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POLI T IK

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Erwartungen und Wirklichkeit

Mit guten Zahlen im Handgepäck reist man gerne. Österreichs Tourismuszahlen sind rekordverdächtig – wie die der meisten anderen Länder, die sich vergangene Woche auf der Internationalen Berliner Tourismusbörse (ITB) versammelten, auch. Um einen speziellen Blick auf den wichtigsten Herkunftsmarkt Deutschland zu werfen, lud Tourismusministerin Elisabeth Köstinger mit der Österreich Werbung eine ausgewählte Gruppe an Touristikern und Pressevertretern in die österreichische Botschaft. Der deutsche Tourismusguru Martin Lohmann präsentierte die aktuelle Reiseanalyse. Bei Kurzreisen ist Österreich unter deutschen Urlaubern die Nummer eins. Über fünf Tage belegen wir immerhin knapp hinter der Türkei Platz fünf. Die schwache Nachfrage in der Türkei spielte Österreich hier in die Hände, doch der heimische Erfolg sei in erster Linie hausgemacht, sagt Lohmann. Auch weil die Alpendestination im Zeitgeist liegt. Die Sorge, dass die Jungen ein Urlaub in den Bergen nicht mehr interessiert, hat sich zerschlagen. Andererseits holen die Krisenmärkte Türkei und Nordafrika wieder auf, und der weltweite Trend gehe doch eher zum Strandurlaub als in die Berge, meint Lohmann. Statt Steinernem Meer werde das Mittelmeer oder auch der Indische Ozean nachgefragt – denn auch Fernreisen boomen und werden zu einer Alternative für den klassischen Skiurlaub vieler Deutscher. Wie damit umgehen? In die Lebenswelten der Kunden eintauchen, rät Lohmann. Klingt jetzt irgendwie nach Blabla, hat aber Tiefgang. Eine Erkenntnis der vielen Fachdiskussionen auf der ITB war, dass sich das Verhältnis von Angebot und Kundennachfrage dahingehend ändert, dass Gäste unabhängig vom Angebot eine gewisse Vorstellung vom perfekten Urlaub haben. Wer die Wünsche der Gäste individuell erheben und diese erfüllen kann, ist der Konkurrenz einen Schritt voraus. Der Einsatz von Smart Data mag beim Gedankenlesen helfen. d.nutz@wirtschaftsverlag.at

das Sparmenü mit Sandwich, Coke und Snack um angepriesene 9 Euro, muss aber 11,50 hinlegen, weil die Crew das Angebot nicht bonieren kann. Okay, richtige Enttäuschung kommt erst auf, als das servierte Hühnersandwich so gar nicht dem Bild auf der Karte entspricht. Das nächste Mal wird gefastet! tz

Perfekter Urlaub

Weil die ÖBB derzeit keine direkten Nachtzüge nach Berlin anbietet, ist der umweltbewuste ÖGZ-Reporter diesmal mit Easyjet zur ITB nach Berlin geflogen. BlingBling ist out, darum reisen wir kostengünstig. Es ist okay, für seine Snacks an Bord extra zu bezahlen. Man bestellt D. N u

K OM M E N TA R

Freude über Erleichterungen

Public Viewing verboten?

Donaukanal sehr beliebt

Kritiker zeigen sich besorgt über Bevorzugung von Wirtschaftsinteressen

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WIRTSCHAFTSSTANDORT:

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ie Regierungskoalition möchte ein neues Staatsziel in die Verfassung schreiben: „Die Republik Österreich (Bund, Länder und Gemeinden) bekennt sich zu einem wettbewerbsfähigen Wirtschaftsstandort, als Voraussetzung für Wachstum und Beschäftigung.“ Bislang ist dort nur das Staatsziel Umweltschutz verfassungsrechtlich verankert. Das habe dazu geführt, dass Gerichte bei Entscheidungen das eine Ziel oft höher bewertet haben als das andere – siehe dritte Piste am Flughafen Wien. „Umweltpolitische Ziele und wirtschaftspolitische Ziele möglichst harmonisch in Einklang zu bringen ist für eine positive Entwicklung Österreichs entscheidend“, freut sich dementsprechend Flughafenchef Günther Ofner. Verfassungsjuristen sind skeptisch. Theo Öhlinger sagte im Ö1-Morgenjournal: „Das ist ein Akt, der sowohl überflüssig als auch letztlich sinnlos ist.“

Schnellere Genehmigungen Zu dieser neuen Schwerpunktsetzung passen auch ein Standortgesetz für schnellere Genehmigungen von Infrastrukturprojekten und kürzere Umweltverträglichkeitsprüfungen. Infrastrukturminister Norbert Hofer (FPÖ) spricht sogar davon, man wolle eine ausgesprochen wirtschaftsfreundliche Regierung sein. Dazu zählten die zwei Milliarden Investitionen in die Bahn und der Bau der umstrittenen dritten Piste am Flughafen Wien. Beides Maßnahmen, die sicher dem Tourismus zugute kommen werden. Kritiker und NGOs fürchten

Schäden für die Umwelt. Ob hier der geplante „Standortanwalt“ (eine Forderung der WK Wien) wirklich zu einem fruchtbaren Interessenausgleich beitragen kann, ist aus Sicht des Umweltschutzes eher zu bezweifeln: Dieser Standortanwalt soll bei Genehmigungsverfahren und vor Gericht als Ausgleich zu Umweltschützern und NGOs ebenfalls Parteienstellung bekommen. So werden nicht wie zuletzt umwelt- und klimapolitische, sondern auch wirtschaftliche und arbeitsmarktpolitische Argumente stärker vertreten werden.

