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2 WOMEN IN BUSINESS 路 FEBRUAR 2015


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4 WOMEN IN BUSINESS · FEBRUAR 2015


I N H A LT

14

Titelgeschichte 20 Superwomen – die neue Serie in WOMEN in Business. Teil 1: Wie wir uns von unseren Vorur teilen trennen. Und ohne sie endlich aufsteigen

Susanne Schmid, Leiterin der Ladenkette Changemaker, über ihren Geschäftssinn für Sinnvolles und ihre Expansionspläne

Rubriken 6 8 10 30 66 68

Editorial Intern Auftakt Digital Abnehmen mit Apps Impressum/Vorschau Männersicht 10 Fragen an Urs Bührer vom Bellevue Palace Bern

Unternehmen 14 Changemaker. Wie Susanne Schmid mit ethisch korrekten Produkten die Schweiz erobert

Konsum 32 Die ästhetische Chirurgie ist in der intimsten Zone angelangt. Woher der Trend kommt und was Chirurgin und Sexologin dazu sagen

Karriere 38 Drei Frauen über die Verwirklichung ihres Traumjobs – und die Tücken einer zweiten Karriere

20

Wir starten durch mit der neuen Serie «Superwomen». Der erste Teil: Testen Sie, wie viele Gender-Vorurteile Sie haben.

Geld & Anlage 45 Fintech. Wie Finanz-Start-ups unseren Alltag im Umgang mit Geld verändern werden

Karriere & Familie 50 Über den besten Zeitpunkt für die Familiengründung

ILLUSTRATION: KERSITN STAUB FOTO: PAOLO DUTTO, PD

Geniessen 54 Unterwegs 56 Auf und davon 58 Februarlieblinge 60 Beauty-Interview 61 Wettbewerb 62 Kultur 65 Rückblick

Skiferien mit dem neuen Nissan Qashqai Bergspa Hotel La Val in Brigels GR Zu Hause abtauchen Jane Richardson, Makeup-Chefin von Nars Pflegeset von Dr. Bronner zu gewinnen

38 Paradiesischer Ort für eine traumhafte zweite Karriere: Zu Gast auf Mirihi, der Insel von Resortbesitzerin Amy Stierli

WOMEN's Talk FEBRUAR 2015 · WOMEN IN BUSINESS 5


E D I TO R I A L

Liebe Leserin, lieber Leser

S

tudium oder Lehre? Aktuell streiten sich Bildungspolitiker ja gerade mal wieder darum, ob zu viele oder zu wenige studieren in der Schweiz. Wir stellen Ihnen in dieser Ausgabe drei Superwomen vor, deren Ausbildung heute überhaupt keine Rolle mehr spielt. Sie haben nämlich beschlossen, ihre erfolgreiche Karriere an den Nagel zu hängen, um eine neue zu starten. Um glücklicher zu werden, erfüllter. Und treten so den Beweis an, dass es eben doch gar keine Rolle spielt, was wir mal waren. Hauptsache, wir sind mutig. Die Superwoman auf unserem Titel läutet das WOMEN in Business-Jahr 2015 ein und gleichzeitig auch unsere neue Serie. Keine Angst, wir wählen nicht die Überheldin des Jahres, die den Druck, alles zu schaffen, was wir möchten, noch grösser macht. Nein, wir fragen uns schlicht und einfach, wie wir auf Touren kommen und durchstarten. In diesem Heft beginnen wir mit uns selbst. Iris Bohnet, die Schweizer Harvard-Professorin, empfiehlt im Interview, die bestehenden Rollenbilder im Kopf zu überprüfen. Wagen Sie den Test: Wie viele Gender-Vorurteile haben Sie? Ich behaupte mal, dass wir alle uns dabei ertappen, für Männlein und Weiblein noch immer zwei Schubladen zu haben, und uns darum so einiges nicht zutrauen, oder? Ich wünsche Ihnen viel Inspiration und Mut zum Aufbruch mit der Februar-Ausgabe

Ich freue mich auf Ihre Anregungen y.zurbruegg@womeninbusiness.ch

6 WOMEN IN BUSINESS · FEBRUAR 2015

FOTO: GERHARD BORN

Yvonne Zurbrügg, Chefredaktorin


women– menswear ZÜrich — Bahnhofstr asse 12 & storchengasse basel — freie str asse 74 st. moritZ — Via serl as gstaad — Pal ace str asse 1 FEBRUAR · WOMEN tro is P om m es o u tle t wom en – menswe a r — Zü ri ch wo ll ish o fen, sees tr2015 asse 463 IN BUSINESS 7


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INTERN

Unsere WOMEN in Business Die Autorinnen dieser Ausgabe

r Die frau Das schweizer wirtschaftsmagazin fü

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November | 2014

FraUeN der ZUkUNFt UNterNeHmerINNeN UNd kaderFraUeN IN der SCHWeIZ

selbständigkeit • Die mompreneurs: nach der mutterschaftspause in die gut läuft • Der chef, der beste freund – zumindest solange das geschäft

Mona Fahmy Es ist Jahre her, da fragte ihr damaliger Vorgesetzter nach Empfehlungen für eine offene Führungsposition. Monica Fahmy grübelte und reichte ihm ein paar Namen. Nur: Ihr eigener fehlte auf der Liste. Nie wäre sie auf die Idee gekommen, sich selbst für den Posten in Betracht zu ziehen, und meinte, der Chef suche einen Mann. Warum stehen wir uns selbst und anderen beim Hochklettern der Karriereleiter immer wieder im Weg? Darüber hat Mona Fahmy, 47, als Auftakt unserer neuen Serie «Superwomen» recherchiert.

14.10.14 07:26

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Silvia Aeschbach Wir haben ja alle Träume, aber wer lebt sie schon? Doch, es gibt sie, so mutige Frauen! Silvia Aeschbach, 54, hat für diese Ausgabe zwei Traumfrauen getroffen: die Unternehmensberaterin Esther Bischofberger auf dem Weg zur Phytotherapeutin und die Gastronomin Inka Gerstenberg, die jetzt Hundetrainerin ist. Unsere Autorin kennt sich übrigens aus mit Träume-Erfüllen. Sie hat sich letztes Jahr den langgehegten Wunsch nach einem eigenen Buch erfüllt. «Leonardo DiCaprio trifft keine Schuld» – zwischenzeitlich Nummer 2 der Schweizer Bestsellerliste!

Nina Siegrist Alles begann in Schaffhausen. Bei einem Ausflug in ihre alte Heimat stand Nina Siegrist, 35, plötzlich vor einem Changemaker. «Was, jetzt gibt’s den Laden sogar hier?», staunte unsere Autorin. Sie band ihren geliebten Baby-Alpaca-Schal (einst gekauft im Changemaker in Zürich) enger und nahm die Fährte auf. Was macht den Erfolg der Ladenkette aus? Nina Siegrist fand kein Erfolgsrezept, sondern einen Namen: Susanne Schmid, Entwicklerin des von unserer Autorin heiss geliebten Baby-Alpaca-Schals höchstpersönlich.

FOTOS: PD (3)

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AU F TA K T K U R Z N AC H G E F R AGT

WANN HABEN SIE SICH ZULETZT ALS SUPERWOMAN GEFÜHLT? Susanne RodeBreymann

Präsidentin einer Hochschule, 57, Hannover «Gerade jetzt fühle ich mich wie eine Superwoman! Ich habe eine Sitzung hinter mir, an der mir Geld für unsere Forschungsarbeit zugesprochen wurde. Ein Jahr lang war es ein Hin und Her, jetzt weiss ich: Wir können zehn Jahre weiterarbeiten. Herrlich.»

Kristina Iudina

IT-Testerin, 30, Zürich «Als vor sechs Monaten unsere Tochter Stella zur Welt gekommen ist. Ich hatte 20 Stunden lang Wehen, es war richtig harte Arbeit. Als ich mein Baby in den Händen hielt, war ich überwältigt und fühlte mich wunderbar.»

Edit Zsido

Kathrin Rüegg

Nanny, 28, Zürich «Ich habe vor Kurzem meine Stelle als Kindergärtnerin aufgegeben. Das hat mich frustriert. Aber dann bekam ich an einem Wochenende gleich zwei Jobangebote von Familien, die mich zur Betreuung ihrer Kinder anstellen möchten. Ich dachte: Wow, ich bin Supernanny!»

Assistentin, 44, Wetzikon «Es war Mitte Dezember, da bekam ich schlechte Neuigkeiten im Job und dann auch noch von meinen Kindern. Aber: Ich liess mich nicht unterkriegen, bekam alles unter Kontrolle. Ich fühlte mich stark und ja, fast wie eine Superwoman. Es war schön, dass dieses Gefühl ein Weilchen anhielt.»

Monika Schmid

Heilpädagogin in Pension, 66, Zürich «Ich fühle mich als Superwoman, wenn ich daran denke, wie aktiv ich in meinem Beruf bin. Und das, obwohl ich seit zwei Jahren pensioniert bin! Es heisst ja immer, ab 50 gerate man beruflich aufs Abstellgleis. Aber so ist es nicht. Ich bekomme immer wieder Job-Anfragen. Manche nehme ich an. So kann ich meine geliebte Arbeit ausüben, habe aber viel mehr Freiheiten als noch vor drei Jahren.» (ew) 10 WOMEN IN BUSINESS · FEBRUAR 2015

FOTOS: PD (7)

Gabriele Edelmann

Stabmitarbeiterin, 53, Zürich «Vor Kurzem habe ich eine Liste aufgestellt mit all meinen Engagements: Ich schrieb alles auf, was ich mache, alle Präsidien, alle Projekte, alle Hausarbeiten, einfach alles. Die Liste war wirklich lang und ich war total stolz darauf, was ich alles leiste. Wahnsinn.»


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1. Frau Pointet, was erwartet Sie am Valentinstag? Ein Meer aus frischen Rosen, Viviana Pointet, also ein gewaltiger Anblick. Gründerin des Am meisten freue ich mich darauf, die vielen Liebesbriefchen Online-Shops zu schreiben, die Kunden am vivianasrosen.ch Valentinstag beilegen lassen. Ich schreibe sie alle von Hand – selbst wenn die Kunden fremde Schriftzeichen verwenden. Briefe in Chinesisch zum Beispiel sind eine richtig grosse Herausforderung für mich!

FRAGEN AN:

2. War war die bisher beste Entscheidung in Ihrer Rosen-Karriere? Nicht aufzugeben. Es war ein steiniger Weg, bis ich mein Konzept – Verkauf über meine Website und Lieferung per (Express-)Post – gefunden und die entsprechenden Prozesse umgesetzt hatte. Aber jetzt läuft es sehr gut. 3. Die grössten Hürden in Ihrem Business? Ich beziehe die Rosen in meiner Heimat Ecuador ausschliesslich von zertifizierten Rosenproduzenten, die ich persönlich kenne, die faire und ökologische Arbeitsbedingungen und ausnahmslos höchs-

te Qualität anbieten. Dreimal pro Woche wird geliefert. Wenn es irgendwo in der Kette eine noch so kleine Verspätung gibt, hat das Konsequenzen auf den gesamten Ablauf. 4. Wie steht es um den ökologischen Fussabdruck Ihrer Rosen? Wenn Sie Ihre Rosen stattdessen mit dem Auto in einem herkömmlichen Blumengeschäft abholen, ist der ökologische Fussabdruck von meinen Rosen zweifelsohne kleiner. Darüber hinaus haben ja meine Kunden dank meiner Partnerschaft mit Myclimate sogar die Möglichkeit, die durch den Transport der Rosen in die Schweiz entstandenen Emissionen zu kompensieren. 5. Welches ist der grösste Irrtum im Umgang mit Rosen? Zu wenig Wasser. Es ist ganz wichtig, dass Rosen immer bis zur Hälfte im Wasser stehen. Profis stellen ihre Lieblingsblumen ausserdem über Nacht in einen kühlen Raum oder windgeschützt auf den Balkon. (ew)

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AU F TA K T G E N D E R-WA AG E

versus

Kafisatz

Allianz

Generali

Muss ich mich rechtfertigen, wenn ich mich trotz dreier Kinder im Haus einer zweijährigen Weiterbildung stelle? Einfach um meinem Leben mehr Pfeffer zu verleihen? Und um eine zufriedene Mutter zu sein und nicht eine, die denkt, hätte ich doch damals nur ... Ich war zehn Jahre von zu Hause aus aktiv, nun möchte ich wieder raus. Darf ich? Darf man? Susanne, 38 Liebe Susanne, wenn ich in meiner Praxis Paaren gegenübersitze, welche ich berate, dann ist das Gleichgewicht der Beziehung sehr oft dadurch in Schieflage geraten, dass die Frau sich zu lange zu sehr zurückgenommen hat. Der Kinder wegen. Des Berufes des Mannes wegen. Der Ruhe und Harmonie wegen. Und wenn Sie jetzt auch nicht explizit von einem Partner sprechen, so gilt meine Antwort dennoch für die Situation innerhalb einer Beziehung sowie für den Fall, dass Sie alleinerziehend sind. Es ist für uns Frauen von immenser Wichtigkeit, dass wir unsere eigenen Ziele verfolgen. Es ist Ihre heilige Pflicht, sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren. Denn für den Verzicht, den Sie üben, wird Ihnen keines Ihrer Kinder danken. Wohingegen sie von einer Mutter, die ihr Leben in die Hände nimmt und dafür sorgt, dass sie sich erfüllt fühlt, sehr stark profitieren werden. Eine Weiterbildung ist eine Investition in Ihre Zukunft. So wie Kinder eine Investition in die Zukunft unserer Welt sind. Sie haben das eine getan und sollten das andere deswegen nicht lassen. Ob Sie Ihren Kindern eine gute Mutter sind, hängt weniger von der tatsächlichen Präsenzzeit ab als davon, wie ausgeglichen und zufrieden Sie sich in der gemeinsamen Zeit fühlen. In diesem Sinne, liebe Susanne: Sie dürfen! Sie sollen! Go for it! Prozess-Coach Kafi Freitag antwortet jeden Monat auf eine Ihrer Karrierefragen. kafi.freitag@tribute.ch 12 WOMEN IN BUSINESS · FEBRUAR 2015

52%

Insgesamt

43%

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Kader

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VR

33%

Mit 115 bzw. 135 Milliarden Dollar Umsatz (2013) gehören Generali und Allianz zu den sechs grössten Versicherungen überhaupt. Generali beschäftigt – bis auf den Verwaltungsrat, wo man vergeblich nach ihnen sucht – fast durchgehend mehr Frauen. Und dies, obwohl sie sich laut Pressesprecher Felix Mundwiler «keine nummerischen Zielvorgaben für Frauenanteile» setzt. «Die hohen Anteile an Frauen erreichen wir dadurch, dass wir viele sehr gut ausgebildete Frauen von unseren attraktiven Arbeitsbedingungen und Angeboten überzeugen können, gerade wenn sie Arbeit und Familie vereinen möchten.» Auch bei Allianz habe man sich «keine konkreten Quoten» vorgenommen. Hans-Peter Nehmer, Leiter der Unternehmenskommunikation, spricht aber von mittel- bis langfristigen Massnahmen zur Förderung des Nachwuchses – des männlichen wie auch des weiblichen. «Besonders freut uns dabei die Eigeninitiative unserer Mitarbeiterinnen, die das Frauennetzwerk Woman in Dialog gegründet haben. Hier können sich Frauen aus verschiedenen Hierarchien über die Abteilungsgrenzen vernetzen und in fachlicher Hinsicht austauschen.» (dg)

TREND

JOB BEI GOOGLE? Kaum ein Arbeitgeber ist bei Studierenden in der Schweiz begehrter. Aber wie kommt man eigentlich zu einem der begehrten Jobs bei Google? Die ehemalige ETH-Studentin Stella Schieffer, 28, hat über den Hürdenlauf von der Bewerbung bis zur Unterschrift gebloggt. «Weil Google bekannt ist für seine rigorosen Interviewprozesse und Fragen wie ‹Warum sind Gullylöcher rund?›, war ich nicht sicher, was mich erwartet und wie ich mich am besten vorbereite.» Zwei Telefoninterviews à 45 Minuten, fünf Gespräche samt Mittagessen auf dem Zürcher Google-Campus, einen Essay, ein finales Gespräch mit dem höchsten Associate Product Manager und die Zustimmung von Überprüfungskommittee, Executive Management und CEO Larry Page höchstpersönlich später war

Schieffer angestellt. Fünf Monate legte sich die Bauingenieurin vom Massachusetts Institute of Technology mit Master in Konstruktion und Verkehrsplanung der ETH ins Zeug für ihren Traumjob. «Der Prozess wäre etwas schneller gewesen, wenn ich nicht mein Startup zugemacht hätte.» Im letzten Jahr noch stellte WOMEN in Business sie als vielbeachtete Jungunternehmerin vor. Ihr Logistik-Startup Bringbee erzielte das angepeilte Wachstum jedoch nicht. Seit Anfang Monat nun ist Schieffer Associate Manager im Programm, das die heutige Yahoo-Chefin und ehemaligen Google-Vizepräsidentin Marissa Mayer vor 13 Jahren ins Leben rief, um ihre Manager mehr «googley» zu machen. Wer in diesen zwei Jahren brilliert, dem winkt ein Job als Product Manager. (yz)


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I M FO KU S

ANDREA MAECHLER Bislang haben Männer die 108-jährige Geschichte der Schweizerischen Nationalbank geschrieben. Anfang Juli aber beginnt ein neues Kapitel. Eine Frau hält Einzug im dreiplätzigen Direktorium: Andréa Maechler, geboren 1969 in der Westschweiz. Der Bundesrat hat die Ökonomin letzten Dezember zur Nachfolgerin des altershalber zurücktretenden Jean-Pierre Danthine ernannt. Bis dahin war Andréa Maechler auf dem Schweizer Finanzplatz kaum bekannt – trotz beachtlichem Werdegang: Studien in Toronto, Genf, Lausanne und Kalifornien, Engagements bei der OECD, der UNO-Konferenz für Handel und Entwicklung und der WTO. Zuletzt lebte und arbeitete Andréa Maechler in Washington. Hier gehörte sie zum Kader des Internationalen Währungsfonds als stellvertretende Leiterin des Bereichs «Global Markets Analy-

ses». Andréa Maechler ist verheiratet und hat zwei Kinder. (ew)

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UNTERNEHMEN

GESCHÄFTSSINN FÜR

SINNVOLLES

Als Leiterin der Ladenkette Changemaker rettet die Baslerin Susanne Schmid nicht die Welt. Sie macht sie aber ein kleines bisschen besser und schöner – mit nachhaltigen Produkten und einem sicheren Gespür für Ästhetik und Design. TEXT NINA SIEGRIST FOTO PAOLO DUTTO

E Sie weiss, was sie verkauft: Geschäftsführerin Susanne Schmid im Changemaker an der Marktgasse in Zürich.

ine Weltverbesserin im müffeligen Kupfer-Wolle-Bast-Look? Nein, das war Susanne Schmid nie. Die 38-Jährige mit den langen blonden Haaren legt Wert auf Mode, trägt Kleid, Stiefel, Schmuck und Schal, ist dezent, aber sorgfältig geschminkt. Für ein Treffen schlägt sie ein traditionelles Café im Zürcher Niederdorf vor, ihre Begrüssung ist nett, nicht zu privat, nicht zu distanziert. Eine routinierte Geschäftsfrau, denkt man. Beim näheren Hinsehen verkörpert Schmid dann exakt das, wofür die von ihr geführte Ladenkette Changemaker steht: Hinter gutem Aussehen verbirgt sich viel Inhalt und Sinn oder, wie es der Slogan des Unternehmens ausdrückt, «Ethik küsst Ästhetik». Der schmeichelnd-weiche Baby-Alpaca-Schal um Susanne Schmids Hals wurde von der Weberei Royal Knit in Peru gefertigt – hier erhalten unter anderem alleinerziehende Frauen eine neue Lebensperspektive. Der Armschmuck kommt von Noah’s Ark, einem Fairtrade-Projekt in Indien. Susanne

Schmid selbst trägt nicht nur Accessoires aus dem Changemaker-Sortiment, sie achtet auch im Alltag auf Nachhaltigkeit, fährt mit dem Tram von ihrer Wohnung im Zürcher Seefeld ins Büro und Lager beim Letzigrund-Stadion, kauft Bio-Lebensmittel auf dem Markt, verzichtet grösstenteils auf tierische Produkte. Dennoch zählt sie nicht zu jenen moralinsauren Veganern, die «Fleischfressern» ihr Salamibrötli miesmachen. Ihre Botschaft: Nachhaltiges Einkaufen und Konsumieren darf nichts Ideologisches sein und muss vor allem eines – Spass machen! Mit der Jahrtausendwende kam in den Industrieländern ein neuer Lebensstil auf. «Lohas», Lifestyle of Health and Sustainability, nannte ihn der amerikanische Soziologe Paul Ray: Immer mehr Menschen achteten im Alltag auf Gesundheit und Nachhaltigkeit – aus Sorge um die Umwelt, Mitleid mit weniger Privilegierten, aber auch, weil es schlicht und einfach «in» wurde, Dinge zu kau➤ fen, die sinnvoll oder lokal produziert werden. FEBRUAR 2015 · WOMEN IN BUSINESS 15


UNTERNEHMEN

«Heimweh? Dieses Gefühl ist mir fremd. Ich könnte permanent in den nächsten Flieger steigen!»

