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Förderung von berufsübergreifenden Fachkompetenzen (Schlüsselqualifikationen) bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit seelischen Erkrankungen

Projektarbeit im Prüfungsteil „Spezifische Qualifikationen“ vorgelegt: Frank Woytaszak, geb. am 10. 01.1961 in Greifswald an der IHK Rostock in der Fortbildungsprüfung Berufspädagoge/Berufspädagogin (IHK)

Frank Woytaszak Dorfstraße 03 17498 Klein Zastrow

Abgabetermin: 22. Februar 2008

Greifswald, Januar 2008 Mentorin: Frau Damaris Hohmuth Psychologin, BerufsBildungsWerk Greifswald


Inhaltsverzeichnis Vorwort...................................................................................................................................... 0 1.1 Meine Motivation für dieses Projekt ............................................................................ 1 1.2 Ziele der Arbeit ............................................................................................................... 2 1.3 Ziele der Kompetenzentwicklung ................................................................................ 3 1.4 Aufbau der Arbeit........................................................................................................... 3 1.5 Fragen, die ich im Projektverlauf beantworten möchte ............................................ 4 2. Begriffserklärungen............................................................................................................. 4 2.1 Häufigste seelische Erkrankungen im BBW............................................................... 4 2.1.1 Schizophrenie ........................................................................................................... 4 2.1.2 ADHS ........................................................................................................................ 4 2.1.3 Autismus ................................................................................................................... 4 2.2 Berufsübergreifende Fachkompetenzen .................................................................... 5 2.2.1 Fachkompetenz ........................................................................................................ 5 2.2.2 Methodenkompetenz ................................................................................................ 5 2.2.3 Sozialkompetenz....................................................................................................... 5 2.2.4 Personalkompetenz .................................................................................................. 5 3. Planungsphase..................................................................................................................... 6 3.1 IST- Analyse: Maximum Fachwissen .............................................................................. 6 3.1.1 Berufsbildungswerke ................................................................................................ 6 3.1.2 BerufsBildungsWerk Greifswald ............................................................................... 7 3.1.3 Ausbildungsfachbereich IT/Medien .......................................................................... 7 3.1.4 Virtuelle Ausbildung (vITa) ....................................................................................... 8 3.1.5 Technik und Infrastruktur .......................................................................................... 8 3.1.6. Zielgruppe: Informatikkaufmann, Fachinformatiker (vITa), 1. Lehrjahr .................. 9 3.1.7 Teilnehmer mit seelischen Erkrankungen .............................................................. 10 3.1.8 Seelische Erkrankungen im BBW .......................................................................... 10 3.1.9 Allgemeine Grundsätze im Umgang....................................................................... 10 3.2 SOLL- Analyse: Maximum Fachwissen/Fachkompetenzen.................................... 11 3.2.1 Warum neue Lernmethoden ................................................................................... 12 3.2.2 Vermittlung von berufsübergreifenden Kompetenzen ........................................... 12 3.2.3 Zielgruppe: Informatikkaufmann/Fachinformatiker (vITa), 2. Lehrjahr .................. 12 3.2.4 Aufbietung aktivierender Lernmethoden ................................................................ 13 3.2.5 Arbeitsklima und Verhältnis („unsere eigene IT- Firma im BBW) .......................... 14 3.2.6 Die Kultur in unserer „Firma IT/Medien“)................................................................ 15 3.2.7 Zielvereinbarungen („der rund IT- Tisch)................................................................ 16 3.2.8 Entwicklungshemmer beseitigen (Rahmenbedingungen) ..................................... 16 3.2.9 Qualifikationsbedarf der Ausbilder ......................................................................... 17 3.2.10 Vermittlungsplanung berufsübergreifender Kompetenzen .................................. 18 3.2.11 Festlegen von Grobzielen..................................................................................... 18 3.2.12 Auswahl geeigneter Lehrmethoden...................................................................... 19 3.2.12 Erfolgskontrolle ..................................................................................................... 19 3.2.13 Neuerliche Planung .............................................................................................. 20 4.1 Auftragsmethoden ....................................................................................................... 20 4.1.1 Projektbeispiel 1 zur Auftragsmethode................................................................... 20 4.1.2 Projektbeispiel 2 zur Auftragsmethode................................................................... 22 4.2.1 Projektbeispiel 1 zur Projektmethode..................................................................... 24 4.2.2 Projektbeispiel 2 zur Projektmethode..................................................................... 26 5. Auswertungs- und Reflexionsphase ............................................................................... 28 6. Zusammenfassung und Ausblick (meine Visionen)...................................................... 29


Literaturverzeichnis Abk端rzungsverzeichnis Anhang Anhang 1: Bildanhang

Abbildung 1: Standorte der 52 Berufsbildungswerke in Deutschland............................. 0 Abbildung 2: Behinderungen unserer Auszubildenden 1997 ........................................... 0 Abbildung 3: Behinderungen unserer Auszubildenden 2007 ........................................... 1 Abbildung 4: Greifswalder 3-Phasen-Modell....................................................................... 1 Abbildung 5: Ausbildungsformen der IT- Ausbildung ........................................................ 2

Anhang 2: Anlage 1: Arbeitstitel Bewertungsbogen Anlage 2: Arbeitstitel Bogen Fachkompetenzen Anlage 3: Arbeitstitel Aufgaben (52) Anlage 4: Arbeitstitel gelber Kompetenzplan Anlage 5: Arbeitstitel Wochenplan Ausbildung Anlage 6: Arbeitstitel Wochenplan TeilnehmerAusbildung


Vorwort Diese Projektarbeit ist im Rahmen meiner Tätigkeit als Ausbilder, Telecoach und Bereichsleiter für IT1/Medien- Berufe im BerufsBildungsWerk2 (BBW)3 Greifswald, einer spezialisierten Einrichtung der beruflichen Rehabilitation, entstanden. 2007 habe ich mein 10-jähriges Betriebsjubiläum im BBW begehen dürfen. Seit 1997 bin ich für die Erstausbildung vornehmlich jugendlicher Teilnehmer mit Handikap mitverantwortlich. Diese jungen Menschen können nur in dieser, im schönen Nordosten unseres Landes gelegenen und auf ihr Handicap eingestellten, Rehabilitationseinrichtung zu einem anerkannten Berufsabschluss nach dem Berufsbildungsgesetz befähigt werden. Als Ausbilder habe ich im Fachbereich Büro begonnen, war später stellvertretender Bereichsleiter, dann wurde ich mit der Leitung betraut. 1999 bekam ich von der Geschäftsleitung den Auftrag, den neuen, innovativen Bereich „IT- Berufe, E- Learning und Modulausbildung“4 aufzubauen und zu leiten. Seit dieser Zeit entwickelte sich dieser neue Bereich stetig weiter, von ehemals 12 Teilnehmern im Jahr 2000 auf zurzeit 80 Teilnehmer in 2008. Ich arbeite sehr gern im BBW Greifswald, besonders wegen der optimalen Möglichkeiten, neue berufspädagogische Erkenntnisse und neue Lehr- und Lernmethoden eigenverantwortlich mit umsetzen zu können. Diese Methoden sind, wie ich mit Projektbeispielen in dieser Arbeit beweisen möchte, in der Lage, die Motivation unserer Teilnehmer mit seelischen Erkrankungen und ihre Lernerfolge zu steigern. Dem Thema dieser Projektarbeit folgend, steht das Krankheitsbild

seelische

Erkrankungen

im

Vordergrund

dieser

Arbeit.

Diese

Erkrankungsarten gehören immer mehr zu den vordringlichen Gesundheitsproblemen einer Vielzahl von Teilnehmern in unserem BBW Greifswald. Der Anteil im Gesamtbild aller Krankheitsbilder ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Die Bemühungen unserer Rehabilitation sind deshalb (besonders aber in der letzten Zeit) darauf gerichtet, den erkrankungsbedingten Einschränkungen der betroffenen Teilnehmer zu begegnen und durch die Veränderung von Rahmenbedingungen auf Berufsleben oder die Integration auf den 1. Arbeitsmarkt optimal vorzubereiten. Unser hauptsächlicher Rehabilitationsgedanke ist die dauerhafte Teilhabe am späteren Arbeitsleben entsprechend der Neigungen und Fähigkeiten unserer Rehabilitanden (§ 4 SGB IX). Beim Erstellen dieser Arbeit habe ich auf Grund dieser Zielgruppendefinition hilfreiche Unterstützung von der für unseren Fachbereich IT/Medien zuständigen Psychologin Frau Damaris Hohmuth erfahren, für die ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken möchte.

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Abkürzung steht für Informations- und Telekommunikationstechnik Besondere Schreibweise nach Corporate Design des BerufsBildungsWerkes Greifswald 3 Abkürzung steht für Berufsbildungswerk 4 Erster Name des Bereiches, spätere Umbenennung in Fachbereich IT/Medien 2


1. Vorbereitungs- und Einstiegsphase 1.1 Meine Motivation für dieses Projekt Ich habe eine Vision. Mit diesem Projekt möchte ich - wie es der Bildungsreformer Reinhardt Kahl, der Lernmethoden jenseits der „Maschinengrammatik der alten Arbeitswelt“ fordert, in einem Interview5 mit der TAZ formuliert- „die Intelligenz der Praxis mit sich selbst ins Gespräch“ bringen.

Ich schätze die Arbeit des Journalisten, Autor, Regisseur und

Produzenten Reinhardt Kahl seit einer Veranstaltung am 08.04.2005 im Hotel Götemitz auf Rügen sehr. Damals ging es um das Thema „Treibhäuser der Zukunft"6. Durch den verstärkten Einsatz von aktivierenden Lernmethoden im Bereich IT/Medien möchten wir erneut „Treibhaus der Zukunft“ sein. Aktivierende Lernmethoden sollen zur verbesserten Motivation aller Teilnehmer beitragen. Im Rahmen des Projektes häufiger und gezielter eingesetzt werden bei Teilnehmern mit seelischen Erkrankungen. Die Motivation unserer Teilnehmer soll weiter steigen, sie sollen unmittelbar Lernfortschritte erkennen, merken, dass sie den gestellten Aufgaben der Ausbildung noch besser gewachsen sind, selbstständiger arbeiten können und dürfen, jegliche Herausforderungen bewältigen, noch mehr anerkannt sind7. Diese Projektarbeit beschäftigt sich deshalb im Besonderen mit der gezielten Förderung von berufsübergreifenden Kompetenzen (Schlüsselqualifikationen) bei diesen Teilnehmern8 durch den verstärkten Einsatz aktivierender Lernmethoden. Das Fachwissen in den von uns auszubildenden Berufen wird immer komplexer, veraltet schneller, zwingt zu einer dynamischen, lebenslangen Wissensaneignung, das ist unser täglicher Alltag. Berufliches IT- Fachwissen muss aber auch ergänzt werden, durch Problemlösungskompetenz und natürlich der berufstypischen Fähigkeit in komplexen Strukturen zu denken und auch entsprechend zu handeln. Schlüsselqualifikationen können aus meiner Sicht nicht wie fachliche Fähigkeiten erlernt bzw. gelehrt werden. Spätere Berufsfähigkeit (Integration) herstellen, bedeutet deshalb für mich eine hohe Aktivität unserer Teilnehmer anzustreben. Mit dieser Projektarbeit will ich anhand von aktuellen Beispielen aus dem Projektzeitraum aufzeigen, dass dies gut zusammen passen kann. Einstimmung: unser E- Learning Bereich wird im Februar 2008 - 5 Jahre. Teilnehmer Z., ein Teilnehmer (Fachinformatiker im 2. Ausbildungsjahr, FR Anwendungsentwicklung) im BerufsBildungsWerk Greifswald, Fachbereich IT/Medien sitzt am Dienstagvormittag an seinem Ausbildungsplatz in der virtuellen IT- Ausbildung (vITa) und arbeitet nun schon seit einer halben Stunde im virtuellen Klassenraum „Smiletiger“. Sein Kollege aus derselben

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TAZ (22./23.09.2007) http://www.archiv-der-zukunft.de/filme/treibhaeuser-der-zukunft.php gelesen am 09.02.2008 7 ibw – Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft, Mag. Sabine Archan, Mag. Gabriele Grün, Mag. Josef Wallner, Rainergasse 38, 1050 Wien, http://portal.wko.at/wk/pub_detail_file.wk?AngID=1&DocID=185284&ConID=81946, gelesen am 05.02.2008 8 Bei Nennung Teilnehmer gilt: insbesondere auch bei Teilnehmern mit einer seelischen Erkrankung 6

