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FORUM ARCHITEKTUR & BAU

Eine Portion Glück

Die Architekten Martin Scharfetter und Robert Rier erzählen über Wettbewerbserfolge und soziale Verantwortung in der Gestaltung für die Öffentlichkeit. MAG A ZIN ▶ SE IT E 4

Wollt ihr die totale Sicherheit?

Wertfrei und anschaulich zeigt das Architekturzentrum Wien mit der Ausstellung „Form folgt Paragraph“, welchen Einfluss ­Normen und Gesetze auf die Gestalt des Gebauten haben. PL A N E N  ▶ S EI TE

Mit Hightech zum Blocksberg

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Mit dem Neubau der Schierker Feuerstein Arena im deutschen Mittelgebirge verwandelte das Architekturbüro Graft ein historisches Eislaufstadion in eine visionäre Freiluftarena. BAU E N  ▶ SE IT E 1 4

#01-02/2018 6,90 € | # 481 | 28. F E BRUAR 2018 W W W. ARC HI T E K T UR- BAUFORUM . AT

Vertikaler Campus

Den neuen EDF-Bildungscampus im Süden von Paris umhüllt eine strenge, rhythmische Fassade aus ultrahochfestem Beton. S KI N

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DIE Ö STER R EICH IS CH E FACH ZEI T SC H R I F T F Ü R BAU K U LT U R | ÖST ER R EI C H I S C H E P OST AG , W Z 0 2 Z 0 3 0 7 5 1 W, ÖST ER R . W I RTSC HAF TSV E RL AG , G RÜNBE RG ST R . 15, 1120 W I E N, RE TO URE N AN P F 100, 1350 W I E N

Unter der Nordbergbrücke, angesichts der MVA Spittelau, deren Schlot die städtebauliche Messlatte für die städtebauliche Entwicklung am Althangrund sein will, 1090 Wien, Februar 2018  F O T O :

KO MM EN TAR

Aus dem Sumpfland V O N A N D R E A S VA S S

Die Auseinandersetzungen um das ­Wiener Welterbe gehen in die nächste Runde: Der heurige „State of Conservation Report“, in dem die Republik der Unesco berichten sollte, was die Stadt zur Erhaltung der Welterbestätte „Historisches Zentrum von Wien“ zu tun gedenke, enthält erstmals „konkrete Maßnahmen“ – die allerdings die Bundesregierung festgelegt hat. Was Minister Drozda vor einem Jahr als Forderung in den Raum stellte, nämlich mehr Einfluss des Bundes auf die Länder in Fragen von Staatsverträgen, das will Minister Blümel jetzt am Anlassfall Heumarkt erproben. Dass auch die Bundesregierung den „Dialog“ sucht, ist schön, wird aber nicht genügen. Eine Hochhauswidmung in einer wachsenden Stadt wie Wien kommt einem verbrieften Gewinnversprechen gleich. Das wird sich kein Investor so leicht nehmen lassen. Der „Dialog“ wird zwischen Stadt und Investor erfolgen müssen und sich kaum auf den Heumarkt beschränken können. Der neue Bürgermeister hat hier von seinem Vorgänger eine Hypothek geerbt, die ihn wohl zu ewigem Dank verpflichtet. Aber auch die juristische Alternative hat der Vizekanzler als „edler Retter“ angesprochen – allerdings könnte er bald Münchhausen spielen müssen: Es empfiehlt sich, dem Sumpf erst Drainagen zu setzen.

W A LT E R M . C H R A M O S TA

Der Triumphbogen der Teilhaberei NACH 40 JAHRE N ABBRUCHRE IF  Zu den konstituierenden Merkwürdigkeiten der Wiener Stadtanlage gehört die Autonomie des Fernbahnsystems vom Stadtbahn- und U-Bahn-System. Sie hat historische Ursachen. Und man muss kein großer Prophet sein, um vorauszusehen, dass diese Eigengesetzlichkeit weiterbestehen und sich sogar noch verstärken wird, weil die treibenden Kräfte auf beiden Seiten nicht zusammenarbeiten. Wie vor 150 Jahren stehen private Wirtschaftsinteressen und öffentliche Interessen in Konkurrenz. V O N W A LT E R M . C H R A M O S TA

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ernbahnanlagen wie die Kaiserin-­ Elisabeth-Bahn (Westbahn, 1860 Wien — Linz — Salzburg) oder die KaiserFranz-Josefs-Bahn (1870 Wien — Eger) wurden von privaten Eisenbahngesellschaften errichtet, um ihrem Geschäftszweck, aber nicht um dem Personennahverkehr oder der Stadtentwicklung in Wien zu dienen. So mündeten die Fernbahnlinien in sieben isolierte Kopfbahnhöfe, wo der Grund billig und leicht zu erreichen war; erschlossen wurden Bereiche „vor der Stadt“, um den Güterverkehr abzuwickeln. Der Personenverkehr und die Aufwertung der Stadt im Bereich der Endbahnhöfe waren zu Beginn der Gründerzeit nicht entwurfsrelevant. Hermann Czech argumentiert in seinem 2017 im Buch „Otto Wagner. Die Wiener Stadtbahn“ aktualisiert erschienenen, fast gleichnamigen Text über die Wechselwirkungen von Stadt und Stadtbahn. Er kommt zum städtebaulich und stadtplanerisch relevanten Schluss: „Ganz allgemein ist das Verhältnis von Abstraktion und Konkretheit

im architektonisch-planerischen Diskurs gestört. Die aktuelle Erörterung von visueller Identität und der städtischen Umwelt hat sich nunmehr völlig auf das solitäre architektonische Werk zurückgezogen. Auf den Abstraktionsschritt zum planerischen Zusammenhang – wie immer dieser neu gefasst werden müsste – wird verzichtet. Ideologisch wurde er durch von der Sache abgehobene Philosopheme ersetzt; der reale Zusammenhang wird weitgehend dem Investor überlassen. Das Massenverkehrsnetz Wiens scheint da noch eine Ausnahme zu machen; gerade die Kongruenz mit der Investment-Topographie kommt aber vielfach nicht zustande.“

DÜSTERE VERHÄLTNISSE Der raumkonzeptive Gegensatz zwischen dem Massenverkehrsnetz und der „Investment-Topographie“ bedeutet einen erhellenden Zugang zu den jüngsten, düsteren Verhältnisse am Althangrund, wo bekanntlich große Teile der in die Jahre gekommenen Überbauung der Franz-­Josefs-

Bahn zur architektonischen Disposition stehen. Das heurige stadtplanerische Dilemma besteht im nie ausverhandelten Konflikt zwischen den Interessen der Anwohner im Stadtteil einerseits und den Interessen der Österreichischen Bundesbahn, samt den über dem Lichtraumprofil des Zugverkehrs agierenden Investoren, andererseits. In der Kaiser-Franz-Josefs-Bahn manifestierte sich zuerst privates Interesse: das Vorhaben von Johann Adolf Fürst zu Schwarzenberg, Steinkohle aus Pilsen nach Wien bringen zu lassen. Da passte es gut, in der Spittelau auf Graf-Althanschem Grund weites Land in ein Industriegebiet zu verwandeln. Erst später wurde die Bahnlinie verstaatlicht, und das Verkehrssystem nahm öffentlichen Charakter, mit Nutzen für den Personennahverkehr, an. Als Puffer zur Stadt wurde 1872 am Althan-Platz (heute Julius-Tandler-Platz) nach dem Entwurf der Prager Architekten Ignaz Ullmann und Anton Barvitius der Bahnhof im Stil der Neo­ renaissance fertiggestellt. Mit drei überhöhten Geschoßen und zwei mächtigen als ▶  SE IT E 2


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ARCHITEKTUR & BAU FORUM

S TA DTGES PR ÄC H

Haus des Heeres V O N W A LT E R M . C H R A M O S TA

Nordbergstraße, Richtung MVA Spittelau, 1090 Wien, Februar 2018  F O T O S : W A LT E R M . C H R A M O S TA

▶ Uhrtürme ausgeführten Risaliten wirkte er mehr wie ein feudales Ringstraßenpalais, denn als Verkehrsbauwerk. Der Bau war Ausdruck einer Investition der Hochgründerzeit, aber kein Symbol der Fernbahn und schon gar keines des Massenverkehrs. Da er ein architektonisch entlehntes, privatisierendes Gesicht hatte, war dieser Bahnhof von Anfang an dysfunktional und wurde in der Zeit des Massenverkehrs geringgeschätzt, umgebaut und schließlich abgebrochen. Der erste Bahnhof hatte eine Lebensdauer von hundert Jahren, der zweite wirkt nach vierzig bereits abbruchreif.

ÖKONOMISCHE VERWERTUNG Was danach kam und bis heute zu sehen ist, war der von der Bundesbahn ausgehende Versuch der Siebzigerjahre, den Raum über dem Gleis ökonomisch zu verwerten, Planungsrechte wurden verkauft, Claims abgesteckt. 1980 wurde der neue Bahnhof, eigentlich ein Bankgebäude mit versteckter Verkehrsfunktion, eröffnet. Entworfen wurde es von Karl Schwanzer (der sich von dem Projekt distanzierte) mit Franz Requat, ­Thomas Reinthaller und Harry Glück. Unweit entstand 1982 über dem Frachtenbahnhof die neue Wirtschaftsuniversität nach dem Plan von Kurt Hlawenicka. Nebenan folgten weitere Universitätsgebäude und das bauplastisch ominöse Polizeigebäude (heute Bundeskriminalamt). Mit der kommunalen Müllverbrennungsanlage Spittelau, die daherkommt wie die Sonntagsphantasie eines Schrebergartenbastlers, trägt dieses Ensemble heute das Label „Bermuda-Dreieck der Stadtplanung“, weil hier sichtbar ist, wie eine falsch interpretierte Bahninfrastruktur ganze Institutionen und einen ganzen Stadtteil marginalisieren kann.

STÄDEBAULICHES DESASTER Der Überbau wurde zum Hauptthema, die Bahnfunktion zur Nebensache. Die reale Stadt wurde der Bundesbahn und ihrem Geldbedarf überantwortet, den abstrakteren Zusammenhang der damit verbundenen Abwertung des Ortes wollte niemand sehen. Anstatt das Gleisband zu redimensionieren und das frei werdenden Bauland stadtdienlich zu verwerten, entschied man sich für die absurd aufwendige Stadtentwicklung „im ersten Stock“, die sich heute als sündteure Sackgasse und als städtebauliches Desaster darstellt. Der Rückbau wird erst in ferner Zukunft erfolgen können, nachdem erst kürzlich – zumindest aus der Perspektive der Lebensqualität im Alsergrund – die falschen Grundsatz­entscheidungen getroffen wurden: kein Verzicht auf den Franz-­ Josefs-Bahnhof, keine Rücknahme des Gleisbandes nach Heiligenstadt, kein Abbruch der Bahnhofsüberbauung am Julius-Tandler-­Platz, kein Ende der Barrierewirkung. Obwohl das Massenverkehrsnetz der ÖBB in öffentlicher Hand ist, verhält es sich, zum Unterschied vom U-Bahn-Netz, nicht kongruent zum Phänomen Stadt. Die ÖBB agieren in Wien nicht anders als ein privater Investor. Das wurde am Hauptbahnhof deutlich, wo die hochbauliche Markierung des Bahnhofs als öffentlicher Ort des Übergangs unterlassen wurde. Der Mut zur Lücke wäre vielmehr am Althangrund nötig gewe-

Julius-Tandler-Platz, 1090 Wien, Februar 2018

sen. So wird der Ort der Bedeutung am Hauptbahnhof architektonisch unterbesetzt und am Franz-Josefs-Bahnhof überbesetzt sein. Die „Investment-Topographie“, wie Czech das nennt, hat also kontingente Unstetigkeiten. Die Stadt Wien als Planungsinstanz hat sichtlich nicht die Macht, um für Stetigkeiten in der Stadtentwicklung zu sorgen.

DURCHSETZUNGSPROBLEM DER POLITIK Die aufsehenerregende „Stellungnahme der Bezirksvertretung Alsergrund vom 17. 1. 2018 zum Planentwurf Nr. 8233“, in der die städtebaulichen Rahmenbedingungen für den Althangrund abgesteckt werden, zeigt auf ein Durchsetzungsproblem in der Stadtplanungspolitik: „Es ist nicht Aufgabe der öffentlichen Hand, von öffentlichen Interessen abzurücken, um das Geschäftsrisiko von Privaten zu minimieren.“ Um die stadtplanungspolitische Niederlage des widerrufenen Widmungsverfahrens am Althangrund richtig einzuschätzen, ist darauf hinzuweisen: Die Parteien der Rathauskoalition verfügen im Bezirk Alsergrund über eine absolute Mehrheit. Seit der Wiener Gemeinderatswahl 2015 sind die vier stärksten Parteien der Bezirksvertretung Alsergrund die SPÖ (38,46 %), die Grünen (20,11 %), die FPÖ (18,60 %) und die ÖVP (11,52 %). Damit sind die Sozialdemokraten (39,59 %) und die Volkspartei (9,24 %) auf Stadtebene ähnlich stark wie im Bezirk, die Freiheitlichen (30,79 %) jedoch auf ganz Wien bezogen deutlich stärker, die Grünen (11,84 %) deutlich schwächer.

FROMME WÜNSCHE Der „Ideen- und Zielfindungsprozess Althangrund“, der 2010 begann, erbrachte, wie bei symbolischen Teilhaben nicht anders zu erwarten, auch nur „Generelle Empfehlungen und Zielvorstellungen“: „Der neue Stadtteil soll überschaubare Strukturen in hoher architektonischer Qualität aufweisen, die in offener, transparenter Weise eine angenehme Atmosphäre zum Wohnen, Arbeiten, Studieren und Verweilen in einem sinnvollen Mit- und Nebeneinander schaffen. Das Gebiet soll in gleicher Weise attraktiv für AnrainerInnen sowie NutzerInnen, als auch für Investoren sein, was durch nutzungsflexible Gebäude in nachhaltiger, energieeffizienter Bauweise erreicht werden

soll. Eine Nutzungsmischung ist erwünscht (…) ‚Landmarks‘, einprägsame Baukörpersituierungen und -ausformungen sowie eine ansprechende Freiraumgestaltung sollen die Identität des Stadtteils stärken, Sichtachsen sollen Aus- und Einblicke gewähren. Eine angemessene Bebauungsstruktur – wobei auch ein einzelnes Hochhaus nicht ausgeschlossen ist – soll zusätzlichen Spielraum für ein höheres Ausmaß an Grün- und Freiflächen bieten.“

WORTSPIELKASTEN DER TEILHABEREI Das sind fromme Wünsche aus dem Wortspielkasten der Teilhaberei, die ohne städtebaulichen Realismus in der Stadtentwicklung Utopie bleiben! So sind die infrastrukturellen und damit die städtebaulichen Kernfragen in den Verhandlungen mit den ÖBB ungelöst geblieben: Der bahntechnische Status quo bleibt, ein abgereifter Bahnverkehr wird im privatwirtschaftlichen Versteck gehalten. Ein Investor kaufte dann den Bestand und begann ihn zu entwickeln. Im März 2017 zeigte sich die Stadtplanungspolitik einer Auffassung mit dem Investor über die Entwicklungsziele für den Althangrund, einschließlich der Höhenentwicklung. Die nach dem zu still ausgehandelten städtebaulichen Regelwerk vorgesehene, aus dem Bestand hergeleitete Umlagerung des Bauvolumens könnte zu Hochhäusern bis 126 Meter Höhe (Referenz MVA Spittelau) führen, sagte man zu den Bürgern (ohne mit ihnen darüber diskutieren zu wollen) und schließlich auch den Teilnehmern an einem offenen Architekturwettbewerb. Erst zu diesem Zeitpunkt entschied sich die Bezirksvertretung Alsergrund, gewarnt durch den „Brand“ am Heumarkt, eine städtebauliche Position zu beziehen. Das hätte der Bezirk Alsergrund vor zehn Jahren aus eigener Initiative machen müssen, als man dem Bestand die Vergreisung schon ansah. So wird bald der skelettierte Bankbau als schwarzer Triumphbogen der Teilhaberei über der FJ-Bahn stehen. Beim Aufstieg über die gigantischen Freitreppen wird man sich der urbanistischen Wahrheit von Hubert Klumpner anläßlich seines Vortrags 2016 bei der „Design Week ­Vienna“ erinnern: „Die Top-down-Konzepte der Städtebauer und die Bottom-up-Wunschbilder der Bürger sind für gelingende Stadtplanung zwingend zusammenzubringen.“

Als die Flaktürme von 1942 bis 1944 nach Plänen von Friedrich Tamms errichtet wurden, herrschte Weltkrieg. Die Botschaft, die von den fertigen Türmen und schon von den Baustellen mit Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen ausging, war eindeutig: Der Krieg kommt nach Wien, es geht nun auch hier ums Ganze. Wie die Rassenideologie des Nationalsozialismus Teile der Gesellschaft brutal attackiert hatte, so griffen nun die Flaktürme in die Stadt ein – totale Militarisierung, Betonierung innerer Fronten, Endlösung. Ilse Aichinger erinnerte sich 1996: „Die Kriegszeit war voller Hoffnung. Man wusste sehr genau, wo Freunde sind und wo nicht, was man in Wien heute nicht mehr weiß. Der Krieg hat die Dinge geklärt.“ Die Flaktürme klären die Dinge, auch jetzt noch, sie haben wie jede Waffe eine unleugbare Wirkungsqualität. Wer sie anfasst, ändert seine Rolle, wird intensiver wahrgenommen, wird überhaupt erst als Bedrohung empfunden. Die gemeinnützige Privatstiftung Haus des Meeres hat die „Waffe“ nicht erst jetzt in die Hand genommen. Sie hantiert schon länger damit. Im Haus fällt es nicht auf und laut „Besitzkarte“ ist das erlaubt. Es gab aber auch Übungen vor dem Haus, die als bedrohlich empfunden wurden, die schon bei einem Blick über die Schulter erkennen lassen: Diese „Waffe“ wird nicht richtig geführt. Das Haus des Meeres ist eine intakte, architektonische Waffe, die dem, der sie führt, eine magisch potenzierte Wirkung verleiht. Die Betreiber haben nicht verstanden, welche ästhetische Kategorie sie in der Hand haben, auch nicht die warnende „weiße Fahne“ Lawrence Weiners, die von der latenten Bedrohlichkeit des Bestandes zeugt. Ein Haus des Heeres steht hier zur Debatte, nicht irgendein aus der Nutzung gefallener Industriebau. Die Verkennung der architektonischen Lage durch den Bauherrn, auch die Unbedarftheit des Bezirks, offenbart sich schon jetzt an der vandalistischen Überformung der öffentlichen Stützmauer-Treppen-Anlage des Esterházy-Parks, die an der Gumpendorfer Straße den Sockel des städtebaulichen Ensembles bildet. Die gleiche aggressive Haltung, die hinter dem zynischen, werblichen Umgang mit öffentlichem Gut steht, drückt sich auch im vorliegenden Umbauprojekt aus. Bedrohlich.

I MPR ESS UM Erstellt gemäß § 25 Abs 2 MedienG in der Fassung ab 1. 7. 2012: Medieninhaber, Verleger, Herausgeber, Redaktion: Österreichischer Wirtschaftsverlag GmbH, 1120 Wien, ­ Grünbergstraße 15/Stiege 1, Tel: +43 1 54664 0, www.wirtschaftsverlag.at Geschäftsführung: Dr. Karl Ulrich Erscheinungsweise: 9 x jährlich, 51. Jahrgang ­­­Chefredaktion: Dr. Christine Müller, DW 347, E ­ -Mail: c.mueller@wirtschaftsverlag.at ­ Konsulenten der Redaktion: DI Walter M. Chramosta, DI Volker Dienst, Dr. Barbara Feller, DI Dr. Christian Kühn, DI Dr. Reinhard Seiß, Dr. Franco ­Veremondi Redaktionsleitung: Stefan Böck Grafik: Make Media Mediendienstleistungen OG, 1140 Wien, office@makemedia.at Grafisches Konzept: Simon ­Jappel Verkaufsleitung: Dr. Rainer Wimmer, DW 240 Anzeigen- und Medienbera­ tung: Gabriella Leschhorn, Mobil: +43 664 1320349, E-Mail: g.leschhorn@wirtschaftsverlag.at Anzeigenservice: DW 444, ­E-Mail: anzeigenservice@wirtschaftsverlag.at Anzeigenrepräsentanz OÖ: ­Gerhard Weberberger, Kleinwört 8, 4030 Linz, Tel: +43 732 315029 0, Fax: +43 732 315029 46, Mobil: +43 676 5185575, E-Mail: linz@wirtschaftsverlag.at Anzeigentarif: Nr. 34, gültig ab 1. Jänner 2018 ­Herstellung: Friedrich Druck & Medien GmbH, 4020 Linz, Zamenhofstraße 43–45, www.friedrichdruck. com A ­ bo-Service: Tel: +43 1 54664 135, E-Mail: a­ boservice@wirtschaftsverlag.at Einzelpreis ­(Inland): 6,90 Euro ­Jahresbezugspreis (Inland): 60 Euro für Studenten (Inland): 35 Euro Ausland: 103 Euro inkl. Portospesen; Abonnements, die nicht einen Monat vor Ablauf des Bezugsjahres storniert werden, laufen weiter. Bankverbindung: Bank Austria, IBAN: AT17 1100 0095 2329 8900, BIC: BKAUATWW, Nachdruck nur mit Genehmigung des Verlages. Namentlich gezeichnete Beiträge entsprechen nicht zwingend dem Standpunkt der Redaktion, sondern widerspiegeln die Meinung des Autors. Aus Gründen der Textökonomie wird auf geschlechterspezifische Formulierungen verzichtet. DVR: 0368491 ­Offenlegung: Die Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz ist unter www.wirtschaftsverlag.at/offenlegung ständig abrufbar. Druckauf­lage: 10.560 (1. HJ 2017)


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28. FEBRUAR #01-02/2018 

100 Jahre Achille Castiglioni

MAGAZIN

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S TR EI FZ ÜGE

J U B I L ÄU M   Es gilt immer mehrere, menschliche wie materielle, Zeugnisse zu summieren, um in jedem ­Tätigkeitsbereich das Leben einer erfolgreichen Persönlichkeit nachzuzeichnen. Denn was ist Erfolg, wenn nicht das Resultat intensiven, komplexen und innovativen Arbeitens? VON FRANCO VEREMONDI

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er 100. Geburtstag von Achille C ­ astiglioni – einer der großen Namen in Architektur und Design, der im Dezember 2002 im Alter von vierundachtzig Jahren verstarb – wird 2018 mit einer ganzen Reihe von Events gefeiert. Ausstellungen, Konferenzen und Seminare werden Forscher und Kollegen unterschiedlicher Generationen zusammenführen, und viele Institutionen miteinbeziehen. Eine umfassende Initiative also, koordiniert von der ihm gewidmeten Stiftung, mit Sitz im Herzen Mailands. Ein Ort, der zum Museum mutierte und dem der Verdienst zukommt, eine Unzahl an Dokumenten aus vielen Jahrzehnten von Castiglionis Schaffen sowie Arbeiten seines Büros, inklusive Unterlagen aus der Zeit seiner Professur am Mailänder Politechnikum, katalogisiert und digitalisiert zu haben. Am 16. Februar 1918 in Mailand geboren arbeitete Achille Castiglioni gemeinsam mit seinen Brüdern Pier Giacomo und Livio (die 1968 respektive 1979 verstarben) als Protagonist einer neuen Ära des Designs von der Nachkriegszeit bis zu den Anfängen des neuen Jahrtausends. Er befasste sich damit, Räume zu planen und diese mit Objekten einzurichten, in deren raffinierter ästhetischer Gestaltung rationaler Prägung stets die technologische Entwicklung prägend einfloss. Viele seiner Objekte, unter ihnen die Lampe „Arco“ oder der Hocker „Mezzadro“ fanden Eingang in die Sammlungen des MoMa New York und anderer wichtiger Museen.

INTEGRALES ENTWERFEN Gleich nach Abschluss des Architekturstudiums 1944 widmete er sich dem Studium der Formen,

Der „Elbtower“ von David Chipperfield als ­Eingangstor zur östlichen HafenCity  F O T O : D AV I D C H I P P E R F I E L D A R C H I T E C T S

Jahrhundertprojekt Lampadina, Achille Castiglioni 1972, Flos  F O T O : F L O S

Mezzadra, Pier G ­ iacomo und Achille Castiglioni, 1957, Zanotta  F O T O : Z A N O TTA

Achille Castiglioni (1918–2002)  FOTO: JEAN BAPTISTE MONDINO

Techniken und neuen Materialien; eine innovative Recherche, die auf die Umsetzung eines integralen Entwurfsprozesses ausgerichtet war. Aus diesen Erfahrungen erwuchs sein außergewöhnliches gestalterisches Feingefühl, das allerdings von einem Schwachpunkt in Form eines eher mangelhaften Geschäftssinns begleitet war, wie Antonella Gornati, bis 1981 seine Assistentin, heute verrät. Entscheidend für seinen Erfolg war seine Verbindung zur Marke Flos, ursprünglich 1962 in Meran als kleines Laboratorium für diverse Industrien gegründet, die 1964 in die Lombardei nahe Brescia umzog. Von hier aus begann Flos autonome Aktivitäten zu setzen, um in der Folge dank der guten Zusammenarbeit mit vielen großen Designerpersönlichkeiten zu einer

der meist gefeierten und raffiniertesten Weltmarken zu werden. Neben Castiglioni gehören hierzu etwa Jasper Morrison, Philippe Starck, Patricia Urquiola oder Tobia Scarpa, der Sohn des venezianischen Architekten und Designers Carlo Scarpa. Als Designer sicher bekannter, war Achille Castiglioni ein ebenso fähiger Architekt; in beiden Bereichen tat er sich durch methodischen und korrekten Charakter hervor und war dabei aber stets bereit, seine Ideen im engsten Kreise seiner Mitarbeiter auch zur Diskussion zu stellen. Bis 30. 4.: 100x100 Achille und 25. 5. – 31. 12: Dimensione ­Domestica – Atto III, Fondazione Achille Castiglioni, www.fondazioneachillecastiglioni.it Sep. 2018 – Feb. 2019: Achille Castiglioni, Triennale Design ­Museum, www.triennale.org/it/design_museum

Mit ihrem spektakulären Hochhausentwurf „Elbtower“ an den Elbbrücken der HafenCity Hamburg konnten David Chipperfield Architects Berlin die Jury überzeugen. Das neue Büro- und Geschäftshochhaus wird mit rund 233 Metern das höchste Gebäude der Hansestadt sein und das städtebauliche Pendant zur Elbphilharmonie bilden. Der spitz zulaufende Turm scheint wie vom Wind gedreht und steht somit dem Wellenthema der Philharmonie mit dynamischer Gelassenheit gegenüber. Innerhalb von nur neun Monaten projektiert sieht der Bauherr Signa-Holding die Ferigstellung für Mitte 2025 vor.

Puchsbaumgasse – ein Quartier für alle  ­ E N D E R I N G : R I V I E R A M O R E TT I R

Ein Heim für alle

Zeltstadt von Muna, Saudi-Arabien/Tent city of Muna, Saudi Arabia  F O T O : 1 9 8 1 H A J J R E S E A R C H C E N T E R / B O D O

Kumbh Mela Festival, Allahabad, Indien 

Burning Man Festival, USA 

F O T O : 2 0 1 3 D I N E S H M E H TA

F O T O : 2 0 1 5 G O O G L E , D I G I TA L G L O B E

RASCH ARCHIVE

Den Bauträgerwettbewerb für ein Wohnquartier am Areal der Wiener Ankerbrot­ fabrik konnte das Wiener Architekturbüro gerner°gerner plus gemeinsam mit M&S Architekten, transparadiso und Yewo Land­ scapes für sich entscheiden. Für das lebendige Kulturareal entsteht nun gemeinsam mit der WBV-GPA und der EBG ein Wohnangebot, welches der bestehenden kulturellen und sozialen Vielfalt entspricht. Der Entwurf wendet sich speziell an Studierende und Personen mit anerkanntem Asylstatus, sieht sowohl betreutes Wohnen als auch geförderte Mietwohnungen vor und bietet Raum für umfassendes soziales Programm.

