Page 1

5 Euro November 2012

Das unabhängige Magazin für Führungskräfte im öffentlichen Bereich

Foto Regina Hügli

Wie baut man Schulden ab? Lösungen für die Finanzlage der Gemeinden Interview:

Helmut Mödlhammer über öffentlich-private Partnerschaften

Die Botschafter der Bekömmlichkeit Auf Kontrolltour mit dem Marktamt

In die Stadt, aus der Stadt Der Demografische Wandel und seine Auswirkungen auf Kommunen P. b. b. Verlagspostamt 2340 Mödling, Zul.-Nr. 09Z038082M Postnummer 6

www.wirtschaftsverlag.at


Lehrlingsausbildung 2012

FACHTAGUNG

TERMIN 20. und 21. November 2012 ORT Gartenhotel Altmannsdorf, Wien PAUSCHALE € 790,– (exkl. 20% Ust.)

Die Wissensplattform für Lehrlingsausbilder und -verantwortliche

Wertvolle Tipps und wichtiges Know-How für eine erfolgreiche Lehrlingsausbildung! Auszug aus den Themen 2012 • Neue Förderungen für Lehrlinge und Betriebe in der Novelle 2011 zum Berufsausbildungsgesetz • Sozialpsychologische Einflussfaktoren auf die Lebenswelten der Lehrlinge von heute • Ganzheitliche Lehrlingsausbildung auf höchstem Niveau – wie schaffen Sie Verantwortlichkeiten auf allen Unternehmensebenen • Vom Messestand zum Schülermagneten – Tipps für einen erfolgversprechenden Messeauftritt • Suchtprävention im Lehrlingswesen • Praxisbeispiele erfolgreicher Lehrlingsausbildung • Mentale Stärke für Beruf und Privatleben

plus Workshop So schaffen Sie ein positives (Lern)klima, auch ohne Worte: Eine Einführung in nonverbale Führungstechniken

Weitere Informationen unter www.reded.at oder das detaillierte Kongressprogramm direkt anfordern: h.penka@wirtschaftsverlag.at

Früh buch Meld erbo en S nus! i 22. O e sich a ktob er 2 n bis 012 Sie s

par € 50 en ,–


Editorial

Jürg Christandl

D Stefan Grampelhuber Chefredakteur

Trotz Überschuss weniger Investitionen?

ie Sachlage ist längst kein Geheimnis mehr: Österreichische Gemeinden ächzen unter der Schuldenlast. Das Problem ist mit Beginn der Finanzkrise 2009 virulent geworden. Die Zahl der Gemeinden, deren Ausgaben die Einnahmen übersteigen, – der so genannten Abgangsgemeinden – stieg aus hinlänglich bekannten Gründen ordentlich an. Im Finanzkrisenjahr waren sieben von zehn Gemeinden im Minus. Seither hat sich die Situation natürlich wieder etwas beruhigt. 2011 ist es – wie man dem aktuellen Gemeindefinanzbericht entnehmen kann – zu einer sanften Entspannung gekommen. Vorrangig wichtig ist die Verringerung des strukturellen Defizits um 77 Prozent. Und das ohne Einhebung neuer Steuern, völlig aus eigener Kraft. Nimmt man alle Gemeinden zusammen, kommt sogar unterm Strich ein leichter Überschuss heraus. Aber das bedeutet noch nicht, dass die Kommunen damit über den oft zitierten Berg sind. Der Grund dafür: Die größten Investoren der Öffentlichen Hand sind immer die Gemeinden gewesen. Sie sind diejenigen, die in regionale Unternehmen investieren – und genau das war im Kampf gegen die Wirtschaftskrise von fundamentaler Bedeutung. Und sie sind damit auch diejenigen, die mit ihren Investitionen viele Arbeitsplätze sichern. Wie aktuelle Untersuchungen zeigen, sind viele Kommunen aber derzeit äußerst zurückhaltend, was Neuinvestitionen betrifft. Sie können also eine ihrer Kernfunktionen momentan nur eingeschränkt wahrnehmen. Sie sind nämlich damit beschäftigt, mit den Überschüssen – falls welche vorhanden – den Schuldenberg aus früheren Jahren abzutragen.

Sandra Dudek

Gudrun Haigermoser

Lukas Wiesboeck

Diese Ausgabe steht ganz im Zeichen der Finanzlage der österreichischen Gemeinden: In der Titelgeschichte begibt sich Sandra Dudek auf die Suche nach Ursachen und zeigt anhand von Best-Practice-Beispielen Alternativen auf, um die Notlage in den Griff zu bekommen (S. 10). Im Coverinterview steht Gemeindebundpräsident Helmut Mödlhammer REPUBLIK Rede und Antwort (S. 16). Einen Tag lang hat sich Andrea Krieger an die Fersen eines Mitarbeiters des Marktamtes geheftet und ihm bei dessen Kontrolltour über die Schulter gesehen (S. 20). Lukas Wiesboeck hat wiederum drei Fachpersonen zu Erfolgsfaktoren von Ausgliederungen auf kommunaler Ebene befragt (S. 22). Den demografischen Wandel und dessen Auswirkung auf den ländlichen Raum hat sich Gudrun Haigermoser genau angesehen (S. 24).

November 2012

3


I n h a lt

IMPRESSUM Erstellt gemäß § 25 Abs 2 MedienG in der Fassung ab 1. 7. 2012 M e d i en i n h a b e r , He r a u s g e b e r u n d ­V e r l e g e r Österreichischer Wirtschaftsverlag GmbH Grünbergstraße 15, 1120 Wien T: (01) 546 64-0, F: (01) 546 64-528 Un t e r ne h men s g e g en s t a n d : Herausgabe, Verlag, Druck und Vertrieb von Zeitungen und ­Zeitschriften sowie sonstigen periodischen Druckschriften. Ge s c h ä f t s f ü h r e r Thomas Zembacher DVR-Nr.: 0368491 Objektleiter Stefan Böck T: (01) 546 64-380, E: s.boeck@wirtschaftsverlag.at Chefredakteur Stefan ­Grampelhuber T: (01) 546 64-389, E: s.grampelhuber@republik-online.at C h e f vom D i en s t Stephan Strzyzowski T: (01) 546 64-381, E: s.strzyzowski@wirtschaftsverlag.at I d e E u n d P ro j e k t b e r at u n g Feri Thierry W e i t e r E M i ta r b e i t e r d i e s e r A u s g a b e Sandra Dudek, Gudrun Haigermoser, Ursula Horvath, Andrea Krieger, Daniel Mayr, Lukas Wiesboeck Ge s a m t ve r k a u f s l e i t u n g Franz Michael Seidl T: (01) 546 64-240, E: f.seidl@wirtschaftsverlag.at An z e i g enve r k a u f Erhard Witty T: (01) 546 64-283, E: e.witty@wirtschaftsverlag.at

Wohin steuern Österreichs Gemeinden?

10

Kreative Ideen für Kommunen

28

An z e i g en s e r v i c e Nina Hewson T: (01) 546 64-484, E: n.hewson@wirtschaftsverlag.at G r a f i s c h e s Kon z ep t Dirk Merbach G r a f i k De s i g n atelier bürger He r s t e l l e r Friedrich VDV, Vereinigte Druckereien- und Verlags-GmbH & CO KG, 4020 Linz Zamenhoferstr. 43–45, www.friedrichvdv.com Aboservice Aboservice Österr. Wirtschaftsverlag T: (01) 740 40-7812, F: (01) 740 40-7813 E: aboservice@wirtschaftsverlag.at. Be t e i l i g u n g Alleinige Gesellschafterin der Medizin Medien Austria GmbH (der Österreichischer Wirtschaftsverlag GmbH) ist die Süddeutscher Verlag Hüthig GmbH. Gesellschafter der Süddeutscher Verlag Hüthig GmbH sind die Süddeutscher Verlag GmbH mit 91,98 %, Herr Holger Hüthig mit 7,02 %, Frau Ruth Hüthig mit 0,45 %, Frau Beatrice Hüthig mit 0,28 % und Herr Sebastian Hüthig mit 0,28 %. Aus Gründen der Textökonomie verzichten wir auf geschlechtsspezifische Ausformulierung und den Verweis auf (nicht)akademische Titel.

4

November 2012


I n h a lt

pe r s ö n l i c h

6 Porträt des Monats: Stefan Imhof 8 Aufsteigerin des Monats: Oliver Stribl 9 Austria Abroad: Simona Wohleser s c h w e r pu n k t

06

G e m e i n d e f i n a n z e n

Stefan Imhof (BKA) im Gespräch

10 Alte Lasten, neue Bürden

Wie die Gemeinden aus ihrer Notsituation finden

16 „Bei uns mischen alle mit“

Helmut Mödlhammer über schnelle Reaktionsfähigkeit

se r i e R e p o r t a g e

20 Die Botschafter der Bekömmlichkeit

16

Interview mit Helmut Mödlhammer

Dem Marktamt auf den Fersen

T h em a

22 Erfolg durch langfristige Perspektive

Forum 4 Excellence über kommunale Ausgliederungen

24 In die Stadt, aus der Stadt

Demografischer Wandel stellt Kommunen vor neue Herausforderungen

P r o j e k t e

28 Best of Projekte

22

REPUBLIK ist mit dem Marktamt unterwegs

Mit welchen Vorhaben Gemeinden Innovationsgeist beweisen

b es c h a f f u n g

30 Essen und Trinken se r v i c e & i n f o

31 Terminübersicht k a r r i e r e n

32 Wer macht was

24

Wie sich der demografische Wandel auf die Gemeinden auswirkt

p r i v a t

34 Thomas Trabitsch:

„Mein Glaube an Gott schließt die Notwendigkeit von Beweisen aus!“

November 2012

5


Persönlich

Vom Großen zum Kleinen und wieder zurück: Stefan Imhof ist nicht für die internationalen Angelegenheiten des Bundeskanzleramts zuständig, sondern koordiniert auch die Regionalpolitik.

„Ich bin ein Finanzkrisenveteran“ leitet seit Juni 2012 die Koordinationssektion im BKA. Regionalpolitik ist eine seiner Hauptaufgaben. po r t r ät d e s mon at s : S t e fa n Im h o f

Text  Stefan Grampelhuber   Foto  Simon Jappel

M

it 39 Jahren ist Stefan Imhof einer der Jüngsten, die derzeit eine Spitzenfunktion in der österreichischen Bundesverwaltung überhaben. Erst im vergangenen Juni wurde er dazu von Kanzler Werner Faymann berufen. Er trat die Nachfolge des Klagenfurters Harald Dossi an, der seit März 2012 als Parlamentsdirektor über das Hohe Haus wacht. Nun ist Imhof Leiter der rund 65 Personen umfassenden BKA-Koordinationssektion. Die Sektion IV ist eine sogenannte PolicyUnit, hier laufen die Fäden der internationalen Angelegenheiten des Bundeskanzleramtes zusammen. In den Arbeitsbereich der Sektion fallen et-

6

November 2012

wa Vorbereitungen des Europäischen Rates (ER) oder der Sitzungen der OECD. Sein größtes derzeitiges Vorhaben ist die Vorbereitung eines ER, der im November stattfindet. „Bei diesem Sondergipfel wollen die Staats- und Regierungschefs den Finanzrahmen 2014 bis 2020 beschließen. Dabei geht es um 1.000 Milliarden Euro. Die heiße Phase der Verhandlungen beginnt gerade“, sagt Imhof. Für Nettozahler wie Österreich gehe es vor allem darum, deutlich zu machen, dass viele Länder aufgrund der Budgetkonsolidierungen auf nationaler Ebene bereits unter starkem Druck stehen und es deshalb wichtig sei, die Arbeit in den EU-Institutionen darauf zu konzentrieren, dass man die Mittel und Ressourcen möglichst effizient einsetzt.