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Ausbildungsgruppe, Teilnehmer G. sitzt in der elterlichen Wohnung in Neubrandenburg und befindet sich ebenfalls in diesem Raum. Was einem Außenstehenden „verspielt“ erscheinen mag, ist fester Bestandteil unserer Ausbildung, um unsere Teilnehmer zu hoher Aktivität zu motivieren und gleichzeitig an die Anforderungen des späteren Berufslebens heranzuführen. Die Teilnehmer Z. und G. fassen nämlich gerade ihr selbst erworbenes Wissen zum Thema „ Kursverwaltungssysteme (Open Source)“, die sich möglicherweise für den Einsatz in unserer Ausbildung eignen“ in einer Online-Konferenz mit mir als zuständigen Telecoach zusammen. Zum besseren Verständnis haben die Teilnehmer die ausgewählten Kursverwaltungssysteme auch gleich auf einem unserer Übungswebserver installiert und können die Arbeitsergebnisse nun direkt im Internet präsentieren. Dieses learning by doing- Beispiel zeigt, dass unsere Teilnehmer die Lösungen für Aufgabenstellungen immer öfter selbst finden bzw. erarbeiteten. Es werden keine fertigen Lösungsgänge vorgegeben oder vom Ausbilder präsentiert. Die Ausbilder unseres Bereiches IT/Medien legen bei den rund 80 Teilnehmern in den 5 Ausbildungsberufen immer mehr Wert darauf, dass unseren Rehabilitanden möglichst viele Kompetenzen vermittelt werden, die zu einem reibungslosen Einstieg in den späteren Beruf befähigen. Eine aktuelle Integrationsquote von 67 Prozent9 zeigt, dass unser Bereich IT/Medien damit auf dem richtigen Weg ist. Die jeweils passenden Methoden- und Sozialkompetenzen sind dabei wohl die entscheidenden Faktoren, die eine spätere Berufsfähigkeit ausmachen. Außerdem versprechen wir uns von einer möglichst hohen Aktivierung unserer Teilnehmer, dass die Lerninhalte nachhaltig behalten und angewendet werden können. Wir haben eine Reihe von Lern- und Lehrmethoden speziell auf einzelne Berufe angepasst, um die Auszubildenden zu einer möglichst aktiven Rolle in der Ausbildung zu motivieren und ihnen die entsprechende Handlungskompetenz für ihre Tätigkeit mit auf den Weg zu geben. Ein aus Platzgründen leider nur kurzer Einblick in verschiedene Methoden soll zeigen, wie verschiedenartig die Ausbildungsmöglichkeiten nun geworden sind. 1.2 Ziele der Arbeit Ein

Ziel

dieser

Projektarbeit

soll

es

sein,

ausgehend

von

dem

spezifischen

Rehabilitationsbedarf unserer seelisch erkrankten Teilnehmer, mit der sukzessiven Einführung dieser neuen, aktivierenden Lernmethoden zur gesteigerten Motivation in der Ausbildungsform vITa (virtuelle IT- Ausbildung) beizutragen. Des Weiteren geht es um die nachhaltige individuelle Kompetenzentwicklung in dieser Zielgruppe (T.m.s.E.)10. Unsere praktische Berufsausbildung automatisiert nicht Kompetenz. Kompetenzerwerb ist deshalb als Herzstück unserer Ausbildung zu betrachten. Die Entwicklung unserer Ausbilder zu Prozessgestaltern ist ein weiteres Ziel meines Projektes. Dieser Orientierung folgend, besuche ich zurzeit auch die Fortbildung zum Berufspädagogen (IHK). 9

Vermittlungsquote des IT/Medien – Stand 01-2008 der Abgänger aus 2007 Abkürzung steht für Teilnehmer mit seelischen Erkrankungen

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1.3 Ziele der Kompetenzentwicklung Kompetenzerwerb statt reinen Lernens. Unsere heutige Arbeitswelt verändert sich unaufhaltsam. Tätigkeiten und Abläufe werden stetig erneuert, verändern sich häufig grundlegend. Spätere Arbeitgeber erwarten von unseren BBW- Absolventen immer mehr Fähigkeiten und Kompetenzen, die über die eigentlichen Lerninhalte der ursprünglichen Berufsausbildung hinausgehen. Benötigte berufsübergreifende Fachkompetenzen stehen im besonderen

Fokus.

Erwartete

Kompetenzanforderungen

von

Arbeitgebern

(so

die

Rückmeldungen der Mitarbeiter unseres hauseigenen Integrationsdienstes) sind aktuell das konstruktive Arbeiten im Team, das sichere Beherrschen von PC- Anwendungsprogrammen, die Kommunikationsfähigkeit, die Fähigkeit sich in neue Aufgaben eigenverantwortlich einzuarbeiten, das Lösen von Problemen, die ständige Bereitschaft sich neues Wissen anzueignen, kundenorientiertes Arbeiten als oberste Priorität und Methoden der Projektarbeit anwenden.

Diese wesentlichen Kompetenzen, die unsere Teilnehmer in zukünftigen

Unternehmen benötigen, müssen durch uns gezielt gefördert werden. Das bedeutet auch für unsere Arbeitswelt, die Erstausbildung von Rehabilitanden, ein zügiges Umdenken, eine zeitnahe Veränderung. Was haben wir? - Was brauchen wir? Schlussfolgernd geht es nicht mehr nur um die Vermittlung von reinen fachlichen Kompetenzen, weiterführend geht es mit neuer Priorität vielmehr um die so genannten

Querschnittsqualifikationen Methoden-

kompetenz, Sozialkompetenz und Personale Kompetenz. Gleichzeitig sollen unsere Teilnehmer die Befähigung erlangen, den individuellen Lernbedarf selbst zu erkennen, damit sie im späteren Berufsleben die Fachkompetenzen und Querschnittsqualifikationen selbständig und beständig erweitern können. Nur auf diesem Verbindungsweg kann dem Anspruch nach lebenslangen Lernen genüge getan werden. 1.4 Aufbau der Arbeit Zur Verwirklichung der oben genannten Zielstellungen ist zunächst in Kapitel 2 die gründliche und zielorientierte Auseinandersetzung in der Planungsphase erforderlich. Dazu wird es notwendig und von Interesse sein, eine IST- Analyse durchzuführen, die zeigt, dass alle bisherigen Bemühungen auf die Vermittlung von Fachwissen ausgelegt waren. Diese Ausgangslage wird die vorhandenen Rahmenbedingungen und die Zielgruppe (T.m.s.E.) dokumentieren. In der SOLL- Analyse sollen Grundsätze definiert werden, die es zeitnah ermöglichen, häufig und gezielt aktivierende Lernmethoden einzusetzen. Die Realisationsphase in Kapitel 3 zeigt an Hand von aktuellen Projektbeispielen diesen Methodenwechsel im gesamten Bereich IT/Medien, insbesondere aber auch im Bereich der vITa und unter Einbeziehung von Teilnehmern mit seelischen Erkrankungen. Außerdem geht es um ein neues Rollenverständnis auf Seiten der Teilnehmer und Ausbilder, um notwendige

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Mitarbeiterschulung, Motivation und Verantwortungsübergabe an unsere Teilnehmer. In Kapitel 4 wird in der Auswertungs- und Reflexionsphase der Einsatz der neuen Lernformen, der Kompetenzerwerb und die Zielgruppe (T.m.s.E.) reflektiert und evaluiert. Kapitel 5 gibt eine Zusammenfassung und zeigt einen Ausblick. Ein Slogan dieser Arbeit könnte lauten: VOM MAXIMUM FACHWISSEN ZUM MAXIMUM FACHWISSEN + FACHKOMPETENZEN. 1.5 Fragen, die ich im Projektverlauf beantworten möchte Sind neue Lernmethoden geeignet, die Motivation unserer Teilnehmer mit seelischen Erkrankungen und ihre Lernerfolge zu steigern? Gelingt (zunächst in der Zielgruppe [T.m.s.E.] und anderen Rehabilitanden der vITa) mit dem Einsatz aktivierender Lernmethoden das professionelle Führen, Fordern, Fördern und Begeistern von Teilnehmern? Sind diese neuen Angebote für die berufliche Qualität ebenso für die betriebliche Praxis ein Gewinn? Gelingt die Umorientierung von gestandenen Ausbildern zu Prozessbegleitern? 2. Begriffserklärungen 2.1 Häufigste seelische Erkrankungen im BBW 2.1.1 Schizophrenie „ Schizophrenie (von altgriechisch σχίζειν schizein „abspalten“ und φρήν phrēn „Zwerchfell, Seele“) ist als eine Diagnose für psychische Störungen des Denkens, der Wahrnehmung und der Affektivität gekennzeichnet, wobei verschiedene symptomatische Erscheinungsformen unterschieden werden. Die Schizophrenie ist eine der häufigsten Diagnosen im stationären Bereich der Psychiatrie. “11 2.1.2 ADHS „ Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) (auch als Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom oder Hyperkinetische Störung (HKS) bezeichnet) ist eine, bereits im Kindesalter beginnende psychische Störung, die sich primär durch leichte Ablenkbarkeit und geringes Durchhaltevermögen, sowie ein leicht aufbrausendes Wesen mit der Neigung zum Handeln ohne nachzudenken, häufig auch in Kombination mit Hyperaktivität (ADHS), auszeichnet [...]“ 12 2.1.3 Autismus „ Autismus (v. gr. αὐτός „selbst“), von der Weltgesundheitsorganisation als eine tief greifende 11 12

http://de.wikipedia.org/wiki/Schizophrenie, gelesen am 11.02.2008 http://de.wikipedia.org/wiki/ADHS, gelesen am 11.02.2008

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Entwicklungsstörung klassifiziert, wird von Ärzten, Forschern, Angehörigen und Autisten selbst als eine angeborene, unheilbare Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung des Gehirns beschrieben, die sich bereits im frühen Kindesalter bemerkbar macht. Andere Forscher und Autisten beschreiben Autismus als angeborenen abweichenden Informationsverarbeitungsmodus, der sich durch Schwächen in sozialer Interaktion und Kommunikation sowie durch stereotype Verhaltensweisen und Stärken bei Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Intelligenz zeigt [...]“13 2.2 Berufsübergreifende Fachkompetenzen „Berufsübergreifende Fachkompetenzen, oft auch als Schlüsselqualifikationen bezeichnet, sind arbeitsplatzunabhängige, praxisbezogene Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, mit denen man sich flexibel und geschickt auf neue oder wechselnde Arbeitsanforderungen einstellt“. 2.2.1 Fachkompetenz „Unter

Fachkompetenz

sind

die

Hard

Skills

oder

fachlichen

Qualifikationen

zusammengefasst, die die Grundlage jeder beruflichen Betätigung bilden. Diese Fähigkeiten und Kompetenzen werden in der Ausbildung und später in der Weiterbildung erworben. Zur Fachkompetenz zählt weiter das Wissen über die jeweilige Branche sowie Kenntnisse über Dienstleistungen und Produkte, Fertigungstechniken, Abläufe, Prozesse etc.“. 2.2.2 Methodenkompetenz „Die Methodenkompetenz ist das Handwerkszeug für die Umsetzung der fachlichen Grundlagen, das „Gewusst Wie“ bei der Arbeit. Alle Fähigkeiten und Kompetenzen, die notwendig sind, um eine bestimmte Aufgabe zu lösen, fallen unter diese Kategorie, z.B. logisches Denken, Informationen strukturieren, Lösungsstrategien entwickeln etc.“. 2.2.3 Sozialkompetenz „Die Sozialkompetenz bezieht sich auf den Umgang mit anderen, also z.B. die Fähigkeit, mit anderen in einem Team zusammen zu arbeiten, mit Lieferanten oder Geschäftspartner zu kooperieren etc. Kontakt- und Kommunikationsfähigkeit ist ebenfalls Teil der Sozialkompetenz“. 2.2.4 Personalkompetenz „Alle auf die Persönlichkeit bezogenen Fähigkeiten, wie z.B. Eigeninitiative, Lernbereitschaft, Ausdauer oder die Einstellung zur Arbeit, bilden die Personalkompetenz (auch als Selbstkompetenz bezeichnet)“.

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http://de.wikipedia.org/wiki/Autismus, gelesen am 11.02.2008

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3. Planungsphase 3.1 IST- Analyse: Maximum Fachwissen 3.1.1 Berufsbildungswerke Es gibt in Deutschland 52 Berufsbildungswerke14 (BBW). Zurzeit bilden sie ca. 190 verschiedene Berufe aus. Zuständig sind die überregionalen Einrichtungen für die Erstausbildung von jungen Menschen, die ein Handicap haben. Die selbstständigen Berufsbildungswerke haben einen Spitzenverband, die Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke (BAG BBW). Die spezialisierten Einrichtungen ermöglichen den Rehabilitanden berufliche Integration, das ist sowohl Programm, als auch Gesetz. Der erfolgreiche Abschluss ist nicht das einzig Wichtige, die spätere berufliche Integration ist ein weiterer wichtiger Bestandteil. In der Regel sind die Rehabilitanden junge Menschen mit körperlichen, Lern-, und Mehrfachbehinderungen und seelischen Erkrankungen, die ohne diese besonderen Hilfen ihre Ausbildung nicht absolvieren könnten. Die Behinderungsarten haben sich in den letzten Jahren verändert. Der Anteil der Krankheitsbilder ADHS und Autismus und andere seelische Erkrankungen ist angestiegen. Die Entwicklung ihrer Persönlichkeit wird im Rehaprozess unterstützt. Umfassend beraten werden sie hier jederzeit von interdisziplinären Teams aus Ausbildern, Ärzten, Psychologen, Erziehern, Sozialarbeitern und Sozialpädagogen. Im BBW werden die individuellen Ziele und Förderungen mit jedem Rehabilitanden erarbeitet, geplant und ihre Umsetzung durch Ausbildungs- und Bildungsbegleitung verfolgt. Mit den Ausbildungsstätten, den Fachdiensten und dem Internat befindet sich im BBW fast alles unter einem Dach. Meistens sind die Berufsschulen im selben Ort – außer den Berufen mit Landesklassen. Auf die Belange der jungen Menschen ist alles abgestimmt. Auch möglich sind andere Wohnformen im Rahmen der Außenwohngruppen. Das gemeinsame Leben und Lernen wird ergänzt durch viele interessante Freizeit- und Sporteinrichtungen. In kleinen Gruppen erfolgt, mit rehabilitationspädagogisch geschultem Personal, die praktische Ausbildung, welche sich nach dem individuellen Leistungsvermögen der Rehabilitanden richtet. Dafür stehen moderne Ausbildungsstätten zur Verfügung. Es werden während der Ausbildung auch mehrwöchige Praktika in verschiedensten Betrieben durchgeführt. Die Absolventen werden nach der Ausbildung von der Integrationsberatung bei der Arbeitssuche unterstützt. Direkt vor Ort bietet sie den Arbeitgebern umfassende Beratung und Unterstützung und informiert über den Umgang mit Behinderungen, technischen Hilfen und finanzieller Unterstützung.

