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www.elektrojournal.at

Jahre

Das traditionsreichste Fachmagazin der Elektrobranche

Z

is b A s l n a o n r u ev o j h c ro n t a k r e El ob r s t e k d l Ele e pieg S im


Lassen Sie sich beko째chen. Cooking Chef 2013

www.kenwoodaustria.at

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Alexander Zechmeister Redakteur

Christian Lanner Chefredakteur

Reinhard Ebner Chefredakteur

Wolfgang Sedlak Leitung Insta- und Lichtbereich Jacqueline Schirmer Anzeigen- & Medienberaterin

Franz-Michael Seidl Verkaufsleiter

Vera Bauer Redakteurin

Wir sind M

an sieht’s den Mitgliedern des Elektrojournal-Teams ja hoffentlich nicht an, aber das Blatt, für das wir schreiben, zählt mittlerweile auch schon 85 Lenze. Optik, Aufmachung und Inhalt haben sich seit 1927 gewaltig verändert, auch der Name mutierte einige Male. Der Radiohandel, der damals noch das Hauptgeschäftsfeld unserer Leserschaft bildete, ist heute von untergeordneter Bedeutung. Nicht geändert hat sich die Ausrichtung auf unsere Leserschaft und die Wahrung der Interessen des heimischen Elektrohandels und -gewerbes durch unsere Zeitschrift. Viel geändert hat sich dagegen an der Informationsdichte, in der wir an die Branchen-Akteure treten: Zur monatlichen Elektrojournal-Ausgabe kam im jüngsten Jahrzehnt unser Online-Medium, das inzwischen täglich übers Geschehen informiert, und unser Newsletter, der zwei bis dreimal wöchentlich ausgesandt wird. „Das Markante am Elektrohandel ist das unheimliche Tempo der Produktentwicklung“, heißt’s in der druckfrischen „Österreichischen Handelsgeschichte“ (Styria Premium). Unheimlich war auch das Tempo der Veränderungen im Installationsbereich, Anforderungen und Möglichkeiten haben sich vervielfacht. Die Historie des Elektrojournals und seiner Vorläufer lässt

85!

Chefredakteur Christian Lanner auf Seite 4 für Sie Revue passieren. Auf den Seiten 16 und 64 werfen zwei seiner Vorgänger einen ganz persönlichen (Rück-)Blick auf Branche und Branchen-Journalismus. Ansonsten haben wir uns Verzicht auf Nabelbeschau und Selbstbeweihräucherung in unserer Jubiläumsausgabe verordnet. Unsere Leser wissen selbst am besten, was sie an Elektrojournal und Elektrojournal Online haben. Wir buchstabieren die Branche. Statt Jubiläums-Gejubel und Sektkorken-Geknalle haben wir uns in die Tiefen des Archivs begeben, um in alten Ausgaben zu schürfen. Wir baten langgediente Haudegen der heimischen Branche zu Gespräch und Retrospektive. Und wir haben viele Kuriosa, Merk- und Denkwürdigkeiten aus 85 Jahren Handels- und Gewerbegeschehen für Sie zusammengestellt. Das alles passten wir in ein alphabetisches Ordnungsprinzip ein. Das herkömmliche Ressortdenken in Produkt- und Berufsgruppen von „Telekommunikation“ bis „Licht“, von „Hausgeräten“ bis „Installation“ wird somit durchbrochen. Was Sie in Händen halten, ist unsere eigene, bescheidene Version einer „Elektro-Enzyklopädie“.

Viel Spaß beim Lesen wünscht das Team des Elektrojournals!


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85 Jahre

Inhalt

Einer muss immer der Erste sein – im Falle der ersten Non-Stop-Überquerung per Flugzeug über den Atlantik von New York nach Paris war dies Charles Lindbergh im Mai 1927

04

Elektrobranche von

A bis Z

A wie Anfang. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 04 B wie Blitzschutz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 08 C wie Claim . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 D wie Der Deutsch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 E wie Europa . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 F wie Fotohandel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 G wie Glühlampe. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24 H wie Hausgeräte-Industrie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28 I wie Installation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 J wie Japan. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34 K wie Küchenhandel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36 L wie Lebensretter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38 wie Marktforschung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40 M

N wie Niedergang der UE-Industrie. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42 O wie Ostblock. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44 P wie Photovoltaik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46 Q wie Quatsch. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48 R wie Raumschiff Enterprise. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50 S wie Schicksal. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52 T wie Telekom-Geschichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56 U wie Urban Legends. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60 V wie Vollautomaten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62 wie Willy Duschka. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64 W X wie XXX (ab 18) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66 Y wie Youngsters/Oldsters . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68 Z wie Zeitzeuge. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70

© Picturedesk

im Spiegel des Elektrojournals


85 Jahre

Firmenporträt

Friedrich Wilhelm Busch spezialisierte sich um 1892 auf die Fertigung von elektrotechnischen Produkten. Mit Die Sicherheit dem Busch-Exder Menschen lag zenterschalter Busch-Jaeger schon imerlangte er mer am Herzen. Kurz nach Weltgeltung der Jahrhundert­wende wurde eines der ersten Prüffelder für elektrotechnische Geräte installiert.

Hans-Curt Jaeger gründete 1879 in Lüdenscheid eine Metallwarenfabrik, in der zunächst einfaches elektrotechnisches Installationsmaterial hergestellt wurde. Damit legte er den Grundstein für die heutige Busch-Jaeger Elektro GmbH

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Georg Jaeger unterstützte seinen Bruder maßgeblich beim Aufbau einer Fabrik für elektrotechnische Artikel

Über 130 Jahre Busch-Jaeger

Erfolg hat Geschichte!

AufputzRosettenschalter aus dem Jahr 1906

Von der Edison-Lampenfassung bis zur modernen Gebäudesystemtechnik: Die über 130-jährige Geschichte von Busch-Jaeger ist gekennzeichnet durch zahlreiche Pionierleistungen und innovative Produkte auf dem Sektor der Elektroinstallationstechnik. Das deutsche Unternehmen aus Lüdenscheid gilt als Keimzelle für die im Sauerland und im angrenzenden Bergischen Land konzentrierte Schalterindustrie.

W

as 1879 mit der Gründung der Fassondreherei Heinrich Jaeger begann, präsentiert sich heute als marktführendes Unternehmen der Elektroinstallationstechnik, das seit 1969 Mitglied der ABB Gruppe (vormals BBC) ist. Exportiert wird in mehr als 60 Länder rund um den Globus und Busch-Jaeger ist unter anderem auch in Österreich Marktführer als Lichtschalterproduzent. Das Produktspektrum reicht von der Steckdose bis hin zu elektronischen High-End-Produkten für das Gebäudemanagement.

© Busch-Jaeger / Entgeltliche Einschaltung

Neue Chancen früh erkannt Als die erste Glühlampe die Welt in einem neuen Licht erstrahlen ließ, begann das Zeitalter der Schalterindustrie. Die Gründerväter von Busch-Jaeger erkannten früher als andere die Chancen, die sich durch die neue Technologie eröffneten. Hans-Curt Jaeger, Gründer der Fassondreherei Heinrich Jaeger, widmete sich nach einem Besuch der Pariser Weltausstellung 1881 der Entwicklung von so genannten SWAN-Fassungen für Edison-Lampen. Bald danach wurde die Fertigung Gleichstromschalter, Steckdosen, Kippschalter, Steckvorrichtungen und Lampenfassungen ausgebaut. Fast zeitgleich gründete Friedrich-Wilhelm Busch seine Fabrik für Militäreffekte und elektrotechnisches Hausinstallationsmaterial. Der Busch-Exzenterschalter verschaffte dem Unternehmen im Jahr 1899 Weltgeltung. Dieser robuste Drehschalter wurde weltweit über 50 Millionen Mal in verschiedenen Ausführungen verkauft und vielfach in Lizenz gefertigt. In den turbulenten Zwanziger- und Dreißigerjahren ließ die großflächige Elektrifizierung die Nachfrage nach elektrotechnischen Artikeln rasant steigen. Die Gebrüder Jaeger erhalten das älteste „SCHUKO®“ Schutzrecht als Gebrauchsmuster und schließen sich im selben Jahr

mit der F. W. Busch AG zusammen, um Entwicklung und Fertigung mit noch mehr Energie voranzutreiben. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verließen Heiz- und Kochgeräte als erste Produkte die Busch-Jaeger Werke. Die so genannte Kompensationsware wurde zu einem wichtigen Exportartikel.

Visionäre Unternehmer und genialer Erfindergeist Mehr als 130 Jahre Busch-Jaeger – eine Unternehmensgeschichte, die von visionären Unternehmern, genialem Erfindergeist und vielen innovativen Produktideen geprägt ist. Als Pionier und Marktführer im Bereich Elektroinstallationstechnik hat sich Busch-Jaeger weltweit einen Namen gemacht. Darüber hinaus enthält die Firmenchronik aber auch einige interessante bis kuriose Kapitel, die fast nur Insider kennen. Dazu gehört zum Beispiel die Tatsache, dass Gustav Busch und seine Mitarbeiter in den Zwanzigerjahren nicht nur den Prototyp eines Geschirrspülers bauten, der gleichzeitig Waschmaschine war, sondern auch ein Automobil entwickelten – den „Busch-Wagen“. Ein Gefährt, von dem jedoch nur drei Prototypen existierten und das nie in Serie ging. Und wer weiß schon, dass das Unternehmen jahrelang europaweit Marktführer als Hersteller von Kunststoffspikes für Winterreifen war, die bis in die Achtzigerjahre gefertigt wurden? Doch das ist Historie. Heute versteht sich Busch-Jaeger als kompetenter, leistungsfähiger und verlässlicher Partner des Elektrohandwerks und des Elektrofachgroßhandels mit klarem Bekenntnis zum ausschließlich dreistufigen Vertriebsweg: Großhandel, Elektrohandwerk, Verbraucher und investiert seine Erfahrung sowohl in zukunftsorientierte Produkte als auch in Lösungen auf den Gebieten Elektroinstal­ lationstechnik, Elektronik und Gebäudesystemtechnik. 


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85 Jahre

A wie Anfang

Aller Anfang …

1927 – ein Jahr großer historischer Ereignisse: Der Justizpalast brennt und Charles Lindbergh überquert den Atlantik im Alleinflug

In Wien brennt der Justiz­ palast, in Deutschland ­spielen die Börsen verrückt und in New York startet Charles Lindbergh die erste Allein-Atlantiküberquerung ohne Zwischenlandung – 1927 war ein bewegtes Jahr. Auch für den österreichischen Radiohandel.

Erstausgabe 1927

G

enau am 15. Jänner 1927 erschien nämlich die erste Ausgabe „Radio Handel und Export“ – kurz auch „Rahe“ genannt. Als „Offizielles Organ des Verbandes der Radiohändler Österreichs“ steht das neue Fachmagazin unter den Fittichen des staatlichen Gewerbeförderungsamts, produziert wird es allerdings vom Technischen Zeitschriftenverlag Berthold Erb. Das Geleitwort der 36-seitigen Erstausgabe schreibt niemand Geringerer

als Ing. Dr. Wilhelm Exner, seines Zeichens Präsident des staatlichen Technischen Versuchsamtes und schon damals eine lebende Technik-Legende. Bis heute übrigens: seit 1921 verleiht der Österreichische Gewerbeverein über die WilhelmExner-Stiftung die gleichnamige Medaille für besondere wissenschaftliche Leistungen, welche „die Wirtschaft unmittelbar oder mittelbar in hervorragender Weise fördern“. Inhaltlich kümmert sich das frischgebackene Fachmagazin ausschließlich um die Belange des heimischen Radiohandels, beginnend bei der Präsentation neu vorgestellter Produkte, über die „Bilanz der Radio-Ein- und Ausfuhr 1926“ bis hin zur „Radiotechnik für den Verkäufer“ – im Grunde vergleichbar mit einem heutigen BestSeller-Leitfaden 1940 zur Kundenberatung. Zu finden sind aber mitunter auch Personalmeldungen sowie Tipps zur besseren Kundenwerbung. Apropos Kundenansprache: Diesem Thema wird 1927 bereits auffallend viel Platz eingeräumt. So ist unter dem Titel „Die Auslage“ beispielsweise zu lesen: „Das Schaufenster ist die Visitenkarte des Geschäftes. Man sollte meinen, dass heute jeder Geschäftsmann die Bedeutung dieses Satzes erkannt hat. Bei einem Gang durch die Straßen stößt man aber immer wieder auf Radioläden, deren Schaufenster das Gegenteil beweisen, häufig sogar einen absolut ungepflegten Eindruck machen…“ Manche Themen

© Picturedesk, John M. Noble, Redaktion

Christian Lanner


85 Jahre

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„Eine Hauptaufgabe des neuen Fachblattes Radio Handel und Export muss darin bestehen, den Wiener Markt vor Missbräuchen und Irreführungen der Fachwelt zu beschützen“ Ing. Dr. Wilhelm Exner im Geleitwort der ersten Ausgabe

1950 sind nun mal zeitlos. Mit der Zeit erweiterte sich das Themenspektrum. Zwar waren Radios immer noch das beherrschende Produkt im „Rahe“, schön langsam gesellten sich aber auch Plattenspieler, Musikschränke und Schallplatten hinzu – ein Abbild des ebenfalls immer umfangreicher werdenden Produktportfolios im Radiohandel. Zwei Jahre nach dem Anschluss ans Deutsche Reich, selbiger machte sich durch die Aufschrift „Zeitschrift für die Rundfunkwirtschaft der Ostmark“ auch publizistisch bemerkbar, endet mit der Dezember-Ausgabe und einem Vorwort, das in schlimmster nationalsozialistischer Propaganda-Manier Durchhalteparolen proklamierte, die Geschichte des „Radio Handel und Export“ – zumindest vorläufig. 1947, also zwei Jahre nach dem Ende eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte, betritt auch die geläuterte Fachzeitschrift wieder die Branchen-Bühne, jetzt allerdings unter dem erweiterten Namen „Radio – Elektro Handel und Export“. Allein schon der Untertitel „Offizielles Organ der Landesgremien Kleinhandel mit Elektrowaren, Radio und Musikinstrumenten“ zeigt, dass es jetzt nicht mehr nur das Radio ist, das die Branche bewegt. Elektroherde sind in den Läden inzwischen ebenso zu finden wie Lampen, Motoren oder Elektro-Installationsmaterial. Zehn Jahre später, genau genommen am 25. Mai 1957, betritt mit dem „Österr. Radio- und Elektrogewerbe“ ein ernstzunehmender Mitbewerber die

Fachmagazin-Bühne. Im Gegensatz zum „Radio – Elektro Handel und Export“ wird dieser von der Bundesinnung der Elektrotechniker und Radiomechaniker unterstützt, richtet sich aber im Grunde an die gleichen Leser. Vermutlich (auch) um sich vom neuen Mitspieler abzuheben, ändert „Radio – Elektro Handel und Export“ seinen Magazin-Namen in „ERM-Handel. Elektrowaren, Radio und Musikinstrumente“ und später in „ERH“.

1960


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85 Jahre

A wie Anfang

1977 Der Name „Elektrojournal“ taucht übrigens erstmals im Jahr 1977 auf, als das inzwischen in „Elektro+Radio“ umbenannte Magazin, erneut sein Erscheinungsbild ändert. Der Name Elektrojournal sollte dann auch eine Weile vorhalten – und zwar bis 1993, als man sich – dem Zeitgeist entsprechend – entschloss, künftig die Kurzversion „e-Journal“ als Titel zu nutzen. 1997 kommt es schließlich zur Fusion der beiden Zeitschriften, nachdem der 1955 gegründete Wirtschaftsverlag den ERB-Verlag übernommen hat. Am Cover des „e-Journals“ wird diese Fusion mit dem Zusatz „ERH“ deutlich, weswegen es dann bis 2001 unter dem Namen „ERH e-Journal“ firmiert. Hauptmerkmal des verein„Speziell der ten Magazins: Erstmals wird die Radiohändler darf heimische Elektrobranche in ihrer aber eins nicht außer gesamten Komplexität umfassend Acht lassen: Radio ist angesprochen. Das heißt, der heute noch für viele eine Inhalt richtet sich sowohl an schwarze Kunst. Radiogeräte den Elektrohandel als auch an das Elektrogewerbe – was durch im Schaufenster sagen dem die hohe Anzahl an ElektroLaien zunächst nur sehr Mischbetrieben (Handel- und wenig.“ Installations-Zweige) inzwischen ja Aus dem Inhalt, Heft 1/1927 auch der Marktrealität entspricht. Mit einem umfassenden grafischen Relaunch und der erneuten Umbenennung von „ERH e-Journal“ in „Elektrojournal“, im Jahr 2001, startet das „Elektrojournal“ auch seinen ersten Internetauftritt – der seitdem kontinuierlich verbessert und ausgeweitet wird. Nachrichten rund um die Uhr, ein kostenloser Newsletter-Dienst und RSS-Feeds sorgen dafür, dass

1993 mit der Internetpräsenz auch das Printmagazin jährlich wächst und zum wichtigsten Informationsmedium für die heimische Elektrobranche wird. Ein Meilenstein war in diesem Sinne auch die Einführung des einzigartigen Wendeheft-Konzepts im Jahr 2004. Damit bekamen (und bekommen!) sowohl Handels- wie auch Installationsbetriebe ihr „eigenes“ Heft mit passender Covergestaltung – ohne gleichzeitig auf den „anderen Teil“ verzichten zu müssen. Wie Leserumfragen zeigen, eine absolut richtige Entscheidung. Seit 2009 kann das „Elektrojournal“ für sich reklamieren, die meistgelesene Fachzeitschrift der Elektrobranche zu sein. Laut Spectra-Studie 2012 inzwischen sogar mit sattem Respektsabstand zu anderen Branchen-Magazinen. Zum Ausdruck gebracht wurde diese führende Marktposition übrigens auch durch den Magazin-Relaunch im Jahr 2011. Das neu entwickelte, aktuelle Design erfüllt sämtliche Anforderungen an eine moderne Fachzeitschrift im Zeitalter von Internet & Co. Nur in einem Punkt hinkt das moderne „Elektrojournal“ seinem Urahnen von 1927 hintennach: Über Radios wird so gut wie nichts mehr berichtet. 

2004 1997


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Firmenporträt

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Gira Kunststoffzentrum (links) und Vertriebszentrum

Gira

Intelligente Gebäudetechnik Am deutschen Standort Radevormwald produzieren gut 1000 Mitarbeiter Schalter und Steckdosen, Systemkomponenten für die intelligente Gebäudetechnik, beispielsweise Geräte für das KNX/EIB System.

Ü

ber die Gira Designplattformen wachsen immer mehr neue Technologien mit der Elektroinstallation zusammen und werden zu Bestandteilen der Gira Schaltersysteme. Dazu gehören Kommunikationsanschlüsse und ein Unterputz-Radio ebenso wie das Türkommunikations-System von Gira und das Gira Rufsystem 834 Plus für Krankenhäuser, Pflegeheime oder Arztpraxen. Als Gründungsmitglied der EIBA – aus der später die KNX Association hervorgegangen ist – hat Gira maßgeblich zur Entwicklung der Gebäudesystemtechnik in Deutschland beigetragen. Sie ist die Voraussetzung dafür, ein Gebäude „intelligent“ auszustatten. Viele Funktionen werden dabei heute bereits automatisch gesteuert. Heizung, Kühlung, Lüftung, Beleuchtung, Sensoren, Aktoren, Bedienelemente, Verbraucher- und andere technische Einheiten werden gewerkeübergreifend miteinander vernetzt. Über IP-Schnittstellen können zudem Verbindungen ins Internet hergestellt werden, außerdem lässt sich die gesamte Gebäudetechnik von Gira mobil über iPhone, iPod Touch und iPad kontrollieren und steuern. Tastsensor Esprit in Nussbaum und Aluminium

© Gira / Entgeltliche Einschaltung

Design­ konfigurator iPad

Heute versteht sich Gira als Lösungsanbieter für die moderne Gebäudetechnik, die Wohnen und Arbeiten sicherer, komfortabler und energiesparsamer macht. Speziell das KNX/EIB-System mit seinen gewerkeübergreifenden Schnittstellen eröffnet nahezu unbegrenzte Möglichkeiten für Bauherren und Renovierer, aber auch für Planer und Architekten. Dabei sollen auch komplexe Produkte einfach und intuitiv zu bedienen sein, von Menschen jeden Alters – von Kindern ebenso wie von älteren Menschen. Intelligente Systeme erleichtern den Alltag, indem sie z. B. Steuerungs- und Kontrollfunktionen übernehmen, sie sollen mitdenken, sollen ihre Umgebung und die jeweilige Situation erkennen und automatisch die richtige Reaktion auslösen. Und sie sollten flexibel sein und sich leicht an neue Anforderungen und Bedürfnisse anpassen lassen. Die Gira-Produkte eignen sich generell für den Wohnungs- und Gewerbebau, für Neubau und Renovierung oder Sanierung gleichermaßen. Sie werden ausschließlich über den Fachhandel vertrieben. Gira ist in rund 40 Ländern weltweit vertreten, die umsatzstärksten Exportmärkte sind die Niederlande, Österreich, Norwegen und Belgien. Durch das neu eingeführte British-Standard-Sortiment werden neben dem angloamerikanischen auch der asiatische und arabische Markt erschlossen. Beim deutschen Elektrohandwerk und bei Architekten steht der Name Gira für hohe Innovationskraft, Produktqualität und vielfach prämiertes Design. So wurden Gira-Produkte mehrfach mit den Auszeichnungen iF product design award, red dot design award, Plus X Award sowie DESIGN PLUS prämiert.  .


85 Jahre

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A wie Anfang

Österreich & die Welt Es waren unruhige Zeiten, im Jahr 1927. Politische Unruhen und Umbrüche beschäftigten die Welt in und rund um Österreich. Die bedeutendsten Ereignisse im Geburtsjahr des Elektrojournal-Urahnen haben wir im Folgenden zusammengefasst.  Vera Bauer

I

n Österreich brennt der Justizplast. Am 15. Juli 1927 wird im Zuge der so genannten Julirevolte der Justizpalast nach einem Skandalurteil gestürmt und in Brand gesteckt. Dem Ereignis sind gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Anhängern des republikanischen Schutzbundes

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(Sozialisten) und der rechtsgerichteten Heimwehr (Christlichsoziale) im burgenländischen Schattendorf vorausgegangen. Am 30.1.1927 fanden dabei zwei Menschen den Tod, darunter ein achtjähriger Junge. Die Todesschützen, beide Anhänger der Heimwehr, werden im Prozess im Juli freigesprochen, heftige Zusammenstöße der Arbeiterschaft und der Staatsmacht sind die Folge. Die traurige Bilanz: 89 Tote, 660 Schwer- und 1000 Leichtverletzte. Der Brand des Justizpalasts wird zugleich Türöffner zu einer Reihe schwerwiegender Ereignisse in der Geschichte der noch jungen Republik.


