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5 Euro April/Mai 2012

Das unabhängige Magazin für Führungskräfte im öffentlichen Bereich

Foto Hans Ringhofer

Wie modern ist das Hohe Haus? Zur Zukunft des österreichischen Parlamentarismus Interview:

Barbara Prammer über Imagekorrektur und Sparwillen des Parlaments

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht Welchen Lobbyisten auch Beamte trauen können

Jeder Euro zählt Ausgegliederte Unternehmen beweisen Kreativität bei der Geldsuche P. b. b. Verlagspostamt 2340 Mödling, Zul.-Nr. 09Z038082M

Postnummer 2

www.wirtschaftsverlag.at


Richtiges Agieren in einer herausfordernden Zeit!

KONGRESS

Lobbying & Public Affairs Kongress am 9. Mai in Wien

KONGRESS ORT WEB

9. Mai 2012 Arcotel Wimberger, Wien www.RedEd.at

15 hochkarätige Referenten zeigen Ihnen auf, wie Public Affairs Arbeit und damit Interessenvertretung heute ablaufen muss! Erfahren Sie ◊ vom Sektionsleiter des Justistministeriums, Dr. Kathrein, den aktuellen Stand des Lobbyinggesetzes ◊ wie Sie politische Entwicklungen frühzeitig erkennen ◊ wer im politisch-legislativen System wie wichtig ist ◊ einiges über die Tricks der Politiker ◊ Besonderheiten des gemeinnützigen Lobbyings ◊ wann ein Journalist sich eines Themas annimmt ◊ wie Sie Botschaften richtig kommunizieren

Mit dem QR-Code zum LobbyingKongress:


Editorial

Jürg Christandl

D Stefan Grampelhuber Chefredakteur

republik Rebrush

as Werk ist vollbracht: Vor Ihnen liegt nicht nur eine druckfrische Ausgabe von REPUBLIK. Nein, wir haben die vergangenen Monate dazu genutzt, das inhaltliche und das optische Konzept von REPUBLIK einer Auffrischung zu unterziehen. Zwar ist REPUBLIK nach drei Jahren am Markt noch nicht in einem Alter angelangt, in dem es ein komplettes Facelifting benötigen würde – dennoch wollten wir die visuelle Wirkungskraft verstärken und das Magazin noch lesefreundlicher machen. Im Grafiker-Jargon wird dann von einem so genannten „Rebrush“ gesprochen. Das bedeutet: Das Grundkonzept des Layouts wird beibehalten, man feilt vielmehr an den Details. (Im Gegensatz zu einem Relaunch, der eine komplette Neugestaltung beinhaltet.) Dabei ist uns niemand geringerer als Dirk Merbach, ehemaliger Art-Director der Hamburger Wochenzeitung „Zeit“ und Mastermind des Relaunch-Prozesses der Wiener Wochenzeitung „Falter“, zur Hand gegangen. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen: von einem neuen Inhaltsverzeichnis über übersichtlichere Info-Kästen bis hin zur farblichen Hervorhebung wichtiger Textstellen in dezentem Aubergine. Aber auch inhaltlich hat die Redaktion Veränderungen am Konzept vorgenommen: In der Rubrik „Persönlich“ gibt es ab nun drei Portraits, die Personen aus dem Öffentlichen Dienst vorstellen. Im Vordergrund des „Portraits des Monats“ steht eine Sektionschef oder eine Sektionschefin bzw. ein Leiter eines Amts der Landesregierung. Im darauf folgenden „Aufsteiger des Monats“ werden junge Menschen portraitiert, die am Beginn ihrer Karriere in der Verwaltung stehen. Ein Österreicher, der in einer internationalen Organisation oder einer Botschaft tätig ist, steht wiederum im Zentrum von „Austria Abroad“. In der nächsten Ausgabe (Juni 2012) wird es außerdem eine neue Serie geben: Im Rahmen der REPUBLIK-Reportage wird dann Redakteurin Andrea Krieger Führungskräften aus der Verwaltung – vom Bundesdenkmalamt bis zur Nationalbank – über die Schulter schauen und aus deren Alltag berichten. Über Ihr Feedback zum REPUBLIK-Rebrush freue ich mich: s.grampelhuber@republik-online.at Die Schwerpunktstrecke steht in dieser Ausgabe ganz im Zeichen des Parlamentarismus: Gudrun Haigermoser hat sich angesehen, welchen Beitrag das Parlament zum öffentlichen Sparkurs leistet und welche Änderungen vorgeschlagen werden, um die Arbeitsabläufe im Hohen Haus zu modernisieren (S. 10). Nationalratspräsidentin Barbara Prammer nimmt im Coverinterview dazu Stellung, wie man das Image der Abgeordnetenarbeit optimieren kann (S. 16). In einem Beitrag über Interessenvertretung fragt Daniel Mayr nach, was Beamte im Umgang mit Lobbyisten beachten müssen (S. 22). Und Andrea Krieger bietet im letzten Teil ihrer Serie eine Rundschau über die kreativsten Ideen von ausgegliederten Unternehmen, um neue Geldquellen zu erschließen (S. 20).

Gudrun Haigermoser

Daniel Mayr

Andrea Krieger

A p r il / M ai 2 0 1 2

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I n h a lt

IMPRESSUM Medieninhaber, He r a u s g e b e r u n d ­V e r l e g e r Österreichischer Wirtschaftsverlag GmbH Wiedner Hauptstraße 120–124, 1051 Wien T: (01) 546 64-0, F: (01) 546 64-528 Ge s c h ä f t s f ü h r e r Thomas Zembacher DVR-Nr.: 0368491 Objektleiter Stefan Böck T: (01) 546 64-380, E: s.boeck@wirtschaftsverlag.at Chefredakteur Stefan ­Grampelhuber T: (01) 546 64-389, E: s.grampelhuber@republik-online.at C h e f vom D i e n s t Stephan Strzyzowski T: (01) 546 64-381, E: s.strzyzowski@wirtschaftsverlag.at I d e E u n d P ro j e k t b e r at u n g Feri Thierry W e i t e r E M i ta r b e i t e r d i e s e r A u s g a b e Gudrun Haigermoser, Ursula Horvath, Andrea Krieger, Daniel Mayr, Emily Walton Anzeigenleitung Franz Michael Seidl T: (01) 546 64-240, E: f.seidl@wirtschaftsverlag.at

F r ag e d e s M o n at s

Sparen lautet die Devise – auch im Staatsarchiv (ÖStA) und im Heeresgeschichtlichen Museum (HGM). Der Bund will über eine Zusammenlegung der beiden ausgegliederten Dienststellen bis 2016 insgesamt 5,7 Mio. Euro sparen. Wie die Neukonstruktion aussehen soll, steht noch nicht fest. Dennoch schlägt die Reform, die schon 2013 umgesetzt werden soll, hohe Wellen. Experten aus dem Öffentlichen Dienst sind sich noch uneinig, ob die beiden Institutionen ideale Partner sind. REPUBLIK hat BKA-Präsidialchef ­Matzka und Johanna Rachinger, Generaldirektorin der Nationalbibliothek (ÖNB), nach ihren Standpunkten gefragt.

Macht eine Zusammenlegung von Staatsarchiv und HGM Sinn

?

A n z e i g e n ve r k a u f Johannes Dieminger T: (01) 546 64-282, E: j.dieminger@wirtschaftsverlag.at Anzeigenservice Nina Hewson T: (01)546 64-484, E: n.hewson@wirtschaftsverlag.at G r a f i s c h e s Ko n z ep t Dirk Merbach G r a f i k De s i g n Simon Jappel He r s t e l l e r Friedrich VDV, Vereinigt Druckereien- und Verlags-GmbH & CO KG, 4020 Linz Zamenhoferstr. 43–45, www.friedrichvdv.com Aboservice Aboservice Österr. Wirtschaftsverlag T: (01) 740 40-7812, F: (01) 740 40-7813 E: aboservice@wirtschaftsverlag.at. Aus Gründen der Textökonomie verzichten wir auf geschlechtsspezifische Ausformulierung und den Verweis auf (nicht)akademische Titel.

» Ein solches dauerhaftes

» Wir hätten in einer

gemeinsames Projekt ist sinnvoll

­Zusammenführung von

– hat doch das ÖStA großartige

­Staatsarchiv und National­

Materialien zur Geschichte, aber

bibliothek im Zuge einer

keine Präsentationsflächen, das

­Verwaltungsreform viele

HGM tolle Flächen,

­Synergien in strategischer,

aber nicht dieses Material. Beide

­organisatorischer und inhalt-

arbeiten an Präsentationen für

licher Hinsicht gesehen: Archive

2014, 2015, 2018. Da zwingt

und Bibliotheken haben z. B.

doch die Komplexität der

­vergleichbare Herausforde-

Geschichte geradezu dazu,

rungen in der digitalen Lang­

Verbindungen herzustellen. Und:

zeitarchivierung und im Bereich

Wir haben gute Erfahrungen mit

des Zugangs zu digitaler

engen Kooperationen von

­Information. Die Entscheidung ist

Bundes-„Töchtern“. Auch wenn

anders gefallen, und das ist zu

solche anfangs immer schwierig

akzeptieren.

sind. Manfred Matzka, BKA

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Johanna Rachinger, ÖNB


I n h a lt

pe r s ö n l i c h

6 Porträt des Monats: Clemens Martin Auer 8 Aufsteiger des Monats: Eva Schrittwieser 9 Austria Abroad: Helga Nowotny s c h w e r pu n k t P a r l a m e n t a r i s u m s

06

Porträt des Monats: Clemens Martin Auer

10 Eine Frage der Glaubwürdigkeit

Wie man mehr Bürgernähe und Transparenz ins Hohe Haus bekommt

16 „Weniger Abgeordnete bedeuten nicht weniger Arbeit“ NR-Präsidentin Prammer über den Sparwillen des Parlaments se r i e A u s g e g l i e d e r t i n d i e Z u k u n f t

20 Jeder Euro zählt

Staatsnahe Unternehmen auf der Suche nach Einnahmequellen

T h em a

10

Welche Ideen für eine Reform der ­parlamentarischen Arbeit auf dem Tisch liegen

22 Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht

Worauf Beamte im Umgang mit Lobbyisten achten müssen

P r o j e k t e

24 Auf nach China

Neues Technologiebüro des Bundes in Peking

25 Der ferngesteuerte Feuerwehrmann

Roboter reduzieren das Risiko bei Brandeinsätzen

b es c h a f f u n g

22

Unter welchen Voraussetzungen Lobbyisten Beamte bei der Arbeit unterstützen können

26 Büroeinrichtung se r v i c e & i n f o

27 Terminüberblick 28 Lehrgänge 29 Veranstaltungsrückblick k a r r i e r e n

30 Wer macht was

24

Österreich ist nun auch in Peking mit einem eigenen Office for Science and Technology vertreten

p r i v a t

32 Georg Springer:

„Nur kein Second Life, bitte schön!“

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Persönlich

BMG-Sektionsleiter Clemens Martin Auer ist hier vor einem Bild des Kärntner Malers Hans Staudacher zu sehen, einem seiner Lieblingsmaler.

Der „Politikjunkie“ aus dem Gesundheitsressort ist einflussreicher Leiter der BMG-Koordinationssektion und berühmt-berüchtigt für seine launigen Antworten. Mit REPUBLIK spricht er über den „absehbaren“ Widerstand bei der Elga-Einführung, mutige Menschen und seine Zeit vor der Politik. po r t r ät d e s mo n at s : C l eme n s M a r t i n A u e r

Text  Stefan Grampelhuber  Foto  Simon Jappel

N

icht immer tut man sich leicht, Clemens M. Auers Blick zu deu­ ten. Einerseits fragend und interessiert, andererseits kann man darin auch einen Anflug von Sarkasmus erkennen. Der einflussreiche Sektionschef im Gesundheitsministerium (Sektion 1) hat gerade rund um die Uhr Meetings und trifft auf viele Gesprächspart-

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ner, die sich dann zwangsläufig fragen werden: Nimmt er mich gerade auf die Schaufel? Der 55-Jährige ist für die Strukturpolitik und die Versorgungsplanung zuständig, kümmert sich um Budget und Personal des Ministeriums und der ausgegliederten Firmen und u.a. auch um das Megaprojekt und Lieblingsreizthema der Ärztekammer (ÄK), die Elektronische Ge-


Persönlich

» Ich kann mit

Leuten wenig anfangen, die mir stundenlang erzählen, warum etwas nicht geht. sundheitsakte (Elga). Für Auer ist der Widerstand der ÄK gegen die Elga-Einführung „absehbar“ gewesen: „Auch beim Elektronischen Akt (Elak) waren viele anfangs distanziert. Heute wird er von einer überwältigenden Mehrheit der Anwender als unverzichtbar betrachtet.“ Und die Elga-Pilotphase im vorigen Jahr hätte gezeigt, dass die Anwender keine Angst haben müssen und das System bereits ganz gut ausgereift sei. Die Frage, wer denn nun genau die Gegner seien, wenn ohnehin alles gut funktioniere, beantwortet Auer in seiner berüchtigten launigen Art: „Überall dort, wo die Pilotphase nicht durch die ÄK gestört wurde, war sie recht erfolgreich. Vorbehalte gab und gibt es nur von denjenigen, die sie immer schon hatten, sich aber auch in der Pilotphase nicht damit auseinandergesetzt haben.“ Der gebürtige Niederösterreicher hat den größten Teil seiner Schulzeit im Bundeskonvikt Oberschützen (Bgld.) verbracht, seine Studienjahre verschlugen ihn nach Graz und Wien. Nach fünf Semestern Pharmazie wechselte er auf Philosophie und Politikwissenschaften. Seine Dissertation verfasste der Theaterund Opernliebhaber schließlich bei niemand Ge-

ringerem als Norbert Leser. Seine Studienzeit habe „lange“ dauert, gibt Auer an. Wie lange? Darüber gibt er nicht so gerne Auskunft. Aber: „Heute sind schon viele mit 20 alt und wissen, genau was sie wollen. Ich wusste das damals noch nicht, bewundere aber alle, die das zustande bringen.“ In die Politik holte den heutigen Sektionsleiter 1993 Erhard Busek, der ihn als Leiter der politischen Abteilung der Bundes-ÖVP verpflichtete. Mehr als zehn Jahre machte der „Politikjunkie“, wie er sich selbst bezeichnet, diesen Job. 2004 holte ihn dann Maria Rauch-Kallat als Kabinettschef in das Gesundheitsressort, 2005 wechselte er in die Beamtenebene und übernahm die Sektion I. Auf diesem Platz blieb der passionierte Koch bis heute – auch als 2008 das Ressort wieder an die SPÖ ging. Was schätzt Clemens Auer an Personen im beruflichen Umfeld? „Ich mag Leute, die Veränderungen herbeiführen wollen und auch den Mut haben, dafür Kraft aufzuwenden. Mit diesen Menschen tu ich mir einfach, selbst wenn ich nicht deren Meinung bin.“ Und wann wird er nervös? „Wenn mir Leute stundenlang erzählen, warum etwas nicht geht – ohne Lösungen anzubieten.“ A p r il / M ai 2 0 1 2