Temporärer Städtebau AU SS T EL LU N G  Wie dauerhaft soll Stadtplanung sein? Und was können Architekten und Stadtplaner von temporären Städten und Siedlungen lernen? Diesen Fragen geht die Ausstellung „Does permanence matter? Ephemeral urbanism“ im Münchner Architekturmuseum noch bis zum 18. März nach. VON PETER ZÖCH

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ilder von Zeltstädten und temporären Siedlungen bringt man aktuell hauptsächlich mit Fluchtbewegungen und Migrationsströmen in Verbindung. Aber auch für religiöse Festivals und weltliche Feiern gibt es Städte auf Zeit. Beim hinduistischen Fest Kumbh Mela pilgern alle zwölf Jahre insgesamt um die 30 Millionen Menschen ins indische Allahabad. Rund fünf Millionen bewohnen für 55 Tage eine temporäre Megacity. 2,5 Millionen zieht es jährlich zur Haddsch nach Mekka. Der deutsche Architekt Mahmoud Bodo Rasch startete 1973 mit seinem Kollegen Sami Angawi die Erforschung ephemerer Stadtanlagen. Einst waren die Zeltstädte von Mina und Arafat die Endpunkte großer Karawanen, die über Monate von Kairo oder Damaskus unterwegs waren. Natürlich gibt es auch weltliche Anlässe für Popup-Städte mit rigidem städtebaulichen Konzept. Beim Burning Man Festival in Black Rock City,

Sanierung und Erweiterung der ­Tourismusschulen am Wilden Kaiser von wiesflecker-architekten Nevada, treffen sich um die 70.000 Menschen. Seit 1986 feiern sie Ende August/Anfang September das Abbrennen des überdimensionalen „burning man“. Auf die Münchner Wiesn kommen zu Oktoberfest-Zeiten rund 400.000 Gäste täglich. Weitere Beispiele neben religiösen und weltlichen Festivals sind Flüchtlingscamps, Militärstützpunkte oder temporäre Bergbaustädte.

EPHEMERES BAUEN All jene, die sich näher mit dem Phänomen von temporären städtebaulichen Strukturen auseinandersetzen wollen, können noch bis zum 18. März die Ausstellung „Does permanence m ­ atter? Ephemeral urbanism“ im Münchner Architekturmuseum besuchen. Die Initialzündung zur Ausstellung gab eine langfristig angelegte Studie von Rahul Mehrotra von der Harvard Graduate School of Design und Felipe Vera vom Centro de Ecolo-

gía, Paisaje y Urbanismo in Santiago de Chile, die systematisch Hunderte von Siedlungen mit Ablaufdatum analysierten. Gemeinsam ist den gezeigten Beispielen, dass sie auf Zeit angelegt sind – von wenigen Tagen bis zu mehreren Jahren oder vielleicht sogar Jahrzehnten. Die Mischung aus generalstabsmäßiger Infrastruktur- und Stadtplanung und individuellem Auf- und Ausbau von Unterkünften, die viele Fallbeispiele eint, lassen auch Rückschlüsse auf die Stadtplanung zu, die auf Dauer ausgelegt ist. Die Ausstellung zeigt zudem ein Phänomen auf, das in Zeiten von zunehmenden Migrationsströmen neue Bedeutung erlangt. Nachlesen können Interessierte die Ausstellungsthemen und Beispiele im vom Architekturmuseum herausgegebenen Katalog. Essays von namhaften Autoren wie Richard Sennett oder ­Saskia Sassen diskutieren und vertiefen die Themen.  W W W. A RC H IT E K T U R M U SE U M . D E

FOTO: JEAN-STÉPHANE MUS

Schwebend erweitert Nach rund eineinhalb Jahren Bauarbeiten ist die im Auftrag der Bundesimmobiliengesellschaft erfolgte Sanierung und Erweiterung der Tourismusschulen am Wilden Kaiser in St. Johann nun abgeschlossen. Die Grundidee des Innsbrucker Büros wiesflecker-achitekten bestand darin, den Bestandskörper durch Schaffung einer schwebenden Theoriegeschoßebene weiterzuentwickeln und trotz Verdichtung Luft und Großzügigkeit in das Gebäude zu bringen. Die Beziehung zum Außenraum wird durch viel Tageslicht, das in das Innere dringt, bereichert, Terrassen ermöglichen, den Unterricht im Freien abzuhalten.


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ARCHITEKTUR & BAU FORUM

IM GESPRÄCH MIT MARTIN SCHARFETTER UND ROBERT RIER

Eine Portion Glück PA RT N ERS CH A F TLI CH ES ARBEI TEN  Seit ihrer Bürogründung vor zehn Jahren haben Martin Scharfetter und Robert Rier mit ihren Projekten die Tiroler Architekturlandschaft bereichert. Sie bauen nicht im Zentrum, sondern auf dem Land, setzten mit ihren Wettbewerbserfolgen markante Akzente im öffentlichen Raum: in Kundl, in Bach, in Weer, in Inzing, in Absam, in Hall, in Schwaz, in Pians und anderswo in den Dörfern. G R E T L KÖ F L E R I M G E S P R Ä C H M I T M A R T I N S C H A R F E TT E R U N D R O B E R T R I E R

Mit dem Kultur- und Veranstaltungszentrum KiWi in Absam ist euch kurz nach Bürogründung ein großer Wurf gelungen. Wie ist es euch ergangen als Shooting Stars? Scharfetter (M.S.): Ich hatte zuvor das Haus im Heustadl am Lansersee gemacht, dafür so ziemlich alle Preise in Tirol bekommen, und das Projekt war in vielen Medien präsent. Für mich war es damals so, dass das KiWi die logische Fortsetzung der Berufsentwicklung und auch des Erfolgs war – wenn ich das so sagen darf. Rier (R.R.): Wir haben uns nicht gekannt und sind auf der Suche nach Büroräumlichkeiten eher zufällig zusammengekommen. Die ersten paar Monate war es eine Bürogemeinschaft, die sich dann zu einer Arbeitsgemeinschaft entwickelt hat. Es war schon so, dass uns das KiWi wirklich zusammengebracht hat, und dann haben wir uns gesagt: Ja, eigentlich könnten wir alles miteinander machen. M.S.: Die Arbeitsgemeinschaft hat sich sehr unkompliziert entwickelt, ohne das Gefühl, dass der eine wichtiger sei als der andere. Die Zusammenarbeit hat von Anfang an gut und selbstverständlich funktioniert – und das tut es auch heute noch. Ihr habt viele Wettbewerbe gewonnen, das gelingt euch noch immer M.S.: Stimmt, alle größeren Projekte stammen aus Wettbewerbserfolgen. Aber wir haben auch Wettbewerbe verloren, worüber ich mich noch heute ärgere; vor allem, wenn es einzigartige, außer­gewöhnliche Bauaufgaben gewesen wären – nicht immer ist die Zeit und die Kraft da, um ein Gewinnerprojekt zu entwickeln. R.R.: Es gibt Projekte, bei denen wir uns denken, das könnte was werden – und es wird nichts draus. Dann gibt es natürlich Arbeiten, bei denen wir selber zweifeln, und es wird doch was. Im Prinzip gehört sehr viel Glück dazu. Und es gibt ja immer auch noch andere Architekten. Was sind eure Erfahrungen mit dem Wettbewerbswesen in Tirol? M.S.: Meine Erfahrung aus der eigenen Jurytätigkeit ist, dass Wettbewerbe unglaublich dynamische Prozesse mit vielen offenen Parametern sind. In jedem Fall ist die Wettbewerbsvorbereitung ein sehr wesentlicher Faktor für ein gutes Verfahren. Wie dann die Fragestellung formuliert und interpretiert wird, welche Entscheidungen die anderen Teilnehmer treffen, wie die Beiträge gelesen und diskutiert werden, das ist Teil einer Situation, bei der nicht immer das beste Projekt gewinnen muss – oft gewinnt aber auch der beste Kompromiss. Als Teilnehmer entwickelt man sich mit der Erfahrung, aber es gehört, wie gesagt, immer ein Teil Glück zum Gewinnen dazu. R.R.: An großen offenen Wettbewerben beteiligen wir uns eher nicht, dafür ist unsere Bürostruktur nicht ausgelegt. Unsere Erfolge stammen aus geladenen Wettbewerben bzw. Wettbewerben mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren, was eine geringere Teilnehmerzahl mit sich bringt. Ich habe den Eindruck, dass die Beiträge dort genauer angeschaut, nicht sofort vom Tisch gewischt werden; da ist die Chance größer, auch wahrgenommen zu werden. Es gibt ja Projekte, die sich

erst auf den zweiten oder dritten Blick erschließen. Man muss sich verabschieden von der Idee, der Wettbewerb sei ein objektives, neutrales Verfahren. M.S.: Da man heute als Architekt zu fast allen größeren und öffentlichen Bauaufgaben nur noch über Wettbewerbserfolge kommt, besteht immer das Risiko, morgen schon ohne Aufträge dazustehen, so geht’s auch hochgeschätzten Kollegen. Große Firmen als private Auftraggeber gibt es in Tirol wenige, und die Hotellerie hat ihre eigenen Architekten. Natürlich stellt sich die Frage, ob man sich für jedes Projekt einem Wettbewerbs­ prozess stellen muss, obwohl man bis zu einem gewissen Grad bereits bewiesen hat, was man kann. Es bleibt ambivalent, aber vom Verfahren her gibt es wohl keine bessere Alternative. Und was kommt nach einem Wettbewerbs­ erfolg? R.R.: Da geht die Arbeit erst richtig los. Die Dinge in die Realität zu bringen, ist die große Schwierigkeit, da gibt’s viele Stolpersteine, und es braucht die unterschiedlichsten Kompetenzen. Das ist sicher ein Grund für Partnerschaften, da man unglaublich schwer alles alleine abdecken kann: Gestaltung, Kommunikation, Theorie, Konzeptuelles, technische und baurechtliche Fragen oder etwa die Kostenkompetenz – der erste Termin beim Auftraggeber beginnt unweigerlich mit der Frage: Was kostet das, wir haben das und das budgetiert. Dann muss man fundiert argumentieren können.

ES IST UNSERE AUFGABE UND UNSER ENGAGEMENT, FÜR DIE ÖFFENTLICHKEIT DIE UMWELT ZU GESTALTEN. M.S.: Um gute Architektur umzusetzen, muss sehr viel und immer mehr zusammenstimmen. Ohne einen offenen und engagierten Auftraggeber geht gar nichts, und man selbst muss versuchen, stetig professioneller zu werden. Dabei bleibt es ein Kraftakt, ein Projekt baulich umzusetzen und in die Welt zu bringen: Die Materie ist sperrig, muss wirklich im physischen Sinne bewegt und aufgestellt werden. Aber nur durch die Umsetzung wird man besser. Das war meine Erfahrung mit dem ersten Bau in Lans. Es sind überraschende Dinge entstanden, von denen mir klar war, dass ich sie nicht bewusst geplant habe. Der Erkenntnisgewinn war so sensationell, dass man meiner Meinung nach einen solchen Entwicklungsschritt nie auslassen darf. R.R.: In der Umsetzung trennt sich die Spreu vom Weizen, da zeigen sich die Unterschiede; ich meine damit: wie etwas daherkommt. Wir versuchen immer, das gesamte Leistungsbild abzudecken und geben ungern Teile davon ab – das ist mitunter auch eine wirtschaftliche Komponente.

Ihr realisiert jetzt euren ersten Wohnbau in Schwaz. R.R.: Es ist ein großer Wohnbau mit 70 Wohnungen in acht Baukörpern. Für das Grundstück haben wir schon über einen Zeitraum von fünf Jahren diverse Studien erstellt. M.S.: Wir schauen, was sich unter den Bedingungen der Marktwirtschaft umsetzen lässt. Der Bauträger hat seine Kompetenzen in der Projektentwicklung und -vermarktung. Wenn er offen für die Weiterentwicklung seines Produktes ist und unsere Kompetenz in organisatorischen, technischen und gestalterischen Fragen erkennt, wa­ rum sollte dann nicht ein gutes Projekt entstehen?

WIR STARTEN IMMER BEI NULL UND SIND BEREIT, JEDE ARCHITEKTONISCHE ENTSCHEIDUNG ZU HINTERFRAGEN. Wie seht ihr die Verantwortung, sich öffentlich zu äußern und einzubringen? R.R.: Soziale Verantwortung ist ein ernsthaftes Thema in unserem Beruf. Es ist unsere Aufgabe und unser Engagement, für die Öffentlichkeit die Umwelt zu gestalten. Deshalb interessieren uns die öffentlichen Projekte am meisten. Auch wenn es oft schwierig ist, in einem Dorf etwas Qualitätsvolles zu realisieren und nicht an den Befindlichkeiten und Eigeninteressen der verantwortlichen Personen zu scheitern. M.S.: Die Kommunikation, die „Software“ ist eher mein Kompetenzbereich, das interessiert ­Robert weniger. Ich habe das immer gern gemacht, da erkennt man, wie die Dinge laufen, wie Entscheidungsmechanismen funktionieren; Etwa in den Gesprächen vom aut mit der Stadt Innsbruck, im Kulturbeirat des Landes oder kürzlich in der Kammer beim Landesgestaltungsbeirat: Wenn ich erfahre, wie sie arbeiten, welche Schwierigkeiten sie haben, was die Statuten erlauben, wie viele Projekte vorliegen, wie sie beraten, welche Empfehlungen sie geben. Es wird mir klar, was die Autonomie der Gemeinden bedeutet, mit der wir ja ständig konfrontiert sind. Ich sehe Zusammenhänge und politische Strukturen, aufgrund derer sich unsere bauliche Realität so gestaltet, wie sie sich gestaltet. Man muss an ganz vielen, weichen Parametern schrauben, die zur Baukultur dazugehören. Das ist im weitesten Sinne Kulturarbeit. Wie ist eure Haltung zur Architektenkammer? M.S.: Die Standesvertretung gibt es seit langem, das werden wir aktuell nicht hinterfragen. Im Grunde wollen wir alle das Gleiche: gute Bedingungen für unseren Berufsstand. Was ich nicht verstehe ist, dass es dort so viele verschiedene Teams gibt, die manchmal gegeneinander arbeiten, wo doch das Ziel ein gemeinsames ist – das finde ich absurd. R.R.: Es liegt wohl im Wesen der Kammer, die sich ja aus unterschiedlichen Gruppierungen zu-

sammensetzt, dass zum Teil divergierende Inte­ ressen verfolgt werden. Im Grunde ist aber das Engagement der handelnden Personen zu begrüßen. Wo seht ihr euch in der Zukunft? M.S.: Jetzt übersiedeln wir erst mal in ein neues Büro mit mehr Platz. Wir haben derzeit so viel zu tun, dass wir gar nicht viel Zeit und Energie zum Nachdenken haben, sondern reagieren müssen. R.R.: Die momentane Phase ist schon spannend. So viel Arbeit wie jetzt, hatten wir noch nie. Wir hoffen natürlich, dass es so weitergeht, mit größeren, komplexeren Aufgaben. Wir haben keine Scheu vor irgendetwas, wir trauen uns über alles drüber. Man entwickelt mit der Zeit ein gewisses Selbstverständnis. M.S.: Wir gehen nie mit einer vorgefassten Vorstellung an eine Aufgabe heran, sondern versuchen, eine Situation sinnlich und intellektuell zu erfassen, erst dann reagieren wir darauf. Das ist die Arbeit mit der Realität, mit den Gegebenheiten und vorgegebenen Atmosphären. Sicher eine Vorgangsweise, die uns in räumlich städtebaulichen Fragen besonders auszeichnet. R.R.: Das Unterschiedliche entwickelt sich von selbst, aus dem Ort, der Umgebung, dem Thema heraus. M.S.: Wir starten immer bei null und sind bereit, jede architektonische Entscheidung zu hinterfragen. Deswegen sind alle unsere Bauten so unterschiedlich, jedes Projekt komplett anders. Und wie steht ihr zu den Einfamilienhäusern? M.S.: Ich habe das Haus für meine Familie gebaut, das ist für mich momentan ein gewisser Endpunkt, denn dabei habe ich versucht, jede Entscheidung ans selbst gestellte Limit zu bringen: gestalterisch, technisch und finanziell. R.R.: Wenn jemand kommt und ein Einfamilienhaus von uns will, dann machen wir das natürlich gerne, auch wenn das Einfamilienhaus in vielerlei Hinsicht keine große Relevanz hat.

MARTIN SCHARFETTER (GEB. 1972) Architekturstudium an der Akademie der bildenden Künste, Wien; Postgraduate Studium am Berlage Institut in Amsterdam und Rotterdam; seit 2004 Arbeiten für private und öffentliche Auftraggeber sowie Lehraufträge an der Universität Innsbruck ROBERT RIER (GEB. 1968) Architekturstudium an der Universität Innsbruck; 1997–2005 Mitarbeit bei Heinz Mathoi Streli; seit 2005 selbstständiger Architekt; Seit 2008 gemeinsames Büro Scharfetter-Rier PROJEKTE (AUSWAHL) 2017 Volksschule und Dreifach-Turnhallle in Kundl 2016 Volksschule und Gemeindezentrum in Bach 2015 und 2011 M-Preis-Servicezentrum in Völs, 5. und 6. Baustufe 2014 Haus für Kinder und Dorfplatz in Inzing (Aus­ zeichnung des Landes Tirol für Neues Bauen 2014, ZV Bauherrenpreis 2015) 2010 Kultur- und Veranstaltungszentrum KiWi in Absam (ZV Bauherrenpreis 2010, Auszeichnung des Landes Tirol für Neues Bauen 2010) WWW.SCHARFETTER-RIER.AT


28. FEBRUAR #01-02/2018 

F O T O : L A R RY R . W I L L I A M S

MAGAZIN

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ARCHITEKTUR & BAU FORUM

S C H A U P L ÄT Z E

R A N DB EMER K UN GEN

Witz und Sinnlichkeit

Partizipatives Werkzeug Historisches

AUSS T E L LU NG  

Anlässlich seines 90. Geburtstags widmet das Mak dem Architekten Gustav Peichl eine Personale.

B ILDUN G  

Zum Thema Bürgerbeteiligung geht das Kursprogramm der nonconform akademie Anfang März in die 2.Runde.

Vom 7. bis 8. Juni führt eine Reise zu nicht öffentlich zugänglichen historischen Bauten in Niederösterreich.

In seinen 50 Schaffensjahren, in denen er nicht nur als Architekt, sondern auch als politischer Karikaturist unter dem Pseudonym Ironimus erfolgreich war, realisierte Gustav Peichl rund 70 Bauten, 15 davon wählte er für die Schau im Mak aus. Einen zusätzlichen Blick auf sein Œuvre bieten die Fotografien der deutsche Künstlerin Pola Sieverding von Gebäuden in ihrem heutigen Zustand, die sie mit Skizzen, Entwürfen und Plänen aus der Mak-Sammlung kontextualisiert. Über 8.000 Entwurfszeichnungen, Skizzen, Pläne und Konzepte seiner österreichischen Bauten schenkte Peichl 2013 dem Mak. Trotz oder gerade wegen der Tatsache, dass im heutigen digitalen Zeitalter vorwiegend am Computer geplant wird, beharrt Peichl auf dem Skizzieren als Nachdenken auf dem Papier. Technische Ästhetik und klassische Proportionen haben für ihn ebenso viel Wert wie Witz und Sinnlichkeit. „Es gilt nach einer sinnlichen Architektur zu streben, nach einer Architektur unter Bezugnahme auf Eros“, so Gustav Peichl. Die Ausstellung läuft von 21. März bis 19. August 2018.  W W W.M AK . AT

Die nonconform akademie gewährt Einblicke in das umfangreiche Erfahrungswissen des Architekturbüros nonconfrom auf dem Gebiet partizipativer Beteiligungsprozesse. In den angebotenen Kursen werden unkonventionelle Partizipationsprozesse vorgestellt und verschiedene Methoden und Techniken der Kommunikation trainiert. Jedes Ausbildungsmodul umfasst zwei Tage, an denen die Teilnehmenden in Trainings und praxisnahen Lerneinheiten das Handwerk der Beteiligung gemeinsam erlernen. Von 5. bis 7. März startet das zweite Modul „Alles im Blick“, darin werden Rahmenbedingungen behandelt, die für das kompetente Aufsetzen eines Prozesses und zielorientiertes Arbeiten mit Auftraggebern und Teilnehmenden notwendig sind. Weitere Pakete verschiedener Schwerpunkte – etwa die Schaffung angenehmer Gesprächssituationen oder spannungsvolle Moderation – können ergänzt werden. Alle sechs Pakete bilden Bestandteile, die den Werkzeugkoffer für einen rundum gelungenen Prozess füllen.

ORTE NÖ engagiert sich für die Vermittlung von Baukultur in Niederösterreich mittels unterschiedlicher Formate und lädt zu dieser Reise ein. Das zuletzt von ORTE und der Kunstbank Ferrum publizierte Buch „Architekturlandschaft Niederösterreich, 1848 bis 1918“ erschien als fünfter Band des Reiseführers durch die niederösterreichische Architekturlandschaft und versammelt eine Auswahl von 200 herausragenden Bauwerken dieser außergewöhnlichen baukulturellen Blütezeit. In einer zweitägigen Rundreise durch das Mostviertel werden prominente sowie unbekannte Highlights erkundet und Einblick in Objekte gewährt, die für gewöhnlich der Öffentlichkeit verschlossen bleiben. Führen wird die Architekturhistorikerin Iris Meder, die auch für die Konzeption verantwortlich zeichnet. Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung in den 70 Jahren zwischen Märzrevolution und dem Ende des Habsburgerreiches prägt die gebaute Landschaft Österreichs und bestimmt die Identität das Landes bis heute.

W W W. N O N C O N FO R M-A K A DEMI E . AT

A N MEL DUN G B I S 2 6 . A P R IL U N T E R OF F IC E @ ORT E-N OE . AT

Porträt Gustav Peichl, 2017

nonconform möchte seinen Erfahrungsschatz erfolgreicher Partizipationsprozesse teilen.  F O T O : N O N C O N F O R M

Scheibbs-Neubruck: Töpper-Fabrik

F O T O : PA U L S C H I R N H O F E R

EXK URSION  

FOTO: ANDREAS BUCHBERGER

architektur in progress Madame 6. März, 19.00 Uhr, bei querkraft, Börseplatz 2, 10101 Wien

Märchen entwerfen VO RT RAG  Vorwiegend jungen Teams ermöglicht es architektur in progress, ihre ­Ideen und Werke einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren. Für die erste Edition des diesjährigen Jubiliäumsjahres wurde das junge Team von Madame eingeladen, um über ihr krea­ tives Schaffen zu sprechen.

Die neue US Botschaft in London, Architektur: ­Kieran Timberlake  R E N D E R I N G : K I E R A N T I M E R L A K E

Eine neue Botschaft Es gefällt nicht, das neue US-Botschafts­ gebäude in London aus der Feder des amerikanischen Büros Kieran Timberlake aus Philadelphia; unangemessen befindet man auch den weitläufiugen Bezirk in der Londoner Peripherie, Nine Elm gleich neben ­Battersea. Ellison Woodman, Architekturkritiker und Direktor der Architecture Foundation, schreibt dazu in einem Artikel des The Telegraph: „Die neue amerikanische Botschaft ist eine in Plastik verpackte Festung in einer toten Gegend Londons. Es verwundert nicht, wenn Trump sie nicht besuchen wird.“ Eine von der Mehrheit der britischen Presse geteilte Meinung. Und dennoch zeigen sich die Schöpfer des Projekts stolz darüber, sich an den grundlegenden Werten der amerikanischen Demokratie inspiriert zu haben: „Transparenz, Öffnung, Gleichheit“. Das Resultat ist ein transparenter zwölfgeschoßiger Kubus mit einem komplexen facettierten Beschattungssystem und einer höchst leistungsfähigen Hülle aus Ethylen-Tetrafluorethylen (ETFE), die die Sonneneinstrahlung auf ein Minimum reduziert und dabei ein Maximum an Tageslicht und Transparenz gewährleistet. Maßnahmen, denen das Bauwerk gemeinsam mit auf dem Dach installierten Photovoltaikpaneelen und einer Regenwassernutzung die LEED-Zertifizierung in Platin und BREEAM zu verdanken hat. „Ein strahlender und kristalliner Leuchtturm, respektvoll im Umgang mit seiner Umwelt“, beschreibt Timberlake den Entwurf. Die Kritiken? Nun, für jeden war es eine schwierige Aufgabe, das alte Botschaftsgebäude, ein Meisterwerk der Moderne, das Eero Saarinen 1960 geplant hatte, zu ersetzen. 

FRANCO VEREMONDI

Kaleidoskop der ­Architektur F EST IVA L  

Von 8. bis 10. März geht das diesjährige Architekturfestival Turn On erneut im Radiokulturhaus über die Bühne.

Weingut Liszt, Leithaprodersdorf 

FOTO: MADAME

Das Wiener Büro Madame Architects ZT GmbH besteht aus einem interdisziplinären Team von Architekten, Designern, Handwerkern, Theoretikern, Technikern – und Maschinen und verfügt über die beste Expertise in Entwurf und Entwicklung von kleineren Objekten als auch von Bauten und städtebaulichen Projekten. Gegründet wurde das Büro um Quirin Krumbholz (*1979), ­Rupert Zallman (*1981) und Lukas Galehr (*1983) im Jahr 2014 und bietet neben professioneller Konsulentenleistungen für Visualisierungen, Animationen, Set Design, parametrisches Entwerfen, Modell- und Prototypenbau auch architektonische Planungsleistungen an. Unter seinen Kunden finden sich daher auch Architekturbüros

wie Coop Himmelb(l)au (Renderings zum Dalian Conference Center), BUSarchitektur (3D gedruckte Modelle für die WU-Wien), Gregor Eichinger, Eric Owen Moss, Soma oder Lebbeus Woods. Der Zugang zu ihren Projekten mutet dabei stets sehr märchenhaft an. Die Veranstaltungsreihe architektur in progress wurde im Dezember 1997 ins Leben gerufen und stellt auch das Knüpfen sozialer Kontakte in den Fokus. Daher wird jeweils im Anschluss an den Vortrag zu einem Getränke­ buffet eingeladen, bei dem die Vortragenden persönlich kontaktiert werden können.  BLOG.MADAME.AT Anmeldung unter: architektur@inprogress.at W W W. A RC HI TEK T UR- I N PRO GR ESS . AT

Zahlreiche Vortragende aus dem In- und Ausland sorgen auch heuer wieder für ein interessantes Programm. Die Eröffnungsrede wird Anna ­Ramos, Direktorin der Fundació Mies van der Rohe in Barcelona, übernehmen. Den Festvortrag am Freitagvormittag mit dem Titel „Cities to Love“ hält Kristiaan Borret, Stadtbaumeister in Brüssel. Er spricht hierbei eine philosophisch-politische Metaebene an, die zugleich die Praxis des Bauens reflektiert. Anschließend folgt eine Reihe von Vorträgen, in denen die nationalen und internationalen Bezüge des Festivals behandelt und Architekturprojekte präsentiert und diskutiert werden. Am Donnerstag und Freitag werden im Rahmen des Thinktanks „Turn On Partner“ die divergenten Facetten eines Bauprozesses im Dialog beleuchtet sowie brisante Fragestellungen des aktuellen Bauens aus den Perspektiven unterschiedlicher Disziplinen fokussiert. Am Samstag versammelt dann Turn On wie gewohnt ausgewählte Büros sowie speziell kuratierte Bauten, denen besonders ambitionierte Entwurfsansätze zugrunde liegen. Sowohl österreichische als auch renommierte internationale Architekten werden vertreten sein, die auf kreative Weise auf die sich wandelnden Bedingungen reagieren und auf innovative Weise die Möglichkeiten für ihre Entwürfe ausloten. Das 16. „Turn On“-Festival findet von 8. bis 10. März 2018 statt.  W W W.T U R N - ON . AT

Dreifach Gold AU S ZEICHNU NG  Gleich drei von Kallinger Projekte und Kallco Development gemeinsam verwirklichte Wiener Wohnbauprojekte wurden Ende Jänner mit dem klimaaktiv Gold Standard ausgezeichnet. Entscheidend für die außergewöhnliche Anerkennung, bei der vor allem ein niedriger Energieverbrauch, Behaglichkeit, Raumluftqualität und Gesundheit sowie die Qualität von Ausführung und Wirtschaftlichkeit bewertet werden, waren die von Kallco und Kallinger gemeinsam entwickelten Innovationen Slim Buildung und Klima­loop, die bei drei Wiener Projekten in Simmering, Floridsdorf sowie dem Sonnwendviertel zum Einsatz kamen. Slim Building, ein modulares System von Raumelementen, ermöglicht von Primär- und Sekundärkonstruktion entkoppelt große Grundrissvariabilität Klima Loop reguliert thermisch mittels Erdwärme. (V. l. n. r.) Christian Schachenhofer und Stefan Eisinger-­Sewald (Kallco), Alexander Katzkow, (Katzkow & Partner GmbH), Winfried Kallinger (Kallinger Projekte), ­Peter Holzer (Ingenieurbüro P. Jung), Susanne Kallinger (Kallinger Projekte).  FOTO: KALLINGER PROJEKTE


28. FEBRUAR #01-02/2018 

MAGAZIN

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Im Fokus: Bau & Sanierung ME SS E  Vom 9. bis 11. März 2018 beantworten über 250 Aussteller der Baumesse com:bau in Dornbirn sämtliche Fragen rund ums Bauen und ­Sanieren. Mit einem vielseitigen Informationsangebot und zahlreichen Highlights wird die com:bau zum fünften Mal zur bedeutendsten Bauplattform der Vier-Länder-Region.

