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Ausgabe 02 | November 2013

VISION das magazin von world Vision Schweiz

Lalitpur in Nepal

Kinderpatenschaft

Seite 6

Seite 12

Eine Region schafft den Weg aus der Armut

Fenster in die Projekt足arbeit

Not- und Katastrophen足hilfe

Dringende Hilfe f端r Syriens Kinder Seite 20


Als Partner des weltweiten World Vision Netzwerkes engagieren wir uns in mehr als 100 Projekten in über 30 Ländern.

6,1 % 13,1 %

80,8 % Spendenverwendung Durchschnittlich wurden in den letzten 5 Jahren 80,8 % der Spenden für die Projekt­arbeit, 13,1 % für die Mittelbeschaffung und 6,1 % für Verwaltung und Administration verwendet (Basis Jahresbericht 2012). World Vision Schweiz hat sich zu Transparenz verpflichtet und steht für einen effizienten Einsatz der anvertrauten Spenden ein.

2  | Vision

Nachhaltige Unterstützung World Vision Schweiz ist ein Kinderhilfswerk, das auf christlichen Werten wie Gerechtigkeit, Verantwortung und Wertschätzung beruht. Seit mehr als 30 Jahren leistet unsere NonprofitOrganisation mit Sitz in Dübendorf Entwicklungszusammenarbeit sowie Not- und Katastrophenhilfe und wirkt als Botschafterin von Kinderrechten. Im Mittelpunkt unserer Tätigkeit steht die nachhaltige Unterstützung von benachteiligten Kindern, Familien und ihrem Umfeld – unabhängig von ethnischer Herkunft, Religion oder Geschlecht. Als Partner des weltweiten World Vision Netzwerkes engagieren wir uns in mehr als 100 Projekten in über 30 Ländern. Internationale Zusammenarbeit World Vision hat Konsultativstatus bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und arbeitet bei Nothilfeprogrammen mit dem UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) sowie dem Welternährungsprogramm (WFP) der UNO zusammen.


Liebe Leserinnen und Leser, Aufgewachsen in einem hoch entwickelten Umfeld realisieren wir oft nicht, dass es einem Grossteil der Weltbevölkerung nicht annähernd so gut geht wie uns. Leidtragende sind in den meisten Fällen die Kleinsten. Deshalb wünschen wir uns eine Welt für Kinder. Wir wünschen uns eine Welt, in der sie voller Hoffnung aufwachsen können. Wir wünschen uns, dass sich Kinder, Familien und ganze Gemeinschaften in gesunden Lebensräumen entwickeln können. Die Unterstützung durch unsere Spenderinnen und Spender bringt uns unserer Vision einen grossen Schritt näher. Wir haben deshalb die Möglichkeiten der Unterstützung, die wir im Rahmen unserer Vision anbieten können, für Sie angepasst. Alles Wissenswerte zu den neuen Spendenmöglichkeiten finden Sie in dieser Ausgabe. World Vision Schweiz setzt sich dafür ein, dass jedes Kind Zugang zu einer Grundausbildung erhält. Gerade Bildung ist für eine nachhaltige Entwicklung unerlässlich. Für junge Mädchen in Entwicklungsländern ist dies jedoch ein äusserst seltenes Privileg, obwohl Studien zeigen, dass gebildete junge Frauen ein unverzichtbares Potenzial für jede Volkswirt-

schaft sind. Der Film «Girl Rising» des Oscar-nominierten Regisseurs Richard E. Robbins erzählt am Beispiel der wahren Geschichten von neun Mädchen, wie Bildung Leben verändert. Zwei dieser neun Mädchen sind Patenkinder in einem World Vision Entwicklungsprojekt. Aus Anlass des Welt-Mädchentages zeigte World Vision Schweiz die bewegende Dokumentation erstmals in der Schweiz. «Wen dieser Film nicht bewegt, der atmet nicht», meinte Alicia Keys. Mehr dazu lesen Sie auf Seite 10. Im Namen aller Mitarbeitenden von World Vision Schweiz danke ich allen Spenderinnen und Spendern für ihr Engagement.

Reto Gerber Geschäftsführer World Vision Schweiz

4 | Unsere Vision Mit Ihrem Beitrag wird unsere Vision Realität

12 | Neue Möglichkeiten, Kinder zu unterstützen. Ein Überblick

6 | Lalitpur Eine Region schafft den Weg aus der Armut

14 | Kinderpatenschaft Fenster in die Projektarbeit

8 | Pilotprojekt Dank neuen Toiletten spart Bulawayo 2 Millionen Liter Wasser 10 | Bildung verändert die Welt «Girl Rising» verändert Ihr Leben

15 | Dorfpatenschaft Ein Vorbild für andere 16 | Themenpatenschaft 18  |  Kinderrechte + Kinderschutz 18  |  Wasser + Hygiene 19  |  Gesundheit + Ernährung 19  |  Bildung + Einkommen

20 | Not- und Katastrophenhilfe Dringende Hilfe für Syriens Kinder 22 | Gönner Botschafter für Kinder 23 | Inside World Vision Chelsea Clinton in Ruanda 23 | Impressum

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Unsere  Vision. Eine Welt für Kinder. Eine Welt voller Hoffnung. Eine Welt mit Zukunft. Eine fürsorgliche Welt mit Raum für Entwicklung. Mit geschützten Spiel- und gesunden Lebensräumen. Für jedes Kind. Für seine Familie. Für die ganze Gemeinschaft. Unsere Welt ist eine Welt mit Perspektiven, in der Träume wahr werden und Menschen in Würde leben können.

Romana Hauser-Bonelli

4  | Vision


Mit Ihrem Beitrag w   ird unsere V   ision Realität.

Alle 5 Sekunden stirbt ein Kind vor seinem 5. Geburtstag.* Diesem Elend wollen wir nicht einfach zusehen. World Vision Schweiz hat eine Vision: Gemeinsam mit Paten und Spendern schaffen wir eine Welt für Kinder. Eine fürsorgliche Welt mit Raum für Entwicklung, mit geschützten Spiel- und gesunden Lebensräumen. Dafür setzen sich die Mitarbeitenden unseres Kinderhilfswerks über alle ethnischen, religiösen oder geschlechterspezifischen Grenzen hinweg ein. Tag für Tag und Schritt für Schritt.

