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bauen Dominique Perrault | Aedas Architects Bierman Henket architecten Wolfgang Meraner | be baumschlager eberle schneider+schumacher SPEECH Tchoban & Kuznetsov

forschen Faserzement | Biobasierte Kunststoffe

entwickeln Mineralwerkstoff | Edelstahl Aluminium | Putze | Verbundplatten Faserzement | Metall | Glas Hinterl端ftete Fassaden



Finalität Ja gut, wir von Skin verwenden das Wort „Skin“, also Haut, im metaphorischen Sinn. Und eben dieses Magazin befasst sich nicht mit den oberflächlichen Schichten des menschlichen Körpers, sondern vor allem mit Elementen, die architektonische Oberflächen bilden, sowohl äußere als auch innere. Dann, manchmal, befassen wir uns auch mit der Beschreibung anderer Erzeugnisse der Kreativität, wie etwa mit Designobjekten. Selbst mit Objekten anderer Art, die dennoch Aufmerksamkeit verdienen, sofern sie einer speziellen formalen Planung entspringen. In Wahrheit könnte das Feld der Recherchen unseres Magazins somit virtuell gesehen unendlich sein. So haben wir unsere Aufmerksamkeit diesmal auf eine sehenswerte, wenn auch schmerzliche Ausstellung des indischen Künstlers und Filmemachers Amar Kanwar gelegt, mit dem Ziel das metaphorische Konzept von „Haut“ auf die Erdoberfläche auszudehnen. Anhand dieser beweist der Künstler wie in einer Region Indiens die legalisierte Gewalt der industriellen Politik zu einer progressiven Verwüstung des Territoriums geführt und dabei von Grund auf alle physischen, biologischen, ethnischen und sozialen Wurzeln ausgelöscht hat. Die Rezension der Ausstellung finden Sie auf Seite 48. Mit der Gestaltung der Hülle befassen sich auch die beiden Beiträge der Rubrik Forschen, wenn auch auf unterschiedliche Weise: Studenten der Abteilung Dreidimensionales Gestalten und Modellbau an der TU Wien legten bei der formalen Entwicklung einer großformatigen Faserzementplatte zur Verwendung an Fassaden selbst Hand an. Am Institut für Tragkonstruktionen und Konstruktives Entwerfen der Uni Stuttgart stand hingegen die Entwicklung eines thermoplastischen Werkstoffs – biobasierten Kunststoffs – für Fassadenbekleidungen im Vordergund. Dem Minimalisten Dominique Perrault, der sich bei der Entwicklung seiner Bauten mehr mit dem Freiraum als dem Design auseinandersetzt, ist das Porträt gewidmet.

editorial

Foto: Larry R. Williams

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Traditionelles Design und moderne Technologien verschmelzen hingegen in der durch das Architekturbüro Aedas entwickelten Fassadenlösung für die Al Bah Towers, Hauptquartier des Abu Dhabi Investment Councils. Der etwas ungewöhnlich konfigurierte Dachaufbau des Museums De Fundatie im niederländischen Zwolle von Bierman Henket architecten bedient sich der Fliese zur wenigstens von außen doch eher ästhetischen Charakterisierung seiner Hülle. Um den möglichst sparsamen Umgang mit unseren Ressourcen geht es hingegen in einem österreichischen Projekt: Im Bürogebäude 2226 in Lustenau des Architekturbüros Baumschlager Eberle wird unter anderen auch die Wärmeentwicklung des menschlichen Körpers genutzt, um die anerkannte Wohlfühltemperatur von 22 bis 26 Grad Celsius zu erreichen – ganz nach dem Motto „weniger Energie durch weniger Technik“. Einst gehörte Handzeichnen zum Rüstzeug des Architekten, mittlerweile bedient sich auch der Nachwuchs eher digitaler Hilfsmittel. Das Berliner Museum für Architekturzeichnung hat sich hingegen die Förderung der Architekturzeichnung zur Aufgabe gemacht, und die aufwendig gestaltete Betonhülle des von den Architekten Sergei Tchoban und Sergei Kuznetsov entworfenen Baus weist schon von außen auf seine eigentliche Finalität hin. Eine Insel der Ruhe bietet schließlich die Autobahnkirche der Architekten schneider+schumacher – ob Sie, lieber Leser, wohl erraten, wodurch sich die Architekten inspirieren ließen? Nun, wir glauben ganz und gar nicht, dass die „Haut“ als strukturell vom restlichen Objekt getrenntes Element anzusehen ist. Die Dimension der Oberfläche jedweder Struktur verfügt – wie in einem lebendigen Organismus – in jeder Hinsicht über die potenziell einer bestimmten Finalität angemessenste Beschaffenheit. Und sei diese auch ausschließlich ästhetischer Natur. Christine Müller

Titelblatt: DC Tower Wien, Architektur: Dominique Perrault. Foto: DPA / Adagp

IMPRESSUM Medieninhaber (Verleger) und Herausgeber: Österreichischer Wirtschaftsverlag GmbH, 1120 Wien, Grünbergstraße 15/1, Telefon (01) 546 64-342, Chefredaktion: Dr. Christine Müller, Redaktion: Mag. Dominique Platz, Gertrud Purdeller, Dipl.-Ing. Hanna Geisswinkler Anzeigenberatung: Thomas Biegel, G ­ rafisches Konzept: Alois Schwaighofer, section.d Wien, Grafik: Markus Bürger, Auflage: 12.500 Stück, Herstellung: SAMSON Druck GMBH, A-5581 St. Margarethen 171, ­www.samsondruck.at. Erscheint als Beilage in ARCHITEKTUR & BAU FORUM und in der Österreichischen Bauzeitung (Teilauflage).


02 | Inhalt

30 Museum f端r Architekturzeichnung Berlin, Architektur: Speech Tchoban & Kuznetsov Foto: Patricia Parinejad


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inhalt

forschen TU Wien Formenvielfalt Uni Stuttgart Dauerhaft und rezyklierbar

04 Formenvielfalt. Foto: Augustin Fischer

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bauen Hot Shots Ein Kessel Buntes Porträt: Dominique Perrault Architektur im Kontext Aedas Architects Neues vernakuläres Bauen Bierman Henket architecten Ein schimmerndes Ei Baumschlager Eberle Ein Haus zum Wohlfühlen Speech Tchoban & Kuznetsov Kraftvolles Zeich(n)en schneider+schumacher Architekten Zwischen Schnellimbiss und Autowaschanlage

08 10 20 24 28 30

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innovation 20 Neues vernakuläres Bauen. Foto: Christian Richters

Mineralwerkstoff Wie eine zweite Haut

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entwickeln Edelstahl Eine hochwertige Gebäudehülle Metall Leuchtende Corporate Architecture ÖFHF Kleider machen Leute Aluminium Fassade mit Charakter Glas Gewohnt schräg und expressiv Betonfaserplatten Dünn, geformt, hochwertig

41 42 43 44 44 45

top on the job Marktübersicht

Die wichtigsten Hersteller auf einen Blick

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check out

Autobahnkirche. Foto: Jörg Hempel

Ausstellung

Zerstörtes Gleichgewicht

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04 | Faserzement

Formenvielfalt

Im Sommersemester 2013 fanden an der TU Wien zwei Lehrveranstaltungen statt, die sich ganz dem Material Faserzement widmeten. 44 Studenten setzten insgesamt 17 Projekte um und verarbeiteten dabei fünf Tonnen Material an vier Tagen und drei Nächten. Text Gertrud Purdeller

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s gibt Materialien, an denen man in einem Architektenleben nicht vorbeikommt, Faserzement gehört sicherlich dazu“, so Universitätsprofessor Christian Kern, Leiter der Abteilung für Dreidimensionales Gestalten und Modellbau am Institut für Kunst und Gestaltung der TU Wien. „Waren es früher hauptsächlich Dächer landwirtschaftlicher Bauten oder kleinteilige Verschindelungen von Dorffassaden beziehungsweise von Sozialbauten, hat sich

das Bild aufgrund ­einer immer breiter werdenden Produktpalette sehr verändert. Heute legen sich durchgefärbte großformatige Platten wie Tapeten um Gebäudekörper und erzeugen ein monolithisches Gesamtbild. Die Unterscheidung zwischen Wand- und Dachbekleidung löst sich auf. In Form von Möbeln und De­signobjekten findet der Faserzement inzwischen sogar seinen Weg in moderne Wohnungen, ja selbst in Museen.“

Das Projekt luminex während der Fertigung des Prototyps. Fotos: Augustin Fischer


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forschen

Projekt luminex: Die von Eva Manhart und Philipp Ehfrank entworfene Platte vereint textile Leichtigkeit mit Lichtspielen. Visualisierung: Manhart/Ehfrank

Bestehend aus einer Grundmatrix, die von Fasern verstärkt wird, macht es der Verbundwerkstoff möglich, dünnwandige Zementprodukte von wenigen Millimetern Dicke herzustellen. Unter ursprünglicher Verwendung von Asbestfasern wurde Faserzement bereits um etwa 1900 von Ludwig Hatschek erfunden, dem Begründer der Eternit-Werke in Oberöster­reich. Besonders spannend für die Abteilung Dreidimensionales Gestalten macht den Werkstoff vor allem die Tatsache, dass die noch weichen Rohplatten in der Herstellung aus dem Fertigungsprozess entnommen werden und verformt werden können. Um die daraus resultierenden Möglichkeiten auszuloten, fanden dieses Sommersemester in Kooperation mit den Eternit-Werken gleich zwei Lehrveranstaltungen statt, in denen man sich intensiv mit dem Material auseinandersetzte. Während im Modul „künstlerisches Projekt“ unter dem Titel „materialbedingt“ künstlerische Hüllengebilde entwickelt wurden, ging es beim Modul „Form und Design“ mit dem Titel „Systegmo“ darum, ein Fassadensystem zu kreieren. Nach einer Exkursion ins Stammwerk von Eternit nach Vöcklabruck, bei der die Studenten in kleinen Experimenten erste Erfahrungen sammeln konnten, musste das Arbeiten mit Faserzement in den Studios der Universität mit gipsgetränktem Stoff oder feuchter Pappe simuliert werden. In einem viertägigen Workshop, für den Eternit eigens eine ganze Halle reserviert hatte, wurden schließlich Eins-zu-eins-Mock-ups und Prototypen von insgesamt 17 Projekten umgesetzt. Die große Herausforderung dabei war, die dafür an der Uni gebauten Unterkonstruktionen nach Vöcklabruck zu transportieren. Ein 3,5-Tonnen-Transporter war beinahe nicht in der Lage, das Volumen aufzunehmen.

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06 | Biobasierte Kunststoffe


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forschen

Dauerhaft und rezyklierbar Tiefziehbare Platten aus biobasierten Kunststoffen können in Zukunft eine rohstoffeffiziente ­Alternative darstellen. Ein beispielhafter Fassaden-Mock-up des Instituts für Tragkonstruktionen und Konstruktives Entwerfen (ITKE) der Uni Stuttgart basiert auf einem dreieckigen Netz mit ­verschiedenen Maschengrößen. Text Redaktion Fotos Roland Halbe

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as Institut für Tragkonstruktionen und Konstruktives Entwerfen (ITKE) befasst sich in Forschung und Lehre seit vielen Jahren mit der Planung, Simulation und Fertigung komplex geformter Gebäudehüllen. Zur Eindeckung solcher Fassaden werden bisher meist Elemente aus erdölbasierten Kunststoffen, Glas oder Metall verwendet. Tiefziehbare Platten aus biobasierten Kunststoffen können in Zukunft eine rohstoffeffiziente Alternative darstellen. Sie verknüpfen die Eigenschaft der freien Formbarkeit thermoplastischer Kunststoffe mit den ökologischen Vorteilen von Materialien aus vorwiegend nachwachsenden Rohstoffen. In der Zusammenarbeit von Materialentwicklern, Architekten, Produktdesignern, Fertigungs- und Umwelttechnikern entstand ein neuer thermoplastischer Werkstoff für Fassadenbekleidungen, der zu mehr als 90 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen besteht. Das vom Projektpartner Tecnaro im Rahmen des Projekts weiterentwickelte Biokunststoffgranulat Arboblend lässt sich zu Platten extrudieren, die beliebig weiterbearbeitet werden können. Mittels Bohren, Bedrucken, Laminieren, Lasern, CNC-Fräsen oder Tiefziehen sind unterschiedliche Oberflächenqualitäten, Strukturen und Formteile zu erzielen. Die Halbzeuge dienen dann zur Bekleidung ebener oder freigeformter Innen- und Außenwände. Der Werkstoff kann rezykliert werden und erfüllt die üblichen Anforderungen an Baustoffe hinsichtlich Dauerhaftigkeit und Flammschutz. Als Projektziel war ein möglichst nachhaltiges und dennoch langlebiges Baumaterial zu entwickeln. Dabei galt es, den Anteil erdölbasierter Komponenten und Additive gering zu halten. Die ökobilanzielle Bewertung erfolgte durch den Projektpartner Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft (ISWA). Des Weiteren wurde die Beständigkeit gegenüber mikrobiellen Abbau eruiert.

Innovativer Charakter Im Rahmen des Projekts wurden Biokunststoffplatten aus vorwiegend nachwachsenden Rohstoffen entwickelt, die sich frei verformen lassen und zudem auf die Anwendung im Baubereich einschließlich Außenraum zugeschnitten sind. Diese waren zu Projektbeginn nicht auf dem Markt verfügbar. Die Konzeption als schwerentflammbares Plattenmaterial zielt in gleicher Weise auf die Innenraumanwendung ab (spekDesign). Mit dieser Neuentwicklung kann zeitnah ein Produkt angeboten werden, das zwei Tendenzen aufgreift: – steigende Nachfrage an ressourcenschonenden und nachhaltigen Baustoffen – zunehmende Planung und Realisierung von Gebäuden mit freier Geometrie und ebenen Fassadenplatten mit 3-D-Effekten (Reliefs).

Fertigungskonzept des Mock-Ups Aus den Biokunststoffen extrudierte Platten werden zu gleichen pyramidalen Formteilen tiefgezogen. Das notwendige Konturfräsen ermöglicht zahlreiche Formteilvariationen, indem gleiche Tiefziehteile durch unterschiedliche CNC-Fräspfade ungleich beschnitten werden. Dadurch wird die Bekleidung einer beliebigen Freiformfläche mit einem einzigen Formteil möglich. Die Kunststoffabfälle, die bei der Nachbearbeitung entstehen, werden regranuliert und gehen wieder in die Plattenextrusion ein. Am Ende der Nutzungsdauer sind die Platten nahezu CO2-neutral verwert- oder kompostierbar. Die freigeformte Elementfassade funktioniert als PlattenschalenTragwerk mit zusätzlichen lastabtragenden und versteifenden Randring- und Zwischenträgern. Im Gegensatz zu üblichen, nichttragenden Fassadenkonstruktionen wurde die Schalentragwirkung der doppelt gekrümmten Haut aus miteinander gekoppelten, 3,5 Millimeter dicken Biokunststoffpyramiden hier zu Mittragwirkung und Aussteifung des Gesamtsystems herangezogen. Diese innovative Maßnahme zeigt das Potenzial des modifizierten Biokunststoffs als steifes (bis E ≈ 4.000 N/ mm²) Material mit geringer Eigengewichtslast (13 kN/m³) für Außenanwendungen und ermöglicht eine Fassadenkonstruktion mit einer minimierten Zahl von Auflagerpunkten bzw. Festhaltungen am dahinterliegenden Rohbau. Daten des Mock-Ups Standort: Keplerstr. 11–17 / Uni-Campus Stadtmitte Fertigstellung: Oktober 2013 Fassadenfläche: 145 m² Material: Biobasierter, mit Flammschutz aus­ gerüsteter Thermoplast aus > 90 % ­nachwachsenden Rohstoffen Bestandsgebäude: Fluchttreppenhaus des Hörsaals M17.02 Planung und Realisierung des Mock-Ups Institut für Tragkonstruktionen und Konstruktives Entwerfen (ITKE) – Prof. Dr.-Ing. Jan Knippers, Universität Stuttgart Projektleitung: Dipl.-Ing. Carmen Köhler Konstruktion und Bauleitung: Dipl.-Ing. Manfred R. Hammer Tragwerksplanung: Dipl.-Ing. Thiemo Fildhuth Studentisches Entwurfsteam: Martin Loucka, Peter Kohlhammer, Adrian Grygar Geometrieprogrammierung: Martin Loucka Realisierung: Adrian Grygar, Serge Deisner, Maximilian Kurz, Martin Loucka, Paco Motzer, Jan Tondera, Dennis Gerlach, Alexander Mironov, Dominik Heizmann, Svenja Felis, Maximilian Schäfer, Benjamin Fritsch, mit der Unterstützung von Michael Tondera (Fakultätswerkstatt Architektur) Fassadenmaterial: Dr. Michael Schweizer, Tecnaro GmbH, Ilsfeld-Auenstein Fertigung Pyramiden: Frank Braun, Hans-Peter Braun, Bauer Thermoforming GmbH & Co. KG, Talheim


bauen

08 | Hot Shots

ein kessel buntes

Fotos: Gerber Architekten / Christian Richters

Eine Kirche, die optisch aus dem Boden aufsteigt und wieder hineingleitet, eine temporäre Halle aus einer empfindlichen Kunststoffhülle ohne zusätzliche Tragkonstruktion, ein orientalischer Kulturbau mit ausgeklügelter Membranfassade und ein Universitätsturm mit elementierter Fensterfassade, so vielfältig, ja geradezu kunterbunt, waren unsere Fassaden-Hot Shots selten.

