flur rund um das Dorf im Frankenwald geerntet und zu Marmelade verkocht. Rezepttipps gab es nicht nur von Müttern, sondern auch im Internet. Am Erntedankfestsonntag, verteilte die ELJ Fischbach ihr „Gott-sei-Dank-Brot“, das Dorfbäcker Möckel gebacken hatte, gegen eine Spende an die Besucher des Kirchencafés. Antenne Bayern berichtete in seiner Frühstückssendung aus Fischbach – nachzuhören auf www.elj-oberfranken-oberpfalz.de Wildenreuth (Dekanat Weiden): Gott-sei-Dank-Brot zum Gemüseeintopf Deftig ging es im oberpfälzer Wildenreuth zu: Weil der Gottesdienst erst um 10 Uhr beginnt, lud die ELJ-Gruppe hinterher zum Frühschoppen mit Eintopfessen. Aus didaktischer Sicht ist Eintopf eine gute Methode, viele Jugendliche zu beteiligen: Zwei Einmachtöpfe voller Mohrrüben, Bohnen, Kohlrabi, Lauch und Kartoffeln wollen geputzt, geschält und geschnitten sein! Als Beilage zu Eintopf und Weißbier ließen sich die Wildenreuther frisch aufgeschnittenes „Gott-seiDank-Brot“ schmecken. Neustadt am Kulm (Dekanat Weiden): Bäckereiausstellung zum Kirchencafé Schon vor einigen Jahren hatte der letzte Bäcker in der Kulmstadt zwischen Bayreuth und Weiden seinen Laden dicht gemacht. Das Kirchencafé am Erntedankfest war für die ELJ Neustadt am Kulm Anlass, an die dörfliche Bäckertradition zu erinnern. Brottröge, Mehlsiebe und Backofenschieber wurden aus den ehemaligen Backstuben geholt und zusammen mit Brotrezepten und Schaubildern über die Brotherstellung gezeigt. Kein Wunder dass, das Gemeindehaus angesichts der vielen Besucher fast aus den Nähten platzte.

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Muggendorf (Dekanat Forchheim): „Gott-sei-Dank-Brot“ beim Festumzug Auch wenn die Umsetzung mit dem „Gott-sei-Dank-Brot“ in letzter Minute scheiterte – die Idee der ELJ Muggendorf war es, mit einem eigenen Wagen am Festzug zum Kreiserntedank des Bauernverbandes teilzunehmen und von dort aus – so wie die Jecken im Faschingsumzug ihre Bonbons - kleine Brotstücke an die Besucher zu verteilen. Das Besondere an dieser Aktionsidee ist es, das „Gott-sei-Dank-Brot“ mobil zu machen und sich an lokalen Veranstaltungen und Traditionen zu beteiligen. So kommt das „Gott-sei-Dank-Brot“ auch zu denen, die nicht in die Kirche gehen.

Wenn Sie in Ihrer Gemeinde ein Kirchencafé mit dem „Gottsei-Dank-Brot“ oder eine andere Aktion durchführen bitten wir um Meldung an kirchencafe@elj-oberfranken-oberpfalz.de Das Kirchencafé-Logo sowie weitere Informationen gibt’s auf www.elj-oberfranken-oberpfalz.de Manfred Walter Bildungsreferent der Evangelischen Landjugend, Bayreuth info@elj-oberfranken-oberpfalz.de

Spendenvorschlag: Kinder- und Jugendzentrum in Belo Horizonte (Brasilien) Die ELJ ruft ihre Gruppen auf, die beim Kirchencafé erzielten Überschüsse zu spenden. Um deutlich zu machen, dass soziales Engagement nicht an der Gemeindegrenze aufhört bittet die ELJ um Spenden für ein Kinder- und Jugendprojekt in Brasilien. Der Kindertagesstätte „Creche Cantinho Amigo“ befindet sich in einer der ärmsten Gegenden der Millionenstadt Belo Horizonte. Die diakonische Einrichtung sichert Kindern, die auf der Straße aber auch (noch) in ihren Familien leben eine ausgewogene Ernährung, sinnvolle pädagogische Betreuung und eine Perspektive für die Zukunft. Spendenkonto: 220 585 233 bei der Sparkasse Mittelfranken-Süd (BLZ 764 500 00): Kennwort: Kirchencafé für Belo Horizonte Das Kirchencafé mit „Gott-sei-Dank-Brot“ ist Teil des Anregungsmillieus, das die ELJ ihren Gruppen bietet. Weil das Projekt überschaubar und handlungsorientiert ist, kommt es bei Jugendlichen gut an. Es ermöglicht selbst gesteuerte Lernprozesse, wie sie in der Didaktik der Jugendarbeit typisch sind. Wie wird ein Erntedankfestfrühstück organisiert? Was ist zu kalkulieren? Wie lässt sich das Projekt präsentieren? Das Curriculum sozialer Kompetenzen ist lang. Mindestens ebenso wichtig jedoch sind die Botschaften, die zwischen den Zeilen stehen. Das Anregungsmilleu will mehr als das bloße Projekt, es kommuniziert Werte und Haltungen. Wer „Gott sei Dank“ sagt, begreift sich als Teil der Schöpfung, bereitet den Boden für nachhaltiges Lernen und Handeln. Und nicht zuletzt vermittelt er/sie ein Menschenbild, aus dem auch die Jugendlichen Selbstbewusstsein für sich und ihre Region ziehen können.