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Anhang 1 (Bildanhang), Abbildung 1 „Übersicht der BBW- Standorte in Deutschland“.

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3.1.2 BerufsBildungsWerk Greifswald Das BerufsBildungsWerk Greifswald wurde 1990 gegründet und bildet zurzeit in ca. 40 Ausbildungsgängen aus.

Besonderheiten in Greifswald sind, neben der speziellen

medizinischen Begleitung durch einen eigenen ärztlichen Dienst, Krankenschwestern, Ergound Physiotherapeuten, die enge Kooperation mit den Spezialkliniken der Universität Greifswald und dem Neurologischen Rehabilitationszentrum (NRZ) Greifswald, dem so genannten

„Greifswalder

3-

Phasen

Modell“15.

Als

Trägereinrichtung

des

Landesleistungszentrums - Sport mit Handicap- des Verbandes für Behinderten- und Rehabilitationssport Mecklenburg-Vorpommern e.V. fördert das BBW Greifswald sportliche Talente auf ihrem Weg zum Hochleistungssport mit dem Ziel bei großen internationalen Wettkämpfen dabei zu sein. Schon einige Welt- und Europameister haben im BBW ihre Berufsausbildung absolviert. Zwei Teilnehmer unseres Fachbereiches IT/Medien bereiten sich gerade auf die Paraolympics16 2008 in Peking in der Sportart Schwimmen vor. Die praktische Ausbildung erfolgt bei uns in modernen Ausbildungswerkstätten und Büros sowie in den eigenen Ausbildungsbetrieben oder in Kooperation mit Wirtschaftsbetrieben und Kanzleien und gewährleistet eine an der Praxis orientierte Ausbildung. Im Rahmen der theoretischen Ausbildung besuchen die Teilnehmer die Berufsschule. Auf dem Gelände des BBW befindet sich eine Nebenstelle der Beruflichen Schule der Universitäts- und Hansestadt Greifswald (Technik). Alle Lehrräume sind modern und barrierefrei eingerichtet. Die Raumausstattung ist ideal den sonderpädagogischen Aufgabenstellungen des BBW angepasst und bietet den Teilnehmern beste Lernbedingungen. Die Teilnehmer absolvieren ihre Abschlussprüfungen vor der zuständigen Kammer und erwerben einen staatlich anerkannten Abschluss. 3.1.3 Ausbildungsfachbereich IT/Medien Im

Fachbereich

IT/Medien

werden

zurzeit

5

Ausbildungsberufe

ausgebildet

(Informatikkaufmann, IT- Systemkaufmann, IT- Systemelektroniker, Fachinformatiker FR Anwendungsentwicklung oder Systemintegration und der Mediengestalter FR Digital und Printmedien). Der Fachbereich wurde im Jahr 2000 gegründet und hat sich in den vergangenen Jahren stetig weiterentwickelt. Aktuell streben 80 Teilnehmer einen Berufsabschluss an.

15

Anhang 1 (Bildanhang), Abbildung 2 „Greifswalder 3- Phasen Modell“.

16

Behindertenolympiade

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3.1.4 Virtuelle Ausbildung (vITa)17 Neben der "klassischen Präsenzausbildung" vor Ort in Greifswald können Teilnehmer mit seelischen Erkrankungen oder auch eingeschränkter Mobilität eine "virtuelle Ausbildung" am Heimatort oder im BBW absolvieren. Unsere virtuelle Ausbildung (vITa) am Notebook ist außerdem auch für Teilnehmer vorgesehen, die körperlich schwerstbehindert sind und auf Grund ihrer eingeschränkten Mobilität eine herkömmliche Berufsausbildung nicht bewältigen würden. Diese Ausbildungsformen18 ermöglichen es Teilnehmern, trotz ihrer seelischen Erkrankung oder ihres körperlichen Handicaps, selbstständig und gleichberechtigt einen anerkannten Beruf zu erlernen und bieten damit den notwendigen, geschützten Rahmen für diese

Teilnehmer.

Das

BerufsBildungsWerk

Greifswald

bietet

folgende

virtuelle

Berufsausbildungen an: Informatikkaufmann, IT- Systemkaufmann und Fachinformatiker, FR Anwendungsentwicklung. Durch den Einsatz modernster Technik und Lernmethoden sind die Teilnehmer somit in der Lage, die geforderten Ausbildungsinhalte zu absolvieren. Der Tagesablauf ist durch festgelegte virtuelle Phasen, u. a. auch in der Berufsschule strukturiert. Vielfältige Kommunikationsmöglichkeiten im virtuellen Klassenzimmer, die wichtigsten Funktionen sind Audiokonferenz (VoIP), Videokonferenz, Whiteboard mit vielen Funktionen, synchrones Browsen, Slide Show, Application-Viewing, Application-Sharing, Text-Chat, Sessions aufzeichnen und Live- Stream sowie Foren, ermöglichen den Austausch zwischen Ausbilder und Teilnehmer, sowie unter den Teilnehmern. Die individuelle Betreuung und Lernkontrolle erfolgt durch ausgebildete Teletutoren bzw. Teleteacher. Während der Präsenzphasen19 wohnen die externen Teilnehmer im Wohnhaus Koos auf unserem Gelände. Dieses Wohnhaus ist speziell für Menschen mit schwersten Handicaps ausgestattet. Hier wohnen aber auch Teilnehmer mit seelischen Handicaps, die über einen speziellen Betreuungsschlüssel von Erziehern oder Heilerziehungspflegern betreut werden. Weiterhin werden in dieser geschützten Ausbildungsform unsere autistischen Teilnehmer mit Erfolg ausgebildet. Gute bis sehr gute Ausbildungsleistungen können bei diesen Teilnehmern mit individuellen Hilfen ermöglicht werden. 3.1.5 Technik und Infrastruktur Der Aufbau unseres Ausbildungsnetzes wurde im Jahr 2000 durch unsere Teilnehmer begonnen und wurde in den darauf folgenden Jahren durch uns stetig erweitert. Zurzeit haben wir ca. 350 PC`s/Notebooks am eigenen Rechnerverbund, diese Technik wird durch unsere Teilnehmer eigenverantwortlich im IT- Service Point gewartet und im Bedarfsfall repariert. Dazu kommen 5 eigene Serversysteme (Cass-Server20, SmileTiger21, INET17

Schreibweise nach Corporate Design des BBW Greifswald Ausbildungsformen im Bereich IT/Medien 19 Phasen (mindestens zehn Ausbildungstage im Ausbildungsjahr) an denen die Teilnehmer im BBW sind. 20 Der Microsoft Class - Server ist eine der im BBW benutzten Lernverwaltungsplattformen 21 Die SmileTiger Software ist eine Plattform zur Online-Kommunikation 18

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Server22, Moodle- Server23, Technik- Server24 und Storage- Server25 (6 Tera- Byte Festplatten Speicher) und 1 selbstverwalteter Server26 in einem externen Rechenzentrum. 3.1.6. Zielgruppe: Informatikkaufmann, Fachinformatiker (vITa), 1. Lehrjahr Ausbildung im 1. Lehrjahr 2006/2007 Die vITa befand sich zu dieser Zeit im BVB- Gebäude, unserem Haus K. Sie bestand aus einem Ausbildungsraum und einem Raum für den Ausbilder (Telecoach)27 Herrn M. Zwischen den beiden Räumen bestand eine Sichtverbindung über ein großes Glasfenster. Der Telecoach konnte über dieses Fenster die Monitore der Teilnehmer sehen. Das erste Lehrjahr bestand im Ausbildungsjahr aus 5 Fachinformatikern und 8 Informatikkaufleuten. 8 Teilnehmer dieser Ausbildungsgruppe wohnten auf unserem Gelände, 5 Teilnehmer nahmen vom Wohnort deutschlandweit an der vITa- Ausbildung teil. Im ersten Lehrjahr wurde Wissen über Basiskurse vermittelt. Schwerpunkthemen der betrieblichen Ausbildung waren Excel, Java Script, HTML, Präsentationstechniken, Dreamweaver, Web- Server, CSS, Datenbanken, Typo 3 und C#. In der Hauptsache wurde über unseren virtuellen Klassenraum „Smiletiger“ ausgebildet. Die Kurse wurden über die Lernplattformen Class- Server, Moodle (auf Open-Source-Basis) zu Verfügung gestellt. Beide Plattformen und der virtuelle Klassenraum unterstützen kooperative Lehr- und Lernformen. Jeder Tag begann für die Teilnehmer mit der Morgenrunde, diese Runde war der virtuelle Treffpunkt zum Beginn des Ausbildungstages für interne und externe Teilnehmer. Im 1. Lehrjahr wurde überwiegend mit den klassischen Methoden Frontalunterricht, Präsentation, Einzelarbeit, Paararbeit und Gruppenarbeit gearbeitet. Später kamen Techniken wie Projektmethode, Brainstorming und Mind- Mapping dazu. Außerdem wurden zur Wissensvermittlung Webcast28, Podcast und Video-Trainings genutzt. Die Teilnehmer waren mit Notebooks, Webcam und Headset ausgestattet. Intranet/Internet- Anbindungen gab es im Ausbildungs- und Wohnbereich. Die Berufsschule wurde im Blockunterricht vom Zimmer aus besucht. Unterstützend waren bei Notwendigkeit Arbeitsassistenten und Pflegepersonal während der Ausbildung wirksam. Im „vITa- Portal“ wurden fällige Hausaufgaben angekündigt, hier wurde das Morgenrundenprotokoll abgelegt und es gab eine Klassenbuchdatenbank sowie die Möglichkeit auf einen FTP – Server zuzugreifen um dort von Lehrern und Ausbildern zu Verfügung gestellte Dokumente raufoder herunterzuladen.

22

Server des Ausbildungsnetzes (Intranet der IT- Ausbildung mit verschiedenen Portalen) Moodle ist eine Lernplattform auf Open-Source-Basis. 24 Server für interne Projekte unserer Teilnehmer auf Basis von Windows Apache, MySQL und PHP 25 Server mit 6 Terrabyte Festplattenkapazität 26 Server mit Linuxsystem und Plesk- Verwaltungsoberfläche für das Hosting von betreuten Webseiten 27 Erklärung Telecoach 28 Webcast => Fernsehsendung, über Internet, mehr Interaktion. 23

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3.1.7 Teilnehmer mit seelischen Erkrankungen Unsere Teilnehmer mit diesem Krankheitsbild sind besonders empfindsam und verletzlich. Sie neigen dazu, in von ihnen als belastend empfundenen Situationen, das- vielfach nur mühsam aufrecht erhaltende- seelische Gleichgewicht zu verlieren und zu dekompensieren (die

„Fassung“ zu verlieren). Unser Rehabilitationsbemühen bestehen darin, den

erkrankungsbedingten Einschränkungen unserer Teilnehmer zu begegnen und sie auf ein möglichst eigenständiges Arbeitsleben vorzubereiten. Unsere Zielsetzungen sind seelische und körperliche Stabilität, Aufbau von Motivation, Förderung von Fähigkeiten und Fertigkeiten, Abklärung von besonderer Eignung und Neigung (Ausbildungsinhalte, Programmiersprachen), weiterführende Maßnahmen (besondere Förderung) und die nahtlose Integration in den Arbeitsmarkt. Eine erfolgreich abgeschlossene Berufsausbildung ist die notwendige Grundlage für eine spätere wirtschaftliche Existenz und beeinflussen die Stabilität der Persönlichkeit des seelisch erkrankten Teilnehmers im hohen Maße. Diese Erkrankungen haben oft Prozesscharakter. Neben dem Handicap können immer wieder akute Krankheitsphasen auftreten. Teilnehmer mit seelischen Erkrankungen verlieren oft das Selbstvertrauen, begegnen Anforderungen und Belastungen in der Ausbildung mit übermäßiger Vorsicht, haben Angst vor Misserfolgen, ziehen sich oft zurück. Des Weiteren kommt es bei diesen Teilnehmern zu Kommunikationsstörrungen, zu Störungen bei der Pflege von sozialen Kontakten, oft leiden sie aber auch unter Störrungen der Selbst- und Fremdwahrnehmung. 3.1.8 Seelische Erkrankungen im BBW Seelische Erkrankungen bei unseren Teilnehmern haben in den letzten 10 Jahren stetig zugenommen. Im Anhang 1, Abbildungen 3 und 4 ist die Verschiebung von Behinderungsarten deutlich sichtbar und für 1997 und 2007 grafisch dargestellt29. 3.1.9 Allgemeine Grundsätze im Umgang Unsere Teilnehmer mit seelischen Erkrankungen benötigen viel Transparenz, hinsichtlich der übergebenen Ausbildungsaufgaben in der täglichen Ausbildung. Unabdingbar sind Übersichtlichkeit, Einfachheit und Unkompliziertheit. Absolute Verlässlichkeit und Kontinuität, Klarheit und Eindeutigkeit, angemessene Stimulation (Vermeidung von Überforderung und Unterforderung) sowie Vereinheitlichung von Information. Weitere Einflüsse die stetig beachtet werden müssen sind: Eindeutigkeit in der Kommunikation mit dem Teilnehmer, Stabilität der Beziehungen im Umfeld des Teilnehmers, Akzeptanz des Anders-Seins durch alle Beteiligten, Sensibilität und fachlicher Rat durch psychologische Hilfen, Medikamente und

29

ihre

Wirkung,

Ruhe,

Gelassenheit

und

Entspannung.

