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„It’s a

Woman’s Mit ihrer Unternehmensgruppe hinterlässt sie eine Spur der Erneuerung, und das in vielen Bereichen. Persönlich gestaltet sie die Zukunft Oberösterreichs in ökonomischen Belangen maßgeblich mit. Wir trafen Mag.a Ulrike Rabmer-Koller ganz privat zum Kosmopolit-Talk.

World“ diese Funktion anzunehmen, nicht ganz leicht. Aber ich sah die Möglichkeit, meine Erfahrungen einzubringen und viel bewegen zu können. Als Unternehmerin mit Leib und Seele ist es mir ein persönliches Anliegen, Rahmenbedingungen für Unternehmer/-innen zu verbessern.

UC: Frau Mag.a Rabmer-Koller, viele kennen Sie als Interessenvertreterin und Vizepräsiden­tin der Wirtschaftskammer Oberösterreich. Sie sind aber auch eine erfolgreiche Unternehmerin. Wie kam es dazu? R-K: Der Grundstein wurde mir in die Wiege gelegt, weil ich in eine Unternehmerfamilie ge­boren wurde. Meine Eltern gründeten 1963 die heutige „Rabmer Bau Gruppe“. Ich bin quasi im Büro und auf der Baustelle aufgewachsen. Wobei es Anfangs nicht geplant war, dass ich als jüngste Tochter das elter­liche Unternehmen übernehme. Ich absolvierte also das Gymnasium und studierte anschließend Betriebswirtschaft. Während des Studiums arbeitete ich schon Teilzeit im Betrieb, und so fragten mich meine Eltern, ob ich nach dem Studium nicht im Unternehmen bleiben möchte. Ich wollte aber vorher noch ins Ausland und vor allem „auswärts“ Erfahrungen sammeln. So zog es mich 1990 nach meiner Sponsion in die USA nach New Orleans zur Firma „Pipe Liners“, wo ich ein Praktikum als Assis­tentin des CEO’s absolvierte. Darauf folgte ein Job bei „Engel Maschinenbau“ in Schwertberg. Dort war ich für das Controlling der Auslands­töchter zuständig. 1992 kehrte ich dann endgültig zurück in den elterlichen Betrieb, als kaufmännische Leiterin. 1996 übernahm ich Anteile und 2002 dann die Geschäftsführung. UC: Alleinige Gesellschafterin? R-K: Bei der „Rabmer Bau Gruppe“ bin ich seit der Ausgliederung des Rohrsanierungsbereiches im Jahr 2011 alleinige Gesellschafterin und Geschäftsführerin. Die Gruppe beschäftigt derzeit

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rund 80 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz in Höhe von 14 Mio. Euro. Wir sind in den Bereichen Hoch- und Tiefbau sowie Kommunaltechnik und mit der neu gegründeten Rabmer GreenTech GmbH auch im Bereich Umwelttechno­ logie tätig. Diesen Bereich möchte ich natürlich auch in Zukunft noch weiter ausbauen. Zusätzlich bin ich für den neuen Gesellschafter der Rohrsanierungsgruppe, der Sekisui Chemicals, auf euro­ päischer Ebene für den Vertrieb von Rohrsanierungsprodukten verantwortlich. Diesen Bereich habe ich auch nach Österreich geholt, die Koordination geht von Altenberg aus. UC: Sie sind ja auch Vizepräsidentin der WKOÖ und noch in vielen anderen Funktionen tätig. Woher kommt dieses „Bedürfnis“, sich außer Ihrem Unternehmen noch weiter zu engagieren? R-K: Mir ist wichtig, dass ich etwas bewegen und auch zum Positiven verändern kann. Als Unternehmerin ist man abhängig von externen Rahmenbedingungen und gesetzlichen Vorgaben. Wenn diese nicht passen, kann man auch als Unternehmer nicht erfolgreich sein. Das ist auch der Grund, warum ich mich zusätzlich zu meinem Unternehmen in der Interessensvertretung engagiere. Hier können wir nur dann die Rahmenbedingungen verbessern, wenn sich auch Unternehmer bereit erklären, mitzuarbeiten und ihre Erfahrungen einbringen. Als der „Ruf“ zur Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Oberösterreich 2003 kam, waren meine Kinder gerade mal sechs bzw. sieben Jahre alt und das Unternehmen befand sich in der ­E xpansion auf internationaler Ebene. So war die Entscheidung,