Persönlich

» Jeder Job – auch

der eines Sektions­ leiters – wurde nur für eine Person geschaffen. Darüber hinaus ist die Regionalpolitik ein wichtiges Politikfeld, das die Sektion IV auf Bundesebene abdeckt. Hier ist das BKA sowohl im politisch-strategischen Bereich aktiv als auch in der Funktion als First-Level- und Second-LevelControl von EU-Förderungen. Nach seinem Volkswirtschaftsstudium, das Imhof 1998 in Wien abgeschlossen hatte, war er zwei Jahre lang am Institut für Höhere Studien aktiv. Danach zog es den passionierten Fußballspieler („passioniert ja, gut nein“) an das Europäische Hochschulinstitut nach Florenz, wo er seine Dissertation in Spieltheorie verfasste. Über eine Anzeige im „Economist“ stieß Imhof 2004 auf eine offene Stelle im britischen Sozialministerium (Department for Work and Pensions), was zu einem mehrjährigen Aufenthalt in London führte. Zu Beginn war der gebürtige Wiener als „einfacher“ Volkswirt in diesem Ressort tätig, bald darauf wurde ihm ein vierköpfiges Team anvertraut. 2005 folgte der nächste Karri-

eresprung: Er wechselte ins einflussreiche britische Finanzministerium (HM Treasury; Anm.: HM steht für „Her Majesty’s“). Imhof: „Innerhalb der britischen Verwaltung, aber auch zwischen Öffentlichen Dienst und Privatwirtschaft gibt es viel Fluktuation.“ Bis 2009 war er im Finanzressort, das in diesem Zeitraum Gordon Brown und danach Alistair Darling führten. Dann erfolgte ein Anruf aus dem Büro von Finanzstaatssekretär Andreas Schieder, der ihn als Finanzmarktexperten in sein Kabinett holte. „Ich bin quasi ein Finanzkrisenveteran und habe die Krise von der ersten Stunde an miterlebt“, so Imhof, der gerne mit „zuversichtlichen Leuten“ zusammenarbeitet. Ein Ausgleich zum Arbeitsalltag ist für Imhof von großer Bedeutung: „Ich arbeite sicher deutlich mehr als 40 Stunden in der Woche. Aber jeder Job – auch der eines Sektionsleiters – wurde nur für eine Person geschaffen.“ Er versuche deshalb, Wochenenden strikt arbeitsfrei zu halten. November 2012

7


Persönlich

Wiens oberster Kommunikator sorgt dafür, dass Neuigkeiten der Stadt Wien bei den richtigen Zielgruppen landen. Text  Andrea Krieger A u f s t e i g e r d e s M on at s : O l i ve r S t r i b l

PID

D

Oliver Stribl, PID

er Chef des Presse- und Informationsdienstes (PID) im Rathaus, Oliver Stribl, ist eitel. Aber nicht zu eitel, um das auch zuzugeben. Und immerhin selbstkritisch genug, um auf die Frage, ob er etwas in seinem Leben bereut, mit einem klaren „Ja“ zu antworten. „Ich versuche daraus zu lernen“, fügt er hinzu. Sein Büro hat die Ausmaße einer Kleinwohnung. „Ich habe hier zahllose Meetings“, erklärt der Chef des 113-köpfigen PID, auch MA 53, die Größe und zeigt auf den monströsen Besprechungstisch. In Kürze wird er dort wohl auch auf das einjährige Jubiläum im neuen Job anstoßen. Mit gerade einmal 38 Jahren gibt der Hietzinger vor, wo es kommunikationstechnisch in der Stadt Wien langgeht, sei es über Presseaussendungen, Beiträge in wien.at oder anderen Rathaus-eigenen Medien oder über Werbekampagnen. Wobei z u r p e r s o n 

Oliver Stribl, 38 1994–2001 Studium der Politikwissenschaften und der Publizistik 1996–2003 Pressedienst für eine Internet-Promotion-Firma, anschließend kaufmännischer Angestellter bei einem Industrieunternehmen 2003–2009 Redakteur bei wien.at, anschließend Projektleiter für Kundenbeziehungsmanagement im PID, ab 2006 Assistent des Abteilungsleiters. 2009–2010 Stellvertretender bzw. ab 2010 interimistischer Abteilungsleiter Seit November 2011: Abteilungsleiter der MA 53

» Ich sorge dafür, dass unsere Schwerpunktthemen die rich­ tigen Personen erreichen.

Stribl über die hauseigene Medienagentur auch die Schaltpläne über hat. Diesbezüglich gibt es seit Juli neue Vorgaben. Die Abteilung muss die Verteilung offenlegen, so will es das neue Medientransparenzgesetz. Was seinen Job so reizvoll macht? Die Stadt Wien hat ähnlich viel Geld zur Verfügung wie ein Großkonzern. Das Aufgabengebiet ist allerdings wesentlich abwechslungsreicher. Die Themen reichen von A wie Abwasser bis Z wie Zentralfriedhof. Der begeisterte Golfer (Handicap 7,5) arbeitete bereits während seines Politikwissenschaftsund Publizistikstudiums. Zunächst war er aber in der Privatwirtschaft tätig: Vom Pressedienst einer Internet-Promotion-Firma ging es 1997 weiter zu einem Industriebetrieb, wo Stribl Werbeaktionen leitete. 2003 kam dann der Wechsel in den öffentlichen Sektor. Als Redakteur von wien.at schlug er dem damaligen PID-Chef Fred Vavrousek vor, „einen Schritt in Richtung Kundenbeziehungsmanagement zu machen, um die Bedürfnisse der Wiener besser kennenzulernen und exakter darauf eingehen zu können“. Die Idee gefiel und Vavrousek machte Stribl zum Projektleiter. Dann ging es steil bergauf. 2006 wurde er schließlich die rechte Hand Vavrouseks, 2009 dessen Vize und ein Jahr darauf interimistischen PID-Chef. Was ihm die Möglichkeit bescherte, für den nun eingetretenen „Ernstfall“ einer fixen Bestellung schon einmal zu trainieren. In die (Partei-)Politik zieht es ihn derzeit nicht. Vielleicht ist Stribl dazu ja nicht eitel genug.

Testen Sie republik ein Jahr für 20,–! Das unabhängige Magazin für Führungskräfte im öffentlichen Bereich 8

So einfach geht’s: Senden Sie eine E-Mail mit Ihrer Postadresse an aboservice@wirtschaftsverlag.at

November 2012


Persönlich

One-Woman-Show achtet darauf, dass Österreichs Städte- und Gemeindeverwaltungen in der Europäischen Union nicht zu kurz kommen. Text  Andrea Krieger A u s t r i a A b r o a d : S i mon a W o h l e s e r

z u r p e r s o n 

Simona Wohleser 1981–1985: Jus-Studium in Graz 1985–1987: Richteramtsanwärterin am Oberlandesgericht Graz 1987–1988: Übersetzung juristischer Verträge in Buenos Aires, Kurse über Europäische Integration in China 1989–1999: Nach einem Verwaltungspraktikum persönliche Referentin deutscher EU-Abgeordneter, daneben Europäische Konsulentin. 1997 Abschluss eines Post-Graduate-Studiums Seit 1993: Leiterin des EU-Büros des Österreichischen Städtebunds

» Ich sage nie: Das geht nicht.

aber laufend Allianzen. Nicht nur mit dem Gemeindebund, mit dem sie das Büro teilt, sondern auch mit Kollegen anderer kommunaler Verbände. Worauf es bei ihrer Arbeit noch ankommt, ist Diplomatie. „Wir sagen zu einer Gesetzesinitiative nie: Das geht nicht. Wir machen aber auf Umsetzungsprobleme aufmerksam und bringen einen Gegenvorschlag.“ All das ist meilenweit weg von Wohlesers ursprünglichem Berufsziel. Die Juristin war bereits Anwärterin des Richteramtes, als sie das Fernweh und der Wunsch überfielen, anderswo zu arbeiten. Und so ging es 1987 nach Buenos Aires und ein Jahr darauf nach China. Nach einem Praktikum bei der Europäischen Kommission – noch vor dem EU-Beitritt Österreichs – arbeitete sie ab 1989 als persönliche Referentin verschiedener deutscher EU-Abgeordneter. Für diese schrieb sie etwa Reden über Regionalpolitik. Ein Jahr später übernahm sie zusätzlich das Gesetzeslobbying für die deutsche kommunale Selbstverwaltung. Das richtige Fachwissen, kombiniert mit Interessenvertretungserfahrung: Dieses Rüstzeug machte Wohleser, die sich selbst als „äußerst ungeduldig“ beschreibt, schließlich zur Idealbesetzung für den Aufbau und die Leitung des ÖSBBüros in Brüssel. In ihrer raren Freizeit genießt die Vielreisende den „enormen Luxus einer Innenstadtwohnung mit Garten“ und übt sich in Karate. Aber nur, wenn Wohleser nicht gerade ihren Mann besucht, der derzeit in den USA arbeitet. Oder zwecks Kontaktpflege durch österreichische Städte tingelt.

ÖSB

S

imona Wohleser arbeitete schon als Lobbyistin, als der Laie mit dem Begriff noch weniger vertraut war. Seit 1993 leitet die 51-Jährige nun schon das Brüsseler Büro des Österreichischen Städtebundes (ÖSB), der offiziellen Interessenvertretung von insgesamt 245 Städten und größeren Gemeinden. Und sie legt sich dafür ins Zeug, dass „EU-Gesetzesvorgaben für die Kommunen vor Ort einfacher anwendbar werden“. Keine Kleinigkeit. „Schließlich sind 70 Prozent der EU-Gesetze auf kommunaler Ebene umzusetzen“, sagt Wohleser und nennt als Beispiel die Bestimmungen zur Vergabe öffentlicher Aufträge, das Beihilfenwesen und die Dienstleistungen der öffentlichen Einrichtungen. Ganz allein vertritt die Steirerin den ÖSB in der EU-Hauptstadt. Der Sache willen schließt sie

Simona Wohleser, EUBüro des Städtebundes

Das unabhängige Magazin für Führungskräfte im öffentlichen Bereich November 2012

9


S c h w e r pu n k t

misc.akg-images.de

Alte Lasten, neue Bürden

Geme i n d e f i n a n z en  

In den Kassen vieler Gemeinden klaffen Löcher. Sie allein für die Misere verantwortlich zu machen wäre einfach, ist aber zu kurz gegriffen. REPUBLIK hat recherchiert, worin die Ursachen für die finanzielle Notsituation der Gemeinden liegen und wie sie wieder herauskommen (könnten).Text Sandra Dudek

10

November 2012


S c h w e r pu n k t

zuletzt die Wirtschaftskrise fordern zusätzlich ihren Tribut. Knapp 15 Milliarden Euro betrugen die Schulden der Gemeinden im Jahr 2010, auf jeden Österreicher entfallen damit genau 1.756 Euro. Nur auf kommunaler Ebene, wohlgemerkt. „Der Überschuss der laufenden Gebarung ist rückläufig, die Einnahmen sind 2010 um rund acht Prozent gesunken. Das führt dazu, dass die Schulden weiterhin steigen und der Investitionsspielraum kleiner wird“, erklärt Peter Biwald, Geschäftsführer des KDZ, des Zentrums für Verwaltungsforschung.

Lichtstark.com

So idyllisch wie auf dem Bild „Sternennacht“ von Vincent van Gogh (1889) sind Österreichs Gemeinden auch heute nur von außen betrachtet. Geldnot, Schulden und das Grübeln über strukturelle Änderungen bereiten aber so manchen Bürgermeistern schlaflose Nächte.

» Die Finanzie­

rung hängt in der Luft und wird einfach an die Kommunen weitergereicht.

Gemeinden am Nullpunkt Rein rechnerisch gesehen konnte für 2010 von einem Spielraum gar keine Rede sein: Die Quote Freie Finanzspitze betrug in diesem Jahr in Summe für alle Gemeinden (außer Wien) exakt 0,0 Prozent, wie das KDZ errechnete. Für die Ermittlung dieser wirtschaftlichen Kennzahl werden von den Überschüssen der laufenden Gebarung die Tilgungen abgezogen. Damit bleiben unterm Strich nur jene Mittel übrig, die tatsächlich für Investitionen verwendet werden können (s. Kasten S. 12). 2010 stand dafür österreichweit gesehen also kein einziger Euro zur Verfügung. Das Minus von 2009 war zwar wieder ausgeglichen, aber selbst in den Jahren davor war die Quote mit einem Wert zwischen 4,5 und 5,5 Prozent relativ niedrig. Sorge bereitet den Experten, dass die Öffentliche Sparquote, die die Aufwendungen für Tilgungen nicht berücksichtigt, mit knapp zwölf Prozent auch 2010 wieder deutlich über der Quote Freie Finanzspitze lag: „Das bedeutet, dass viele Gemeinden einen Gutteil ihrer Überschüsse für Schuldenrückzahlungen aufwenden“, so Biwald. Am schlechtesten schneiden die kleinsten Orte mit bis zu 500 Einwohnern ab. Nichtsdestotrotz ist ihr Investitionsaufwand pro Kopf am höchsten. Finanziell am leistungsfähigsten sind Gemeinden mit 2.000 bis 5.000 Einwohnern.

E

in Freibad mit einem Fünf-Meter-Turm konnte einer Gemeinde in den 1970erJahren noch zu Berühmtheit verhelfen. Bald war dies aber keine Attraktion mehr: Zum Bad kam ein Tennisplatz, später ein Volkshaus, dann eine Musikschule. Ein modernes Kanalisationsnetz ersetzte die Senkgruben, die Abwässer flossen in die neue Reinigungsanlage. Heute kann kaum eine österreichische Gemeinde Neuinvestitionen dieser Größenordnung aus der eigenen Tasche bezahlen. Folgekosten wie teure Instandhaltungen, aufwändige Renovierungen und nicht

Die andere Seite der Medaille Dennoch ist der häufig in den Medien scharf formulierte Vorwurf, die Gemeinden würden schlecht wirtschaften und seien durch ihre Verschwendungssucht selbst an ihrer finanziellen Misere schuld, nur eine Seite der Medaille. „An den Zahlen von 2010 kann man ablesen, dass sie in der Wirtschaftskrise rasch und ganz hervorragend auf die Engpässe reagiert haben“, fasst Christian Kummert, Bereichsleiter Vertrieb (Infrastruktur und öffentliche Finanzierung) bei der Kommunalkredit, die Ergebnisse des aktuellen Gemeindefinanzberichts zusammen: Reduzierung des strukturellen

Thomas Weninger, Städtebund

»

November 2012

11


S c h w e r pu n k t

I n fo 

Kennzahlen

KDZ

Quelle: Österreichischer Städtebund / KDZ: Gemeindefinanzen 2001 bis 2010

Die Öffentliche Sparquote zeigt, in welchem Ausmaß die laufenden Einnahmen die laufenden Ausgaben übersteigen. Sie ist ein Indikator für die Ertragskraft einer Gemeinde: Je höher die Öffentliche Sparquote, desto mehr Mittel stehen für Investitionen oder den Schuldenabbau zur Verfügung.