Ausgefallen Eine harmonische Einheit aus Klinker mit historischen Bezügen schufen Thesing & Thesing Architekten auf dem alten Kirchplatz des west­ fälischen Heiden. Dach, Fassade und Bodenpflasterung stehen hier für den ebenso ganzheitlichen wie ausgefallenen Ansatz „Der Boden soll wie die Wand gestaltet sein“. Die spezielle Sortierung in stark changierendem dunklem Rotbraun bis Violettrot mit Kohlebrandaufschmauchungen in Blau-Anthrazit sorgt für eine beständige Atmosphäre im Stadtkern. Darüber hinaus verbinden sich historische Strukturen mit alltäglichen Lebensbedürfnissen der Bürger. www.hagemeister.de

Ausgeklügelt

Fotos: Lucerne Festival Ark Nova 2013

Fotos: Lukas Roth

Die King-Fahad-Nationalbibliothek, einer der bedeutendsten Kulturbauten des Königreichs Saudi-Arabien, wurde im November seiner Bestimmung übergeben. Mit diesem Projekt realisierten die Dortmunder Gerber Architekten eines der städtebaulich und kulturell wichtigsten Projekte der Hauptstadt Riad. Bestimmendes Element der Fassade ist ein spezifisch für den Neubau entwickeltes ornamentales, aus Textildreiecken bestehendes Kleid, geprägt vom eleganten Spiel von Öffnung und Verhüllung. Eingespannte weiße Membranflächen, die von einer drei­dimensionalen zugbelasteten Stahlseilkonstruktion gehalten werden, dienen vor den Obergeschoßfassaden als Sonnenschutz und interpretieren die arabische Tradition der Zeltstrukturen auf technologisch moderne Art und Weise. www.gerberarchitekten.de

Ausgezeichnet

Foto: Wicona

Die von dem Berliner Architekturbüro Staab Architekten durchgeführte Sanierung des Hochhauses der Hochschule Darmstadt (h_da) erhielt kürzlich den Deutschen Fassadenpreis 2013 für vorgehängte hinterlüftete Fassaden. Im Zuge der Grundinstandsetzung wurde das 60 Meter hohe Gebäude von 1963 bis auf den Rohbau zurückgebaut, erhielt neue Fenster und eine neue vorgehängte hinterlüftete Fassade. Die Nordseite wurde großflächig verglast, während man auf der Südseite markante Verschattungselemente anbrachte. Diese dreidimensional gefalteten Fassadenelemente aus Aluminium von Wicona dienen als feststehender und wartungsfreier Sonnenschutz und verhindern die Überhitzung der Räume durch Sonneneinstrahlung. www.wicona.de

Ausgebufft Für das Projekt Lucerne Festival Ark Nova haben der indische Künstler Anish Kapoor und der japanische Architekt Arata Isozaki eine Skulptur in einen funktionalen architektonischen Raum verwandelt. Die demontierbare Halle kann an verschiedenen Orten wieder aufgebaut werden. Kapoor entwickelte das Konzept des strukturlosen Hüllkörpers in Zusammenarbeit mit dem britischen Unternehmen Aerotrop, das schon bei der Umsetzung diverser Projekte des Künstlers mitwirkte. Als Material für die Hülle fand ein sechs Millimeter dickes, PVC-beschichtetes Polyesterfasergewebe Verwendung. Es wurde so zugeschnitten und zusammengeschweißt, dass die begehbare Skulptur in aufgeblasenem Zustand ohne zusätzliche konventionelle Tragkonstruktion auskommt. Das Gebilde wendet sich über einen inwendigen Arm von innen nach außen, was statisch zur Stabilisierung beiträgt und die Komplexität des Hallenkörpers in seiner Außen- und Innenraumwirkung erhöht. www.ark-nova.com/matsushima


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010 | Porträt: Dominique Perrault

Architektur im Kontext

Der Architekt Dominique Perrault gilt als Minimalist. Dem Freiraum mehr verpflichtet als dem Design. Besonders deutlich wurde diese Haltung bei seinem ersten großen Wurf – der „Bibliothèque Nationale de France“. Seither hat sich jedoch nicht nur seine Werkliste stetig erweitert, auch die formale Sprache Perraults ist vielschichtiger geworden. Der Platzbedarf bleibt. Text Manuela Hötzl

Ü

ber die Fassade als Gestaltungselement oder äußere Hülle definiert der Franzose Dominique Perrault seine Architektur ungern. Ebenso sind Wände oder Strukturen als Begriffe für ihn vernachlässigbar. Das sind Voraussetzungen für eine Architektur, aber keine Parameter für ihr Ergebnis. Viel wichtiger ist der Körper als Ganzes, dessen Form immer im Kontext entsteht. „Architektur muss verschwinden“, so Perrault. Im Fall des Wiener DC Tower I, der im November 2013 seine endgültige Höhe von 220 Meter erreicht hat und damit das höchste Gebäude Österreichs darstellt, ein scheinbar etwas schwieriges Unterfangen, ist doch das Hochhaus praktisch von überall im Wiener Becken sichtbar. Doch das „Verschwinden“ will der Architekt in diesem Zusammenhang metaphorisch verstanden wissen: „Hinter der Radikalität dieses Statements liegt etwas Entscheidendes für die Zukunft der Architektur. Architektur darf nicht mehr in Objekten gedacht werden. Architekten beschäftigen sich mit Situationen. Erst danach kommt das Design.“ Angesprochen auf den Standort Wien Donau City hebt Dominique Perrault auch sofort das städtebauliche Manko hervor. Als geradezu absurd empfindet er den fehlenden Zugang zum Ufer des Flusses. 2003 hatte er den Masterplan fertiggestellt und notwendigerweise eine Terrasse zur Donau hin eingeplant. Der Kontext zur Landschaft ist für Perrault generell sehr wichtig: „Ich würde es fast als globale Vision betrachten und keinesfalls als traditionelle. Denn normalerweise, würde man Menschen über Landschaften befragen, würden sie diese außerhalb von Städten orten. Für mich aber ist die Stadt Teil einer Landschaft.“ Der DC Tower kann so auch als Baustein eines Gesamtkonzepts gesehen werden – der dazugehörige Zwillingsturm fehlt nämlich noch. In Zukunft sollen, wenn alles nach Plan läuft, ein Turm von 220 Metern Höhe und ein weiterer von 160 Metern die Wiener Skyline an der ­Donau prägen. Als Reminiszenz an den Standort am Fluss schlagen zehn schmale, durchgehende Glasstreifen an der Fassade Wellen.

Die Wiederholung der Wiederholung Wiederholungen finden sich bei den Projekten von Dominique Perrault immer wieder – als Sprache in der Architektur und nicht als „dasselbe des Gleichen“ zu verstehen. Auch hier ist die Beziehung der Bauköper zueinander und zur Stadt wesentlich für den konzeptuellen Gedanken. Bei der bekannten „Bibliothèque Nationale de France“ (1989–1995) sind es vier Ecktürme, der sanierte Europäische Gerichtshof in Luxemburg wird durch zwei schmale

goldene Scheiben (1998–2008) ergänzt, in Lyon beim Hotelund Bürogebäude Part-Dieu (2012–2017) entwickelte er aus einen hohen robusten Turm neben einem kleineren, und in Zürich Altstetten werden bis 2017 zwischen Eisen- und Autobahn drei gleich große Bürotürme nach den Entwürfen des Architekten errichtet. Auch andere rote Fäden lassen sich in der Architektur Perraults finden; er selbst erklärt gern anhand des Materials „Metall“ die Kontinuität seiner Projekte. Und in der Tat findet sich das Material in vielfältigen Varianten, Anwendungen und Funktionen immer wieder. Nicht nur an den Fassaden. Im DC Tower wurden zum Beispiel blanke Stahlplatten am Boden verwendet, ebenso wie bei der Renovierung des Louvre. Dort allerdings wurden sie rutschsicher und leicht angerostet ausgeführt. Im Laufe der Jahre hat sich Perraults architektonische Sprache deutlich verändert. Ein Prozess, den er so erklärt: „Anfangs, als ich begonnen habe, mich mit Architektur auseinanderzusetzen, war ich absolut von grundlegenden, elementaren Positionen fasziniert. Ich kam mit wenigen, einfachen Formen und Körpern aus. Meine Herangehensweise ist zwar gleich geblieben, bei der Oper in St. Petersburg, dem ‚Mariinsky Theater‘, findet allerdings eine Transformation der geometrischen Box statt.“ Ein Ansatz, der sich seitdem in vielen Projekten erkennen lässt – auch bei vielen nicht realisierten wie dem „Mariinsky Theater“. Dieser Entwurf von Perrault aus dem Jahr 2003 hebt sich jedoch erstaunlich vom bisherigen Portfolio ab und macht den Sprung von einer minimalistischen hin zu einer hybrideren Architektur deutlich. Wobei im Inneren auch das Theater immer noch eine große Box ist, außen jedoch verändert sich die Form und wird ein wenig organischer. „Die Idee beruht auf einer Fassade, die außen anders ist als innen. Als würde man ein großes Tuch über diese Box werfen“, so der Franzose. Im Projekt Grand Théâtre d'Albi, das 2014 fertiggestellt wird, ist das Konzept ähnlich umgesetzt. Dominique Perrault, der sich selbst zu der jüngeren französischen Architektengeneration, blickt mittlerweile auf eine lange Reihe realisierter Projekte zurück – auch auf einige in Österreich. Stadt und ihre Urbanität, die Ästhetik der Künstlichkeit findet sich in seinen Bauten immanent wieder. Die Fassade ist Teil des Ganzen, und jeder Teil, jedes Material ein Element von vielen. Perrault: „Wir sollten es genießen, in einer zeitgenössischen Stadt zu wohnen, wenn wir zum Beispiel Ästhetik in allen baulichen Maßnahmen mitbedenken, auch bei einer Autobahnstation. Wenn das der Fall ist, wird es möglich, viele spezielle Orte zu schaffen mit speziellen Charakteren.“


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bauen

So sollen sie dereinst aussehen, die „Pont de Sèvres Towers“ in Boulogne-Billancourt von Dominique Perrault. Zurzeit noch in Bau, sollen sie 2015 fertiggestellt sein. Rendering: RSI Studio / DPA / Adagp


012 | Portr채t: Dominique Perrault

Skizze: Face to Face, Dominique Perrault / Adagp Pl채ne: DPA/Adagp Rendering: Beyer.co.at/DPA/Adagp Fotos: DPA/Adagp


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bauen

Grundsriss.

DC Tower I Donau City, Wien Ende dieses Jahres hat der DC Tower 1 seine Endhöhe von 250 Metern erreicht. Der Turm ist damit das höchste Gebäude Österreichs. Und dementsprechend sticht das Hochhaus im wahrsten Sinne aus der Silhouette der Donau City weit in den Himmel. „Architektur sollte als integraler Teil der Landschaft konzipiert werden. Es ist die Umgebung, das Existierende, womit man Architektur baut – darauf müssen wir uns beziehen“, so der Architekt Dominique Perrault. Im Falle des Standorts DC Tower 1 wird der Kontext von der Donau City mit ihrem durchaus von Hochhäusern geprägten Bild und dem Fluss selbst bestimmt. Diese fließende Bewegung des Wassers bildet sich außerdem auf einer Seite der Fassade ab. „Das Wichtigste an diesem Gebäude ist, dass es sich dabei nicht um ein Hochhaus plus Fassade handelt, sondern um einen gläsernen Monolith, der wie ein geometrischer Wasserfall neben der Neuen Donau steht“, erklärt Perrault. In zehn Streifen wellt sich das schwarze Glas gegenläufig in die Höhe. Deren so entstehende Schnittflächen sind konstruktiv minimalistisch gelöst. Auch der zweite Tower, so er je gebaut wird, wird sich mit derselben Wellenfassade seinem Zwilling zuwenden. Konstruktive Schwierigkeiten machte auch die geringe Grundfläche des Turms, fast die Hälfte der Geschoß­fläche steckt deshalb zur Stabilisierung noch mal im Boden. Außerdem kämpft man in der Donau City mit starken Winden. Ein eigenes, windkanaltaugliches Model der DC Towers samt Umgebung wurde deswegen angefertigt, um in mehreren Durchgängen und unterschiedlichen Testarten Maßnahmen zu entwickeln, die zur Optimierung des Windkomforts in der bodennahen Zone führen. Die schwarzen Metallschirme vor dem Eingang sind nicht zum Schutz vor Sonne,

sondern vor Fallwinden. Der Turm ist außerdem als einer der ersten österreichischen Bürotürme nach den Energieund Nachhaltigkeitserfordernissen für ein „Green Building“ der EU-Kommission errichtet und ausgestattet. Städtebaulich bedauert Perrault vor allem die fehlende Verbindung zur Donaupromenade. So folgt auch DC Tower 1 und 2 der Erschließungslogik der bisherigen Realisierungen in der Donau City: Fußgänger- und Verkehrsebene befinden sich auf unterschiedlichen Niveaus. Richtig genießen kann man jedoch die Aussicht auf der Plattform in rund 200 Metern Höhe. Von dort sieht man bis Bratislava – Donau und Donau City sind so gut wie verschwunden. DC Tower I, Donau City Errichter und Eigentümer Vienna DC Tower 1 Liegenschaftsbesitz GmbH (ein Unternehmen der WED AG-Gruppe), Wien Architekt: Dominique Perrault, Hoffmann – Janz Bauzeit: 2010–2013 Nutzung: Hotel, Bürogebäude, Wohnungen (optional), Restaurant, Bar, Fitness Gebäudehöhe: 250 m Geschoße über 0: 60 Bruttogeschoßfläche über 0: ca. 93.600 m² Bruttogeschoßfläche unter 0: ca. 44.000 m² Mietfläche: rund 66.000 m² DC Tower 2 Architekt: Dominique Perrault, Hoffmann – Janz Gebäudehöhe: 168 m Geschoße über 0: 44 Bruttogeschoßfläche über 0: ca. 61.700 m² Mietfläche: rund 41.000 m² (ohne Lagerflächen)


014 | Portr채t: Dominique Perrault


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Fotos: AM: André Morin / DPA / Adagp GLP: Gaëlle Lauriot-Prévost / DPA / Adagp Pläne: DPA/Adagp Lageplan

Längsschnitt.