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AKTIONEN

ENTDECKUNG

BROT IN DER ARBEIT MIT KINDERN

DER SCHATZ IM ACKER

E Als Nächstes streut man etwa einen Tee-/Kaffeelöffel Salz darüber und knetet den Teig weiter, während man nun vorsichtig weiteres Mehl und Wasser zugießt, solange, bis man einen geschmeidig, festen Teig erzeugt hat, der nicht mehr an den Fingern kleben bleibt. Der Anteil an zugegebenen Mehl sollte höher sein, als der Anteil Wasser. Ist der Teig fertig, muss man ihn in einem Topf warm halten (in die Nähe des Feuers stellen oder im leicht angewärmten Backofen), nach 5 Minuten wieder durchkneten und wieder fünf Minuten warm halten und ruhen lassen.

Brotbackaktion am Lagerfeuer für Kinder – „Bannock“– das Brot der Wildnis Bei Sommerfreizeiten oder Zeltlagern kann ein wohlschmeckendes, leicht herzustellendes Brot von Kindern selbst gemacht werden. Anbei ist das Rezept für das sog. Brot „Bannock“, welches am Lagerfeuer gebacken wird. Benötigte Ausrüstung und Zutaten: Trockenhefe; Zucker, Wasser, Vollkornweizenmehl, Salz, Pflanzenöl, eventuell Belag (wie Pizza oder nach Geschmack), Esslöffel, Schüssel oder Topf, normale Tasse, alte Pfanne, Feuer (oder Herd). Zubereitung (mit Mengenangaben): In einer Tasse Wasser löst man einen Esslöffel Trockenhefe und ebenso viel Zucker auf. Nun rührt man in einer Schüssel eine Tasse Vollkornweizenmehl mit dem eben entstandenen Hefewasser langsam und klumpenfrei zusammen und knetet das Ganze mit der Hand gut durch. Diesen Teig lässt man etwa fünf Minuten ruhen.

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Jetzt erhitzt man in der Pfanne etwas Pflanzenöl und drückt dann den Teig in der Pfanne etwa daumendick gut verteilt auf die ganze Pfannenfläche. Die Pfanne wird am Lagerfeuer (alte Pfanne verwenden) auf die Glut gestellt und das Brot langsam ausgebacken. Gut beobachten, damit es nicht verkohlt. Sobald die Unterseite braun ist, wendet man den „Bannock“, gibt eventuell noch mal ein klein wenig Öl in die Pfanne und backt auch die zweite Seite goldbraun. Dann ist der „Bannock“ fertig. Auch gibt es eine italienische Variante: Wer mag, legt nun drauf, was schmeckt. Für die „Bannock-Pizza“ kann man nach dem ersten Wenden den Belag auflegen und gegen Ende der Backzeit noch etwas Käse und typische Pizzagewürze aufstreuen. Guten Appetit!! Uli Geissler Diakon, Amt für Jugendarbeit, Nürnberg geissler@ejb.de