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Persönlich

Reingeschnuppert und geblieben ist ein hervorragendes ­Beispiel für Franz Kafkas Motto „Wege entstehen dadurch, dass man sie geht“. In der Zollsektion des BMF macht sie derzeit eine steile Karriere. A u f s t e i g e r i n d e s M o n at s : E va S c h r i tt w i e s e r

Text  Andrea Krieger

siken noch vor Abschluss des Steuerausgleichs mit Mitarbeitern der Großbetriebsprüfung. Dafür erhalten sie rasche Antworten und Rechtssicherheit.“ Im Winter gab’s den ersten Teilnehmer, „ein großes internationales Unternehmen“. Rund 10.000 Mitarbeiter sind von Schrittwiesers Abteilung betroffen. Was es bedeutet, unpopuläre Maßnahmen zu setzen, lernte Schrittwieser bei ihrem ersten Großauftrag, der Reform der Großbetriebsprüfungen. Damals legte sie acht Standorte zu einer zentralen Stelle zusammen, wodurch Führungskräfte teilweise ihre Jobs verloren. Überdies wurden alle A2-Mitarbeiter auf A1-Level gehoben. „Du kennst dich nicht aus und hast keine Ahnung, was du hier auslöst“, bekam sie zu hören. Doch Schrittwieser hatte die Benchmarking-Daten auf ihrer Seite. Mittlerweile wurde eine eigene FH-Ausbildung für die Mitarbeiter der Großbetriebsprüfung geschaffen. Und die Absolventin des FH-Studiums „Europäisches Finanz- und Wirtschaftsmanagement“ unterrichtet selbst dort. Das Hin und Her zwischen Fachhochschule und Büro kennt die Hobby-Jägerin bereits aus Zeiten ihres berufsbegleitenden Studiums. „Zum Abschluss bekam ich eine Karikatur geschenkt, auf der ich mit dem Trolley der FH entgegensteuere. Tatsächlich war ich zwischendurch von 1999 bis 2005 oft für Siemens auf Dienstreisen, zuletzt als internationale Projektmanagerin.“ Wie ihr BMF-Einstieg hatte sich auch dieser Posten ergeben: durch einen Ferialjob bei Siemens München.

z u r p e r s o n 

1999–2004 Internationale Projektmanagerin bei Siemens 2000–2004 Lehrtätigkeit bei der Fachhochschule des BFI Wien 2005–2006 Befristeter Arbeitsvertrag im Rahmen der EURatspräsidentschaft im BMF seit 2007 Stellvertr. Leiterin der BMF-Abt. IV/1 (Verwaltungsmanag. der Steuer- und Zollverwaltung), Lektorin an der Bundesfinanzakademie und der Fachhochschule Campus Wien

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5 Euro November 2011

5 Euro Dezember 2011

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5 Euro Jänner/Februar 2012

mit

Innere Sicherheit und Personalentwicklung

Was fördert Freiwilligkeit? So unterstützt der Staat ehrenamtliches Engagement

Was Österreichs Familienpolitik leistet

Interview: Reinhold Mitterlehner über Väterkarenz und die Zukunft des Flaf

Verwaltungsreform 2.0

Striktes Sparprogramm für EU-Beamte

Was der „Reformdialog“ bringen soll

Radiologen und Spiele

Small is beautiful Postnummer 8

Im Gerichtssaal der öffentlichen Meinung

Warum das Austria Center heuer Zuschüsse benötigt

Wie die ADA mit Budgetkürzungen umgeht P. b. b. Verlagspostamt 1050 Wien, Zul.-Nr. 09Z038082M

Wie vereinbar sind Familie und Beruf?

Umstrittene Personalreform

Im Dezember fieberfrei Der öffentliche Haushalt und die neuen Wirkungsziele

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4 / 2011

Interview: Johanna Mikl-Leitner über Nachwuchssorgen und Mitarbeitermotivation

Interview: Rudolf Hundstorfer über das geplante Freiwilligengesetz

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Das unabhängige Magazin für Führungskräfte im öffentlichen Bereich

Verwaltung

INNOVATIV

Fotograf: Hans Ringhofer

Wie macht man mit Sicherheit Karriere?

Fotograf: Hans Ringhofer

Eva Schrittwieser, BMF

wie modern im BMF gearbeitet wird.

Fotograf: Hans Ringhofer

© Michael Rzepa

„D

» Ich war wirklich überrascht,

as macht sich gut im Lebenslauf“, dachte Eva Schrittwieser, als sie bei einer Jobmesse auf eine befristete Stelle im Finanzministerium (BMF) für die EURatspräsidentschaft 2006 stieß. Sie kam ins BMF und blieb. „Ich war wirklich überrascht, wie modern hier gearbeitet wird“, sagt die 34-Jährige. Und so folgten dem befristeten Job ein Fixposten und schon bald die Bestellung zur stellvertretenden Leiterin für Verwaltungsmanagement der Steuer- und Zollverwaltung (IV/1). Als damals Jüngste im Team, wohlgemerkt. Jetzt hat die Fachhochschul-Magistra mit dem extravaganten Kleidungsstil erstmals die Mitarbeitergespräche in ihrer Abteilung übernommen – als mittlerweile Zweitjüngste im Team. „Eine ziemlich herausfordernde Aufgabe“, gesteht Schrittwieser. Es ist nur eine von vielen Agenden. Ein entscheidender Etappensieg gelang ihr kürzlich beim Pilotprojekt „Horizontal Monitoring“. Worum geht es? „Große Firmen besprechen auf freiwilliger Basis Steuerthemen und -ri-

Postnummer 9

Warum Medienarbeit für die Justiz immer wichtiger wird P. b. b. Verlagspostamt 2340 Mödling, Zul.-Nr. 09Z038082M

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30.11.2011 18:00:35


Persönlich

Eine große Nummer legt sich mit 72 Jahren für die wissenschaftliche Wettbewerbsfähigkeit Europas ins Zeug. Kürzlich erreichte sie gar eine 77-prozentige Erhöhung ihrer Forschungsgelder. Text  Andrea Krieger A u s t r i a A b r oa d : He lg a Nowot n y

zur person

1965–1969 Soziologie-Doktoratsstudium Columbia University, New York 1969–1980 Dozentin an der Uni Wien, ­Forschungsaufenthalt in Cambridge 1980 und 1982 Habilitationen in Bielefeld und Wien 1987–1996 Ordinaria am Institut für Wissenschaftsforschung 1996–2002 Professorin für Wissenschafts­forschung an der ETH Zürich seit 2010 ERC-Präsidentin

» Wer wissenschaftlich tätig ist, hört nie auf, aktiv zu sein.

haben da etwas ganz Neues aufgebaut“, schwärmt sie. „Bisher hat es keine europäische Grundlagenforschungsgemeinschaft gegeben.“ Über 1.800 Stipendiaten wurden bereits unterstützt. „Jeder davon kann durchschnittlich fünf Postgraduateoder Doktoratsstudenten beschäftigen.“ Darüber hinaus ist es ihr voraussichtlich gelungen, das Budget auf 13,2 Millionen, also um 77 Prozent, zu erhöhen. Voraussichtlich deshalb, weil die EU eine endgültige Entscheidung erst Ende 2013 fällt. Dass gerade die Wissenschaft selbst ihr bevorzugtes Forschungsobjekt wurde, habe sich „mehr oder weniger zufällig ergeben“ und hat auch mit ihrem Privatleben zu tun: Die Juristin im ersten Bildungsweg und Mutter einer Tochter begleitete 1965 ihren damaligen Mann, einen Botschafter, nach New York und konnte dort bei den Soziologie-Kapazundern der damaligen Zeit studieren. „Insbesondere Robert Merton, Professor an der Columbia University, hat sich damals schon stark mit der Frage auseinandergesetzt, was Wissenschaft als eigenen sozialen Mikrokosmos eigentlich ausmacht.“ Zurück in Wien wollte sie sich bald habilitieren, bekam aber nicht die nötige Unterstützung und wich nach Bielefeld aus. Nachdem die dort geschriebene Habilitation in Wien nicht anerkannt wurde, folgte nur zwei Jahre später Habilitation Nummer zwei. Kein Wunder, wenn die erste Ordinaria am Institut für Wissenschaftsforschung der Uni Wien heute sagt: „Ich lebe gerne in Wien. Aber im Bezug auf meine Karriere hat man es mir hier nicht unbedingt leichtgemacht.“

© ERC

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011 bezeichnete die „Financial Times“ die Wiener Sozialwissenschafterin Helga Nowotny als einflussreichste Frau im Bereich Technologie und Wissenschaft. Als Leiterin des mit 7,5 Millionen Euro dotierten Europäischen Forschungsrats (ERC) leitet sie Europas erfolgreichste Körperschaft für Wissenschaftsförderung. Darüber hinaus veröffentlicht die Forscherin mit internationaler Karriere – Cambridge, Bielefeld, Paris und Budapest sind nur einige Stationen – laufend Fachbücher. Die 72-Jährige ist also eher im Unruhe- als im Ruhestand. Und findet das recht normal. „Wer wissenschaftlich tätig ist, hört nie auf, aktiv zu sein. Bei mir hat es sich so ergeben, dass ich nach meiner Emeritierung an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich mein Engagement verstärkt auf europäischer Ebene, konkret für den ERC, einsetzen konnte“, so Nowotny. „Wir

Helga Nowotny, ERC

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9


© akg / North Wind Picture Archives; www.akg-images.de

S c h w e r pu n k t

Eine Frage der Glaubwürdigkeit Auf diesem historischen Gemälde aus dem frühen 19. Jahrhundert werden Abgeordnete des US-Kongresses handgreiflich. Auch wenn es manchmal hitzige Debatten gibt, spielen sich solche Szenen im österreichischen Parlament am Wiener Ring schon lange nicht ab.

Pa r l ame n ta r i s m u s  

Auch das Parlament ist vom ­Sparwillen der Regierung nicht ausgeschlossen. Ob eine Streichung von Abgeordnetenplätzen allerdings der Weisheit letzter Schluss ist, wird von mehreren ­Seiten bezweifelt. REPUBLIK sprach mit internen und externen Experten über Sparmöglichkeiten im Hohen Haus, mehr Effizienz – und eine Imagekorrektur.  Text Gudrun Haigermoser 10

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S c h w e r pu n k t

Transparenz schafft Qualität Der breiten Öffentlichkeit sind die Kernaufgaben des Parlaments – Gesetzgebung, Mitwirkung an der Vollziehung, Kontrolle und Partizipation an EU-Entscheidungen – nicht in ausreichendem Maße bekannt. „Der Parlamentarismus hat sich von einem Plenarparlamentarismus hin zu einer weniger sichtbaren Ausschussgesetzgebung entwickelt“, sagt Werner Zögernitz. Das Plenum ist die Schaubühne nach außen, die eigentliche Arbeit passiert in den Ausschüssen. Um mehr Effizienz und Transparenz der Arbeit zu erreichen, plädiert er für eine bessere Strukturierung, eine Verringerung der Zahl der Ausschüsse und für eine längerfristige Planung. Um Tagesordnungen früher festlegen zu können, bedarf es einer zeitgerechten Zurverfügungstellung der Regierungsvorlagen. Öffentlichkeit schafft ebenfalls Qualität, wie das aktuelle Beispiel des Korruptions-Untersuchungsausschusses zeigt. Zögernitz: „Wird eine Sitzung öffentlich, verbessert sich automatisch die Güte der Diskussion.“ Das zeigt das aktuelle Beispiel des Korruptions-Untersuchungsausschusses. Georg Posch rät, sich bezüglich der Modernisierung der Arbeitsorganisation an europäischen Benchmarks zu orientieren. Die skandinavischen Länder und England haben die Nase vorn. Häufigere und länger dauernde Sitzungen führen dort zu einer besseren Planbarkeit und zu mehr Spezialisierung der Abgeordneten. Die inhaltliche Beratung erfolgt nicht wie in Österreich zum Großteil vonseiten der Fraktionen, sondern wird zentralisiert und objektiviert durch die Institution bereitgestellt. Prammer hat bereits im November 2011 – im Rahmen der Beratungen im Budgetaussschuss zum Parlamentsbudget 2012 – angekündigt, dass sich das Parlament in Zukunft externer wissenschaftlicher Expertisen bedienen wolle. In welchem Ausmaß das möglich sein wird, ist allerdings unklar. Posch wünscht sich in jedem Fall einen Ausbau der parteiunabhängigen, inhaltlichen Ausschuss-Betreuung durch die Parlamentsdirektion, die aktuell nur in Ausnahmefällen stattfindet.

Demokratie kostet Geld „Politik kostet eben Geld. Aber es darf nicht alles in einen Topf geworfen werden“, kommentiert der ehemalige, langjährige Parlamentsdirektor Georg Posch. (Seit März 2012 ist Harald Dossi oberster Beamte im hohen Haus, s. Porträt auf Seite 31.) Man muss zwischen den Ausgaben für die Institution Parlament und der Politik im engeren Sinne – nämlich den politischen Parteien bzw. den Fraktionen – unterscheiden. Das bedeutet, die Kosten müssen genauer zuordenbar, besser spezifiziert und überprüfbar werden. „Um das Prestige der Institution zu verbessern, muss man hier rasch Klarheit schaffen.“ In Bezug auf Personaleinsparungen im Bereich der Verwaltung verweist Posch auf den relativ kleinen Parlamentsbetrieb mit rund 400 Mitarbeitern. „Personelle Zurück zur Glaubwürdigkeit Umschichtungen sind bei Verordnung eines Auf- „Das Problem, das wir in Österreich und in ganz nahmestopps nur begrenzt möglich.“ Der Ver- Europa haben, ist der Imageverlust der Politik“,

Parlamentsdirektion

zicht auf die Wahrnehmung einzelner Aufgaben bedingt eine Einschränkung der Serviceleistungen, z. B. beim IT-Support.

» Politik kostet

eben Geld.

Georg Posch, Parlamentsdirektor a.D.