The Campus Valley, EWHA-Universität für Frauen, Seoul, Südkorea Bereits 1925 wurde die Universität für Frauen in Korea gegründet. Schon davor gab es Initiativen, um die Ausbildungssituation für Frauen zu verbessern. Die amerikanische Missionarin Mary F. Scranton hat bereits ab 1886 Frauen zu Hause unterrichtet. Doch mit der Gründung des EWHA wurde erstmals die höhere akademische Laufbahn ermöglicht. Über die Jahrzehnte fand eine stete Internationalisierung statt, seit 2001 werden auch alle Studienrichtungen in englischer Sprache angeboten. Mit mehr als 20.000 Studentinnen ist die EWHA zudem die größte Frauen-Uni der Welt. 2002 schrieb die Universität einen internationalen Architektenwettbewerb für den Bau eines neuen Gebäudes aus. Ein komplexes Programm für eine Fläche von insgesamt 70.000 Quadratmetern, auf der Universitätsräume (Seminarräume, Hörsäle und Bibliotheken), ein Verwaltungs- und Bürotrakt sowie ein kommerzieller Bereich (wie Theater, Kino, Cafeteria, Geschäfte) Platz finden sollten. Dominique Perrault zeigt bei kaum einem anderen Projekt sein Konzept des Verschwindens wie bei diesem. Statt einem Gebäude schafft er eher ein Gelände. Alle Räumlichkeiten sind unterirdisch untergebracht – geteilt von einem tiefen Einschnitt, einer breiten, riesigen Schneise. Das Gebäude ist mehr Leerraum, physisch im Verschwinden und irritierend in seiner Dimension. Perrault nennt es „The Campus Valley“, was seine Idee von einer Verschmelzung zwischen Stadt, Landschaft und Architektur wohl am besten beschreibt: „Wenn man grundsätzlich mit Natur plant wie mit jedem anderen Material, Beton, Metall oder Glas, dann wird jedes Gebäude zu einer Landschaft. Und so bildet diese ‚Landschaft‘ eine neue Beziehung zwischen Natur und Architektur.“ Das Dach des Universitätsgebäudes liegt auf Straßenniveau und ist begrünt. Die Grasoberfläche passt sich dem

natürlichen Gefälle und der Vegetation des Geländes an. Die beiden langen Spiegelfassaden wirken wie hohe Glasklippen und bilden die Fassaden des Freiraums, eines „hybriden Raumes“. Mitten in Seoul verbindet nun die neue Universität die Stadt mit dem Campus. Die stadtplanerische Dimension und die Organisation eines Geländes sind wichtiger als das Gebäude an sich, die Landschaft wird wichtiger als die Architektur. Gleichzeitig hat das acht Geschoße tiefe Gebäude hohe bauphysikalische Vorteile und sichert einen um 80 Prozent niedrigeren Energieverbrauch, allein aufgrund der Nutzung natürlicher Ressourcen und nachhaltiger Strategien. Das grüne Dach hat außerdem viele weitere ökologische Vorteile, von einer geringeren Feinstoffbelastung bis zur Verbesserung von Schallschutz oder Belüftung. Auf dem Dach und in den Zwischenräumen bildet sich so eine eigene Raum- und Universitätskultur. Ewha Womans University Neubau eines Universitätsgebäudes inkl. Büros, Veranstaltungsräume, Kino, Kirche, Galerie, Parkplätze, Landschaftsgestaltung in Seoul, Korea Bauherr: Ewha Campus Center Project T/F, Ewha ­Womans University, Seoul, Korea Architektur: Dominique Perrault Architecture, Paris Partner: Baum Architects, Seoul Statik: VP&Green Ingineers, Paris Gebäudetechnik: HL-PP Consult, Munich Akustik: Jean-Paul Lamoureux, Paris, Fassadenplanung: Rache-Willms, Aix-la-Chapelle Landschaftsplanung: CnK Associates, Seoul NGF: 50.000 m² Bebaute Fläche: 70.000 m² Grünflächen: 31.000 m² Fertigstellung: 2008


016 | Portr채t: Dominique Perrault

Fotos: Georges Fessy / DPA / Adagp Plan: DPA/Adagp


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bauen

Schnitt

Europäischer Gerichtshof Luxemburg Der Europäische Gerichtshof wurde im Jahr 1952 durch den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) ins Leben gerufen und nahm im Jahr 1953 seine Arbeit auf. 1972 wurde das Palais de Justice errichtet und seitdem mehrfach (1988, 1993, 1994) baulich erweitert. Sanierung und Erweiterung übernahm 2002 Dominique Perrault. Wesentlich war für den Architekten, die Harmonie auf dem Areal wiederherzustellen und neu zu inszenieren. Funktional, städtebaulich – aber auch als Institution selbst. In zwei Bauabschnitten wurde das bestehende Palais – ursprünglich mit einer Fassade aus Cortenstahl versehen – saniert, ausgehöhlt und mit einem auf 14 Meter hohen Stützen aufgeständerten Ring aus Büros umschlosssen. Die neue Fassade besteht aus unterschiedlich breiten, vertikal angeordneten Glaselementen. Die räumliche Fassadenschicht schafft nicht nur einen neuen Baukörper, sondern schützt gleichzeitig die dahinterliegenden Räume vor Überhitzung. Zwei 100 Meter hohe Bürotürme, die höchsten Gebäude Luxemburgs, ergänzen das Ensemble. Insgesamt sind 24.000 Quadratmeter Büronutzfläche für 600 Übersetzer in 23 Sprachen in den goldenen, äußerst schlanken Türmen untergebracht. Die strahlende Fassade besteht aus einer goldenen Hülle aus eloxiertem Aluminiumgewebe, das zwischen zwei Glasscheiben in ebenfalls goldene Rahmen eingelegt wurde. Das Gewebe, das über eine spezifische Zickzack-Kantung verfügt, verleiht der Fassade zusätzliche optische Tiefe und setzt gleichzeitig raffinierte Lichtakzente. Zudem bietet es Sonnenschutz und ist dennoch lichtund luftdurchlässig. Das schillernde Material findet sich auch innerhalb des Gebäudes immer wieder, wie etwa an

der Decke des Gerichtssaals. Einerseits bringt das Gitter mit der speziellen Beleuchtung eine gewisse Mystik in die Räume, andererseits wird es zum verbindenden Element zwischen den einzelnen singulären Neubauten und dem Altbau. Insgesamt wurde eine Fläche von 100.000 Quadratmetern verbaut, die ursprünglichen 50.000 somit auf 150.000 Quadratmeter aufgestockt. Allein 700 Parkplätze sind für Mitarbeiter und Besucher vorgesehen. Der Platz und die Verbindung zwischen und unter den Gebäuden hat Perrault funktional und repräsentativ gelöst. Das betrifft die inneren, neu organisierten Kreisläufe ebenso wie die äußeren. Dominique Perrault ist außerdem beauftragt, eine großangelegte Land- und Stadtgestaltung im Bezirk um das Gebäude herum zu planen. Erst 2020 wird dieses Projekt abgeschlossen sein.

Europäischer Gerichtshof Sanierung und Neubau, Luxemburg Bauherr: Europäischer Gerichtshof, Luxemburg Architektur: Dominique Perrault Architecture, Paris Partnerbüro: Bureau CJ4 (Dominique Perrault Architecte, Paczowski & Fritsch, m3 architectes), ­Luxembourg Statik: Gehl, Jacoby & Associés SA, Schroeder & ­Associés SA, TR-Engineering SA Fassadenplanung: Ralf Rache Akustik/Licht: Jean-Paul Lamoureux Felgen & Associés SA Elektroplanung: Bevilacqua & Associés SA, Grundfläche: 76.000 m2 Bebaute Fläche: 100.000 m2 Baubeginn: April 2004 Fertigstellung: 2008


018 | Portr채t: Dominique Perrault

Fotos: Prima Focus / Mark Sekuur / DPA / Adagp Plan: DPA/Adagp


SKIN DEZ.13 | 019

bauen

Schnitt

La Liberté Sozialer Wohnbau mit Büros, Groningen, Niederlande Groningen, im Norden der Niederlande gelegen, ist eine der zehn wichtigsten Städte des Landes. Nicht zuletzt weil sie mit einem Anteil von 50.000 unter 25-Jährigen bei einer Einwohnerzahl von 187.000 die „jüngste“ Bevölkerung aufweist. Um Stadtflucht und suburbane Strukturen zu vermeiden, initiierte die Stadtverwaltung 2004 die Kampagne „The Intense City“ mit dem Ziel, den ländlichen Lebensraum zu schützen und die Qualität des städtischen Raumes gleichzeitig zu steigern. Freiflächen sollen erhalten bleiben, und eine gewisse Dichte und Kompaktheit sind erwünscht. Das Projekt La Liberté von Dominique Perrault ist Teil dieses städtischen Erneuerungsprozesses, im Speziellen der Initiative „Ring Zuid Groningen“ an der Hauptverkehrsachse „Weg der Verenigde Naties“. Mit anderen internationalen Büros wie UN Studio oder Mecanoo architecten wurde 2007 auch Dominique Perrault mit dem Bau eines Gebäudes im Südwesten Groningens – mit einer Mischnutzung aus Mietwohnungen und Büros – beauftragt, und die Umsetzung wurde in enger Zusammenarbeit gemeinsam entwickelt. Das Projekt besteht aus zwei Türmen über quadratischem Grundriss. Ein Turm ist 40, der andere 80 Meter hoch. Beide Gebäude besitzen einen gläsernen Sockel, der jeweils Büros beherbergt und die Höhe der bestehenden Nachbarbebauung aufnimmt. Auf fünf Meter Höhe befindet sich eine großzügige Terrasse, die mittels einer dynamisch geschwungenen Brücke auf dieser Ebene auch beide Türme verbindet. Erst darüber erscheinen die Wohneinheiten auf dem Glassockel wie Bauklötze gestapelt. Schwarze, graue und weiße Flächen wechseln einander bei den Blocks ab und

lassen die Türme von jedem Blickwinkel aus anders aussehen. Perrault verwendet für die Fassade erstmals Klinker, die durch die Farbwahl weniger präsent sind, sich aber vom Glassockel haptisch deutlich abheben. Ein besonderes Element bilden die senkrecht zur Fassade angebrachten spiegelglatt polierten Stahlpaneele. Sie erlauben, ähnlich dem Blick in den Rückspiegel, auch ungewöhnliche Blicke aus den Wohnungen und lassen die Fassade dreidimensionaler erscheinen. La Liberté beherbergt insgesamt 120 Apartments 15 unterschiedlicher Typen in insgesamt 40 Varianten. Jedes Level besteht aus fünf Wohnungen. Da das niederländische Gesetz öffenbare Fenster Richtung Autobahn verbietet, hat Perrault in diesen Bereichen gläserne Loggien in den Block integriert, die als Filter – sowohl gegen Lärm als auch gegen Staubbelästigung – fungieren. Das Hochhaus ist nicht nur weithin sichtbar, sondern auch identitätsstiftend für das Gebiet. Um das Gebäude wurde außerdem eine Art mediterrane Gartengestaltung vom Architekten vorgesehen, die öffentlich zugänglich ist. Wohntürme La Liberté Groningen (NL) Bauherr: Christelijke Woningstichting Patrimonium Architektur: Dominique Perrault Architecture Partnerarchitekten: Oving Architekten Statik: Dijkhuis Groningen Generalplanung: Gevekebouw B. V. Grundstücksfläche: 10.230 m2 Bebaute Fläche: 23.400 m2 Fertigstellung: 2011


020 | Aedas Architects


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Markant und weit mehr als nur dekorative Hülle: Jedes der einzelnen schirmartigen Elemente verfügt über einen eigenen Antrieb.

Neues vernakuläres Bauen

Durch zeitgemäße Anwendung traditioneller Designtechniken entwickelte das Architekturbüro Aedas für das Hauptquartier der Abu Dhabi Investment Council (ADIC) mit den Al Bahr Towers eine markante Lösung, die sowohl kulturell verwurzelt als auch ökologisch nachhaltig ist. Text Gertrud Purdeller Fotos Christian Richters

D

ie Anforderungen des Auftragsgebers lauteten, zwei 25-stöckige Türme zu planen, die ein herausragendes Landmark darstellen, zeitgemäßes Design und moderne Technologien aufweisen und gleichzeitig das kulturelle Erbe der Region ebenso wie den Status des Auftraggebers berücksichtigen. Neben dem unlängst publizierten „Abu Dhabi 2030“-Plan, der Initiative Masdar und dem Estimada-(dt. Nachhaltigkeits-)Standard liegt ADIC mit seinen Ansprüchen ganz am Puls der Zeit. Das Architekturbüro Aedas begegnete diesen mit der Idee, eine algorithmische Komposition zu entwickeln, die auf islamischen Designprinzipien beruht und die Funktion einer dynamischen transluzenten Maschrabiyya (die traditionellen dekorativen Holzgitter vor den Fenstern arabischer Häuser und Paläste) hat.

Form und Design Ausgegangen sind die Architekten von zwei zylinderförmigen Türmen, da ein kreisrunder Grundriss das effizienteste Verhältnis zwischen Grundfläche und Außenhaut aufweist. Die Türme wurden anschließend rund um den Kern so geformt, dass sie am Fuß und an der Spitze schmäler und in der Mitte breiter sind. Die Dachfläche wurde in einem Winkel abgeschrägt, der eine möglichst hohe Ausnutzung solarer Energie durch Fotovoltaik möglich macht. Auf den am meisten ausgesetzten südlichen Flächen des Dachgeschoßes wurden außerdem Dachgärten situiert, die eine klimatische Pufferzone darstellen und die Kraft der solaren Einstrahlung vermindern. Darüber hinaus stellen diese auch einen Erholungsfaktor für die Nutzer der


022 | Aedas Architects

Komplett geschlossen

Halb geöffnet

Komplett geöffnet

Gradient based on sun path

Zeitlich bedingt unterschiedliche Fassadenentwicklung

Gebäude dar. Nachdem die Grundform der Türme festgestanden war, ging es darum, ein passendes Gerüst für die Außenhülle zu finden. Hier entschied man sich für eine honigwabenartige Struktur, da diese wegen der zahlreichen vertikalen und d ­ iagonalen Verstrebungen sehr gute Eigenschaften hinsichtlich Statik und seismischer Anforderungen aufweist.

Dynamische Maschrabiyya Neben der Entwicklung der Gebäudeform war das Team von Anfang an darauf bedacht, einen Weg zu finden, um das Gebäude vor Überhitzung durch die extrem hohe solare Einstrahlung zu schützen. Aufbauend auf der sehr langen Tradition des vernakulären Bauens entschied man sich schließlich dafür, das Konzept der Maschrabiyya, des traditionellen arabischen Fenstergitters, aufzunehmen, das dem Sonnenschutz, aber auch der Wahrung von Privatsphäre dient. Üblicherweise ermöglichen es diese Fenster den weiblichen Bewohnern, auf die Straße zu schauen, ohne selbst dabei gesehen zu werden. Aedas interpretierte das traditionsreiche Element neu und kreierte ein Raster aus transluzenten schirmähnlichen Einzelelementen, die sich entsprechend dem Lauf der Sonne öffnen und schließen – jedes Einzelne über einen eigenen Antrieb gesteuert. Zum ersten Mal konnte damit eine dynamische Fassade in dieser Größenordnung umgesetzt werden. Die intelligente Fassade reduziert die solare Einstrahlung um 50 Prozent und macht die Verwendung von stark eingefärbtem Glas überflüssig. Zudem gewährleistet sie dadurch nicht zuletzt gleichzeitig auch dem Nutzer eine bessere Durchsicht.

Teamwork Während der gesamten Zeit wurde auch mit dem Team von Arup Associates eng zusammengearbeitet, das die Umsetzung durch hochentwickelte computergestützte De­ signtechniken unterstützte. Entwickelt wurde eine maßgeschneiderte Anwendung, um die Bewegung der Fassade entsprechend dem Verlauf der Sonne zu simulieren. Dies unterstützte die Entwicklung der Detaillösungen durch weitere verschiedene Simulationen. Darauf aufbauend, wurde ein integriertes Gebäudemodell entwickelt, das eine angemessene Koordination der verschiedenen Gebäudeelemente möglich machte.