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© Picturedesk, Wikipedia/ US Library of Congress

Einer muss immer der Erste sein – im Falle der ersten Non-Stop-Überquerung per Flugzeug über den Atlantik von New York nach Paris war dies Charles Lindbergh im Mai 1927

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Ordentlichen PS unterm Sattel wurde auch schon im Jahr 1927 ausgiebig gefröhnt – ob auf der Breitenfurter Straße oder wie hier in der Krieau

Am 24. April 1927 findet die dritte Nationalratswahl in der frühere Hauptstadt in die Geschichte Geschichte der Republik statt. Die sogenannte Einheitsliste, eingehen. Die britische Armee schafft vorwiegend bestehend aus Christlichsozialen und anderen die Lanze als offizielle Gefechtsdeutschnationalen Gruppierungen, bildet die stärkste Partei. waffe ab. In Köln wird die Rewe Nach dem Wahlsieg stellt Ignaz Seipel den Bundeskanzler. Genossenschaft gegründet. Einer Beim Motorsport zeigt sich der Staat von seiner Pferdeder bedeutendsten Physiker des 20. Der Physiker Werner Heisenberg formustärke: Das internationale Motorradrennen wird auf der Jahrhunderts, Werner Heisenberg, verlierte im Jahr 1927 die Heisenbergsche Breitenfurter Strecke mit einer Länge von 18,1 Kilometern öffentlicht seine Arbeit zur UnschärfeUnschärferelation im Rahmen der Quantenmechanik. „Diese besagt, dass ausgetragen. In der Stadt Salzburg sind zum ersten Mal relation. In Nürnberg-Kleinreuth wird eine grundlegende Voraussetzung der Autobusse als öffentliche Verkehrsmittel unterwegs. In ein Rundfunksender errichtet. Ein für Klassischen Physik in Wirklichkeit nicht Tirol tritt das erste Bergwachtgesetz in Kraft; in Kärnten die Fernseherwelt bedeutender Schritt gegeben ist, nämlich, dass einem Körper zu jeder Zeit ein bestimmter Ort und ist zu diesem Zeitpunkt der Historiker Martin Wutte damit geschah ebenfalls anno 1927. Was das eine bestimmte Geschwindigkeit zugebeschäftigt, die sogenannte „Kärntner Windischentheorie“ alles mit einem Kartoffelacker zu tun schrieben werden können“ (Wikipedia) niederzuschreiben und in der Steiermark fegen zwei hat, lesen Sie im Kasten.  Tornados über den östlichen Teil des Bundeslandes hinweg und hinterlassen eine Spur der Verwüstung, die sich über 35 Kilometer Länge erstreckt. In Oberösterreich wird die „Bitte sehr, hölzerne Traun-Brücke in Ebelsberg durch eine stabilere elektronisches Fernsehen!“ Version aus Eisen ersetzt. Blickt man über den Tellerrand Österreichs Von vielen vergessen, wird er von anderen auch als „Vater des hinaus, ist die Hochwasserkatastrophe in Fernsehens“ bezeichnet: Dem US-amerikanischen Erfinder Philo T. den USA am Mississippi River eines Farnsworth war es gelungen, Bilder mithilfe einer Elektronenstrahlröhre auf der verheerendsten Ereignisse. Die der Sender und Empfangsseite auf elektronischem Wege zu übertragen. AufgeKatastrophe erstreckte sich über wachsen in einer Mormonenfamilie wuchs Farnsworth in einer Blockhütte in Indiana 700.000 Quadratkilometer in über Springs im US-Bundesstaat Utah auf. Die Leidenschaft für die Technik wurde bei ihm durch sechs Bundesstaaten. Charles diverse Elektrotechnikzeitschriften geweckt, die er auf dem Dachboden des Familienhauses entLindbergh steigt im selben deckte. Im Alter von zwölf Jahren ging er seiner Mutter beim Wäschewaschen zur Hand: Er fertigte einen Elektromotor und Jahr in sein Flugzeug und schloss ihn an die häusliche mechanische Waschmaschine an, sodass diese nicht mehr mühsam von Hand bewegt werden überfliegt als erster Mensch musste. Die Vorstellung, wie eine Übertragung von Bildern vonstatten gehen könnte, kam ihm ausgerechnet beim Anblick der den Atlantik – von New York parallelen Furchen eines Kartoffelackers – Zeile für Zeile müsste es geschehen, mit jeweils einem Kathodenstrahl in Kamera nach Paris ohne Zwischenund Bildröhre. Seine Idee trug im Laufe der Jahre Früchte: Farnsworth hatte Sponsoren gefunden, die Forschungsarbeiten möglich landung. Australien hat machten. Am 7. September gelang ihm dann in seinem Labor die erste elektronische Bildübertragung: Ein Dollar-Zeichen, welches mit Canberra eine neue zuvor auf einen Zettel gemalt wurde, wurde in der Größe einer Briefmarke wiedergegeben. Farnsworth soll dies recht nüchtern Hauptstadt bekommen, kommentiert haben: „Bitte sehr: elektronisches Fernsehen.“ Melbourne wird damit als Zum Bild: Philo T. Farnsworth hatte nicht viel von seiner Erfindung. Ein jahrelanger Patentkampf machte ihn mürbe. Seinen Kindern soll er verboten haben, fernzusehen. Er starb 1971


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B wie Blitzschutz

Blitzinfos aus erster Hand Österreich mit ALDIS (Austrian Lightning Detection and Information System), das schon 1992 seinen Betrieb aufnahm und damit eines der ersten Blitzortungssysteme Europas war, das ein ganzes Land vollständig erfasste. Das Kooperationsprojekt des ÖVE, der Austrian Power Grid AG (APG) und von Siemens Österreich verfügt über insgesamt acht Ortungssensoren, die sich über Österreich verteilen. Die elektromagnetischen Signale aller Blitzentladungen im Umkreis von einigen 100 Kilometern werden vor Ort ausgewertet und an die ALDIS-Zentrale in Wien gemeldet. Dort werden der exakte Einschlagsort und die Stromstärke der Blitzentladung ermittelt – und zwar noch bevor der Donner zu hören ist. In 20 Jahren wurden österreichweit bisher 3,7 Millionen Blitze zur Erde geortet, rund 180.000 Blitze jährlich mit schwankender Blitzanzahl. 1999 wurden nur rund 100.000 Blitze gezählt, 2006 etwa 284.000. Mit mehr als 32.000 Blitzen innerhalb eines einzigen Tages gilt der 29. Juni 2006 als bisher blitzreichster Tag seit Bestehen von ALDIS. ALDIS ist Weltspitze in der Blitzortung und war maßgeblich am Aufbau eines europaweiten Ortungssystems beteiligt. Heute laufen Daten von 150 Sensoren aus Europa in der ALDIS-Zentrale in Wien zusammen. Mit über 150 Publikationen in Fachmagazinen und Fachtagungen hat sich ALDIS als weltweit anerkannte Blitzforschungseinrichtung etabliert. ALDIS-Blitzdaten sind nicht nur im Internet (www.aldis.at) abrufbar. Der Gewitterdienst ist mittlerweile auch als App unter m.aldis.at auf Handys mobil vefügbar.

Blitzableiter und Überspannungsableiter

Nicht mehr weggzudenken! B

is zu 24.000 Personen sterben jährlich weltweit durch Blitzschlag, 240.000 werden verletzt – so lauten die Schätzungen von Blitzexperten. In Österreich wurden vom ALDIS-Blitzortungssystem (siehe auch oben) 2006 und 2009 mit rund 280.000 Blitzen jährlich Spitzenwerte gezählt. Wenn man bedenkt, dass schon Blitze mit bis zu 200 kA gemessen wurden, ist ein funktionsfähiger Blitzschutz bei der Zunahme elektrischer und elektronischer Geräte geradezu ein Muss und wird daher auch vorgeschrieben.

Blitzableiter als äußerer Blitzschutz. Der Blitz stellt einen Stromfluss zwischen Wolke und Erde dar. Schlägt der Blitz etwa in ein Hausdach ein, so fließt der Strom das letzte Stück vom Dach des Hauses zur Erde über das Gebäude, wobei dazu natürlich elektrisch leitende Einbauten wie Wasser- und Heizungsrohre oder die Elektroinstallation bevorzugt herangezogen werden. Auf seinem Weg vom Dach zur Erde richtet der Blitz entsprechende Schäden an: Elektroleitungen werden aus der Wand gerissen und im schlimmsten Fall wird das Haus in Brand gesetzt. Eine Blitzschutzanlage besteht aus Fangleitungen am Dach, die mit sogenannten Ableitungen mit der Erdung verbunden sind. Der Blitz trifft dann die Fangleitung am Dach und der große Blitzstrom wird über die Ableitungen direkt in die Erde geleitet, ohne dabei Schaden am Haus anzurichten. Eine Blitzschutzanlage verhindert also nicht den Blitzeinschlag in ein Haus, sondern bietet dem Blitz einen vorgegebenen

© thinkstock, Patrick Seeger dpa/lby dpa - Bildfunk, Andi Bruckner/Siemens

Schon vor über 250 Jahren wurden von Benjamin Franklin erste Versuche mit Blitzschutzanlagen gemacht. Mittlerweile sind Blitzschutzsysteme für Gebäude so perfekt, dass nicht nur die Brandgefahr minimiert wurde, sondern auch Schäden an elektronischen Geräten. In Österreich hat es seit 1992 sagenhafte 3,7 Millionen Mal geblitzt.  Wolfgang Sedlak


85 Jahre

Der Energieumsatz im hell aufleuchtenden Blitzkanal führt zu einer Aufheizung auf eine Temperatur von ca. 30.000 K und damit zu hohem Überdruck, der sich in Form einer Stoßwelle, dem Donnerknall, ausgleicht

Überspannungsableiter sind für den Schutz von Elektrogeräten und elektronischen Anlagen inzwischen unabkömmlich

Weg zur Erde an. Eine solche „äußere” Blitzschutzanlage verhindert nicht, dass bei einem direkten Einschlag Schäden an empfindlichen Elektrogeräten auftreten. Zum Schutz der elektrischen Geräte müssen zusätzlich entsprechende Überspannungsableiter eingebaut werden.

Überspannungsableiter sorgen für den Schutz von Elektrogeräten. Der innere Blitzschutz minimiert die Auswirkungen des Blitzstromes und der Blitzspannung auf Installationen sowie elektrische und elektronische Anlagen. Diese Überspannungen können auf mehrere Arten entstehen:  urch direkte Einwirkung des Blitzstromes aufgrund eines Einschlages D in die Blitzschutzanlage und nachfolgendem Spannungsüberschlag im Näherungsbereich. Durch direkte Einwirkung des Blitzstromes aufgrund eines Einschlages in Energie-/Telekommunikationszuleitungen, durch indirekte Einwirkung des Blitzstromes aufgrund eines Einschlages

in die Blitzschutzanlage eines Gebäudes und dadurch entstehende Induktionsspannungen in elektrischen Leitungen im Näherungsbereich.  Für den Überspannungschutz von elektrischen Leitungen und Geräten werden Überspannungsableiter eingesetzt, die nach der Norm EN 61643-11 in drei Kategorien eingeteilt sind:  PD Typ 1 (Grobschutz) müssen S an allen Einführungen von elektrischen Leitungen in den Schutzbereich des äußeren Blitzschutzes eingesetzt werden. Sie leiten den vollen Blitzstrom ab, belassen es aber bei einer für elektronische Geräte gefährlichen Überspannung. Wenn es die Gegebenheiten zulassen, können in Verteilern auch Kombiableiter (kombiniert Typ 1 und Typ 2) eingesetzt werden. Die Vorteile liegen sowohl in einer Platz- als auch in einer Kostenersparnis, der Kombiableiter hat dieselbe Baugröße wie der vergleichbare SPD Typ 1. SPD Typ 2 (Mittelschutz) reduzieren das von SPD Typ 1 hergestellte Spannungsniveau weiter. SPD Typ 3 (Fein- oder Geräteschutz) reduzieren das von SPD Typ 2 hergestellte Spannungsniveau auf ein für elektronische Geräte ungefährliches Maß. Sie werden in ÜberspannungsschutzSteckdosen, ÜberspannungsschutzSteckdosenadaptern und Endgeräten eingesetzt. 

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Der Gewitterdienst ist als App inzwischen auch mobil verfügbar

Dass Blitze immer gefährlich sind, zeigt auch dieser Anfang 2012 ausgebrannte Kirchturm im Allgäu


1986: Eaton Werbekampagne „Growing into the future“

1960: Inserat „Schaltgeräte“

1974: Inserat „Schaltgeräte“


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E a t o n : Immer wenn Elektrizität für Sie entscheidend ist, ist sie es auch für uns. Eine Kultur der Nachchaltigkeit: Wir entwickeln unentwegt neue Lösungen für Sie, die nachhaltiges Wachstum weltweit antreiben, Ressourcen durch den effizienten Einsatz schonen, und energieeffiziente Produkte schaffen. Mit der Mission die Umwelt zu schützen und Emissionen zu verringern.

Innovation aus Tradition: Unsere innovativen Produkte und Lösungen sind das Ergebnis eines umfassenden Know-hows in Bezug auf Schlüsseltechnologien. Durch dieses Wissen sind wir in der Lage Energie unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit für Sie effizient zu managen. Unsere integrierte und diversifizierte Geschäftsstrategie stellt sicher, dass wir Jahr für Jahr die Spitzenposition innerhalb der Branche erfolgreich behaupten können. Infos zu Eaton unter: www.eaton.at


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85 Jahre

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pplaus, Beifall und eine Verbeugung: Der Hamburger Werbeagentur Jung von Matt gelang ein Geniestreich. „Geiz ist geil“, oftmals als mäßig kreativ abgetan, wird zum Slogan schlechthin, dem Slogan der Elektrobranche, dem Slogan einer ganzen Gesellschaft. Er beschäftigte Literaten, Philosophen und Soziologen. Media-Saturn malträtierte ihn bis zum Gehtnichtmehr und noch länger. Zu lange, um genau zu sein. Denn das Kartenhaus ist zusammengebrochen, der jetzige Scherbenhaufen konnte bislang nicht zusammengeklebt werden.

„Geiz ist geil“ ist ein Saturn-Slogan. Im Oktober 2002 aus dem Hut gezaubert, spiegelte er eine gesellschaftliche Entwicklung wider, prägte diese mit. Der Sparsame, der auch mal großzügig ist, der hatte ausgedient. Der Geizige, der Gierige, bislang eine zutiefst negative Figur, wird zum neuen Konsum-Star – skurrilerweise indem er Geld ausgibt. Das Schnäppchen wurde zum Status-Symbol erhoben, zum Triumpf dem Blödmann gegenüber, der mehr bezahlt. Der Wiener Philosoph Alfred Pfabigan beschreibt diese Entwicklung in seinem Buch „Nimm drei zahl zwei:

Wie geil ist Geiz?“ Die „Geiz-ist-geil-Mentalität“ übertrug sich auf die Wirtschaft, der Preiswettbewerb wurde angeheizt. Der Slogan, den angeblich kaum wer mochte, tauchte in zig Abänderungen auf. Etwa bewarb der Heyne Verlag einen Stephen King-Roman mit „Geist ist geil“.

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© Picturedesk, Saturn

„Geiz ist geil“. Drei Worte verändern die Gesellschaft. Drei Worte, die die katholische Kirche verärgern und dem einstigen Media-Saturn-Imperium nun auf den Kopf fallen. Die Werbe-Kuh wurde noch gemolken, als keine Milch mehr kam, allenfalls noch saurer Urin. Die Geister, die Saturn rief, wird Saturn nicht mehr los.  Alexander Zechmeister


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...in der KĂźche zuhause

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fontana5 „Geiz ist gottlos“, diesen Slogan kreierte das katholische Hilfswerk Adveniat 2004. Katholische Kirchenvertreter, etwa Kardinal Christoph SchĂśnborn, wiesen immer wieder darauf hin, dass Geiz ein Motiv fĂźr SĂźnde ist, eines der sieben Hauptlaster im katholischen Christentum. Es war wohl trotzdem nicht der Zorn Gottes, der die geile Geiz-Mentalität zurĂźckdrängte, eher die Preistransparenz im World Wide Web, die schnell ersichtlich machte, dass Schnäppchen-Jäger gar nicht so gut bei Saturn aufgehoben sind. Dazu kamen in Mitteleuropa florierende Zeiten, wer nicht im Internet Preise verglich, wollte sich wieder etwas leisten und kein geiler Geizer sein. Bei einem vorschnellen Rettungsversuch in Ă–sterreich schaffte es Saturn, sich mit dem Werbe-Hintern noch viel tiefer in die Nesseln zu setzen. Erinnern Sie sich noch an den Slogan „Österreich ist geil“, den der originale Leopold Figl in der GroĂ&#x;flächen-Werbung bei der Unterzeichnung des Staatsvertrags in die jubelnde Menge ruft? Das Schmähen eines so wichtigen Ereignisses der rot-weiĂ&#x;-roten Geschichte rief massive Beschwerden auf den Tagesplan. Saturn reagierte und holte wieder „Geiz ist geil“ aus der Schublade.

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In Deutschland hielt der Elektrofilialist bis 2007 an dem Slogan fest, in Ă–sterreich noch Jahre länger. Dass die damals noch gemolkene Kuh längst tot war, das schien sich nicht bis in die Chef-Etage von Media-Saturn herumgesprochen zu haben. Okay, der Konzern hatte auch andere Probleme. Interne, genĂźsslich nach auĂ&#x;en getragene Macht-Schlamm-Kämpfe, korrupte Manager, fuchsteufelswilde Aktionäre – jede Menge Baustellen eben, die das Image gewaltig ramponierten. Trotzdem, viel zu spät wurde es mit anderen Kampagnen versucht. Und dann auch noch mit vollkommen inhaltsleeren SchnellschĂźssen wie „Geil ist geil“. Auch die kläglichen Versuche, auf Services hinzuweisen, verliefen nach der jahrelangen Geil-Penetration im Sand. Mehr als 500 Millionen soll dem Vernehmen nach Saturn in die Geiz-Werbekampagne gebuttert haben. Dass die MSH-Zahlen die letzten Jahre nicht rosig sind, ist bekannt, auch dass der Online-Zug versäumt wurde. Ein neuer Slogan muss es richten. „So muss! Technik“. Auch er wird die Geister, die Saturn rief, den „Geiz ist Geil-Schatten“, nicht vertreiben kĂśnnen. 

Den Toaster gibt es in den Farben rot, schwarz, weiĂ&#x;

   

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Qualität verbindet! Wir gratulieren dem elektrojournal zum 85jährigen! ritterwerk GmbH IndustriestraĂ&#x;e 13 82194 GrĂśbenzell www.ritterwerk.de www.facebook.com/ritterwerk

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85 Jahre

D wie „Der Deutsch”

Fünf Mal gingen die FuturaGipfelgespräche, die Werner R. Deutsch (stehend) ins Leben gerufen hatte, über die Bühne. Zuletzt mit 62 Teilnehmern aus den Führungsetagen der Aus­steller. Diesen stand die Messe­leitung zu allen Fragen und Pro­blemen rund um die Futura immer Rede und Antwort

„Der Deutsch”

Start zum Höhenflug

Im Herbst 2003 kam der Wendepunkt für das Elektrojournal  Juni 2003: Der Vertrag war unterschriftsreif. Nach fünf Jahren E&W war mein Wechsel in die Autobranche praktisch beschlossen. Gut so. Als freier Autor schrieb ich ja schon seit Jahrzehnten für sie. Aber auch schade. Schade um die vielen Kontakte, die ich mir in der E-Branche aufgebaut hatte. Juli 2003: Anruf aus der Elektrojournal-Redaktion. Nach zwei Sekunden „Bedenkzeit“ war die Autobranche vergessen. Es folgten fünf weitere Jahre in der E-Branche. Fünf fulminante! Der Deutsch riskiert einen Blick zurück. Und wie üblich eine dicke Lippe. So viel Einigkeit herrscht selten in der Elektroszene. Zumindest unter den beiden führenden Fachmagazinen. Heuer sind es Jubiläen, die man da wie dort feiert: beim

Auch die BSH war nie um Höhenflüge verlegen. Diesen Funkenflug entzündete man aber zu Ehren von MK-Chef Horst Neuböck (im Bild mit Bosch-Markenchef Peter Henner), dem die Teilnehmer der Bosch Exclusiv-Tagung 2008 ein Ständchen zu seinem 45er trällerten. Also gleich vormerken für 2013: Da gibt’s den ganz runden Geburtstag zu feiern!

Werner R. Deutsch

Mitbewerber 30, beim Elektrojournal pompöse 85 Jahre – dank eines Urahnen namens Radio Handel und Export. Für mich eine skurrile Situation. Weil ich nur wenige Monate, nachdem ich im Konkurrenzblatt meine ersten Jahre in der Elektrobranche reflektierte, hier mit den Jahren 2003 bis 2008 nahtlos anschließen kann. Eine Zeit, in der tatsächlich kein Stein auf dem anderen blieb. Selbstbeweis ist eine starke Antriebsfeder: Als ich vor neun Jahren zum Elektrojournal kam, habe ich mir eine Nackte Tatsachen spielen in der Elekschier unlösbare Aufgabe gestellt. trobranche nicht nur im übertragenen Jedenfalls aus damaliger Sicht. Ich Sinn eine Rolle. So wie im März 2006, wollte das ungleiche Kräfteverhältnis als Philips im Moulin Rouge die Vorzüge des neuen „Bodygroom“ anschaulich zwischen dem braven Elektrojournal vorführen ließ. Das Gesicht der Kollegin und dem beinharten Medium meines von der Presse haben wir vorsorglich früheren Dienstgebers egalisieren. unkenntlich gemacht. Falls ihr der Flirt mit „Kevin“ heute peinlich sein sollte… Doch bevor man überhaupt daran denken kann, größere Teile der Branche (und natürlich der Inserenten) für sich zu gewinnen, muss man sie erst mal liebkosen. Und dafür habe ich mich einer bewährten Methode bedient. Allerdings auch einer, mit der man Gefahr läuft, in die ewige Mittelmäßigkeit abzurutschen – sofern man sie nachlässig anwendet: Public Relations. Beim dominanten Mitbewerb spielte sie nur eine Nebenrolle. Klar, der hatte sich die Aufmerksamkeit der Branche durch seine knallharte Blattlinie gesichert. Das Elektrojournal startete seinen Angriff daher von der gegenüberliegenden Flanke und setze sich mit einer gewaltigen, opulent illustrierten PR-Bombe über neue Produkte in Szene. Vorerst. Durch ein besonders umfangreiches September-Heft, die Futura-Ausgabe 2003, erfolgte der erste Schuss vor den Bug des vermeintlich übermächtigen Gegners. Die Branche applaudierte, weil das Elektrojournal offensichtlich weder Mühen noch Kosten gescheut hatte. Vor allem Kosten. Was ein Risiko war, keine Fortsetzung auf Seite 18 

© Werner Deutsch, Thinkstock


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Firmenporträt

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easyTherm

Heizen mit Infrarot Ist easyTherm wirklich etwas Besonderes? Gleich vorweg: Ja. Natürlich ließe sich sehr vieles über Geräte, Systeme, Leistungsdaten, Servicequalität, Partnerkonzept, … schreiben. Bewusst beginnen wir in diesem Beitrag mit Hintergründigem, Backstage sozusagen.

Gerfried Burger

Günther Hraby

Reinhard Burger

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© easyTherm

s sind immer Menschen, die etwas Herausragendes bewirken. Reinhard Burger (49, GF Marketing u. Vertrieb) hat sich bereits in jungen Jahren der technischen Perfektion und der Wirksamkeit einer „Marke“ verschrieben. Das Thema nachhaltige Energienutzung begleitete ihn dabei ab 1988. Die Entwicklung eines Holzvergasers mit der TU-Laibach, der Einsatz von rotierendem Verdampfer mit beinahe nicht messbarem CO-Ausstoß und andere Highlights waren Mittelpunkt des Interesses, bis er schließlich bei der wirksamsten Methode des Heizens landete – eben easyTherm. In seiner Funktion kann er all seine Fähigkeiten und seine Akribie dafür verwenden eine Marke für die einzigartigen Produkte aufzubauen. „Die Marke und das Partnerkonzept sind die wichtigsten Elemente, um dem Kunden Nutzen zu bringen“. Auch Gerfried Burger (46, GF Fertigung) hat wirklich Einzigartigkeiten vollbracht: Er baute Lautsprecher-Boxen für Highend-Audioanlagen. Die Qualität dieser Geräte ist so hoch, dass sie ihn mehrfach auf die Titelseiten der weltweit anerkanntesten Fachzeitschriften brachte. Liebe zur präzisen Fertigung und zur hochwertigen Oberflächengestaltung ist auch bei easyTherm ein Garant für die besondere Leistungsfähigkeit der Geräte. Mit Günther Hraby (49, GF Technik und Controlling) kommt auch die Erfahrung aus der Großindustrie an Bord von easyTherm. Er baute bei Siemens bereits Ende der Achtzigerjahre eine kleine Gruppe auf, die sich letztlich zu einem Weltgeschäft ausweitete: Funktechnik und elektronische Mautanlagen. Dabei galt es im anspruchsvollen Umfeld an die 300 Mitarbeiter von Deutschland über Österreich, Osteuropa bis China in ihren Tätigkeiten zum Erfolg zu synchronisieren. Dass er nun auch das Controlling leitet, macht ihm nicht viel aus; nach eigenen Angaben muss er dafür „ja nur Strichrechnungen beherrschen“. Ein kW ist nicht ein kW – es kommt auf die Quelle an. Was soll an Strahlungsheizung anders sein als bei herkömmlichen Heizungen? Beim Heizen geht‘s nicht um die Erwärmung des Raums, sondern darum, dass sich Menschen im Raum wohlig und behaglich fühlen. Bei langwelligem Infrarot-C tritt durch das Auftreffen auf den Körper auch bei niedrigeren Temperaturen bereits das gleiche Behaglichkeitsgefühl ein. Stellen wir uns vor, wir sind bei -5°C bei klarer Luft und Sonnenschein auf 2000 m Seehöhe im Winter Schi fahren. Setzen wir uns bei einer Mittagspause in die Hütte oder vor diese? Natürlich davor, ziehen wahrscheinlich noch den Anorak aus und trinken kaltes Bier. Der Mensch wird ja durch die Sonnenstrahlen erwärmt.