Diese wachsende Masse bringt einen «Change», sie verändert das Shopping-Verhalten: Plötzlich will man nicht mehr nur sich, sondern auch anderen mit dem Einkauf etwas Gutes tun. Rund ein Drittel aller Schweizer sind laut Marktforschung sogenannte «Lohas» und können es sich leisten, für nachhaltige Produkte auch mal ein bisschen mehr Geld auszugeben. Gerhard Friesacher, der Gründer von Changemaker, hat dieses Potenzial früh erkannt. Der gebürtige Österreicher und Inhaber einer erfolgreichen Schweizer Agentur für Spendenmarketing entschloss sich 2009, in eine Fairtrade-Ladenkette zu investieren – und traf damit den Nerv der Zeit. Via Fernweh zum Job Aufgewachsen im ländlichen Ettingen BL, entwickelte Susanne Schmid als Tochter eines Glasbläsers und einer Pharma-Assistentin schon früh ein Faible fürs Business: «Ich sammelte Nüssli und verkaufte sie am Strassenrand.» Nach der Matura ist schnell klar: Susanne Schmid will in die Modebranche. Sie macht eine Ausbildung zur Textilkauffrau, findet eine Anstellung im Einkauf der Modeabteilung von Manor. Bereits mit Anfang zwanzig reist sie quer durch die Welt, besucht Produktionsstätten in Indien, China und auf den Philippinen, fährt zwischen Mopeds und Ochsenkarren kilometerweit über ungeteerte Strassen, bis sie den Ort des nächsten Meetings erreicht. Heimweh? Dieses Gefühl sei ihr fremd, sagt Schmid: «Ich könnte permanent in den nächsten Flieger steigen!» Mit 26 Jahren, während einer privaten Indienreise, hat Susanne Schmid eine Sinnkrise, sucht nach Möglichkeiten, ihre wirtschaftliche Tätigkeit mit einem sozialen Engagement zu verknüpfen. Sie sei in einer fürsorglichen Familie aufgewachsen, sagt Schmid, und wer viel Fürsorge empfange, wolle 16 WOMEN IN BUSINESS · FEBRUAR 2015

diese auch weitergeben. Ein von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) unterstütztes Programm bietet ihr wenig später eine entsprechende Chance: ein mehrmonatiges Praktikum in der Textilweberei der Women’s Foundation in Nepal, einer Institution, die sich für misshandelte und benachteiligte Frauen einsetzt, ihnen Arbeit und Selbstvertrauen schenkt. Hier soll die Schweizer Textilkauffrau in der Produktion mithelfen. Vor Ort wird Susanne Schmid bald bewusst: Die gewobenen Schals sind weder modisch noch angenehm zu tragen, gleichen in ihrer Steifheit einem unförmigen Tischläufer. Sie beginnt, mit den Weberinnen zu experimentieren, mischt Wolle, Seide und Kaschmir, erstellt neue Farbmuster. Und tatsächlich: Plötzlich lassen sich die Schals verkaufen – und das nicht aufgrund irgendeines «Mitleid-Bonus», sondern weil Qualität und Design stimmen. Susanne Schmid übernimmt den Vertrieb der «Womenepal»-Schals in der Schweiz. Hauptberuflich arbeitet sie erneut in Basel bei Manor, kauft Dekorations- und Küchenartikel ein, bis eines Tages der Anruf eines befreundeten Werbers kommt: Ein gewisser Gerhard Friesacher hat diesen nämlich beauftragt, eine Stellenausschreibung für die Geschäftsführerin seiner geplanten Ladenkette zu formulieren. Eine Person mit sozialem Denken, Geschäftssinn und Gespür für Trends soll es sein. Beim Schreiben wird dem Werber klar: Das Anforderungsprofil trifft exakt auf Susanne Schmid zu. Er bringt Friesacher und Schmid zusammen. Die beiden verstehen sich. Vor der Vertragsunterzeichnung hat die angehende Geschäftsführerin nur eine Bedingung: Sie will die von ihr mitentwickelte Schalkollektion aus Nepal ins Sortiment aufnehmen. Heute zählen die «Womenepal»-Schals neben den Bilderrahmen von ➤ Luna Design (gefertigt aus dem Holz von Ab-

Susanne Schmid will drei weitere Changemaker-Filialen eröffnen: in St. Gallen, Chur und Baden.


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risshäusern in Kapstadt) und den biologischen Raumdüften von Organic Avenue zu den Bestsellern von Changemaker. Zum Online-Shop und den 2010 eröffneten Läden in Zürich und Bern sind in den letzten vier Jahren Filialen in Basel, Thun, Luzern, Winterthur und Schaffhausen hinzugekommen. In Chur, Baden und St. Gallen werden derzeit Ladenlokale gesucht, erste Tipps der wachsenden «Changemaker»-Anhängerschaft sind bereits bei Susanne Schmid eingegangen. Man kennt das Label – und das, obwohl das Unternehmen kaum Werbung macht und keine PRAgentur für sich weibeln lässt. Mode-Accessoires, Einrichungsgegenstände, Geschenkartikel und Kinderspielzeug gehen in den Mini-Warenhäusern massenhaft über den Ladentisch, Kundinnen sind meist Frauen über dreissig. Über die Grenze wachsen Eine Expansion, zum Beispiel nach Österreich, schliesst Susanne Schmid, die mittlerweile 45 Mitarbeitende unter sich hat, nicht aus. Wichtiger ist ihr und Changemaker-Gründer Friesacher aber, weiterhin die Kontrolle über die Wertschöpfungskette aller angebotenen Artikel zu behalten. Verschiedene Labels helfen dabei, zudem nutzt Susanne Schmid geschäftliche und private Reisen, um sich von einzelnen Produktionsstätten selbst ein Bild zu machen. Ihr Ziel: noch mehr selbst entwickelte Produkte, bei denen das Wissen von Schweizer Designern mit dem geschickten Handwerk in Entwicklungsländern gepaart wird. Dafür will Changemaker Plattformen bieten. 18 WOMEN IN BUSINESS · FEBRUAR 2015

Bestseller bei Changemaker: Der WomenepalSchal. Gefertigt in einem Förderungsprojekt in Nepal, mitentwickelt von Susanne Schmid.

Freizeit? «Wer seinen Job liebt, braucht wenig Erholung.» Wenn Susanne Schmid am Wochenende nicht gerade irgendeine Design- oder Nachhaltigkeitsmesse besucht, arbeitet sie im Laden ihres Lebenspartners Simon Wirth. Auch er hat seinen Managementjob bei einem Grossunternehmen an den Nagel gehängt und widmet sich nun seinem Trouvaillen-Shop «Einzelstück», in dem man Vintage-Möbel aus aller Welt und dekorative Fundstücke von gemeinsamen Reisen findet. Wenn Susanne Schmid doch mal keine Lieferanten, Kunden, Personalblätter und Abrechnungen mehr sehen mag, dann geht sie mit Hund Seppi spazieren. Der schwarze Dackel mit den cognacfarbenen Pfoten weilt auch im Büro stets an Frauchens Seite. Mit seinen neun Jahren ist er immer noch topfit. Und das, weil (oder obwohl) ihn Susanne Schmid vegetarisch ernährt. «Manchmal mache ich eine Ausnahme und gönne ihm einen Knochen», sagt Susanne Schmid schmunzelnd. Auch bei ihm gilt wohl ihr Credo: Nachhaltigkeit ist gut. Aber der Spassfaktor darf nicht fehlen. ★


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SERIE

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FRAU KANN DAS

DOCH NICHT! Karriere ist für viele Frauen ein Hürdenlauf. Und als gäbe es nicht schon genug Hindernisse, schaffen es Frauen regelmässig, sich und anderen Frauen gründlicher im Weg zu stehen, als es jeder Mann tun könnte. TEXT MONA FAHMY ILLUSTRATION KERSTIN STAUB

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SERIE

W

ir hätten ja gerne mehr Frauen in Führungspositionen, wir finden aber keine, die will. Wir haben jetzt ein Frauenförderungsprogramm, das Ziel ist, in fünf Jahren den Frauenanteil im Kader zu heben.» Solche und ähnlich geistreiche Sätze dürfte praktisch jede Frau schon einmal gehört haben, die hierzulande Karriere gemacht hat oder noch machen will. Wir schreiben das Jahr 2015. Über zwei Millionen der 4,4 Millionen Erwerbstätigen in der Schweiz sind Frauen, ein Anteil von 46 Prozent. Obwohl noch bis nach dem Studium Frauen und Männer gleich gut unterwegs sind, schaffen es nur gerade 35 Prozent der berufstätigen Frauen in eine Vorgesetztenposition. In der Unternehmensleitung sind es dann noch 28 Prozent. Im Verwaltungsrat beträgt der Frauenanteil 22 Prozent, am höchsten ist er in Mikrounternehmungen, sinkt dann mit steigender Unternehmensgrösse. Dies sind alles Ergebnisse der Studie «Bedeutung und Positionierung von Frauen in Schweizer KMU» der Universität St. Gallen. Die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist seit 1981 in der Verfassung verankert, und seit 1996 ist das Gleichstellungsgesetz in Kraft, das Diskriminierung im Job verbietet. Rechtlich ist die Situation klar. Dass Diskriminierung dennoch

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Alltag ist, hat nicht zuletzt mit Bildern im Kopf zu tun. Mit Voreingenommenheit. Da ist der Chef, der Frauen nicht diskriminieren will, es aber dennoch tut, indem er einen berufstätigen Vater befördert und eine besser qualifizierte berufstätige Mutter nicht einmal in Betracht zieht. Auf Nachfrage sagt er ganz erstaunt, er hätte gedacht, sie sei wegen der Kinder sowieso nicht interessiert. Da ist der Vorgesetzte, der Frauen nicht befördert, weil «man ja keine Garantie hat, dass sie es dann besser macht als ein Mann» – als ob ein «gleich gut» nicht genügte. Da ist der Arbeitskollege, der den Chef im Vorurteil bestärkt, Frauen möchten eigentlich gar keine Karriere machen. Seine Frau sei ja auch glücklich zu Hause. Sie alle haben Rollenbilder im Kopf, verallgemeinern und glauben, genau zu wissen, was eine Frau will und kann – und was eben nicht. Beim Hochklettern der Karriereleiter wäre die Voreingenommenheit etlicher Vorgesetzter und Kollegen an sich schon Herausforderung genug. Doch es sind ausgerechnet Frauen, die sich zusätzliche Hindernisse bauen und sich und anderen Frauen den beruflichen Erfolg gründlicher vermasseln, als es jeder Mann tun könnte. Frauen scheitern erst einmal an den Rollenbil-


Blau ist für Mädchen, Rosa für Jungs Es sind hauptsächlich Frauen, die Kinder erziehen – und ihnen traditionelle Rollenbilder vermitteln.

J

üngere Mädchen bezeichnen sich noch als «mutig» und «schlau», ältere schreiben sich viel eher geschlechtstypische Eigenschaften wie etwa «hilfsbereit» zu. Dies ist eines der Ergebnisse der Studie «Mädchen in der

Schweiz – von der Überholspur zurück in den Boxenstopp?» des Hilfswerks Plan International Schweiz. Je älter sie werden, desto eher verlieren Mädchen an Selbstvertrauen und entwickeln eine traditionellere Vorstellung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das liegt daran, dass Mädchen schon früh sehr einseitige Bilder von Weiblichkeit vermittelt bekommen. Mädchen

dern im Kopf der Vorgesetzten – ein Viertel davon ist mittlerweile weiblich. Die wenigsten Frauen, die es durch die gläserne Decke geschafft haben, ziehen Frauen nach. «Wenn man sich nicht bewusst damit auseinandersetzt, funktionieren Projektionen bei Frauen nicht anders als bei Männern», sagt Elisabeth Mlasko, Psychologin und Karrierecoach in Zürich. «Ich vermute, viele Frauen passen sich auf dem Weg nach oben an und werden im Denken zu weiblichen Versionen von Männern.» Andere Frauen würden auf ihre Karriere verzichten, um sich nicht der Männerwelt anpassen zu müssen, so Mlasko. Vorurteile im Kopf Manche Vorgesetzte, die im technischen Umfeld eine Fachperson sucht, wird nach wie vor einen Mann vorziehen, auch wenn eine Frau über die nötigen Qualifikationen verfügt. Nur wenige trauen einer Frau zu, ihr Auto genauso kompetent zu reparieren wie ein Mann. Und noch heute zucken auch Frauen im Flugzeug zusammen, wenn sie hören, dass eine Pilotin im Cockpit sitzt. «Piloten, Dirigenten, die unbewussten Projektionen funktionieren überall dort, wo festgefahrene Rollenbilder existieren», sagt Elisabeth Mlasko. ➤ «Anders als in einem Unternehmen, wo

verkleiden sich als Prinzessinnen und bekommen Puppen und Schmucksets geschenkt, Jungs verkleiden sich als Actionheld und bekommen Rennwagen und Spielzeugpistolen. In der Lego-Serie für Mädchen hat es eine Backstube und einen Ponyhof, die Serie für Jungs führt Hubschrauber, Rennfahrzeuge und Adler. Rollenbilder werden schon früh zementiert. Mädchen gehen ins Ballett, reiten oder spielen Theater. Jungs spielen Fussball oder Eishockey und gehen in den Kampfsportunterricht. Zwar werden die Geschlechter immer mehr durchmischt, die Reaktionen aus dem erwachsenen Umfeld, vor allem von Frauen, lassen manchmal immer noch zu wünschen übrig. «Was, deine Tochter macht Karate? Ist das nicht zu brutal?» Oder: «Mach Dir keine Sorgen, dass dein Sohn lieber mit Puppen spielt, das gibt sich noch.» Dabei sollte langsam selbstverständlich sein, dass Mädchen sowohl Prinzessin wie Pilotin sein können und Jungs sowohl Actionheld wie Puppenvater. Mädchen dürfen in Mathe stark sein und Jungs im Lesen. Mädchen können genauso gut Drachen steigen lassen, wie Jungs Kuchen backen können. Und es spricht absolut nichts dagegen, dass Mädchen Blau tragen und Jungs Pink, wenn sie es so wollen. Es liegt nicht zuletzt an uns Frauen, den Kindern ein modernes Rollenverständnis zu vermitteln und damit den Mädchen die Basis für den späteren beruflichen Erfolg zu bauen. FEBRUAR 2015 · WOMEN IN BUSINESS 23


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Vorurteile im Kopf: Mann ist rational, Frau hat emotional zu argumentieren. auf Diversity geachtet wird, funktionieren die Projektionen im öffentlichen Raum wie in einem Flugzeug ungebremst.» Wenn nicht explizit eine Frau gesucht wird, bevorzugen auch weibliche Human-Resources-Verantwortliche bei der Vorauswahl von Kandidaten für gewisse Führungspositionen oder technische Berufe Männer, wie es drei Headhunter hinter vorgehaltener Hand bestätigen. ChecklistenMentalität. Mit der Auswahl von Stereotypen fährt die HR-Verantwortliche sicher, auch wenn die Praxis zeigt, dass die angeblich sichere Wahl alles andere als ein Erfolgsrezept ist. Die Checklisten-Diskriminierung spielt übrigens auch beim anderen Geschlecht, wenn etwa Männer vor allem weibliche Lehrpersonen auswählen, weil sie Männern weniger zutrauen, mit Kindern umgehen zu können. Stereotypen im Kopf hat auch die AssessmentSpezialistin, deren Verdikt bei der Beurteilung eines Rollenspiels – Vorgesetzte, Mitarbeiter – lautet: «Sie haben sachlich sehr gut argumentiert, sie hätten aber emotionaler sein müssen.» Mann ist rational, Frau hat emotional zu argumentieren. Selbstkritisch und angreifbar Auch Frauen bewerten und werten, wie Männer, mit antiquierten Rollenbildern im Kopf. Erschwerend kommt hinzu, dass sie ständig vergleichen und sich selber allzu kritisch würdigen. «Wir leben in einer Gesellschaft, in der es kaum Menschen mit einem gut abgesicherten, wahren Selbstwert gibt», sagt Elisabeth Mlasko. Männer 24 WOMEN IN BUSINESS · FEBRUAR 2015

würden ihren schlechten Selbstwert oft durch Lautstärke kompensieren und den Selbstsicheren spielen. Frauen dagegen fühlten sich sofort schlecht, wenn sie nicht alles perfekt unter einen Hut bringen. «Frauen nehmen ihre Angreifbarkeit mit in die Sitzung. Sie üben Selbstkritik und denken, es wäre sozial kompetent – was es auch ist. Aber ihre Mitspieler – auch Frauen – nützen dies dann sofort aus.» Erfolg mögen viele Frauen ihren Geschlechtsgenossinnen nicht gönnen. Dass etwa Angela Merkel eine der mächtigsten Frauen der Welt ist, können auch die Neidischen unter den Zeitgenossinnen noch durchgehen lassen. Der Erfolg von jüngeren Frauen wie Facebook-COO Sheryl Sandberg oder Yahoo-Chefin Marissa Mayer hat aber vor allem bei Frauen zu manchem gehässigen Kommentar geführt. Und dass Mayer ihren Posten hochschwanger antrat, war für viele des Guten zu viel. Mayer wurde – vor allem von Müttern – wahlweise unterstellt, eine Rabenmutter zu sein oder das Unternehmen im Stich zu lassen. Eine Frau, die sowohl Unternehmerin wie Mutter sein kann, ist für manche Frau eine schwer zu schluckende Kröte. Einem Mann wird ohne nachzudenken Kind und Karriere zugestanden – zu Hause wacht ja die Frau. Wir bremsen uns gegenseitig aus Eine TV-Journalistin, die für ein paar Tage auf Reportage reiste, wurde von einer Freundin gefragt, wer sich denn in der Zeit um die «armen Kinder» kümmere. Abgesehen davon, dass die Frage im-


Testen Sie sich Sehen Sie Frauen und Männer wirklich als gleichberechtigt an?

