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Dezember/Januar/Februar

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Foto Š fotolia.com

Wohnung online finden: www.gbo-of.de


mut&liebe

gude

Liebe Leserinnen und Leser, "Dem Deutschen Volke" dieser Schriftzug am Reichstagsgebäude, 60cm hoch, gegossen aus erbeuteten französischen Kanonen, ist wohl jedem Berlin-Besucher schon mal aufgefallen und die Stiftung Buchkunst präsentiert jedes Jahr die Sieger des Wettbewerbs der 'Schönsten Bücher' auf der Buchmesse in Frankfurt. Und das Klingspor Museum feiert sein 60jähriges Bestehen. Der Zusammenhang erschließt sich für die meisten nicht auf den ersten Blick und dabei kann Offenbach stolz sein auf seine typografische Vergangenheit und sein aktuelles internationales Renomée, als Weltadresse in Sachen Schrift- und Buchkunst. Peter Behrens, der die Inschrift 1916 entwarf, arbeitete für die Schriftgießerei Klingspor; deren Inhaber Karl Klingspor wiederum, war ein bedeutender Förderer der Typografie und Buchgestaltung und einer der Initiatoren des Wettbewerbs der 'Schönsten Bücher'. Seine umfangreiche Privatsammlung bildet den Grundstock des Klingspor Museums. Die Arbeit mit Typografie, Information, Wort- und Bildvermittlung hat in den vergangen Jahren eine rasante Veränderung erfahren, die handwerklichen Prozesse haben sich völlig verändert. Für unser Schwerpunktthema begegneten wir in Offenbach Künstlern, Gestaltern, Professoren und Sprayern für die aber auch heute noch „das Buchstabenmachen in jeder Form […] das reinste und das größte Vergnügen..“ (Rudolf Koch) bedeutet.

© Claudia Hautumm, pixelio.de

Die Kreativstadt Offenbach existiert. Medienproduktionen, Industriedesign, kreative Handwerksbetriebe, Musiker beleben das Label "made in Offenbach" neu, wir stellen sie vor. Auch Mut&Liebe feiert ein kleines Jubiläum. Jetzt schon 2 Jahre produzieren wir alle drei Monate unser Magazin zu Offenbacher Themen. Vielen Dank an alle Unterstützerinnen und Unterstützer und Leser/ innen. Wir freuen uns außerdem über unser neues Format: Mut&Liebe TV, ab Dezember auf YouTube und facebook, in Kooperation mit der Medienproduktion "Das Ei". Helena Malsy, Petra Bereuter, Sabine Börner und Andreas Malsy sind die Macher/innen der ersten Folge der Talkshow "Mut&Liebe im Ring". Zum Schluß noch der Hinweis auf unseren facebook Adventskalender, wie im vergangenen Jahr versüßen wir Euch den Dezember mit kleinen Geschenken (s. S. 74). Und für alle Offenbach Fans geben wir außerdem den ersten Mut&Liebe Jahreskalender heraus. Offenbacher Fotografen/innen zeigen ihren Blick auf unsere Stadt. (Für 8,- Euro direkt bei info@mutundliebeoffenbach.de oder in Buchläden, Einzelhandel u.a.)

Wir wünschen Euch viel Spaß beim Lesen, eine schöne Zeit und ein interessantes neues Jahr. Petra Baumgardt Alexander Knöß Wolfgang Malik

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t h e m a 7 "Ist Typografie schlau oder schön?" 10 60 Jahre Klingspor Museum 13 Schrift und Buchkunst – ein Gespräch 22 Uta Schneider und Ulrike Stoltz: USUS 27 "Die 2. Enzyklopädie von Tlön" – ein Buchprojekt 29 Wilhelm Meisters Treppe am Stadthof 31 Geronimo – Sprayer und Rapper 34 Lutz Jahnke

G e s c h i c h t e n

16 Vilma Ginger Ice Cream in Kabel book 19 Berthold – Von der Schriftgießerei zur Druckerei

A r b e i t e n 36 Schreinerei Lacher 38 André Stocker Design 42 IHK Ehrenamt 45 Friseurmeisterin aus Leidenschaft – Irini Sidira 49 "Das Ei" in OF – Frankfurter Medienproduktion in findet ihr kreatives Nest

P roj e k t

47 OF Bildungsbüro 55 Mut&Liebe TV

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Tv

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k u n s t w e rk

51 Bilderflut die Zweite 53 Erfolgreiche Kunstvermittlung – Kunstverein Offenbach 56 Länderboten

L e u t e

59 Friedensbote – Mathias Zeumer

T i pp 62 Vor-Weihnachten © Petra Bork, pixelio.de

Go u r m e t

64 Scharfe Sache

H ö r b ar 66 Ein Leben für den Rock'n'Roll 67 CD-Tipps von Udo Boll 67 Berry Blue – Jazz 'made in Offenbach'

Er l e b e n | s e h e n sw e r t 68 Veranstaltungen | Ausstellungen | MUT&LIEBE Auswahl 30 Impressum

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adventskalender ab 1.

Dezember

bei facebook Mut&Liebe Offenbach o. www.mulioffenbach.de Infos S. 74 5


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Dieses Interview ist dem HfG-Jahresbericht 2010 entnommen. (Mit freundlicher Erlaubnis von Prof. Sascha Lobe)

"ist typografie schlau oder schön…"

© P. Baumgardt

KH: Wie tot ist Print? SL: Ich glaube, wir müssen uns langsam von solchen Kategorien lösen. Natürlich wird es auch zukünftig Printmedien geben, vielleicht in einer anderen Betonung als heute, zur Repräsentation, zur Archivierung von Botschaften und Sachverhalten oder in anderen Funktionen. Im alltäglichen Informationsaustausch werden die digitalen Medien noch wichtiger als heute sein, aber kein Medium wird Print vollständig ersetzen. Die These 'Print ist tot' gibt es jetzt schon 20 Jahre und in der Zwischenzeit haben wir einen unglaublichen Boom im Buch- oder Magazinbereich erlebt. Was Printmedien von digitalen Medien unterscheidet, ist vor allem ihre Objekthaftigkeit und die damit verbundenen Ausdrucksmöglichkeiten. Insofern muss ein Typograf beim Printdesign immer auch im Objekt (Papier, Bindeart, Format, Größe etc.) denken und arbeiten. Aber nochmal, wir müssen uns etwas von diesen Medien-Kategorien lösen. Heute geht es für uns darum, format- und medienunabhängige visuelle Konzepte zu entwickeln. Entwurfskonzepte, die in allen Medien funktionieren bzw. adaptierbar sind. Dabei spielen räumliche und objekthafte Umsetzungen neben den digitalen Aufgaben eine Rolle und Print natürlich auch. Das Tolle an der Typografie ist ja, dass sie im Grunde ihres Wesens unabhängig vom Medium ist. Sie funktioniert in Stein gehauen, auf Papyrus, Plastik, Screens. Geschnitzt, geprägt, gehauen, gezeichnet, gedruckt, projiziert – man kann immer etwas Gutes gestalten. KH: Ist Typografie schlau oder schön? SL: Im besten Falle beides. Wahrscheinlich ist sie schön, wenn sie schlau ist. Umgekehrt funktioniert m u t & l i e b e Dez./Jan./Feb. 2013/14

Ein Einstieg ins Thema von professioneller Seite und der ersten Adresse in Sachen Design in Offenbach: der Hochschule für Gestaltung (HfG). Prof. Klaus Hesse (Dekan) hat Fragen gestellt. Prof. Sascha Lobe (Typografie) hat geantwortet. es jedenfalls nicht. Nein, im Ernst, Typografie ist natürlich erstmal Ausdruck einer der wichtigsten Errungenschaften der Menschheit, sie ist die Fortsetzung der Entwicklung der Schrift. Neben der Mathematik, der Erfindung des Rads oder des Internets fällt mir nichts Bedeutenderes ein. Und ohne die Schrift wüssten wir vermutlich gar nichts von den anderen wichtigen Erfindungen oder eben nur ein paar von uns, die mündlich informiert wurden. Insofern ist Typografie verdammt schlau. Wusstest Du, dass die früheste erhaltene Schrift eine Art Quittung auf einer Tontafel ist und einen Viehkauf dokumentiert? Es ging um die vertragliche Fixierung eines Handels. Aus dem Zeichen für den Ochsen (Aleph) hat sich später das Alpha und dann unser A entwickelt. Daran sieht man auch, dass Typografie nicht mit der Erfindung des Buchdrucks beginnt, sondern viel früher mit der handschriftlichen Fixierung von Zeichen. Typografie und das Medium Schrift sind also im Grunde ihres Wesens pragmatische Werkzeuge, die ihre Schönheit aus der Funktion und des eleganten Ablaufs heraus entwickeln sollten. Die für uns heute so wichtig gewordenen Konnotationen, die ein Schriftentwurf und ein Layout enthalten, sind auch nicht als Aufhübschung zu verstehen, sondern werden von uns als Kodierung eingesetzt. Wer spricht mit wem und möchte was sagen? 7


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KH: Wie neu ist neu? SL: Wir sind – etwas flapsig formuliert – verdammt dazu, das Neue zu (er)finden. Ohne das, was neu erscheint, geht es heute in der visuellen Kommunikation sicher nicht mehr. Deswegen macht der Beruf ja so viel Spaß! Selbst Lösungen, die richtig sind und eine konsequente und logische Schlussfolgerung darstellen, nutzen sich in unserer Wahrnehmung ab. Dieses ist letztendlich ein Ergebnis unserer unendlichen Möglichkeiten, an Information zu gelangen. Sicher gibt es große Bereiche, in denen dieses nicht so zugespitzt gilt. Sehr fach- oder interessengebundene Informationen zum Beispiel. Auch Lesegewohnheiten ändern sich in langsameren Intervallen oder bleiben statisch, wenn identitätsstiftende Aspekte relevant sind. Aber immer dann, wenn es darum geht, an die Ressource Aufmerksamkeit zu kommen, ist das Neue die Veränderung, der Katalysator. Und neu ist für die Menschen dabei immer das, was sie noch nicht kennen. Wahrnehmung ist einfach das Subjektivste, was es gibt. Deswegen muss das Moderne auch immer gegen das Modische kämpfen. Gerade hatten wir im Designbereich ein enormes 80er-Jahre Revival. Die Modeintervalle werden aber immer kürzer, jetzt sind wir ja schon wieder mitten in den 90ern. Plötzlich tauchen die Stilmerkmale, die zu Beginn des Desktop Publishings entwickelt wurden, wieder auf. Und werden von der jüngeren Generation hemmungslos als neu verwendet. Die Geschichte der Visuellen Kommunikation ist von solchen Missverständnissen geprägt. Etwas verallgemeinert kann man vielleicht sagen, dass Grafiker und Typografen bisher nicht in der Lage waren, sich

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aus ihrer Geschichtslosigkeit zu befreien. Das sieht bei den Architekten und sogar bei Mode (!) Designern ganz anders aus. Kein Architekt absolviert sein Studium ohne die Geschichte der Architektur kennenzulernen – völlig undenkbar! Unser Problem ist, dass wir in einem historisch jungen Berufsbild zumeist ephemere Produkte erzeugen, die anders als Architektur nicht über vielleicht Jahrhunderte hinweg in der Landschaft oder in der Stadt herumstehen. Um so wichtiger ist die Dokumentation und die Auseinandersetzung mit Designgeschichte. KH: Spielen? Erziehen? Kunst? Oder geht es um etwas Anderes? SL: Das Erziehen fällt mir schon bei den eigenen Kindern schwer. Die machen partout nie das, was ich möchte. Aber dabei entstehen ständig neue Situationen und Dinge, die mich herausfordern und die meine Konzentration und meine eigene Kreativität beanspruchen. Das dann spielerisch hinzukriegen, ist die Kunst. Sascha Lobe ist Professor für Typografie an der HfG Offenbach und Gründer und Kopf des vielfach ausgezeichneten Grafikbüros L2M3 Kommunikationsdesign.

Foto © Dominik Gigler


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thema

Im Jahr 1953 stiftete die Erbengemeinschaft Karl Klingspors der Stadt Offenbach eine ungewöhnliche Sammlung. Sie enthielt etwa 3000 Bücher aus der Privatbibliothek Karl Klingspors, der mit Leidenschaft und kritischem Blick Pressendrucke, illustrierte Bücher und Fachliteratur zum Thema Buch- und Schriftkunst sammelte. Die Sammlung sollte sorgfältig bewahrt, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und niemals veräußert werden im November des gleichen Jahres öffnete das Klingspor-Museum zum ersten Mal seine Türen und feiert in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen.

n Einige Jahrzehnte zuvor, im Jahr 1892, hatte Carl Klingspor die Rudhard’sche Schriftgießerei in Offenbach a.M. gekauft und seinen 24-jährigen Sohn Karl mit der Leitung des Unternehmens beauftragt. Der junge Karl musste sich nun, mit Hilfe seines Bruders Wilhelm, einem völlig neuen Metier widmen. Wilhelm kümmerte sich um die geschäftlichen Belange, während sich Karl der künstlerischen Seite der Schriftproduktion zuwandte und zum Initiator einer Erneuerung der Schrift in Deutschland wurde. Im Umfeld der Gebrüder Klingspor arbeiteten mit Rudolf Koch, Peter Behrens, Heinrich Vogeler oder Otto Eckmann namhafte Maler und Schriftkünstler der Zeit an innovativen Schriften für die Umsetzung in der Gießerei. In der industriellen Buchproduktion des 19. Jhd. war die handwerkliche, künstlerische und formale Qualität eines Buches zunehmend in den Hintergrund gerückt, und ausgehend von englischen Privatpressen Ende des 19. Jhd. erwuchs eine Buchkunstbewegung in Deutschland, die sich dem harmonischen Gesamtbild und der qualitätvollen Umsetzung des Buches verpflichtete. Auch Karl Klingspor entwickelte eine Leidenschaft für das ‚schöne Buch‘, die sich in der Auswahl der entworfenen Schriften, den ambitionierten Hausdrucken und seiner Sammelleidenschaft 10

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60 jahre klingspor drinnen und draußen – gestern und heute

von Dr. Dorothee Ader

spiegelt. Ein Museum, das seinen Namen trägt, beschäftigt sich dementsprechend mit genau diesen Dingen. Das Klingspor Museum ist ein Museum für internationale Buch- und Schriftkunst des 20./21. Jhd., wobei auch einige ältere Werke die Sammlung bereichern. Die Bibliothek Karl Klingspors bildet den Grundstock der wachsenden Sammlung, ebenso wie die vielen Schriftproben aus der Schriftgießerei Gebr. Klingspor und anderen. So umfasst der Bestand mittlerweile um die 75.000 Werke aus Schriftproben, kalligrafischen Blättern, Schriftteppichen, Pressendrucken, herausragenden Verlagsproduktionen, illustrierten Büchern, Künstlerbüchern und Plakaten. Man mag sich fragen, was die Themen Buch und Schrift so sammlungswürdig macht, dass jährlich bis zu 10 Sonderausstellungen im Klingspor Museum damit bestritten werden können, doch in den langen Regalen der Bibliothek finden sich große Schätze, ganz unabhängig von den Inhalten, die das jeweilige Buch vermittelt. Was passiert, wenn man ein Buch zur Hand nimmt? Zunächst mal ist ein Buch ein Gegenstand, der mit allen Sinnen erfasst wird. Das Buch liegt mit seinem spezifischen Gewicht in der Hand, der Einband und das Papier haben ihre spezielle haptische Qualität und machen entsprechende Geräusche beim Blätm u t & l i e b e Dez./Jan./Feb. 2013/14

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tern. Manchmal steigt der Geruch von Farbe oder altem Papier in die Nase, und nicht zuletzt erfasst das Auge die Bilder und die Gestalt der Schriftzeichen, ihre Form, ihre Größe, ihre Anordnung auf der Seite. Das Buch gibt neben dem bewussten Akt des Lesens eine ganze Fülle an Informationen preis, um die es in diesem Museum geht. Es verrät etwas über die Zeit, in dem es entstanden ist und über die Menschen, die das Buch gedruckt, beschrieben, illustriert, bemalt oder gebunden haben.

Viele namhafte Künstler des 20. Jhd. haben sich am Buch versucht und tun es immer noch, und Schrift und Typografie begleiten uns nicht nur im Buch, sondern auch in unendlich vielen Facetten des Alltags, beinhalten jede Menge Konnotationen und beeinflussen subtil die Wahrnehmung von Welt. Der Umgang mit Schrift ist in höchstem Maße abhängig vom Zeitgeist und vom Geschmack einer Epoche. Die geschwungenen Schriften Otto Eckmanns verweisen auf den Jugendstil, Frakturschriften erinnern an die Handschriften des Mittelalters oder an die rückwärtsgewandte Schriftentwicklung zu Beginn der NS-Zeit. Schrift ist ein Träger von Weltanschauungen und gesellschaftlichen Prozessen, sie kann ein politisches oder künstlerisches Statement sein. Ihr Eindruck bleibt in uns erhalten, unterstützt oder verstellt den Inhalt, den sie transportiert. Dessen ist sich jeder Kalligraf, Setzer, Schriftkünstler oder Grafikdesigner bewusst. Die allgegenwärtige Schrift formt auch einen städtischen Raum, ohne dass es dem darin Lebenden immer deutlich ist, und auch ein Museum, das sich mit dem Thema Schrift beschäftigt, zieht es folgerichtig in diesen Raum. 12

Erst 2012 wurde im Hof des Büsingpalais‘ eine Textinstallation der Künstlerin Corinna Krebber eingeweiht, die das kulturelle Leben im Kulturkarree der Stadt Offenbach schriftkünstlerisch begleitet, und Schüler des Adolf-Reichwein-Gymnasiums gestalteten unter Anleitung der Künstlerin Schriftbanner, die zur Zeit an der Außenwand des Museums zu sehen sind. Als zeitgenössische Gestalter von Typografie im urbanen Raum spielen auch Arbeiten von GraffitiKünstlern im Museum eine Rolle. Bereits für Rudolf Koch war „das Buchstabenmachen in jeder Form […] das reinste und das größte Vergnügen“ und so begleitet die Leidenschaft für Schrift und ihre Wirkung die Sammlung des Museums seit nunmehr 60 Jahren bis in die heutigen Straßen Offenbachs und verbindet das Drinnen und das Draußen, das Früher und das Heute.

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Klingspor Museum Offenbach Herrnstraße 80, OF Tel: 069 8065-2164 /-2954 www.offenbach.de/klingspor-museum Bibliothek im Museum Öffentlicher Zugang zu den Sammlungsbeständen des Museums. Montag bis Freitag, Anmeldung erwünscht. Tel: 069 8065-2066 /-2065

schrift & buchkunst – ein gespräch

Dr. Stefan Soltek (Leiter des Klingspor Museums) und Uta Schneider (Buchkünstlerin, langjährige Geschäftsführerin der Stifung Buchkunst) sprachen mit uns über Klingspor, Typografie und Buchkunst. Herr Dr. Soltek, wie war Ihr Weg ins Klingspor Museum? Dr. Soltek: Von Frankfurt her. Frankfurt hat seine eigene Tradition in Buch und Schrift und die habe ich erleben dürfen als Kurator am Museum für angewandte Kunst. Ich habe sozusagen den historischen Vorspann zur Geschichte Buch und Schrift in Offenbach dort ein Stück weit gelernt. Nach 10jähriger Tätigkeit bin ich dann 2002 nach Offenbach ins Klingspor Museum gekommen. Zuerst habe ich garnicht begriffen, wie weitgespannt die Sammlung des Klingspor Museums ist. Zum Vergleich: die Sammlung in Frankfurt umspannt die Zeit der Spätromanik ab 1300 bis in die Gegenwart und hat einen Gesamtumfang von ca. 15.000 Beständen, das Klingspor Museum beschäftigt sich 'nur' mit dem 20 Jhd. bis heute und umfasst ca. 70.000 Objekte. Dabei war ich schon völlig verzweifelt, als ich die Sammlung in Frankfurt kennenlernte und dachte: Wie kann denn Buchkunst nach 12oo noch interessant sein? Nach dieser Zeit sah ich Bücher nur noch als Speicher für Informationen über die Dinge, ohne größeren ästhetischen Belang. In Offenbach habe ich dann für mich den Begriff geprägt, die Archäologie des 20 Jhd. kennenzulernen. m u t & l i e b e Dez./Jan./Feb. 2013/14

Wie sehen Sie die Bedeutung des Klingspor Museums für Offenbach? Dr. Soltek: Das ist schwer auf 2 oder 3 Begriffe zu bringen. Ich glaube die Unterschiedlichkeit von Innensicht und Außensicht hat dabei eine große Bewandnis. Es ist nicht einfach für viele Menschen in Offenbach zu verstehen, dass das Klingspor Museum einen Wert bedeutet und schon gar nicht zu verstehen, dass soviele Menschen von außen diesen Wert sehen. Das liegt natürlich auch an der Materie, die schon jemand, der Kunstgeschichte studiert hat, nicht unmittelbar begreift, wie denn dann jemand, der dies garnicht in seinem Ausbildungskanon hatte. Überregional ist das Klingspor Museum eine sehr wichtige, um nicht zu sagen, Weltadresse. Zu danken ist dies dem kleinen Kreis um Karl Klingspor, Rudolf Koch und Siegfried Guggenheim, die zu Beginn des 20Jhd. Buch und Schrift gefördert haben. In diesem Space wurde der Fundus gelegt für die Bedeutung des Buchschriflichen/-grafischen, der den Grundbestand dieser einzigartigen Sammlung bildet. Auch weil viele Stücke eben nur einmal gemacht worden sind und eine besondere Ausformung von Buch- und Schriftkunst in dieser Zeit darstellen.

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Th e m a Computer auch freiwillig oder unfreiwillig mit dem Thema Typografie auseinandersetzen. Das bedeutet aber nicht, dass automatisch eine Weiterbildung im Umgang mit der Schrift stattfindet.

