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Handelszeitung  Nº 5 · 2017

Panoptikum  Agenturecke

Gastkommentar von Fritz Seher

Fake News?

Abwärts, seitwärts, aufwärts?

„Die Pommes von McDonald’s sind aus Holz und Sägespänen“ – basierend auf diesem Gerücht bringt das Unternehmen seit Kurzem deutschlandweit einen selbstironischen Spot in die Kinos und in die sozialen Netzwerke. Darin zeigt Protagonist Josef Ritte, wie er in Handarbeit die Pommes aus Holz für den Systemgastronomen fertigt. Die eigentliche Auflösung zum Absender und der Botschaft des Films bekommt der Zuschauer aber erst am Ende (Video auf http://bit.ly/2 ly2Bki). Ziel des Films ist es, die Zuschauer dazu zu animieren, sich mit der Qualität der McDonald’s-Produkte auseinander­ zusetzen. Deshalb verweist eine Texttafel am Ende des Kinospots auf die Qualitäts-Website. „Wir haben bereits im letzten Jahr damit begonnen, das Thema Qualität auf eine neue Art und Weise zu kommunizieren. In diesem Jahr wollen wir durch den humorvollen und spielerischen Ansatz nun auch die Menschen erreichen, die sich bisher nicht für die Herkunft oder Verarbeitung unserer Produkte interessiert haben“, sagt Philipp Wachholz, Unternehmenssprecher von McDonald’s Deutschland. Die Entwicklung des Spots steht unter dem Bogen der Qualitätskampagne „Die Wahrheit über McDonald’s“. Die Kampagne läuft das ganze Jahr lang auf verschiedenen Kanälen und soll zusätzliche Informationen zu den Produkten liefern. Die Kreationen für die Kampagne entstehen in Zusammenarbeit zwischen den PR- und Marketing-Leadagenturen SALT Works und Leo’s Thjnk Tank.

Fritz Seher Consultant f.seher@seherundpartner.at

Philipp Wachholz, McDonald’s-Sprecher, setzt auf humorvolle Information über die Rohstoffe des „Großen M“.

Consumer Watch

„Ost-Qualität“ Weniger Fleisch in der Wurst, weniger Kakao in der Schokolade, weniger Eiweiß in Milchprodukten: Lebensmittelkonzerne liefern ihre Markenprodukte in deutlich schlechterer Qualität nach Osteuropa als auf die heimischen Märkte. Das haben aktuelle Labortests ergeben, wie tagesschau.de berichtet. Das slowakische Landwirtschaftsministerium veröffentlichte die Ergebnisse einer umfangreichen Testreihe. 22 bekannte internationale Markenprodukte wurden mit den gleichnamigen Waren in der Slowakei verglichen. Statt Fleisch in der Wurst und Eiweiß in Milchprodukten fand man mehr Flüssigkeit, Fett, Farb-, Süß- und Konservierungsstoffe. Regierungschef Fico will deshalb jetzt gemeinsam mit seinen Amtskollegen aus Tschechien, Ungarn und Polen auf einem Sonder­ gipfel den Druck auf Brüssel erhöhen.

Ein Jahreswechsel, ein Geburtstag, Zweifel an der Nachhaltigkeit eines Geschäftsmodells, Sorge über die wirtschaftliche Zukunft des Unternehmens. Es gibt noch mehr und viele gute Gründe, sich über die Zukunft Gedanken zu machen. Stimmt mein Lebensmodell, stimmt meine Karriere? Experten raten, all diese und die nachfolgenden Überlegungen zu verschriftlichen, es einfach aufs Papier zu bringen. Schreiben verinnerlicht, Schreiben hilft, Schreiben therapiert (die renommierte Berliner Charité hat vor wenigen Monaten sogar eine therapiebegleitende Schreibgruppe für Onkologie-Patienten installiert!). Vorbereitend trennen Sie sich von Ihrem geliebten Ego (weil negativ konnotiert) und ersetzen es durch ein schlichtes SELBST. Starten Sie mit einem kritisch-konstruktiven SELBSTbild. Trennen Sie sich von Ihren eigenen Lügen, die Sie so gerne glauben möchten. Trennen Sie sich von erträumten Biographien und unerfülltem Wunschdenken. Achtung: Vor Nebenwirkungen dieser Trennung warnen alle, die auch nur eine geringe Ahnung von der menschlichen Psyche haben. Beobachten Sie Ihre Fähigkeit zur SELBSTreduktion. Selbstreduzierte Menschen können gut, genau und analytisch zuhören, bringen Sachverhalte auf den Punkt und können sich sehr gut verständlich machen. Ihre Kommunikationsgestaltung, ihr verbaler und nonverbaler Auftritt ist empathisch und sehr genau eigenbeobachtet. „Langweile ich Sie?“ oder „Interessiert Sie das Thema?“ sind Beispiele einer Vergewisserung durch den selbstreduzierten Menschen. Schon an den Inhalten der verhassten Small-Talks sind diese karrierefördernden Eigenschaften zu erkennen. Das heißt nicht, sein Licht unter den sprichwörtlichen Scheffel zu stellen. Auf sich aufmerksam zu machen, aufzeigen durch Leistung ist wichtig. Übersehen wird man allzu leicht. Nicht in vielen Unternehmen gibt es eine moderne Karriereplanung, die im Rahmen gezielter Personalentwicklung eine sogenannte „Kaminkarriere“ ermöglicht.

