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Die Gesundheitswelt der Zukunft denken Jahresbericht 2009

careum


2 Careum Jahresbericht 2009

Careum fördert – für einmal Kunstschaffende Careum fördert Bildung im Gesundheitswesen. Im diesjährigen Jahresbericht wird dieser FördererGedanke in einem anderen Kontext wieder auf­genommen. Mit einer Ausschreibung zum Thema «Die Gesundheitswelt der Zukunft denken» hat Careum jungen Kunstschaffenden eine Plattform für ihre Arbeiten geboten. Die Bildstrecke von Julia Bruderer hat die sechsköpfige Jury überzeugt, da sie die Zukunftsgerichtetheit von Careum symbolisch und abstrakt illustriert. Julia Bruderer lebt und arbeitet als freischaffende ­Illustratorin in Zürich. 2009 hat sie ihren Master in Communication Design am Arts College Central Saint Martins der Hochschule der Künste in London er­ worben und schon kurz darauf den 1. Preis des Swatch Young Illustrators Award gewonnen. Im Moment ­arbeitet sie an verschiedenen Aufträgen sowie an persönlichen Projekten, unter anderem an einer Arbeit über die Geschichte unserer Vorfahren. Ihre grösste In­spiration ist die Natur, die eine unersättliche Quelle für faszinierende und oft unerwartete Entdeckungen ist. Mehr von Julia Bruderers Arbeiten finden Sie unter www.juliabruderer.com.


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Inhaltsverzeichnis

5 Die Gesundheitswelt der Zukunft denken 7 Bilden und Schulen 8 Patientenbildung: Dem kompetenten Patienten gerecht werden 10 Neue Studiengänge dank Pionierarbeit der WE’G Hochschule Gesundheit 12 Das Careum Bildungszentrum im Zeichen der Nachwuchssicherung 15 Forschen und Entwickeln 16 Careum Fachstelle wird zu Careum F+E: Zehn Jahre Dynamik – und die Entwicklung geht weiter 18 Careum Working Papers: Der Blick in die Zukunft 21 Verbreiten und Vermitteln 22 Die Lehrmittel des Careum Verlags bewähren sich 25 Fördern und Vernetzen 26 Harkness/Careum Fellowship Program: Forschen zur Gesundheitspolitik der USA und der Schweiz 30 Careum Congress 2009: Grenzverschiebungen – die globale Gesundheitsgesellschaft und nationale Herausforderungen 32 Careum Forum 2010: Ohne Selbstbewusstsein keine Wertschätzung 35 Careum – Was steckt dahinter? 40 Stiftungsrat und Ausschüsse 42 Organigramm


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Die Gesundheitswelt der Zukunft denken

Careum hat einen langen Transformationsprozess abgeschlossen und im vergangenen Geschäftsjahr die Strategie für die nächsten fünf Jahre festgelegt. Die Tätigkeiten werden neu in vier Geschäftsfelder gegliedert. Careum befindet sich 127 Jahre nach seiner Gründung in einer einmaligen Situation: Sein Umfeld – das Gesundheits- und Bildungswesen – ist in einer gewalti­gen Phase des Umbruchs. Gleichzeitig hat Careum ­einen langen Transformationsprozess abgeschlossen und ist jetzt in der Lage, die Möglichkeiten dieser grossen Veränderungsphase im Sinne seines Stiftungszwecks und zum Vorteil für das Gesundheits- und ­Bildungswesen zu nutzen. Careum begreift diese Umgestaltungen als Chance und Verpflichtung. Am 1. April 2009 hat der Stiftungsrat die «Strategie der Stiftung Careum» verabschiedet und damit die Stossrichtung von Careum für die nächsten fünf Jahre festgelegt. Im vorliegenden Jahresbericht soll ­aufgezeigt werden, wohin die Reise geht und welche Massnahmen bereits initiiert wurden, um die Gesundheitswelt der Zukunft nicht nur zu denken, sondern auch mitzugestalten. Es wurden nicht nur die zukünftigen Tätigkeitsgebiete von Careum definiert, auch reflektieren die Anpassungen in der Zusammensetzung des Stiftungsrats und des Leitenden Ausschusses die strategische Stossrichtung: Die neuen Mitglieder bringen relevantes inhaltliches Wissen auf höchstem Niveau und ein wertvolles Beziehungsnetzwerk in die Stiftung ein. An der inhaltlichen Ausrichtung von Careum und am Selbstzweck ändert sich im Grundsatz nichts: Careum fördert auch in Zukunft die Bildung im Gesundheitswesen, indem es massgebliche Impulse zur ­inhaltlichen und systemischen Entwicklung und Profilierung der Bildung im Gesundheitswesen liefert.

Die vier Geschäftsfelder Bilden und Schulen

Verbreiten und Vermitteln

Forschen und Entwickeln

Fördern und Vernetzen

Dieser Stiftungszweck wurde heruntergebrochen in vier Geschäftsfelder, in welche sowohl die ­bestehenden Tätigkeiten wie auch die neuen Projekte eingegliedert werden. Dieser Struktur folgt auch der diesjährige Jahres­bericht. Anhand von Projektbeschrieben, Erfahrungsberichten, Kongressberichten, aber auch mit Aus­sagen von Personen, welche 2009 mit Careum auf irgendeine Weise in Berührung kamen, wird die ­Tätigkeit von Careum veranschaulicht. Zusätzlich enthält der Bericht im letzten Teil eine kurze, ­prägnante Übersicht über das Gebilde «Careum» und dessen strategische Ausrichtung. Hans Gut, Vorsitz Prof. Dr. Ilona Kickbusch Dr. René Kühne Dr. Beat Sottas Der Leitende Ausschuss


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Bilden und Schulen

Careum bildet, schult und ber채t Lehrende und Lernende sowie Partner im Bildungssystem


8 Careum Jahresbericht 2009

Patientenbildung: Dem kompetenten Patienten gerecht werden

Patienten sind in den letzten Jahrzehnten aktiver und kompetenter geworden. Patientenbildung gewinnt deshalb im Gesundheitswesen zunehmend an Gewicht. Careum treibt dieses Thema mit dem Projekt «Patientenbildung» voran. Die Rolle des Patienten als Bürger und Konsument im Zusammenhang mit Gesundheit wird immer bedeutsamer. Die Gesundheitsgesellschaft erfordert eine aktive und kompetente Beteiligung an der eigenen Gesunderhaltung sowie an der Bewältigung chronischer physischer und psychischer Erkrankun­ gen. Die Einbindung der Patienten wird interna­tional als eine der zentral notwendigen Innovationen im Gesundheitswesen anerkannt und eingefordert. Um diesen Entwicklungen gerecht zu werden, hat der Stiftungsrat von Careum im November 2009 das Projekt «Patientenbildung 2010 –2015» bewilligt. Mit diesem Projekt setzt sich Careum zum Ziel, in Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnern die Patientenbildung für chronisch Kranke und ihre Angehörigen zu stärken und langfristig in der Versorgung und der Ausbildung zu verankern. Damit positioniert sich Careum im Vorfeld einer bedeutsamen internationalen Entwicklung im Gesundheitswesen und leistet einen Beitrag zur gesundheits­ politischen Diskussion über die Rolle des Patienten im Gesundheitswesen und zum Versorgungsmanagement der Zukunft. Mit einer professionellen und innovativen Projektleitung wird Careum massgeblich dazu beitragen, einen neuen Bereich des Gesundheitswesens der Zukunft zu erschliessen. Ein Projektbeirat wird wichtige Interessengruppen miteinbinden. Dem genehmigten Projekt ist bereits ein Vorprojekt vorausgegangen, in welchem die aktuelle Situation in Europa, die lokalen Bedürfnisse und die Machbarkeit des Projektvorhabens analysiert wurde. Auch fand ein Experten-Meeting in Zürich mit internationalen Pionieren auf diesem Gebiet statt. Aufbau des Programms CDSMP Nach den vorgängigen Analysen wird sich Ca­­­reum für die flächendeckende Umsetzung des Chronic Disease Self Management Program (CDSMP) in der Schweiz einsetzen und die Basis für ein unabhängiges Kompetenz-

zentrum CDSMP ­schaffen. Einige Fachleute in der Schweiz sind derzeit dabei, die ­ers­ten regionalen Angebote des CDSMP aufzubauen, es gibt auch Erfahrungen in einzelnen lokalen ­Pro­jekten und Spitälern. Der Zeitpunkt ist für Careum besonders günstig, mit diesen Partnern zu­s ammen voranzuschreiten, denn der Wunsch nach Zusammenarbeit, Vernetzung und Unterstützung ist allgemein gross. Als Grundprinzip der Projektdurchführung gilt, dass Careum vorrangig Koordinationsaktivitäten übernimmt und in einer fördernden, unterstützenden und vernetzenden Funktion agiert. Nationale und internationale Vernetzung Darüber hinaus wird sich Careum engagieren, eine unabhängige Plattform zur Vernetzung, Innovation und zum Wissensmanagement in der Patien­­ten­bildung mit nationaler und internationaler Reichweite aufzubauen, den «Careum Patient Campus». ­Genutzt wird dabei das Careum-Areal, aber insbesondere auch der virtuelle Raum. Mit einer Plattform werden

Chronic Disease Self Management Program, Stanford (USA) Das CDSMP wurde Mitte der 80er Jahre am Stanford University Patient Education Center entwickelt. Es handelt sich um eine wirksame Gruppenintervention für Patienten mit einer chronischen Erkrankung, ­denen verschiedene Kompetenzen für das tägliche Leben vermittelt werden. Das Programm ist stand­ardisiert und durch ein Handbuch detailliert festgehalten. Es wird durch zwei geschulte Laien-Kursleiter (Personen, die selbst chronisch krank sind) oder durch Tandemleitung (ein Laien-Kursleiter und eine Gesundheitsfachperson) umgesetzt. Die Kursleiter können sich zu Ausbildnern weiterbilden. Rekrutierung und Schulung sind ein bedeutsamer Teil des Programms. Das CDSMP ist von den Gründern wie auch von anderen unabhängigen Forschungs­gruppen seit zirka 25 Jahren fortlaufend evaluiert worden und weist eindrückliche Ergebnisse zu ­Wirksamkeit und Akzeptanz auf. In Europa wird das CDSMP derzeit landesweit in Grossbritannien und in Dänemark angeboten.