» Wenn sich bei

den Transfers nichts tut, muss man das Wachs­ tum reduzieren. Das bedeutet noch weniger Investitionen. Peter Biwald, KDZ

Die Quote Freie Finanzspitze ist eine Erweiterung der Öffentlichen Sparquote: Sie berücksichtigt die gebundenen Mittel zur Schuldenrückzahlung und zeigt, wie viel Geld tatsächlich für Investitionen verfügbar ist. Die Quote Freie Finanzspitze ist ein Indikator für die finanzielle Leistungsfähigkeit einer Gemeinde (eine Quote von 5,5 Prozent bedeutet z. B., dass 5,5 Prozent der laufenden Einnahmen für Investitionen zur Verfügung stehen). Das strukturelle Defizit berechnet sich aus den Gesamteinnahmen (inkl. Veräußerungen) abzüglich der Ausgaben (inklusive Investitionen), neuer Kredite und Tilgungen und zeigt, was der Gemeinde tatsächlich strukturell fehlt. Das Maastricht-Defizit (oder Überschuss) drückt die Entwicklung der Finanzkraft der öffentlichen Träger ohne die Eigenbetriebe (ausgenommen Zuschüsse an und Ablieferungen von diesen) aus und zeigt die Neuverschuldung (oder Entschuldung) der öffentlichen Haushalte ohne den Unternehmensbereich (Eigenbetriebe) nach Vornahme der Investitionen und Investitionsförderungen. Die Finanzkraft der Gemeinden ist die Summe der gemeindeeigenen Steuern und der kommunalen Ertragsanteile an gemeinschaftlichen Bundesabgaben. Bei Abgangsgemeinden ist das Ergebnis des ordentlichen Haushalts negativ, d. h. die Ausgaben übersteigen die Einnahmen.

Defizits um 77 Prozent, Senkung der Ausgaben um zwei Prozent, Rückgang der Abgangsgemeinden um 31 Prozent, Ausgleich der freien Finanzspitze. Freilich beziehen sich alle Werte auf 2009, also auf das Krisenjahr. Im Vergleich zum Vorjahr ist das zwar eine positive Entwicklung, absolut sind die Gemeinden aber noch lange nicht bei den Zahlen von 2007 angekommen. Trotzdem: „Unter allen Gebietskörperschaften sind es die Gemeinden, die in Relation zum BIP das geringste öffentliche Defizit erwirtschaften“, sagt Peter Biwald, Geschäftsführer des KDZ. Gemeinsam mit Bund und Ländern haben sie im Mai einen Stabilitätspakt unterzeichnet. Bis 2016 soll ein gesamtstaatliches Nulldefizit erreicht werden, ab 2017 darf das strukturelle Defizit nicht mehr als 0,45 Prozent des BIP überschreiten. Dieses Ziel haben die Gemeinden bereits 2011 erfüllt. Außerdem sind ab 2017 eine Ausgaben- und Schuldenbremse vorgesehen. Dann dürfen die Ausgaben nur mehr um zwei statt jetzt um vier Prozent steigen. „Wenn sich aber bei den Transfers nichts tut, dann muss man das Wachstum reduzieren – und das bedeutet dann noch weniger Investitionen“, analysiert Biwald. Wie ausgepresste Zitronen „Jede Zitrone ist irgendwann einmal ausgepresst“, sagt Thomas Weninger, Generalsekretär des Städtebunds Wien. Als einen der Hauptgründe für die finanzielle Schieflage der Gemeinden sehen die

12

November 2012

Experten die von den Ländern unterschiedlich geregelten Transferleistungen. „Wenn eine Gemeinde im Westen liegt, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie gut dasteht“, sagt Peter Biwald. Geografisch, aber nicht strukturell bildet das Burgenland eine Ausnahme, dem es „dank der geringen Krankenanstaltenumlage auch relativ gutgeht“, so Biwald. 20 Euro pro Kopf betrug sie 2010 im Burgenland, in OÖ dagegen lag sie bei 195 Euro pro Kopf. „Die Transfers werden nach der Finanzkraft berechnet. Dadurch kommt es zu einer Umverteilung von den größeren zu den kleineren Gemeinden, die am Ende mehr Geld haben. Das geht nicht zusammen“, kritisiert Biwald. Größere Gemeinden haben zentralörtliche Aufgaben im Bereich der Daseinsvorsoge zu erfüllen, wie etwa den Betrieb von Museen, Kinos oder Hallenbädern, sie müssen auch eine höhere Leistungsintensität, etwa bei der Kinderbetreuung, bieten. All das werde im Finanzausgleich unzureichend abgegolten, erklärt Weninger. Eine weniger gut funktionierende Zusammenarbeit zwischen Ländern, Städten und Gemeinden verschärfe die Situation. „Salzburg ist diesbezüglich ein Vorbild, hier gibt es ein gutes Management. Weniger gut funktioniert es in Niederöster­reich, Oberösterreich und Kärnten. Hier scheint die Kommunikation enden wollend zu sein“, meint Weninger. Die Transferleistungen kann man sich wie eine Autobahn vorstellen, auf der reger Verkehr in beiden Richtungen herrscht. Zurzeit fah­ren viele Autos eher ziellos zuerst auf der einen


Seite nach B, um auf der anderen Seite wieder nach A zurückzukommen. „200.000 Transfers gibt es pro Jahr! Das ist auch vom Verwaltungsaufwand her ein Wahnsinn“, so Weninger empört. Zusätzlich behindern veraltete Strukturen und Kompetenzrangeleien die tägliche Arbeit. „Viele Gemeinden“, so Weninger „leiden seit Jahren unter den Auswirkungen des ,grauen Finanzausgleichs‘“, also unter Belastungen, die den Gemeinden durch vom Bund beschlossene Projekte in der laufenden FAG-Periode entstehen. „Die Finanzierung hängt in der Luft und wird einfach an die Kommunen weitergereicht“, sagt Weninger. Hier müsse es einen Ausgleich geben, der auf der Einnahmenseite der Gemeinde sichtbar werde, so Weninger. Wegfall der Vorsteuer Ein weiterer Schwachpunkt sind die gemeindeeigenen Abgaben: „Die Kommunalsteuer wird vom Bund eingehoben, aber nicht sehr gepflegt. Die Grundsteuer ist noch genauso wie vor 36 Jahren. Für die abgeschaffte Getränkesteuer gab es zwar einen Ersatz, der aber nicht entsprechend valorisiert wird und versteinert“, sagt Weninger. „Früher wurden 40 Prozent der Einnahmen einer Stadt durch gemeindeeigene Steuern abgedeckt, heute sind es nur noch 20 Prozent.“ Nun stöhnen die Gemeinden unter dem Wegfall des Vorsteuer­abzugs. Dadurch sind alle Investitionsprojekte um 20 Prozent teurer.

Der Bau des geplanten Bildungscampus in Salzburg etwa kostet durch den Wegfall der Vorsteuer statt 20 nun 24 Millionen Euro. „Wir reden österreichweit von 100 Mio. E ­ uro im Jahr. Damit kann sich der Bund nicht sanieren, aber er schadet den Kommunen, weil ihnen das Geld für die Investitionen fehlt. Die Republik schwächt die örtliche Wirtschaft, doch gerade sie stellt das Rückgrat der Gesamtwirtschaft dar“, sagt Weninger. Es gibt aber auch positive Signale: Der Städtebund und der Gemeindebund haben eine Resolution beschlossen, mit der ein Investitionsprogramm für Bildungsinfrastruktur ermöglicht werden soll. 500 Bürgermeister hätten schon unterschrieben, freut sich Weninger. Finanzierung ohne Eigenrisiko Alternative Finanzierungsmodelle wie beispielsweise Kooperationen mit Privatinvestoren (Öffentlich-Private Partnerschaften – ÖPPs), ermöglichen Investitionen, auch wenn das Geldbörsel gerade leer ist. „Dadurch können Projekte effizienter werden, weil auch der sogenannte Lebenszyklusansatz stärker zum Tragen kommt“, so Kummert. Dabei werden bei der Planung eines Projekts die Folgekosten genauso berücksichtigt wie die Baukosten. ÖPP-Modelle können für die Öffentliche Hand verschuldungsneutral finanziert werden und es ermöglichen, die Infrastruktur einer Gemeinde zu verbessern, eine klassische Win-win-Situation al-

privat

S c h w e r pu n k t

» Es müssen

nicht nur die Köpfe, sondern auch die Herzen zusammen­ wachsen. Franziska Cecon, FH OÖ

»

Mit Ihrer ASFINAG verlässlich unterwegs! Für die ASFINAG steht der Mensch im Mittelpunkt – als KundIn, als AnrainerIn, als MitarbeiterIn. Ihre Interessen haben Vorrang! Bei Planung, Bau und Betrieb setzt die ASFINAG auf ökologische Nachhaltigkeit – wir haben Respekt vor unserer Umwelt! Die ASFINAG arbeitet mit dem Geld ihrer KundInnen für ihre KundInnen – transparent und verantwortungsvoll! www.asfinag.at


S c h w e r pu n k t Öffentliche Sparquote

Ö ff e n t lich e S pa r q uot e v s . Quot e F r e i e F i n a n zspi t z e i m J ah r 2 0 1 0

Wie groß ist der Überschuss der laufenden Gebarung (Öffentliche Sparquote) und wie viel von dem Geld können die Gemeinden tatsächlich für Investitionen verwenden (Quote Freie Finanzspitze)? Die kleinsten Gemeinden mit bis zu 500 Einwohnern schneiden am schlechtesten ab, Gemeinden mit 2.000 bis 5.000 Einwohnern am besten. Quelle: Städtebund

Durchschnittliche Kennzahlenergebnisse im Jahr 2010; in Prozent

Quote Freie Finanzspitze

15,0

10,0

5,0

0,0

-5,0

-10,0 0 bis 500

501 bis 1000

1.001 bis 2.500

2.501 bis 5.000

5.001 bis 10.000

10.001 bis 20.000

20.001 bis 50.000

50.001 bis 500.000

Gemeinden der EinwohnergröSSenklasse

so. Vor allem im Bildungs- und Sozialbereich kommen sie häufig vor. Die Kommunalkredit stellt den Kredit wie etwa im Fall einer Tagesbetreuungsstätte für behinderte Menschen in Niederösterreich, die eine Projektgesellschaft des Vereins „Wege zum Wohnen“ errichtet. „Wir haben die Bau-, Betriebsund Finanzierungskosten sowie die Einnahmen in einem Finanzmodell nachgebildet und sichergestellt, dass der Cashflow über die gesamte Projektlaufzeit positiv ist“, sagt Kummert. Der Öffentlichen Hand entstehen bis zur Eröffnung keine Kosten. Danach zahlt das Land NÖ Betreuungspauschalen an die Projektgesellschaft, mit denen sie die laufenden Kosten und den Schuldendienst abdeckt. Ein weitere Finanzierungsalternative ist die Initiative „Licht“: Bis 2017 muss österreichweit die

Möchten auch Sie Ihren nächsten Urlaub hier verbringen? 14 November 2012 Foto: Österreich Werbung, Ascher

gesamte Beleuchtung im öffentlichen Bereich auf Energiesparlampen umgestellt werden. Die Gemeinde schließt mit einem privaten Anbieter einen Vertrag über die Sanierung ab. Die Kommunalkredit kauft die Forderungen vom Anbieter an, zahlt ihm den abgezinsten Betrag aus und gewährt der Gemeinde damit quasi einen Kredit. „Die Energiekostenersparnis kann bis zu 50 Prozent betragen“, meint Kummert. Mit dem ersparten Geld zahlt die Gemeinde den Kredit zurück. „Wir sehen, dass die Initiative angenommen wird. Das Geschäft zieht an“, so Kummert. Gemeinsam Potenziale heben Aber auch ÖPP-Modelle sind in Fachkreisen nicht unumstritten, vor allem eignen sie sich nicht für je-


des Projekt. Und letztendlich sind langfristig wirksame Strategien notwendig, mit denen die Gemeinden wieder aus ihrer Zwickmühle herauskommen. Unisono fordern alle befragten Experten eine umfassende Finanzausgleichsreform, also die Entflechtung der Transferleistungen. Insbesondere soll die Sozialhilfe- und Krankenanstaltenumlage umstrukturiert und Transparenz in der Zuteilung von Bedarfszuweisungen geschaffen werden. Bisweilen haben diese weniger mit Bedarf als mit dem Bedürfnis zu tun, oft nur halbherzig versteckte politische Machtkämpfe auszutragen. Außerdem soll den Gemeinden mehr Autonomie eingeräumt werden, ihre Aufgaben und Ausgaben eigenverantwortlich zu gestalten. Der Ressourcenausgleich für strukturschwache Regionen soll erhalten bleiben. „Es ist sinnvoll, die Kräfte zu bündeln“, sagt Franziska Cecon, Professorin für Public Management an der FH OÖ, und meint damit interkommunale Kooperationen. Hier gibt es schon viele Vorzeigeprojekte: von der Kinderbetreuung und Schulen über den Wasser-, Abfallbereich, gemeinsame Bauhöfe bis hin zu Verwaltungsgemeinschaften, die in Oberösterreich gefördert werden. „Durch Kooperationen kann man Potenziale erzeugen, die ich alleine nicht hebe“, sagt Cecon und erklärt dies am Beispiel der Zusammenlegung der drei Feuerwehren Eberstallzell, Hallwang und Hermannsdorf: In Summe wurde schneller technisch aufgerüstet, und die Einsatzkraft sei – gerade tagsüber – gestärkt worden. Das ist mehr als jede Feuerwehr für sich allein hätte bewerkstelligen können. Wesentlich ist, dass die Entscheidung von den Feuerwehren selbst gekommen ist. Diskussionen über Fusionen Einen Schritt weiter geht die Überlegung, Gemeinden zu fusionieren. Bei dieser Frage scheiden sich die Geister. Häufige Argumente dagegen sind der drohende Verlust von Identität und Heimatge-