Wichtig

sind

die

Quelle: Reha- Fachdienst (BBW Greifswald)

- 10 -


Rahmenbedingungen in der Ausbildung, dies gilt aber auch für alle anderen Bereiche im BBW. Gerade in dieser Zielgruppe (T.m.s.E.) ist die Schaffung eines der Entwicklung fördernden Klimas unabdingbar. Für die Erkennung krankheitsbedingter Störrungen dieser Teilnehmer sind geschulte Mitarbeiter notwendig. Interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Beteiligten ist im Prozess der Rehabilitation besonders wichtig. So benötigen alle Beteiligten beispielsweise Informationen darüber, welche Medikation notwendig ist, aber auch welche Medikamentenwirkungen

(nicht

nur

beabsichtigte

Wirkungen,

auch

mögliche

Nebenwirkungen) auftreten können. Verordnete Medikamente können innere Unruhe, Beeinträchtigungen im Antrieb und andere Minderungen beim Teilnehmer auslösen. Ziel unserer Bemühungen muss es sein, dass die erkrankten Teilnehmer die Freizeit aktiv nutzen können, Zufriedenheit im eigenen Leben finden, ihnen die Teilhabe am Arbeitsleben möglich ist Es nun ihnen möglich sei, die individuellen Leistungen und im Können auf eine erfolgreiche Bewältigung äußerer Anforderungen auszurichten. Auch Teilnehmer mit dieser Erkrankung müssen später Erwartungen Anderer erfüllen. Dies sind wichtige Kriterien im Wechsel zwischen Genesung und Krankheit, besonders nach längeren stationären Aufenthalten in Kliniken. Diesen Prozess habe ich in meiner Präsentation zum Abschluss von Modul 5 „Rehabilitation“ am Beispiel eines Teilnehmers dargestellt30. Diese Teilnehmer benötigen unsere Unterstützung im Aufbau und bei der Pflege von sozialen Kontakten. Besonders wichtig sind feste Strukturen in Bezug auf den Tag, die Woche, das Verhältnis Arbeit/Freizeit, den erforderlichen Wach- und Schlafrhythmus. Rehabilitationsverläufe dieser Art können langfristig offen sein. Wechselnd kann es Änderungen zum Besseren, aber auch Rückschläge geben. Diese Situation erleben wir gerade bei Teilnehmern mit schizophrenen Erkrankungen häufig. Krankheitsschübe können Wochen, Monate oder Jahre den Patienten beeinflussen, es gibt aber auch Abschnitte ohne jegliche Beeinträchtigung. Diese Aufgaben können nur unsere interdisziplinären Teams mit spezifischer Fachkompetenz ableisten. Im Team

vereinigt

sind

Ärzte,

Psychologen,

Pädagogen,

Erzieher,

Sozialarbeiter,

Sozialpädagogen, Ergotherapeuten und Ausbilder. 3.2 SOLL- Analyse: Maximum Fachwissen/Fachkompetenzen Gesammelte

Projekterfahrungen

aus

dem

Zeitraum

09/2007

bis

02/2208.

Die Berufe, in denen wir jetzt seit einigen Jahren ausbilden, sind neu entwickelte, junge Berufe des IT/Medien- Bereiches. In unserer Branche gibt es rasant voranschreitende technologische Entwicklungen. Produktionsprozesse, Tätigkeitsstrukturen, Marktbedingungen und Arbeitsorganisation verändern sich stetig und haben erhebliche Auswirkungen auf die spätere Arbeitswelt unserer Teilnehmer. In dieser Arbeitswelt kommt es zu einem verstärkten Bedarf an nichtfachlichen Kompetenzen und Fähigkeiten. Fachwissen muss ergänzt werden durch 30

Anhang 1 „Die Reintegration eines Auszubildenden mit Schizophrenie in den Ausbildungsprozess“

- 11 -


berufliche Fachkompetenz. In unserer beruflichen Ausbildung haben wir lange den Kenntniserwerb in den Mittelpunkt gestellt. Mit diesem Projekt wollen wir, um den künftigen Anforderungen gerecht zu werden, das Bild wandeln und die Entwicklung von Fähigkeiten zu unserer Aufgabe machen. Diese Fähigkeiten sollen nicht gelehrt oder gelernt, sie sollen im Ausbildungsprozess entwickelt und geübt werden. 3.2.1 Warum neue Lernmethoden Aktivierende Lernmethoden sollen fester Bestandteil unserer Ausbildung werden. Ich möchte meine Mitarbeiter motivieren, gestiegenen Anforderungen des Marktes, aber auch unserer Kunden Rechnung zu tragen. Die Umstellung auf diese neue Form der gestaltungsoffenen Ausbildung ist aufwändig, nicht einfach zu bewältigen, aber aus meiner Sicht unabdingbar. Im Berufsbildungsgesetz vom 23. März 2005 wird bereits durch einen eignen Absatz auf die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen Bezug genommen. Es besteht daher nicht nur eine wirtschaftliche Notwendigkeit, sondern auch eine gesetzliche Verpflichtung, in der Berufsausbildung Fachkompetenzen zu vermitteln. „(3) Die Berufsausbildung hat die für die Ausübung einer qualifizierten beruflichen Tätigkeit in einer sich wandelnden Arbeitswelt notwendigen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten (berufliche Handlungsfähigkeit) in einem geordneten Ausbildungsgang zu vermitteln. Sie hat ferner den Erwerb der erforderlichen Berufserfahrungen zu ermöglichen.“31 3.2.2 Vermittlung von berufsübergreifenden Kompetenzen Für die Vermittlung von berufsübergreifenden Kompetenzen sind folgende Grundsätze zu beachten, möglichst häufig und gezielt aktivierende Methoden (aufgabenorientierte Lernmethoden => „learning by doing“) einsetzen , freundliches Arbeitsklima im Fachbereich (gutes, persönliches Verhältnis des Ausbilders zum Teilnehmer), Voraussetzungen schaffen, die zur positiven Entwicklung der Motivation des Teilnehmers beitragen (der Teilnehmer muss sich Wohlfühlen und das Gefühl haben, dass ihm etwas zugetraut wird), Unterlassung von, was die Entwicklung behindernden Einflüssen. Die Persönlichkeits- und berufsübergreifende Fachkompetenzentwicklung des Teilnehmers darf auf keinen Fall beeinträchtigt werden. 3.2.3 Zielgruppe: Informatikkaufmann/Fachinformatiker (vITa), 2. Lehrjahr Ausbildung im Projektzeitraum: 2. Lehrjahr 2007/2008 Die vITa befindet sich zu dieser Zeit wieder im Stamm- Gebäude „Haus L“. Sie besteht aus zwei Ausbildungsräumen (einem Streaming32- Raum für die INK33 (1. bis 3. Lehrjahr) und 31

Seelische Erkrankung - was wissen wir heute? URL: http://learn.bfzonline.de/cornelia/Lernseite.asp?KURS=298, Zugriff: 12.01.2008 32 kontinuierliche Übertragung von Daten, also die Übertragung von Datenströmen 33 Berufskürzel Informatikkaufmann

- 12 -


einem zweiten Raum für die FIN34 (1. bis 3. Lehrjahr). Im FIN Raum befindet sich auch der Arbeitsplatz der Mitarbeiterin für die Arbeitsassistenz35. Für den vITa- Bereich sind zwei Telecoach zuständig. Berufsgruppe FIN besteht aus 7 Teilnehmern und die Berufsgruppe INK aus 8 Teilnehmern. 13 Teilnehmer wohnen auf unserem Gelände, 2 Teilnehmer nehmen vom Wohnort an der vITa- Ausbildung teil. Im Projektzeitraum wurde Wissen bisher in den Ausbildungsjahren 2 und 3 über die neuen, aktivierenden Lernmethoden vermittelt. Absolute Schwerpunkte waren dabei die Auftrags- und Projektmethode. Schwerpunkthemen der betrieblichen Ausbildung waren HTML, Typo3, PHP, CSS- Programmierung. Weiterhin wurde über unseren virtuellen Klassenraum „Smiletiger“ ausgebildet. Lehrveranstaltungen werden auch per Live- Stream an die Teilnehmer übertragen oder später als Video- Podcast zu Verfügung gestellt. Aktuelle Themen im Projektzeitraum in dieser Form des Lernens waren Datenbanksysteme, Software Engineering, Semantic Web, Technikkommunikation, BWL, Informationssicherheit im Internet, Theoretische Informatik, Komponentenprogrammierung, Informationsintegration, Trends und Konzepte der Softwareindustrie, Technische Grundlagen des WWW, Internet Security und Software-Qualität. Die Kurse wurden über ein Streaming- Portal zu Verfügung gestellt. Beide Plattformen und der virtuelle Klassenraum unterstützen kooperative Lehr- und Lernformen. Jeder Tag begann für die Teilnehmer mit der Morgenrunde, diese Runde war der virtuelle Treffpunkt zum Beginn des Ausbildungstages für interne und externe Teilnehmer. Die Teilnehmer sind mit Notebooks, Webcam und Headset ausgestattet. Intranet/Internet- Anbindungen gab es im Ausbildungs- und Wohnbereich. Die Berufsschule wurde im Blockunterricht vom Zimmer aus besucht. Unterstützend waren bei Notwendigkeit Arbeitsassistenten und Pflegepersonal während der Ausbildung wirksam. Der Telecoach konnte aufgrund seiner langjährigen Erfahrung bereits durch Beobachten sowie durch Gespräche mit dem Teilnehmer feststellen, welche berufsübergreifenden Fachkompetenzen bei ihm gut, weniger gut oder schlecht ausgebildet sind. 3.2.4 Aufbietung aktivierender Lernmethoden Lernmethoden die aktivieren, bestehen aus Methoden, mit deren Hilfe der Lernvorgang angeregt und organisiert werden soll, dem Lernen, also dem finden von Lösungen (z.B. für Aufgabenstellungen oder Probleme) und dem aktiven Lernen, indem unsere Teilnehmer die Lösungen selbständig finden bzw. erarbeiten. Der Ausbilder moderiert diesen Prozess, die aktivierenden Methoden bilden den Prozessrahmen. Durch das Finden eigener Lösungen ergibt sich für den Teilnehmer ein Wissens- oder Könnenszuwachs. Es geht um eine gelungene Kombination aus dem Erlernen fachlicher Fähigkeiten und dem gleichzeitigen Einsetzen aktivierender Lehrmethoden. Durch die Bewältigung von komplexen Aufgabenstellungen werden im Rahmen des Lernprozesses, fachübergreifende Qualifikationen am Rande 34 35

Berufkürzel für Fachinformatiker „verlängerter Arm“ des Rehabilitanden im Ausbildungsprozess

- 13 -


entwickelt

und

gefördert.