Sind Sie unangenehm berührt, wenn eine Frau erzählt, wie erfolgreich sie im Beruf ist – bei einem Mann finden Sie es aber ganz normal? Finden Sie auch, dass eine Frau besser performen muss als ein Mann, wenn sie Karriere machen will? «Die oberste Befehlshaberin der Streitkräfte, Anne

pliziert, dass weder Mann noch Grosseltern sich adäquat um die Kinder kümmern können: Kein Mann muss sich auf einer Geschäftsreise solche Fragen anhören. Die Kritik an erfolgreichen Frauen hat schon manche Ambitionen im Keim erstickt, denn Frauen nehmen Kritik persönlicher als Männer. Bei Müttern kommen erschwerend Selbstvorwürfe wegen der Kinder hinzu. Während Männer ganz gut damit leben können, vor allem am Wochenende Spass mit ihren Kindern zu haben, zerfleischt sich manche Frau, weil sie wegen Überstunden an zwei, drei Abenden keine Zeit für die Kinder hatte. Denn so entspricht sie nicht mehr dem Bild der idealen Mutter, das andere portieren und das sie verinnerlicht hat. Selbstvorwürfe lähmen. Sie nehmen frau die Energie, die sie für ihre Karriere – und ihre Kinder – bräuchte. Lasst uns kooperieren! In einem weiteren Punkt stehen sich Frauen selbst im Weg, beim im Berufsleben überlebenswichtigen Networking. Männer treffen sich zum Feierabendbier, treiben gemeinsam Sport. Die geschäftliche Beziehung wird strategisch genutzt, um auf der Karriereleiter einen Schritt weiterzukommen. Frauen gehen mit Arbeitskolleginnen ebenfalls zum Apéro oder treiben gemeinsam Sport. Sie tun sich aber damit schwer, die Beziehung zu ihrem persönlichen Karrierevorteil zu nutzen. Sie versuchen eher, ihre Vorgesetzten mit Leistung zu überzeugen, und arbeiten lange ➤ Stunden, statt Allianzen zu schmieden, Kon-

Williams, befahl ihren Elitepilotinnen, das Ziel zu bombardieren.» Warum irritiert Sie der Satz? «Frank schob den Braten in den Ofen. Er blickte auf die Uhr, bevor seine Frau von der Arbeit nach Hause kam, blieb ihm noch etwas Zeit, um ihr Hemd zu bügeln.» Warum denken Sie gerade, dass Frank ein Weichei ist? Wenn schon, arbeitet die Frau Teilzeit. Warum eigentlich? Finden Sie es seltsam, wenn Ihr Sohn einen Spielzeugstaubsauger zur Weihnacht erhält und/oder Ihre Tochter einen Bagger? Würden Sie Ihr Kind einem Hort anvertrauen, in dem nur Männer arbeiten? Denken Sie, dass eine hochschwangere Frau kein globales Unternehmen führen sollte? Finden Sie es in Ordnung, wenn eine Bekannte alle zwei Wochen auf Geschäftsreise geht und ihr Mann sich um die Kinder kümmert? Eine Frau und ein Mann haben unterschiedliche Ansichten, was mit Ihrem Wagen nicht stimmt. Wem glauben Sie, wenn Sie nicht wissen, dass die Frau Automechanikerin ist? Testem Sie die Ausprägung Ihrer Vorurteile: www.womeninbusiness.ch

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takte von früher zu aktivieren und sich besser zu verkaufen. Dann reiben sie sich erstaunt die Augen, wenn der Kollege befördert wird, der sich vor allem durch Smalltalk mit den Meinungsmachern des Unternehmens auszeichnet. Irgendwann geben viele Frauen auf, reduzieren ihr Pensum und versuchen, das Rollenbild der glücklichen Hausfrau und Mutter zu verinnerlichen. Ein Rollenbild, das manche erfüllt, andere aber unglücklich macht. Rollenbilder sind es auch, die dafür sorgen, dass manche Frauen sich zu wenig zutrauen. Ein technischer Beruf? Davon verstehe ich doch nichts. Eine Führungsposition? Der Chef hätte mich bestimmt gefragt, wenn ich dazu fähig wäre. Frauen bewerben sich nur für Jobs, für die sie denken, hundertprozentig qualifiziert zu sein. Männer bewerben sich, wenn sie nur schon die Hälfte der Anforderungen erfüllen, im Wissen, dass es die eierlegende Wollmilchsau nicht gibt. Frauen warten, bis sie gefragt werden. Männer stehen bei der ersten sich bietenden Gelegenheit im Büro des Chefs oder der Chefin und empfehlen sich für den Job. Vorurteile abbauen! Von den Frauen, die sich doch getrauen, scheitern manche ausgerechnet, weil sie sich getraut haben. «Das nennt man Social Backlash,» sagt die Harvard-Professorin Iris Bohnet (siehe auch Interview, S. 28). «Wenn Frauen das Gleiche fordern oder gleich aggressiv sind wie Männer, wird das viel negativer beurteilt.» Ein Mann wird befördert, weil er «gesunden Ehrgeiz» an den Tag legt. Eine Frau wird es nicht, weil sie «zu ungeduldig ist». Viel wichtiger als Führungs- und Verhandlungstraining sei darum der Abbau von Vorurteilen, sagt Iris Bohnet, damit es tatsächlich einmal gleiche Chancen gibt für Männer wie Frauen. Der Abbau von Vorurteilen hätte unter anderem zur Folge, dass die Hausfrau und Mutter nicht mehr über die berufstätige Mutter lästert und gegen ein besseres Kinderbetreuungsangebot stimmt. Es wäre klar, dass beide Rollen ihren Platz und ihre Berechtigung haben. Die Chefin würde sich dafür einsetzen, dass es auch auf Kaderstufe mehr Teilzeitstellen und Möglichkeiten für Homeoffice gibt. Und die Arbeitskolleginnen würden dafür einstehen, dass vorerst wenigstens eine Frau aus dem Team befördert wird, statt sich im Zickenkrieg aufzureiben. ★ 26 WOMEN IN BUSINESS · FEBRUAR 2015

GEDANKEN ZU UNSEREN VORURTEILEN «Frau zu sein, ist nicht genug. Mann zu sein, ist auch noch keine Leistung ...» Gerlinde Knaus in ihrem Buch «Pionieriennen. Die fabelhafte Welt der Frauen in der Technik» «Innerhalb der Geschlechter gibt es weit grössere Unterschiede als zwischen den Geschlechtern.» Biopsychologe Markus Hausmann, Universität Bochum «Die grösste Hürde liegt jedoch in den Köpfen – von Männern und Frauen. Vieles wäre machbar, aber es ist nicht vorstellbar. Der Erfolg beginnt im Kopf.» Monika Henn in «Die Kunst des Aufstiegs. Was Frauen in Führungspositionen kennzeichnet» «I'm not telling women to be like men. I'm telling us to evaluate what men and women do in the workforce and at home without the gender bias.» «At best, people are open to scrutinizing themselves and considering their blind spots; at worst, they become defensive and angry.» Facebook-COO Sheryl Sandberg «There's an unconscious bias in our society: girls are wonderful; boys are terrible. And to be a boy, or young man, growing up, having to listen to all this, it must be painful.» Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin Doris Lessing «The difficulty lies, not in the new ideas, but in escaping the old ones, which ramify, for those brought up as most of us have been, into every corner of our minds.» Ökonom John Maynard Keynes «We can never establish with certainty what part of our relations with others is the result of our emotions — love, antipathy, charity, or malice — and what part is predetermined by the constant power play among individuals.» Schriftsteller Milan Kundera


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«Bei Tests erkennt man seine Vorurteile» Die Schweizer Harvard-Professorin Iris Bohnet beschäftigt sich mit den Rollenbildern, die es Frauen erschweren, Karriere zu machen. Die gute Nachricht: Die Vorurteile kann man abbauen INTERVIEW MONA FAHMY

rau Bohnet, Frauen in Führungspositionen sind nach wie vor Exotinnen. Woran liegt das? Es hat viel mit Rollenbildern in unseren Köpfen zu tun. Führungspositionen in der Wirtschaft und der Politik nimmt man als männliche Rollen wahr, genauso wie Krankenschwester oder Lehrerin als weibliche Rollen gelten. Wir sprechen von Stereotypen, die uns selbst und andere beeinflussen.

Wie erkennt man die Rollenbilder im Kopf? Es gibt einen ausgezeichneten Test, wie man diese implizite Voreingenommenheit messen kann. Im «Implicit Association Test», den man auch online machen kann, wird gemessen, wie schnell wir Assoziationen herstellen zwischen Frauen und Männern und bestimmten Tätigkeiten und Adjektiven. Da heisst es zum Beispiel: «Frau – Kind» oder «Frau – Geschäftswagen», und da erkennt man, dass die zweite Verbindung schwieriger herzustellen ist. Bei den Tests macht man seine Vorurteile aus, nicht nur in Bezug aufs Geschlecht, sondern auch in Bezug auf Rasse, Religion, Aussehen, Grösse, Gewicht. Die Vorurteile haben damit zu tun, dass wir in Kategorien denken und Idealvorstellungen vom typischen Basketballspieler, der typischen Musikerin oder der typischen Ärztin haben.

Viele Vorgesetzte geben an, sie wollen Frauen keinesfalls diskriminieren, machen es dann aber doch. Warum?

Es genügt also nicht, Frauen in Unternehmen zu «fördern», wie es einige Unternehmen propagieren?

Von Emmenbrücke LU nach Cambridge, Massachusetts: Iris Bohnet, 48, seit 1998 Wirtschaftsprofessorin an der HarvardUniversität.

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Wir müssen unterscheiden zwischen expliziter und impliziter Diskriminierung. Und vieles findet implizit statt, ohne, dass wir uns selbst der Diskriminierung bewusst sind. Wir können das Ausmass dieser Diskriminierung messen, indem wir Kandidatinnen und Kandidaten «blind» evaluieren, also ohne ihre demografischen Merkmale zu kennen. Weil der Anteil Musikerinnen zu tief war, haben einige der grossen Orchester in den USA in den 1990er-Jahren das Vorspielen hinter einem Vorhang stattfinden lassen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen angestellt wurden, stieg um 30 Prozent. Die Studie zeigt, wie Leute, die nicht diskriminieren wollten, sich einfach nicht vorstellen konnten, dass eine Frau ein als männlich wahrgenommenes Instrument spielen kann.


Natürlich nicht. Google hat beispielsweise eingeführt, dass alle Mitarbeitenden den «Implicit Association Test» machen müssen, um sich ihrer Vorurteile bewusst zu werden. Das ist ein guter erster Schritt. Dann müssen wir die Rahmenbedingungen ändern, was weniger mit Frauenförderung als mit der blinden Evaluation zu tun hat, wie bei den Orchestern. Wir möchten ja eine Welt schaffen, in der wir Leute aufgrund ihrer Leistung beurteilen und nicht aufgrund ihrer demografischen Charakteristika. Was gilt es zu tun? Von wissenschaftlichen Studien wissen wir, dass wir alles immer relativ beurteilen. Ob der Kaffee Ihnen schmeckt oder nicht, hat damit zu tun, wie Sie Ihren Kaffee normalerweise trinken. Genauso ist es, wenn Sie Menschen beurteilen. Wenn ich jemanden für einen bestimmten Job suche, werde ich Bewerber und Bewerberinnen im Vergleich zu den Stereotypen in meinem Kopf beurteilen. Mit einer einfachen Intervention kann man das überwinden. Wenn die Beurteilenden mindestens zwei Leute miteinander vergleichen müssen, braucht es diese interne Referenzperson nicht mehr. In Experimenten haben wir gezeigt, dass man dann viel eher auf die Leistung achtet als auf Stereotypen. Wenn man explizit zwei Personen miteinander vergleicht, wird das Hirn darauf trainiert, auf real existierende Leute zu schauen. Gibt es Beispiele, in denen Vorurteile tatsächlich abgebaut werden konnten? Eine der besten Studien dazu kommt aus Indien. 1993 wurde die Verfassung geändert. Ein Drittel der Dörfer und Städte, die nach dem Zufallsprinzip ausgesucht wurden, musste fortan eine Bürgermeisterin haben. Zwei Amtszeiten à vier Jahre reichten, um die Wahrnehmung der Einwohner und Einwohnerinnen zu ändern. Eltern in Gemeinden mit einer Bürgermeisterin geben zum Beispiel an, ein wichtiges Karriereziel für ihre Töchter sei, Politikerin zu werden. Braucht es also die Quote, damit sich die Rollenbilder bei uns ändern? Vorbilder zu sehen, die nicht dem gängigen Stereotyp entsprechen, hilft auf jeden Fall. Aber Unternehmen könnten auch selbst noch viel tun. Es würde schon helfen, wenn Firmen wie Google die Tests machen würden, um eigene Vorurteile zu erleben. Dann sollten Firmen die Prozesse bei der Mitarbeiterbeurteilung analysieren. Das beginnt beim Einstellungsverfahren, bei Leistungsbeurteilungen und Beförderungen. Gerade bei der Beurteilung vom Potenzial eines Mitarbeitenden sind viele vor-

eingenommen. Manager und Managerinnen können sich nicht vorstellen, dass eine Frau Führungspotenzial hat. Da wäre eine Intervention sinnvoll. Wo noch? Viele Firmen laden ihre Mitarbeitenden ein, sich selber zu beurteilen, und diese Beurteilungen werden den Vorgesetzten vorgelegt, bevor diese ihre eigene Beurteilung machen. Wie wir wissen, sind Frauen weniger selbstbewusst als Männer, und sie werden sich im Durchschnitt tiefer einschätzen. Der oder die Vorgesetzte wird sich dann eher sagen, ich habe den Mann wohl unterschätzt und die Frau überschätzt, weil sie sich ja selber schlechter einschätzt. Wenn Vorgesetzte aber beurteilen, bevor sie die Selbstbeurteilung der Mitarbeitenden zu Gesicht bekommen, werden sie davon nicht beeinflusst. Wie Sie sehen, gibt es noch viel, was wir tun könnten, um sowohl besser also auch fairer zu entscheiden. Sie gehören zu denen, die den Durchbruch geschafft haben. Verglichen mit anderen zielstrebigen, gebildeten und intelligenten Frauen, was waren Ihre Wettbewerbsvorteile? Mein Elternhaus hat es mir erlaubt, ein natürliches Selbstvertrauen zu haben. Ich hatte nie das Gefühl, als Frau könne ich das nicht, als Mädchen sollte ich das nicht. Eine zweite wichtige Sache war, dass ich immer gute Mentoren und Mentorinnen hatte, die keinen Unterschied machten zwischen Doktoranden und Doktorandinnen oder Assistenzprofessoren und -professorinnen. Und schliesslich habe ich einen Partner, der mich immer als gleichberechtigt betrachtet und unterstützt hat. Ihre Karriere haben Sie in den USA gemacht. Was ist der grösste Unterschied zur Schweiz? Ich lebe in einer Umgebung, in der meist beide Elternteile voll arbeiten. Fast ein Viertel der ordentlichen Professuren wird von Frauen besetzt, in der Schweiz waren es weniger als 10 Prozent, als ich von der Uni Zürich nach Harvard kam. Fakultätssitzungen hören um halb sechs auf, es ist normal, dass man die Kinder von der Krippe holen muss. Es ist viel mehr die Norm, dass man fehlen kann, weil ein Kind krank ist oder bei einem Theaterstück mitmacht. Und Veranstaltungen, an der alle Vortragenden männlich sind, sind praktisch undenkbar. Aber es scheint mir, dass im Moment viel passiert in der Schweiz. Heute ist beinahe jeder fünfte Lehrstuhl von einer Frau besetzt. Auch wenn meine eigene Forschung darauf fokussiert ist, was Organisationen intern tun können, die Quotenfrage hat auf jeden Fall eine interessante Diskussion entfacht. ★

Im nächsten Heft: Teil 2 der Serie. Welche Arbeitgeber Superwomen erkennen und durchstarten lassen.