Nachhaltige Unterstützung für benachteiligte Kinder

2,8 Mio. Kinder

Leben unter besseren BEDINGUNGEN.

1,6 Mio.

KINDER als Botschafterin für Kinderschutz vertreten und mit KATASTROPHENHILFE UNTERSTÜTZT.

Eine Vision braucht klare Ziele. Damit Veränderungen effizient und nachhaltig iniziiert und umgesetzt werden können, verfolgt World Vision Schweiz klare Zielsetzungen. Unser globales Ziel ist es, gemeinsam mit den Partnern, Spendern und Paten des weltweiten World Vision Netzwerkes, den Lebensraum und das Wohlergehen von 150 Millionen Kindern bis zum Jahr 2016 positiv zu verändern. Zudem fokussiert World Vision Schweiz in der Entwicklungszusammenarbeit auf vier klar definierte Ziele:

Eine Vision ohne Handlung bleibt ein schöner Traum. Deshalb greift World Vision Schweiz weltweit ein. Überall da, wo Unterstützung am dringendsten gebraucht wird. Durch langfristige Entwicklungsprojekte, unbürokratische Soforthilfe oder den Einsatz für Kinderrechte sorgen wir dafür, dass eine Welt für Kinder keine Vision bleibt. Im Mittelpunkt unserer Tätigkeit steht die nachhaltige Unterstützung von benachteiligten Kindern, ihren Familien und ihrer Gemeinschaft. So konnten wir 2012 mehr als 2,8 Millionen Kindern ein Fenster zu einer Welt mit Perspektiven öffnen. Und mit Ihrer Unterstützung werden es täglich mehr! * Quelle: Unicef, www.childinfo.org 2012

Gezielter Einsatz für grundlegende Veränderungen

§

Kinderrechte + Kinderschutz Jedes Kind soll respektiert und vor Missbrauch geschützt werden. Wasser + Hygiene Jedes Kind hat Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Anlagen. Gesundheit + Ernährung Jedes Kind erhält eine medizinische Grundversorgung und ist ausreichend sowie ausgewogen ernährt. Bildung + Einkommen Jedes Kind hat Zugang zu einer Grundausbildung. Seine Eltern können die Familie dank einem ausreichenden Einkommen versorgen.

60000 Paten und Spender vertrauen World Vision Schweiz.

119 Projekte

37

in Ländern.

1,2 Mio.

KINDER PROFITIEREN VON REGIONALER

ENTWICKLUNGSZUSAMMENARBEIT.

Quelle: World Vision Schweiz 2012

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Lalitpur – eine Region schafft den  Weg  aus der  Armut. Monika Hartmann

Entwicklungsprojekt Lalitpur Acht Gemeinden in Nepal haben gemeinsam mit World Vision 13 Jahre lang das Entwick­ lungsprojekt Lalitpur durchgeführt. Jetzt sind die Veränderungen sichtbar: Kinder entwickeln sich gesund und Familien haben genügend Einkommen.

1 CHINA

Him

alay a

NEPAL Pokhara LALITPUR

Kathmandu Birganj Dharan Biratnagar

INDIEN BANGLADESCH

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1 | Patenjunge Damodar geht in die Sekundarschule. Er ist Präsident des Jugendnetzwerkes im Bezirk und setzt sich für die Umsetzung von Kinderrechten in der Gesellschaft ein. 2 | In Selbsthilfegruppen besprechen Frauen Themen wie richtiges Stillen und ausgewogene Ernährung.

TÜREN ZU EINEM BESSEREN LEBEN Viele Menschen sind in der Hoffnung auf ein besseres Leben aus anderen Landesteilen in den Bezirk Lalitpur südlich von Kathmandu gezogen. Aber ihre Hoffnungen haben sich nicht erfüllt und sie sind in die Armut abgerutscht. World Vision hat im Jahr 2000 ein Entwicklungsprojekt in Lalitpur begonnen. Rund 51 000 Menschen leben im Einzugsbereich des Projektes. Gemeinsam planen und ausführen Lokale Organisationen und World Vision führten gemeinsam Abklärungen durch und erstellten Pläne für die Projektarbeit. Alle vier bis fünf Jahre wertete World Vision die Veränderungen und Ergebnisse aus und plante gemeinsam mit den lokalen Partnern das Vorgehen für die nächste Projektphase. Die Resultate lassen sich sehen Natürlich hat es im Verlauf der Jahre Hindernisse und Rückschläge gegeben, auch in der Zusammenarbeit mit lokalen Partnern. Aber die Fortschritte überwiegen. In den Dörfern im Einzugs­bereich des Projektes Lalitpur hat sich die Lebenssituation verbessert. Die Rate der mangelernährten Kinder sank infolge intensiver Ernährungsschulungen der Mütter von 42 auf 4 %. Dank einer Gesundheitsstation hat die Bevölkerung Zugang zu medizinischer Versorgung. Annähernd alle Kinder im schulpflichtigen Alter besuchen die

2 Schule. Berufsbildungskurse erhöhen die Chancen auf ein geregeltes Einkommen. Diverse Gruppierungen und Organisationen haben gelernt, für die Entwicklung ihrer Dörfer Verantwortung zu übernehmen. Im September 2013 hat World Vision die Verantwortung für die Projektaktivitäten nach intensiver Schulung der Bevölkerung und den lokalen Organisationen übergeben. Das Projekt ist durch die langjährige Unterstützung von Schweizer Paten und Spendern ermöglicht worden. 13 Jahre Projekt Lalitpur.

51 000 Menschen profitierten von Projektaktivitäten. 2062 Kinder aus benachteiligten Familien wurden im Patenschafts­programm besonders betreut.

Unsere Arbeit zeigt nachhaltige Wirkung Kinderrechte + Kinderschutz 25 Kinderclubs setzen sich gegen häusliche Gewalt, Kinderheirat und Kinderarbeit ein. Wasser + Hygiene Die Zahl der Haushalte mit Zugang zu sauberem Trinkwasser verdoppelte sich (von 38 auf 85 %). Fast alle Haushalte haben jetzt eine Toilette. Gesundheit + Ernährung Die Rate der mangelernährten Kinder sank von 42 auf 4 %. Bildung + Einkommen 219 Lehrer in kindgerechter Unterrichtsmethode ausgebildet. 18 Schulhäuser renoviert, 22 Schulhäuser mit Schulmaterial und Möbeln ausgestattet. Die Rate der Haushalte unter der Armutsgrenze sank von 40 auf 6,5 %.