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Akteuren in der Schweiz und im Ausland Ver­netzungsund Austauschmöglichkeiten geboten, und gleichzeitig wird die Verbreitung von innovativen Projekten gefördert. Schliesslich beteiligt sich Careum am Aufbau eines «europäischen Netzwerkes zur Patientenbildung». Die Teilnehmenden am Experten-Meeting in Zürich im September 2009 haben Interesse an einem europäischen Netzwerk bekundet, in welchem Institutionen, die in der Patientenbildung tätig sind, ihre bestehenden und neuen Projekte, Projektideen und Instrumente austauschen können. Das Thema wird auch von der Europäischen Union und den europäischen Patientenorganisationen als relevant betrachtet.

die wachsende Bedeutung der Patienten und deren Kompetenzen erreichen. Auch in der Vielzahl von Ausbildungsgängen, in denen Careum involviert ist, soll Patientenbildung – sofern dies noch nicht der Fall ist – als Thema aufgegriffen werden. Prof. Dr. Dr. h.c. Ilona Kickbusch Leiterin Projekt Patientenbildung Stiftungsrätin und Mitglied des Leitenden ­Ausschusses

Mit den genannten Vorhaben kann Careum aufgrund seiner Unabhängigkeit zukunftsweisende Themen der Patientenbildung vorantreiben – zum Beispiel in Bezug auf die Pflege und die Interprofessionalität – und bei Entscheidungsträgern ein Bewusstsein für

Internationale Vernetzung: Experten-Meeting «Patientenbildung», 10. September 2009, Zürich Das von Careum organisierte Experten-Meeting brachte das erste Mal Vertreter unterschiedlicher Ansätze in der Patientenbildung zu einem intensiven Arbeitstreffen zusammen. Anwesend waren Vertreter einer Vielzahl von Projekten, ­unter anderen Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR); Mini Med School, Österreich; Patientenuniversität, Hannover; Expert Patients Programme EPP, England; CDSMP, Dänemark; Planetree, USA und Niederlande. Das Treffen gab wertvolle Anregungen für das Patientenbildungsprojekt und für den Careum Congress 2010, der dem Thema «Machtfaktor Patient: die Rolle der Patienten im Gesundheitswesen der ­Zukunft» gewidmet ist. Auf dem Kongress werden internationale innovative Erfahrungen in der Patientenbildung systematisch und vertieft vorgestellt. Die sich daraus ergebenden Ergebnisse werden mit Blick auf die gesundheitspolitisch erforderliche Neuorientierung diskutiert.

Kommende Veranstaltung: Careum Congress «Machtfaktor Patient», 11./12. November 2010, Rüschlikon www.careum-congress.ch


10 Careum Jahresbericht 2009

Neue Studiengänge dank Pionierarbeit der WE’G Hochschule Gesundheit Die WE’G Hochschule, an welcher Careum beteiligt ist, entwickelt sich rasch. Im vergangenen Jahr hat der Bund den Studiengang Bachelor of Science in Nursing anerkannt. Das konsekutive Master­ studium hat bereits begonnen, und die Anerkennung dafür wurde im Frühling 2010 erteilt. Damit beschreitet Careum als Pionier neue Wege in der deutschen Schweiz. Die einzige private Fachhochschule für Gesundheit in der Schweiz, die WE’G Hochschule Gesundheit (WE’G FH), wurde 2005 gegründet. Neben Careum wird sie von zwei weiteren Partnern, der Kalaidos Bildungsgruppe und der «Stiftung bildung-gesundheit» ­getragen. Sie wird also rein privat über Studiengel­der und Investitionsbeiträge der Träger finanziert und erhält keinerlei Gelder der öffentlichen Hand. Bachelor und Master Von fundamentaler Bedeutung für die WE’G FH war 2009 die Anerkennung des Bachelor of Science in Nursing (BScN) durch das Bundesamt für Bildung und Technologie (BBT). Bisher wurden schon 53 Studie-

rende mit Erfolg zum Abschluss BScN geführt. Auch hat die WE’G FH Anfang 2009 mit dem Studiengang Master of Science in Nursing by Applied Research (MScN by Applied Research) und verschiedenen Master of Advanced Studies (MAS) gestartet. Die Anerkennung des konskutiven Masterlehrgangs wurde dazu im Frühjahr 2010 erteilt. Careum bietet als erste Hochschule in der deutschen Schweiz einen konsekutiven Masterstudiengang in Nursing an und beschreitet damit als Pionier neue Wege. European Network Nursing Academies Vor allem die internationale Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg ist Careum wichtig. So hat sich die WE’G FH einem internationalen Netzwerk, dem «European Network – Nursing Academies» angeschlossen (http://en-na.eu). Diesem Verbund gehören ­bisher acht Fachhochschulen aus dem deutschsprachigen Europa an, aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Beitritte aus den Niederlanden und Schweden werden erwartet. Ziel des Netzwerkes ist es, die internationale Kooperation für Forschung und Lehre im Bereich Pflege zu fördern.

Erfahrungen aus dem MAS in Oncological Care «Ich bin nach dem Lesen und Analysieren ­zahlreicher Studien in der Lage, eine Daten­bank­­ recherche zur systematischen Literaturbe­schaffung durchzuführen, Forschungsdesigns zu ­erkennen und entsprechenden Forschungs­fragen zuzuordnen. Ich kann Forschungsberich­te verstehen und Resultate miteinander ver­gleichen und daraus Folgerungen für die Pflegepraxis ableiten. Ich habe sehr gute Erfah­rungen gemacht und bin auf Akzeptanz im ­interprofessionellen Arbeiten mit Ärztinnen und Ärzten gestossen.» Astrid Biedermann, Pflegefachfrau Onkologie


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Umfassendes Leistungsangebot der WE’G Hochschule Gesundheit – Bachelor of Science in Nursing – Master of Science in Nursing by Applied Research – Master of Advanced Studies – Management in Gesundheitsinstitutionen – Geriatrische Pflege – Onkologische Pflege – Palliative Care – Care Management – Wound Care – ICT in Healthcare Institutions Weitere Informationen unter www.weg-fh.ch.

Careum vergibt Stipendien

Studiengänge am Careum Institut

Careum will Studierende fördern, die im Bachelor-Studium überdurchschnittliche Leistungen erbracht haben und den konsekutiven Masterstudiengang «Master of Science in Nursing by Applied Research» der WE’G Hochschule Gesundheit in Aarau absolvieren wollen. Careum vergibt jährlich eine limitierte Anzahl Stipendien. Weitere Informationen unter www.careum.ch.

Die WE’G Hochschule Gesundheit führt unter dem Namen «Careum Institut» auf dem Careum Campus in Zürich erfolgreich Studiengänge für Palliative Care und Oncology Nursing durch. Weitere Informationen finden Sie unter www.careum.ch und www.weg-fh.ch.


12 Careum Jahresbericht 2009

Das Careum Bildungszentrum im Zeichen der Nachwuchssicherung Mit der steigenden Anzahl Lernender ist auch das Careum Bildungszentrum stetig gewachsen. Um der neuen Grösse gerecht zu werden, hat das Bil­dungs­zentrum die Organisationsstruktur angepasst. Neu wurde 2009 auch der Qualitätsstandard nach EFQM eingeführt. « ‹Bilden und Schulen› stand seit Beginn von Careum im Zentrum der Stiftungstätigkeit und hat sich entsprechend zu einem bedeutenden Tätigkeitsfeld von Careum entwickelt», heisst es im Strategiepapier von Careum. Das Careum Bildungszentrum stellt mit seinen heute 1300 Lernenden und Studierenden im Jahre 2009 ein zentrales Tätigkeitsfeld von Careum dar. Gemeinsam mit drei Partnern (Stiftung Diakoniewerk Neumünster – Schweizerische Pflegerinnenschule, Eleonorenstiftung – Kinderspital Zürich, Kalaidos Bildungsgruppe Schweiz) hob Careum als Mehrheitsaktionärin am 9. März 2005 die Careum AG, Bildungszentrum für Gesundheitsberufe, aus der Taufe. Nach dem Erhalt des kantonalen Leistungsauftrages am 15. Februar 2005 erlebte das Careum Bildungszentrum im Zuge der Schliessung von 25 Schulen für Gesundheitsberufe im Kanton Zürich eine unvergleichliche und rasante Entwicklung. In seinem 5. Betriebsjahr bietet das Careum Bildungszentrum heute zwei Bildungsgänge auf Sekundar­ stufe II an (Pflegeassistenz, Fachfrau / Fachmann Gesundheit). Auf Stufe Höhere Fachschule werden fünf Bildungsgänge geführt (HF Pflege, HF Medizinisches Labor, HF medizinisch-technische Radiologie, HF Operationstechnik und HF Dentalhygiene). Damit ­ist die privatrechtliche Careum AG das grösste Bildungszentrum für Gesundheit der Schweiz. Um dieses Wachstum zu bewältigen, stellten die ­Verantwortlichen des Bildungszentrums schon im Jahre 2008 die Weichen, indem auf der Basis der ­Unternehmensstrategie und des zukünftigen Leistungsportfolios die neue Führungsorganisation beschlossen wurde. Aktuell verfügt das Careum Bildungszentrum über vier Unternehmensbereiche (Berufsfachschulen, Höhere Fachschulen, Marketing, Finanzen und Admi-

nistration), die in der Geschäftsleitung zusammengefasst sind. Das Geschäftsjahr 2009 stand wachstumsbedingt ausserdem ganz im Zeichen der Etablierung einer neuen Kaderstufe in allen Bereichen und der Integration eines weiteren Bildungsganges, der Höheren Fachschule Dentalhygiene. Der Aufbau des Bereichs Mar­keting wurde innert kürzester Zeit und anderthalb Jahre früher als vorgesehen realisiert. Diese Massnahme wurde nötig, nachdem das Mittelschul- und Berufsbildungsamt des Kanton Zürichs die bisher kantonal organisierte Zulassung für Studierende aufgehoben und diese an die Bildungszentren delegiert hatte. Zurzeit sorgen insgesamt 89 festangestellte Mit­arbeitende und rund 300 Lehrbeauftragte dafür, dass die pädagogischen Ansprüche des Careum Bildungszentrums in einer hohen Qualität zum Nutzen der Ler­n ­ enden und Studierenden umgesetzt werden. Für die Sekundarstufe II heisst das die konsequente ­Umsetzung der KORE-Methode (Kompetenzen-Ressourcen), für die Tertiärstufe B mit ihren Höheren Fachschulen die konsequente Umsetzung des Problem basierten Lernens (siehe Kasten). Zusätzlich zeichnet sich das Careum Bildungszentrum dadurch aus, dass es interprofessionelle Ausbildungsmodule entwickelt und

Das Kompetenzen-Ressourcen-Modell (KORE) Der Bildungsplan der Berufsfachschule Fachfrau / Fachmann Gesundheit basiert auf dem Kompetenzen-Ressourcen-Modell, welches die Bildungsziele anhand von beruflichen Situationsbeschreibungen des Berufsalltags formuliert. Die Lernenden sollen befähigt werden, berufliche Handlungssitua­tionen kompetent zu bewältigen. Es genügt daher nicht, im Unterricht nur Wissen zu vermitteln. Die Lernenden müssen in der Lage sein, dieses Wissen in der richtigen Art und Weise einzusetzen, um konkrete Situationen im Berufsalltag kompetent bewältigen zu können. Ziel der Ausbildung ist demnach die Vermittlung von Kompetenzen.