UC: Wie entstand die „Beziehung“ mit dem Umwelttechnik-Cluster, bei dem Sie ja seit 2005 Beiratssprecherin sind? R-K: Im Unternehmen Rabmer wurde der umwelttechnische Bereich immer schon groß geschrieben. Ich war auch Mitglied im Beirat des Netzwerks Umwelttechnik International der WKO. In dieser Funktion vertrat ich 2005 den Präsidenten der Wirtschaftskammer Österreich, Dr. Christoph Leitl, bei der Internationalisierungsreise „Exportini­tiative Umwelttechnik“ in Rumänien als Delegationsleiterin. Infolgedessen kam man immer wieder auf mich zu, und so wuchs ich auch auf Kammer­ebene mehr und mehr in das Thema Umwelttechnik hinein. Als dann im gleichen Jahr das „Netzwerk Umwelttechnik in Oberösterreich“ gegründet wurde, fragte man mich, ob ich als Unternehmerin mitarbeiten und auch als Beirat zur Verfügung ­stehen würde. Seither habe ich noch einige weitere Funktionen in diesem Bereich übernommen: Seit 2012 bin ich auf europäischer Ebene Vorsitzende des Ausschusses „Sustainability“ der UEAPME (der europäischen Vertretung von KMU) und auch Beiratsmitglied bei der Greenjobs-Initiative des Lebensministeriums. UC: Wo sehen Sie den Umwelttechnik-Cluster in fünf bzw. sieben Jahren? R-K: Umwelttechnologie und erneuerbare Ener­ gien sind Schwerpunkte in Oberösterreich. Hier sind wir – gemessen an Umsatz und Mitarbeiterzahlen – klare Nummer eins in Österreich. Auch international liegen wir im Spitzenfeld. Unsere Un­ternehmen und deren Produkte und Dienstleistungen sind weltweit gefragt und genießen einen besonders guten Ruf. Wir haben einige große


UC: Womit Sie die nächste Frage fast schon beantworteten. Was bedeutet für Sie Internationalisierung? Wo sehen Sie persönlich Schwierigkeiten? R-K: Wir sind Exportbundesland Nummer eins, ­internationale Bühnen sind für oberösterreichische Unternehmen immens wichtig. Außerdem sind sehr viele Leitbetriebe international aufgestellt. Viele kleinere und mittlere Betriebe punkten ebenso auf globaler Ebene, mit ihren innovativen Produkten und Dienstleistungen. Für mich ist Internationalisierung immer ein spannendes Thema. Ich halte es auch für sehr wichtig, weil der österreich­ ische Markt für manche Produkte zu klein ist. Der Blick über den „Tellerrand“ hinaus und die Potenziale sowie Chancen nutzen, ist deshalb essenziell. Wenn man sich für diesen Schritt entschließt, sollte man gut gewappnet sein. Es heißt ja nicht umsonst: andere Länder, andere Sitten. Somit liegt es in der Natur der Sache, auf Hindernisse zu stoßen und Risiken einzugehen. Um das zu minimieren, stehen die Wirtschaftskammer, das Exportcenter OÖ und die Außenhandelsstellen vor Ort den Unternehmen zur Seite. Der UC kann ergänzend dazu Kooperationen zwischen den Betrieben fördern, damit diese gemeinsam Märkte erobern können. Den „direkten Draht“ zu seinen Partnerbetrieben hat der UC ja. UC: Was sagen Sie zum Schieferöl- und -gas aus den USA? Eine ernstzunehmende Wende oder nur ein temporärer Trend? R-K: Ich bin davon überzeugt, dass das Potenzial der „Green Technologies“ in vielen Bereichen viel zu groß ist, um wieder verdrängt zu werden. Natürlich verändern diese Entwicklungen gewisse Machtverhältnisse, aber mittel- oder langfristig gesehen, kommt man ohne Umwelttechnologien oder erneuerbare Energien nicht aus. UC: Noch einmal zurück zu Ihrer Person. Wie sieht ein durchschnittlicher Arbeitstag aus? R-K: So abwechslungsreich wie unterschiedlich.

www.umwelttechnik-cluster.at

(lacht) Kommt darauf an. Muss ich zum Flughafen, muss ich um vier Uhr früh raus, nehme meist die erste Maschine kurz vor sechs Uhr und fliege in die verschiedensten Länder zu Meetings und Termi­ nen. Fliege ich nicht weg, frühstücke ich in der Regel ab sechs Uhr mit meiner Familie. Die Kinder gehen dann in die Schule und ich ins Büro – das in der Firma oder in das der Wirtschaftskammer. Wie viel Zeit ich wo verbringe, habe ich nie aufgezeichnet. Durch die neuen Medien kann ich sehr effizient arbeiten, muss aber an dieser Stelle einmal herausheben, dass ich sehr viele tolle Menschen um mich habe, die mich auf allen Ebenen unterstützen. Summa summarum gibt es wenige Abende während der Woche, an denen ich zuhause bin. Viele interessante Veranstaltungen oder politische Treffen bzw. Auslandstermine finden eben auch abends statt. Das Wochenende gehört allerdings dann ganz meiner Familie.