Bei einem höheren Anteil von Strahlungswärme haben wir auch in den Innenräumen eine höhere physiologisch bewertete Wirksamkeit der Wärme. Wir können damit immerhin um ca. 3°C die Raumlufttemperatur bei gleicher Behaglichkeit absenken. Weitere Einsparungen ergeben sich dadurch, dass kein Temperaturgradient zwischen Boden und Decke (bei Konvektionsheizungen durchaus 6°C) entsteht. Wieder Energie gespart! Bei den easyTherm Infrarotheizung werden immer 100 Prozent des verwendeten Stroms in nutzbare Wärme gewandelt. Bei Verbrennungssystemen haben wir noch eine Menge von Verlusten (Kesselverluste, Leitungsverluste, Verluste durch den Jahresnutzungsgrad). Am bedeutendsten ist übrigens der Jahresnutzungsgrad: Während bei normalen Heizungen 20 bis 60 Pozent verloren gehen, liegt der Jahresnutzungsgrad bei Infrarot hingegen bei 100 Prozent. Die Vorteile sind klar – auf die Realisierung kommt es an. Um die Effekte der Strahlungsheizung wirklich nutzen zu können, benötigt es einen hohen Infrarotanteil, bei möglichst wenig Einspeisung von elektrischem Strom (Verbrauch). Daher ist das Verhältnis der beiden Größen Strahlungsleistung/ elektrische Leistung (Abstrahlungsgrad genannt) wesentlich für die Energieeinsparungen. Es wäre daher sehr wünschenswert, wenn der Abstrahlungsgrad als verbindlich anzugebende Kenngröße von Strahlungsheizungen angegeben werden Es kommt darauf an, dass der Mensch müsste. erwärmt wird, nicht der Raum – so wird easyTherm hat den mit durch Strahlungsheizungen von easyTherm Abstand höchsten beBehaglichkeit geschaffen kannten Abstrahlungsgrad von ca. 70 Prozent. Dies wird neuerdings auch nach der EN 416-1, -2 vermessen; die dem zugrundeliegenden Berechnungen finden bei easyTherm schon lange Anwendung. Damit ist klar: mit easyTherm lässt sich 30 bis 70 Prozent der Heizenergie einsparen. 


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85 Jahre

D wie A „Derwie Deutsch” xxxxxx

    Fortsetzung von Seite 16 

Mit einem Paukenschlag in der Telekom-Szene startete das Jahr 2008: Es war das Elektrojournal, dem der damalige TA- und Mobilkom Austria-Chef Boris Nemsic ein ExklusivInterview gab. Bei dem auch seine Millionengage zur Sprache kam. Für die Publikumsmedien war’s ein gefundenes Fressen

Frage. Denn der gesteigerte Inseratenumsatz verhielt sich anfangs nicht wirklich ideal zur Rendite. Doch Verlags- und Anzeigenleitung standen eisern dahinter. Und der Plan ging auf. Erleichtert wurde die Stärkung des Elektrojournals durch den Umstand, dass ich als Weißwaren-Redakteur dort ansetzen konnte, wo der größte Nachholbedarf existierte. Insta-Papst Wolfgang Sedlak konnte ich ohnehin nicht ins Handwerk pfuschen. Und wie toll sich UE-Spezi Chris Lanner entwickelte, der mit mir (das ist jetzt ein Vorgriff) Elektrojournal Online zur Hochblüte trieb, ist auch

kein Geheimnis. Bloß beim Anrennen gegen den Telekom-Fels Andreas Rockenbauer holten wir uns blutige Nasen. So war’s halt. Das weiß sowieso jeder. Doch wer kann heute noch sagen, wie sich die große Trendwende beim Elektrojournal tatsächlich vollzog? Das haben ja verschiedene Umstände bewirkt, wovon einer der mit Abstand herausragende war. Fakt 1: Natürlich konnte man nicht allein auf der „populistischen“ PR-Schiene fahren. Vielmehr diente sie dazu, um sich im Eiltempo dem kritischen Fachjournalismus zu nähern. Und so betrieben wir Verkaufsförderung für den Handel nicht bloß mit schönen Produktfotos, sondern auch mit uncharmanten, aber klaren Ansagen, die weit entfernt von einer „Blümchen-Redaktion“ waren. Fakt 2: Mit der Sommer-Ausgabe 2004 wurde das Wendeheft eingeführt, die optische Trennung zwischen Handel und Insta. Seither hält jeder Spezialist mit jedem Elektrojournal quasi sein eigenes Fachmagazin in der Hand. Mit Ausnahme einer reinen Insta-Ausgabe pro Jahr. Heute ist es die Nr. 3a. Seinerzeit war es die Nr. 9a. Und die hat mir Albträume bereitet. Warum, ist leicht erklärt: Das ausschließlich der Insta-Branche gewidmete Elektrojournal 9a ist unmittelbar nach der Futura erschienen. NACH DER FUTURA! Am liebsten hätte ich es auf den Mond verbannt. Wohin mich übrigens auch Kollege Sedlak gewünscht hat. Denn: Die 9a-Insta war damals eine Institution. Wer sie infrage stellte, beging einen Frevel. Ebenso gut hätte ich vorschlagen können, die kompletten Inserateneinnahmen aufs Konto Rockenbauer zu transferieren. Wie auch immer. Tatsache war, dass der Mitbewerb in seinem 9a-Heft bereits vorweisen konnte, was beim Elektrojournal erst im 10er-Heft zu finden war: der Messe-Nachbericht. Wir benachteiligten uns selbst. Eine unerträgliche Situation. Womit wir beim dritten und wichtigsten Fakt angelangt sind: bei Elektrojournal Online, jenem Internet-Portal, das die Informationsqualität in der heimischen Elektrobranche revolutionierte.

Wir feiern 2013

etwas besonderes.

EIN BESONDERER ANLASS ZUM FEIERN 2013 FEIERT ELEKTRABREGENZ 120 JAHRE FIRMENGESCHICHTE!

Vollelektrischer Herd um 1900 1948 bringt elektrabregenz den ersten E-Herd mit thermostatisch geregeltem Backrohr auf den Markt.

Friedrich Wilhelm Schindler, Pionier der Elektrotechnik und Gründer von elektrabregenz erhielt 1893 die Goldmedaille auf der Weltausstellung von Chicago.

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Auf nächstes Jahr können Sie sich besonders freuen. Denn elektrabregenz feiert mit zahlreichen Jubiläumshighlights 120 Jahre Innovation. 1893 erhielt Firmengründer Friedrich Wilhelm Schindler auf der Weltausstellung die Goldmedaille für die vollelektrifizierte Küche. Seither ist elektrabregenz führend in der Entwicklung innovativer Haushaltstechnik.


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„Muss man für die richtige Positionierung von Mitnahme-Artikeln extra Kooperationschefs mobilisieren, damit sie auf der nächsten Händlertagung eine Brandrede über das Absatz­ potenzial von Ersatz-Zahnbürsten halten?“

– inklusive des legendären, vom Irgendwann im Spätsommer 2003 beschäftigte Elektrojournal veranstalteten ich mich näher mit dem Online-Auftritt des ElektroFutura-Gipfeltreffens. journals – einem durchaus sinnvollen Begleitmedium, So ging das über etliche Jahre. ähnlich eben wie beim Mitbewerb, so meine ursprüngZumal die Synergien zwischen liche Einschätzung. Aber halt! Da gab’s ja viel mehr Print und Internet durch einen Schriften, als ich gewohnt war. Und schau: Bei jedem eigenen Elektrojournal Onlinefünften Beitrag blitzte sogar ein niedliches Porträtfoto Teil im Heft regelmäßig forciert im Format einer Briefmarke auf. Ob da wohl noch mehr worden sind. Ein Multiplikatorging…? Und ob da noch mehr ging! Ich ließ mich Effekt, der dem Internet-Medium (Aus Elektrojournal 3/2006. Kein aufklären und fiel aus allen Wolken: Auf Elektrojournal sagenhafte Steigerungen bei den Umsatzbringer war zu lapidar, um Online ließen sich riesengroße, gestochen scharfe Bilder Zugriffen bescherte. sich mit ihm nicht intensiv zu beschäftigen.) Trotzdem: Wenn ich meine Aktivitäten für darstellen. Ein Potenzial, das nicht mal ansatzweise genutzt diese Zeit gedanklich Revue passieren lasse, wurde. Ein Verlagsschatz, der nur noch gehoben werden musste. so war die allerbeste davon zweifellos jene, dass es Und das ausgerechnet von einem unbelehrbaren Online-Skeptiker, der mir gelungen ist, Reinhard Ebner für die Elektrojournal– wie ich an anderer Stelle schon schrieb – der Druckerschwärze ewige Treue Redaktion zu gewinnen. Das war 2006. gelobt hatte. Jetzt setzte er wirklich ein, der Höhenflug des Elektrojournals. Die Kehrseite der Medaille: 2008, als ich zu jenem Verlag Das Internet-Portal wurde auf „Österreichs Nachrichtendienst für die Elek– kurzzeitig – zurückkehrte, wo wir uns beide Jahre trobranche“ getauft und überschwemmte diese fortan mit tagesaktuellen und zuvor am „E-Bazillus“ schwer infizierten, habe ich diese somit brandheißen Infos, von denen viele reichhaltiger illustriert waren als eine Personalrochade natürlich bereut. Eine Bemerkung, die mehrseitige Print-Reportage. Kein Mitbewerber – schon gar nicht die kleinen – war im Stande, dem mir Andreas Rockenbauer hoffentlich ebenso wenig übel etwas entgegenzusetzen. Und wir nutzten dies weidlich aus. Vor allem rund nimmt wie den Umstand, dass ich schon wieder „fremdgeum die Futura, indem wir den Fachhandel quasi bis zur letzten Minute mit gangen“ bin. detailliert abgebildeten Messe-Neuheiten seiner Industriepartner fütterten. Es ist nicht wirklich angenehm, mit einem Korpus wie dem Ein paar Tage darauf war Elektrojournal Online freilich ebenso konkurrenzlos: meinen zwischen zwei Stühlen zu sitzen. Vielleicht wird ja mit den Nachberichten über die fotografisch festgehaltenen Messe-Highlights doch einmal eine Sitzbank daraus.

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E wie EU

Offene Grenzen und das Internet

Erst belächelt, dann bekämpft 1995 trat Österreich der EU bei. Ein Jahr zuvor gründete der Amerikaner Jeff Bezos ein anfangs belächeltes Unternehmen namens Amazon. E-Commerce und europäischer Binnenmarkt verändern die rot-weiß-rote Handelslandschaft grundlegend. Wie’s weitergeht, ist unklar. Sicher ist: Ohne Web und ohne neue Gesetze wird’s nicht gehen. Alexander Zechmeister



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einheitliche Währung, die Vision von einem gemeinsamen Binnenmarkt waren die Folge. Ein Jahr zuvor gründete Jeff Bezos ein Unternehmen, von dem damals niemand Notiz nahm, nämlich Amazon. Heute gibt’s in Österreich etwa 7.000 Online-Händler, unzählige in Europa. Viele kommen, viele gehen. Ob der Internethandel Fluch oder Segen ist, darüber scheiden sich die Geister. „Den Österreichern wurde seitens der EU gesagt, sich nicht als Österreicher zu fühlen, sondern als EU-Bürger. Sie sollen in Europa einkaufen“, sagt Elektrohändler und Bundesgremialobmann Wolfgang Krejcik. „Wir haben derzeit den Vorabend einer Auseinandersetzung, die viele noch nicht begriffen haben. Immer noch nehmen viele Kollegen die Versandgefahr aus dem Ausland nicht ernst.“

Die Online-Händler wurden am Anfang belächelt, erinnert sich Harald Gutschi. „Dann versuchte man die Online-Firmen zu bekämpfen. Ich denke, jetzt werden sie akzeptiert, weil sie die Regeln vorgeben.“ Gutschi vertritt den Handelsverband und ist Sprecher und Geschäftsführer der Unito Versand & Dienstleistungen GmbH. Diese gehört zur Otto Group und deckt im Alpenraum Marken wie Universal, Otto, Quelle oder Ackermann ab und ist in Österreich nach Amazon umsatzmäßig der zweiterfolgreichste Online-Versender. „Am Anfang konnten unsere eigenen Mitarbeiter dem OnlineBereich wenig abgewinnen. Wir machten 95 Prozent mit dem Katalog und nur fünf Prozent online.“ Heute beträgt der Online-Anteil 80 Prozent. Stationär-Händler müssten „zwischen Pest und Cholera wählen. Wählen sie die Pest, haben sie keinen Online-Umsatz. Wählen sie Cholera, haben sie zwar Online-Umsatz, der stationär kannibalisiert, während die Stationär-Kosten bleiben.“ Für Gutschi ist klar, dass die Zukunft im Web liegt. Internet sei keine Blase, kein Trend. Es geht um ein verändertes Verhalten der Konsumenten. „Wir stehen aber erst am Beginning of the Beginning oft the Beginning des digitalen Zeitalters. Wir sind mitten drinnen und dennoch am Anfang.“ Das Mobile-Geschäft soll die nächste Revolution werden. Derzeit mache der Online-Anteil am Handelskuchen etwa 13 bis 15 Prozent aus.

An dieser Stelle sind sich Krejcik und Gutschi einig: Stationär-Händler, die den Online-Zug verpassen, die werden nicht mehr lange am Markt agieren. „Ein Internetauftritt ist unverzichtbar.

© Thinkstock, Unito, Redaktion

Gutschi: „Wir stehen aber erst am Beginning of the Beginning of the Beginning des digitalen Zeitalters. Wir sind mitten drinnen und dennoch am Anfang“

m Jahr 1995 trat Österreich der EU bei. Offene Grenzen, eine


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Ein Klick genügt: Europa und der grenzüberschreitende Handel

Unsere Branche hat aber noch nicht gelernt, die Handelsstrukturen mit dem Internet zu verschmelzen“, so Krejcik. Gutschi ist jedenfalls froh, dass er sich über dieses Problem nicht den Kopf zerbrechen muss. Im Versandhandel ging der Wechsel vom Katalog bereits über die Bühne. „Zwischen 1995 und 2000 war die Welt für die Big-Book-Versender noch vollkommen in Ordnung. 40 profitable Versandhändler gab’s in Österreich. Ab 2000 hat sich das Blatt gewendet.“ Prominente Opfer waren Quelle und Neckermann. Gutschi weiß aber auch, dass ein Internetauftritt keine gemähte Wiese ist. „Wir sprechen zwar von einem gigantisch wachsenden Markt. Überleben können aber nur 1AGeschäftsmodelle. Auch im Web.“ Mit der „neuen“ Online-Quelle erreicht er heuer, im zweiten Jahr, den BreakEven-Point, sagt er stolz. Warum der Online-Handel so boomt? „Stationär einkaufen ist mühsam und meistens teurer.“ Online-Händler ersparen sich Personalkosten und Mietpreise. Er gewinne Kunden nach dem „Motto Pull statt Push“, ohne aggressive Werbung. Gutschi ist sich sicher, dass vor allem die großen Stationär-Märkte verlieren werden, weniger die kleinen, die sich mit Beratungs-Qualität vor Ort Stammpublikum aufbauen. Krejcik kennt die Kehrseite der Beratungs-Qualität im InternetZeitalter. Nicht wenige lassen sich im Geschäft beraten, kaufen anschließend übers WWW bei einem internationalen Versender. Was tun? „Der Handel muss geschützt werden. Etwa wenn er große Investitionen beim Schauraum oder bei Produktschulungen durchführt. Auch müssen Lieferanten Restriktionen gegenüber dem Handel zumindest überdenken, wenn’s ums Internet geht. Vor allem wenn sie selbst im Web verkaufen.“ Dazu

sei es der EU bislang nicht gelungen, europaweite, grenzüberschreitende Gesetze für verschiedene Auflagen zu vereinbaren. „Wir haben in jedem Land eine andere Regelung. Dadurch haben wir die Situation, dass ausländische Anbieter zum Teil Wettbewerbsvorteile genießen, die wir kaum kompensieren können.“ Die Unterschiede müssen weg. Das verlangt auch Gutschi. „Es darf nicht sein, dass ausländische Händler Abgaben nicht zahlen müssen, die von österreichischen Händlern verlangt werden. Wir setzen dennoch darauf, vor Ort zu sein und bleiben in Österreich.“ Es geht auch um Seriosität. Bei so manchem internationalen Online-Händler würde Gutschi nicht seine Kontakt- und Kontodaten preisgeben wollen. Er denkt aber, dass die Binnenmarkt-Strategie der EU durchaus gelingt, auch österreichische Versender die Chance haben, international zu agieren.

Krejcik: „Immer noch nehmen viele Kollegen die Versandgefahr aus dem Ausland nicht ernst“

Die EU hat aber nicht nur den Versandhandel selbst verändert Auch die Lieferanten-Situation habe die Union geprägt, was das Problem weiter verschärfe, sagt Krejcik. „Früher waren die Geschäftsführer der österreichischen Generalvertretungen Herr des Hauses. Die Entscheidungs-Ebenen verlagerten sich seit 1995 aber immer mehr in Richtung der europäischen Zentralen.“ Für den rot-weiß-roten Elektrohandel habe die Entwicklung mit Blick auf Warenversorgung, Preisstellung und Service keine Verbesserungen gebracht. Fernöstliche Anbieter würden Preisstellungen machen, die der wirtschaftlichen Lage eines Landes angepasst sind. „Das führt dazu, dass die Preise bei uns recht hoch sind und Erfolge & uns Importe aus Ländern mit niedrigeren Baustellen Preisen bedrängen. Es war immer die Als einen der ganz großen Erfolge sieht BundesgremialobRede vom europäischen Preis, nicht mann Wolfgang Krejcik die Umweltfrage. „Früher wurde die nur in unserer Branche. Dieses Weißware verteufelt. Wir konnten dies in eine Win-Win-Situation Versprechen ist nicht einlösbar. umwandeln.“ Umwelt und Stromverbrauch sind zu wesentlichen Darum kämpfen wir mit einer Verkaufsargumenten geworden. „Ich bin auch den Herstellern und LieGlobalisierung zu unseren feranten dankbar, die dieses Thema mitgetragen haben, um die AltgeräteLasten.“ Krejcik will die EU Frage zu lösen.“ Noch nicht gelöst ist der Streit um die URA-Angaben. „Ich nicht verteufeln. Den Beitritt muss Kritik an mir selber üben. Es ist uns bislang nicht genügend gelungen, von Österreich hielt und die Mitglieder zu mobilisieren“, sagt Krejcik. Mit einer großangelegten Kamhält er für alternativlos. pagne will er die Händler, Verkäufer und Konsumenten auf die Wichtigkeit „Und unserem Land dieses Themas neu aufmerksam machen. Denn ein Gesetzesentwurf des geht’s ja halbwegs gut. Justizministeriums verschärft die Lage dramatisch. Es geht um die Existenz Die Kaufkraft, von der vieler Handelsbetriebe. Und genau das würden viele Händler ignorieren. „Von wir leben, ist gesichert. unseren Mitgliedern wird so getan, als ob diese Bedrohung weit weg wäre, Aber wirkliche Vorteile für die Handelsvertreter als Freizeitvergnügen massiv gegen die Abgabe auftreunsere Branche fallen mir ten. Wir müssen unter den Mitglieder eine erhöhte Sensibilität schaffen.“ ad hoc nicht ein.“  


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F wie Fotohandel

„Ja, es gab eine Marktbereinigung“

Die digitale Kamera-Revolution 1975

entwickelte Kodak einen digitalen Prototyp. Grausame Ironie: Kodak erkannte das digitale Potenzial nicht. Das Traditionsunternehmen musste in die Insolvenz und trennte sich 2012 von der Kamerasparte. „Kodak hat einfach die falschen Entscheidungen getroffen, Sony die richtigen. Darum spielt Sony ganz vorne mit“, sagt Gerhard Brischnik, Geschäftsführer von Ringfoto Österreich. Sony brachte 1981 mit der Mavica die erste kommerzielle Digitalkamera auf den Markt. Aber nicht nur Kodak habe sich getäuscht, auch andere hätten in die falsche Richtung investiert. In der Familie Brischnik wurde schon immer fotografiert und gefilmt. Seit 1977 ist Gerhard Brischnik im Fotohandel tätig. Er hat die meiste Zeit seines Lebens mit Foto, Film- und Videokameras zu tun gehabt. Glaubt der leidenschaftliche Hobbyfotograf, dass die Fotografie durch die digitale Technik von ihrem Zauber eingebüßt hat? „Natürlich war es in der analogen Zeit anders, als man mit Spannung die Fotos erst nach der Entwicklung gesehen hat. Nach wie vor gilt aber: Fotografieren ist, die schönsten Momente des Lebens festzuhalten, zu denen man immer wieder zurückkehren kann.“

1998 begann der Aufbruch ins digitale Fotozeitalter so richtig. Die ersten kompakten Digicams für den breiten Markt landeten in den Regalen. Die Spiegelreflex-Modelle waren noch analog, starteten später durch. Da nicht alle Hersteller mitspielten, wollten auch nicht alle Fotohändler an den Erfolg glauben. „Einige Händler wollten noch lange an der analogen Technologie festhalten und schwenkten erst spät um. Für manche war es bereits zu spät. Ja, es gab eine Marktbereinigung“, so Brischnik. Ringfoto hatte das Glück, mit Martin Wagner eine Art „Digiguru“ in den eigenen Reihen zu haben. „Er brachte schon sehr früh die Händler behutsam zur neuen Fototechnik.“ Und die fand immer mehr Einzug in die rot-weiß-roten Haushalten. Eine Entwicklung, die aber auch Opfer forderte: Die Fotolabore verschwanden nach und nach. „Es gab eine Zeit, in der nur mehr wenige Fotos auf Papier gebracht wurden. Diese eine Befürchtung ist eingetreten“, sagt Brischnik. Allerdings sei durch das Fotobuch eine neue Generation der Fotoverarbeitung geboren worden. „Vor etwa zehn Jahren ging das los. Zu den Vorreitern gehören mit Sicherheit die Firmen Lamprechter und Cewe.“ Schätzungen zufolge gehen heuer in

Technik von heute im Look von gestern Das Original Radio ORD7300 von Philips verbindet das Beste aus zwei Welten: Komfort und Leistung moderner Technologien – und das nostalgische Flair vergangener Zeit. Die neue Philetta ist ein kompaktes Radio mit UKW sowie DAB+ Empfänger und spielt, dank der harmonisch im Design eingefügten Dockingstation, auch Ihre Lieblings­musik vom iPhone oder iPad ab. Erleben und genießen Sie erstklassigen Sound, während Ihre Geräte gleichzeitig geladen werden. Das Original Radio bietet – nicht nur bei Nostalgie-Liebhabern – einen echten Blickfang in jedem Wohnraum.

© Redaktion

„Das wird eh nix.“ Diese Fehlprognose hörte Ringfoto-Chef Gerhard Brischnik Ende der 90er öfters. Die Sprache ist von Digitalkameras. Nicht alle haben den Sprung ins neue Zeitalter geschafft. Andere dafür umso erfolgreicher. Alexander Zechmeister


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tung‘ als emotionaler Wettbewerb eröffnet. Den Plattformbetreibern kann es nur recht sein, diese leiden ja nicht unter Spannenverlust, aber der Handel hat definitiv weniger Marge“, so Brischnik. Analog-Technik ist marktanteilsmäßig kaum noch sichtbar. „Voigtländer bietet noch immer eine Bessa III mit 6x7-Zentimeter Rollfilm an, hier gibt es einen überschaubaren aber konstanten Markt.“ 

Revolutionen nach der Camera Obscura • • • Foto-Fan Gerhard Brischnik zeigt dem Elektrojournal einen Teil seiner persönlichen Schätze

Österreich rund eine Million Fotobücher über die Ladentische, nach etwa 750.000 im Jahr 2011. Fotolabore waren also die großen Verlierer der digitalen Revolution. Für den Fotohandel hatte sie aber positive Seiten. Mehr Menschen denn je besitzen einen Fotoapparat. Die verkauften Stückzahlen bei Kameras und der Umsatz bewegten sich nach oben. Über neue Markteilnehmer wurde das Angebot breiter. Dazu kam, dass qualitative Objektive durch die digitale Technik zusätzlich an Bedeutung gewannen. Die digitale Fotografie gab dem Fotohandel neuen Schwung. Gleichzeitig wurde aber das Internetzeitalter ausgerufen. „Durch das Internet wurden neue Vertriebswege geöffnet, die eine rasche Preisanpassung möglich machten. Durch Preisvergleichsplattformen wurde der neue Sport ,Spannenvernich-

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1816: das erste Foto: Joseph Nicèphore Nièpce entdeckt die Fixierung eines Fotos auf Trägermaterial. 1888: Kodak bringt die erste Rollfilm-Kamera auf den Markt. 1913: Leica entwickelt den Kleinbildfilm, womit sich die Baugrößen der Kameras ändern. Viktor Hasselblad baut die erste 6x6 Spiegelreflexkamera. Rollei bringt die erste zweiäugige 6x6 Spiegelreflexkamera Rolleiflex. Leica und Zeiss produzieren die ersten Messsucher-Kameras im Kleinbildformat, Exakta die erste Kleinbild-Spiegelreflexkamera. 1959: Voigtländer präsentiert das erste Zoomobjektiv Zoomar. 1959: Nikon stellt mit der F die erste Spiegelreflexkamera mit Bajonettanschluss vor. In den 70er-Jahren stellt Olympus mit der OM 1 und OM 2 Serie Spiegelreflexkameras mit TTL Blitzmessung vor. 1978 bringt Canon die A1 auf den Markt, einer der Meilensteine bei Spiegelreflexkameras, bis heute noch im Einsatz. 1981: Sony stellt mit der Mavica die erste kommerzielle Digicam vor. 1985: Minolta bringt mit der 7000AF und 9000 AF die ersten Autofocus Spiegelreflexkameras auf den Markt. 2008: Olympus und Panasonic entwickeln den Micro-Four-ThirdsStandard. Panasonic bringt mit der Lumix DMC-G1 die erste spiegellose Systemkamera mit Wechselobjektiv.