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Lehrveranstaltungen sowohl zwischen Studierenden der Pflege und der Medizin als auch zwischen den verschiedenen Bildungsstufen und Bildungsgängen innerhalb des Zentrums anbietet. Mit der Einführung des Qualitätsstandards nach EFQM (European Foundation for Quality Management) im Jahre 2009 wird das Bestreben nach permanenter qualitativer Weiterentwicklung des Bildungszentrums auch eindrücklich dokumentiert. Das Careum Bildungszentrum sieht sich in unmittelbarer Zukunft gemeinsam mit den Gesundheits­einrichtungen grossen Herausforderungen gegenüber. Der Nachwuchssicherung in den Gesundheitsberufen kommt für die Zukunft höchste Bedeutung zu. Mit allem Nachdruck engagieren sich die Mit­arbeitenden des Bildungszentrums deshalb innerbetrieblich, in ihrem unmittelbaren Arbeitsumfeld, selbstverständlich kantonal und erfolgsversprechend auch national in den entsprechenden ­Gremien für eine umfassende Nachwuchsförderung. Dr. Christian Schär Direktor Careum Bildungszentrum

Problem basiertes Lernen (PBL) «Problem basiertes Lernen», ein pädagogisch-didaktisches Verständnis und eine Lernmethode zugleich, wurde in den späten Sechzigerjahren an der McMaster University in Kanada entwickelt und verbreitete sich schnell in der ganzen Welt. Wissen resultiert oft aus dem Prozess, Probleme verstehen oder lösen zu wollen. Ausgangspunkt des PBL bilden daher berufsrelevante Situationen, die als «Problem» – im Sinne von «Schwierigkeit, Herausforderung» – formuliert werden. Dadurch wird bei den Studierenden ein kognitiver Konflikt ausgelöst, der motivierend für die weitere Bearbeitung ist: Sie wollen das Problem verstehen und lösen. Im Problem basierten Unterricht stehen die Studierenden im Zentrum, die pädagogischen Mitarbeitenden fungieren als Begleitung, die nicht ihr Wissen präsentieren, sondern gezielte Fragen stellen.


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Forschen und Entwickeln

Careum forscht und entwickelt Lehr- und Lerninhalte sowie p채dagogische Konzepte f체r Bildung im Gesundheitswesen.


16 Careum Jahresbericht 2009

Careum Fachstelle wird zu Careum F+E: Zehn Jahre Dynamik – und die Entwicklung geht weiter Zielgerichtet, praxisnah, im Arbeitsalltag umsetzbar: Die Careum Fachstelle hat in den zehn Jahren ihres Bestehens unter anderem Lehr- und Lernmittel für acht verschiedene Bildungsgänge entwickelt. Und der nächste Schritt steht bereits an: die Weiterentwicklung zu Careum F+E. Wenn der Stiftungszweck von Careum seit jeher «die Förderung der Bildung im Gesundheitswesen durch Innovation und Entwicklung» war, so ist und wird dieser Grundsatz auch in Zukunft Leitmotiv für Visionen, Strategien, Projekte, Produkte und Dienstleistungen der Careum Fachstelle sein, die sich ab 2010 in Careum F+E weiterentwickeln wird. Der neue Name – Forschen und Entwickeln – ist zugleich Programm. Viele Mitglieder unserer Gesellschaft, im Besonderen Patienten und Angehörige der Gesundheitsberufe, befassen sich mit Leben und Sterben, mit Gesundsein und Kranksein und den damit verbundenen Erlebensqualitäten. Sie suchen nach gangbaren, brauchbaren, für ihre Ziele und Absichten tauglichen Wegen und Lösungen. Menschen in unserer Gesellschaft – hier primär Lernende und Studierende – finden nur zu denjenigen (Wissens-)Inhalten einen ­Zugang, die eine Bedeutung für ihre Lebenswelt haben, die in diese passen, zielgerichtet, praxisorientiert und interdisziplinär ausgerichtet sind.

Zehn Jahre Recherche, Entwicklung und Umsetzung. Zehn Jahre mit dem Ziel, den besten Standard der verschiedenen Disziplinen im Gesundheitswesen für Lernende, Studierende und Lehrende nutzbar zu ­machen. Für dieses Ziel haben sich viele eingesetzt, mit Engagement, mit hartnäckiger Arbeit und mit kontinuierlicher Suche nach Verbesserungen. Eine intensive Dynamik hat die Careum Fachstelle in den letzten zehn Jahren bei ihrem Handeln begleitet mit dem Augenmerk auf den Anspruch «Die Gesundheitswelt der Zukunft denken» – und dabei ein stabiles Fundament für den Ausbau des Bereichs «For­schen und Entwickeln» geschaffen. Pia Riedo Leiterin Careum Fachstelle

Vom Grundsatz zur Bildungspraxis In unserer postmodernen Gesellschaft stehen für das Lernen und das Lehren die Konstruktion, die Rekonstruktion und die Dekonstruktion im Zentrum. Wir sind die Erfinder unserer Wirklichkeit (Konstruktion), wir sind die Entdecker unserer Wirklichkeit ­(Rekonstruktion), wir sind die Enttarner unserer Wirklichkeit (Dekonstruktion). Diesen drei Grundsätzen verpflichtete sich Careum im Jahr 2000 und beauftragte die Careum Fachstelle, Gesundheitsberufs-Bildungsgänge der Sekundarstufe II sowie der Tertiärstufen B und A nach dieser Vermittlungswissenschaft zu entwickeln. Heute, zehn Jahre später, stehen «Problem-basierte» Curricula und Lern- und Lehrmittel

für Ausbildungsgänge von acht Gesundheitsberufen zur Verfügung, und sie werden von ­Lernenden, Studierenden und Lehrpersonen in ­unterschiedlichen Bildungsinstitutionen erfolgreich ­angewandt. Der Weg von der Vision bis zur ange­ wand­ten «Problem-basierten» Bildungspraxis wäre aber verkürzt dargestellt, wenn die dazugehörenden, für den Erfolg entscheidenden Angebote unerwähnt blieben: Nachdiplomkurse für Lehrpersonen und die Beratungs- und Begleitungsdienstleistungen für die Bildungsanbieter bei der Implementierung und Umsetzung der «Problem-basierten» Curricula, das Qualitätsmanagement und die Öffentlichkeitsarbeit.


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Integration von Careum Fachstelle und Fachhochschul-Forschung zu «Careum F+E» ab 2010 Die Careum Fachstelle war in der Schweiz Pionierin bei der Entwicklung und Einführung des «Problem basierten Lernens» (PBL). Diese Pionierrolle will Careum auch in Zukunft weiterführen und noch weiter ausbauen. Careum hat deshalb beschlossen, die bisherige Careum Fachstelle zusammen mit Partnern um den Bereich «Forschung» zu ergänzen und als Geschäftsfeld «Forschen und Entwickeln» weiter zu stärken. Hintergrund für diesen Entscheid sind die neuen Herausforderungen in der Weiter- und Patientenbildung, welche neue methodische Zugänge und eine kritische Auseinan­dersetzung mit pädagogischen Trends verlangen. Ab 2010 werden die Careum Fachstelle und die ­F+E-Aufgaben der WE’G Hochschule Gesundheit zusammengeführt, um die Ressourcen und Kompetenzen optimal auf die Erfüllung der Aufgaben und die Erreichung der gesteckten Ziele ausrichten zu können. Somit werden einerseits die Entwicklungsarbeiten der Careum Fachstelle gemäss internatio­nalem Trend auf Hochschulstufe verankert. Andererseits werden die Vorgaben des Bundes für die Fachhochschulen eingelöst. Denn nebst der Aus- und Weiterbildung der WE’G Hochschule Gesundheit ­entsteht ein F+E-Zentrum von nationaler Bedeutung, welches im Bereich Forschung, Entwicklung und Dienstleistungen das vorgeschriebene Auftragsvolumen deutlich übertreffen wird.

Careum F+E schafft Synergien und deutliche ­Mehrwerte: • Effektivere Ausbildungskonzepte und Unterrichts­medien Die Umbrüche im Gesundheitsbereich mit neuen Versorgungsmodellen, veränderten Rollen der «Health Professionals» und autonomeren Patienten werden die Bildung im Gesundheitswesen nachhaltig verändern. Die Verknüpfung des didakti­schen Know-hows von Careum und der Forschungsexpertise der Hochschule schafft optimale Voraussetzungen für die Entwicklung effektiver Ausbildungskonzepte und Unterrichtsmedien. • Aufbau von solider Wissensbasis und optimalem Transfer Die onkologische Pflegeforschung und die Versorgungsforschung entlang von akuten oder chronischen Krankheitsverläufen schaffen eine solide Wissensbasis. Die Zusammenführung erleichtert den Transfer in die Lehrmittel, die Lehre und die Weiterbildung. • Bearbeitung neuer relevanter ­Forschungsfragen Das Spannungsfeld von professioneller Versorgung, Angehörigenpflege und Vereinbarkeit von Versorgung und Arbeitstätigkeit gewinnt für die Betrof­fenen und die Wirtschaft an Relevanz und führt zu neuen Forschungsfragen, Beratungsleistungen und Weiterbildungsangeboten. • Verbreitung des erarbeiteten Wissens durch Publikationen und Fachtagungen Das Aufgabenfeld von Careum F+E wird durch For­schungsprojekte zu Fragen über Patientenbildung, Interprofessio nalität, Grenzverschiebungen, Demografie und Wirtschaftlichkeit sowie mit wegwei­senden Publikationen und Fach tagungen mit ­nationaler und internationaler Ausstrahlung abgerundet. Careum F+E wird ab 2010 auf dem Careum Campus in Zürich eingerichtet, um die Nähe zum Universitäts­spital und zu anderen Institutionen für zukunftsweisen­de Projekte nutzen zu können.