W

er ein Bau- oder Sanierungsprojekt plant, steht vor großen organisatorischen Herausforderungen. Nur wer sich ausreichend Zeit nimmt und alle Details bereits frühzeitig berücksichtigt, erlebt bei der Realisierung keine unliebsamen Überraschungen. Auf der 5. com:bau können sich alle Besucher umfassend zu ihrem Bau- oder Sanierungsprojekt informieren und beraten lassen.

250 AUSSTELLER IN ACHT BEREICHEN Lust aufs Bauen und Sanieren machen rund 250 kompetente Aussteller. Sie präsentieren sich auf 17.424 Quadratmetern in acht Hallen und in den Bereichen Planung, Finanzierung, Rohbau & Sanierung, Erneuerbare Energie, Haustechnik/ In­stallation, Ausbau, Außenbereich und Immobilien. Bau- und sanierungsinteressierte Besucher sowie Menschen, die Immobilien, Informationen zu unterschiedlichen Bauweisen, verschiedene Energielösungen oder den geeigneten Handwerker suchen, sind bei der com:bau richtig.

EXPERTENWISSEN SCHLÜSSELFERTIG ­PRÄSENTIERT Im Raiffeisen bau:forum bieten zahlreiche Expertenvorträge wertvollen Wissenszuwachs. Es greift aktuelle Themen auf und liefert Expertenwissen aus erster Hand. „Leistbarkeit im Wohnbau“, „Wohnbauförderung 2018“ oder „Energiekosten“ sind Themen der beliebten Vortragsreihe, denen in der Raiffeisen Halle 12 Raum gegeben wird. Experten von Energieinstitut, VKW, Raiffeisen und Land informieren mit weiteren Fachleuten rund um die Themen Bauplanung, Architektur, Wohnbauförderung, Energie und Immobilien. Apropos Immobilien: Für die vielen rechtlichen Fragen im Zuge eines Immobilienkaufs oder -verkaufs stehen die Vorarlberger Notare den Besuchern der com:bau beratend zur Seite.

SONDERAUSSTELLUNGEN BEHANDELN ­SPANNENDE THEMEN Besonderen Anklang finden alljährlich die umfassenden Sonderausstellungen. Heuer sind es

Com:bau 2017  F O T O :

SARAH SCHMID

die Themen Lehm und Holz, die das informative Angebot der com:bau abrunden. Denn in der Ausstellung „Bau mit Lehm!“ erfahren und begreifen Sie Lehm als modernen und gesunden Baustoff. Auf 140 Quadratmetern werden in Live-Vorführungen die Qualitäten von Lehm präsentiert, und jede Menge Materialien und Werkzeuge stehen zum Ausprobieren zur Verfügung.

Genauso umfassend wird auch das Thema Holz behandelt. COM:BAU MESSE DORNBIRN MESSEPLATZ 1 A-6854 DORNBIRN I: WWW.COMBAU.MESSEDORNBRIN.AT

PE R I S KO P

Kreativer Treffpunkt zum ­zukunftsfähigen Bauen Neuer Schauraum ERÖFFNUNG  Mit einem fulminanten Fest eröffnete Bene, der österreichische Büromöbelexperte und internationale Anbieter für inspirierende Büro- und Arbeitswelten, vor Kurzem, nach Berlin, Hamburg, Köln und München, nun seinen neuen Schauraum in Frankfurt am Main. 200 begeisterten Kunden, Partnern und Freunden des Hauses wurden unter dem Motto „Evolu­ tion at Work“ Antworten auf eine vielseitige und individuelle Arbeitswelt präsentiert. Anlass genug, erstmals in Deutschland seine neueste Innovation: Studio by Bene – ein modernes und modulares Arbeitsplatz-System für die steigende Zahl von Menschen, die Berufliches und Privates verbinden, zu zeigen – und die Gewinner des Pixel Art-Wettbewerbs auszuzeichnen. Das Eröffnungsfest des neuen Bene-Schauraums in Frankfurt am Main dauerte bei stimmunsvoller Live­ musik und mit österreichischen Köstlichkeiten bis spät in die Nacht.  F O T O : B E N E

Freudige Schüler mit (v.l.n.r.) BIG Geschäftsführer Wolfgang Gleissner, Bildungsministerin Sonja Hammerschmid, Landesschulratspräsidentin Elisabeth Meixner und Schuldirektor Reinhard Gande

KONGRE SS  BauZ! 2018 war, mehr noch als seine Vorgänger, ein Kongress, der ebenso im Kongressaal wie im Foyer davor stattfand. An zwei Tagen bot die Veranstaltung ­neben Vorträgen und Podiumsdiskussionen Raum für vielfältige Begegnungen, Abendveranstaltungen, Wissensaustausch sowie eine Exkursion.

B

auZ! wird seit 2013 international aufgesetzt – mit internationaler Bewerbung und Simultanübersetzung im Saal. Dieses Jahr konnten Delegationen aus Kanada, China, Deutschland und der Türkei begrüßt werden. Der Anteil ausländischer Gästen stieg auf 20 Prozent. Die interaktiven Formate, 2017 eingeführt, wurden ausgebaut. Neben klassischen Plenarvorträgen und Special-Interest-Workshops in kleineren Sälen gab es den „Kongress an den runden ­Tischen“, heuer eher als „Stehparty an den großen Monitoren im Foyer“: Eine erfolgreiche Variante eines World Cafés, das, bei kleinerem Publikum, eine lebhafte Diskussion begünstigt. 14 Firmen an Ausstellertischen hatten Gelegenheit sich in 1-Minuten-Vorträgen (Elevator Pitches) dem Ple­ narpublikum vorzustellen. Seit 2004 ist der jährliche internationale Kongress für zukunftsfähiges

Am 24. Jänner durfte Grohe Vorstandsvorsitzender ­Michael Rauterkus (Mitte) die Auszeichnung im ­Humboldt Carré Berlin stellvertretend für das Unternehmen entgegennehmen  F O T O : T. M A E L S A / B M A S

FOTO: ROBERT FRANKL

Zungenbart (Friedensreich Hundertwasser, 1991), an der Müllverbrennungsanlage Spittelau (Arch. Mag. arch. Josef Becvar, 1966–1971); Spittelauer Lände 45, 1090 Wien, Februar 2018  F O T O : W A LT E R M . C H R A M O S TA

Bauen kreativer Treffpunkt für Fachleute des Bauwesens aus Österreich und anderen Ländern, die, während sie ihre beruflichen Ziele verfolgen, ein Auge sowohl auf die ökologischen wie auch die gesellschaftlichen Folgewirkungen ihrer Tätigkeit haben wollen. Unter dem Motto „In Betrieb gesetzt – was kommt ins Laufen?“ ging es heuer – kurz gesagt – um Erweiterungen. Die Systemgrenzen der Gebäudetechnik wachsen über die Gebäudegrenzen hinaus in Quartiere und erweitern sich zur Energieraumplanung. Die Planerstellung der Architektur erweitert sich zum digitalen Modell, auf das alle weiteren Akteure – Tragwerksplaner, Gebäudetechniker, Bauphysiker und Gebäudesimulation, Ausschreiber der Leistungen, Bauausführende bis hin zu Planung und Verwaltung des Gebäudebetriebs – zugreifen und das Ihrige hin-

BauZ! 2018: Neu ist der „Kongress an runden Tischen“ als Ort lebhafter ­Diskussionen.  F O T O : I B O

zufügen. Die spezialisierten Akteure im Bauprozess, traditionell durch Ausschreibungen, Aufträge und Claim Management einander formalisiert zugeordnet, erweitern ihre informelle Kommunikation, angeleitet von einem gemeinsamen Gebäudemodell, das ihnen auch keine andere Möglichkeit lässt. Die Bauherrenrolle, seit Langem vorwiegend anonym von institutionellen Investoren wahrgenommen, erweitert, demokratisiert und personalisiert sich auf Gemeinschaften, wohlgeordnete Gruppen zukünftiger Nutzer – die neuen auch genossenschaftlichen Modelle der Baugruppen. Die Oberfläche von Gebäuden erhält erweiterte Funktionen durch Energiegewinnung, aber auch durch Begrünung bis hin zur gärtnerischen Produktion. Der Call for Papers für den Kongress im Februar 2019 startet im April.  W W W. BAU Z . AT

Der Masterplan Bermuda-Dreieck DA S L E T Z T E   Das „Bermuda-Dreieck“ aus Polizei, WU und Fernheizwerk wurde in den Siebzigern als Versuchsanlage architektonischer Maximaldivergenz angelegt, um im Maßstab 1:1 zu testen, ob der Mensch die ungestaltete Stadt der Moderne ertragen kann. Nicht nur Postmodernisten ist seitdem klar: Eine Stadt ohne Geschichte erträgt der Mensch nicht – und der Masterplan Bermuda-Dreieck soll abhelfen. Die vorbereitenden Grabungen in der Spittelau wurden vom Christoph-Stoltzmann-Institut für archäologische Stadtfigurforschung (STAFF) im Auftrag des Wiener Departements für Städtebau durchgeführt. Dabei wurde ein sensationeller Fund gemacht: eine Stadtansicht. Das in roten Sandstein geritzte Werk ist nicht nur die erste Stadtdarstellung Wiens, sondern überhaupt. Die Archäologen halten es für ein Bauornament an

einem Sakralbau der Altsteinzeit. Der kürzlich präsentierte, restaurierte Fund zeigt in einer Kombination von Grund- und Aufriss eine halbinselförmige berandete Stadtanlage: uferbegleitend eine zweizeilige Randbebauung, mittig zwei Monumentalbauten: ein kompakter aus acht ­Modulen gebildeter Palast und ein sich über zwei Sockelstufen erhebender Turm. An unweit entdeckten Fundamenten konnte ein Quadratraster von 16 x 16 Meter nachgewiesen werden, sodass sich für den Turm mit acht Rasterfeldern eine imponierende Höhe von 126 Meter ergäbe. Welcher hinreißende Kult muss hier gewirkt haben, der den Menschen solch babylonische Träume schenkte? Die Vizebürgermeisterin hat sofort zugesagt, diese formidable Stadtmetapher dem Masterplan für den Franz-Josefs-Bahnhof zugrunde zu legen. WA LT E R M . C H R A M OSTA


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#01-02/2018

FORUM PL ANEN

Ein Blick in die Ausstellung des Architekturzentrum Wien „Form folgt Paragraph“  F O T O :

LISA RASTL

Wollt ihr die totale Sicherheit? NO RM EN F LU T UN D PARAG RAP H ENDSCHUNGE L  Kaum ein Aspekt des Bauens wurde in den letzten Jahren so beklagt wie die „Normenflut“. Die Ausstellung „Form folgt Paragraph“ im Architekturzentrum Wien leistet jetzt mit der Visualisierung von Normen und Gesetzen im Bauwesen anschauliche Aufklärungsarbeit, und das ganz ohne anklagenden Tonfall. VON MAIK NOVOTNY

E

ine „Baubehörde für totale Sicherheit“ erfanden drei Studierende der TU Wien im Zuge eines Semesterprojekts Anfang 2017. In ihrem einminütigen Film nahmen sie unter eben jenem Titel die Übernormierung des Bauwesens auf die Schippe. Die Sehnsucht nach totaler Sicherheit: Sie ist nicht der geringste Grund für die seit Jahren beklagte „Normenflut“. Rund 3.000 der 20.000 österreichischen Normen betreffen das Bauwesen. Das ist nicht nur eine ganze Menge, die Normen ändern und vermehren sich auch noch beständig, manche – etwa Brandschutz und Barrierefreiheit – widersprechen sich bisweilen, all das verteuert das Planen wie das Bauen, und dann müssen die ÖNormen von den Architekten auch noch selbst bezahlt werden. Obwohl sich im Zuge der anschwellenden Debatte alle Beteiligten seltsam einig scheinen, dass man über das Ziel hinausgeschossen ist, und obwohl mit dem Dialogforum Bau schon Initiativen

ARC HI T EK T U R & BAU FO RU M

zur Eindämmung der Flut bestehen, hat das Problem nichts an Dringlichkeit und Relevanz verloren. Ursachen gibt es viele: Die Partikularinteressen der Industrie, die ihre Produkte in den Bauprozess hineinreklamieren will, die gesetzlichen Hierarchien von den neun Bundesländern bis zur EU, die alle ihre eigenen Ideen in die Gemengelage werfen. Funktionsspezifische Festlegungen, etwa für Krankenhäuser oder den geförderten Wohnbau, kommen noch dazu.

WORST-CASE-SZENARIEN Die „Normenflut“ ist zweifellos eine gesamtgesellschaftliche Hochwassersituation, die nicht nur das Bauwesen betrifft. Aus der Spirale immer absurderer Worst-Case-Szenarien ist eine Vollkasko-Gesellschaft entstanden, die sich selbst keine Fehler mehr zugesteht. Ein Best-of Worst Case: Wenn die Wientalterrassen vom Büro Tillner & Willinger mit höheren Brüstungen aufgerüstet werden, weil ja theoretisch jemand eine Sitzbank

auf die Trasse der U4 werfen könnte. Wenn Absturzsicherungen in Schulen immer höher werden, weil Schüler ja theoretisch Tische und Stühle aufeinanderstapeln könnten, um sich von diesen aus Versehen in den Tod zu stürzen. Wenn Spielplätze nur noch mit restlos durchzertifizierten Geräten ausgestattet werden dürfen, in denen sich kein kindliches Körperteil mehr verfangen kann, aber sich trotzdem immer mehr Kinder auf Spielplätzen verletzen. Es wäre lustig, wenn es nicht so traurig wäre, dass den Bürgern in unseren aufgeklärten und klugen Zeiten immer weniger Eigenverantwortung und Mündigkeit zugetraut wird. Und sind es nicht letztendlich wir selbst, die für die Misere verantwortlich sind, wenn wir bei jedem Vorfall sofort schreiend nach den Schuldigen suchen, weil irgendwer ja immer schuld sein muss? Kein Wunder, dass Architekten wie Wolf D. Prix das Aussterben der Handschlagsqualität am Bau beklagen. Juristen und Gutachter freuen sich in

... wenn es um Produktentscheidungen und um innovative Raumgestaltung im Objektbereich geht!

BADDESIGN am 28. Juni 2018

dieser schuldbesessenen Vergerichtlichung der eigentlich so schönen und ehrbaren Aufgabe des Bauens über dicke Aufträge, denn es muss ja ständig begutachtet und beurteilt werden. An sich sinnvolle Schutzinteressen verlieren Maß und Ziel, wenn sie kompromiss- und ausnahmslos durchexerziert werden. Wenn eine Baustelle jahrelang stillsteht, weil sich ein Ziesel gegen die Umsiedlung sträubt oder dem violetten Sommerwurz seine Ausgleichsfläche nicht behagt. Claim-Management und Counter-Claim-Management haben die Herrschaft über die Großbaustelle übernommen. Kleine Mängel werden zu Zeitbomben, die ganze Firmen in den Abgrund reißen können. Eigentümer von Altbauten droht die zivilrechtliche Klage, wenn ihre schönen Stiegengeländer aus der Gründerzeit zu niedrig sind, und dann „etwas passiert“. Denn vor Gericht zählen die anerkannten Regeln der Technik. ▶  SE IT E 1 0


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ARCHITEKTUR & BAU FORUM

FO R M FO LGT PA R A G R A P H / D A S A U S G E LO BT E L A N D

LES EZ EI C HEN David Calas: Schau­ plätze der Architek­ tur in Südtirol. Mit Fotos von Sven Wuttej und Augmented Reality-Integration von Clemens Horvath, Folio Verlag, Bozen/Wien 2017, ISBN 978-3-85256-733-4

Ausstellungsansicht „Form folgt Paragraph“ 

Sobald Änderungen am Bestand vorgenommen werden, gilt aktuelles Recht.  F O T O :

FOTO: LISA RASTL

ANDREAS LEDL

Außer dem Denkmalschutz gab es in Tirana nur wenige Regeln für den TID ­Tower (2016) von 51N4E Architekten.  F O T O : S T E FA N O G R A Z I A N I

Beim Haus CJ5 von Caramel Architekten ermöglicht ein kreativer Umgang mit der Bauordnung eine erstaunliche Nachverdichtung. FOTO: CARAMEL ­A R C H I T E K T E N

Die Reserven des Bebauungsplans: JSG – Wohnbau Jagdschloßgasse, gerner°gerner plus  F O T O : Z A R A P F E I F E R ,

Wäre dieser fantastische Spielplatz heute noch ­möglich?, WIG 74, Kurpark Oberlaa

I L L U S T R AT I O N : C H R I S T I N A L E N A R T

F O T O : M A 4 2 – W I E N E R S TA D T G Ä R T E N

▶ KEIN KLAGEGESANG Genug Material also für einen aus­ ufernden Klagegesang oder eine wütend zeternde Polemik. Die Ende November im Architekturzentrum Wien eröffnete Ausstellung „Form folgt Paragraph“ ist keines von beiden. Und das ist gut so. Ihr Ziel ist es keineswegs, Gesetzgeber in Bausch und Bogen an den Pranger zu stellen. Vielmehr will sie illustrieren, welchen Einfluss Normen und Gesetze auf die Gestalt des Gebauten haben und welche Freiheiten den Architekten dabei noch bleiben. Was die Frage aufwirft, ob so viel Transparentmachung von Hintergründen die auratische Schaffenskraft der Architektur nicht womöglich beschädigt. Werden Architekten zu reinen Erfüllungsgehilfen degradiert, die nur das gesetzlich vorgegebene Korsett ausfüllen dürfen, so als wäre Architektur nur ein dreidimensionales Malen nach Zahlen? Natürlich nicht. Schließlich kapitulieren Architekten nicht vor der Normenflut, und die Workarounds und Tricks, mit denen sie entweder subversiv gegen die Gesetzesintentionen arbeiten, ungeahnt freie Lichtungen im Paragraphendschungel entdecken oder sich bemühen, die Regeln zu ändern, werden in der Ausstellung mit großer Freude gezeigt. Von der fast karikaturenhaften Aussparung des vom belgischen Büro 514NE errichteten TID-Towers in Tirana für einen winzigen denkmalgeschützten Altbau in Tirana bis zu Arno Brandlhubers „Gästehaus Rachel“ bei Berlin, das kunstvoll mit den Regeln des Bestandsschutzes spielt und aus diesen einen eigentlich unmöglichen Neubau herausschält. Bisweilen lassen sich Reservate gegen die Regelflut errichten, wie im passenderweise gegen die Fluten des Ijsselmeers eingepolderten Almere-Oosterwold, für das MVRDV ein Stadtentwicklungskonzept auf Basis der kompletten Eigenver-

antwortung und -finanzierung entwickelten.

PARAGRAPH FOLGT KULTUR Die Kernbotschaft der Ausstellung: Form folgt Paragraph, aber die Paragraphen folgen gesellschaftlichen Konventionen. Es sei wichtig zu zeigen, dass Regulatorien Kon­ strukte seien, die sich von Kultur zu Kultur unterscheiden, betonte auch AzW-Direktorin Angelika Fitz anlässlich der Eröffnung. Die Tatsache, dass sich die Kuratorinnen ­Martina Frühwirth, Karoline Mayer und K ­ atharina Ritter nicht zu kulturpessimistischer Larmoyanz verführen ließen und auch das Exponieren vermeintlich schildbürgerhafter Kuriosa nur sehr homöopathisch dosiert wird, resultiert in einer Schau, die so vergnüglich wie lehrreich daherkommt. Die abstrakten Zusammenhänge von Kultur, Gesetz und gebautem Resultat anschaulich darzustellen und die textlastige Trockenheit von Paragraphen in eine Architekturausstellung zu transferieren, ist keine leichte Aufgabe. Die Ausstellungsarchitektur aus Aktenordnern (Konzept: planet architects) mag fast zu naheliegend wirken, ergibt aber ein einladendes Labyrinth, in dem man auf Entdeckungsreise gehen kann. Diagramme, Texte, Bilder, Objekte und Einladungen zu Selbstversuchen bringen die nötige Abwechslung in die Wissensvermittlung. Das auffälligste Element der Ausstellung ist eine Reihe von Treppen aus verschiedenen Ländern, gebaut im jeweils dort zulässigen Steigungsverhältnis – Handläufe inklusive. Ein Erlebnisparcours „Baugesetz“, dessen von risikofreudigen Besuchern erlangter Erkenntnisgewinn vor Ort ersichtlich ist. Noch dazu ein selbstreferenzielles Augenzwinkern, denn die steilen japanischen und niederländischen Steigungsverhältnisse sind in Wien natürlich nur als

Haftungsfrage schlägt Erfahrungswissen: „Achtung! Holz kann im Winter rutschig werden“, WU-Campus Wien  F O T O : K A R O L I N E M AY E R

Rauminstallation zulässig. „Betreten auf eigene Gefahr“ mahnt ein Schild. „You have been warned“.

MEHR ALS EINZELFÄLLE Es ist ein Verdienst der Ausstellung, dass sie es nicht bei interessanten Einzelfällen belässt, sondern auch den für Laien oft nicht erkennbaren Einfluss von Normen auf das Stadtbild illustriert. Welche Auswirkungen diese Regeln haben, wird didaktisch-plakativ an Fallbeispielen gezeigt. Einen Dachbodenausbau mag man leicht übersehen, die Garagen, die aufgrund der Stellplatzverpflichtung in der Erdgeschoßzone darunter entstehen, nicht. Dass beides kausal zusammenhängt, ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Es ist aber elementar für das Verständnis von Stadtentwicklung, von Entscheidungsprozessen und der Rolle der Architektur in all dem. Weitere Anschauungsbeispiele: Die eigenartige Geometrie eines Mehrfamilienhauses am Wiener Stadtrand wird durch rote Linien als direkte Umsetzung des maximal Zulässigen, als „gebautes Gesetz“ erkennbar. Der Innenhof eines Baufelds im Sonnwendviertel wird als Verdichtung und Überlagerung zu erfüllender Bedingungen wie Spielplatzgesetz, Feuerwehrzufahrt und Belichtung erkennbar. Wie gut oder schlecht die Planer mit diesen Rahmenbedingungen umgegangen sind, lässt sich auf dieser Basis um ein Vielfaches besser beurteilen als durch rein subjektive Anschauung. Auch die Aufarbeitung des historischen Hintergrunds fehlt nicht: Am Anfang steht die Geschichte der Wiener Bauordnung, die seit der Erstauflage im Jahr 1829 von 30 auf 140 Paragraphen angeschwollen ist. War ihre Intention im 19. Jahrhundert vor allem der ästhetisch motivierte Schutz des Stadtbildes, rückte der Schutz vor Katastrophen immer mehr in den Vordergrund. Jedes De-

saster, wie etwa der Ringtheaterbrand von 1881, war Anstoß für eine Verschärfung der Regeln. Der Verdacht, dass diese Verschärfungen immer schneller passieren, bestätigt sich. Heutzutage sind es weniger gesamtgesellschaftliche Werte als Partikularinteressen, die die Gesetzgebung bestimmen. Ein Werkzeug, das heute jede Bürgerinitiative, die einen Neubau verhindern will, zu bedienen weiß. Dass das bisher als trockene Materie vernachlässigte Thema der Baugesetze jetzt im Zentrum steht, ist zu begrüßen. Schon 2016 lenkte eine Ausstellung an der ETH Zürich die Aufmerksamkeit auf diese Thematik, parallel dazu erschien die Publikation „Legislating Architecture“ von Arno Brandlhuber und dem Filmemacher Christopher Roth. Auf der Architekturbiennale 2016 war es der koreanische Pavillon, der unter dem Titel „The FAR Game“ der maximalen Ausnützung der zulässigen Geschoßflächenzahl (Floor Area R ­ atio) im dicht bebauten Seoul und den daraus resultierenden Bauvolumen nachging. Die Publikation „Super Legal Buildings“ des Architekten Yasutaka Yoshimura tat schon 2006 dasselbe für Japan, Auszüge daraus sind auch im AzW zu sehen. Die Ausstellung kommt also genau zur richtigen Zeit. Die Nachricht, dass sie sich bereits zum Besuchermagnet entwickelt hat, spricht dafür. Dass unter diesen Besuchern eine große Anzahl von Behördenvertretern und Prozessbeteiligten sind, ist ermutigend. Denn die totale Sicherheit will niemand. Welche Sicherheiten sinnvoll sind und wo mehr Freiheiten angemessen sind, ist Verhandlungssache. „Form folgt Paragraph“ steckt dafür auf vorbildhafte Weise den Verhandlungsspielraum ab. Form folgt Paragraph, AzW Wien, noch bis 4. 4. 2018

Baukultur erleben Der erlebnisorientierte Architekturführer zu 47 baukulturell relevanten Schauplätzen in Südtirol zelebriert den Reiz der Vielfalt und versammelt Schutzhütten und Hotels, Festungen und Bunker, Brücken und Plätze, Bauernhöfe und Kletterhallen, Weinkeller und Gebetsräume zu einem spielerischen Parcours baulicher Besonderheiten aus unterschiedlichen Epochen. Der Schwerpunkt liegt zwar eindeutig auf zeitgenössischen Beispielen, doch finden sich in der Auswahl auch anonyme Bauten und Klassiker wie die Pension Briol von Hubert Lanzinger (1928), das Hotel Paradiso in Martell von Gio Ponti (1935) oder das Seehotel Ambach von Otmar Barth in Kaltern (1976). Acht handschriftlich gesetzte Thementitel mit dialektalen Anklängen – zum Beispiel „hem obn“ (ganz oben) oder „af an sprung“ (Auf einen Abstecher) – schaffen für die Projektauswahl eine typologische Struktur. Die Projektbeschreibungen und beigefügten schematischen Skizzen versuchen in ihrer gezielten Lockerheit die Trockenheit der Fachpublizistik hinter sich zu lassen. Zu elf ausgewählten Projekten lassen sich zudem per Smartphone eine dreidimensionale Darstellung und zusätzliche Informationen zur Geschichte des Objekts abrufen. Dieser Versuch, die Architektur einer Region lebendig zu vermitteln, ist beachtenswert, auch wenn der zugewiesene Raum „für eigene Notizen“ vermutlich von kaum jemandem in Anspruch genommen wird. 