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Innovatives Hydration Oil für jeden Hauttyp für eine strahlende und straffe Haut Wieso gibt es im dermatologischen Lubex anti-age-Sortiment neu ein exklusives Gesichtsöl? Pflanzenöle gehören schon seit Jahrtausenden zum Pflegeritual: Im alten Ägypten versorgten Kleopatra und ihre Zeitgenossen (auch Männer) ihre Haut mit Rizinusöl, in Japan hat Kamelienöl ebenfalls eine Jahrhundertalte Tradition. Bei uns in der Schweiz hatten Öle bis vor kurzem jedoch eher wenig Bedeutung, da die auf dem Markt erhältlichen Öle meistens mineralische Komponenten wie z.B. Paraffinöl enthielten, die auf der Haut ein klebriges Gefühl hinterliessen und die Haut nicht mehr atmen liessen. Neu gibt es aus nachhaltiger Produktion im Amazonas kostbare, sogenannte «leichte» Öle, die sehr schnell in die Haut einziehen und keinen spürbaren Fettfilm hinterlassen. Dadurch ist es Permamed in Zusammenarbeit mit Dermatologen gelungen, mit Lubex antiage hydration oil ein exklusives dermatologisches Gesichtsöl mit sorgfältig ausgesuchten, feinflüssigen Naturölen aus dem Amazonas zu entwickeln, das für eine samtige, strahlende und straffe Haut sorgt. Der Wirk- und Pflegeeffekt ist sofort sicht- und fühlbar. Ist der Name «hydration oil» nicht ein Widerspruch in sich, da «hydration» Feuchtigkeit bedeutet und es sich bei «oil» um ein flüssiges Lipid (Fettstoff) handelt? Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass es sich bei diesen beiden Worten um einen Widerspruch handelt. Dem ist aber nicht so, wie ich Ihnen folgendermassen erklären kann: Die Naturöle sowie die Flavonoide des «Black Orchid Extract» in Lubex anti-age hydration oil verstärken die Hautbarriere und reduzieren den transepidermalen Wasserverlust, d. h. die

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BUSINESS DOWN

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Die plastische Chirurgie ist in der intimsten Zone der Frau angelangt. Jährlich legen sich in der Schweiz und in Deutschland über 10 000 Frauen unters Messer. Tendenz steigend. TEXT YVONNE ZURBRÜGG

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s ist ein Millionengeschäft. Mit einer jährlichen Wachstumsrate von 35 Prozent. Für die einen ist es der vielleicht böseste Auswuchs des Körperkults. Sie gehen so weit und beschreiben den Trend als Porno. Ausgelöst durch Filme, in denen heute keine Frau mehr behaart ist. Und hinter dem Venushügel aussieht wie 18. Aber ist die plastische Chirurgie wirklich nur deshalb in der intimsten Zone angelangt? Was, wenn nicht Porno die Frauen dazu bringt, ihre Vulva zu operieren? Sondern die Emanzipation? «Heute hat die Frau die Freiheit zu entscheiden, etwas an sich zu verändern, wenn sie sich daran stört», sagt Dr. Colette C. Camenisch. In den 70er-Jahren begann der SilikonBoom um den Busen. Seit den 80ern wird Fett abgesaugt, dann folgte das Botox gegen die Falten und das Ohrläppchen-Lifting. Im Pro-Kopf-Vergleich mischt die Schweiz bei den operationsfreudigsten Ländern der Welt mit. Und nun also sind Venushügel, Schamlippen und Vaginalkanal dran. Camenisch operiert seit 2012 in der Klinik Pyramide am See in Zürich, einer der renommiertesten Schönheits-

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kliniken der Schweiz – mit einem internationalen Spitzenruf. Im Team von fünf plastischen Chirurgen ist sie die Einzige, die die weibliche Intimzone operiert. Zur Sprechstunde kommen wöchentlich im Schnitt zwei Frauen, die sich einen solchen Eingriff überlegen. 75 Prozent davon operiert sie. Die anderen sind nicht bereit, die Risiken zu tragen. Oder es gibt keinen Grund für eine Operation. «Zum Teil geht es mehr um eine Verunsicherung als um ein konkretes Bedürfnis. Also um die Frage: Sehe ich eigentlich da unten so aus wie alle anderen?» Google hilft für einmal nicht weiter Christina, 42, googelte zwei Monate lang. Sie suchte nach Frauen, die eine Intim-Operation hinter sich haben. Gute Fälle, schlechte Fälle. Gefahren? Schmerzen? Einschränkungen nach der Operation? Sie suchte nach der Möglichkeit, sich einen Fall anzusehen. Bilder von vorher und vor allem nachher. «Ich habe praktisch nichts gefunden.» Christina gebar im Frühling 2010 Zwillinge. Zwei Jahre später erwartete sie ihr drittes Kind. Bereits während der Schwangerschaft zeigte sich, dass sich ihr Körper langsamer von der Zwillingsgeburt erholt hatte als erwartet. Sie erlitt noch während der Schwangerschaft eine Vaginalsenkung. Trotzdem konnte sie ein drittes Mal komplikationslos gebären. «Aber der Schwangerschaftskanal blieb weit geöffnet, ich ➤ hatte ständig Infektionen.» Nach einem Jahr, in


ILLUSTRATION: PLAINPICTURE

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«Zum Teil geht es mehr um eine Versunsicherung als um ein konkretes Bedürfnis. Also um die Frage: Sehe ich ‹da unten› eigentlich aus wie alle anderen?» Dr. Colette C. Camenisch

dem sie hoffte, die Situation würde sich von alleine bessern, konsultierte sie drei Gynäkologinnen. Keine habe ihr von den plastischen Möglichkeiten erzählt. «Erst der Vierte, es war ein Gynäkologe, hat mich darauf hingewiesen.» Geschäft in der Tabuzone Dr. Colette C. Camenisch sitzt an ihrem Bürotisch. Durch die Fenster der Klinik Pyramide am See in Zürich scheint das Morgenlicht. Die Chirurgin ist perfekt geschminkt, die dunklen Haare akkurat hochgesteckt. Stirn und Wangen prall wie eine 20-Jährige. «Ohne Botox? Ohne mich!» Sie lacht schallend. Camenisch nimmt kein Blatt vor den Mund. «Wir Frauen reden mit unseren Freundinnen über alles. Aber nicht über unsere Vagina. Die Intimzone hat ihren Namen halt nicht von ungefähr», sagt Camenisch. Ganz viele Frauen wüssten gar nicht, welche Möglichkeiten es gibt: «Wir tasten an eine Körperzone, die Jahrtausende unangetastet geblieben ist.» Es war eben einfach immer so, dass die Frau damit zu leben hatte, was nach der Geburt war. Dass die rekonstruktive Chirurgie zwischen Schamlippen und Dammnarbe auch ihr Gebiet gefunden hat, birgt

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Zündstoff. Gegner schütteln den Kopf und zitieren Milton Diamond, den renommierten Sexualexperten aus den USA. «Das wichtigste Sexualorgan sitzt zwischen den Ohren und nicht zwischen den Beinen.» Ein Business für den Mann? «Ja, Sexualität findet absolut im Hirn statt», sagt Camenisch, «nur nützt das nichts, wenn man Scham empfindet und somit den Sex nicht geniessen kann.» Sie sagt, zu ihr in die Sprechstunde sei noch nie eine Frau gekommen, die es für ihren Partner tue. Vielmehr gehe es um das eigene Wohlbefinden. Die ehemalige Allgemeinchirurgin kämpft dafür, dass ihr Thema gehört wird. Und das auch im Internet – auch wenn Google das immer mal wieder viel zu weit geht, es als Porno betrachtet und löscht. Es gibt Frauen, die haben Schmerzen beim Radfahren. Andere schämen sich so, dass sie keine enge Kleidung mehr tragen, geschweige denn, in die Sauna oder ins Schwimmbad gehen. «Ich habe Patientinnen, die nach einer Geburt sehr darunter leiden, dass sie und ihr Partner beim Sex nichts mehr spüren. Und deren Vaginalkanal so frei liegt, dass sie schon jahrelang ständig wieder an Infektionen leiden.» Darum, in der intimsten Zone wieder auszusehen wie mit 15 Jahren, gehe es in der Sprechstunde selten. «Das ist Unsinn. Und nicht machbar.» Für sie ist die Intim-Chirurgie, wie jede andere plastische Operation auch, «Selbstbestimmung der Frau über ihren Körper». Zeichen des Alters oder des Verschleisses ausbessern? «Das ist doch jedem selbst überlassen.» Camenisch lernte die Intim-Chirurgie 2008 bis 2010 an der Akademikliniken in Stockholm. «Dort habe ich mit dem Team auch beschnittene Frauen operiert. Den Orgasmus können wir solchen Patientinnen oft nicht wiedergeben. Aber Lebensqualität und Würde.» Unter den Patientinnen in Schweden waren auch Vergewaltigungsopfer. In Zürich macht sie diese grossen Rekonstruktionen nicht. Oder noch nicht: «Ich würde das gerne anbieten. Aber so weit bin ich noch nicht.» Massiver Nachfragetrend In der Schweiz praktizieren laut Acredis, dem Beratungszentrum für Plastische Chirurgie, 500 bis 600 Ärzte. (Einen Facharzttitel wie Camenisch würden aber nur 200 davon tragen.) Jährlich operieren sie 55 000-mal und erzielen so ein Marktvolumen von 400 bis 500 Millionen Franken. Acredis schätzt jährlich 1500 Intim-Operationen in der Schweiz, 9000 in Deutschland. Und beobachtet einen massiven Nachfragetrend. Die jährliche Steigerungsrate für


solche Eingriffe liegt laut deutschen Studien bei 35 Prozent. In der Schweiz sind fünf Ärzte in der Gesellschaft für ästhetische und rekonstruktive Intimchirurgie Deutschland, kurz GEARID. Der Expertenpool mit rund 80 Mitgliedern besteht erst seit drei Jahren, als der Trend langsam aus den USA nach Europa gelangte. Christina gab nach zwei Monaten ihre Google-Suche auf und reiste nach Zürich. «Ich war sicher, dass mir hier jemand helfen kann.» Zu den physischen Beschwerden belastete sie immer mehr auch, dass das Sexualleben mit ihrem Mann praktisch eingeschlafen war. «Ich fühlte mich so unwohl in meinem Körper, ich hatte schlicht keine Lust. Und war völlig frustriert.» Rekonstruktion des Vaginalkanals und Verkleinerung der inneren Schamlippen: Diesen Eingriff unternahm Colette Camenisch zusammen mit einer Gynäkologin. Eine Verengung ist ein komplexer Eingriff. Camenisch gestikuliert mit den Händen, was neu geformt und was schliesslich weggeschnitten wird, wenn sie von der Technik spricht. Die Dimension? «Vorher kann sich eine Patientin locker vier bis fünf Finger einführen. Nach der Operation zwei.» Schamlippen, Damm, Vagina: Nach der Geburt ihres Sohnes wurde Annemarie, 30, über eine Stunde genäht. Ihr Sohn, über viereinhalb Kilo schwer, hatte ihr alles zerrissen. Das Resultat ist nicht nur Harnverlust beim Sport. «Ich hatte ständig das Gefühl, ich würde einen vollen Tampon in mir tragen.» Die Schweizerin hat sich nach mehreren Besprechungen mit ihrem Gynäkologen dafür entschieden, sich helfen zu lassen. Im März steht der OP-Termin in Bern. «Würde es dem Mann bei der Kinderzeugung den Penis zerreissen, wären schon längst verschiedene Therapien parat», ist sie überzeugt.

Dr. med. Colette C. Camenisch, Fachärztin für Chirurgie, Plastische, Rekonstruktive, und Ästhetische Chirurgie am Zentrum für Plastische Chirurgie der Klinik Pyramide am See, Zürich.

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6000 Franken im Miminum Christina und Annemarie sind Härtefälle. Ein Grossteil der Intim-Operationen bei Frauen beschränkt sich in der Schweiz auf die Verkleinerung der Schamlippen. Ist es Selbstbestimmung? Oder beugen wir uns dem Schönheitsdiktat einer Intimzone, deren innere Schamlippen nie zu sehen sind? Während Männer sich mit ihrem primären Geschlechtsteil dermassen auseinandersetzen, dass sie dessen Quadratur kennen, hat frau oftmals keine Ahnung, wie ihres aussieht. Die Zürcher Gynäkologin Brida von Castelberg fragte vor Jahren in einem Interview: «Würden Sie Ihre Vagina im Fundbüro wiedererkennen?» Wie sehe ich aus? Und was ist überhaupt der Durchschnitt? Zahlen gibt es nur aus einer Studie mit 3000 Probandinnen aus dem Jahr 1971! Mit dem Aufruf, möglichst viele Frauen

sollen doch ihre Fotos dazustellen. Über 1000 Bilder sind auf dem Blog largelabiaproject.org zusammengekommen. «Die Frauen hatten zum ersten mal die Möglichkeit, sich objektiv zu betrachten, wie eine Aussenstehende. Für viele war das eine positive Erfahrung», ist die Bloggerin überzeugt. Eine Labioplastik, wie die Reduktion, Modifizierung, der Aufbau oder die Rekonstruktion der Schamlippen im Fachjargon heisst, kann in aller Regel ambulant operiert werden. Risiken sind Wundheilungsstörungen, Haut- und Weichteilschäden, vorübergehende Missempfindungen sowie zeitlich begrenztes Taubheitsgefühl. Bis zur vollständigen Abheilung vergehen rund drei Wochen. Der Eingriff kostet in der Pyramide 6000 Franken aufwärts. Viel aufwändiger ist die Vaginalverengung, für sie gibt die Pyramide auch keine Preisangabe, «da es extrem individuell ist». Christina durfte nach zwei Tagen wieder heim. Sex war nach 6 Wochen wieder erlaubt. Die Krankenkasse zahlt bei Operationen im Intimbereich äusserst selten. Ausser bei Diagnosen wie Vaginismus, einer schmerzhaften Verkrampfung der Vaginalmuskeln, oder Rekonstruktionen von Muskellücken nach Episotomien (Dammschnitt) und weiteren unter der Geburt entstanden Schäden.

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KO NS U M

«Die Auseinandersetzung mit der Norm ist neu» Dr. med. Karoline Bischof ist Sexologin und Gynäkologin am Zentrum für interdisziplinäre Sexologie und Medizin in Zürich.

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ie häufig kommt es in Ihrem Berufsalltag vor, dass sich Frauen unsicher oder sogar unzufrieden zeigen über das Aussehen ihrer Intimzone? Frauen mit sexuellen Problemen sind häufig unsicher oder unzufrieden mit ihrem Geschlecht, was nicht erstaunt, da sie oft glauben, es funktioniere nicht richtig. Aber auch in meiner gynäkologischen Sprechstunde begegne ich vielen Frauen mit Unsicherheiten. Es gibt sogar Frauen, die mich fragen, wie ich diesen Beruf ausüben und mir den ganzen Tag «das» anschauen kann! Es geht ihnen dabei weniger darum, dass ihr Geschlecht im Speziellen anders aussehen sollte, sondern mehr grundsätzlich, dass sie die weibliche Intimzone hässlich finden. Aber es kommen auch Frauen, die ganz spezifisch danach fragen, ob sie «da» nicht normal sind, ob die Lippen zu gross, die Scheide zu weit oder zu eng ist. Beobachten Sie eine zunehmende Auseinandersetzung damit? Die Auseinandersetzung mit der Norm ist neu. Vor allem seit die Frauen sich die Intimrasur angewöhnt haben, fällt ihnen auf, dass die inneren Geschlechtslippen oft länger sind als die äusseren. Vergleichen sie das Bild mit dem, was sie in Pornos sehen können, dann kommen die eigenen ihnen zu gross vor. Was sie nicht wissen, ist, dass viele Pornostars operiert und gefärbt sind. Es fehlt ihnen der Vergleich mit normalen Frauen – denn selbst nach dem Sport in der Dusche erhascht frau ja kaum einen Blick auf die Vulva der Nachbarin. Man kann also sagen, dass das Rasieren und das Internet zu diesem neuen Schönheitsideal wesentlich beitragen.

Ist Ihre Meinung als Gynäkologin gesprochen dieselbe? Ja. Ich habe in meiner ganzen Karriere als Gynäkologin noch nie eine Frau gesehen, bei der ich den Eindruck hatte, dass eine Korrektur der Schamlippen medizinisch gerechtfertigt wäre. Was bedeutet es für den Sex, wenn die Schönheitschirurgie bei unseren Geschlechtsteilen angekommen ist? Für mich ist der zunehmende Wunsch nach Intimchirurgie ein Zeichen dafür, wie wenig Frauen immer noch ihrem Geschlecht zu Hause sind. Das ist ein gesellschaftliches Phänomen: Schon als Mädchen haben sie kaum Unterstützung darin erhalten, sich mit ihrem Geschlecht anzufreunden. Oft namenlos, ist es doch immer noch eher etwas, dessen sie sich schämen. Entsprechend wenig bewusst ist die Auseinandersetzung damit, und entsprechend leicht lassen sie sich verunsichern in der Frage der Normalität, lassen sich bevormunden und daran herumschneiden. Übrigens ist diese unsichere, distanzierte Beziehung auch ein wesentlicher Grund für Orgasmus- und Lustprobleme sowie Schmerzen beim Sex. Umgekehrt hütet sich jede Frau, die gelernt hat, ihr Geschlecht zu geniessen, die damit lustvoll Erregung erleben kann, vor dem Chirurgenmesser! Daher liegt der Fokus meiner Beratung bei Fragen nach Intimchirurgie immer darauf, eine gute sinnliche Beziehung zur Intimzone aufzubauen. Ich habe noch keine Frau erlebt, die sich danach immer noch operieren lassen wollte. ★ FOTO: PD

Was sagen Sie als Sexologin zum Thema IntimChirurgie?

Hinter dem Wunsch nach Vaginalverengung versteckt sich eine beginnende Erektionsschwäche des Partners, der in der nach einer Geburt vielleicht etwas weiter gewordenen Scheide nicht mehr genügend Reibung erlebt. Das ist ein Problem des Mannes. Statt der Frau eine Operation zuzumuten, könnte er lernen, mit seinem Penis feinere Stimulation zu geniessen. Denn selbst wenn sie sich operieren lässt, ein paar Jahre später hat er die Erektionsstörung auf jeden Fall! Die Frau selbst hat von dieser Operation keinen sexuellen Vorteil – es ist eine groteske und unphysiologische Überlegung, dass sie danach mehr spürt. Das wird zwar auf manchen Webseiten behauptet, ist aber von keiner seriösen medizinischen Studie bewiesen. Im Gegenteil, bei jeder Operation werden Nerven durchgeschnitten, im schlimmsten Fall spürt sie also weniger. Das Gleiche gilt für die Kürzung der Lippen: Da wird wunderbar sensibles Gewebe einfach weggeschnitten.

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Schweiz: Bei den Beauty-OPs Spitzenreiter Kaum wo legen sich so viele Menschen im Namen der Schönheit unters Messer wie in der Schweiz

11,6 Millionen – so viele Operationen wurden 2013 weltweit für die Schönheit durchgeführt. Die meisten OPs fanden in Brasilien (12,9 %) statt, Platz zwei belegten die USA (12,5 %) und Platz drei Mexiko (4,2 %)✷. Aber: «Wird die Zahl der Schönheitsoperationen in Relation zur Zahl der Einwohner gesetzt, gehört die Schweiz zu den operationsfreudigsten Ländern der Welt», sagt Jürg Wittwer, Partner von Acredis. Die Gruppe führender Spezialzentren für ästhetische Chirurgie geht aktuell von 55 000 Schönheitsoperationen pro Jahr in der Schweiz aus und schätzt, dass der Markt jährlich um fünf bis zehn Prozent wächst. ✷ ISAPS-Studie 2013

Die Podestplätze der weltweit beliebtesten Eingriffe gehören der Brustvergrösserung, dem Fettabsaugen und der Augenlidkorrektur. Jürg Wittwer von Acredis: «Im Zuge der Globalisierung und der Anpassung des Schönheitsideals an internationale, westlich geprägte Vorstellungen werden verstärkt ethnische Eigenheiten ‹wegoperiert›.»

Iran

Hier sorgen sich die Damen weniger um ihre Brüste als um ihre Nase. Sie ist der häufigste Grund, weshalb sich Iranerinnen unters Messer legen. Südkorea

Hier sind Schönheitsoperationen so banal wie ein neuer Haarschnitt. Es heisst, in der Hauptstadt Seoul sei eine von fünf Frauen operiert. Besonders beliebt ist die «Double eyelid surgery», eine Operation an den Augenlidern, die Mandelaugen hervorzaubert. Auch im Trend ist die «Smile Lipt», die Mundwinkel nach oben formt und aus einem mürrischen Gesicht ein lächelndes macht. Japan

In Japan, wo Handlesen Tradition hat, wird der Zukunft immer öfter nachgeholfen. In einem 15-minütigen Eingriff werden die Linien in der Handfläche korrigiert. Türkei

Ein Schnauz muss her – mit diesem Ziel reisen immer mehr Männer, auch aus dem Ausland, nach Istanbul und helfen dem Busch über der Lippe nach.

