WANDEL
Das Berufsbild des Architekten ist im Wandel. Wie reagieren die Ausbildungsstätten auf die Veränderungen, die ganz im Zeichen ökologischer und sozialer Umbrüche stehen? Mit welchen Lehrinhalten und Methoden werden junge Menschen auf den Beruf vorbereitet? Und an welchen alten Wissensgebieten führt kein Weg vorbei? Wir haben uns mit Martin Schachenhofer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Department Bauen und Gestalten der FH Campus Wien, über Stoßrichtung und Ziele der Architekturausbildung in Österreich unterhalten. Interview: Isabella Pils 4W: Die Anforderungen an die Archi tekturschaffenden sind hoch: Investorenund Nutzerwünsche müssen unter einen Hut gebracht werden, unter Kostendruck sollen technisch und ökologisch sinnvolle Lösungen entstehen. Gefallen soll das Gebäude am Ende auch. Werden junge Architekten auf die komplexen Aufgaben des Berufs vorbereitet? Sind sie nach ihrem Studium „fit for the job”?
Martin Schachenhofer: Gibt es ein Studium, nach dem man tatsächlich „fit for the job“ ist? Ärzte und Ärztinnen zum Beispiel absolvieren nach dem Medizin studium eine Turnusausbildung, die sie auf die Arbeitswelt vorbereitet. In der Baubranche gibt es vielfältige Aufgaben, das Bauen an sich wird immer komplexer. Angehende Architekten und Architektin nen auf jede Aufgabe detailliert vorzube reiten, würde den Rahmen des Studiums sprengen. Zudem sollte man immer im Auge behalten, dass das Entwerfen von Gebäuden die Fähigkeit ist, die Archi tekten und Architektinnen von anderen
baubezogenen Berufen unterscheidet. Dass sich Architekturbüros Arbeitskräfte wünschen, die schon alles können und denen man nichts mehr beibringen muss, ist auch irgendwo klar, aber diese Forde rung ist illusorisch. Im Architekturstudium sollte vielmehr ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt werden, der das vernetzte Den ken fördert.
weil viel Potenzial auf der Strecke bleibt. Stakeholder und Fachplanende müssen so früh wie möglich miteingebunden werden. Mithilfe einer solchen integralen Planung können Bauaufgaben ganzheitlich betrach tet werden, Kosten in der Errichtungs- und Betriebsphase reduziert und Gebäude so geplant werden, dass sie über den gesam ten Lebenszyklus nachhaltig sind.
4W: Ist der Architekt von morgen ein
4W: Was unterscheidet denn den Uni-
Spezialist oder ein Generalist?
Abgänger vom Absolventen einer FH oder dem einer HTL für Bauingenieur wesen? Was macht die Architekturaus bildung an der Universität anders?
MS: Die Zeiten von Generalisten und Generalistinnen in der Architektur sind lange vorüber. Ein breites Fachwissen und umfassende Fähigkeiten sind für Archi tekturschaffende natürlich immer noch wichtig, um komplexe Bauaufgaben zu meistern, aber ohne die entsprechende Fachplanung geht es nicht mehr. Leider laufen Planungsprozesse in der Regel so ab, dass dieses Fachwissen häufig erst bei der Einreichplanung in Anspruch genom men wird. Von diesem linearen Planungs prozess müssen wir uns verabschieden,
12
MS: Fangen wir einmal mit der Gemein samkeit an. Was alle teilen, ist, dass sie über ein gutes bautechnisches Verständ nis verfügen und dass sie Pläne lesen und erstellen können. Das sind quasi die Basics, die notwendig sind, um miteinan der zu kommunizieren. Personen mit HTL-Abschluss verfügen über ein gutes Fachwissen, steigen meist schon sehr früh in das Berufsleben ein und