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orange ± mehr als eine farbe Orange Wines sind in aller Munde. Doch bei genauerer optischer Betrachtung sind viele Orange Wines gar nicht orange. Gleichzeitig kursieren Schlagworte wie Natural Wines und Amphorenweine. Was all diese Weine gemein haben, sind weiße Trauben und lange Maischestandzeiten.

Egon Berger importiert und vertreibt hierzulande einige der besten Orange-WineProduzenten aus Österreich, Italien (Karst und Collio) und Istrien. Als engagierter „Orange-Wine-Botschafter“ veranstaltet Berger auch Verkostungsevent zu diesem Thema in ganz Österreich. So kann man im Rahmen der Veranstaltung „Designfluss & Kunststrom“ am Samstag, den 12., und Sonntag, den 13. Oktober, von 11 bis 18 Uhr in der Alten Schieberkammer in Wien Orange Wines aus Bergers Sortiment glasweise erstehen. Der Eintritt ist frei. Am Montag den 24. Oktober gibt es in der Klagenfurter Buchhandlung Heyn von 19 bis 21 Uhr eine Orange-Wine-Verkostung mit kulinarischer Umrahmung. Der Eintritt beträgt 19 Euro. Höhepunkt des „orangen Herbsts ist jedoch das zweite Orange-Wine-Festival, das am Montag, den 28. Oktober, ab 16 Uhr im Wiener Museumsquartier (Arena 21) steigt. Es werden rund 50 Winzer aus Slowenien, Kroatien, Italien und Österreich erwartet. Weitere Informationen zu diesen Veranstaltungen sowie zu den von Egon Berger vertriebenen Orange Wines finden sie unter: www.orange-wine.eu

¹ Man hat mehr im Glas. Solche Weine sind komplex und vielschichtig und machen einfach richtig Spaß.ª sePP musTer, leuTschach

Schuster

aktuelle orangewineTermine

Degustieren und diskutieren: Sepp Muster, Franz Strohmeier, Gerhard Tschida, Franz Meseritsch, Alexander Jakabb, Egon Berger und Wolfgang Schedelberger (v. l.)

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nd plötzlich waren sie da! Seit rund einem Jahr findet man in Weinbars und Restaurants unseres Landes immer öfter Orange Wines, sehr zur Freude von Egon Berger, der sich auf den Import und Vertrieb von ebensolchen Weinen spezialisiert hat. Doch was wie eine Modewelle scheinbar überraschend auf uns zukam, ist natürlich nicht über Nacht entstanden. Heimische Winzer beschäftigen sich schon seit ein paar Jahren mit diesem Thema, in Istrien setzen Winzer wie Giorgio Clai und Mladen Rozanic seit einem guten Jahrzehnt darauf, und im Friaul hat diese Form der Weinbereitung überhaupt eine jahrhundertelange Tradition, die in der Neuzeit von Winzern wie Josko Gravner und etwas später Stanko Radikon wiederbelebt wurde. Seit dem Jahrgang 2001 lässt Gravner seine weißen Trauben ungepresst und ganz „natürlich“ in Tonamphoren vergären und füllt diese unter der Bezeichnung Anfora (einen reinsortigen Ribolla Gialla und eine Cuvée namens Breg). Doch nicht jeder Orange Wine hat eine Amphore von innen gesehen. Und nicht jeder Wein, der in einer Amphore (oder einem ähnlichen Gefäß) auf der Maische vergoren wurde, präsentiert sich in strahlendem Orange.

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG

die grenzen sind fließend

Egon Berger (hinten Mitte) mit einigen der besten Orange-Wine-Winzern der Welt, die auch beim zweiten Orange-Wine-Festival am 28. Oktober in Wien mit dabei sein werden: Marcus Gruze (l.), Weingut Georgium, Längsee (Kärnten), Fredi, Maria und Manuel Ploder. Stefano Novello (Ronco Severo, hinten, 2. v. l.) und Giorgio Clai aus Istrien (r.)

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Es gibt schon länger Winzer, die eine kleine Charge ihrer Weißweine auf der Maische vergären lassen und diese nach erfolgter Vergärung dem konventionell hergestellten Wein zugeben. Das erhöht die Komplexität des Weines und gibt ihm mehr Gerbstoff und Körper. Für normale Konsumenten sind derartige (ganz legale) „Tricks“ bei der Weinbereitung nicht zu erkennen. Ab wann man einen derart gekelterten Wein als Orange Wine bezeichnet, ist diskusionswürdig. Die einzig schlüssige Antwort lautet wohl: sobald man es schmeckt! Auch bei der optimalen Maischestandzeit für Orange Wines gibt es keine gängigen Regeln. Für manche Winzer reichen ein paar Tage, andere bevorzugen ein paar Wochen, und wieder andere lassen ihre Weine gleich ein paar Monate auf der Maische liegen. Manche vergraben ihre Amphoren im Boden, andere setzen auf unterschiedlich große Gärbehälter aus verschiedenen Materialien (Holz, Stahl, Beton,

Ton etc.) im Keller. Ein großer Teil der Orange-WineWinzer ist Demeter-zertifiziert, biologisch bzw. „naturnahe“ arbeiten die meisten, aber natürlich nicht alle. Und auch das Thema Schwefel spielt bei OrangeWine-Diskussionen eine wichtige Rolle. Einige Winzer verzichten ganz darauf, die meisten wollen so wenig wie möglich schwefeln.

amphoren, Quevris und andere gefäße Die Kultivierung von Weinreben begann 4.000 vor Christus im heutigen Georgien. Die traditionelle Form der Weinbereitung erfolgt dort bis heute in im Erdboden vergrabenen Tonbehältern, die Quevri genannt werden. Auch die Weißweine werden auf der Maische liegen gelassen und nach abgeschlossener Gärung mit einem Schöpfkelle entnommen. Nachdem sie jedoch nie gepresst werden und sich die Maische am Boden absetzt, sind diese Weine klar und hell und keineswegs orange. Wenn nur noch eine zähflüssige Maischemasse vorhanden ist, wird diese mit speziellen Gerätschaften entnommen und aus dem Trester ein Tresterbrand gemacht. Diese Form der Weinbereitung hat sich Bernhard Ott für seinen Quevre zum Vorbild genommen, wenngleich er den Wein nach einem halben Jahr auf der in seinen aus Georgien importierten Quevris entnimmt und danach für viele Monate auf der Flasche weiter reifen lässt. „Sag niemals Amphore zu einem Quevri. Amphoren sind antike Transportgefäße aus Ton, ein Quevri wird hingegen speziell für die Weinbereitung hergestellt und im Boden vergraben“, berichtet Ott von Fettnäpfchen, die man bei Georgienbesuchen vermeiden sollte. Das erstaunliche an Otts Quevre (wir verkosteten seinen ersten Jahrgang 2009) war, dass er trotz einer Maischstandzeit von sechs Monaten keineswegs wie ein Orange Wine schmeckte. Der Wein präsentierte sich klar, die Farbe erinnert an einen Grünen Veltliner der Reserve-Kategorie, und auch geschmacklich waren keine großen Unterschiede zu einem konventionellen Veltliner zu bemerken. „Wenn ich das einem Konsumenten als Orange Wine verkaufen soll, tue ich mich schwer“, bemerkte Egon Berger. Ähnlich die Reaktion der anderen Verkoster, die den Wein übrigens durch die Bank als sehr gut einschätzten, aber eben nicht als Orange Wine betrachteten.

01.10.2013 14:38:03

Wein Journal 03/13  
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