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Unternehmen engagieren sich

DANK NEUEN  TOILETTEN SPART BULAWAYO 2 MILLIONEN LITER  WASSER. Mathias Gehrig

FRISCHES WASSER IN BULAWAYO, SIMBABWE Im Südwesten von Simbabwe liegt die Stadt Bulawayo. Von den rund 1,5 Millionen Einwohnern leben Hunderttausende in Armut. Mit Unterstützung des Britischen Departements für internationale Entwicklung (DFID) erneuern wir das marode Wasserversorgungsnetz. Das Grossprojekt in Bulawayo hat ein Volumen von knapp 6 Millionen Franken und dauert bis ins Frühjahr 2014. Von der britisch-schweizerischen Unterstützung profitieren 144 000 Menschen. MOSAMBIK SAMBIA

Kariba

Victoria Falls

Harare SIMBABWE Gweru Bulawayo

BOTSWANA

SÜDAFRIKA

8  | Vision


1 | Vorher: Die alten Toiletten an der Mzilikazi Primarschule waren unhygienisch und schlecht ausgerüstet. 2 | Nachher: Die neuen Toiletten der Firma Urimat, 20 davon wurden insgesamt an den Schulen Mzilikazi und Sobukhazi installiert. Ein wasserloses Urinal spart im Jahr rund 100 000 Liter Wasser.

Die einstige Knabentoilette an der Mzilikazi Primarschule in Bulawayo war ein Sinnbild für die gesamte Wasserversorgung der Millionenstadt im Südosten Afrikas. Sie war veraltet und unhygienisch. Dank Unterstützung aus der Schweiz ist die Toilette heute nicht nur funktional, sie spart der Schule auch noch wertvolles Wasser. Möglich gemacht hat das die Schweizer Firma Urimat in Zusammenarbeit mit den Fachleuten von World Vision vor Ort.

Pilotprojekt von World Vision und Urimat Wasser für 55 000 Kinder Das Pilotprojekt von World Vision Schweiz und Urimat wurde im Rahmen des Bulawayo Wasserprojekts umgesetzt. Die Integration des UrimatProjekts in das bestehende Wasserprojekt in Bulawayo war auch deswegen sinnvoll, weil beide Vorhaben nahezu identische Zielsetzungen gesteckt hatten. Das städtische Grossprojekt hat zum Ziel, die veraltete Wasserversorgung und das marode Abwassersystem wie­der instand zu setzen. Dank 70 neuen Trinkwassertanks an lokalen Schulen erhalten 55 000 Kinder dauerhaften Zugang zu frischem Wasser, ein Zustand, der vor Projektbeginn noch undenkbar gewesen wäre.

1 Noch vor wenigen Monaten musste der Schulunterricht bei Wasserknappheit wegen mangelnder Hygiene regel­mässig ausfallen. Die verbesserte Wasser­versorgung ist aber nur ein Teil der Fortschritte an Bulawayos Schulen. Die Knaben der Primarschule Mzilikazi und der Sekundarschule Sobukhazi haben insgesamt 20 von Urimat gespendete Toiletten in Form von wasserlosen Urinalen erhalten. «Pro Jahr und Urinal können rund 100 000 Liter Frischwasser gespart werden», erklärt der Geschäftsführer von Urimat, Marcel Näpflin.

2 Erfolgreiche Hygieneschulung Bei rund 1450 Jungen an den beiden Schulen werden die neuen Toiletten seit dem Einbau im Februar 2013 rege genutzt. Die Hygiene in den Ausbildungsstätten hat sich seither markant verbessert, ein Erfolg, der auch dank von World Vision durchgeführten Hygieneschulungen für Lehrpersonen und Schüler zustande kommt. Demnächst werden noch kleine Sichtfenster mit Botschaften an den Urinalen mon­tiert. Diese sollen die Buben künftig auf wichtige Hygienehinweise aufmerksam machen.

Mehr Wasser dank wasserlosen Urinalen Für alle Beteiligten eine willkommene und wertvolle Ersparnis in einer Stadt, in der die mangelhafte Wasserversorgung im Jahr 2008 mitunter ein Grund für eine schwere Choleraepidemie war. World Vision Schweiz engagiert sich seit 2009 in Simbabwe. «Wasser ist in Simbabwe ein kostbares Gut. Dank Urimat und dem innovativen Reinigungskonzept haben die Menschen in Bulawayo nun zwei Millionen Liter mehr Trinkwasser zur Verfügung», freut sich Martin Suhr, Leiter internationale Programme bei World Vision Schweiz.

URIMAT gehört zu den führenden Produzenten von umweltschonenden Produkten im Sanitärbereich. Die wasserlosen Urinale des Schweizer Herstellers URIMAT haben sich weltweit durchgesetzt und helfen aktiv mit, Millionen von Litern an sauberem Trinkwasser zu sparen.

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Azmera und Ruksana sind zwei von neun Mädchen, deren Geschichte in «Girl Rising» erzählt wird. Sie sind Patenkinder in World Vision Entwicklungsprojekten.

Bildung  verändert die  Welt – Girl Rising  verändert Ihr Leben. Weltweit können rund 66 Millionen Mädchen nicht zur Schule gehen. Sie werden weggegeben und im Kindes­ alter verheiratet. Sie werden gefangen gehalten und als Arbeitssklavinnen missbraucht. Oder ihre Eltern sind zu arm, um ihnen einen Schulbesuch zu ermöglichen. Es gibt viele Gründe, weshalb Jungen keine Grundschulbildung erhalten. Und es gibt noch mehr Gründe, weshalb Mädchen nicht zur Schule gehen können. Der Dokumentarfilm «Girl Rising» erzählt die authentischen Geschichten von neun dieser Mädchen. Stärke des menschlichen Geistes Der bewegende Dokumentarfilm  des Oscar-nominierten Regisseurs Richard E. Robbins  berichtet in bilderstarken Erzählungen von neun mutigen Mädchen, die trotz äusserst widriger Lebensbedingungen ihre Träume leben und kraf­t-­ voll ihre Stimme erheben. Sie alle kämpfen für ihr Recht auf Schulbildung. Der Film zeigt auf eindrückliche Weise die Stärke des menschlichen Geistes und die Kraft, mit Bildung die Welt zu verändern.