18 Careum Jahresbericht 2009

Careum Working Papers: Der Blick in die Zukunft

Die Careum Working Papers helfen Grundlagen zu schaffen, um zukünftige Herausforderungen im Gesundheitswesen besser zu meistern. In Zusammenarbeit mit Experten hinterfragt Careum heutige Konzepte in der Gesundheitsbildung, um die richtigen Auseinandersetzungen anzuregen. Im Geschäftsfeld «Forschen und Entwickeln» wurden 2009 die ersten fünf sogenannten Careum Working Papers lanciert. Die Working Papers dienen der Konkretisierung des Leitgedankens von Careum «Die Gesundheitswelt der Zukunft denken». Die den Working Papers zugrunde liegende Fragestellung lautet, ob die heutigen Konzepte für die Bildung im Gesundheitsbereich die richtigen sind, um zukunftsfähige Gesundheitsfachleute auszubilden. Ausgehend von einer definierten Problemstellung werden in Zusammenarbeit mit Experten Thesen erarbeitet, die mit Analysen, Synthesen, Positionsbezügen oder Empfehlungen unterlegt werden. Die Working Papers sollen interne und externe Wirkung entfalten. Ihre primäre Funktion besteht darin, Standpunkte darzustellen sowie Impulse und Argumentarien zu liefern für Workshops und Kongresse. Eine andere Funktion ist die der «Werkstattberichte», welche die aktuellen relevanten Forschungs- und Entwicklungsarbeiten dokumentieren und diese interessierten Kreisen und der Allgemeinheit zugänglich machen. Careum betreibt somit auf der Ebene der Analyse Früherkennung und nimmt eine Vordenkerrolle ein. Gleichzeitig sollen die Working Papers immer auch Wege und Lösungen für die Umsetzung aufzeigen. Insgesamt sind sie Diskussionsbeiträge, welche Entscheidungsträger im Gesundheits- und Bildungssystem für Herausforderungen und kommende Entwicklungen sensibilisieren. Alle Careum Working Papers können kostenlos ­bezogen werden: Elektronisch online unter www.careum.ch > ­Stiftung Careum > Publikationen oder unter verlag@careum.ch als Broschüre zu bestellen beim Careum Verlag.

Die ersten fünf Careum Working Papers Nr. 1: «Ageing Workforce in an Ageing Society» Wie viele Health Professionals braucht das Schweizer Gesundheitssystem bis 2030? Hélène Jaccard-Ruedin, France Weaver (Schweiz. Gesundheitsobservatorium, Neuchâtel) Nr. 2: «Woher kommen die Besten?» Globaler Wettbewerb in der Ausbildung – wer bildet zukunftsfähige Health Professionals aus? Eva-Maria Panfil (Hochschule für Angewandte Wissenschaften St. Gallen), Beat Sottas (Careum) Nr. 3: «Where do the best go?» Global competition for healthcare professionals – What role does migration play in their career future? Gaudenz Silberschmidt (Federal Office of Public Health, Bern), Clémence Merçay (University of Neuchâtel) Nr. 4: «Gesundheit global?» Perspektiven und Thesen zum grenzüberschreitenden Wettbewerb um Patienten und die Zukunft des Medizinal- und Wellness-Tourismus Stephan Sigrist & Sophie Fenner (W.I.R.E. Think Tank der Bank Sarasin und des Collegium Helveticum von ETH und Universität Zürich) Nr. 5: «Wer ist am schnellsten?» Globaler Wettbewerb um Produkt- und Prozess­ innovation – welches sind die Erfolgsfaktoren? Bernhard Bührlen (Fraunhofer Institut, München)


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Kernaussage des Careum Working Paper 1 – «Ageing Workforce in an Ageing Society» «Pflegenotstand» und «Grundversorgermangel» rangieren im Sorgenbarometer weit oben, denn eine Reihe von Studien bestätigen, dass mittel- und langfristig viele qualifizierte Health Professionals fehlen. Im Gesundheitswesen können die Arbeitskräfte allerdings nicht kurzfristig vermehrt werden. Ihre Ausbildung ist ein langfristiges Geschäft – und wenn der Bedarf steigt, dauert es gut und gerne zehn Jahre, bis Health ­Professionals in ausreichender Anzahl verfügbar sind, die erforderlichen Kompetenzen konsolidiert sind und damit die Versorgungsqualität erhalten werden kann. Den Ausgangspunkt für das Working Paper 1 bildeten die ­ bevorstehende Pensionierung der Baby-Boomers und die stagnierende Zahl von AbsolventInnen in den Bildungsstätten. Careum hat deshalb in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Gesundheitsobservatorium (Obsan) den Blick auf die mutmasslichen Entwicklungen zwischen 2020 und 2030 ge­richtet. Die Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen: • Aktuell arbeiten 190 000 Personen in den drei wichtigsten Versorgungsbereichen: Spitäler (60%), Alters- und Pflegeheime (30%), Spitex (10%). • Die (Über-)Alterung des Gesundheitspersonals (Ageing Workforce) ist eine Realität; die Pensionierungsrate steigt von heute 1% pro Jahr nach 2020 rasch auf 2%. • Die Zahl von Mitarbeitenden über 55 Jahre ist vergleichsweise gering, das heisst frühzeitige Pensionierungen sind häufiger als bisher angenommen. • Heime und Spitex sind von den Pensionierungen viel stärker betroffen als die Spitäler. Dies ist eine besondere Heraus forderung, weil in diesen Sektoren der Personalbedarf wegen der Zunahme der älteren Bevölkerung massiv ansteigen wird. • Die Berufsverweildauer des Personals ist heute (zu) kurz; ­Abgänge sind häufig, aber schwer quantifizierbar. • Es gibt keine nennenswerten Produktivitätsgewinne, weil produktivere Spitäler anspruchsvollere und intensivere ambulante Pflege erzeugen; zudem erfordert mehr Technologie zusätzlich qualifiziertes Personal. • Bis ins Jahr 2030 sind gemäss Obsan zwischen 120 000 und 190 000 neue Fachkräfte notwendig. • Fast 90 Prozent dieser zusätzlich benötigten Gesundheitsfachleute müssen für die Versorgung in der Langzeitpflege (Heime, Spitex) rekrutiert werden.

Bei der Interpretation der Ergebnisse kommt Careum zum Schluss, dass das Obsan-Modell primär die heutigen Verhältnisse extrapoliert und deshalb vermutlich zu vorsichtig ist. Der Bedarf liegt aus verschiedenen Gründen am oberen Ende der P ­ rognose, also bei 190 000 zusätzlichen Health Professionals oder darüber, denn: • Frühzeitige Pensionierung ist beliebt. • Teilzeitpensen mit Familie und Freizeit werden zum domi­nierenden Lebensstil. • Neben dem vollständigen Berufsausstieg (drop-out) sind bei den Health Professionals Mehrfach-Aktivitäten (multiple jobs) häufig, so etwa im Wellness-Bereich, in der Komplementärmedizin oder in anderen Branchen. • Die Medizin wird weiblich, und es gibt laufend viel mehr Teilzeit-Ärztinnen mit kleinen Arbeitspensen. • Im Gesundheitssektor wächst die Nachfrage stärker als in ­anderen Branchen. • Die Angehörigenpflege geht zurück. • Weil die Zahl der Schulabgänger bis 2030 stark abnimmt, entsteht ein genereller Arbeitskräftemangel und damit eine Konkurrenz durch andere Branchen. • Die engen Rahmenbedingungen im Gesundheitsbereich mit hohem Druck auf die Budgets und mit eher inflexibler Lohngestaltung verschärfen das Phänomen der Ageing Workforce. Als Fazit lässt sich festhalten, dass die Ageing Workforce zusammen mit den Berufsaussteigern eine gewaltige Herausforderung für das Bildungs- und Versorgungssystem sind: • Bis 2030 muss die Schweiz gleich viele Gesundheitsfachleute ausbilden und rekrutieren, wie heute in den drei wichtigsten Sektoren (Spitäler, Alters- und Pflegeheime, Spitex) arbeiten. • Immigration ist keine Lösung, weil ein globaler Mangel an Health Professionals herrscht. • Der Bedarf liegt weit über den heutigen Ausbildungskapazitäten. • Das Inlandpotenzial bis 2030 liegt bei rund 66 000 neu ausgebildeten Health Professionals. • Der Deckungsgrad durch die schweizerischen Bildungsstätten beträgt somit nur ein Drittel des Bedarfs. Es braucht einen gewaltigen Effort in der Aus- und Weiter­bildung. Zudem müssen die Grenzen zwischen Professionen und Institutionen überwunden und verschoben werden, wenn die Schweiz in 15 bis 20 Jahren eine qualitativ hochstehende Versorgung für alle Einwohnerinnen und Einwohner ­b ereitstellen will.


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Verbreiten und Vermitteln Careum vermittelt und verbreitet Lehr- und Lerninhalte und produziert Lehrmittel.


22 Careum Jahresbericht 2009

Die Lehrmittel des Careum Verlags bewähren sich

Der Careum Verlag hat sich mit neuen Lehrmitteln in den wichtigsten Gesundheitsberufen etabliert. Das Echo ist ausgesprochen positiv. Einige Nutzer kommen hier zu Wort. Mit seinen Lehr- und Lernmitteln für Berufsfachschulen, höhere Fachschulen und Fachhochschulen ­leistet der Careum Verlag zusammen mit Partnern ­einen Schlüsselbeitrag für die Berufe im Gesundheitswesen und im Sozialbereich. Der Careum Verlag gibt ebenfalls die Careum Books heraus und hat im Jahr 2009 die Careum Working Papers verlegt. In den Working Papers werden Thesen zu definierten Problemstellungen erarbeitet (siehe Seiten 18/19).