GABRIELE KAISER

Dietmar Eberle (Hg.) und Eberhard Tröger: Dichte und Atmosphäre – Über die bauliche ­Dichte und ihre Bedingungen in der mitteleuropäischen Stadt. Birkhäuser 2014,­ ­Neuauflage 2017 ISBN-13 9783990435663

Über die Dichte Bestimmt bauliche Dichte die ­Atmosphäre eines Stadtquartiers? Können Quartiere durch Herstellung einer bestimmten Dichte atmosphärisch „gestimmt“ werden? ­Dietmar Eberle hat als Professor an der ETH Zürich eine Reihe von Forschungsprojekten zu diesen Fragen in den Städten ­Berlin, München, Wien und Zürich initiiert und betreut. Eberhard Tröger hat aus dem umfangreichen Material ein monumentales Buch gemacht, nicht ohne die Hilfe der Fotografin Claudia Klein, die auch an der bemerkenswerten Gestaltung des Buches Anteil hat. Der Indikatorwert von Geschoßflächenzahlen (GFZ) wird, statt auf die Parzelle, auf den gesamten gewählten Quartierausschnitt (Perimeter) bezogen, sodass nicht bebaute private, halböffentliche und öffentliche Flächen ausgewiesen werden können. Untersuchungsgebiete sind je neun Perimeter homogener Dichte in neun Dichteklassen (von GFZ < 0,4 bis > 2,7) aus den vier untersuchten Städten. Untersucht werden die mögliche Orientierung der Menschen zu ihren privaten Räumen und zu Grünräumen, wenn vorhanden, oder zur Straße und anderen öffentlichen Flächen vor der Tür (wenn vorhanden). 

T O B I A S W A LTJ E N


28. FEBRUAR #01-02/2018 

P L A N E N 11

Die Beurteilungskriterien O H N E J ED E G EWI CH T UN G   Ein Detail, das jeden Architekturwettbewerb bestimmt, sind die Beurteilungskriterien. Obwohl im Bundesvergabegesetz hinreichend ­normiert und im Wettbewerbsstandard Architektur eindeutig definiert, rankt sich um den Beurteilungsmaßstab des Preisgerichts überflüssige Kreativität. Eine Auffrischung. V O N W A LT E R M . C H R A M O S TA

U

nter öffentlichen Auslobern und Verfahrensorganisatoren gibt es eine Konkurrenz um die kreativste Formulierung des Vorsatzes zu den Beurteilungskriterien. Die Begriffsbestimmung in § 2 Z 20 lit b BVergG 2006 lautet bekanntlich: „Beurteilungskriterien sind die vom Auftraggeber in der Reihenfolge ihrer Bedeutung festgelegten, nicht diskriminierenden Kriterien, nach welchen das Preisgericht bei Wettbewerben seine Entscheidungen trifft.“ Daher ist das Ziel der Umschreibversuche statt „der Reihenfolge ihrer Bedeutung“ entweder eine Gleichbedeutung oder sogar eine Verhältnissetzung der Bedeutung, also eine Gewichtung, zu erreichen. Beide Ansätze konfligieren mit dem Wesenszug des Architekturwettbewerbs, die Entscheidung allein über qualifizierende und nicht über quantifizierende Aussagen zu treffen. Obwohl dazu auch der Wettbewerbsstandard Architektur (WSA 2010) keinen Zweifel offenlässt, tauchen in Auslobungstexten oft Umschreibungsversuche zur Relativierung der Reihung und in älteren Leitfäden (Grundlagen zur Durchführung von Wettbewerben, Wien 2003) Empfehlungen dazu auf, die dann zu Konflikten in der Kooperationsverhandlung mit der Kammer werden. Dieser Umweg sollte vermieden werden. Der Wettbewerbsstandard Architektur stellt schon in den Grundsätzen des Art III Z 14 klar, dass „Preisgerichtsurteile als Fach- und Ermessensentscheidungen grundsätzlich nicht quantifizierbar sind.“ Die Definition des Wettbewerbs kann nur unter Einbeziehung der Beurteilungskriterien gelingen (WSA Art IV Z 2): „Architek-

turwettbewerbe sind methodisch gesehen Ideen­ konkurrenzen, bei denen geistige Leistungen (…) anhand vorweg bekannt gemachter Beurteilungskriterien gegenübergestellt (…) werden.“ Jedes verantwortungsvolle Preisgericht wird „seine Entscheidungen aufgrund von Wettbewerbsarbeiten, die anonym vorgelegt werden, und nur aufgrund der Beurteilungskriterien treffen.“ (WSA Z 8 § 3 Z). Deswegen muss das Preisgericht auch im ureigenen Interesse bei der konstituierenden Sitzung die im Textentwurf angegebenen Beurteilungskriterien samt Vorsatz lesen und diskutieren und ggf. eine bessere Wortwahl treffen. Dazu WSA § 7 Z 6: „In der konstituierenden Sitzung definiert das Preisgericht abschließend das Wettbewerbsziel und die Aufgabenstellung; es wägt die Wettbewerbsrisiken für AusloberIn und TeilnehmerInnen ab. Darauf abgestimmt werden die Bekanntmachungsund Auslobungstexte zur Veröffentlichungsreife gebracht. Insbesondere ist das Preisgericht um die Klärung folgender Aspekte besorgt: (…) auf die Wettbewerbsaufgabe bezogene, in der Reihenfolge ihrer Bedeutung formulierte, nicht gewichtete Beurteilungskriterien.“ Der Beurteilungsmaßstab kann generell in seiner zentralen Bedeutung für das Verfahren nicht überschätzt werden: Sind die Beurteilungskriterien falsch geschrieben oder werden taugliche Beurteilungskriterien falsch gehandhabt und der falsche Umgang auch noch 1:1 protokolliert, dann öffnet sich das Einfallstor für vergaberechtliches Ungemach, das bis zur gesonderten Anfechtung der Ladung des Gewinners zum Verhandlungs-

verfahren führen kann. Nicht zuletzt deshalb wird die Qualifikation der Preisrichter an ihrer Beurteilungskraft festgemacht: „FachpreisrichterInnen verfügen über die Qualifikation, die Lösung der Wettbewerbsaufgabe basierend auf der Gesamtheit der bekannt gemachten Beurteilungskriterien beurteilen zu können“ (WSA § 4 Z 10), bzw. „SachpreisrichterInnen verfügen über die Qualifikation, die Lösung der Wettbewerbsaufgabe in Hinblick auf einzelne der bekannt gemachten Beurteilungskriterien beurteilen zu können“. (WSA § 4 Z 13) Als Handhabungsregeln gelten, dass „die Beurteilung der Wettbewerbsarbeiten ausschließlich gemäß den in der Reihenfolge ihrer Bedeutung angegebenen, nicht gewichteten Beurteilungskriterien zu erfolgen hat, die im Auslobungstext genannt sind“ (WSA § 18 Z 1) und dass „das Preisgericht jede einseitige Berücksichtigung von Beurteilungskriterien zu vermeiden hat. Vielmehr sind die bekannt gemachten Beurteilungskriterien als Ganzes anzuwenden, damit die Wettbewerbsziele umfassend berücksichtigt und die den Wettbewerbsarbeiten zugrunde liegenden konzeptionellen Ansätze erfasst werden können“ (WSA § 18 Z 4). Gerade der saloppe Gebrauch einzelner Kriterien richtet großen Schaden an, insbesondere wenn er sich im Protokoll zu einer Gewissheit verfestigt hat. Die Preisgerichtsdiskussion mag bruchstückhaft, chaotisch oder voller Umwege gewesen sein: Entscheidend ist der Erkenntnisgewinn, der zu einer Entscheidung berechtigt und dann der Mut, diesen Lerneffekt textlich so zu fassen, dass ein nachvollziehbarer Vorgang zu lesen ist.

Die Vorgabe der gestuften Beschreibung ist ernst zu nehmen: „die Entscheidungen des Preisgerichts müssen schriftlich begründet werden. Das Ausscheiden von Wettbewerbsarbeiten in den ersten Rundgängen muss zumindest zusammenfassend für jeden Rundgang begründet werden. Dabei ist auf die höchst gereihten Beurteilungskriterien Bezug zu nehmen. Die Projekte der engeren Wahl, mindestens aber die doppelte Anzahl der Projekte, für die Preise und Anerkennungspreise vorgesehen sind, sind auf jeden Fall einzeln zu beschreiben; deren Auswahl ist ausführlich zu begründen.“ (WSA § 18 Z 9). Es gibt Tendenzen von großen Auslobern, die Protokollpflichten des Preisgerichts zu reduzieren, um Sitzungszeiten zu sparen. Aus der Systemperspektive ist es sowohl kontraproduktiv, nachgereihten Teilnehmern Rückschlüsse auf ihre Arbeit vorzuenthalten, als auch auf eine vollständige Qualitätsdebatte zu verzichten oder sie nicht zu dokumentieren. Welche Empfehlungen sind zu Wettbewerbsgeheimnissen zu geben? 1. Beurteilungskriterien sind nie „im Verhältnis“, also gewichtet und in der Konsequenz zu Punktesystemen führend, anzugeben; 2. „gleich bedeutende“ Beurteilungskriterien anzugeben ist ein Fingerzeig an das Preisgericht, seine Aufgabe zu erfüllen, aber nicht mehr; 3. das Protokoll muss auch nach komplexem Sitzungsverlauf eine klare Aussage exakt auf Basis der Beurteilungskriterien geben.

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ARCHITEKTUR & BAU FORUM

IM GESPRÄCH MIT ELKE DELUGAN-MEISSL

„Weiterbauen ohne Tabula rasa“ BAU K U LT U RELLES Q UALI TÄTSM ANAGE ME NT   Der Wiener Fachbeirat für Stadtplanung und Stadtgestaltung musste sich in den vergangenen Jahren auch von Architektenseite oft Kritik anhören. Seit Oktober 2017 ist Elke Delugan-Meissl Vorsitzende des Beirats. Wie sie die Rolle des Gremiums sieht, erklärt sie im Interview. VON MAIK NOVOTNY

A

n der Bevölkerung geht seine Arbeit meist unbemerkt vorbei. Als der Wiener Fachbeirat für Stadtplanung und Stadtgestaltung 2016 im Zuge der Heumarkt-Debatte in die Nachrichten gelangte, dürften viele das erste Mal von ihm gehört haben. Damals führte seine Kritik an Teilen des Bauvorhabens zur – wenige Tage vor der für die Grünen wichtigen Bundespräsidenten-Stichwahl – verkündeten „Nachdenkpause“, welche – einen Tag nach der zweiten Bundespräsidenten-Stichwahl – im Dezember 2016 mit einem positiven Urteil endete. In der Fachwelt war dies Auslöser für Kritik am Urteil und an der Zusammensetzung dieses Gremiums, nicht zum ersten Mal in seinem nunmehr 70-jährigen Bestehen. Vertreter der Kammer für Architekten und Ingenieurkonsulenten monierten die mangelnde Unabhängigkeit der (ehrenamtlichen) Mitglieder des Fachbeirats; von denen nicht wenige in Wien selbst eifrig bauten. Auch frühere Beiratsmitglieder wie Hans ­Hollein, Wilhelm Holzbauer und Manfred Wehdorn durften sich selten über eine schlechte Auftragslage in Wien beklagen. Man verwies auf andere Städte wie Graz und Salzburg, in deren Beiräten nur Architekten vertreten sein dürfen, die in der Stadt nicht ansässig sind, oder, wie in Innsbruck, während ihrer Tätigkeit keine Aufträge der Kommune annehmen dürfen. Auch die mangelnde Transparenz der Entscheidungen wurde immer wieder bemängelt, zuletzt kam auch Kritik von den Beiratsmitgliedern selbst: Architek­tin Hemma Fasch erklärte, die Mitglieder bekämen Unterlagen erst kurz vor der Entscheidungsfindung und hätten viel zu wenig Zeit, um sich in komplexe Projekte einzuarbeiten. Die Notwendigkeit von Gestaltungsbeiräten als baukulturelles Qualitätsmanagement und als fachliche Beratung der Verwaltung wird dabei von kaum jemandem in Frage gestellt. Im Gegenteil: Immer mehr Kommunen in Österreich, Deutschland und der Schweiz setzen auf Fachgremien dieser Art, zunehmend auch im ländlichen Bereich, wo die Dringlichkeit eines baukulturellen Korrektivs oft noch mehr geboten scheint als in den Städten. Unter welchen Bedingungen ein Gestaltungsbeirat am besten arbeiten kann, darüber wird immer wieder debattiert, etwa auf der Konferenz „Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte“ im Mai 2017 in Mannheim. Seit dem 11. Oktober 2017 kommt der Wiener Fachbeirat in neuer Besetzung zusammen. Drei seiner 13 Mitglieder sind ArchitektInnen. Die Plätze von Hemma Fasch, András Palffy und dem Vorsitzenden Rüdiger Lainer nehmen seitdem Bettina Götz, Hannes Traupmann und Elke Delugan-Meissl ein. Letztere ist zudem die erste weibliche Vorsitzende des Fachbeirats überhaupt. Im Gespräch mit dem Architektur & Bau FORUM berichtet sie von ersten Erfahrungen, möglichen Freiheiten und dem Selbstverständnis des Fachbeirats. Sie sind die erste Frau als Vorsitzende des Fachbeirats. Hat das eine besondere Bedeutung für Sie? Elke Delugan-Meissl: Es ist natürlich erfreulich, die erste Frau in dieser verantwortungsvollen Position zu sein. Dies war schon längst überfällig und ist ein Statement der Stadt für Wertschätzung und Offenheit. In dieser Periode wurden alle Architektenpositionen ausgetauscht, dies ist bezüglich der Komplexität der Aufgaben zu Beginn etwas aufwendiger. Ich fühle mich aber im bestehenden Gremium sehr gut aufgehoben und unterstützt. Ich habe mich auch mit meinem Vorgänger Rüdiger Lainer über die Erkenntnisse in seiner Funktionsperiode ausgetauscht. Es ist mir wichtig, Denkansätze aufzugreifen und weiterzuentwickeln. Besonders wertvoll für die vielfältigen Aufgabenstellungen ist, dass mit Bettina Götz und Hannes Traupmann zwei starke Architekturpositionen im Beirat vertreten sind.

Ist der Fachbeirat in der jetzigen Zusammensetzung schon in Aktion getreten? Ja, die erste Sitzung hat stattgefunden. Ich war schon in einigen Beiräten tätig, und dieser unterscheidet sich insofern, als es ein sehr großes Gremium ist, welches sich nicht nur mit Objektplanung, sondern vermehrt mit Stadtentwicklung beschäftigt. Es gilt also, vorausschauend zu agieren. Die „neuen Mitglieder“ Bettina Götz, Hannes Traupmann und ich haben den Wunsch geäußert, frühzeitig über langfristige Planungsziele informiert zu werden.

Das ist eine spannende Frage. Es genügt nicht, nur geordnet nachzuverdichten, es muss anhand übergeordneter Strategien ein Ausgleich geschaffen werden. Wenn man ein pulsierendes, vitales Gefüge fördert, ist es über einen längeren Prozess hinweg auch möglich, die schon ansässigen Bewohner zufriedenzustellen. Nachverdichtung ist keine Glaubensfrage. Man kann nicht davon ausgehen, dass eine Stadt so bleibt, wie sie sich im Moment darstellt. Der Hochhaus-Richtplan in ­Basel ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Stadtplanung gezielt auf Veränderung setzen kann.

Wie lange dauern die Sitzungen des Beirats in etwa? Das ist abhängig von Anzahl und Komplexität der Projekte. Vor jeder Sitzung besteht die Möglichkeit, das Planungsgebiet zu besichtigen. Eine unverzichtbare Basis für die nachfolgenden Diskussionen in den Sitzungen.

Beim Thema Hochhäuser in Wien war der Fachbeirat zuletzt auch sehr präsent. Ich finde die negativ emotional geprägte Diskussion bei jedem Hochhausprojekt, oder auch nur höheren Haus, problematisch. Wien ist eine Stadt, die horizontal organisiert ist. Ich sehe es auch nicht als Anliegen, Wien zu einer Hochhausstadt werden zu lassen. Es wäre aber für eine innovative Weiterentwicklung sinnvoll, über interessante Konzepte unvoreingenommen diskutieren zu können. Als Grundlage für die Entscheidungsfindung ist jedoch ein Regelwerk an Qualitätsgrundlagen, welches ja schon existiert, unumgänglich.

Der Fachbeirat trägt im Namen die ­Begriffe Stadtplanung und Stadtgestaltung. In Deutschland, aber auch hierzulande, wird zurzeit über die Schwerpunkte Städtebau oder Stadtplanung debattiert. Wo sehen Sie sich in diesem Spannungsfeld? Essenziell ist eine strukturelle Herangehensweise. Stadtplanung und Stadtentwicklung müssen disziplinübergreifend gedacht werden. Trotz alledem ist mir auch das architektonische Erscheinungsbild, das neue Stadtteile prägt, ein Anliegen. Wie übergeordnete Strukturen determiniert, so sollten auch ästhetische Parameter vorgegeben werden. Qualitäten könnte man im Rahmen eines Pflichten-Heftes definieren. Diese Vorgangsweise wurde bei internationalen städtebaulichen Verfahren schon oft erfolgreich praktiziert. Der Fachbeirat beurteilt auch Umwidmungen, das heißt stadtplanerische Weichenstellungen, die über einen langen Zeitraum wirken. Woran orientiert man sich bei diesen Entscheidungen? Am STEP 2025? Der STEP 2025 bildet eine Basis. Wien ist mit starkem Wachstum konfrontiert, die Ressourcen bezüglich bebaubarer Flächen werden immer geringer. Urbane Randzonen, die teilweise aus dem Programm der „neuen Siedlerbewegung“ entstanden sind, geraten jetzt in den Fokus der potenziellen Nachverdichtung. Wir waren vor der ersten Beiratssitzung im Zuge unserer Besichtigungen in einem dieser Gebiete. Es wurde deutlich, dass es innovativer Konzepte bedarf. Etwa um adäquate Übergänge der Bauklassen sowie identitätsstiftende Subzentren zu entwickeln, die den Menschen vor Ort Anreize bieten, die über eine bloße Verdichtung mit moderaten Bauklassen-Übergängen hinausgehen. Identitätsstiftende Orte sind für die Stadtentwicklung enorm wichtig. Dies kann nur mit einer vernetzten Planung realisiert werden. Das heißt, eine Forderung nach mehr Nutzungsmischung? Ja, auf jeden Fall. Es gibt einige gute internationale Beispiele dafür, etwa Berlin oder das Dreispitz-Areal in Basel. Auch innerstädtische Bestände aus den 60er und 70er Jahren haben Qualitäten, die nicht zu unterschätzen sind: Trakttiefen und Raumhöhen, die Potenzial für neue Nutzungsformen bieten. Das „Weiterbauen“ ohne Tabula rasa ist auch in einer Stadt wie Wien wichtig. Wenn man über identitätsstiftende Orte und Nachverdichtung spricht: Da gibt es oft Konflikte mit denen, die schon am Stadtrand wohnen, in Häusern mit Bauklasse I. Deren Umfeld hat ja schon eine Identität, die durch die Nachverdichtung verändert wird. Wie geht man damit um?

Stichwort Heumarkt-Projekt. Wenn nach einem aufwendigen Prozess mit vorgeschaltetem kooperativem Verfahren, zweistufigem internationalem Wettbewerb mit internationaler Jury, nach wiederum einjährigem Planungsprozess das Projekt grundsätzlich infrage gestellt wird, ist das für mich bedenklich, insbesondere in Bezug auf schon gefällte Wettbewerbs­ entscheidungen. Ich muss allerdings anmerken, dass ich die Veränderungen, die das Projekt während der Planung durchlaufen hat, nicht im Detail kenne. Planung ist ein Prozess. Wenn sich essenzielle Parameter ändern, ist das natürlich kritisch zu hinterfragen. Aber bei allen Schwierigkeiten sollte es doch möglich sein, städtebauliche Verträge so zu formulieren, dass der Stadt Qualitäten zurückgegeben werden. Ich denke, das Projekt Heumarkt kann einen qualitativen Baustein für Wien darstellen – da vertraue ich auf die Kompetenz der Architekten und Raumplaner.

Elke Delugan-Meissl, seit Oktober 2017 ­Vorsitzende des Wiener Fachbeirats für Stadtplanung und ­Stadtgestaltung  F O T O : M A R L E N E R A H M A N N / V I E N N A ART WEEK 2016

ES IST NATÜRLICH ERFREULICH, DIE ERSTE FRAU IN DIESER VERANTWORTUNGSVOLLEN POSITION ZU SEIN.

Gerade dort wurde am Fachbeirat Kritik laut, weil durch diesen in der Überarbeitung die Proportionen der Bauvolumen gegenüber dem Wettbewerbsergebnis verändert wurden. Gehen möglicherweise Qualitäten verloren, wenn man das, was mit Aufwand in einem Wettbewerb erarbeitet wurde, mit nochmaligem Aufwand wieder korrigiert? Das kann passieren, lässt sich in den meisten Fällen aber vermeiden. Ich denke, Rüdiger L ­ ainer hat sich dahingehend auch bemüht, schon im Vorfeld abzuklären, welche langfristigen Entwicklungen projektiert sind. Ich würde das gerne noch verstärken. Die Bereitschaft der Stadtplanung ist dafür auch gegeben. Dabei wäre es sicher hilfreich, hin und wieder informell über die nächsten Entwicklungsschritte zu diskutieren. Sie sehen also Spielraum dafür, dass der Fachbeirat auch Themen setzen kann und nicht nur auf Einzelprojekte reagiert? Auf jeden Fall. Der Beirat hat eine große Verantwortung, und in diesem Sinne ist es auch wichtig, über den Tellerrand hinaus Impulse zu formulieren. Ob diese von der Stadtplanung auch implementiert werden, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantworten. Ich glaube nicht an die Notwendigkeit, den Fachbeirat grundsätzlich zu verändern. Ich denke aber, dass jedes System offen für Innovationen und Anregungen sein sollte. Ich hoffe, dass auch in meiner Tätigkeitsperiode Inputs erfolgen, die die Arbeit des Fachbeirates im positiven Sinne rechtfertigen. Planungsdirektor, Baudirektorin, Magistratsabteilungen sowie


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die Vizebürgermeisterin sind offen für Fachmeinungen. In einer vitalen, expandierenden Stadt wie Wien wird es immer Diskussionen wie beim Heumarkt geben. Es ist zu hoffen, daraus auch Erkenntnisse für die Zukunft zu ziehen. Bei den Themen Heumarkt, Hochhauskonzept und städtebauliche Verträge kommt immer wieder die Frage nach dem Mehrwert. Wie kann man diesen Mehrwert, den ein Investor leisten muss, quantifizieren? Wäre eine genauere Festlegung wie in Basel oder München wünschenswert? In Wien wird das großteils projektbezogen festgelegt. Beispiel Franz-Josefs-Bahnhof: Dort versucht man, Mehrwert zu schaffen, indem man das bestehende Bauvolumen perforiert, dadurch Blickbeziehungen sowie Durchwegungsmöglichkeiten schafft. Es wird eine zusätzliche Stadtebe-

DER BEIRAT HAT EINE GROSSE VERANTWORTUNG, UND IN DIESEM SINNE IST ES AUCH WICHTIG, ÜBER DEN TELLERRAND HINAUS IMPULSE ZU FORMULIEREN.

ne, ein Hochpark, eingeführt und für die Anrainer ein urbaner Außenraum mit hoher Qualität eta­ bliert. Das sind Benefits für eine Stadt. Die Frage ist, wie man diese Benefits langfristig garantiert, damit ein Investor oder Folgeinvestor diese Räume nicht irgendwann wieder zumacht. Ja, das ist eine Herausforderung. Auch aus diesen Gründen lassen die Widmungen wenig bis keine Spielräume zu. Das wiederum widerspricht der Flexibilität, die eine Gesellschaft braucht, deren Bedürfnisse sich ständig ändern. Ich wünsche mir als Architektin mehr Elastizität. Dies setzt jedoch präzise städtebauliche Verträge vo­raus. Areale werden entwickelt und weiterverkauft, die Erstinvestoren sind nicht mehr verantwortlich. Das heißt, beim Folgeinvestor ist es viel schwieriger, die vereinbarten Qualitäten einzufordern. Dafür benötigt die Stadt festgeschriebene Qualitätsanforderungen, die übertragen werden und die Anforderungen auf Basis einer Vision genau festschreiben. Die Wiener Stadtplanung wird oft dafür kritisiert, dass sie sich vor genauen Festlegungen scheut. Muss man nicht auch scharfe Grenzen setzen? In der Politik gibt es heute kaum noch präzise Aussagen. Trotzdem habe ich mit den handelnden Personen in Wien positive Erfahrungen gemacht. Aber fragen Sie mich in einem Jahr nochmals! Wenn der Fachbeirat Nachverdichtung kommunizieren und Themen setzen will, berührt das auch den Aspekt der Transparenz. Die Sit-

MANCHE PROJEKTE WIRD MAN IM KONZIPIERTEN ZEITRAHMEN ABHANDELN, ANDERE BRAUCHEN MEHR ZEIT. UND DIESE WERDE ICH EINFORDERN. zungen und Protokolle sind nicht öffentlich, was oft kritisiert wird. Sehen Sie Spielräume in der Einbindung der Öffentlichkeit? Ich finde schon, dass Informationen im Vorfeld und bei wesentlichen Zwischenetappen sinnvoll sind, jedoch sehr gut aufbereitet und kommuniziert werden müssen. Die Öffentlichkeit komplett in den Entscheidungsfindungsprozess einzubeziehen, sehe ich nicht immer als zielführend, da mitunter visionäre Zugänge schon im Vorfeld gekippt werden. Die Architektenkammer hat zur Sicherung der Unabhängigkeit der Mitglieder des Fachbeirats ein Arbeitsverbot für die Dauer der Mitgliedschaft vorgeschlagen. Städte wie Graz oder Salzburg berufen nur solche Architekten, die in der Stadt nicht ansässig sind. Sehen Sie die Kritik an der mangelnden Unabhängigkeit als Problem?

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Ich habe beides erlebt. Ich denke der Fachbeirat in Wien unterscheidet sich von den anderen Beiräten dahingehend, dass er sich im geringeren Ausmaß mit Objektplanung beschäftigt. Das minimiert die Interessenskonflikte. Ich fände es schon harsch, wenn man in einer Stadt nicht bauen dürfte, nur weil man sich unentgeltlich für eine derart verantwortungsvolle Funktion zur Verfügung stellt. Gegebenenfalls würde ich den Kollegen die Integrität zutrauen, sich kritisch zu äußern. Die Alternative wäre, dass man sich Leute aus dem Ausland holt. Das würde ich auch befürworten, Positionen aus anderen Städten aus dem Ausland in den Beirat zu integrieren – dazu müsste man jedoch die Statuten ändern – ein Thema, das sicher noch im Detail besprochen werden sollte. Hemma Fasch hat als Mitglied des letzten Fachbeirats beklagt, die ehrenamtlichen Mitglieder würden die Unterlagen zu den Projekten so kurz vor der Sitzung bekommen, dass zu wenig Zeit bliebe, um sich angemessen einzuarbeiten. Werden Sie versuchen, da etwas zu ändern? Dazu kann ich noch zu wenig sagen. Vor der ersten Sitzung haben wir die Projekte mit ausreichender Vorlaufzeit erhalten. Bei komplexeren Projekten kann das mitunter oft zu kurzfristig sein, da müsste man sich im Vorfeld mit den Beiratsmitgliedern koordinieren sowie zusätzliche Termine festsetzen. Manche Projekte wird man im konzipierten Zeitrahmen abhandeln, andere brauchen mehr Zeit. Und diese werde ich einfordern.

Vom Pferdestall zum Architekturhaus NE UES Z U H AUSE F ÜR BAUKULT UR  Seit der Gründung der Architekturinitiative Salzburg im Jahr 1993 steht die Schaffung eines eigenen Hauses in den Statuten des Vereins. Letzten Sommer war es so weit. V O N G R E T L KÖ F L E R

E

in lang ersehntes Ziel ist endlich erreicht“, freut sich Roman Höllbacher, Leiter der Ini­ tiative Architektur Salzburg. Bei der Suche nach temporären Leerständen für eigene Veranstaltungen wurde man auf das ungenutzte Backsteingebäude im Areal der ehemaligen Riedenburgkaserne aufmerksam, hatte es später im Rahmen der Architekturtage 2016 erstmals genutzt und für optimal geeignet befunden.