fühl oder räumliche Gegebenheiten: „Wir sind keine Verfechter von Zwangsfusionen am Reißbrett. In Tirol, wo ein Berg dazwischen ist, ergibt es wenig Sinn“, sagt Weninger. Und sogar der eigentliche Grund, die schwache Finanzsituation, kann ein Gegenargument sein: „Wenn zwei Bettler heiraten, wird daraus noch kein Millionär“, entlehnt Cecon ein Bonmot des Schweizer Ökonomen Reto Steiner. Derzeit gehen die Steirer beherzt in Richtung Fusionierung, auch über Gemeindegrenzen hinaus: Nach der Zusammenlegung von Judenburg und Knittelfeld zum Bezirk Murtal kommt es mit 1. Jänner 2013 zu weiteren drei Bezirkszusammenlegungen (Bruck und Mürzzuschlag wird zu „Bruck-Mürzzuschlag“, Fürstenfeld und Hartberg zu „Hartberg-Fürstenfeld“ und Feldbach und Radkersburg zu „Vulkanland“). 13 statt bisher 17 Bezirke wird die Steiermark dann haben. Die Bevölkerung akzeptiert Bezirkszusammenlegungen eher, für sie gibt es rein praktisch keine Nachteile, „da an allen bisherigen Standorten Servicestellen verbleiben, die für den Bürger die Leistungen wie bisher erbringen“, sagt Biwald. Bei Gemeindefusionen sind mehr Emotionen im Spiel. Bisher war nur eine Bürgerbefragung positiv: Ende September stimmte die Bevölkerung in Trofaiach, Hafning und Gai für die Fusionierung zu „Groß-Trofaiach“. Vordernberg, die vierte Gemeinde, war dagegen. „Mit mehr als 10.000 Einwohnern gelangt Groß-Trofaiach in ­eine höhere Stufe des abgestuften Bevölkerungsschlüssels und bekommt mehr Ertragsanteile“, so Biwald. Mit rund 450 Gemeinden wurde bereits verhandelt. Bis 31. Jänner 2013 sollen die letztgültigen Entscheidungen fallen. Es ist also noch offen, ob und welche Gemeinden zusammengeschlossen und wie erfolgreich die Fusionen sein werden. „In jedem Fall“, so Cecon, „kann es nur dann funktionieren, wenn nicht nur die Köpfe, sondern auch die Herzen zusammenwachsen.“

Dann suchen Sie Ihr nächstes Urlaubsziel über Sternewelt.at, und Sie können Ihren Urlaub in einem klassifizierten Sternehotel uneingeschränkt genießen.

Petra Spiola

S c h w e r pu n k t

» Die Gemeinden haben in der ­Wirtschaftskrise rasch auf die ­Engpässe reagiert. Christian Kummert, Kommunalkredit


S c h w e r pu n k t

Als Gemeindebundpräsident hegt und pflegt Helmut Mödlhammer weitverzweigte Gemeinden mit Freude und Leidenschaft. Als Bürgermeister wächst er mitunter über sein Amt hinaus und schlüpft auch mal in die Rolle des Pfarrers. 16

November 2012


S c h w e r pu n k t

„Bei uns mischen alle mit“ Geme i n d e f i n a n z en  

Die Gebarung der Gemeinden steht im Kreuzfeuer der Kritik. Zu Unrecht, wie Gemeindebundpräsident Mödlhammer meint. Mit REPUBLIK sprach er über die schnelle Reaktionsfähigkeit der Kommunen in Krisenzeiten, das Dilemma der Weisungen „von oben“ und darüber, warum für ihn das Glas trotz allem halb voll ist. Interview Ursula Horvath Foto Regina Hügli Thema des Gemeindetages war „Stottert der Wirtschaftsmotor Gemeinde?“. Zu welchem Schluss sind Sie gekommen? Er läuft langsamer. Die Gemeinden sind mit knapp zwei Milliarden Euro jährlich nach wie vor die größten öffentlichen Investoren. 80 Prozent davon werden in einem Umkreis von 20 Kilometer getätigt. Sie sind somit der Wirtschaftsmotor für die Region. Es steht aber immer weniger Geld für Investitionen zur Verfügung, weil uns die Pflichtaufgaben derartig fordern: Wenn der Bund eine Mindestsicherung oder die Länder kleinere Kindergartengruppen beschließen, haben wir das zu erfüllen, und ohne die entsprechenden Mittel wird es da sehr eng. Warum investieren gerade die kleinsten Gemeinden, die die höchste Verschuldung haben, am meisten? Die haben den größten Nachholbedarf. Meistens handelt es sich hier um Gemeinden, die nicht an Zentralräume angebunden sind, die eine eigene Infrastruktur schaffen müssen, um dort das Leben in Gang zu halten. Sie brauchen Betreuungseinrichtungen, müssen auch für die Freizeit etwas bieten. Es ist enorm wichtig, dass die Menschen nicht dutzende Kilometer zur Arbeit oder zum Arzt fahren müssen. Bei der hohen Verschuldung fragt man sich: Brauche ich wirklich in jedem Ort mehrere Ärzte?

Es gibt keine Gemeinde in Österreich, die nicht mit einer anderen zusammenarbeitet. Warum also das Investitionsvolumen bei kleinen Gemeinden? Wenn sie keine dichten Siedlungskerne haben, ist der Kanalbau zehnmal so teuer. Da geht es darum, dass man den Menschen auch in entlegenen Gebieten Voraussetzungen zum Leben bietet. Oder Tourismusgemeinden: Sie müssen auch für ein Vielfaches an Gästen eine Infrastruktur schaffen. Dann gibt es dort eine Wertschöpfung, aber auch eine hohe Verschuldung. Trotzdem: Die Krise hat die Gemeinden um Jahre zurückgeworfen, heute sind sie immer noch nicht dort, wo sie 2007 waren. Das ist richtig. Die Gemeinden haben aber am raschesten in der Krise reagiert. Wir haben es 2011 geschafft, österreichweit einen MaastrichtÜberschuss von 440 Millionen Euro zu erwirtschaften. Keine andere Gebietskörperschaft hat das geschafft. In keinem anderen Staat Europas ist das passiert. Da ist noch einiges drinnen, aber keine große Summe, weil die Gemeindeverwaltung insgesamt eine sehr schmale ist. Größer ist billiger, das stimmt einfach nicht. Der Schuldenberg wird aber nicht kleiner. Aber er ist im Verhältnis zu Bund und den Ländern ein sehr kleiner. Die Gemeinden haben knapp 15 Milliarden Euro Schulden und der Bund hat 200 Mrd. Bei den Gemeinden sind auch entsprechende Werte da. Die Verschuldung der Ge-

» Es steht immer

weniger Geld für Investitionen zur Verfügung, weil uns die Pflichtauf­ gaben fordern.

November 2012

17


S c h w e r pu n k t

» Ich übernehme

die Rolle des ­Pfarrers, den es nicht mehr gibt.

Z u r P e r so n

Helmut Mödlhammer

geb. 26. Nov. 1951 in Salzburg 1972 bis 2004 Journalistische Tätigkeit (u. a. bei der „Salzburger Volkszeitung“) Seit 1986 Bürgermeister der Salzburger Gemeinde Hallwang Seit 1992 Präsident des Salzburger Gemeindeverbands 1994 bis 1999 Abgeordneter zum Salzburger Landtag 1995 bis 2001 ORF-Kurator des Landes Salzburg Seit 1999 Präsident des Österreichischen Gemeindebunds

18

meinden, wenn man Wien abzieht, ist in den vergangenen Jahren um 16 Prozent gestiegen. Wenn alle so gespart hätten, dann hätten wir das Problem überhaupt nicht. Wir brauchten weder eine Schuldenbremse noch einen Stabilitätspakt. Wir haben aber beides. Ja. Und wir sind auch hier die Musterschüler. Wir haben plus minus null. Wir haben uns im Stabilitätspakt verpflichtet, ab sofort nicht mehr auszugeben, als wir einnehmen, das heißt: keine neuen Schulden österreichweit. Wir haben dieses Ziel 2011 schon übererfüllt. Und wir haben mit Ausnahme von 2008 und 2009 unsere Stabilitätsziele immer erfüllt. Wie stehen Sie zu PPP-Modellen? Welche Rollen spielen diese in Hallwang? Wir sind bestrebt, alle Aufgaben mit dem eigenen Geld zu erfüllen. Wir leisten uns keinen Luxus. Wir erledigen aber auch nicht alles selbst: Wir haben gemeinsam mit der Stadt Salzburg ein Seniorenheim, das von einer Tochtergesellschaft des Roten Kreuzes geführt wird. Kostendeckend. Wir haben im Bereich der Infrastruktur große Zusammenschlüsse: Wir sind insgesamt zwölf Gemeinden, die eine gemeinsame Abwasseranlage, und sieben Gemeinden, die eine Trinkwasserversorgung betreiben. Vorhin haben Sie gesagt, jede Gemeinde brauche ihre eigene Infrastruktur. Jetzt haben gleich sieben eine Trinkwasserversorgung? Ja, aber jeder Bürgermeister trägt hier Verantwortung, und es wird auch nicht gegen einen Bürgermeister oder zentralistisch entschieden. Bei Zwangsfusionen wäre das der Fall. In der Steiermark wird gerade diskutiert, Gemeinden zusammenzulegen, ohne die Bevölkerung zu fragen. Das wird nicht funktionieren. Man macht das ja, um die Lebensqualität der Bürger zu erhöhen. Das muss man den Bürgern aber zuerst klarmachen. Wenn es für sie einen Vorteil bringt,

November 2012

dann werden sie mitgehen. In der Schweiz hat man bis zu neun Jahren gebraucht, um die Überzeugungsarbeit zu leisten, und man hatte handfeste Argumente wie etwa die Verbilligung des Wassertarifs. Man muss den Menschen zeigen, dass es ihnen nützt, und nicht, dass ihnen etwas weggenommen wird, Identität oder Heimat. Ich war auch in Dänemark und habe mir das vielgelobte System angesehen. Es heißt, die Großgemeinden funktionieren dort ganz wunderbar. Ich habe dort aber keinen Mitarbeiter gesehen, der ein fröhliches Gesicht gemacht hätte. Wenn Sie bei uns aufs Gemeindeamt kommen, werden Sie mit einem Lächeln empfangen. Das Anhören ist so wichtig, das kann man nur in kleinen Einheiten. Ich sage, ich übernehme die Rolle des Pfarrers, den es nicht mehr gibt. Wie sieht nun die Lösung für die finanzielle Situation der Gemeinden aus? In Österreich fehlt eine klare Kompetenzaufteilung. Bei uns mischen alle mit. Zum Beispiel die Kinderbetreuung: Hier versuchen fünf Ministerien krampfhaft Lösungen einzubringen. Dann gibt es neun Landesregierungen und betrieben und finanziert wird das alles zu 85 Prozent durch die Gemeinden, 15 Prozent sind Private. Wenn man das Geld direkt den Gemeinden geben würde, dann hätten wir die weltbeste, weil adäquateste Kinderbetreuung. In Muhr im Lungau ist sie ganz anders zu organisieren als im Zentralraum Wien. Oder die Spitalfinanzierung: Die Gemeinden dürfen nur zahlen, haben aber nichts mitzureden. Das KDZ rechnet in nächster Zeit nicht mit einer wesentlichen Verbesserung der Situa­ tion. Ist für Sie das Glas auch halb leer? Das Glas ist halb voll, ich bin ein Optimist. Wenn man uns arbeiten lässt und nicht ständig noch etwas auf den Rucksack drauflegt, den die Gemeinden zu tragen haben, dann schaffen wir es.


Grauer Star.

// PKP BBDO // Foto: Andreas H. Bitesnich

zugunsten Hungeropfer in Afrika

Die häufigste Ursache für Blindheit in Afrika. Heilbar mit 30 €.

Spendenkonto: PSK 92.011.650 www.licht-fuer-die-welt.at


Serie

Die Botschafter der Bekömmlichkeit Einblicke 

Wenn es um sicheren Essgenuss in Wien geht, hat die MA 59 ihre Hände im Spiel. REPUBLIK heftete sich an die Fersen eines Außendienstmitarbeiters auf Kontrolltour. Text  Andrea Krieger Fotos  Simon Jappel

Der Blick unter die Küchenkästen verrät, ob in einem Lebensmittelbetrieb gründlich geputzt oder der Mist im ­Eilverfahren unter den Tisch gewischt wird.

R e p o r tag e 

REPUBLIK widmet den spannendsten Berufen im öffentlichen Dienst eine eigene Serie. Sie gibt Einblicke in die Arbeitsweisen und Spielräume, Sachzwänge und Herausforderungen eines Jobs im Öffentlichen Dienst.