Im diesjährigen Jahresbericht wollen wir keine Aufzählung von bewährten und neuen Erzeugnissen machen. Es sollen unsere Kunden, also die eigentlichen Nutzerinnen und Nutzer der verschiedenen Publikationen, zu Wort kommen. Der Erfolg ist uns Verpflichtung, durch Verbesserungen laufend Mehrwert zu schaffen. Felix Dettwiler Leiter Careum Verlag

Erfahrungen in der Nachholbildung mit dem Lehrmittel FaGe «Bei Lernenden im Stützkurs fällt auf, dass sie die Texte sehr gut verstehen und nachvollziehen können. Auch Lernende mit Deutsch als Zweitsprache finden in diesem Lehrmittel eine Sprache, die verständlich ist und zum Deutschlernen geeignet ist. Das Glossar ist gerade auch für Lernende mit Deutsch als Zweitsprache von unschätzbarem Wert, können sie doch dort den gesuchten Wortschatz finden. In der sogenannten Nachholbildung müssen die Lernenden sehr viele Inhalte im Selbststudium erarbeiten. Dazu sind die klare Formulierung der Ziele und die Aufgaben in den einzelnen Lern­ heften eine ideale Hilfestellung. Wir können somit gerade in der Nachholbildung die Inhalte der Hefte als inhaltliche und niveaumässige Richtlinie für die Abschlussprüfung angeben.» Lehrperson aus dem Bereich Nachholbildung

Erfahrung mit dem Lehrmittel für Pharma-Assistentinnen und Pharma-Assistenten «Es ist ein richtiger Genuss, mit dem Lehrmittel zu arbeiten. Der Vernetzungsgedanke, der bei der Reform der Ausbildung gefordert wurde, ist meines Erachtens enorm präsent.» Lehrperson für Pharma-Assistentinnen und Pharma-Assistenten, Dr. pharm.


Die Gesundheitswelt der Zukunft denken 23

Ein Unfall ist passiert Pflegende unterstützen Unfallverletzte im Bewältigungsprozess «Dieses Buch bietet erweitertes Wissen für alle Pflegenden, die ihre unfallverletzten und traumatisierten Patientinnen und Patienten besser betreuen wollen. Praxisnah ist die Theorie illustriert, Fallgeschichten erläutern die Schritte des Pflegeprozesses.» Dipl. Pflegefachfrau Höfa II, MScN

«Es ist gelungen, die komplexen psychologischen Aspekte, die bei der Bewältigung eines Unfallereignisses von Bedeutung sind, so darzustellen, dass sowohl Pflegefachpersonen und Studierende die Vorgänge nachvollziehen können. Anhand von Beispielen wird aufgezeigt, wie Unfallverletzte durch pflegerische Interventionen gezielt bei der Bewältigung unterstützt und begleitet werden können.» Dipl. Pflegefachfrau MScN, dipl. Erwachsenenbildnerin Hf

Sterben und Tod Eine interprofessionelle Auseinandersetzung «In ‹Sterben und Tod› kommen Probleme, die sich für das unmittelbare Umfeld eines Menschen beim Überschreiten der Schwelle zum Tod ergeben, und alle wesentlichen Fragestellungen zum Umgang mit dem Abschiednehmen zur Sprache. Es werden historische, medizinische, ethische, psychoanalytische, pflegerische, rechtliche, polizeiliche, rechtsmedizinische und religiöse Aspekte mit einbezogen. Die hier vereinten interprofessionellen Beiträge eignen sich ausgezeichnet als Themeneinführung und Diskussionsgrundlage für alle beruflichen Fachkräfte, die mit Sterbenden und deren Angehörigen in Berührung kommen, aber auch für ein breites interessiertes Publikum.» Dr. med. FMH in Rechtsmedizin


Die Gesundheitswelt der Zukunft denken 25

Fรถrdern und Vernetzen

Careum fรถrdert, vernetzt und kooperiert mit anderen Partnern.


26 Careum Jahresbericht 2009

Harkness/Careum Fellowship Program: Forschen zur Gesundheitspolitik der USA und der Schweiz Gesundheitsfachleute aus der Schweiz haben neu die Möglichkeit, sich für ein hoch angesehenes Forschungsstipendium in den USA zu bewerben. Dank dem «Harkness/Careum Fellowship Program» kann jedes Jahr eine erfahrene Fachperson unter besten Bedingungen in den USA Forschung be­treiben. Erstmals bietet Careum im Jahr 2009 das «Harkness/ Careum Fellowship Program» für eine erfahrene Fachperson im Schweizer Gesundheitswesen an. In Partnerschaft mit dem amerikanischen «Commonwealth Fund» erhält jährlich ein Fellow die ein­zigartige Gelegenheit, zwölf Monate in den Vereinigten Staaten zu verbringen. Er kann dort unter besten ­Bedingungen eine Forschungsarbeit durchführen, die für die schweizerische und amerikanische Gesundheitspolitik relevant ist. Zusätzlich nimmt er zusammen mit 12 bis 15 weiteren Stipendiaten aus ­anderen Industrienationen an einer Reihe exklusiver gesundheitspolitischer Seminare teil. Die langjährige Erfahrung in anderen Ländern zeigt, dass die Harkness Fellows später Entscheidungsträger werden und Positionen an den gesundheitspolitischen Schaltstellen ihres Landes innehaben. Die Eingabefrist für Bewerbungen endet jeweils im September, das Assessment der Nominierten findet im folgenden Januar statt. Mehr Informationen sind verfügbar auf: www.commonwealthfund.org/fellowships und www.careum.ch. Die zwei folgenden Berichte zeigen die Erfahrungen von zwei Fellows des einjährigen Programms auf. Der erste ist ein Zwischenbericht der ersten Schweizer Fellow, Sandrine Motamed, Ober­ärztin der Abteilung Grundversorgung des Univer­sitätsspitals Genf und Wissenschaftliche Leiterin der Medizinischen Fakultät der Universität Genf. Der zweite Bericht ist ein Interview mit Jörg Haslbeck, welcher als erster deutscher Pflegewissenschaftler als Harkness/B.Braun-Stiftung Fellow 2008/2009 mit seiner Familie in den USA weilte. Seit Januar 2010 ist er am Careum für den Bereich «Patientenbildung» tätig.


Die Gesundheitswelt der Zukunft denken 27

«Ich fühle mich geehrt, die erste Harkness/Careum Fellow in Gesundheitspolitik und Gesundheitsversorgung zu sein. Zum ersten Mal nimmt der Commonwealth Fund, eine führende private Stiftung, die in den USA an einem leistungsstarken Gesundheitssystem arbeitet, eine Swiss Fellow auf. Ich arbeite für ein Jahr in Washington D.C., an der George Washington University School of Public Health, Department of Health Policy. Wenn es um die Förderung von internationalen ­Beziehungen geht, ist dies der ideale Ort, um die Debatten rund um die Gesundheitsreform in den USA mitzuverfolgen. Ich untersuche die möglichen Auswirkungen einer Beteiligung des Gemein­ wesens an der nationalen Gesundheitsreform, und dabei kom­me ich mit zahlreichen Führungs­ persönlichkeiten der Gesundheitspolitik und -versorgung zusammen. Der Commonwealth Fund organisierte im Verlauf des Jahres 2009 mehrere wichtige Tagungen. Im September fand in New York ein aufschlussreiches Seminar über das amerikanische Gesund­ heitssystem und die Probleme der Gesundheitspolitik, im November in Washington D.C. das Inter­ nationale Symposium über Gesundheitspolitik statt. Der Commonwealth Fund brachte Gesundheits­ minister und führende Gesundheitstheoretiker aus Australien, Kanada, Deutschland, Frankreich, Holland, Neuseeland, Norwegen, Grossbritannien, den USA und der Schweiz zusammen. Die Gele­ genheit war einzigartig, informell mit Entscheidungsträgern, darunter Minister aus dem Gesund­ heitsbereich, zu sprechen. Ganz besonders freute ich mich über den warmen Empfang der Schwei­ zer Delegation. Thomas Zeltner, ­Direktor des Bundesamts für Gesundheit und Staatssekretär, führte die Delegation an. Ich konnte mit ihm an einer Debatte im Kapitol über das Schweizer Gesund­ heitssystem teilnehmen, die von unserem Botschafter Urs Ziswiler für ThinkSwiss organisiert worden war. ThinkSwiss ist eine Initiative, die den Austausch von Wissen zwischen den USA und der Schweiz fördert. Die USA sind daran interessiert, im Zusammenhang mit ihrer Gesundheitsreform andere Systeme kennen zu lernen. Es war sehr lehrreich, den Standpunkt von Thomas Zeltner und amerikanischen Experten zu öffentlich-privaten Themen zu erfahren. Weitere anregende Tagungen werden folgen. Ich freue mich, im nächsten Jahresbericht meine Erfahrungen als Harkness/Careum Fellow zu schildern.» Sandrine Motamed MD, MPH, Sandrine.Motamed@unige.ch