Endlich praxisnah Weniger umstritten und ebenfalls eine alte Forderung der Branchenvertreter ist die Befreiung kleinerer Unternehmen von der mehr als lästigen Betriebsanlagengenehmigung. Bald brauchen Beherbergungsbetriebe mit bis zu 30 Betten keine solche Genehmigung mehr, wenn sie lediglich Frühstück und kleine Imbisse anbieten. Neuen Unternehmern in der Beherbergungsbranche wird damit der Einstieg ins Gewerbe erleichtert, aber auch jenen, die bereits als Privatzimmervermieter im nichtgewerblichen Bereich Zimmer vermietet haben, kommt die Erweiterung zugute. Die Einbindung von Praktikern habe maßgeblich zur allseits gerühmten hohen Qualität des Tourismuskapitels im Regierungsprogramm beigetragen, sagt ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer: „Dieser Praxisinput macht den Unterschied zu Regierungsprogrammen sowohl der österreichischen Vergangenheit als auch der internationalen Konkurrenz.“ tav

eter Dobcak, Obmann Gastronomie der WK Wien, schlägt Alarm. Stein des Anstoßes ist die Novellierung des Wettengesetzes, die am 23. März (also jenseits unseres Redaktionsschlusses) im Wiener Landtag beschlossen werden soll. Künftig müssten Lokale, die aussehen wie ein Wettbüro oder Wettlokal, ebenfalls bewilligt werden. Denn besitze ein Lokal einen Fernseher und werden auf diesem Sportveranstaltungen übertragen, könnten Gäste des Betriebs online auf ihrem privaten Handy Wetten abschließen. Und das führt für Dobcak zum „Horroszenario“ für die Eventmetropole Wien: Public-Viewing-Veranstaltungen könnten dann als Wettveranstaltungen definiert und somit unterbunden werden. „Das würde dem Spaß in Wien wohl einen großen Dämpfer bringen und gilt es unbedingt zu verhindern“, sagt Dobcak. Wien dürfe nicht zur „spaßbefreitesten Stadt Europas“ werden.

Entwarnung Dazu erklärt der SPÖ-Umweltausschussvorsitzende Erich Valentin (SPÖ): Die Stadt gehe gegen illegale Wettanbieter vor, habe bereits 480 illegale Automaten beschlagnahmt und 27 Lokale geschlossen. Im neuen Gesetz gehe es u. a. darum, dass man Lokale erfasst, die das äußere Erscheinungsbild eines Wettlokals und auch die entsprechenden Einrichtungen aufweisen. Reine Gastronomiebetriebe gehörten nicht dazu, weil sie das äußere Erscheinungsbild eines Gastronomiebetriebes hätten. „Ein Bierlokal, in dem die Gäste über einen Fernseher Fußballspiele schauen, ist definitiv kein Wettlokal im Sinne des Wiener Wettengesetzes“, stellt Valentin klar.  tav

m Wiener Donaukanal gehen die Wogen hoch“, titelten wir in der vergangenen Ausgabe. Der Wiener Gastronom Gerold Ecker fühlt sich enteignet und klagte, weil die „Donau Hochwasserschutz Konkurrenz“ (DHK) die Pachtverträge für seine beiden Standorte (Adria und Badeschiff) mit Ende Oktober neu ausschreibt. Die Stadtregierung hält aber am Plan fest, die Gastronomie am Donaukanal umzugestalten und auch mehr Einnahmen zu lukrieren – die ÖGZ berichtete.

Pacht für zehn Jahre Nun steht fest, dass 50 Bewerbungen für die sechs frei werdenden Lokalflächen bei der DHK eingelangt sind. Wie der Standard berichtet, gab es etwa 100 Interessenten. „Rund 50 davon haben Teilnahmeanträge für die Interessentensuche abgegeben“, zitiert die Tageszeitung die geschäftsführende Stelle der DHK. Derzeit laufe die Evaluierung für die zweite und finale Phase des Bewerbungsverfahrens. Mit einer endgültigen Entscheidung über die neuen Zehn-Jahres-Verträge ist laut Standard in den nächsten Wochen zu rechnen. Betroffen sind Tel Aviv Beach, die Adria Wien, das Feuerdorf, die Badeschiff-Vorkaifläche, der Central Garden und die Hafenkneipe. In der zweiten Runde der Evaluierung müssen die Interessenten ein Angebot über den Mindestbestandzins und den Umsatzbestandzins in Höhe von mindestens sechs Prozent des Nettoumsatzes legen. Es gibt Bedenken – auch von den in der Stadtregierung vertretenen Grünen, die nicht in die Ausschreibung eingebunden waren –, dass dadurch eher große Projekte Berücksichtigung finden werden.  dan

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ÖGZ 05/18  

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