in Landwirt fährt mit langsamer Geschwindigkeit mit dem Pflug über seinen Acker. Das Feld ist eben und der Boden gut zu bearbeiten. Das Radio läuft zur Ablenkung und ist für ihn über die Kopfhörer präsent. Plötzlich verhakt sich der Pflug hinter ihm und sein ganzes Gefährt steht plötzlich. „So ein Mist“, denkt er sich und befürchtet, dass sein Pflug beschädigt sein könnte. „Vielleicht habe ich auch einen Schatz gefunden“, so schießt es ihm wie ein Gedankenblitz durch den Kopf. Er denkt dabei an die biblische Geschichte vom Schatz im Acker. Verborgene Schätze setzen sofort die Phantasie des Menschen frei und wecken Hoffnungen auf überraschendes Glück. Verborgene Schätze, die im Acker zu finden sind, sollen auch das Leitbild für meine Gedanken zum Erntedankfest sein. Dabei soll es weniger um materielle Schätze gehen, sondern vielmehr zuerst um den Menschen selbst, in dem diese Schätze verborgen sind. Es ist eine alte theologische Erkenntnis, dass Gott in den Menschen vielmehr an Gaben und Fähigkeiten hineingelegt hat, als auf den ersten Blick zu sehen ist. Die „Schätze“ im Menschen zu entdecken, sie in ihrer Verborgenheit wahrzunehmen und zu helfen, dass sie ans Licht kommen, ist Aufgabe christlicher Pädagogik. Ebenfalls weist uns die christliche Theologie auf die Kraft Gottes hin, die es dem Menschen ermöglicht, aus Schwäche, Schuld und Fehlern durch die Vergebung und Gnade Gottes zu einem Menschen voll Glaube, Hoffnung und Liebe zu werden.

kauft. Gerade wenn wir das Brot als alltägliche Nahrung in den Blick nehmen, kann uns deutlich werden, wie sehr geistliches und körperliches Leben miteinander zusammenhängen, ja geradezu ineinander fließen. Nicht umsonst bezeichnet sich Christus als Brot des Lebens, das für uns genauso nötig ist, wie das tägliche Brot. Für uns soll daraus eine Hochachtung vor der landwirtschaftlichen Arbeit, der Arbeit der Bäcker, aber ebenso der Bedeutung Christi für unser Leben entstehen. Entdecken Sie ganz neu als den Schatz des Lebens den Glauben an die verändernde Kraft Gottes, die Wachsen und Gedeihen in Ihnen ermöglicht und ebenso die tiefe Dankbarkeit für die vielen „Brote“ des Lebens, die durch menschliche Arbeit in Landwirtschaft und Handel uns täglich zur Verfügung gestellt werden. Gottes Segen zum Erntedankfest. Günther Werner Dekan in Forchheim guenther.werner@elkb.de

Daneben möchte ich aber auch gerade im Angesicht des Erntedankfestes landwirtschaftliche Produkte als Schätze verstehen und sie an dieser Stelle in den Blick nehmen. Alles, was auf unseren Feldern wächst, ist Folge menschlicher Arbeit, aber auch des Segens Gottes und nötig für die Ernährung von Mensch und Tier. Diese „Lebens“mittel wachsen aus der verborgenen Kraft des Ackers, werden aber leider erst dann richtig geschätzt, wenn sie einmal ausbleiben. Gottes Schöpfung ermöglicht uns ein gelingendes Leben und schafft die Grundlage für die Ernährung. Viel zu oft werden diese landwirtschaftlichen Produkte sehr gering geachtet und mehr nach dem günstigen Preis als nach der Qualität einge-

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BERICHT

BERICHT

EIN BESUCH IN DER BACKSTUBE

W

ir fahren von Süden kommend auf der A9 Richtung Bayreuth. In der Morgendämmerung grüßt ein Schild „Genussregion Oberfranken“ und gibt schon mal einen Vorgeschmack, was und in welcher Qualität in ca. 500 Bäckereien in Oberfranken gerade gebacken wird. Seit drei Uhr ist das Bäckerehepaar Zimmer auf den Beinen, die beiden Auszubildenden kommen zwischen vier und halb fünf dazu. „Sie kriegen erstmal eine Schürze“, begrüßt uns Herr Zimmer und zeigt uns die Backstube. Backen hat in der Bäckerei Lang eine lange Tradition: seit 1746 wird Teig zubereitet, per Hand geknetet und in den Ofen geschoben. 80 verschiedene Brotsorten bietet Thomas Zimmer mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Familienbetrieb an – auch seine pensionierten Schwiegereltern arbeiten jeden Tag mit. „Jede Generation fügt etwas hinzu“, so Zimmer: In den fünfziger Jahren kam der Ofen, vor etwa sechs Jahren wurde die Mehllagerung und -zuführung automatisiert, so dass keine Säcke

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mehr geschleppt werden müssen. Ein kleiner Computer mit eingespeicherten Rezepten und einer angeschlossene Waage hilft den Bäckerinnen und Bäckern, ihre Mischungen zusammen zu stellen. Das Kneten bleibt natürlich die bewährte Handarbeit – jede Breze, jedes Brötchen, jedes Brot wird per Hand bearbeitet und in den Ofen geschoben. Das Mehl kommt aus einer Mühle in Bamberg, das Korn wächst auf den Feldern der Region und wird ohne chemische Zusätze angebaut.