20

I

n Österreich muss man unweigerlich an Josef Hader und Alfred Dorfer in dem Film „Indien“ denken, wenn von einem „Lebensmittelinspektor“ die Rede ist. In diesem tragikomischen Streifen aus dem Jahr 1993 prüfen die beiden Schauspieler im Auftrag des Fremdenverkehrsamtes, ob es im Gastgewerbe und der Hotellerie auch so sauber zugeht, wie es der Gesetzgeber vorschreibt. Die Parallelen zu Alexander Hengls beruflicher Wirklichkeit sind enden wollend. Nicht zuletzt, weil er für das Marktamt (MA 59) unterwegs ist. Probeessen ist etwa nicht Teil seines Jobs. Was der echte Lebensmittelinspektor ­Hengl sonst noch gern klarstellt: Anders als der Name seiner Einrichtung vermuten ließe, prüft er längst nicht nur Märkte, sondern auch Restaurants, Imbissbuden, Lebensmittelhersteller und -händler. Ja sogar für Spielzeug und Kosmeti-

November 2012

ka ist man zuständig. „Weil sie in den Mund genommen werden oder Partikel über die Haut in den Körper gelangen“, sagt er. Und damit immer noch nicht genug, unterliegen auch die Gewerbebetriebe bezüglich baulichen, gerätespezifischen und anlagetechnischen Voraussetzungen der Kontrolle des Marktamts. In erster Linie geht es aber ums Essen, in diesem Bereich macht die MA 59 13.000 Kontrollen jährlich. Unangekündigt. Am Morgen des 30. August trifft es ein Hütteldorfer Restaurant. Hengl weist sich aus, setzt seine Plastikhaube auf und macht sich ohne viel Herumreden auf den Weg zur Küche. Er hat eine lange Checkliste abzuarbeiten. Zuerst wirft er einen Blick auf die Küchenkräfte. Auf die vorgeschriebene Kopfbedeckung wird nämlich gern verzichtet, „insbesondere in Schauküchen“, so Hengl. Während des routinemäßigen Händewaschens überprüft


er: Sind Seife und Papierhandtücher vorhanden? Und: Gibt es überhaupt Warmwasser in der Küche? „Wenn nicht, bedeutet das eine kostenpflichtige Nachkontrolle.“ Er prüft, ob Wände, Boden und Arbeitsplatte auch abwaschbar sind und fahndet nach Rissen und Kerben, in denen sich der Schmutz sammeln könnte. Etwaige Tropfen von Kondenswasser an den Fliesen wären ein Indiz, dass der Dunstabzug zu schwach ist. Ein wichtiger Punkt ist die Kontrolle der Schneidbretter. Unabhängig voneinander befragt er die Mitarbeiter, welche Farbe jeweils für Fisch, Geflügel und rotes Fleisch verwendet wird. Tauchen Widersprüchlichkeiten auf, besteht der Verdacht, dass die Befragten auf eine getrennte Verwendung keinen großen Wert legen. – Ein großes Hygieneminus. Saisonabhängig Speziell im Herbst knöpft sich Hengl die Schwammerln vor. Für Sammler bietet die MA 59 derzeit kostenlose Pilzbegutachtungen an. In Hütteldorf macht sich der Prüfer über einen Kübel Champignons her und inspiziert die Schnittstellen am Stiel. „Hier sieht man Schimmelbildung zuerst.“ Weiche Stellen etwa würden auf zu lange Lagerung hinweisen. Im Kühlraum kommt Hengls Hightech-Infrarot-Thermometer zum Einsatz. Der misst nicht nur die exakte Temperatur, sondern speichert aus Gründen der Nachweisbarkeit auch die Daten. Ansonsten ist zu klären, was dort alles gelagert wird und ob zu Recht. Unter den Tisch Gekehrtes Einmal pro Kontrolle geht Hengl in die Knie. Nur so kann er unter die Küchenkästen schauen. Ein aufschlussreicher Blick: „Das zeigt mir, ob gründlich oder nur auf die Schnelle gereinigt wurde.“ Gelegentlich findet man dort Eierschalen oder

Herbst ist Schwammerlzeit – auch für die Lebensmittelinspektoren. Es geht nicht nur um Giftigkeit, sondern auch um zu lange Lagerung, Schimmelbildung oder Radioaktivität.

fettigen Lurch. Wieder aufrecht stehend, wird das Mehl auf Schädlinge gecheckt. Er nimmt eine Packung in die Hand und drückt fest zu. Da nichts rausbröselt, ist der Mottentest bestanden. Spätestens, wenn Hengl, übrigens auch Pressesprecher des Marktamts, nach seiner Kühltasche greift, wird so mancher Wirt nervös. Schließlich kann es sein, dass etwas nicht ganz so riecht, wie es sollte, und der Prüfer deshalb eine sogenannte Verdachtsprobe nimmt. Möglich ist aber auch eine Routineentnahme. Oder es geht um eine Schwerpunktaktion – wie zuletzt bei Fischen aus Fernost. Schlimmstenfalls besteht aufgrund der Hygienebedingungen der Verdacht auf Bakterien oder gar etwa Salmonellen, die man tückischerweise nicht riecht. In jedem Fall landet der Kühltascheninhalt zur genaueren Prüfung in der Agentur für Ernährungssicherheit oder der Lebensmitteluntersuchungsanstalt der Stadt Wien, der MA 38. 9.400mal pro Jahr passiert das. Beruhigend: Lediglich 50 Proben davon waren 2011 gesundheitsgefährdend. Aber immerhin wurde ein Drittel beanstandet. Etwa wegen falscher Lebensmittelkennzeichnung oder weil es sich um für den menschlichen Verzehr ungeeignete Kost handelte. Der Serviettentest In Sachen Getränke wird zuletzt die Schank kontrolliert. Hengl rollt eine Papierserviette zusammen und steckt diese kurz in den Weißweinhahn. Mit dem Resultat ist er zufrieden. „Ein patziger Belag wäre schlecht.“ – Das Lokal hat die Prüfung gut bestanden und für das Marktamt ist ein weiterer der insgesamt 18.000 Lebensmittelbetriebe abgehakt. Wobei die MA 59 auf Eigeninitiative, aber auch infolge von suspekten Proben, die Konsumenten vorbeibringen, prüft. Hengls Fazit: „Lauter Einser hat niemand. Aber es ist ein Unterschied, ob wir einen kleinen Riss in den Fliesen entdecken oder einen massiven Schädlingsbefall.“ Und so reichen die Sanktionen von Verwarnungen über Organstrafen bis zu Anzeigen. In gröberen Fällen erfolgt eine Nachkontrolle auf Kosten des Besitzers. 2011 passierte dies 500-mal – bei insgesamt 13.000 Routinechecks jährlich. Pro Minuspunkt gibt’s 350 Euro Strafe. Jährlich fünf Betriebe trifft die schärfste Sanktion einer (vorübergehenden) Sperrung. 2011 protestierten Marktstandbetreiber heftig gegen die Erhöhung der Gebühren der MA 59 um kolportierte acht Prozent. Zudem wurde die Vorschreibung von getrennten Toiletten für Männer und Frauen beklagt. Hengl dazu: „Wir suchen uns die Erhöhungen nicht aus.“ Er verweist auf die in der Marktgebührentarifverordnung vorgesehenen Indexanpassungen. Was die WCs betrifft, so würden für Marktlokale die gleichen Regeln wie im Gastgewerbe gelten.

Rothwangl

S E RI E

» Besonders auf

die vorgeschrie­ bene Kopfbe­ deckung wird in der Küche gern vergessen. Alexander Hengl, Marktamt

I n fo 

Marktamt (MA 59) Entstehung: 1830 wurden die einzelnen Marktinspektionen zu einer Dienststelle vereinigt. Schnell kamen neue Agenden hinzu wie Lebensmittel- und Gewerbepolizei, kurzfristig sogar Straßen-, Feuer- und Strompolizei. Funktion: Heute wird in den Bereichen Lebensmittelrecht (LMR), Gewerbeordnung, Maß- und Eichgesetz, Preisauszeichnung sowie weiterer Verbraucherschutzbestimmungen kontrolliert. Ins LMR fallen auch Spielsachen und Kosmetika. Zugehörigkeit: Die MA 59 gehört zum Bereich von Sandra Frauenberger, Wiener Stadträtin für Integration, Frauenfragen, Konsumentenschutz und Personal. Leitung: Die Juristin Adelheid Sagmeister steht an der Spitze der 210-köpfigen MA.

November 2012

21


T h em a

4 Erfolg durch

F O RU M E xc e l l en c e

langfristige Perspektive

A u s g l i e d e r u n g en  

Um die Einnahmensituation zu verbessern, haben viele Kommunen auf Ausgliederungen gesetzt. Die Aussicht auf steuerliche ­Vorteile und mehr Spielraum bei der Bilanzierung war verlockend. Nicht alle haben davon auch profitiert. REPUBLIK hat sich mit Experten auf Ursachensuche begeben. Interview  Lukas Wiesboeck, Stefan Grampelhuber ­ Fotos  Richard Tanzer

» Aufzeich­

nungen über die außerbudgetäre Gemeindever­ schuldung sind lückenhaft. Eva Hauth, Staatsschuldenausschuss

M e di e n ko o p e r at i o n 

Das Format

Die REPUBLIK-Diskussionsreihe Forum 4 Excellence bringt Experten aus dem öffentlichen Sektor und der Privatwirtschaft an einen Tisch, um gesellschaftspolitisch relevante Zukunftsthemen zu besprechen und Problemlösungen zu erörtern. Es handelt sich dabei um eine Medienkooperation, d.h. die Hypo NÖ ist in das Themensetting eingebunden, die Umsetzung (z.B. Auswahl der Interviewpartner, Fragenzusammenstellung) liegt jedoch in der alleinigen Verantwortung der REPUBLIKRedaktion.

22

Der Staatsschuldenausschuss hat eine umfassende Studie zu Ausgliederungen bei Gemeinden verfasst. Welche Erfolgsfaktoren haben sich dabei herauskristallisiert? Eva Hauth (E. H.): Von Bedeutung ist der langfristige Planungshorizont. Man muss planen und analysieren, wie die Ausgliederung nachhaltig Effizienz steigert und Innovationen fördert. Gleichzeitig müssen gewisse Einflussmöglichkeiten erhalten bleiben. Denn die Gewährleistungspflicht für die Aufgabenerfüllung bleibt bei der Gemeinde. Hier gilt es, je nach Einzelfall die richtige Balance zu finden. Gibt es bessere und schlechtere Ausgliederungsmodelle, um diese Balance zu erreichen? Oliver Puchner (O. P.): Je nach Gemeindegröße gibt es auch eine große Bandbreite an Modellen. Die Größeren setzten eher auf GmbHs, in Linz oder Graz gibt es etwa auch Holding-Strukturen. E. H.: Kleine Gemeinden entscheiden sich häufig für Personengesellschaften, wobei GmbH & Co. KG- sowie Verein & Co. KG-Modelle überwiegen dürften. Das sind Gesellschaftsformen, bei der eine beschränkte Haftung der Gemeinden besteht, sie aber auch strategische Vorgaben machen können. Spürt man in der Beratung Präferenzen für bestimmte Rechtsformen? Wolfgang Viehauser (W. V.): Der Großteil der Kunden kommt gar nicht mit einem konkreten Ausgliederungswunsch, geschweige denn mit einem präferierten Modell, sondern mit einer grundsätzlichen Problemstellung. Dies ist auch der wesentliche Faktor für den Erfolg. Wenn das Problem nur darin besteht, kurzfristig neue Einnahmen zu lukrieren – etwa durch den Verkauf

November 2012

von Gemeindeimmobilien –, dann ist das kein optimaler Ansatz. Wichtig ist, sich im Rahmen einer Machbarkeitsstudie anzusehen, was man an Effizienzsteigerung erreichen kann. Das ist der Startpunkt des Beratungsprozesses. Ob zum Schluss eine GmbH oder KG herauskommt, ist eine nachgelagerte Frage. Eventuell gibt es auch andere, einfachere Lösungen und es bieten sich Alternativen wie PPP- oder Leasing-Modelle an. Welcher Faktor wird am häufigsten übersehen bei Ausgliederungsprozessen? O. P.: Als unterste Gebietskörperschaft sind Gemeinden abhängig von rechtlichen Rahmenbedingungen, die sie nicht beeinflussen können. Der Fall des Vorsteuervorteils im Stabilitätspakt 2012 ist ein gutes Beispiel. Bisher konnten Investitionen steuerlich geltend gemacht werden, das wurde nun abgeschafft. Wir fordern, dass zumindest Investitionen in Bildungseinrichtungen begünstigt bleiben, zumal es an anderer Stelle heißt, dass diese ausgebaut werden sollen. Hier kann man nur versuchen, die Sensibilität von Bund und Ländern mehr zu entwickeln. Wie kann man Risiken im Vorfeld so gut als möglich minimieren? W. V.: Wann immer man Private ins Boot holt, muss man sich gut überlegen, was man braucht. Denn sobald die Ausschreibung veröffentlicht ist, hat man nur mehr sehr geringe Steuerungsmöglichkeiten. Wichtig ist vor allem, eigenes Know-how zu behalten. Wenn es nur einen gibt, der sich auskennt, und meist ist das der Private, ist der andere Teil komplett ausgeliefert. Ein wesentlicher Punkt ist auch die Frage der Haftungen. Für das Fremdkapital der Ausgegliederten steht die Gemeinde selbst ein. Bisher wurden die Zahlen hierzu aber nicht


T h em a

D i e s e r Be i t r a g e r f o lgt m i t f r e u n d l i c h e r Un t e r s t ü t z u n g d e r H y po N Ö !