Diese

Förderung

gelingt

besonders

dann,

wenn

Aufgabenstellungen komplex sind. Der Teilnehmer soll beim aktivierenden Lernen vielfältig und reichhaltig die Gelegenheit bekommen, das „learning by doing“ durchzuführen, welches für die Entwicklung berufsübergreifenden Fachkompetenzen unabdingbar ist. Die Rolle des Ausbilders wechselt in die Berater- bzw. Moderatorenrolle in diesem Lernprozess. Dadurch wird die Persönlichkeitsentwicklung unserer Teilnehmer begünstigt, aber auch formale, personale und soziale Fähigkeiten gefördert. Gelerntes wird weniger schnell vergessen, es kann leicht in die Praxis umgesetzt werden und es wird gelernt, wie man Aufgaben bewältigt und Probleme löst. 3.2.5 Arbeitsklima und Verhältnis („unsere eigene IT- Firma im BBW) Die Rolle unserer Ausbilder im Bereich und unseren Führungsstil haben wir schon bei der Bereichsgründung im Jahr 2000 grundlegend geändert. Ein freundliches Klima, ein gutes, persönliches Verhältnis zwischen Ausbilder und Teilnehmer war uns schon damals sehr wichtig. Teilnehmer spüren sehr sensibel, ob ihnen etwas zugetraut wird. Nur wen dieses Gefühl in Ordnung ist, können sich fachliche Kompetenz, Persönlichkeit und Verantwortlichkeit bei den Teilnehmern entwickeln. Die neue Generation Ausbilder ist Trainer (unterweist den Teilnehmer), ist Erzieher (lernt dem Teilnehmer das richtige Verhalten), ist Partner (Vertrauter), ist Personalentwickler (Auswahl aus Berufsvorbereitenden Maßnahmen, individuelle Förderplanung), Vorgesetzter (Teilnehmer unterstehen dem Ausbilder) und Vorbild. Unser Fachbereich IT/Medien ist sinnbildlich aufgestellt wie unser BBW. Die Teilnehmer haben den Status von Mitarbeitern, die Ausbilder haben den Status von Bereichsleitern aus unterschiedlichsten Fachbereichen (INK, ISK, ISE, FIN und MEG)36 und ich habe den Status eines Geschäftsführers. In „unserer Firma IT/Medien“ leben wir den kooperativen Führungsstil, das bedeutet, die Ausbilder („Bereichsleiter“) arbeiten mit den Teilnehmern („Mitarbeitern“) an gemeinsamen Zielen. Jeder hat die Möglichkeit seine Fähigkeiten und sein Wissen einzubringen. Der Ausbilder („Bereichsleiter“) hat die Aufgabe die einzelnen Arbeitsschritte zu organisieren und zwischen den Teilnehmern („Mitarbeitern“) zu vermitteln. Diese Führungsrolle ist manchmal zeitaufwendiger, hat aber wesentliche pädagogische Vorteile. Unsere Teilnehmer lernen, Probleme zu besprechen und anderen zuzuhören (z.B. IT- Morgenrunde37). Oft finden sich in diesen Gesprächsrunden neue, ungewöhnliche Lösungen für IT- Probleme. Wenn unsere „Mitarbeiter“ spüren, dass sie mit ihren Ideen und Lösungsvorschlägen ernst genommen werden, haben sie gleichzeitig mehr Freude an der Arbeit. Das Interesse wächst, wenn man sich in eine Arbeit, ein Projekt, eine innovative Entwicklung mit einbringen kann. Unsere Teilnehmer brauchen das Gefühl Verantwortung mitzutragen, dies ist die absolute Grundlage für ein sorgfältiges Arbeiten. In den letzen 8 36 37

Offizielle Berufskürzel unserer Ausbildungsberufe Tagesbeginn in den einzelnen Ausbildungsgruppen des IT/Medien Fachbereiches)

- 14 -


Jahren haben wir „unsere Firma“ und „unsere Mitarbeiter“ kooperativ geführt. Überwiegend hatten wir es in unserer „Firma“ daher mit motivierten „Mitarbeitern“ zu tun. Zu einem guten Arbeitsklima im Fachbereich IT/Medien gehört auch der Kaffee, was wäre „IT“ ohne Kaffee. 3.2.6 Die Kultur in unserer „Firma IT/Medien“) In anderen Ausbildungsbereichen des BBW strikt verboten, dürfen unsere „Mitarbeiter“ in der „Firmenküche“ Kaffee kochen und trinken. IT und Kaffee gehören zusammen. Die Ordnung und Sauberkeit in unserer Küche ist seit geraumer Zeit kein Problem mehr. Alle Kaffeetrinker des Bereiches haben nach anfänglichen Problemen mit der Ordnung und Sauberkeit die Kompetenz erlangt, dass ein Ritual nicht mehr notwendig ist. Ein Foto mit benutzten Tassen in der Spüle, dazu der Textvermerk „Schade“ und eine abgeschlossene Küchentür. Alle haben es in kurzer Zeit verstanden, dass Bedürfnis nach Kaffee kann nur befriedigt werden, wenn die Ordnung und Sauberkeit in der gemeinsamen Küche stimmt. In unserer Firma werden immer mehr solche typischen Wertvorstellungen, Grundsätze, Normen und Denkweisen, die das Verhalten der „Mitarbeiter“ auf allen Ebenen der „Firma“ prägen, aufgebaut. Unsere „Mitarbeiter haben Wünsche, Bedürfnisse und Ansprüche, die sie in unserer Firma ausleben wollen. Bilder der aktuellen Freundin als Desktop- Hintergrund, Gespräche über Urlaub und Freizeit, schließen von Freundschaften oder Anekdoten über jetzige oder ehemalige „Mitarbeiter“ unserer Firma. Unsere Firmenkultur wird wie im richtigen Leben von vielen Faktoren bestimmt: Anekdoten, Zeremonien, Rituale, IT- Bereichsversammlungen, IT- Sommerfeste, offene Auswahl und Vorstellung neuer Mitarbeiter (auch neuer „Bereichsleiter“ nach Probearbeit), eigener Führungsstil der „Bereichsleiter“, Logos, Anerkennungen, Kleidungsvorschriften (Veranstaltungsteam38), aber auch die Gemeinschaft in der Trauer beim Tod von „Mitarbeitern“ (2006 und 2007). Eine positiv empfundene Kultur im Bereich stiftet Identität, stärkt das Gefühl der Zusammengehörigkeit und wirkt sich positiv auf die Motivation der „Mitarbeiter“ aus. Gemeinsame Freizeitaktivität Teilnehmer haben sich darauf geeinigt, dass Ausbilder und Teilnehmer jeden Donnerstag in der Zeit von 16:45 Uhr – 18:30 Uhr sich zu einer gemeinsamen sportlichen Aktivität (Volleyball) treffen. Außerdem findet in jedem Sommer ein IT- Sommerfest und innerhalb der „Kennenlernwoche“ (zu Beginn 1. Lehrjahres) ein Bruch- Grillen des gesamten Bereiches statt. Weitere sportliche Aktivitäten sind die gemeinsame Teilnahme am BBW- Sportfest im September, hier treten unsere Berufsgruppen als Mannschaften an, messen sich im fairen Wettkampf mit anderen Mannschaften, vorher findet eventuell ein gemeinsames Training statt.

38

Teilnehmer aus unserem IT- Service Point sind für die technische Absicherung der internen und

externen Veranstaltungen im BBW verantwortlich. Die Veranstaltungsteilnehmerzahl kann zwischen 05 bis 450 Personen liegen. Der Technikereinsatz wird langfristig über einen Dienstplan geregelt.

- 15 -


3.2.7 Zielvereinbarungen („der rund IT- Tisch) Regelmäßig (mindestens 1x im Quartal) vereinbaren Ausbilder und Teilnehmer zusätzlich zu den Förderplangesprächen39 Ziele in einem Gespräch am so genannten „runden IT- Tisch“ – auch schon ein Ritual. Bei diesem Gespräch kann der Teilnehmer Einwände vorbringen und Wünsche äußern. Mit der Zielvereinbarung sind immer beide Seiten einverstanden, unterzeichnen diese im Anschluss. Die Erreichbarkeit der Ziele, dass sie den Teilnehmer weder über- noch unterfordert, genau formuliert, terminbezogen, mit anderen Zielen abgestimmt, widerspruchsfrei und realistisch ist ebenso wichtig. In einer gemeinsamen End- oder Erfolgskontrolle werden die Zielerreichung, Abweichungen, Ursachen und Verbesserungsmöglichkeiten überprüft. 3.2.8 Entwicklungshemmer beseitigen (Rahmenbedingungen) Im Bereich IT/Medien mussten und müssen wir uns an veränderte Rahmenbedingungen anpassen. Alles was die Entwicklung unserer Teilnehmer behindert, musste im Projekt beseitigt werden. „Entwicklungshemmer“ waren mangelnde Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Ausbildungsberufen, ein Festhalten an längst nicht mehr zeitgemäßen Strukturen (verhinderte unter anderem das Arbeiten in Teams und wirkte sich negativ auf die sozialen Fähigkeiten unserer Teilnehmer aus), ständiges „Ansagen“, lückenlose Überwachung, keine Freiräume, ständiges „Vordenken“ ohne auf die Ideen, Eigeninitiativen und Fähigkeiten des Teilnehmers einzugehen, wirken demotivierend. Dem Teilnehmer blieb kein Freiraum zur Selbstentwicklung. Wer von vornherein das Schlechteste von einem Teilnehmer annimmt und seine Fähigkeiten gering schätzt, wird sein Urteil bald bestätigt sehen. Diesem Teilnehmer bleibt kaum eine Chance auf eine positive Entwicklung. Ein weiterer, wesentlicher Entwicklungshemmer waren aber auch die unvorhersehbaren Störrungen der Ausbildung durch Krisen von Teilnehmern mit seelischen Erkrankungen. In diesen Situationen war der Ausbilder dem Rhythmus der Ausbildung in der Ausbildungsgruppe entrissen und musste sich bis zum Eintreffen der interdisziplinären Fachdienste oft ausschließlich um den kollabierenden Teilnehmer kümmern. Diese Situationen traten in der jüngeren Vergangenheit auf Grund der Zunahme von instabilen Teilnehmern häufiger auf. Auf diese Veränderung hab ich gegenüber unserer Geschäftsleitung in einer Beratung hingewiesen, mit dem Ergebnis, dass eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe „Rahmenbedingungen“ gegründet wurde. Ein erstes Ergebnis dieser Gruppenarbeit ist die Schaffung einer zusätzlichen Personalstelle mit der Bezeichnung „Tagesbegleitung“. Zu den Hauptaufgaben einer bewährten Mitarbeiterin (Autismustherapeutin) gehören40:

39

40

Planmäßige oder außerplanmäßige Gesprächsrunde des Teilnehmers mit dem interdisziplinären Fachteam. Auszüge aus der Stelenbeschreibung der Abteilung Reha- Fachdienst, Bereich Diagnostik/Förderung

- 16 -


Angebote zur mobilen Tagesbegleitung für instabile Teilnehmer nach Indikationsstellung durch die diensthabende Psychologin (Krisendienst)

Nutzung der zur Verfügung stehenden Methoden, Medien, Räumlichkeiten (Snoezelen, Bewegungsraum, kreative Angebote, Time-out, Entspannungsangebote u.a.)

Kontaktaufnahme und Kontaktpflege zu Teilnehmern mit seelischer Erkrankung im Ausbildungsprozess und zu den verantwortlichen Mitarbeitern in der Ausbildung und im Reha- Fachdienst

Arbeitsplatzassistenz für Teilnehmer mit Störungen aus dem autistischen Formenkreis in enger Zusammenarbeit mit den Ausbildern und der zuständigen Bereichs- Psychologin

Durchführung einer regelmäßigen Gruppenarbeit zur Förderung sozialer Kompetenzen von Teilnehmern mit autistischen Störrungen

Beratung: •

Kollegiale Fachberatung zum Umgang mit Teilnehmern mit autistischen Störrungen unter dem Aspekt interdisziplinärer Zusammenarbeit im Reha- Prozess

Mitwirkung an Fortbildungsveranstaltungen und Fachberatung für Mitarbeiter des BBW zum Thema „Autismus“ in enger Zusammenarbeit mit Psychologen

Dokumentation: •

Dokumentation der durchgeführten Interventionen, kontinuierlicher Informationsaustausch mit den zuständigen Mitarbeitern

Persönliche Fortbildung: •

Fallsupervision durch die Vorgesetzte und die verantwortliche Psychologin des Fachbereiches „Autismus“

Kontinuierliche Fortbildung in speziellen Fachgebieten

3.2.9 Qualifikationsbedarf der Ausbilder Auch Ausbilder lernen ein Leben lang. Die Qualifikation unserer Ausbilder ist von besonderer Bedeutung für die aktivierenden Lernmethoden und zur Motivation unserer Teilnehmer ist es unabdingbar qualifizierte Ausbilder im Team zu haben, die bereit sind, neue methodischdidaktischen Konzepte mittragen zu wollen und damit die Motivation der Teilnehmer zu steigern. Deshalb setzten wir auch bei der Einstellung neuer Mitarbeiter die Bereitschaft voraus, bei Nichtvorhandensein der Ausbildereignung nach AEVO41, diese zeitnah (innerhalb eines Kalenderjahres) nachzuweisen. Dies ist trotz immer noch gültiger Aussetzung erforderlich. Selbst gestandene Ausbilder im jungen Fachbereich IT/Medien können in den Berufen auf keine Ausbildungstradition zurückgreifen. Neue Ausbildungsinhalte stellen auch

41

Ausbildereignungsverordnung

- 17 -


erfahrene Ausbilder immer wieder vor Probleme, die gelöst werde müssen. Gerade die Planung geeigneter Lern- und Arbeitsaufgaben und die Verknüpfung von formalem und informalem Lernen in unserer betrieblichen Praxis sind sehr zeitaufwendig. Mit Hilfe eines innerbetrieblichen Fortbildungsplanes werden unsere Ausbilder zielgerichtet weiter- und fortgebildet.