Welche Schwerpunkte setzen Sie in Ihrer Arbeit? Dr. Soltek: Ein wichtiger Bereich ist die Begegnung mit den Sammlungsstücken/Exponaten. Der allerwichtigste Punkt ist jedoch die Verbindung mit den Künstlerinnen und Künstlern. So hat das Museum immer funktioniert, als eine Verbindung von denen, die unmittelbar in der Zeit gearbeitet haben und jenen, die dafür gesorgt haben, dass diese Arbeit gesammelt, erhalten und kultiviert worden ist. Und es gibt auch heute eine Reihe von Buchkünstlerinnen und -künstlern, wie z.B. Uta Schneider, Ulrike Stoltz, die eine enge Verbindung haben zu Offenbach und Frankfurt. Die Begegnung und der Austausch mit Protagonisten der Künstlerbuchszene ist ein wichtiger Fundus und Impuls. Uta Schneider, Sie waren lange Zeit Geschäftsführerin der Stiftung Buchkunst, die jährlich die schönsten Bücher prämiert, gleichzeitig arbeiten Sie als Künstlerin mit Typografie und dem Medium Buch. Welche Bedeutung hat Typografie heute? Uta Schneider: Ich beobachte, dass in den letzten 5 bis 10 Jahren Typografie, zumindest in den Kreisen der Gestalter, sehr viel wichtiger wird. Man kann dies wahrnehmen an den zunehmenden Veranstaltungsformaten, die stattfinden. Früher gab es die Typo Berlin, mehr nicht, mittlerweile existieren zahlreiche Konferenzen zum Thema Typografie, Blogs und Beiträge auch im Internet. Es scheint ein wachsendes Feld zu sein. Die Gesellschaft muss sich durch die Arbeit am 14

Dr. Soltek: Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass mit Typografie unterschiedliche Dinge gemeint sein können. Da sind einmal die Leute, die Schriften entwickeln und gestalten. Aber es gibt auch eine ganz andere Form von Umgang mit Typografie, wo ein Schriftmaterial benutzt wird für die Übermittlung einer bestimmten Botschaft. Ich finde es wesentlich für das Klingspor Museum, diese Verbindung immer wieder neu zu überlegen und auch die Unterschiedlichkeit dieser beiden Facetten, die auch oft in Konflikt miteinander stehen. Aber dadurch haben wir hier auch ein Spannungsfeld, an dem sich viele abarbeiten können. Uta Schneider: Neben der Typografie ist auch das Genre Buch nicht einfach zu definieren. Über welches Buch reden wir, wenn wir vom Buch sprechen? Vom angewandten Buch oder dem freien Umgang eines Künstlers mit dem Medium Buch, der alle Komponenten des Objektes ausschöpft? Z.B. das Wesentliche einer Buchseite: dass das Papier auf zwei Seiten bedruckt ist, ein Vorne und Hinten entsteht. Das klingt ganz banal, macht aber u.a. das Wesen des Buches aus. Mein Spannungsbogen besteht darin, dass ich in der angewandten Buchgestaltung arbeite, aber auch frei künstlerisch mit dem Medium. Dabei liegt der Schwerpunkt einmal in der guten Lesbarkeit. Bei der freien Arbeit muss ich mich darum nicht kümmern und stelle das Buch z.B. auch in seiner Grundform, als Kodex, in Frage. Das Künstlerbuch braucht eine andere Form der Herangehensweise und auch eine andere Form der Vermittlung, als z.B. Typografie. Das Medium ist hoch komplex, weil es die Addierung von Inhalt mit Zeit und Raum umfasst. Und es gibt sehr viele Möglichkeiten das Objekt zu füllen. Für mich ist es eines der spannendsten Medien. Dr. Soltek: Ich finde noch wichtig, darauf hinzuweisen, dass in den letzten 20 bis 30 Jahren in diesem Bereich unglaublich schnelle Bewegungen stattgefunden haben. In der Landschaft von Information, Wort- und Bildübertragung, Nutzung von Papier, m u t & l i e b e Dez./Jan./Feb. 2013/14


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Foto Dr. Soltek: © Presseamt Offenbach

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nicht mehr Papier..., befindet sich der ganze Handwerksbetrieb vom technischen und rezeptiven Ansatz her in einem rasanten Wandel. Daraus ergeben sich die spannenden, wechselnden Ansätze auch für dieses Museum, das anders als vielleicht noch vor 50 Jahren, sich nicht mehr nur mit dem 'schönen Buch' beschäftigt, sondern darüber hinausgeht und den enormen Wandel widerspiegelt. Uta Schneider: Ich möchte dazu nocheinmal in der Historie zurückgehen. Schon Karl Klingspor wurde Anfang des 20. Jahrhunderts den vielfältigen Aspekten der Typografie gerecht. Zum einen in der handwerklichen/industriellen Arbeit in seiner Schriftgießerei, zum anderen hat er sich um die Buchgestaltung im Ganzen bemüht. Er war einer der Hauptinitiatoren des Wettbewerbs der 'Schönsten Bücher' in Deutschland, der 1929 in Leipzig das erste Mal stattgefunden hat. Karl Klingspor hat nicht nur mit Schrift gehandelt, sondern sich auch um den Kontext gekümmert und aus Offenbach heraus deutschlandweit gedacht. Dass das Klingspor Museum nun von hier aus weltweit agiert, ist praktisch schon in der Person Karl Klingspors angelegt. Herr Soltek und Frau Schneider wir bedanken uns für das interessante Gespräch.

Beim Symposium 'Ins Besondere' zum 60. Geburtstag des Klingspor Museums trafen sich interessierte Laien und internationale Fachleute zum Thema Typografie und Buch. Die 2tägige Tagung bot historische Rückblenden und aktuelle Einblicke in das vielseitige Themenfeld. Das Klingspor Museum präsentierte sich mit dieser sehr gelungenen Veranstaltung als ein international relevanter, lebendiger Ort des Austausches und der Diskussion zum aktuellen Geschehen in den Bereichen Typografie und Buchkunst.

museumsfreunde Die Vereinigung der Freunde des Klingspor Museums e.V. fördert seit 1958 die Arbeit des Museums und die Weiterentwicklung der Sammlung. Mit Hilfe von Spenden, Nachlässen und Schenkungen konnte der wertvolle Schatz des Museums seitdem wesentlich ergänzt werden. Zum 60jährigen organisierte der Verein die Benefiz-Verlosung eines großformatigen Picasso Porträts. Die Aktion 60 für 60 wurde ein toller Erfolg und erzielte fast 10.000,- Euro. Wenn auch Sie das Museum mit solchen spannenden Projekten unterstützen wollen, werden Sie Mitglied der Vereinigung der Freunde des Klingspor Museums e.V. Sie finden hier einen anregenden Kreis Gleichgesinnter. Mit eigenen Veranstaltungen ergänzt der Verein das Ausstellungs- und Vortragsprogramm. Museumsreisen vertiefen den Kontakt der Mitglieder untereinander und geben Gelegenheit, andere Sammlungen kennen zu lernen.

 Kontakt: Freunde@klingspor-museum.de m u t & l i e b e Dez./Jan./Feb. 2013/14

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Geschichten

vilma ginger ice cream in kabel-book

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von Dr. Harald Morgenstern

Eine unerwartete Begegnung mit Rudolf Koch auf den Klippen von Wales

Speisekarte in Kabel-Book, Three Cliffs, Wales © Harald Morgenstern

n Über uns kreisen Möwen. Der Küstenpfad ist schmal und abschüssig. Das dumpfe Rollen der Steine begleitet uns, die von den Wellen nach ihrem gigantischen Aufprall an den Klippen zurück ins Meer gezogen werden. Der tiefblaue Himmel und die Hitze könnten Mittelmeergefühle aufkommen lassen, wären da nicht die rotmarkierten Schafe, die hier angeblich zahlenmäßig über die Einwohner dominieren.

Tatsächlich ist uns bisher so gut wie niemand entgegengekommen. Jetzt eine ginger ice cream! Wie eine Fatamorgana schwebt diese Vision vor uns her und beschleunigt unsere Schritte zu unserem Ziel: Dem coffee shop hoch in den Klippen. Leicht unterzuckert greifen wir nach der Karte. Ginger ice cream. Da steht es. Schwarz auf weiß. Aber nicht irgendwie. Nein. Eine Nachwirkung der Fatamorgana? „Die Kabel von Koch!“ rufen mein Mann und ich fast synchron. Hier am westlichen Rand EuropasKoch zu begegnen, kommt für uns völlig unerwartet. „Welche Kabel, welcher Koch?“ fragt unsere Gastgeberin verwundert. „Nicht Robert, sondern Rudolf Koch“ antworte ich. „Die Wenigsten bei uns zu Hause in Offenbach können die beiden auseinanderhalten. Robert-Koch-Straße aber RudolfKoch-Schule. Bakteriologe oder Schriftkünstler? Who is Who? Den Schriftkünstler meinen wir.“ 16

Und während wir unser ginger ice genießen unterhalten wir uns über Koch. Er hätte sich mit Sicherheit an unserem Tisch wohlgefühlt. Mit drei Absolventen einer Kunsthochschule, die viel und gerne lachen, wie er es auch getan hat. Bestimmt hätte er sich ein scone bestellt gefüllt mit tip tree jam, ähnlich wie die Kreppel, für die er eine Schwäche hatte. Gewandert wäre er auch gerne mit uns, denn für die sechs Kilometer hin und zurück von seiner Wohnung im Buchrainweg 29 zur Schriftgießerei Klingspor und der Technischen Lehranstalt, der heutigen Hochschule für Gestaltung (HfG), brauchte er keine Straßenbahn.

Woher wir Koch so gut kennen, will unsere Gastgeberin wissen. Schon als Kinder kannten wir ihn über seine Piktogramme an der Altarwand der Friedenskirche, damals unser rettender optischer Anker während der endlosen Gottesdienste. Die Zeichen waren damals noch relativ neu, zwei seiner Schüler hatten sie gerade in den Putz graviert und der Name Koch war noch präsent. Und heute? Präsent ist er zumindest für diejenigen, die wie ich täglich zur Rudolf-Koch-Schule gehen. Wir waren auch schon in seiner ehemaligen Wohnung und in den Räumen, in denen er Schriftkunst unterrichtet hat, im oberen Stockwerk der HfG. Wir haben zwei seiner Schüler kennengelernt und vor allem

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Geschichten

Kabel Book Kabel Med Kabel Demi Kabel Ultra

Koch und Klingspor in der Schriftgießerei, in: Rudolf Koch, Die Schriftgießerei im Schattenriss, Offenbach 1936

seine Tochter Ursula Walcha. Vor Jahren hat sie für uns in ihrer Wohnung in der Nähe des Goetheturms ein lebendiges Bild von ihrem Vater skizziert, das wir hier auf den Klippen in Wales aus den Erinnerungsfragmenten zu rekonstruieren versuchen: Mitglied einer Künstlergruppe in Leipzig, Ziseleur-Ausbildung in Hanau, Besuch der Kunstgewerbeschule in Nürnberg und der Technischen Hochschule in München. Karl und Wilhelm Klingspor lasen Kochs Bewerbung mit Interesse. Seine Vielseitigkeit war es, die die Brüder 1906 überzeugt hat, ihn als künstlerischen Beirat und Schriftgestalter in ihrer Schriftgießerei anzustellen. Sie haben sich vorgenommen, lebendige Druckschriften zu entwickeln, in die der Duktus der Handschrift einfließen sollte und die durch ihre spezielle Form zu dem jeweiligen Inhalt passen sollte. Für Koch bedeutete das eine große Herausforderung. Während sich seine Kollegen Otto Eckmann und Peter Behrens auf Satzschriften im Jugendstil spezialisierten, legte er sich nicht auf einen Stil fest, sondern entwickelte zwischen 1906 und 1934 insgesamt 22 Druckschriften von der gotischen Frakturschrift bis zur sachlich konstruktiven Kabel.

ergänzt unsere Begleiterin „war seiner Zeit voraus, das spricht für ihn als Künstler“. Mein Mann schüttelt den Kopf. „Als Künstler hat sich Koch nie verstanden, darauf hat seine Tochter großen Wert gelegt. Er war bescheiden und hat sich immer als Handwerker gefühlt, auch wenn er neben den vielen Metallarbeiten und Bleisatzschriften, Holz- und Scherenschnitten fast 100 handgeschriebene Bücher und mehrere Schreiblehrbücher herausgegeben hat. Als er zwei Jahre nach seinem Eintritt in die Schriftgießerei Klingspor eine Dozentenstelle für Schriftkunst an der Technischen Lehranstalt bekam, sah er sich nur als Werkstattleiter, mit seinen Studenten immer auf Augenhöhe“. Wir schildern die lebendigen Feste mit den Studenten im Buchrainweg, von denen seine Tochter erzählt hat, bei denen ihr Vater mit der Gitarre für Stimmung sorgte, bei denen viel gelacht wurde, ihre Mutter Rosa, Kreppel oder Handkäs servierte und der Apfelwein floss. Aber nur bis zu einer Grenze, bis zum Klimpern mit dem Schlüsselbund, dem Zeichen, das alle verstanden. Ursula und ihre Geschwister Paul, Lore und Gretel haben an allem Anteil genommen und ihren Vater immer unterstützt. Sie brachten ihm das Essen in die Werkstatt und halfen ihm in der Buchdruckerei und in der Textilwerkstatt bei der Herstellung seiner Bild- und Schriftteppiche. Tochter Ursula zeigte uns damals die alte Technik des Nonnenstichs, mit der wir später dann auch experimentierten.

bcde „Die Grundlage der Kabel-Book auf der Speisekarte vor uns?“ fragt unsre Gastgeberin. Wir nicken. „Im Namen Kabel steckt schon die konstruktive fast technische Wirkung dieser Schrift, ihre Sachlichkeit, die alles Persönliche ausklammert, etwas, das vor fast 90 Jahren nicht gängig war und damals hypermodern gewirkt haben muss. Die Klingspors waren mutig.“ „Und Koch“, m u t & l i e b e Dez./Jan./Feb. 2013/14

„Zurück aus dem Mittelalter zur Speisekarte in der Kabel-Schrift“, meint unsre Gastgeberin „warum hat sich 17


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Geschichten diese Schrift bis heute gehalten?“ Darauf weiß mein Mann als Bruder eines Schriftsetzers und ehemaliger Schriftführer der Schreibwerkstatt Klingspor von Carl Georg Hoefer eine Antwort. „Die Kabel war schon damals der Renner. Von allen Koch-Schriften ist sie die umfangreichste Schriftfamilie mit über zehn verschiedenen Schnitten von Leicht bis Fett. Es gab sie als Bleisatzschrift aus einzelnen Metalltypen und als Plakatschrift aus Holzlettern. Und der Schlüssel zu ihrem Erfolg ist ihre Form. Koch hat diese Schrift mit Zirkel und Lineal konstruiert und nur aus dem Kreis, der Senkrechten, der Waagrechten und der Diagonalen konstruiert.“ „Dadurch wirkt sie klassisch, ruhig und extravagant“ ergänze ich „und ist trotzdem gut lesbar. Ein Grund, sie nach fast 90 Jahren weiterhin zu benutzen. Die Kabel hat die Schriftkunst Kochs bildlich in das multimediale 21. Jahrhundert gezogen.“ Mein Mann nickt. „Sie hat zusammen mit ihrer 'Schwester' Neuland die weltweite Umstellung auf digitale Systeme gut überstanden, sogar in acht verschiedenen Schnitten unter modernen Namen. Als Fonts haben sie ein Comeback erlebt, von dem wir sogar hier etwas mitbekommen, hier im Coffee-Shop auf den Klippen von Wales.“ Unsere Gastgeberin ist überzeugt: „Morgen werde ich mir die Fonts auf mein I-Pad laden“! Über uns kreisen Möwen.

Provisionsfreier Wohnraum in Offenbach

www.raumfinder.me

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offenbach • löwenstraße

berthold

Von der Schriftgießerei zur Druckerei

Löwenstraße 10, (Firmenarchiv) • Gießsaal, (Firmenarchiv)

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Gründer des Unternehmens war der Frisör Constantin Berthold aus Buchholz/Sachsen, der übrigens nicht verwandt ist mit dem berühmten Namensvetter Hermann Berthold, dem Gründer der zeitweise größten Schriftgießerei der Welt, der H. Berthold AG. Constantin Berthold wanderte zu Beginn des 20. Jhd. nach Amerika aus und kam dort mit einem Feinkostladen zu Wohlstand. Das Schicksal wollte es, dass Berthold damals von seinem Schwager auf die Idee gebracht worden war, eine Schriftgießerei zu gründen, die so genannte Kurztypen für Büro- und Etikettenmaschinen 19


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Geschichten herstellen sollte. Diese wurden häufig für das Drucken von Textiletiketten eingesetzt, wie etwa "Bügelfest" oder "40 Grad C". Mit der Idee Schriftgießerei kehrte Berthold Anfang der 20er Jahre nach Deutschland zurück. Er ging nach Offenbach, wo er Verwandtschaft hatte, und kaufte ein Wohn- und Geschäftshaus in der Löwenstraße. Dort nahm er die Produktion der Kurztypen auf. 1944 kam Constantin bei einem Fliegerangriff ums Leben. Die Bombe verschonte dagegen den Bestand an Matrizen – das sind die Gießformen für die Typen – und nach Kriegsende konnte Bertholds Witwe Katharina zusammen mit ihrer Nichte Käthe Löffler den Betrieb fortführen. 1950 trat deren Schwiegersohn Alfred Ramge in das Unternehmen ein. Er setzte die Bleilettern zum Drucken von Werbebriefen ein. Mit der gleichen Schrifttype wurden in Heimarbeit auf Schreibmaschinen von Karteikarten Adressen auf die vorgedruckten Briefe übertragen. Das Ergebnis ließ einen individuell geschriebenen Brief ahnen, in Wirklichkeit war das Direktmarketing erfunden. Später erforderte steigender Qualitätsanspruch den Einstieg in den Offsetdruck.

Schriftgießer Horst Christmann (Foto: S. Gey)

Erst 1995 übernahm Stefan Gey die Druckereiabteilung. Die Gießmaschinen dagegen wanderten nach Darmstadt in das Museum "Haus der Industriekultur", wo noch einige Jahre ein zwar stark geschrumpfter, aber immer noch vorhandener Markt für Kurztypen bedient wurde. Der Schweizer Walter Fruttiger ließ auf den Berthold-Maschinen kommerziell weiter gießen, während Besucher dort die Technik auch heute noch live miterleben können.

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Stefan Gey führt nun die Druckerei Berthold in der Bettinastraße 77 weiter, mit einer umfassenden Palette von modernen Produktionsverfahren. Vom Digital-, Offset-, bis zum Großformatdruck und von der Druckvorbereitung bis zum Versand, bietet Berthold Druck heute einen kompletten Service für den gesamten Bedarf an Drucksachen. m u t & l i e b e Dez./Jan./Feb. 2013/14


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Th e m a

© Thomas Lemnitzer

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us us Die Leidenschaft zur Typografie und Buchgestaltung verbindet Uta Schneider und Ulrike Stoltz seit ihrem Studium an der HfG. Mehr als 27 Jahre arbeiten die Künstlerinnen schon zusammen und sind international im Bereich Typografie und Buchkunst gefragte Protagonistinnen. n Löwenstraße 10, Hinterhaus – eine Adresse mit typografischer Vergangenheit. Orleander und Blumenkübel stehen jetzt im Hof, im Atelier von Uta Schneider findet man aber noch den 'Galgen' an der Decke befestigt. Ein großer Stahlträger, der die schweren Paletten mit Papier direkt in den ersten Stock der Druckerei beförderte. Ja, auch eine Druckmaschine steht wieder funktionstüchtig in der Ecke. Bis 2000 arbeitete die Druckerei Berthold in diesen Räumen, davor standen hier die Druck- und Stanzmaschinen der letzten Schriftgießerei Deutschlands. Uta Schneider führt nun hier die typografische Tradition auf einer anderen Ebene weiter und darüber hinaus. Gemeinsam mit Ulrike Stoltz arbeitet sie seit mehr als 27 Jahren kontinuierlich zum Thema Buch – Typografie — Zeichnung — Text. Direkt nach dem Studium in der Künstlerinnengruppe Unica T (zusammen mit Anja Harms, Ines v. Ketelhodt, Irmtraud Klug-Berninger und Doris Preußner), später gründeten sie zusätzlich die Agentur Anaconda (mit Leonore Poth, Bärbel Högner), aktuell nennen sie sich USUS.

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| Direktkandidaten für den Bundestag |

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BootBuch Ein Buch ist ein Buch ist ein Buch

usus satz–wechsel

Ein Buch ist ein Boot E i n B u c h i s t e i n e B o o t s c h a f t Ein Buch ist ein Brief Ein Buch ist eine Flaschenpost Vo l l e L a d u n g We l c h e B o t s c h a f t w i r d h e u t e g e l a d e n ? Wa s t r a g e n d i e K u l i s a n B o r d ? Wa s h ä n g t a n d e n K r ä n e n ? Wa s s t e c k t i m C o n t a i n e r ?

"Nach dem Ende von Unica T war es für uns beide Usus, die lange Zusammenarbeit fortzusetzen" (Uta Schneider) "U.S. die Abkürzung unserer beider Namen wurden geradezu selbstverständlich das neue Label USUS."