Al Bahr Towers Abu Dhabi Auftraggeber: Abu Dhabi Investment Council Architektur: Aedas Architects Limited, London Haustechnik- und Tragwerksplanung: Arup Associates, London Stahltragwerk: William Hare Fassadenkonstruktion und technische Umsetzung: Yuanda Europe Ltd, Zug (CH) Fertigstellung: 2012 Fläche: 70.000 m² Höhe beider Türme: 145 m Insgesamt 2.000 Maschrabiyya-Komponenten an beiden Türmen


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024 | Bierman Henket architecten

EIN SCHIMMERNDES EI AUF DEM DACH Bierman Henket architecten haben durch den eiförmigen Dachaufbau des Museums De Fundatie im niederländischen Zwolle die Fliese als Gestaltungselement für Fassaden wieder ins Licht der Aufmerksamkeit gerückt, sie neu interpretiert und ihr einen neuen Stellenwert zugeordnet. Text Michael Koller Fotos Joep Jacobs

D

as Museum De Fundatie ist in einem von Architekt Eduard Louis de Coninck 1838 im neoklassizistischen Stil entworfenen und 1841 fertiggestellten Gebäude untergebracht. Der ursprünglich als Gerichtsgebäude genutzte Bau liegt in der mittelalterlichen Innenstadt von Zwolle und grenzt mit seiner Rückseite an einen Park. 2010 erhielten Bierman Henket architecten den Auftrag für den Ausbau der zu klein gewordenen Räumlichkeiten. Der historische Gebäudeteil, der sich auf einer Grundfläche von zirka 30 mal 50 Metern erhebt, zeichnet sich durch seine Symmetrie sowohl in der Längs- als auch in der Querrichtung aus. Beide Eingänge, jener gegen das Stadtzentrum sowie jener an der Parkseite, wurden als von monumentalen Säulen im korinthischen Stil charakterisierter Mittelrisalit ausgebildet. Die Hauptfront zum Blijmarkt öffnet sich auf einen kleinen Vorplatz.

Dominanter Solitär Zwischen den verschiedenen Möglichkeiten eines Zubaus entschied man sich schließlich für einen Aufbau über dem bestehenden Dach. Hubert-Jan Henket konnte den Bauherrn davon überzeugen, dass ein seitlicher Anbau zur Zerstörung des solitären Charakters des Gebäudes geführt hätte. Um an die strenge Gebäudesymmetrie des Bestandes anzuschließen, entschied sich der Architekt ebenfalls für eine symmetrische, elliptische und an einen Rugbyball erinnernde Form. Über den auf dem kleinen Vorplatz befindlichen Haupteingang gelangt man in ein im Gebäudezentrum gelegenes Atrium, das sich über die gesamte Gebäudehöhe erstreckt. Dieses Atrium ist das verbindende Element zwischen dem Altbau und dem konstruktiv völlig unabhängigen Neubau darüber. Über den verglasten Lift im Atrium gelangen die Besucher von den Ausstellungsräumen des Erdgeschoßes


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Zwei sehr gegensätzliche und gleichzeitig geometrisch perfekt durchkomponierte Baukörper, das ehemalige Gerichtsgebäude aus dem 19. Jahrhundert und das gestreckte Rotationsellipsoid von Bierman Henket architecten, verschmelzen beim Museum De Fundatie im niederländischen Zwolle zu einer neuen Einheit.

und des ersten Obergeschoßes im Altbau zu den zwei neuen Geschoßen in einer dritten und vierten Ebene. Am Schnittpunkt zwischen Alt- und Neubau, zwischen dem ersten und dem dritten Obergeschoß befindet sich ein Gang, dessen Außenwand im oberen Bereich durch ein rundumlaufendes Fensterband gekennzeichnet ist und den Blick in das Atrium freigibt. Von dort aus führen auch die neuen Treppen, die parallel zur Krümmung des Dachaufbaus verlaufen, in die neu hinzugefügten oberen Stockwerke mit ihren rund 1.000 Quadratmetern.

Konstruktives Gerüst Die tischartige Konstruktion des Aufbaus lagert auf acht quadratischen Hohlstützen aus Stahl von 300 mal 300 Millimetern, die durch die Decken des bestehenden Gebäudes durchgeführt wurden und mittels Schraubpfählen im

Erdreich verankert sind. Die hinzugefügten Stützen und die ­diagonalen Windaussteifungen konnten durch das Verdicken der bestehenden Wände im Altbau unsichtbar verborgen bleiben. Die Tischkonstruktion bildet den tragenden Unterbau des neuen Gebäudevolumens. Von dieser Fläche aus formen 25 I-Stahlträger die Unterkonstruktion des Dachaufbaus. Der Hauptbinder der Längsachse, an die alle anderen Binder angeschlossen sind, bildet das Rückgrat der Kuppelkonstruktion. Windrispen im untersten Bereich der gekrümmten Binder sorgen für die notwendige Aussteifung. Auf der Höhe, auf der sich die Hauptbinder wieder nach innen krümmen, verläuft ein Ringbalken. Die Fußbodenkonstruktion des vierten Obergeschoßes steht frei, wiederum wie ein Tisch, auf der Bodenplatte des Zubaus und schließt nicht an die Außenwände an – wodurch sich ein Spalt zwischen dem Plateau und der eigentlichen Dachschale ergibt.


026 | Bierman Henket architecten

Im Schnitt (Seite 27) und in der Innenansicht wird der von außen doch starke Kontrast zwischen dem historischen Bestand und der auf ein umlaufendes Fensterband aufgesetzten weithin sichtbaren Kuppel zur räumlich durchaus spannenden Einheit.

ÄuSSere Hülle Die heute existierende Fassade ist das Ergebnis einer langen Suche nach dem am besten geeigneten Material und der adäquatesten Befestigungsmöglichkeit, die im budgetären Rahmen und unter den umwelttechnischen Auflagen zu realisieren war – ohne Abstriche bei den ästhetischen Ambitionen machen zu müssen. Die Architekten entschieden sich ganz bewusst für kleinformatige Fliesen, um die Form des Volumens gegenüber der Fassadenbekleidung in den Vordergrund zu stellen. Der 30 Meter lange, 25 Meter breite und 12,5 Meter hohe Aufbau ist mit rund 55.000 speziell angefertigten Fliesen in zwei unterschiedlichen Formaten bedeckt. Die weiß-blauen Fliesen von 190 mal 190 mal 60 Millimetern oder 95 mal 95 mal 35 Millimeter sind punktweise auf eine einfache, 1,2 Millimeter dicke, wasserdichte EPDM-Folie geklebt und wurden von der Keramikfirma Koninklijke Tichelaar in Makkum hergestellt. Diese Montagetechnik wurde vielfältigen Tests unterzogen, um sicherzustellen, dass die Fliesen

durch Feuchte-, Wind- oder Hitzeeinwirkung nicht brechen oder sich von den Dichtungsplatten lösen. Um eine Faltenbildung der Dachabdichtung zu verhindern und eine flache Oberfläche zu erhalten, entschied man sich bewusst für die Verwendung von EPDM-Platten (mit zirka 100 mal 100 Millimetern) und nicht für EPDM-Dachbahnen. Die Fliesen sind mehr oder weniger zufällig angeordnet und auf ihrer vertikalen Seite verklebt, um das Ablaufen des Regenwassers an der darunterliegenden Dachhaut sicherzustellen. Aus diesem Grund blieben auch die Fugen zwischen den Fliesen offen. Für die Passstücke wurden einfache, flache Fliesen derselben Textur und Farbe verwendet. An der Nordseite, im Bereich der Bar, sahen die Architekten ein großes, etwa 65 Quadratmeter großes „Auge“ vor, das einen weiten Ausblick auf die Altstadt ermöglicht. Die Glasfläche besteht aus dreiecksförmigen verkitteten Isolierglasplatten, die auf ihrer Innenseite durch speziell entwickelte Punkthalterungen an der Tragkonstruktion befestigt sind.


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bauen

OFFENE RÄUME Glas-Faltwände von Solarlux schaffen außergewöhnliche Wohnkonzepte mit maximaler Offenheit. Aufgefaltet über die gesamte Fensterfront erweitern sie den Lebensraum grenzenlos ins Freie. Überzeugen sie sich von unseren hochwertigen, energieeffizienten sowie mehrfach im Design prämierten Verglasungen!

Ansicht und Schnitt. Pläne: Bierman Henket architecten

Komplexes Zusammenspiel Die Architektur des historischen Gebäudeteils wird durch jene des Neubaus betont und umgekehrt. Die unterschiedliche äußere Erscheinung setzt sich auch im Inneren fort, wo die Geometrie der Ausstellungsräume, aber ebenso die Treppen völlig unterschiedlich sind. Die Proportionen des Bestandes sollten sich im Aufbau widerspiegeln und das neue Volumen das darunterliegende Bauwerk optisch nicht erdrücken. Die gekrümmte Form verhindert auch, dass das weithin sichtbare Volumen in der kleinmaßstäblichen Innenstadt von Zwolle zu dominant wird. Bei bestimmten Tageslichtsituationen scheint es sogar vor dem weiß-blauen Hintergrund des Himmels und der Wolken zu verschwinden. Der spannendste Moment für alle beteiligten Firmen – auch für die Architekten – war das Enthüllen der fertigen Kuppel, eben jener Augenblick, als alle Baugerüste und Abdeckplanen nach dem Verfliesen der Dachhaut endgültig entfernt wurden. Durch die elliptische Form des Aufbaus, die dreidimensionalen Fliesen und ihre unterschiedlichen Farbschattierungen präsentiert sich das Projekt dem Betrachter stets in einer anderen Erscheinung. Museum De Fundatie Zwolle (NL) Bauherr: Gemeinde Zwolle Architektur: Bierman Henket architecten, Esch Statik/ÖBA: ABT adviesbureau voor bouwtechniek BV, Velp Generalunternehmer: BAM Utiliteitsbouw BV regio Oost, Zwolle Haustechnik: Huisman & van Muijen, Eindhoven Stahlbau: Kampstaal Staalbouw und Ten Koppel ­Staalbouw BV, Zwolle Entwurf: 2010 Fertigstellung: 2013

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028 | Baumschlager Eberle

Ein Haus zum Wohlfühlen

Die weltweit akzeptierte Wohlfühltemperatur liegt zwischen 22 und 26 Grad Celsius. Um diesen Standard zu gewährleisten, benötigen Gebäude immer weniger Energie. Derzeit beruht diese ­Tendenz allerdings auf einem immer höher werdenden Aufwand durch Unterhalt und Wartung. Beim Bürogebäude „2226“ in Lustenau lautete das Motto der Architekten hingegen weniger Energie durch weniger Technik. Text Gertrud Purdeller Fotos archfoto/Eduard Hueber + Ines Leong

A

ls ging es dem Architekturbüro Baumschlager Eberle darum, sinnvolle natürliche Zusammenhänge zu finden und nutzbar zu machen – und die Natur dabei nicht durch eine technische Umwelt zu ersetzen. Aufgrund elementarer Mittel der Architektur sorgt das Haus aus Stein, mit Wänden, Türen und hohen Räumen dank guter Proportionen und dem selbsterklärenden Gebrauch für Wohlbefinden bei den Nutzern dieses Bürogebäudes. Das Prinzip klingt simpel, reflektiert aber das gesammelte Wissen, das Baumschlager Eberle in den vergangenen 28 Jahren gesammelt hat.

Im Dialog mit dem Menschen

möglichst wenig Technik zu schaffen. In Zusammenarbeit mit einem Forschungsinstitut wurden Simulationen erstellt, bei denen es vor allem um die Steuerung der Energieströme im Haus ging. Berücksichtigt wurden dabei auch die Speichermasse, die durch massive Baukonstruktionen entsteht, und die durch eine Kalkputzfassade mögliche Diffusion nach außen. Bisher gab es zwischen den errechneten Werten und den tatsächlichen Verbrauchswerten immer große Differenzen. Das liegt daran, dass die thermische Trägheit massiver Baukonstruktionen, ihre Wärmespeicherkapazität und Fähigkeit, Wärme abzustrahlen, in den heutigen Berechnungsmethoden nicht ausreichend beachtet wurden. Nutzer nehmen derartige Phänomene allerdings als „behaglich“ wahr.

„Statt eines Gebäudes, das auf die Haustechnik reagiert, antwortet es auf den Eintrag des Menschen. Auf seine Körperwärme, auf seine Humidität, auf seine Umwandlung von Wie plant man Behaglichkeit? Sauerstoff in CO2“, so Dietmar Eberle. Wie an ein Forschungs- Als markantes Element des Bürogebäudes „2226“ fällt zuprojekt ging das Architekturbüro an die selbstgewählte nächst seine massive Hülle auf. Der Wandaufbau besteht aus Aufgabe heran, ein wartungsarmes, nachhaltiges Gebäude mit einer inneren und einer äußeren Schicht von 38-ZentimeterZiegeln, die miteinander verzahnt sind. Während die innere Schicht für hohe Druckfestigkeit sorgt, ist die äußere für effizientes Isolieren zuständig. Die Drehung des Baukörpers und seine tiefen Fensterlaibungen reduzieren den Wärmeeintrag durch Sonneneinstrahlung. Innen angeschlagene Lüftungsflügel werden von Sensoren gesteuert, die das Raumklima entsprechend der Jahreszeit regulieren. Da im Winter die Abwärme für einen hohen Energieeintrag sorgt, gehen die Lüftungsflügel erst auf, wenn der CO2-Anteil im Raum steigt. Bei sommerlicher Hitze öffnen sich die Flügel nachts, um mit „Zugluft“ natürlich zu kühlen. Sensoren unterstützen somit ein wenig kontrollierter die ganz normale Tätigkeit der Benutzer in einem Haus, das ganz ohne Heizung, künstliche Lüftung und Kühlung auskommt. Bürogebäude „2226“ Neubau Bürogebäude „2226“ in Lustenau

© be baumschlager eberle

Bauherr: AD Vermietung OG, Lustenau Generalunternehmer: Rhomberg Bau GmbH, Bregenz Architektur: Baumschlager Eberle, Lochau Statik: Mader & Flatz Ziviltechniker GmbH, Bregenz Brandschutz: IBS – Institut für Brandschutztechnik und Sicherheitsforschung, Linz Bauphysik: Ingenieurbüro Kurzemann GmbH, Dornbirn Lichtplanung: Ingo Maurer (München), Symetrys, Lustenau Elektroplanung: Elmar Graf GmbH, Dornbirn Energieoptimierung: Lars Junghans, Michigan (US) BUS Steuerung: Peter Stefan Widerin, Hörbranz Grundstücksfläche: 4.037 m² Gebäudegrundfläche: 543 m² Bruttogeschoßfläche: 3.201 m² Nutzfläche: 2.421 m² Umbauter Raum: 13.138 m³ Fertigstellung: 2013


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Einzig die innen angeschlagenen Lüftungsflügel werden über Sensoren gesteuert.

Tür mit geöffnetem Lüftungsflügel.

Das Gebäude „2226“ sorgt nicht nur für Wohlfühltemperatur im Inneren, sondern soll an seinem konkreten Standort in einem ­Gewerbegebiet auch einen kulturellen Mehrwert erzeugen.

Die Drehung des Baukörpers und tiefe Fensterlaibungen sorgen für einen reduzierten Wärmeeintrag durch Sonneneinstrahlung.


030 | Speech Tchoban & Kuznetsov, Moskau

Die H체lle verweist auf den Inhalt: "Die Silhouette des Geb채udes 채hnelt einem losen Stapel Archivboxen oder Blattsammlungen mit Fragmenten architektonischer Zeichnungen", so umschreiben die Architekten das Entwurfskonzept. Foto: Roland Halbe


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bauen

Kraftvolles Zeich(n)en

Einst gehörten freihändiges Zeichnen und zeichnerische Bauaufnahmen diverser historischer Bauten ebenso zum Rüstzeug des Architekten wie die Aktzeichnung. Mittlerweile versucht sich kaum mehr ein Architekt darin, seinen handzeichnerischen Fähigkeiten nachzugehen. Selbst der Nachwuchs ­bedient sich eher digitaler Medien. In Berlin versucht die Tchoban Foundation sogar mit einem ­eigenen Museum Überzeugungsarbeit zu leisten. Text Christine Müller Fotos Patricia Parinejad

V

iel vorgenommen hat sich Sergei Tchoban, Architekt und leidenschaftlicher Sammler historischer Architekturzeichnungen, mit der Gründung der Foundation. Ist er doch davon überzeugt, dass Entwicklung und Training von Formen- und Proportionsfindung über die zeichnende Hand erfolgen. Sind Begabung und Ausbildung die Grundfesten, auf denen die Zeichenkunst bis weit in das 20. Jahrhundert hinein stand, bedient man sich heute eher digitaler Behelfe. Tchoban möchte mit seiner Stiftung den talentierten Architektennachwuchs in der klassischen Ausbildung des Zeichnens fördern. Seine beachtliche Sammlung soll hierbei zum Studium zur Verfügung stehen und in der Öffentlichkeit für mehr Aufmerksamkeit sorgen. Sergei Tchoban, der noch einer Generation angehört, in der das Fach Zeichnen zur Grundlage der Architektenausbildung gehörte, wollte die fantastischen und emotionsbeladenen Welten der Architekturzeichnung erlebbar machen und errichtete in Berlin einen Museumsneubau, in dem ausschließlich handgezeichnete Architekturdarstellungen bewahrt und ausgestellt sind. Zu den Beständen gehören

– neben Zeichnungen aus der Hand des Stifters – Werke international führender Architekten des 20. und des 21. Jahrhunderts. Zeitgenössische Architekturzeichnungen sollen Werken großer Zeichner vergangener Jahrhunderte gegenübergestellt werden und die Tradition der Handzeichnung ­damit lebendig bleiben – natürlich auch mittels Ausstellungen internationaler Sammlungen.