erfasst, das wird sich aber in Zukunft ändern. Eine positive Entwicklung? E. H.: Wir haben versucht die Größenordnung der außerbudgetären Verschuldung zu erheben und sind auf 7 bis 10 Milliarden Euro gekommen. Das ist schon ein enormer Betrag, das ist auch der Gemeindeaufsicht klar. Derzeit gibt es nur lückenhafte Aufzeichnungen über die außerbudgetären Einheiten der Gemeinden und deren Investitionen und Verschuldung. Die systematische Dokumentation läuft erst langsam an. Im Sinne der Transparenz und für Risikoanalysen wäre es wichtig, diese Daten zu haben. O. P.: Es ist sinnvoll, dass die ausgegliederten Einheiten an den günstigeren Finanzierungsmöglichkeiten der Gemeinden partizipieren können. Problematisch ist schon, dass die acht verschiedenen Gemeindeaufsichten in Österreich sehr heterogen aufgestellt sind und verschiedene Messlatten anlegen. Mit dem Stabilitätspakt 2012 wird es aber eine Fülle neuer Meldeverpflichtungen geben, die das wieder auffangen können. W. V.: Ein wesentlicher Fortschritt ist sicher, dass Gemeindeaufsichten nun vermehrt im Vorfeld beraten und nicht nur im Nachhinein prüfen. Wichtig wäre es auch, dass bei Haftungen das Ausfallsrisiko mitabgebildet wird. Welche Rolle können Ausgliederungen bei Verwaltungsreformanliegen spielen. Können sie ein Leitmodell für Shared Services zwischen Gemeinden sein? E. H.: Sie können Impulse liefern. Gemeindeverbände sind ja auch eine öffentlich rechtliche Form der Ausgliederung, die es bereits in vielen Formen gibt. Die Frage der Synergien wird den Gemeinden immer mehr bewusst, weil die Rahmenbedingungen komplexer werden und die qualitativen Anforderungen steigen, die budgetären Mittel aber nicht in diesem Ausmaß steigen. O. P.: Die interkommunale Zusammenarbeit hat in Österreich eine große Tradition, gerade im Bereich Abwasser, wo kleine Gemeinden die hohen Investitionen gar nicht allein stemmen könnten. Aber auch hier sind wir mit hoher rechtlicher Verkomplizierung konfrontiert. Das Vergaberecht ist bereits sehr überladen und schränkt Handlungsoptionen teilweise wieder ein.

Wie sieht Ihr Ausblick in die Zukunft aus? W. V.: Der Druck, sich Ausgliederungen vorher gut zu überlegen, steigt. Steuervorteile gibt es keine mehr, die Maastricht-Kriterien fallen auch weg. Das eröffnet die Chance, dass nicht kurzfristige Ertragsoptimierungen, sondern längerfristige Entwicklungsmöglichkeiten im Zentrum der Entscheidung stehen. Rechtlich wird es einem derzeit manchmal schwergemacht, das Richtige zu tun, hier muss man in Zukunft ansetzen. O. P.: Aus Sicht der Gemeinden braucht es eine grundlegende Aufgabenkritik der Öffentlichen Hand. Im Zusammenspiel der drei Gebietskörperschaften muss sich vieles verbessern. E. H.: Mittel- und langfristig muss man auch kleinteilige Gemeindestrukturen hinterfragen und föderale Strukturreformen in Angriff zu nehmen.

» Gemeinden kön­ nen ihre r­echtlichen Rahmenbedingen nicht beeinflussen. Oliver Puchner, Städtebund

» Der Druck, sich

Ausgliederungen im Vorfeld gut zu über­ legen, steigt an. Wolfgang Viehauser, Hypo NÖ

Eva Hauth

Oliver Pucher

Wolfgang Viehauser

ist Leiterin des Büros des Staatsschuldenausschusses und Expertin für die Budgetlage der Gebietskörperschaften. Sie ist Mitautorin einer umfassenden Studie zu Ausgliederungen im Bereich österreichischer Gemeinden und erklärt, welche Risikofaktoren häufig unterschätzt werden.

ist Fachreferent für Finanzen und Wirtschaft beim österreichischen Städtebund. Er ist spezialisiert auf kommunales Haushaltswesen und erklärt, welche rechtlichen Rahmenbedingungen Kommunen bei Ausgliederungen zu beachten haben.

ist stellvertretender Vorstand und Leiter Public Finance der HYPO NOE Gruppe Bank AG. Er blickt aufgrund zahlreicher erfolgreicher Projekte auf große Erfahrungswerte in der öffentlichen Projektfinanzierung zurück und erläutert, welche Fragen vor der Konzeption von Ausgliederungen geklärt werden müssen.

November 2012

23


T h em a

In die Stadt, aus der Stadt Ländliche Gemeinden hadern mit der ­Abwanderung. Denn die Anziehungskraft urbaner Räume ist ungebrochen. Intelligente Raumplanung und Regionalpolitik sind nun gefragt, um kreative Lösungen zu finden und alle Teile Österreichs von der wachsenden Bevölkerungszahl profitieren zu lassen. Text  Gudrun Haigermoser

thinkstockphotos.de

Demo g r a f i s c h e r Wa n d e l  

Nur die großen Städte wachsen, das Land dünnt weiter aus, befürchten Schwarzmaler. So drastisch wird sich die Situation durch Abwanderung in Österreich nicht entwickeln. Vorausgesetzt, die Kommunen überlegen sich neue Strategien.

24

I

mmer mehr Menschen zieht es in die Städte. Auch vor Österreich macht der globale Megatrend der Urbanisierung nicht halt: 55 Prozent der Bewohner leben bereits in einer der 73 Städte mit mehr als 10.000 Einwohnern. Im Gegenzug schrumpft rund die Hälfte der Gemeinden, zwei Drittel wachsen nicht in dem Ausmaß wie die Gesamtbevölkerung und verlieren damit eine Menge an Geld aus dem Finanzausgleich. Aus dieser Entwicklung heraus ergibt sich eine Vielzahl – nicht nur finanzieller – Herausforderungen sowohl für die gesuchten als auch für die verlassenen Regionen. Vor allem

November 2012

für die Raumplanung ist die demografische Entwicklung ein wichtiges Zukunftsthema. Von der Raumordnungskonferenz (ÖROK) wurde dazu vor rund einem Jahr ein neues Raumentwicklungskonzept (ÖREK 2011) als Leitdokument für die nächsten zehn Jahre präsentiert. Österreich wächst Zwischen 2001 und 2011 ist die Zahl der österreichischen Bevölkerung um rund fünf Prozent gewachsen. Die Gründe: Zuwanderung und eine höhere Lebenserwartung. Diese Tendenz setzt sich fort: Bis 2060 wird die Einwohnerzahl von der-


T h em a

Instrumente der Raumordung in den Dienst der Bevölkerung stellen. Elisabeth Stix, ÖROK

Konrad Hitthaler

» Man muss die

Gemeinden als Verlierer? „Die Abwanderung aus ländlichen Gemeinden bzw. der Zuzug in die Städte ist kein neues, sondern bereits ein historisch bekanntes Phänomen“, sagt Elisabeth Stix, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der ÖROK-Geschäftsstelle. Wanderungsbewegungen innerhalb eines Staates sind ein langfristiger und globaler Trend, der sich natürlich auch in Österreich niederschlägt. „Es ist schade, dass Stadt und Land so oft auseinanderdividiert werden. Denn die Gemeinden verlieren nicht zwangsläufig durch das Wachstum der Städte“, meint die ÖROK-Expertin und warnt vor pauschalierenden Aussagen: „Etwas differenzierter dargestellt, gibt es einen Zug in zentrale Regionen, die durchaus auch ländlich ge-

prägt sein können.“ Gewinner ist hier die Achse St. Pölten–Bratislava, aber auch das Vorarlberger Rheintal und das gesamte Inntal. Wirkliche Verlierer sind die hohen, dezentrale Lagen und die „üblichen Verdächtigen“ wie die Ost- und Obersteiermark, das nördliche Waldviertel, Osttirol und Kärnten. Das südlichste Bundesland ist übrigens das einzige, dem ein Minus an der Gesamtbevölkerung prognostiziert wird. „Das wirkliche Problem sind strukturell schwache, periphere Räume, die weit ab von urbanen Zonen liegen“, führt Universitätsprofessor Jens Dangschat, Stadtsoziologe im Departement für Raumplanung an der TU Wien, aus. „Diese Regionen muss man sich im Einzelnen anschauen und adäquate Lösungen finden.“ Erfolg durch Eigeninitiative Dass man dem Trend durchaus trotzen kann, zeigt sich an der 25.000-Einwohner-Stadt Leoben in der Obersteiermark. Sie ist ein Musterbeispiel für moderne Stadtentwicklung in einem schwierigen Umfeld. Schon seit 2002 setzt man auf nachhaltiges Umstrukturieren und hat dadurch die Abwanderung abgeflacht. Ein Umbau der Verwaltung, Kooperationen in Sachen Müllabfuhr und Kinderbetreuung, eine Belebung der Innenstadt durch ein Einkaufszentrum (s. auch Seite 28) und ein Wellnessbad, dies gepaart mit dem Bildungsangebot der Montanuniversität, erlauben der Stadt und der Region einen entspannten Blick in die Zukunft. „In Leoben sind die Verantwortlichen aktiv und bringen sich auch auf ÖROK-Ebene ein. Dadurch eröffnet sich den Städten eine größere Plattform für ihre Anliegen“, sagt Melanie Lutz, Expertin für Stadtentwicklung und Verkehrsplanung im Städtebund. Eine andere individuelle Lösung – basierend auf Eigeninitiative in Sachen Kulturarbeit – führte in Gmünd in Oberkärnten zum Erfolg. Dieser schlägt sich nicht nur im Einheimsen von Tourismuspreisen und in steigenden Besucherzahlen nieder. Auch die Infrastruktur der

10 Mio

Österreichischer Städtebund

zeit 8,4 auf 9,4 Millionen ansteigen (detaillierte Aufstellung nach Bundesländern s. Grafik). Aber: Ohne Migration würde Österreich schrumpfen und hätte 2060 nur mehr sieben Millionen Einwohner. Am stärksten werden in den nächsten dreißig Jahren die Stadtumländer wachsen. Wiewohl auch die Kernstädte wieder mehr Zuspruch bekommen. „In den 1970er-Jahren wollten alle in den Speckgürtel, heute ziehen die Leute wieder in die Stadt“, sagt Stix. Im Raum Wien weitet sich das Stadtumland bis in das Nordburgenland aus. Schließlich müssen die Menschen irgendwo hin, wenn die Stadt wie berechnet 2060 wieder zur Zwei-Millionen-Metropole wird.

» Der Kooperati­

onswille ist spür­ bar, aber es fehlen oft Instrumente für die Umsetzung. Melanie Lutz, Städtebund

»

Die österreichische Bevölkerung wird von derzeit 8,4 Millionen Menschen auf neun Millionen im Jahr 2030 wachsen. Hauptgründe dafür sind Zuwanderung und ein immer höheres Alter.

9 Mio

Quelle: Statistik Austria

8 Mio

7 Mio

6 Mio 1990

2000

2010

2020

2030

November 2012

25


» Das Problem sind strukturell schwache Räume, die weit ab von urbanen Zonen liegen. Jens Dangschat, TU Wien

B e völk e r u n gs ­ wachs t u m 2 0 0 1 bis 2 0 1 1

Der Zuzug zu den Ballungszentren bleibt weiterhin. Starke, inneralpine und periphere Regionen verlieren. Das stärkste Plus verzeichnet Wien. Kärnten ist das einzige Bundesland, in dem die Bevölkerungszahl abnimmt.

