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Wie Clara auf die Erde kam von Stefanie Wackar


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Liebe Clara, ich w端nsche dir, dass du neugierig bist auf das Leben und offen f端r die Wunder, die dir begegnen werden, dass du dein kindliches Vertrauen in dich und in das Leben nie verlierst, dass du dir selbst treu bleibst, was immer auch geschieht, dass du erkennst, wie wertvoll und einzigartig du bist. Alles Liebe Deine Patentante Verena


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Wie Clara auf die Erde kam von Stefanie Wackar


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ie Sonne schien hell, als sich die vielen kleinen Seelchen lachend um den großen Tisch im Himmelsgarten versammelt hatten. Engel mit goldenen Flügeln schwebten umher und schenkten ihnen Milch ein, die mit etwas Honig gesüßt war und köstlich duftete. Überall hörte man glucksende und kichernde Geräusche und der Apfelbaum, der seine ausladenden Äste über den Tisch erstreckte, spendete angenehmen Schatten. Es war ein schöner Anblick, die vielen ausgelassenen Seelchen zu beobachten. Sie trugen helle Kleider und gingen barfuß. Es waren Jungen und Mädchen, die alle unterschiedlich aussahen. Unter ihnen gab es Große und Kleine, Zierliche und Starke. Manche hatten blonde Haare und manche schwarze, rote oder braune. Es war eine bunte Mischung, die sich um den Tisch versammelt hatte und sich gegenseitig neckte und kitzelte. Alle trugen sie eine Freundlichkeit und Heiterkeit in sich, dass es dem großen Engel, der an den Apfelbaum lehnte und sie betrachtete, jedes Mal warm ums Herz wurde. Da spürte er plötzlich, wie an seinem Kleid gezogen wurde, und er erblickte das Seelchen, das ihm am meisten ans Herz gewachsen war. Er beugte sich hinunter und umarmte das Kind, das ihn aus strahlenden Augen heiter anblickte. Es war die kleine Clara, die vor ihm stand.

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„Gehst du mit mir Wolkenrutschen?“ fragte sie ihn und lächelte. „Natürlich, sehr gerne, meine liebe Clara,“ antwortete ihr der Engel. Hand in Hand verließen sie den Himmelsgarten und ließen die anderen Seelchen in der Obhut der übrigen Engel, die mit ihnen spielten. Clara lief voraus und streckte ihre Ärmchen jauchzend in die Höhe. Dann blieb sie stehen und schaute auf die Spuren, die ihre kleinen Füße auf der Wolkendecke hinterließen. Sie wartete, bis der große Engel aufgeschlossen hatte, und lief dann wieder ein Stück voraus. Sie spielten ein Spiel miteinander. Der große Engel musste versuchen immer genau in ihren Spuren zu laufen, damit es so aussah, als wäre nur eine Person hier entlang gegangen. Es gelang dem großen Engel nicht immer die kleinen Schritte von Clara zu treffen und so kam es vor, dass er sich mit seinen eigenen Füßen verhedderte und stolperte. Dann lief Clara auf ihn zu und warf sich ihm in die Arme und gemeinsam lachten sie so sehr, dass die Sterne am Himmel mitlachten. Schließlich kamen sie bei den Wolkenrutschen an. Es waren große, weiße Rutschen, die in gewaltige Höhen ragten. „Nimm mich hoch, nimm mich hoch,“ bettelte Clara, die es gar nicht mehr erwarten konnte, die lange Bahn hinunterzusausen. Da nahm der große Engel sie in seine Arme, entfaltete seine Flügel und schwebte mit ihr sanft bis an das Ende der riesigen Rutsche. Behutsam setzte er sie auf seinen Schoß und ordnete sein Kleid, damit es ihn beim Rutschen nicht behinderte. Clara rief: „Los geht’s!“ und gemeinsam rutschten sie die lange Bahn hinunter und der Wind blies ihnen ins Gesicht. Clara jauchzte und hielt sich an dem blauen Kleid des Engels fest, während dieser die Arme um sie geschlungen hatte und sie beide glücklich lachten. „Nochmal!“ rief Clara übermütig, als sie unten angekommen waren, und sie wiederholten das Spiel so lange, bis Clara müde wurde.