Ich werfe die Angel aus und die Schleppnetze navigare necesse est

D i e L e s b a r k e i t d e r We l t

Tr e i b g u t {usus}

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Schon bei UnicaT war der Name Programm: mit Kleinserien, Künstlerbüchern und Unikaten erreichte die Gruppe Ende der 80er und 90er Jahre schnell internationale Aufmerksamkeit. Man wundert sich eigentlich etwas darüber, die ersten erschwinglichen Computer waren auf dem Markt und die rasante, digitale Entwicklung im grafischen und drucktechnischen Bereich veränderte die Arbeitsprozesse völlig. "Viele kauften sich einen Computer, wir erwarben die alte (tonnenschwere) Andruckpresse von der HfG und freuten uns über die Bleisatzschriften einer aufgegebenen Setzerei, die wir günstig kaufen konnten." (U.S.). In der ersten, gemeinsamen Werkstatt in der Domstraße produzierte die Künstlerinnengruppe handwerklich gearbeitete Buchobjekte in hoher Qualität und präsentierte diese gleich im Gründungsjahr mit einem Stand auf der Buchmesse. "Das war das Beste, was wir machen konnten. Mit unseren Arbeiten und als Künstlerinnengruppe fielen wir auf und erreichten gleich ein internationales Publikum." (U.S.) 23


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usus boundless, Foto: Bärbel Högner

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| Direktkandidaten für den Bundestag |

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Boatwomanbook Boats are always feminine Boat is woman Wo m a n i s b o a t Book is woman Wo m a n i s t b o o k

(oben) usus boundless, Foto: Bärbel Högner (unten) usus kopfüber / kopfunter

B o o k w o m a n b o a t B o a t w o m a n b o o k Wo m a n s t e p s i n b e t w e e n b o o k and boat Brings the two together The bookwoman The boatwoman Wo m e n ' s b o a t s w o m e n ' s b o o k s {usus}

Die Leidenschaft zur künstlerischen Buchgestaltung verbunden mit klassischem Handwerk entwickelte sich bei den Frauen während Studiums der Visuellen Kommunikation an der HfG. Papierverarbeitung, Bleisatz und Buchdruck waren damals noch wichtige Grundkurse. Werkstattleiter wie Theophil Zwang (Buchbinden) oder Lothar Eckmeier (Setzerei) lehrten den Umgang mit Papier, Falzbein, Handsatz und Buchdruck. Neben den handwerklichen Grundlagen war aber die Frage nach Form und Inhalt, das ganzheitliche Verständnis für den Umgang mit dem Medium, immer ganz wichtig. Besonders Theophil Zwang gab den Studentinnen entscheidende Impluse; die Grundlage zur intensiven Auseinandersetzung mit Material, Format, Erscheinungsformen der Buchgestaltung und immer der Frage nach dem konzeptionellen Kontext von Inhalt und Form. Als "Offenbacher Krankheit" bezeichneten die 'freien' Kunststudenten aus der Nachbarschaft damals spöttisch diese Vermischung von Kunst und Handwerk. m u t & l i e b e Dez./Jan./Feb. 2013/14

Doch der Erfolg spricht für sich. 15 Jahre arbeitet die Gruppe zusammen, über 100 Bücher entstehen, viele davon erlangen Auszeichnungen und sind in Museen vertreten. Unica T wurde zu einer festen Größe im Bereich der internationalen Buchkunst. Uta Schneider arbeitet in diesen Jahren außerdem als Geschäftsführerin der Stiftung Buchkunst und mittlerweile wieder selbstständig, als Gestalterin. 25


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Th e m a trans–lation Ausgangspunkt ein per E-Mail geführter Dialog, den wir als «Steinbruch» nutzen, aus dem wir Worte schlagen, die bei uns zünden, die wir in andere Sprachen übersetzen, die dort jeweils neue, andere Wörter nach sich ziehen. An jedem Installationsort neue Wortkombinationen, nichts ist festgelegt, jedes Mal schreibt sich die Geschichte mit jedem Leser/Betrachter neu. Wir schwimmen im Meer der Geschichten, gehen unter Wortwolken, luftig, ungebunden, assoziativ voranschreitend. {USUS}

Ulrike Stoltz wird nach einer Lehrtätigkeit an der Fachhochschule Mainz Professorin für Typografie und Buch an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Auch nach der Auflösung von Unica T führen die beiden Künstlerinnen die erfolgreiche Zusammenarbeit weiter und finden immer wieder Wege und Möglichkeiten auch über Entfernungen hinweg gemeinsame Projekte zu realisieren. Zum Beispiel Trans–lation: Aus einem per E-Mail geführten Dialog entwickeln sie eine eindrucksvolle Rauminstallation. Ca. 800 Einzelblätter mit Laser- und Buchdruck auf Transparentpapier, zeigen einzelnen Worte in deutscher, englischer, italienischer und japanischer Sprache und ergeben individuelle Assoziationsfelder. Die Arbeit war in Venedig, Braunschweig, Reutlingen, Offenbach und

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2005 im Rahmen des Deutschland-Jahres in Nagano/ Japan zu sehen. An jedem Ausstellungsort kam eine Übersetzung in die jeweilige Sprache neu hinzu. Die künstlerischen Ausdrucksformen von USUS bewegen sich frei in der Fläche und im Raum. Ausgangspunkt bleibt dabei aber immer die Sprache, der Text, die Visualisierung von Rhythmus, Klang und Inhalt. Die Auseinandersetzung mit Form und Inhalt wird immer wieder neu auf allen Ebenen geführt. Mit großem gegenseitigen Respekt arbeitet das eingespielte Team kontinuierlich an gemeinsamen Projekten. Einen umfassenden Überblick ihrer Arbeit bietet der Katalog 'trans–lation', der anlässlich der Werkschau 2007 im Klingspor-Museum Offenbach erschienen ist.  Info: www.boatbook.de usus Nagano/Japan, Foto: Hartmut Wirks

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die zweite enzyklopädie von tlön ein buchprojekt von ines von ketelhodt & peter malutzki »Wenn unsere Prognosen nicht irren, wird in hundert Jahren jemand die hundert Bände der Zweiten Enzyklopädie von Tlön entdecken.« schrieb Jorge Luis Borges 1941 im Nachtrag zu seiner Erzählung Tlön, Uqbar, Orbis Tertius. 56 Jahre danach war sein Text über eine fiktive idealistische Welt Auslöser und Inspirationsquelle für ein Buchkunstprojekt, das wir als den Versuch einer Rekonstruktion dieser fiktiven Enzyklopädie sahen.

n Zehn Jahre, von 1997 bis 2007, haben wir an der Herausgabe unserer »Zweiten Enzyklopädie von Tlön« gearbeitet, die 50 Bände umfasst und in einer Auflage von 40 Exemplaren erschienen ist. Die Inhalte der einzelnen Bände sind sehr unterschiedlich, schon bedingt durch unsere unterschiedlichen Arbeitsweisen. Eine große Anzahl von Texten in verschiedenen Sprachen und Schriften, Zeichnungen, Fotografien, Landkarten und vieles mehr bildet das Material mit dem wir versucht haben die tlönsche Welt darzustellen, gespiegelt in unserer eigenen Welt. Die äußere Form sollte das Projekt zusammenhalten: Höhe und Breite der Bände sind immer gleich. Variationsmöglichkeiten gab es trotzdem: Die Rückenstärken variieren je nach Volumen des Bandes und die Einbände sind aus verschiedenen Materialien in den unterschiedlichsten Grautönen, bedruckt und unbedruckt. m u t & l i e b e Dez./Jan./Feb. 2013/14

Am Anfang wussten wir natürlich nicht, wohin uns das Projekt im Laufe der Jahre führen würde. Um die Arbeit überhaupt bewältigen zu können, war jeder für den Band, an dem er arbeitete, selbst verantwortlich und hat ihn auch selbst hergestellt (Ausnahmen sind die Bände ROUGE und UQBAR, die wir gemeinsam gestaltet haben). Diese Arbeitsteilung entsprach unserer gewohnten Arbeitsweise und wir merkten bald, dass die Unterschiede in der Arbeit des jeweils anderen zur Ergänzung und Erweiterung der eigenen Arbeit innerhalb des gemeinsamen Projekts führten. Unsere Gespräche und Diskussionen über das Projekt, über neue Bände und Stichwörter gingen permanent weiter. Da jeder Band nur ein Stichwort hat, war das Zusammentragen der richtigen Stichwörter und ihre Vernetzung untereinander sehr wichtig. Die Enzyklopädie sollte kein Stückwerk aus beliebigen Stichwörtern werden, sondern (bei aller Unterschiedlichkeit der einzelnen Bände) eine zusammenhängende Arbeit. 27


mut&liebe

Th e m a

Fotografien: Dieter Bachert

Von Anfang an gab es Listen mit Vorschlägen für die Stichwörter. Sie veränderten sich ständig, neue kamen hinzu, alte wurden verworfen. Es bildeten sich Untergruppen: FLORA und FAUNA, die drei Grundfarben, die vier Elemente, der Titel der Borges-Erzählung: TLÖN, UQBAR, ORBIS TERTIUS wurden zu wichtigen Stichwörtern. Obwohl nicht alphabetisch in chronologischer Reihenfolge entstanden, haben wir die Bände doch am Ende nach dem Alphabet angeordnet. Uns war immer bewusst, dass wir unserem vermessenen Anspruch, eine ganze Welt in fünfzig Bände (Stichwörter) zu packen, nur in Ausschnitten und Fragmenten gerecht werden konnten, aber wir hofften, dass die von uns gefundenen Bruchstücke eine Ahnung von dem ganzen Gebäude möglich machen würden. So wie sich Borges’ Text quasi von selbst, 28

und von uns nicht von Anfang an beabsichtigt, in das Projekt eingeschrieben hat, hat das Projekt auch seine Macher beeinflusst und verändert. (In einem Katalog über das Projekt, den wir 2007 herausgebracht haben, kann man u.a. nachlesen wie sich der Text mehrsprachig durch das Projekt windet.) Die jahrelange Beschäftigung mit der Enzyklopädie ist an unserer Arbeitsweise nicht spurlos vorübergegangen. Denken und Arbeiten im enzyklopädischen Kontext sind uns vertraut geworden und in die Arbeitsweise eingeflossen; Lebensumstände und Orte, Reisen (reale und fiktive) haben sich in dem Projekt niedergeschlagen: Menschen und Bücher, die uns beeinflusst haben. Als nach zehn Jahren die fünfzig Bände fertig vor uns lagen, wurde uns klar, dass sie nur ein winziger Teil eines gewaltigen Bücher-Eisberges sind. Das meiste davon sehen wir nicht, aber wir sind uns seiner Existenz bewusst. Wir sehen das Projekt vernetzt mit einer Vielzahl anderer Bücher und sind glücklich, dass es sich durch die Aufnahme in öffentliche Sammlungen rund um den Globus (auch in's Klingspor Museum Offenbach) in der räumlichen Nähe zu einer enormen Anzahl anderer Bücher befindet.  Info: www.tloen-enzyklopaedie.de m u t & l i e b e Dez./Jan./Feb. 2013/14


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Peter Malutzki, Grafiker und Buchkünstler gestaltet im Auftrag der Stadt Offenbach die neue Treppe zur Tiefgarage im Stadthof als begehbare Plastik mit Zitaten aus Goethes "Wilhelm Meisters Lehrjahre".

Foto: Norbert Frei

wilhelm meisters treppe am stadthof

n Sie ist noch nicht ganz fertig, die neue Treppe zur Tiefgarage am Stadthof, aber ich versuche mir vorzustellen, was ein künftiger Treppenbenutzer dort vorfinden wird. Als mich die Stadt Offenbach mit der typografischen Gestaltung der Treppe beauftragte, war meine Intention von Anfang an, das gesamte Treppenhaus mit allen Wänden in den Entwurf einzubeziehen, nicht nur die vom Stadthof aus sichtbare Brüstung. Es sollte eine begehbare Plastik daraus werden, mit in Beton gegossener Schrift. Für einen Analphabeten ist Schrift eine abstrakte Form, ein Muster, vielleicht ein Ornament. Für den lesekundigen Betrachter ist sie sichtbar gemachte Sprache. Er versteht ihren Sinn, nimmt aber natürlich auch die Formqualitäten der Schrift wahr. Die individuelle Gestaltung einer Schrift kann es dem Leser sogar schwer oder unmöglich machen ihren Sinn zu verstehen. Diese Ambivalenz ist ein interessanter Aspekt von Schrift, besonders wenn sie in Zusammenhängen auftaucht, in denen vom Versuch der Vermittlung eines Textinhaltes nicht sofort ausgegangen wird. Die in Beton gegossene Schrift an der Brüstung der Stadthoftreppe kann von weitem durchaus als reines Ornament wahrgenommen werm u t & l i e b e Dez./Jan./Feb. 2013/14

von Peter Malutzki

den. Erst beim Näherkommen erkennt man die Schrift und wird wahrscheinlich versuchen lesend ihren Sinn zu verstehen. Diesen Vorteil hat Schrift (besonders an Orten wo man sie nicht erwartet): Dass man, trotz des riesigen Überangebots an Schriftlichem im öffentlichen Raum, versucht ist sie zu lesen; wissen will, was da geschrieben steht. Der Treppenbenutzer am Stadthof wird mit einem Text konfrontiert, der unmittelbar das beschreibt, was er gerade tut: die Treppe hinauf- oder hinuntergehen. Vielleicht sogar, wie es gleich unten beim Eingang steht: leise die Treppe hinauf, eher selten wohl: rückwärts die Treppe herunter. Wo kommen diese Texte her, wer hat sie sich ausgedacht? Bei der Suche nach einem geeigneten Text, der sich direkt auf die Treppensituation bezieht, sie beim Wort nimmt, wurde ich relativ schnell und überraschend bei Goethes »Wilhelm Meisters Lehrjahre« fündig. Es stellte sich heraus, dass auf den 992 Seiten, die der Roman in den drei Bänden der Weimarer Sophienausgabe umfasst, 28 Sätze das Wort Treppe enthalten. »Unter diesen Worten gingen sie die Treppe hinauf, ...« z.B. oder »... er sollte durch die geheime Treppe 29


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Th e m a

Foto: Norbert Frei

eingeführt werden,« und besonders schön: »Man hörte sie die Treppe hinunter singen und mit den Absätzen klappern.« Die 28 Sätze sind das Material für die typografische Gestaltung der Stadthoftreppe: reduziert zwar auf ihren wesentlichen Treppenkern, aber in der Originalreihenfolge. Das Textband läuft durch das ganze Treppengebäude, beginnend unten auf der linken Wand wo man das Treppenhaus von der Tiefgarage aus betritt, durch das Treppenhaus hinauf, auf dem Platz um die Brüstung herum und wieder das Treppenhaus hinab; dort auf der Wand oberhalb des Eingangs endend. Inzwischen scheint mir der profane Tiefgarage-Stadthof-Ort gerade recht zur Inszenierung des trotz ext-

remer Reduzierung immer noch von seiner Herkunft her klassischen Textes. Denkt man an das Ausmaß der mittlerweile möglichen elektronischen Speicherung von ungeheuer großen Datenmengen auf enorm kleinen Datenträgern, bei der Reduktion eine wichtige Rolle spielt, scheint die Vorstellung, dass an den Wänden der Stadthoftreppe in stark reduzierter Form der ganze »Wilhelm Meister« vorhanden ist, nicht völlig abwegig. Es wird am Eingang unten in der Tiefgarage ein Schild geben, auf dem der Interessierte nachlesen kann, aus welchem Band und von welcher Seite die jeweiligen Satzteile stammen. Mit den Originalbänden der Sophienausgabe in der Hand könnte man es nachprüfen und, hätte man die nötige Zeit zur Verfügung, die fehlenden Teile des Romans hinzulesen.

Impressum mut&liebe - Stadtmagazin Offenbach am Main V.i.s.d.P: Petra Baumgardt, Alexander Knöß, Wolfgang Malik GbR, Magazin Mut&Liebe, Brinkstr. 47, 63069 Offenbach, Tel.: 069|854541, Fax: 069|8570300 Auflage: 5.000 St. www.mulionline.de • info@mutundliebeoffenbach.de Redaktion: Petra Baumgardt, Alexander Knöß, Wolfgang Malik, Layout: Petra Baumgardt | www.grafikdesign-baumgardt.de Fotos: Lemnitzer-fotografie.de, fotolia.com, weitere wie jeweils angegeben oder Rechte bei den jeweiligen Personen Titel: Foto: Uta Schneider, Ulrike Stoltz, USUS | Lektorat: Aliena Groß, Druck: Berthold Druck GmbH, Offenbach Kostenlose Auslage im ganzen Stadtgebiet, u.a.: OF InfoCenter (Salzgäßchen/Ringcenter), Gastronomie, Jugend- & Kulturstätten, vhs, OF Bildungsbüro, Museen, Stadtbücherei, Einzelhandel, Arztpraxen, Klinikum) | Nächste Ausgabe: März 2014 (Anzeigenschluss: 17.02.2014) Die Veröffentlichung von Veranstaltungsterminen erfolgt ohne Gewähr. Nachdruck ist nur mit schriftlicher Genehmigung der Herausgeber gestattet. Dieses gilt auch für Aufnahmen in elektronische Datenbanken und vervielfältigungen auf CD-ROM. Für Druck und Satzfehler besteht keine Haftung. 30

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geronimo – beat – strategee n Güngör: Was bedeutet für Dich der Ausdruck mit Graffiti und wie hast Du angefangen? Geronimo: Meine ersten Skizzen habe ich 1993 gemalt und 1994 bereits mein erstes Bild irgendwo am Kaiserlei an die Wand "gehauen". Damit darf ich wahrscheinlich nicht so laut prahlen. Mein Bruder hat in der Anfangszeit großen Einfluss auf mich gehabt, was Graffiti anbelangt. Über ihn bin ich zu den Zeichnungen und der Schriftkunst gekommen. Im Kunstunterricht in der

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thema

Als Sprüher nannte er sich jahrelang "Beat", aktuell ist "Strategee" sein Rapper Name. Der Offenbacher "Writer" und Untergrund-Rapper Geronimo sprach mit uns über die Illegalität in der Graffiti Szene, seine ersten "getaggten" Bildern als "Toy" aus dem Jahr 1993 und seine neuen Erfahrungen aus der Rapper Szene. Nach seinem ersten Album "Strategiespiel" erscheint schon bald sein nächstes: "Rap ist Therapie".

von Güngör Bayrak

Schule hatte ich zudem gute Noten vorzuweisen. Das Potenzial steckte schon in frühen Jahren bereits in mir. Später habe ich mich für Graffiti interessiert und es einfach ausprobiert. Zu meinem Glück hat es dann auch gut geklappt. Haben Graffiti Künstler ein "Label"? Geronimo: Beim Graffiti geht es in erster Linie darum, dass du für dich selber einen Namen findest. Meist be-

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mut&liebe

thema "Biter", die darauf aus waren, die gemalten Bilder abzumalen und die eigentliche Schriftkunst von anderen zu klauen. Jeder Sprüher hat in der Anfangszeit schon einmal "gebited", also Schriftkünste und Pfeile und Buchstabenformen von anderen "Writern" übernommen. Doch mit der Zeit findet jeder seinen eigenen Stil, so auch ich.

steht dieses Zeichen aus vier Buchstaben. Diese habe ich versucht so zu malen, dass es zu meinem persönlichen Label wurde. Diese Buchstaben waren mein Ausdruck und mein Markenzeichen. Jemand von außerhalb würde es nicht genau einsortieren können. Graffiti Künstler aus der Szene wussten jedoch immer genau Bescheid, wer sich hinter welchem Label versteckte. Dabei geht es uns auch um viel Respekt. Die Graffiti Kunst in den achtziger Jahren soll eine viel größere politische Aussagekraft gehabt haben. Kannst Du dem zustimmen? Geronimo: Auf jeden Fall. Ich bin oft aus dem Fenster gesprungen, um Nachts die Möglichkeit zu nutzen, etwas von mir an die Wände zu "taggen". Dies gab mir eine große Zufriedenheit und Selbstbestätigung. Als Jugendlicher könnte ich auch mit Drogen oder sonstigen Rauschmitteln in Kontakt kommen. Doch ich habe mich für das Graffiti-Malen entschieden und es war eine riesen Freude. Graffiti-Malen war für mich immer ein Ausdruck des Selbstwertgefühls. Mit Graffiti nahm ich quasi meinen Platz in Offenbach ein unter vielen anderen Jugendlichen. Und das war für mich eine Genugtuung. Hattest Du Vorbilder in der Graffiti Szene? Geronimo: Jeder "Writer" hat seinen eigenen Stil und kann sich auch entsprechend in seiner Kunst ausdrücken. Allerdings gab es zu meiner Zeit auch viele 32

Gehören Graffiti und Rap als Gegenkultur immer zusammen? Geronimo: Die Hip Hop Szene sprich Rap, Graffiti, Breakdancing und Dj'ing hat die Triebkräfte vieler Jugendlicher auf den Straßen gut kanalisieren können. So auch Anfang der 80er und 90er, wenn ich mich nicht irre, als die große Welle mit dem "Crack" Problem auftauchte. Zu der Zeit hat sich auch die Jugendkultur entwickelt. Die Jugendlichen hatten etwas Eigenes, womit sie sich identifizierten. In meinen Texten heute kann ich genauso gut, wenn nicht sogar besser das Ausdrücken, was ich denke und fühle. Beide Richtungen sind eng miteinander verflochten und finden großen Zuspruch bei vielen Jugendlichen. Mit großer Sicherheit würde ich sagen, dass jede dieser einzelnen Bereiche des Hip Hop auch für sich alleine gut umgesetzt werden können. Ich muss kein guter Graffiti Künstler sein, um gute Songtexte zu schreiben und auch umgekehrt. Für die Jugendkultur sind beide Künstlerszenen eng miteinandern verbunden. Und das ist das, womit sie sich identifizieren. Zur Rapszene möchte ich noch etwas sagen. Erwähnenswert wäre in der Hinsicht die Strömung, die anfangs aus den USA nach Deutschland kam. Die ersten Rapper haben unter dem Einfluss von den in Deutschland stationierten Soldaten und der Rapkultur aus den USA angefangen, englisch zu rappen. Späterhin war es unter anderem Moses P., der anfing, auf deutsch zu rappen. Viele Rapper haben sich dann auch gute Verdienstmöglichkeiten dadurch erhofft, was sich letztendlich an der schlechten Qualität der Songs bemerkbar macht, die stark auf den Kommerz zielen. Ich jedenfalls bleibe weiterhin ein Untergrund Rapper aus Offenbach. Dabei m u t & l i e b e Dez./Jan./Feb. 2013/14


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leute

geht es mir weniger um das große Geld, wohl eher um den "echten" Rap an sich.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg mit Deinem neuen Album.