HISTORISCHER BAU FÜR … In zahllosen Gesprächen mit den Kulturabteilungen von Land und Stadt gelang es dann, den langersehnten Wunsch in die Tat umzusetzen. Nach annähernd 25 Jahren erhielt der bislang im Künstlerhaus eingemietete Verein endlich eine eigene Adresse. Die traditionsreiche Riedenburgkaserne mit 3,5 ha war 2012 von der Republik an zwei Wohnbaugesellschaften (gswb und Strauß & Partner) verkauft worden. Die Kaserne ist inzwischen abgerissen, und das Areal wird derzeit dicht mit Wohnbauten belegt; Teilfertigstellung ist im heurigen Jahr. Zwei Objekte blieben vom Abriss verschont: eine Biedermeiervilla an der Neutorstraße und der 300 Quadratmeter große Backsteinbau an der verkehrsreichen Sinnhub­straße, errichtet 1890 als Krankenstation für Militärpferde und danach weiterhin vom Militär genutzt, zuletzt als Sitz des Militärkommandos.

… NEUE NUTZUNG Zwar war bereits ein Bebauungsplan für das gesamte Riedenburgareal vorhanden und der Back-

Einst Krankenstation für Militärpferde, demnächst der neue Sitz des „Architekturhaus Salzburg“. F O T O : A R C H I T E K T U R I N I T I AT I V E S A L Z B U R G

steinbau hätte einem Fuß- und Radweg weichen sollen, doch der angrenzende Autohändler mit unkündbarem Mietvertrag verhinderte das Vorhaben. Daher stellten die Wohnbaugesellschaften das Objekt zur Verfügung, und die Stadt erließ ein Erhaltungsgebot. Ein Mietvertrag für 25 Jah-

re ermöglicht jetzt eine langfristige Planung. Weil das Areal aktuell eine der am heißest diskutierten Bauflächen der Stadt ist, eignet sich der Ort besonders gut, um alle Aspekte der Baukultur ins Zentrum zu rücken. Dieser kulturelle Beitrag für das neue Quartier war eine der Bedingungen für die

gewährten Förderungen, eine andere waren Eigenleistungen des Vereins. Für 2017 flossen von Land und Stadt je 273.000 Euro; die vorgesehene „sanfte Sanierung“ wird mit insgesamt 800.000 Euro kalkuliert. Mitglieder des Vereinsvorstandes stellten die erforderliche Planungsleistung unentgeltlich zur Verfügung. Lukrierung von Sponsoren, Spendenleistungen aus der Wirtschaft und von Privaten sind Teil des Finanzierungskonzeptes. Eine Bausteinaktion ist bereits angelaufen. Derzeit wird das Objekt für die zukünftige Nutzung adaptiert. Alles ist ausgeräumt, der Putz vom feuchten Mauerwerk abgeschlagen. Der neue Eingang wird an die Längsseite zur Sinnhubstraße verlegt. Der bestehende Durchgang, der den Raum in zwei ungleiche Hälften teilt, wird zum Portal erweitert, im rückwärtigen Teil findet das Büro seinen Platz zuzüglich einer eingestellten Box für Lagerfläche und Bibliothek. Auch der Dachboden soll teilweise genutzt werden. Der große Raum, mit mobilen Trennwänden dreifach unterteilt, ist konzipiert als flexibel nutzbares Raumlabor. In der Planung vorgesehen sind sowohl Ausstellungsflächen als auch Räume für Seminare und Vorträge. Gedacht als offener Ort lädt die Initiative Architektur (derzeit 146 zahlende Mitglieder) auch externe Architekturvermittlungsgruppen zur Nutzung der neuen Räume ein. Auch die Bewohner des Quartiers sollen – wenn möglich – eingebunden werden. Die lange Namenssuche ergab etwas Selbstverständliches: Architekturhaus Salzburg. Der Einzug ist für die. Architekturtage 2018 geplant.


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ARCHITEKTUR & BAU FORUM

B A U Z U S TA N D N E U B A U E I S S TA D I O N S C H I E R K E R F E U E R S T E I N A R E N A , S C H I E R K E ( D )

F O T O S : M ATT H I A S B E I N ( 2 ) , G R A F T ( 5 ) , S TA D T W E R N I G E R O D E ( 4 )

SCHNITT 1-1

M 1:100

B'

F' HOCHPUNKT "NORD"

~ 3,46

MEMBRANEBENE SYSTEMLINIE RANDTRÄGER (SPLINE)

~ 11,12

MEMBRAN MIT NAHTLAYOUT

TIEFPUNKT "OST"

SPANNSEIL ~ ø24

RANDTRÄGER (STAHL)

FUNDAMENTSOCKEL (STAHLBETON)

FUNDAMENTSOCKEL (STAHLBETON) GOK

ZUGBAND (SPANNBETON)

PERSPEKTIVE SEILEBENE ~9,30

~36,50

~36,50

~45,80

~9,30

~45,80

SEIL

TRAG

~91,60

MEMBRANEBENE

SP

AN

Pläne  G R A F T

NSE

IL

MEMBRAN MIT NAHTLAYOUT

MEMBRANEBENE MEMBRAN MIT NAHTLAYOUT

M 1:100

STAHLSTRUKTUR UND GRÜNDUNG RANDTRÄGER

Umgebungsplan 

1'

RENDERING: WES

RANDTRÄGER (STAHL)

RANDTRÄGER (STAHL)

HOCHPUNKT

PERSPEKTIVE

MEMBRAN

"SÜD" SEILEBENE

TRAGSEIL ~ ø28 SPANNSEIL LAGERPLATTE MIT STEIFEN

HOCHPUNKT "NORD"

~ ø24

SEIL

TRAG

SP

AN

SEILEBENE

NSE

IL

MEMBRAN MIT NAHTLAYOUT FUNDAMENTSOCKEL

~ 11,12

PERSPEKTIVE

MEMBRANEBENE

SEIL

AN

~ 16,82

TRAG

SP

SYSTEMLINIE RANDTRÄGER (SPLINE)

NSE

IL

STAHLSTRUKTUR UND GRÜNDUNG

SEILEBENE

PERSPEKTIVE

ZUGBAND

RANDTRÄGER (SPANNBETON)

~ 21,57

~ 21,57 ~ 43,14

RANDTRÄGER LAGERPLATTE MIT STEIFEN SEIL

TRAG

~5,70

ZUGBAND

TIEFPUNKT "WEST"

STAHLSTRUKTUR UND GRÜNDUNG

~5,70

SPANNANKER

SPANNANKER

SCHNITT 2-2

~ 16,82

~ 7,66

MEMBRAN TRAGSEIL ~ ø28 TIEFPUNKT "WEST" RANDTRÄGER (STAHL)


28. FEBRUAR #01-02/2018 

B A U E N 15

Mit Hightech zum Blocksberg D E N K M AL S CH U T Z ALS I N SP I RATI ON  Die Schierker Feuerstein Arena realisiert ein überraschendes Architekturprojekt mitten in der deutschen Mittelgebirgsregion Harz: Ein historisches Eislaufstadion wird zur visionären Freiluftarena. Das ungewöhnliche Design des Dachs ist der zentrale optische Aufmacher des Projekts. VON SUSANNE KARR

M

itten im Harz setzen GRAFT Architekten aus Berlin ein aufsehenerregendes Statement: Mit der Neuinszenierung eines denkmalgeschützten Natureislaufplatzes im Wald werten die Architekten und die Stadt Wernigerode das Potenzial des ehemaligen Wintersportorts radikal auf. Die europaweite Ausschreibung des Projekts, das eine Reaktivierung der Natureisbahn und eine ganzjährige Erweiterung der Nutzungsmöglichkeiten vorsah, konnten GRAFT für sich entscheiden. Ihre Pläne zur sportlichen und kulturellen Nutzung mit gleichzeitiger Bewahrung der denkmalgeschützten Gesamtanlage überzeugte die Jury, nicht zuletzt durch die außerordentliche Umsetzung eines Witterungsschutzes. Die s­ pezielle Form und das besondere Material zur Überdachung erreichen ein Wechselspiel von altem und neuem Bestand. Das Projekt zeigt, wie man mit Architektur nachhelfen kann, den Ort wieder lebendiger darzustellen und aktiver ins Gespräch zu bringen. Denn die Gegend verdient zweifellos Aufmerksamkeit: Von der Stadt Wernigerode aus führt die Straße, nach dem Passieren märchenhaft anmutender Fachwerkhäuser und eines am Hang gelegenen Schlöss­ chens, weiter in beinah alpin anmutendes Gelände. Dieses mitten in die ebene Landschaft südwestlich von Berlin und Braunschweig gesetzte Mittelgebirge ist eine eigene Welt. Bekannt vor allem ist der ­„Brocken“, der höchste Berg in dieser Gegend (1.141,2 Meter). Hier fanden einige Schriftsteller Inspiration und Auszeit. Der Brocken ist quasi „Originalschauplatz“ der Walpurgisnacht in Goethes Faust und wird auch seit 1991 wieder von der revitalisierten Schmalspurbahn angefahren – die erste Fahrt fand im Jahr 1898 statt. Kurvenreich verläuft auch die Straße zum neuen Stadion. Unvermutet trifft man nach Ortsende und Waldgebiet auf ein durch und durch gestyltes Eislaufstadion.

SPEKTAKULÄRE TEXTILE ­ARCHITEKTUR Eine extravagante, geschwungene Dachformation scheint über der Arena zu schweben. Die filigrane Konstruktion der seilnetzgestützten Membran erzielt durch ihre variablen Höhen – maximal 15 Meter – eine besonders luftige Anmutung. Öffnungen durch Hochpunkte des Dachs auf 11,5 Meter richten sich zu den Tribünen und zum Fluss hin aus. Das transluzente Material hält starke Sonneneinstrahlung ab, so dass die Arena auch im Sommer sportlich oder kulturell nutzbar ist. Zudem bietet die Abdeckung Schutz vor Regen und Schneefall. Durch die Anbringung als quasi schwebendes überdimensionales Deckensegel lässt sie den Ausblick auf die umliegende Landschaft zu. Hinter der beeindruckenden Optik steckt ein ausgefeiltes Gesamtkonzept, das einerseits den Erhalt der ursprünglichen Anlage und andererseits einen Relaunch für heutige Anforderungen mit einbezieht. Im Gegensatz zu einer visuellen Schließung der Anlage, etwa durch eine Einhausung, entschieden sich GRAFT für größtmögliches Offenhalten des Ortes, auch und gerade im Hinblick

auf sportliche Aktivitäten, die im Freien völlig anders erlebt werden als in einer Halle. Die Dachkonstruktion, eine 2.400 Quadratmeter Glasfasermembran, wird durch drei Tonnen Seilnetz inklusive 540 Knoten und Beschlägen gehalten, Seilnetz und Membran sind an Knotenpunkten gekoppelt, nachdem sie separat vorgespannt werden. Der Randträger besteht aus doppelt gekrümmten Blechen, die an den beiden tiefsten Punkten der Achse lagern. Die Konstruktion liegt an zwei Gebäudepunkten auf. Ein unterirdisch gespanntes Betonband reguliert horizontale Lagerreaktionen. Im Boden unter der Eisfläche sind 195 Tonnen Stahl eingearbeitet.

DENKMALSCHUTZ ALS TECHNISCHE HERAUSFORDERUNG Bei unserem Baustellenbesuch im Dezember herrscht tiefster Winter, Schnee türmt sich auf der Dachmembran und auf dem alten Wettkampfturm, der inmitten der historischen Sitztribünen herausragt. Diese steinerne Tribüne gehört zum Renovierungsprojekt, die Anforderungen des Denkmalschutzes sind streng, „wie bei der Via Appia“ – kommentiert Andreas Meling, Projektleiter in Schierke, der täglich die Baustelle betreut. Jeder einzelne Stein musste getreulich wieder dort eingesetzt werden, wo er ursprünglich war. Die Verbindung der traditionellen Sportanlage mit dem schwebenden Dach brachte generell technische Herausforderungen mit sich. Beispielsweise auch durch die Lage im Harz, wo massive Granitblöcke, ähnlich wie im Waldviertel, auf und in der Erde liegen. So etwa fand sich auch auf dem zu bearbeitenden Gelände ein riesiger schwerer Gesteinsbrocken, der vor Ort zersägt werden musste, um ihn überhaupt bewegen zu können – Überraschungen, auf die man sich vorher nicht einstellen kann. Eine weitere Herausforderung ist das Abwägen von Interessen von Naturschutz und Tourismus, hier versucht man, Wege miteinander zu finden. Es gibt Pläne, ein neues Skigebiet zu eröffnen, und man plädiert mit der Schneesicherheit des Gebiets. Die waldreiche Gegend war früher bereits beliebtes Reiseziel, Schierke ein nobles Wintersport­ refugium: Einige alte, repräsentative Hotelbauten künden von vergangenem Glamour. Tatsächlich hatte der Ort den Beinamen Sankt Moritz des Nordens, in den 1930er Jahren wurden hier Winterkampfspiele ausgetragen, 1950 die 1. DDR-Wintersportmeisterschaften. Die Wiedereröffnung der früheren Natureisbahn in Schierke setzt ein deutliches Bekenntnis zum Ort und seinen Qualitäten. Das 1911 eingeweihte Natureisstadion an der Kalten Bode befindet sich auf zirka 600 Metern Höhe. Die Lage ist überzeugend, vom Stadion aus sieht man auf allen Seiten nichts als unberührte Natur, die Anlage selbst hingegen ist hightech. Die frühere Natureisbahn ist aufgerüstet und mit dem fachmännischen Wissen der Firma AST aus Reutte eistechnisch betreut. Das Projekt knüpft an die Tradition Schierkes als besonderer Wintersport­ ort an, speziell den Bereich Eiskunstlauf. Außerordentliche Architektur kann identitätsstiftenden Mehrwert bedeuten.

Die Anlage besticht von außen betrachtet, lässt sich aber auch von innen genießen In der neuen Anlage findet sich außer Schlittschuhverleih und Garderobe im oberen Stock auch eine Bar – passenderweise „Mephisto Bar“ genannt, die zum abendlichen Cocktail einlädt, egal zu welcher Jahreszeit.

PROJE KT DAT E N Schierke Feuerstein Arena

Neubau Eislaufstadion Schierker Feuerstein ­Arena, Schierke (D) Bauherr Stadt Wernigerode Architekt GRAFT, Berlin Ingenieur schlaich bergermann ­partner: Tragwerksplanung (Vorentwurf bis Ausführungsplanung), Teile der Objektplanung Landschaftsarchitekt WES LandschaftsArchitektur Fertigstellung 12/2017 Dachfläche ca. 2.700 m2 Überdachter ovaler Grundriss ca. 73 m x 43 m, ca. 2.300 m2 Höhe über Boden max. 15 m Membran Seilnetz Randträger PTFE-beschichtete Glasfaser-­Membran Spiralseile GALFAN-verzinkt geschweißter Stahlhohl­ kasten, Gesamtlänge ca. 190 m Gründung Flachgründung

ARCHIT E KT E N Architekturbüro GRAFT Das Architekturbüro GRAFT wurde 1998 durch Lars Krückeberg, Wolfram Putz und Thomas Willemeit in Los Angeles, Kalifornien als Label für Architektur, Städtebau, Design, Musik und „the pursuit of ­happiness“ gegründet. Seit 2001 unterhalten die ­Architekten eine Bürofiliale in Berlin, seit 2004 eine weitere in Peking. Insgesamt beschäftigt GRAFT rund 150 Mitarbeiter auf drei Kontinenten. GRAFT hat zahlreiche nationale und internationale Preise gewonnen und im Laufe seines Bestehens internationale Beachtung erlangt. Heute beschäftigt GRAFT rund 100 Architekten und Künstler weltweit. LARS KRÜCKENBERG M.Arch., Dipl.-Ing., Architekt, BDA, Gründungspartner von GRAFT, geb. 17. März 1967 in ­Hannover, wohnt in Berlin. Architekturstudium an der TU Braunschweig, Master in Architektur am Southern Californian Institute of Architecture SCI Arc., Los Angeles, USA. WOLFRAM PUTZ M.Arch., Dipl.-Ing., Architekt, BDA, Gründungspartner von GRAFT, geb.16. Juni 1968 in Kiel, wohnt in Berlin. Architekturstudium an der TU Braunschweig, Master an der University of Utah, Salt Lake City und am Southern Californian Institute of Architecture, USA. THOMAS WILLEMEIT Dipl.-Ing., Architekt, BDA, Gründungspartner von GRAFT, geb. 3. März 1968 in Braunschweig, wohnt in Berlin. Architekturstudium an der TU Braunschweig. Meisterklasse Architektur und Städtebau am Bauhaus Dessau. Projekte (Auswahl) 2017– Appassionata Themenpark München (in Bau); 2016–2017 Hotel und Spa Seezeitlodge am Bostalsee (D); 2016–2017 Urban Nation Museum Berlin; 2016–2019 Charlie Living Berlin Mit Marianne Birthler kuratieren Wolfram Putz, Lars Krückeberg und Thomas Willemeit den Deutschen Pavillon auf der Architekturbiennale 2018 in Venedig W W W.GR A F TL A B .C O M

PLATZ FÜR ÖSTERREICH PARKRAUMLÖSUNGEN VON WÖHR Die größte Produktpalette für platzsparende Autoparksysteme kommt nach Österreich: Mit unserer neuen Tochtergesellschaft unterstützen wir ab sofort Architekten, Bauplaner und Baufirmen lokal vor Ort* mit innovativen Parkraumlösungen. Kontaktieren Sie uns! *in Vorarlberg, Salzburger Land und Tirol

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#01-02/2018

FORUM INNOVATIONEN Präzision und eine hohe Detailqualität zeigt die in das Vlies eingelassene Hochleistungs-LED, die auf den ersten Blick kaum wahrnehmbar ist. FOTO: NIMBUS GROUP/FRANK OCKERT

Batenbach LFOTM, vorgestellt auf der Light + Building 2016  F O T O : B A R T E N B A C H

Licht-Akustik-Decke im Hotel Schwärzler in Bregenz. Architektur: Dorner\Matt, Lichtplanung: archiLUM, Barbara Gilhaus-Sturn  F O T O S : D O R N E R \ M ATT U N D A R C H I L U M

Strahlungscharakteristika der LFOTM Linse von Bartenbach  F O T O : B A R T E N B A C H

Liacht i dr Stuba D EC K E M I T Z USAT Z F UN KTI ON EN   Die Gaststube des Hotels Schwärzler in Bregenz, von Dorner\Matt in Zusammenarbeit mit der Lichtplanerin Barbara Gilhaus-Sturn umgebaut, zeigt einen neuen Ansatz für die Lösung von Licht und Akustik mit gehobenem ­Anspruch. VON CHRISTINE BÄRNTHALER

D

ie Stube des Hauses ist ein traditionsträchtiger Raum. Seit dem 13. Jahrhundert ist sie typologisch erfasst. Sie war Hauptaufenthaltsraum und zugleich repräsentativer Empfangsraum, ausgestattet mit Kachelofen, Eckbank und Divan. Meist war die Stube der einzig beheizte Raum im Haus. Dort saß man beisammen, bewirtete die Gäste, spielte Karten. Der heutigen Generation junger Erwachsener ist die alte Stube ebenso wenig bekannt, wie jener raumbezogene Lebensstil. Anders im Bregenzerwald. Dort werden die guten Stuben im Bestand wertschätzend erhalten und finden sich mitunter auch in Neubauten als Bekenntnis zu einem Lebensraum, der sich in einer modernen Art mit seiner Tradition verwachsen fühlt.

VERBINDUNG VON ALT UND NEU Diesen Brückenschlag zwischen alt und neu, regional und international beherrschen auch die Architekten Dorner\Matt. Für den Umbau des Hotels Schwärzler in Bregenz im Jahr 2013 lehnten sie sich an die historische Bedeutung des Standorts des Hotels an der Wälderbahntrasse an und

zitierten Gerhard Wölfles Gedicht zur Eröffnung der Bahn im Jahr 1902 als Credo für den Umbau: „Meor ehrod das Ault und grüssed das Nü, und blibot üs sealb und dr Hoamat trü.“ („Wir ehren das Alte und grüßen das Neue, und bleiben uns selbst und der Heimat treu.“) Heimische Hölzer, Textilien und Handwerk aus dem Bregenzerwald dominierten die Neugestaltung. 2017 folgte nun der verhältnismäßig kleine Umbau der Stube, deren unaufdringliche, jedoch ausgeklügelte Decke hier genauere Betrachtung findet. Formal wurde eine diagonal gesetzte Kassettendecke, umsäumt von Holztäfer, ausgeführt. Material und Farbe entsprechen dem Gestaltungskonzept aus dem Jahr 2013: Holzrippen in Eiche kombiniert mit roten Textilfeldern.

SCHLICHT ABER HOCHFUNKTIONELL Hinter dem schlichten Erscheinungsbild der Decke steckt allerdings eine hochmoderne, funktionalisierte Licht-Akustik-Decke, die zum Zeitpunkt der Planung gerade den Status des Prototyps im Labor der Nimbus Group erlangt hatte. Erstmals wurden die beiden Geschäftsfelder des Stuttgarter Unternehmens – Akustik und Licht – in einem Produkt vereint. Anstelle der für die Leuchten bei

Nimbus charakteristischen Acrylplatte mit Kegelsenkung wurde der hochwirksame Rossoacoustic®-Schallabsorber mit Bartenbach LFO™ Linsen bestückt. Die Linsen waren erst im Frühjahr 2016 auf der Light + Building in Frankfurt präsentiert worden. Das besondere an diesen Linsen ist die Lichtführung. Sie bündeln das Licht der LEDs auf einen Punkt von nur acht Millimetern Durchmesser, der sich in Folge wieder zu einem Lichtkegel von wahlweise 20 oder 40 Grad ohne Lichtverlust ausweitet. LEDs und Linse können deshalb gänzlich hinter der Deckenebene verschwinden. Der Betrachter sieht den Lichtaustritt aus der Decke als einen völlig blendfreien, schwachen Lichtpunkt. Darunter erhellt sich der Raum in einem brillanten Licht. Die beauftragte Lichtplanerin Barbara Gilhaus-­ Sturn hatte nach einem kurz gegönnten Blick auf den Prototypen aus dem Nimbus-Labor rasch die Qualitäten erkannt und auf die Verwendung der Neuheit gedrängt.

MAXIMALE FREIHEIT Das kaum wahrnehmbare Lichtpunktraster leuchtet den Raum gleichmäßig aus und gibt

damit maximale Freiheit in der Anordnung und Gruppierung der Tische. Die Installation leistet über das akustisch ausgestattete textile Trägerelement gleichzeitig eine Beruhigung der Nachhallzeiten im Raum. Für den Gastronomiebetrieb ebenfalls sehr wichtig ist die Gestaltbarkeit von Helligkeit und Lichtfarbe. Mit der „Dim-to-warm“-Technologie kann das Licht vom hellen Arbeitslicht über zehn Stufen hin zu einem warmen Licht für eine gemütliche Abendstimmung reguliert werden. Dazu ist jede LFO-Linse mit zwei LEDs bestückt, die paarweise mit 2200 K und 3000 K den Farbraum definieren. Das Licht strahlt in seiner Wirkung wie aus einer Pendelleuchte, belässt die Decke ohne Aufhellung, leistet Brillanz und Reflexionspunkte. Letzteres ist vor allem für ein glanzvolles Tischdekor in einem Restaurant sehr wichtig und kann beispielsweise über eine flächig gestaltete Lichtdecke nicht erzielt werden. Für den Betrachter ergibt sich ein neues Raumbild, in dem die Lichtquellen scheinbar fehlen. Für Planer und Nutzer öffnen sich neue Möglichkeiten der architektonisch integrierten Lichtgestaltung. Und Nimbus hat inzwischen mit dem „Lighting Pad“ das entsprechende Produkt gelauncht.


18

ARCHITEKTUR & BAU FORUM

BODEN WAND DECKE

Für alle Sinne

I

m Sinne eines ganzheitlichen Gestaltungsansatzes ist mittlerweile alles erlaubt. Ob am Boden oder an der Wand, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Holzoptiken sind nach wie vor sehr gefragt. Ob Designboden, pflegeleichtes Laminat oder Naturholzparkett, der Used-Look und grobe Rustikalität haben zumindest auf dem Boden den Platz frei gemacht für möglichst pure Natürlichkeit. Dies äußert sich auch in der Oberflächenbehandlung etwa mit pflegendem Öl, das die Maserungen und Oberfläche erst so richtig zur Geltung bringen. Fast skandinavisches Flair verströmt die zum Teil sehr naturinspirierte, erdige Farbpalette, wobei auch Handgewebtes nach wie vor seine Stellung hält und sogar mit unerwartet Neuem aufwartet. Modulare Systeme sind vor allem auch bei der Anwendung von Teppichböden in öffentlichen Räumen wie Büros gefragt; Fliesen lassen sich exakt an den Raum anpassen, leicht austauschen, bringen durch Muster und Farbgebung Abwechslung in den grauen Arbeitsalltag und sorgen außerdem auch noch für die entsprechende Akustik. Überraschende Trompe-l’œil-Effekte sind ein besonderes Highlight in Form von farbgewaltigem Naturstein oder einem allerdings nur virtuell raumerweiternden Bücherregal. Aber auch dezente 3D-Muster oder einfach nur naturbelassene Holzriemen machen aus jedem Ort unseren individuellen Wohlfühlraum.

OBSIDIAN Das neueste Werk der preisgekrönten Schmuckdesignerin Katharina Tannous ist diese handgetuftete Floorwear. Tannous hat das Muster eines Schmuckschliffs auf den Teppich gebracht. Die Kombination aus Neuseelandwolle und Viskose in hellen und dunklen Tönen verleiht ihm einen sanften Schimmer. WWW.KYMO.DE

NEO E POST Farbenfroh wie exotischer Naturstein leuchtet diese Tapete in unzähligen Nuancen. In zahlreichen Dekoren, ob Sichtbeton, weißem Carrara-Marmor oder in farbefrohen phantasievollen Schattierungen ist diese Oberflächengestaltung stets eine besondere Augenweide und ist dabei auch noch für die Wand in Nassräumen geeignet. WWW.WALLPEPPER.IT

ELEMENTS Diese neue dezente Kollektion von Bolon ist nicht nur ästhetisch ansprechend, sondern hat auch schallschluckende Eigenschaften und eignet sich daher vor allem für Bereiche, in denen Ruhe gewünscht ist. Dieser Belag ist in der Lage, den Dezibelwert von 11 auf 17 dB zu verbessern. Alle zehn Versionen sind auch als Akustikkachel erhältlich und passen zu jeder Raumsituation. WWW.BOLON.COM

RUGX Kräftige Akzente im Raum kann man mit diesem Produkt setzen: Lebendige Shags, samtige Velours, trendige Designs und 337 brillante Farben bringen Abwechslung. Auch unendlich viele Planungsvarianten. Ob rund, elliptisch oder nach eigenen Design- oder Farbvorstellungen – mit den abgepassten Teppichen von Object Carpet lassen sich unendlich viele Planungsvarianten umsetzen.