Das Consumer Lifestyle-Team gratuliert dem Elektrojournal zum Jubiläum, bedankt sich für 85 gemeinsame Jahre und freut sich auf die weitere partnerschaftliche Zusammenarbeit.

Nicole Thiery, GF Philips Consumer Lifestyle

© Philips / Entgeltliche Einschaltung

Der beste Weg zum Wohlgefühl Philips ist ein Unternehmen mit einem vielfältigen Angebot an Produkten für Gesundheit und Wohlbefinden.

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ls weltweit führender Anbieter in den Bereichen Lifestyle, Lighting und Healthcare integriert Philips Technologien und Design-Trends in neue Lösungen, die auf die Bedürfnisse von Menschen zugeschnitten sind. Innovation ist Teil der Philips-DNA und fest in der Unternehmensvision verankert.

So werden am Standort Klagenfurt Produktneuheiten aus den Bereichen Haushalt, Körperpflege und Wohlbefinden für den Weltmarkt entwickelt. Aktuelle Beispiele: RéAura, das Lasergerät für ein jüngeres Hautbild, oder der gemeinsam mit Starkoch Jamie Oliver entwickelte HomeCooker.


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85 Jahre

G wie Glühlampe

Noch immer beliebte Leuchtmittel: Die Standard- und die Halogenglühlampe

Ade Glühbirne –

willkommen LED-Beleuchtung Die erste Edison-Lampe hatte noch einen Bambuskohlefaden mit 40 Stunden Brenndauer. Seitdem haben sich die Leuchtmittel stark weiterentwickelt – nicht nur bei Lichtqualität und Lebensdauer. Das „digitale“ Licht der LED ist nicht nur energieeffizienter und Wolfgang Sedlak bunter, sondern lässt sich auch leichter regeln.

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ie Edison-Lampe hat sich ab 1879 deshalb durchgesetzt, weil der geniale Erfinder auch ein komplettes System von Stromerzeugung, Verteilung, Schaltern und Sicherungen angeboten hat, sodass jedermann die Nutzung des elektrischen Lichts ermöglicht wurde. Elektrizität wurde ursprünglich als reiner Lichtspender betrachtet, die Elektrifizierung der Städte verzögerte sich auch aus Kostengründen. Dennoch – die Glühlampe hatte ihren Siegeszug angetreten und wurde ständig weiterentwickelt. Auch beim Sockel hat sich Edison verewigt. Das „E“ bei Schraubsockeln (E14, E27, usw.) steht für Edison.

Glühfäden aus Metall. Der österreichische Chemiker Auer von Welsbach (er erfand auch den Gas-Glühstrumpf für die Gasbeleuchtung) entwickelte ein Verfahren zur Herstellung von Glühfäden aus Osmium sowie Wolfram und war gleichzeitig Gründer von Osram. Glühlampen geben mit Farbtemperaturen von etwa 2300 bis 2900 K ein Licht ab, das deutlich gelb-rötlicher als das natürliche Tageslicht (5000 bis 7000 K) ist. Halogen-Glühlampen – mit Quarzglaskolben und Zugabe des Halogens Iod – haben Farbtemperaturen von 2800 bis 3100 K und eine Lebensdauer von 2000 bis 5000 Stunden. Gegenüber herkömmlichen Glühlampen haben sie ein weißeres Licht und Lichtausbeuten von 10-19,5 lm/W (herkömmliche Glühlampe 12-15 lm/W, Energiesparlampen 40-60 lm/W). Halogenlampen sind etwa 25 Prozent sparsamer als eine normale Glühlampe, sehr gute Modelle können aber auch 50 Prozent einsparen.

Kommerzieller Erfolg mit Leuchtstofflampen ab 1938. Schon 1926 wurde mit Leuchtstoffröhren experimentiert, die, dank höherem Innendruck und Leuchtstoffbeschichtung, die UV-Strahlung in sichtbares Licht umwandelt, gute Ergebnisse erzielten. General Electric nahm 1938 die erfolgreiche Serienproduktion auf. Die erste Energiesparlampe brachte Philips 1980 auf den Die Standard-Allgebrauchsglühlampe hat langsam aber sicher ausgeglüht. Modernere, effizientere Leuchtmittel haben die Nachfolge angetreten

Die langlebigste Glühbirne der Welt brennt seit 110 Jahren im kalifornischen Livermore in einer Feuerwehrwache


85 Jahre

Leuchtstofflampen in verschiedenen Ausführungsformen sind auch heute aus dem täglichen Leben nicht wegzudenken

© Christian Taube, APA, Gira, G-OLED, Jens Büttner, Picturedesk, Redaktion

Markt: die „SL-Lampe” mit 17 cm Länge, 7 cm Durchmesser und einem Gewicht von über 500 g. Nicht nur die Aufheizphase war um vieles länger als jene moderner Kompaktleuchtstofflampen, auch die Lichtausbeute war viel geringer. Mit der Einführung elektronischer Vorschaltgeräte verringerte sich die Größe und das Gewicht, gleichzeitig erhöhte sich der Lichtstrom und damit die Helligkeit. Trotz rund 80 Prozent Einsparung gegenüber Standardglühlampen haben sie den Durchbruch nicht wirklich geschafft. Der Einsatz von Quecksilber und das „kältere“ Licht – vor allem in der Frühzeit der Energiesparlampen – haben bei der Bevölkerung und den Medien zu einem emotional negativen Feedback geführt, das eigentlich für die letzten Generationen der Sparlampen gar nicht mehr stimmte.

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Mit dieser LED-Lampe hat Philips 2009 weltweit die erste Alternative zu einer 60-W-Glühlampe vorgestellt

Die LED – das digitale Licht – wird immer mehr zum Renner. Die Entwicklung der LED (lichtemittierende Diode) begann im 19. Jahrhundert mit der grundlegenden Entdeckung des deutschen Physikers Karl Ferdinand Braun, der Eigenschaften von Kristallen bei der Stromleitung. 1907 entdeckte der englische Forscher H.J. Round, dass anorganische Stoffe unter Einfluss einer Spannung Licht abstrahlen können. Der Russe Oleg Lossew entdeckte 1921 die Fähigkeit von Kristallen, „kaltes“ Licht abzugeben. Beide gelten als Erfinder der LED. Seit der Entwicklung der ersten – roten – LED 1962, wurde die Lichtausbeute ständig gesteigert. Hatten die ersten Exemplare nur 0,1 lm/Watt, so erreichen heute effiziente LED im Labor bereits an die 200 lm/Watt. Nachdem ursprünglich nur färbige LED (in den 1970ern grün, ab 1980er auch blau) erzeugt werden konnten, ist seit einigen Jahren auch hochwertiges weißes LED-Licht Standard geworden. Für eine weiße Leuchtdiode werden blau- oder auch UV-emittierende LED mit Lumineszenzfarbstoffen kombiniert und dabei langwelligeres, energieärmeres gelbes Licht abgegeben. Da nicht das gesamte blaue Licht umgewandelt wird, ergibt die resultierende additive Mischung der Spektralfarben das weiße Licht. Der Farbton der Weißlichtdiode ist über Wahl und Dosierung des Farbstoffes einstellbar. Großer Vorteil von LED-Leuchtmitteln ist die einfache Steuerung. So können sie nicht nur gedimmt werden, sondern sorgen auch dank einfacher Farbmischung mit ihrem bunten Licht für eine jederzeit angepasste Raumatmosphäre. Realität und gleichzeitig Zukunft: organische Leuchtdioden „OLED“. Das sind flächige Leuchtquellen, die aus leuchtenden, auf Glas oder Metallflächen aufgedampften Dünnschichtbauelementen aus organischen halbleitenden Materialien bestehen. Diese Schichten sind gerade so dick wie ein menschliches Haar. Die OLED-Technik war ursprünglich vorrangig für Bildschirme und Displays geeignet. Die Weiterentwicklung macht auch großflächige Raumbeleuchtungen möglich. Aufgrund der Materialeigenschaften können OLED auch als biegsame Bildschirme oder Lichtspender interessant werden. Auf der Light+Building 2012 waren schon Beispiele für OLED-Leuchten zu sehen, allerdings noch zu hohen Kosten. Der OLED steht eine große Zukunft mit völlig neuen Anwendungsgebieten bevor. So kann sie etwa stromlos durchsichtig sein, mit angelegter Spannung aber Licht abgeben. Trendforscher sehen schon Tapeten, die statt Lampen Räume beleuchten – auch der Fernseher könnte einmal eine hauchdünne Folie sein, die zusammengerollt in die Tasche passt. Zugleich wird viel weniger Energie verbraucht als heute. Was heute noch wie eine Szene aus einem Science-Fiction-Film klingt, könnte in einigen Jahren Realität werden. 

OLED-Leuchte: Elegantes Design, aber noch sehr teuer

OLED können stromlos durchsichtig sein, mit angelegter Spannung aber Licht abgeben. Biegsame OLED sind keine Science-fiction mehr

Mit der „SL“ brachte Philips die erste Sparlampe auf den Markt. Mittlerweile ist das Angebot unübersehbar geworden


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85 Jahre

H wie Hausgeräte „Made in Austria”

Hausgeräte-Produktion in Österreich

Heimat warst du großer Marken Aufbruchsstimmung war angesagt. Mit Mut und Pioniergeist stampften visionäre Er­ finder vor und nach den Weltkriegen Unternehmen aus dem Boden, die noch immer über klingende Namen in der Hausgeräte-Branche verfügen. Rot-Weiß-Rot sind heute aber oft nur noch die Wurzeln, produziert und entschieden wird schon längst international. Christian Lanner

W

Bereits 1893 präsentierte der Vorarlberger Friedrich Wilhelm Schindler die erste voll elektrifizierte Küche auf der Weltausstellung in Chicago. Dafür sollte er dann auch die Goldmedaille einheimsen. Der Firmen­ gründer von Elektra Bregenz starb im Jahr 1920

er „Made in Austria“ sagt und dabei Hausgeräte meint, kommt an zwei Namen nicht vorbei: Elektra Bregenz und Eudora, die großen alten Damen heimischer Provenienz. Beide Marken gibt’s noch, und beide haben Himmel und Hölle hinter sich – Höhenflüge, Eigentümerwechsel, Konkurse. Überdauert haben die Namen und mit ihnen die Erinnerungen, als hierzulande noch Waschmaschinen oder Elektroherde diversester Marken vom Band liefen. Inzwischen sind die Produktionen fast vollständig ins nahe oder fernere Ausland verlagert, viele Marke in Vergessenheit geraten oder aus der WW-Branche ausgestiegen. Nur einzelne Ausnahmen bestätigen die Regel. In Lienz fertigt Liebherr beispielsweise immer noch seine hochwertigen Kühlgeräte, allerdings für Gewerbe. Dabei hatte im Jahr 1893 alles so

erfolgreich begonnen. Ein gewisser Friedrich Wilhelm Schindler (1856-1920) konnte auf der Weltausstellung in Chicago (USA) eine Goldmedaille für die Präsentation der ersten voll elektrifizierten Küche einheimsen. 1898 sollte derselbe Schindler im idyllischen Vorarlberger Ort Kennelbach nahe Bregenz sein Unternehmen gründen. Bereits um die Jahrhundertwende wurden im Verkaufskatalog mehr als 2.000 verschiedene Produkte gelistet. Unter der Bezeichnung Elektra gab’s handgefertigte elektrische Tauchsieder, Heißwasserbereiter, Bügeleisen für Haushalt und Gewerbe, Elektroheizgeräte, Toaster, Fußwärmer, Kaffeemaschinen und vieles mehr zu erstehen. Jäh unterbrochen wurde die Erfolgsgeschichte durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, von dessen Folgen man sich aber relativ rasch erholte. Schon 1948 brachte Elektra Bregenz den ersten Elektroherd mit thermostatischer Temperaturregelung des Backrohrs auf den Markt, 1950 wurde mit der Produktion von Kühlschränken begonnen. Selbst als 1955 das Werk in Kennelbach durch einen Großbrand vollständig vernichtet wurde, steckten die Vorarlberger ihre Köpfe nicht in den Sand. 1965 endet dann die ursprünglich österreichische Geschichte – Elektra Bregenz wird Tochter des Schweizer Brown BoveriKonzerns. Der folgende Know-how-Transfer führt unter anderem zur Entwicklung und Produktion von Solarspeichern sowie zur Aufnahme eines Unterhaltungselektronik-Programms 1977. 1980 wird man Mitglied der deutschen BlombergGruppe, die wiederum 1992 vom EL.FI.-Konzern gekauft wird. Davor (1985) sollte man aber selbst die TIROLIA-Werke in Schwaz übernehmen, ebendort die erste Mikrowellengeräte-Produktion einrichten (1987) und 1989 die gesamte Produktion am Standort Schwaz konzentrieren. 1993 wird Elektra Bregenz von der zur EL.FI.-Gruppe gehörenden TEM Thomson Electromenager SA übernommen, welche sich selbst 1995 zur Groupe Brandt umfirmiert. 2002 muss die Groupe Brandt (gemeinsam mit Moulinex) in die Insolvenz, weswegen Elektra Bregenz an die türkische Arcelik verkauft wird. Diese stellt schließlich 2003 die Produktion in Österreich komplett ein.

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85 Jahre

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Das waren halt noch Öfen. Bereits 1948 brachte Elektra Bregenz den ersten Elektroherd mit thermostatischer Temperaturregelung des Backrohrs auf den Markt (links)

© Elektra Bregenz, Eudora, Wikipedia

Nach einer mit Festbrennstoffen beheizten Waschmaschine stellte Eudora 1951 auch elektrisch beheizte Geräte vor (Mitte & rechts)

Ein Lied von Höhenflügen und Konkursen kann auch Eudora singen. 1935 in Wien gegründet hatte man anfangs schon so gar nichts mit blütenweißer Wäsche am Hut – man produzierte Jauchepumpen. Der Wechsel von der „braunen“ zur Weißen Ware erfolgte erst im Jahr 1947, mit der Vorstellung der ersten Holzbottich-Waschmaschine. Entwickelt von Firmengründer Karl Steininger übernahm Eudora eine technologische Führungsrolle, die sich 1950 durch die erste – mit Festbrennstoffen(!) – beheizte Trommelwaschmaschine festigen sollte. 1951 folgte die erste elektrisch beheizte Maschine, die zudem einer der ersten Frontlader in Europa war. 20 Mitarbeiter produzierten damals (inzwischen nach Wels übersiedelt) zwei Geräte pro Woche. Drei Jahre später wurde das Modell von der Verwendung von Seifen- auf Phosphatwaschmittel umgestellt. Ergänzend wurden statt verzinkten Trommeln und Behältern diese Komponenten aus Chromnickelstahl hergestellt. Mitte der 60er-Jahre stellte Eudora seinen ersten Waschvollautomaten vor, der zahlreiche Käufer durch seine geringen Außenmaße und ein damals nicht gekanntes Fassungsvermögen von drei Litern überzeugte. Einst ein Rekord: Ein Waschdurchlauf dauerte lediglich 72 Minuten. Motiviert durch die große Nachfrage dehnte das Unternehmen sein Sortiment im Jahre 1967 auf Geschirrspüler aus. 1971 begann man seine Produkte unter dem Markennamen EUMENIA zu exportieren. Richtungsweisende Waschautomaten wie die teilweise heute noch bestens bekannten Supernova (1988) und Babynova (1989) sollten folgen – und sind

übrigens bis heute im Kernsortiment. Eine Stärke von Eudora waren übrigens schon immer Waschmaschinen mit besonders kleinen Ausmaßen. Bereits in den 60ern produzierte man Geräte mit 2,5 bis 4 Kilogramm Beladungsmenge. Trotz aller Innovationen schlitterte das Welser Unternehmen im Februar 2003 in die Pleite, woraufhin man von der Schweizer Kenwood Schumpf AG vorm endgültigen Aus gerettet wurde – nicht so die Produktion in Wels. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei Eurotech HB Hausgeräte landetet Eudora 2005 schließlich beim italienischen Hausgeräte-Hersteller Antonio Merloni S.p.A.. Interessantes Detail am Rande: Zur gleichen Zeit wurde Ex-Eigentümer Kenwood Schumpf von De’Longhi übernommen. 2008 geriet die Antonio Merloni in wirtschaftliche Turbulenzen, weswegen man unters Kuratel des italienischen Staates gestellt wurde. Der Eudora-Vertrieb

1898 gründete Schindler Elektra Bregenz in Kennelbach bei Bregenz. Bereits zwei Jahre später umfasste der Produktkatalog rund 2.000 Artikel

wurde derweilen (2010) von der ADL Dienstleistung & Systemvertrieb f. Elektrogeräte GmbH Wien übernommen, die Marke selbst gehört der Schweizer i3S AG. Produziert wird zwischenzeitlich in Tschechien (die Firma R-Fin in Fulnek hat nach der Schließung in Wels die Werkzeuge für die Herstellung der kleinen Waschmaschinen erworben) und von der Firma Asko in Slowenien. 

Schau. Trau. ELIN

1951 produzierten 20 Eudora-Mitarbeiter zwei Waschmaschinen pro Woche

Elin wurde im Jahr 1892 in Weiz gegründet, kümmerte sich aber vorerst hauptsächlich um elektrische Maschinen wie Gleichstrom-, Nebenschluss- und Vernickelungsdynamos sowie Werkzeuge. Ende der 20er-Jahre begann man mit der Produktion von Haushaltsgeräten, 1929 rollten die ersten Elektroherde vom Band. In den 60er-Jahren wurde das Sortiment um Warmwasserspeicher, Kühlgeräte und Waschvollautomaten erweitert – in den 80ern stieg man in die Fernseh- und Mobiltelefonproduktion ein. Heute sind die Haushaltsgeräte von Elin vorwiegend beim Lebensmitteldiskonter Hofer zu finden.


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85 Jahre

I wie Installation

Ist vor allem in Wiener Häusern aus der Gründerzeit noch zu finden: Aufputzinstallation mit verdrillten stoff­ isolierten Leitungen und Keramikträgern

Elektroinstallation

Die „gute“ alte Zeit V

or allem ältere Menschen schwärmen immer wieder von der guten alten Zeit. Vergleicht man jedoch Elektroinstallationen von anno dazumal mit modernen elektrischen Anlagen relativiert sich dieser Ausspruch. Er mag zwar für vieles andere gelten, nicht jedoch, wenn es um die segensreiche Nutzung des elektrischen Stroms geht.

Von der Aufputzverlegung bis zur modernen komfortablen Bus-Installation: Aus Platzgründen kann hier natürlich nicht die gesamte Entwicklung der Elektroinstallation bis heute wiedergegeben werden, sondern nur punktuell etwa auf folgendes interessante Thema eingegangen werden. So wird etwa die Schutzmaßnahme

„Nullung“ auf Vorschlag von AEG schon 1913 beschrieben, 1924 wird sie in den damaligen Vorläufern der VDE 0100 genannt. 1930 wurde der Nullleiter definiert und der Begriff „besondere Nullungsleitung“ (Vorläufer des heutigen Schutzleiters) angewandt. Für den Anschluss ortsveränderlicher Betriebsmittel wurde „eine besondere Steckvorrichtung mit Schutzkontakt“ verlangt: der SchukoStecker, der bereits 1926 patentiert wurde. Im Laufe der Entwicklung der Elektroinstallation wurden immer mehr Anforderungen an Flexibilität und Komfort gestellt. Gleichzeitig sollte der Energiebedarf minimiert werden. Bereits Mitte der 80er-Jahre überlegten deutsche Hersteller, wie Bustechnologien in der elektrischen Hausinstallation angewendet werden können. Führende Marken haben sich 1990 zum EIB (Europäischer Installationsbus) zusammengeschlossen, um dem vorhandenen Markt einen einheitlichen Standard anzubieten. Durch Zusammenschluss mit zwei weiteren Bus-Technologien entstand 1999 die KNX-Association, deren technische Spezifikation Ende 2003 in die europäische Norm EN 50090 übernommen und diese Ende 2006 als internationale Norm ISO/IEC 14543-3 akzeptiert wurde. Diesem offenen KNX-Standard haben sich mittlerweile 301 Unternehmen aus 33 Ländern angeschlossen. Im hochwertigen Wohnhaus-, Büro- und Industriebau ist KNX heute nicht mehr wegzudenken. 

© Gira, Redaktion, Eaton

Auf der Pariser Weltausstellung 1900 wurde erstmals eindrucksvoll die Bedeutung der Elektrotechnik hervorgehoben. Ging es damals vorrangig um Stromübertragung, Elektromotoren und Beleuchtung, so sorgt mittlerweile die moderne Elektroinstallation für Komfort, Sicherheit und Energieeffizienz. WolfGang Sedlak


85 Jahre

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1957: Eine Besonderheit von Gira – die praktische Schalter-SteckdosenKombination

Schon 1938 gab es ein wasserdichtes Unterputz-Schalterprogramm

Waren Anfang der 60er zu finden: sogenannte In-Putz-Schalter und Steckdosen

Solche Zugschalter waren früher einmal in Badezimmern vorgeschrieben

Fast schon aus der Neuzeit, aber immer noch nicht so sicher wie moderne Anlagen: Schraub­ sicherungen und FI-Schalter

Schon lange verboten, aber immer noch zu finden: die praktische Dreifachdose

Der Vorgänger der heutigen modernen Rohrverlegung: das Bergmannrohr mit Papiermasse und gefalztem Blechrohr

Dieser Sicherungskasten in einem Wiener Zinshaus war noch bis 2008 im Betrieb

Als Kontrast: moderner digitaler FI-Schalter mit visueller Anzeige der Schaltzustände und akustischer Meldung im Fehlerfall

Fast schon moderne Verteilerdose in einem Gründerzeithaus um 1900

Ziemlich modern? Sicherungsautomaten aus den 60er-Jahren. Ob der FI-Schalter in 4 m Höhe wirklich monatlich geprüft wird?


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J wie Japan Die fetten Jahre sind vorbei. Japans Elektroindustrie befindet sich nach dem rasanten Aufstieg in einer ernsthaften Krise

Nippon fährt Achterbahn Japans Elektroindustrie steht für Japans Aufstieg nach dem Zweiten Weltkrieg. Machten die Konzerne in den 70ern und 80ern noch alles richtig, wurden sie später träge, züchteten teils ihre Konkurrenz selbst. Jetzt zahlen sie die Rechnung. Neue Strategien sind gefragt, damit im Land der aufgehenden Sonne selbige nicht untergeht.  Alexander Zechmeister

Z

wei Millionen Menschen starben, die Atombomben-Abwürfe auf Hiroshima und Nagasaki kennzeichnen das Ende des Zweiten Weltkrieges. Von der japanischen Industrie blieb nicht viel übrig, allenfalls Trümmer. Der neue Premierminister Shigeru Yoshida ist es, der nach dem verheerenden Krieg Japan in neue Zeiten führen soll. Er setzte auf den Wiederaufbau der Schwerindustrie. Ein richtiger Schritt. Bereits Anfang der 50er-Jahre wurde das Vorkriegsniveau erreicht, beschleunigt durch die Arbeitsmoral und das hohe Bildungsniveau. Dazu investierte Japans Regierung in wenige große Konzerne, die zusätzlich von einer unternehmerfreundlichen Steuerpolitik profitierten. Und dass die USA ihre Nachschubs- und Versorgungsgüter für Korea- und Vietnamkrieg in Japan produzieren ließen, spülte frisches Kapital in die Wirtschaftskassen.

Sinnbild für Nippons Aufstieg ist die Auto- und Elektronikindustrie. Zweitere kommt in den 70er- und 80er-Jahren richtig in Fahrt. Es waren goldene Zeiten. Sony, Panasonic, Sharp und Co. dominierten den Markt, waren innovativ, trafen ständig den Zahn der Zeit. Sony erfand in den 50ern das erste TransistorRadio, 1960 kam der erste Fernseher mit Transistoren. 1979 brachte Sony den ersten Walkman auf den Markt. Zwar gab’s schon ein ähnliches Produkt-Patent zu der Zeit, den Siegeszug rund um den Globus verdankt der kleine KassettenRecorder dem japanischen Konzern. Gemeinsam mit Philips entwickelte Sony 1983 die CD. Panasonic ging mit den Entwicklungen rund um die VHSVideotechnologie Anfang der 80er in die Geschichte ein. VHS setzte sich gegen die Formate Betamax und Video 2000 durch. Was die Kamerabranche angeht, fegten Nikon, Canon und Co. die europäische Konkurrenz sowieso vom Markt. Heute sind die goldenen Zeiten vorbei. Die südkoreanischen Riesen sind vorbeigezogen – auch dank Japans Know-how. Die japanische und koreanische Ökonomie

„Jetzt ist die Zeit, etwas zu ändern“, mahnte Anfang April der damals noch brandneue Sony-Chef Kazuo Hirai. Es waren nicht nur die schrecklichen Katastrophen in Japan und Thailand. Ihre Vormachtstellung verloren die Konzerne aus dem Land der aufgehenden Sonne bereits zuvor. Sie haben sich auf ihren Lorbeeren, auf ihrem technischen Vorsprung ausgeruht. Die Zahlen lügen nicht. Panasonic, Sony, Sharp und viele andere aus der Riege der japanischen Elektrokonzerne schreiben tiefrot an. Vor allem das einst blühende Fernsehergeschäft läuft schief. Es werden Strategien entwickelt, Sparkurse erarbeitet, Kooperationen untereinander geschlossen. Die Köpfe rauchen, damit im Land der aufgehenden Sonne die Sonne nicht noch untergeht ... 

