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Ostdeutschland

Siegfried Bülow, ACOD und Geschäftsführer bei Porsche Leipzig, im Gespräch mit Jan Mücke, Staatssekretär Bundesverkehrsministerium

Die Struktur der ostdeutschen Automobilzulieferindustrie ist durch kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die vorwiegend in „nachgelagerten“ Produktionsstufen tätig sind und relativ wenige Mitarbeiter beschäftigen, geprägt. Das ergab eine Studie des Automotive Cluster Ostdeutschland (ACOD) im vergangenen Jahr. Insgesamt beschäf tigt die Branche ostdeutschlandweit etwa 180.000 Mitarbeiter. Mehr als die Hälfte der in den neuen Bundesländern agierenden Unternehmen der Branche haben auch in Ostdeutschland ihren Firmensitz. Im Jahr 2008 erzielte die ostdeutsche Branche einen Umsatz von etwa 38 Milliarden Euro, bei einer Wertschöpfung von zehn Milliarden Euro. Im selben Zeitraum wurden etwa 5,8 Prozent des Umsatzes für Investitionen aufgewendet. Jan Mücke, Parlamentarischer Staatssekretär des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung erläuterte Mitte Februar 2010 auf dem dritten Kongress des ACOD im Congress Center der Messe Leipzig die aktuellen Herausforderungen der Branche. Dabei machte er auf die Verantwortung der Automobilindustrie im Umweltschutz aufmerksam. So sei die Entwicklung moderner Technologien, alternativer und optimierter Antriebskonzepte sowie Brennstoffe maßgeblich für eine verbesserte Klimabilanz. Mücke zeig-

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te auch die Relevanz der ACOD-Netzwerkarbeit auf. „Wir sind uns der Bedeutung von Netzwerken wie dem ACOD, die Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Dienstleister und Initiativen vereinen, sehr bewusst.“ Ein solcher Zusammenschluss sei nicht nur eine gute Grundlage für Innovationen. Er stärke auch die Bran-

Die Zulieferer müssen sich auf neue wirtschaftliche und technologische Trends einstellen. Sven Morlok, Sachsens Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr

che und den Standort Ostdeutschland insgesamt. „Das hat sich auch in der Krise bewährt!“, so Mücke. Doch die Mehrzahl der ostdeutschen Automobilzuliefer unternehmen betreibt, so die ACOD Studie, allerdings immer noch zu wenig Grundlagenarbeit. Die Tätigkeitsschwerpunkte konzentrieren sich vorwiegend auf prozessbezogene Dienstleistungen und produktbezogene Teileherstellung. Denn nur ein Drittel betreibt eigene Produktentwicklung, der Rest beschränkt sich auf reine Produktionsleistungen. Welche Möglichkeiten der Innovationssteigerung ein Netzwerk wie der

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ACOD bietet, machte Siegfried Bülow, Vorstandsvorsitzender des ACOD e.V. und Vorsitzender der Geschäftsführung der Porsche Leipzig GmbH, auf dem Kongress deutlich: „Vor allem kleinen und mittelständischen Unternehmen bietet der ACOD eine Plattform zum Austausch von Know-how, zur Initiierung von Kooperationen und zur Förderung von Forschungsund Entwick lungs ak ti vitäten.“ Man müsse, so Bülow weiter, den eingeschlagenen Weg mit dem Ziel fortsetzen, Ostdeutschlands Akteure weltweit als attraktive Partner in der Automobilindustrie zu etablieren. Auch Sachsens Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Sven Morlok, bestätigte diese Notwendigkeit und hob hervor, wie wichtig neue Ideen für die Branche sind: „Die Anforderungen an die Zulieferer steigen. Sie müssen sich auf neue wirtschaftliche und technologische Trends einstellen. Nur wer innovativ ist, kann bestehen.“ Sowohl der Kongress als auch die vorangegangene Studie zeigen also, Ostdeutschland ist zwar auf gutem Weg, aber hat noch erhebliches Innovations-Potenzial. (bo) !

www.acod.de

Fotos: Uwe Meinhold/ddp, ACOD

„Nur wer innovativ ist, kann bestehen!“

Automotive 2/2010  

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