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Als sie langsam Hand in Hand wieder in Richtung Himmelsgarten zu den anderen Seelchen und Engeln gingen, begann sich an einer Stelle die Wolkendecke zu lichten und legte den Blick frei auf einen blau leuchtenden Planeten. Neugierig blieb Clara stehen. „Das sieht aber schön aus, was ist denn das?“ fragte sie den Engel. „Das ist die Erde,“ antwortete der Engel. „Und da leben die Menschen.“ „Menschen?“ fragte Clara. „Was sind Menschen?“ „Menschen sind Geschöpfe reiner Liebe und kommen von Gott, genau wie du. Nur haben viele das vergessen. Auch an die Engel glauben sie nicht mehr.“ Clara schaute ihn mit großen Augen an. Langsam gingen sie weiter. Aber die Worte des Engels ließen sie nicht los und sie fragte ihn: „Warum haben die Menschen vergessen, dass sie von Gott kommen?“ „Weil sie den Zweifel und die Angst in ihr Herz gelassen haben,“ antwortete ihr der Engel. Die Tage vergingen und Clara liebte es, mit ihrem Engel auf den großen Wolkenrutschen zu spielen oder auf Wolkenpferden durch den Himmelsgarten zu reiten. Als sie sich eines Tages, vom vielen Spielen müde, an einen Bach setzten und den Vögeln zuhörten, wandte sich Clara wieder dem großen Engel zu: „Seitdem ich die Erde gesehen habe, muss ich immer an die Menschen denken. So gerne möchte ich zu ihnen. Weißt du, wie ich auf die Erde komme?“ fragte sie ihn und blickte ihn an. „Auf die Erde kommst du dann, wenn sich ein Mann und eine Frau von ganzem Herzen ein Kind wünschen. Dann darfst du deine Reise dorthin antreten,“ antwortete ihr der Engel.

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Clara verbrachte die folgende Zeit vor allem damit unter dem blühenden Apfelbaum zu sitzen, Bilder zu malen, Lieder zu singen und sich auf ihre Reise auf die Erde zu freuen. „Wann ist es denn soweit?“ fragte sie jeden Tag den Engel, der ihr immer die gleiche Antwort gab: „Bald, meine liebe Clara, bald kommst du auf die Erde.“

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Als sie eines Abends in ihrem Himmelbett lag und sich wieder einmal fragte, wann es denn endlich so weit sei, begann sie von ihren Eltern zu träumen. Es waren eine Frau mit dem Namen Diana und ein Mann mit dem Namen Kai, die sich sehr liebten. Diese beiden Menschen wünschten sich nichts mehr als ein Kind. In ihrem Traum streckten sie ihr die Arme entgegen und sagten: „Wir freuen uns schon so sehr auf dich, liebe Clara. Bald wirst du bei uns auf der Erde sein.“ Als Clara aus ihrem Traum erwachte, schwang sie ihre Beine aus dem Bett, lief zu ihrem Engel, der schon wach war, und rief: „Ich habe sie gesehen, ich habe sie gesehen. Ich kenne meine Eltern. Jetzt darf ich auf die Erde!“ „Das freut mich sehr für dich, meine liebe Clara.“ Der Engel lächelte sie an. „Dann wird es Zeit, dass wir zum lieben Gott gehen, damit er dich mit allem versorgt, was du auf der Erde brauchst.“ Hand in Hand gingen sie zum Himmelshaus. Clara freute sich sehr auf den lieben Gott. Er hatte immer Zeit für sie und hörte aufmerksam zu, wenn sie sich über etwas Gedanken machte, ihm etwas Schönes erzählte oder wenn sie etwas bedrückte. Leise patschten ihre nackten Füße auf dem Boden des Himmelshauses, als sie dem lieben Gott freudig entgegen lief, der schon seine Arme ausstreckte und sie sogleich hochhob. „Ich darf auf die Erde, ich habe meine Eltern gesehen!“, sprudelte es aus ihr heraus und der liebe Gott lächelte sie an. „Nun, meine liebe Clara, da bist du bestimmt schon sehr neugierig mehr von deinen Eltern zu erfahren, nicht wahr?“ „Ja, sehr, ich habe von ihnen geträumt und sie freuen sich schon sehr auf mich!“ erzählte sie ihm voller Aufregung.

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„Na, dann lass uns doch mal durch das goldene Fernrohr schauen und sehen, was deine Eltern gerade machen.“ Der liebe Gott hob Clara hoch, damit sie in das riesige Fernrohr, das neben seinem großen Sessel stand, hineinblicken konnte. Sie sah ihre Eltern, wie sie sich in den Armen hielten, sich küssten und miteinander redeten. Und sie spürte, dass sie über sie sprachen, und ein warmes Gefühl strömte durch ihren Körper. „Sie fragen sich, wann du denn endlich zu ihnen kommen wirst,“ erklärte der liebe Gott mit einem Lächeln, als hätte er ihre Gedanken gelesen. „Bald geht deine Reise los, freust du dich schon?“ Er blickte sie an und vor lauter Aufregung konnte Clara nur noch nicken.