Zur

Ausbilderförderung

zählt

auch,

die

Mitarbeit

in

verschiedenen

Arbeitsgruppen, wie z.B.: Fachteam „Autismus“, Fachteam „ADHS“ und Fachteam „Sucht“. Auch die aktive Mitarbeit im interdisziplinären Fachteam betrachte ich als wesentlichen Punkt, der zur Sicherung der Qualität unserer beruflichen Bildung beiträgt. Alle Ausbilder im Bereich werden weiterhin kostenintensiv zum Telecoach ausgebildet. Aktives Lernen bedeutet aber auch für mich als Bereichsleiter, dass meine Mitarbeiter immer mehr Lösungen für Probleme selbständig finden bzw. erarbeiten. Oft moderiere ich (in 2007 hatten wir unsere erste externe Bereichklausur), die aktivierenden Methodenbilden hierfür den Rahmen. 3.2.10 Vermittlungsplanung berufsübergreifender Kompetenzen Die Förderung von berufsübergreifenden Kompetenzen erfordert ein planmäßiges Vorgehen. Sinnvoll ist dies vor allem andauernd dann, wenn gezielt einzelne Kompetenzen gefördert werden sollen. Die Festlegung der speziell zu fördernden Kompetenzen erfolgt beharrlich individuell und auf den jeweiligen Teilnehmer bezogen. Kein Teilnehmer kommt ohne Kompetenzen in unsere Ausbildung, wie stark diese entwickelt sind hängt von vielen Faktoren ab (Elternhaus, Schulbildung etc.). Defizite beim Teilnehmer gilt es festzustellen, dies ist für eine gezielte Förderung von Fähigkeiten unabdingbar. Ein Fehler aus meiner Sicht ist die gemeinschaftliche Kompetenzentwicklung nach einem „Gießkannenprinzip“. Jeder Teilnehmer ist anders, die Vermittlung einzelner Kompetenzen kann daher nicht für alle Teilnehmer am selben Ausgangspunkt beginnen. Berufe, Branchen und Tätigkeiten können auch sehr unterschiedlich sein und stellen somit unterschiedliche Anforderungen an unsere Teilnehmer (die späteren Mitarbeiter) in diesen Unternehmen. 3.2.11 Festlegen von Grobzielen Bei der Festlegung von Grobzielen geht es um die Frage, welche berufsübergreifenden Fachkompetenzen sollen welchem Teilnehmer vermittelt werden? Diese Fachkompetenzen können nur schwach ausgeprägt vorhanden oder zwar gut ausgeprägt, im IT/Medien- Beruf aber von herausragender Bedeutung sein. Durch gutes Beobachtungsvermögen und durch Befragung und Gespräche mit dem Teilnehmer kann der Ausbilder feststellen, welche berufsübergreifenden Kompetenzen beim Teilnehmer bereits ausgeprägt sind und wo Defizite bestehen. Hilfreich bei der Beurteilung ist der Einsatz eines entsprechenden Bewertungsbogens (vgl. Anlage 1 + Bogen Frank). Der Teilnehmer sollte ebenfalls einen Bewertungsbogen zur Selbstbeurteilung ausfüllen. Ein Vergleich beider Bögen ist oft - 18 -


interessant und eine hilfreiche Gesprächsgrundlage. Von größerer Bedeutung ist aber der Bewertungsbogen des Ausbilders. Dieser dient als Grundlage der Grobzielplanung (geplante Förderung der berufsübergreifenden Fachkompetenzen beim Teilnehmer), Schlüsselqualifikationen die schlecht oder mittelmäßig ausgeprägt sind und die nun verbessert werden sollen. 3.2.12 Auswahl geeigneter Lehrmethoden Unsere Stellung als BBW im dualen System der Ausbildung eignet sich bestens zum Einsatz aktivierender Lernmethoden. Hauptsächlich setzte ich deshalb im Projektzeitraum 09-2007 bis 02-2008 die Auftrags- und die Projektmethode in der Zielgruppe (T.m.s.E.) der vITa ein. Besonders bei der Auftragsmethode führten meine Teilnehmer die Aufträge selbständig aus und eigneten sich fachliche Fähigkeiten an. Nebenbei wurden durch das selbständige Arbeiten berufsübergreifende Fachkompetenzen gefördert. Um einzelne Kompetenzen gezielt zu fördern, wurden die Aufträge durch mich entsprechend zielgerichtet ausgewählt. Kontinuierlich sammelte ich im Vorfeld jene Aufträge, die sich zur Ausführung durch den Teilnehmer eignen und bezog diese in meine tägliche, fachliche Ausbildungsplanung mit ein. Neben den Fachkompetenzen habe ich bei der Auswahl der Aufträge stets auch darauf geachtet, welche berufsübergreifenden Fachkompetenzen beim Teilnehmer individuell gefördert werden sollen. Im Ausbildungsplan (Kursplan) konnte der zuständige Fachausbilder die Aufgaben besonders kennzeichnen, die sich zur Kompetenzförderung besonders eignen (vgl. Anlage 2 + gelber Kompetenzplan). Bei dieser fachlichen Ausbildungsplanung wurde durch mich auch festgelegt, ob die einzelnen Aufträge in Team- oder in Einzelarbeit ausgeführt werden. 3.2.12 Erfolgskontrolle In der Projektbegleitung beginnt schon die Erfolgskontrolle. Mit Beobachtung des Teilnehmers durch den Ausbilder während des Lernprozesses wird sorgfältig geprüft, ob Veränderungen bei den berufsübergreifenden Kompetenzen feststellbar sind, gegebenenfalls werden diese notiert. Die Rolle des Ausbilders ist während des gesamten Lernprozesses die, eines Trainers, eines Moderators und Betreuers einzunehmen und dem Teilnehmer zur Verfügung zu stehen. Gegebenenfalls kann er bei Notwendigkeit in den Lernprozess korrigierend eingreifen, die gilt auch für Umstände, welche die Zielerreichung im Sinne der Förderung einzelner berufsübergreifender Fachkompetenzen gefährden. Die Beobachtungsergebnisse werden in einem Beurteilungsbogen vermerkt und mit dem Teilnehmer in einem persönlichen Gespräch erörtert. Zur Erfolgskontrolle zählt aber auch die Evaluation der neuen Lernmethoden, dabei besonders die eigenen Erfahrungen in der spezifischen Anwendung. Dazu wird das spezifische Wissen ab sofort allen interessierten Mitarbeitern in der BBW- Wissensdatenbank (Arbeitsergebnis eines unserer zurzeit tätigen QM- Zirkel) zu Verfügung gestellt. - 19 -


3.2.13 Neuerliche Planung Wir wollen möglichst häufig und gezielt aktivierende Methoden im gesamten Fachbereich IT/Medien einsetzen, für uns ist ein freundliches Ausbildungsklima unabdingbar und wir wollen für ein kontinuierlich gutes, persönliches Verhältnis des Ausbilders zum Teilnehmer Sorge tragen. 4. Realisationsphase (Projektbeispiele) Aus Platzgründen können leider nur zwei Methoden des Projektes vorgestellt werden. 4.1 Auftragsmethoden Aufträge, die im BBW, bei Kooperationspartnern oder bei externen Partnern im Projektzeitraum angefallen sind, wurden bei dieser Methode von unseren Teilnehmern erledigt und dadurch selbständig gelernt. Durch die Praxisnähe und „reale“ Umgebung des Arbeitsplatzes führt die Auftragsmethode zu effektiven Ergebnissen beim Lernen. Diese Methode war eine wichtige Arbeitsweise, besonders für das 2. und 3. Ausbildungsjahr unserer Ausbildung am Arbeitsplatz oder in den verschiedenen IT- Service- Bereichen des BBW. Unsere Teilnehmer erhielten alle wichtigen Informationen zum Auftrag vom Ausbilder oder durch direkten Kundenkontakt. Erwartungen an die Teilnehmer wurden formuliert, warum sie diese Aufgaben erhalten, der erwartete Lerneffekt und wo sie weitere Informationen bekommen können. Die vom Ausbilder gewählten Aufträge bzw. Teile von Aufträgen durften nicht zu leicht und nicht zu schwer sein, sollten berufsbezogen sein und dem Teilnehmer die Möglichkeit bringen, etwas für ihn Sinnvolles zu lernen. Es wurde darauf geachtet, dass reale Aufträge, die zu anspruchsvoll bzw. zu fehleranfällig sind, nicht als Übungsmodelle verwendet wurden. Im Idealfall wurde ein vollständiger Auftrag – zum Beispiel Planung, Vorbereitung, Durchführung, Kontrolle und Bewertung – an die Teilnehmer weitergegeben. Die Teilnehmer sollten die Aufträge möglichst gleich in Einzel- und Teamarbeit erledigen. Die Auftragsmethode musste bei Bedarf mit anleitenden Methoden, wie zum Beispiel Vorzeigen oder Erklären, ergänzt werden, damit ein ideales Lernergebnis erzielt werden konnte. 4.1.1 Projektbeispiel 1 zur Auftragsmethode Programmierung eines Handlungsplanes in HTML und PHP Was muss beim Krankheitsbild (seelische Erkrankung) beachtet werden ? •

Keine wesentlichen

Kommunikationsmängel •

Klarheit und Transparenz beim Arbeitsauftrag

Ausschluss von Problemen im Umfeld

Deutliche und klare Ausbildungsumgebung

- 20 -


Optimaler Kontakt zu anderen Teilnehmern der Ausbildungsgruppe

Gutes Klima in der Ausbildungsgruppe

Teilnehmer J. ist sehr motiviert im Bereich der Programmierung. Er verfügt über gute HTML und PHP- Kenntnisse. Obwohl er sich immer zeitnah bei eingehenden Aufträgen freiwillig meldet, arbeitet er oft nicht genügend zielgerichtet und es fällt ihm schwer, komplexe Aufgaben zu strukturieren. Eine weitere Angewohnheit des Teilnehmers ist es, sich Lösungsstrategien aus dem Internet oder von anderen Ausbildern zu organisieren. Zielbestimmung Programmierung eines Handlungsplanes in HTML und PHP gemäß Kundenauftrag und eigenverantwortliche Inbetriebnahme auf dem Technik- Server des BBW durch Teilnehmer J. Welche Kompetenzen sind beim Teilnehmer J. schwach ausgeprägt? Fachkompetenz

Methodenkompetenz:

Fachwissen aufbauen

Zielgerichtet arbeiten

System- und Prozessabläufe erkennen

Komplexe Aufgaben strukturieren

Arbeitsergebnisse kontrollieren

Selbständig Planen und Durchführen Eigene Lösungsstrategien entwickeln

Soziale Qualifikationen:

Personalkompetenz:

Kooperativ arbeiten

Zuverlässigkeit

Sachlich argumentieren

Verantwortungsbewusstsein

Informationen austauschen

Sorgfalt Eigene Schwächen und Stärken erkennen Sich flexibel auf neue Situationen einstellen Ausdauer zeigen

Methodenwahl: Auftragsmethode Realer Auftrag (Bereichsleiter W.) der im BBW angefallen ist, wird von Teilnehmer J. erledigt und dadurch selbständig gelernt. Effektive Ergebnisse durch die echte Umgebung des Arbeitsplatzes. Alle wichtigen Informationen zum Auftrag vom Ausbilder (die Erwartungen an Teilnehmer Z., warum dieser Auftrag, der zu erwartende Lerneffekt und wo weitere Informationen zu bekommen sind). Der vom Ausbilder gewählte Auftrag ist für Teilnehmer J. nicht zu leicht und nicht zu schwer sein. Der Auftrag ist berufsbezogen und bringt Teilnehmer J. die Möglichkeit etwas für ihn Sinnvolles zu lernen. Es ist ein vollständiger Auftrag, die Planung, Vorbereitung, Durchführung, Kontrolle und Bewertung obliegt dem Teilnehmer selbst. Der Auftrag ist überwiegend in Einzelarbeit zu erledigen. Die Auftragsmethode wird bei Bedarf - 21 -


mit anleitenden Methoden, wie zum Beispiel Vorzeigen oder Erklären durch den Fachausbilder ergänzt, damit ein ideales Lernergebnis erzielt werden kann. Durchführung Fachliche Begleitung: Ausbilder G., Projektbegleitung durch Auftraggeber: Ausbilder W. Erfolgskontrolle Ergebnisse Lernprozess über Beurteilungsbogen (Kompetenzentwicklung). Arbeitsergebnis: Inbetriebnahme, Testphase, Einführung gesamter Bereich IT/Medien, später im gesamten BBW geplant. Auswertung Vorgegebene Ziel erreicht: Ja Was

kann

beim

nächsten

Mal

besser

gemacht

werden:

Sorgfältiger

Arbeiten,

Arbeitsergebnisse kontrollieren. Würdigung durch Auftraggeber, Präsentation der Ergebnisse in der IT- Belegschaftsversammlung (wichtig für den Lernwert und die Motivation des Teilnehmers), Einführung des Handlungsplanes im gesamten IT- Bereich, Interesse aus anderen Bereichen bekundet. Bewertungsgespräch: (Kritik bezieht sich immer auf Verhalten, nicht aber auf den Teilnehmer) Begründung der Bewertung durch den Ausbilder gegenüber dem Teilnehmer. Möglichkeit für den Teilnehmer, eigene Sicht darzulegen. Unterschiedliche Bewertungen wurden durch en Ausbilder mit dem Teilnehmer besprochen. Ausbilder und Teilnehmer machen Vorschläge, wie Schwächen behoben werden können. Weitere Vorgangsweisen und Maßnahmen werden besprochen.