10  | Vision

«Girl Rising» – Ein Weckruf «Girl Rising» ist ein weltweiter Weckruf, sich zu erheben und dafür einzusetzen, dass jedes Kind Zugang zu Bildung, zu einer hoffnungsvollen Zukunft erhält. Dieser Aufruf wird von zahlreichen bekannten Persönlichkeiten wie zum Beispiel Meryl Streep, Salma Hayek, Alicia Keys oder Liam Neeson unterstützt. Sie sind die Erzähler und Erzählerinnen der neun wahren Geschichten, die aufrütteln und zugleich Mut machen. Meryl Streep meinte nach Fertigstellung des Films: «Dieser Film bietet Hoffnung. Angemessene, sichtbare, konkrete Hoffnung, dass die Welt geheilt und in eine bessere Zukunft geführt werden kann.» Filmpremiere in der Schweiz Zwei der im Film porträtierten Mädchen sind Patenkinder aus World Vision Entwicklungsprojekten. Dies ermöglichte World Vision Schweiz, «Girl Rising» am 10. Oktober 2013 in Zürich uraufzuführen und damit eindrücklich auf das Recht auf Bildung aufmerksam zu machen. Die Schweizer Filmpremiere fand am Vorabend des Welt-Mädchentages statt, einem von der UNO initiierten Aktionstag, der auf die weltweit vorhandene Benachteiligung von Mädchen hinweist. Weitere Vorführungen sind in der Schweiz geplant. Für Auskünfte kontaktieren Sie: events@worldvision.ch


Rund 66 Millionen M채dchen erhalten keine Schulbildung. 66 Millionen M채dchen, welche die Welt als gebildete Frauen braucht, um Armut und Ungerechtigkeit entgegenzutreten.

Den Trailer zum Film finden Sie auf youtube.com/worldvisionschweiz


Neue Möglichkeiten, Kinder zu Unterstützen. Damit die Lebensbedingungen von notleidenden Kindern nachhaltig verbessert werden können, ist es sinnvoll, das gesamte Umfeld der Kinder zu verändern. Deshalb setzt sich World Vision Schweiz für die Entwicklung ganzer Regionen ein. Diese langfristige Entwicklungszusammenarbeit über 15 Jahre hinweg bildet den Kern unserer Tätigkeit. Bisher wurden die Entwicklungsprojekte grösstenteils über Kinderpatenschaften finanziert. Seit Herbst 2013 bietet World Vision Schweiz weitere Möglichkeiten zur Unterstützung an.

DorfPatenschaft World Vision Schweiz hat sich dazu entschlossen, die Unter­stützungsmöglichkeiten zu erweitern und personenunabhängige Formen der Patenschaft anzubieten. So ist es nun zum Beispiel möglich, im Rahmen einer Dorfpatenschaft not­wendige Massnahmen für die notleidende Dorfbevölkerung einer Region zu unterstützen und somit geschützte Entwicklungsräume für Kinder zu schaffen. Mit ihrer Spende unterstützen Dorfpatinnen und Dorfpaten notwendige Massnahmen in den Bereichen Wasser, Gesundheit, Ernährung und Bildung in der von ihnen gewählten Region.

Kinderpatenschaft Die regionalen Entwicklungsprojekte werden – seit Gründung von World Vision Schweiz im Jahr 1982 – in hohem Masse durch private Spenden aus Patenschaften unterstützt. Bisher geschah dies vor allem in Form von Kinderpatenschaften. Durch die persönliche Beziehung erhält Entwicklungszusammenarbeit ein Gesicht. Die gespendeten Mittel setzt World Vision Schweiz für Projektaktivitäten in den Bereichen Wasser, Gesundheit, Ernährung und Bildung ein.

Mit einer Dorfpatenschaft Perspektiven geschaffen.

Mit einer Kinderpatenschaft Leben verändert.

320 Kleinbauern im Projekt Quan Son (Vietnam) in landwirtschaftlichen Methoden geschult, um ihre Ernte zu erhöhen. 261 Kinder und Jugendliche im Projekt Querococha (Peru) zum Thema Kinderschutz geschult. 54 Dorfgesundheitshelfer im Projekt Mzundu (Tansania) in Hygiene unterrichtet.

19 530 Kinder im Projekt Muecate (Mosambik) gegen Kinderlähmung geimpft. 1553 Schülerinnen und Schüler im Projekt Diago (Mali) über HIV/Aids aufgeklärt. 78 Jugendliche im Projekt Xolotlan (Nicaragua) in Berufskursen ausgebildet.

Kinderpatenschaft

12  | Vision

Dorfpatenschaft

Not- und katastrophenhilfe

Gönner


ThemenPatenschaft Vier Themenbereiche prägen die Entwicklungszusammenarbeit von World Vision Schweiz. Wahlweise können sich Patinnen und Paten für notwendige Massnahmen in den Bereichen Kinderrechte + Kinderschutz, Wasser + Hygiene, Gesundheit + Ernährung oder Bildung + Einkommen engagieren. Mit einer Themenpatenschaft Zukunft gesichert.

Not- und Katastrophenhilfe Nach wie vor steht unsere Non-Profit-Organisation der betroffenen Bevölkerung in Not- und Katastrophenfällen zur Seite und ist für jede Spende dankbar. Mit einer Spende Leben gerettet.

1,3 Mio. Menschen in 32 Ländern monatlich mit Lebensmitteln unterstützt.

1,7 Mio. Moskitonetze zur Malaria-Vermeidung in Mosambik verteilt (Gesundheit + Ernährung).

40 000 Notunterkünfte für haitianische Familien gebaut.

1 Mio. Menschen in Afrika Zugang zu sauberem Trinkwasser ermöglicht (Wasser + Hygiene).

Gönner Neu steht Spenderinnen und Spendern auch die Möglichkeit offen, die Arbeit von World Vision Schweiz als Gönnermitglied zu unterstützen. Die Beiträge werden dort eingesetzt, wo sie am dringendsten benötigt werden.