DIE REDAKTION

WWW.OBJECT-CARPET.COM

CASAPARK Um spannende Used-Look-Oberflächen ergänzt Bauwerk seine Landhausdielen mit rustikaler Optik. In drei unterschiedlichen Breiten, in lebhafter oder ruhiger Sortierung erlauben diese Dielen mit den charakteristischen Patina- und Gebrauchsspuren vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten und sind außerdem einfach zu handhaben und sehr pflegeleicht. WWW.BAUWERK.COM

INTERIOR WALL Das einfach zu verlegende Wandverkleidungssystem mit geölter Oberfläche gibt es in zwei Designs. Die Echtholzelemente der Version Nevada sind aus lebendiger Eiche in drei verschiedenen Dicken und schaffen eine strukturierte lebendige Oberfläche. Patagonia mit deutlich größeren Elementen eignet sich für eine homogene Optik. WWW.HARO.DE

FABRIC Textile Optiken machen den Charme der neuen Wandfliesenkollektion aus. Mit ihren sechs Millimetern Materialstärke und dem Format 40 x 120 erinnert der Dekor an fein verflochtene Fäden, die als 3D-Relief auch haptisch erlebbar werden. Fabric gibt es in fünf Farben. WWW.MARAZZIGROUP.COM

OLBIA STELLA Dieses Familienunternehmen aus Siebenbürgen schafft mit traditioneller handwerklicher Fertigung und einer großen Zahl phantasievoller Knüpfmuster Wollteppiche für unterschiedlichste Anwendungen. Olbia Stella, mit seiner üppig wuchernden Oberfläche, ist eine Einladung zum barfuß Gehen, um all seine Sinne zu spüren. WWW.TISCARUGS.COM

HUMAN CONNECTIONS Exklusiv von David Oakey für Interface entwickelt wurde dieses modulare textile System, das die Prinzipien des Biophilic Design nutzt und mit natürlichen Elementen und deren Beziehung zu interaktiven, urbanen Umgebungen spielt. Als Antwort auf das in geschlossenen Räumen immer mehr leidende Bedürfnis, sich mit der Natur zu verbinden, holt dieser Belag einfach die Natur in den Innenraum. WWW.INTERFACE.COM

GAUDÍ Zementfliesen zur Gestaltung von Wand oder Boden waren im 19. Jahrhundert in Eingangs- und Wohnbereichen stark verbreitet. VIA fertigt diese nach wie vor in originaler Materialzusammensetzung in teilmanueller Produktion, wodurch die einzelnen Fliesen leicht in Dicke und Farbigkeit variieren – aber genau das macht auch ihr spezielles Flair aus. Diese sechseckige Zementmosaikplatte, die drei Motive – floral, fossil und maritim – vereint, entwarf Architekt Antoni Gaudí 1906 für die Casa Mila in ­Barcelona. WWW.VIAPLATTEN.DE

PARQUET In diesem Entwurf des schwedischen Designer-Teams Front werden Überlagerungen und visuelle Effekte zu einem geometrischen Puzzle. Die Kelim-Kollektion aus Schurwolle steht damit auch für die Philosophie des Herstellers GAN: die Fusion traditioneller und moderner Elemente gepaart mit skandinavischer Einfachheit. WWW.GAN-RUGS.COM

STORIE Die Spuren der Zeit geben dieser Wandgestaltung das gewisse Flair. Die Kollektion „Storie“ – Geschichten – erzählt von Vergänglichkeiten und nützt diese in der Gestaltung der Oberflächen, die höchst ästhetisch in zarten Pastelltönen mit dem Alterungsprozess spielen. WWW.CEDITCERAMICHE.IT

BOOK ACCESS Dies ist keine herkömmliche Tapete, sondern ein regelrechtes Einrichtungskonzept, denn Book Access kombiniert den fotorealistischen Druck – der auch wasserfest ist – mit dreidimensionalen Regalfächern unterschiedlicher Größe und bietet also nicht nur optische Effekte, sondern auch Stauraum. WWW.INSTABILELAB.IT


BODEN WAND DECKE

28. FEBRUAR #01-02/2018 

I N N O V A T I O N 19

Durchdachtes Design WA N D   Gemeinsam mit dem dänischen Hersteller von Designtextilien Kvadrat entwickelten die Brüder Ronan und Erwan Bouroullec mit den Rollos „Roller Blinds“ eine neue Fensterlösung zur Kontrolle, Regulierung und Optimierung des Raumklimas. Mit einem Gespür für Details und Farben gelang dem Designerduo ein durchdachtes System, in dem Ästhetik und Funktionalität hervorragend verschmelzen. Durch die Möglichkeit, Helligkeit, Blendung und Temperatur zu regulieren, schafft das aus

Rohholzoptik

hochwertigem Aluminium gefertigte Produkt eine konsistent angenehme Umgebung. Stabil und flexibel gestaltet, lassen sich die Textilien je nach Designanforderungen auch nachträglich einfach austauschen. KVADRAT A/S LUNDBERGSVEJ 10, DK-8400 EBELTOFT T: (00 45 895)318 66 E: KVADRAT@KVADRAT.ORG I: KVADRAT.DK

Mit Öl natürlich wie frisch gesägtes Holz: 1-Stab-Diele Klinta.  F O T O : K Ä H R S

B O D E N   Neben vielen anderen Innovationen steht das schwedische Traditionsunternehmen auch für fortschrittliche Oberflächendesigns im Bereich Parkett. Die natürliche Rohholzoptik bietet Kährs jetzt in einer Serie innovativer Naturöl-Oberflächen an. Die Dielen bewahren durch die Behandlung die Farbe von frisch gesägtem Eichenholz. WWW.KAEHRS.COM

Kvadrat Roller Blinds von Ronan und Erwan ­Bouroullec  F O T O : K VA D R AT

Mosa Solids, Cradle to Cradle zertifizierte Keramikfliesen  F O T O :

Von der Natur inspiriert bringen diese Tapeten Farbe und Stimmung in den Raum  F O T O : S K I N W A L L

Raumwunder Eiche Vulcano Medium Breitendiele von mafi, gebürstet naturgeölt  F O T O :

MAFI

Großzügige Optik BO D E N  Offenheit im Wohnbereich erfreut sich schon lange großer Beliebtheit und eröffnet auch für die Gestaltung des Bodens neue Möglichkeiten und Stilmittel. Denn für den gesamten Raumeindruck großer Flächen ist die Optik des Boden entscheidend. Mit der Eiche Vulcano Medium Breitdiele bietet die Naturholzboden-Manufaktur mafi aus Oberösterreich eine Lösung, die gerade offenen Raumkonzepten eine noch größere Ausdehnung verleiht und auch noch eine ästhetisch hochwertige Bodengestaltung schafft.

Der sanfte Braunton „Medium“ lässt die Räume hell und freundlich wirken, ohne dabei den edlen Charakter eines dunklen Holzbodens zu verlieren. Haptisch überzeugt die mit dem natürlichen mafi-Holzbodenöl ver­ edelte Diele durch ihre natürliche Holzoberfläche. MAFI NATURHOLZBODEN GMBH UTZWEIHSTRASSE 21+25, A-5212 SCHNEEGATTERN T: (0 774)627 11-0 E: OFFICE@MAFI.COM I: WWW.MAFI.COM

WA N D   Schimmernde Reflexe, leuchtende Farben zaubern diese besonders attraktiven Tapeten an die Wand. Top-Qualität, nicht zuletzt auch dank der verwendeten Komponenten – Zellulose, Polyester und Elemente mineralischen Ursprungs – zeichnet die Produkte außerdem aus. Hier geht es aber nicht nur um die Schönheit des unvergleichlichen Materials, denn dieses punktet überdies auch durch seine Brandsicherheit, die Abwaschbarkeit und seine Resistenz gegen UV-Licht, Hitze, Feuchtigkeit und Stoß. Die neue Kollektion mit 43 Mustern und zahlreichen eindrucksvollen teils exotischen, teils fotorealistischen oder antikisierenden Maxi-­ Motiven und originellen Designs eröffnet nunmehr eine weitere breite Palette phantasiereicher Gestaltungsmöglichkeiten für unterschiedlichste Raumstimmungen – auch nach individuellem Kundenwunsch. SKINWALL SRL WWW.SKINWALL.IT

R O YA L M O S A

Fliesen ohne Abfall N AC H H A LT I G K E I T   Dass ökologisches Produzieren für den Keramikfliesenhersteller Mosa aus Maastricht keine Sache des Bekenntnisses, sondern der Praxis ist, wurde durch die Verleihung des Architect’s Darling Cradle to Cradle Award erneut bestätigt. Die Grundidee von Cradle to Cradle, einem Wirtschafts- und Innovationskonzept entwickelt von Michael Braungart und William ­ ­McDonough, ist es, nützlich zu sein und nicht nur weniger schädlich. Da macht es Sinn, dass sich das niederländische Unternehmen, das sich in seinem gesamten Entwicklungs- und Herstellungsverfahren an die Cradle-­ to-Cradle-Grundsätze hält und sich für Nachhaltigkeit einsetzt, gegen die starke Konkurrenz 19 teilnehmender Marken durchsetzen konnte. „Es entstehen dort einfach Produkte, die so viel mehr Qualität haben als anderswo. Die Mosa-Fliesen sind bei Weitem die saubersten Fliesen, die es auf der Welt gibt“, so Jurymitglied ­Michael

Braungart, der den Architect’s Darling Mosa übergab. Als positiv sieht Braungart auch, dass Mosa die Inhaltsstoffe der Fliesen nennt, anstatt sie für ihre geringe Belastung zu rühmen und dabei positiv definiert, was die Produkte enthalten. Cradle-to-Cradle-Produkte sind im Durchschnitt 20-mal kostengünstiger als jene, die herkömmlich hergestellt werden. Kläranlagen werden überflüssig, weil die Materialien für die Biosphäre geeignet sind und keine giftigen Schwermetalle mehr abbauen müssen. Jedes Material, das Mosa verwendet, kann in die Biosphäre bzw. in die Technosphäre zurückgehen. Mosa-Fliesen tragen außerdem zu nachhaltigen Gebäudezertifikaten bei. ROYAL MOSA MEERSSENERWEG 358, NL-6224 AL MAASTRICHT T: (00 31 43) 368 94 44 E: SUPPORT@MOSA.NL I: WWW.MOSA.COM

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#01-02/2018 ARC H I T EKT U R & BAU FO RU M D IE INT E LLIG E NT E G E B ÄU D EH ÜL L E

Der strenge, vertikale Rhythmus der Fassade, die dunkelbraune Zwei-Komponenten-Lasur und die Tiefe der Faserbetonelemente erzeugen je nach Blickwinkel einen mehr oder weniger massiven und geschlossenen Baukörper.   FOTOS: JÉRÉMY BERNIER UND SCHNEPP RENOU

Vertikaler Campus für Forschung und Bildung PR Ä Z I S I O N MI T BETO N   Die Universität Paris-Saclay im Süden von Paris soll nach dem Vorbild des Silicon Valley zum zurzeit innovativsten Forschungs- und Wissenschafts­ zentren ausgebaut werden und so zum weltweit größten Sitz und Ausbildungszentrum international operierender Hightech-Unternehmen avancieren. Architektur und bautechnische Qualität werden für jene hier zukünftig ansässigen Unternehmen zum Spiegelbild ihrer Innovationskraft und Modernität. Der Einsatz von ultrahochfestem Beton übernimmt dabei eine besondere Rolle. V O N M I C H A E L KO L L E R

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mmanuel Combarel und Dominique Marrec, Gründer des Pariser Architekturbüros ecdm, haben mit dem Bildungscampus für die französische Elektrizitätsgesellschaft Électricité de France gerade den vorläufig letzten Baustein am EDF Bildungscampus realisiert. Mit seiner streng orthogonalen Form kontrastiert der Komplex mit den weichen Rundungen des benachbarten Forschungs- und Entwicklungszentrums von EDF (EDF-Lab) nach den Plänen des Architekten ­Francis Soler. Das Gebäude von ecdm soll in Zukunft der Ausbildung von rund 15.000 neuen Mitarbeitern pro Jahr dienen und besteht aus einem Schulungsbau, dem Werkstättengebäude und 270 Einzimmerwohnungen. Die Architekten entschieden sich, nur einen Teil des zur Verfügung stehenden Grundstücks zu bebauen, um einen Großteil des ursprünglichen, agrar genutzten Areals erhalten zu können und gleichzeitig Raum für eine mögliche Erweiterung zu sichern. ­Dominique Marrec betont aber auch, dass sich hinter der Stapelung der einzelnen Raumprogramme die Grundidee eines vertikalen Campus verbirgt. Dieses Übereinanderschichten multifunktionaler Bereiche ist bewusst an einen städ-

tischen Superblock angelehnt. Damit soll dieser Komplex ein formales Gegenmodell zu den in den 1970er Jahren üblichen, pavillonartig inmitten einer Parklandschaft konzipierten Universitätscampusmodellen darstellen.

VON INNEN NACH AUSSEN Das ausgeführte Konzept führte letztlich zu einem kompakten Hauptvolumen mit quadratischem Grundriss, bei dem die Räume vom Erdgeschoß bis zum 5. Obergeschoß nach und nach an Privatheit gewinnen. Im Erdgeschoß des Hauptgebäudes sind neben der weitläufigen Eingangshalle eine Bar, Ausstellungsflächen, mehrere Konferenzsäle und ein Business Center angeordnet. In den zwei darüber liegenden Geschoßen wurden Unterrichts- und Arbeitsräume organisiert. Das 3. Obergeschoß bildet mit seiner geschoßhohen, gefalteten Glasfassade eine klare visuelle und funktionelle Zäsur zwischen den der Ausbildung gewidmeten Ebenen und den beiden darüber befindlichen Wohnebenen. Hier sind außerdem auch alle weiteren kollektiven und „städtischen“ Funktionen wie ein Restaurant, Lounges, eine Mediathek sowie Fitnessräume und Erholungsbereiche untergebracht.

Diese verschiedenen Funktionen sind auch an den entsprechend unterschiedlich gestalteten Fassadenabwicklungen ablesbar: Die glänzend dunkelbraune Zwei-Komponenten-Lasur der Faserbetonelemente in den Ausbildungsgeschoßen zeigen im Gegensatz zu den grau lasierten Flächen der Wohngeschoße einen wesentlich höheren Glasanteil und unterstreichen damit ihren öffentlichen Charakter. Mit der rundum laufenden Glasfassade der Restaurantebene zielten ­Combarel und Marrec darauf ab, den Blick ganz bewusst auf die umliegende Landschaft zu lenken. Der Ausblick ins Grüne war neben der intimeren Raumatmosphäre auch der Grund für die Anordnung der Schlafräume in den Geschoßen 4 und 5. Erst die Einführung eines streng geometrischen Rasters der Tragstruktur, der alle Ebenen miteinbezieht und somit auch an der Fassade ablesbar wird, ermöglichte es, die Raumfunktionen übereinandergestapelt zu organisieren.

ANGEWANDTE FORSCHUNG Der Einsatz von ultrahochfestem Beton hat sich mittlerweile allgemein in der Architektur in mehrere Richtungen entwickelt: Während manche Architekten die hohe Tragfähigkeit und guten me-

chanischen Eigenschaften von faserverstärktem Beton nutzen, um besonders große Spannweiten oder Auskragungen zu realisieren, schätzen ecdm dessen Plastizität und Präzision. Die Verwendung ultrahochfesten Spritzbetons mit Stahlfasern (UHPC – ultra high performance concrete) ist die jüngste Entwicklung einer seit 15 Jahren andauernden Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung zwischen dem Betonhersteller Lafarge und ecdm. Die Anwendung der Ductal®-Produkte, einer von Lafarge entwickelten und vertriebenen Marke, startete 2007 beim Bau des RATP-Busterminals in Thiais und setzte sich bei der Errichtung einer Kinderkrippe 2012 in ­Paris fort. Im Gegensatz zu den gekrümmten, in Matrizen gegossenen Platten, die etwa zur Gestaltung der Hülle der Pariser Fondation Louis Vuitton von Frank Gehry verwendet wurden, entwickelten Lafarge und ecdm für den EDF-Campus Fassaden­ elemente, bei deren Herstellung der Beton auf großformatige Holzschalungen gespritzt werden kann. Die vorgefertigten Fassadenelemente sind dementsprechend bis zu 8 Meter hoch, 2,70 Meter breit, 60 Zentimeter tief und haben eine durchschnittliche Materialstärke von nur 15 Millimeter. Ziel dieser Entwicklung war die Er▶  SE IT E 2 2


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ARCHITEKTUR & BAU FORUM

E D F B I L D U N G S C A M P U S D E R U N I V E R S I TÄT PA R I S - S A C L AY V O N E C D M A R C H I T E K T E N

PRO J EK TDATEN Bildungscampus EDF ­Paris-Saclay 13, Boulevard Gaspard Monge, 91120 Palaiseau – Plateau de Saclay, FR

Bauherr EDF (www.edf.fr) Architektur ECDM architectes – Projekt­ leiter: Jérémy Bernier http://ecdm.eu Bauleitung CALQ Architecture www.calq.fr Stellvertretender Bauherr (Projektsteuerung) SOFILO Assistenz Bauherr (Planungsphase): Orénoque; (Bauphase): AIA www.a-i-a.fr Landschaftsplanung APTEC MO (Pascal Cribier, Jean-Marie David) Tragwerksplanung Jean-Pierre Miécaze TGA THOR ingéniérie http://thoringenierie.com Fassadenplanung VP&Green Ingénierie www.vpgreen.fr Kostenplanung Mazet & Associés http://mazet-associes.com Akkustikplanung AVA www.acoustique-vivie.fr Nettogeschoßfläche 25 000 m² Wettbewerb 2011 Fertigstellung Dezember 2015 Bauzeit 24 Monate Eingesetzte Materialien Ultrahochfester faserverstärkterBeton: Lafarge Holcim / Betsinor / C&E ingeniérie www.ductal.com Glasfassade EG + 3. OG: Rinaldi www.rinaldi-structal.com / Paralu www.paralu.fr Rostfreie Edelstahlfassade Werkstättengebäude: Arval Ressac ds.arcelormittal.com Isolierung Glaswolle Isover: Saint Gobain www.saint-gobain.com

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Im Vergleich zu den dezenten Farben an den Außenfassaden arbeiteten ecdm in den zwei Innenhöfen mit kräftigen Blau- und Rottönen.  

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FOTOS: JÉRÉMY BERNIER UND SCHNEPP RENOU 1

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1. Béton Fibré Ultra haute Performance épaisseur 15 mm 2. Volet roulant 3. Châssis vitré ouvrant à la française 4. Mur ossature bois 5. Isolant épaisseur 16 mm 6. Voile béton épaisseur 18cm

1. Béton Fibré Ultra haute Performance épaisseur 15 mm 2. Volet roulant 3. Châssis vitré ouvrant à la française 4. Mur ossature bois 5. Isolant épaisseur 16 mm 6. Dalle béton épaisseur 22 cm 7. Tablette en Béton Fibré Ultra haute Performant

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détail au 1/7ème

Detail Vertikalschnitt Fassade Einzimmerwohnungen: 1 Faserverstärkter ultrahochfester Beton (UHPC) 15 mm dick 2 Rollladen 3 Fensterrahmen zweiflügelige Drehflügelfenster 4 Holzständerkonstruktion 5 Isolierung 16 mm dick 6 Betonbodenplatte 22 cm dick 7 Tafeln aus faserverstärktem Beton 15 mm dick

détail au 1/7ème

FOTOS: JÉRÉMY BERNIER UND SCHNEPP RENOU PL ÄNE: ECDM

▶ zeugung von Ductal®-Elementen, die nach dem Vorbild von Gusseisen eine sehr plastische, solide und homogene Erscheinung aufweisen und deren Oberflächenqualität jener von Metallflächen vergleichbar sein sollte.

REDUKTION AUF DAS WESENTLICHE Die fugenlosen Elemente unterstreichen den Gegensatz zwischen der Masse und Geschlossenheit von Beton im Gegensatz zur Offenheit und Transparenz von Glas. Durch die Größe der wasserundurchlässigen Fassadenelemente konnte die Zahl der notwendigen Fugen auf das Notwendigste reduziert und die Angriffsflächen für Witterungseinflüsse verringert werden. Durch die Präzision der Vorfertigung und die Tiefe der Einzelelemente war es außerdem möglich, Sonnenschutzlamel-

len direkt in die Fensterlaibungen zu inte­grieren. Der hohe Vorfertigungsgrad brachte auch eine wesentliche Reduktion der Bauzeit mit sich. Und last but not least waren auch Widerstandsfähigkeit, Langlebigkeit und die geringe Porosität für die Materialwahl auschlaggebend.

DAS SPIEL MIT KONTRASTEN Im Kontrast zum Hauptgebäude wurde die Fassade des zweigeschoßigen Werkstättengebäudes mit Lamellen aus rostfreiem Edelstahl verkleidet. Die Wahl des Materials Metall erklärt sich aus der Tatsache, dass dieses bei Industriegebäuden häufig Verwendung findet und man den industriellen Charakter hier auch optisch mit der Nutzung in Zusammenhang bringen wollte. Durch die Widerspiegelung der umliegenden Landschaft in den Fassadenelementen und die durch die gewellten Metalloberflächen entstehenden Verzerrungen verschmilzt der langgestreckte Baukörper regelrecht mit seiner Umgebung. Das Fassadenkonzept basiert letztlich auf dem unterschiedlichen Funktionen entsprechenden und wohldurchdachten Einsatz diverser Materialien je nach Lage und Funktion der einzelnen Gebäudeteile.

Perspektivischer Schnitt durch das Gebäude.

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E I N FA M I L I E N H A U S , K LO ST E R N E U B U RG VO N M I A 2 A RC H I T E K T E N

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Die Struktur der Oberflächen sollte die vielfältigen Möglichkeiten einer Schalung zum Ausdruck bringen und sowohl im Außen- als auch im Innenraum dezente Kontraste setzen.  F O T O S : M I A 2 /A R C H I T E K T U R Z T KG , F R A U KO E P P L

Reduzierte Materialität dominiert auch den Innenraum: Glatt verputzte, weiße Wände wechseln mit grobem Akustikputz in Weiß, strukturierter Sichtbeton mit weißen und zum Teil dunkel gebeizten Einbaumöbeln, Holz- mit glatten Estrichböden.

Beton in Sicht! S IC H T B ETO N   Sichtbeton wünschten sich die Bauherren dieses Einfamilienhauses in Klosterneuburg nicht nur als bestimmenden Baustoff. mia2 Architekten, die mit der Planung betraut wurden, sollten nämlich Beton nicht nur konstruktiv, sondern auch als Gestaltungselement einsetzen. Entstanden ist in Erfüllung dieser Vorgabe ein Bau, der die Materialität und Haptik von Sichtbeton, gepaart mit der besonderen Qualität einer perfekt ausgeführten Schalung, für sein Erscheinungsbild außen wie innen zu nützen versteht. VON CHRISTINE MÜLLER

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er Bau, der dem natürlichen Verlauf der Topografie folgt, erhebt sich über einem geknickten Grundriss. In einer wohlüberlegten Komposition verschmelzen unterschiedliche Oberflächen, Strukturen und Materialien zu einem einheitlichen Erscheinungsbild. Der kompakte Baukörper in leichter Hanglage dem Gelände folgend dient zum Wohnen und Arbeiten. Die Garage bleibt zur Gänze im Erdreich verborgen und ist lediglich durch das Zufahrtstor von außen sichtbar. „Dem Gefälle des Hangs folgend und den Bauvorschriften entsprechend haben wir hier das maximal zulässige Volumen ausgeschöpft“, so der Architekt Gunar Wilhelm von mia2.

KOMPAKTE GEOMETRIEN „Für die formale Gestaltung des Gebäudes waren zwei Kriterien ausschlaggebend: die Form des Geländes und die Nutzung, die nach oben hin schrittweise privater wird“, so der Architekt. Der Zugang, durch ein Vordach und eine Bodenplatte aus Beton gekennzeichnet, befindet sich ostseitig im Erdgeschoß. Von hier wird der gesamte Bau als wohl überlegte, vertikale Komposition streng geometrischer, leicht versetzter Quadern in seiner Kompaktheit erkennbar. Im Zugangsbereich befinden sich die Praxis der Bauherrin und ein Gästezimmer mit Bad. Küche, Wohnbereich, Kinderzimmer und Sanitärräume sind im ersten Obergeschoß untergebracht. Innen und Außen verbindet eine vorgelagerte Loggia und eine Auskragung aus Beton, die den direkten Zugang zu Garten und Schwimmbad ermöglichen. Der zwei Geschoße einnehmende Raum mit Bibliothek bildet den Übergang zum zweiten Obergeschoß, dem Bereich der Eltern:

Galerie mit Arbeitsbereich, Schlafzimmer, Bad und eine uneinsichtige Terrasse für die maximale Privatheit.

GEKONNT GEKNICKT Im Erdgeschoß folgt der Grundriss mit einem merklichen Knick dem Geländeverlauf. „Diese Form im Gebäude aufzunehmen, war der Wunsch der Bauherren“, erklärt Wilhelm. „Auch sollte im ersten Obergeschoß südseitig ein überdachter Terrassenbereich entstehen, um die direkte Sonneneinstrahlung in den Wohnbereich zu minimieren.“ Die Planer haben beide Wünsche mittels vorgesetzter Verschalung aus Beton umgesetzt und dabei auch gleich noch zusätzlichen Nutzen generiert. Denn so entstand der nötige Stauraum zur Unterbringung der Gartenmöbel und letztlich die Kompaktheit des Baukörpers. „Außerdem sollten einige Flächen in Sichtbeton sein, jedoch nicht das gesamte Gebäude“, so der Architekt. „Wir haben uns also für eine Verkleidung der Westfassade entschieden, die sich wie ein Band über die südliche Fassade weiterzieht und schließlich im Osten das Fenster im ersten Obergeschoß einrahmt.“ An den beiden Kopfseiten wählte man zweischaliges Mauerwerk mit dazwischen liegender Dämmung, die mit einer zusätzlichen Schalung vor Ort gefertigt wurde. „Die Struktur der Oberflächen sollte die vielfältigen Möglichkeiten einer Schalung zum Ausdruck bringen und sowohl im Außen- als auch im Innenraum dezente Kontraste setzen. Wir haben unterschiedliche Varianten ausgearbeitet und mit den Bauherren diskutiert. Letztendlich fiel die Entscheidung zugunsten einer Struktur aus horizontalen Brettern.“ Sägeraue Fichtenbretter mit unterschiedlichen Stärken wurden dafür an die Innenseite der Scha-

lungsplatten genagelt. „Ein sehr aufwendiger Prozess, den ein pensionierter Tischler und Mitglied der Familie in Eigenleistung erbrachte“ – nach der exakten Planvorgabe der Architekten. Es entstanden unregelmäßige Oberflächen in sehr ausgeprägter Haptik und Harmonie mit den Holztexturen des Garagentors sowie der Verschalung im zweiten Obergeschoß. Ein Effekt, der sich auch farblich durch den Vergrauungsprozess des Holzes und dessen so erfolgende Farbanpassung an den Beton mit der Zeit noch verstärken wird. Reduzierte Materialität dominiert auch den Innenraum. Glatt verputzte, weiße Wände wechseln mit grobem Akustikputz in Weiß, strukturierter Sichtbeton mit weißen und zum Teil dunkel gebeizten Einbaumöbeln, Holz- mit glatten Estrichböden. Auch eine gezielte Lichtführung über teilweise raumhohe Fenster nützt gekonnt die unterschiedlichen Farbstimmungen des Tagesverlaufs und verleiht den Räumen somit jeweils eine eigene Atmosphäre.

PRO J EK TDATEN Einfamilienhaus

Klosterneuburg

Bauherr privat Architektur mia2 / Architektur, Linz Projektleitung Gunar Wilhelm Statik Schinler & Partner ZT GmbH HKLS Schnauer Energie-, Solar- und Umwelttechnik GmbH & Co KG Baufirma Josef Lehner E.U., Amstetten Transportbeton Rohrdorfer Baustoffe Austria GmbH Grundstücksfläche 1.082 m² Wohnnutzfläche 223,5 Nutzfläche Keller und Garage 125,5m² Heizwärmebedarf 32,4 kWh/m² Materialien Stahlbeton, Stahlbeton Vorsatz­ schalen, WDVS, vorgehängte Schattenlamellen aus Lärchen­ holz Böden beschichteter Estrich, ­Holzboden, Fliesen


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ARCHITEKTUR & BAU FORUM

FORSCHEN

NEST. Dezember 2017. Rechts oben die Solare Fitness & Wellness Unit, in der Mitte die jüngst fertiggestellte Urban Mining & Recycling Unit unter der Leitung von Werner Sobek. F O T O : D I G I TA L B U I L D I N G T E C H N O L O G I E S G R O U P, E T H Z Ü R I C H

Mockup Smart Slab. Mittiges Auflager bildet eine doppelt gekrümmte Wand, die mittels der Mould Mesh Technologie konstruiert wird. Ein Roboter fertigt ein Bewehrungsgitter, das gleichzeitig als Schalung fungiert. Die filigranen Stützen sind mit dem Smart Dynamic Casting Verfahren geformt.  F O T O : D I G I TA L B U I L D I N G T E C H N O L O G I E S G R O U P, E T H Z Ü RICH

Rendering zur komplexen Ausführung der Deckenuntersicht des Smart Slab R E N D E R I N G : D I G I TA L B U I L D I N G T E C H N O L O G I E S G R O U P, E T H Z Ü R I C H

Ausschnitt 3D-Druck Sandschalung von voxeljet mit Betonabdruck F O T O : D I G I TA L B U I L D I N G T E C H N O L O -

Kraftflüsse als Parameter für die Gestaltung des Smart Slab

G I E S G R O U P, E T H Z Ü R I C H

R E N D E R I N G : D I G I TA L B U I L D I N G T E C H N O L O G I E S G R O U P, E T H Z Ü R I C H

Startschuss für 3D gedruckte Sandschalung A N G EWAN DT E FO RSCH UN G   1981 erfand Charles W. Hull die Stereolithographie. Zwei Jahre später druckte er als weltweit erstes Objekt im 3D-Druckverfahren eine Tasse. Im Jahr dazwischen, 1982, wurde Autodesk gegründet. Die Geschichte des 3D-Drucks ist die Geschichte des computerunterstützten Konstruierens (CAD). VON CHRISTINE BÄRNTHALER

I

n Dübendorf bei Zürich, auf dem Empa-­ Eawag-Campus, steht das NEST (Next Evolution in Sustainable Building Technologies). Es handelt sich dabei um ein Gebäude, das infrastrukturell und konstruktiv als Andockstation für bauliche Experimente konzipiert wurde. Bei Fertigstellung des Kerngebäudes dominierten drei rohe und weit auskragende Stahlbetonplatten das Bild der Architektur. Sie dienen als Bauplätze, um neue Baustoffe, Systeme, Wohn- und Arbeitskonzepte realmaßstäblich errichten, erleben und monitoren zu können. Pro Geschoß stehen zwischen 500 und 700 Quadratmeter dieser Art vertikal gestapelter Bauflächen zur Verfügung. Ein mittig gelegenes großzügiges Atrium mit Erschließung und Gebäudetechnik bildet das Rückgrat des Gebäudes. Geplant wurde das NEST von Gramazio Kohler Architekten. Seit der Inbetriebnahme des Gebäudes im Jahr 2016 wurden bereits einige Demonstrations-Units am NEST realisiert: Vision Wood, Meet2Create, Solare Fitness & Wellness und im Dezember 2017 Werner Sobeks Urban Mining & Recycling Unit.