4.1.2 Projektbeispiel 2 zur Auftragsmethode Planung und Durchführung eines Kurses in der Scriptsprache HTML bei den Teilnehmern MEG42 Was muss beim Krankheitsbild (seelische Erkrankung) beachtet werden ? •

Keine wesentlichen

Kommunikationsmängel •

Klarheit und Transparenz beim Arbeitsauftrag

42

Ausschluss von Problemen im Umfeld

Deutliche und klare Ausbildungsumgebung

MEG steht für Berufskürzel: Mediengestalter

- 22 -


Optimaler Kontakt zu anderen Teilnehmern der Ausbildungsgruppe

Gutes Klima in der Ausbildungsgruppe

Teilnehmer S. ist sehr ruhig und zurückgezogen. Er verfügt über ausgezeichnete HTMLKenntnisse und ist sehr ordentlich und genau. Obwohl sie oft fehlerfrei arbeitet, fehlt ihr das Selbstvertrauen. Im Bereich der Kommunikationsfähigkeit besitzt sie zwar einen hohen Grad an Konsensfähigkeit, sie hat jedoch Schwierigkeiten mit anderen Teilnehmern in Kontakt zu treten. Zielbestimmung Planung und Durchführung eines Kurses in der Scriptsprache HTML bei den Teilnehmern MEG gemäß Kundenauftrag. Welche Kompetenzen sind beim Teilnehmer S. schwach ausgeprägt? Fachkompetenz:

Methodenkompetenz:

Systematisch arbeiten

Zielgerichtet arbeiten

Arbeitsschritte festlegen

Komplexe Aufgaben gliedern

Arbeitsverfahren und Hilfsmittel auswählen

Selbständige Planung und Durchführung

Arbeitsergebnisse kontrollieren

Ergebnisse und Methoden übertragen Zeit selbständig einteilen

Soziale Qualifikationen:

Personalkompetenz:

Kooperativ arbeiten

Zuverlässigkeit

Im Team mit Anderen zusammenarbeiten

Verantwortungsbewusstsein

Informationen austauschen

Sorgfalt

Sachlich argumentieren

Eigene Schwächen und Stärken erkennen Sich flexibel auf neue Situationen einstellen Ausdauer zeigen

Methodenwahl: Auftragsmethode Realer Auftrag (Bereichsleiter W.) der im BBW angefallen ist, wurde vom Teilnehmer S. erledigt und dadurch selbständig gelernt. Effektive Ergebnisse durch die echte Umgebung des Arbeitsplatzes. Alle wichtigen Informationen zum Auftrag wurden vom Ausbilder, die Erwartungen an Teilnehmer S., warum dieser Auftrag, der zu erwartende Lerneffekt und wo weitere Informationen zu bekommen sind, an den Teilnehmer gegeben. Der vom Ausbilder gewählte Auftrag war für Teilnehmer S. nicht zu leicht und nicht zu schwer. Der Auftrag war berufsbezogen und brachte Teilnehmer S. dazu, die Möglichkeit zu haben, etwas für ihn - 23 -


Sinnvolles zu lernen. Es handelte sich um einen vollständigen Auftrag (Planung, Vorbereitung, Durchführung, Kontrolle und Bewertung) oblagen dem Teilnehmer selbst. Der Auftrag war überwiegend in Einzelarbeit durch den Teilnehmer zu erledigen. Durchführung Fachliche Begleitung: Ausbilder G. , Projektbegleitung durch Auftraggeber: Ausbilder W. Erfolgskontrolle Ergebnisse Lernprozess über Beurteilungsbogen (Kompetenzentwicklung) Arbeitsergebnis: Evaluation über Kursbewertungsbogen. Auswertung Vorgegebene Ziel erreicht: Ja Was kann beim nächsten Mal besser gemacht werden? Noch zielgerichtetes Arbeiten durch Teilnehmer S. möglich. Würdigung durch Auftraggeber, Präsentation der Ergebnisse in der IT- Belegschaftsversammlung (wichtig für den Lernwert und die Motivation des Teilnehmers). Bewertungsgespräch: (Kritik bezieht sich immer auf Verhalten, nicht aber auf den Teilnehmer). Begründung der Bewertung durch den Ausbilder gegenüber dem Teilnehmer. Möglichkeit für den Teilnehmer, eigene Sicht darzulegen. Unterschiedliche Bewertungen wurden durch en Ausbilder mit dem Teilnehmer besprochen. Ausbilder und Teilnehmer machen Vorschläge, wie Schwächen behoben werden können. Weitere Vorgangsweisen und Maßnahmen werden besprochen. 4.2 Projektmethoden 4.2.1 Projektbeispiel 1 zur Projektmethode Kundenhomepage: www.dani-wittenbecher.de Was muss beim Krankheitsbild (seelische Erkrankung) beachtet werden ? •

Keine wesentlichen

Kommunikationsmängel •

Klarheit und Transparenz beim Arbeitsauftrag

Ausschluss von Problemen im Umfeld

Deutliche und klare Ausbildungsumgebung - 24 -


Optimaler Kontakt zu anderen

Teilnehmern der Ausbildungsgruppe

Gutes Klima in der Ausbildungsgruppe

Zielbestimmung Aufbau einer Homepage in Typo3 gemäß Kundenauftrag und Inbetriebnahme auf einem externen Web- Server des BBW durch Teilnehmer Z. Welche Kompetenzen sind beim Teilnehmer Z. schwach ausgeprägt? Fachkompetenz

Methodenkompetenz:

Systematisch arbeiten

Entscheidungen treffen

Arbeitsschritte festlegen

Zielgerichtet arbeiten

Arbeitsergebnisse kontrollieren

Komplexe Aufgaben strukturieren

Soziale Qualifikationen

Personalkompetenz

Informationen austauschen

Zuverlässigkeit

Eigene Interessen gegenüber der

Verantwortungsbewusstsein

Gesamtaufgabe zurückstellen

Sorgfalt

Methodenwahl: Projektmethode Die Aufgabe wurde durch Teilnehmer Z. selbständig bewältigt und dadurch ein Lerneffekt erzielt. Kennzeichen dieses Projektes waren die Vollständigkeit der Aufgabe und ein verwertbares, vorweisbares Endprodukt als Ergebnis. Es wurde überwiegend in Einzelarbeit gearbeitet. Termine für Zwischenergebnisse des Projektes: tägliche Morgenrunde. Termin für das Endergebnis: es wurden 10 Arbeitstage benötigt. Durchführung Fachliche Begleitung: Ausbilder G. , Projektbegleitung: Ausbilder W. Erfolgskontrolle Ergebnisse Lernprozess über Beurteilungsbogen (Kompetenzentwicklung) Arbeitsergebnis Homepage www.dani-wittenbecher.de Auswertung Vorgegebene Ziel erreicht: Ja Was kann beim nächsten Mal besser gemacht werden: Reaktionszeit auf Mail- Anfragen der Kundin verkürzen. Arbeitsschritte genauer festlegen. Arbeitsergebnisse fehlerlos kontrollieren - 25 -


Würdigung durch Auftraggeber, Präsentation der Ergebnisse in der IT- Belegschaftsversammlung (wichtig für den Lernwert und die Motivation des Teilnehmers). Bewertungsgespräch: (Kritik bezieht sich immer auf Verhalten, nicht aber auf den Teilnehmer) Begründung der Bewertung durch den Ausbilder gegenüber dem Teilnehmer. Möglichkeit für den Teilnehmer, eigene Sicht darzulegen. Unterschiedliche Bewertungen wurden durch en Ausbilder mit dem Teilnehmer besprochen. Ausbilder und Teilnehmer machen Vorschläge, wie Schwächen behoben werden können. Weitere Vorgangsweisen und Maßnahmen werden besprochen.

4.2.2 Projektbeispiel 2 zur Projektmethode Projektmethode (Projektwoche vom 04.- 08.02.2008) Krankheitsbild (seelische Erkrankung beachtet)? •

Keine wesentlichen

Kommunikationsmängel •

Klarheit und Transparenz beim

Umfeld •

Arbeitsauftrag •

Optimaler Kontakt zu anderen Teilnehmern der Ausbildungsgruppe

Ausschluss von Problemen im Deutliche und klare Ausbildungsumgebung

Gutes Klima in der Ausbildungsgruppe

Zielbestimmung Aufbau eines eigenen Bewerbungsflyer und einer eigenen Bewerbungshomegage zur Verwendung bei der Praktikumssuche und zur Unterstützung bei späteren Bewerbungen gemäß Zielstellung der Projektwoche. Publizieren der Bewerbungshomepage auf einem externen Web- Server des BBW zur Verwendung durch spätere potenzielle Arbeitgeber. Welche Kompetenzen sind bei den Teilnehmer (IT/Medien gesamt) schwach ausgeprägt? Fachkompetenz

Methodenkompetenz

Fachwissen aufbauen

Entscheidungen treffen

System- und Prozessabläufe erkennen

Zielgerichtet arbeiten

Normen und Regeln beachten

Selbständig planen und durchführen,

Verfahren anwenden

Alternativen finden

Verbesserungsvorschläge entwickeln

Informationen beschaffen, auswählen und - 26 -


strukturieren Soziale Qualifikationen

Personalkompetenz

Kooperativ arbeiten

Verantwortungsbewusstsein

Informationen austauschen

Sorgfalt

Sachlich argumentieren

Einsatzfreude

Rücksicht nehmen

Eigene Schwächen und Stärken erkennen Ausdauer zeigen Kreativ sein

Methodenwahl: Projektmethode Die Projektaufgaben wurden durch die Teilnehmer im gesamten Bereich selbständig bewältigt und dadurch ein Lerneffekt erzielt. Kennzeichen dieses Projektes waren die Vollständigkeit der Aufgabe und ein verwertbares, vorweisbares Endprodukt als Ergebnis. Es wurde

überwiegend

in

Einzelarbeit-

und

Teamarbeit

gearbeitet.

Termine

für

Zwischenergebnisse des Projektes: tägliche Projektbesprechung. Termin für Endergebnis: maximal 5 Arbeitstage. Durchführung Fachliche Begleitung: alle Ausbilder, Mediengestalter und Integrationsdienst Projektbegleitung: Bereichsleiter W., Integrationsdienst Frau S. Erfolgskontrolle Ergebnisse Lernprozess über Beurteilungsbogen (Kompetenzentwicklung). Arbeitsergebnis je Teilnehmer: jeweils ein Bewerbungsflyer, jeweils eine Bewerbungs- Homepage Auswertung Vorgegebene Ziel erreicht: Ja. Was kann beim nächsten Mal besser gemacht werden: Die Layoutvorschläge der MEG wurden durch die Teilnehmer überwiegend nicht angenommen, müssen überarbeitet werden. Zuarbeiten:

IT- Team gesamt. Würdigung durch Projektbegleitung, Präsentation der

Ergebnisse in der IT- Belegschaftsversammlung und auf dem externen WEB- Server des BBW (wichtig für den Lernwert und die Motivation des Teilnehmers). Prämierung der Ergebnisse durch Jury. Bericht in der Konzernzeitung