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„Bevor ich dich auf die Erde schicke, meine liebe Tochter, sollst du wissen, dass ich ständig meine Augen bei dir habe und immer über dich wache. Mein Herz und mein Geist begleiten dich und meine Freude ist immer bei dir, meine liebe Clara. Meine Hände halte ich über dich und schütze dich und deine Seele. Meine Liebe ist immer bei dir, egal, was du tust. Ich werde immer stolz auf dich sein. Ich gebe dich nun in deine Seelenfamilie, die bereits auf der Erde auf dich wartet, die dich nähren, beschützen und führen wird.“ Der liebe Gott und Clara umarmten sich. „Damit du nicht alleine auf die Reise gehen musst, werde ich dir einen Begleiter und Beschützer an die Seite stellen.“ Der Engel erschien und strahlte Clara glücklich an. „Ich werde dein Schutzengel sein, dich begleiten und dich beschützen,“ versprach er. „Nun, denn, dann geht los, ihr beiden. Habt eine gute Reise und viel Spaß auf der Erde!“ wünschte der liebe Gott zum Abschied und Clara winkte ihm zu, bis sie das Himmelshaus wieder verlassen hatten. Am Abend, als sich Clara in ihr Bett legte, war sie sehr glücklich. Morgen würde sie auf der Erde sein! Mit vor Aufregung geröteten Wangen schlief sie ein.

Gedämpfte Töne drangen an ihr Ohr. Sie war umringt von tiefer Finsternis und eine wohltuende Wärme umgab ihren Körper. Keine Gedanken, nur Gefühle. Clara war auf der Erde angekommen.

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Der liebe Gott hatte die ganze Zeit seine Aufmerksamkeit und seine Augen bei Clara, wie er es versprochen hatte. Ein kleiner Engel kam ins Himmelshaus gelaufen. „Was machst du da?“, fragte er. „Ich schaue meiner lieben Clara zu, was sie auf der Erde erlebt und wie es ihr geht. Möchtest du auch mal einen Blick auf sie werfen?“ Der kleine Engel nickte und der liebe Gott holte das goldene Fernrohr näher heran. Gemeinsam blickten sie hindurch. „Oh, sie ist ja ganz klein“ sagte er aufgeregt. Es war der 26. Oktober 2011 und Clara war gerade geboren worden. „Ja, so sehen Menschenkinder aus. Sie alle kommen als kleine Babys auf die Welt,“ erklärte der liebe Gott. Fasziniert beobachtete der Engel Clara durch das goldene Fernrohr. Ganz klein und winzig sah sie aus. Ihre Mama Diana hielt sie überglücklich und stolz im Arm und ihr Papa Kai umarmte beide und strahlte über das ganze Gesicht. Der liebe Gott drehte ein wenig an einem goldenen Knöpfchen. Clara war nun in ihrem neuen Zuhause in München angelangt. Sie lag friedlich in ihrem Bettchen, während Diana und Kai sie liebevoll betrachteten. So waren der liebe Gott und der kleine Engel bei allem dabei, was Clara erlebte. „Wie glücklich und zufrieden Clara aussieht,“ murmelte der kleine Engel und seine Augen begannen zu leuchten. „So etwas möchte ich auch erleben, darf ich auch auf die Erde zu den Menschen?“, bettelte der kleine Engel. Der liebe Gott nahm ihn fest in den Arm. „Wenn du groß bist und ein richtiger Schutzengel geworden bist, dann darfst du auch auf die Erde. Aber bis dahin musst du noch viel lernen.“ Da klatschte der kleine Engel vor Begeisterung in die Hände, sprang auf den Boden und lief freudestrahlend aus dem Himmelshaus hinaus. „Ich werde Schutzengel und darf auch auf die Erde. Ich darf zu den Menschen gehen!“

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Der liebe Gott schaute ihm lächelnd nach, und wandte seinen Blick wieder in sein goldenes Fernrohr. Clara war soeben friedlich eingeschlafen. „Schlaf gut, liebe Clara. Deine Träume werden beschützt.“ Er zwinkerte dem Schutzengel von Clara zu, der lächelnd neben ihr stand. Zufrieden lehnte er sich in seinen Sessel. Für heute hatte er genug gesehen.

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Persönliche Geschichten für besondere Menschen © WolkenWerke 2012 Text und Illustration: Stefanie Wackar www.wolkenwerke.de


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Dies ist eine kleine Geschichte von Engeln, dem lieben Gott und von Clara, die eine groĂ&#x;e Reise antritt...


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