Für 2018 steht nun die Fertigstellung des DFAB HOUSE an. Diese dreigeschoßige Einheit bringt Forschende von insgesamt acht Lehrstühlen der ETH Zürich zusammen.

ckenplatte und der fertigen, komplexen, dreidimensional geformten Betonschalung liegt nur der Datentransfer zum 3D-Drucker.

DIGITALE BAUPROZESSE ERFORSCHEN …

Industriepartner in der Umsetzung ist die voxeljet AG in Augsburg. Dort hat man sich die letzten Jahre intensiv damit beschäftigt, das Verfahren des Sand 3D-Drucks an die Erfordernisse des Bauens und Betonierens anzupassen. voxeljet ist Hersteller industrietauglicher 3D-Drucksysteme und betreibt Dienstleistungszentren für „on-demand“-Fertigung. Renommierte Vertreter der deutschen Automobilindustrie arbeiten seit beinahe eineinhalb Jahrzehnten mit den hochpräzisen 3D-Druck-Sandformen für den Metallguss. Doch Beton und glühendes Metall verhalten sich unterschiedlich. Beim gewohnten Ausgießen der Sandformen mit Metall löst sich aufgrund der hohen Temperatur der Binder im Sandguss. Die Form zerfällt in einzelne Sandkörner und ist somit verloren. In der Architektur ist Gegenteiliges erwünscht. Eine herkömmliche Matrize wird ohne sichtbaren Qualitätsverlust im Betonguss bis zu 100-mal eingesetzt. voxeljet infiltriert die Gussformen für Beton daher mit Epoxidharz und erreicht damit sehr glatte Resultate und einen Einsatz von mindestens zehn Abgüssen bei entsprechendem Handling. Eine weitere Hürde für den Einsatz der Technologie im Bauwesen stellte das Gewicht der Sandgussformen dar. Anstelle massiver Drucke,

Gemeinsamer Nenner ist die Erforschung und Entwicklung digitaler Bauprozesse gemäß dem schweizerischen nationalen Forschungsschwerpunkt „Digitale Fabrikation“. Fünf neue Technologien kommen an unterschiedlichen Bauteilen im prototypischen DFAB HOUSE zur Anwendung, davon basieren zwei auf dem Einsatz von Robotern. Eine Ausnahme bildet der Smart Slab, eine etwa 80 Quadratmeter große, statisch optimierte Leichtbau-Betondecke. Diese lagert auf einer mittig im Raum angeordneten zwölf Meter langen und mehrfach gekrümmten Wand. Der schlangenförmige Verlauf der Wand als Auflager erwirkt einen irregulären Kräfteverlauf in der Deckenplatte. Die sich daraus ableitende Struktur hat das Team um Benjamin Dillenburger, Professor für Digitale Bautechnologie an der ETH Zürich, auf die Gestalt der Deckenuntersicht übertragen. Darüber angeordnete Betonrippen übernehmen die Aussteifung und tragen das Obergeschoß. Die digitale Fabrikation geschieht hier nicht vor Ort mit einem Roboter, sondern betrifft den Schalungsbau auf einem Sandguss 3D-Drucker. Zwischen der parametrisch geformten 3D-Zeichnung der De-

… UND UMSETZEN

wie sie für Gussformen beispielsweise von Turbinen zum Einsatz kommen, ist voxeljet übergegangen, Material einzusparen und nur mehr eine dünne Schalhaut von wenigen Zentimetern Stärke zu drucken. Diese wird in Folge auf eine sogenannte Knaggebox montiert. Da die Druckkosten der Schalung unter anderem vom verbrauchten Sand abhängen, kann der Preis damit ebenfalls vorteilhafter gestaltet werden. Bezüglich des Preises nennt voxeljet drei Kostentreiber: Komplexität, Lieferzeit und Stückzahl. Die Lieferzeit übt den größten Einfluss aus. Ein Liter Sanddruck kostet bei Fertigung binnen 15 Tagen fünf Euro. Bei einer Lieferung binnen 25 Tagen sinkt der Preis auf beinahe die Hälfte mit drei Euro. Die Vorteile der 3D gedruckten Sandschalung liegen in den Möglichkeiten der Gestaltung. Auch Hinterschneidungen sind machbar, so lange das Ausschalen gewährleistet ist. Hier sieht voxeljet auch das größte Entwicklungspotenzial für die kommenden Jahre, also in der Umgestaltung der Drucktechnologie hin zu einem wasserlöslichen Bindemittel. Die Schalung wäre dann zwar wieder verloren, könnte aber in Formen mit fragilen Hinterschneidungen einfach weggewaschen werden. Die Technologie der 3D gedruckten Sandschalung steht hier und jetzt am Markteintritt. Der Smart Slab im DFAB HOUSE wird das erste r­ ealmaßstäbliche Architekturprojekt sein, das mit einer 3D gedruckten Sandschalung produziert wird.


ENTWICKELN

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Das scharfkantige Fugenbild der gefalteten Ortbetonwand wurde präzise geplant und auf technisch hohem Niveau umgesetzt. Trichterförmige, symmetrische Oberlichten und dazwischen liegende Lichtbänder sorgen für hohe Tageslichtqualität.  F O T O S : W A LT E R E B E N H O F E R

Glasfaserbetonpaneele ermöglichen diesen einzigartigen Faltenwurf, der der Fassade des monolithischen Baus seine Lebendigkeit schenkt.  F O T O S : R I E D E R

Der Trick mit dem Knick

Maßgeschneidert

S IC H T B ETO N   Um bessere Lehrvoraussetzungen zu schaffen, sollten für das Stiftsgymnasium Kremsmünster neue Räumlichkeiten geschaffen werden. Poppe*Prehal Architekten gewannen den zur Projektfindung ausgeschriebenen Architektenwettbewerb. Wenn auch bereits Ende 2016 fertiggestellt verdient der Bau angesichts seiner räumlichen Qualität und hohen Präzision in der Anwendung von Sichtbeton nach wie vor Aufmerksamkeit. VON REDAKTION

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in Gang sollte das bestehende Gymnasium mit dem Konviktsgebäude verbinden, eine Sporthalle errichtet werden und der Bestand war zu adaptieren. Errichtet wurde ein eindrucksvoll in Szene gesetztes Verbindungselement in Sichtbeton sowie eine Turnhalle an der Schnittstelle beider Bestandsbauten. Das im 16. Jahrhundert als Klosterschule von Kremsmünster gegründete heutige Gymnasium besuchen zurzeit etwa 400 Jugendliche. Um dem benediktinischen Geist als Schule der Zukunft zu entsprechen, waren umfangreiche bauliche Maßnahmen notwendig. In einer ersten Bauphase entstanden der Verbindungstrakt sowie ein Turnsaal, in einer zweiten neue Unterrichtsräume in Bereichen des ehemaligen Internats.

EINHEIT VON ALT UND NEU Der von zwei gleich hohen Mauern flankierte Turnsaal wird charakterisiert von historischem Bruchsteinmauerwerk und einer parallel dazu verlaufenden Mauer in sandgestrahltem Sichtbeton. Die Halle ist aus denkmalpflegerischen Gründen so weit in das Gelände versenkt, dass sie die Mauern nicht überragt und somit die Sicht vom Kreuzgang aus nicht beeinträchtigt. Trichterförmige, symmetrische Oberlichten und dazwischen liegende

Lichtbänder sorgen für hohe Tageslichtqualität. Aus baulichen wie denkmalpflegerischen Gründen musste der etwa 100 Meter lange Gang unterirdisch verlaufen. Architekt Helmut Poppe sah dies als architektonische Herausforderung und machte den Gang zu einem Ort der Bewegung, Kommunikation und Begegnung, der die historische Bausubstanz verschiedener Epochen mit einer modernen Architektursprache zusammenführt.

ATTRAKTIVE FALTUNGEN Die im Stift allgegenwärtigen historischen Gewölbe wurden als präzise ausgeklügelte Faltung auf die Sichtbetonwand übertragen. „Wesentlich dabei war für uns das Spiel von Licht und Schatten, das sich durch die Formung der Wand ergibt“, sagt Poppe. Auf einem Drittel seiner Länge öffnet sich der Gang über eine Glaswand visuell zur Turnhalle. So gelangt das Tageslicht der Oberlichten indirekt auch bis in den Verbindungstrakt. Die in Assoziation zum Himmel dunkelblau gefärbte Decke lässt den Raum höher wirken. Durch die etwa 20 Meter lange Boulderwand wird das Beschreiten des Gangs zum räumlichen Erlebnis. Die Umsetzung der bis zu einem Meter dicken Ortbetonwand war, nicht zuletzt aufgrund der einheitlich gewünschten Oberflächenfarbe, eine beson-

Sicherer Trittschallschutz mit der blauen Linie. Machen Sie keine Kompromisse.

dere Herausforderung. Das scharfkantige Fugenbild wurde präzise geplant und auf technisch hohem Niveau umgesetzt. VEREIN BETONMARKETING ÖSTERREICH VERBAND ÖSTERREICHISCHER BETONUND FERTIGTEILWERKE (VÖB) GABLENZGASSE 3, A-1150 WIEN T: (01) 403 48 00 I: WWW.BETONMARKETING.AT

PROJE KT DAT E N Adaptierung und Erweiterung des Gymnasiums Kremsmünster, OÖ Bauherr Stift Kremsmünster, Kremsmünster Architektur Poppe*Prehal Architekten ZT GmbH, 4400 Steyr Projektleitung OÖ Wohnbau, Linz Statik Ingenieurbüro ­Meinhart + Part­ ner, ZT GmbH, V ­ öcklamarkt Bauphysik Krückl-Seidl-Mayr & Partner ZT GmbH, Perg Haustechnik TB Anreiter KG, Oepping Elektroinstallationen GF Consulting Fleischanderl GmbH, Natternbach Baufirma Kieninger GesmbH, Bad Goisern Ortbeton Asamer Baustoffe AG, ­Ohlsdorf Lichtplanung A.B. Zoufal Lichtgestaltung, ­Leonding Grundstücksfläche 30.000 m2 Nutzfläche 8.600 m2

FA S E R B E T O N   Im neuen Forschungs- und Sammlungszen­ trum in Hall des Architektur­büros Franz&Sue werden Millionen Sammlungsstücke der Tiroler Landesmuseen aufbewahrt. Die Fassade des markanten Monoliths besteht aus geformten Glasfaserbeton-Elementen. Weil konstante klimatische Verhältnisse in den Depoträumen gefordert sind, wurde das Volumen großteils in den Erdkörper eingegraben, sodass nur ein kleiner Teil des Baukörpers sichtbar ist. Im Gegensatz zu den Sammlungsräumen ist Tageslicht an den Arbeitsplätzen absolut notwendig, sodass sich Büros und Werkstätten um ein in das Gebäudevolumen geschnittenes Atrium herum gruppieren. Der geheimnisvolle Charakter der markanten Architektur wird durch die dunkelgraue Außenhaut aus concrete skin von Rieder effektiv unterstützt. „Mit der aufwendigen Gestaltung der Gebäudehülle möchten wir das Alte mit dem Neuen verbinden und lesbar machen: Ein Faustkeil aus dem siebten bis achten Jahrtausend ist eines der ältesten Werkzeuge der Sammlung. Dessen Abdruck zeichnet sich an den verformten Betonplatten ab“, erläutert Erwin Stättner von Franz&Sue. Die unregelmäßige Anordnung der glatten und verformten Elemente von 60 x 60 Zentimetern nimmt metaphorisch Bezug auf die Verteilung der Fundorte in Tirol, während das Fugenraster die quadratische

Linierung auf Karten symbolisiert. Rieder hat hierzu gemeinsam mit den Architekten ein neues Produkt entwickelt, das den industriellen Herstellungsprozess der Glasfaserbetonplatten mit einer handwerklichen Komponente verbindet. Jedes Fassadenelement ist ebenso einmalig wie die im Inneren aufbewahrten Sammlungsstücke. Ein dem Faustkeil ähnliches Objekt, über dem der Werkstoff aufgetragen wird, kommt bei der Produktion zum Einsatz. Mit der Aushärtung des Glasfaserbetons entsteht dabei der gewünschte Abdruck, sowie ein materialspezifischer, einzigartiger Faltenwurf, der der Außenhaut eine gewisse Lebendigkeit und Vielfalt verleiht. Die Paneele von Rieder sind mit nur 13 Millimetern sehr dünn, leicht und trotzdem extrem widerstandsfähig. Mit einer getesteten Langzeitbeständigkeit von mehr als 50 Jahren müssen diese weder abgeschliffen noch gestrichen werden und sind zudem nicht brennbar. Die Elemente aus Glasfaserbeton werden in der Manufaktur des Familienunternehmens vielfach gemeinsam mit Architekten, Fachplanern und Kunden für das jeweilige Projekt entwickelt und maßgeschneidert angefertigt. RIEDER SMART ELEMENTS MÜHLENWEG 22, A-5751 MAISHOFEN T: (0 65 42) 69 08 44 E: OFFICE@RIEDER.CC I: WWW.RIEDER.CC

Optimaler Trittschallschutz funktioniert nur im System. Ob Stiegenlauf oder Podest: Die genau aufeinander abgestimmten Varianten der Schöck Tronsole® sorgen für einen exzellenten Trittschallschutz über alle Gewerke hinweg, sowohl bei geraden als auch bei gewendelten Stiegen. Mehr Informationen auf www.tronsole.at

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ARCHITEKTUR & BAU FORUM

TRITTSCHALLDÄMMUNG

Subjektive Empfindung des Trittschallschutzes zwischen Räumen

Schallschutzklasse

Anforderung

Klasse A hoher Komfort

Klasse B Komfort

Klasse CRa „Standard Reihenhaus“

Klasse Ca Standard

Klasse Da gering

L‘nT,w + CI 43 dB

L‘nT,w 43 dBa

L‘nT,w 48 dBa

L‘nT,w 53 dBa

fast unhörbar

kaum hörbar

schwach hörbar

hörbar

deutlich hörbar

schwach hörbar

hörbar

deutlich hörbar

deutlich hörbar

L‘nT,w + CI,50-2500 48 dB L‘nT,w 38 dB

Schallquelle Gehen Kinderlaufen, Barfußgehen

S TA N D A R D S I N T E R N AT I O N A L

massive Decken zugrunde gelegt

a

Wer trägt die Verantwortung? Schallbrücken lassen sich vermeiden – Auftraggeber und Planer müssen die Voraussetzungen für effiziente Schalldämmung schaffen.

SC HA L L SCH U T Z I M H O C H BAU 

E

striche auf Dämmschichten mit trittschalldämmender Funktion werden als „schwimmender Estrich“ bezeichnet. In schalltechnischer Hinsicht muss der Estrichaufbau sowie der Bodenbelag mit der Decke als Gesamtkonstruktion betrachtet werden. Die Decke ist (aufgrund ihrer Masse) meist schon ein wesentlicher Bestandteil gegen theoretische und praktische Schallausbreitung. Jedoch sollte bedacht werden, dass diese nur die Basis bildet und die Überlegung für eine harmonische Schallentkoppelung da­ rüber hi­nausgehen muss. Oftmals unterbrechen (aufgrund zu geringer Aufbauten) Rohrleitungen, Lüftungskanäle und diverse andere Einbauten in der Fußbodenkonstruktion die Wirkung der Trittschalldämmung und in weiterer Folge die Ruhe des Bewohners.

DÄMMWERTE VERBESSERN Der „schwimmende Estrich“ hat im Zusammenhang mit der Gesamtkonstruktion die Aufgabe, die in der Norm geforderten oder vertraglich vereinbarten Schalldämmwerte zu erreichen bzw. zu verbessern. (Die Mindestanforderungen an den Trittschallschutz sind bekanntlich in der DIN 4109 „Schallschutz im Hochbau“ festgelegt.) Die Festlegung der jeweils erforderlichen Schallschutzanforderungen ist Aufgabe des Auftraggebers bzw. des Planers – nicht die des Estrichlegers. Dessen Aufgabe ist es, durch sorgfältige Ausführung die theoretisch errechneten Werte auch tatsächlich zu erreichen. Dabei stellt sich oft die Frage: „Werden dem Estrichleger die nötigen Möglichkeiten gegeben, seinen geplanten Aufbau ohne das Einwirken anderer Fremdleistungen durchzuführen?“ Meistens nicht! Ein häufig auftretender Diskussionspunkt ist dabei die Schnittstelle der Fußbodenheizungs-Systemplatte. Diese wird oftmals in die Hände anderer Subgewerke übergeben, ohne sich der Folgen dieser Entscheidung im Klaren zu sein. Technisch problematisch wird es, wenn man die Ausführung der Randstreifen und der Systemplatte aufteilt. Diese Entscheidung führt dazu, dass die Randstreifen nicht ordnungsgemäß verlegt werden. Diese müssen im Zuge der Verlegung der Systemplatte gesetzt werden, um Schallbrücken zu vermeiden. Die wesentlichsten Bestandteile der Trittschallverbesserung in einem Fußbodenaufbau sind die Trittschalldämmplatte

Trittschallschutz Die Hörbarkeit von Gehen und ähnlichen Körperschallbeaufschlagungen der Decke ist je nach Bauart der Decke und der damit gegebenen Frequenzzusammensetzung des Geräusches durch den bewerteten Standard-Trittschallpegel in Bezug auf das Spektrum nicht vollständig beschrieben (so kann sich z. B. der A-bewertete Schallpegel des Gehgeräusches oder des Geräusches von springenden Kindern unter der Decke bei gleichem bewerteten Standard-Trittschallpegel um 15 dB unterscheiden). Der Trittschallschutz wird daher durch den bewerteten Standard-Trittschallpegel (L’nT,w + CI,50-25001) umfassender wiedergegeben. Die beschriebene Hörbarkeit beruht auf einem A-bewerteten Basispegel von 20 dB. ÖNorm B 8115-5:2012, A.1.2 Trittschallschutz, Tabelle A.2  TA B E L L E : A U S T R I A N

und ihr Randstreifen, wobei explizit bei diesen auf Qualitätsprodukte sowie deren sorgfältige Verlegung geachtet werden muss. Hierbei wird oftmals angenommen, dass es sich bei der Systemplatte „nur“ um das Trägersystem für die Fußbodenheizungsrohre handelt, was als absolut falsch anzusehen ist. Die Wahl und ordnungsgemäße Verlegung der Platte ist für den Trittschallschutz unumgänglich und sollte somit der beauftragten Fachfirma für die gesamte Fußbodenkonstruktion überlassen werden. Darum ist es unbedingt erforderlich, in der Koordinationsbesprechung für Fußbodenheizungen (lt. ÖNorm B2242-1 Pkt.5.2) diese Punkte zu klären, um eventuellen Schallproblemen vorzubeugen.

DIE ÖNORM B 8115 MIT ALL IHREN TEILEN: ÖNORM B 8115 SCHALLSCHUTZ UND RAUMAKUSTIK IM HOCHBAU TEIL 1: BEGRIFFE UND EINHEITEN TEIL 2: ANFORDERUNGEN AN DEN SCHALLSCHUTZ TEIL 3: RAUMAKUSTIK TEIL 4: MASSNAHMEN ZUR ERFÜLLUNG DER SCHALLTECHNISCHEN ANFORDERUNGEN TEIL 5: KLASSIFIZIERUNG TEIL 6: MESSVERFAHREN ZUM NACHWEIS DER ERFÜLLUNG DER SCHALLSCHUTZTECHNISCHEN ANFORDERUNGEN IN GEBÄUDEN TEIL 7: BEWERTUNG DER TRITTSCHALLMINDERUNG DURCH EINE DECKENAUFLAGE AUF EINER ­BEZUGS-MASSIVHOLZDECKE

LASSEN SICH SCHALLBRÜCKEN VERMEIDEN?

CHECKLI S TE FÜR PL ANE R UN D BAUFÜHR ER

Die Antwort auf diese Frage ist ein klares „Ja“. Eine erhebliche Verschlechterung des Trittschallschutzes tritt aufgrund von Schallbrücken durch zu hoch liegende Rohrleitungen, Bodenabläufe, Türzargen oder weitere Einbauten ein, welche eine feste oder starre Verbindung zum Estrich haben. Daher sollte bereits in der Planung die notwendige Fußbodenkonstruktionshöhe berücksichtigt werden und sämtliche erwähnten Einbauten in einer gebundenen Ausgleichsschüttung abgedeckt werden, um eine durchgehende Trittschalldämmung zu gewährleisten. Um Körperschallbrücken zwischen Estrich und Wand zu vermeiden, ist der Einbau von Randdämmstreifen notwendig. Wichtig dabei ist es, sämtliche Anschlüsse sorgfältig herzustellen. Hier können relativ harte Dämmstoffe mit einer dynamischen Steifigkeit bis zu 200 MPa/m³ verwendet werden. Bei der Bauausführung sollte jedoch darauf geachtet werden, dass die Fuge zwischen Estrich und Wand nicht durch einen harten Bodenbelag, durch Mörtelreste, aushärtende Teppichkleber o. ä. überbrückt wird.

WAS IST NUN DIE SCHLUSSFOLGERUNG ZUM TRITTSCHALLSCHUTZ? Die Planer sowie die Ausführenden sollten immer an die 4 As denken: • Aufbau (Planung) • Ablauf (Wer macht was?) • Abstimmen (Koordinationsgespräch) • Ausführung (Qualität)

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• Die Fußbodenkonstruktionshöhe steht gemäß Bauplanung fest •D  ie zu verlegenden Bodenbeläge sind in ihrer Dicke berück­ sichtigt •D  ie bauphysikalische Berechnung für Schall- und Wärmedämmung liegt vor • Die Haustechnik wurde ausreichend geplant - Steigleitungen sorgen für kurze Zuleitungen  - Elektroleitungen werden über Wände und Decken geführt  - H  eizleitungen werden über kurze Wege geführt, die Iso­ lierung der Rohre findet in der Ausgleichsschüttung aus­ reichend Überdeckung  - G  efälle und Dimension von Abflussleitungen wurden berück­ sichtigt, etwaige Deckenaussparungen geplant - keine Leitungen über Gebäudedehnfugen - bei Fußbodenheizungen sind ausreichend Steigschächte vorgesehen, um überdimensionale Heizkreise zu vermeiden (Estrichfugenteilung ist berücksichtigt) • Elektroleitungen müssen bezüglich Beschädigung durch den Elektriker überprüft werden •L  eitungskreuzungen sind zu vermeiden bzw. zu unter­ stemmen. Sämtliche wasserführende Leitungen müssen auf Dichtheit abgedrückt sein •F  ugenteilungsplan für die Übernahme der Fugen in den Bo­ denbelag •A  bschalungen bei Aussparungen, Stiegenaufgängen, für ­etwaige spätere Einbauten, müssen vorgerichtet sein •B  auablaufplan erstellen, unter Berücksichtigung der Estrichschutzzeiten (begehbar vier bis sechs Tage, belastbar 18 Tage nach Estrichherstellung) •D  er Bauablauf ist so zu steuern, dass durch Vorleistungen kei­ ne erhöhte Feuchtigkeit vorhanden ist und dass der Einsatz von Nachfolgegewerken eine ausreichende Austrockung des Estrichs ermöglicht •A  ustrocknungszeiten einplanen – bei zu hoher Luftfeuch­ tigkeit und nicht ausreichend durchgeführter Lüftung ist eine Rückfeuchtung des Estrichs, auch bei Einsatz von Abbindebe­ schleunigern, möglich und verhindert die terminliche Belags­ verlegung • Stoßlüften: Während der Austrocknungsphase und des Aus­ heizvorganges sind die Räume zu lüften, wobei keine dauer­ hafte Zugluft entstehen darf • Abdichtung gegen Feuchtigkeit ist geplant •T  ragfähigkeit von Stahlbetonplatten, Holzbalkenkonstruktio­ nen überprüfen •D  iffusionsvorgänge bzw. entstehende Tauwasserintensivität berücksichtigen (Dampfbremse laut ÖNorm erforderlich) • Starkstromanschluss (380 V) vorhanden • Wasseranschluss mit ausreichend Wasserdruck vorhanden • Für die benötigten Lagerflächen muss bauseits gesorgt werden

Zum Thema NORMEN / RICHTLINIEN Die derzeit geltenden Mindestanforderungen der Normen und Richtlinien sollen normal empfindende Menschen vor störender Trittschallübertragung bei üblichem Verhalten schützen. Damit wird jedoch noch kein Qualitätsschallschutz erreicht. Die Anforderungen für den Mindestschallschutz im Hochbau wurden in der Richtlinie des österreichischen Instituts für Bautechnik (OIB-Richtlinie) Nummer 5 mit dem Ziel festgelegt, normal empfindende Menschen vor störender Luft- und Trittschallübertragung in Aufenthalts- und Nebenräumen bei üblichem Verhalten zu schützen. Dieser festgelegte Mindestschallschutz darf grundsätzlich nicht unterschritten werden. Somit sind diese gesetzlichen Mindestanforderungen im Schallschutz in jedem Fall einzuhalten und dürfen auch nicht durch etwaige privatrechtliche Vereinbarungen unterschritten werden. Die Anforderungen der OIB-Richtlinie orientieren sich an den Mindestanforderungen der ÖNorm B 8115-2.

SCHALLSCHUTZKLASSEN Die ÖNorm B 8115-5 bietet die Möglichkeit, den Schallschutz mit verschiedenen Klassen festzulegen. Die Beschreibung der Klassen ermöglicht dem Planer und den Bauherren einfacher hinsichtlich des erwarteten Schallschutzes zu beraten. Die Klassifizierung der Qualität des Schallschutzes von Gebäuden, Nutzungseinheiten und Räumen erfolgt in den sechs Klassen A, B, CR, C, D und E. Die höchste Klasse ist A, bei der keine akustischen Störungen aus benachbarten Nutzungseinheiten zu erwarten sind. Dem steht die Klasse E gegenüber, die bedeutet, dass nur ein sehr geringer und nicht ausreichender Schallschutz vorhanden ist. Die Klasse C beschreibt den Mindestschallschutz, wie er durch Teil 2 der Anforderungen der ÖNormB 8115 an den Schallschutz im Rahmen des Standardverfahrens beschrieben wird. Der darin ebenfalls definierte Mindestschallschutz von Reihen und Doppelhäusern wird der Klasse CR zugeordnet. Den einzelnen Schallschutzklassen entspricht ein jeweils differenzierter Komfort bei der Schalldämmung. Die Zuordnung zu einer Schallschutzklasse kann für einen Raum, eine Nutzungseinheit oder ein ganzes Gebäude erfolgen. Quelle: TragWerk 02/2017

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28. FEBRUAR #01-02/2018 

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Grenzenloses Drucken mit Beton Das BauMinator® 3D-Betondrucksystem von Baumit eröffnet Planern und Architekten völlig neue Gestaltungsmöglichkeiten: Erstmals können hochkomplexe Bauteile und sogar überhängende Formen aus Beton einfach und kostengünstig erzeugt werden.