Zeichenhaft Sich ein eigenes Museum zu errichten ist ja kein alltäglicher Wunsch. Tchoban hat sich diesen am Berliner Pfefferberg auf dem Areal einer ehemaligen Brauerei erfüllt. Entworfen haben den Bau mit seiner außergewöhnlichen Hülle Sergei Tschoban und Sergei Kuznetsov mit ihrem Moskauer Architekturbüro Speech. Der Neubau liegt am Eingang eines Komplexes, der aus denkmalgeschützten Bauten besteht, und ordnet sich in die Gesamtanlage ein. Der fünfgeschoßige Massivbau mit rechteckigem Grundriss und gläsernem Staffelgeschoß schließt als auffällige Brandwandbebauung eine Zeile typischer Berliner Altbauten ab. In Massivbauweise


032 | Speech Tchoban & Kuznetsov, Moskau

Eher aufwendig war die Gestaltung der außergewöhnlichen Betonfassade: eigens angefertigte Strukturnatrizen (elastische, wiederverwendbare Schalungseinlagen aus gummiähnlichen Polyurethan-Elastomeren) wurden zur plastischen Gestaltung verwendet.

errichtete Geschoße kragen unterschiedlich weit und in jeweils differenten Winkeln aus. Im doppelten Sinn zeichenhaft möchte der Tchoban den Bau verstanden wissen: „Die Silhouette des Gebäudes ähnelt einem losen Stapel Archivboxen oder Blattsammlungen mit Fragmenten architektonischer Zeichnungen.“

Unorthodoxer Gestus Die gezielt und sparsam eingesetzten Vor- und Rücksprüngen folgen einem freien Aufbau, der sich zwar formal an konventionellen Berliner Altbau-Vorderhäusern aus Erkern, Loggien und Balkonen orientiert, im Gestus aber unorthodox und radikal reduziert erscheint. Fast erhält man den Eindruck, das Gebäude sei aus Zeichnungen gebaut. Denn in die glatte und ruhige Sichtbetonhülle eingeritzt, rhythmisieren vergrößerte Abdrücke verschiedener perspektivischer Zeichnungen den Baukörper, der sonst fugen- und fensterlos in Erscheinung tritt. Subtil verweisen die feine Relieftextur mit ihren architektonischen Motiven und die gelblich-graue Pigmentierung des wasserundurchlässigen Betons auf die Funktion des Museums und auf das Pergament als traditionelles Trägermaterial historischer Architekturzeichnungen. Befinden sich im Erdgeschoß Eingangshalle, Garderobe und Museumsshop, sind im ersten und zweiten Obergeschoß die Ausstellungsräume, im Geschoß darüber neben einem Schauarchiv das Kunstdepot als separate Raumeinheit untergebracht. Das hinter einer Ganzglas-Doppelfassade weitestgehend weiß gehaltene transparente Staffelgeschoß neutralisiert gleichsam die intensive Wirkung des übrigen Baus und gibt den Blick frei auf das lebendige Altbauumfeld am Teutoburger Platz. Der kleine stützenfreie

Mehrzweckbereich dient vorrangig für Besprechungen. Freie Austritte nach Westen und Osten mit unsichtbar fixierten Ganzglasbrüstungen in rund 22 Metern Höhe ergänzen das klare und offene Raumerlebnis.

Plastisch Die stark vergrößerten Fragmente architektonischer Skizzen, die in Reliefform die Fassade zieren, verweisen auf die Nutzung als Ausstellungsort und Schauarchiv. Innerhalb eines Geschoßes bilden Sequenzen des gleichen Ausschnitts eigene Rhythmen, einige Fassadenflächen zeigen anstelle von Bildausschnitten vollflächige Kanneluren. Neben der plastischen Gestaltung des Betons sind auch dessen Herstellung und konstruktiver Einsatz bemerkenswert, all das prägt das Erscheinungsbild des Baus. Die herkömmliche Konstruktion von Stahlbetonbauten sieht vor, dass die Deckenplatten – die jeweils nach Errichtung der tragenden Wände des Geschoßes darunter gegossen werden – auf den Wänden aufliegen. Um eine Unterbrechung der Fassadenmotive auf den tragenden Außenwänden zu vermeiden und die Motive in einem Stück gießen zu können, wurden die Geschoßaußenwände direkt aufeinandergesetzt. Zur Herstellung der Reliefoberfläche hat man die Schalung zur Errichtung der Betonwände mit plastischen Silikonmatrizen stark vergrößerter Zeichnungsausschnitte belegt. Thermisch getrennt, wurden die Decken in der Folge zwischen den Wänden gegossen und eingehängt. Auch im Inneren kehren die Gestaltungselemente der äußeren Hülle wieder und spiegeln so den ganz individuellen Design-Code des Hauses wider. Handgeschnitzt zeigen die großformatigen Paneele der Wandtäfelung das Projektions-


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bild der Fassadenmotive. Bereits der Empfangsbereich, den man durch eine große, schmucklose Holztür betritt, stimmt mit seiner Täfelung und den Einbauten aus Nussbaum­ holz auf die Empfindlichkeit der Architekturzeichnungen ein – von Hand gezeichneter Welten, Ideen, Beobachtungen und Analysen, die eine Annäherung an die tatsächliche oder geplante Architektur repräsentieren und zugleich unmittelbaren Einblick in die Vorstellungen ihrer Schöpfer gewähren. Museum für Architekturzeichnung, Berlin Neubau eines Museums für die Tchoban Foundation Berlin, Prenzlauer Berg Bauherr: Tchoban Foundation. Museum für ­Architekturzeichnung Architektur: Speech Tchoban & Kuznetsov, Moskau Planung, Bauleitung: nps Tchoban Voss GmbH & Co KG, Berlin

Ansichten: (Seite 32) Fassade Nord-Ost, (diese Seite) Fassade Süd-Ost Hofseite. Pläne: Speed Tchoban & Kuznetsov

die

mehr

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Wert

Das gestalterische Potential der VHF bietet Planern und Bauherrn eine nahezu unbegrenzte Auswahl. Ästhetisch. Funktionell. Wirtschaftlich. Für Fragen zur Fassadenplanung steht Ihnen der Fachverband ÖFHF als herstellerneutraler, kompetenter Berater zur Verfügung. Informieren Sie sich jetzt: www.oefhf.at

Statik: PPW Dipl.-Ing- D. Paulisch, Berlin Fassade: MBM Konstruktionen GmbH, Möckmühl Grafikkonzept Fassade: Heimann und Schwantes, Berlin Fassadenberatung Entwurf: Priedemann Fassadenberatung GmbH, Berlin Sichtbeton: BSS Beton – System-Schalungsbau GmbH, Berlin Strukturmatrizen: Reckli GmbH, Herne Betonfertigteile: Holger Plus GmbH, Rellingen Betonbeschichtung: MK Nano Tec UG, Berlin Außenwandaufbau: 27 cm WU-Beton in Ortbetonbauweise hergestellt; 10 cm Schaumglas (Foamglas®); 11,5 cm Kalksteinmauerwerk; 1,5 cm Kalkzementputz BGF: 498 m² Fertigstellung: 05/2013

ÖFHF Österreichischer Fachverband für hinterlüftete Fassaden


034 | schneider+schumacher Architekten

Das homogene äuĂ&#x;ere Erscheinungsbild dieses etwas unkonventionellen Kirchenbaus lässt auf den ersten Blick kaum erahnen, dass es sich hierbei um einen Holzbau handelt.


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Die äußere Form dieses Sakralbaus spricht dieselbe direkte und unmissverständliche Sprache wie die großen Schilder, die auf die Möglichkeit zum Tanken, Essen und Schlafen aufmerksam machen.

Zwischen Schnellimbiss und Autowaschanlage

In Wilnsdorf an der A 45 – auf halber Strecke zwischen Dortmund und Frankfurt – wurde im Mai die 40. Autobahnkirche Deutschlands eröffnet. Das Faltwerk aus der Feder der Architekten Till Schneider und Michael Schumacher wirkt nach außen monolithisch und massiv. Innen überrascht es mit einem filigranen Holzgewölbe, das an eine feingliedrige Kreuzrippenstruktur erinnert. Text Gertrud Purdeller Fotos Jörg Hempel

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er weiße Baukörper der Autobahnkirche präsentiert sich sowohl zur Rastanlage als auch in die Ferne in Richtung Dortmund mit der abstrakten Silhouette einer traditionellen Dorfkirche. Es handelt sich dabei um genau jene Form, die auf Verkehrsschildern zur landläufigen Kennzeichnung von Kirchen zu sehen ist. Mit derselben unmissverständlichen Direktheit, mit der Schilder und Piktogramme an Rastanlagen normalerweise auf die Möglichkeit zum Tanken, Essen und Schlafen hinweisen, deutet nun hier gleich der Gebäudeumriss selbst schon von weitem auf einen Ort der Stille und Andacht hin. Laut dem eigens gegründeten Förderverein Autobahnkirche Siegerland e. V. hat ein solcher hier bisher gefehlt, weshalb im März 2009 ein Wettbewerb ausgeschrieben wurde, aus dem das Architekturbüro schneider+schumacher als Sieger hervorging. Geld für die Umsetzung der christlich-ökumenischen Kirche kam durch zahlreiche Spenden.

Die Konstruktion der Wände und des Dachtragwerks sind im Zwischenraum gedämmt. Innen- und Außenseiten wurden mit OSB-Platten beplankt, die man anschließend mit einer Polyurethan-Sprühabdichtung versah. Diese schützt das Holz gegen Feuchtigkeit und verleiht dem Gebäude ­außerdem seine einheitliche Fassade.

Mystisches Gewölbe

Das Äußere erzeugt eine Erwartungshaltung, doch beim Betreten des Inneren wird man überrascht. Durch das Eingangsgewölbe gelangt man unter eine Kuppel aus e­ iner feingliedrigen Holzrippenstruktur, die sich zum Altarbereich hin weit öffnet. Natürliches Licht gelangt nur über die Kirchturmspitzen in das Innere. Insgesamt wurden 66 vertikale und 66 horizontale halbkreisförmige Holzspanten verbaut, die sich wiederum aus 650 Einzelteilen zusammensetzen. Die Holzrippen wurden durch eingebrachte Schlitze ineinandergesteckt und gewährleisten durch eine gewisse Eigensteifigkeit, dass sich die Konstruktion selbst trägt. Eine Fixierung Archaischer Holzbau Das homogene Erscheinungsbild der Kirche, bestehend aus am Boden wurde nur punktuell über Stahlwinkel notwendig. einem Hauptkörper auf quadratischem Grundriss mit zwei Durch die runde Kuppel im quadratischen Grundriss der Kirche entstehen an den Randzonen Freiflächen außerhalb Ecktürmen und einer stegartigen Erschließungsbrücke, des Sichtbereichs, die als Nebenräume – etwa als Stuhllager die sich zu einem überdachten Eingang schließt, lässt von außen kaum erahnen, dass es sich hierbei um einen Holzbau oder Sakristei – genutzt werden können. handelt. Die Außenwände wurden in Holzständerbauweise errichtet. Beim Dachtragwerk und bei den Turmbauten han- Parametrik-Design delt es sich um eine Holzbinderkonstruktion. Zum Großteil Der hochkomplexe Baukörper der Holzinnenkuppel entstand wurden die einzelnen Elemente bereits im Werk vorgeferdurch die Anwendung parametrischer Entwurfsverfahren. Zur tigt, was eine kurze Montagezeit vor Ort möglich machte. Anwendung kamen dabei die Computerprogramme Rhino und


036 | schneider+schumacher Architekten

Links: Nach zwei Richtungen präsentiert sich der Gebäude­ umriss als Abbild einer gängigen Verkehrstafel, die auf eine Kirche verweist. Rechts und unten: Ein unerwartet komplexer Innenraum überrascht beim Betreten des Andachtsraumes.

Grasshopper. So entstand aus einer zunächst runden Innenkuppel eine filigrane Struktur aus 132 ineinandergesteckten Holzspanten, die an ein feingliedriges Kreuzrippengewölbe sakralen Charakters erinnert. Über die reine Planungsfunktion hinaus wurde das CAD-Programm zu einer CNC-Software weiterentwickelt. Auf Basis der im Vorfeld gewonnenen Daten erzeugt diese ein Schnittmuster, das die einzelnen Teile auf OSB-Platten mit handelsüblichen Abmessungen so positioniert, dass möglichst wenig Verschnitt entstand.

Bis ins Detail In enger Abstimmung mit den Bauherren haben die Architekten schließlich auch die Ausstattung dieses Sakralraumes entwickelt: Bestuhlung, Pulte, Kniebänke und Kerzenständer wurden aus demselben Material wie die Holzinnenkuppel gefertigt und bilden somit einen einheitlichen Innenraum. Einzig Podest und Altar sowie das hinterleuchtete Kreuz im Altarraum wurden weiß ausgeführt und wirken dadurch entmaterialisiert.


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bauen

Ansicht Süd. Pläne: schneider+schuhmacher

Grundriss mit Innenkuppel

Autobahnkirche Siegerland Autohof Wilnsdorf A 45 (Ausfahrt 23), Wilnsdorf (D) Bauherr: Autobahnkirche Siegerland e. V. Architektur: schneider+schumacher Planungsgesellschaft mbH, Frankfurt Projektarchitekt: Michael Schumacher Wettbewerb: 03/2009 Tragwerksplanung/Baupysik: B+G Ingenieure Bollinger und Grohmann GmbH, Frankfurt Haustechnik: rpb ingenieure GmbH, Köchingen Vermessung: Dipl.-Ing. Jürgen Seelbach, Siegen Grundstücksgröße: ca. 500 m² BGF oberirdisch: ca. 240 m² NF: ca. 240 m² BRI oberirdisch: ca. 2.050 m³ Gebäudeabmessungen: Kirche, ca. 14,00 x 14,00m zuzgl. Zugangsbrücke Baubeginn: März 2011 Fertigstellung: Mai 2013

Meine Ansicht: Sto-Fassadendämmsysteme bieten eine Vielfalt an traumhaften Oberflächen. www.sto.at/fassade


038 | Mineralwerkstoff

Wie eine zweite Haut

Was Mutter Natur nur in Jahrtausenden gelungen war, schafft der spanische Hersteller von Quarzund Natursteinoberflächen Cosentino mit einer Form Hochdruck- und Hochtemperaturverfahren in wenigen Stunden: Fortschrittlichste Technologien ermöglichen es, der Natur ein Schnippchen zu schlagen und sie mit der Schaffung eines neuen höchstverdichteten Materials auch noch zu übertrumpfen.