UC: Das wichtigste Team sitzt zuhause? R-K: Stimmt. Meine Familie ist die Basis dafür, das alles machen zu können. Allen voran mein Mann Walther, ebenfalls selbstständig, und meine beiden Kinder, last but not least meine Eltern bzw. Schwiegermutter. Für meinen Mann war es immer selbstverständlich, dass wir uns die Zeit für die Kinderbetreuung aufteilen. In den ersten Jahren richtete ich mir ein Kinderzimmer neben meinem Büro ein, damit ich die Kinder in meiner Nähe hatte. Natürlich beanspruchten wir auch „externe Hilfe“ bzw. habe ich das Glück, dass meine Eltern neben uns wohnen. Die angebotene Nachmittagsbetreuung im Kindergarten und in der Volksschule in Altenberg war uns auch eine enorme Unter­ stützung. Kurzum: Es ist ein Zusammenspiel vieler helfender „Hände“ und Teamwork, die die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Funktion ermöglichen! UC: Dieses Kollektiv ist auch das Rezept für eine gelungene Work-Life-Balance? R-K: Richtig. Für mich zählt nicht die Quantität, sondern die Qualität des Zusammenseins. Mit anderen Worten: Ich nehme mir immer wieder bewusst Auszeiten. Verlängerte Wochenenden und die Zeiten, die ich mit den Kindern und meinem Mann verbringe, gehören auch nur ihnen. Meine Familie ist meine Energiequelle. Gemeinsam in der Natur sein, Wandern, Joggen oder Walken tun das Übrige. UC: Gäbe es einen Reset-Knopf, würden Sie ihn drücken? Was würden Sie dann anders machen? R-K: Eindeutig nicht drücken. Ich denke, dass ich in meinem bisherigen Leben sehr viel Glück hatte und viele Dinge verwirklichen konnte. Natürlich stellt man sich oft die Frage, wo man steht und

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Leitbetriebe und eine Vielzahl von KMU in diesem Bereich. Diese Unternehmen brauchen eine Plattform, eine Initiative, einen Nährboden wie den UC. Jemanden, der neutral verbindet, der Kooperationen untereinander ankurbelt, sich um adäquate Förderschienen kümmert und gemeinsame Aktivitäten wie den Wissenstransfer vorantreibt. Sei es im Bereich Forschung und Entwicklung, Internationalisierung oder beim brandheißen Thema Qualifizierung. Denn Fakt ist: Die Green Technology wird in naher Zukunft eine der Leitbranchen werden. Es gibt enormen Aufholbedarf in den Emerging Markets, sprich in den neuen EU- bzw. den Schwellenländer. Die nachgefragten Technologien können unsere Unternehmen liefern.

Fotoatelier Satori

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Name Ulrike Rabmer-Koller, Mag.a Vita 1990 – 1991 Pipe Liners Inc., New Orleans, USA: Praktikum als Assistentin CEO 1991 – 1992 Engel Maschinenbau GmbH, ­Schwertberg: Controlling Auslandstöchter 1992 – 2002 Rabmer Holding GmbH, Altenberg: kaufmännische Leitung (1996 - 2002 Einzelprokura) seit 1996 Gesellschafterin „Rabmer Bau Gruppe“ seit 2002 Geschäftsführerin „Rabmer Bau Gruppe“ seit 2011 alleinige Gesellschafterin und ­Geschäftsführerin der „Rabmer Bau Gruppe“ Funktionen Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer OÖ. Landesvorsitzende von „Frau in der Wirtschaft OÖ.“ Bundesspartenobmann-Stv. Gewerbe und ­Handwerk in der Wirtschaftskammer Ö. Vizepräsidentin UEAPME, Vorsitzende Nachhaltigkeits Ausschuss web www.rabmerbau.at

wohin der Weg führen soll. In diesen Momenten nehme ich mir bewusst Zeit, nehme mich aus der Alltagshektik heraus, halte inne, reflektiere und ziehe Zwischenbilanz. Mein Naturell ist, dass ich nur so lange etwas machen werde, so lange ich spüre, positiven Einfluss darauf nehmen zu können. Man braucht auch oft Mut zu Neuem. Gleiches lebe ich auch im Unternehmen. Ich bin mit meinem Leben rundum zufrieden, ich würde nichts ändern wollen.

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Interview Mag. Ulrike Rabmer-Koller 2013