385 sexuell ausgebeutete Kinder in Kambodscha psychosozial betreut (Kinderrechte + Kinderschutz).

Mit einem Beitrag Kinder geschützt.

50 Kindern in Bosnien-Herzegowina die Teilnahme am Sommerlager für Friedensförderung ermöglicht.

Wir informieren Sie gerne über die neuen Möglichkeiten, eine Welt für Kinder zu schaffen. Kontaktieren Sie uns per Telefon 044 510 15 15 oder über info@worldvision.ch

117 gefährdete Jugendliche in Constanta (Rumänien) für die Gefahr des Menschenhandels sensibilisiert. 51 600 Kilo Getreide an die Dorfbewohner im Projekt Malem Hoddar (Senegal) verteilt. Quelle: Die Zahlenbeispiele beziehen sich auf das Finanzjahr 2012 von World Vision.

Themenpatenschaft

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KINDERPATENSCHAFT – FENSTER IN DIE PROJEKTARBEIT. Monika Hartmann

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3

1 1 | Jeannine Maillard und ihr Partner Claudio Gregori besuchen ihr Patenkind Shreenjana (Mitte) in Lalitpur (Nepal). Sie freuen sich über die Fortschritte von Shreenjana und der Dorfbevölkerung. 2 | Binda freut sich über den Brief von ihrer Patin. 3 | Puli aus Indien besucht dank World Vision die Schule.

Durch die persönliche Beziehung einer Kinderpatenschaft erhält Entwicklungszusammenarbeit ein Gesicht. Dank Briefkontakten, Fotos, periodischen Berichten und Besuchen vor Ort erhält die Patin oder der Pate einen direkten Einblick in die Projektentwicklung. Mit ihrer langfristigen Spendentätigkeit tragen Patinnen und Paten zu einer dauerhaften Verbesserung der Lebensbedingungen des Kindes, seiner Familie und des gesamten Umfelds bei. Die gespendeten Mittel setzt World Vision Schweiz zugunsten des Kindes und der ganzen Region in den Bereichen Wasser, Gesundheit, Ernährung und Bildung ein.

Schulbildung ist wichtig «Ich habe die siebte Klasse mit Auszeichnung abgeschlossen», sagt Puli stolz. Vor ein paar Jahren sah es noch so aus, als ob das Mädchen gar nicht in die Schule gehen würde. Ihre Eltern waren sehr arm und konnten nicht für das nötige Schulgeld aufkommen. Im Jahr 2007 wurde Puli in das Patenschaftsprogramm Duars in Indien aufgenommen. World Vision gab der Familie eine Kuh. Mit dem Verkauf von Milch und Kälbern gelang es den Eltern, ihren Kindern das Schulgeld zu bezahlen, Kleider zu kaufen und sie gut zu ernähren. Für den weiten Schulweg stellte World Vision dem Mädchen ein Velo zur Verfügung. Im Jahr 2012 starb der Vater. Das war für die Familie ein schwerer Schlag. Aber da die Mutter in Kursen von World Vision gelernt hat, selber für ihren Lebensunterhalt zu sorgen, ist die Familie wenigstens finanziell abgesichert. Puli blickt zuversichtlich in die Zukunft und sagt: «Ich bin World Vision dankbar, dass sie meinen Eltern geholfen haben, mir eine gute Kindheit zu ermöglichen.»

14  | Vision


Dorfpatenschaft – Ein V   orbild für  andere. Monika Hartmann

Mit ihrer regelmässigen Spende unterstützen Dorfpatinnen und -paten notwendige Massnahmen in den Bereichen Wasser, Gesundheit, Ernährung und Bildung in der von ihnen gewähl­ten Region. Damit schaffen sie Entwicklungsräume, in denen Kinder gesund und umsorgt aufwachsen können.

Neue Lebensqualität Ein Dorf überwindet die dringendsten Probleme Die Gemeinde Humacchuco liegt male­risch zu Füssen der schneebedeckten Berge Huascaran und Huandoy in Peru. Touristen ziehen auf dem Weg zu den Bergseen durch. Doch so schön die Aussicht von hier aus ist, so traurig sah es bis vor ein paar Jahren im Dorf selber aus. Die Häuser waren in einem schlechten Zustand. Die Familien kochten auf offenem Feuer, so dass die Räume verrusst waren. Die Kinder waren mangelernährt und häufig krank. Im Jahr 2009 kam World Vision im Rahmen des Patenschaftsprojektes Mancos nach Humacchuco. Die Dorfbevölkerung lernte, mit Hygienemassnahmen wie Händewaschen Krank­ heiten zu vermeiden und ausgewogene Mahlzeiten zuzubereiten. Um den Bauern zu helfen, ihr Einkommen zu erhöhen, schulte World Vision sie in effektiveren Anbaumethoden. So gelang es ihnen, ihre Ernte zu erhöhen und den Touristen bei den Bergseen Esswaren zu verkaufen.

Neue Kochherde sorgen für frische Luft Mit dem höheren Einkommen sind die Familien in der Lage, ihre Häuser zu verbessern. Sie erstellen Kochherde mit Rauchabzug und Spültröge mit Wasseranschluss. Die Räume verrussen nicht mehr, und die Bewohner leiden weniger unter Atemwegserkrankungen. Viele Familien bauen ihre Häuser um, damit nicht mehr alle Familienmitglieder in einem Raum schlafen müssen. Die Schulkinder bekommen eine Ecke für ihre Schulsachen und Hausauf­gaben: ein kleines Regal mit einem kleinen Tisch ganz für sie alleine. Durchaus ansteckend – ein Dorf wird zum Vorbild Die lokalen Behörden, das Gesundheitspersonal, freiwillige Gemeindehelfer, Familien und Schulen organisieren ihre Zusammenarbeit, um das Dorf weiter­zuentwickeln. Verantwortliche aus anderen Gemeinden kommen nach Humacchuco, um von den Erfahrungen zu lernen. Ein Besucher meinte: «Ich fühle mich richtig wohl hier, hier wäre ich gerne zu Hause.»