Dreidimensionale Haut: Da sich die Optik der Oberfläche durch das ganze Produkt fortsetzt, eignet sich Dekton sowohl für den Innenwie auch für den Außenbereich. Fotos: Cosentino

S

eit Sommer 2013 wird am Hauptsitz des Familienunternehmens im spanischen Macael bei Cantoria (Andalusien), wo einst in den Vierzigerjahren mit Eduarda und Eduardo Cosentino – die Eltern der heutigen Eigentümer – die Erfolgsgeschichte mit dem Abbau von Naturstein und Marmor begann, mit Dekton ein neuartiges Material für den Einsatz auch im Außenbereich hergestellt. Hier befinden sich auf einem 100 Hektar großen Areal fünf Werke zur Verarbeitung von Quarz und Marmor ebenso wie ein firmeneigenes Entwicklungs- und Forschungszentrum. Der ganzheitliche Prozess steht dabei im Vordergrund, befasst man sich bei Cosentino von jeher nicht nur mit dem Abbau der Rohmaterialien, sondern ebenso mit deren Weiterverarbeitung und dem Einbau der fertigen Oberflächen. War das multinational tätige Unternehmen bisher vor allem als einer der führenden Hersteller hochwertiger Quarz- und Natursteinoberflächen für Küche und Bad bekannt, widmet man sich nun mit der Entwicklung der neuartigen, ultrakompakten Oberfläche Dekton auch der Gestaltung der Außenhülle.

nehmenseigenen Forschungsabteilung entwickelt, erfolgt dann die Herstellung des neuen Produkts unter Anwendung der neuartigen Partikelsinterungstechnologie „PST“. Durch einen speziellen, hocheffektiven Verdichtungsprozess wird das Material mit einer speziell für dessen Herstellung entwickelten Presse mit der Kraft von 25.000 Tonnen verdichtet. In dieser zurzeit weltweit leistungsstärksten Presse werden die großformatigen, dünnen und ultrakompakten Dekton-Platten hergestellt. Die Massepartikel werden bei Höchsttemperaturen von 1.200 Grad Celsius drei Stunden lang gebrannt und aufgrund der stattfindenden chemischen Reaktion in Kristalle umgewandelt. Sie verflüssigen sich ähnlich dem unter der Erdoberfläche befindlichen Magma und erstarren bei niedrigeren Temperaturen am Ende der Brennlinie zur Platte.

Pflegeleicht und langlebig

Resultat dieses Produktionsweges sind letztlich auch die herausragenden Materialeigenschaften dieses Produkts. Neben hoher UV-Beständigkeit, Stabilität von Form und Farbe, Druckbeständigkeit und Wasserdichtheit kennzeichnen hohe Resistenz gegen Kratzer, Flecken oder Abrieb und Ultrakompakt und vielseitig Die unter hohen Temperaturen und einem extremen Verdich- extreme Temperaturen wie Frost oder Feuer die außergetungsprozess neu entstehende Masse aus Mineralpartikeln wöhnlichen Eigenschaften der fortschrittlichen Oberfläche. Sind auch die bei Cosentino angefertigten Muster in Leder-, ist die Grundlage des neuen Materials außergewöhnlicher Widerstandskraft und hoher Dichte. Dekton, im Innen- wie Holz- oder Jeansoberfläche bisher nur als die mehr oder weniger spielerische Ausreizung des Möglichen zu versteim Außenbereich anwendbar, vereint die herausragenden hen, könnte in Zukunft ähnlich Ausgefallenes durchaus auch Eigenschaften von Glas, Quarz und Porzellan und eröffnet in Serie gehen. Derzeit dominieren matte oder polierte Obersomit Architekten wie Designern eine ganze Palette von Gestaltungsmöglichkeiten. Unter der Verwendung bestimm- flächen, die in Haptik und Optik an Naturstein, Marmor, Schiefer oder Zement erinnern und in vorerst zwölf unterter Grundsubstanzen – deren Zusammensetzung bleibt schiedlichen Farben und Texturen erhältlich sind. Selbst die natürlich ein gut gehütetes Familiengeheimnis – werden im Naturstein vorkommenden Schichten oder durch eingeeigene Rohmaterialien hergestellt. Exklusiv von der unter-


schlossene Mineralien auftretende Oberflächenoxidation werden der Natur nachempfunden. Eine hochkomplexe Mischung aus unterschiedlichen Rohstoffen, die zur Herstellung von Glas, Porzellan und Quarzoberflächen herangezogen werden, bestimmt das kompakte Material, mit dem es Cosentino gelungen ist, eine vollkommen neue Produktkategorie zu schaffen. Durch

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innovation

diese innovative, hochtechnologische Haut können Innenund Außenflächen zu einer optischen Einheit verschmelzen. Was jedoch ganz besondere Perspektiven eröffnet, ist die hier dreidimensional mögliche Ausgestaltung im gesamten Volumen der Materialmasse, die in vertikaler wie horizontaler Ausrichtung für kleine wie große Flächen etwa für vorgehängte hinterlüftete Fassaden eingesetzt werden kann.

• Maximale Hitze- und Feuerbeständigkeit selbst bei direktem Kontakt • Maximale Fleckenbeständigkeit und leicht zu reinigen • Großes Plattenformat, leicht zu verbauen • UV-Beständigkeit und Farbstabilität als Schlüsseleigenschaften für die Anwendung im Außenbereich • Formstabilität, geringe Maßabweichungen bei sich ändernden Temperaturen • Hohe Druckbeständigkeit dank des hocheffektiven ­Verdichtungsprozesses • Hoher Frost-Tau-Widerstand bei plötzlichen Temperatur­ veränderungen • Hohe Biegefestigkeit und Flexibilität • Hohe Schlag- und Stoßfestigkeit • Hohe Abriebfestigkeit beim Einsatz als Bodenbelag • Hohe Kratzfestigkeit • Gleichmäßige Plattenstärke für gleichförmige Oberflächen • Maße: 144 x 320 Zentimeter bei Stärken von 0,8, 1,2, 2,0 und 3,0 Zentimetern Ob in Marmor-, Naturstein- oder Cortenstahloptik – die Dekton-Fassadenplatten von Cosentino eignen sich für kleine und große ­Flächen, in horizontaler ebenso wie in vertikaler Ausrichtung.

Cosentino Austria GmbH Waldschulgasse 5, A-2700 Wiener Neustadt T: (0 26 22) 24026, E: austria@cosentinogroup.net I: www.cosentinogroup.net


040 | Faserzement | Edelstahl

Abwechslungsreiches Fassadenspiel Das neue Gebäude für den Wirtschaftshof des Kaiser-Franz-Josef-Spitals in Wien bündelt Kompetenzen, Funktionen und Verkehrswege. Hinter der mit Faserzement- und Glasbändern gestalteten Fassade befinden sich ein hochmodernes Produktions- und Logistikzentrum für Arzneimittel und Sterilgüter sowie Büroräume und Lagerflächen, die das ganze Krankenhausareal und den Apothekenverbund „Süd“ versorgen. Equitone Natura. Auf eine Aluminium-Unterkonstruktion genietet, gewährleisten die maximal 3.100 x 1.250 Millimeter großen Tafeln die einwandfreie Funktion hinterlüfteter Fassadenkonstruktionen. Diese bieten für Neubau und Sanierung wesentliche bauphysikalische Vorteile. Wo andere Systeme an ihre Grenzen stoßen, lässt sich mit der Faserzementfassade von Wanit Fulgurit jeder gewünschte Dämmstandard realisieren. Durch die konsequente Trennung der Wetterschale von Wärmedämmung und Tragwerk wird das Gebäude zudem Glas und Faserzement bestimmen die Fassadengestaltung des Kaiser-Franz-Josef-Spitals. Durch nachhaltig vor Feuchteschäunterschiedliche Tafelformate aus cremeweißem Faserzement entsteht ein abwechslungsreiches den geschützt. Die witteFassadenbild. rungsunabhängige Montage sowie der problemlose Ausgleich von Bauwerkstoleranzen Der mehrgeschoßige Neubau für das Sozialmedizinische Zentrum Süd ergänzt die gewachsene Struktur des Pavillon- bieten große Vorteile gegenüber nicht hinterlüfteten Fassakrankenhauses. Zur befahrenen Triester Straße entwickelten densystemen. Maurer & Partner Architekten den höheren Gebäudeteil mit Produktions- und Lagerräumen. Dem natürlichen Gelände- Dauerhaft und strapazierfähig verlauf folgend, befinden sich hier zwei Rampen, die eine Neben Fassadentafeln bietet Wanit Fulgurit mit Dach- und kurze und übersichtliche Wegeführung ermöglichen und Wellplatten, Betondachsteinen sowie den jeweiligen Befegleichzeitig die Lärmbelastung auf dem Spitalsgelände stigungselementen das ganze Spektrum an Systemkomporeduzieren. Der flachere Gebäudeteil mit begrünten Innennenten für das geneigte Dach. Ebenfalls zur Produktpalette höfen nimmt die hochwertigen Büroarbeitsplätze auf und des Unternehmens gehören Fassadenziegel und -paneele, öffnet sich mit großzügigen Verglasungen zum Spital. OpPutzträgerplatten und Bauplatten. Alle Produkte sind vom tisch lassen sich die funktionale Unterteilung des Gebäudes deutschen Institut Bauen und Umwelt e. V. geprüft und und sein technologischer Inhalt an der Außenfassade able- mit einer Umwelt-Produktdeklaration zertifiziert. Für die sen: Horizontale Glasbänder in Pfosten-Riegelkonstruktion Objektberatung vor Ort ist Wanit Fulgurit mit drei Außenstrukturieren den Baukörper und sorgen für ausreichend dienstmitarbeiterinnen und Außendienstmitarbeitern in Licht und Luft. Durch ein abwechslungsreiches Spiel aus Österreich vertreten. öffenbaren Fensterelementen, festverglasten Teilen sowie verschieden großen Fassadentafeln von Wanit Fulgurit entsteht eine lebendige Gebäudehülle, die den vermeintlichen Wanit Fulgurit GmbH, Zweckbau zu einem Blickfang macht. Cremeweiß durchgeIm Breitspiel 20, 69126 Heidelberg färbt, verleiht die Fassadentafel Equitone Natura mit ihrer T: (00 49 30) 348 53 70, halbtransparenten Beschichtung – welche die feine Faserze- E: info@wanit-fulgurit.at; I: www.wanit-fulgurit.at mentstruktur durchscheinen lässt – dem Wirtschaftshof des AustroDach Handels GmbH Kaiser-Franz-Josef-Spitals ein repräsentatives Aussehen. Handelsstraße 2, 4300 St. Valentin

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Langlebig/bauphysikalisch im Vorteil Bei der Wahl des Fassadenmaterials legten die Architekten zudem besonderen Wert auf eine lange Haltbarkeit bei geringen Instandhaltungskosten. Beides vereint sich in einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade mit den Faserzementtafeln

T: (0 74 35) 511-0, E: office@austrodach.at; I: www.austrodach.at, ThyssenKrupp Plastics Austria GmbH Industriezeile 4, 4063 Hörsching T: (0 72 29) 730 21-0, E: info.tkpa@thyssenkrupp.com, I: www.tkpa.at


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entwickeln

Eine hochwertige Gebäudehülle

Hülle aus Edelstahl: Die Qbiss-One-Stahlpaneele erhalten in einem speziellen Verfahren ihre attraktive Oberflächenstruktur. Fotos: Trimo

Das Shopping Center West Graz entstand in mehreren Erweiterungsphasen als Konglomerat dreier um einen zentralen Parkplatz angeordneter Baukörper. Im Zuge einer erst kürzlich abgeschlossenen Generalrenovierung nach den Plänen des Architekturbüros Kaufmann & Partner erfolgte nun auch eine Vergrößerung um rund 2.000 Quadratmeter. Ein neuer vorgelagerter Zubau fasst nunmehr die bisher getrennt in Erscheinung tretenden Bauten zu einer Einheit zusammen.

Funktional in Design und Ästhetik

In der Regel besteht das vorgefertigte modulare Grund­ element Qbiss One aus zwei verzinkten und beschichteten Stahlblechen mit einem nichtbrennbaren Kern aus Mineralwolle. Diese Teile bilden ein festes Element mit Stärken von 80 bis 240 Millimetern. An der Fassade des Center West kamen Qbiss-One-Sandwichelemente zum Einsatz, deren Schattenfugenausbildung die unsichtbare Befestigung ermöglicht. Anstatt beschichteten Stahlblechs fand hier eine Schale aus Edelstahl Verwendung. In einem speziellen Verfahren werden die Bleche verformt und erhalten neben den Zurückhaltend elegant optischen Eigenschaften polierten Edelstahls ihre besondeDer zentrale zweigeschoßige Baukörper folgt in seiner Gestaltung den unterschiedlichen Nutzungsanforderungen: re Oberflächenstruktur. Besondere Anforderungen stellten die Verklebung mit dem Mineralwollkern und die Formung Offen im Bereich des Eingangs und der Freiraumterrasse im Obergeschoß, geschlossen im Bereich dahinterliegender der gerundeten Ecken dar, denn Edelstahl ist gegenüber normalem Stahl spröder, zäher und somit schwieriger zu Mietflächen, in der Höhenentwicklung akzentuiert im Beverarbeiten. Die gerundeten Kanten wurden im Stück verforreich des Center-Logos. mt, wodurch eine homogene, geschlossene Oberfläche mit Diffus spiegeln die Fassadenpaneele aus Edelstahl mit ihrer Hammerschlagoberfläche die Umgebung ähnlich einer präziser Kantenbildung entstand. Direkt auf der Stahlkonstruktion montiert, konnte durch die Verwendung dieser unruhigen Wasseroberfläche wider. Je nach Witterung, Fassadenelemente auch die Wirtschaftlichkeit des Systems Lichtsituation und Blickwinkel erhält der Komplex somit ein unterschiedliches Erscheinungsbild. Die Qbiss-One-Pa- noch zusätzlich erhöht werden. neele von Trimo werden vollautomatisiert robotergesteuert Trimo d.d hergestellt. Ein hoher Grad an Vorfertigung sichert gleichPrijateljeva Cesta 12, SI-8210 Trebnje bleibende Qualität und wirtschaftliche Montage. T: (0 664) 514 13 68; E: trimo@trimo.at; I: www.trimo.at


042 | Metall | Hinterlüftete Fassade

Auf der zweiten, dritten, und vierten Ebene sind öffenbare Fensterflügel angeordnet. Die 2.550 Quadratmeter große Ausstellungsfläche des Dachgartens ist für die Präsentation der Außenbereichsleuchten konzipiert. Fotos: Jansen

Leuchtende Corporate Architecture Seit kurzem markiert ein lichter Baukörper den Zugang zum Can-Sant-Joan-Technologiepark nordwestlich von Barcelona. Es handelt sich um die von Architekt Josep Miàs entworfene Firmenzentrale von iGuzzini Illuminazione Ibérica, und wie eine Leuchte sollte das Gebäude auch über dem Gelände schweben.