Die Gesundheitswelt der Zukunft denken 29

Harkness-Stipendienjahr im Rückblick Als erster deutscher Pflegewissenschaftler war Jörg Haslbeck 2008/09 als Harkness/B. Braun-Stiftung ­Fellow mit seiner Familie in den USA. Seit Januar 2010 ist er am Careum für den Bereich «Patientenbildung» tätig. Herr Haslbeck, was macht ein ­Harkness Fellowship so interessant? Aus europäischer Sicht ist das Harkness-Programm besonders attraktiv, weil es – nicht zuletzt unter ­familiären Gesichtspunkten – sehr gute Voraussetzun­gen bietet, um in den USA ein relevantes Thema zu untersuchen. Ausserdem trifft man herausragende Expertinnen und Experten, da der Commonwealth Fund ausserordentlich gut vernetzt ist und grossartige Kontakte ermöglicht. Das erweitert die eigene Sicht auf bestimmte Themen. Wo haben Sie Ihr Jahr in den USA verbracht? Ich war als Post-doctoral Fellow an der Yale University­School of Nursing in New Haven, Connecticut, wo ich mit Ruth McCorkle zusammengearbeitet habe. Meine Co-Mentorin war Penny Hollander Feldman vom Visiting Nurse Service of New York. Das war eine perfekte Verknüpfung aus pflege­ wissenschaftlicher und gesundheitspolitischer Perspektive auf mein Thema. Worüber haben Sie an der Yale University geforscht? Ich habe mich mit dem Thema «Selbstmanagementförderung bei chronischer Krankheit» befasst und mich am Beispiel allein lebender älterer Menschen auf die Situation von verletzlichen Gruppen konzentriert. Neben einer systematischen Literaturstudie habe ich zu dieser Thematik Expertinnen und ­Experten aus dem US-amerikanischen Gesundheits- und Sozialwesen befragt. Was waren für Sie besonders wichtige Erfahrungen während Ihres Aufenthalts? Wir sind im privaten und beruflichen Alltag unendlich hilfsbereiten, offenen Menschen begegnet. Sehr beeindruckt hat uns die Wertschätzung, die einem bei persönlichem wie professionellem Engagement entgegengebracht wird. Das durften auch meine Frau und meine Kinder in ihren (Schul-)Karrieren erleben, die ebenfalls sehr von der Harkness Fellowship profitiert haben. Und natürlich war die Wahl und I­ nauguration von Barack Obama zum Präsidenten der USA ein Ereignis für sich. Inwieweit hat die Harkness Fellowship Ihre professionelle Laufbahn beeinflusst? Welche Kompetenzen hat es Ihnen vermittelt? Für mich war das Jahr definitiv ein «Career Booster»! Das Forschungsstipendium hat mir Kontakte zu ­Careum ermöglicht, und kurz nach meiner Rückkehr aus den USA habe ich das Angebot erhal­ ten, für die Stiftung im Bereich «Patientenbildung» tätig zu werden. Darüber hinaus konnte ich an der Yale University meine Kompetenzen in der systematischen Re­cher­che von wissenschaft­ licher Literatur weiter ausbauen. Der Austausch mit US-Wissenschaftlern verschafft einem aus­ serdem ein besseres Verständnis der nordamerikanischen Wissenschaftskultur und ­bietet Einblick in die dortigen Kommunikationsgepflo­genheiten. Zurück in Europa kann das beim Networking mit internationalen Experten von Vorteil sein. Dr. Jörg Haslbeck Careum Patientenbildung


30 Careum Jahresbericht 2009

Careum Congress 2009: Grenzverschiebungen – die globale ­Gesundheitsgesellschaft und nationale Herausforderungen Konkrete Lösungsansätze für nationale Gesundheitssysteme in der globalisierten Gesundheitsgesellschaft: Dieses Thema diskutierten 120 Meinungsführer und Gesundheitsexperten aus aller Welt am Careum Congress 2009. Internationale Qualitätsvergleiche zeigen Defizite deutlich auf, auch in der Schweiz. Die global vernetzte Gesundheitsgesellschaft Die Gesundheitsgesellschaft ist zunehmend global vernetzt. Die dabei entstehenden Möglichkeiten und Kräfte verlangen, dass traditionelle Grenzen zwi­ schen­Disziplinen, Berufen, Institutionen oder Ländern­verschoben werden. Auch die Grenzen zwischen Leis­tungsangebot und Bürger, Markt und Regulierung, Arzt und Patient, zwischen Dienstleister und Konsument werden neu definiert. Am Careum Congress 2009 diskutierten 120 Meinungsführer und hochrangige Experten aus dem In- und Ausland über die Bedeutung dieser Entwicklungen für die nationalen Gesundheitssysteme. Referate, Panels, Diskussionen, Modellbeschreibungen und Workshops ermöglichten einen intensiven Gedankenaustausch. Der Kongress fand vom 12. bis 13. November im Radisson Blu Hotel am Flughafen Zürich unter dem Titel «Grenzverschiebungen – Die globale Gesundheitsgesellschaft und ihre nationalen Herausforderungen» statt. Gesundheitspolitisches Panel Thomas Zeltner, Direktor des Schweizer Bundesamtes für Gesundheit, setzte mit einem Impulsreferat den Rahmen zur Diskussion der Chancen und ­Herausforderungen, die sich durch einen globalen Markt für die nationale Politik ergeben. Die darauf folgende hochrangige Paneldiskussion gab Einblicke in die Sicht einer Region (Christoph Koellreuter, ­Direktor von Metrobasel, Schweiz), der europäischen Ärzteschaft (Daniel Mart, ehemaliger Präsident des ständigen Ausschusses der Europäischen Ärzte, Lux­em­burg), der Wirtschaft (Markus R. Neuhaus, Geschäftsführender Partner (CEO) von PricewaterhouseCoopers Schweiz und Mitglied des globalen Führungsteams von PWC) und der Wissenschaft (Magda Rosenmöller, IESE Business School Barcelona, Spanien). Besonders die rasche Verknappung und die zunehmende Mobilität

der Gesundheitsfachleute wurden in dieser Diskussion hervorgehoben. Die europäischen Länder sind darauf noch nicht vorbereitet.

Gesundheitsreform USA Aktuelle Präsentationen ermöglichten es den Teilnehmern des Careum Congress, zwei unterschiedliche Sichtweisen zur Gesundheitsreform in den USA zu erhalten: Robyn Osborn, Vizepräsidentin und ­Direktorin des International Program in Health Policy and Practice, Commonwealth Fund, USA, und Rich Bagger, Worldwide Public Affairs and Policy of Pfizer Inc., USA, legten ihre Prognosen und Einschätzungen dar. Den Teilnehmern bot sich damit ein faszinierender Einblick in eine der wichtigsten gesundheitspolitischen Diskussionen, die derzeit geführt werden.

Vergleichende Studien Der Kongress verdeutlichte aufgrund international vergleichender Studien – Studien des Commonwealth Fund, von PWC, McKinsey und Health Consumer Powerhouse –, wie ähnlich die Herausforderungen im Gesundheitswesen in allen Ländern sind und wie stark grenzüberschreitende Trends die ­Entscheidungen auf nationaler Ebene beeinflussen. Die präsentierten Studien zeigten alle in eine ähnliche Richtung: Das Gesundheitswesen braucht mehr Transparenz, der Zugang zu Leistungen im Gesundheitswesen muss über neue patientenorientierte Versorgungsmodelle erfolgen, und die Prävention muss gefördert werden. In allen drei Bereichen hat die Schweiz bedeutenden Nachholbedarf.

Qualitätsvergleiche Johan Hjertqvist, Direktor von Health Consumer ­Powerhouse, präsentierte die Auswertung des Europäischen Gesundheitskonsumenten-Index 2009: Dieser Index vergleicht die Qualität der Gesundheitssysteme Europas aus Sicht der Konsumenten. Dabei erreicht die Schweiz 2009 den fünften Platz nach Holland, Dänemark, Island und Österreich. Zieht man jedoch auch die Kosten in Betracht, erreicht die Schweiz nur Rang 13. «Wenn wir mehr bezahlen, heisst das nicht, dass wir Besseres dafür bekommen», sagte Hjertqvist.


Die Gesundheitswelt der Zukunft denken 31

Intensive Workshops In den vier Workshops des Kongresses fand eine ­intensive Auseinandersetzung mit dem globalen Wett­bewerb in der Gesundheit statt. Betrachtet wurden der Wettbewerb in der Ausbildung von Gesundheitsfachleuten, die Berufsmigration im Gesundheitswesen, die Chancen des Medizin- und WellnessTourismus sowie der globale Wettbewerb um Produkt- und Prozessinnovation. Zu jedem dieser Bereiche wurden Careum Working Papers vorbereitet. Ein Gast gab Einblick in konkrete Umsetzungen, die dann angeregt diskutiert werden konnten.

Neue Versorgungsmodelle: ­ Retail Clinics Am Careum Congress wurden auch Lösungsansätze präsentiert, die erstmals in Schweiz zu hören waren. So berichtete Marcus Thygeson von Con­sumer Health Solutions über die Entwicklungen sogenannter Retail Clinics in den USA: An nunmehr über 1200 Standorten in Supermärkten, Shopping-Malls oder in grossen Drogerien können sich Patienten ohne Anmeldung günstig versorgen lassen. «Studien in den USA zeigen, dass die Qualität in diesen Versorgungsstationen ebenso gut ist wie bei einem durchschnittlichen Hausarzt, nur günstiger», sagte Thygeson.

Machtfaktor Patient Der Kongress beschäftigte sich auch mit der neuen Rolle der Patienten und Versicherten. Die Präsentation konkreter Beispiele wie auch eine Paneldiskussion mit internationalen Referenten zeigte deutlich, dass die Patienten im Gesundheitssystem künftig eine ent­ schei­dende Rolle spielen werden. Sie werden Transparenz einfordern, sich vermehrt nach der Qualität der angebotenen Leistungen ausrichten, aber auch zunehmend als aktive Teilhaber am Versorgungsprozess agieren. Dazu sind nicht nur neue Versorgungsmodelle nötig, welche die Patienten einbinden, ­sondern auch neue Ansätze der Vermittlung von Gesundheitskompetenz. Die ehemalige deutsche ­Gesundheitsministerin Andrea Fischer verdeutlichte, wie wichtig die rechtliche Verankerung der Patientenmitsprache in der Gesundheitspolitik ist. Diese Fragen werden im Careum Congress 2010 «Machtfaktor Patient – Die

Rolle der Patienten in der Gestaltung des Gesundheitswesens der Zukunft» aufgegriffen und weiterentwickelt.

Careum Congress – Die Gesundheitswelt der Zukunft denken Der Careum Congress bietet allen, die an der ­Zukunft des Gesundheitswesens mitdenken und es mitgestalten möchten, eine jährliche Plattform zum Austausch von Wissen und Erfahrungen. Weltweit sind die Gesundheitssysteme in Bewegung. Grenzüberschreitende Trends haben Auswirkungen, die nach innovativen Ansätzen in nationalen Gesundheitssystemen suchen. Der Careum Congress will Entscheidungsträgern eine Gelegenheit bieten, solche innovativen Lösungen zu diskutieren und weiterzuentwickeln. Informationen unter www.careum-congress.ch.