ÖVP-Klub

E

ine Verkleinerung des Nationalrates von derzeit 183 auf 165 Mitglieder. – Mit diesem Vorhaben möchte die Regierung auch das Parlament in das kürzlich geschnürte Sparpaket einbinden. Wie sinnvoll und kosteneffizient diese Idee tatsächlich ist, stellen einige Experten aber infrage. Etwa Werner Zögernitz. Laut dem Präsidenten des Instituts für Parlamentarismus und Demokratiefragen ergibt sich so lediglich eine Ersparnis von vier bis fünf Millionen Euro pro Jahr. Viel mehr könnte das Parlament indirekt beim Sparen helfen: Indem es die Kostenangaben der Regierungsvorlagen genauer prüft als bisher. „Hier können die Ausschüsse in die Tiefe gehen. Das hätte auch eine vorbeugende Wirkung.“ Auch der Politologe Peter Filzmaier schätzt den Nutzen als gering ein. Er will lieber über Milliardeneinsparungen durch eine wirkliche Verwaltungs-, Gesundheits- oder Pensionsreform sprechen, statt die vergleichsweise minimalen Finanzmittel des Parlaments zu beschränken. Schon jetzt sind einzelne Bevölkerungsgruppen wie etwa Frauen oder junge Menschen unterrepräsentiert. „Das alles würde sich verschärfen, wenn es weniger Mandate gibt.“ Nationalratspräsident Barbara Prammer will sich einer Diskussion zwar nicht komplett verschließen, aber sie gibt im selben Atemzug zu bedenken, dass eine Reduktion der Abgeordneten vermutlich mit noch weniger Zeit in ihren Bezirken verbunden wäre. Außerdem sind nach derzeitigem Wahlrecht die kleineren Parteien klar im Nachteil (s. Interview ab Seite 16).

» Es steht außer

Frage: Ein föderalistischer Staat braucht eine Länderkammer. Werner Zögernitz, Institut für Parlamentarismus

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S c h w e r pu n k t

Präsidentin des BR

Präsidentin des NR

Parlamentsdirektor Dr. H. DOSSI Vizedirektorin Legislative (L) Dr. S. JANISTYN Nationalrats­dienst (L1) Mag. G. MICHALITSCH Stv.: Mag. D. KOPESKY

Bundesratsdienst (L2) Dr. S. BACHMANN Stv.: Dr. A. ALSCHHARANT

Rechts-, Legislativund Wissenschaftlicher Dienst – RLW (L3) Dr. I. SIESS-SCHERZ Stv.: Dr. I. MOSER

Vizedirektor Administration (A) Mag. A. WINTONIAK Dienst Information und Öffentlichkeit (L4) Mag. R. GOLLIA Stv.: N.N.

Präsidialdienst (A1) Dr. C. MÜLLER Stv.: N.N.

D ie O rganisat ion sagt Institutsleiter Zögernitz. Bis vor kurzem hatim H ohen H aus te das Parlament einen Sonderstatus, es galt als Der Parlamentsdirektor ist seriöser und angesehener. „Aber der Bonus ist oberster Beamter im Hohen weg“, so der Parlamentarismus-Experte. Ein ZuHaus. Dieser ist zuständig für rückgewinnen der Glaubwürdigkeit kann über die Führung der Parlamentsadministration und ihre rund die Stärkung der direkten Demokratie passie400 Mitarbeiter. Mit den ren. „Zum Ersten ist es notwendig, das PersönAbgeordneten beider Kam- lichkeitswahlrecht auszubauen. Das derzeit gelmern, deren Mitarbeitern und tende Vorzugsstimmensystem ist nicht ausreiden Angehörigen der politi- chend.“ Das zweite Thema ist die geringer werschen Klubs gehören insge- dende Wahlbeteiligung. Zögernitz hält nichts samt rund 1.000 Personen von einer Wahlpflicht, kann sich aber vorstellen, zum parlamentarischen Betrieb. Wahlkreise mit hoher Beteiligung z. B. durch ein weiteres Mandat zu belohnen. Zum Dritten ist es Quelle: Österr. Parlament das Agieren der Abgeordneten im Plenum selbst, das sich ändern muss: „Eine lebhafte Diskussion ist wichtig, Ordnungsrufe wie Trophäen zu sam-

Verwaltungsdienst (A2) Dr. J. WIRRER Stv.: N.N.

EU- u. Inter­nationaler Dienst (A3) Dr. B. BRENNER Stv.: Dr. J. WIRNSPERGER

meln, halte ich allerdings für falsch.“ Hier muss der Vorsitz eingreifen. Derzeit wird diskutiert, ob zusätzlich zum Ordnungsruf ein Ordnungsgeld eingeführt wird. Kontrollfunktion stärken „Wir brauchen eine Kulturänderung, die letztendlich eine wirkliche Weiterentwicklung des Parlaments hin zu einem starken Kontrollorgan bringt“, erklärt Ex-Parlamentsdirektor Posch. Denn eines sei klar: „Für einen effektiveren Parlamentarismus müssen wir der Kontrolle mehr Augenmerk widmen.“ Ganz anders ist die Situation in Großbritannien, in Skandinavien oder in der Schweiz: In den dortigen Parlamenten gibt es den Budgetvollzug begleitende Ausschüsse, die ein starkes Kontrollmittel darstellen. In Österreich

H I NTERGRUND 

Das Parlament in Zahlen (2010) Anzahl der Plenarsitzungen: 50 Dauer der Plenarsitzungen: 295 Stunden Vom Plenum beschossene Gesetze: 94 Schriftl. Anfragen an Mitglieder der BReg.: 3.151 (davon 11 dringliche Anfragen) Anzahl an Ausschusssitzungen: 159 Dringliche Anfragen: 11

Die inhaltliche und vorbereitende Arbeit der Parlamentsarbeit findet derzeit in derzeit 38 Ausschüssen und Unterausschüssen mit durchschnittlich 26 Mitgliedern statt. Zusätzlich gibt es einen Untersuchungs- und einen Sonderausschuss. Quelle: Parlament, Jahresbericht 2011; Hg.: Parlamentsdirektion

W i s s e n 

EU und österreich. Parlamentarismus Die direkte und indirekte Mitwirkung an EU-Entscheidungen ist seit dem Beitritt eine wesentliche Neuaufgabe des Parlaments. Die indirekte Mitwirkung erfolgt durch die Beauftragung eines Ministers durch die Parlamentarier, im EU-Ministerrat zu verhandeln. Durch

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den Vertrag von Lissabon ist es seit 2010 möglich, eine Subsidiaritätsklage einzubringen und dadurch direkt in EU-Entscheidungen einzugreifen. Neu seit April 2012 ist die Europäische Bürgerinitiative, die das Einbringen grenzüberschreitender Petitionen möglich macht.


S c h w e r pu n k t

ne Stärkung gegenüber der Regierung: „De facto haben wir nur eine pseudo-parlamentarische Demokratie.“ Für große Veränderungen und eine Steigerung der Effizienz braucht es einen weitreichenden Einstellungs- und Strukturwandel. Wie zeitgemäß ist der BR? Auch der Bundesrat ist ein Diskussionspunkt in der aktuellen Spardebatte. Wie es mit der Länderkammer weitergehen soll, wird nicht erst seit dem Frühjahr 2012 diskutiert. In einer europaweiten Studie des Instituts für Parlamentarismus hat sich gezeigt: Von insgesamt 27 Parlamenten haben 13 ein Zwei- und 14 ein Einkammernsystem. Aber: 85 Prozent der Bevölkerung leben in Staaten mit einem Zweikammernsystem. „Ein föderalistischer Staat braucht eine Länderkammer. Das ist weltweiter Standard und steht außer Frage. Über eine Verkleinerung und die Besetzung kann man aber reden“, sagt Werner Zögernitz. Eine Entsendung von Landtagsabgeordneten ist denkbar und für sieben Bundesländer aufgrund ihrer Landesverfassung auch heute schon möglich. Verfassungsrechtler Mayer sagt dazu: „Der Bundesrat entfaltet keine eigene politische Kraft, sondern vertritt nur die Interessen der Parteien. Entweder wertet man diese Einrichtung zu einer

Paul Landl

ist die Einführung eines Budgetdienstes in Vorbereitung, der ähnliche Aufgaben übernehmen würde. Das wäre ein erstes Beispiel für eine objektivierte Beratungsschiene – im konkreten Fall für den Budgetausschuss. Der Dienst soll 2013 gleichzeitig mit Inkrafttreten des neuen Haushaltsrechts seine Arbeit aufnehmen. „Die Instrumente zur parlamentarischen Kontrolle sind weder formal ausreichend noch in der Praxis tiefgehend genug. Das noch immer nicht realisierte Minderheitenrecht von Untersuchungsausschüssen fällt darunter“, kritisiert Politologe Filzmaier. Vor allem der Klubzwang steht einer Effizienzsteigerung im Wege. Und Verfassungsrechtler Heinz Mayer fordert für eine Weiterentwicklung des Parlamentarismus überhaupt mehr anstatt weniger Geld: „Man muss die Mandatare mit Mitarbeitern und Infrastruktur so ausstatten, dass sie unabhängig von Parteien und Regierung arbeiten können.“ Genau diese Unabhängigkeit ist es, die es wiederherzustellen gilt. „Das Parlament ist in seiner jetzigen Form zu schwach, die Aufgaben sind zu wenig klar dargestellt“, sagt Georg Posch, da „die Regelungskompetenz vor allem der Regierung zugeschrieben wird“. Auch für Peter Filzmaier bedeutet eine Weiterentwicklung ei-

» Die Abgeord-

neten sind zu stark von Parteien und Parlamentsklubs abhängig. Heinz Mayer, Universität Wien

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Führung, Politik und Management 4 semestriger berufsbegleitender Masterlehrgang Das Studium startet Herbst 2012 und bildet Sie zu Führungskräften in Politik, Verwaltung, Unternehmen und nichtstaatlichen Organisationen aus. Es kombiniert einen Überblick über politische Systeme mit fundierten betriebswirtschaftlichen Kenntnissen und strategischen Managementkompetenzen.

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echten Ländervertretung auf oder man schafft sie ab.“ Im Falle einer Stärkung sollten die Landeshauptleute integriert werden. Mayer lässt das Argument, dass dies der Gewaltentrennung widerspräche, nicht gelten: „Es geht darum, die Interessen der Länder zu vertreten. Wer das tut, ist nicht entscheidend.“ Näher beim Bürger Viele Maßnahmen zur Förderung der Bürgernähe wurden bereits gesetzt: Über Internetplattformen kann man das Abstimmungsverhalten der Abgeordneten nachvollziehen. Via Demokratieforen werden Fragen direkt an Politiker gestellt. Die elektronischen Petitionen – Möglichkeiten zur Unterstützung von Bürgerinitiativen via Internet – und die Demokratiewerkstatt für Kinder im Parlament als Instrument der politischen Bildung kommen gut an. Politikwissenschafter Filzmaier sieht hierbei das Problem, dass damit ohnehin nur Politik-interessierte angesprochen werden. Wer politikfern ist, wird hingegen nicht erreicht. „Alle Bemühungen für mehr Bürgernähe müssen parallel dort stattfinden, wo politische Bildung auch wehtut. Dazu gehören Gemeindebau- und Wirtshausdiskussionen und soziale Netzwerke zusätzlich zu traditionellen Publikationen.“ Vor allem mehr Präsenz im Fernsehen und im Internet bringt die Arbeit des Parlaments den Menschen näher. Live-Übertragungen der Plenar- und eines Großteils der Ausschusssitzungen sind rechtlich und technisch möglich. Nur ist es für die Zuseher mäßig spannend, sich end-

lose, unkommentierte Debatten anzusehen. „Wo immer man live überträgt, man muss den Sehern etwas bieten“, sagt Experte Posch. Der dringende Ausbau des Webstreams ist – sofern es das Budget zulässt – im Laufe des Jahres geplant. „Das Internet ist eine wichtige Dimension, die zu einer breiteren und attraktiveren Wahrnehmung der Institution Parlament beitragen kann.“ Immun und unvereinbar „Immunität ist unverändert demokratiepolitisch notwendig, wenngleich laufend reformbedürftig“, sagt Peter Filzmaier. Das zeigen auch Beispiele einer mangelnden Logik, wenn dieselbe Aussage eines Abgeordneten in der fernsehübertragenen Plenarsitzung geschützt und in der anschließenden Pressekonferenz klagbar ist. Zum Thema Unvereinbarkeit fehlen dem Politologen bis jetzt klare Korruptions-, Unvereinbarkeitsund Transparenzregeln, und er hofft auf ein Besserwerden durch die neuen Gesetze. Für Heinz Mayer wäre die Inkompatibilität ausreichend gesichert, praktisch wird sie allerdings nicht ernst genommen. Der Universitätsprofessor nennt ein Beispiel: „Es ist in Österreich gängige Praxis, dass Verfassungsrichter auch Mitglieder in Aufsichtsräten großer, oft auch staatsnaher Unternehmen sind. Das gehört abgestellt, es besteht einfach eine zu große Gefahr, in eine unvereinbare Position zu kommen.“ In Deutschland dürfen Verfassungsrichter nebenbei nur Hochschulprofessoren sein, ansonsten gilt ein Berufsverbot. Mayer: „So sollte es auch in Österreich sein.“

Ko mm e n ta r vo n F e r i Thi e r ry 

Markus Tordik

Österreich muss Europa werden Der Untersuchungsausschuss über Korruptionsfälle hält Parteien und Journalisten gleichermaßen auf Trab und bei Laune. Er bringt die Arbeit des Parlaments auf die Tagesordnung der Massenmedien. Das Parlament nimmt damit eine seiner verfassungsrechtlich verankerten Aufgaben wahr: jene der Kontrolle. Wie ist es hingegen um seine anderen Aufgaben bestellt? Ist das Parlament tatsächlich das gesetzgebende Organ? Wird hier Politik gemacht? Ist es wirklich das Herz unserer Demokratie? Leider nein. Die Regierung erteilt sich ihre Arbeitsaufträge für gewöhnlich selbst. Gesetzesentwürfe kommen aus den Ministerien, werden zwischen den Koalitionsparteien verhandelt und dann im Ministerrat beschlossen. Zu diesem Zeitpunkt vermelden viele Medien bereits, dass ein neues Gesetz kommt. Dabei hat der parlamentarische Gesetzgebungsprozess noch nicht einmal seinen Anfang genommen. Aber Abänderungen im Parlament sind selten. Gibt es Beispiele für lebendigere, selbstbewusstere Parlamente? Im internationalen Vergleich lassen sich an dieser Stelle die USA und Großbritannien nennen. Aber kein Parlament ist so vital und nahe an den Idealen des Parlamentarismus wie das Europäische Parlament. Wohl gibt es Fraktionen, von einem Klubzwang ist aber wenig zu spüren.