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KOLUMBIEN ECUADOR

Chiclayo BRASILIEN

Trujillo MANCOS PERU Lima An

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Arequipa

BOLIVIEN

4 | Dank dem neuen Rauchabzug ist die Küche nicht mehr verrusst und die ganze Familie ist weniger oft krank. 5 | Eliseo zeichnet und bastelt in seiner neuen Hausaufgabenecke. 6 | Entwicklungsprojekt Mancos.

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Themenpatenschaft – weltweit Projekte unter­stützen. Romana Hauser-Bonelli

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Vier Themenbereiche prägen die Entwicklungszusammenarbeit von World Vision Schweiz. In diesen Bereichen ist unsere Organisation mit regionalen und internationalen Projekten aktiv, um die Lebensbedingungen von benachteiligten und Not leidenden Kindern, ihren Familien und ihrem Umfeld positiv zu verändern. Seit Herbst dieses Jahres ist es nun möglich, mit einer Themenpatenschaft weltweit Projekte in einem der vier Bereiche zu unterstützen. Vier Themenbereiche stehen zur Wahl Spenderinnen und Spender können sich zum Beispiel für eine Patenschaft im Bereich Kinderrechte + Kinderschutz entscheiden. Dadurch unterstützen sie mit ihrer monatlichen Spende Projekte für Strassen- und Flüchtlingskinder ebenso wie bewusstseinsbildende Massnahmen zur Vermeidung von Mädchenbeschneidungen. Möchte sich der Spender jedoch für grundlegende Massnahmen wie Nahrungssicherung, Prävention von Krankheiten und Kleinkinderernährung einsetzen, kann er dies mit einer Patenschaft im Bereich Gesundheit + Ernährung tun.

Mehrere Projekte gleichzeitig unterstützen Themenpatinnen und -paten engagieren sich für mehrere Projekte gleichzeitig – abhängig vom gewählten Bereich. Im Mittelpunkt der regionalen und internationalen Projekte steht aber stets die wirksame und langfristige Unterstützung von benachteiligten Kindern in ihrem Umfeld. Diese werden von einheimischen Fachleuten begleitet und aktiv in das Projekt eingebunden, damit Vertrauen entstehen und ein nachhaltiger Bewusstseinswandel erreicht werden kann. Ein klar definiertes Spendenthema World Vision Schweiz verfügt über 30 Jahre Erfahrung in der durch private Spenden – insbesondere Kinderpatenschaften – finanzierten Entwicklungszusammenarbeit. Rund 60 000 Privatpersonen und Unternehmen vertrauen uns und unterstützen unsere Projekte. Mit den neuen Patenschaftsmöglichkeiten sind wir dem Anliegen vieler Spenderinnen und Spender entgegengekommen, sich langfristig für ein klar festgelegtes Thema einsetzen zu können.

Unsere Themenpatenschaften Themenbereiche mit regionalen und internationalen Projekten  Kinderrechte +  Kinderschutz

Wasser +  Hygiene

Gesundheit + Ernährung

Bildung +  Einkommen

Strassenkinder Mädchenbeschneidung Flüchtlingskinder

Trinkwasser Bewässerung Sanitäranlagen

Nahrungssicherung Malariaprävention Kleinkinderernährung

Jugendförderung Mikrofinanzen Lehrerfortbildung

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Kinderrechte + Kinderschutz

Wasser + Hygiene

Projektbeispiel Kpaka Krim (Sierra Leone)

Projektbeispiel Huong Hoa (Vietnam)

«Ich bin glücklich. Ich muss nicht heiraten und kann so vielleicht meinen Traumberuf erlernen!»

«Heute sind es nur noch wenige Schritte zur Toilette und es ist sauber.»

Die Zwangsheirat von Kindern ist immer noch Brauch in Sierra Leone. Oft gehört das Mädchen dem Mann, der für das Hochzeitsfest aufkommt – egal, wie alt es ist und ob es einwilligt. Ähnlich erging es beinahe auch Jenneh*.

Vieles hat sich verändert, seit die 12-jährige Ho Thi The und ihre Familie sauberes Wasser von einem Brunnen in ihrem Dorf Cheng holen können. Früher gehörte es für das Mädchen zum Alltag, im nahe gelegenen Fluss zu baden, ihre Kleider zu waschen und sogar das Koch- und Trinkwasser dort abzuschöpfen – obgleich das Flusswasser von Abfällen und den Industrieabflüssen einer Kaffeeverarbeitungsfabrik stark verschmutzt war.

Jenneh (15 Jahre) will einmal Ärztin werden. Sie liebt es zur Schule zu gehen und hilft ihren Eltern gerne bei der Feldarbeit. Schon früh wurde ihr gesagt, dass sie einem Mann namens «John» gehöre, dem sie noch vor ihrer Geburt versprochen worden war. Mit 11 Jahren hatte Jenneh John zum ersten Mal gesehen. Sie mochte den 41-Jährigen überhaupt nicht. John wollte Jenneh nach der Hochzeit in ein weit entferntes Dorf mitnehmen, in dem sie niemanden kannte. Jenneh war sich auch bewusst, dass sie als Ehefrau zu vielem gezwungen sein würde, das ihr missfiel. Ihre Eltern schienen sich – ganz im Gegensatz zu ihr – keine Sorgen zu machen. Schliesslich hatte John den Brautpreis bereits bezahlt. In ihrer Verzweiflung heckte Jenneh den Plan aus, zu einer Verwandten zu fliehen. Als World Vision Mitarbeitende von der bevorstehenden Zwangsheirat erfuhren, suchten sie das Gespräch mit den Eltern und der Dorfgemeinschaft. Sie zeigten ihnen auf, wie wichtig Schutz und Bildung für die Zukunft von Kindern sind. Nach langen und intensiven Gesprächen wurde die geplante Hochzeit schliesslich abgesagt – eine riesige Erleichterung für Jenneh, die nun weiterhin zur Schule gehen kann. * Name von der Redaktion geändert