Boxclub Nordend

Ist Geld verdienen mit Graffiti eigentlich möglich? Geronimo: Ich muss sagen, dass in vielen Baumärkten Sprühdosen geklaut wurden. Auch das gehörte zu den Ausdrucksweisen des Graffiti. Schließlich war sowohl die Beschaffung von Arbeitsmaterialien, wie auch das Sprühen von Wänden illegal. Zu meiner Zeit hatten wir nicht den Anspruch, mit Graffiti Geld zu verdienen. Auch heute würde Graffiti seinen tiefen Sinn verlieren, wenn man dafür bezahlt würde. Und selbst wenn. Für seinen Unterhalt könnte man mit den heutigen Mitteln allein durch Graffiti Bilder nicht sorgen können. Die Diskussion wird weiterhin bestehen und viele Fragen dazu aufkommen, ob man denn Graffiti nicht aus der Illegalität herausholen könnte. Allerdings steht auch schon das Gegenargument dazu parat, dass die Illegalität genau das Merkmal ist, was Graffiti so interessant macht. Für richtig gute Graffiti Bilder muss ein "Writer" viel Zeit und Ruhe haben. Aber nachts illegal Bilder auf die Wand "taggen" ist das bestimmende Merkmal von Graffiti.

O f f e n b a c h

Könnte es in naher Zukunft eine "Graffiti in Offenbach" Ausstellung geben? Zu einigen Künstlern habe ich weiterhin Kontakt. Ob es zu einer Ausstellung reicht, das kann ich nicht genau sagen. Ich muss jedoch auch sagen, dass ich mit der Graffiti Szene hier in Offenbach nicht mehr viel Kontakt habe. Das erschwert das Ganze wiederum. Es gibt keine engen Kontaktmöglichkeiten, da viele "Sprüher" lieber im Hintergrund bleiben wollen. Und das ist das Besondere in dieser Szene, da viele Sprüher illegal sprühen. Zum Großteil arbeitet jeder "Writer" anonym und illegal. Graffiti beansprucht für sich somit etwas Politisches. Im Untergrund arbeiten die Jungs gegen das System und eben nicht legal. Die meisten, die von der Polizei erwischt werden sind eher Anfänger. Graffiti wird seinen illegalen Kick haben müssen, ansonsten wäre es kein Graffiti.

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thema

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33 www.boxclub-nordend-offenbach.de


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Diplom-Designer Lutz Jahnke kommt aus einem kleinen Dorf im Fichtelgebirge, dessen Namen sogar einmal im Micky-Maus-Heft stand – Kothigenbibersbach. Jahnke studierte an der renommierten Hochschule für Gestaltung in Offenbach. „Ich bin mit Haut und Haaren Designer“, sagt er.

n Ihm gelingt es immer wieder, aus sehr wenig vieles entstehen zu lassen. 2010 präsentierte er während der Luminale, der Biennale der Lichtkultur, zusammen mit Julia Diehl, die einzige unter 180 Installationen, die ohne Licht auskam: Aus Zehntausenden durchgebrannter Glühbirnen gestalteten sie das größte Birnendenkmal Deutschlands. Gedacht als Kritik an politischen Entscheidungen fernab der Bürger. Presse in ganz Deutschland berichtete darüber. Kurz darauf, vom Gedanken inspiriert, sich bei allen Helfern zu bedanken, entstand »Das kleinste Birnendenkmal Europas«, die »Kultur Reserve« – eine einzige funktionierende Glühbirne konserviert in der Dose. Nach 34

15.000 verkauften Exemplaren meldete sich allerdings die Europäische Union und wollte das Kunstwerk im Zuge des europäischen Verbots der Glühbirne vom Markt nehmen. Sie erzwang einen Verkaufsstopp. Mit dem Rechtsanwalt Guido Hettinger kämpft Jahnke nun für dieses Denkmal, „das gleichzeitig auch ein Mahnmal sein soll für die faulen Früchte der Entscheidungen, die über unsere Köpfe hinweg getätigt werden.“ Mitte 2011, auf der Suche nach einem Büro, initiierte Lutz Jahnke eine neue Aktion – zusammen mit Machern aller Disziplinen, rief er die Akademie für interdisziplinäre Prozesse – »afip!« ins Leben. Auf 600 Quadratm u t & l i e b e Dez./Jan./Feb. 2013/14


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Th e m a

von Julia Diehl (Dipl. Designerin)

lutz jahnke 'mit haut & haaren…' metern Fläche entstehen seither in einem ehemaligen Schlecker-Markt Utopien jeglicher Art. Professoren aus ganz Deutschland reisen zu Vorträgen an, Politiker wie Tarek Al-Wazir schätzen die Akademie. Seit zweieinhalb Jahren entstehen in der »afip!« soziokulturelle und wirtschaftspolitische Ideen, immer wieder auch in künstlerischer Verpackung á la Happening. Lutz Jahnkes Profession ist die Schaffung von Markendesign. Sein Büro jahnkedesign, »interdisziplinäres büro für gestaltung«, führt er seit seinem Studium. "Je nach dem, was meine Kunden wünschen, entstehen Erlebniswelten in Schrift und Bild, on- und offline. m u t & l i e b e Dez./Jan./Feb. 2013/14

Mal für eine Aktiengesellschaft, mal für Künstler, wie die Jazzsängerin Stephanie Neigel aus Mannheim", gibt Jahnke Einblick in seine Arbeit. Die kreativen Markenideen kommen mit Witz oder Überraschung daher - oft hat ein Passant einer Litfaßsäule nur zwei bis drei Sekunden Zeit, die Botschaft zu erfassen. Anspruch des Designers: „Da muss es knallen!“. Seit Ende 2008 hat Jahnke mehr als 250 kleine und große Projekte umgesetzt – immer spielend mit Bild und Text ... Mehr zu sehen gibt es auf seiner Webseite: www.jahnkedesign.com 35


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Arbeiten

Wirklich Schönes blüht im Verborgenen. Ein Abstecher ins Kleine Gäßchen in Rumpenheim genügt, um diese Binsenweisheit zu bestätigen. Hier befindet sich die Werkstatt, in der Eberhard Lacher seit 1990 als Schreiner und Diplom-Designer tätig ist.

handwerk und design schreinerei lacher n Nach einer handwerklichen Ausbildung im Bereich Industrie-Modellbau absolvierte Lacher zwischen 1973 und 1978 als einer der ersten Studenten den Designlehrgang an der nur drei Jahre zuvor neu gegründeten Hochschule für Gestaltung in Offenbach (der ehemaligen Werkkunstschule). Eine Zeit, die prägend für den weiteren Werdegang des Multitalents sein sollte, denn hier entdeckte Eberhard Lacher seine Liebe zum Recyclingdesign. Mit sieben Kommilitonen gründete er die Gruppe „Des-in“ und schuf im Rahmen eines vom Reifenhersteller Uniroyal ausgeschriebenen Wettbewerbs ein Sofa aus alten Autoreifen, das heute im Neuen Museum Nürnberg ausgestellt ist. Seither bewegt sich der HfG-Absolvent in zwei Parallelwelten, die vereint werden durch den vielseitigen Werkstoff Holz sowie Lachers Freude daran, durch handwerkliche Arbeit Objekte von höchster Qualität zu erschaffen.

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Da sind einerseits die klassischen Schreinerarbeiten im Bereich des Innenausbaus, dazu Möbel, Treppen, Tische und Bänke, Holz in Garten und Landschaft sowie Aufträge für Messen und Ausstellungen. Hinzu kommen Spezialprojekte wie der Innenausbau einer Segelyacht, die Ausstattung von Lounge und Bar im Frankfurter Künstlerhaus Mousonturm oder der Nachbau historischer Fenster für ein Fachwerkhaus in Bürgel. Ganz besondere Aufträge waren für den Schreiner die Rekonstruktion von Gutenbergs historischer Druckwerkstatt für zwei Museen in den japanischen Städten Kawaura und Kyoto. Drei Monate investierte er für Recherchen

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Arbeiten

Showroom LACHER Design und Kunst Im Showroom von Eberhard Lacher finden nunmehr auch Ausstellungen und Veranstaltungen statt. Interessenten sind herzlich willkommen. 

in Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Da keine Baupläne existierten, mussten sämtliche Elemente im Gutenberg-Museum in Mainz vermessen werden, bevor die Druckpressen schließlich nachgebaut und vor Ort aufgestellt wurden. Neben all dem findet Eberhard Lacher auch noch Zeit und Muse für seine künstlerische Tätigkeit. Viele Raumobjekte aus Recyclingmaterialien wie Holzverschnitt, Spanplatten oder Türblättern sind im neuen Ausstellungsraum in Rumpenheim zu besichtigen. Daneben schafft der Künstler ebenso schöne wie praktische Elemente für den täglichen Gebrauch, ob Glasschalen aus alten Ornament-Scheiben, Regale aus ausrangierten Türen oder massive Messerblöcke.

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Info: Eberhard Lacher, Tel.: 069/86 45 33 Kleines Gäßchen 15, OF-Rumpenheim www.schreiner-lacher.de

Mit seinem Ausstellungsraum hat sich der DiplomDesigner einen lange gehegten Wunsch erfüllt. In unregelmäßigen Abständen sollen hier Freitagsabends Veranstaltungen mit verschiedenen thematischen Schwerpunkten stattfinden, zu denen alle Interessierten willkommen sind. Bei der Auftaktveranstaltung Ende Oktober, an der auch die Künstler Theresa Buschmann und Hagen Bonifer teilnahmen, stellte Eberhard Lacher sein neustes Projekt vor. Holzblöcke aus Buchenholz verwandelt er dabei in Sitzelemente, die für Firmen- und natürlich auch Privaträume mit individuellen Gravuren versehen werden können. Inspiriert wurde Lacher bei der Gestaltung der Schriftkörper durch alte Stempel, die aus Buchenholz gefertigt wurden.

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© André Stocker

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messer… gabel… + mehr andré stocker design made in offenbach Zentral aber dennoch etwas versteckt liegt das historische Fabrikgebäude, in dem André Stocker sein Designbüro eingerichtet hat. „Ein guter Platz zum Arbeiten“ – betont er in seinem geräumigen Hinterhof-Loft in der Offenbacher Luisenstraße. Hier entwickelt der Industriedesigner mit seinem Team hochwertige Konsum- und Investitionsgüter für den nationalen und internationalen Markt. Auftraggeber aus China und namhafte Firmen wie WMF und Auerhahn zählen zu seinen Kunden. 38

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n "Meist beginnt man mit dem Löffel," erklärt André Stocker. "Wenn dann die Grundform entwickelt ist, generiert man daraus die weiteren Teile." So wurde auch das elegante, hochwertige Vela-Besteck, seit 2012 auf dem Markt, ausgehend vom eigenwilligen Salatlöffel ständig weiter ausgebaut. Vom Amuse Gueule Löffel für die Vorspeise bis zum Fischoder Steakmesser, man kann ein ganzes Menü damit zelebrieren. "Nicht immer werden alle Besteckteile entwickelt und produziert" so Stocker "aber die Serie kommt sehr gut an, so dass wir so viele Teile ausarbeiten konnten." Die Designarbeit wurde 2013 für den German Design Award nominiert. Aber auch prämierte Messer, Gabeln und Löffel müssen im Alltag funktionieren: Die Zinken der Gabel dürfen nicht zu lang sein, der Löffel soll angenehm im Mund liegen…, trotz eines engen Gestaltungsspielraumes erreicht die Serie eine moderne und unverwechselbare Formensprache.

Natur, Technologie und besonders moderne Architektur inspirieren Stocker bei seiner Arbeit. Nach den ersten Skizzen werden die Entwürfe mit dem Computer weiter ausgearbeitet. Ein 3-D-Plotter übernimmt dann teilweise die aufwändige Arbeit des Modellbaus. Die geplotteten Teile kommen dem Endprodukt schon recht nahe und Korrekturen können schnell umgesetzt werden. Circa 1,5 Jahre dauerte die Besteckentwicklung von der ersten Skizze bis zur Markteinführung.

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gesundheit Ausgezeichnetes Design 'made in Offenbach' Die WMF-Besteckserie "VELA" von André Stocker ist für den German Design Award 21013 nominiert. Ein ganz anderes Stocker-Design-Produkt, das RADHAUS in Offenburg, wurde im Sommer eröffnet. Die erfolgreiche Kreativfirma belebt alte Produktionsstätten in Offenbach neu.

© André Stocker

 Info: www.andre-stocker.de

Aber auch die Produktionsprozesse werden in der Entwurfsphase schon mitgedacht. "Die Herstellung des Löffels z.B. ist nicht ganz einfach, dazu wird Edelstahl gestanzt und mit viel Druck in mehreren Arbeitsgängen geprägt", berichtet der Designer, "und natürlich muss man auch bei hochwertigen Produkten die Herstellungs- und Materialkosten im Auge behalten." Den Studierenden der Hochschule und der TU Darmstadt vermittelt Stocker diese Kenntnisse in interdisziplinären Kursen in den Studiengängen Industriedesign und Maschinenbau. Die zukünftigen Designer und Ingenieure profitieren von dem übergreifenden Arbeiten. Zur Zeit beschäftigen sich André Stocker und sein Team neben der Arbeit an weiteren Besteckserien auch mit Möbeln und Leuchten und mit dem aktuellen Thema "Fahrrad". Eine schicke, vollautomatische Fahrradgarage, entwickelt im Designbüro Stocker, wurde im Juli in Offenburg eingeweiht. Sie bietet überdachte und abschließbare Stellplätze für Fahrräder in der Nähe des Hauptbahnhofs. Vielleicht auch eine Anregung für Offenbach. 40

Von der Schweiz nach Rhein-Main Zum Studium kam der gebürtigen Schweizer nach Darmstadt und ist seitdem im Rhein-Main-Gebiet zuhause. "Die Schweiz war für mich als Designer zu klein, ich fühle mich sehr wohl in Deutschland." so Stocker. An Offenbach schätzt er die zentrale Lage und die gute Infrastruktur der Stadt sowie auch die günstigen Mieten. Viele Werkstätten und kleine Fabriken aus der Offenbacher Blütezeit der Lederwarenproduktion sind zum Glück noch vorhanden und bieten heute interessante Räume für innovative Unternehmen. Wir freuen uns mit Offenbach über die Belebung der alten Produktionsstätten. Auf dass der Umbau von der Leder- zur Kreativstadt Offenbach weiterhin gelingen möge. m u t & l i e b e Dez./Jan./Feb. 2013/14


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Haus für Bildung und Beratung Alles unter einem Dach

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leute

Im Zentrum von Offenbach, in der Berliner Str. 77, befindet sich das Haus für Bildung und Beratung. Hier arbeiten verschiedene städtische Einrichtungen, gefördert von Land und Bund zusammen.

Das Offenbacher Bildungsbüro Das Bildungsbüro ist eine Einrichtung des Projektes „Lernen vor Ort in Offenbach“ und rundet das (vorhandene) Beratungsangebot im Haus für Bildung und Beratung ab. Das Bildungsbüro informiert Bürgerinnen und Bürger aller Altersgruppen über die bestehenden Bildungsangebote und vermittelt Kontakte zwischen den Ratsuchenden und den zuständigen Institutionen. Die Beratung ist kostenfrei, unabhängig, neutral und vertraulich. Bildungsanfragen werden persönlich, telefonisch und online beantwortet:  Tel.: 069 8065-3838 • bildung@offenbach.de • www.offenbach.de/bildung/

Dieses Vorhaben wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und aus dem Europäischem Sozialfonds der Europäischen Union gefördert.

HESSENCAMPUS DREIEICH Haus des LebenslangenLernen Lernens Lebensbegleitendes

Volkshochschule

Bildungsberatung Hessencampus

Die Volkshochschule bietet Kurse, Vorträge, Exkursionen, Studienreisen in den Programmbereichen Beruf, Gesellschaft, Grundbildung, Gesundheit, Kultur und Sprachen.

Neben der Überprüfung von Sprachkompetenzen in den Herkunftssprachen ist Bildungsberatung die wichtigste Aufgabe von Hessencampus. Wer Unterstützung beim beruflichen (Wieder-)Einstieg braucht, mehr über seine Fähigkeiten erfahren, sich beruflich weiterbilden oder einen Berufsabschluss nachholen will, erhält hier kompetente Beratung:

 Allgemeine Auskünfte: 069 8065-3141 vhs@offenbach.de • www.vhs-offenbach.de

 Tel.: 069 8065-3838 • hc@offenbach.de www.hessencampus-offenbach.de

Selbstlernzentrum Im Selbstlernzentrum der Volkshochschule können Schüler/ innen und Erwachsene ihr Wissen und ihre Fähigkeiten nach eigenem Tempo, u.a. zu den Themen PC-Kenntnisse, Fremdsprachen, Deutsch und Schulwissen, erweitern. Lernberater stehen bereit, um die Selbstlernenden zu unterstützen:  Tel.: 069 8065-3988 slz@offenbach.de • www.offenbach.de/slz/

Gefördert aus Mitteln des Landes Hessen im Rahmen von HESSENCAMPUS 2013

Weiterbildungsberatung Die webb-Mitarbeiter bieten Beschäftigten, vor allem aus kleinen und mittleren Unternehmen, Unterstützung bei der Suche nach dem passenden Weiterbildungsangebot. Sie helfen neue berufliche Perspektiven zu entwickeln und informieren über Karrieremöglichkeiten und Finanzierungsmöglichkeiten für die Weiterbildung. Die Beratung ist vertraulich und kostenlos:  Tel.: 069 8065-3133 • webb@offenbach.de www.offenbach.de/webb/

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Dieses Projekt wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und aus Mitteln des Landes Hessen gefördert.

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Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach am Main hat im November 2013 eine Kampagne gestartet, die das Ehrenamt und seine Bedeutung stärker ins Blickfeld der Öffentlichkeit und der Unternehmen rücken möchte. Allein für die Abnahme von Abschlussprüfungen in der Berufsaus- und -weiterbildung sind 900 ehrenamtliche Prüfer in Stadt und Kreis Offenbach tätig. Zu ihnen gehört Nadia Kluson, Direktionsassistentin im ACHAT Plaza Hotel in Offenbach. Sie ist ehrenamtliches Mitglied im IHK-Prüfungsausschuss für Hotelfachleute.

eigentlich profitieren alle: IHK-Ehrenamt

von Ingrid Walter

n Neben der Arbeit in den Prüfungsausschüssen gibt es noch zahlreiche weitere wichtige ehrenamtliche Aufgaben, beispielsweise in der Standortpolitik oder im Bereich Innovation und Umwelt. Bei der Offenbacher IHK stehen 1300 ehrenamtliche 70 hauptamtlichen Mitarbeitern gegenüber. Allein dieses Zahlenverhältnis macht deutlich, dass ohne verantwortungsbewusste Menschen, die bereit sind, ein Ehrenamt zu übernehmen, vieles nicht funktionieren würde. Ohne ehrenamtliche Prüfer wäre es beispielsweise kaum möglich, qualifizierte Ausbildungsabschlüsse zu realisieren, die für Unternehmen immer noch wichtigstes Einstellungskriterium sind. Die Kampagne um das Ehrenamt hat sich vorgenommen, umfassend über die Rolle des Ehrenamtes und über die unterschiedlichen Aufgaben zu informieren. Denn neben verantwortlichen Tätigkeiten, für die auch Zeit gefunden werden muss, bietet das Ehrenamt bei der IHK den Ausübenden auch viele Vorteile, dient dem eigenen Networking und der Reputation des Ausbildungsbetriebes. Gewinn für alle: Prüfende, Azubis und Betriebe Sehr positive Erfahrungen hat auch Nadia Kluson gemacht. Die Direktionsassistentin im ACHAT Plaza Hotel in Offenbach ist Mitglied im Prüfungsausschuss für Hotelfachleute. Sie weiß noch sehr gut von ihrer eigenen Ausbildung, die sie 2010 abgeschlossen hat, wie wichtig es ist, Prüfer und Prüfungsaufgaben zu haben, die möglichst nah an der Realität sind. Denn 42

nichts ist schlimmer, als sich für eine Prüfungsaufgabe vorzubereiten, von der man schon vorher weiß, dass die Situation in der Realität nie kommen wird. Diese noch frische Erinnerung und der Wunsch, junge Menschen voranzubringen, brachte die junge Hotelmanagerin sehr schnell dazu, als Prüferin bei der IHK Offenbach aktiv zu werden. Bis im letzten Jahr wusste sie aber noch gar nicht, dass sie überhaupt berechtigt ist, selbst Prüfungen abzunehmen. Angefangen hatte alles, als sie in Vertretung ihres Vorgesetzten an einem Ausbildertreffen teilnahm. Dort wurde sie von ihrer ehemaligen Englischlehrerin angesprochen, ob sie nicht Interesse daran habe, Hotelfachleute zu prüfen. Da sie selbst keine Ausbildereignungsprüfung abgelegt hatte, war ihr nicht bewusst, dass sie auch prüfen durfte. Doch für eine Mitgliedschaft im Prüfungsausschuss genügt es, dass man selbst die Ausbildung im jeweiligen Fach mit Erfolg abgeschlossen hat. Nachdem klar war, dass der Weg in den Prüfungsausschuss möglich war, ging alles ganz schnell: Nadja Kluson sprach sich mit dem Hoteldirektor ab, der die Idee von Anfang an gut fand, und forderte die Unterlagen bei der IHK an. Die ersten Abschlussprüfungen in der „anderen“ Rolle erlebte sie dann zunächst als Beisitzerin. Seit 2012 ist sie Mitglied im IHK-Prüfungsausschuss für Hotelfachleute. Zu ihren Aufgaben gehört es dabei nun hauptsächlich, dass sie zweimal im Jahr, innerhalb des Prüfungsausschusses, Hotelfachm u t & l i e b e Dez./Jan./Feb. 2013/14