Von Licht durchflutet

Der oberirdische seeigelähnliche Baukörper wird im Inneren von einer einzigen zentralen Säule getragen, deren Querschnitt auf fünf Stützen verteilt wurde. Diese addieren sich aus jeweils drei Teilen, die wiederum aus zwei Stützen bestehen. Dadurch wirkt die Struktur leichter, und auch die Mitte ist von Licht durchflutet. Die Anforderung an den Sonnenschutz der Außenhaut wurde in Leichte Struktur vier Kategorien definiert und mit Gläsern entsprechender Tatsächlich ist ein Großteil des Raumprogramms unterSonnenschutzklassen ausgeführt, die von Jansen-Vissirdisch angeordnet: Ein dreigeschoßiges Sockelgebäude Stahlprofilen gehalten werden. Mit Viss TVS bietet Jansen beherbergt Präsentations- und Ausstellungsräume für die Leuchten, das iGuzzini-Lichttheater, ein Auditorium, Konfe- ein hochwärmegedämmtes Fassadensystem, das entsprechend der statischen Erfordernisse und der Scheibengröße renzräume und das Warenlager, aber auch Garagen, Haustechnik und Funktionsräume. Kunden, Mitarbeiter und Gä- aus dem Systembaukasten heraus konfiguriert werden ste betreten das Gebäude im Erdgeschoß über ein zentrales kann. Der Architekt entschied sich ganz bewusst für das Foyer mit Cafeteria. Von hier aus erschließen sich einerseits thermisch getrennte Stahlprofilsystem Jansen Viss, um das begrünte Flachdach des Sockelgebäudes, das als Raum die filigrane Anmutung der Tragkonstruktion auch in der Fassade aufzunehmen und fortzuführen. Zusätzlichen Sonfür die Ausstellung der Außenbereichsleuchten dient, und nenschutz erhält die Fassade durch eine PVC-beschichtete andererseits die in den oberen vier Etagen angeordneten Büros. Dem raumhoch verglasten Erdgeschoß kommt darü- Polyesterfolie. ber hinaus die Funktion zu, die beiden Gebäudeteile – den Jansen AG rektangulären unterirdischen Baukörper und die über der Industriestrasse 34, CH-9463 Oberriet Erde schwebende gläserne Kugel – als zwei eigenständige T: (00 41) 717 63 91 11 Konstruktionen deutlich voneinander abzusetzen. E: info@jansen.com; I: www.jansen.com


SKIN DEZ.13 | 043

entwickeln

Kleider machen Leute

Nur eine der vielen Umsetzungsmöglichkeiten einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade. Foto: ÖFHF

Mit der vorgehängten, hinterlüfteten Fassade (VHF) und deren Gestaltung haben Planer eine kostengünstige Methode zur Hand, die ihnen durch die Materialvielfalt nahezu uneingeschränkte Gestaltungsfreiheit bietet. Mögliche Werkstoffe sind etwa Aluminium-Verbundplatten, Faserzement, Faserbeton, Glas, Holz, Holzelemente, Hochdrucklaminate (HPL), Keramik, Kunststoff, Natursteine, beschichteter Stahl sowie Trägerplattensysteme für Putz-, Keramik- oder Glasapplikationen. Selbst die bewusste Komposition unterschiedlicher Fassadenbaustoffe ist machbar. Eine optimale Vorbereitung der Materialien ermöglicht rasches Arbeiten auf der Baustelle und einen zügigen Fassadenbau. Die Befestigung der Fassade kann eingehängt, verschraubt oder verklebt erfolgen. Sowohl im Neubau als auch in der Sanierung bringen die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten Vorteile. „Die vorgehängte, hinterlüftete Fassadenarchitektur ist für die thermische Sanierung ideal geeignet“, betont Baumeister Simon Rümmele, im Vorstand des ÖFHF und gemeinsam mit Franz Fleischer für Kommunikation verantwortlich, sorgt eine solche durch ihre bauphysikalischen Eigenschaften doch für optimale Abfuhr der Bau- und Nutzungsfeuchte. Ihre Wartungsfreiheit und Langlebigkeit tragen außerdem zur Wertbeständigkeit von Gebäuden bei. Darüber hinaus sind VHF pflegefrei und weisen hervorragenden Witterungsschutz auf. Österreichischer Fachverband für hinterlüftete Fassaden (ÖFHF) Campus 21, Europaring F15 /303, A-2345 Brunn am Gebirge T: (01) 890 38 96; E: info@oefhf.at; I: www.oefhf.at


044 | Aluminium | Glas | Betonfaserplatten

Fassade mit Charakter hende Bau nicht genügend charakterisiert sei und dass damit eine Benachteiligung gegenüber den Nachbargebäuden bestand. Ihr Ziel war es daher, der Maison du Portugal eine neue Identität und „neues Leben“ einzuhauchen. Von Anfang an war das Architektenteam darauf bedacht, die Eigenschaften des reflektierten Lichts bei Tag und bei Nacht auszunutzen und eine diffuse Innenbeleuchtung zu erzeugen. Dafür entwickelten Sie gemeinsam mit RMIG eine drei Millimeter dicke Aluminiumlochfassade, die durch eine Langlochung in versetzten Reihen perforiert und anFugenlos erstreckt sich die gemeinsam mit RMIG entwickelte Aluminiumlochschließend nasslackiert wurde. Durch eine komfassade mit ihrer charakteristischen und komplex gemusterten Perforation plexe Folge von drei und sieben Millimeter breiten über die 700 Quadratmeter große Fassade. Foto: RMIG Schlitzen kreierten sie, mittels Langlochung in versetzten Reihen von 3 x 20 Millimetern und 7 x 25 Millime1967 als Residenz des portugiesischen Bildungsreformers André de Gouveia erbaut, dient die Maison du Portugal heute tern, ein sich wiederholendes geometrisches Muster, das sich nunmehr fugenlos über die insgesamt 700 Quadratmeter als eines von 39 Gebäuden der Internationalen Universität große Aluminiumverkleidung erstreckt. Über diese außergeParis als Unterkunft ausländischer Studenten, Forscher und Gastwissenschaftler. 2008 wurde das Gebäude von den wöhnliche und attraktive Hülle gelingt es seither sowohl bei Tag als auch bei Nacht, die Blicke auf sich zu lenken. Architekten Vincent Parreira und Antonio Virga saniert. Sie verliehen ihm eine neue Außenhülle, renovierten die kulturellen Bereiche des Gebäudeinneren und schufen außerdem RMIG GmbH – Metallverarbeitung Hallesche Str. 39; D-06779 Raguhn-Jeßnitz in einer benachbarten Ausstellungshalle ein Theater mit 100 T: (00 49) 34 90 65 00 Plätzen. Die Architekten hatten das Gefühl, dass der besteE: info@rmig.de; I: www.rmig.de

Gewohnt schräg und expressiv Neben zahlreichen Bauten für Forschung und Lehre wurde der Campus der Michigan State University vor geraumer Zeit um einen Museumsbau erweitert, der einer umfangreichen privaten Kunstsammlung, gestiftet von dem US-Milliardär Eli Broad, Platz bietet. Pritzker-Preisträgerin Zaha Hadid schuf mit einer expressiven Skulptur mit plissierter Edelstahlfassade die adäquate Hülle. Inspiriert von der Topografie des Geländes, entstand ein scharfkantiger Baukörper, dessen äußere Hülle aus Glaselementen und Edelstahlpaneelen besteht. Die unterschied- Die unterschiedlich ausgerichteten Falten Das verglaste Oberlicht besteht aus dem Hochleislich ausgerichteten Falten und Lamellen der und Lamellen geben das umliegende Wegetungsisolierglas Okagel von Fassade spiegeln das umgebende Wegenetz netz mit seinen vielen Richtungswechseln wieder. Foto: Rocket-Photo Okalux Foto: Paul Warchol mit seinen vielen Richtungswechseln wider und bilden einen klaren Kontrast zu den benachbarten Hoch- sondern auch beste Wärmedämmwerte aufweisen und eine schulbauten im traditionellen Backsteinstil. Auch im Inneelegante Optik aufweisen. Die Wahl fiel daher auf das Hochren des Museums spielen Wege- und Blickachsen eine große leistungsisolierglas Okagel von Okalux, in dessen Zwischenarchitektonische Rolle. Eine Landschaft aus unterschiedlich raum sich ein Silika Aerogel mit außergewöhnlichen physiinszenierten Räumen bietet Kuratoren eine Vielzahl verschie- kalischen Eigenschaften befindet. Das innovative Material denster Gestaltungsmöglichkeiten für Dauer- und Wechselstreut das Tageslicht gleichmäßig und wirkt darüber hinaus ausstellungen. Insgesamt stehen hierfür 4.300 Quadratmeter schalldämmend und schallisolierend. Die Gitterstruktur des zur Verfügung. Besucher gelangen entweder vom West- oder Aerogels verhindert außerdem Konvektion im ScheibenzwiOsteingang zunächst in das zentrale Entree, von dem man schenraum. durch das lichtdurchflutete Haupttreppenhaus in die oberen Stockwerke gelangt. Besonderer Wert wurde auf die Ausfüh- OKALUX GmbH Am Jöspershecklein 1, D-97828 Marktheidenfeld rung des verglasten Oberlichts gelegt. Dieses sollte nicht nur T: (00 49) 93 91 90 00 das einfallende Tageslicht gleichmäßig in das Foyer leiten, E: Iinfo@okalux.de; I: www.okalux.de


SKIN DEZ.13 | 045

entwickeln

Dünn, geformt, hochwertig

Die komplexe Fassadenarchitektur von Zaha Hadid Architects stellte auch an das Material hohe Anforderungen; fibreC-Faserzementplatten konnten ­diesen in jeder Hinsicht gerecht werden. Fotos: Rieder

Das von Zaha Hadid entworfene Gebäude des Library and Learning Centers am Campus der Wiener Wirtschaftsuniversität bildet das Zentrum des etwa 90.000 Quadratmeter großen Areals. Als gestaltprägendes Fassadenmaterial fiel die Wahl auf Glasfaserbetonplatten der österreichischen Rieder Gruppe mit ihren fibreC-Fassadenpaneelen. Über die unterschiedlich farbige Betonoptik hinaus entsprechen diese den Ansprüchen der Architekten hinsichtlich Ästhetik, Materialqualität sowie in Bezug auf die produktionstechnische Herausforderung, mit gekrümmten Plattenformaten den Entwurf einer leicht geschwungenen Gebäudekubatur zu realisieren. Die Dynamik der Aufwärtsbewegung der zwei in sich verschränkten Baukörper findet in der mehr als 28 Meter hohen Süd-Bibliothek ihren Abschluss. Sie kragt aus der mit einer Neigung von 35 Grad überhängenden Eingangsfassade noch einmal um mehr als 16 Meter aus.

geneigten Bändern erforderlich. Die Großflächigkeit der Tafeln erlaubte es, durch einen geringen Fugenanteil eine großzügig wirkende Fassade zu erzielen. Schmale Lamellen, die sich zu breiteren Fassadenelementen weiten, betonen die Ecke des Bauteils. Die Dynamik der weitauskragenden Bibliothek wird durch eine mit fibreC-Platten geschlossenen Längsseiten und schmalen, die Baukörperform nachzeichnenden Lamellen noch gesteigert.

Komplex: Entwurf und Montage

Die Herausforderungen, die Qualität des komplexen Fassadenentwurfs von Zaha Hadid auch baulich umzusetzen, waren vielfältig, zumal er sich durch Schrägen und gebogene Flächen auszeichnet. So wurden etwa, um die Blockhaftigkeit auch an den Übergängen zwischen horizontaler und geneigter Fläche zu wahren, die Faserbetonplatten auf Gehrung geschnitten. Neben Sonderformaten erstellte Rieder etwa 440 Quadratmeter einsinnig gekrümmte Formteile; diese jeweils als Unikate produzierten fibreC-3-D-Elemente Betonoptik haben unterschiedliche Radien von bis zu vier Metern, von Die Materialentscheidung für fibreC-Fassadenplatten (auf insgesamt 6.100 Quadratmetern) begründen die Architekten 13 bis 15 Metern und von mehr als 20 Metern. Die Fassadenarchitektur jenseits des rechten Winkels stellte auch an wie folgt: „Betonfaserplatten kamen schon wegen ihrer Betonoptik infrage. Und wir bauen gern in Beton. Außerdem die Montage höchste Anforderungen. Mit Kränen, Arbeitserwarten wir eine gewisse Wertigkeit der Materialien – und bühnen und vom Dach abgehängten Gerüstvorrichtungen mit Faserbetonplatten kann man gut gestalten.“ Faserbeton montiert, wurden die Glasfaserbetonplatten mit Hinterbietet eine gleichmäßige Farbgebung und die Möglichkeiten, schnittankern auf eigens hergestellten Konsolen verdeckt das Material auch beliebig formen zu können, denn die nur befestigt. Bei der Dimensionierung der Tragkonstruktion, die auch den starken Wind in Wien berücksichtigen musste, 13 Millimeter dicken Platten werden im Zuge der Herstelwaren das vergleichsweise geringe Gewicht der Platten und lung und nicht erst danach komplett durchgefärbt. Alle geschlossen flächigen Bereiche wurden als vorgehängte hin- ihre Formstabilität von Vorteil. terlüftete Fassaden ausgeführt und mit Faserbetonplatten in den Standardformaten 3.600 x 1.200 Millimeter versehen. Rieder Smart Elements GmbH Mühlenweg 22, A-5751 Maishofen Besonders große, bis zu 4.200 Millimeter lange PlattenforT: (0 65 42) 69 08 44; F: (0 65 42) 69 08 55 mate waren an den Übergängen zwischen horizontalen und E: office @rieder.cc; I: www.rieder.cc


46 | Marktübersicht

top on the job

Die wichtigsten Hersteller aus dem Fassadenbereich auf einen Blick Dach Bramac Dachsysteme International Ges.m.b.h., Bramacstraße 9, A-3380 Pöchlarn, Tel.: (0 27 57) 40 10-0, Fax: (0 27 57) 40 10-60, E-Mail: mk@bramac.com, Internet: www.bramac.at Corus Bausysteme GmbH, Bruckner Büro Center, Honauerstr. 2, A-4020 Linz, Tel.: (07 32) 78 61 14, Fax: (07 32) 78 61 15, E-Mail: kalzip.austria@corusgroup.com, Internet: www.kalzip.com PREFA Aluminiumprodukte Ges. m. b. H., Werkstraße 1, A-3182 Marktl/Lilienfeld, Tel.: (0 27 62) 502-0, E-Mail: office@prefa.at, Internet: www.prefarch.at Rathscheck Schiefer und Dach-Systeme, St.-Barbara-­ Straße 3, D-56707 Mayen-Katzenberg, Tel.: (00 49 26 51) 955-0, Fax: (00 49 26 51) 955-100, E-Mail: info@rathscheck.de, Internet: www.rathscheck.de, www.schiefer.de Roto Dach- und solartechnologie, Fabrikstraße 3, A-3381 Golling, Tel.: (0 278 57) 213 13, E-Mail: info-oesterreich@rotofrank.com, Internet: www.roto-frank.com Tondach Gleinstätten ag, A-8443 Gleinstätten, Tel.: (0 34 57) 22 18, Fax: (034 57) 22 18-22, E-Mail: office@tondach.at, Internet: www.tondach.at

Fassade Bauprodukte Argeton GmbH, Oldenburger Allee 26, D-30659 Hannover, Tel.: (00 49 511) 61 07 08 20, Fax: (00 49 511) 61 44 03, E-Mail: info@argeton.com, Internet: www.argeton.com Baumit Baustoffe Ges. m. b. H., Rettenbach 143, A-4820 Bad Ischl, Tel.: (0 61 32) 273 01-0, Fax: (0 61 32) 271 64, E-Mail: office@ischl.baumit.com, Internet: www.baumit.com Knapp GmbH österreich, Peter-Mitterhofer-Straße 4, A-3300 Amstetten, Tel.: (0 74 72) 61 282-0, Fax: (0 74 72) 64 201, Internet: www.knapp-verbinder.com Beton + zementfaserplatten Eternit Werke Ludwig Hatschek AG, Eternitstraße 34, A-4840 Vöcklabruck, Tel.: (0 76 72) 707-0, Fax: (0 76 72) 751 92, E-Mail: office@eternit.at, Internet: www.eternit.at

Wopfinger Baustoffindustrie GmbH, Wopfing 156, 2754 Waldegg , Tel.: (0 26 33) 400-0, Fax: (0 26 33) 400-266, E-Mail: office@wopfinger.baumit.com, Internet: www.baumit.com FASSADENSYSTEME Österreichischer Fachverband für hinterlüftete ­Fassaden (ÖFHF), Campus 21, Europaring F15 /303, A-2345 Brunn am Gebirge, Tel.: (01) 890 38 96; E-Mail: info@oefhf.at, Internet: www.oefhf.at Dolzer & Partner OG, Beutlmayrweg 3, A-4020 Linz, Tel.: (07 32) 68 03 91, E-Mail: office@dolzer.at, Internet: www.dolzer.at FDT GmbH facade design technology, 8973 Pichl 182, Tel.: (0 64 54) 666 30 0, Fax: (0 64 54) 666 3010, E-Mail: info@fdt-gmbh.at, Internet: www.fdt-gmbh.at Trimo Österreich, St. Veiter Straße 34/3, A-9020 Klagenfurt Tel.: (06 64) 514 13 68, E-Mail: trimo@trimo.at, Internet: www.trimo.at Fensterprofile/Fenster und Türen Velux Österreich GmbH, Veluxstraße 1, A-2120 Wolkersdorf, Tel.: (0 22 45) 32 35-0, E-Mail: office.v-a@velux.com, Internet: www.velux.com Glas ECKELT GLAS GMBH, Resthofstraße 18, A-4400 Steyr, Tel.: (0 72 52) 894-0, Fax: (0 7252) 894-24, E-Mail: office@eckelt.at, Internet: www.eckelt.at EControl-Glas GmbH & Co. KG, Otto-Erbert-Str. 8, D-08527 Plauen, Tel.: (00 49 37 41) 148 20-0, Fax: (00 49 37 41) 148 20-150, E-Mail:info@econtrol-glas.de, Internet: www.econtrol-glas.de Euroglas Gmbh, Dammühlenweg 60, D-39340 Haldensleben, Tel.: (00 49 39 04) 638-0, Fax: (00 49 39 04) 638-100, E-Mail: haldensleben@euroglas.com, Internet: www.euroglas.com GLAS MARTE GMBH, Brachsenweg 39, A-6900 Bregenz, Tel.: (0 55 74) 67 22-0, Fax: (0 55 74) 67 22-55, E-Mail: glas@glasmarte.at, Internet: www.glasmarte.at INTERPANE ISOLIERGLASGESELLSCHAFT M. B. H. & CO. KG, Heidegasse 45, A-7111 Parndorf, Tel.: (0 21 66) 23 25-0, Fax: (0 21 66) 23 25-30, E-Mail: info@pdf.interpane.net, Internet: www.interpane.net