26

2.500 Einwohner zählenden Stadt profitiert davon und wächst. Seit 1991 arbeitet der Verein Kulturinitiative Gmünd daran, die in ihren mittelalterlichen Strukturen gut erhaltene Stadt zu beleben und – teilweise seit Jahren – leerstehende Gebäude mit Kunst und Kultur „zu füllen“. „Die Gemeinde ist mittlerweile nach einer Zeit der Skepsis auf den Zug ‚Kulturstadt‘ aufgesprungen und trägt die Initiative heute voll mit“, sagt Geschäftsführerin Erika Schuster. Ein weiteres positives Beispiel ist das südburgenländische Güssing, das als energieautarke Gemeinde zu einem international vielzitierten Vorbild geworden ist. Der Weg zur Gesamtstrategie Initiativen wie in Gmünd, Leoben oder Güssing werden den weiteren Zuzug in die großen Städte und ihr Umland dennoch nicht aufhalten. Aber sie bieten jenen, die willens sind zu bleiben, die Möglichkeit dazu. Was jedoch noch fehlt, ist eine österreichweite Gesamtstrategie, die gleichermaßen für Stadt und Land relevant ist. Warum eine solche noch nicht in Sicht ist, liegt an der komplexen Kompetenzverteilung im Staate Öster­reich. Melanie Lutz sagt dazu: „Die neun verschiedenen Raumordnungsgesetze machen große, gemeinsame Strategien schwierig. Vor allem beim Thema Mobilität wünschen wir uns ein größeres Engagement des Bundes. Der Ausbau des öffentlichen Personenverkehrs und der Schieneninfrastruktur sind Schlüsselthemen, die für alle Regionen wichtig sind.“ Für Jens Dangschat fehlt ein Überbau: „Es gibt in Österreich keine nachhaltige Regionalentwicklung, weil es auf Bundesebene keine Verantwortung gibt. Die föderale Struktur gehört hinsichtlich der Raumentwicklung auf den Prüfstand.“

Bundesland

Wer kooperiert, der spart „Österreich leistet sich immer noch eine zu kleinteilige politische Steuerung“, so der Stadtsoziologe Dangschat weiter. In diesem Zusammenhang passieren die stärksten Umstrukturierungen aktuell in der Steiermark. Oft als „Problembundesland“ tituliert, steht das Land unter starkem Druck. Ein Handeln wurde quasi verordnet. Die 1,2 Millionen Steirer wohnen in 542 – zum Teil sehr kleinen – Gemeinden. Im Zuge des Projekts „Regionext“ werden diese Kommunen nun in knapp 90 Kleinregionen zusammengefasst. Doch nicht alle sind begeistert von dieser Strukturreform, die noch Ende 2012 abgeschlossen sein soll. Einige Gemeindechefs wehren sich gegen den Druck von oben. Einzelne Vorzeigeprojekte wie die geplante Fusion von Bruck an der Mur und Kapfenberg zu einem Großraum mit 50.000 Einwohnern mindern zwar die Skepsis, aber ganz aus der Welt ist sie nicht. Eine verbesserte Infrastruktur soll im konkreten Fall die Menschen von einer Abwanderung in das Ballungszentrum Graz abhalten. Das würde auch erheblich mehr an Geld aus dem Finanzausgleich bringen. Aber: Vor allem kleine Gemeinden fürchten um den totalen Verlust ihrer Identität. „Um die Vorurteile zu entkräften, sollte man mehr von Zusammenarbeit, nicht jedoch von Fusion und der Aufgabe von Gemeindenamen sprechen. Denn das weckt Emotionen, die Reformen verhindern können“, warnt Stix. Für Zusammenlegungen spricht vor allem der finanzielle Faktor. Die mögliche Einsparung pro Gemeinde beträgt zwar nur zwischen vier bis fünf Prozent, heißt es vonseiten des KDZ, des Zentrums für Verwaltungsforschung. Rechnet man dies aber auf Österreich und seine aktuell 2.357 Gemeinden hoch, ergibt sich ein Potenzial in Millionenhöhe.

B e vö l k e ru n g ss ta n d

B e vö l k e ru n g sv e r ä n d e ru n g

am 15.5.20011)

am 31.10.20112)

absolut

in %

Österreich

8.032.857

8.430.558

397.701

5,0

Burgenland

277.558

286.029

8.471

3,1

Kärnten

559.346

557.671

-1.675

-0,3

Niederösterreich

1.545.794

1.617.444

71.650

4,6

Oberösterreich

1.376.607

1.416.102

39.495

2,9

Salzburg

515.454

533.247

17.793

3,5

Steiermark

1.183.246

1.212.415

29.169

2,5

Tirol

673.543

712.077

38.534

5,7

Vorarlberg

351.048

371.192

20.144

5,7

Wien

1.550.261

1.724.381

174.120

11,2

November 2012

Quelle: Statistik Austria,

Österreichischer Städtebund

T h em a


November 2012

27

Hunger kommt nicht über Nacht. Genauso wenig wie Veränderung. Deshalb setzt Menschen für Menschen langfristige Entwicklungsprojekte um. Gemeinsam mit den Menschen in Äthiopien arbeiten wir an Erfolgen, die bleiben. Helfen Sie mit – als Mensch für Menschen.

Hilfe zur Selbstentwicklung

www.mfm.at

Drehen Sie ihr Schicksal!

Spendenkonto PSK 7.199.000


Projekte

Best of Projekte N e u e I d een f ü r d i e Komm u nen  

Egal ob Pflege, Jugend oder Energie – Österreichs Gemeinden beweisen Innovationsgeist. REPUBLIK stellt BestPractice-Projekte vor. Text  Daniel Mayr rung wurde ein wertvoller historischer Bau zugänglich gemacht“, so Stadtamtsdirektor Wolfgang Domian, der in dem Projekt eine erfolgreiche Revitalisierung von Leobens Stadtzentrums sieht. Zugleich ist das LCS mit insgesamt 480 Arbeitsplätzen ein wichtiger Jobmotor der gesamten Region.

Seniorenhilfen zum Ausprobieren Pflege in Niederösterreich.

Foto Freisinger

In der Demo-Wohnung im Otto-Koch-Seniorenzentrum in Schwechat können ältere Menschen seit 2009 Alltagshilfen in einem realen Umfeld testen. „Senioren wollen möglichst lange selbstständig in den eigenen vier Wänden wohnen“, so Heimleiterin Helene Varga-Meissl. Technische Hilfsmittel wie Wasch- und Anziehhil-

Mit dem LCS konnte der Handel wieder in Leobens Innenstadt geholt werden.

Revitalisierung in der Steiermark.

D

as Einkaufszentrum Leoben City Shopping (LCS) öffnete im Jahr 2007 seine Pforten in der obersteirischen Stadt. Heimische und internationale Handelsexperten wurden schnell darauf aufmerksam. Das Shoppingcenter wurde nicht auf der grünen Wiese vor der Stadt errichtet, sondern in einem 800 Jahre alten Dominikanerkloster in Leobens Innenstadt. „Wir ha- In der Demo-Wohnung können Senioren nützliche Alltagshilfen ben damit den Handel wieder nach Leoben geholt. Der Bevölke- testen wie diese Gehhilfe mit integriertem Regenschirm. 28

November 2012

Schwechat-Seniorenzentrum

Vom Kloster zum Shoppingtempel


Projekte

Nezwerk

fen oder Medikamentenspender mit Erinnerungsfunktion helfen dabei. Das Vorhaben soll den Betroffenen Anregungen für die eigene Wohnsituation liefern. Und das Seniorenzentrum arbeitet mit dem Schwechater Forschungsinstitut CEIT Raltec zusammen. Die Modellwohnung dient den Forschern als Versuchslabor für die Der Generationenstammtisch lockt alle Altersgruppen in Weiterentwicklung technischer Assistenzsysteme. das ehemalige Mesner-Haus nach Neusiedl.

Strom aus dem eigenem Haus

Zentrum für alle Generationen

Energiealternative in Kärnten.

Jugendprojekt im Burgenland.

Die Kärntner Marktgemeinde Kötschach-Mauthen hat sich hohe Ziele gesteckt: Bis 2020 möchte die Gemeinde zu einhundert Prozent energieautark sein. Und zwar in den Bereichen Strom, Wärme und Treibstoff. „Wir wollen unseren Energiebedarf ausschließlich über lokale erneuerbare Energieträger und -quellen decken“, so Amtsleiter Jürgen Themessl. Derzeit liegt der Autarkiegrad bei 79 Prozent. Die Gemeinde erzeugt bereits heute die dreifache Menge an Strom gemessen an ihrem eigenen Verbrauch. In Kötschach-Mauthen werden insgesamt 21 Kleinwasserkraftwerke, drei Öko-Bergstauseen, Kärntens einzige Windturbine, eine Biogasanlage, drei Fernwärmenetze und etliche Solar- und Fotovoltaikanlagen betrieben.

Das Neusiedler Zentrum für Jugend, Freizeit und Kommunikation („Nezwerk“) ist seit 2010 Treffpunkt für Neusiedls Teenager. Das einstige Mesner-Haus der Pfarre im historischen Stadtzentrum wurde generalsaniert. Neben Internet und Laptops, einem Wuzler und Dartautomaten befindet sich im Haus ein Band-Proberaum. „Das Haus bietet den Jugendlichen in der kalten Jahreszeit eine sinnvolle Freizeitgestaltung. Mit dem Generationenstammtisch sprechen wir aber auch andere Altersgruppen an“, sagt Bürgermeister Kurt Lentsch. Das Jugendzentrum versteht sich nämlich als Bindeglied zwischen den Generationen: Bei der Veranstaltung „Lesementor“ trainieren ältere Menschen mit Jugendlichen das Lesen. Umgekehrt bringen ihnen diese den Umgang mit dem PC bei.

Bürger liefern Sparideen Verwaltungsreform in Vorarlberg. Die Stadt Dornbirn will bis zum Jahr 2015 ihr Budget nachhaltig in Form bringen. Dazu startete die Vorarlberger Gemeinde das Projekt „Ausgewogen 2015“. In 42 Arbeitsgruppen suchten mehr als 150 Mitarbeiter nach Einsparpotenzial in der Stadtverwaltung. Auch die Bürger beteiligten sich an dem Prozess und steuerten ihre Ideen bei. Das Ergebnis sind insgesamt 210 Verbesserungsvorschläge. „Bei dem Projekt geht es aber nicht ausschließlich um das Sparen. Vielmehr ist die Verbesserung der Verwaltung das Ziel“, sagt Projektleiter Ralf Hämmerle. Auswirkungen waren rasch spürbar, in einem ersten Schritt konnte man das Budget jährlich um drei Millionen Euro entlasten.

thinkstockphotos.de

APA

In Dornbirn lieferten die Bürger Vorschläge für ­Einsparungen in der Verwaltung.

In Kötschach-Mauthen setzt man auf erneuerbare Energie, es gibt etwa drei Öko-Stauseen. November 2012

29


Bes c h a f f u n g

Bitte zu Tisch! E s s en u n d T r i n k en  

In vielen Kantinen der Öffentlichen Hand stellt sich die Frage: selbst den Kochlöffel schwingen, Standorte als reine „Satelliten­ küchen“ führen oder gleich einen externer Betriebscaterer beauftragen? Text  Bundesbeschaffung GmbH

thinkstockphotos.de



I

n Österreich ist seit geraumer Zeit ein Trend zu Zentralküchen spürbar. Hier sind Produktion, Endfertigung und Speiseausgabe sowohl zeitlich als auch räumlich getrennt. Die ausschlaggebenden Gründe: Kosteneinsparungen und bessere Lebensmittelsicherheit. Beim „Cook & Chill“-Verfahren werden die Speisen in einer Zentralküche kurz vor dem Ende der Garung schockgekühlt, verpackt und bei vier Grad Celsius ausgeliefert, um dann unmittelbar vor dem Verzehr in einzelnen lokalen Satellitenküchen fertig gekocht („regeneriert“) zu werden. Lange Warmhaltezeiten kann man so vermeiden, auch Vitamine und Nährstoffe bleiben besser erhalten. Eine Umstellung auf ein Zentralküchensystem ist eine große Herausforderung, deren Vor- und Nachteile sorgfältig überdacht werden sollten. Satellitenküchen benötigen etwa weniger Personal sowie lediglich Infrastruktur und Geräte für das Regenerieren und das Buffet. In den Zentralküchen sind herkömmliche Großküchengeräte und Schnell- bzw. Schockkühler für das Kühlen der gegarten Gerichte zu installieren. Mit dem Einsatz dieser modernen Schnellkühler kann man alle Speisenkomponenten in kurzer Zeit auf drei Grad abgekühlen. In der anschließenden Kühlkette ist darauf zu achten, dass

30

November 2012

die Lufttemperatur ständig über dem Nullpunkt bleibt, damit die Gerichte nicht gefrieren (und damit wichtige Nährstoffe verlorengehen). Zentrale Verpflegung der Rekruten Ein positives Beispiel einer erfolgreichen Umstellung auf Zentralküchen ist beim Bundesheer (BH) zu finden. Seit 2004 findet im BH eine schrittweise Einführung von Zentralküchensystemen aufgrund der Kosteneinsparungen und eines Mangels an Küchenpersonal statt. Von vier zentralen Standorten wird bereits ein Großteil der Rekruten österreichweit versorgt. In der Zentralküche der Wiener Neustädter Maximiliankaserne werden in naher Zukunft täglich Mahlzeiten für 6.800 Personen gekocht und an Kasernen in Niederösterreich und im nördlichen Burgenland ausgeliefert. „Dank ,Cook & Chill‘ können die Stehzeiten der Speisen des bisherigen ,Cook & Serve‘-Verfahrens deutlich unterschritten werden“, sagt Jürgen Spreitzer, Projektassistent des Zentralküchensystems des Verteidigungsministeriums (BMLVS). „Wir konnten dadurch sowohl die Qualität als auch den Geschmack der Mahlzeiten an vielen Standorten verbessern.“ Ziel ist es, langfristig auf diesem Wege 25 Prozent der Verpflegungskosten einzusparen.

Damit Speisen frisch schmecken und ihre Nährstoffe behalten, sollten sie nicht unter vier Grad Celsius ­aufbewahrt werden.