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Auch einzelne Abgeordnete trauen sich, gegen die Linie ihrer Fraktion zu stimmen. Wenn nicht von vornherein klar ist, wie eine Abstimmung ausgeht, werden Argumente und Überzeugungsarbeit sinnvoll – und Abstimmungen spannend. Die Europäische Union, oft verschmäht für ihren Bürokratismus, ist nicht nur schlanker organisiert als die meisten nationalen Regierungen, sie ist mit ihrem starken Parlament auch den griechischen Idealen der Demokratie näher als die meisten ihrer Mitgliedsländer. Not täten die Etablierung eines echten Zweikammernsystems (mit dem Rat als zweite Kammer) und echte europäische Wahloptionen wie etwa europäische Parteien und die Direktwahl des Kommissionspräsidenten. Aber zurück nach Österreich: Auch wir brauchen ein selbstbewussteres Parlament. Mit direkt gewählten Abgeordneten. Und mit ausreichenden Ressourcen für echte gesetzgebende Arbeit. Österreich muss Europa werden. Feri Thierry ist Kommunikations- und Public-Affairs-Berater sowie Geschäftsführer von Thierry Politikberatung. Daneben ist er Lehrgangsleiter des Masterstudiums „Lobbying / Public Affairs“ an der BFI-Wien-Akademie und Vortragender an verschiedenen Bildungsinstitutionen. E feri.thierry@thierry.at


Promotion

Politische Unterstützung für chronisch Kranke gefordert Chronisch krank und leistungsbereit. Das ist bei Patienten mit Rheuma kein Widerspruch, sondern eine leider oft übersehene Tatsache. Rheumapatienten wollen so lange wie möglich beruflich aktiv bleiben. Mit entsprechender Unterstützung aus Politik und Wirtschaft wäre das keine Utopie. Text Dr. Claudia Uhlir Schmerzgeplagte alte Frauen mit knotig verdickten, kaum beweglichen

Gesundheitspolitische Hürden überwinden

Fingern, die sich beim Gehen schwer auf einen Stock stützen müssen –

Diese Idee hält Primarius Dr. Leeb für sehr überlegenswert: „Wir wis-

das ist vielfach die erste Assoziation zum Begriff „Gelenkrheuma“. Und

sen, dass es Rheumapatienten sowohl körperlich als auch psychisch

sie ist falsch. Tatsächlich erkranken viele Menschen in einem Alter an

guttut zu arbeiten. Mit einer adäquaten und vor allem rechtzeitigen

rheumatoider Arthritis, in dem sie voll im Berufsleben stehen. Beson-

Therapie ist das über einen langen Zeitraum sehr gut möglich.“ Hierfür

ders junge Frauen sind davon betroffen. Das ist die schlechte Nachricht,

müssten aber (gesundheits-)politische Weichen gestellt werden. Denn,

hier kommt die gute: Mit den heutigen Therapien, zu denen auch die

wie er kritisiert, ist Österreich unzureichend mit Rheumatologen ver-

Biologika zählen, gehören verstümmelnde Gelenkverformungen bei

sorgt: „Wir brauchen ein Honorarsystem, das eine Niederlassung als

Rheumapatienten in der Regel der Vergangenheit an.

Rheumatologe möglich macht. Derzeit werden Rheumapatienten fast

Primarius Dr. Burkhard Leeb

Mag. Veronika Harzl,

August Caspar Neubacher,

vom Landesklinikum Weinviertel Stockerau:

Eurotransline, Leibnitz

MSc, Patientencoach, Vision Project

„Wir brauchen mehr niedergelassene Rheumatologen. Die Wartezeiten auf einen Termin in einem Zentrum sind lang.“

„Ich sehe es als Auftrag an die Unternehmer, sich über chronische Krankheiten zu informieren und die Information an ihre Mitarbeiter weiterzugeben.“

„Patienten mit Gelenkrheuma wollen im Arbeitsprozess bleiben. In einem entsprechenden Umfeld und bei guter ­Therapie ist das möglich.“

Als chronisch krank stigmatisiert

ausschließlich an Zentren behandelt, und die Wartezeiten auf einen

Rechtzeitig erkannt, ist Gelenkrheuma mittlerweile gut behandelbar.

Termin sind lang.“ Die Situation lässt sich nur durch eine klare gesund-

„Womit die Betroffenen weit mehr zu kämpfen haben als mit den

heitspolitische Entscheidung verbessern. Einsparungspotenzial durch

mittlerweile gut beherrschbaren körperlichen Folgen der rheumatoiden

weniger Krankenstände, Frühpensionierungen sowie auch ein verringer-

Arthritis, ist das Stigma einer chronischen Erkrankung“, sagt der Rheu-

ter Produktivitätsausfall wären gegeben.

matologe Primarius Dr. Burkhard Leeb vom Landesklinikum Weinviertel Stockerau. Das Vorurteil wirkt sich nicht nur auf das Privatleben, sondern

Zeit ist Gelenk

noch mehr im Berufsleben aus.

Bei einer entzündlichen Gelenkserkrankung, die auf einer Überreaktion

Die Folgen von Erkrankungen des Bewegungsapparates erstrecken

des Immunsystems beruht und auf heimtückische Art und Weise die

sich über die Betroffenen hinaus auf deren Angehörige, den Arbeits-

Gelenke zerstört, ist rasches Handeln die oberste Devise. Denn bereits

markt, das Sozialsystem und letzten Endes auf die Gesellschaft insge-

wenige Wochen nach Beginn der Schmerzsymptome können erste und

samt. Das zeigt der europäische „Fit for Work“-Report auch für Öster-

meist nicht mehr korrigierbare Gelenkzerstörungen entstehen. Alarmsig-

reich. Der Schaden für den Arbeitsmarkt ist erheblich. Im Jahr 2004 gin-

nale wie unerklärlicher Gelenkschmerz mit Gelenksteifigkeit sollten an

gen in Österreich 7,7 Millionen verlorene Arbeitstage auf das Konto von

Gelenkrheuma denken lassen. Der Gang zum Rheumatologen schafft

Erkrankungen des Bewegungsapparates. Sie sind auch häufig Anlass für

Klarheit.

Berufsunfähigkeitspensionen und vorzeitige Pensionierungen.

Die Bewusstseinsbildung sieht Mag. Veronika Harzl von Eurotransline, Leibnitz, auch als eine Pflicht der Arbeitgeber: „Sie sind letztendlich

„Fit note“ statt Krankschreibung

massiv betroffen, wenn qualifizierte Mitarbeiter ausfallen, weil die Thera-

Die dramatischen Auswirkungen sind zu einem großen Teil strukturell

pie einer chronischen Krankheit zu spät einsetzt.“ Das Logistikunterneh-

bedingt. Denn Patienten mit rheumatoider Arthritis sind, wie August

men Eurotransline hat die Bedeutung der beruflichen Gesundheitsförde-

Caspar Neubacher, MSc, Patientencoach, Vision Project, aus seiner

rung erkannt und die Maßnahmen nicht nur im eigenen Betrieb umge-

Arbeit mit Patientenselbsthilfegruppen weiß, sehr daran interessiert, im

setzt, sondern bietet auch anderen Unternehmen eine entsprechende

Berufsleben zu bleiben – und dies nicht nur aus finanziellen Gründen:

Beratung an. Mag. Veronika Harzl ist von der Sinnhaftigkeit und auch der

„Speziell diese Patientengruppe will so lange wie möglich arbeiten.“ In

Kosteneffizienz solcher Maßnahmen überzeugt: „In der Arbeitswelt wird

manchen Phasen der Erkrankung ist die Leistungsfähigkeit zwar einge-

immer mehr Leistung gefordert, da der Wettbewerb immer härter wird.

schränkt, aber nicht gänzlich verloren. Das österreichische Gesundheits-

Die Investition von Unternehmen in Gesundheitsvorsorge lohnt sich, da

system kennt aber nur die Krank- oder die Gesundschreibung. Zwischen

sie das Risiko verringert, dass Arbeitnehmer durch Frühpensionierungen

Schwarz und Weiß gibt es hierzulande kein bereicherndes Grau, wie es

ausfallen.

die Briten in Form der „fit note“ haben. In dieser ist festgehalten, wel-

Durch flexible Arbeitsmodelle, bei denen Arbeitnehmer idealerweise

che Tätigkeiten ein Patient mit einer chronischen Krankheit übernehmen

von politischer Seite unterstützt werden, könnten Rheumapatienten

kann.

langfristig im Arbeitsleben gehalten werden. Gewinner wären wir alle.

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S c h w e r pu n k t

„Weniger Abgeordnete bedeuten nicht weniger Arbeit“ Pa r l ame n ta r i s m u s  

Eine Verkleinerung des Nationalrats ist für dessen Präsidentin Barbara Prammer nicht der Weisheit letzter Schluss. REPUBLIK sprach mit ihr außerdem über den Sparwillen des Parlaments, über Glaubwürdigkeitsprobleme und das „Übergewicht der Regierung“. Interview Gudrun Haigermoser

Fotos Hans Ringhofer

Sparen ist in aller Munde. Wie kann das Parlament zum Schuldenabbau beitragen? Dass wir unseren Beitrag leisten müssen, ist klar. Aber unser Spielraum ist gering. Das Parlament hat mit einem Jahresetat von ca. 154 Millionen Euro einen sehr kleinen Anteil am Gesamtbudget des Bundes. Rund zwei Drittel der Mittel werden für Personalkosten herangezogen. Will man den Parlamentarismus stärken, bräuchte es eher eine verbesserte Infrastruktur und mehr Personal. Das sehen wir im internationalen Vergleich. Und bei den ursächlichen Aufgaben des Parlaments – der Gesetzgebung und der Kontrolle – darf keinesfalls gespart werden. Trotz des kleinen Spielraums: Wo sehen Sie noch am ehesten Sparpotenzial? Ich bringe zwei Beispiele, wo schon gespart wird: Wir haben viele Veranstaltungen im Haus, die die Bürgernähe fördern. Hier zu kürzen, hielte ich für den falschen Zugang. Ich habe aber den in der Vergangenheit üblichen Imbiss bei solchen Events gestrichen und dadurch die Kosten halbiert. Dem Besucherinteresse hat dies keinen Abbruch getan. Ein anderer Bereich ist die parlamentarische Diplomatie. Denn wer Politik machen will, muss über den eigenen Tellerrand schauen. Die Abgeordneten sind in vielen internationalen Gremien – wie dem Europarat oder in der Interparlamentarischen Union – tätig, und das ist wichtig. Um Kosten zu senken, reisen Abgeordnete und Bedienstete innerhalb der EU mittlerweile Economy und nicht Business. Grundsätzlich sind wir darauf bedacht, den parlamentarischen Betrieb effizienter zu gestal-

ten. Die Herausforderung ist, mit weniger oder mit gleich viel mehr zu machen. Die Einsparungsforderungen sind auch durch die geringe Bekanntheit der Aufgabenvielfalt bedingt. Wie bringt man den Bürgern die Abgeordnetenarbeit näher? Ich verwahre mich dagegen, von „den unnötigen und faulen“ Abgeordneten zu sprechen. Das Gegenteil ist der Fall. Dass durch den EU-Beitritt hier im Haus viel Arbeit weggefallen sei, ist ein großer Irrtum. Die Umsetzung der EURichtlinien ist nach wie vor nationale Angelegenheit und wir haben viele neue Kompetenzen ­dazubekommen, wie etwa die Kontrolle der euro­ päischen Institutionen. Aber es stimmt, dass die Arbeit, die im Hintergrund stattfindet, in der ­Öffentlichkeit nicht gesehen wird. Das Bild wird oft auf die verbalen Auseinandersetzungen im Plenum reduziert.

» Die Politik hat

ein Glaubwürdigkeitsproblem, das wir unbedingt in den Griff bekommen müssen.

Laut aktuellem Sitzungskalender hält sich die Zahl der geplanten Plenarsitzungen in Grenzen? Wo passiert dann die viele Arbeit? Die Hauptarbeit passiert in den Ausschüssen, wir haben derzeit 40 Ausschüsse. Geht man von einer durchschnittlichen Mitgliederzahl von 26 Personen je Ausschuss aus, lässt sich bei 183 Nationalräten die Anwesenheitshäufigkeit leicht ausrechnen. Eine Zusammenlegung von Ausschüssen ist durchaus überlegenswert, allerdings wird dadurch die Arbeit nicht weniger und die Gesamtsitzungszeit nicht kürzer. Ich bin auch dafür, die Ausschüsse generell für öffentlich zu erklären und so parlamentarische Arbeit besser sichtbar zu machen. A p r il / M ai 2 0 1 2

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S c h w e r pu n k t

» Dass auch das Parlament

sparen muss, ist klar. Nur der Spielraum ist gering.

Griff bekommen. Meines Erachtens liegt das daran, dass wir zu wenig Mut in der Beantwortung von Fragen nach Nebeneinkünften, Parteienfinanzierung, Lobbyinginteressen und Ähnlichem zeigen. Es geht darum, den negativen Beigeschmack wegzubringen, und dazu braucht es neue, offensive Gesetze. Wir müssen der Bevölkerung zeigen, dass wir es ernst meinen mit Transparenz und Kontrolle.

Zur Person

Barbara Prammer Geb. 1954 in Ottnang am Hausruck (OÖ) 1978–1986 Studium der Soziologie an der Universität Linz 1991–1995 Abg. (SPÖ) und 2. Präs. des Oö. Landtages 1995–1997 Oö. Landesrätin für Wohnbau und Naturschutz 1997–2000 BM für Frauenangelegenheiten und Verbraucherschutz Seit 2006 Präs. des National­rates

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Ist der gesetzliche Rahmen zur Ausübung der Kontrollfunktion ausreichend? Oder sind Anpassungen notwendig? Will das Parlament als Kontrollinstrument ernst genommen werden, darf es die Transparenz nicht scheuen, sondern muss mit gutem Beispiel vorangehen. Daher gibt es gesetzlich viel zu tun. Das heißt konkret, dass ich auf eine Fertigstellung des in Arbeit befindlichen Transparenzpakets – wenn möglich bis zum Sommer – dränge. Dabei geht es um mehrere Gesetze zu den Themen Politikerbezüge, Lobbying, Vereinbarkeit und Immunität. Die außerberufliche Immunität wird in jedem Fall abgeschafft. Was die berufliche Immunität betrifft, gibt es noch Diskussionen. Man muss aufpassen, in keinem Fall die Minderheiten- und Oppositionsrechte zu beschränken. Wenn ein Abgeordneter Kontrolle ausübt, darf Die Verkleinerung des Nationalrats von 183 das nicht von Klagen bedroht werden. Denn es auf 165 Mitglieder wurde von der Regierung ist nicht alles überholt, was das Immunitätsrecht als Teil des Sparpakets präsentiert. Ist das für betrifft. Sie eine sinnvolle Option? Ich verschließe mich nicht einer Debatte, aber Wie kann der Parlamentarismus in Österreiman muss dabei alles mitdenken. So muss vor- ch weiterentwickelt und modernisiert werher das Wahlrecht geändert werden, sonst wür- den? Welche Aufgaben des Parlaments gilt es den die kleineren Parteien benachteiligt. Zum zu stärken? anderen gibt es noch das technische Problem des Wir haben in Österreich – so wie in vielen andeDirektmandats, man muss sich die Zusammen- ren demokratischen Staaten – ein Übergewicht setzung der Wahlkreise und die Gewichtungen der Regierung. Das ist nicht in Ordnung. Ich bin ansehen und die Konsequenzen für Kontrollar- für eine strikte Einhaltung der Gewaltentrenbeit und Gesetzgebung hinterfragen. Denn: We- nung, die für die Kontrolle besonders wichtig niger Abgeordnete bedeuten nicht weniger Auf- ist. Denn das Parlament ist nicht nur Ort der Gegaben. Die Nationalräte verbringen dann noch setzgebung, hier wird auch die Kontrolle über die mehr Zeit hier im Haus und weniger „draußen“ Exekutive ausgeübt. Der Rechnungshof beispielsweise ist ein Hilfsorgan des Parlaments, was oft bei der Bevölkerung. nicht gesehen wird. Auch UntersuchungsausDas Image der Politik wird immer schlechter, schüsse sind ein wichtiges Kontrollinstrument. das Vertrauen der Bevölkerung sinkt kontinu- Hier ist es dringend notwendig, den Untersuierlich. Woran liegt das, was ist dagegen zu tun? chungsausschuss als Minderheitenrecht zu etaJa, die Politik hat eindeutig ein Glaubwürdig- blieren. Im deutschen Bundestag gibt es dieses keitsproblem. Das müssen wir unbedingt in den Recht bereits seit Jahrzehnten.