© Thinkstock

Aufstieg und Fall der japanischen Elektroindustrie

sind strukturell sehr ähnlich. Das ist freilich kein Zufall. Südkoreas Wirtschaft ist teils vom japanischen Gedankengut der Kolonialperiode von 1910 bis 1945 geprägt, was sich auch im Wiederaufbau nach dem Krieg zeigt, wie Patrick Köllner vom GIGA Institut für Asien-Studien weiß. Er publizierte eine Studie zu Japans Technologietransfer nach Südkorea. Die Wirtschaftsplaner Südkoreas nutzten von Anfang der 60er-Jahre bis vor nicht allzu langer Zeit das japanische Entwicklungsmodell als Vorbild für die eigene Wirtschaftsstrategie. Dafür wurde auch ein rninisterieller Apparat nach japanischem Muster entworfen, was nur selten eingestanden wird. Dazu kommt die Kostensituation: Südkorea und Taiwan waren Auffangbecken für japanische Industriezweige, die aus Kostengründen ausgelagert wurden. Unterm Strich lieferte Japan Kapital, Technologie und Know-how, half mit, eine enorm starke Konkurrenz an einem kostengünstigeren Produktions-Standort zu züchten. Dass derzeit die südkoreanischen Riesen Samsung und LG deutlich besser dastehen, als Japans einstige Vorzeige-Konzerne, ist kein Geheimnis. Und dann macht auch noch die chinesische Billig-Konkurrenz Kopfzerbrechen, freilich auch den Südkoreanern. Chinas Preisdumping bekamen die Weltkonzerne bislang nicht in den Griff.


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Firmenporträt

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Miele: Ein Partner mit Mehrwert für den Elektrofachhandel Unterstützt durch den Mehrwert der Marke Miele – Qualität der Produkte und Dienst­leistungen, Technologieführerschaft, Topservice und Image – kann sich der Elektro­fachhandel als Anbieter hochwertiger Hausgeräte positionieren.

Qualität der Produkte und umfangreiches Sortiment. Die hohe Produktqualität ist Garant für die Zufriedenheit der Kunden – dies zeigt die hohe Wiederkaufsrate. Die Treue zur Marke reicht oftmals über Generationen.

Flächendeckender Kundendienst. 170 Miele Servicetech­ niker garantieren flächendeckend optimale Lösungen für alle Kundendienstfälle – bis zur professionellen Inbetriebnahme der Geräte. Diesen hohen Standard bietet ausschließlich Miele. Hinausverkaufsunterstützung. Der Miele Außendienst informiert und unterstützt mit diversen Hinausverkaufs-Aktivitäten, wie z. B. hochwertige Sondermodelle der verschiedenen Produktgruppen mit attraktiver Zusatzausstattung.

Martin Melzer, Geschäftsführer Miele Österreich: „Das Elektrojournal ist dabei eine unverzichtbare Plattform für Industrie und Handel, greift Branchen-Themen auf, informiert und berichtet über aktuelle Trends. Wir gratulieren herzlich zum Jubiläum!“

z. B.: 3D-Besteckschublade, Schontrommel, Wäschetrockner mit Duft.

Miele Galerien zum Erleben der Markenwelt. Der Fachhan-

del hat zudem die Möglichkeit, seine Kunden auch in den exklusiven Miele Galerien umfassend beraten zu lassen. In den exklusiven Showrooms wird die gesamte Bandbreite der Produkte, von den hygienisch saugenden Staubsaugern über exklusive Küchengeräte bis hin zu den neuesten Waschautomaten und Wäschetrocknern USPs / Innovationen als Verkaufsargumentation. Miele präsentiert. Hochwertig, elegant und emotional, stets auf individuelle entwickelt als innovatives Unternehmen viele neue ProdukteigenKundenbedürfnisse abgestimmt und gepaart mit professioneller schaften und Vorteile, die durch langjährige Forschung und nicht Beratung durch bestens geschulte MitarbeiterInnen. So werden dem zuletzt auch durch das wichtige Feedback der Kunden entstehen und interessierten Besucher die neuesten Innovationen und Technologien INS_Besteckschublade_EJournal_210x140:Layout 1 16.11.2012 8:18 Uhr Seite 1 für den Konsumenten entscheidenden Nutzen bringen sollen, wie vorgeführt und näher gebracht. 

Die Branche kennt man. Jubiläen feiert man. Elektrojournal liest man. Miele wünscht dem Elektrojournal alles Gute zum 85. Geburtstag!

www.miele.at


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K wie Küchenhandel

Küchenhandel

Wahnsinn, wie viel sich verändert hat! Matthäus Unterberger blickt auf vier Jahrzehnte Küchenhandel. 

REINHARD EBNER

S

Der Mann hat in der Küchenbranche bereits auf allen Seiten an vorderster Front gewerkt. Fast hat man den Eindruck, Unterberger habe sich generalstabsmäßig auf seinen heutigen Job vorbereitet. Begonnen hat der MHK-Chef 1969 als Küchenplaner beim Bad Ischler Küchenstudio Loidhammer. Es war die Zeit, als sich die ersten Küchenstudios in Österreich etablierten. Den Loidhammer gibt’s immer noch, er ist mittlerweile – wie könnte es anders sein – Mitglied im MHK. „Ich habe damals Küchen für Hotels, Gaststätten, aber auch Haushalte geplant“, so Unterberger. „Heute komme ich gelegentlich noch in befreundete Haushalte, deren Küche von mir stammt.“ Nachdem er das Handwerk von der Pike auf gelernt und sich dabei stetig weitergebildet hatte, wechselte Unterberger Anfang der 80er zu EWE, wo er für die nächsten zehn Jahre blieb. Damals machte der oberösterreichische Küchenhersteller die ersten Expansionsschritte. „Im Außendienst habe ich Bayern als Verkaufsgebiet aufgebaut, 1984 übernahm ich die Verkaufsleitung.“ Es folgten zwei Jahre Möbelhandel bei Technodat, einem Anbieter von 3D-Planungs-Software. „Ich war für Marketing in Schlaglichtern und Vertrieb zuständig, hatte aber auch eine Art Moderator-Funktion, um den In den Jahrzehnten nach dem wirtschaftlichen Aufschwung der 50er Software-Entwicklern die Bedürfnisse der Küchenbranche zu vermitteln.“ nahmen Möbelhandel und -industrie nach einer ersten „Möbelwelle“ Eine Tätigkeit, die dem Manager aus persönlichen Interessen nahelag: eine recht stabile Entwicklung. Erst die 70er führten durch stagnierende „Ich hatte schon zu EWE-Zeiten privat einen Computer. Der war zwar Absätze zu verschärftem Konkurrenzdruck. Auf Bundesländer-Ebene setzten nur eine bessere Schreibmaschine, hat aber 50.000 Schilling gekostet.“ sich größere Möbelhäuser durch, die oftmals auf der Grünen Wiese zu finden Schließlich wurde Technodat vom MHK gekauft, Unterbergers waren: Leiner in Nieder-, Braunsberger in Oberösterreich, Schwaiger in Salzburg, heutigem Arbeitgeber. Er selbst wechselte zum VKG, der sehr Ehrenhöfler im Burgenland usw. 1977 heizte der Markteintritt Ikeas den Wettbewerb viel später ebenfalls im MHK aufging. Nicht die erste aktive an, es kam zu Flächenexpansion und Preisschlachten. In der Folge verschwand das Erfahrung Unterbergers mit der Thematik des Händlerverbunds: mittlere Segment vom Markt, der kleinere Fachhandel organisierte sich ab den 70ern „Schon in meiner Zeit bei der Küchenindustrie haben wir EWE in Verbänden. Zwischen 1997 und 2002 wurden fünf führende Möbelhäuser übernomAktiv als Händlerclub aus der Taufe gehoben.“ Die Zeit war men (Braunsberger, Ehrenhöfler, Gröbl, Sonnleitner, Thurnwalder), seitdem teilen sich damals leider noch nicht reif für diese Form einer vertikalen die „Großen Drei“ (XXXLutz, Kika-Leiner und Ikea) drei Viertel des Möbelgeschäfts. Kooperation. Der Ansatz: Kleinen und mittleren Händler sollte

© Redaktion, Leiner, Michelfeit, Thinkstock

pezialisierung und Konzentration – das waren die großen Trends im Möbelhandel während der vergangenen Jahrzehnte: Auftauchen der Küchenstudios, Siegeszug der Großflächen, Etablierung der Kooperationen auf Fachhandels-Seite. Einer, der diese Entwicklungen in mehr als 40 Jahren miterlebt und aktiv mitgestaltet hat, ist Matthäus Unterberger, heute Geschäftsführer von MHK Österreich.


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Michelfeit war nicht nur hierzulande ein klingender Name. 1998 übernahm Leiner die sieben Standorte in Österreich und zwei in Ungarn

So sah das St. Pöltener Leiner-Stammhaus im Jahr 1957 aus. Gegründet wurde der Betrieb als Teppichhandel bereits 1910

neben der Belieferung mit Produkten auch Unterstützung im Marketing geboten werden.

„Händler wie Michelfeit oder Gröbl Möbl waren mal BranchenInstitutionen, heute gibt’s die alle nicht mehr.“ Matthäus Unterberger, MHK

Die Geburtsstunde der österreichischen Einkaufsverbände fällt auf den Anfang der 70er-Jahre, mit Die Küche gab’s zu der Zeit sogar schon den ersten Spezialverband für Küchenstudios. „Der ist später durch internen Streit und die Profilierungssucht einiger Akteure wieder zerbrochen“, erinnert sich Unterberger. Früh aktiv wurden auch Verbände wie IFÖM oder ÖMGE. Letzterer ging später im Garant auf, 1986 kam Der Kreis nach Österreich. „Die Aufregung, dass da auf einmal deutsche Verbände reinkommen, war groß.“ Nach einem Bereinigungs- und Konzentrationsprozess ist’s das übliche Bild in der Kooperationsszene. Ähnliches spielte sich bei den Großflächen ab. „Ein Wahnsinn, wie viel sich hier geändert hat!“, denkt der MHK-Manager zurück. „Händler wie der Michelfeit, der Braunsberger, Gröbl Möbl oder Bühl in Krems waren mal BranchenInstitutionen, heute gibt’s die alle nicht mehr.“ Andere hingegen konnten sich halten: „Viele Hersteller haben den Rutar vernachlässigt, und es gibt ihn immer noch.“ Auch das Match Leiner versus Lutz fand einst unter anderen Vorzeichen statt: „Der Leiner war viel weiter vorn. Der Lutz wurde von Teilen der Industrie nicht mal beliefert, weil’s für die nicht mehr als ein Rumpelladen war. In der 90ern haben sie aber dann richtig losgelegt.“ Teile des Kika-Leiner-Managements wechselten zu Lutz, wodurch der Konkurrenzkampf eine persönliche Note bekam. Heute ist XXXLutz die Nummer zwei des globalen Möbelhandels. Gerade die Möbler-Großflächen stehen für Unterberger aber am stärksten unter Druck. „Online-Spezialisten wie Home24 werden die Großen vor sich hertreiben. Das Möbelgeschäft ist zwar komplex und von der Logistik her nicht so einfach zu bewältigen. Je einfacher aber die Teile sind, umso höher wird der Anteil des Online-Geschäfts sein. Wer dagegen Qualität und Full Service sucht, geht zum Fachhändler.“ Das Konsumverhalten sei im Wandel, Individualisierung und persönliche Beziehungen stehen hoch im Kurs. Zu deutlichen Verschiebungen kam’s in der Lieferantenszene, die – damit hat die Küchenbranche eine recht einzigartige Stellung – immer noch weitgehend von der österreichischen Industrie bestimmt wird. Unterberger: „Ich kann mich an Zeiten erinnern, als Regina die Nummer eins war, gefolgt von Mirabella und FM. Dan und EWE waren zu der Zeit im Grunde noch kleinere Tischlereien. Dann kamen junge, frische und erfolgshungrige Manager, die die saturierten Familien-Clans regelrecht weggefegt haben.“

Für den MHK-Geschäftsführer schließt sich der Kreis: Er hat seine aktive Berufslaufbahn vor mehr als 40 Jahren auf Seite der Küchenspezialisten begonnen und wird sie dort in einigen Jahren beenden. Mit dem Mitte des kommenden Jahres erfolgenden Einstieg in den Internethandel stellt er schon mal die Weichen für die Zukunft. Entsprechend der Positionierung des MHK spricht der MHKshop.com den ConvenienceKunden und nicht den Schnäppchenjäger an. Verstärkt wurde das Team in der Bad Ischler Zentrale durch den vom AWS kommenden Clemens Frauscher als Controller. „Wir können Mitgliedern dadurch ein komplettes Paket vom Business-Plan bis zum Bankengespräch bieten. Gerade für die Zukunft wird dies wichtig, da viele Betriebe zur Übergabe anstehen.“ 

Matthäus Unterberger, MHK blättert für uns in den Annalen des Küchen- und Möbelhandels


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L wie Lebensretter

FI-Schalter: Schützt Menschen und hilft auch beim Brandschutz

Der Lebensretter aus Österreich Die Geschichte der Sicherheit von elektrischen Installationen ist untrennbar mit dem Namen Biegelmeier verbunden. Prof. Dr. Gottfried Biegelmeier entwickelte Mitte der 50er Jahre bei Felten & Guilleaume (jetzt Eaton) im Waldviertel den modernen Fehlerstrom-Schutzschalter, der heutzutage zum Schutz von Menschen vor elektrischen Schlägen nicht mehr wegzudenken ist. Wolfgang Sedlak Am eigenen Körper führte Gottfried Biegelmeier Selbstversuche zur Ermittlung der Körperimpedanzen lebender Menschen mit Berührungsspannungen bis 200 V durch

Vom Fehlerspannungs (FU)- zum Fehlerstrom (FI)-Schalter: In der Anfangszeit der elektrischen Energieversorgung kam es immer wieder zu lebensgefährlichen Stromunfällen, die viel zu oft mit dem Tod endeten. Unter dem Titel „Sicherheitsschaltung für feuchte Räume“ veröffentlichte der Deutsche Otto Heinisch erste Überlegungen zu diesem Problem. Erste FU-Schalter wurden 1924 vorgestellt. Schon 1903 wurde das erste Patent für einen FI-Schalter unter der Bezeichnung „Summenstromschaltung zur Erdschlusserfassung“ von Schuckert erteilt. 1928 gab es ein Patent für den Schutz beim direkten Berühren aktiver Teile einer Niederspannungsanlage – das Prinzip des Differentialschutzes mit einer Erfassung des Fehlerstroms durch einen Ringstromwandler nutzend.

1957: Biegelmeier gelingt der Durchbruch mit der Energiespeicherschaltung.

hne elektrischen Strom wäre unsere moderne Welt gar nicht mehr denkbar. „Strom kommt aus der Steckdose“ wird heutzutage ganz selbstverständlich angenommen. Dass unsichere Elektroinstallationen lebensgefährlich sein können, wird von elektrotechnischen Laien kaum mehr wahr genommen. Dank Fehlerstrom-Schutzschalter passieren kaum mehr Strom-Unfälle und auch elektrisch gezündete Brände werden weniger. Für seinen FI-Schalter mit der sogenannten Energiespeicherschaltung bzw. Impulsauslösung erhielt Gottfried Biegelmeier das Österreichische Patent

Unterschiedliche Bauarten und Typen. Der G-Schalter nach der Gerätenorm ÖVE/ÖNORM 8601 minimiert durch höhere Stoßstromfestigkeit und Kurzschlussverzögerung Fehlauslösungen. Die Verwendung der Bauart S (selektiv) wird in der ÖVE/ÖNORM 8001-1 Abschitt 12. geregelt. Er muss innerhalb eine Auslöseverzögerung von 40 ms vorweisen und bei fünffachen I∆n innerhalb von 150 ms auslösen. Zusätzlich muss er eine Stoßstromfestigung von 5 kA (8/20 µs) aufweisen. Die Typen AC, A und B sind in der Norm IEC/EN 61008 definiert. Der wechselstromsensitive Typ AC wird in Österreich standardmäßig eingesetzt. Er stellt die Auslösung

© Mörx, diam-consult, Archiv, Eaton

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Den Durchbruch in der Anwendung von Schutzschaltern brachte der von Gottfried Biegelmeier (1924-2007) – er war damals als Entwicklungsleiter bei Felten&Guilleaume in Schrems tätig – entwickelte FI-Schalter mit der Energiespeicherschaltung oder Impulsauslösung. Damit gelang dem Waldviertler Unternehmen, den ersten hochempfindlichen, netzspannungsunabhängigen FI-Schutzschalter serienmäßig zu bauen. 1980 wurden diese auch in Privathaushalten gesetzlich vorgeschrieben, wobei die Auslöse-Stromstärke schrittweise von ursprünglich 100 mA auf 70, 65 und 30 mA herabgesetzt wurde. Anfang der 80er-Jahre kamen die ersten stroßstromfesten FI-Schalter und 1987 die ersten kurzzeitverzögerten FI-Schalter (G-FISchutzschalter) auf den Markt.


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dort eingesetzt, wo Fehlerströme vom Typ A nicht mehr wahrgenommen werden können.

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1949 wurde dieser Fehler­ spannungs (FU)-Schalter bei Felten&Guilleaume (F&G)/ Schrems im Waldviertel gebaut

Weiterentwicklung bis heute.

Das kaskadenförmige Dreifach-Schutzkonzept gegen gefährliche Berührungsströme minimiert stufenweise das Restrisiko bei der Stromanwendung

bei sinusförmigen Wechselstromfehlerströmen, die plötzlich oder langsam ansteigend auftreten, sicher. Der pulsstromsensitive Typ A löst sicher bei sinusförmigen Wechsel- und Gleichfehlerströmen, die plötzlich oder langsam ansteigend auftreten, aus. Er ist vor allem bei Betriebsmitteln mit eventuellen Gleichstromanteilen im Fehlerfall – etwa bei Waschmaschinen oder Elektronik – gefragt bzw. auch von vielen Geräteherstellern vorgeschrieben. Der allstromsensitive Typ B wird

Mittlerweile wurde z. B. der Hauptschalter entwickelt, der von der Optik und vom Prinzip her dem FI-Schalter ähnelt. Er reagiert aber mit einer Verzögerung von 200 ms und verhindert elektrisch gezündete Brände. 2010 hat Moeller (vormals F&G, jetzt Eaton) den neuen digitalen Schutzschalter vorgestellt, der für höchstmögliche Anlagenverfügbarkeit sorgt. Er arbeitet äußerst präzise und überwacht kontinuierlich das Gesamtsystem. Mit seinem Ampelsystem signalisiert er unterschiedliche Anlagenzustände. Noch bevor die Anlage stillsteht, kann so adäquater Rat eingeholt oder fachmännisch gegengesteuert werden. Gewitter oder andere temporär auftretende Störungen lassen den digitalen Schutzschalter, dank netzspannungsunabhängiger Typ „G” Kurzzeitverzögerung und optimierter Auslöseschwelle, unbeeinflusst. Der digitale FI prüft permanent den Ist-Zustand oder mögliche Fehler und visualisiert dies via dreier LEDs: Wenn sich der Stromfluss in der Anlage gegen Erde im Bereich von 0 bis 30 Prozent des Nennfehlerstroms bewegt, signalisiert eine grüne LED den ordnungsgemäßen Zustand. Eine gelbe LED zeigt einen Differenzstrom im Bereich von

Mit diesem FI-Schalter von F&G begann 1958 die Serien­fertigung eines hoch­empfindlichen, netz­ spannungsunabhängigen Schutzschalters. Er hatte einen Auslösestrom von 35 mA

30 bis 50 Prozent des Nennfehlerstromes an und visualisiert so, dass der FI sich seiner Auslöseschwelle nähert. Bei einer roten LED liegt der Ableitstrom bereits über 50 Prozent des Nennfehlerstroms. Die Anlage befindet sich also in einem kritischen Status – der digitale FI löst jedoch nur dann aus, wenn der Fehlerstrom noch weiter ansteigen sollte. Bei Bedarf können über einen potenzialfreien Kontakt externe Leuchten und/oder Summer oder Gebäudemanagement angebunden werden, inklusive Darstellung am Display und SMS-Mitteilung aufs Mobiltelefon. Beim Überschreiten bestimmter Grenzwerte ist eine visuelle und/oder akustische Meldung möglich. Und bei einer Abschaltung lässt sich beim digitalen FI anhand der „Ausgelöst”-Anzeige sofort erkennen, ob er aufgrund eines Fehlers respektive Ableitstroms oder eines manuellen Befehls – also einer Handabschaltung – aktiv wurde.  Vor 50 Jahren wurde noch ziemlich drastisch und realitätsnah für den Einsatz von modernen FI-Schaltern geworben

Moderne Hauptschalter ähneln von der Optik und vom Prinzip her dem FI-Schalter, reagieren aber mit einer Ver­ zögerung von 200 ms und verhindern elektrisch gezündete Brände

Seit 2010 gibt es den digitalen FISchalter. Er prüft permanent den Ist-Zustand oder mögliche Fehler und signalisiert unterschiedliche Anlagenzustände mit seinem Ampelsystem


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M wie Marktforschung

STERBEN DER RÖHREN-DINOS & VERMEHRUNG DER SMARTPHONE-SPEZIES

Die Evolution im Schnell-Durchlauf 85 Jahre Elektrojournal, 85 Jahre Marktforschung? Schön wär’s gewesen, aber dann doch ein wenig viel verlangt. Reinhard Ebner

G

fK hat deshalb für uns je nach Produktsegment die Daten der vergangenen zwölf bis 17 Jahre aufbereitet. Die verdeutlichen beispielhaft, wie neue Innovationen einen Markt komplett umkrempeln können. Man führe sich etwa die Entwicklung bei LCD-Fernsehern oder Smartphones zu Gemüte. In der wachsenden KIeingeräte-Säule verstecken sich auch die Espresso-Automaten, die in einer eigenen Grafik detailierter aufbereitet werden. 

Kannibalismus im TelekomGeschäft: Smartphones fressen sich durch die Handy-Absätze. Solange dadurch Stück und Wert steigen, darf das Schlachtfest weitergehen

© Gfk (Infopanorama 1. Halbjahr 2012)

LCD-TV hat das Match um die Oberhoheit über die heimischen Bildschirme klar gewonnen. Lauter Gewinner gäb’s, wenn zur wachsenden Menge auch mehr Marge käme


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Dank des IT- und Telekom-Bereichs erlebte die Branche zur Jahrtausend­ wende einen Rekordumsatz, der im Vorjahr erstmals übertrumpft werden konnte

Speichermedien haben schon bessere Zeiten erlebt. Verglichen mit dem hohen Level des CEGesamtmarkts fällt dies freilich nicht besonders ins Gewicht

Dank stets beträchtlichen und seit 2005 wieder steigenden Umsatzniveaus bleibt die Weißware eine „Bank“ für den Handel, auf die man zählen kann. Kleingeräte gewinnen durch Innovationen verlässlich an Größe (das kleine Minus im Jahr 2002 vergessen wir mal)

Vollautomaten sind die einzige Produktgruppe im KaffeeSegment, die seit dem Jahr­ tausendwechsel stetig steigende Stückzahlen aufweist

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N wie Niedergang

Hallo, hall

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hier Radio Hekaphon…

Glücksritter, die in einer ersten Euphorie am Kuchen mitnaschen wollten, waren bald zum Scheitern verurteilt und der Markt konsolidiert. Die Weltwirtschaftskrise mit der damit verbundenen schwachen Kaufkraft der Österreicher, trug das Ihrige dazu bei. Aufwärts ging’s pikanterweise erst wieder mit der Eingliederung Österreichs ins Dritte Reich. Aufgrund der hohen Qualität konnten die heimischen Hersteller mit ihren Exporten in Deutschland punkten. Unvergessen ist in diesem Zusammenhang der „Volksempfänger“, der in der damaligen Ostmark von Eumig, Hornyphon, Ingelen, Kapsch, Minerva und Radione gebaut wurde. Allerdings wurde die Erzeugung ziviler Rundfunkempfänger sehr schnell zugunsten der Rüstungsindustrie zurückgefahren und letztlich fast gänzlich eingestellt. Der anschließende Bombenkrieg führte zur fast totalen Zerstörung der heimischen Produktionseinrichtungen und mit Kriegsende kamen noch Demontage und Plünderung hinzu. Doch fast alle vor dem Krieg produzierenden Radiohersteller konnten die Fertigung wieder aufnehmen – wenn vorerst auch nur in bescheidenem Umfang.