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SIE SIND SO

FREI Drei Unternehmerinnen über die Erfüllung ihres Traums. Und wie sie ihre filmreife zweite Karriere wahr gemacht haben. TEXT YVONNE ZURBRÜGG & SILVIA AESCHBACH

S Amy Stierli

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Von der Geschäftsführerin eines Reisebüros zur Gastgeberin im Paradies

tellen Sie sich mal vor, was Sie am allerliebsten sagen möchten, wenn jemand Sie fragt: «Und was machen Sie so?» Wie viele von uns liebäugeln ein halbes Leben lang damit, ein Goldschmiedeatelier zu eröffnen? Oder ein B&B in den Bergen? Oder das Geld mit dem Lieblingshobby Nähen zu verdienen? Wenn Amy Stierli gefragt wird, womit sie denn ihr Leben verdiene, antwortet sie: «Ich habe eine Insel auf den Malediven.» Dabei strahlt die 58-jährige Bündnerin einen Schalk aus, man könnte glauben, sie wolle einen auf den Arm nehmen. Seit Mitte Dezember letzten Jahres besitzt sie sogar ihr Traumresort auf den Malediven. Nach einer 12-Millionen-Dollar-Renovation ist Mirihi ganz nach Amys Wünschen eingerichtet. Weil Amy Stierli überzeugt ist, dass wer das klarste Meer auf Erden unter seiner Villa rauschen hört, keinen Pool braucht, gibt es auf dem Eiland keinen Pool. Und keine Fernseher in den Villen und keine Jacuzzi auf den Terrassen. «Ich habe mich jahrelang nur damit beschäftigt, was der MaledivenGast wünscht, wonach er sich sehnt. Und das habe ich nun umgesetzt.» Bevor sie sich auf der Insel ihren Traum erfüllte, machte Amy Stierli als Geschäftsführerin Manta Reisen zum grössten Tauchreisenanbieter der Schweiz. Innerhalb von sechs Jahren steigerte sie den Umsatz von sieben auf fast 50 Millionen Franken. Dann wechselte Manta Reisen den Besitzer, für Amy Stierli gabs einen neuen Chef. «Plötzlich hiess es, ich müsse meinen Kollegen im Team sagen, sie sollen B-Post frankie➤ ren.» Dass man sich plötzlich einmischte in Sachen, «die FEBRUAR 2015 · WOMEN IN BUSINESS 39


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logisch sind», habe sie dermassen gestört. Sie kündigte. Wie man sie denn zum Bleiben überreden könne? Ihre Antwort: «Dann müsstet ihr mir die Firma schon verkaufen.» Von heute auf morgen war sie plötzlich Besitzerin. «Geändert hat sich für mich nicht viel. Ich hatte Manta Reisen schon zuvor geführt, als wäre es meine eigene Firma.» Ihre schwerste Entscheidung Ihre Liebesgeschichte mit den Malediven begann 1978. Zusammen mit ihrem zukünftigen Mann reiste sie erstmals zum islamischen Inselstaat im Indischen Ozean mit fast 1200 Eiländern. «Ich war sofort hingerissen von der Schönheit der Malediven. Und von der Freundlichkeit der Malediver.» Später, bei Manta Reisen, reiste sie jährlich zehnmal auf die Inseln. Sah immer wieder Traumhaftes, aber nie ihren ganz persönlichen Inseltraum. Obwohl sie Mirihi damals schon kannte. Der österreichische Besitzer wollte sein Resort nämlich unbedingt im Manta-ReisenProgramm aufgenommen haben. Amy Stierli jedoch zögerte: «Die Insel war so überbaut, wenn man anreiste, sah man nur Holz.» Eines Tages liess sie sich trotzdem zu einem Deal überreden. Kaum war alles unter Dach und Fach, erklärte er ihr an einer Fachmesse, er wolle verkaufen. Jetzt überschlugen sich die Ereignisse. Denn Amy Stierli hatte auch ein Kaufangebot für Manta Reisen von Kuoni auf dem Tisch. Knapp zwei Jahre nach ihrem Management-Buyout überlegte sie sich: Was passiert, wenn die grossen Reiseanbieter, die die Malediven mit dem erhöhten Standard nun auch entdeckt haben, Manta Reisen plötzlich vom Markt zu verdrängen versuchen? Wenn Kuoni entscheidet: Wir bieten in unseren Büros keine Angebote von Manta Reisen mehr an? Was, wenn ich die Kontingente auf den Charterflügen verliere? Zuerst erklärte sie, sie wolle nicht verkaufen. «Dann musste ich mir eingestehen: Vielleicht ist es gescheiter, ich verkaufe.» Das war 1998. «Da wagte ich mich zum ersten Mal, meinen Traum von der Insel zu Ende zu denken», erinnert sich Amy Stierli. Zusammen mit dem maledivischen Geschäftspartner, der ihr schon geholfen hatte, Manta Reisen zu kaufen («in der Schweiz hat keine Bank meinen Kauf von Manta Reisen finanziert»), und einem weiteren einheimischen Geschäftspartner bot sie mit. Und bekam trotz grosser Konkurrenz von Ketten wie Hilton den Zuschlag für Mirihi. Jetzt lebt sie schon 13 Jahre lang auf der Insel, die gerade mal 350 auf 50 Meter misst. Und das zusammen mit den bis zu 80 Gästen

pro Nacht, den knapp 160 Mitarbeitenden, den Dutzenden von Babyhaien am Riff und den Flughunden, die den ganzen Tag müde in den Palmwipfeln hängen. Ist es das, wovon sie in der Corporate-Karriere geträumt hat? Amy Stierli nickt: «Ich habe mir hier eine grosse Gelassenheit angeeignet. Und erlebe gerade die allerschönste Zeit: Nach der halbjährigen Umbauphase sind alle hier so stolz, dass wir wieder Gäste empfangen können.» Alle ihre Mitarbeitenden sind geblieben und haben zusätzlich zu den 300 Bauarbeitern angepackt. Die Reception, die Lobby, die Bar und das HauptRestaurant sind nigelnagelneu. Die Beach-Villen sind renoviert. «Das war mein zweiter und letzter Umbau», sagt die Chefin. Zwölf Millionen Franken hat sie zusammen mit ihren Teilhabern ausgegeben. Zwei mehr als budgetiert. «Teurer wurde es vor allem, weil plötzlich 195 Meter Kabel fürs Powerhouse fehlte, Holz für den Chetty. Aber damit muss man hier halt rechnen.» Im Paradies zu bauen, das kann die Hölle sein. Wenn die Möbel aus Bali angeliefert werden, das Holz aus Neuseeland, die Armaturen aus den USA – dann ist auch der maledivische Zoll schnell mal am Anschlag. Und der Terminplan über den Haufen geworfen.

«Ich habe die beste zweite Karriere, die ich mir vorstellen kann. Ich finde mein Leben unheimlich spannend auf diesem Fleckchen Korallen und Sand, auf dem so viele Kulturen aufeinandertreffen.»

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Hürden im Hintergrund «On the way», sagen die Malediver einem Wartenden. Wenn sie wissen, dass die Wartezeit wohl noch etwas länger dauert, lassen sie einen wissen: «I will check and let you know later.» Beides hat Stierli so oft gehört, sie hätte beinahe ihre Gelassenheit verloren. Aber nur beinahe. «Irgendwann steckt die Inselmentalität jeden an. Man bekommt nicht gleich Panik, wenn es schiefgeht. Es gibt für alles eine Lösung.» Schlecht geschlafen habe sie trotzdem vor der Wiedereröffnung. Aus Angst, man schaffe den Neustart vor Weihnachten nicht. Natürlich ging am Ende alles gut. Und für Amy Stierli kehrt nach zwei Jahren intensiver Arbeit für den Umbau, fürs Design zeichnet sie nämlich selbst verantwortlich, endlich wieder der Alltag ein. «Morgens um sechs meditiere ich. Vor dem Manager-Briefing um 8.30 Uhr frühstücke ich, dann arbeite ich im Büro. Etwa 50 Prozent.» Das zumindest hat sich Amy Stierli ab 2015, wenn alle Details nach dem Umbau stimmen, vorgenommen. Das Management der Insel Helengeli hat sie darum aufgegeben. Die grosse Tauchschule Ocean Pro, die sie mit ihrem Mann 1994 gegründet hat, ist ebenfalls aufgelöst – auf Mirihi hat sie nun eine eigene kleine. Behalten hat sie ihre Spa-


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Gruppe Duniye, die auf den Malediven und den Seychellen insgesamt elfmal vertreten ist. Unter anderem natürlich auch auf Mirihi. «Ich möchte in Zukunft mehr Zeit für mich», sagt Amy Stierli. Sie will nach ihren rund 2000 Tauchgängen mal wieder Zeit finden, mit den Walhaien und den Mantas zu tauchen, mehr Yoga und Pilates zu machen und ihre Insel zu geniessen. «Die Tage gehen hier so schnell vorbei.» Die Managerin im Hintergrund Amy Stierli zeigt sich auf ihrer Insel so entspannt, dass nicht selten ein Gast sie fragt: «Sie waren doch letzes Jahr auch schon da, nicht?» Dann strahlt sie und sagt: «Ja!» Stimmt ja auch. Die grosse Bühne sucht die Frau mit der Insel auf ihrem Eiland definitiv nicht. Ihre doppelstöckige Villa gleich hinter dem Haupthaus hat sie vom Dschungel so einpacken lassen, dass keiner reinsieht. Ein kleines Schild «Private Property» verrät nur, dass da jemand wohnt, der hier wohl nicht pro Nacht bezahlt. «Die Mitarbeitenden haben die klare Weisung , nicht zu sagen, wer ich bin», erklärt sie, «ausser, ein Gast insistiert.» Um das Daily Business kümmern sich der maledivische General Manager, der Schweizer Chefkoch, der bayrische F&B-Manager und der Südtiroler Resident Manager. Sie wissen, wie wichtig ihrer Chefin Service, Sauberkeit und Aufmerksamkeit sind. «Ich mische mich nur im Hintergrund ein», gesteht Stierli lachend. Ihre Devise: «Meine Angestellten sind für die Gäste da, ich bin für meine Angestellten da.» Von der Reiseveranstalterin zur Gastgeberin: Amy Stierli weiss, dass ihre Geschichte damals in der Branche zu reden gegeben hat. «Ich bin keine Hoteliere, aber dafür habe ich ja Fachkräfte. Unser Erfolg, der so schnell gekommen ist, hat ein paar Leute überrascht.» Über all die Jahre hat sich das kleine Eiland im South Ari Atoll einen Spitzenruf aufgebaut. 2010 wählten die User von Tripadvisor.com Mirihi in der Kategorie Luxus in die Top Ten Asiens. In den Bewertungen der Gäste wird stets betont: «Das wahnsinnig nette Personal.» Der grösste Gästeanteil kommt aus dem deutschsprachigen Raum. 47 Prozent der Gäste sind zum wiederholten Male da. «As unique as you» heisst der Slogan von Mirihi. So einzigartig wie du. Entsprechend erfüllt das Resort auch jeden Gästewunsch – vom Segelturn mit Delfinen in den Sonnenuntergang bis zum Dinner am Strand mit anschliessender Sternschnuppensuche mit dem Teleskop. Eine Einzigartigkeit jedoch verträgt Amy so schlecht, dass

sie ihre Tarnung dafür auffliegen lässt. «Ich akzeptiere nicht, wenn ein Gast meine Mitarbeitenden schlecht behandelt.» 1998 hätte Amy Stierli einen ganz anderen Weg einschlagen können. Dann würde sie heute vielleicht öfters mit ihrem Exmann, von dem sie schon lange getrennt und inzwischen geschieden ist, in Thailand golfen («Wir verstehen uns seit der Scheidung super»). «Ich hätte mich zur Ruhe setzen können, theoretisch. Aber das passt doch nicht zu mir!», gibt Amy Stierli zu und jagt die Idee des Nichtstuns mit einer Handbewegung zum Teufel. Aber bei all dem Filmreifen, das ihre Zweitkarriere im Paradies mit sich bringt, hat Amy Stierli doch auch Momente, in denen sie sich kurz von der Insel verwünscht. Meist geht es dann ums Personal, nicht um das einheimische, das aus religiösen Gründen fast nur männlich ist, sondern ums europäische. Gute Manager zu finden und zu halten sei schwierig. «Hier gibts kaum Privatsphäre. Wenn man frei hat und Strand relaxt, sagt ein Gast halt auch mal im Vorbeispazieren: Mensch, Sie haben einen paradiesischen Job!» Kein definitives Rückreiseticket Wenn sie zurückschaut, würde sie alles noch einmal genauso machen. «Obwohl mir damals der Verkauf von Manta Reisen sehr schwergefallen ist. Aber es war die richtige Entscheidung.» Die Malediven-Inseln gehören dem Staat. Amy Stierlis Pachtvertrag dauert noch über zwanzig Jahre. Wie lange sie Mirihi den Stempel aufdrückt, darüber mag sie sich keine Gedanken machen. Ganz in Inselmanier sagt sie: «I will let you know later. Solange es mir so gut geht, bleibe ich. Meine Jungs hier, das ist meine Familie. Sie sind sogar überzeugt, dass ich in meinem früheren Leben Malediverin war.» Per Skype ist sie mit ihren Freunden auf der ganzen Welt verbunden, wenn diese sie nicht gerade im Paradies besuchen. Spielen des FC Basel oder Roger Federers guckt sie auf dem iPad. Drei Monate verbringt Amy Stierli jährlich noch in der Schweiz. Dann kommt es vor, dass jemand die braungebrannte Unternehmerin fragt: «Und, was machen Sie so?» Die Geschichte kennen wir jetzt. Sie ist mit ein Grund, warum Amy Stierli nicht jeden Abend zu ihren Gästen an den Tisch sitzt. Sie käme aus dem Erzählen nicht mehr raus. «Ich habe die beste zweite Karriere, die ich mir vorstellen kann. Ich finde mein Leben unheimlich spannend auf diesem Fleckchen Korallen und Sand, auf dem so viele Kulturen ➤ aufeinandertreffen.» (yz) FEBRUAR 2015 · WOMEN IN BUSINESS 41


K ARRIERE

Esther Bischofberger

Mit 55 noch einmal auf die Schulbank

Zum Interview erscheint sie in einem dunkelbraunen, langen Strickpulli und pastellfarbenen Converse-Turnschuhen. Als würde sie einen prüfenden Blick spüren, sagt sie fast entschuldigend: «Ich bin halt keine klassische Anzugträgerin.» Als erfolgreiche Unternehmensberaterin berät Esther Bischofberger nicht nur Firmen in Personalmanagement-Fragen, sondern begleitet ihre Klienten auch als Coach. Und sie gibt Impulse und Unterstützung für manchmal auch ungewöhnliche Entscheide. So hat sie beispielsweise eine ihrer Kundinnen, eine Top-Managerin, ermutigt, ihrem Herzenswunsch zu folgen und eine Ausbildung zur Hypnosetherapeutin anzufangen. Doch nicht nur ihr berufliches Umfeld profitiert von ihrem unkonventionellen Denken, auch sie selber hat im Alter von 55 Jahren beschlossen, einen neuen Weg zu gehen und eine zweijährige Ausbildung als Phytotherapeutin zu beginnen. Ihre Liebe zu Pflanzen hat sie ihr ganzes Leben lang begleitet. «Für mich waren sie immer mehr als nur Inhaltsstoffe in Produkten oder eine ästhetische Zierde.» Schon während ihrer Studien an der ETH und der Uni Zürich hat sich die alleinstehende Mutter eines erwachsenen Sohnes auch mit Botanik 42 WOMEN IN BUSINESS · FEBRUAR 2015

beschäftigt. Besonders gefallen habe ihr die Sicht Goethes, der Pflanzen als «sinnlich übersinnliche Wesen» bezeichnete. Und genau diese Wesen und ihre Wirkungsweise will sie jetzt genauer erforschen. Für das Puzzle der Zukunft Ihr neues Studium ist anspruchsvoll und umfasst die verschiedensten Kurse, unter anderem Gemmotherapie, Baumheilkunde, Klosterkräutermedizin, Homöopathie und Aromatherapie. Bischofberger lernt auch die Herstellung von Tinkturen, Wickeln, Salben und Kräuterelixieren. Daneben gehören 600 Stunden Schulmedizin zum Lehrplan, damit das Praktizieren auch von der Krankenkasse anerkannt wird. Bischofberger freut sich jetzt «unbändig» auf die neue Herausforderung. Als sie ihre neue Ausbildungsstätte zum ersten Mal für eine Probelektion besuchte, ging ihr «das Herz auf»: «Da wusste ich, das stimmt für mich.» Was sie nach dem Lehrgang genau machen wird, weiss sie jetzt noch nicht. «Vielleicht hänge ich noch eine zweijährige Ausbildung an und werde Naturheilpraktikerin.» Aber eigentlich spiele das keine Rolle. «Ich lebe in der Gegenwart und nicht im Morgen.» Esther Bischofberger hat ihr bisheriges Arbeitspensum reduziert. Sie selber sieht ihre neue Aufgabe als «bewusstseinserweiternd, als Puzzleteil einer weiteren Entwicklung». Ihren beruflichen Rucksack nennt sie «Toolbox». «Mit ihm marschiere ich jetzt vom Nord- zum Südpol.» Ihre Glaubwürdigkeit als Coach werde unter der Neuausrichtung nicht leiden. «Im Gegenteil, sie wird gestärkt, denn ich rate den Menschen nicht nur erfolgreich dazu, ihrer Berufung zu folgen, sondern folge auch meiner.» Hatte sie nie Zweifel bezüglich ihrer Pläne? «Ich spüre natürlich manchmal mein Alter und frage mich, ob ich mir die vielen lateinischen Begriffe werde merken können.» Doch diese Zweifel sind von kurzer Dauer: Bischofberger denkt positiv, sie verschliesst die Augen nicht vor der Realität, ist sich bewusst, dass sie sich auch finanziell einschränken muss. Existenzängste? Sie schüttelt energisch den Kopf. «Nein, nein, ich habe Gottvertrauen, dass alles klappen wird.» Dieses Urvertrauen hat sie in den letzten Jahren verstärkt entwickelt, nachdem sie vor gut zehn Jahren an Brustkrebs erkrankte. Statt sich einer Chemotherapie zu unterziehen, begann sie eine alternative Behandlung. Dieser Umbruch habe sie dazu gebracht, ihr Leben grundsätzlich zu überdenken. So isst sie unter anderem kein Fleisch mehr, ist als Golferin viel an der frischen Luft und pflegt sich mit selbstgemachter, pflanzlicher Kosmetik. Doch Bischofberger ist keine klassische Alternative. Dazu ist sie viel zu bodenständig und genussorientiert. Ihre Unterlagen für unser Interview stecken in einer neuen Louis-VuittonMappe. «Diese Mappe war ein Geschenk meiner Freunde zu meinen Geburtstag», lacht sie. «Sie wissen, wie sehr ich Louis liebe, egal, welchen Weg ich gehen werde.» Und dieses bisschen Unvernunft macht sie umso sympathischer. (sa)


Inka Gerstenberg

Die Gastronomin ist auf den Hund gekommen

FOTOS: PD (2)