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«Wir Anwohner, das Vieh und der Verarbeitungsbetrieb haben den Fluss verseucht, aber wir wollten unsere Gewohnheiten nicht verändern», erzählt Ho Van Sau, Besitzer eines der fünf Dorfbrunnen. Er und seine zwei Brüder hatten im vergangenen Jahr an der Wasser- und Hygieneschulung von World Vision teilgenommen. Kurz darauf bohrten sie mit der erlernten Technik selbständig einen Brunnen in ihrem Garten. Die jüngste Schulungsteilnehmerin, Ho Thi Thu, ist froh, ihr «Geschäft» nicht mehr im wilden Gestrüpp verrichten zu müssen. Ihre Familie entschied sich, mit finanzieller Unterstützung von World Vision eine eigene Latrine zu bauen. Nun fürchtet sich die 10-Jährige nicht mehr, nachts auf die Toilette zu gehen. Dank der eindrücklichen Erläuterungen in den Sensibilisierungskursen mit Show und Musik, hat Thu verstanden, wie wichtig Hygiene für ihre Gesundheit ist. So wie das aufgeweckte Mädchen haben inzwischen viele Dorfmitglieder schädliche Hygienegewohnheiten durch gesundheitsfördernde Praktiken ersetzt.


Gesundheit + Ernährung

Bildung + Einkommen

Projektbeispiel Muttagacha (Bangladesch)

Projektbeispiel Makindube (Tansania)

Aklima lernte, wie sie ihren Sohn richtig ernähren kann.

«Seit meine Mutter am Agrarprogramm teilnimmt, können meine Schulgebühren bezahlt werden.»

Akute Mangelernährung ist ein anhaltendes Problem in den ländlichen Gebieten von Bangladesch. Dort stirbt jedes 20. Kind vor seinem 5. Geburtstag* – meistens an vermeidbaren Krankheiten, die aufgrund der mangelnden Ernährung «ein leichtes Spiel» haben.

Mwantumu ist eine alleinstehende Mutter mit fünf Kindern. Wie 80 % der Einwohner Tansanias arbeitet sie im landwirtschaftlichen Sektor – dem wichtigsten Nahrungszweig der einheimischen Bevölkerung. Bisher konnte Mwantumu mit den bescheidenen Erträgen aus ihren Anbauflächen ihre Kinder nicht richtig ernähren. Dürren und eine niedrige Produktivität und die schwierige Marktzugänglichkeit für Kleinbauern stellten die wichtigsten Herausforderungen dar, mit denen sie zu kämpfen hatte.

Auch der Erstgeborene von Aklima, der 3-jährige Ashik, litt früher oft an Durchfall und Fieber. Beim ersten Besuch der Gesundheitshelfer von World Vision im Dorf Rudropur trafen sie einen stark unterernährten und apathischen Ashik an. Seine Mutter war völlig verzweifelt. Ashik und Aklima wurden sofort in das Intensiv-Ernährungsprogramm von World Vision aufgenommen. Während zwölf Tagen erhielt der Kleine täglich einen nahrhaften Brei, um an Gewicht zuzunehmen. Danach wurde er regelmässig gesundheitlich überwacht. Aklima lernte in mehreren Kursen, wie sie ihren Sohn richtig ernähren kann, wie wichtig Stillen und Impfungen für die Gesundheit ihres Kindes sind und wie mit einfachen Hygienepraktiken Krankheiten vermieden werden können. Heute ist Aklima in ihrem Dorf ein Vorbild für andere Mütter. Sie kann endlich wieder lachen und freut sich über ihren kerngesunden Sohn. Wie Ashik gibt es in ihrer Region Hunderte von kleinen Mädchen und Jungen, die dank des Ernährungsprogramms wieder zu Kräften gekommen sind.

Inzwischen ist Mwantumu auf dem Weg, eine erfolgreiche Reisbäuerin zu werden. Sie ist Teil des Agrarprogramms, das World Vision gemeinsam mit lokalen Partnern für Kleinbauern ins Leben gerufen hat. Dieses hat zum Ziel, in der gesamten Region die landwirtschaftliche Produktivität zu steigern, einen dürreresistenten Anbau sowie gesicherte Ernährungsgrundlagen zu gewährleisten. Nebst einer Ausbildung in Anbaumethodik können die Kleinbauern bei der Small Enterprise Development Agency (SEDA) – einem Mikrofinanzinstitut von Vision Fund – einzeln oder als Gruppe Kredite beantragen, um Maschinen und Saatgut zu erwerben. Auch Mwantumu bewarb sich mit Erfolg um einen Mikrokredit. Dank ihrem erworbenen Wissen, dem besseren Saatgut und der renovierten Bewässerungsanlage konnte sie ihre Ernte derart steigern, dass sie und ihre Kinder gut davon leben können.

* Quelle: Unicef, www.childinfo.org 2012

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Not- und Katastrophenhilfe – DRINGENDE HILFE FÜR SYRIENS KINDER. Mathias Gehrig

Not- und Katastrophenhilfe Die schweren Kämpfe in Syrien haben Not und Elend über die Bevölkerung gebracht. Die Leidtragenden im Konflikt zwischen Regierungstruppen und Oppositionen sind vor allem Syriens Kinder. Die Kleinsten eines Landes sind oft die schnellsten Opfer von Gewalt, Krieg und Terror. Insgesamt mussten bislang über eine Million Kinder aus der Republik am Mittelmeer fliehen. Im Syrienkonflikt möchte World Vision den Kreislauf der Gewalt aufhalten und dafür sorgen, dass die betroffene Generation von Kindern in einer gewaltfreien Umgebung mit Perspektiven aufwachsen kann. TÜRKEI

Al-Hasaka

Aleppo Hama Homs

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JORDANIEN ISRAEL

AZRAQ

20  | Vision

SAUDI-ARABIEN


EINE MILLION KINDER AUF DER FLUCHT Nach Angaben der Vereinten Nationen beträgt die Zahl der ausser Landes geflüchteten Kinder mittlerweile weit über eine Million.

3

MIo.

syrische Kinder sind auf der

Flucht.

1

MIo.

Kinder sind

ausser Landes geflohen.