32 Careum Jahresbericht 2009

Careum Forum 2010: Ohne Selbstbewusstsein keine Wertschätzung

Gutes tun und gut darüber reden: Gesundheitsfachleute sollen zu Botschaftern in eigener Sache werden. So lautet ein Fazit des Careum Forums 2010. Denn ein negatives Selbstbild schädigt das Ansehen der Gesundheitsberufe und macht es noch schwieriger, Nachwuchs für die Gesundheitsberufe zu rekrutieren. Das Careum Forum 2010 vom 4. Februar stand unter dem Titel «Gesundheitsberufe = Zukunftsberufe – Wie sind sie in der Gesellschaft positioniert?». Es knüpfte an bei den vielen Negativschlagzeilen und den beunruhigenden Prognosen über den künftigen Mangel an Fachpersonen im Gesundheitswesen. Kernthema war die widersprüchliche Darstellung und Wahrnehmung der Gesundheitsfachleute. Eines der Ziele bestand darin, nicht nur über die steigenden Anforderungen und Belastungen zu klagen, sondern auch über die Chancen zu sprechen, die sich aus der absehbaren Entwicklung ergeben. Zudem sollte selbstkritisch hinterfragt werden, wo die Berufe bei sich selber anfangen können, um die Verhältnisse zum Positiven zu wenden. Die Referierenden spannten einen weiten Bogen von Analysen über konkrete Fördermassnahmen bis hin zur gesellschaftlichen Wahrnehmung und Wertschätzung. In der Einführung mit dem Titel «Wenn nur diese Rahmenbedingungen nicht wären …» illustrierte Dr. Beat Sottas, Mitglied des Stiftungsrats und des Leitenden Ausschusses von Careum, die Widersprüche und das Potenzial anhand der Schlussfolgerungen aus dem Careum Working Paper «Ageing Workforce in an Ageing Society» (siehe Seite 19). Peter Marbet, Direktor des Berner Bildungszentrums Pflege, zeigte im Referat «Gutes tun – schlecht da­ rüber reden?» anhand von Pressestimmen und Werbekampagnen, wie die selbstkritische Haltung der Pflege auch gegen aussen wirkt. Augenfällig war, wie sehr sich die Branche mit dem innovativen Berufsmarketing schwer tut, weil die Fachpersonen dies als Verstoss gegen die Political Correctness werten. Unter dem Titel «Anerkennung ist eine Pflanze, die vorwiegend auf Gräbern wächst» schilderte Beatrice

Kutter, Leiterin Kompetenzenbilanz für die beruf­liche Nachqualifikation im Kanton Zürich, das ­zwiespältige Verhältnis von (Hilfs-)Personen, die am untersten Ende der Qualifikationsskala arbeiten: Sie erzählen zwar begeistert von ihrer Arbeit, haben aber ein schlechtes Bild vom Arbeitgeber. Zum Beispiel, weil er die Angestellten nicht unterstützt, oder weil er plötzlich Verrichtungen verbietet, die jahrelang ausgeführt wurden. Beatrice Kutter zeigte auf, wie Anerkennung das Selbstwertgefühl, das Engagement und die Verweildauer der Angestellten verbessern kann. Heidi Berger, Geschäftsführerin OdA-Gesundheit ­Zürich, stellte sich die schwierige Frage, ob man «Gesundheitsberufe kommunizieren kann». Ausgehend von den Ergebnissen der länderübergreifenden «Nurses’ Early Exit Study» (NEXT) zeigte sie auf, welche Massnahmen in ihrer Organisation entwickelt werden, um junge Leute anzusprechen. Aufschlussreich war insbesondere die Diskussion der unterschiedlichen Motivationsfaktoren der Fachangestellten Gesundheit und der Fachpersonen HF. Mit einem engagierten Impulsreferat unter dem Titel «Wir brauchen alle Talente! Was braucht es dazu?» lancierte Dr. Christian Schär, Präsident des Verbandes Bildungszentren Gesundheit und Soziales (BGS), das Podiumsgespräch zum Thema «Die Zukunftsberufe zukunftsfähig machen!». Das Podium mit den Referierenden wurde – wie schon frühere Careum Foren – von der Radiojournalistin Cornelia Kazis spannend moderiert, indem sie die verschiedenen Aussagen zueinander in Bezug setzte. Eine besondere Dynamik brachten die Studierenden Sabina Schönbächler und Daniela Vollenwyder in die Diskussion. Sie führten in erfrischender Weise vor, was sie an der negativ gefärbten Diskussion stört und wie sie damit umgehen. Zum Abschluss leitete Cornelia Kazis das Fazit ein mit dem Aphorismus des Schriftstellers und Philosophen Lichtenberg «Ich weiss nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.»


Die Gesundheitswelt der Zukunft denken 33

Als Ergebnis des Careum Forums 2010 lassen sich ­folgende Schlussfolgerungen formulieren: • Das wiederkehrende Benennen der Probleme führt in ein «Bauerndilemma», das die Lage nicht ver­ bessert, sondern eher in eine Selbstdisqualifikation mündet. • Die Rahmenbedingungen werden tatsächlich aktiv angegangen mit einer durchlässigen Bildungs­sys­ tematik, mit Planungsinstrumenten, neuen ­Anreizen, Teilzeitarbeit und besseren Entschädigungssystemen. Ob diese Massnahmen generell umgesetzt wer­den und zur Personalerhaltung ­reichen, wird kritisch hinterfragt. • Das hohe Ansehen und die hohen Ansprüche der Gesundheitsfachleute kontrastieren mit deren konservativen Selbstbildern. Es ist auch eine Führungsaufgabe, diese zu dynamisieren und zu kor ri­gie­­ren, so dass sich junge Personen angesprochen fühlen und nicht moderner auftretende Branchen bevorzugen. • Viel zentraler als das säuberliche Trennen von ­unter schiedlichen Profilen und Bildungsqualifikationen ist die Anerkennung und Wertschätzung der im Gesundheitswesen arbeitenden Personen durch ihre Vorgesetzten. Anerkennung ist ein ­«Lebensmittel»! • In diesem Kontext wirkt der jüngst wieder lancierte Diskurs um den Expertenstatus in höchstem Masse kontraproduktiv. Gerade im Quervergleich mit anderen Berufen ramponieren die Gesundheitsberufe ihr Image selber, wenn der gut ausgebildete und motivierte Nachwuchs während Jahren von älteren Kolleginnen und Kollegen als «Novizen» tituliert und behandelt wird. Einer solch herabmindernden Grundhaltung wollen modernere Konzeptionen der Kompetenzen ­ent­ gegenwirken. Das Erlernte und der Theorie-PraxisTransfer werden gewürdigt, und die jungen ­Gesund heitsfachpersonen werden für voll genommen. Beim Eintritt in das Berufsleben haben sie ­E xpertise in Pflege, Physiotherapie, medizinisch-technischer Radiologie, und so weiter – denn dafür und deswegen haben sie ein berufsbefähigendes Diplom erhalten! • Die gesellschaftliche Wahrnehmung und Wertschätzung der Gesundheitsberufe wird dann ­wieder bes-

ser, wenn die Gesundheitsfachleute wieder Botschafter in ihrer eigenen Sache werden: Sie müssen selber wieder an sich glauben und ihren unbestritten wichtigen Beitrag zur hochstehenden Versorgung auch selber positiv kommunizieren und mit Erfolgsgeschichten illustrieren.


Die Gesundheitswelt der Zukunft denken 35

Careum – Was steckt dahinter?


36 Careum Jahresbericht 2009

Careum – Was steckt dahinter?

Careum wurde vor 127 Jahren als «Stiftung ­Schwesternschule und Krankenhaus vom Roten Kreuz Zürich-Fluntern» gegründet und kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Der aktuelle Leitsatz «Die Gesundheitswelt der Zukunft denken» hat seit Anbeginn die Geschicke der Stiftung geleitet. Pioniere prägen den Ursprung Die Gründer der Stiftung fühlten sich dem bürgerlichen Fortschritt ihrer Zeit verbunden: der Gründung des schweizerischen Bundesstaates von 1848, der Freiheit von Denken und Reden, der modernen Wissenschaft und einem an die damalige Zeit angepassten Humanismus. Alles Werte, auf die sich Careum auch heute konsequent abstützt. In diesem Geist entstand die Schwesternschule, die es jungen Frauen in der Schweiz zum ersten Mal ermöglichte, den Pflegeberuf unabhängig von der Konfession zu erlernen. Während vieler Jahre wurde die Stiftung in Zürich und Umgebung dann aber vor allem als erfolgreiche Betreiberin des privaten Rotkreuzspitals vor den Toren des Universitätsspitals Zürich wahrgenommen, in welchem ganze Generationen von Zürcherinnen und Zürchern das Licht der Welt erblickten. Die moderne Schule zur Ausbildung von Pflegepersonal hat in der öffentlichen Wahrnehmung eher ein Schattendasein gefristet. Careum entsteht Sehr einschneidend war 1997 der Entscheid, das Rotkreuzspital zu schliessen und die Stiftung neu auszurichten. In der folgenden, über 10-jährigen Übergangsphase hat sich der Stiftungsrat wieder auf die ursprüngliche Zwecksetzung «Förderung der ­Bildung im Gesundheitswesen durch Innovation und Entwicklung» besonnen und entschieden, sich auf die brennenden Aus- und Weiterbildungsfragen im Gesundheitswesen zu konzentrieren. Verdeutlicht wurde dieser Entscheid mit dem Bau einer flexibel nutzbaren Mehrzwecküberbauung auf dem stiftungseigenen Areal: dem Careum Campus. Der Careum Campus hat seither eine Grosszahl verschiedener Institutionen rund um den Gesundheits- und Bildungsbereich angezogen, was den Austausch auf dem Are-