Ihre roten Wangen weisen darauf hin, dass sie viel an der frischen Luft ist. «Immer nur im Büro zu sitzen, das wäre nichts für mich», sagt Inka Gerstenberg, 28, eine lebhafte Frau aus Norddeutschland, immer in Bewegung und von ansteckendem Optimismus. Die gelernte Hotelfachfrau betreibt zusammen mit ihrem Freund Christian den Hundesitterdienst Rasselbande Zürich. Und das sehr erfolgreich: Das Paar ist auf längere Zeit ausgebucht. Für manche Hundesitter besteht das Leben vielleicht aus ein bisschen Spazierengehen mit seinen Schützlingen. Nicht so bei den Rasselbande-ZürichBetreibern. Auf einem 2500 Quadratmeter grossen Gelände ausserhalb von Zürich betreuen die beiden von Montag bis Freitag täglich eine Gruppe von jeweils zehn bis zwölf Hunden. Spiel und Spass stehen auf dem Programm, die Hunde werden aber auch geistig und geschicklich gefördert und gefordert. Für Regen- und Schneetage steht eine beheizbare Halle zur Verfügung, welche es ermöglicht, auch bei schlechtem Wetter Aktivitäten durchzuführen. Wenn man Inka Gerstenberg bei ihrer Arbeit beobachtet, spürt man viel Liebe und Einfühlungsvermögen. Da fallen keine lauten Worte oder harsche Anweisungen, ihr Auftreten ist von natürlicher Autorität. Und die Hunde lieben Inka Gerstenberg. Hin und wieder schleicht sich einer von ihnen in ihre Nähe, um sich eine Streicheleinheit abzuholen. Immer dicht an der Seite ist ihr Hund Blue, ein Mischling mit weissem Fell und stahlblauen Augen. Per Zufall zum Wunschberuf Bevor sie sich ihren Traum erfüllte, um mit Tieren zu arbeiten, hat Gerstenberg eine dreijährige Ausbildung zur Hotelfachfrau in einem Viersternehotel in der schleswig-holsteinischen Gemeinde Timmerdorfer Strand absolviert. Ihr gefielen beson-

ders die Arbeit mit Menschen und die Aussicht, nach ihrer Ausbildung überall in Europa arbeiten zu können. Noch lieber wäre sie jedoch Ergotherapeutin geworden, «doch ich war zu jung und fand keinen Ausbildungsplatz in Hamburg». Nach dem Abschluss ihrer Ausbildung beschloss sie darum, weiter in der Gastronomie zu arbeiten, allerdings nicht in Deutschland zu bleiben. So kam sie nach Zürich und begann, in einem Fünfsternehotel zu arbeiten. Begleitet wurde sie von ihrem Freund Christian, einem Koch, den sie während ihrer Ausbildung kennengelernt hatte, und ihrem kürzlich verstorbenen Hund Sammy. Bald merkte sie, dass sie die Gastronomie nicht glücklich machte: Die unregelmässigen und langen Arbeitszeiten und das Heimweh machten ihr zu schaffen. Doch Inka war zu stolz, um wieder nach Deutschland

zurückzukehren. Manchmal nimmt das Leben eine überraschende Wendung. Wegen ihrer Arbeitszeiten musste das Paar Sammy einem Dogsitter abgeben. Nach langen Gesprächen wuchs in ihr der Wunsch, ebenfalls als Dogsitterin zu arbeiten. Ein Wagnis. Vor fünf Jahren war dieser Beruf in der Schweiz noch beinahe unbekannt. Aber nicht nur sie würde diesen Schritt wagen, auch ihr Freund würde seinen Job als Koch in einem SterneRestaurant aufgeben. Zusammen wagten sie den Schritt in die Selbstständigkeit und gründeten 2009 die Rasselbande Zürich. Nach sechs Monaten konnten sie bereits von der neuen Tätigkeit leben. «Unsere Kunden kamen durch Mund-zu-MundWerbung zu uns.» Ihre Schützlinge holt das Paar jeweils mit zwei speziell umgebauten Lieferwagen bei den Besitzern zu Hause oder bei der Arbeit ab und bringt sie auch wieder zurück. «Ich stehe jeweils um sechs Uhr auf, mache dafür früh Feierabend», sagt Inka Gerstenberg. Über existenzielle Ängste grübelte sie nie. «Wir hatten ein kleines finanzielles Polster und sind jung. Ich wusste, dass wir im Notfall jederzeit in unsere erlernten Berufe zurückkönnten.» Doch so weit ist es nie gekommen. Sie ist überzeugt: «Ich habe die Arbeit gefunden, die perfekt zu mir passt.» Trotzdem hegte Inka Gerstenberg den Wunsch, sich weiterzuentwickeln. «Ich wollte mich in meiner Arbeit verbessern, das Wesen der Hunde noch besser verstehen, denn für mich sind sie komplexe Wesen, sozial, unvoreingenommen, die besten Kameraden.» Darum startete sie vor knapp zwei Jahren mit der Ausbildung zur Hundetrainerin und schloss sie vor Kurzem ab. Rund 1300 Stunden hat sie absolviert, dies oft auch am Wochenende: «Ich bin abends immer total kaputt, falle um zehn Uhr erledigt ins Bett, aber ich bin glücklich», sagt sie und krault Blue hinter den Ohren. (sa) ★

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WOMEN'S Talk

10.März 14.April 19.Mai 11.Juni 8.September 6.Oktober 10.November

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Bern, Bellevue Palace Genf, La Reserve & Spa Zürich, Baur au Lac Zürich, Park Hyatt Zürich, Baur au Lac Lausanne, Palace & Spa Basel, Restaurant Kunsthalle


G E L D & A N L AG E F I N T EC H

NEUE WELT . FURS GELD Zahlen, anlegen, traden: Und das ohne Bank? Wie Startups die Finanzindustrie erobern.

FOTO: PHOTOCASE

TEXT SANDRA WILLMEROTH

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G E L D & A N L AG E F I N T EC H

BYE-BYE BANKS Paypal statt Rechnung, Apple Pay statt EC-Karte und wer weiss, was sonst noch alles kommt. Die Finanzbranche wird umgekrempelt. Von kleinen, smarten, wendigen Unternehmen namens Fintech.

staunlicherweise erst wenige Wochen her – der erste seit rund sieben Jahren. Weil ein amerikanischer Kreuzfahrtveranstalter die ungeheure Summe von 22,50 US-Dollar mit einem Scheck erstatten wollte, der fünf Tage lang den Weg von Miami über den Atlantik hinweg in den schweizerischen Briefkasten zurücklegte. Der Fussweg in die Bankfiliale dauerte 15 Minuten, und weil Mittagspause war, kamen weitere elf Minuten Wartezeit vor den zwei (von sechs) besetzten Schaltern der Filiale hinzu. «Oh, ein Scheck», begrüsst die Kundenbetreuerin den Fetzen Papier und studiert alle Angaben mit eidgenössischer Gründlichkeit, um dann zur Erkenntnis zu kommen: «Aus Amerika! Den können wir schon einlösen, aber das kostet – warten Sie, die Gebühren wurden vor Kurzem angepasst – hier habe ich es: 50 Franken.» Das wäre ein tolles Geschäft geworden – für die Bank.

David gegen Goliath Dieses tatsächlich stattgefundene Bankkundenerlebnis zeigt sehr deutlich, warum das Banking gerade neu erfunden wird. Schecks sind heute für viele Kunden ebenso antiquiert wie der eigentliche Gang in eine Bankfiliale. Und die Bereitschaft, für eine Bankdienstleistung Gebühren zu zahlen, schwindet in dem Masse, in dem die Finanzinstitute die Kosten für Kontoführung und -bewegungen seit der Finanzkrise 2008/09 sukzessive nach oben geschraubt haben. Dabei täten die Banken gut daran, ihre Kunden mehr zu verwöhnen, bevor sie ihnen ganz weglaufen und die notwendigen Dienstleistungen bei anderen, neuen Anbietern abwickeln. Bezahlen mit Paypal, versichern über Knip, anlegen mit Estimize und ausleihen mit Moneypark. So sieht die Zukunft aus – davon sind zumindest die Erfinder dieser neuen, finanztechnologiegetriebenen Dienstleister, der sogenannten Fintech, überzeugt. Sie bieten ehemals klassische Finanzdienstleistungen anders an – online und mobil, einfach und schnell, günstig und sicher. «Vom Kredit- über das Einlagengeschäft bis zum Devisenhandel gibt es kaum ein Tätigkeitsfeld der Finanzdienstleister, welches derzeit 46 WOMEN IN BUSINESS · FEBRUAR 2015

nicht von einer Vielzahl von Neugründungen unter Beschuss genommen wird», resümiert eine Studie von Horvath & Partners. «Die Digitalisierung im Banking wird zu einem massiven strukturellen Wandel in der Bankbranche führen und vor allem die kleineren Institute unter Druck setzen», ist Bankprofessor Manuel Amman von der Universität St. Gallen überzeugt. Ähnlich wie es zuvor der Musikindustrie, der Filmbranche, den Reisebüros und der Verlagsbranche ergangen ist, wird nun das Banking von den jungen Wilden des digitalen Zeitalters revolutioniert. Nur sind es diesmal keine Nerds, die ihr BWL-Studium abbrechen, sondern häufig ehemalige Banker, die im System gearbeitet haben und wissen, woran es krankt. So wie beispielsweise Nick Hungerford, der sechs Jahre als Broker bei Barclays gearbeitet hat, bevor er die Firma Nutmeg gründete – einer der neuen digitalen Vermögensverwalter, die volle Transparenz bieten und niedrige Gebühren verlangen. Oder wie Anil Stocker, der bei Lehman Brothers das Bankhandwerk gelernt hat und vor 18 Monaten die Firma Marketinvoice, einen digitalen Kreditvermittler für britische Mittelstandsunternehmen, gegründet und seither bereits mehr als acht Millionen Pfund verliehen hat.

Das Pferd von vorne aufzäumen Die Fintech setzen da an, wo es bei den Banken krankt: Sie sind schnell, unkompliziert und konsequent am Bedürfnis der Kunden orientiert. «Fintech bringen den Spass zurück ins Bankgeschäft und lassen die traditionellen Anbieter wie bürokratische Dinosaurier aussehen», behaupten die Verfasser der Studie von Horvath & Partners. Dadurch, dass sich Fintech jeweils nur auf einen Teilbereich des gesamten Spektrums von Bankdienstleistungen fokussieren, zum Beispiel auf den Zahlungsverkehr, wie Paypal es tut, bleiben sie klein und wendig. Und die Kundenorientierung ist so oder so das Mantra im digitalen Geschäftsalltag, vorgelebt von den Pionieren der Digitalisierung wie Apple, Amazon, Google und anderen Wegbereitern. Diese Vorreiter wollen jetzt selbstverständlich auch einen Teil vom Finanzkuchen. Der Fingerprint auf dem neuen iPhone war die Vorbereitung für die Einführung von Apple Pay und ermöglicht es, dass Kunden in den USA und künftig auch in Europa mit ihrem Smartphone im Supermarkt

FOTO: KALLEJIPP / PHOTOCASE.DE

D

er letzte Gang zu einer Bankfiliale ist er-


bezahlen können. Ähnliches kommt schon länger aus der Ideenschmiede von Google, dort heisst das Produkt «Google Wallet».

Was für die Banken übrig bleibt Natürlich werden Apple oder Google nun keine Banker einstellen, welche die Transaktionen im Hintergrund abwickeln. Dafür brauchen sie dann doch eine klassische Bank, die im Besitz der wertvollen Banklizenz ist. Apple Pay kooperiert mit einer Vielzahl von Banken, und Google Wallet spannt mit der Citigroup zusammen. Dies ist einer der gewichtigsten Gründe, warum Experten wie der Schweizer Bankprofessor Manuel Ammann davon überzeugt sind, dass die traditionellen Banken auch in einer digitalen Zukunft eine Existenzberechtigung haben werden: «Wir werden auch in zehn oder fünfzehn Jahren noch klassische Banken haben, aber sie werden auf Dienstleistungen zurückgedrängt, die etwas weniger lukrativ sind, wie beispielsweise das Abwicklungsgeschäft.» Wenn sie nicht gegensteuern, laufen sie Gefahr, zum Backoffice der Fintech zu verkümmern. Die Studie «Fintech – Die digitale (R)evolution im Finanzsektor» der Deutschen Bank lässt die Frage, wie die Bank der Zukunft aussehen wird, denn auch offen. Aber die Autoren sind sich einig, dass vieles «bereits in eine sehr internetgetriebene, virtuelle Richtung läuft und dass sich das Banking in den kommenden zehn Jahren stärker verändern wird als in den letzten, ohnehin schon turbulenten Dekaden». Diese Entwicklung

haben die Banken durchaus vor Augen und arbeiten daher auf Hochtouren an ihren eigenen Digitalisierungsstrategien und Transformationen. Doch bis die traditionellen, als träge «Tanker» verschrienen Banken einen Kurs auch nur um wenige Grad ändern können, sind die Fintech bereits Break Even. Und die Zeit drängt, denn Innovationen setzen sich im vernetzten digitalen Zeitalter rasch durch. Eine aktuelle Studie von Morgan Stanley über europäische Bankaktien kommt denn auch ganz klar zu dem Schluss, dass den europäischen Banken in diesem Jahr vor allem aus dem Fintech-Bereich Konkurrenz drohe. Es würden sich radikale Veränderungen abzeichnen, so die Studie. (sw)

Anzahl der weltweiten mobilen Zahlungstransaktionen

Quelle: Capgemini Analysis

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FEBRUAR 2015 · WOMEN IN BUSINESS 47


G E L D & A N L AG E F I N T EC H

«JE SIMPLER EINE BANK, DESTO ATTRAKTIVER»

Und wie finden Sie diese Aussichten? Sehr gut. Denn so kann sich jeder auf das konzentrieren, was ihm wirklich liegt. Die Bank soll der sichere Hafen für mein Geld sein und ich erwarte nicht, dass sie zudem Social Media, ein cooles Branding oder mobile Technologien entwickelt. Die deutsche Commerzbank macht aus ihren Filialen Erlebnisräume mit Kaffeeecke und Kinderspielplatz. Ein guter Weg im Überlebenskampf? Banken und Versicherungen kommen auf die absurdesten Ideen, wie sie Kunden in Zukunft zufriedenstellen können und wollen. Am überzeugendsten finde ich eine klare, professionelle Geschäftspolitik, die das wirkliche Anliegen des Kunden im Auge behält. Ich brauche meine Bank für meine Geldgeschäfte und nicht als Animateur für meine Kinder oder zum Kaffeeplausch. Banken können und müssen sich darüber profilieren, dass sie den Kunden effizient betreuen und diesem Sicherheit bieten. Je schlanker und simpler sich eine Bank in Zukunft präsentiert, desto attraktiver wird sie für die digitale Zielgruppe sein. Fintech-Startups erleben seit 2014 in Europa einen unglaublichen Aufschwung. Was sind ihre grössten Vorteile? 48 WOMEN IN BUSINESS · FEBRUAR 2015

digitales Mindset – was das gegenseitige Verständnis erheblich erleichtert. Wie soll ein sechzigjähriger CEO einer Grossbank auch die Bedürfnisse der iPhone-Generation verstehen?

Die Entwicklung von Startups ist in den letzten Jahren weitestgehend an der Schweiz vorbeigegangen. Weltweit finden Startups spätestens seit Google, Facebook und Zalando Beachtung. Fintech reiht sich in diese Aufzählung als noch recht junge, aber höchst interessante Branche ein. Die grössten Vorteile von Fintech-Startups sind sicher der Entwicklungsrückstand der gesamten Finanzbranche und die hohen Volumina, die bewegt werden. Was machen Fintech-Startups besser als die Banken und Versicherungsgesellschaften? Eine generelle Antwort ist schwer zu finden, da weder alle Fintech-Startups alles richtig machen noch alle Banken und Versicherungen alles falsch. Ich glaube, was die Arbeit von Startups im Allgemeinen ausmacht, ist die Nähe zum Kunden und die Geschwindigkeit, mit der wir Kundenwünsche und neue Entwicklungen umsetzen können. Wir sprechen täglich zum Beispiel über Twitter oder Facebook mit unseren Kunden und können direkt reagieren, wenn etwas nicht optimal läuft. Die Entscheidungswege sind kurz und wir teilen mit unseren Nutzern ein gemeinsames

Die kreative Freiheit der FintechStartups endet beim Regulator. Letztlich braucht es dann für viele doch eine klassische Bank im Rücken, die dem Regulator unterstellt ist. Wird das einigen Fintech das Genick brechen? Überhaupt nicht. Dieses Szenario beschreibt genau die Symbiose zwischen der Bank als Produktanbieter und einem Fintech-Startup als Kommunikator zum Kunden. Es wird ein Umdenken bei den Banken einsetzen müssen, dass sie unter Umständen ihre Marke oder ihr Gesicht zum Kunden verlieren, aber dies nicht unbedingt etwas Schlechtes ist. Insbesondere für kleinere Banken kann dies eine grosse Chance sein, da sie mit den Marketing- und Onlinebudgets der Grossbanken nicht mithalten könnten. Für Fintech-Startups bedeutet dieses Konzept, dass sie sich auf einen etablierten Partner in einem etablierten Geschäftsfeld verlassen und andererseits die Innovationen im digitalen Bereich vorantreiben können. Viele Kunden bleiben den Banken treu, weil sie um die Sicherheit im Banking mit Fintech-Startups fürchten. Sie bleiben den Banken vor allem deshalb treu, weil sie faul sind. Die Finanzbranche profitiert derzeit noch von einer grossen Lethargie und Bequemlichkeit der Kundschaft. Dies ändert sich erst, wenn wirklich innovative und coole neue Konzepte an den Markt kommen, die das Leben der Kunden derart erleichtern, dass man gar nicht anders kann, als die neuen Angebote in Anspruch zu nehmen. (sw)

FOTO: PD

C

hristina Kehl, wird es in 20 Jahren noch Banken geben? Aus meiner Sicht wird es immer Banken geben. Es mag sein, dass sie ihr Erscheinungsbild verändern und unter Umständen nur noch die Bankingprodukte wie Konten und Anlagemöglichkeiten als Produktanbieter im Hintergrund stellen, aber es wird sie geben. Ich denke, dass sich ein moderner Mid-Layer entwickeln wird zwischen dem Kunden und den Banken. Also ein Intermediär, der die Kundenkommunikation insbesondere online viel besser abbilden können wird, als dies heute eine Bank kann.

Christina Kehl, Mitbegründerin des Verbands SFS, Swiss Finance Startups, und Mitbegründerin sowie COO des Fintech Knip, einer Versicherungsmanager-App.


30

FINTECH IN ZAHLEN Im November 2014 nutzten die Amerikaner die Bezahlfunktion Google Wallet bereits für

4%

Billionen wird die Generation der Babyboomer in den kommenden 30 bis 40 Jahren an die digital nativen Generationen X und Y übertragen.

aller digitalen Bezahlvorgänge.

Im Jahr 2012 wurden weltweit

Bei der Entwicklerkonferenz WWDC 2013 betonte Apple-Chef Tim Cook, dass sein Unternehmen

11 Milliarden

575 Millionen

Britische Pfund in FintechUnternehmen investiert.

Kreditkarten in seinem System erfasst habe.

Die amerikanische Biosupermarktkette

2,5

Whole Foods registrierte

56% von 800 Befragten nannten 2013 Paypal als sicherste Bezahlmethode (sicherer fühlten sie sich nur bei einer Zahlung auf Rechnung).

150 000 mit Apple Pay bezahlte Einkäufe. Und das gerade mal innerhalb von

17 Tagen nach dem Start des Bezahldienstes am 20. Oktober 2014. Das entspricht

1% des gesamten Umsatzes.

Seit seiner Gründung im Jahr 2003 hat

Skype 30%

rund vom Weltmarkt für Ferngespräche erobert.

Millarden Menschen sind weltweit ohne Bankkonto und damit zu Bargeldtransaktionen gezwungen, für die Fintech eine Lösung haben, zum Beispiel M-Pesa in Kenia.

Paypal wickelt allein in Deutschland ein Drittel aller Online-Käufe ab .

Laut Mastercard laufen in Kanada und Grossbritannien bereits jetzt

20 % der Bezahlungen kontaktlos ab.