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Promotion

Ungehobenes Sparpotenzial bei Immobilien Immobilien- und Vermögenstreuhänder könnten die öffentliche Immobilienbewirtschaftung ­professionalisieren helfen. oder Energiekennzahl) besonders gravierend. Als Entscheidungshilfe hätte eine derartige Datenbank großen Nutzen, sagt der Obmann der Fachgruppe Wien der Immobilien- und Vermögenstreuhänder, Oliver Brichard. „Wenn man bedenkt, was die Einführung des zentralen Melderegisters an Verwaltungsvereinfachung, Zeit und Effizienz gebracht hat, kann man sich vorstellen, was Detailwissen bringen kann.“ Unnötige Mehrkosten Immobilientreuhänder mit großer Markterfahrung arbeiten ständig mit Kennzahlen, denn ohne diese wäre ein Überleben am freien Markt unmöglich. „Würden Gemeinden oder Städte diese Kompetenz, die ihre Beamten oft nicht haben, nutzen, könnte vielfach besser verkauft oder Raum günstiger zur Verfügung gestellt werden“, ergänzt Brichard. Er wünscht sich für die Zukunft eine engere Kooperation der öffentlichen Hand mit der Privatwirtschaft. Brichard sieht Sparpotenzial in MillionenErst nach Überprüfung des Kontrollamts 2010 wurde der Balkon und Innenhof des Amtshauses Wien 13 wegen der „Gefahr für Menschenleben und Sachgüter“ gesperrt. Das Energie-Contracting zahlt sich im Vergleich zu einmaligen Investitionen nicht aus.

höhe, wenn Gemeinden, Städte oder Körperschaften öffentlichen Rechts Aufgaben an Externe übertragen würden. „Professionalisierung und modernste Qualitätsstandards kommen immer aus der Privatwirtschaft“, sagt auch der Geschäftsführer der Fachgruppe Wien der Immobilien- und Vermögenstreuhänder, Mag. Rudolf North, früher Manager bei Siemens, und verweist auf das Kontrollamt Wien, das 2010 im Bereich der Amtshäuser das Energie-Contracting für Heiz- und Kühlkosten bemängelte. Die Gesamtkosten eines Energie-Contracting überstiegen die einmaligen Investitionskosten um bis zu 80 %. Gegenüber Investitionen der Magistratsabteilung 34 ohne Energie-Contracting führt das „zu beträchtlichen Kostensteigerungen“. Auch das Facility-Management klappt aus Sicht privater Fachleute und des RH (Empfehlung 203) oft nicht gut. Das fängt in Wien schon bei der Reinigung der Amtshäuser an, die von Eigenpersonal der MA 34 durchgeführt wird. Das Kontrollamt der Stadt Wien empfahl schon 2007 unmittelbare Kostenvergleiche zwischen Eigen- und Fremdleistungen. Wo die moderne Hausverwaltung sparen kann, ist für einen Beamten

Oliver Brichard

Mag. Rudolf North

einer Gemeinde, eines Bezirksamtes oder einer Stadtverwaltungen oft

Obmann Fachgruppe Wien der

Geschäftsführer der Fachgruppe Wien

nicht ersichtlich. Hier gibt es ein kurzfristig zu hebendes Sparpotenzial.

Immobilien- und Vermögenstreuhänder

der Immobilien- und Vermögens­ treuhänder

Wunsch nach engerer Kooperation „Mittelfristig könnte man Personal des öffentlichen Bereichs dorthin

Das Reform- und Sparpaket der Regierung sieht zwar einen Neuauf-

umschichten, wo der Bürger es zuallererst braucht: im direkten Bürger-

nahmestopp für öffentlich Bedienstete vor, zeigt aber zu wenig auf, wie

service und bei der Sicherheit“, resümiert Brichard.

Folgekosten für die Bürgerinnen und Bürger vermieden werden sollen.

Kritisch sehen die Experten der Wirtschaftskammer das System der

Diese entstehen, wenn die Servicequalität sinkt, Akten unbearbeitet

Arbeitsverteilung in der Verwaltung. Für die Bewilligung einzelner Vor-

bleiben oder öffentliches Eigentum nicht nach den neuesten Qualitäts-

haben sind zahlreiche Personen zuständig und beschäftigt, die die oft

standards bewirtschaftet wird.

widersprechenden Normen in Einklang bringen müssen. Erfahrungen

Das gilt auch für den Bereich Immobilien. Vier der Ende 2011 vorge-

aus der Verwaltung von Wohnimmobilien zeigen deutlich, dass kleinere,

stellten 599 Empfehlungen des Rechnungshofes (RH) zur Verwal-

aber umfassende Zuständigkeitsbereiche einzelner Referenten eine per-

tungsreform beziehen sich auf Verbesserungsmöglichkeiten beim

sönlichere und bessere Qualität bei gleichem Kostenniveau zulassen.

Vermarkten und bei der Bewirtschaftung von Immobilien im Besitz

Die Immobilienwirtschaft ist für eine intensivere Kooperation mit

der öffentlichen Hand. So bemängelt der RH zum Beispiel fehlende

Gemeinden, Ländern und Bund bestens gerüstet. „Wir sehen uns als

Kosten-Nutzen-Analysen (Empfehlung 593). Ist die Anmietung neuer

Partner“, sagt North, „sei es bei der Erfassung von Kennzahlen, bei

Objekte besser, oder soll man in die Instandhaltung von Altobjekten

Kosten-Nutzen-Analysen, bei der Bewirtschaftung oder beim Facility-

investieren? Bei den Wiener Polizeiinspektionen ortet der RH über-

Management ganzer Portfolios.“

haupt eine fehlende Erhebung des Sanierungsbedarfs (Empfehlung

Durch den ständigen Wettbewerbsdruck in der gewerblichen Wirtschaft

591). Aus Sicht der Wirtschaft ist die fehlende Datenerfassung der

kommt es zu einem Wissensvorsprung und zu höherer Effizienz. Davon

Liegenschaftsverkäufe anhand von Kennzahlen (z. B. Preis/m², Baujahr

könnte auch die Öffentliche Hand mehr profitieren.


Serie

Jeder Euro zählt Ob Krimidinner, Anti-Spinnenangst-­ Seminar oder Diamantenbestattung: Ausgegliederte Unternehmen beweisen Kreativität, um zusätzliches Geld in die Kassa zu bekommen und neue Kundschaft anzulocken. REPUBLIK stellt die interessantesten Beispiele vor. Text  Andrea Krieger A u s g eg l i e d e r t e U n t e r n e h me n

Algordanza

Tiergarten Schönbrunn / Norbert Potensky

Spanische Hofreitschule

Der mit dem Ross tanzt Wie kann man im Sommer, in der vorführungsfreien Zeit, Geld in die Kassa bekommen, fragte man sich in der Spanischen Hofreitschule. Vor zwei Jahren gebar Direktorin Elisabeth Gürtler, ihres Zeichens langjährige Organisatorin des Wiener Opernballs, die Idee einer „Fête Impériale“. Mit Erfolg: Im vergangenen Juli kamen 2.500 Gäste zum großen Sommerball in die illustren Räumlichkeiten. Bei Eintrittspreisen von 120 Euro und Logenmieten von bis zu 7.200 Euro brachte man es 2010 und 2011 zu je 130.000 Euro. Ein nicht unbeträchtlicher Beitrag zu den Gesamteinkünften.

Phobiker willkommen! Mit Workshops will der Tiergarten Schönbrunn der weitverbreiteten Spinnenangst trotzen. Um 140 Euro bieten eine Psychologin und ein Spinnenexperte eine fachlich geleitete Auseinandersetzung mit dem Thema. In Pferdeflüsterer-Seminaren wiederum kann man die nonverbale Kommunikation verbessern. Der große Renner sind aber mit Einnahmen von mehr als 90.000 Euro die Kindergeburtstagspartys inklusive Spezialführung, Jause und Geschenk, ohne die kein Tag vergeht. Ebenfalls beliebt: 240-Euro-Spezialführungen für zwei Personen inklusive direkten Kontakts zu ausgewählten Tieren. Zuletzt nahmen 5.356 Personen teil.

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Ein Juwel von einem Mensch Diamantbestattung, Seebestattung, Urne für Zuhause, Totenmaske oder Fingerabdruck: Über solche „besonderen Leistungen“ will die Bestattung Wien künftig ihr Angebotsportfolio erweitern. Im Jahr werden derzeit im Schnitt 20 „Erinnerungsdiamanten“ (siehe Bild) bestellt. Dabei verwandelt sich in einem mehrmonatigen Prozess die Asche eines Verstorbenen unter hohem Druck in einen Diamanten. Kostenpunkt: 5.000 Euro für die niedrigste Karatzahl. Die Bestattung Wien stellt die Erinnerungsstücke zwar nicht selber her, schneidet aber mit. Wie viel das ist, wird allerdings nicht verraten.


S E RI E

A u s g eg l i e d e r t i n d i e Z u k u n f t

Dies ist der letzte Teil der REPUBLIK-Serie über ausgegliederte ­Unternehmen von Bund, Ländern und Gemeinden. Ab der nächsten Ausgabe begibt sich REPUBLIK in den Alltag von öffentlichen Einrichtungen und erzählt in einer Reportagen-Serie von den spannendsten Jobs im Öffentlichen Dienst.

ÖBf

KHM

Schloss Hof

Barock-Menü versus Krimi-Nacht Essen und Kochen wie im Barock: Eine kulinarische Zeitreise wartet auf die Teilnehmer des neuen 95-Euro-Programms „Barocke Gaumenfreuden“ im Schloss Hof im Marchfeld. Während die Teilnehmer des Kochworkshops mit Teller und Pfannen hantieren, erfahren sie noch Wissenswertes zu den Essgewohnheiten dieser Epoche (s. Bild). Ein „Krimitheater mit Dinner“ mit turbulenter Spurensuche nach dem brutalen Verbrecher wiederum führt an die bizarren und beeindruckenden Orte des Schlosses. Kostenpunkt: 80 Euro. Beides wurde voriges Jahr in einem Probelauf das erste Mal ausprobiert und kam sehr gut an. Nicht ganz neu, aber beliebt sind die frühmorgendlichen bzw. abendlichen Foto-Workshops, bei denen ein Fotospezialist seine Gäste zu pittoresken Motiven in der Dämmerung im Schloss bzw. der näheren Umgebung führt.

Wo Nicolas Cage drehte Bei immer mehr Naturschutzflächen sinkt natürlich auch der Verdienst der Bundesforste (ÖBf) durch die klassische Forstwirtschaft. Deshalb öffnet sich der größte Naturraumbetreuer und -manager des Landes verstärkt der Kreativwirtschaft. Im Rahmen des hauseigenen Servicecenters „Wild Media“ bietet man etwa Filmlocations an. Das Spektrum reicht von der TV-Serie „Bergwacht“ bis zu „Der letzte Tempelritter“ mit Nicolas Cage und Ron Perlman im Gasteinertal (s. Bild). 2011 kamen stolze 180 Drehtage zusammen, wobei Werbeaufnahmen mit einem Tagessatz von 1.200 Euro besonders lukrativ sind. Insgesamt brachte diese Schiene 370.000 Euro ein.

Rendezvous mit der Kunst Im Kampf um mehr Besucher greift das Kunsthistorische Museum zu unkonventionellen Mitteln. So wurde eine Kooperation mit der Internet-Singlebörse Parship geschlossen, um die österreichische Kunst-Adresse Nr. 1 zum Ort eines Blind Dates zu machen. 420 Partnersuchende besuchten bisher sieben Spezialführungen. Bei der Aktion „Kunst im öffentlichen Raum“ wurden wiederum Reproduktionen berühmter Kunstwerke durch Wien getragen und erklärt. Der neueste Coup: eine Gesprächsreihe zum Dialog zwischen alter und zeitgenössischer Kunst. Der erste Gast war niemand geringer als Pop-Artist Jeff Koons. Der nächste Termin findet am 31. Mai statt.

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T h em a

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht Ihr Ruf ist momentan nicht der allerbeste. Bei genauer ­Betrachtung sind Lobbyisten aber aus der Entscheidungsfindung nicht mehr wegzudenken – wenn gewisse Verhaltensregeln eingehalten werden. ­REPUBLIK hat nachgefragt, was Vertreter der Verwaltung im Umgang mit Lobbyisten beachten müssen. Text  Daniel Mayr thinkstockphotos.com

Lo b by i n g

Keine Geldscheine, sondern ein gut vorbereitetes Argumentarium gehören in den Aktenkoffer eines Lobbyisten.