Mit diesen Worten startete Österreich am 1. April 1923 ins neue Zeitalter – das Radio war geboren. Und mit ihm begann auch der rasante Aufstieg der heimischen UE-Industrie und des Elektrohandels – bis Japan den heimischen Herstellern einen Strich durch die Rechnung machte. Christian Lanner

D

ass Radio Hekaphon, betrieben von den Vereinigten Telephonfabriken AG Czeija, Nissl & Co., damals im Grunde ein Piratensender war, störte nicht weiter. Die gesetzlichen Regelungen waren so unklar formuliert, dass der in der Wiener Dresdnerstraße stationierte 100-Watt-Sender geduldet wurde. Ab 1. April 1923 sendete man sporadisch Unterhaltungsprogramme. In Österreich existierten damals zwei Hersteller (Czeija & Nissl sowie E. Schrack), und die Radios gab’s nicht im offenen Verkauf. Trotzdem dürfte es in Wien Anfang 1924 bereits über 2.000 Empfangsgeräte gegeben haben, die meisten davon selbst gebastelt.

Alles begann mit den Radios. Mit dem Start der Radioübertragungen 1924 begann auch der Aufstieg der heimischen Unterhaltungselektronik-Industrie – quasi die Geburtsstunde des Elektrofach­handels

Mit der Gründung der Rundfunkanstalt „Ravag“ (Radioverkehrs AG, Vorläufer des ORF) im Jahr 1924 (Sendebetrieb ab 1. Oktober) erfasste das Radiofieber auch Österreich. Binnen kurzer Zeit ritterten rund 50 bis 100 Hersteller von Rundfunkempfangsanlagen um die Gunst der immer größer werdenden Kundschaft. Bis 1930 reduzierte sich deren Zahl allerdings schnell auf rund ein Dutzend. Die

die Wohnzimmer der Österreicher zu erobern: das Fernsehen. Viele RadioHersteller erkannten die Zeichen der Zeit und erweiterten ihr Produktportfolio dementsprechend. Das richtige TV-Zeitalter begann im Jahr 1958, als der regelmäßige Fernsehbetrieb startete und bei Hornyphon, Minerva, Eumig und Co. für Goldgräberstimmung sorgte. Diese drei Unternehmen waren es auch (nebst der deutschen Grundig), die die heimische UE-Geschichte entscheidend prägten. 1923 beginnt Ing. Friedrich Horny, in Wien mit der Fabrikation von Radios, die später unter dem Namen „Hornyphon“ als Qualitätserzeugnisse gelten. Bereits 1936 entschließt sich der Gründer dazu, sein Unternehmen an die Philips Radioröhren G.m.b.H. zu verkaufen. Er behält aber weitreichende technische und kommerzielle Freiheiten. Bald schon produziert sein Werk sämtliche Philips-Geräte für Österreich. Horny stirbt 1945 – Philips übernimmt das Ruder. Als reiner Radiohersteller begonnen hat 1919 auch die „W. Wohleber Ges.m.b.H“

© Ullstein-Bild, Picturedesk, Wikipedia

Gleichzeitig schickte sich nach dem Krieg ein neues Medium an,


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in Wien I. Aufgrund diverser Rechtsprobleme das Patent für das Makro-System in den mit seinen Markennamen (AERIOLA, Objektiven an Canon verkauft. 1985 wurAEROPHON, RADIOGLOBE, RADIOLA und de das Konkursverfahren abgeschlossen. RADIOPA) musste Firmengründer Wilhelm 1989 erwarb die deutsche Rothenberger Wohleber rasch einen neuen Namen finden. Ab GmbH die Rechte am Namen Eumig. 1927 hieß das Unternehmen deshalb „Minerva“. Heute werden unter diesem Namen 1950 starb Wohleber im 60. Lebensjahr. An Produkte für die Leiterplattenbestückung seine Stelle traten Gattin Elisabeth und vertrieben. Ing. Egon Mally. Ausgerechnet während Eine Göttin erwacht Die Hauptschuld am dieser Übergangsphase versuchte ein (kurz) wieder zum Leben Niedergang der österreigroßer europäischer Röhrenhersteller, chischen UE-Industrie trägt Minerva in seinen Besitz zu bringen, Die österreichische Robust Electronics erwarb 2006 den die Lockerung der Einfuhrindem er alle offenen Rechnungen Markennamen Minerva von Grundig und entwickelte und probestimmungen, wodurch die fällig stellte. Es gelang jedoch, die duzierte ab 2007 wieder „österreichische“ TV-Geräte. Kurzfris1975 war die Vormachtstellung im Inland Verbindlichkeiten zu begleichen tig schienen die ambitionierten Pläne auch aufzugehen, zumal 1919 im Keller gegründete zu wanken begann. Vorerst und die für die Produktion notwender Markenname hierzulande immer noch über einen guten Eumig Weltdrängten europäische, digen Teile von anderen Anbietern Klang verfügt. 2011 musste man der übermächtigen asiamarktführer später auch – und vor allem zu beziehen. 1969 war’s aber dann tischen Konkurrenz aber endgültig weichen. Da die Entbei Projektoren. Sechs Jahre – japanische Hersteller auf doch so weit: Zum 50-jährigen Firwicklung neuer Modelle zu kostspielig und damit zu später musste den österreichischen Markt. Mit menjubiläum ging die österreichische riskant gewesen wäre, stellte Robust sein Enman Konkurs dieser Konkurrenz kamen die, im Traditionsmarke in den Besitz von Max gagement im Bereich Unterhaltungsanmelden internationalen Vergleich kleinen Grundig über – das Ende von Minerva. elektronik wieder ein. heimischen Hersteller, nicht Auf eine wechselvolle Geschichte kann auch klar. Reihenweise mussten die der einstige österreichische Paradebetrieb Eumig zurückblicken. Im Jahre 1919 wurde Fabriken ihre Pforten schließen die „Elektrizitäts- und Metallwaren-Industrie-Gesellschaft m. b. H.“ in einem Kellerlooder fusionieren. In Österreich kal der Linken Wienzeile 86 in Wien-Mariahilf von Karl Vockenhuber, Ing. Alois Handler stellte übrigens „HEA“ als letzte und Adolf Halpern gegründet. Am Anfang wurden Feuerzeuge aus Patronenhülsen österreichische Firma (Autoradios) sowie Zigarettendosen und diverses Elektromaterial (Hebelschalter, Sicherungsdosen) im Jahr 1993 die Produktion ein.  erzeugt. 1924 begann Eumig dann mit der Produktion von Rundfunkgeräten, 1928 kam der spätere Schwerpunkt Filmgeräte (Projektoren und Kameras) hinzu. Der erste Die Filmprojektor für 16mm-Film kam 1931: die „Eumig P 1“. 1935 brachte Eumig die Grundig-Pleite Filmkamera „Eumig C 2“ heraus. Diese war die erste Filmkamera der Welt mit halbautomatischem Belichtungsmesser. Nur unterbrochen durch den 2. Weltkrieg Eine österreichische Marke war’s zwar nicht, aber dennoch entwickelte sich Eumig bis 1975 zum größten Filmprojektorenhersteller der hinterließ der einst größte Rundfunkhersteller Europas auch hierzuWelt (ca. 500.000 Stück im Jahr) und zählte rund 7.000 Beschäftigte. Damit lande tiefe Spuren. Im 1976 eröffneten Fertigungswerk in Wien-Meidling war man eines der größten privaten Industrieunternehmen Österreichs, liefen in den 80er-Jahren rund 1,2 Mio. Fernsehgeräte jährlich vom Band. 1993 dessen Zentrale war übrigens im heutigen Palmers-Haus in Wiener zählte das Werk bereits stolze 1.900 Mitarbeiter und produzierte inzwischen auch Neudorf angesiedelt. Geholfen hat all die Größe freilich nichts: Als OEM-Geräte für Blaupunkt, Siemens und Mitsubishi. Ab 2001 wurden schließlich 80 1981 der Entwicklungszweig für SMD-Technik an Schrack verkauft Prozent aller Grundig-Fernseher in Wien gefertigt – allerdings nicht für lange. Im April wurde, stoppte die Österreichische Länderbank die weitere 2003 musste die deutsche Grundig Insolvenz anmelden, die Österreich-Tochter samt WieFinanzierung. Die Produktion von HiFi-Geräten wurde beendet, es ner Werk folgte einen Monat später. Ende 2003 wurde das Werk schließlich geschlossen, kam zum Konkurs des einstigen Vorzeigebetriebes. Der Markendie verbliebenen 900 Mitarbeiter wurdenentlassen. Heute gehört die Marke Grundig der name „Eumig“ wurde an die luxemburgische Firma Interbasic, türkischen Beko und damit – wie Elektra Bregenz – zum Arcelik-Konzern. Gefertigt wird in Istanbul, der Grundig-Stammsitz in Nürnberg ist ein reines Vertriebsbüro. Im einst so stolzen Wiener Grundig-Werk wurden in Spitzenzeiten 80 Prozent aller weltweit verkauften TV-Geräte produziert. 2003 musste man der deutschen Mutter in die Insolvenz folgen Mit dem legendären Volksempfänger blühte die Industrie auf. Der Grund dafür war die hohe Produktqualität, die für steigende Exportzahlen sorgte


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O wie Ostblock

Sie kamen, stürmten und

kauften

Glasnost und Perestrojka machten es möglich, dass die Bewohner jenseits des Eisernen Vorhanges schon vor dem Mauerfall ihre Flügel gen Westen ausbreiten konnten. Allen voran war Ungarn mit dem „Weltpass“ seiner Bevölkerung sehr liberal gesinnt. Eine Kaufhysterie in Österreich war die Folge, die es bis dato in dieser Form noch nie gab – und wohl auch nie wieder geben wird. 

Vera Bauer

R

eisebusse rollen über die Grenze, Züge sind gesteckt voll, Autoschlangen, soweit das Auge reicht: Es ist der 7. November 1988,

der letzte arbeitsfreie Tag der russischen Oktoberrevolution. Was die 100.000 Ungarn in den Zügen, 560 Reisebussen und 20.000 Autos wollen? Einkaufen, möglichst viel und alles. Und vorzugsweise elektronische Artikel. Ihr Ziel: Die Mariahilferstraße, damals von den Einheimischen salopp „Magyarhilfer Straße“

„Total irre“ war das Geschäft mit den Ungarn damals. So irre, dass einige Elektrohändler ein eigenes Geschäft für die Nachbarn aufsperrten. Josef Buchinger, damals Expert Händler, wollte das Geschäft nicht allein den Großen überlassen. Er investierte eine halbe Million Schilling in eine aufgelassene Tankstelle in Rattersdorf im Burgenland und hieß dort die Ungarn willkommen. Wenige Jahre später waren im ehemaligen Total-Markt Grenzsoldaten stationiert, heute ist längst Gras über die Sache gewachsen. November-Ausgabe Elektrojournal 1988


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7.11.1988: Die Elektronik-Geschäfte in und um die Mariahilfer Straße wurden regelrecht gestürmt. Die Ungarn nutzten ihren Tag der Revolution zu einem Einkaufstag in Wien und stürzten die Bundes­ hauptstadt in ein Verkehrschaos

Käuferansturm in Kärnten

genannt. Die Einkaufsmeile war damals freilich noch nicht so, wie sie sich heutzutage präsentiert; als die Käufer aus dem Osten kamen, wurden mit der Zeit Ungarn-Shops aufgesperrt, mit ungarischen Angestellten und ungarischer Aufschrift. Der „Spiegel” berichtete damals, dass der Verkehr in der Innenstadt gegen neun Uhr früh vollständig zum Erliegen kam; die Reisebusse der Ungarn standen in zweiter und sogar dritter Spur.

© Thinkstock, Picturedesk, Archiv, Redaktion

Nicht nur in der „Magyarhilferstraße“ waren

Auch Kärnten erlebte Anfang der 80er-Jahre einen Käuferansturm aus dem Süden. Richard Wieser, Firmengründer von Radio Wieser (heute Red Zac Wieser) erinnert sich: Im Schnitt stürmten zwischen 70 und 80 Kunden das Geschäft; teilweise wurde auch die 100er-Grenze erreicht – alles zahlende Kunden wohlgemerkt. Die heutigen Slowenen bekamen die Mehrwertsteuer rückvergütet. Sie durften bei Radio Wieser auch in der damaligen jugoslawischen Währung Dinar bezahlen. Das brachte die Mitarbeiter mitunter in die Bredouille: „Es konnte passieren, dass wir bei den Einnahmen am Ende des Tages einige Nullen von der Währung wegstreichen mussten, weil sie an Wert verloren hatte.“ Daher ging man nicht selten so rasch wie möglich umwechseln, da man nur kurze Zeit später viel weniger für die Währung mit den vielen Nullen einwechseln konnte.

„Täglich

die Ungarn auf der Jagd nach der Ware. Im Burgenland 40 Tiefkühltruhen, waren Orte wie Oberpullendorf und Oberwart   40 Videokameras, nicht mehr in der Lage, ihre Gäste alle auf einmal 30-40 Kleingeräte willkommen zu heißen. Teilweise wurden die Frau Antoinette Komosny (FA Fotronic, Oberpullendorf), erzählt: „Die Zufahrtsstraßen gesperrt. Ware wurde einem aus der Hand gerissen und direkt vom LKW aufs Auto aufgelaDie Kundschaft wurde in Gruppen in die den. Auf die kleinen Plastikautos haben sie zum Beispiel die Kühlschränke geschnallt, Elektrogeschäfte gelassen oder sie rissen das muss man sich einmal bildlich vorstellen“, erinnert sie sich. „Der Partner meines die Waren gleich von den LKWs, die den Mannes, Erich Rudolf ist jeden Tag mit einem vollen LKW von Wien nach Oberpullendorf ersehnten Nachschub brachten. Acht Prozent gefahren. Am Ende des Tages war der LKW leer.“ Komosny schätzt, dass täglich um die der Wiener Weihnachtsausgaben seien nach 40 Tiefkühltruhen, 40 Videokameras und 30 bis 40 andere kleinere Geräte den Weg nach Ungarn geflossen, so die Schätzungen der Ungarn fanden. „Das brachte Tageseinnahmen von rund 700.000 Schilling.“ Die Ungarn Wiener Handelskammer damals. seien bis Mitte der 90er gekommen, die Vorliebe verlagerte sich mit der Zeit von ElektroDer 7. November 1988 markiert nur einen waren hin zu Kaffee, Bananen, Schmuck und Parfum. Auch darauf hatte sich Komosny Tag, der vielleicht am besten beschreibt, wie zu dieser Zeit spezialisiert, man besaß auch gut gehende Filialen in Bratislava und es in den Monaten davor und danach um die Kittsee; die mittlerweile aufgelöst sind. Einige der ungarischen Angestellten Kauflust der Besucher aus dem Nachbarland waren in den Folgejahren noch länger bei den Komosnys beschäftigt. bestellt war. 


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P wie Photovoltaik

Das Haus wird zum Kraftwerk Der photoelektrische Effekt wurde schon 1839 entdeckt. Einstein erhielt seinen Nobelpreis für die theoretische Erklärung des lichttechnischen Effekts. Die Effizienz von PV-Modulen steigt von Jahr zu Jahr und so ist der Trend zum Sonnenstrom weltweit unaufhaltbar. Wolfgang Sedlak

E

ntdeckt wurde der photoelektrische Effekt 1839 vom französischen Physiker Alexandre Edmond Becquerel, dem Vater von Henri Becquerel, der die Radioaktivität des Urans entdeckte. Nachgewiesen wurde er 1877 vom englischen Elektroingenieur Willoughby Smith. Das erste Solarmodul – mit einem Wirkungsgrad von einem Prozent – baute der Amerikaner Charles Fritts im Jahr 1883 aus Selen-Solarzellen. 1905, über 20 Jahre später, konnte Nobelpreisträger Albert Einstein den Photoeffekt mit seiner Quantentheorie des Lichts erklären und beweisen, wofür er 1921 den Nobelpreis erhielt. Mitte der 50er-Jahre wurden die ersten Silizium-Solarzellen entwickelt. Diese kristallinen Solarzellen waren ca. 2 cm² groß und hatten einen Wirkungsgrad von bis zu 6 Prozent.

Die ersten industriellen Anwendungen – Sonnensegel im All

Das schon 2007 erbautes Passivhaus im sozialen Wohnbau in Wien besitzt eine gebäudeintegrierte PV-Anlage mit 38 m² Nettofläche und 4,2 kWp Spitzenleistung

Die Solarzellen­ fläche des zweisitzigen SolarWorld GT beträgt 3 m². Dieses komplett solarbetriebene Auto beendet im Dezember 2012 seine im Oktober 2011 begonnene Weltumrundung

© Sonepar-SolarWorld, APA, Eltako-NOE, Harald Jahn, Euroluftbild / Picturedesk

Mit der Raumfahrt bekam auch die Photovoltaik als Stromlieferant mehr Anerkennung. Als erster Satellit war der US-Satellit Vanguard I mit einem Solarpaneel mit 108 Silizium-Solarzellen ausgerüstet. Deren Wirkungsgrad hatte sich bereits auf 10 Prozent erhöht. Die Signale des Senders konnten bis 1964 empfangen werden. Das legte den Grundstein für die erste sinnvolle Verwendung der bis dahin noch nahezu unbekannten und vor allem sehr teuren Solarzellen. Die dadurch gegenüber dem Batteriebetrieb ermöglichte lange Nutzungsdauer der Raumflugkörper überwog den immer noch hohen Preis der Solarzellen je kWh bei Weitem. Heute sind praktisch alle im All befindlichen Satelliten mit hocheffizienten Solarzellen ausgerüstet.


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Die hohe PV-Förderung hat in Deutschland auch zu solchen Solarkraftwerken auf Freiflächen geführt

Dennoch – aufgrund der hohen Kosten blieb damals der Erfolg der Photovoltaik auf der Erde vorerst aus. Nur in Ausnahmefällen – vor allem weit weg von sonstigen Stromversorgungsmöglichkeiten – wurden PV-Inselanlagen errichtet.

Ölschock 1973 als Impuls ür die Weiterentwicklung Zentrale Kernkraftwerke wurden zwar zu dieser Zeit forciert, Mitte der 70er-Jahre stellte man aber bereits mehr Solarzellen für terrestrische Zwecke als für die Raumfahrt her. Die 80er-Jahren brachten immer mehr batteriegestützte Inselanlagen, Entscheidend für den Durchbruch der PV-Technologie war auch der immer höhere Wirkungsgrad, der heute je nach Werkstoff bei rund 8 bis etwa 25 Prozent liegt. Laborwerte gehen da noch viel höher.

Gepusht durch Förderprogramme

tet und damit konnten über 14.000 Anlagen mit insgesamt über 67.000 kW Leistung unterstützt. Heutzutage werden auch in Österreich immer mehr ungeförderte PV-Anlagen errichtet. Mit dem Ansteigen des Strompreises und mit dem rasanten Preisverfall der PV-Module zahlt sich diese Investition aus und mehr denn je ist die Überschusseinspeisung Thema geworden. Stark im Kommen sind auch Bürgerbeteiligungsanlagen, die von Stromnetzbetreibern angeboten werden, oder zu denen sich auch Privatpersonen zusammen.

Imposant: die gebäudeintegrierte Photovoltaik in der neuen Bergstation der Seilbahn auf den Piz Nair in St. Moritz

Von 5 auf 15 kWp hat der Besitzer dieser Anlage aufgestockt – und freut sich seither dank Überschusseinspeisung über geringer Stromkosten

Anfang der 90er-Jahre wurden PVAnlagen mit dem 1000-Dächer-Programm erstmals in Deutschland bunPVA-Praxis­ desweit gefördert. Den Durchbruch zentrum – ein erfolgreiches schaffte die Photovoltaik bei unseren Gemeinschaftsprojekt Nachbarn durch das 100.000-DächerVor zehn Jahren hat sich die HTL Hollabrunn zur Green Technology bekannt Programm von 1999 bis 2003. Damals und die erste PV-Anlage mit mehreren Arbeitsplätzen wurde in Deutschland die Grenze gebaut. In Zusammenarbeit mit der PV Austria sowie der von 300 MW installierter Leistung in Bundesinnung und dank vieler Sponsoren wurde diese Anlaneuen PV-Anlagen überschritten. ge 2012 ausgebaut und dient ab sofort als PVA-Praxiszentrum In Österreich war die Förderung einer umfassenden und praxisgerechten Ausbildung interessierter nie so großzügig. Sie teilt sich Elektrotechniker. Im Außenbereich sind die unterschiedlichsten PVheute in eine Tarifförderung laut Module inklusive eines PV-Movers in und mit verschiedenartigsten Ökostromgesetz und gilt für Montagemöglichkeiten nutzbar. Im Innenbereich befinden sich komAnlagen größer als 5 kWp. plett ausgerüstete Wechselrichter-Arbeitsplätze, wo unterschiedliche Für private netzgekoppelte Einspeisungsvarianten realisiert werden können, etwa Voll- oder ÜberAnlagen bis 5 kWp gibt es schusseinspeisung 1polig und 3polig, Haus ohne oder mit Blitzschutz und eine Investitionsförderung unterschiedlichem Trennungsabstand usw. Für interessierte Elektrotechdes KLIEN-Fonds. In den niker werden Basis-, Projekt- und Praxis-Kurse angeboten. Geplant ist die Jahren 2008 bis 2011 wurfundierte, umfassende Ausbildung von jährlich rund 500 Elektrotechnikern den hier 85 Millionen Euro – maximal 12 pro Lehrgang. an Fördergeld ausgeschüt-


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Q wie Quatsch

k u S , r r r e i m l ü e t r s r I

Morgen haben wir alles von heute immer schon gewusst. Mutig sind die, die Prognosen stellen, die Zukunft voraussagen. Nur nicht immer treffen die Propheten ins Schwarze. Wir haben für Sie die schönsten und skurrilsten Technik-Irrtümer zusammen­gesucht.

Abteilung Ton Ähnlich wie dem Fernsehen erging es auch dem Radio. Beim guten Ton schieden sich die Geister. Schließlich gab’s ja eh schon den Schellack. „Das Radio hat absolut keine Zukunft“ rechnete Lord Kelvin, Mathematiker und Erfinder sowie Präsident

Alexander Zechmeister

der Royal Society 1897 vor. „Wer braucht eigentlich diese Silberscheibe?“, zweifelte Jan Timmer, Philips-Vorstand 1982 am Erfolg der Compact Disc. „Nächste Weihnachten wird der iPod tot, am Ende, weg, kaputt sein”, sagte der britische Multimilliardär und Gründer des Technik-Unternehmens Amstrad Alan Sugar im Februar 2005. Das Radio markiert den Anfang des klassischen Elektrohandels – so richtig geheuer war es unseren Vorfahren aber doch nicht. Dieses Schicksal teilt es übrigens mit vielen neuen Technologien

Abteilung Telefon Es war einmal das Telefon. Als wichtigste Weg­bereiter gelten der deutsche Physiker Johann Philipp Reis und der Schotte Alexander Graham Bell. „Das Telefon hat zu viele Mängel, sodass es nicht ernsthaft als Kommunikations­mittel taugt. Das Ding hat für uns keinen Wert“, sagte 1878 William Orton, Präsident der Western Union, als er ablehnte, Graham Bells Firma zu übernehmen. „Die Sonne ist von Kupfer. Das Pferd frisst keinen Gurkensalat.“ Das waren angeblich die ersten Sätze, die Philipp Reis 1861 in sein konstruiertes „Telephon“ gesprochen haben soll. Das erste deutsche Telefonbuch wurde „Buch der Narren“ genannt. Es erschien 1881 in Berlin mit dem Titel „Verzeichniss der bei der Fernsprecheinrichtung Betheiligten“ und enthielt 187 Einträge zu 94 Personen. Mobiltelefonnummern waren übrigens keine verzeichnet.