FEBRUAR 2015 · WOMEN IN BUSINESS 49


FOTO: PHOTOCASE

K A R R I E R E & FA M I L I E

50 WOMEN IN BUSINESS 路 FEBRUAR 2015


SPÄTER

MAL S

*Name geändert

ie hatten lange diskutiert: Kinder ja oder nein? Ja, entschieden dann Rita* und Serge*. Aber vorher will Rita einen neuen Job finden, Serge sich selbstständig machen. Die Wohnung ist ohnehin zu klein für drei, findet er. Und, sagt sie, denk nur an unsere Reise nach Nicaragua. Die wollen wir doch nicht absagen. Paare wie Rita und Serge kennt Doris Luppa von der Beratungsstelle Familienplanung, Schwangerschaft und Sexualität in Aarau gut. Sie möchten wohl Kinder, zweifeln aber daran, ob später nicht besser ist als jetzt. Schliesslich gibt es so vieles, das vor dem Familiengründen erledigt sein will: die Weiterbildung abschliessen, die Rückenschmerzen in den Griff kriegen, endlich das Tauchen lernen. «Wir sind eine Gesellschaft mit sehr hohen Ansprüchen», sagt Doris Luppa. «Am liebsten möchten wir alles haben.» Nur, es werde immer etwas geben, weswegen der Glanz des Zeitpunkts erblasse. Luppa: «In unserer schnelllebigen Zeit ändert sich ja ständig irgendwas. Was heute perfekt ist, ist morgen ungünstig – und umgekehrt.» Besser, als auf ein Jobangebot, einen gefestigten Kundenstamm oder das Fotoalbum über Nicaragua zu warten, ist, sich auf die neuen Umstände mit Kind einzustimmen. «Man kann zum Beispiel auch mit Kindern tolle Reisen unternehmen», sagt Doris Luppa. «Aber klar, Kompromisse sind nötig.»

Rita und Serge möchten Kinder. Aber nicht jetzt. Der Moment ist nicht perfekt. Wann dann? TEXT EVA WIRTH

In der Schweiz ist das Durchschnittsalter der Frauen, die ihr erstes Kind gebären, in den letzten 40 Jahren um fünf Jahre gestiegen: Gemäss Bundesamt für Statistik (BFS) waren die verheirateten Erstgebärenden 2013 30,6 Jahre, 1973 noch 25,5 Jahre alt. Roland Zimmermann, Direktor der Klinik für Geburtshilfe am Unispital Zürich, tippt auf die Zahlen auf dem Blatt vor sich und sagt: «Das macht mir Bauchweh.» Also hat der Chef persönlich letzten Herbst eine neue Broschüre geschrieben. Sie soll Frauen als Checkliste dienen: Es steht gelistet, woran bis zur Schwangerschaft zu denken ist – zum Beispiel die Familiengeschichte nach Erbkrankheiten durchforschen oder wenig Alkohol trinken. Was ungewohnt deutlich steht: Eine Frau mit Kinderwunsch sollte bis zum 32. Altersjahr schwanger werden. «Ich weiss, das ist nicht das, was Frauen hören wollen», sagt Zimmermann. «Es war aber meine Pflicht als Arzt, das mal klipp und klar zu sagen.» Was die Zahlen zusammenfassen, erlebt Roland Zimmermann in seinem Alltag: Die Patientinnen auf seiner Station werden immer älter, die älteste Frau, die in seiner Abteilung gebar, war über 60 Jahre alt. Diese «ungebremste Entwicklung» berge grosse Risiken. Wer die Familienplanung in fortgeschrittenem Alter angehe, müsse mit Widrigkeiten rechnen. Mit Komplikationen während der Schwangerschaft, bei der Geburt, vielleicht schon beim Schwangerwerden. Denn die Fruchtbarkeit einer Frau sei zwischen ihrem 20. und 32. Altersjahr am höchsten. «Danach beginnt die Uhr brutal zu ticken. Die Zahl der Eizellen nimmt ab, Monat für Monat, Woche für Woche. Das ist vielen nicht bewusst», so Zimmermann. Die deutsche Journalistin Susanne Fischer hatte das «ideale» ➤ FEBRUAR 2015 · WOMEN IN BUSINESS 51


K A R R I E R E & FA M I L I E

Alter um glatte zehn Jahre überschritten, als sie mit 43 Jahren, sechs Monaten und einem Tag ihr Baby gebar. «Für mich war dieser Zeitpunkt perfekt, weil einfach alles gestimmt hat: Ich hatte einen Partner, mit dem zusammen ich mich ins Abenteuer Kind stürzen wollte, wir waren beide beruflich etabliert.» All das wäre zehn Jahre vorher nicht der Fall gewesen. Inzwischen hat Susanne Fischer ihre «Ansichten einer späten Mutter» in einem Buch zusammengefasst.

Wann ist der Zeitpunkt perfekt, die Herren?

Die Monate ziehen ins Land. Rita trat gerade eine neue Stelle an, Serge hat inzwischen einen festen Kundenstamm als Selbstständiger. Hin und wieder sprechen sie über die Familienplanung. Aber öfters noch gibt’s Krach. Meist wegen Kleinigkeiten. Ob ein Kind guttun würde, fragen sie sich.

Über den idealen Zeitpunkt für eine Familiengründung wird meist mit Frauen diskutiert. Höchste Zeit, bei Männern nachzufragen.

Inzwischen läuft es bei Serge im Büro besser als erwartet, Rita steht kurz vor einer Beförderung. Die warten wir noch ab, okay, Serge? Stiefel, Hörnli, Zoobesuch: Laut BFS zahlen Eltern für ihr Kind durchschnittlich 819 Franken pro Monat. Bei Ursula Hutter-Grimm, Präsidentin der Budgetberatung Schweiz, klopfen allerdings nicht nur wenig-, sondern auch gutverdienenden Eltern an. «Zusätzliche Kinder-, eventuell hohe Kita-Kosten und ein meist reduziertes Einkommen – da muss der frühere Lebensstandard reduziert werden, sonst geht die Rechnung nicht auf», sagt Ursula Grimm-Hutter, «das ist vielen Eltern nicht bewusst.» Wer aber seine Ausgaben im Griff habe, der stemme die Kosten für ein Kind. Selbst mit bescheidenen Einkommen. Karriere-Coach Gabriele Schwieder kennt die Frage nach dem perfekten Zeitpunkt aus ihren Beratungen. «Ich erinnere die Frauen dann, dass kaum eine Karriere ohne Brüche verläuft», so Schwieder. Was zähle ist, während des Unterbruchs am Ball zu bleiben und das Netzwerk zu pflegen. Ungünstig sei der Zeitpunkt höchstens kurz nach der Ausbildung, wenn Berufserfahrung fehle. Aber sonst, nein, sagt Gabriele Schwieder, gebe es keinen Anlass, die Familiengründung zugunsten der Karriere zu verschieben. Im Gegenteil: «Heute ist eine Karriere dann am intensivsten, wenn wir zwischen 40 und 50 Jahre alt sind, und das spricht eher für eine frühere Familiengründung.» Ein Jahr ist vergangen. Rita uns Serge wohnen zwar noch in ihrer kleinen Wohnung. Aber Rita wurde befördert, die Streitereien haben nachgelassen, die Nicaragua-Reise hat gekittet. Jetzt könnte der Zeitpunkt passen. Oder dann sicher nächsten Monat. ★ 52 WOMEN IN BUSINESS · FEBRUAR 2015

François Loeb, 64, Unternehmer, 2 Kinder

«Zeit Punkt Pünktlicher Punkt Auf den Punkt gebracht: Als Schriftsteller bin ich Vater tausender Gedanken an jedem Tag Der richtig wichtige Zeitpunkt Für den erfragten Gedanken? Die einzig wahre Antwort Findet sich ohne AntIm Herzens-Wort: LIEBE.»

Michael Hengartner, 48, Rektor Uni Zürich, 6 Kinder

«Für diese Antwort braucht es keine 500 Zeichen. Da reichen zwei Sätze: Es gibt keinen perfekten Zeitpunkt. Wenn die Partnerin stimmt: Just do it.»

FOTOS: PD (7)

«Tut es nicht», sagt Paartherapeutin Anja Grunert. «Wenn ein Paar in einer Krise steckt, sollte es sich erst um diese und dann um die Familiengründung kümmern.» Aus paartherapeutischer Sicht stehen für zwei Menschen dann die Zeichen zur Familiengründung gut, wenn sie ein gutes Team sind, einander vertrauen, sich miteinander wohl fühlen und bereit sind, für eine gewisse Zeit voneinander abhängig zu sein. Anja Grunert: «Das Leben lässt sich nicht planen, wenn wir auf den besten Zeitpunkt warten, wird er nicht kommen.»


Matthias Aebischer, 47, Nationalrat, 3 Kinder

«Ich habe mir nie die Frage gestellt, ob es der richtige Zeitpunkt ist, Kinder zu kriegen. Vielmehr stellte ich mir immer die Frage, ob die Frau, die ich liebe, auch die Richtige für mögliche Kinder wäre. Zweimal hatte ich Glück. Meine Kinder haben grossartige Mütter. In diesem Fall ist der Zeitpunkt der Familiengründung definitiv sekundär.»

Fabian Molina, 24, Präsident JUSO Schweiz, keine Kinder

«Dafür gibt es wahrscheinlich so viele perfekte Zeitpunkte wie Menschen. Für mich ist er noch nicht gekommen. Um mich unabhängig von wirtschaftlichen Zwängen und Rollenbildern für eine Familie zu entscheiden, würden mir – wie den meisten jungen Menschen – bessere Bedingungen helfen. Das heisst: Wir brauchen endlich Krippenplätze für alle, Elternurlaub, Lohngleichheit und ein modernes Familienrecht.»

Hans Leutenegger, 75, Unternehmer, 2 Kinder

«Ich war 25 Jahre alt, hatte gerade meine Firma gegründet und Erfolg im Sport. Da passte das Heiraten und Kinderkriegen sehr gut. Für jene Zeit war es ein guter Zeitpunkt. Heute wärs zu früh, da ist 30 noch längst ein gutes Alter.»

Jean-Claude Spira, 58, Reproduktionsmediziner am Kinderwunschzentrum Basel, 3 Kinder

Christian Hirsbrunner, 51, Projektleiter ABB, 8 Kinder

«Als unser erstes Kind geboren wurde, war dies sicherlich ein optimaler Zeitpunkt – geboren in einem sicheren Land und von uns Eltern freudig erwartet. Beim dritten Kind merkten wir bald die fehlende ‹dritte Hand›. Mit dem fünften Kind erlebten wir zunehmend Ablehnung und finanzielle Engpässe. Doch es reichte immer, und dankbar erfuhren wir immer wieder die Hilfe von Freunden.»

«Wir lesen immer wieder von Stars, die mit 45 Mami werden. Diese Frauen werden aber kaum auf natürlichem Weg schwanger. Darum trügt dieses Bild. Ich lege Paaren sehr ans Herz, für die Familienplanung ein Zeitfenster einzuplanen, so wie wir es für die Karriere ja auch tun. Dieses Fenster liegt idealerweise vor dem 35. Geburtstag der Frau – und nicht vor ihrem 45.» FEBRUAR 2015 · WOMEN IN BUSINESS 53


GENIESSEN

U N T E R W EG S

Husky auf Rädern Winterferien mit dem neuen Nissan Qashqai

Jede Menge Stauraum für die sportive Fahrerin und ihr Wintersport-Equipment.

54 WOMEN IN BUSINESS · FEBRUAR 2015

mal eher die Outdoor-Königin ist als der Couch-Potato. So buckelt er neuerdings noch mehr Sportequipment mit einem um 20 Liter grösseren Kofferraum, einem variablen, zweigeschossigen Ladeboden und einem eigenen Verstaufach für das Gepäckrollo. Der perfekte Fifi für die Skiferien also. Bei all dem, was er neuerdings mehr leistet, senkt er auch noch seine CO²Emissionen. Jeder Motor folgt dank Turboaufladung dem Downsizing-Prinzip. Das senkt auch das Gewicht um bis zu 40 Kilogramm. Die Palette wurde um einen neuen Einstiegsmotor ergänzt. Ganz nach seinem Charakter ist er daheim, sobald es auf und ab geht. In der Stadt wird er dann doch zum zappeligen Kumpel: Nicht ganz so smart schaltbar, und vor lauter Fussgängern und Fahrradfahrern wird er mit seinen Safety-Features auch ganz schön nervös. Obwohl Nissan in der Schweiz so gerne mit Wintersport wirbt, gibts den 4x4 leider nur in einer einzigen Version. Lediglich der grössere, 130 PS leistende 1.6 dCi kann damit kombiniert werden und das auch nur in den höherwertigen Ausstattungen Acenta und Tekna. (yz)

WOMEN in Business Tauglichkeits-Check

Sicherheit

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Komfort

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Design

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Handling

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Fahrspass

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Ökologie

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Stauraum

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Kinder

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FOTOS: PD (3)

E

r ist kein sanfter Pudel. Auch kein geschmeidiger Windhund, kein kräftiger Boxer und kein nervöser Terrier. Der Nissan Qashqai auf vier Pfoten wäre ganz bestimmt ein Husky. Wie gemacht für Schnee und Eis. Ein Arbeitstier, weder zu schwer noch zu kräftig. Dafür haushälterisch – und vergleichsweise günstig in der Haltung. Über zwei Millionen Mal verkauft, hat Nissan seine Nummer eins nun überarbeitet. Zuerst fällt auf: Die Generation 2.0 scheint grösser und bulliger als das Vorgängermodell. In Tat und Wahrheit ist der Unterschied nur geringfügig, der Look machts aus. Der Husky bleibt Husky, er will einfach noch luxuriöser und stärker aussehen. Und in erster Linie ein sicherer Buddy für unterwegs sein. Notbrems-Assistent, Totwinkel-Assistent, Verkehrszeichen-Erkennung etc. machen den Qashqai noch sicherer. Die Surround-Kamera zeigt den Wagen von oben und erlaubt so zentimetergenaues Parken. Sofern man dies nicht gleich dem Einpark-Assistenten überlässt. Im Innenraum beweist der Husky viel Verständnis für seine Besitzerin, die nun


Nissan Qashqai 1.6 l dCi ALL-Mode 4x4i Motor: Reihen-Vierzylinder Diesel mit Turboaufladung, 96 kW (130 PS) Beschleunigung: von 0 auf 100 in 10,5 Sek. Höchstgeschwindigkeit: 190 km/h Verbrauch: 4,9 Liter Diesel/100 km CO²-Emission: 129 g/km Preis: ab CHF 37 140.–, ohne 4x4 ab CHF 24 990.–

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GENIESSEN

AV O N AUF UND D

nce e l l e c x e r a Chalet p La Val in Brigels Bergspa Hote

l

Es gibt doch Kleinode, deren Adressen man für sich behält.

Aus lauter Angst, ein anderer könnte einem beim nächsten geplanten Besuch das letzte Zimmer wegschnappen. Das La Val ist so ein Haus, das leider – aber auch zum guten Glück – nur 33 Zimmer und Suiten hat. Im Herzen der Surselva gelegen, öffnete es erst im Dezember 2010 seine Türen. Seither sammelt das Direktionspaar Susan und Chris Faber Stammgäste und mit Küchenchef Rudolf Möller GaultMillau-Punkte (13 im 2014; für seine Suppen hätte Möller zusätzlich eine Spezialauszeichnung

verdient). Im Restaurant Ustria Miracla verheiratet er Bündner Kalb und Käse aus der lokalen Sennerei mit Mediterranem. Und das in einem Speiselokal mit Wow-Faktor. Draussen wie drinnen wagt das Viersternehaus, Chalet pur zu sein. Urig, echt und dabei wunderbar elegant: die Handschrift der Innenarchitektin Nicole Gottschall von Go Interiors aus Zürich. Frisch auf diese Wintersaison durfte sie sich nochmal ausleben: Die Suiten im Haupthaus trumpfen nun mit Schwedenofen oder Badewanne unterm Dach auf – für die luxuriösesten Stunden im Kleinod. Wer im La Val eincheckt, hat entweder vor, sich im Bergspa zu entspannen (500 m², von der Chefin persönlich ausgesuchte Treatments) oder Sonne und Schnee zu geniessen. Winterwandern, langlaufen, Ski fahren: Brigels zelebriert auch hier das Kleinsein und gewinnt mit seinen 75 Kilometer Pistenvergnügen auch immer wieder Auszeichnungen in der Kategorie klein, aber fein. (yz)

D R E I T I P P S F Ü R D I E S U R S E LVA

ZU GAST IM CASA

Hinter den Mauern dieses Patrizierhauses in Truns werden Schnapsideen ausgegoren. Am Herd steht Manuel Reichenbach, tief verwurzelt mit seiner Heimat, highflying mit seiner Kunst. 2014 vom GaultMillau zur Entdeckung des Jahres (14 Punkte) in der Deutschschweiz erkoren, ist der Spitzenkoch mit Stammtisch noch ambitionierter denn je. Wer durch Truns einfach nur durchfährt, ist also selber schuld. www.casatoedi.ch 56 WOMEN IN BUSINESS · FEBRUAR 2015

DUNKLER TROPFEN

«Meine Weine sind so dunkel, weil ich eine schwarze Seele habe», sagt der Schlossherr von Reichenau. Johann-Baptist Tscharner produziert am Tor zur Surselva seit Jahrzehnten Wein. Der ist in der Tat dunkel – aber das ist weniger Magie als intensive, handwerkliche Kelterung, die den Weinen Zeit lässt. Das nördlichste Weingut im Graubünden ist einen Besuch wert. www.adlerreichenau.ch


Unsere Weinexperten empfehlen: Valais AOC Johannisberg Domaine du Mont d’Or, 75 cl

19.95

HOTEL LA VAL Palins 804, 7165 Brigels – www.laval.ch Aufenthalt pro Doppelzimmer und Nacht ab CHF 440.–, inkl. Verwöhnpension. Bergspa Power Angebot: 2 Übernachtungen, Verwöhnpension, 1 Ganzkörpermassage, 1 Gesichtsbehandlung für CHF 719.– pro Person im Doppelzimmer

Fruchtiger Genuss aus dem Wallis. Als Sylvaner kam diese Rebsorte Mitte des 19. Jahrhunderts ins Rhonetal und wird dort seither unter dem Namen Johannisberg angep anzt. Weitere Weinempfehlungen  nden Sie auf www.mondovino.ch

FOTOS: PD (5), THINKSTOCK.COM

DAS BESTE SOUVENIR

Die Käseauswahl im La Val kommt aus der Sennerei im Dorf. Zum Laden von Barbara und Josef Kobler ist es nur ein kleiner Spaziergang. Die Milch, die hier verarbeitet wird, gewinnen die Landwirte im Dorf. So geht es vor und in der Sennerei von frühmorgens bis abends geschäftig zu und her. Unbedingt probieren: der Rezenteste aus der Eigenproduktion. Und das Fondue!

Coop verkauft keinen Alkohol an Jugendliche unter 18 Jahren. Erhältlich in grösseren Coop Supermärkten und unter www.mondovino.ch

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GENIESSEN

F E B R UA R L I E B L I N G E

Zuhause abtauchen

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Die perfekten Zutaten f眉r einen Home-Spa-Tag 1 2

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FOTOS: PD (13)

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58 WOMEN IN BUSINESS 路 FEBRUAR 2015


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1.

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Blumiger Kuschler Bademantel Sommerwonne von Christian Fischbacher für CHF 459.–

2. Weiche Lippen Eclat Minute Huile Confort Lèvres Honey. Von Clarins für CHF 30.– 3.

10 11 9

Starkes Haar Furterer Absolut Kératine. 200 ml in Apotheken für ca. CHF 21.90

4. Cleaner Duft Clinique Aromatics in White. 50 ml von Clinique für CHF 105.– Erhältlich ab März 5. Barriere aus Natur Aesop Elemental Facial Barrier Cream. 60ml von Aesop CHF 57.– 6. Licht und Hauch Parfums de Marly, Woody Incense Kerze. Bei Osswald Parfumerie für CHF 153.– 7. 8.