» Gut aufberei-

tete Infos können dazu beitragen, die Entscheidungsgrundlage zu verbessern. Angelika Flatz, BKA 22

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ür Angelika Flatz gehören Gespräche mit Interessenvertretern zum Alltagsgeschäft. Wenn im Bundeskanzleramt (BKA) Änderungen im Beamtendienstrecht angedacht werden, ist die Leiterin der Sektion Öffentlicher Dienst und Verwaltungsinnovation die erste Anlaufstelle für die Gewerkschaft (GÖD). Für Flatz ist dieser Austausch nicht nur legitim, sondern sogar notwendig: „Gut aufbereitete Infos können dazu beitragen, die Entscheidungsgrundlage von Gesetzen zu verbessern“, sagt die Sektionschefin: „Lobbying, basierend auf Transparenz und klaren Verhaltensregeln, ist eine wichtige Form der Partizipation gesellschaftlicher Gruppen.“ Im Gesundheitsministerium (BMG) sieht man die Sache ähnlich. Sektionsleiter Gerhard Aigner ist für die Legistik zuständig. Regelmäßiger Kontakt zu Pharmavertretern, der Ärzteund der Apothekerkammer sind daher fester Bestandteil seiner Arbeit. Aigner befürwortet eine breite Konsensfindung: „Derart erzielte Lösungen haben wesentlich mehr Aussicht auf einen dauerhaften Bestand.“

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Die Spreu vom Weizen trennen Die zahlreichen vermeintlichen Korruptionsskandale – von Buwog bis Telekom, von Meischberger bis Strasser – haben dem Image von Lobbying sichtlich geschadet, obwohl sie mit Interessenvertretung allesamt nichts zu tun haben. Derzeit wird der Begriff Lobbying in der Öffentlichkeit zu Unrecht häufig mit unsauberen Geschäftspraktiken wie der Übergabe des berühmten Geldkoffers gleichgesetzt. Professionelles Lobbying sollte vielmehr mit Argumenten überzeugen. Saubere Lobbyisten betrachten sich vielmehr als inhaltliche Interessenvertreter gegenüber der Politik und anderen Entscheidungsträgern. „Wir müssen wieder lernen, die Spreu vom Weizen zu trennen“, so Public-Affairs-Berater Peter Köppl. Er beobachtet, dass sich sowohl Wirtschaft als auch Politik und Verwaltung aufgrund des schlechten Meinungsklimas beim Thema Lobbying derzeit zurückhalten, um nicht ins Fahrwasser zu gelangen. „Nur wenn alle Beteiligten von vornherein zusammenarbeiten, bekommt man auch die bestmöglichen Entscheidungen zustande“, so Köppl. Transparenz als oberstes Gebot Aber woran lässt sich nun ein seriöser von einem weniger seriösen Lobbyisten unterscheiden? Für Köppl gibt es ein entscheidendes Wort, und das lautet Transparenz: „Ein korrekt arbeitender Interessenvertreter legt seinen Auftraggebern Hintergründe und Argumente offen auf den Tisch“, so Köppl. Für den Verwaltungsbeamten muss zu jedem Zeitpunkt ersichtlich sein, wer für wen welche Interessen vertritt. Ein Staatsdiener muss sich auch immer die Frage stellen, ob der Lob-byist überhaupt etwas Relevantes zu einem Sachverhalt beitragen kann. In Brüssel geht man sogar noch einen Schritt weiter. Dort kontaktieren Beamte der Europäischen Kommission von sich aus Interessenvertreter bereits im Vorfeld, so Köppl. Außerdem muss der Wahrheitsgehalt jeglicher Argumente


T h em a

stets überprüfbar sein. Transparenz als oberstes Gebot im Lobbying-Prozess gilt daher nicht nur für das Gespräch, sondern auch für übergebene Schriftstücke. Egal ob Statistiken oder Positionspapier – die Inhalte sollten nachvollziehbar aufbereitet und durch vertrauenswürdige Quellen gestützt sein. Ein Online-Beitrag einer Boulevardzeitung würde zum Beispiel nicht diesen Kriterien entsprechen. Aber: Auch jede noch so korrekte Info dient immer einem spezifischen Interesse. Das sollte man im Umgang mit Interessenvertretern immer im Hinterkopf behalten. Flatz hat bisher noch keine negativen Erfahrungen mit Lobbyisten gemacht, auch sie hält das Transparenzgebot für enorm wichtig. Die BKA-Sektionschefin rät, dass Verwaltungsbedienstete auf die Einhaltung dieser Verhaltensregeln besonders achten sollen. Vonseiten der Beamten bedarf es im Umgang mit Lobbyisten außerdem eines klaren Selbstverständnisses: „Ein öffentlich Bediensteter muss immer das Gemeinwohl im Blickfeld haben. Es geht zwar auch um Interessenausgleich, Einzelinteressen sind aber grundsätzlich hintanzustellen“, so Flatz. Umso deutlicher man die eigene Rolle für sich definiert, desto klarer ist das Signal an den Gesprächspartner, ist sie überzeugt.

Ausdifferenzierung der Interessen Interessenvertretung, der Grundgedanke von Lobbying, ist in Österreich eng mit der Tradition der Sozialpartnerschaft verbunden. Kammern und Gewerkschaften bündeln seit Jahrzehnten die Interessen großer Bevölkerungsgruppen. Angesichts einer immer differenzierteren Gesellschaft wird es für sie auch schwieriger, die Anliegen ihrer Klientel unter einen Hut zu bringen. Unternehmen, Verbände und NGOs haben deswegen begonnen, ihre Interessen selbst gegenüber Politik und Verwaltung zu artikulieren. In Österreich sind bis zu 3.000 Personen als Interessenvertreter und Lobbyisten beruflich tätig. Erst im September 2011 haben sich rund 80 von ihnen in der Österreichischen Public Affairs Vereinigung (ÖPAV) zusammen geschlossen und unterwerfen sich einem strengen Verhaltenskodex. Ein Verbot der unlauteren Einflussnahme findet sich darin ebenso wie eine Unvereinbarkeitsregel, d.h. ÖPAV-Mitglieder dürfen keine politischen Funktionen übernehmen. Aber am wichtigsten: Erfolgshonorare in Millionenhöhe gibt es für ÖPAV-Lobbyisten nicht. Entgeltvereinbarungen müssen schriftlich erfolgen und dürfen nicht unangemessen hoch sein. Ein Verstoß gegen eine der Kodex-Bestimmungen wird von einer Kommission geahndet, für die der ehemalige VfGH- und EuGH-Richter Peter Jann als Beirat verpflichtet wurde.

» Im Konsens

erzielte Lösungen haben mehr ­Aussicht auf einen dauerhaften Bestand. Gerhard Aigner, BMG

Ti p p s f ü r d i e P r a x i s

Worauf muss man im Kontakt mit Lobbyisten achten? • Transparenz und Offenlegung: Saubere Lobbyisten geben immer an, für wen sie welche Interessen vertreten. Falls ein Lobbyingvertreter dies nicht machen sollte, fordern Sie diese Info ein! • Argumente: Das einzige, was Lobbyisten ihren Gesprächspartnern übergeben dürfen, sind Informationen und Argumente. Jede andere Form von Beeinflussung ist abzulehnen. • Verhaltenskodex und Finanzierung: Fragen Sie den Lobbyisten, ob er sich einem Verhaltenskodex unterwirft und wenn ja, welchem. Wenn Lobbyisten von NGOs bzw Vereinen kommen, fragen Sie nach der Finanzierung dieser Organisationen. • Quellenangaben: Behauptungen müssen mit seriösen Quellen belegt werden. In Lobbying-Schriftstücken sind alle Angaben mit Quellen zu belegen. Diese Quellen müssen einen seriösen Ursprung haben. • Terminort: Termine sollen an neutralen Orten, am besten im Büro stattfinden. Eine Vermischung mit privaten Aktivitäten ist zu vermeiden.

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Fokus:

V e r a n s ta lt u n g

Lobbying-Kongress 2012 Am 9. Mai findet im Wiener Arcotel Wimberger Hotel der vierte Lobbying- und Public Affairs-Kongress statt. In Podiumsdiskussionen, Expertenrunden und Fachvorträgen wird das Thema Interessenvertretung beleuchtet. Nähere Infos www.reded.at

Steuerrecht, Arbeitsrecht, Unternehmensrecht, Öffentliches Wirtschaftsrecht und Europarecht, Zivilrecht Dauer: 15 Monate, berufsbegleitend (Blockveranstaltungen) Start: Oktober 2012 Kontakt: Nina Marie Schaar T: +43-1-313 36-5310, mls@wu.ac.at www.executiveacademy.at/mls

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21.03.12 15:08


Projekte

Auf nach China Vier Ministerien bündeln ihre Kräfte in Peking: Ein ÖsterreichBüro will nun die österreichisch-chinesischen Beziehungen auf dem Gebiet der Forschung und Technologieentwicklung ausbauen.  Text  Emily Walton

thinkstockphotos.com

Fo r s c h u n g

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Ingolf Schädler

Seit Jänner 2012 gibt es in Peking ein eigenes Office of Science and Technology (OST).

»

Man muss ein Gespür dafür ­entwickeln, wo es sich spießt. Birgit Murr, OST

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ie kann ein kleines Land wie Österreich in einem vielfach größeren wie China wertvolle Verbindungen aufbauen? Am besten, indem die Ressourcen gebündelt werden. Diese Idee verfolgt das Office of Science and Technology (OST), das seit Jänner 2012 in Peking aufgebaut wird. So soll das Botschaftsteam in Peking verstärkt werden und man will sich einen Überblick über mögliche Forschungs- und Technologiekooperationen verschaffen und Aufträge für österreichische Unternehmen lukrieren. „Analysen zeigen, dass Österreich in Punkto Technologiezusammenarbeit in Europa gut aufgestellt ist. Aber wir müssen die Beziehungen zu den BRICStaaten intensivieren“, sagt Ingolf Schädler, Leiter des Bereichs Innovation im BMVIT. Hinter der Abkürzung BRIC verstecken sich Brasilien, Russland, Indien und China – also jene vier Nationen, denen das größte Wachstum unter den Schwellenländern prophezeit wird. Für die OST-Aufbauphase wurde Birgit Murr als Leiterin verpflichtet. Die Innsbrucker Wirtschaftsjuristin hat schon viele Jahre in China verbracht, u.a. von 2001 bis 2008 als Handelsdelegierte in Shanghai, und ist somit bestens für diese Aufgabe vorbereitet. Sie sieht sich als Bindeglied zwischen österreichischen und chinesischen Stellen. Es sind neben sprachlichen Barrieren vor allem kulturelle Unterschiede, die eine Verständigung zwischen Europäern und Asiaten

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erschweren. „Alleine die Unterschrift unter ein Protokoll kann zur Schwierigkeit werden, wenn man die Strukturen in chinesischen Institution nicht versteht. Viele Dinge stehen nicht im Lehrbuch. Man muss ein Gespür dafür entwickeln, wo es sich spießt“, sagt die OST-Büroleiterin. Neben Murr sind in der Pekinger OST-Filiale zwei lokale chinesische Kräfte und ein so genannter Stagiaire tätig. Stagiarie wird ein für ein paar Monate befristeter Mitarbeiter genannt. Dies macht es möglich, dass jede der beteiligten Institutionen einen Mitarbeiter längere Zeit vor Ort schicken kann. Das OST Peking ist schließlich eine Kooperation zwischen dem Außen-, dem Wissenschafts-, dem Wirtschafts- und dem Infrastrukturministerium sowie der Wirtschaftskammer. Derzeit betreut das OST Peking etwa eine Kooperation zwischen dem AIT (Austrian Institut of Technology) und der chinesischen Stadt Nanchang, wobei die Implementierung von alternativen Energiequellen im Zentrum steht. Ein weiteres Projekt ist der Austausch zwischen BMWF und chinesischen Gesundheitsbehörden über die Traditionelle Chinesische Medizin, um Standards für österreichische Medizinunis zu entwickeln. Peking ist nicht das erste OST. In Washington gibt es seit zehn Jahren ein gut funktionierendes Büro. Dieses ist allerdings mit deutlich mehr personellen Ressourcen, nämlich einem 8 Personen umfassenden Team, ausgestattet.


Projekte

Der ferngesteuerte Feuerwehrmann Die Wiener Feuerwehr setzt in gefährlichen Situationen auf einen Roboter. Ausgestattet mit Kameras, Sensoren und Greifarm ­erkundet er die Lage und liefert den Einsatzkräften entscheidende Infos.  Text  Daniel Mayr Sicherheit

Manfred Fesl / APA / picturedesk.com

Dieser Bauernhofbrand in Höhnhart (Bezirk Braunau) passierte im vergangenen Jänner. Um das Risiko für die Feuerwehr zu reduzieren, ­stehen mittlerweile Roboter (s. kleines Bild) zur Verfügung.

M e d i e n ko o p e r at i o n

Taurob

Wien Win

W

o es für die Männer der Wiener Berufsfeuerwehr (MA 68) zu gefährlich wird, kommt er zum Einsatz. Ein ferngesteuerter Roboter soll in brenzligen Situationen helfen, Informationen über die Gefahrenlage zu sammeln – z. B. in einsturzgefährdeten Wohnhäusern oder kontaminierten Lagerhallen. Das Wiener Unternehmen Taurob entwickelte das Gerät aus Kohlefaser, die Wiener Feuerwehr arbeitet seit April 2010 mit dem Start-up zusammen. Wie alle Mess- und Atemschutzgeräte der Feuerwehr ist auch der Roboter von minus 20 bis plus 60 Grad Celsius einsetzbar. Das Gerät muss nicht besonders hitzebeständig sein, sondern soll bei einsturzgefährdeten bzw. kontaminierten Gebäuden auf Erkundungsfahrt gehen. Friedrich Brohs, Gruppenleiter für Einsatzunterstützung bei der MA 68: „Derzeit haben wir einen Prototyp im Einsatz, den wir mit unseren eigenen Werkzeugen bestücken können.“ Mit einer Kamera ausgestattet, liefert er den Einsatzkräften Bilder vor Ort. Über befestigte Sensoren ist es der Wiener Feuerwehr möglich, Strahlen- und Gasmessungen durchzuführen. Außerdem besitzt der ferngesteuerte Helfer einen 1,5 Meter langen Greifarm, mit dem man Proben entnehmen kann – sei es von festen, flüssigen oder gasförmigen Stoffen. Die Steuerung funktioniert

über ein Gamepad und einen Laptop, auf den die Daten zeitgleich übertragen werden. „Die Bedienung ist ein wichtiges Kriterium. Aber wir haben versucht, die Steuerung so einfach wie möglich zu gestalten“, sagt Taurob-Geschäftsführer Matthias Biegl. Der Feuerwehr-Roboter besitzt wie ein Panzer ein Kettenfahrwerk. Dadurch kann der Feuerwehr-R2D2 selbst bei schwierigen Bedingungen problemlos vorankommen. Wegen der kompakten Größe kommt der metallene Helfer auch an Orte, die für den Menschen unzugänglich sind – etwa in schmale Schächte. Bei Explosionsgefahr einsetzbar „Unser Roboter ist weltweit der einzige, der eine Atex-Zertifizierung hat“, sagt Biegl. Das bedeutet, dass man den Roboter in eine explosionsgefährdete Umgebung schicken kann. Er kann aufgrund seines leitfähigen Gehäuses selbst keine Explosion auslösen – etwa durch einen Funkenschlag des Motors. Mitte des Jahres 2012 soll der Feuerwehr-Helfer des Wiener Start-ups auf den Markt kommen. Kostenpunkt: rund 30.000 Euro. Auch andere Feuerwehr-Einheiten seien an dem neuen Roboter bereits interessiert, so der TaurobGeschäftsführer. 2013 will man außerdem in den deutschen Markt vordringen.