Es tauchen eine Menge Namen in der Telefon-Geschichte auf. Wer es wirklich erfunden hat, darüber wird noch heute gestritten. Umstritten war das Telefon schon immer

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e n s o n s, Fehlprog

Abteilung Computer Dass es Computer noch gibt, grenzt an ein Wunder. Keinem anderen technischem Gerät wurden derart wenige Überlebenschancen eingeräumt. Nicht mal die Hersteller selbst glaubten, dass ihre Entwicklungen sinnvoll sind. „Ich denke, es gibt weltweit einen Markt für vielleicht fünf Computer“, meinte IBM-Vorsitzender Thomas Watson 1943. Im Jahr 2008 überschritt die Zahl der weltweit genutzten Computer die Milliarden-Grenze. „Computer sind nutzlos. Sie können nur Antworten geben“, sagt

Das Radio war schon eine Über­windung. Aber dass eine Sperrholz-Kiste auch noch zurückstarrt, das kann sich nicht durchsetzen

Abteilung TV-Gerät

Pablo Picasso 1946. Der Maler und Bildhauer mochte lieber die Fragen. „Computer der Zukunft werden nicht mehr als 1.5 Tonnen wiegen.“ Im Grunde hatte die Zeitschrift ‘Populäre Mechanik’ mit ihrer gewagten These von 1949 Recht. „Es gibt keinen Grund, warum irgendjemand einen Computer

Hilfe, das Radio glotzt zurück. Die liebste Freizeitbeschäftigung der Österreicher ist Fernsehen. Dabei wurden der „Sperrholzkiste zum Anstarren“ keine guten Überlebenschancen eingeräumt.

in seinem Haus wollen würde“, meinte 1977 Ken Olson, Präsident

„Auf das Fernsehen sollten wir keine Träume ver­

„Aus dem iPad wird nichts, Netbooks sind die Zukunft”,

geuden, weil es sich einfach nicht finanzieren lässt“,

meinte Bill Gates 2010.

sagte Lee De Forest 1926. Er gilt als Vater des Radios, beim

„Wenn der Computer wirklich alles kann, dann kann er

Fernsehen hat er sich ganz schön vertan. Es war übrigens nicht der einzige Irrtum des erfolgreichen Erfinders. Über die Raumfahrt sagte er: „Trotz allem kommenden wissenschaftlichen Fortschritt wird der Mensch nie

der Digital Equipment Corp. „E-Mails sind ein absolut unverkaufbares Produkt”, sagte ein Manager des kanadischen Consulting-Unternehmens Sharp Associates 1979.

mich mal kreuzweise.“ Der deutsche Journalist, Zeichner und Schriftsteller Manfred Schmidt (1913-99) hielt offenbar nicht viel von künstlicher Intelligenz.

einen Fuß auf den Mond setzen.” „Wer zum Teufel will Schauspieler sprechen hören?“, ärgerte sich Harry Warner von Warner Brothers 1927 über Tonfilme. „Der Fernseher wird sich auf dem Markt nicht durchsetzen. Die Menschen werden sehr bald müde sein, jeden Abend auf eine Sperrholzkiste zu starren“, sagte Darryl Fl. Zanuck, Chef der Filmgesellschaft 20th Century Fox, 1946. „Wir sind 60 Jahre ohne Fernsehen ausgekommen und werden es weitere 60 Jahre tun“, prognostizierte Avery Brundage, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, 1960. „In das Kistl schaut eh keiner rein”, meinte Staats-­ vertragskanzler Julius Raab und überließ die Führungsrolle beim Medium Fernsehen kampflos den Sozialisten, 1955.

Fünf Computer braucht die Welt. Mehr nicht. Davon war 1943 der IBMChef überzeugt


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R wie Raumschiff Enterprise

Smartphone, iPad oder PC? Captain James T. Kirk hatte das alles bereits in den futuristischen 70er-Jahren

hat schon eine fatale Ähnlichkeit mit

Raumschiff Enterprise

Captain Kirk hatte sie alle in den 70ern Wussten Sie, dass die in den Entwicklungs-Abteilungen der Technik-Konzerne nichts hackeln? Arg. Glauben Sie nicht? Der Beweis: Mit all den heute aktuellen technischen Geräten spielte bereits in den 70ern James T. Kirk, seines Zeichens Frauenheld und Captain des Raumschiffs Enterprise. Wirklich innovativ sind aber seine deutschen Kollegen von der Orion. Die steuern ihr Raumschiff nämlich mit Bügeleisen. Echt wahr. Alexander Zechmeister



D

er Weltraum – unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2200. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, das mit seiner 400 Mann starken Besatzung fünf Jahre lang unterwegs ist, um neue Welten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen.“ Sie erkennen die Worte sicherlich. Es sind jene der Valium-Schnarch-Stimme, die vor jeder Folge Raumschiff Enterprise den Vorspann quatscht. Egal. Neue Welten hat Captain James T. Kirk in Wahrheit nicht erforscht, auch keine Zivilisationen. Macht nix. Viel wichtiger: Entscheidend geprägt hat der untersetzte Frauenheld im engen Shirt die Technik-Industrie. Zumindest behaupten das vehement die enthusiastischen Trekkis. Trekkis sind Hardcore-Fans von Star Trek, also von Raumschiff Enterprise. Ganz von der Hand zu weisen sind ihre Argumente nicht. Etwa der berühmte Communicator, in den Kirk pro Folge zwanzig Mal „Beam mich hoch, Scotty“ spricht, der

„Star Trek – Next Generation“ aus den 80er-Jahren sitzen die Communicator straff an der Uniform, an der Brust, genauso wie die Freisprech-Clips von Philips oder Gigaset. Immer dabei hatte die Next- Generation-Besatzung der Enterprise das sogenannte PADD. Das PADD (Personal Access Display Device) ist eine Art mobiler Taschencomputer. Ein PADD besteht aus einem Bildschirm und einer kleinen Kontrollfläche. Er wird genutzt, um verschiedenste Arbeiten zu beobachten, Nachrichten zu transportieren, beinhaltet Diagnosereporte oder Systemüberprüfungen, oder dient einfach nur als Buch-Ersatz. Das Ding sieht aus wie ein Tablet-Computer, hat auch so ähnliche Funktionen. Da erscheint doch der gesamte PatentZank zwischen Apple und Samsung im neuen Licht. Aber nicht nur mit Tablets vergnügen sich die Offiziere der Enterprise. Heute gibt‘s ja unzählige Apps, vom nutzlosesten Zeug bis hin zu wirklich sinnvollen Entwicklungen, wie etwa Fieber-Thermometer, Blutdruck-Messer und mehr. Medisana bietet zum Beispiel App-GesundheitsLösungen an. Aber wirklich neu? Im Handgepäck der Star Trek-Figuren ist immer der Tricorder mit dabei. Der Tricorder ist ein handliches Gerät, das je nach Variante verschiedenste physikalische oder auch medizinische Größen messen kann. Auch lässt sich mit einem Tricorder feststellen, ob sich Personen in der näheren Umgebung befinden. 200 Sensoren soll ein Tricorder haben. Allerdings lässt sich mit dem Gerät nicht telefonieren, auf diese „verrückte“ Idee ist Gene Roddenberry nicht gekommen. Gene Roddenberry war’s, der 1966 Raumschiff Enterprise aus dem Hut zauberte und damit den Grundstein für die Star Trek-ScienceFiction-Dynastie setzte. Und auf diese soll auch der MP3Player zurückgehen. Der Android Data aus der Crew der Next Generation hörte in einer Folge verschiedene klassische Musikstücke, wechselte zwischen ihnen einfach per Knopf-

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Klapp-Handys. In der Folge-Serie


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Die Besatzung der Orion kämpfte sich in den 60er-Jahren durch die Abenteuer. Ihr Raumschiff steuerten sie mit Bügeleisen

Mister Spock spricht mit dem Communicator-Handy. Welchen Netzbetreiber er auf Vulkan gewählt hat, wissen wir jedoch nicht

druck, wie’s MP3-Player können. Die gab’s damals aber noch nicht. Aber noch mehr: Lieutenant Uhura, die Tante in dem kurzen Rock aus der 70er-Jahre-Serie, hatte des Öfteren ein Art Mikrophon im Ohr stecken. Das sei der Vorgänger von drahtlosen Kopfhörern. Kirk und Konsorten sollen die Industrie außerdem auf den PC

„Steuermann ans Bügeleisen“ gebracht haben, auf Plasma-Screens, GPS-Navigations-Geräte und auf Neben Star Trek gab’s freilich eine Menge anderer Sciencejegliche Art von tragbaren Speichermedien. Fiction-Serien, die versuchten, futuristisch zu wirken. Am skurDa stellt sich doch die Frage, was die ach rilsten war mit Sicherheit Raumpatrouille Orion. CP-Manager so schlauen Köpfe den ganzen Tag in den wird’s freuen. Die Orion-Besatzung steuert ihr Raumschiff Entwicklungs-Abteilungen der diversen nämlich mit Bügeleisen. Wann kommt da was von Bosch, Technik-Konzerne so treiben. Wahrscheinlich Siemens, AEG. De’Longhi, Braun, Tefal, Philips und Co.? Star Trek angucken. Schade nur, dass Gene Raumpatrouille Orion ist eine deutsche Science-FicRoddenberry nie erwähnte, wie der stationäre tion-Fernsehserie, die erstmals am 17. SepElektrohandel in der Zukunft ausschaut. Dann tember 1966 ausgestrahlt wurde. wüssten wir schon, wie das optimale MultichannelKonzept funktioniert. 

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S wie Schicksal

Stuzzi – Das österreichische Schicksal

Vom Aufstieg und vom Fall Sein Name steht als Synonym für den Aufstieg und Fall eines österreichischen Paradeunternehmens in der Unterhaltungselektronik. In der Hochblüte produzierte und verkaufte Viktor Stuzzi Millionen von Tonbandgeräten und Radios, ließ Groß­konzerne alt aussehen und erfand nebenbei auch das Taschen-Diktiergerät sowie den Urahnen der heutigen Ghettoblaster. Dann kam der tiefe Fall ... Felix Wessely & Christian Lanner

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Der englische Prinz Philipp zählte ebenso auf seine Entwicklungen, wie fast alle Expeditionen und Radiostationen. Im Erfinder und Firmengründer Viktor Stuzzi hatte Österreich einen UE-Pionier von Weltformat

auch den Urahn des Elektrojournals verlegte, dauerte bis 1946. Danach hielt Stuzzi die „Technischen Sprechstunden” weiterhin ab, allerdings in Eigenregie. „Ich habe in der Kammer nachgefragt, welchen Gewerbeschein man für Technischen Beratungsdienst lösen müsse. Die waren vorerst ratlos. Schließlich hatten wir uns darauf geeinigt, dass ich die Meisterprüfung als Radiomechaniker machen müsse. Als ich den Meisterbrief in der Hand hatte, war ich erstaunt, was ich damit jetzt alles machen darf. Und dann ging es so richtig los.“ Und wie es los ging. Stuzzi entwickelte ein Tonbandgerät, das man auf einen Plattenspieler aufsetzen konnte - als Bausatz. Weil sich das viele aber nicht zusammenbauen konnten, begann er schließlich selbst mit der Produktion – ebenfalls in der Wiener Neubaugasse. Das erste eigene Gerät, das dann auch der unmittelbare Anlass für die Gründung der Firma RKF-Laboratorium wurde, war

© Felix Wessely

chluss, aus, vorbei. Anfang der 90er-Jahre wurde das letzte Werk dem ungarischen Erdboden gleichgemacht. Eigentlich sollte dort das (damals neue) Diktiergerät „Twin” entstehen. Doch daraus wurde nichts mehr. Die Produktionsmittel im Wert von rund acht Millionen Schilling (ca. 580.000 Euro) versanken stattdessen im Sand der pannonischen Tiefebene – ebenso, wie die rund 50-jährige Erfolgsge­ schichte der stolzen österreichischen Tonbandgeräte-Marke Stuzzi. Im Oktober 1945, also schon wenige Monate nach Ende des 2. Weltkriegs, errichtete der junge Ing. Viktor Stuzzi die Grundmauern seiner Firma in der Neubaugasse 71. Dort hat er nach dem Krieg gewohnt und seine erste Firma eröffnet und sogenannte „Technische Sprechstunden” abgehalten. „Das war im Oktober 45, unmittelbar nach Kriegsende, als die Ruinen noch rauchten. Damals sind in die Technische Sprechstunde der Zeitschrift Radioamateur, bei der ich arbeitete, Leute mit einem Stanitzel gekommen, voll mit Elektronik, die sie aus einem abgestürzten Flugzeug ausgebeint haben.“ Die Tätigkeit beim Erb-Verlag, jenem Verlag der


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„Noch etwas Lustiges: Philips hatte in den Fünfzigern eine Umfrage durchführen lassen, welcher Markenname den Österreichern für Tonbandgeräte einfällt. Zwei Drittel antworteten damals: Stuzzi.“

der Auto-Oszillator. Stuzzi: „Dafür ließ ich damals sogar für die Herstellung des Gehäuses ein eigenes Werkzeug anfertigen. Damit das Ganze auch nach was ausschaut. Den Auto-Oszillator gab es mit 468kHz und 129kHz. Das waren damals die gängigen Zwischenfrequenzen bei Radios. Sie wurden für die Justage verwendet.“ (Viktor Stuzzi) Primär beschäftigte sich Stuzzi mit der Entwicklung von Bausätzen. Die erste mit Magnetophon in Verbindung stehende Entwicklung war der legendäre Tonboy im Jahr 1951. Der Tonboy war als Bausatz erhältlich. Dieses Magnetophongerät wurde auf einen Plattenspieler aufgesetzt, der den Tonboy angetrieben hat. Stuzzi: „Dieser Bausatz erforderte bereits einiges Können. Viele, die das Gerät gerne gehabt hätten, konnten es einfach nicht selbst zusammenbauen. Daher begannen wir ein Jahr später mit der Produktion von Tonboy-Fertiggeräten.“ Es folgten viele Patente sowie echte Welt-Premieren. Erstes Batterie-Tonbandgerät, erstes Tonbandgerät mit zwei, später erstes mit drei Geschwindigkeiten, erstes Tonbandgerät mit eingebautem Zählwerk, erstes Taschendiktiergerät, erstes Tonbandgerät mit eingebautem Radio und erste tragbare Kombination aus Tonbandgerät, Radio und Plattenspieler. Im Jahr 1954 folgte schließlich Dixi. Stuzzi: „Dixi war das erste in größerer Serie hergestellte Tonbandgerät. Es verkaufte sich gut.“ Doch eines schönen Tages bei einer Reise wurde ein Händler, ein guter Dixi-Abnehmer, zurückhaltend bei seiner Bestellung. Stuzzi: „Er sagte mir, Das erste Tonbandgerät mit eingebautem er hätte davon gehört, Radio-Empfänger (für MW) aus dem Jahr 1958 dass Philips demnächst mit einem Tonbandgerät mit zwei Geschwindigkeiten auf den Markt kommen würde. Darauf wollte er warten. Ich habe daraufhin sofort die Produktion der Dixi gestoppt und mich daran gemacht, eine Version mit zwei Geschwindigkeiten zu entwickeln. Vier Wochen später hatten wir diese Dixi 55 auszuliefern begonnen. Wir waren damit die Ersten mit zwei Bandgeschwindigkeiten. Philips kam erst ein halbes Jahr später damit heraus. Bei Innovationen hatten wir den großen Vorteil, dass wir verhältnismäßig klein waren und dadurch schneller reagieren konnten.“ Überhaupt musste sich Stuzzi immer gegen die Großen behaupten: „Uns blieb nichts anderes übrig, als immer etwas zu bringen, womit wir den anderen ein bisschen voraus waren. Damit wir auch laufend interessant blieben, wurde zumindest jedes Jahr ein neues Gerät vorgestellt.“ Philips hatte in den 1950erJahren von der holländischen Regierung sogar das Privileg zugestanden

bekommen, fünf Gulden pro importiertem Gerät von Stuzzi zu bekommen – also quasi ein Schutzzoll, der direkt an Philips abgeliefert werden musste. Dem Erfolg tat das aber keinen Abbruch. Unter den großen Novitäten war die Radiocord mit einem eingebauten RadioEmpfänger für Mittelwelle. Und auch der Discorder, die erste tragbare Kombination aus Tonbandgerät, Radio und Plattenspieler. Stuzzi: „Es gab immer das Problem mit Aufnahmen

Memocord K44: Eines der letzten Modelle, speziell für den damaligen Ostblock produziert. Verpackt in einem schlagfesten Kunststoffgehäuse und von einer weltweit verfügbaren 9-VoltBlock-Batterie angetrieben

von Radiosendungen und vom Plattenspieler. Nicht selten wurden diese über das Mikrofon durchgeführt. Was freilich nicht gerade optimal war. Mit den Kombigeräten war dieses Problem gelöst. Der Erfolg war auch dementsprechend groß.“ Erfolge feierte Stuzzi auch mit seinem Memocord, quasi dem ersten handlichen Diktiergerät der Welt. Das erste Memocord hatte ein Band, das mit einer mittleren Bandgeschwindigkeit von 3 cm auf vier Spuren arbeitete. So konnte eine Aufzeichnungszeit von rund 60 Minuten erzielt werden. Fast alle Geräte wurden von Stuzzi selbst entwickelt: „Die meisten Ingenieure konstruierten viel zu kompliziert, oft konnte man die Hälfte der Mechanik sparen. So wurden die Geräte nicht Fortsetzung auf Seite 54 


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S wie Schicksal

    Fortsetzung von Seite 53

Ing. Viktor Stuzzi in seinem Labor in seinem Haus in Gießhübl. Hier mit Blick auf den Garten hatte Stuzzi an seinen Entwicklungen gearbeitet

Das letzte Produkt aus dem Hause Stuzzi ist nie in Serie gegangen: Twin für Mini- und Micro-Cassetten – beide auch für Aufnahme

vernichtet. Das war zugleich auch das Ende der Firma Stuzzi. Der Anfang vom Ende. „Als ich den 70er überschritten habe, wollte ich mich schön langsam zurückziehen. Leider hat das nicht so funktioniert, wie ich es mir vorgestellt hatte. Letztlich ist mir von der ganzen großen Firma nichts übrig geblieben. Dafür waren zwei besondere Anlässe verantwortlich. Zuerst gab es eine öffentliche Ausschreibung für ein digitales Sprachspeichergerät, die „Heute sind wir vorerst gewonnen jene Leute, die hatten, die aber dann früher Millionen mit auf sonderbare Weise unseren Produkten verwieder aufgehoben dient haben, nicht einwurde und der Auftrag mal bereit, die Rest­ware frei vergeben wurde. Das kostete uns abzuverkaufen.“ nur billiger in der Produktion, sondern auch zuverläsMillionen. Das war dann (Viktor Stuzzi) siger. Beispielsweise den Ungarn ist es nie gelungen, auch der aktuelle Anlass, selbst ein Tonbandgerät wie das billige Sondermodell Mamdass ich die Firma liquidieren bo in dieser Qualität zu entwickeln. Je einfacher, desto besser.” wollte. Der nächste Punkt war, dass Und das wurde auch im Ausland geschätzt. Stuzzi hat oft mehr als 80 Prozent ich die Firmengebäude viel zu billig seiner Produktion exportiert. Zum Schluss gab es mehr als vierzig Auslandsvertreverkauft hatte. Und der letzte Punkt tungen. Stark vertreten war Stuzzi in den USA. Oft wurden die Geräte im Ausland war es schließlich, dass ich einem auch unter einem anderen – dort jeweils gut eingeführten – Markennamen langjährigen guten Bekannten, dem angeboten. So beispielsweise in Deutschland vom Diktiergerät-Spezialisten ich vertraute, meine Firma verkaufen Assmann. „Die Amerikaner waren es dann auch, die fortan durch ihre Wünsche wollte. Für zwölf Millionen, samt allen entscheidende Impulse für unsere Entwicklungsarbeit gesetzt haben. So wollten für die Produktion des Twin erfordersie beispielsweise das Band wechseln können, damit die Sekretärin nicht das lichen Teilen und Werkzeugen. Nun, ganze Memocord für die Niederschrift benötigt. So kam die Idee für die Verdas hat sich zwei Jahre hingezogen, wendung einer Kassette auf.“ Bei Kassetten war damals schon Philips mit der bis mir letztlich verkündet wurde, dass Compact Cassette am Markt. Stuzzi: „Da Philips die Compact Cassette aber für ich Geld erst aus Gewinnen aus der Musikaufnahmen durchsetzen wollte, wollte man uns dieses System nicht für laufenden Produktion bekäme. Nach Diktiergeräte zur Verfügung stellen. Ich entwickelte daher eine eigene Kassette. zwei Jahren Ruhe waren aber alle Diese hatte den Vorteil, dass sie aus dem Gerät herausragt. Man kann sie daher Auslandsvertretungen weg. problemlos vergrößern und auch sonstige Zusatzfunktionen in Die haben ja nicht gewartet, ob der die Kassette einbauen.“ Stuzzi wieder einmal produziert. Es gab unzählige Modelle und auch SpeziDamit ich nicht auch noch Steuer alanfertigungen der Memocord-Gefür die Teile und Werkzeuge räte. Das letzte Gerät aus dem zahlen musste – die in der Über die Hause Stuzzi war die Twin als Buchhaltung freilich als Entstehung dieses kombiniertes SchreibtischAktiva geführt waren Beitrags Diktiergerät. Dieses arbeitet –, wurden sie in sowohl mit der Mini- als auch Ungarn unter Felix Wessely, Chefredakteur und Herausgeber der mit der japanischen MicroAufsicht von vier Zeitschrift „Praktiker”, hatte die Ehre, im Jahr 1993 Cassette, da sich letztlich beide Zollbeamten das letzte große Interview mit Viktor Stuzzi führen zu als Kassetten für Diktiersysteme eingestampft. können. Im Jänner 1996 verstarb der UE-Pionier bei durchgesetzt hatten. Das Twin Letztlich musste einem tragischen Flugzeugabsturz mit seinem Moist allerdings nie über eine Nullserie von 500 ich halt einsehen, torsegler. Wir danken Felix Wessely für die UnStück hinausgekommen. Die für die Produktion dass ich kein guter terstützung bei der Erstellung dieses Beitrags. vorgesehenen Bestandteile wurden im Jahr 1993 Kaufmann bin ...“.  Weitere Informationen finden Sie unter www.praktiker.at


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Firmenporträt

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Novis – mit Vergnügen für Sie da Unsere Kunden sind unsere Partner. Für sie und gemeinsam mit ihnen schaffen wir mit unseren Produkten eine einzigartige Möglichkeit, Konsumenten neugierig zu machen und ihnen gleichzeitig auch jenen Mehrwert zu bieten, auf den es beim erfolgreichen Business schlussendlich ankommt.

H

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T wie Telekommunikation

Schatz, ich komm dann mal später… N

ein, falsch geraten! Auch wenn’s so klingt, als wär‘s heute Morgen passiert. Diese Schilderung stammt vom Kinderbuchautor Erich Kästner und ist in seinem Werk „Der 35. Mai oder Konrad reitet in die Südsee“ nachzulesen. Was insofern beachtlich ist, als Kästner dieses Buch bereits 1932 geschrieben hat. Zuvor gab’s lediglich eine recht unverbindliche Schilderung eines „Taschentelephons“, mit dem jedermann „sich mit wem er will wird verbinden können, einerlei, wo er auch ist“ – zu finden im Buch „Die Welt in 100 Jahren“ aus dem Jahr 1910. Irgendwie sollten der oder die visionären Autoren aber wirklich Recht behalten. Dabei reichen

die Anfänge des Mobilfunks schon bis in die 20er-Jahre zurück. Damals wurde von der Deutschen Reichsbahn auf der Strecke Berlin-Hamburg eine „handvermittelte öffentliche Sprechzelle“ angeboten – quasi die Ururoma der heutigen Smartphones. So richtig zur Sache ging’s im Mobilfunk (zumindest in den USA) ab dem Jahr 1946. Da wurde das erste tragbare Mobilfunkgerät vorgestellt, wobei das Wort „mobil“ vielleicht ein bisschen unpassend war. Das Gerät wog 18 Kilogramm und die Akkus hielten gerade einmal acht Minuten. Immerhin noch 16 Kilogramm wog jenes „Handy“ mit dem am 20. Juni 1953 in Deutschland – anlässlich der Münchner

Sieht alt aus, ist aber sündteuer: Das Designer-Retro-Handy Prive ist in 22-Karat-Gold eingefasst, mit Diamanten besetzt und schon für schlappe 160.000 Euro zu haben

© Picturedesk, A1 Telekom Austria, Pixelio/Ingo Anstötz

„Ein Herr, der vor ihnen auf dem Trottoir langfuhr, trat plötzlich aufs Pflaster, zog einen Telefonhörer aus der Manteltasche, sprach eine Nummer hinein und rief: ‚Gertrud, hör mal, ich komme heute eine Stunde später zum Mittagessen. Ich will vorher noch ins Laboratorium. Wiedersehen, Schatz!‘ Dann steckte er sein Taschen­ telefon wieder weg, trat aufs laufende Band, las in einem Buch und fuhr seiner Wege.“  Christian Lanner


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Verkehrsaustellung – das erste Mobiltelefonat im Juni 1985 etwa 5.000 Österreicher aus einem VW-Käfer durchgeführt wurde. Für unter der Vorwahl 0663 zu erreichen. Wer kann sich kommerzielle Zwecke stand das so genannte Im November 1990 ging das noch erinnern? Ab 1997 exisA-Netz dann ab 1958 offen. Ein klassisches (immer noch analoge) D-Netz in tierten in Österreich drei Paging-Netze Nischenprodukt übrigens: das Mobilteden Vollbetrieb, 1991 begann (zwei private sowie das Netz der Mobilkom), lefon kostete in heutiger Währung rund schließlich der interne Prodie quasi eine Art Text-Kurznachrichtendienst 4.000, der VW-Käfer übrigens lediglich bebetrieb des GSM-Netzes anboten. Die SMS-Funktion der Handys sollten den 2.500 Euro. Österreich hielt sich damals (auch E-Netz genannt) der Pagern das Genick brechen: die Privaten gingen Pleite, noch vornehm zurück. Es sollte bis Post. Beim kommerziellen die Mobilkom lies den Pagerdienst nur auf Wunsch der zum 5. Mai 1974 dauern, bis hierzuMarktauftritt im Dezember Blaulichtorganisationen bis Ende 2002 weiterlaufen. lande mit dem B-Netz der „öffentliche 1993 versorgte das E-Netz bewegliche Landfunkdienst“ eingeführt (heute A1) mit 400 Basisstawurde. Erstmals war Kraftfahrern mobile tionen die Bundeshauptstadt Kommunikation ohne „Fräulein vom Amt“ Wien samt Flughafen und konnte möglich. So viel Freiheit hat natürlich ihren unfassbare10.000 Teilnehmer Preis: Zwischen 80.000 und 130.000 Schilling kostete damals ein Gerät. Die monatliche Grundgebühr lag bei 1.800 Schilling. Vielleicht auch deswegen konnten sich in den ersten sieben Jahren nur rund 1.000 Personen dafür erwärmen. Und noch einen Haken hatte die mobile Freiheit. Um einen mobilen Teilnehmer zu erreichen, musste man wissen, wo er sich gerade aufhält. Österreich war nämlich in mehrere Rufbereiche mit jeweils eigener Vorwahl unterteilt. Freilich konnte man die unterschiedlichen Vorwahlen auch ausprobieren …

Richtig eng wurde es im B-Netz 1984 – mit 1.770 Teilnehmern waren die Kapazitätsgrenzen erreicht. Richten sollte das Ganze das C-Netz, welches zuerst auf 30.000 und ab 1988 auf 50.000 Nutzer ausgelegt wurde. Da die Grundgebühren geradezu ein Schnäppchen waren, die Hardware nur mehr 50.000 Schilling kostete und bereits in Koffern (ohne Auto!) herumgeschleppt werden konnten, waren schon

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Aufs A-Netz haben die Österreicher gleich verzichtet, die B-, C- (Bild) und D-Netze gab’s dagegen schon. Im Gegensatz zu den späteren digitalen GSM-Handys, hatte man bei den frühen analogen Modellen noch richtig was in der Hand. Das letzte analoge Netz (D) wurde im Februar 2002 abgeschaltet

Fortsetzung auf Seite 58 


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T wie Telekommunikation

  Fortsetzung von Seite 57  Die österreichische Mobilfunk­ geschichte begann am 5. Mai 1974 – freilich noch schaumgebremst. 1.800 Schilling monatliche Grundgebühr und 100.000 Schilling für die Hardware waren nicht jedermanns Sache

später, am 25. September 2002, feierte die Mobilkom Austria den internen Start ihres UMTS-Netzes; öffentlich ging’s im Mai 2003 los. Zur gleichen Zeit startete mit 3 auch der nächste Mobilfunkbetreiber. Einen interessanten Preispunkt gab’s aber bereits am 30. September 2002. Damals präsentierte tele.ring seinen EinCent-Tarif für netzinterne Gespräche. Nachdem die anfänglich von allen (Mitbewerber-)Seiten prophezeite Pleite von tele.ring dann schließlich doch nicht eintrat (eher das Gegenteil war der Fall), musste man sich halt was anderes überlegen. tele.ring wurde 2006 von T-Mobile übernommen und fristet seitdem sein BilligmarkenDasein unter dem Dach der Deutschen Telekom. Und es dürfte nicht die letzte Übernahme bleiben: aktuell steht ja nun der Merger zwischen 3 und Orange an – sofern’s die EU doch noch erlaubt . 