12

Sound zum Sein Wave Music Volume 20. Bei Renakaufmann.ch für CHF 59.90 Zauberer für die Haut Dior Capture Totale Serum. 30 ml in Apotheken für CHF 225.–

9. Tiefe Reinigung Shiseido Perfect Cleansing Oil. 180 ml in Apotheken für ca. CHF 50.– 10. Schmöker für die Badewanne In Your Face, by Mario Testino. Bei taschen.com für ca. CHF 48.– 11. Hamam-Bad für zuhause Rituals Heavenly Hammam Revitalizing Bath Oil. 100 ml bei rituals.com für CHF 21.–

13

12. Straffendes Geheimnis Vichy Liftactiv Supreme Creme. 50 ml in Apotheken für ca. CHF 46.– 13. Für die Wellnesskönigin Slipper Iveye von Ted Baker bei www.shopstyle.de für ca. CHF 84.– FEBRUAR 2015 · WOMEN IN BUSINESS 59


GENIESSEN

B E AU T Y

«Wer experimentiert, spart Zeit!» Jane Richardson, die Make-up-Chefin von Nars, plädiert für bunte Abende im Bad

einer unserer Lehrer – eher zum Spass – eine Art Einführung in das Thema «Schminken mit Spezialeffekten». Ich sah, was mit Make-up alles möglich ist, und war sofort fasziniert. Es war der Moment, in dem mir klar wurde, dass ich genau diesen Weg weitergehe. Wenn Sie ein Pflichtenheft hätten, was würde darin stehen? Als Lead Make-up Stylist arbeite ich sehr eng mit François Nars zusammen, der auch nach dem Verkauf seiner Firma an das japanische Kosmetikunternehmen Shiseido als kreativer Kopf immer noch voll involviert ist bei der Entwicklung neuer Produkte. Zu meinen Aufgaben gehört unter anderem die Schulung der Mitarbeitenden, das Styling am Set von Foto-Shootings sowie bei Fashion-Shows, die Kommunikation, die Repräsentation und das Zusammenstellen neuer Looks. Wo finden Sie Inspiration für Ihren Beruf? Ich spiele mit Make-up. Leidenschaftlich gerne. Und zwar stundenlang. Wie spielen Sie? Sobald ich vom Beauty-Labor eine neue Makeup-Kollektion bekomme, verbringe ich viel Zeit mit Ausprobieren. Auf diese Weise entstehen die passenden Looks dazu praktisch von selbst. Den gleichen Prozess empfehle ich auch unseren Kundinnen.

Jane Richardson, 42, Lead Make-up Stylist bei Nars. Die vor 20 Jahren von dem französischen Make-up Artist und Fotografen François Nars gegründete Marke ist bekannt für ihre intensive Pigementierung.

Wofür haben Sie Ihren ersten Lohn ausgegeben? Vermutlich für eine Schallplatte – oder für Make-up. Das Schminken haben Sie später zu Ihrem Beruf gemacht. Wann wussten Sie, dass Sie Make-up Artist werden wollen? Ich machte die Ausbildung zur Schönheits-Therapeutin und lernte dabei auch viel über Make-up. Eines Tages gab uns 60 WOMEN IN BUSINESS · FEBRUAR 2015

Wann fühlen Sie sich selbst am schönsten? Wenn es mir gut geht. Und das ist eigentlich meistens der Fall, ganz besonders wenn ich vom Training komme – oder nach einem guten Essen. Ihr ultimativer Beauty-Tipp? Die wichtigste Regel: Trage jeden Tag Sonnenschutz! Ich wünschte, man hätte mir das früher gesagt. (kr)

Die Produkte von Nars sind bei Jelmoli und bei Osswald erhältlich.

FOTO: PD

K

önnen Sie sich noch an Ihren ersten Job erinnern? Absolut. Als ich noch ein Kind war, machte sich mein Vater selbstständig, und eine seiner ersten Aufgaben als Unternehmer war die Produktion von Ohrringen und Halsketten aus Plastik. Ich habe noch genau vor Augen, wie die ganze Familie in der Garage sass und ihm half, den Schmuck zu machen – Perlen auffädeln, Verschlüsse anbringen, Waren einpacken, Bestellungen sortieren. Wir bekamen nicht viel Lohn dafür. Aber wie stolz es mich machte, mein eigenes Geld zu verdienen!

Nicht alle haben so viel Zeit, sich mit Make-up zu befassen. Das müssen Sie auch nicht, im Gegenteil: Wer jeden Abend vor dem Abschminken noch fünf Minuten etwas Neues ausprobiert mit Make-up, hat nicht nur Spass beim Experimentieren, sondern gewinnt ganz nebenbei viel Erfahrung. Langfristig lässt sich damit sogar Zeit sparen, weil die Misserfolge beim Schminken am Morgen ausbleiben. Das passiert vielleicht nicht von heute auf morgen, aber es funktioniert, ich verspreche es!


WETTBEWERB

Gewinnen

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FOTO: PD

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GENIESSEN

Kultur Promitipp Sabine Schaschl, Direktorin und Kuratorin des Haus Konstruktiv in Zürich, empfiehlt für den Februar den Besuch eines Theaterstücks: Die Komödie «Schweizer Schönheit» des Filmemachers Dani Levy handelt von Balz Schweizer, der mit seiner Familie in einem Reihenhaus wohnt, einem demütigenden Job nachgeht und eine unbefriedigende Ehe lebt. Sein neuer Chef und der attraktive Nachbar bringen das Fass zum Überlaufen. Balz bricht aus der Schweizer Vorstadtidylle aus – mit tödlichen Folgen. Die Komödie ist Levys erste Inszenierung am Schauspielhaus Zürich. (lm) Februar 2015, Pfauenbühne www.schauspielhaus.ch

Ausstellung

Sammlung Goetz, München 29. Januar bis 18. Juli 2015 www.sammlung-goetz.de

Klassik Nigel Kennedy Das exzentrische Violin-Genie Nigel Kennedy, bekannt für seine unkonventionellen Auftritte im T-Shirt, spielt in der Laeiszhalle Hamburg mit der weltbekannten Kammerphilharmonie St. Petersburg sämtliche Violinkonzerte des Barockkomponisten Johann Sebastian Bach. Gleichzeitig übernimmt er die Leitung des Orchesters – Usus in der damaligen Musizierpraxis. Der britische Violinvirtuose wird auch weitere Stücke des Grossmeisters Bach zum Besten geben. Welche er dafür ausgewählt hat, bleibt jedoch ein streng gehütetes Geheimnis. (lm) Laeiszhalle, Hamburg, 14. Februar 2015 www.elbphilharmonie.de 62 WOMEN IN BUSINESS · FEBRUAR 2015

FOTOS: © PIET OUDOLF. COURTESY THE ARTIST AND HAUSER & WIRTH. PHOTO: ALEX DELFANNE, PD (6)

Cindy Sherman Untitled #299 1994 Farbfotografie 122 x 81 cm Courtesy of the artist and Sammlung Goetz, München

Cindy Sherman Die Ausstellung zu Cindy Sherman, die in enger Zusammenarbeit mit der amerikanischen Künstlerin konzipiert wurde, zeigt rund 60 Exponate aus ihrem Werk. Sherman beschäftigt sich primär mit der Inszenierung weiblicher Stereotypen unserer medial geprägten Gesellschaft. Ziel ihrer teils grotesk anmutenden Selbstportraits ist die Dekonstruktion von Rollenbildern und Klischees. Die Sammlung Goetz in München zeigt umfangreiche Werkgruppen aus nahezu allen Schaffensphasen der Künstlerin und gibt so einen guten Einblick in ihr Gesamtwerk. (lm)


Kulturkalender

Bücher Gutes tun Sie sind stark, engagiert, wohltätig – und haben was zu erzählen: «Mäzeninnen - Denken, handeln, bewegen» umfasst 20 Porträts von Mäzeninnen und berichtet, wofür sich die Frauen einsetzen, was sie vorantreibt und wovon sie träumen. Wussten Sie zum Beispiel, was die Berner Kunstwissenschaftlerin Marlies Kornfeld zu einer radikalen Kehrtwende bewog und sie zu tibetischen Flüchtlingen brachte? Oder dass Carolina Müller-Möhl keineswegs ein stromlinienförmiges Unternehmen von ihrem Mann erbte, sondern ein «üppiges Sammelsurium von Beteiligungen und Schulden»? (ew) 220 Seiten, Haupt

In den Fängen des Falschen Der Sohn in den Armen einer Schwangeren (aber nicht von ihn), der Exmann im Bett mit einer viel zu jungen Arbeitskollegin, der Vater wegen Mordes im Knast, die Mutter auf dem Totenbett. Ausgerechnet im grösstmöglichen Chaos entdeckt Michèle ein Begehren. Für den einzigen Mann überhaupt, der ihren Willen je brechen konnte. Ihren Vergewaltiger. Philippe Djian erzählt in «Oh ...» von einer Filmproduzentin und ihrer beklemmenden Hinwendung zu einem gefährlichen Mann. (yz) 240 Seiten, Diogenes

Film Fifty Shades of Grey 1 Der grösste globale Bestseller der letzten Jahre erzählt die Geschichte der 21-jährigen Studentin Anastasia Steele, die für ihre Universitätszeitung ein Interview mit dem 27-jährigen Milliardär Christian Grey führt. Grey tritt derart selbstsicher auf, dass sich die junge Frau völlig überrumpelt fühlt – ihr Fluchtimpuls weicht aber bald einer geheimen Faszination, der sie sich nicht entziehen kann. Unentrinnbar wird Anastasia in Greys Bann gezogen, der ihr eine ungeahnte Welt voller Erotik und Sinnlichkeit eröffnet. Die Rolle der Anastasia Steele verkörpert die 25-jährige Dakota Johnson, Tochter von Melanie Griffith und Don Johnson. Die Teile 2 und 3 werden für 2016 und 2017 angekündigt. (fh) Fifty Shades of Grey 1, Kinostart: 12. Februar 2015 Drama, Erotik GB, 2015 Regie: Sam Taylor-Johnson (Nowhere Boy) Hauptdarsteller: Dakota Johnson (Reine Männersache; For Ellen) Jamie Dornan (Shadows in the Sun; The Fall)

Februar

5.2.2015 Konzert: Ivana Gavri und Lisa Schatzman Die Pianistin Ivana Gavri spielt drei zentrale Werke aus Griegs Klavierwerk. Im Kernstück des Programms wird sie von Lisa Schatzmann auf der Violine begleitet. www.kkl-luzern.ch

13.2.–23.6.2015 Oper: Daphne Die Oper von Richard Strauss handelt von der jungen Daphne, Apollon und einer unerwiderten Liebe. Unter der Regie von Christof Loy und mit Musik des Basler Sinfonieorchesters wird das Stück im Theater Basel aufgeführt. www.theater-basel.ch

20.2.–10.5.2015 Mueseum: Monet, Gauguin, van Gogh. Inspiration Japan Über 300 hochkarätige Exponate im Kunsthaus Zürich verweisen auf den Einfluss, den die japanische Kunst zwischen 1860 und 1910 auf die Ausdrucksformen der Künstler der europäischen Moderne ausübte. www.kunsthaus.ch

20.2.–22.5.2015 Museum: Architektur der Unabhängigkeit Die Ausstellung im Vitra Design Museum in Weil am Rhein DE dokumentiert über 50 futuristische Bauten, die in den 60erJahren in vielen afrikanischen Ländern während der Erlangung der Unabhängigkeit erstellt wurden. www.design-museum.de

25./27./28.2.2015 Ballett: Strings Im Theater Winterthur tanzt das Ballett Zürich an drei Abenden zu Choreografien von Edward Clug, William Forsythe und Christian Spuck. Dazu musizieren die Mitglieder der Philharmonia Zürich live. theater.winterthur.ch FEBRUAR 2015 · WOMEN IN BUSINESS 63


RÜCKBLICK

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WOMEN's Talk

Besucherrekord am letzten Event 2014. Das Thema «Kunst: Clever kaufen – erfolgreich investieren» sorgte im Baur au Lac für Full House

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1. Die Talk-Gäste Stefan Puttaert, Direktor Sotheby's Zürich, Hedy Graber, Leiterin Direktion Kultur und Soziales Migros Genossen- schafts-Bund, und Galerist Jean-Claude Freymond- Guth (v.l.) mit Chefredaktorin und Moderatorin Yvonne Zurbrügg (2. v.l.) 2. Marion Streit (l.) und Martina Lebherz von Credit Suisse 3. WiB-Verlegerpaar Daniel und Claudia Kaczynski- Coninx (l.) mit Romy Hebden und Linus Fuchs von IWC Schaffhausen 4. Die Unternehmerinnen Patricia Kilburger (Textklusiv) und Ursi Dienerer (Diener Concepts) 5. Linus Fuchs (IWC Managing Director Switzerland) und Senka Stütz (Holy Gruppe) 6. Gabriella Diethelm begrüsste die 140 Gäste im Namen der neuen Hauptsponsorin Credit Suisse 7. Verleger Daniel Kaczynski eröffnete den Talk am 18. November im Baur au Lac in Zürich 8. Unter den Gästen: Danja Spring (Deputy CCO Ringier) und Fabio Coluccia (CEO Prime Dynamics AG)

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FOTOS: © GDX

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1. Im Le Petit Palais: Die Experten im intensiven Gespräch rund ums Kunstsammeln 2. Galerist Jean-Claude Freymond-Guth sprach unter anderem darüber, wie die Preise für Werke von jungen Künstlern festgesetzt werden 3. Annelore Pecchia (Rechsteiner Partners), Friederike Schmid (Communication by Art GmbH) und Ute Barth (Art Forum Ute Barth) (v.l.) 4. Das kunstinteressierte Publikum stellte nach dem 45-minütigen Talk Fragen 5. Regula Brechbühl (Credit Suisse, l.) und Sabine Kohler (Dr. B Bjørn Johansson Associates AG) 6. Galerist Christophe Guye, Juristin Andrea Sieber, Unternehmerin Nicole Böhme (Home & Art) und Leila Guye 7. Antonia Gabriela Jöbstl (Eres, l.) und Hester Linthorst (Chanel) 8. Silvia Grämiger Theler, Tania Mobayed, Luzia Kopp und Rita Gossweiler FEBRUAR 2015 · WOMEN IN BUSINESS 65


VORSCHAU

WOMEN IN BUSINESS

WIB IMPRESSUM Ausgabe: Nr. 2/2015 Erscheinung: Monatlich, 10-mal im Jahr Auflage: 12 000 Exemplare

Plötzlich Unternehmerin

Francesca Kuonen (Bild) und Pascale Stücheli erzählen vom Sprung in die Fussstapfen des Vaters.

Verleger Daniel Kaczynski Chefredaktion Yvonne Zurbrügg (yz) y.zurbruegg@womeninbusiness.ch Redaktion Eva Wirth (ew) e.wirth@womeninbusiness.ch

AB 5. MÄRZ Wochenende zu zweit

Harmonie, Stille, Farben und Wonne: Am Sarnersee haben wir ein Bijou entdeckt für die kurze Flucht aus dem Alltagsstress.

Autor/innen dieser Ausgabe Kafi Freitag, Mirjam Fonti, Sandra Willmeroth, Silvia Aeschbach, Nina Siegrist, Katrin Roth, Fredy Hämmerli, Elisabeth Rizzi, Daniel Graf, Linda Marty Korrektorat Dominik Süess Art Direction/Bildredaktion Aurel Peyer a.peyer@womeninbusiness.ch Fotografen/Illustration Paolo Dutto, Kerstin Staub Verlagsleitung /Anzeigenleitung Christine Lesnik c.lesnik@womeninbusiness.ch Verkauf Rita Nock r.nock@womeninbusiness.ch Herausgeber Swisscontent AG Hottingerstrasse 12 8032 Zürich 044 245 45 15 abo@womeninbusiness.ch www.womeninbusiness.ch

Setzen Sie sich!

Ob fürs Office, fürs Homeoffice oder den privaten Rückzugsort: Die neuen Möbeltrends für BusinessFrauen jeder Couleur.

Abonnemente abo@womeninbusiness.ch Einzelpreis: CHF 9.80 Jahresabo: CHF 79.–, Ausland CHF 99.– Probeabo (3 Monate): CHF 18.–, Ausland CHF 35.– Marken des Verlages: WOMEN in Business / WOMEN’S Talks www.womeninbusiness.ch

Haftungsausschluss: Der redaktionelle Inhalt stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung zum Abschluss einer Finanztransaktion dar und entbindet den Leser nicht von seiner eigenen Beurteilung.

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Serie Superwomen

Im zweiten Teil stellen wir die Frage, welche Arbeitgeber sich Diversity nicht bloss auf die Fahne schreiben.

FOTOS: ©ARTEK, PD (3)

Druck und Vertrieb: AVD GOLDACH AG


WOMEN'S Talk Dienstag, 10. März 2015

«Wissen wir noch, was wir essen? Und was wir essen sollten?»  Gäste:

Dr. Jeanne Fürst, Ärztin und Moderatorin «gesundheitheute» auf SRF Susanne Ullrich, Leiterin Kulinarik und Mitglied der Geschäftsleitung, Betty Bossi Richard Kägi, Foodscout und Senior Buyer, Globus Delicatessa Daniel Frei, CEO und Co-Gründer, Tibits

Moderation:

Yvonne Zurbrügg, Chefredaktorin WOMEN in Business

Beginn:

19.00 Uhr (Türöffnung 18.30 Uhr)

Location:

Bellevue Palace, Kochergasse 3-5, 3001 Bern

Eintritt:

CHF 20.– für NichtabonnentInnen / CHF 10.– für AbonnentInnen Anmeldung bis am 2. März an redaktion@womeninbusiness.ch (Beschränkte Teilnehmerzahl.) Hauptsponsor

Sponsoren

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DIE LETZTE

Männersicht Urs Bührer Seit sieben Jahren Direktor Bellevue Palace Bern, verheiratet, 1 Sohn

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Welches ist Ihr Lieblingshotel im Ausland? Warum?

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Wenn Sie ein Ihnen noch unbekanntes Hotel betreten, worauf achten Sie als Erstes?

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Mit wem möchten Sie mal im Hotellift stecken bleiben?

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Wie viele Stunden pro Nacht schlafen Sie?

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Bei Ihnen logieren viele Politiker. Mit welchen sind Sie per Du?

6.

Im Bellevue gibt es weder Krawatten- noch Vestonzwang. Was tragen Sie am liebsten?

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Wen haben Sie warum zuletzt gelobt?

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Ihr Hotel ist 101 Jahre alt. Wie alt möchten Sie werden?

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Wo sind Sie den gastfreundlichsten Menschen der Welt begegnet?

Die Bellevue-Bar serviert den Bellevue Lady Burger «mit lediglich 125 g magerem Fleisch». Wie schmeckt er?

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Wirtschaft für Frauen

Mit der iKiosk App steht die aktuelle Ausgabe als Download e-paper zur Verfügung. FEBRUAR 2015 · WOMEN IN BUSINESS 69


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WOMEN in Business 15/02