- 27 -


Bewertungsgespräch: (Kritik bezieht sich immer auf Verhalten, nicht aber auf den Teilnehmer) Begründung der Bewertung durch die Ausbilder gegenüber den Teilnehmern. Möglichkeit für die Teilnehmer, eigene Sicht darzulegen. Unterschiedliche Bewertungen wurden durch die Ausbilder mit den Teilnehmern besprochen. Ausbilder und Teilnehmer machen Vorschläge, wie Schwächen behoben werden können. Weitere Vorgangsweisen und Maßnahmen werden besprochen. 5. Auswertungs- und Reflexionsphase Meine Reflexion der Projektergebnisse begann schon während der Begleitung der Teilnehmer als zuständiger Ausbilder der vITa im Projektzeitraum 09/2007 bis 02/2008. Ich habe die Teilnehmer während des Lernprozesses sorgfältig im Hinblick auf die zu vermittelnden berufsübergreifenden Fachkompetenzen beobachtet und mir dazu Notizen gemacht. Außerdem stand ich den Teilnehmern während der gesamten Lernprozesse im Projektzeitraum als Prozessbegleiter zur Seite und konnte gegebenenfalls korrigierend eingreifen. Durch die Beobachtung der Verhaltensweisen der Teilnehmer, war ich jederzeit in der Lage, zu beurteilen, ob sich berufsübergreifende Fachkompetenzen bei den Teilnehmern entwickelt haben. Meine Feststellungen habe ich in einem Beurteilungsbogen vermerkt (vgl. Anlage 3). Im Sinne einer begleitenden Planung wurden, ausgehend von den Ergebnissen der Reflexion, weitere individuelle Fördermaßnahmen geplant. Alle Teilnehmer der Zielgruppe werden im für sie richtigen Ausbildungsberuf ausgebildet, Lernen und Arbeiten mit den aktivierenden Lernmethoden hoch motiviert. Im Projekt galt es, die für den zukünftigen Beruf notwendigen berufsübergreifenden Kompetenzen zu fördern und zu fordern. Sowohl in der Auftragsmethode als auch in der Projektmethode war es mir sehr wichtig, dass die Teilnehmer eigene Ideen und Vorstellungen einbringen konnten. Die Teilnehmer beschafften sich selbst mit allen notwendigen Informationen für das Projekt bzw. den Aufträgen. Die Selbständigkeit, die bei unseren Teilnehmern durch diese beiden Ausbildungsformen (mit hohem Praxisbezug) im besonderen Maße gefördert wurde, ist enorm. Mit unserer vITa beschreitet unser Fachbereich seit fünf Jahren völlig neue Wege der Ausbildung. Einen Teil ihrer betrieblichen Ausbildung und den gesamten schulischen Abschnitt absolvieren die Teilnehmer im Rahmen eines Blended-Learning-Konzepts über unsere Internet- Lernplattform „Smiletiger“ . Dabei wechseln sich Online- Lernphasen mit Offline- Segmenten ab. Die Wochenstruktur ist durch einen gegliederten Wochenplan (vgl. Anhang 5) vorgegeben. Den Teilnehmern wurde im Projektzeitraum ermöglicht, durch den direkten Zugriff auf Selbstlernmodule in zwei Online- Lernplattformen flexibel zu lernen. Neue Lerninhalte wurden von den Teilnehmern teilweise einzeln, teilweise in Gruppen erarbeitet. Je nach, auf die Person bezogener Auftrags- oder Projektlage, stellten unsere Teilnehmer eigenständig einen Lernplan auf, nach welchem sie arbeiteten (vgl. Anhang 6).

Diese

- 28 -


Vorgehensweise unterstützte die Teilnehmer im Erlernen fachlicher Inhalte, in der Erweiterung ihrer berufsbezogenen Fachkompetenz und in Bezug auf ihre Fähigkeiten zur Selbstorganisation des Lernens. Begleitet wurden sie dabei von mir als Telecoach, der die Fäden in der Hand behielt. Als Telechoach bin ich im Projektzeitraum weniger als Wissensvermittler aufgetreten, sondern als Lernprozessbegleiter, Impulsgeber, Moderator und Organisator.

Die Kompetenz der Moderation, der Beratung und des zielgerichteten

Umgangs mit Teilnehmern hat mich geformt. Im Projektzeitraum stark teilnehmerzentriert, gefordert waren Gesprächsführungskompetenz, Emphatie und Informationen über die beiden Berufsbilder als auch über die Lebenswelten meiner Teilnehmer. 6. Zusammenfassung und Ausblick (meine Visionen) Mit der gestaltungsoffenen Ausbildung im Projekt wurde unseren Teilnehmern mehr Entfaltungsmöglichkeiten eingeräumt. Damit waren höhere Anforderungen an selbstverantwortliches Lernen und den Ausbau von fachübergreifenden Kompetenzen verbunden. Berufsübergreifende Fachkompetenzen sind Fähigkeiten, die im Lebens- und Arbeitsbereich gebraucht werden. Deren Erwerb (in unterschiedlichen Zusammenhängen) muss im Fachbereich IT/Medien jederzeit möglich sein. Zur Erreichung von beruflichen und außerberuflichen

Zielen

werden

berufsübergreifende

Fachkompetenzen

als

selbstverständlich vorausgesetzt. Eine zeitnahe Anpassung ist notwendig, damit wollen wir als Verantwortliche im Bereich IT/Medien sicherstellen, dass unsere betriebliche Ausbildung auch morgen noch gut aufgestellt ist. Wenn unsere Teilnehmer im Wettbewerb des Übergangs von Ausbildung in Erwerbsarbeit nicht abgehängt werden wollen, müssen sie über

berufliche

Fachkompetenzen

verfügen.

unterschiedlichen Fachbereiche arbeiten in

Spezialisierte

Bereichsleiter

aus

unserer Ausbildungsleitung an diesem

gemeinsamen Ziel. Stetig arbeiten wir weiterhin auch daran, unsere Beziehungen untereinander nach dem Grundsatz zu optimieren: Bereichsdenken ist kontraproduktiv. Es geht um eine bessere Zusammenarbeit zum Wohle des „Kunden“ (unseres Teilnehmers). Trotzdem kam es gerade in der jüngeren Vergangenheit zu einer Mehrheitsentscheidung zur Einführung

eines

vierteljährlichen

Kompetenztrainings

über

den

gesamten

Ausbildungszeitraum hinweg. Quartalsweise, so die Entscheidung, wird jetzt in den Bereichen gezielt an einer Kompetenz gefördert. Dazu werden entsprechende interne und externe Fachleute geordert und für die Kompetenzförderung (zusammen mit den Ausbildern) am Teilnehmer eingesetzt. Dies ist sicherlich eine Möglichkeit zur Kompetenzförderung, aus meiner Sicht aber nicht optimal. Die Effektivität und Effizienz dieser mehr oder weniger Trainings in der Gruppe sollte zeitnah überprüft werden. Aus meiner Sicht wäre eine differenziertere Vorgehensweise notwendig. Dazu gehört aus meiner Sicht die individuelle

- 29 -


Förderung eines jeden einzelnen Teilnehmers in Bezug auf Feststellung (Bewertungsbogen), Vermittlung (Ausbildungsplanung) und Beurteilung (Bewertungsbogen). Nun noch eine kurze Interpretation und Bewertung meiner Projekt- Ergebnisse. Neue Lernmethoden sind mit Sicherheit geeignet, die Motivation unserer Teilnehmer mit seelischen Erkrankungen und ihre Lernerfolge zu steigern. Schon innerhalb kürzester Zeit waren Kompetenzentwicklungen in der Zielgruppe zu verzeichnen. Mit dem Einsatz aktivierender Lernmethoden ist das professionelle führen, fordern, fördern und begeistern von unserer Teilnehmer nachweislich gelungen und somit sind diese neuen Angebote für die berufliche Qualität und für die betriebliche Praxis ein Zugewinn. Nach kleineren Widerständen einiger Mitarbeiter aus dem Ausbilderteam gelang auch die schrittweise Umorientierung von gestandenen Ausbildern zu Prozessbegleitern immer deutlicher. Am Ende dieser Projektarbeit noch meine Visionen. Aus meiner Sichtweise heraus ist es unbedingt

notwendig,

dass

unsere

spezialisierten

BBW-

Fachbereiche

nicht

nur

interdisziplinär, sondern auch immer mehr „vor Ort“ gemeinsam am Teilnehmer arbeiten. Im Klartext gesprochen, Sozialarbeiter und Psychologen des Reha- Fachdienstes sollten Großteile der Wochenarbeitszeit zusammen mit dem Ausbilder im Prozess der Ausbildung bewältigen. Damit wäre ein zeitnahes Reagieren auf Geschehnisse ermöglicht und weniger Informationsverluste gewährleistet. Visionär wäre es auch die Freiheit, den zuständigen Psychotherapeuten des Teilnehmers am Heimatort direkt anrufen zu können, dadurch wäre mehr Handlungsspielraum möglich, wesentliche Beobachtungen und Verhaltensänderungen um den Teilnehmer könnten dann direkt am Telefon zu besprochen werden. Ein expandierender Bereich benötigt immer mehr Räume, die sich verändernden Krankheitsbilder unserer Teilnehmer bedeuten aber auch, die daraus resultierenden optimalen Rausituationen abzuleiten und zu organisieren. Für die Zielgruppe (T. m. s. E.) wäre auch ein TimeoutRaum (z.B. zur Beruhigung von Teilnehmern) wünschenswert. Meine letzte Version wäre eine personengebundene Begleitung durch eine Autismustherapeutin unserer Teilnehmer dieser Zielgruppe am Arbeitsplatz.

- 30 -


Literaturverzeichnis Carell, Angela: Selbststeuerung und Partizipation beim computergestützten kollaborativen Lernen. Münster/ New York/ München/ Berlin 2005 Pfeffer-Hoffmann, Christian: E- Learning für Benachteiligte – Eine ökonomische und mediendidaktische Analyse. Berlin 2007. Links http://www.unet.univie.ac.at/~a9500528/projects/personal/problem/problem.html Zugriff: 08.02.2008 http://www.hoffmanncoaching.ch/pdffiles/leonardo.pdf Zugriff: 08.02.2008 http://www.uni-heidelberg.de/stud/fsk/referate/hopoko/schluess.htm Zugriff: 08.02.2008 http://www.ipn.uni-kiel.de/aktuell/buecher/ipn156.htm Zugriff: 08.02.2008 http://www.hh.schule.de/blindenschule/studsem/055.htm Zugriff: 08.02.2008 http://www.eng.monash.edu.au/uicee/gjee/vol4no2/peschges&reindel.pdf Zugriff: 08.02.2008 http://www.welleg.de/unterricht/diskurs/ Zugriff: 09.02.2008 http://downloads.brainguide.com/publications/PDF/pub62122.pdf Zugriff: 09.02.2008 http://studienseminare-bbs.bildungrp.de/fileadmin/Seminare/Trier/Braemer/Methodik/Methoden_Unterricht.pdf Zugriff: 10.02.2008 http://www.ibba.tu-berlin.de/wir/hahne/Lernarrangements.pdf Zugriff: 10.02.2008 http://www.berufskolleg-troisdorf.de/Berufskolleg/FS/fspgliederungspapiere/berufspraktikum/Info-7-Kompetenzen.pdf Zugriff: 10.02.2008 http://homepage.hispeed.ch/balsi/schule/materialien/kompetenzraster.pdf Zugriff: 10.02.2008 http://www.bkk.de/bkk/common/download/infomaterial/psychisch_krank_im_job.pdf Zugriff: 11.02.2008 http://infomed.mdsev.de/sindbad.nsf/de083cd4fce51312c12571e700442bef/385b948101706904c125710f0059 96e0/$FILE/RVBund-LL_Rehabed_Leistgg_Teilhabe_051025.pdf


http://www.stmas.bayern.de/behinderte/psychisch/psygrubay.pdf Zugriff: 11.02.2008 http://equal-indigo.de/wpcontent/uploads/File/seelische%20Gesundheit%20am%20Arbeitsplatz.pdf Zugriff: 11.02.2008 http://www.kompetenznetz-schizophrenie.de/rdkns/index.htm Zugriff: 12.02.2008 http://www.charite.de/rv/kpsych/reform/7.Schizophrenie.pdf Zugriff: 12.02.2008 http://www.bayervital.de/pages/therapiegebiete/schizophrenie/pdf/schizophrenie_broschuere. pdf Zugriff: 12.02.2008 http://de.wikipedia.org/wiki/Schizophrenie Zugriff: 11.02.2008 http://de.wikipedia.org/wiki/ADHS Zugriff: 11.02.2008 http://de.wikipedia.org/wiki/Autismus Zugriff: 11.02.2008

-1-


Abk端rzungsverzeichnis


Anhang 1: Bildarchiv

Abbildung 1: Standorte der 52 Berufsbildungswerke in Deutschland43

43

http://www.talentmarketing.de/wahlpflichtfach/reha_web/4_bbw.htm, Zugriff: 15.02.2008


Abbildung 2: Behinderungen unserer Auszubildenden 1997


Abbildung 3: Behinderungen unserer Auszubildenden 2007

Abbildung 4: Greifswalder 3-Phasen-Modell

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Abbildung 5: Ausbildungsformen der IT- Ausbildung

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Anhang 2: Methodenarchiv Auftragsmethode

Kopiervorlage Zwischenmenschlich unterstützende Umgangsweisen am Ausbildungsplatz Keine Kommunikationsmängel und Probleme im Umfeld. Klarheit und Transparenz bei Arbeitsabläufen und Arbeitsaufträgen Rechtzeitige Mitteilung von Veränderungen Unklarheit vermeiden Unklare Kommunikation jeglicher Art vermeiden. Unklare, sich widersprechende Anweisungen vermeiden. Deutliche und klare Ausbildungsumgebung. Optimaler Kontakt mit anderen Teilnehmern gestaltet Gutes Klima in der Ausbildung. Möglichkeit geben, frühzeitig Probleme anzusprechen. Keine Schonhaltung einnehmen Konsequentes Verhalten, aber freundlich und wohlwollend Keine Starrheit und Prinzipienreiterei Kein Hilfstherapeut sein

Frank Woytaszak  

Förderung von berufsübergreifenden Fachkompetenzen (Schlüsselqualifikationen) bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit seelischen Erkrank...

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