REPUBLIK stellt im Rahmen einer Medienkooperation mit der Technologieagentur der Stadt Wien GmbH (ZIT) in den nächsten fünf Ausgaben innovative Projekte vor. Alle Projekte sind Teil der ZIT-Plattform Wien Win, einer Datenbank für innovativen Produkte und Dienstleistungen von Wiener Unternehmen. ZIT wurde im Jahr 2000 als Tochter der Wirtschaftsagentur Wien gegründet. Die Aktivitäten der Technologieagentur umfassen direkte finanzielle Unterstützungen für Unternehmen, die Bereitstellung technologiespezifischer Infrastruktur und Beratung in allen Phasen des Innovationsprozesses. In der nächsten Ausgabe berichtet REPUBLIK über ein 4-D-Visualisierungsmodell der Stadtentwicklungszone Erdberger Mais. Weitere Infos: www.zit.co.at

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Bes c h a f f u n g

Den Arbeitsplatz zum Lebensraum machen Rund ein Drittel des Lebens verbringt man am ­Arbeitsplatz. Dieses besteht aber längst nicht mehr nur aus Tisch, Stuhl, Schrank und IT – sondern steckt auch voller ergonomischer und ­lichtgestalterischer Aspekte. Text  Bundesbeschaffung GmbH B ü r oe i n r i c h t u n g

BBG

Auf höhenverstellbaren Arbeitsplätzen kann man sowohl im Stehen als auch im Sitzen arbeiten. Ergonomische Drehstühle und Lampen mit tageslichtabhängiger Steuerung bringen psychologische und gesundheitliche Vorteile. Außerdem ein Plus (kleines Bild): mehr Einsatz von Pflanzen und andere farbliche Akzente.

D I n fo

Weitere Infos zum Thema: Markus Holly, BBG-Experte für Büromöbel E: markus.holly@bbg.gv.at

V e r a n s ta lt u n g

Was die BBG im Bereich der Büroausstattung anbietet, kann man bei den BBG-Infodays „Alles rund ums Büro“ am 14. Mai in Wien, am 15. Mai in Graz und am 16. Mai in Innsbruck kennenlernen. Weitere Infos: www.bbg.gv.at/forum

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ie Leistungsfähigkeit eines Büros hängt eng mit den Menschen zusammen, die darin ihre Arbeit verrichten. Alles andere – vom Bleistift über den Computer bis zum Arbeitsplatz – sind bloße Werkzeuge. Gute Werkzeuge fördern die Leistungsfähigkeit, schlechte behindern sie. Die Büroraumausstattung hat sich in gestalterischer und technischer Hinsicht stark entwickelt. Einerseits arbeitet man mit kräftigen Farben und runden Formen, um die Räumlichkeiten heller und freundlicher zu gestalten. Andererseits wird in das Mobiliar eine Menge an Technik gepackt – Beispiele dafür sind etwa elektrisch höhenverstellbare Tische, um den Wechsel zwischen sitzender und stehender Arbeit zu fördern, oder auch verschiedenste Mechaniken bei Drehstühlen, um individuelle Einstellungen zuzulassen. Auch im Bereich der Lichtgestaltung setzt man auf neue Technologien: Neben der Variante, für jeden Arbeitsplatz Stehleuchten mit tageslichtabhängiger Lichtsteuerung einzusetzen, ist es möglich, bei Büroneubauten die Deckenbeleuchtung mittels dieser Technik zu steuern. Dadurch werden optimale Bedingungen geschaffen, da sich die Stärke des künstlichen immer an

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die Stärke des natürlichen Lichtes anpasst. Angenehmer Nebeneffekt: Auch die Stromkosten ­fallen so. Konzentration und Kommunikation Neben konzentriertem Arbeiten soll auch die Kommunikation im Büro nicht zu kurz kommen. Es gibt Konzepte wie das „Bürokonzept 2020“ – entwickelt von der TU Wien und dem Finanzministerium (BMF) –, bei dem durch schallabsorbierende Oberflächen optimale Arbeitsbedingungen erreicht werden. Als Gegenstück kann man zentrale „Treffpunkte“ schaffen, um den Infoaustausch zu fördern und auch die soziale Komponente nicht außer Acht zu lassen. Die Annahme, dass neue Technologien auch überproportionale Mehrinvestitionen mit sich bringen, ist nur bedingt richtig. Bedenkt man, dass die Möblierung durchschnittlich nur ca. 1 Prozent der Gesamtkosten ausmacht (Personal: rund 80 Prozent, Instandhaltung: rund 19 Prozent), erscheint diese These kaum noch haltbar. Mehrinvestitionen zugunsten der Arbeitsplätze und deren Nutzern bringen außerdem psychologische wie gesundheitliche Vorteile, die sich mittel- bis langfristig auch finanziell messen lassen.


Service & Info

Te r m i n ü b e r s i c h t

Veranstaltungen Mai / Juni 2012

3.5. Seminar: „Der Verwaltungsgerichtshof in der Praxis“

Veranst.: Österr. Städtebund, Landesgruppe Stmk. Ort: Landesbuchhaltung, Großer Saal, Burggasse 11, 8010 Graz www.staedtebund.gv.at

14.5. 10. NPO Tag: „Achtung Baustelle! Nonprofit-Organisationen als P ­ artner von Staat und Wirtschaft“

Veranst.: NPO Institut Ort: Festsaal der WU, Augasse 2–6, 1090 Wien www.wu.ac.at/npo

14.–16.5.

Smart Grids Week – Bregenz 2012

Veranst.: BMVIT, Illwerke VGM, Land Vbg. Ort: Bregenzer Festspiel- und Kongresshaus und I­ llwerke VKW in Bregenz www.energiesystemederzukunft.at

30.5.–1.6.

62. Österreichischer Städtetag

Veranst.: Österr. Städtebund Ort: Dornbirn ww.staedtebund.gv.at/staedtetag

30.5.–1.6.

ASPO Conference 2012

Verst.: Association for the Study of Peak Oil & Gas Ort: Palais Niederösterreich, Herrengasse 13, 1010 Wien www.aspo2012.at

4.–6.6. IKT Städtekonferenz (erstmals in Wien)

Veranst.: MCE (Major Cities of Europe) Ort: Rathaus Wien, Lichtenfelsgasse 2, 1010 Wien www.majorcities.org

6.6. Sicherheitstagung: „Smart Services & Virtualization“

Veranst.: Arge Daten Ort: Vienna Marriott Hotel, Parkring 12a, 1010 Wien www.argedaten.at

19.–20.6. E-Government-Konferenz 2012: „Sparpaket für Österreich – ­Beiträge des E-Government“

Veranst.: Plattform „Digitales Österreich“, Städtebund, Gemeindebund, E-Government Länderarbeitsgruppe Ort: Hotel Paradies Graz, Straßganger Straße 380 b, 8054 Graz http://e-government.adv.at/2012

26.6. Open Government Data Konferenz 2012

Veranst.: Open Commons Region Linz Ort: Wissensturm, Kärntner Straße 26, 4020 Linz www.ogd2012.at A p r il / M ai 2 0 1 2

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Service & Info

Uni-Lehrgänge für „Responsible Leadership“

I

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Fotos: thinkstockphotos.com

WU-Lehrgang macht Umfrage zur ­Nicht-Jurist Wirkungs­­ gesetzesfit orientierung

A

n einem neuen Universitätslehrgang b 2013 kommt mit dem neuen Bunder WU Executive Academy bekommen deshaushaltsgesetz die „WirkungsFührungskräfte ohne Jus-Studium ab orientierung“ zur Anwendung. Die Oktober 2012 eine kompakte universitäre Bundesverwaltung wird ab diesem Zeitund praktische Einführung in die Rechts- punkt über Zielvorgaben, Wirkungen und wissenschaft. Der Lehrgang wendet sich so- Leistungen gesteuert. Alle Bundesministewohl an Führungskräfte in der öffentlichen rien befassen sich derzeit mit der VorbereiWirtschaft und bei Non-Profit-Organisati- tung. Auch für das Führungsforum innoonen als auch in der Privatwirtschaft und vative Verwaltung (FIV) ist die Einführung schließt mit einem „Master of Legal Stu- einer wirkungsorientierten Verwaltungsdies“ ab. Der Schwerpunkt liegt auf Steuer- führung eine zentrale Herausforderung der recht, Arbeitsrecht, Gesellschaft- und Ka- nächsten Zeit, das FIV bittet deshalb alle pitalmarktrecht, Zivilrecht sowie Öffent- Interessierten, an einer bundesweiten Fühlichem Wirtschaftsrecht und Europarecht. rungskräftebefragung teilzunehmen. Neben Grundkenntnissen aus diesen FachDie Online-Erhebung geht auf Fragen gebieten steht vor allem eine Vermittlung des Verständnisses der Relevanz von Wirdes juristischen Denkens und der juristi- kungsorientierung ein und umfasst auch schen Arbeitsmethodik am Programm. Be- die Bereiche der gegenwärtigen Praxis der sonderes Augenmerk wird auf Fragen der Steuerung, die durchlaufenen VerändeBeratung und Vertragsgestaltung gelegt. rungen sowie künftige Herausforderungen. Durch geblockte Veranstaltungen soll siDie Befragung wird mit wissenschaftchergestellt werden, dass die Teilnehmer licher Unterstützung des Instituts für Pudas doch recht anspruchsvolle Programm blic Management der Wirtschaftsuniversität neben ihrem beruflichen Alltag absolvie- Wien durchgeführt. Die Ergebnisse werden ren. Zugangsvoraussetzungen sind ein abge- bei einer Veranstaltung im September 2012 schlossenes Studium (Diplom, Master oder sowie in der Herbst-Ausgabe des Magazins Bachelor) und eine mindestens 3-jährige „Verwaltung Innovativ“ vorgestellt. Berufserfahrung. Die Ausbildung dauert inkl. Master-Thesis 15 Monate und findet in 16 Lehreinheiten – jeweils von Montag bis Sonntag – statt.

Universitätslehrgang „Master of Legal Studies“ Start: 12. Oktober 2012 Ende der Bewerbungsfrist: 15. Juni 2012

Link zur Umfrage: www.fiv.at/wirkungsorientierung.php

wei neue Weiterbildungsprogramme für Führungskräfte wurden von der Universität Wien – in Kooperation mit der Wirtschaftsuniversität Wien – entwickelt. „Responsible Leadership“ bietet Führungskräften ein „akademisches Update“ in zentralen Fragen von Wirtschaft, Ethik und Politik. Der vertiefende, gleichnamige Universitätslehrgang (Abschluss: „Master of Arts“) setzt auf eine qualitative und quantitative Erweiterung des im ersten Teil Erlernten. Die beiden berufsbegleitenden, akademischen Angebote wurden für Führungskräfte entwickelt, die sich durch das Erlangen von ethischen, wirtschaftlichen und politischen Kompetenzen für höhere Führungsaufgaben qualifizieren möchten. Die Teilnehmer lernen im Zertifikatskurs kompakt und an aktuellen Fragestellungen ausgerichtete Positionen und Basisannahmen der Disziplinen Wirtschaft, Ethik und Politik. Dies geschieht unter Ausrichtung an interdisziplinären Fragestellungen sowie mit einem starken Praxis- und Handlungsbezug. Der Fokus der Praxisorientierung liegt im Zertifikatskurs auf einer persönlichkeitsorientierten Dimension („Theorie & Person“), während sich die Handlungsorientierung im Universitätslehrgang auf eine sektoren- bzw. organisationsbezogene Praxis („Theorie & Organisation“) richtet.

­„Responsible Leadership. Ethisch Handeln in Wirtschaft und Politik“ Start: 1. Oktober 2012 Ende der Bewerbungsfrist: 31. Juli 2012

Programm Management: Nina Marie Schaar/WU Executive Academy T: 01/313 36-53 10
 E: mls@wu.ac.at

Programm Management: Elisabeth Fónyad-Kropf / Postgraduate Center der Universität Wien, T: 01/42 77-10822 E: elisabeth.fónyad-kropf@univie.ac.at

www.executiveacademy.at/mls

www.postgraduatecenter.at

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Service & Info

1.500 Besucher kamen am 29. März in die Reed Messe Wien zur „Nutzen.Leben 2012“.

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und 150 Lieferanten der Bundesbeschaffung präsentierten sich bei der BBG-Messe „Nutzen.Leben“ am 29. März 2012 auf der Messe Wien. Mehr als 1.500 Mitarbeiter der Öffentlichen Hand besuchten die größte Fachmesse für den öffentlichen Einkauf, um mehr über die BBG, ihre Verträge und Lieferanten zu erfahren. Mit dem Land Oberösterreich gab es 2012 zum ersten Mal ein Messe-Partner-Bundesland. Oberösterreich hat Vorbildwirkung, so ist es etwa in manchen Fragen Vorreiter beim Thema Verwaltungsreform. Auch beim Einkauf ist OÖ vorne mit dabei: Die Beschaffung des Landes ist weitgehend gebündelt und OÖ ist zentraler Knotenpunkt eines Bundesländernetzwerkes. Die Besucher der BBG-Messe konnten bei einigen Lieferanten Messerabatte nutzen, beim Gewinnspiel mitmachen oder an der Rätselrallye teilnehmen, bei der knifflige Fragen rund um die BBG beantwortet werden mussten. Besonders spannend waren Praxisworkshops, die in der VIP-Lounge der Halle D stattfand. Als innovative Good-Practice-Beispiele stellte die Asfinag ihren Maßnahmenmix zur Beschaffung von Gütern und Dienstleistungen vor, der Verbund den Beschaffungsvorgang „Smart Metering“, die BIG den Prozess zur Planersuche für die energieeffiziente Sanierung des Amtsgebäudes Bruck/Mur, und die BBG die Rahmenvereinbarung zur Lieferung von Fotovoltaikanlagen. Gegründet wurde die BBG 2001, die Bündelung und Standardisierung von Produkten und Dienstleistungen steht im Vordergrund ihrer Arbeit. Kunden aus dem Bundesbereich, von Ländern und Gemeinden, von ausgegliederten Unternehmen, Universitäten und aus dem Gesundheitsbereich beschafften 2011 über die BBG Waren im Wert von mehr als einer Milliarde Euro.

BMWFJ

Michalski

Hopi-Media

Oberösterreich als Partnerland Kongress: der BBG-Messe 2012 Staat und Wirtschaft

SC Popp (BMF, links) und SC Tschirf (BMWFJ) saßen am Podium von „Agenda Austria 2020“.