„Unglaublich was hier alles möglich ist“ – das ist die häufigste Reaktion der Teilnehmer einer Live-Druck-Session des BauMinators® 3D-Betondrucksystem von Baumit. Denn was bis vor Kurzem „zu kompliziert, nicht machbar oder zu teuer“ war, wird vor den Augen der Zuschauer gedruckte Realität und schafft völlig neue Möglichkeitsräume aus Beton. Mit dem BauMinator® werden komplexeste Formen im CAD Programm entworfen, um dann mittels Software und Roboter direkt in ein Objekt übersetzt und gedruckt zu werden. So werden Individualisierungen erstmals möglich und leistbar. BauMinator® – Gesamtpaket für 3D-Druck In aufwendigen Testläufen haben die Baumit-­ Forscher eine einzigartige Kombination aus 3D-Drucktechnologie und Spezialmaterial entwickelt, die es möglich macht, komplizierteste Formen und Bauteile aus Beton zu drucken. Eduard Artner, Leiter von BauMinator®: „Weltweit forschen zwar viele Unternehmen in diesem Bereich, doch was die Komplexität und Präzision beim Drucken betrifft, sind wir erfreulicherweise so weit wie kein anderer sonst.“ Unter der Marke BauMinator® bietet Baumit seinen Kunden ein Gesamtpaket für den 3D-Druck mit Beton – von der Projektplanung und dem Engineering sowie der Einrichtung der Soft- und Hardware über die Einschulung beim Drucken und bei der Lieferung des Spezialmör-

Bei einer Live-Druck-Session kann man die faszinierenden Möglichkeiten des BauMinator® 3D-Betondrucksystems hautnah selbst erleben.  F O T O S : B A U M I T

tels bis hin zum Support vor Ort. Die Investitionskosten starten je nach Größe und Komplexität ab 150.000 Euro. Neue Dimension des Arbeitens mit Beton Mit dem BauMinator® 3D-Drucksystem können Bauteile, Objekte und Formen zwischen 50 cm und 4 Meter gedruckt werden. Ob Hohlschalungen, Wandelemente, Dekor- oder Kunstobjekte, Möbel für innen und außen, Badewan-

Mit dem Baumit BauMinator® können erstmals dreidimensionale Betonteile gedruckt werden, die auch Überhänge haben können oder doppelt gekrümmt sind. Interessant ist auch die Möglichkeit der besonderen Oberflächengestaltung und Haptik.

nen, Platten, Rohre, Schächte, Zaunelemente – den Möglichkeiten, aus Beton frei geformte Elemente herzustellen, sind kaum Grenzen gesetzt. Einsatzgebiete sind Spezialanfertigungen, bei denen sich eine Schalung nicht rechnet oder gar nicht machbar ist, aber auch Kleinserien. Inte­ressant ist das Drucken mit Beton für alle, die mit Beton arbeiten – von Architekten und Planern über Fertigteilproduzenten bis hin zum Gartengestalter oder Installationskünstler.

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Fassade mit Schlangenoptik A L U M I N I U M   47.000 Aluminium-Wandrauten von Prefa in vier unterschiedlichen Farben machen einen an sich schlichten Wohnbau zum Hingucker. Die auffällige Python-Fassade wird zum faszinierenden Blickfang eines architektonisch eher pragmatisch angelegten neuen Stadtteils von Grenoble. Der Architektur-Exzentriker und Nachhaltigkeits-Trendsetter Edouard François liebt das kreative Spiel mit der Fassade. Projektleiter und Stadtplaner Christian de Portzamparc hatte seine eigenen Vorstellungen von Benchmarking in ­Presqu‘île de Grenoble: „Er hatte die Vision eines ikonischen, in Szene gesetzten Gebäudes im dezent gräulich gehaltenen Neubau-Umfeld“, beschreibt Architekt François die Aufgabe. Form und Ausführung des Gebäudes sind schlicht. Aussergewöhnlich macht den Entwurf erst das Fassadenmaterial. „Es sollte funktionieren wie die Tarnung beim Militär“, sagt François. Die Wahl fiel auf das grafische Muster der Schlangenhaut, weil dieses es schwierig macht, ihre Form zu definieren. Das Schuppenmuster funktioniert wie eine Camouflage-Optik, die Ecken und Kanten verschwinden lässt. „Die Schuppen zu Fassadenrauten umzuwandeln, war einfach“, betont François. „Der erste Eindruck einer Testfläche aus 20 x 20 Prefa-Wandrauten war genial. Mit dem Python-Muster verschwanden alle hässlichen Ecken

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und Kanten, die großen Fenster und ausladenden Balkonflächen.“ Mit den Prefa-Wandrauten ein industriell gefertigtes, lange haltbares und wartungsarmes Produkt einzusetzen, das auch die Herausforderung unterschiedlicher Fassadenhöhen meistert, hatte aber auch noch andere Vorteile. Da es in Grenoble schwache seismische Aktivitäten geben kann, waren Stabilität und sichere Montage ein wichtiger Anspruch. Verlegt wurden 1.500 Fassaden-Quadratmeter mit rund 47.000 Prefa-Wandrauten 20 x 20. Auf einer genauen Zeichnung war Raute für Raute in der entsprechenden Farbe P.10 anthrazit, P.10 hellgrau, naturblank sowie silbermetallic für den Effekt der schillernden Außenhaut genau festgelegt. Auch die garantierte Farbbeständigkeit, hohe Qualität des wartungsarmen Aluminium-Materials und das bewährte Prefa-Know-how waren zusätzliche Assets. Le Python in Presqu‘île de Grenoble ist jetzt schon architektonisches Kultobjekt und steht, von Weitem sichtbar, für mutige, moderne Architektur und Baukultur. PREFA ALUMINIUMPRODUKTE GMBH WERKSTRASSE 1, A-3182 MARKTL/LILIENFELD T: (0 27 62) 502-0 E: OFFICE.AT@PREFA.COM I: WWW.PREFA.AT

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Mit der Kraft des Lichts

Z UM AU TO R

TAG ES L I C H T UN D G ESUN D H EI T  Licht ernährt unsere Welt, es ist die Energiequelle allen Lebens. Für die Entstehung und Funktion der pflanzlichen Natur bildet Sonnenlicht die grundlegende Basis, die für jede weitere Lebensform existenziell ist: Ohne Pflanzen als Sauerstoffproduzenten und Nahrungsquelle gäbe es in weiterer Folge weder Mensch noch Tier. V O N C A R I N A G R A F E T S TÄTT E R

O

hne Licht würde der Mensch auch nicht funktionieren; Licht ist für viele physiologische Prozesse essenziell und der wichtigste Taktgeber für lebensnotwendige Biorhythmen. Neben Energie, Wärme und Vitamin D3 bringt uns die Sonne den Rhythmus der Jahreszeiten sowie den von Tag und Nacht, woran alle Lebensformen angepasst sind. Die gebaute Umwelt und artifizielles Licht ermöglichen es uns jedoch heute, andere Rhythmen für uns geltend zu machen und uns der Natur zu widersetzen. Durch Kunstlicht können wir auch nachts noch sehen und produktiv sein, zusätzlich zwingt uns der moderne Lebensstil in den Innenraum, in dem wir mittlerweile mehr als 90 Prozent unserer Zeit zubringen. Angepasst sind wir an diesen Lebensstilwandel, den Urbanisierung und technischer Fortschritt mit sich bringen, jedoch noch lange nicht. Evolutionär entsprechen wir noch immer dem Menschen aus längst vergangener Zeit, der mit dem ersten Tageslicht aufstand, bei Sonnenuntergang zu Bett ging und meist unter freiem Himmel sein Tagewerk vollbrachte. Doch ist das Licht für uns nur zweckmäßig, um sehen zu können?

DIE VISUELLE WAHRNEHMUNG Die Antwort darauf liefert unser Körper selbst: Neben der optischen Sehbahn, die über Stäbchen (skotopisches Sehen) und Zäpfchen (photopisches Sehen) die visuelle Wahrnehmung steuert, gibt es eine zusätzliche Signalweiterleitung über unsere Augen: die Retinohypothalamische Bahn (RHT). 150 Jahre lang waren wir der Ansicht, es gäbe nur die genannten zwei Typen an Photorezeptoren im menschlichen Auge, die zum einen auf geringe Helligkeit (Stäbchen) und zum anderen auf das Farbsehen, und dabei in erster Linie auf rotes und grünes Licht spezialisiert sind (92 Prozent aller Zapfen). Betrachtet man die Spektralfarbbereiche des sichtbaren Lichts, so zeigt sich eine gleichmäßige Verteilung der Frequenzbereiche für jede Farbe. Warum aber sind nur acht Prozent der Zapfen, die für unser Farbsehen verantwortlich sind, auf blaue Lichtfrequenzen spezialisiert? Die Entdeckung eines weiteren Photorezptortypen im Jahr 2002 brachte diesbezüglich Licht ins Dunkel. Die sogenannten retinalen Ganglienzellen (Retina

= Netzhaut des Auges) sind nichtvisuelle Photorezeptoren, die über den Sehnerv Signale an ein Areal im Gehirn, den Hypothalamus, weiterleiten. Diese Zellen reagieren im Gegensatz zu den visuellen Rezeptoren besonders sensibel auf blaue Frequenzbereiche mit 459 bis 485 nm Wellenlänge und unterstützen nicht unsere optische Wahrnehmung, sondern führen zur Ausschüttung bzw. Unterdrückung von Hormonen.

AUSWIRKUNGEN AUF DIE GESUNDHEIT Der suprachiasmatische Nucleus im Hypothalamus schüttet bei Dunkelheit ermüdende, bei Licht (insbesondere bei blauem) aktivierende Hormone aus und ist unser wichtigster Taktgeber, sozusagen unsere innere biologische Uhr. Er ist für die Regelung unserer zirkadianen (= 24 Stunden) Rhythmen, endokrinen und neurologischen Systeme verantwortlich. Ist es dunkel, so sorgt unser Taktgeber für die Ausschüttung von Melatonin, unser „Schlafhormon“, das uns müde macht und Prozesse unterstützt, die während des Schlafs für unseren Körper wichtig sind. Das fehlende blaue Licht und das Vorhandensein von Melatonin wiederum hemmt die Ausschüttung von Hormonen wie dem Kortisol, das uns Antrieb verschafft, uns leistungsbereit macht und zahlreiche physiologische sowie immunologische Auswirkungen für uns zur Folge hat. Setzen wir uns nachts jedoch einer Belichtung aus, wie es beispielsweise bei Schichtarbeitern der Fall ist, so bringen wir diesen Biorhythmus aus dem Takt, was unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit massiv beeinflussen kann. Zu wenig Schlaf durch Melatoninmangel schwächt unser Immunsystem, führt zu hormonbedingter Gewichtszunahme (gesteigerter Appetit durch vermehrte Ausschüttung des Hormons Ghrelin bei wenig Schlaf), zu Konzentrationsproblemen sowie einer reduzierten Merkfähigkeit. Störungen des zirkadianen Rhythmus erhöhen überdies das Risiko, eine psychiatrische Erkrankung wie Depression oder Angststörung zu entwickeln oder unter Stoffwechselstörungen und sogar gewissen Krebsarten (z. B. Mammakarzinom) zu leiden. Aber nicht nur übermäßige Belichtung bei Nacht, sondern auch ein Mangel an Tageslicht kann über hormonelle Regelkreise negative phy-

Weiden am See, Architekt Stefan Ehrenberger F O T O : V E L U X / PAT R I C I A W E I S S K I R C H N E R

siologische und psychologische Auswirkungen induzieren. Das Tageslicht beinhaltet alle vom menschlichen Auge sicht- und unterscheidbaren monochromatischen (reinen) Spektralfarben. Dieser VIS-Bereich enthält alle Wellenlängen von 380 bis 800 nm und somit auch alle photobiologisch wirksamen Frequenzanteile, die den Nucleus suprachiasmaticus beeinflussen – an Intensität und Rhythmus perfekt auf die Bedürfnisse des menschlichen Naturells abgestimmt. Kunstlicht dagegen enthält je nach Typus unterschiedliche Frequenzbereiche, aber nie das gesamte visuelle Spektrum.

DIE KRAFT DES TAGESLICHTS Natürliches Tageslicht variiert zeitlich in seiner Frequenzintensität (3.500 bis 100.000 Lux) und ist mit einer Farbtemperatur von 5.000 bis 10.000 Kelvin hell und kalt – beides Eigenschaften, für das Kunstlicht keinen vollständigen Ersatz bieten kann; zum einen wegen der hohen Variabilität, zum anderen, weil eine vergleichbare Farbtempe-

Carina Grafetstätter, MSc

Stv. Leitung & Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Ecomedicine der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg. Das Institut beschäftigt sich mit der Wirkung von gebauten, natürlichen und virtuellen Umwelten auf den Menschen.

ratur im Innenraum höchst unangenehm wäre. Die bestmögliche Belichtung von Räumlichkeiten durch natürliches Tageslicht sollte daher in der Planung von Gebäuden stets berücksichtigt werden. Je besser wir uns an den natürlichen Rhythmus der Sonne und somit unserer inneren Uhr anpassen, desto gesünder und leistungsfähiger können wir sein. Muss man sich entgegen unserer Natur viel in Räumlichkeiten aufhalten, kann es nicht nur zu Niedergeschlagenheit und Verstimmung, sondern auch zu allen Folgeerkrankungen eines gestörten Biorhythmus kommen. Der richtige Einsatz von Kunstlicht unter Berücksichtigung der biologischen Effekte auf den Menschen kann dieser Entwicklung entgegenwirken. Bei zahlreichen Erkrankungen wie Winterdepression (SAD), Burnout oder Schlafstörungen wird Licht einer Intensität von 2.500 bis 10.000 Lux und Temperatur um die 4.000 K zu therapeutischen Zwecken eingesetzt. Ein hoher Blaulichtanteil reduziert dabei die notwendigen Lux (lx). Am Arbeitsplatz führen Beleuchtungsstärken von über 750 lx zu deutlich besseren Leistungen, kaltes Licht wirkt aktivierend und kann helfen, Leistungseinbußen durch Ermüdung auszugleichen. Blendung reduziert unsere Leistungskapazität, visueller Komfort und subjektive Lichtregulation können stimmungsaufhellend und motivationssteigernd sein. Wegen der lokalen Anordnung der Photorezeptoren in unseren Augen ist von oben einfallendes Licht am effektivsten. Die Beleuchtung beeinflusst massiv unser Wohlbefinden und unsere Leistung. Der Einsatz von Kunstlicht muss an die Anforderung der Tätigkeiten angepasst werden und sollte sowohl aktivierende (blaues Licht) als auch entspannende (rotes Licht) Momente schaffen. Übermäßige Belichtung sowie die Nutzung von Tablets und Smartphones ohne Blaulichtfilter in der Nacht können zu Störungen des zirkadianen Rhythmus führen und das Risiko erhöhen, psychische Probleme zu entwickeln oder an modernen „Lifestyle-­Diseases“ wie Übergewicht, gewisse Krebsformen oder Diabetes zu erkranken. Die bestmögliche Nutzung von natürlichem Tageslicht sowie der gezielte situations-, aufgaben- und tagesabhängige Einsatz von Licht, insbesondere von blauem Licht, verbessert deutlich die Leistungsfähigkeit und das individuelle Wohlbefinden.


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ARCHITEKTUR & BAU FORUM

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Schutz für Betonfassaden DAUER H A F T E BESCH I CH T UN G   Die bionische Beschichtung für ­schnelles ­Abtrocknen bewitterter Betonbauwerke – ­natürlicher Schutz gegen Algen und Pilze: StoCryl V 700 mit Dryonic® Technologie. Betonbauwerke sind täglich Umwelteinflüssen ausgesetzt, die früher oder später zur Schädigung von Beton oder Stahl führen. Im Schadensprozess spielt Wasser eine signifikante Rolle, da Wasser und in Wasser gelöste Schadstoffe in den Beton eindringen. Frostschäden und die Korrosion der Bewehrung sind mögliche Folgen. Eine weitere Ursache für Betonschäden stellen Mikroorganismen dar, die sich an der Oberfläche eines dauerhaft feuchten Bauwerks ansiedeln. Auch wenn dadurch nicht mittelbar ein Schaden zu erwarten ist, bleiben doch optische Beeinträchtigungen nicht aus. Um Betonschäden durch Wasser zu verhindern, hat StoCretec nun eine innovative Lösung – die Beschichtung StoCryl V 700. Als Vorbild für diese neuartige Beschichtung auf Acrylatbasis diente der Nebeltrinker-Käfer aus der Namib-Wüste. Mit unzähligen mikroskopisch kleinen Kuppen auf seinem Panzer lässt er Luftfeuchte kondensie-

Einfach und schnell verlegt: Die neuen Austrotherm Trittschallrollen  F O T O : A U S T R O T H E R M

Trittschalldämmung in der Rolle

Mit StoCryl V 700 entsteht eine rasch trocknende Oberfläche mit dauerhafter Mikrostruktur, von der Wasser sehr schnell abgeleitet wird. F O T O : S T O

Vergleichsprüfung 

GRAFIK : STO

ren, und das flüssige Wasser kann anschließend in sein Maul laufen. So sichert er sein Überleben in der Hitze und Trockenheit. Diese leistungsstarke Technik nutzt StoCretec für eine neue bionisch funktionale Beschichtung. Mittels einer ausgeklügelten Bindemittel-Füllstoff-Architektur entsteht bei der Applikation von StoCryl V 700 eine Oberfläche mit einer dauerhaften Mikrostruktur. Die besondere Struktur sorgt dafür, dass Wasser sehr schnell von der Betonoberfläche abgeleitet wird

und diese in kurzer Zeit trocknet. Diese schnelle Rücktrocknung nach Regen, Nebel und der Belastung aus Sprüh- und Spritzwasser reduziert die daraus entstehenden Belastungen deutlich. STO GES.M.B.H. RICHTSTRASSE 47, A-9500 VILLACH T: (0 42 42) 331 33-0 E: INFO.AT@STO.COM I: WWW.STO.AT

T R I TT S C H A L L   Fast spielend ermöglicht die neue Trittschallrolle des Dämmstoffherstellers Austrotherm das Verlegen eines wirksamen Wärme- und Trittschallschutzes bei Neubauten wie auch Sanierungen. Geeignet für Zement- und Fließestriche wird die Bahnenware einfach ausgerollt bzw. ausgeklappt und damit schnell und passgenau verlegt. Die Rollen sind mit Austrotherm EPS T 650 oder Austrotherm EPS T 1000 mit einer aufkaschierten Gewebeoder Alufolie ausgestattet und sorgen durch die seitliche Überlappung der Folien bei der Verlegung für ein nahezu lückenloses Ergebnis. Ein aufgedrucktes Raster auf dem reißfesten Gewebe hilft zudem, Heizschlangen perfekt in Position zu bringen. Für Fußböden in Neubauten ebenso wie in sanierten Gebäuden kann dieses Produkt eingesetzt werden. Die Verlegung kann sowohl unter schwimmenden Gips-, Zement- und Anhydritestrichen als auch unter Trockenestrichen und Industrieböden erfolgen, nicht jedoch bei Estrichen aus Heißasphalt. WWW.AUSTROTHERM.COM

Die Fassadenprofile von Austrotherm können nach Originalmaß zugeschnitten werden und beweisen darüber hinaus hohe Haltbarkeit.  F O T O S : A U S T R O T H E R M

Fassadenrekonstruktion leicht gemacht

Licht von seiner besten Seite

R E N OV I E RU N G   Speziell historische Fassaden und ihr Dekor leiden unter der Umweltbelastung. Deutlich zu sehen war dies an einem Gründerzeithaus in der Wiener Graf-Starhemberg-­Gasse. Im Zuge der Renovierung war eine sinnvolle Lösung für die Fassade zu finden: Der alte, ohne­hin angegriffene Stuck musste abgeschlagen werden, auch um die geforderten Energiewerte zu erreichen. Um dem Bau seine ursprüngliche Optik zurückzugeben, entschied sich der Bauherr für Fassadenprofile des österreichischen Dämmstoffspezialisten Austrotherm. Bei der Renovierung alter Bausubstanz bringen Austrotherm-Fassadenprofile beste Ergebnisse, denn sie ermöglichen die kostengünstige Reproduktion in authentischer Form. Die einzelnen Elemente können nach Originalmaß zugeschnitten werden und beweisen darüber hinaus Haltbarkeit. Die witterungsbeständige Beschichtung bildet eine glatte Oberfläche, auf der sich Schmutz nicht festsetzen kann. Fenster- und Türrahmungen, Gesimse, Sohl-

TAG E S L I C H T   Das begehbare Oberlicht von Taghell schafft Ausblicke nach oben und Einblicke nach unten. Das modulare Glasoberlicht-Komplettsystem Skyfloor BF eignet sich für den Einsatz in horizontal planen Decken- bzw. Bodenflächen und erfüllt höchste Ansprüche an Isolation, Schalldämmung und Durchsicht. Die hohe Transparenz des Oberlichts sorgt auch in unterirdisch liegenden Räumen und Gängen je nach Tagesverlauf für natürliche Belichtung. Und in ihrer Funktion als Lichtleiter fungiert die Verglasung auch umgekehrt, denn nachts schaffen etwa elektrisch beleuchtete Räume durch das Oberlicht im Außenraum helle Orientierungspunkte. Das System von Taghell überzeugt aber auch durch seine makellose Integration, denn das Bodenfenster fügt sich barrierefrei in seine Umgebung ein. Hochwärmegedämmt, einbruchsicher und wasserdicht wird es nach Maß gefertigt und auf den individuellen Anspruch der Architektur angepasst. Das filigran in Edelstahl ein-

bankprofile, Bossensteine und viele weitere Elemente werden damit noch widerstandsfähiger. An der Graf-Starhemberg-Gasse 33 sichern Austrotherm-Fassadenprofile nun eine sauber renovierte und dabei vertraute, altehrwürdige Ansicht des Hauses. Als Dämmung da­runter wurde Austrotherm Resolution eingesetzt, die Geheimwaffe bei geringem Platzangebot: Mit dieser hocheffektiven Wärmedämmplatte benötigte man hier lediglich eine Stärke von fünf Zentimetern anstelle der rund zehn Zentimeter der ebenso wirkungsvollen Dämmung mit EPS. Austrotherm Resolution löste damit das Problem der maximal zulässigen Wandstärke und bringt 100  Prozent Dämmung bei nur 70 Prozent Volumen. AUSTROTHERM GMBH FRIEDRICH-SCHMID-STR. 165, A-2754 WALDEGG T: (0 26 33) 401-0 E: INFO@AUSTROTHERM.AT I: WWW.AUSTROTHERM.AT

Dank unterschiedlicher Formen wird Skyfloor BF zum Gestaltungselement. F O T O :

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gefasste, isolierte Glas ermöglicht so eine ganzflächige Nutzung von Terrassen-, Garten- und Verkehrsflächen und es wird wahlweise 2- oder 3-fach verglast. Ob rund, quadratisch oder als rechteckiges Lichtband wird das Oberlicht individuell in jeder Form ausgeführt und so zum Gestaltungselement des jeweiligen Architekturkonzepts. Mit Rutschhemmung, Sichtschutz oder Beheizung ausgestattet lässt sich das Flachdachfenster Skyfloor BF an jede Situation anpassen. Als Skyfloor BB ist das begehbare Oberlicht auch ungedämmt für den Innenraum-Einbau erhältlich oder in der Variante BS als begehbare Brandschutzverglasung in den Feuerwiderstandsklassen F30 oder F90. TAGHELL GMBH RUPOLZER STRASSE 87, D-88138 HERGENSWEILER T: (00 49 83 88) 923 80 88 E: POST@TAGHELL.GMBH I: WWW.TAGHELL.GMBH


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28. FEBRUAR #01-02/2018 

S K I N 31 BE Z AHLTE ANZEIGE

Leichtbeton & Dämmstoffe auf Zementbasis ­überzeugen Ihre positiven Eigenschaften, nicht brennbar, dauerhaft, schützen vor Schimmel und Schäden durch Insekten sowie Nagetiere.

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Isolationsbeton überzeugt durch dauerhafte Dämmleistung über Generationen. Haus M.  F O T O :

PA U L O TT

ute Wärmedämmung und Wärmespei­ cherfähigkeit, Langlebigkeit des Bau­ stoffes und ein gutes Raumklima wurden bei einer Umfrage unter mehr als 1.000 Perso­ nen, die den Bau eines Einfamilienhauses pla­ nen, als entscheidende Kriterien für die Wahl des Baustoffes genannt (marketagent.com, 2017 im Auftrag der Vereinigung der Öster­ reichischer Zementindustrie).

den Swimmingpool. Der luftporendurchsetzte Dämmstoff wird direkt vor Ort in der jeweils ge­ wünschten Dichte mit dem Airium-Lkw produ­ ziert. Da Airium frisch eingebracht wird, passt es sich vor der Aushärtung seiner Umgebung an. Der Dämmstoff bietet sich auch bei Sanierun­ gen ideal für die Dachbodendämmung an, da er vor Schimmel sowie vor Schäden durch Insek­ ten und Nagetieren schützt.

Leichtbeton in Form von Isolationsbeton (Ort­ beton) oder als Mauerstein erhält durch die Beimischung von Liapor-Blähton wärmedäm­ mende Eigenschaften. Zusätzlich intensivieren die positiven Eigenschaften von Beton – Ener­ giespeicherfähigkeit, Tragfähigkeit und Dauer­ haftigkeit – die Überzeugungskraft von Leicht­ beton. Isolationsbeton sowie die Mauersteine LiaSTAR 50, LiaGRÜN und Lia-Natura 38 er­ möglichen wärmebrückenfreies Bauen.

Isolationsbeton, LiaSTAR 50, LiaGRÜN, Funda­ therm und Airium teilen sich positive Eigen­ schaften, die überzeugen: - nicht brennbar, keine Rauchgasentwicklung - dauerhafte Dämmleistung über Generationen - Schutz vor Schimmel und Schäden durch In­ sekten sowie Nagetiere Mehr Informationen und Referenzprojekte: www.100prozenthaus.at

Mineralische Dämmstoffe auf Zementbasis er­ gänzen das Angebot für ein monolithisches Zu­ hause. Fundatherm – die zementgebundene Schüttung mit Liapor-Blähton unter der Boden­ platte – ist temperaturausgleichend, feuchtig­ keitsregulierend und dauerhaft.

Einbau von Fundatherm an einer Baustelle in Wien

Airium, der mineralische Dämmstoff  F O T O S :

L A FA R G E

Dämmstoff neu definiert Airium – der innovative Dämmstoff auf Zement­ basis – eignet sich ideal für die Dachboden­ dämmung, als Ausgleichsschicht oder für

LAFARGE ZEMENTWERKE GMBH TRABRENNSTRASSE 2A, A-1020 WIEN T: (01) 588 89-0 E: MARKETING.AUSTRIA@LAFARGEHOLCIM.COM I: WWW.LAFARGE.AT

■ Gute Wärmedämmung ■ Nachhaltiger Energiespeicher ■ Gesundes Raumklima

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Das gesunde Leben hat unmittelbar mit den Qualitäten des Lebensraums zu tun. Mit richtigen Bauweisen und Baustoffen kann dieser optimal gestaltet werden. Aus den Forschungsergebnissen des Viva Forschungsparks können drei zentrale Kernsätze zum Thema Gesundheit beim Bauen definiert werden: Zuerst gut dämmen. Dann massiv speichern. Und mit dem richtigen Feuchtigkeitsspeicher für ein gesundes Raumklima sorgen.

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Wo finde ich alles für gesundes Leben?

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Ideen mit Zukunft.


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