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„Von meinem Ehrenamt im IHK Prüfungsausschuss profieren alle: Die Azubis, der Betrieb und ich selbst, weil ich viel dazulerne und mein Netzwerk stetig erweitere.“ Nadia Kluson, Direktionsassistenin im Achat Plaza Hotel Offenbach

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© Thomas Lemnitzer

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leuten die Abschlussprüfung abnimmt. Bestandteile der Prüfung sind unter anderem Ankreuztests, eine EDV-Prüfung, eine offene Aufgabe und ein Verkaufsgespräch. Geprüft werden bei jeder Prüfung durchschnittlich 60 Absolventen. Während für die Korrekturen der schriftlichen Prüfungen lediglich ein paar Stunden anfallen, nimmt das Verkaufsgespräch, bei dem im Halbstundentakt alle Azubis hintereinander befragt werden, einen Tag in Anspruch. Um so mehr Mitglieder im Prüfungsausschuss sind, um so schneller und reibungsloser kann die Bewertung der Abschlussprüfungen erfolgen. Hinzu kommen Treffen mit dem Prüfungsausschuss sowie Prüfungsworkshops. Insgesamt fallen für das Ehrenamt bei Nadja Kluson jährlich rund 100 Stunden an. Für diese Zeiten lässt sie sich in Absprache mit dem Hoteldirektor freistellen. Bisher war es ihr möglich, alle Prüfungstermine wahrzunehmen. Diese Bereitschaft seitens des Unternehmens kommt auch daher, weil die Prüfertätigkeit von Nadja Kluson im eigenen Hotelbetrieb und sogar innerhalb der Kette äußerst positiv gesehen wird. „Man erfährt schon im Vorfeld der Prüfung durch die Kontakte zu den Lehrern sehr viel über die Auszubildenden und lernt, welches ihre Schwachpunkte sind. Da kann man gezielt ansetzen und vorbereiten. Das kommt dem eigenen Ausbildungsbetrieb zugute und darüber hinaus haben wir uns als Ausbildungsbetrieb innerhalb der Branche einen sehr guten Ruf erarbeitet.“ (N. Kluson). Zusätzlich ist für Nadia Kluson ein

kontinuierlicher und fruchtbarer Austausch mit anderen Hotels, Berufschullehrern und IHK-Mitgliedern entstanden. Dieser wirkt sich auch positiv bei der Suche neuer qualifizierter Mitarbeiter aus, denn Frau Kluson hat viele junge Hotelfachleute in einer Prüfungssituation erlebt und weiß aus erster Hand, wer evtl. für eine freie Stelle in Betracht kommt. „Eigentlich profitieren alle von meinem Ehrenamt: Die Azubis, der Betrieb und ich selbst, weil ich viel dazulerne und mein Netzwerk stetig erweitere.“ Gesicht zeigen für Ehrenamtskampagne Dass Nadja Kluson nun auch Motiv für die Kampagne ist, kam fast ebenso überraschend wie das Ehrenamt selbst. Dafür wurde sie direkt von der Ausbildungsreferentin der IHK angesprochen. Sie sagte in Absprache mit der Hoteldirektion spontan zu und wenige Tage später fand das Fotoshooting in Zusammenarbeit mit der Agentur Seippel & Weihe statt. „Es ist am Anfang ein bisschen seltsam, sich selbst riesengroß auf einem Plakat zu sehen, aber meine Eltern sind total stolz auf mich“, sagt Kluson mit einem Lächeln. Die Kampagne umfasst Anzeigen, Plakate, Banner, Flyer sowie einen Internetauftritt und ist langfristig angelegt. Bis zum 200. Geburtstag der IHK Offenbach im Jahr 2021 möchten die Beteiligten dem Ehrenamt zu der Bekanntheit und der Akzeptanz in der Öffentlichkeit verhelfen, die ihm gebührt. Denn klar ist schon jetzt und so lautete auch eine Erkenntnis im Vorfeld der Kampagne: „Ohne Ehrenamt läuft nichts.“ Weitere Informationen unter  www.mehrunternehmer.de

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Seit April 2011 kann Irini Sidira ihren Traumberuf im eigenen Friseursalon ausüben. Mittlerweile hat sich der Laden in der Kirchgasse etabliert und ist auch Ausbildungsbetrieb. Die gebürtige Offenbacherin mit griechischen Wurzeln ist sich sicher, dass in Offenbach vieles möglich ist – nicht zuletzt, weil Offenbach eine tolle Stadt ist und viel Charme besitzt.

Fotos © Yigit Durcan

friseurmeisterin aus leidenschaft: irini sidira von Güngör Bayrak und Wolfgang Malik

n War Friseur schon immer Dein Traumberuf? Irini Sidira: Während und nach meiner Schulzeit war es für mich zunächst sehr schwierig, mich in der Berufswelt zu orientieren. Anfangs wollte ich alles werden. Eigentlich sah ich mich schon fast als Dauerstudentin in den Hörsälen "rumhocken". Irgendwann ergab sich für mich die Möglichkeit eines Praktikums in einem Friseurladen, was mir auf Anhieb sehr gut gefallen hat. Auch weil ich dort erfahren habe, dass Friseure mehr tun müssen, als lediglich nur Haare schneiden.

gene Praxisbezug stellte einen Schwerpunkt während meiner Ausbildung dar. Das hat mir später sehr geholfen den Einstieg ins Berufsleben zu finden. Die Duale Ausbildung ist eine Mischung aus Schule und Praxis. Theorie und Praxis gut zu verbinden ist mir während meiner Ausbildung sehr gut gelungen. Pünktlichkeit, Sorgfalt und die Erfassung des Friseuralltags kann man nur durch Praxiserfahrung kennenlernen. Allein mit der theoretischen Ausbildung wäre das nicht möglich.

Was war Dir bei Deiner Ausbildung wichtig? Ein Salonalltag ist während der Ausbildung sehr wichtig. Ich schätze die dualen Ausbildungsmöglichkeiten hier in Deutschland sehr, zumal ich auch die Ausbildungsstukturen in Griechenland kenne. Der ausgewo-

Wie war Dein Weg in die Selbständigkeit? Direkt nach meiner Ausbildung war ich noch nicht bereit mich selbstständig zu machen. Ich sah aber die guten Möglichkeiten in Offenbach, etwas aufzubauen. Hier ist eine gute Atmosphäre für neue Ideen. Die Fi-

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nanzierung konnte ich mit Hilfe der KfW Bank realisieren. Daher habe ich relativ schnell dafür entschieden, mich in Offenbach selbständig zu machen. Ich hatte immer das Gefühl, an der Entwicklung der Stadt teilzuhaben. Daher fiel mir die Entscheidung auch nicht allzu schwer. Was empfiehlst du jungen Menschen, die gerne den Friseurberuf ausüben möchten? Jeder Beruf fällt einem leichter, wenn er mit Leidenschaft und Liebe ausgeübt wird. Auch Friseure müssen ihren Beruf lieben, um ihn erfolgreich umzusetzen. Eigentlich steckt diese Weißheit in jedem Berufszweig. Man muss seine Sache einfach lieben, dann kommt der Erfolg fast von selbst! Deswegen bilde ich auch junge Menschen aus, von denen ich mir erhoffe, dass wir später ein Team werden. Ich versuche den Spass und die Liebe an andere Menschen zu vermitteln und das kommt meist gut an. Wie stehst du als Unternehmerin zum Thema Mindestlohn? Der Lohn eines Friseurs ist nicht wirklich gerecht, wenn man ihn nach der Arbeitsleistung bewertet. Sicherlich wäre der Mindestlohn ein Beitrag dazu, dass die Arbeit "mindestens" honoriert wird. Und das ist in meinen Augen gerechtfertigt. Als Friseurmeisterin arbeite ich nicht zehn Stunden im Salon, um lediglich etwas dazuzuverdienen – nein. Die geleistete Arbeit sollte gerechter bezahlt werden. Es ist nicht zu rechtfertigen, zehn Stunden am Tag zu arbeiten, um dann noch soziale Hilfeleistungen zu empfangen. Hast Du schon ehrenamtlich gearbeitet? Ich war vier Jahre lang im Prüfungsausschuss der Handwerkskammer ehrenamtlich tätig. Es war mir wichtig, meine Sichtweise als junger Mensch mit einzubringen. Außerdem lernt man als Prüferin neue, talentierte Fachkräfte kennen. Ohne ehrenamtliches Engagement würde vieles nicht funktionieren und ich finde es selbstverständlich mit für die Gesellschaft einzusetzen.

ein Mensch stammt, oder welche Wurzeln er hat. Es kommt eher drauf an, wie man die Lebenswelt, in der man als Person lebt, annimmt. Ich empfinde mich als Offenbacherin. Hier bin ich zur Schule gegangen, hier habe ich Freunde und meinen Beruf gelernt. Hier arbeite und lebe ich. Offenbach ist einfach mein Zuhause. Was gefällt Dir an Offenbach und was sollte besser werden? Diejenigen, die Offenbach lieben, die kämpfen auch für diese Stadt. Der Zusammenhalt ist unter den Menschen gut spürbar und sehr lebendig. Auf der anderen Seite würde ich mir wünschen, dass die Geschäfte in der Stadt einladender werden. Es fehlen Geschäfte und Läden, die mehr Qualität bieten, damit die Menschen zum Einkaufen nicht immer nach Frankfurt oder in andere Städte fahren. Hast du einen Lieblingsort in hier? Prinzipiell ist der beste Ort für mich das eigene Zuhause. Den Hafen finde ich sehr interessant und sagt mir auch eher zu als der Wilhelmsplatz, wo ich auch ab und zu hingehe. Qualitativ sehe ich, dass sich die Stadt gut entwickelt und es immer mehr schöne Möglichkeiten gibt, den Feierabend zu genießen. Welche Kunden kommen in Deinen Salon? Für mich ist es ein großes Kompliment, wenn meine Kunden meine Arbeit wertschätzen. Wir sind kein Salon für ein besonderes Klientel, sondern achten eher auf die Zufriedenheit unserer Kunden. Daher spricht unser Salon auch viele Menschen an, die einfach Qualität wollen und diese bei uns auch bekommen. Schließlich achten wir drauf, dass sich die Kunden hier einfach wohlfühlen und gerne hierher kommen.

 Irini Sidira Kirchgasse 36 A • Offenbach 069/272 975 52 (Bitte Terminvereinbarung)

Identifizierst Du Dich mit Offenbach? Ich bin jemand, der sich gut anpassen kann. Es kommt nicht drauf an, woher 46

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Zahlreiche Beratungsstellen bieten Offenbacher Bürgerinnen und Bürgern Informationen und Hilfe. Die zentrale Beratungsstelle der Stadt Offenbach bei Fragen zum Thema Bildung ist das OF Bildungsbüro und befindet sich in der Berliner Straße 77.

licht im bildungsdschungel: Of Bildungsbüro n Es gibt in Offenbach eine Vielzahl von Beratungsstellen, die den Offenbacher Bürgerinnen und Bürger ein umfangreiches Beratungsangebot bieten und die Stadt bereichern. Das kann dazu führen, dass Ratsuchende nicht genau wissen, an wen sie sich wenden können. Aus diesem Grund gehörte die Etablierung einer zentralen Beratungsstelle für alle Bildungsfragen in Offenbach zum Programm des kommunalen Projekts „Lernen vor Ort“, das mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und des Europäischen Sozialfonds (ESF) für fünf Jahre gefördert wird. Information und Unterstützung Das Offenbacher Bildungsbüro hilft allen Ratsuchenden, jeder ist willkommen, findet motivierende Unterstützung und Orientierung bei der Klärung des Bildungsanliegens und bei Bedarf wird der Kontakt zu fachspezifischen Bildungs- und Beratungseinrichtungen vermittelt. Die Beratung im Offenbacher Bildungsbüro ist kostenfrei, unabhängig, neutral und vertraulich und richtet sich an alle Offenbacher Bürm u t & l i e b e Dez./Jan./Feb. 2013/14

gerinnen und Bürger, ganz gleich, in welcher Lebenslage oder welchem Lebensabschnitt sie sich befinden. Dies entspricht dem Grundgedanke des Lebenslangen Lernens, von der frühkindlichen Bildung, Fragen zur Schulbildung, berufliche Bildung und deren Förderung, Sprachkursen bis hin zum Angebot für Senioren. Angebote für Mutter-Kind-Spielgruppen werden genauso nachgefragt wie Hausaufgabenbetreuung, staatliche Finanzierungsmöglichkeiten für berufliche Weiterbildung und EDV-Kurse für Senioren. Das Offenbacher Bildungsbüro verfügt als zentrale Informationsstelle über eine Vielzahl von Broschüren und Flyer anderer Bildungs- und Beratungseinrichtungen. Bildungsinformationen werden hier gebündelt, benutzerfreundlich aufbereitet und den Ratsuchenden zur Verfügung gestellt. Das Bildungsbüro ist ein wichtiger Bestandteil der kommunalen Versorgung mit Beratung und steht den Offenbacher Bürgerinnen und Bürgern seit Oktober 2010 zur Verfügung. Um einen guten Überblick über diese Fragestellungen zu erhalten, werden alle Anfragen systematisch erfasst und ausgewertet. Durch 47


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P roj e k t die Gegenüberstellung von Bildungs- und Beratungsbedürfnissen und Bildungsangeboten, werden Angebotslücken sichtbar und es kann ein Anstoß zu ihrer Beseitigung gegeben werden.

[cwg] christine wagner gallery proudly presents: works by artists from Frankfurt and Offenbach 28 November - 14 December 2013 Barbara Greul Aschanta | Josef Held | Martin Holzschuh | Sylvester M. Kraaz | Christine Wagner | Sonja I. Wagner | Martin Hakan Weigl

Info: please see www.christine-wagner.eu mobil +49 (0)173 - 59 13 882

Helmut Schwalbach

Immobilien & Kunsthandel info@helmutschwalbach.de

Wir vermitteln neue Wohnerlebnisse

Netzwerk Bildungsberatung Um die Vielzahl der Beratungsstellen in Offenbach für die Bevölkerung transparenter, gleichzeitig aber auch diese Beratungsstellen untereinander bekannter zu machen, hat Lernen vor Ort das Netzwerk Bildungsberatung gegründet, einem Zusammenschluss von 40 Beratungsstellen in Offenbach. Das Netzwerk hat sich als erste Aufgabe gestellt, die Öffentlichkeitsarbeit zu intensivieren. Aus diesen Aktivitäten ist ein Wegweiser als Übersicht über die Beratungsstellen in Offenbach entstanden, der als Plakat oder gefaltet als Leporello oder „Pocket-Guide“ veröffentlicht wird. Für weitere Informationen ist ein QR-Code aufgedruckt, der zu einer ausführlicheren Aufstellung im Internet führt. Der Wegweiser soll die Mitarbeiter/-innen in den Beratungsstellen unterstützen, damit sie einen noch besseren Überblick über das Angebot in Offenbach erhalten und so Ratsuchende gezielt an die für sie genau richtige Stelle verweisen können. Der Wegweiser ist auch im Bildungsbüro erhältlich. Weitere zentrale Vorhaben von Lernen vor Ort sind die Bereitstellung von datengestützten Informationen über die kommunale Bildungsentwicklung, die Verbesserung von Übergängen zwischen den Bildungsbereichen (z.B. Kita/Grundschule) sowie eine bessere Abstimmung und Koordinierung der Bildung im gesamten Lebensverlauf in der Kommune. Dies und der „Orientierungsrahmen für Bildungsentwicklung in der Stadt Offenbach“ sind einige der sichtbaren „Produkte“ von Lernen vor Ort Offenbach.

E-Mail: bildung@offenbach.de www.offenbach.de/bildung/

Berliner Str. 77 • 63065 Offenbach Telefon: 069 8065-38 38

Igelauer Weg 12 • 61118 Bad Vibel • 0171 8015425 48

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Arbeit

"das ei" in of zwei frankfurter finden ihr kreatives nest Die Medienproduktion "Das Ei"dreht in Offenbach Werbeclips für internationale Kunden

n Ja, man kann. In Offenbach leben und arbeiten. Auch als Frankfurter. Helena und Andreas Malsy haben den Grenzübertritt gewagt. Seit vier Jahren brüten die beiden Frankfurter hier in der Nachbarstadt kreative Ideen aus. Ihre „Das Ei Medienproduktion“ setzt Werbebotschaften für hochkarätige internationale Kunden in bewegte Bilder um. Als die Gründer 2009 einen inspirierenden Platz für ihre Firma suchten, wurden sie in Offenbach fündig. „Ausgerechnet!“, sagt Helena Malsy lachend. Ein Studio in toller Lage, bezahlbar, das überzeugte. Die entsetzte Reaktion im Bekanntenkreis damals: „Spinnt ihr?“ „Das Ei“ hat sich in einem Hochhaus am Kaiserlei an der Grenze zur großen Nachbarstadt und deren glänzenden Fassaden eingenistet. Genau da, wo internationale Konzerne wie Hyundai und Mercedes m u t & l i e b e Dez./Jan./Feb. 2013/14

ihre Dependancen ansiedeln, wo Frankfurt eine Multifunktionsarena plant. Autobahn und S-Bahn liegen vor der Tür, der Flughafen ist schnell erreicht. „Das zählt für unsere Kunden“, sagt Helena Malsy. Die von „Das Ei“ produzierten Filme werben für Autokonzerne, Finanzdienstleister, TV-Sender, Konsumgüterfirmen. Sie sind im Fernsehen, im Internet oder auf Messen zu sehen. Hohes Leistungsniveau in Offenbach Für ihre anspruchsvollen Projekte finden die Frankfurter in Offenbach immer wieder geeignete Partner. „Hier arbeiten Experten sämtlicher Kreativbereiche. Das Leistungsniveau ist hoch.“ Jüngstes Projekt „made in Offenbach“ ist ein Werbespot für die Nürnberger UDI, ein auf grüne Geldanlagen spezialisiertes Finanzhaus. Im Team für den Dreh „stecken 100 Pro 49


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leute Der raue Charme Offenbachs als Stadt im Umbruch fasziniert die Medienmacherin: „Toll, was sich hier bewegt.“ Kontakte sind schnell geknüpft, die Menschen sind offen. Das kreative Klima beflügelt, findet Helena Malsy. Sie ist regelmäßig auf einem der vielen kleinen Events der Offenbacher Szene unterwegs. Zu ihren Lieblingszielen gehört die Akademie für interdisziplinäre Prozesse, „afip“, wo Lutz Jahnke zum Diskurs über Visionen und Utopien, Musik und Literatur jenseits des Mainstreams einlädt. Der intensive Gedankenaustausch sorgt dafür, dass keiner im eigenen Saft kocht und Ideen freigesetzt werden. Und das, was mancherorts als Zusammenprall der Kulturen empfunden wird, „ist in Offenbach belebendes Element“, so Helena Malsy. Offenbach? „Klar, das ist ein gutes Nest für ‚Das Ei’.“ (Monika Hillemacher)  Info: www.eiernetz.de

In diesem Werbespot stecken 100% Offenbach: Schauspieler Frank Geisler mit seiner Filmenkelin © UDI

zent Offenbach“: Sowohl Schauspieler Frank Geisler als auch Kamerafrau Petra Bereuter und die „Das Ei“-Filmproduktion kommen aus der Stadt. Als Location diente ein Wohnatelier in einer ehemaligen Leder- und Pelzfabrik im angesagten Nordend. OF Markenzeichen für kreative Arbeit „Wenn Location und Qualität stimmen, ziehen Kunden heute für einen Dreh nicht mehr durch die Welt. Und hier passt es“, beschreibt Andreas Malsy den Standortvorteil. Die Postproduktion von Filmen ist seit rund 20 Jahren sein Metier, viele seiner Arbeiten haben Preise gewonnen. „Offenbachs Kreativwirtschaft sollte verstärkt auch über die Stadtgrenze hinaus zeigen, was sie leistet. So könnte Offenbach ein Markenzeichen für erstklassige, kreative Arbeit werden“, sagt Helena Malsy. 50

t miu ebe l

adventskalender ab 1.

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bei facebook Mut&Liebe Offenbach o. www.mulioffenbach.de Infos S. 74

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K u n s t w e rk

bilderflut die zweite... Das erfolgreiche Projekt des Architektursommers 2011 die "Bilderflut I" fand in diesem Jahr eine Fortsetzung. Wieder auf Initiative des Architekten und Zeichners Josef Held trafen sich ca. 40 Architekten und Künstler, um einen individuellen Blick auf die Stadtlandschaft zu werfen und festzuhalten, diesmal im Grenzgebiet von Offenbach und Frankfurt, dem Kaiserlei. n "Architekturzeichnen ist etwas aus der Mode gekommen, fotografiern geht schneller," so Josef Held. "Für den Architekten jedoch ist das Zeichnen mit der Hand, die sinnliche Erfahrung der Darstellung des uns umgebenden Raumes unerlässlich." Schon unsere kleine Auswahl der Impressionen zum Rohbau der EZB zeigt dies anschaulich und macht neugierig auf die weiteren Zeichnungen. Die Gruppe war im Sommer 2012 und 2013 an mehreren Tagen unterwegs, um die Architektur direkt vor Ort auf sich wirken zu lassen. Die bizarre EZB-Baustelle, die mächti-

Josef Held (oben) | Eberhard Stolz(unten) Hayko Spittel (rechts)

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K u n s t w e rk

gen Brückenkonstruktionen, der Hafen, die Frankfurter Skyline und der zentrale Bereich um das Rathaus in Offenbach boten interessante Motive. Passanten wurden eingeladen, sich an der Aktion zu beteiligen. Open-Air Architekturzeichen hat in Offenbach Tradition. Jeweils auf Initiative von Josef Held lud die vhs 1990 zum ersten Mal ein zu einer Zeichensession am Tag der Architektur, dann 2004 die Stadt anlässlich des 50-jährigen Großstadtjubiläums. Die Bilderflut I startete 2011 als städteübergreifendes Projekt (Frankfurt, Darmstadt, Offenbach, Wiesbaden) im Architektursommer Rhein-Main. Auch bundesweit organisierte Josef Held mit Kollegen bereits ähnliche Events. Gemeinsam mit dem Kulturbüro wurde auch die Bilderflut II ein großer Erfolg. Über 500 Skizzen sind diesmal entstanden und wurden als facettenreiches 'Megabild' in einer Austellung im September im Rathaus Offenbach präsentiert. Die Vernissage begleitete ein szenisches Konzert mit Tanz, Sprache und Musik (u.a. mit Sandra Baumeister-Roth, Reinhold Behling, Tim Dutzki, Johannes und Josef Held).