al noch zusätzlich fördert. Ab 2004 wurde die Tätigkeit der Stiftung dann auch im neuen ­Namen «Careum» ersichtlich, einer Verschmelzung von «Care» und «Lyceum». Ein erster grosser Erfolg kam Anfang 2005, als der Kanton Zürich der durch Careum ins Leben gerufenen Bietergemeinschaft den Leistungsauftrag zum Aufbau und Betrieb des ­Careum Bildungszentrums für Gesundheitsberufe (CBZ) erteilte. Die Bietergemeinschaft bestand ­damals wie heute aus der Stiftung Careum, der Eleonorenstiftung – Kinderspital Zürich, dem Diako­niewerk Neumünster – Schweizerische Pflegerinnenschule sowie der Kalaidos Bildungsgruppe. Heute, nach nur fünf Jahren, ist das Bildungszentrum das Grösste seiner Art in der Schweiz. Seither hat Careum für die inhaltliche Erneuerung der Ausbildung in den Gesundheitsberufen ein Curriculum nach dem methodisch-didaktischen Konzept des «Problem basierten Lernens» entwickelt, welches sich zum Standard für Ausbildungen in Gesund­heitsberufen entwickelt hat. Dem stiftungseigenen Lehrmittel-Verlag ist es auf Anhieb gelungen, erstmalig schweizweit einheitliche Lehrmittel für die Ausbildung zur Fachangestellten Gesundheit herauszugeben. Partnerschaften prägen Careum Mit dem Bau des Careum Campus kam die inhaltlich wie örtlich enge Zusammenarbeit mit der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich. Die von der Universität Zürich betriebene Medizinbibliothek ­Careum als Fusionsprodukt aus den Bibliotheken der Medizinischen Fakultät, des Universitätsspitals und der Careum Pflegeschule bildet heute eine Art Nukleus des Careum Campus. Careum, wie auch das Dekanat der medizinischen Fakultät, sind der festen Überzeugung, dass interprofessionelles Lehren und Lernen Voraussetzung für das spätere gemeinsame Arbeiten ist. Interprofessionalität in der Art und Weise, wie sie auf dem Careum Campus entstanden ist, wird die Zukunft der Bildung im Gesundheitswesen prägen. In zahlreichen Projekten geht Careum Partnerschaften mit nationalen und internationalen Institutionen ein, um die Auswirkungen ihres Schaffens noch zu verstärken und bereits vorhandenes Know-how in die CareumProjekte einfliessen zu lassen.


Die Gesundheitswelt der Zukunft denken 37

Die Gesundheitswelt der Zukunft denken Heute befindet sich das Gesundheitswesen in einer historischen Umbruchsituation und steht vor grossen Herausforderungen. Die Gesundheitsgesellschaft ist zunehmend global vernetzt, was dazu führt, dass die traditionellen Grenzen zwischen Disziplinen und Berufen, Institutionen und Ländern verschoben werden. Ebenso wird das Verhältnis zwischen Leis­ tungs­angebot und Bürger, Markt und Regulierung, Arzt und Patient, Dienstleister und Konsument neu definiert. Neue Ansätze und Modelle für Strategien im Gesundheitswesen müssen all diesen Heraus­

forderungen des Aus- und Weiterbildungsbereichs, der Marktsysteme, der sozioökonomischen Ent­wicklungen und neuer Technologien und Forschung Rechnung tragen, um einen relevanten Beitrag für die Zukunft leisten zu können. Careum will auch in Zukunft aufzeigen, wie sich diese Trends in konkrete bildungspolitische Vorhaben umsetzen lassen. Ziel ist es, relevante Impulse zu geben und Lösungsansätze zu erarbeiten, wie mit der zukünftigen Welt der Gesundheit und insbesondere der Bildung im Gesundheitswesen umgegangen und wie diese Welt aktiv mitgestaltet werden kann.

Careum organisiert sich für die Zukunft Bildung im Gesundheitswesen Careum bildet, schult und berät ­Lehrende und Lernende sowie Partner im Bildungssystem

Careum forscht und entwickelt Lehr- und Lerninhalte sowie pädagogische Konzepte für Bildung im Gesundheitswesen

Bilden und Schulen

Forschen und Entwickeln

Im Frühjahr 2009 hat der Stiftungsrat die «Strategie der Stiftung Careum» verabschiedet und damit die Stossrichtung von Careum für die nächsten fünf Jahre vorgegeben. Es wurden vier Geschäftsfelder (siehe Grafik) und die strategischen Schwerpunkte von Careum für die Zukunft definiert: Die berufliche Bildung, die verstärkte Einbindung des Patienten und die Intensivierung von Forschen und Entwickeln.

Verbreiten und Vermitteln

Fördern und Vernetzen

Careum verbreitet und vermittelt Lehr- und Lerninhalte und produziert Lehrmittel

Careum fördert, vernetzt und ­kooperiert mit anderen Partnern

Die geistige, organisatorische und finanzielle ­Unabhängigkeit ermöglicht es Careum, Projekte und Ideen ungeachtet ihrer Herkunft zu beurteilen und zu unterstützen. Careum begreift diese einmalige Positionierung als Chance und Verpflichtung in der Umsetzung des Stiftungszweckes.


38 Careum Jahresbericht 2009

Careum Congress 2009


Die Gesundheitswelt der Zukunft denken 39

Careum Forum 2010


40 Careum Jahresbericht 2009

Stiftungsrat und Ausschüsse Stand: April 2010

Gut Hans, Präsident, SR, LA Dipl. Ing. ETH, MS Herrliberg ZH (SR seit 1999)

Birchler Urs, SR, EA Dr. oec. publ. Direktionspräsident Inselspital Bern Bolligen BE (SR seit 2003)

Bliggenstorfer Andreas, SR Pfarrer, Präsident Stifter-Verein Dietlikon ZH (SR seit 1993)

Brühwiler Barbara, SR Direktorin Pflege und HRM USZ, Zürich Zürich (SR seit 2001)

Burkolter Max, SR Dr. theol. Pfarrer Wald ZH (SR seit 1999)

Kickbusch Ilona, SR, LA Prof. Dr. Dr. h. c. Director Global Health Programme, The Graduate Institute, Genf Brienz BE (SR seit 2008)

Kühne René, SR, LA Dr. oec. publ. Hurden SZ (SR seit 2002)

Lauper Bernhard, SR, AA Mitinhaber der Bauund Immobilienberatung Immopro AG, Zürich Feldmeilen ZH (SR seit 2008)

Satrapa-Schill Almut, SR Dr. phil. Bereichsleiterin Gesundheit und Humanitäre Hilfe der Robert Bosch Stiftung, D-Stuttgart D-Grafenau (SR seit 2008)

Sottas Beat, SR, LA Dr. phil. Berater Bildungs- und Gesundheitspolitik, formative works Bourguillon FR (SR seit 2008)


Die Gesundheitswelt der Zukunft denken 41

Buschor Ernst, SR, AA Prof. Dr. oec. alt Regierungsrat Dübendorf ZH (SR seit 2003)

De Geest Sabina, SR Prof. Dr. Vorsteherin Institut für Pflegewissenschaft, Universität Basel Basel BS (SR seit Juni 2006)

Weibel Peter, SR, AA Dr. oec. publ. Mitglied des Verwaltungsrates der Credit Suisse Group, Zürich Zürich ZH (SR seit 2008)

Zünd Gregor B., SR MD Direktor Forschung und Lehre, Managing Director ZKF, USZ Zürich Zürich ZH (SR seit 2009)

Furler Lukas, SR Vizedirektor und Leiter Pflegebereich Stadtspital Waid, Zürich Münchenstein BL (SR seit 2001)

Gutzwiller Felix, SR, EA Prof. Dr. med. Direktor Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich, Ständerat Kt. ZH Zürich ZH (SR seit 2000)

Holenstein Hildegard, SR Dr. phil. Bern BE (SR seit 2001)

AA – Audit-Ausschuss EA – Entschädigungsausschuss LA – Leitender Ausschuss SR – Stiftungsrat


42 Careum Jahresbericht 2009

Organigramm Stand: April 2010

Stiftungsrat Hans Gut, Präsident Dr. Urs Birchler Andreas Bliggenstorfer Barbara Brühwiler Dr. Max Burkolter Prof. Dr. Ernst Buschor Prof. Dr. Sabina De Geest Lukas Furler Prof. Dr. Felix Gutzwiller

Dr. Hildegard Holenstein Prof. Dr. Ilona Kickbusch Dr. René Kühne Bernhard Lauper Dr. Almut Satrapa-Schill Dr. Beat Sottas Dr. Peter Weibel Gregor B. Zünd, MD

Audit Ausschuss

Leitender Ausschuss

Entschädigungs Ausschuss

Dr. Peter Weibel, Vorsitz Prof. Dr. Ernst Buschor Bernhard Lauper

Hans Gut, Vorsitz Prof. Dr. Ilona Kickbusch Dr. René Kühne Dr. Beat Sottas

Dr. Urs Birchler Prof. Dr. Felix Gutzwiller

Careum Patientenbildung

Careum F+E

Careum Verlag

Jörg Haslbeck

Monika Schäfer

Felix Dettwiler

Projekte

Administration Daniel Achermann

Careum AG Bildungszentrum für Gesundheitsberufe*1

Back Office Paula Büeler

Vertreter im Verwaltungsrat: Hans Gut (Präsident) René Kühne Barbara Brühwiler

Marketing/PR WE’G Hochschule Gesundheit* 2

Evelyn Willemin

Vertreter im Verwaltungsrat: René Kühne Beat Sottas

Bilden und Schulen

Erläuterungen: *1: Mehrheitsbeteiligung *2: Minderheitsbeteiligung

Forschen und Entwickeln

Verbreiten und Vermitteln

Fördern und Vernetzen

Verwaltung


Die Gesundheitswelt der Zukunft denken 43

Impressum Herausgeberin: Careum Stiftung, Konzept Inhalt/Projektleitung: Careum Stiftung, Konzept Gestaltung: BieriDesign Zürich, Bilder: Julia Bruderer, Lektorat: Rolf Muntwyler, Druck: Zürichsee Druckereien, Stäfa.

Careum Pestalozzistrasse 3 CH-8032 Zürich Telefon + 41 43 222 50 00 Fax + 41 43 222 50 05 info@careum.ch www.careum.ch


Ausbildung wird klarer strukturiert und effizienter Die Ausbildung wird stärker auf wesentlich viel­fäl­ti­gere Beziehun­gen zwischen Patien­ten und Fachpersonen eingehen müssen Das Zusammen­arbeiten im Team und über Berufs­grenzen hinweg wird noch wichtiger werden Wissen muss permanent aktualisiert werden Die Gesundheitswelt der Zukunft denken

Jahresbericht 2009  

Die Gesundheitswelt der Zukunft denken

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