Arbeiten Sie an einer besseren SELBSTdarstellung (damit ist nicht nur das äußere Erscheinungsbild gemeint), und wählen Sie die richtige Inszenierungsstrategie. Ein Begriff, der oft abfällig benutzt wird, aber letztlich ein hohes Ziel abbildet: das gewünschte SELBST zu erreichen. Dazu ist ausreichend SELBSTbewusstsein notwendig („Klappern gehört zum Handwerk“), und SELBSTzweifel gehören jedenfalls gründlich ausgeräumt – schon aus purem Eigennutz, weil: Die SELBSTzweifler ersticken in aller Regel am Neid auf andere. SELBSToptimierer arbeiten ständig an einem besseren SELBST. Das kann leistungsideologisch ziemlich neutral geschehen. Wichtig dabei ist, die Spannung permanent aufrechtzuerhalten. SELBSTdisziplin ist Voraussetzung für perfekte SELBSTorganisation (Zeitmanagement, Delegation …) und eine für die Karriere wichtige und notwendige Vorbildwirkung. Verlangen Sie von anderen nichts, was Sie nicht auch von sich verlangen würden. Damit ist nicht die rein zeitliche Präsenz in der Firma angesprochen. Haben Sie all das gründlich abgearbeitet, ist es Zeit, den nächsten Schritt zu setzen. Abwärts, seitwärts oder aufwärts. Karriereturbo oder Rohrkrepierer? „Aber halt!“, wird Ihr Einwand lauten. Erleben wir nicht dauernd, dass auch diejenigen Karriere machen, welche die vorangestellten Hausaufgaben nicht erledigt haben? Leider ja! Das liegt aber nicht an Ihnen, sondern an den sogenannten A-Typen, den Stars, den inkompetenten Vielschwätzern und Bauchrednern. Diese sollten ihrerseits A-Typen heranziehen. Tun dies aber aus meist opportunistischen Gründen und vorwiegend zum SELBSTschutz nicht. Ein Trost bleibt : Scheinbare Stars stellen sich irgendwann als ganz unscheinbare Sternschnuppen heraus und verglühen. Leider, leider kann das oft unerträglich lange dauern. * Aus Gründen leichterer Lesbarkeit wird auf eine geschlechtsspezifische Differenzierung verzichtet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleich­ behandlung für beide Geschlechter.

Jetzt mal ehrlich, Herr Kiener

Ist die Zeit des E-LKW schon gekommen? Stiegl wird die erste Brauerei in Österreich mit einem E-LKW im Fahrzeugpool. Noch im Herbst dieses Jahres wird die Privatbrauerei den ersten E-LKW von MAN bekommen. Federführend im Zuge der Entwicklungen war das CNL (Council für Nachhaltige Logistik), das beim Zentrum für globalen Wandel und Nachhaltigkeit an der Universität für Bodenkultur angesiedelt ist. „Seit der Unterzeichnung des Pariser Klimaziels Ende 2015 hat sich eine Dynamik entwickelt. Es ist super, dass Österreich hier führend dabei ist“, so die bekannte Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb. Die handels zeitung bittet um ein Statement von Stiegl-Eigen­ tümer Heinrich Dieter Kiener . Ist ein E-LKW wirtschaftlich? Als 525 Jahre altes Privatunternehmen denken wir in Generationen und haben Nachhaltigkeit wohl in unseren Genen. Stiegl ist einer der „Partner der ersten Stunde“ des E-LKW-Projekts des Nutzfahrzeugherstellers MAN und des Council für Nachhaltige

Logistik (CNL). Nach diversen Studien ist nun der Weg in Richtung Serienreife geebnet. Zum Einsatz wird der E-LKW überwiegend für Auslieferungstouren im Stadtgebiet kommen und so unsere Stiegl-Pferdekutschen CO2-neutral perfekt ergänzen. Der Elektromotor leistet 250 kW (entspricht 320 PS), hat eine theoretische Reichweite von 200 Kilometern und ist dabei vollkommen emissionsfrei unterwegs. Auch die Lärmbelastung sinkt erheblich gegenüber mit fossilen Brennstoffen betriebenen Fahrzeugen. Was bedeutet „Nachhaltigkeit in den Genen“? Seit knapp drei Jahrzehnten belegen wir als Salzburger Brauerei den Umgang mit den Ressourcen in einem jährlichen Nachhaltigkeitsbericht. Oberstes Ziel ist es, ressourcenschonend zu arbeiten, daher verfolgt und lebt Stiegl das Prinzip der Kreislaufwirtschaft. Dabei sind wir als führende Privatbrauerei des Landes auch offen für neue Technologien und immer bestrebt, Tradition und Moderne optimal miteinander zu verbinden.