Agnes Sabel (oben) – Manfred Lobe (unten)

Aktuell ist eine umfangreiche Dokumentation der Aktion erschienen. Die spannenden Interpretationen von Architektur und urbanen Strukturen kann man hier in aller Ruhe auf sich wirken lassen. (Katalog erhältlich bei: sepp-held@.web.de) Mit der [cwg] christine wagner gallery geht die Bilderflut II auch auf Reisen, noch bis zum 14. Dezember ist sie in Brüssel zu sehen. Foto: Fotoclub "new camera"

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K u n s t w e rk

Der Offenbacher Kunstverein hat mit seinem Ausstellungsprogramm im Wohnbüro ein Forum geschaffen für spannende Kunst und Kunstvermittlung für Offenbacher Bürgerinnen und Bürger.

erfolgreiche kunstvermittlung von Ingrid Walter n Einen zentralen Raum in Offenbach zu schaffen, in dem regelmäßig anspruchsvolle Ausstellungen gezeigt werden, das war und ist eines der Hauptziele des Offenbacher Kunstvereins. Durch die Zwischennutzung des großen Konferenzraums im alten IHKGebäude am Platz der Deutschen Einheit, ist Ulrike Djellouli-Della mit ihren Kollegen aus dem Vorstand des Offenbacher Kunstvereins diesem Bestreben ein gutes Stück näher gekommen. In das von außen eher unscheinbare dunkelbraune Hochhaus hinter dem Haus der Wirtschaft ist Leben eingekehrt. Es gibt regelmäßig interessante Kunstwerke von Künstlern aus dem Rhein-Main-Gebiet zu sehen und stimmungsvolle Vernissagen mit Live-Musik an einer langen coolen Bar, die selbst ein kleines Kunstwerk ist. Seit April dieses Jahres haben bereits vier viel beachtete Ausstellungen in der Reihe „Kunst hat Raum“ stattgefunden und der neue Spielort inmitten der Offenbacher City hat sich zu einer Plattform entwickelt, die Besuchern einen spannenden Austausch mit Kunst und mit Kunstschaffenden möglich macht. Auftakt war die Vorab-Ausstellung der vom Kunstverein wiederbelebten Arthotek Offenbach zu den „Kunstansichten“. Diese Kunstsammlung von rund 600 Exponaten wird vom Kunstverein betreut. Bei jeder Vernissage wurde ein Werk des ausstellenden Künstlers dazu gekauft. Zur Offenbacher Kunstmesse, bei der lokale Künstler alle zwei Jahre ihre Ateliers öffnen, zeigte der Kunstm u t & l i e b e Dez./Jan./Feb. 2013/14

verein im neuen Kunstraum vierzig Exponate, die seit knapp zwanzig Jahren in den Archiven der Stadtbibliothek ruhten. Eine weitere Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek ist für April 2014 geplant. Dann soll es auch möglich sein, Bilder aus der Artothek auszuleihen. Ausstellende Künstler in der Reihe „Kunst hat Raum“ waren sowohl Malerinnen und Maler aus Offenbach, wie beispielsweise Malgo Scholz mit „Farbselig: Hommage an Tilo“ oder Sabine Tribeß mit „Emotionen: Aus der Tiefe“ sowie die Hanauer Künstler Christoph Klein und Roger. Die einzelnen Ausstellungen offenbarten von gegenständlichen bis abstrakt, von schwarzweiß bis leuchtendbunt, von Acryl bis Öl die große Bandbreite der hiesigen zeitgenössischen Kunstschaffenden. Sehr lebendig geht es auch bei den regelmäßig am ersten Mittwoch im Monat stattfindenden Künstlerstammtischen zu. Hier wird mit Künstlern über die Werke der aktuellen Ausstellung, über kommende Projekte und über Kunst als Katalysator der Gesellschaft diskutiert. „Die ausgestellten Werke sind immer auch bildhafte Reflexionen unserer gegenwärtigen Welt und Zeit“, sagt die Vorsitzende des Kunstvereins Ulrike DjellouliDella. Sie freut sich, dass die Kunst nun einen Raum mitten in der Stadt hat und setzt sich mit den anderen Vorstandsmitgliedern dafür ein, dass das auch weiterhin so bleiben kann. Verhandlungsgespräche 53


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diesbezüglich laufen bereits. „Ohne unsere tolle Vorstandstruppe, deren Mitglieder alle an einem Strang ziehen, wäre das alles aber gar nicht möglich“, betont Djellouli-Della. Insgesamt blickt der Kunstverein auf eine langjährige Geschichte zurück und wurde bereits 1977 gegründet. Ulrike Djellouli-Della und Geet Chorley, Metallkünstler aus Bürgel, haben es sich seit 2009 zur Aufgabe gemacht, den Kunstverein wiederzubeleben. Im Kunstverein haben sich seit der Neugrünung 2010 engagierte Bürger und Künstler zusammengefunden, die den Menschen der Stadt Offenbach Kunst näherbringen möchten. Zumal Offenbach, auch durch die lange Tradition der ansässigen Hochschule für Gestaltung, eine Stadt mit sehr hoher Künstlerdichte ist. Die Vermittlung von Kunst ist jedoch in einer stark industriell geprägten Stadt nicht immer leicht. Hier setzt der Kunstverein tatkräftig an und baut Schwellenängste durch Gespräche beim Künstlerstammtisch und bei den eindrucksvollen Vernissagen ab. Gegenwärtig sind die „Wolkenbilder“ von Horst Kolbinger zu sehen. Der Betreiber des Ateliers im Hinterhof möchte die Realität hinter den Dingen sichtbar zu machen und mit seinen facettenreichen Bildern, dem Betrachter eine eigene Interpretation zu ermöglichen. Zusätzlich zu seinem Hauptanliegen, den Menschen dieser Stadt Kunst näherzubringen, engagiert sich der

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Kunstverein für kommunale Projekte, die die lebendige Auseinandersetzung mit Kunst ebenso fördern. So gibt es beispielsweise eine Kooperation mit der Joblinge AG, bei der junge Menschen im Vorfeld ihrer Ausbildung in einem 4-tägigen Workshop unter Anleitung selbst ein Kunstobjekt herstellen. Das erste Projekt dieser Art fand im Oktober erfolgreich statt, die Zusammenarbeit mit der Joblinge AG ist dauerhaft angelegt. Für die Ausstellungen im kommenden Jahr fordert der Kunstverein interessierte Künstlerinnen, Künstler und Künstlergruppen auf, sich zu bewerben. Das entsprechende Formular findet sich auf der Website des Kunstvereins www.kunstverein-offenbach.de Ein buchstäbliches Highlight für das nächste Jahr steht schon fest: Zur Luminale wird das Haus am Platz der Deutschen Einheit 5 mit Lichteffekten zum Thema „Metamorphosen“ sein unscheinbares Dasein ein für alle Mal hinter sich lassen. Der Saal des Kunstvereins wird dann mit der Metall-Licht-Instalation von Geet Chorley, einer übergroßen Naturfantasie, bestehend aus einem Kokon, begleitet von farbig leuchtenden Riesenblumen, ein wundersames Eigenleben entwickeln. Dazu sind mehrere Events wie ein Jazz- und ein Club-Abend geplant.  Info: www.kunstverein-offenbach.de

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Die erste Talkshow von „Mut&Liebe im Ring“ ist ab Dezember auf YouTube zu sehen. In der Boxhalle des BC-Nordends steigen Menschen in den Ring, die auf den ersten Blick gegensätzlich wirken. Die Sendung wird vor Publikum aufgezeichnet und ist anschließend im Internet zu sehen. Das Produktionsteam freut sich auf die Aufzeichnung der ersten Show. „Offenbach wird sich als charmanter Gastgeber präsentieren“, kündigt Wolfgang Malik, Präsident des Boxclubs und Mitinitiator des neuen Angebots an. „Es kann schließlich nicht immer alles aus Berlin, Köln oder Hamburg kommen“, sagt Helena Malsy, lachend. Die Moderatorin der Show ist überzeugt: „Eine Stadt, in der Stargeiger Paganini seine Geige bespannen und Mozart seine Noten verlegen ließ, ist genau der richtige Ort, besondere Persönlichkeiten zusammenzubringen.“ Bei der Premiere am 30. Nov. treffen MMA-Kampfsportlerin Sheila Gaff und Yogalehrerin Ramona Lauer aufeinander. Gäste für das neue Talkformat werden von überall her kommen, „natürlich auch aus Offenbach“. Kamerafrau Petra Bereuter verrät: „In unserer Produktionsfamilie entstehen tolle Ideen für Themen und Gäste. Auch der Input unserer Zuschauer ist uns sehr willkommen.“ Neben Petra Bereuter, Wolfgang Malik und Helena Malsy sind Sabine Börner und Andreas Malsy die Macher der ersten Folge.

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Das Produktionsteam: Helena Malsy, Wolfgang Malik und Petra Bereuter

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– sendestart

Mut&Liebe erobert ein neues Medium: Ab November startet „Mut&Liebe TV“ mit gleichnamigem YouTube-Kanal. Über die aktuellen Beiträge informiert die Mut&Liebe facebook-Seite und www.mulionline.de

Der Hobbit: Samaugs Einöde Start: 12.12. in absoluter Brillanz im CinemaxX Double: 11.12. ab 20.00Uhr • Preview: 12.12. ab 0.01 Uhr Peter Jackson präsentiert den zweiten Film der dreiteiligen Kinofassung des Meisterwerks "Der Hobbit" von J.R.R. Tolkien. Titelheld Bilbo Beutlin setzt das Abenteuer seiner epischen Mission fort: Zusammen mit Zauberer Gandalf und 13 Zwergen unter der Führung von Thorin Eichenschild versucht er das verlorene Zwergenreich Erebor zu befreien.

innen! n zu gew Freikarte m Mut&Liebe re bei unse lender (Info S. 74) a Adventsk

Der Medicus Start: 15.12. Verfilmung des gleichnamigen Bestseller von Noah Gordon um die abenteuerliche Reise einer englischen Waise, der in Isfahan des 11. Jahrhunderts zum Arzt ausgebildet wird. Der junge Rob Cole muss als Kind mitansehen, wie seine Mutter an einer Krankheit stirbt. Er will unbedingt Heiler werden und geht bei einem Bader in die Lehre. Als er von einem hervorragenden Mediziner und Weisen in Ifshahan hört, beschließt Rob ins ferne Persien aufzubrechen.

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Tarzan Start: 20.02.2014 MaxXimum 3D Großes Abenteuer-Kino für die ganze Familie um den Herrn des Dschungels – umgesetzt mit Motion Capture. 55


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© Projekt 'Länderboten'

Offenbach ist international. Menschen aus fast allen Ländern der Welt leben hier zusammen. Das Projekt 'Länderboten' gibt jeder Nation eine Stimme und ein Gesicht. Anny und Sibel Öztürk und Heiner Blum sprachen mit multikulturellen Offenbacherinnen und Offenbachern über ihr Leben.

n "Am Besten wäre alles blau…" und "Wir leben gerne in Offenbach…" es gibt verblüffende Gemeinsamkeiten in den Aussagen der Gesprächspartner/innen aus aller Herren Länder, die die Künstlerinnen Anny und Sibel Öztürk und HFG-Professor Heiner Blum für ihr Projekt "Länderboten" befragten. "Blau ist eindeutig die Lieblingsfarbe", meint Anny "und die meisten leben sehr gerne in Offenbach. Wir hatten eigentlich mehr negative Aussagen erwartet." Im Rahmen des Büchner-Jahres und in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt entstand im Frühjahr die Idee zu dieser Arbeit. Der Revolutionär Büchner beschrieb 1834 in seiner Streitschrift "Der Hessische Landbote" die Lebensumstände der Menschen in Hessen. In Offenbach gedruckt, wurde hier erstmals die Situation der einfachen Leute benannt. In diesem Sinne fragt das Projekt "Länderboten" nach der aktuellen Lebenssituation, den Wünschen und Vorstellungen der in Offenbach lebenden Bürgerinnen und Bürger, und zwar jeweils ein/e Vertreter/in aus jeder Nation. Menschen mit türkischen, italienischen oder marokkanischen Wurzel fanden sich schnell im eigenen Bekann56

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Offenbach ein neues Zuhause gefunden ("Schweden ist gar nicht so toll, wie die Deutschen oft denken. Mir gefällt es hier viel besser.") "Das Wetter könnte natürlich besser sein und die Deutschen sind anfangs eher kühl, bekommt man oft zu hören," lacht Sibel. "Dafür sind sie aber verlässlicher, hat man sie erstmal zum Freund." Kernzitate der gesammelten Interviews und großformatige Portraitfotos werden im Dezember im Klingspormuseum ausgestellt. Die Zitate sind den Personen nicht direkt zugeodnet und auch die Fotos bearbeitet, es entsteht so etwas wie eine transkulturelle Philosophie. "Denn im Endeffekt sind Themen wie Familie, Freundschaft, soziale Systeme ja international", so Heiner Blum. Die interessanten Ergebnisse des umfangreichen Projekts würde man gerne noch als Buch herausgeben und die Ausstellung auch in andere Städte schicken, wenn sich dafür eine Finanzierung findet. Dann wären wieder 'Länderboten' von Offenbach aus auf den Weg gebracht, ganz im Sinne von Büchner… tenkreis. Das Mainuferfest im Sommer bot sich an, um weitere potenzielle Gesprächspartner zu finden und die meisten reagierten positiv. "Menschen aus über 156 Nationen leben zur Zeit hier." so Heiner Blum, "Wir waren selbst erstaunt über die Zahl und eigentlich leben alle doch recht gut zusammen. Wir haben keine sozialen Brennpunkte oder Ghettos, wie in anderen größeren Städten. Berlin oder Köln haben da ganz andere Probleme. Offenbach ist ein Modellprojekt, wie es funktionieren kann." Das friedliche, normale Leben hier schätzen viele besonders. Eine freie, tolerante Gesellschaft ohne korrupte, willkürliche Machtstukturen ist in den meisten Ländern nicht selbstverständlich. "Wenn man sich in Südafrika als Frau alleine in ein Café setzt, gilt man als Hure," erzählt zum Beispiel eine Afrikanerin. Oder Koptische Christen in Ägypten rechnen jederzeit mit einem Anschlag während des Gottesdienstes. Menschen mit diesen Gewalterfahrungen sind froh in Deutschland leben zu können, aber man solle sich auch hier nicht zu sicher fühlen, warnt eine Frau aus dem ehemaligen Jugoslawien. Aber z.B. auch eine Schwedin hat in m u t & l i e b e Dez./Jan./Feb. 2013/14

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© Nils Bremer

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Die Künstlerinnen Sibel & Anny Öztürk leben seit 1978 in Offenbach, sind Städelabsolventinnen und seit Frühjahr 2013 im Wohnbüro im ehemaligen IHK Hochhaus anzutreffen. Wie zuvor im 'Atelier Frankfurt' organisieren die Schwestern in ihrem 'Labor' in Offenbach Kunstevents, Kino, Lesungen, Konzerte u.a. und nutzen den großen Saal als Atelier. Prof. Heiner Blum ist Künstler und Professor für "Experimentelle Raumkonzepte" an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach.

Ausstellung Länderboten im Klingspor Museum (Herrnstr. 80, OF,) vom 3. Dez. 2013 bis 2. Feb. 2014 Eröffnung am 3. Dez., um 19.00 Uhr www.klingspor.de

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mut&liebe n Meine ersten Eindrücke von Offenbach sind geprägt von älteren Herrschaften, die bei Familienfeiern im Hessischen Dialekt über die glorreichen BundesligaZeiten der Kickers schwärmten. Nach meinen ersten Besuchen „uff’m Bersch“ gegen Ende der 80er Jahre war ich dann auch vollkommen mit dem Verein und damit auch der Stadt identifiziert. Schulbank-drücken auf der Albert-Schweitzer, die Kickers, Partys bei den Jungs von CAROLI, kicken bei Germania Bieber, und viele gute Freundschaften prägten die 90er für mich. Offenbach, wenngleich auch kantig, war eine gute Stadt um aufzuwachsen. Und Offenbachs Mannigfaltigkeit war für mich ein guter Lehrer für Toleranz und Offenheit und die Rolle von Kommunikation in Konflikten, gerade auch interkultureller Natur.

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friedensbote… You Can Get The Boy Out Of The City, But You Can’t Get The City Out Of The Boy! von Mathias Zeumer

Seit insgesamt zwölf Jahren lebe ich nun nicht mehr in Offenbach. Aber vergessen habe ich die Stadt meiner Herkunft nicht; im Gegenteil, meine Familie, Freunde und natürlich meine ungebrochene Liebe zu den Kickers erinnern mich täglich an meine Heimat. Egal wo ich bisher gelebt habe, die Stadt Offenbach wurde gekannt und dass dort einer der wichtigsten Traditionsvereine beheimatet ist, wusste und weiß in meinem näheren Umfeld jeder! Nach meinem Zivi im Juz Nordend folgte ich der Einladung einer Bekannten nach Venice Beach, Kalifornien. So lebte ich die nächsten anderthalb Jahre in Los Angeles, wo ich zugleich auf ein Community College ging. In dieser Zeit befasste ich mich neben dem College viel mit Yoga, Buddhismus, Meditation, und den Lehren der „Native American“ Traditionen. Aber natürlich kam das Party- und Strandleben in LA auch nicht zu kurz. Um mein Spanisch zu verbessern bin ich von LA nach Lima, Peru geflogen um dort in einem Kinderheim zu volontieren. Gewohnt habe ich teilweise bei einer Offenbacher Familie, die dort an einer deutschen Schule unterrichtete. Nachdem ich fast ganz Peru erkundet habe, bin ich per Bus durch MittelAmerika zurück in die USA gefahren, um den Burning Man (mehrtägiges Festival) zu besuchen, eines der wohl interessantesten Ereignisse unserer Zeit. 2005 zog es mich nach Nord Kalifornien. Ich lebte je drei Jahre in San Francisco und in Berkeley, wo ich meinen Bachelor in Peace and Conflict Studies machte. Während dieser Zeit belegte ich ein Auslandsm u t & l i e b e Dez./Jan./Feb. 2013/14

Ghana Soccer Game 2007

Aufgewachsen in Offenbach studierte Mathias Zeumer in den USA Peace and Conflict Studies und ist nunmehr weltweit in Sachen Frieden unterwegs

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University of Ghana

API Conference in Istanbul

Machu Picchu Peru 60

semester in Ghana, West Afrika, für sechs Monate. Auch durch meine diversen Erfahrungen in LA, meinem umfangreichen Studium in der KonfliktForschung und durch meine Auslandserfahrungen in Süd Amerika und West Afrika, gelangte ich nach Oregon, um dort meinen Masters in Conflict and Dispute Resolution zu belegen. Im Zuge meines Studiums absolvierte ich ein fünf monatiges Praktikum in Ost-Jerusalem und arbeitete mit einer NGO an der lokalen und internationalen Förderung der Arab Peace Initiative (API). Meine Masters Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie wahrscheinlich die erfolgreiche Durchführung einer Friedensinitiative wie der API in der momentanen Lage des Nahost-Konflikts ist. Vergessen habe ich Offenbach, wie gesagt, nie! Eine der Stärken Offenbachs, wenn auch nicht immer einfach, ist, dass wir eine Stadt mit einer Vielzahl von Menschen mit verschiedenen ethnischen und kulturellen Wurzeln sind. Dadurch habe ich schon früh viel über andere Länder, Kulturen und über Menschlichkeit generell gelernt. Ich lernte schnell, dass Offenheit, gegenseitiger Respekt, und Neugier – anstatt Vorurteilen – für aufrichtiges Verständnis sorgen und einen im Leben am Weitesten bringen. Ich lernte natürlich auch, dass es Ungleichheiten in unserer Gesellschaft (sowie auch in vielen anderen Städten und Ländern) gibt, und dass Rassismus und Xenophobie längst nicht überstanden sind. Es ist nirgendwo leicht mit Verschiedenheiten umzugehen, oder in Schmelztiegeln („melting pots“) zu leben. Aber es ist möglich und in jedem Fall interessant. Meine Zeit in Offenbach hat mich auch sehr viel für mein jetztiges, internationales Leben gelehrt. Egal ob als Einwanderer in die USA, oder wo auch sonst ich als Ausländer und kulturell Außenstehender lebte. Die multikulturelle DNA unserer Stadt hat es mir ermöglicht, mich nahezu fließend in vielen anderen Ländern und Kulturen wohl zu fühlen und nicht meine eigene Kultur als dominant vorauszusetzen. Auch für meine Arbeit in der internationalen Konflikt-Forschung haben mich diese Erfahrungen geprägt. Ich bin deshalb stolz und froh Offenbacher zu sein! Ich wünsche mir, dass wir Offenbacher unsere kulturelle Vielfalt als Stärke und Chance verstehen, und Respekt und Offenheit immer den Vorzug geben. Genau das bedeutet für mich ein Leben mit Mut und Liebe zu leben. Und für die Kickers wünsche ich mir drei Aufstiege in Folge! m u t & l i e b e Dez./Jan./Feb. 2013/14


Offenbacher HallenfußballStadtmeisterschaften „Ring Center-Cup“ 10.01. – 12.01.2014 ESO-Sportfabrik, Mainzer Ring 150

Offenbacher Weihnachtsmarkt 25.11. – 23.12.2013 Rund um das Rathaus, Offenbach Lichterglanz und Maronenduft zwischen Einkaufscenter und denkmalgeschütztem Rathaus. Bei einem Bummel entlang der festlich geschmückten Buden des Offenbacher Weihnachtsmarktes kommt weihnachtliche Vorfreude auf. Auf dem Aliceplatz und entlang der Frankfurter Straße verzieren rund 25.000 LED Lichter die Festmeile. Hell erleuchtet lockt die 12 Meter hohe und festlich geschmückte Glühweinpyramide zum Verweilen und Aufwärmen. Pop- und Gospeldarbietungen, Chorgesang oder Theater- und Märchenaufführungen bestimmen das täglich wechselnde Rahmenprogramm auf der Bühne.