W e i t e r e I n fo s 

Jürgen Unger T: +43 1 24570-312 E: juergen.unger@bbg.gv.at


Service & Info

Te r m i n ü b e r s i c h t

Veranstaltungen November / Dezember 2012

Die Dimension Mitteleuropa in der Europäischen Union

6. November

Konferenz der Historischen Kommission der ÖAW

Fachmesse und Kongress für Entscheidungsträger des Public Sector

Veranst.: Zentrum für Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung der ÖAW, Ort: Theatersaal der Österr. Akademie der Wissenschaften www.oeaw.ac.at

6. – 7. November

Moderner Staat

Veranst.: A Reed Exhibitions Deutschland GmbH, Ort: Messegelände Berlin www.moderner-staat.com

6. österreichische Fachkonferenz für Fußgänger

8.–9. November

Plenarvorträge, Workshops, Sessions und Diskussionen zum Thema Fußverkehr“

13. November

Konferenz zur Gewinnung und nachhaltigen Anwendung von Bioenergie“

Veranst.: Österreichischer Verein für Fußgänger, Ort: Rathaus Wien, Wappensaal www.walk-space.at

IEA Bioenergy Conference 2012

Veranst.: International Energy Agency, Ort: Tagungszentrum Schönbrunn www.ieabioenergy2012.org

15. Green IQ – Bauen mit Weitsicht November Workshop über Umwelttechniken am Beispiel des Technologiezentrum aspern IQ Veranst.: Wirtschaftsagentur Wien, Ort: aspern IQ, Seestadtstraße 27, 1220 Wien www.wirtschaftsagentur.at

15.–16. November

The Secrets of Innovation

Innovationskongress 2012

Veranst.: Institut für Innovation, Ort: Congress Center Villach www.innovationskongress.at

21.–23. Determinants of Unusual and Differential Longevity November Internationaler Kongress über die kontinuierliche Erhöhung des Lebensalters Veranst.: Wittgenstein Centre for Demography and Global Human Capital, Ort: Theatersaal der Österr. Akademie der Wissenschaften www.oeaw.ac.at

29. November Renexpo Austria bis 1. Dezember Internationale Kongressmesse für Erneuerbare Energien Veranst.: International Energy Agency, Ort: REECO Austria GmbH www.reeco.eu

30. November

Urbane Mobilität – Finanzierung und Bewertung von Maßnahmen

Kongress über Mobilitätssicherung in Städten und Stadtregionen

Veranst.: Österreichischer Städtebund, Ort: Wappensaal, Rathaus Wien www.staedtebund.gv.at

Hersteller- und Dienstleisterverzeichnis 2012 B ü r o b e d a r f u n d R ä u m l i c h k e i t en

Gl asbeschl äge H. Pöchlauer KG Teufelbeschlag Vertrieb-Austria Herbert Pöchlauer 6363 Westendorf, Ried 86 T 05334/6007-60 E office@teufelbeschlag.at

November 2012

31


Karrieren

Redaktion: Ursula Horvath

Außenministerium

Gesandter spricht für das Ministerium. Name: Martin Weiss  Jahrgang: 1962

BMEIA

Neue Position: Pressesprecher des Außenministeriums (BMEIA) Bisherige Position: Botschafter in Zypern  Zusatzinfo: Weiss leitete bereits von 2001 bis 2004 die BMEIA-Presseabteilung. Nun folgt er in dieser Funktion Peter LaunskyTieffenthal nach, der als neuer Kommunikationschef in die Vereinten Nationen wechselte.

Finanzministerium

Steuerexpertin steigt zur Abteilungsleiterin auf. Name: Christa Lattner  Jahrgang: 1957

BMF/Koch

Neue Position: Leiterin der Abteilung VI/5 (Gebühren, Verkehrssteuern und Glücksspiel) Vorherige Position: Leiterin des Fachbereichs Lohnsteuer in der Steuer- und Zoll­ koordination Ausbildung: Studium der Rechtswissenschaften

Verteidigungsministerium

Militärstratege leitet Generalstabsabteilung. Name: Bruno Günter Hofbauer  Jahrgang: 1967

BMLSV

Neue Position: Leiter der Generalstabsabteilung im BMLVS Ausbildung: Militärakademie, Generalstabslehrgang, internationale militärische Lehrgänge  Zusatzinfo: Hofbauer übernimmt die Position von Rudolf Striedinger, der zum Militärkommandanten von NÖ ernannt wurde.

Volksanwaltschaft

Juristin kümmert sich um Internationales und Kommunikation. Name: Ulrike Grieshofer  Jahrgang: 1976 Neue Position: Leiterin der Stabsstelle Internationales und Kommunikation

privat

Bisherige Position: wissenschaftliche Mitarbeiterin am Verfassungsgerichtshof Weitere berufliche Stationen: Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte; ­Außenministerium

Land Steiermark

Ehemaliger Büroleiter kümmert sich um die Gemeinden.

Land Steiermark

Name: Wolfgang Wlattnig  Jahrgang: 1966 Neue Position: Leiter der Fachabteilung für Gemeinden, Wahlen und ländlicher Wegebau Vorherige Position: stellvertretender Büroleiter bei LH-Stv. Hermann Schützenhöfer Ausbildung: Studium der Rechtswissenschaften

Land Oberösterreich Land OÖ / Linschinger

UVS-Präsident wird Gerichtspräsident.

32

Name: Johannes Fischer  Jahrgang: 1967 Neue Position: Präsident des Landesverwaltungsgerichts Oberösterreich (ab 1. 1. 2014) Bisherige Position: Präsident des Unabhängigen Verwaltungssenats (UVS)  Zusatzinfo: Mit der Installierung der neun Landesverwaltungsgerichte werden mit 1. Jänner 2014 mehr als 120 Berufungssenate und Sonderbehörden aufgelöst. Darunter auch die ­unabhängigen Verwaltungssenate in den Bundesländern. November 2012


Karrieren

Karriereinfos senden Sie bitte an karrieren@republik-online.at

Im Ge s p r ä c h

Name: Michaela Kohlweiß  Jahrgang: 1973 Neue Position: Leiterin der Landespolizeidirektion Kärnten Bisherige Position: Leiterin der Kriminalpolizeilichen Abteilung in der Sicherheitsdirektion Kärnten Ausbildung: Studium der Rechtswissenschaften

D

ie neue Kärntner Landespolizeidirektorin Michaela Kohlweiß ist die erste Frau ganz oben in einer polizeilichen Landeshierarchie und neben der Wiener Präsidenten-Stellvertreterin Michaela Kardeis die zweite Frau in der Führungsebene. Wie sich das anfühlt? „Man darf sich das nicht so dramatisch vorstellen. Ob Mann oder Frau – das ist kein und war auch nie ein Thema“, sagt die Chefin von 2.250 Mitarbeitern, davon sind mehr als 75 Prozent Männer. Mit der Polizeireform wurden die bisher 31 Behörden auf neun – eine Landespolizeidirektion pro Bundesland – reduziert. In jedem Bundesland gibt es zwei Stellvertreter, einen für die strategische Ausrichtung, einen für Budget- und Rechtsangelegenheiten. Als erste Maßnahme hat die Juristin „Bezirkstage“ eingeführt: „Ich besuche alle 110 Dienststellen und Polizeiinspektion

Landespolizeidirektion Kärnten

Unsere Polizei macht das gut

in Kärnten“, sagt Kohlweiß. „Die Anliegen und Erfahrungen der Kollegen sollen in die Lenkung der Landespolizeidirektion einfließen.“ Ein großes Projekt ist derzeit die Einrichtung von Bürgerservicestellen in Klagenfurt und Villach. Von der Strafregisterbescheinigung über die Führerscheinausstellung bis hin zur waffenrechtlichen Beratung bekommen die Bürger hier verwaltungspolizeiliches Service aus einer Hand. Inhaltlich beschäftigt sich die Hobbygärtnerin, die ihren Urlaub am liebsten daheim in ihrem Haus mit Garten verbringt, vor allem mit der Regionalstrategie für die Kriminalitätsbekämpfung. „Natürlich ist Polizeiarbeit tagesaktuell, aber wir planen schon jetzt Maßnahmen und Strategien für 2013“, erklärt Kohlweiß. Neben der organisierten Kriminalität will sie sich vor allem auf Einbruchs- und Cyberdelikte konzentrieren.

Wirtschaftsministerium

Stellvertreter avanciert zum Abteilungsleiter. Name: Alexander Mickel  Jahrgang: 1972 Neue Position: Leiter der Abteilung III/7 (Vergabeangelegenheiten und Baustatistik) Bisherige Position: stv. Leiter der Abteilung C1/6 (Wirtschaftsrecht) Grüssl

Ausbildung: Studium der Rechtswissenschaften

Finanzamt St. Veit Wolfsberg Juristin wird Fachvorstand

Name: Elisabeth Hofer  Jahrgang: 1960 Neue Position: Fachvorständin des Finanzamtes St. Veit Wolfsberg Vorherige Position: Leiterin der Strafsachenstelle privat

Motto: Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied.

1



2

3

4

In aller Kürze

1.  Sven Pöllauer ist neuer Pressesprecher von Justizministerien Beatrix Karl. 2.  Daniela Kinz spricht nun für das Finanzministerium. 3.  Michael Duscher ist stellvertretender Geschäftsführer im Museumsquartier und leitet außerdem die Kommunikationsabteilung. 4.  Richard Bauer hat die Bereichsleitung Kundenmanagement in der Österreich Werbung übernommen.  F o t o S : B M J , B M F, M Q W , Ö W / S p e c h t November 2012

33


Fonds Theatermuseum

Privat

» Der Irrtum

v­ ieler ist, dass Österreich eine „Insel der Seligen“ sei.

„Mein Glaube an Gott schließt die Notwendigkeit von Beweisen aus!“ T h om a s T r a b i t s c h , Direktor des Theatermuseums, erinnert sich gern an

die Erdäpfelknödel seiner Mutter und beklagt den Verlust des Denkens. Interview  Stefan Grampelhuber S t ec kb r i e f

Thomas Trabitsch

geboren 1956 in Gmünd (NÖ) 1977–1983 Studium der ­Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte an der ­Universität Wien und an der University of Kansas 1983–1985 Dramaturg an den Städtischen Bühnen Regensburg 1985–1996 Leiter des Veranstaltungsbüros zu Aktivitäten der Jeunesses Musicales ­Österreich Seit 1996 Tätigkeit in der Ausstellungsabteilung des Kunst­ historischen Museums, Wien Seit 2002 Direktor des Österreichischen Theatermuseums Thomas Trabitsch ist verheiratet und hat zwei Kinder.

34

Wie würden Sie sich selbst in einem Satz beschreiben? Als ein Mensch, der weiß, wie wichtig es ist, stets mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und bewusst zu leben. An welches Erlebnis in Ihrer Kindheit erinnern Sie sich noch heute? An die echten Waldviertler Erdäpfelknödel meiner Mutter. Was empfinden Sie als den größten Luxus in Ihrem Leben? Gesund zu sein und ein intaktes Familienleben führen zu können. Über welche Tatsache sind Sie am unglücklichsten? Über den Verlust des Denkens und die damit verbundene immer mehr in den Vordergrund tretende Blindheit und Ignoranz. Und dass Denken, Vernunft und Verstand immer mehr Blindheit und Ignoranz Platz machen müssen. Was ist der größte Irrtum der meisten Österreicher? Die offensichtlich nach wie vor weitverbreitete Meinung, dass Österreich eine „Insel der Seligen“ sei.

November 2012

Besitzt der Mensch einen freien Willen? Allein der Umstand, dass in totalitären Regimen die Unterdrückung des freien Willens ein wesentliches Instrument der Macht ist, belegt, dass der Mensch freien Willen besitzt, ja besitzen muss. Glauben Sie an einen Gott? Ich bin davon überzeugt, dass mein Glaube an ­einen Gott die Notwendigkeit einer Vorlage von Beweisen per se ausschließt. Sind Sie telefonisch immer erreichbar? Kommt auf den Zeitpunkt des Anrufs und die Wichtigkeit an. Welches Buch liegt derzeit auf Ihrem Nachtkästchen? Neil MacGregors „Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten“. Morgenmuffel oder Frühaufsteher? Mein Beruf hat mich zum Frühaufsteher gemacht. Ganz abgesehen davon, dass mir die Zeit, die mir das Wochenende gewährt, zu kostbar ist, um sie nur zu verschlafen. Konzerthaus oder Jazzkeller? Das Wiener Konzerthaus und das Uptown Theater in Kansas City.


Wer seinen Botschaften Gehör verschaffen will, muss sie dort platzieren, wo sie hinsollen. Kommunikation ist ein Spiel mit vielen Variablen und noch mehr Möglichkeiten. Thierry Politikberatung weiß, wie Ihre Botschaften treffsicher und effektiv vermittelt werden können. Dazu entwickeln wir fundierte Strategien, schlagen wirkungsvolle Maßnahmen vor und achten dabei auf den effizienten Einsatz Ihrer Ressourcen. So stellen wir sicher, dass Ihre Botschaften dort wirken, wo sie gehört und auch verstanden werden.

www.thierry.at

Wir verstehen Politik.


DAS TUT DIE KOMMUNALKREDIT FÜR ÖSTERREICH.

KADERSCHMIEDEN für unsere Jugend

NACHHALTIGE ENERGIE ohne Umweltbelastung

ÖSTERREICHS BANK FÜR INFRASTRUKTUR INFRA BANKING EXPERTS www.kommunalkredit.at

©ZAHA HADID ARCHITECTS/HEILAND

VERKEHRSWEGE für rasche und sichere Verbindungen

©DKH SCHLADMING

SOZIALE INFRASTRUKTUR für eine funktionierende Gesellschaft

MODERNE GESUNDHEITSZENTREN für Bürgerinnen und Bürger

WASSERKRAFT als sauberer Stromlieferant

Infrastruktur ist die Basis für eine erfolgreiche Zukunft. Aus diesem Grund legt die Kommunalkredit ihren strategischen Fokus auf die Finanzierung von Infrastrukturprojekten, die einer breiten Öffentlichkeit zugänglich sind. Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser, Energieversorgung, Anlagen der Wasserwirtschaft sowie der Ausbau des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs sind für die Allgemeinheit unerlässlich. Jeder hat einen Nutzen davon. Unser Know-how und unsere Erfahrung sind bedeutendes Kapital für Städte und Gemeinden, damit sie ihre Vorhaben erfolgreich umsetzen können. Investitionen in öffentliche Infrastruktur sind ein wichtiger Motor für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung und die Sicherung der Zukunft.

Republik 10/12  
Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you