Rieder Smart Elements gmbh, Mühlenweg 22, A-5751 Maishofen, Tel.: (0 65 42) 690-151, Fax: (0 65 42) 690-329, Joh. Sprinz GmbH & Co. KG, Lagerstraße 13, D-88287 GrünkrautE-Mail: office@rieder.cc, Internet: www.rieder.cc Gullen, Tel.: (00 49 751) 379-0, Fax: (00 49 751) 379-44, E-Mail: info@glas-sprinz.de, Internet: www.glas-sprinz.de Wanit Fulgurit GmbH, Im Breitspiel 20, 69126 Heidelberg Tel.: (00 49 30) 348 53 70, Fax: (00 49 30) 348 53 69, Okalux gmbH, Am Jöspershecklein 1, D-97828 Marktheidenfeld, E-Mail: info@wanit-fulgurit.at, Internet: www.wanit-fulgurit.at Tel.: (00 49 93 91) 900-0, Fax: (00 49 93 91) 900-100, E-Mail: info@okalux.de, Internet: www.okalux.com Westag & Getalit AG, Hellweg 15, D-33378 Rheda-Wiedenbrück Tel.: (49 52 42) 17-0, Fax: (00 49 52 42) 17-750 00 Saint Gobain Oberland AG, Division Bauglas, Internet: www.westag-getalit.de Siemensstraße 1, D-56422 Wirges, Tel.: (00 49 260) 26 81-0, Fax: (00 49 260) 26 81-425, E-Mail: info.solaris-glasstein@ saint-gobain.com, Internet: www.solaris-glasstein.de Dämmung Austrotherm GmbH, Friedrich-Schmid-Straße 165, A-2754 Wopfing, Tel.: (0 26 33) 401, Fax: (0 26 33) 401-270, E-Mail: info@austrotherm.at, Internet: www.austrotherm.com

Schollglas GmbH, Schollstraße 4, D-30890 Barsinghausen Tel.: (00 49 51 05) 777-0, Fax: (00 49 51 05) 777-262 25 E-Mail: info@schollglas.com, Internet: www.schollglas.com

COMPACFOAM GmbH, Porzellangasse 22/1/11, A-1090 Wien, Tel.: (07 20) 89 00 92, Fax: (07 20) 89 00 92-50 Internet: www.compacfoam.com

SCHOTT AUSTRIA GMBH, Brünner Straße 73, A-1210 Wien, Tel.: (01) 290 17 56, Fax: (01) 290 17 56-20, E-Mail: info.austria@schott.com, Internet: www.schott.com/austria

Isocell Vertriebs GmbH, Bahnhofstraße 36, 5202 Neumarkt am Wallersee, Tel.: (062 16) 41 08-0, Fax: (062 16) 79 79, E-Mail: office@isocell.at, Internet: www.isocell.at

SOLARLUX Aluminium Systeme GmbH, Gewerbepark 9–11, D-49143 Bissendorf, Tel.: (00 49 54 02) 400-0, Fax: (00 49 54 02) 400-200, E-Mail: info@solarlux.de, Internet: www.solarlux.de Steindl Glas Gmbh, Gries 303, A-6361 Itter, Tel.: (0 53 35) 39 00, Fax: (0 53 35) 39 00-35, Internet: www.steindlglas.com


SKIN DEZ.13 | 47

top on the job

Vetrotech Saint-Gobain Int. AG, Siegfried-Marcus-Straße 1, A-4403 Steyr, Tel.: (0 72 52) 90 90 90, Fax: (0 72 52) 90 90 99, E-Mail: infoVSGC.vetrotech@saint-gobain.com, Internet: www.vetrotech.at

Senova Kunststoffe GesmbH & Co KG, Gewerbestraße 12, A-5723 Uttendorf, Tel.: (0 65 63) 20 02 00, Fax: (0 65 63) 200 20 77, E-Mail: office@senova.com, Internet: www.senova.com

Uniglas GmbH & Co. KG, Robert-Bosch-Straße 10, D-56410 Montabaur, Tel. (00 49 26 02) 949 29 0, Fax: (00 49 26 02) 949 29 299, E-Mail: info@uniglas.de, Internet: www.uniglas.net

Metall

HOLZ

AFI Aluminium Fenster Institut, Johnstraße 4, A-1150 Wien, Tel.: (01) 983 42 05, Fax: (01) 983 42 06, E-Mail: office@alufenster.at, Internet: www.alufenster.at

Initiative Massivholzplatte, Schwarzenbergplatz 4, A-1037 Wien, Tel.: (01) 712 26 01-0, Fax: (01) 713 03 09, Internet: www.massivholzplatte.com

Alcoa Aluminium Deutschland Inc., Stenglingser Weg 65–78, D-58642 Iserlohn, Tel.: (00 49 23 74) 93 62 52, E-Mail: building.info@alcoa.com, Internet: www.alcoa.com

Österreichischer Holzleimbauverband, Schwarzenbergplatz 4, A-1037 Wien, Tel.: (01) 712 26 01-25, Fax: (01) 713 03 09, E-Mail: office@holzleimbau.at, Internet: www.holzleimbau.at

ALUKÖNIGSTAHL GmbH, Goldschlagstraße 87–89, A-1150 Wien, Tel.: (01) 981 30-0, Fax: (01) 981 30-64, E-Mail: office@alukoenigstahl.com, Internet: www.alukoenigstahl.com

Keramikfassaden Argeton GmbH, Oldenburger Allee 26, D-30659 Hannover, Tel.: (00 49 511) 61 07 08 20, Fax: (00 49 511) 61 44 03, E-Mail: info@argeton.com, Internet: www.argeton.com Creaton AG, Dillinger Straße 60, D-86637 Wertingen, Tel.: (00 49 82 72) 86-0, Fax: (00 49 82 72) 86-500, E-Mail: vertrieb@creaton.de, Internet: www.creaton.de Deutsche Steinzeug AG Agrob Buchtal, Veltliner Straße 1/21, A-2353 Guntramsdorf, Tel.: (06 64) 307 66 86, Fax: (0 22 36) 54 85 14, Internet: www.deutsche-steinzeug.de Wienerberger Ziegelindustrie GmbH, Hauptstraße 2, A-2332 Hennersdorf, Tel.: (01) 605 03-0, Fax: (01) 605 03-99, Internet: www.wienerberger.at Klebebänder/Klebstoffe 3m Österreich GmbH, Brunner Feldstraße 63, A-2380 Perchtoldsdorf, Tel.: (01) 86 686-0, Fax: (01) 86 686-242, www.3M.com/at Klima/Sonnenschutz Bundesverband Sonnenschutztechnik, Lärchenstr. 49a, A-6063 Rum, Kontakt: Ing. Johann Gerstmann, Tel.: 0664 340 95 32, Fax: 0664 349 15 63, E-Mail: j.gerstmann@bvst.at, Internet: www.bvst.at Colt International GmbH, Winetzhammerstraße 12, A-4030 Linz, Tel.: (0 732) 37 07 70-0, Fax: (0 732) 37 07 70-40, E-Mail: office@at.coltgroup.com, Internet: www.colt-info.de elero GmbH, Linsenhofer Straße 59-63, D-72660 Beuren, Tel.: (00 43 70 25) 13-338, Fax: (00 43 70 25) 13-196, E-Mail: info@elero.de, Internet: www.elero.com hawa AG, Untere Fischbachstraße 4, CH-8932 Mettmennstetten, Tel.: (00 411) 767 91 91, Fax: (00 411) 767 91 78, E-Mail: info@hawa.ch, Internet: www.hawa.ch

Arcelor Mittal Construction Austria GmbH, ­Lothringerstraße 2, A-4501 Neuhofen a. d. Krems, Tel.: (0 72 27) 52 25, Fax: (0 72 27) 52 31, E-Mail: office@arcelormittal-construction.at, Internet: www.arcelormittal-construction.at RMIG Lochbleche GmbH, Aumühlweg 21/114 (ARED-Park) 2544 Leobersdorf, Tel.: (0 22 56) 624 82, Fax: (0 22 56) 62482 334, E-Mail: info.at@rmig.com, Internet: www.rmig.com Gira International, Gölsentalstraße 48, 3161 St. Veit/Gölsen, Tel.: (027 63) 33 21, 0676 909 09 50, Fax: (027 63) 29 73, E-Mail: office@gira-international.com, Internet: www.gkd.at Hoesch Bausysteme GmbH, Tenschertstraße 3, A-1230 Wien, Tel.: (01) 615 46 40, Fax: (01) 615 46 30, E-Mail: office@hoesch.at, Internet: www.hoesch.at Hueck+Richter Aluminium Gmbh, Rossakgasse 8, A-1230 Wien, Tel.: (01) 667 15 29-0, Fax: (01) 667 15 29-141 / Blätterstraße 9–11, A-2751 Steinabrückl, Tel.: (0 26 22) 431 10-0, Fax: (0 26 22) 431 10-43, E-Mail: office@hueckrichter.at, Internet: www.hueckrichter.at Hydro Building Systems GmbH, Wallerseestraße 49, A-5201 Seekirchen, Tel.: (0 62 12) 20 00-0, Fax: (0 62 12) 20 23 6, Internet: www.hydro.com Metra Austria GmbH, Gewerbestraße 21 / Industriegebiet ­Hagenbrunn, A-2201 Gerasdorf, Tel.: (0 22 46) 283 30-0, Fax: (0 22 46) 283 30-18, E-Mail: office@metra.at, Internet: www.metra.at m-systems GmbH, Alpstraße 17, A-6890 Lustenau, Tel.: (0 55 77) 825 00, Fax: (0 55 77) 825 00-4, E-Mail: office@m-systems.at, Internet: www.m-systems.at Reynaers GmbH, Liebermannstraße F05 402, A-2345 Brunn am Gebirge, Tel.: (0 22 36) 37 83 80, Fax: (0 22 36) 283 80-13, E-Mail: info@reynaers.at; Internet: www.reynaers.at Rheinzink Austria GmbH, Industriestraße 23, A-3130 Herzogenburg, Tel.: (0 27 82) 852 47-0, Fax: (0 27 82) 851 91, E-Mail: info@rheinzink.at, Internet: www.rheinzink.at Wicona, Wallerseestraße 49, A-5201 Seekirchen, Tel.: (0 62 12) 20 00, Fax: (0 62 12) 20 236, Internet: www.wicona.at

Kunststoff/Compactplatten Bayer Sheet Europe GmbH, Otto-Hesse-Straße 19/T9, D-64293 Darmstadt, Tel.: (00 49 61 51) 13 03-0, Fax: (00 49 61 51) 13 03-500, E-Mail: sales@bayersheeteurope.com, Internet: www.bayersheeteurope.com FunderMax GmbH, Klagenfurter Straße 87–89, A-9300 St. Veit/Glan, Tel.: (0) 5 94 94, Fax: (0) 5 94 94-42 00, E-Mail: office@fundermax.at, Internet: www.fundermax.at Interlux Hirsch GmbH, Handelszentrum Hörsching, Industriezeile 2, A-4063 Hörsching, Tel.: (0 72 29) 730 21-0, Fax: (0 72 29) 730 21-29, E-Mail: info@interlux.at, Internet: www.interlux.at Isomax Dekorative Laminate AG, Industriezentrum NÖ Süd, A-2355 Wiener Neudorf, Tel.: (0 22 36) 906 05-0, Fax: (0 22 36) 906 05-221, E-Mail: headquarter@maxontop.com, Internet: www.maxontop.com

Putze Saint-Gobain Weber „Terranova“ GmbH, Gleichentheil­gasse 6, A-1230 Wien, Tel.: (01) 661 50-0, Fax: (01) 661 50-8, E-Mail: headoffice@terranova.at, Internet: www.terranova.at Sto Ges. m. b. H., Richtstraße 47, A-9500 Villach, Tel.: (0 42 42) 331 33-0, Fax: (0 42 42) 343 47, E-Mail: info@sto.at, Internet: www.sto.at SYNTHESA chemie GmbH, Dirnbergstraße 29–31, A-4320 Perg, Tel.: (0 72 62) 560-0, Fax: (0 72 62) 560-520, E-Mail: office@synthesa.at, Internet: www.synthesa.at Siebdruck Stainer Schriften & Siebdrucke GmbH, Gewerbegebiet 205, A-5092 St. Martin/Lofer, Tel.: (0 65 88) 84 40-35, Fax: (0 65 88) 80 40, E-Mail: office@material-emotion.com, Internet: www.material-emotion.com


048 | Check Out

Amar Kanwar: „The Sovereign Forest“, 2011–ongoing Installationsansicht der TBA21– Augarten, Wien Bis 23. März 2014. TBA 21 – Augarten (Thyssen-Bornemizsa Art Contemporary) www.tba21.org

Zerstörtes Gleichgewicht

Macht, Politik, Gewalt, verweigerte Justiz. In einer Ausstellung von Amar Kanwar haben die Beweise eines versteckten Verbrechens den Wert epischer und melancholischer Poesie. Aus dem Subkontinent in die Wiener Räumlichkeiten der Stiftung TBA21, mit dabei 272 Sorten Reiskörner. Text Franco Veremondi Fotos Stephan Wyckoff / TBA21 Der Künstler und Filmemacher Amar Kanwar (Neu-Delhi, 1964) übergibt dem Gericht der Kunst die offensichtlichen, im Laufe zweier Dezennien gesammelten Beweise eines mittlerweile permanenten Verbrechens. Opfer ist die indische Gemeinde der Region von Odisha (am Golf von Begala gelegen), deren Bevölkerung schrittweise enteignet und aus ihrem Territorium, mit dem sie jahrtausendelange Wurzeln verbinden, vertrieben wird. Was geschieht, ist die skrupellose Verwüstung einer Region, die bereits der schlimmsten industriellen Ausbeutung ausgeliefert ist: Dies ist der „Schauplatz des – ethischen und ökologischen – Verbrechens“, das der Künstler mittels Objekten unterschiedlicher Natur präsentiert, mit zwei auf große Leinwände projizierten Filmen („The Scene of Crime“, 2011, 42 min; „A Love Story“, 2010, 5:37 min), die ein Vorher und ein Nachher zeigen, und Installationen von Dingen, erhoben zum Symbolwert dieser Kultur. Alles schlüssige Instrumente im Aufbau der Zerstörung eines zutiefst archaischen, aber gleichzeitig auf sozialer Ebene ebenso effizienten Gleichgewichts.

Für die Bevölkerung von Odisha bedeutet die Verwüstung ihrer natürlichen Umwelt den Abschied von der einzigen Sicherheit der eigenen Existenz. Jeder unerwünschte Abschied bringt die Finsternis der Seele mit sich. So wird die ästhetische Dimension der Dunkelheit in den Ausstellungsräumen, die der Künstler ins Spiel bringt, sowohl zum verbindenden Element der unterschiedlichen Sektionen als auch zur konzeptuellen Essenz der gesamten Erzählung: dies alles unter dem stimmungsvollen Titel „The Sovereign Forest“, als Inbegriff zweier Seiten, des Traums und der Realität. Durch die poetische Überlagerung von Bildern und Worten, die Kanwar einsetzt, wird das eine mit dem anderen untrennbar verbunden, im Film wie in der Installation. Und durch die Schaffung eines Ausstellungsparcours als Sackgasse erzwingt der Künstler schließlich, dass der Besucher die gesamte Schau zweimal durchschreiten muss. Die Erzählung somit verdoppelnd, hebt Kanwar die zeitliche Perspektive auf und erlaubt eine transparentere Darlegung der tragischen Bedeutung „dessen, was wirklich geschieht“.


Schüco LightSkin Akzentuiert Architektur.

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Wenn sich heute Architekten für Max Exterior Fassadenplatten entscheiden, dann liegt das nicht nur an der Qualität der Platten, sondern immer öfter auch an den kreativen Gestaltungsmöglichkeiten mit unseren Individualdekoren.

Entwurf__Axel Lettelier Foto__M.Sierpinski

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