LEDER PALAST

Das Offenbacher Sportjahr beginnt traditionell mit den Hallenfußball-Stadtmeisterschaften. Vierundzwanzig Männermannschaften und vier Frauenteams spielen an den drei Tagen um die Titel. Eintritt: pro Tag 4,00 Euro (ab 12 Jahren). Spielbeginn: Fr., ab 17.30 Uhr, Sa.,ab 10.00 Uhr, So., ab 9.30 Uhr

TheaterEssenz Offenbach Der Diener zweier Herren

Faust – EinE dEutschE VolkssagE Faust- eine deutsche Volkssage MusikalischE BEglEitung: B. dEutung & RichaRd PaPPik

stummfilm & ton

FREitag 10.01.14

10.01., 20.00 Uhr • Lederpalast (Kino im Deutschen Ledermuseum OF) b. deutung (u.a. The Inchtabokatables, Deine Lakeien, Subway to Sally) und Richard Pappik (Element of Crime) werden an diesem Abend Murnaus Faust packend mit Cello, Klavier und so manch anderem Klangwerkzeug vertonen.

TheaterEssenz Offenbach Homo Faber 18.02., 19.30 Uhr (Einführung 18.45) Capitol Theater, OF Gastspiel der Badischen Landesbühne Der erstmals 1957 veröffentlichte Roman von Max Frisch wurde schnell zu einem Klassiker der modernen Literatur. Im Mittelpunkt der vielbeachteten Inszenierung von Carsten Ramm steht Ingenieur Walter Faber, der an die Technik und die Beherrschbarkeit der Welt glaubt. Bis zu dem Zeitpunkt, als er sich in seine eigene Tochter verliebte. Mit dieser Liebe veränderte sich sein ganzes Leben…

Gastspiel der Wuppertaler Bühnen Goldoni, 1707 in Venedig geboren, schrieb über 200 Theaterstücke. Seine Komödie “Der Diener zweier Herren“ ist eines der beliebtesten und erfolgreichsten Lustspiele der Weltliteratur.

CapitolClassicLounge Harold Lloyd‘s "Safety Last"

(Stummfilmklassiker)

Großstadt 1923 Ein Bild für eine ganze Epoche: Hier ist Harold Loyd so sehr Ikone wie sein Zeitgenosse Charlie Chaplin: sich mit beiden Händen am Uhrzeiger festhaltend, hoch über dem New Yorker Straßenverkehr, frei über dem Abgrund. Die komödiantische Alpensinfonie für den städtischen Kletterer schrieb der exzellente amerikanische Stummfilmfachmann Carl Davis lange Jahre nach dem Film – sie ist aber gleichwohl perfekt aus dem Geist der Zeit ein rauschendes Stummfilmvergnügen erster Klasse. Dirigent: Jens Troester

Eintrittskarten: OF InfoCenter, Salzgäßchen 1, OF Tel. 069/ 8065 – 2052 E-Mail: info@ofinfocenter.de

Die beiden Babenhäuser Pfarrer Hans-Joachim Greifenstein und Clajo Hermann sind inzwischen eine feste Größe in der hessischen Kaberettszene und spielen vor ausverkauften Häusern. Am 7. Februar starten sie mit ihrem neuen Programm „Hänsel in Bethel“ einen Frontalangriff auf die Lachmuskeln der Besucher im Büsingpalais.

16.01., 19.30 Uhr (Einführung 18.45) Capitol Theater, OF

02.02., 17.00 Uhr (Einführung 16.00) Capitol Theater, OF Stummfilm und ton

1. Babenhäuser Pfarrerkabarett 07.02.,20.00 Uhr • Büsingpalais

20 Jahre Rock’n‘ Roll Fasching Offenbach 28.02., 19.30 Uhr • Stadthalle OF Zum Jubiläumsjahr werden namhafte Bands für Stimmung in der Stadthalle sorgen: Die größten Hits der deutschsprachigen Schlagerszene aus drei Jahrzehnten stehen im Mittelpunkt des Programms von Tom Jet und seinen „Schlagergiganten“. Rockmusik vom Feinsten präsentieren Teresa Kästel und ihre Prestigious-Band. Spätestens wenn die Hits „Erbarme die Hesse komme“ und „Ei gude wie“ von den Stargästen des Abends, den Rodgau Monotones, erklingen, hat die Jubiläumsveranstaltung ihren Höhepunkt erreicht.

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vor weihnachten… Unsere Tipps gegen Weihnachtsstress... und für die letzten Geschenkideen.

Sa. 07.12. *13.00 – 19.00 Uhr Bernard lädt ein... 350 Meter Bernardstraße, die Sie nicht verpassen sollten. Im Offenbacher Nordend laden die drei auf Leib und Seele spezialisierte Institutionen zum gemeinsamen Weihnachtsbummel. Ganz egal, ob Sie bei den Genussverstärkern am Goetheplatz mit ausgewähltem Wein & Whisky beginnen oder zuerst im Atelier für Fotokunst eine schicke neue Dekoration für die Wände Ihrer Lieben suchen. Beide Wege führen dazwischen zur Strandperle mit Unikatschmuck und anderen schönen Dingen. Atelier für Fotokunst (Bernardstr. 23), Strandperle (Ecke Bernardstr./ Taunusstr.), Die Genussverstärker (Bernardstr. 63a/ Goetheplatz)

Fans: unser erster Für alle Offenbach r 8,– Euro bei: K a le n d er fü m u t & li eb e offenbach.de oder info@mutundliebeEinzelhandel u.a. in OF in Buchläden,

BOK – SUPERLADEN Gute Kunst zu kleinen Preisen! Im inzwischen legendären SUPERLADEN bieten 14 Künstlerinnen und Künstler in der City Passage eine große Auswahl kleiner bis mittelformatiger Kunstwerke in Form von Malerei, Zeichnung, Grafik, Fotografie und Objekten zu Superladenpreisen an. Wer einmal etwas Besonderes unter den Baum legen möchte, wird hier gewiss fündig.

SUPERLADEN

Temporäre Galerie Frankfurter Str. 39 | OF

07. bis 23. Dez & 29. Dez. (Verkaufsoffener So.) Geöffnet: 12.00 – 19.00 Uhr Eröffnung: Fr. 06. Dezember, 19.00 Uhr BOK Bund Offenbacher Künstler e. V.

www.bok-of.de

DER HOBBIT: SMAUGS EINÖDE in absoluter Brillanz im CinemaxX Der Filmemacher Peter Jackson präsentiert "Der Hobbit: Smaugs Einöde", den zweiten Film der dreiteiligen Kinofassung des populären Meisterwerks "Der Hobbit" von J.R.R. Tolkien. In "Der Hobbit: Smaugs Einöde" setzt Titelheld Bilbo Beutlin das Abenteuer seiner epischen Mission fort: Zusammen mit Zauberer Gandalf und 13 Zwergen unter der Führung von Thorin Eichenschild versucht er das verlorene Zwergenreich Erebor zu befreien. Filmstart: 12.12. Double: 11.12. ab 20.00Uhr Preview: 12.12. ab 0.01 Uhr www.cinemaxx.de

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4 Zimmer & Garten

Am Wilhelmsplatz, Bleichstr. 43 Decke & Tuch, Glas & Geschirr, Kissen & Kerze, Bank & Stuhl… wer jetzt noch keine Geschenkidee für Weihnachten hat, sollte sich von den schönen, hochwertigen Produkten in 4 Zimmer & Garten am Wilhelmsplatz inspirieren lassen. Das passende Papier und Schleifchen gibts auch im Sortiment. Di., Do., Fr. 10.00 - 18.00 Uhr Sa. 10.00 - 14.00 Uhr, Mo. und Mi. geschlossen

So. 15.12. • Beginn: 16.30 Uhr Konzert: Tess Wiley Hafen 2 Kleine Bühne, Eintritt frei Von Texas nach Gießen: Der Liebe wegen ist Tess Wiley vor einigen Jahren in die hessische Provinz gezogen. Ihre Musik ist trotzdem noch immer purer amerikanischer Folkrock. Eine Gitarre, eine prägnante Stimme und viel Gefühl davor, was einen eingängigen Popsong ausmacht, zeichnen Tess Wiley aus. www.tesswiley.com Weitere Infos: www.hafen2.net

Di. 10.12. • 11.00 Uhr Weihnachtsgans Auguste

Nach dem Kinderbuch von Friedrich Wolf Figurentheater Eigentlich, Frankfurt/M. Ab 4 Jahren Opernsänger L. Löwenhaupt bringt in weihnachtlicher Vorfreude bereits im November eine dicke lebendige Gans mit nach Hause. Doch bis es soweit ist, freundet sich Söhnchen Peter mit dem zukünftigen Weihnachtsbraten an. Peter und „seine Gustje“ werden schier unzertrennlich und es wird selbst dem heldenhaften Opernstar nicht leicht, Gans Auguste in den Topf zu bekommen. Freche Komödie in 3 Akten mit Puppen, Menschen & Musik von W.A. Mozart. Kindertheatertage im Theateratelier Bleichstr. 14 H www.theateratelier.info

artefakt LADEN Starkenburgring 4, Tel. 8509380 - 0, Of

Taschen und Fahrräder! In den neuen

Räumen von artefakt im Starkenburgring gibt es nun auch genug Platz für die außergewöhnlichen Fahrräder von Skeppshult, ROETZ, u.a. nebst Zubehör und Sonderteilen. Und Lieblingstaschen sowie aussergewöhnlichen Schmuck und Kleinigkeiten von ausgewählten Designern aus aller Welt. Die ausgefallenen und schönen Produkte gibt es in allen Preissegmenten, einen guten Espresso dazu gratis. Di. bis Fr.: 10.00 – 19.00 Uhr, Mo. geschl. Sa. 10.00 – 14.00 Uhr (& nach Vereinbarung)

www.artefakt-offenbach.de

© Petra Bork & Yorma Bork, pixelio.de

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Go u r m e t nomie, das regelmäßig internationale Preise gewinnt. Betritt man den Verlag, so sieht man auf der einen Seite des Ganges das vorstellbare Durcheinander eines Verlages: Überbordende Schreibtische, Bücher, Zeitungen, Papier, Computer. Auf der anderen Seite des Ganges Kartons mit Gläsern und Flaschen bereit zur Auslieferung. Türen, hinter denen sich Regale mit Senfsaat, Essig, Gewürzen befinden und eine sehr aufgeräumte Küche, große Töpfe, Schüsseln und eine lustigen Maschine. Hier wird gekocht, verkostet, gemixt, was später mit der lustigen Maschine abgefüllt wird. Offenbacher Senf, Wiesbadener Senf, Offenbacher Currysauce (Block 2 prooved), Black Forest Senf und vieles mehr; Das komplette Programm nachzulesen: www.kornmayers.de

scharfe sache!

Text & Fotos von Thomas Lemnitzer

Es gibt ihn bei L'ABBATE, in Jaques‘ Weindepot, bei Heidi auf dem Markt, bei Villa Vinum und in zahlreichen Delikatessenläden rund um Offenbach. Die Rede ist vom „Offenbacher Senf“. n Offenbacher Senf? Senf: 3000 Jahre altes Heilmittel, Gewürz, Aphrodisiaka, von einem Pabst schon mal unter besondere Aufsicht gestellt, ob aus Tube oder Glas. Es gibt ihn auch mit dem besonderen Lokalkolorit. Die Verkostung überzeugte, also fragt man sich, wer denn auf so eine Idee kommt (zumal es auch noch „Frankfurter Senf Offenbacher Ausgabe“ gibt). Die Spur führt nach Dreieich. In einem unscheinbaren Hof residiert der Verlag „Gebrüder Kornmayer“. Evert Kornmayer, ehemaliger Unternehmensberater, und Christoph Kornmayer, Architekt, haben ihre Leidenschaft für gutes Essen, kulinarische Extravaganzen und Bücher gebündelt. Was mit einem Krimi aus dem fiktiven Hessischen begann, ist heute ein mit vielen Preisen ausgezeichneter Verlag für Kochbücher, Weinbücher und Mitherausgeber von PORT CULINAIRE, einem Magazin für die gehobene (abgehobene) Gastro64

Das mit dem Senf und den Soßen war eher Zufall, so um 1999. Beim Wälzen alter Rezepte für ein regionales Kochbuch, fand man auch eine Soße, die, gedacht zu Fisch, ausprobiert werden sollte. Einem befreundeten Gemüsehändler wurden die ersten Gläser zur Eröffnung seines Ladens als Mitbringsel übergeben. Diese fanden so reißenden Absatz, dass an ein Aufhören nicht zu denken war. Nachschub musste her. Und da man so schön am Experimentieren war, die heimische Küche zu klein wurde, zog man bald nach Dreieich in die Behring Str. 1-3 um. Nun hatte man Senf, Soßen und Kochbücher unter einem Dach. Es sind Verbundenheit und das Augenzwinkern, die Gebrüder Kornmayers Produkte zu etwas Besonderem machen. Kommen doch Kräuter und Gewürze vom Offenbacher Markt. Der Wiesbadener Hautevolee wird der Wurstdip mit Sekt verfeinert, der „Offenbacher“ wird mit den Gewürzen von „Pfeffernüssen“ hergestellt. Leider gibt es in Offenbach keinen Bäcker mehr, der diese, weit über Offenbachs Grenze hinaus bekannte, Spezialität herstellt. Dafür haben wir den Senf. Die Currysoße muss Ihre Bewährungsprobe im Kickers Stadion absolvieren und auch Langener, Darmstädter, Kasselaner haben so ihre Spezialitäten. m u t & l i e b e Dez./Jan./Feb. 2013/14


„BuchRabe“

mNeuer u t & lBuchladen i e b e in Bieber leute

Auch auf Verlegerseite zeigt sich Kornmayer der Nische verpflichtet und hat Erfolg. Dabei kommt auch hier der Drang zum Experiment, der Exotik nicht zu kurz. Ein holländisches Kochbuch, dass die Niederländer gerne in ihre Sprache übersetzt hätten, peruanische Küche, eine Sammlung australischer Rezepte, „Alte Frankfurter Küche“ und aus Offenbach „Marktküche neu entdecken“. Die Vielfältigkeit hat Qualität, wie die Goldmedaille der Gastro Akademie Deutschland für „Sake“, ein Buch über Reiswein, auf der diesjährigen Buchmesse beweist. Wer nicht alles selber kochen muss, wem aber wohlige Schauer beim Studieren von außergewöhnlichen Rezepten über den Gaumen laufen und wer auch sonst hart im Nehmen ist, dem sei abschließend „Das kulinarische Necronomicon“ empfohlen. Da flirtet der Dachhase mit dem Igel und die Schlange läuft der Schildkröte den Rang ab.

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Offenbach-Bieber hat wieder eine Buchhandlung. Buchhändler Bertram Schmitt eröffnete im November nach Umbau seinen Buchladen an der Seligenstädter/Ecke Oberhofstr.. Bücher aller Art spielen dort künftig die Hauptrolle. Das Buchsortiment ergänzt Schmitt durch ein feines Angebot an Hörbüchern, Geschenkartikeln und Grußkarten sowie Gesellschaftsspielen. Als besonderen Service für Musikerinnen und Musiker bietet der „BuchRabe“ die Besorgung von Musiknoten. Und auch sonst erfüllen Bertram Schmitt und sein Team gerne die Bestellwünsche ihrer Kundinnen und Kunden – aus Bieber und überallher. BuchRabe, Alt Bieber 1, Offenbach/Bieber Tel.: 069/898888 • info@buchrabe.de www.buchrabe.de Öffnungszeiten: Mo., Di., Do. und Fr. 9.30 – 13.00 Uhr und 15.00 – 18.00 Uhr. Mi. und Sa. 9.30 – 13.00 Uhr.

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ein leben für den rock'n'roll... Rock'n'Roll ein Leben lang – Lutz Vegas V8 Wankers

n Eine Kolumne über die Lebenseinstellung „Rock n Roll“ in Mut&Liebe? Wie passt das zusammen? Ganz einfach, es gehört immer Mut dazu sich zu etwas zu bekennen was als nicht gesellschaftsfähig und rebellisch gilt und bei dem man auch öfters aneckt und dazu benötigt man eine unbändige Liebe zu der jeweiligen Lebenseinstellung. Aber das soll hier ja kein philosophischer Lehrgang werden sondern eine kleine aber feine Kolumne die Menschen aller Art vorstellt die die Berufung „Rock n Roll“ zu ihrem Beruf gemacht haben, egal ob Musiker, Veranstalter, Tätowierer oder wer auch immer und das Ganze mit einem Augenzwinkern betrachtet. Diesmal im Visier, der Offenbacher Bub und Sänger der international erfolgreichen Band V8 Wankers,

Lutz Vegas. Seit mittlerweile 13 Jahren sind die V8 Wankers in Sachen Punk-n-Roll unterwegs und haben im Mai ihr siebtes Album „Got Beer?“ veröffentlicht. Mit Songs wie „OF-City The Place To Be“ bekundete die Band immer wieder ihre Verbundenheit zu Offenbach. Neben seiner Liebe zur Musik fand Lutz früh Gefallen an Tattoos, Motorrädern und amerikanischen Autos. So lernte Lutz auch mal Zweiradmechaniker, fuhr eine Harley und einen El Camino. Mittlerweile, um einiges bunter am Körper, fährt er ein Oldsmobile 442 und ist mehr in der Welt unterwegs als zuhause hier in Offenbach. Und auch wenn heutzutage Tätowierungen gesellschaftsfähig sind, so stellen sie für Lutz Vegas ein klares Statement dar – „Ich bin wie ich bin und lasse mich nicht verbiegen, also versucht es erst gar nicht!“. Oder um einen weiteren V8 Wan66

von AR GEE

kers Song zu zitieren: „You Don’t Like Us, We Don’t Care“. Lutz hat eine klare Vorstellung von dem was er macht und wie er es macht. „Geht nicht, gibt’s nicht“ ist sein Lebensmotto. Dieser Weg ist nicht immer einfach und wo andere auf ein festen Job und Familie setzten, stand für ihn immer die Musik an erster Stelle. Laut Lutz sind die V8 Wankers mehr als eine Band, sie sind wie eine Familie und auch wenn er mittlerweile ruhiger geworden ist, der Rock'n'Roll steht für ihn immer noch an erster Stelle. Das merkt man auch und besonders bei Konzerten wie letztens bei der Show im Nachtleben in Frankfurt. Da wird alles gegeben und die Fans feiern mit der Band eine riesen Party. Aber es ist beileibe nicht alles nur Party, auch als kreativer Mensch und Rock'n'Roller muss man essen, trinken und Miete zahlen und das Geld will schwer verdient sein. An Konzerttagen werden locker mal 1.000 km im Auto zurückgelegt, man fährt selbst, kommt im Club an, baut alles selbst auf, macht Soundcheck und gibt dann 90 Min. Vollgas auf der Bühne. Danach noch Autogramme und Smalltalk mit den Fans, da kommen leicht mal 16 Stunden pro Tag zusammen an denen man fit sein muss. Und an den anderen Tagen schreibt er Songs, gibt Interviews oder bespricht Marketing- und PR-Strategien. Ach ja, und ab und an trifft man Lutz auch in Offenbachs Gaststätten am Wilhelmsplatz wie z.B. der Brasserie oder dem Markthaus. Also immer mal nach einem bunten „Rocker“ Ausschau halten, der auf Jagd nach Handkäs und Äppler ist. m u t & l i e b e Dez./Jan./Feb. 2013/14


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CD tipps von udo boll Dezember, schlechte Zeiten für notorische CD Vielkäufer. Mit nervösem Blick und kleinen Schweißperlen auf der Stirn schleicht er durch die Gänge des Elektro Supermarktes. Interessante Neuheiten? - Fehlanzeige! Jahreshitparaden, lieblose „Greatest Hits“ Zusammenstellungen oder „Lieschen Müller singt die schönsten Weihnachtslieder“ starren ihn aus den Regalen an. Helene Fischer schmiegt sich an David Garrett, beobachtet von Andre Rieu, der mit dem anderen Auge neidisch auf den Semino Rossi Stapel schielt. Eine prima Gelegenheit durch die Fächer zu stöbern und Musik zu entdecken, die im Laufe des Jahres übersehen oder ignoriert wurde. Hier sind meine

H ö r b ar

berry blue Jazz 'made in Offenbach'

Highlights des Jahres 2013:

*Nick Cave And The Bad Seeds – Push The Sky Away (Bad Seed Ltd. - Good to go)

*Hanni El Khatib – Head In The Dirt (Vertigo – Universal) *Black Sabbath – 13 (Mercury – Universal) *Karnivool – Asymentry (Cymatic Rec. - Sony Music) *Queens Of The Stone Age – Like Clockwork (Matador – Indigo) *Vampire Weekend – Modern Vampires Of The City (XL – Indigo) *Watain – The Wild Hunt (Century Media – Universal) *Villagers – Awayland (Domino – Good To Go) *Tony Joe White – Hoodoo (Yep Roc – Cargo) *James Blake - Overgrown (Polydor - Universal)