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m 10. April 2012 ging im Wiener Palais Eschenbach der Kongress „Agenda Austria 2020 – Wirtschaft & Staat“ über die Bühne. Im Mittelpunkt dieser Veranstaltung stand eine Verstärkung der Zusammenarbeit von Österreichs Wirtschaft und der Öffentlichen Hand. Gerade in Zeiten der Eurokriese und der Schuldenbremse schien es ein Gebot der Stunde, im Rahmen der Veranstaltung die beiden Sektoren enger aneinander zu führen. In den Vorträgen wurde versucht, das Verständnis für die Prozesse des jeweils anderen zu fördern. In Keynote-Voträgen referierten Roland Ledinger, der Leiter der IKT-Strategie des Bundes, über E-Government-Services und Kooperationen mit der Wirtschaft und der CIO der Stadt Wien, Johann Mittheisz, über das E-Government-Leistungsangebot der Stadt Wien für die Wiener Wirtschaft. In weiteren Vorträgen zeigte sich die enorme Bandbreite der Veranstaltung, die Themen reichten von einer möglichen Auslagerung des Forderungsmanagements über Cloud-Computing und Government 2.0 bis hin zu elektronischen Formen des Bilanztransfers. Ein besonderes Highlight des Tages war eine Podiumsdiskussion, bei der sieben hochrangige Bundesbeamte über die Bedeutung von Services des Bundes für Unternehmen sprachen. Auf der Bühne waren etwa die Sektionsleiter Hermann Feiner (BMI), Gerhard Popp (BMF), Clemens Auer (BMG) und Matthias Tschirf (BMWF) als auch die Abteilungsleiter Martin Schneider (BMJ) und Alfred Ruzicka (BMVIT) anzutreffen.

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Karrieren

Redaktion: Ursula Horvath

Außenministerium 1 Balkan-Experte wird politischer Direktor Name  Jan Kickert  Jahrgang 1964 Neue Position  Leiter der politischen Sektion (Sektion II)

BMEIA

Bisherige Position  Österreichs Botschafter in Kroatien Außerdem  Geboren in Bangkok, Diplomat mit langjähriger Südosteuropa-Erfahrung

Außenministerium 2 Abteilungsleiter übersiedelt nach Japan Name  Bernhard Zimburg  Jahrgang 1954 Neue Position  Österreichischer Botschafter in Tokio

BMEIA

Vorherige Position  Leiter der Asienabteilung im BMEIA Motto  Immer wieder zu neuen Horizonten aufbrechen

Verteidigungsministerium Niederösterreicher kommandiert in Wien Bundesheer/Minich

Name  Kurt Wagner  Jahrgang 1962 Neue Position  Wiener Militärkommandant Bisherige Position  Leiter des Instituts für höhere militärische Führung

Bundeskanzleramt Juristin übernimmt Abteilungsleitung Name  Anna Sporrer

privat

Neue Position  Leitung der Abteilung V/8 (Wirtschaftsrechtliche Angelegenheiten) im Verfassungsdienst  Bisherige Position  Bereichsstellvertreterin und stellvertr. ­Sektionsleiterin im Verfassungsdienst (auch weiterhin) Motto  Fördernd ist Beharrlichkeit

Bundeskriminalamt Interimsleiter übernimmt Abteilung Name  Rudolf Unterköfler  Jahrgang 1957 Neue Position  Leiter der Abteilung Wirtschaftskriminalität (Abt. 7) im BK

BMI

Bisherige Position  Leiter des Büro für Wirtschaftskriminalität, dann interimistischer Leiter der neugeschaffenen Abteilung für Wirtschaftskriminalität Motto  Es ist nie zu spät, sondern höchstens zu früh

Unterrichtsministerium Juristin leitet Referat Name  Franziska Stadlmann  Jahrgang 1972

Foto Wilke

Neue Position  Leitung des Referats III/5b (Rechtliche Angelegenheiten und Verfahren, etc.)

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Bisherige Position  Stellvertretende Abteilungsleiterin der Abt. III/5 Bisherige Position  Studium der Rechtswissenschaften

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Karrieren

Karriereinfos senden Sie bitte an karrieren@republik-online.at

Im Ge s p r ä c h

Parlamentsdirektion/Wilke

Sektionschef wechselt ins Hohe Haus Name  Harald Dossi  Jahrgang 1961 Neue Position  Leitung der Parlamentsdirektion Bisherige Position  Leiter der Sektion IV (Koordination) im Bundeskanzleramt (BKA)

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arald Dossi wollte in seinem Berufsleben noch einmal etwas ganz anderes machen. Also bewarb sich der Jurist und damalige BKA-Sektionschef als Parlamentsdirekor und trat am 1. März seinen Dienst im Hohen Haus an. „Jetzt kann ich all die Dinge, die ich mir in meinen 25 Berufsjahren aneignen konnte, gebündelt anwenden. Ich fühle mich immer motiviert, wenn ich gefordert bin. Aber ich habe Respekt vor der neuen Aufgabe“, so Dossi. Als Parlamentsdirektor sorgt er für den reibungslosen Betrieb des Hauses und ist von der Putzfrau bis zur Chefjuristin, die Abgeordnete fachlich unterstützt, für rund 400 Mitarbeiter zuständig. Als Sektionsleiter waren es 70. „Ich werde mir viel Zeit nehmen, um alle kennenzulernen und ein Gefühl für

das Haus und die Aufgaben zu bekommen. Immerhin müssen wir die Herausforderung des Sparpakets in Kombination mit steigenden Anforderungen meistern“, sagt der gebürtige Kärntner, der so gar nicht wie ein Kärntner spricht: „Ich bin in Klagenfurt geboren und habe auch dort maturiert. Aber dann habe ich in Graz studiert und bin 1987 nach Wien gekommen.“ Dossi wird in den kommenden Monaten viel zu tun haben. Ist da ein Sommerurlaub drin? „Ich erhole mich am besten in Südtirol – für mich das Paradies auf Erden. Ich liebe diese Kombination aus mediterranem Flair in Bozen und den Bergen. Ich fahre einmal pro Jahr und hoffe sehr, dass es sich auch heuer im Sommer ausgeht.“

Land Oberösterreich Gesundheitsexperte wird Sanitätsdirektor Name  Georg Palmisano  Jahrgang 1970 Neue Position  Landessanitätsdirektor des Landes Oberösterreich

privat

Bisherige Position  Leiter des Gespag-Hygienezentrums an der Landesnervenklinik ­Wagner-Jauregg in Linz Außerdem  Lehraufträge an der FH Gesundheitsberufe OÖ und an der FH Oberösterreich

Stadt Wien Betriebswirtin kümmert sich um Kindergärten Schaub-Walzer/PID

Name  Daniela Cochlár  Jahrgang 1973 Neue Position  Leiterin der MA 10 (Wiener Kindergärten) Vorherige Position  Abteilungsleiter-Stellvertreterin und Referatsleiterin für Förderungen in der MA 57 (Frauenabteilung) Außerdem  Studium der Betriebswirtschaft an der WU und Feministisches Grundstudium am Rosa Mayreder College

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In aller Kürze

1.  Christian Keuschnigg  wird Anfang Juni Direktor des Instituts für höhere Studien.  2.  Waltraud Müllner-Toifl  ist neue Bezirkshauptfrau von Korneuburg.  3.  Florian Moritz  zeichnet nun für die Marketingleitung im Mumok verantwortlich.   F o t o S : U n i v e r s i t ä t S t. G a l l e n , N Ö L a n d e s p r e ss e d i e n s t / R e i n b e r g e r , M um o k

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Nancy Horowitz

Privat

» War weder

ein Streber noch dumm.

„Nur kein Second Life, bitte schön!“ honoriger Geschäftsführer der Bundestheater-Holding, ist ein Verfechter des „Italian Way of Life“ und lässt die Pfunde am liebsten beim Ordnen seines DVD-Bestandes purzeln. Interview  Stefan Grampelhuber Geo r g Sp r i n g e r ,

S t ec kb r i e f

Georg Springer geboren am 20. August 1946 in Wien. 1964 bis 1973 Jusstudium an der Universität Wien 1978–1988 Tätigkeiten im Verfassungsdienst des Bundeskanzleramtes, u. a. als Abteilungsleiter 1991–1999 Generalsekretär des Bundestheaterverbandes seit 1991 Mitglied im Kuratorium der Salzburger Festspiele seit 1999 Alleingeschäftsführer der Bundestheater-Holding GmbH Georg Springer ist Vater von drei Kindern.

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Auf welches Ereignis freuen Sie sich gerade? Auf das Finale der UEFA Champions League am 19. Mai in München. Mit Barcelona und einem italienischen Team, wie ich hoffe, aber keinesfalls mit der Heimmannschaft! Wie würden Sie sich selbst in einem Satz beschreiben? Theaternarr im besten Sinne, also mehr Fan als Freak. Haben Sie ein Vorbild? Nur keine Avatare, kein Second Life, bitte schön! Lieber Mut zur Unvollkommenheit. Würden Sie sagen, dass Sie in der Schule etwas für das Leben gelernt haben? Dass man niemals sagen darf, die Schulzeit sei ­eine schöne Zeit gewesen. Haben Sie jemals in der Schule aufgezeigt, obwohl Sie die Antwort nicht wussten? War weder ein Streber noch dumm. Welche Entscheidung hätten Sie gerne anders gefällt? Viele, und trotzdem ist es gut so. Wovon können Sie nicht genug bekommen? Franco Corelli, Roberto Murolo, Queen, Lionel Messi und der „Italian Way of Life“ Was ist der größte Irrtum der meisten Österreicher?

A p r il / M ai 2 0 1 2

Vor allem den kulturellen, also nicht nur ökonomischen Reichtum unseres Landes als Selbstverständlichkeit zu sehen. Glauben Sie an einen Gott? Wenn ja: Was führen Sie als Beweis an? Meine Fantasielosigkeit, das Woher und Wohin meines Lebens betreffend. Was empfinden Sie als den größten Luxus in Ihrem Leben? Jeden Tag ins Theater gehen zu dürfen – die Erfüllung eines in Wahrheit irrealen Lebenstraums Besitzt der Mensch einen freien Willen? Ich beantworte Ihre Fragen – freiwillig! Welche persönliche Veränderung haben Sie sich schon lange vorgenommen? Abnehmen beim Ordnen meiner DVDs. Wenn Ihr Leben verfilmt würde, wie wäre der Titel dieses Films und wen wünschen Sie sich in der Hauptrolle? „Die Rampensau“ mit Robert De Niro, Bruce ­Willis, John Malkovich, Christoph Waltz, Til und Emma Schweiger … und Sunnyi Melles! Morgenmuffel oder Frühaufsteher? Nachmittagsmuffel, 14 bis 16, 17 Uhr. Vollbad oder Dusche? Mit 1,94 m natürlich Dusche – sehr heiß und eiskalt.


Promotion

ÖPAV für mehr Transparenz in der Branche Mitglieder der Österreichischen Public Affairs Vereinigung (ÖPAV) – seriöse Partner für Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Legislative oder Exekutive und zwar weder auf Bundes-, Landes-, oder Gemeindeebene noch in den Institutionen der EU. Und im Bereich der Entgeltvereinbarung gelten strenge Regeln, ausschließlich oder überwiegend erfolgsabhängige Entgelte werden von ÖPAV-Mitgliedern weder angeboten noch angenommen. Starke Vielfalt, wissenschaftlicher Beirat und Selbstregulierung Eine unabhängige Kommission unter Vorsitz des ehemaligen VfGH© iStockfoto

und EuGH-Richters Dr. Peter Jann stellt die Einhaltung der im Kodex verankerten Grundsätze und Verhaltensweisen im Wege der Selbstre-

Transparenz und Sicherheit: Die Mitgliedschaft in der Österreichischen Public Affairs Vereinigung steht für korrektes ­Arbeitsverhalten von Lobbyisten.

gulierung durch ein klares Verfahren bei gemeldeten Verstößen sicher. Zusätzlich untermauert ein wissen-

Täglich haben Führungskräfte im öffentlichen Bereich mit Public-Affairs-

schaftlicher Beirat die Qualität der Arbeit der ÖPAV.

Verantwortlichen aus Wirtschaft und Gesellschaft zu tun. Angesichts der Fülle an Unternehmen, Verbänden, NGOs, Agenturen und Ein-

Beitrag zur Qualität von politischen Entscheidungen

zelpersonen, die Lobbyingtätigkeiten ausüben, fällt es oft schwer,

Eines der Ziele der ÖPAV ist es, Lobbying wieder von der Generalkritik

ethisch korrekt arbeitende Berufsvertreter von weniger seriösen zu

zu befreien. Denn professionelle, seriöse Interessenvertretung leistet

unterscheiden. Die Österreichische Public Affairs Vereinigung ist eine

einen wichtigen Beitrag zur Qualität der rechtlichen Rahmenbedingun-

parteipolitisch unabhängige Interessenvertretung für Public-Affairs-

gen, so ÖPAV-Präsident Thierry. „Mit den Informationen und Argumen-

Verantwortliche in Unternehmen, Verbänden und NGOs. Sie bietet

ten, die wir in den Meinungsbildungsprozess einbringen, erleichtern

mit ihrem verbindlichen Verhaltenskodex eine glaubwürdige Orientie-

wir die Abschätzung von Folgen politischer Entscheidungen. Das hilft

rungshilfe für Entscheidungsträger/-innen in Politik und Verwaltung und

der Politik, den Betroffenen und der Sache grundsätzlich.“

steht für Qualität im Informationsvermittlungs-, Argumentations- und Meinungsbildungsprozess. „ÖPAV-Mitglieder sind demokratischen Prinzipien verpflichtete Diskussionspartner für Politik und Verwaltung. Die engagierten Expertinnen und Experten sind auf professionelle Informationspolitik ausgerichtet und höchsten Ethikstandards verpflichtet“, erklärt ÖPAV-Präsident Feri Thierry. „Die Mitgliedschaft in der ÖPAV steht für korrektes Arbeitsverhalten eines Lobbyisten und gibt durch unkomplizierte Überprüfung Sicherheit und eine schnelle Orientierung. Das ist das Angebot der ÖPAV an Politik und Verwaltung.“ Strenger Verhaltenskodex für Transparenz und Seriosität Als selbstverständlich gilt den Mitgliedern der ÖPAV Wahrhaftigkeit in ihrer Arbeit und die Offenlegung von Auftraggebern und finanziellen Hintergründen. Auch die Unvereinbarkeit ist im Kodex der ÖPAV streng geregelt – ÖPAV-Mitglieder haben keinerlei Funktion in

Der ÖPAV-Vorstand (v. l. n. r.): Ronald Pichler, Veronika Haunold, Manuel Güll, Maria Wedenig, Präsident Feri Thierry, Peter Köppl, Ortrun Gauper.

Weitere Information unter www.oepav.at


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