Auf die Frage, ob das handwerklich gefertigte Brot eine Renaissance erfährt, antwortet Herr Zimmer: Es gibt zwei Kundenkreise; auf der einen Seite die preisorientiert einkaufen müssen oder wollen und auf der anderen Seite, die qualitätorientiert ihre Lebensmittel auswählen. Der Handwerksbetrieb hat eine Partnerrolle für den qualitätsbewussten Kunden. Die Herausforderung liegt darin, den Wert des Brotes immer wieder neu zu thematisieren. Montags besuchen häufig Kindergärten die Backstube. Gemeinsam mit den Erzieherinnen wird den Kindern Brot schmackhaft gemacht. Beim Backofenfest im Bauernhofmuseum erleben die Besucherinnen und Besucher wie das Brot gebacken wird. Dies sind Beispiele, wie die Bäckerei zum Partner für gesunde Ernährung werden kann. Aus seiner Sicht ist Brot ein Lebensmittel im wahrsten Sinne des Wortes. Der Teig ist vorbereitet. Er wird nun ausgewogen, geknetet und für den Ofen fertig gemacht. Noch einige Zeit muss der Brotteig gehen. Die Oberfläche des fränkischen Landbrotes reißt leicht auf. Mit einem Fingerdruck stellt Herr

Zimmer fest, ob das Brot reif ist für den Ofen. Bevor das Brot in den Ofen kommt, wird es noch mit einer „Gottsei-Dank“-Brotmarke versehen. Wir sitzen beim Frühstück. Nach einer dreiviertel Stunde klingelt der Wecker, die Brote müssen raus. Und auf der Fahrt zurück duften im Auto bei strahlendem Sonnenschein die ersten beiden „Gott-sei-Dank-Brote“. Vielen Dank! Martin Hoffmann, Volkswirt Netzwerk gemeinsam für die Region maddin.hofmann@gmx.de Stefan Helm, Diakon Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt helm@kda-muenchen.de

Der Natursauerteig ist schon in der großen Rührschüssel. Während der Teig für das „Gott-sei-Dank-Brot“ vorbereitet wird, sprechen wir über die „Gott-sei-Dank-Brot“-Aktion. „Dank für das Korn, das in der Region wächst. Dank für das handwerkliche Können derer, die daraus Brot machen und der Dank der Menschen, die Brot und Arbeit haben.“ Diese Botschaft soll aus Zimmers Sicht mit der Aktion transportiert werden. Für das Erntedankfest in diesem Jahr planen die Bäcker mit der Evangelischen und Katholischen Kirche in Bayreuth zusammen einen ökumenischen Gottesdienst.

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GOTT SEGNE UNSER BROT. So wie das Korn wächst in Regen und Sonne, lass auch uns wachsen in deiner Liebe. So wie das Korn zu Mehl gemahlen wird, um Brot zu werden, lass auch uns Brot werden für andere. Segne uns mit dem verbindenden Wasser; es fügt das Mehl zu einem Leib. Dass auch wir zu einem Ganzen werden. Segne uns mit dem Duft des Backens; er erfüllt uns mit Hunger nach dem Brot. Dass auch unser Hunger nach Frieden in der Welt gestillt wird. Segne uns im Brechen des Brotes; es teilt sich aus, um Hunger zu stillen, dass auch wir zu teilenden Menschen werden. Segne uns mit dem Brot des Lebens, daß wir Teil deiner gelingenden Schöpfung werden.

IMPRESSUM Herausgeber: kda - Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt der Evang. – Luth. Kirche in Bayern – Fachstelle Kirche und Handwerk Schwanthalerstr. 91 80336 München Tel.: 089 /53 04 37-31 Fax: 089 / 53 07 37-38 E-Mail: helm@kda-muenchen.de Internet: www.kda-bay.de Redaktion: Martin Hoffmann, Stefan Helm Layout: Friederike Keup, diekeups@t-online.de August 2008 Fotos: LKA, Stefan Helm, Manfred Walter Schutzgebühr: 3,- Euro

"Gott-sei-Dank-Brot"  

Gedanken und Ideen zur Gestaltung des Erntedanktages 2011

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