In Offenbach schon lange zuhause und bekannt: der charmante Sänger Berry Blue. Den 'singenden Apotheker' kennen manche noch als Schlagzeuger bei der Headline Bluesband oder Sänger bei Schall und Rauch, bei den Crossroads u.a. Mit der Gründung der BERRY BLUE BAND 1996 wendete er sich dem Jazz zu. Rechtzeitig zu Weihnachten präsentiert Berry nun seine neue CD: 'Eine Nacht voller Seligkeit' mit aufgepeppten, entstaubten und verjazzten Lieder aus Filmen der 20er bis 50er Jahre. Christoph Aupperle am Piano und Vibraphon zusammen mit Berrys Sohn Julian Kessler an der Gitarre, haben die Titel der CD arrangiert, Soli kommen von Hans Rück am Saxofon, Rhythmus liefern Giovanni Gulino am Schlagzeug, Thore Benz am Kontrabass. Beim traditionellen Jazz-Neujahrskonzert am 5. Januar im Ledermuseum ist Berry Blue live hören. Fünf exzellente Musiker begleiten ihn: Christoph Aupperle (Vibraphon), Uli Schiffelholz (Schlagzeug), Alex Heilmann (Kontabass & E-Bass), Hans Rück (Saxophone) und Julian Keßler (Gitarre). Die Zuhörer werden eine interessante Mischung aus verschiedenen Rhythmen, Sprachen und Klangbildern erleben. Songs der neuen CD und ausgewählte, neuarrangierte Jazz Evergreens bilden das Programm. Neujahrs-Jazz im Ledermuseum (DLM) So. 5 Januar 2014, 12.00 Uhr Eintritt: 12,- Euro, Karten ab Mitte Dezember im DLM 67


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Taunusstr. 19 • www.die-weinstube.eu

Noch bis Weihnachten: Gänse-Essen in der Weinstube Im Dezember bereitet der neue Koch in der Weinstube auf Vorbestellung ein traditionelles Gänse-Essen. Der knusprige Gänsebraten auf eigener Jus mit hausgemachtem Apfelrotkohl & Kartoffelklößen (24,50 Euro pro Portion) kann noch mit einer Portion Maronen in Rotweinjus ergänzt werden. Guten Appetit! Nur auf Vorbestellung!! Tel. 069/88 42 56, info@die-weinstube.eu

06., 07. u. 08. Dez. | 1. Bürgeler KunstMarkt im Nachbar Kunstraum Bürgel, Langstr. 30, Bürgel Unter dem Leitmotiv 'Gute Kunst gibt es nicht umsonst' veranstalten Julius J. Jonasch und Theresa B. Buschmann in diesem Jahr den ersten Bürgeler KunstMarkt. Bilder und Plastiken von Anja Hantelmann, Julius J. Jonasch, Katrin Köster, Johannes Kriesche, Kerstin Laakmann, Karin Nedela, Eva Reuss, Roza Rueb und Georgia Wilhelm werden zu sehen und zu kaufen sein. Lesungen von Bernd Aretz und Roza Rueb, Theresa Buschmann und Performance von Ina Juretzek bilden den unterhaltsamen Rahmen. Kunstolaus kann kommen.... Was für eine Bescherung. Fr. 6.12.: 14.00 –20.00 | Sa. 7.12.: 11.00 - 23.00 | So. 8.12: 14.00 –18.00 |

S t a d t m a g a z i n

So. 15. Dez. | Les premiers vins de Languedoc-Roussillon Mehr als 8000 km ist er gefahren, mehr als 300 Weine probiert um die Top-Weine dieser südlichsten Weinregion Frankreichs zu finden und zusammen zu stellen. Wir haben einen der wenigen wirklichen Experten für diese Weinregion eingeladen und er wird Ihnen die Crème de la Crème vorstellen, Weine, die sich gegenüber denen aus den renommierten Weinregionen nicht verstecken müssen. Anmeldung: info@die-genussverstaerker.de Beginn 16.00 Uhr, 38,- Euro/Person

stubenmusik 14

offenbach am meer

Fr. 10. Jan. | Geoff Farina - Gentleman der Indie-Welt Stubenmusik-Veranstalter Kai Schmidt von OFFENBACH AM MEER freut sich: „Farina ist einfach ein Held von mir und ein wahrer Gentleman. Mit seiner Band Karate hat er in den Neunzigern einen einzigartigen Sound geschaffen, der sich aus den besten Essenzen der Sparten Indie-Rock, Jazz und Postrock zusammensetzte. Karate war bis zu deren Auflösung 2005 nie wirklich berühmt, hat aber weltweit eine erkleck-liche Fanschar gehabt.“ Der exzellente Gitarrist und Songwriter tourt nur noch selten in Europa und hat sich in den letzten Jahren eher den traditionellen amerikanischen musikalischen Wurzeln zugewandt. Für die kommenden Konzerte wird er erstmalig wieder Hits aus alten Karate-Tagen solo zum Besten zu geben. Bitte rechtzeitig Karten unter adticket.de oder im OF-Info-Center reservieren, da sicherlich zu den seltenen Konzerten von Geoff Farina zahlreiche Fans anreisen werden. Weinstube, Taunusstr. 19, Eintritt: VVK: 12,- / AK: 14,68

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Er l e b e n

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KJK Sandgasse

Sandgasse 26 | OF | Tel.: 069 8065-3969 |VVK: www.ad.ticket.de – KJK

Sa. 07. Dez. | Schabbach Eintritt AK 5,- E, Einlass 20.00/Beginn 21.00 Sa. 14. Dez. & 11. Jan. | Kopfüber in die Nacht Querbeatdisco mit DJ Woodstock „All you can dance“. ab 21.00 – 3.00 Uhr, Eintritt: 5,– Euro, bis 22.00 Uhr Eintritt frei!

Sa. 21. Dez. | The Last One! Abschiedsparty - nach 30 Jahren Musik und Theater - Danke an Joachim Veit Eintritt frei, Einlass 20.00 / Beginn 20.30 Uhr

Di. 25. Jan. | Tu-es-day: Open Stage Session, Eintritt frei, 20.30 Uhr Fr, 07. Feb. | Lake Einlass 20.00 Uhr, Beginn 21.00 Uhr, Eintritt 13,- E, VVK zzgl. Gebühr/16,- E AK der Auftakt zur 2014er Deutschlandtournee mit CD-Release Eine Stil-Mischung aus den Beach Boys, Doobie Brothers und Steely Dan - neben Lead-Sänger James Hopkins-Harrison bietet dieses Quintett ausgefeilte vierstimmige Harmonies ebenso jazzrockige Grooves und Soli von Weltklasse.

Sa. 15. Feb. | Hundred Seventy Split Einlass 20.00 Uhr, Beginn 21.00 Uhr, Eintritt 14,- E, VVK zzgl. Gebühr/18,- E AK BluesRock der TEN YEARS AFTER Musiker Leo Lyons und Joe Gooch (Veranstaltungsauswahl, alle Infos: www.offenbach.de/offenbach/themen/ unterwegs-in-offenbach/vk-kjk-sandgasse-konzerte/)

HAFEN 2  SPECIAL: Silvester im Hafen 2 Di. 31.12., 22.00 Uhr, VVK 12.-/AK 15,- E Vier Musikkollektive der Region kümmern sich um das Programm: Stadt am Meer, Follow, Klangdynamik und Funky Fresh. Die visuelle Gestaltung inszeniert: "lichtan:lichtaus". Weitere Highlights werden eure Stunden bis zum späten Morgengrauen versüssen, diese verraten wir allerdings erst vor Ort. Kommt vorbei.

Hafenkino im Dezember und Januar | 19.30 Uhr, Eintritt. 5,- Euro

Reservoir Dogs. Tarantinos unerreichtes Erstlingswerk am 24.1. im Hafenkino.

 FR 06. Dez.: Der Vorname  FR 13. Dez.: Take Shelter – Ein Sturm zieht auf  FR 20. Dez.: Gloria  FR 27. Dez.: Stirb langsam  FR 03. Jan.: Drive  FR 10. Jan.: L.A. Confidential  FR 17. Jan.: GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia  FR 24. Jan.: Reservoir Dogs  FR 31. Jan.: Departed – Unter Feinden Programminfos: www.hafen2.net 69


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bam Buchladen am Markt Wilhelmsstr. 12, www.buchladenammarkt.de, Reservierung: Tel. 883333 Mo. 9. Dez. |19.00 Uhr | Lilitempel, Herrnstr. 100 | Lesung mit Doris Bezler Doris Bezler ist Lehrerin und stellvertretende Schulleiterin der Schillerschule in Offenbach. Sie schreibt seit vielen Jahren, oft auch Geschichten für ihren Unterricht. Sie liest aus ihrem neuen Krimi: Das verschwundene Kind Eine Veranstaltung des Netzwerkes Frauen für Offenbach in Zusammenarbeit mit dem bam. Eintritt 5,- Euro, Karten auch im bam Buchladen. Do. 12. Dez. |20.00 Uhr | bam Buchladen | Offenbacher Nachtstücke Ida Todisco stellt ihr neues Buch Offenbacher Nachtstücke vor. Zwischen Sonnenuntergang und -aufgang war sie in den vergangenen drei Jahren in Offenbach unterwegs. Die elf Nachtstücke erzählen u.a. von Fahrten mit einer Taxifahrerin, vom Schlafen & Arbeiten im Hotel, vom Zelten am Mainufer, vom nächtlichen Backhaus und ungewöhnlichen Orten.

Theater im t-raum Wilhelmstr. 13, OF, www.of-t-raum.de Die t-raum Produktionen: Gut gegen Nordwind, Achterbahn, Knock oder der Triumph der Medizin und das Gespenst von Canterville stehen weiter auf dem Programm. (Termine und Infos: www.of-t-raum.de). Außerdem: Special: Winterfest 2014 mit Programm Wie jedes Jahr startet der t-raum mit seinem traditionellen Winterfest ins Neue Jahr. Neben Musik, Gespräch und kleinen Häppchen gibt es auch diesmal wieder theatralisch-literarisches: das t-raum-Ensemble liest und untermalt stimmungsvoll Lieblingstexte von Loriot bis Woody Allen. Sa. 04.01.14 | Einlass ab 18.30 Uhr. Beginn: 20.00 Uhr. Reservierung unbedingt erforderlich!!! PREMIERE: Schatten der Nacht Schwarze Komödie nach dem Stück „Tod“ von Woody Allen t-raum-Produktion mit Sarah C. Bauman/Elena Hahn, Birgit Schön, Frank Geisler Der Bürger Kleinman sieht sich mitten in der Nacht geweckt und ist plötzlich Teil eines mysteriösen Plans: ein wahnsinniger Mörder treibt in der Stadt sein Unwesen. Auf seinem Weg durch die nächstlichen Straßen begegnet er merkwürdigen Gestalten und seinen eigenen Ängsten. Spannend, absurd und komisch: einfach Woody Allen! Fr. 14.02., Sa. 15.02., Sa. 22.02.; Sa. 01.03., Fr. 07.03., Sa. 08.03., Sa. 15.03.14 | 20.00 Uhr | Reihe WortKlangRaum: A Capella vom Feinsten mit „pentaphonix“ Deutschsprachige Versionen fremdsprachiger Titel von Sade bis Uncle Cracker Sa. 08.02.14 | 20.00 Uhr | 70

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Kindertheater im Theateratelier Bleichstr. 14H, 63065 OF | www.theateratelier.info

Kindertheatertage 10. – 15. Dez. (Veranstalt. Kulturbüro) Weihnachtsgans Auguste Figurentheater Eigentlich, Frankf., ab 4 Jahren (s. S. 63) Di. 10. Dez. | 11.00 Uhr |

Der unheimliche Besuch Theater La Senty Menti, Frankf., ab 6 Jahren Der Junge Husch ist allein zu Haus, sitzt am Fenster – da öffnet und schließt sich plötzlich das Hoftor, als ob jemand zu Besuch käme. Es ist aber niemand zu sehen und doch hat der Husch das Gefühl, ein Gesicht schaue durchs Fenster in die Stube hinein… Mi. 11. Dez. | 11.00 Uhr | Die Kuh Rosmarie von Andri Beyeler, Ensemble Theateratelier 14H (ab 5 J.) Theaterdonnerstag (Veranst. Kulturbüro): Do. 12. Dez. | 11.00 Uhr | Süßer Sonntag (für Familien): So. 15. Dez. | 15.00 Uhr | Theaterdonnerstag im Februar (Veranst. Kulturbüro): Der Teufel mit den drei goldenen Haaren Ensemble Bleichstraße 14H (ab 6 J.) Do. 13. Feb. | 11.00 Uhr | PREMIERE

"Ich und Du" Ensemble Bleichstraße 14H (von 5 – 10 J.) Ein Stück über Freundschaft, Angst, Mut, Streiten und Vertragen von Ingeborg von Zadow. Mit Ulrike Happel und Sabine Scholz. Do. 27. Feb. | 11.00 Uhr |

Yoga for the Cure So. 19. Jan. | ab 14.00 Uhr | Gemeinsam gegen Brustkrebs. Im Januar findet der zweite deutschlandweite Yoga for the cure Day statt. Die Teilnahme erfolgt auf Spendenbasis. Der erzielte Erlös wird an Susan G. KOMEN Deutschland e.V., Verein für die Heilung von Brustkrebs weitergeleitet. Auch SamanaYOGA ist mit dabei! Infos & Anmeldung: www.samanayoga.de

BOK - Bund Offenbacher Künstler ww.bok-of.de Galerie Salon 13 Kaiserstraße 13, OF, Mi. und So. 15.00 bis 18.00 Uhr BOK - SUPERLADEN - Temporäre Galerie - Gute Kunst zu kleinen Preisen Frankfurter Str. 39 07. – 23. Dez. | 12.00 – 19.00 Uhr |Vernissage: Fr. 06. Dez., 19.00 Uhr |

Ausstellungsraum Eulengasse im Kooperationsprojekt 13/16 01. – 23. Feb. |

Kerstin Zollna (Gast) und Richard Köhler (bok) 01. – 23. März | 71


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s e h e n sw e r t

sehenswert n DLM Deutsches Ledermuseum/Schuhmuseum www.ledermuseum.de Di. bis So.: 10.00 bis 17.00 Uhr Eintritt: 6,00 e /erm.: 3,00 e

DLM Deutsches Ledermuseum Frankfurter Str. 86, OF Aktuell zeigt das Ledermuseum seine Schätze aus Ankäufen des engagierten Fördervereins. Sehens- und hörenswert sind ebenfalls die interessanten Sonntagsführungen zu ausgewählten Themen, (Ticket für Führung und Besuch in allen Sammlungen: 8,- e pro Person, Kinder 3,- e, Infos unter: www.ledermueum.de). z.B. So. 09. Feb. |14.30 Uhr | Vom Schnabelschuh zum Stiletto, Führung mit Ute Guckel Extravagante Fußbekleidung von den Römern bis heute: z,B, Schuhschnäbel bis zu 40 cm Länge, auffallende Absätze mit rotem Lederbezug, edelsteinbesetzte Schuhschnallen. Ein Gang durch die Geschichte erläutert Sinn und Unsinn so mancher Modeneuheit.

9. Neujahrsjazz im DLM • So. 05. Jan. |12.00 Uhr | Schon zum 9. Mal findet das Jazz-Neujahrskonzert im DLM statt. (s. S. 67)

KINO KULINARISCH | Einlass & Essen: ab 18.30 Uhr, Filmbeginn 20.00 Uhr Eintritt (exkl. Essen & Getränke): 7,- Euro (VVK im DLM) Fr. 31. Jan. | Nachtzug nach Lissabon Fr. 21. Feb. | Das Schwein von Gaza

2. OFFroads Dia- und Reisefestival • Sa. 08. Feb. |12.00 Uhr |

Weitere Veranstaltungsinfos unter: www.ledermuseum.de

n Haus der Stadtgeschichte Di, Do, Fr: 10.00 bis 17.00 Uhr Mi: 14.00 bis 19.00 Uhr Sa. und So: 11.00 bis 16.00 Uhr Eintritt: 2,50 v Infos unter: www.offenbach.de

Haus der Stadtgeschichte Herrnstr. 61, OF Jahresausstellung der Offenbacher Freizeitkünstler Die Offenbacher Freizeitkünstler e.V. zeigen einen Überblick ihres Schaffens. Infos und Kontakt für Interessierte: www.offenbacher-freizeitkuenstler.de So. 15. Dez. – 5. Jan. | Eröffnung: 15. Dez., 15.00 Uhr mit OB Horst Schneider

»Weißer Raum – Distanz und Nähe« Rolf Kissel Der Maler und Bildhauer Rolf Kissel (geb. 1929) gehört zu den wichtigen Vertretern der deutschen Nachkriegskunst. Zeitgleich zu den Künstlern der Düsseldorfer Zerogruppe um Otto Piene, Günter Uecker und Heinz Mack vertrat Kissel die künstlerischen u. ästhetischen Gedanken seiner Generation und formte sie maßgeblich mit. So. 12. Jan. – 09. Feb. | Eröffnung: 12. Jan., 15.00 Uhr mit Dr. Stephan Mann, Leiter des Museum Goch

»Metamorphosen« Michaela Haas, Anja Hantelmann, Katja M. Schneider Drei Offenbacher Künstlerinnen stellen ihr aktuelles Schaffen vor. Unterschiedliche Erfahrungen, Wege und Ideen sind in der historischen Industriehalle des Museums als „Metamorphosen“ vereint. So. 16. Feb. – 16. März | Eröffnung: 16. Feb., 15.00 Uhr mit Horst Schneider 72

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s e h e n sw e r t

sehenswert n Klingspor-Museum Di, Do, Fr: 10.00 bis 17.00 Uhr; Mi: 14.00 bis 19.00 Uhr; Sa und So: 11.00 bis 16.00 Uhr, Eintritt: 2,50 e, erm: 1,50 e

Klingspor-Museum Herrnstr. 80, OF, www.klingspor.de „Wege zu Büchner“ Zum 200. Geburtstag des Schriftstellers und Revolutionärs Georg Büchner zeigt das Klingspor-Museum zeitgenössische Inszenierungen seiner Werke. Barbara Fahrner und Robert Schwarz zählen zu den Protagonisten im Feld des Künstlerbuchs. Beide haben sich auf höchst unterschiedliche Weise mit Büchner auseinandergesetzt. An den Revolutionär Büchner knüpft das Kunstprojekt „Länderboten“ an. Es wurde im Auftrag des Amts für Kulturmanagement von den Offenbacher Künstlerinnen Anny und Sibel Öztürk und Heiner Blum, Professor an der HfG Offenbach, entwickelt, in Anlehnung an Büchners Hessischen Landboten. Auf der Basis von Gesprächen und Interviews, in denen Offenbacher Bürgerinnen und Bürger Forderungen und Utopien formulieren, schaffen die Künstler Portraits in Form von Grafiken und illustrierten Textbotschaften. (s. auch S. 56) 03. Dez. – 2. Feb. | Eröffnung: Di. 03. Dez., 19.00 Uhr |

Kinderwelten | 58. intern. Kinderbuchausstellung im Klingspor Museum Trotz des Aufkommens neuer Medien ist die Faszination des Bilderbuchs ungebrochen. Neuerscheinungen aus zahlreichen Ländern laden zum Schauen und Blättern ein. Die Bücher sind nicht nur ein optischer Genuss, sondern spiegeln darüber hinaus die Bildsprache der Gegenwart wider und fungieren anhand ihrer Themenstellungen gleichsam als Indikator gesellschaftlicher Prozesse. 06. Dez. – 2. März | Eröffnung: Fr. 06. Dez., 19.00 Uhr | Begleitprogramm Für Kinder ab 5 Jahre Oh Tannenbaum | 03.12. | Familiennachmittag, 15.00 – 16.30 Uhr Weihnachten steht vor der Tür, und auch die Kinderbücher erzählen von dieser Zeit im Jahr. Wir hören eine ausgewählte Weihnachtsgeschichte und sammeln Symbole für diese Zeit. Anschließend gestalten wir Karten mit Kartoffeldruck. Mein Ich-Buch | 17.01. | Familiennachmittag, 15.00 – 16.30 Uhr Ich habe meine Geschichte, meine Gedanken, meine Vorlieben und meine Abneigungen. In einem gehefteten Büchlein gestalten die Kinder mit unterschiedlichen Materialien und Techniken Bücher über sich selbst. 21.02.2014: Familiennachmittag, 15 – 16.30 Uhr Einmal um die Welt und zurück | 21.02. | Familienn., 15.00 – 16.30 Uhr Mit den Geschichten ausgewählter Kinderbücher machen wir eine Reise um die Welt. Für eine große Reise braucht natürlich jeder einen Reisepass, und so gestalten wir einen Reisepass in die Welt der Geschichten und Märchen. Weitere Veranstaltung zum Jubiläum:

Erinnerungen an 60 Jahre Klingspor-Museum Im Gespräch. Klaus Harwerth, Dr. Walter Greisner, Christian Scheffler, Prof. Dr. Wolf Spemann. Adventskaffee. 14. Dez. | 16.00 Uhr | Eintritt 5 Euro m u t & l i e b e März / A pr i l / Ma i

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t miu ebe l

adventskalender

Gebt Mut&Liebe Offenbach bei Facebook ein und öffnet vom 1. bis 24. Dezember jeden Tag mit uns ein Türchen. Mit der richtigen Antwort auf die gestellte Frage und einem 'gefällt mir' nimmt man automatisch an der Verlosung teil. Die Geschenke könnt Ihr direkt in den jeweils beteiligten Offenbacher Geschäften und Institutionen abholen. Wir bedanken uns allen Spendern, wünschen viel Glück und eine tolle Adventszeit! Eure Mut&Liebe Redaktion!

Mut&Liebe Offenbach (auf facebook) oder unter www.mulioffenbach.de

Gerade noch in den Sommerferien, sind wir schon wieder am Jahresende angekommen und Weihnachten steht vor der Tür. Mut&Liebe möchte Euch die kommende Zeit wieder mit kleinen Geschenken „made in Offenbach“ versüßen. Mit dem Mut&Liebe Adventskalender auf unserer Facebook-Fanpage.


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Mut und liebe  

Das neue Mut&Liebe Stadtmagazin... Viel Spaß beim lesen!

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