Quelle: UNHCR, 23.8.2013

Langjähriger Konflikt eskaliert Seit über zwei Jahren greift der Bürgerkrieg in Syrien ein­schneidend in die Entwicklung von Syriens Jugend ein. Die Zivilbevölkerung ist den Kampfhandlungen auf beiden Seiten oftmals hilflos ausgeliefert. Unzählige Familien müssen ihre zerstörten Häuser verlassen oder werden vertrieben. Immer mehr Syrer verlassen deshalb gezwungenermassen ihre ver­traute Heimat und fliehen über die Grenzen in Nachbarländer. Innerhalb des Landes irren über zwei Millionen Kinder als Binnenflüchtlinge umher. Der Hilfsbedarf ist enorm. Das EU-Parlament und das UNHCR rechnen bis Ende 2013 mit über 3,5 Millionen syrischen Flüchtlingen im Ausland.

rungsmitteln, Wasser sowie Hygienekits unterstützt. In zer­störten Quartieren helfen wir mit Infrastruktur, wie zum Beispiel Feldküchen, bei der Versorgung der Bevölkerung.

Grenzen der Belastbarkeit Die Grenzen der Belastbarkeit sind längst erreicht. Jordanien, Libanon, Armenien, die Türkei, Irak und auch Ägypten haben unzählige Menschen aufgenommen und versorgen sie mit der Unterstützung von Hilfswerken mit dem Nötigsten. World Vision ist sowohl in Syrien als auch in den Nachbarländern vor Ort und leistet Nothilfe für Flüchtlinge und Vertriebene. In Syrien selbst werden Menschen in Not mit Grundnah-

Hilfe von World Vision verzehnfacht In den verschiedenen Krisenregionen arbeitet World Vision eng mit dem World-Food-Programm der Vereinten Nationen (WFP) zusammen. Die Spenden für Syrien werden dank dieser Zusammenarbeit verzehnfacht: Für eine Spende von 80 Franken stellt das WFP Lebensmittel im Wert von 800 Franken zur Verfügung. Mit diesen Lebensmitteln können sich acht syrische Familien einen Monat lang ernähren.

Hilfe ausserhalb Syriens Im jordanischen Flüchtlingscamp Azraq sorgt World Vision gemeinsam mit anderen Hilfswerken für sauberes Wasser und Hygiene. Im Libanon, einem Land, das vor wenigen Jahren selbst von einem Krieg erschüttert wurde, unterhält World Vision vier Kinderbetreuungszentren, unterstützt geflohene Syrer mit Essensgutscheinen und verteilte bisher Hygienekits an über 30 000 Flüchtlinge.

World Vision hilft vor Ort.

282 000 Flüchtlinge im Libanon und Jordanien mit Lebensmitteln, Kleidung und Hygienekits unterstützt. 300 Flüchtlingskindern in der Bekaa-Ebene einen regelmässigen Schulbesuch ermöglicht. 70 000 Binnenflüchtlingen Wasser und Medizin zur Verfügung gestellt.

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Gönner – Das Engagement  von  World   Vision Schweiz fördern.

World Vision Schweiz sorgt gemeinsam mit Paten und Spendern in rund 100 Entwicklungsprojekten dafür, dass Kinder und ihre Familien in Würde leben können. Darüber hinaus ist unsere Organisation auch als enga­gierte Botschafterin für Kinderrechte und Kinderschutz aktiv. Mit gezielter Medienarbeit, Kongressen und Schulungen setzen wir uns für die entsprechende Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung in der Öffentlichkeit, bei Behörden und Regierungen ein. Gönnerinnen und Gönner von World Vision Schweiz unterstützen mit einer jährlichen Spende unseren Einsatz gegen Hunger, Krankheit, Armut und Unge­ rechtigkeit und für eine Welt, in der Kinder sich ge­s chützt und unbeschwert entwickeln können.

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Inside World  Vision. 1

2

1 | Bill Clinton, Chelsea Clinton, Dr. Greg Allgood (World Vision) und Schülervertreterin Confiance (v. l. n. r.) beim Testen der Wasserfilter von P&G und World Vision. 2 | Diese Mitarbeitenden stehen für die Vision von World Vision Schweiz: Eine Welt für Kinder.

World Vision International

World Vision Schweiz

Chelsea Clinton in Ruanda Chelsea Clinton hat in Ruanda die Projektarbeit von World Vision hautnah miterlebt. Sie bereiste das Land zusammen mit Vater Bill, um die Fortschritte der «Clinton Global Initiative» zu begutachten. World Vision verteilt in Ruanda zusammen mit dem Konsumgüterkonzern P&G Wasser­filter. Ein solcher wandelt schmutziges Wasser innert 30 Minuten zu sauberem Trinkwasser um. Gerade in ländlichen Gegenden ist das wertvoll, weil die Bevölkerung oft nur in verschmutzten Quellen Wasser findet.

Besuchen Sie uns.

Von den Filtern profitiert auch das Scholaire Camp Kanombe, welches unter der Obhut der Clinton-Initiative steht. «Ich bin World Vision und P&G wirklich dankbar für diese wertvolle Unterstützung. Die Tatsache, dass zwei solche Parteien hier zusammenarbeiten, bedeutet mir eine Menge», war Vater Bill sichtlich erfreut. World Vision sei einer der grossartigen Schätze in der NGO-Welt, meinte er.

Reisen Sie mit uns. Wir führen im Februar und März 2014 Gruppenreisen nach Nicaragua und in die Dominikanische Republik durch. Mehr dazu finden Sie auf www.myworldvision.ch oder rufen Sie uns an: 044 510 15 15.

Winti Mäss 27.11. – 1.12.2013, Eulachhallen Winterthur MUBA Basel ’14 14. – 23.2.2014, Messe Basel Bea Messe Bern ’14 25.4. – 4.5.2014, Bea Expo Gelände Bern

Jederzeit aktuell informiert: www.worldvision.ch

Impressum Das Magazin VISION erscheint zweimal jährlich. | Herausgeber World Vision Schweiz, Dübendorf | Redaktion Monika Hartmann (Leitung), Mathias Gehrig, Carmen Mausse, Thomas Hauser (HDK), Romana Hauser-Bonelli (HDK) | Konzept / Layout Haus der Kommunikation AG (HDK), Zollikon | Bildnachweis World Vision, Titelseite Getty Images: Mutter mit Kind aus Ecuador | Druck Ostschweiz Druck, Wittenbach | Papier Gedruckt auf BALANCE: 100 % Altpapier FSC-zertifiziert, CO2 neutral.

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