Dann ging es Schlag auf Schlag. 1996 startete mit max.mobil (heute T-Mobile) das erste private GSM-Netz, im Sommer 1997 wurde der einmillionste Mobiltelefonierer registriert und Ende August ging fürs C-Netz für immer das Licht aus. Im gleichen Monat erhielt übrigens One (heute Orange) die dritte GSM-Lizenz des Landes. Aus geschäftlicher Sicht ein Meilenstein: max.mobil verlangte für netzinterne Gespräche plötzlich nur noch einen Schilling – und das rund um die Uhr. One ging am 26. Oktober 1998 ans Netz, im Mai 2000 folgte tele.ring. Ende Februar 2002 wurde das letzte analoge Netz, das D-Netz, abgeschaltet. Ein halbes Jahr

Impressum Offizielles Fachblatt der Bundesinnung der Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunikationstechnik, Elektrojournal, 1120 Wien, Grünbergstraße 15/Stiege 1, Tel.: (01) 546 64, Fax: (01) 546 64/DW 538 Herausgeber: Bundesinnung der Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunika­tionstechnik, 1040 Wien, Schaumburgergasse 20/4, Tel. (01) 505 69 50-0. Medieninhaber und Verleger: Öster­reichischer Wirtschaftsverlag GmbH, 1120 Wien, ­Grünbergstraße 15, Tel. (01) 546 64-0, Fax: (01) 546 64/DW 511, www.elektrojournal.at, elektrojournal@wirtschaftsverlag.at Redaktion: Ing. Chris­tian Lanner, DW 355 (Chef­redakteur); Mag. Reinhard Ebner (Chef­redakteur), 0650/23 09 650; Ing. Wolfgang Sedlak (Leitung Insta- und Licht-Bereich), 01/546 64-356; Mag. Vera Bauer, DW 357; Mag. Alexander Zechmeister DW 358. Anzeigen: Franz M. Seidl (Leitung), DW 240; Jacqueline Schirmer, DW 249; Monika Hentsch­(Service), DW 443, Fax: DW 522 Grafik: Gerlinde Gröll, DW 156 Anzeigentarif: Nr. 16, gültig ab 1. Jänner 2012 Erscheinungsweise: monatlich Hersteller: Friedrich VDV, Vereinigte Druckereien- und Verlags-GmbH & CO KG, 4020 Linz, Zamenhofstraße 43–45, www.friedrichvdv.com Marketing: Paul Kampusch, DW 130. Abonnement: Aboservice Österr. Wirtschaftsverlag, Tel. ++43/1/361 70 70-570, Fax ++43/1/361 70 70-9570, aboservice@wirtschaftsverlag.at Jahresbezugspreis: 60 Euro , (Ausland: 89 Euro). Abonnements, die nicht einen Monat vor Ablauf des Bezugsjahres gekündigt werden, laufen weiter. Bankverbindung: Bank Austria, Kto. 04240571200, BLZ 11000, IBAN AT511100004240571200, BIC BKAUATWW Druckauflage entnehmen Sie den Mediadaten. DVR: 0368491

© Gabi Schönemann/Pixelio

aufnehmen. 1994 schätzte man das Marktpotenzial von GSM übrigens auf 550.000 bis maximal 700.000 Kunden. Heute unvorstellbar: Sowohl dem Anrufer, wie auch dem Angerufenen wurden damals Gesprächsgebühren verrechnet. Ende März 1995 deaktivierte die Post das B-Netz.


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U wie Urban Legends

Gefährliche

Legenden Seit Jahrzehnten kursieren die Gerüchte. Die Strahlungs-Felder von elektrischen Geräten würden die Gesundheit gefährden, diverse Krebsarten, Impotenz, Migräne und mehr verursachen. Beweise gibt’s trotz unzähliger Studien freilich keine, die Ängste der Menschen werden aber geschürt. Als besonders „gefährlich“ gelten Handys und Mikrowellenherde. Aber auch Elektro-Sex hat seine Tücken. Wir haben einige „Urban Legends“ ausgegraben.  Alexander zechmeister ir wissen es nicht genau, wann die erste Studie zur Handy-Strahlung veröffentlicht wurde. Bis heute sind es aber unzählig viele. Und es kommen ständig neue dazu mit ständig keinen neuen Erkenntnissen. Erst kürzlich musste sich Margit Kropik, Geschäftsführerin des Forums Mobilkommunikation mehr grün als blau ärgern. War es doch Rolf Holub, Landtagsabgeordneter der Grünen, der meinte, durch zunehmende drahtlose Mobilfunkkommunikation können „irreversible strahleninduzierte Schäden entstehen“, belegt durch eine „Vielzahl wissenschaftlicher Forschungsergebnisse“. Freilich halten diese „wissenschaftlichen Forschungsergebnisse“ bei genauerer Prüfung praktisch nie stand. Bislang sind sie alle Gefahren-Beweise schuldig geblieben. Elektromagnetische Felder gibt’s bekanntlich in Radio, TV, Behördenfunk, Rettungsorganisationen oder eben Mobilfunk. EMF sind eine seit über 100 Jahren angewandte Technologie. „Den Erkenntnissen folgend hat die WHO Grenzwerte festgesetzt, an die sich alle Betreiber und Hersteller halten. Das Grenzwertekonzept der WHO beinhaltet einen 50-fachen Vorsorgefaktor“, schreibt Kropik in einem offenen Brief. Holub war nicht der Erste und wird nicht der Letzte sein, der in der Handy-Strahlung Gefahren sieht. In Google eingeworfen, kommen mit den Suchwörtern „Gefahr Handystrahlung“ 37.000 Antworten. 1947 baute ein gewisser Schulabbrecher namens Percy Spencer den ersten Mikrowellenherd. Der war fast 1,80 Meter hoch und wog 340 Kilogramm. Der Mikrowellenherd, nicht Spencer. Das Gerät besaß eine Wasserkühlung und hatte eine Leistung von 3.000 Watt. Wie der Name schon sagt, der Mikrowellenherd werkt mit Mikrowellen, also mit elektromagnetischen Wellen. Diese bringen über die Wassermoleküle nicht nur die Suppe zum Kochen, sondern auch die Gerüchteküche. Die Strahlung löse gefähr-

liche Verbindungen in den Nahrungsmitteln, meinen gar nicht so wenige. Diese Verbindungen würden dann das Blut verändern. Aber nicht so wie in Hollywoods Superhelden-Filmen. Wer also auf Superkräfte hofft, vergebens, im Gegenteil, das Blut werde geschwächt. Es

© Thinkstock, Manfred Schimmel/Pixelio

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sei aber nicht nur gefährlich, Mikrowellen-Futter in sich hineinzuschaufeln. Auch wer sich in der Nähe eines Geräts befindet, bekomme sein StrahlungsFett ab. Besonders dramatisch sei das für alle Männer, die ihre Mikrowellenherde in der Höhe des Hosenstalls positioniert haben. Angst und Schrecken verbreiten aber nicht nur Handys und Mikrowellenherde. Eine nicht zu unterschätzende Gefahr gehe vom elektrischen Rasieren aus. Nein, nicht die schnöde Verletzungsgefahr ist gemeint. Es geht wieder ums elektromagnetische Feld. Das drücke man sich bei der morgendlichen Pflege mitten ins Gesicht. Und wer schwanger ist, dürfe nicht staubsaugen. Das Baby könnte Asthma bekommen, wegen der Wellen. Beim Nicht-Staubsaugen übrigens auch, wegen des Staubs. Allergien und Krankheiten würden außerdem Kopierer und Laserdrucker verbreiten. Der Grund seien Feinstaub-Emissionen und sogenannte ultrafeine Partikel. Gefährlich ist auch die erotische Elektrostimulation, auch E-Stim oder Elektrosex genannt. Aber das wussten Sie bestimmt. Das ist eine Sexualpraktik, bei der Gleichstrom oder niederfrequente Wechselströme zur sexuellen Stimulation eingesetzt werden. Die können bei Missbrauch zu Gewebeschäden und sogar zum Tod führen. Das

größte Risiko ist ein elektrischer Schock. Offen sind noch Untersuchungen, ob Waschmaschinen zu einem Schleudertrauma führen können. Spaß beiseite: Trotz unzähliger Studien liegt kein Beweis vor, dass Handys, Mikrowellenherde, TV-Geräte und Co. für den Menschen schädlich sind. Dass die Hersteller gegen diese Legenden Sturm laufen, ist klar. Die geschürten Ängste wirken sich auf den Umsatz und die Wirtschaft aus. Sie können aber auch dazu führen, dass Menschen glauben, tatsächlich an Elektrohypersensibilität (EHS) zu leiden und entsprechende Symptome zeigen. Dazu hat die WHO bereits ein eigenes Factsheet, das Factsheet 296 „Electromagnetic Hypersensitivity“, veröffentlicht. 

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V wie Vollautomaten

AUF EINEN ESPRESSO MIT LIPBURGER

„Ihr wisst´s ja eh,  warum er hier ist!“ „Als Klaus Dotter ab 1987 Espresso-Maschinen nach Österreich importierte, hat an den Markt niemand geglaubt“, erzählt Michael Lipburger. 25 Jahre und einen beispiellosen Boom später werden hunderttausende Geräte im Jahr verkauft. Während des jüngsten Jahrzehnts begleitete der Manager die Entwicklung der Marken Jura und Saeco an vorderster Front. REINHARD EBNER

m Jahr 2001 tauchte mit Lipburger ein fast jugendlich wirkender Manager in der Branche auf, der – frisch angekommen – schon als Nachfolger des Branchen-Urgesteins Klaus Dotter als Saeco-Geschäftsführer gehandelt wurde. Mit der Elektrobranche hatte die „Nachwuchshoffnung“ bis dahin nicht viel am Hut: Die Karriere begann bei

einem Direktmarketing-Unternehmen in Lauterach, wo man nebst Teleshopping die ersten Schritte ins Internet unternahm. Eigentlich hatte er einer EDV-Firma in Liechtenstein bereits zugesagt, als ihn Dotter zum Mittagessen einlud. „Wir haben zwei Stunden über Gott und die Welt geredet, bloß nicht über die Arbeit. Dann hat mir der Dotter einen karierten Block rübergeschoben und gemeint, ich solle mir meinen Dienstvertrag selbst schreiben.“ Auf die Bezahlung erstreckte sich diese „Gestaltungsfreiheit“ nicht: „Eigentlich war ich ein Vollidiot, weil ich mich mit einem sehr geringen Fixum zufrieden gab. Durch den nachfolgenden Espresso-Boom wurde die Bonusregelung aber dann doch sehr lukrativ.“

„Typisch Dotter“ war die Übergabe bei Saeco: „Klaus hat mich für den Vormittag eingeladen, hat alle Abteilungsleiter zusammengetrommelt und gemeint: ,Ihr wisst’s eh, warum er hier ist.‘ Dann musste er auch schon zu seinem Flieger und ich habe noch am Nachmittag angefangen, ohne Schreibtisch und ohne PC.“ Der Saeco Österreich-Gründer scheint ein Talent dafür gehabt zu haben, die Leute zusammenzubringen. Lipburger erinnert sich an Einladungen zu den Bregenzer Festspielen, denen alle Branchen-Größen gefolgt sind. „Da sind dann beim Abendessen der Sandler von Media-Saturn und der Warmuth von Cosmos an einem Tisch gesessen. Das gab’s weder davor noch danach.“

„Das Geschäft wird von Menschen gemacht“, so die Überzeugung Lipburgers. Daher auch seine Hochachtung vor jenen, die das VollautomatenGeschäft groß gemacht haben: „Ob Dotter, Rubert, Kropik oder Wallinger – das sind Persönlichkeiten, an die man sich in vielen Jahren noch erinnern wird. Auch wenn die Ära Wallinger durch die Verurteilung heute in einem anderen Licht gesehen wird, bin ich froh, dass ich diese schillernde Figur kennen gelernt habe.“ Nur starke Charaktere mit ihrem Glauben an sich selbst und einem gewissen Dickschädel hätten in der Pionierphase überlebt. „Wenn der Dotter in der Anfangsphase in ein Geschäft gegangen ist und gesagt hat, er ist von Saeco, hat’s geheißen: ,Danke, aber wir verkaufen keine Uhren.‘ Und H.P. Rubert brauchte mit seinen Vollautomaten zum Verkaufspreis von 10.000 Schilling und mehr erst gar nicht vorbeizukommen.“ 1991 wurde Saeco Österreich gegründet, vier Jahre später Jura Österreich. Der Durchbruch gelang aus Sicht des Managers 2001, als der Umsatz im Espresso-Bereich erstmals jenen mit Filterkaffee-Automaten überstieg. Im selben Jahr brachte Nespresso die Pelikan auf den Markt, das erste Mal, dass die Verkäufe von Portionsautomaten auf über 10.000 Stück stiegen. Es begann der beispiellose Aufstieg des Vollautomaten. Sieht man sich die Geschichte der einzelnen Anbieter an, verlief diese Historie durchaus mit Brüchen und mancher Turbulenz. In der Entwicklung des Gesamtmarkts fanden diese jedoch keinen Niederschlag: GfK weist für die

© Redaktion, Siemens, GfK, Thinkstock

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Das Henry Ford-Zitat im ElektrojournalBesprechungsraum passt zu Lipburgers Karriere. Den Vollautomaten-Boom hat er von „Beginn“ an mitgemacht, seitdem ging’s vom „Fortschritt“ zum „Erfolg“

„Ich habe große Hochachtung vor jenen, die das Vollautomaten-Geschäft in Österreich groß gemacht haben. Das sind Persönlichkeiten, an die man sich noch in vielen Jahren erinnern wird.“ Michael Lipburger, Jura

Periode ab 2000 nur steigende Stückverkäufe aus. 63.000 Stück gingen vor zwölf Jahren über die Ladentheke, heuer werden’s geschätzte 162.000 – nicht eingerechnet 332.000 Portionsmaschinen. Weil gute Kräfte mit Arbeit bestraft werden, durfte Lipburger 2004 die Geschäftsführung von Saeco Deutschland übernehmen. Der wesentliche Unterschied zwischen seinen beiden Wirkungsbereichen: „Deutschland ist der am härtesten umkämpfe Markt in Europa. Daher agieren auch die handelnden Personen ganz anders. Österreich ist im Vergleich dazu von Offenheit und Kollegialität geprägt, spätestens auf der Futura trifft jeder auf jeden.“ Man erinnere sich an Standpartys, bei denen der Wettbewerb mittanzte. Auch die Beziehungen zwischen Lieferant und Handelspartner gestalten sich anders: „Hier wird man nicht angegrinst und hinterrücks ausgelistet, sondern man bekommt die Chance, darüber zu reden.“ Der Tonfall mag dabei gewöhnungsbedürftig sein. Lipburger erinnert sich an Anrufe eines bekannten Großflächen-Managers, die so begannen: „Magst‘ mich besuchen kommen oder soll ich dir eine Werbung schenken?“ Es folgte eine – wie erinnerlich – unerquickliche Phase, in der Saeco den Kredit, den man im Handel genoss, wieder verspielte. Lipburger fand sich zwischen den Stühlen, zerrissen zwischen den Wünschen des Konzerns und der Loyalität zu den Kunden. 2007 zog er einen Schlussstrich und wechselte zu Jura Österreich. Seine Begründung: „Mir gefällt das Produkt und der Markt. Generell fühle ich mich aber bei einem Mittelständler wohler, weil es hier nicht um Konzernpolitik und Quartalsziele geht, sondern um den konsequenten Aufbau eines Marktes. So unterschiedlich Jura-Gründer Probst und Saecos Zapella vom Charakter her sind, in ihrer langfristigen Denkweise sind sie einander sehr ähnlich.“ Saeco ist mittlerweile bei Philips untergeschlupft, die Rolle des „italienischen Herausforderers“ ist seit 2004 auf De’Longhi übergegangen und Jura hat sich als Premium-Marke etabliert. „Daneben gibt’s noch 20 bis 30 kleinere Anbieter, die kommen und gehen.“

Inzwischen wurde der Manager auch bei Jura „hochgelobt“: Nach nur einem Jahr und acht Monaten Jura Österreich-Geschäftsführung hat er die inter-

nationale Verantwortung im Unternehmen übernommen. Hier arbeitet er mit seinem ehemaligen Mitbewerber Hans Peter Rubert zusammen, der die OstMärkte schupft. Lipburger: „Der Rubert ist ein Pionier, der etwas Neues aufbauen kann. Der geht durch Türen, wo gar keine sind.“ Während sich die Situation in Österreich auf hohem Niveau konsolidiert hat, sieht Juras International-Chef in anderen Ländern viel Raum. Dafür muss man nicht nach Asien oder Osteuropa blicken – einige Zahlen zum aktuellen Wertwachstum in Westeuropa: plus 56 Prozent in Großbritannien, 23 Prozent in Dänemark, 22 in Belgien sowie ein Plus von jeweils rund 20 Prozent in Frankreich und den skandinavischen Ländern. Einen Schwerpunkt seiner Tätigkeit sieht Lipburger zudem im ProfessionalGeschäft: Der derzeit bei rund 20 Prozent liegende Umsatzanteil mit Gewerbe- und Office-Geräten soll binnen drei Jahren auf ein Drittel steigen. 

2001 startete Lipburger seine Vollautomaten-Laufbahn. Im selben Jahr schaffte auch Nespresso mit der Pelikan den Durchbruch


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85 Jahre und doch so jung, so dynamisch, so interessant, so kompetent, so modern – Kompliment ans gesamte Team, Respekt dafür, dass ihr den obersten Platz am Elektrostockerl nicht nur verteidigt, sondern immer weiter ausbaut! Willy Duschka

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ich – seit einigen Jahren im Unruhestand – erfüllt es mit Freude und Stolz, ein wenig zu dieser Elektrojournal-Erfolgsstory beigetragen zu haben.

Ein kurzer Blick zurück sei gestattet: In der Zwischenkriegszeit haben – unter anderem – nicht nur berühmte Autoren wie Alfred Polgar, Anton Kuh, RodaRoda, Peter Altenberg (um nur einige zu nennen) den Wert des bedruckten Papiers zu schätzen gewusst, sondern auch die Standesvertretungen. Deshalb schossen (Mitteilungs-) Blätter aller Branchen wie Pilze aus dem Boden. Als ich Mitte der 70erJahre zum Wirtschaftsverlag kam, hieß es: Mach aus dem „Österreichischen Elektro-, Radio- und Fernsehmechaniker“ ein Magazin – leider mit höchst bescheidenen Mitteln, wie sich bald herausstellte. Die Redaktionsstube war genau so, wie sich Otto-Normalverbraucher das immer vorgestellt hat und wer inserieren wollte, wurde an die „Anzeigen-Annahme“ verwiesen. Bei aller Bescheidenheit: Ich hab den Titel Elektrojournal erfunden und es gelang unserem KleinstTeam, Gewerbe und Handel für eine gemeinsame Zeitschrift zu gewinnen und langsam, aber sicher auch die Industrie in unser Boot zu holen. In dieser turbulenten Zeit fanden viele technische Revolutionen statt. Nicht nur bei innovativen Produkten, die eigentlich immer besser und billiger

W wie Willy Duschka

wurden. Die Computerei begann die Welt zu erobern, da blieb kein Stein auf dem anderen. Noch ein kurzer Abstecher zu meiner eigenen Zunft: Der gute, alte Bleisatz begann sich zu überleben. Vorbei die Zeiten, als der Chef der Setzerei anrief: „Se, Herr Redakteur, Se ham do a Hurenkind (überzählige Zeile, Anm.) produziert. Kummans und tan sas weg.“ Fortan war ein ganzer Berufsstand ausradiert. Es herrschte der Computer (oder was man damals so bezeichnete) und bald darauf das Internet. Apropos Internet: Einer der ganz großen Aufreger war damals Geizhals, da konnte sich der aufgeklärte Konsument bequem vom Schreibtisch aus über Preise, Lieferbarkeit usw. informieren. War das ein Tumult! Heute: Eine Selbstverständlichkeit! Zurück zur Gegenwart: Natürlich zählt das Elektrojournal nach wie vor zu meiner Pflichtlektüre, wenngleich es ein wenig schmerzt, immer weniger Leute aus unserer Branche noch zu kennen. Das ist nicht nur ein biologisches Problem, sondern auch eines der wirtschaftlichen Schnelllebigkeit. Manager kommen und gehen – das Rad beginnt sich immer schneller zu drehen. Kaum mehr gibt es in der Industrie g’standene Typen, die jahre- und jahrzehntelang die Geschicke heimischer Unternehmen lenkten und auch noch großen Einfluss auf die Konzernzentralen hatten. Man denke nur an (ich darf die Titel weglassen) Adi Thurner, Franz Schlechta (BSH), Friedrich Lechner (Sony), die Philips-Kaderschmiede mit Helmut Wildhofen, Fritz Nekolar, Helmut Gunst, Georg Matl (†), Peter Graski, die Kooperationschefs Erich Turan, Kurt Weiss, an „Nordlicht“ Lüder Lüßen und viele andere, deren Aufzählung den vorhandenen Platz sprengen würde. Es hat, würde ich meinen, seinerzeit mehr gemenschelt – mit all diesen Persönlichkeiten bin ich erfreulicherweise heute noch befreundet. Auch Marken, die damals in aller Munde waren, obliegen heute der Vergessenheit: Eumig, Kapsch (heute auf anderen Gebieten höchst aktiv), Ingelen, Hornyphon, Minerva usw. Bei allem Jubel über den Aufschwung des Elektrojournals gab es auch einen Misserfolg: Wir wollten mit dem Konsumentenmagazin „Quality“ einen Meilenstein setzen und aus dem reinen Fachzeitschriftenmarkt ausbrechen. Wir hatten ein Super-Team (Fachleute der schreibenden Zunft, einen Top-Layouter, einen Top-Fotografen) und sehr, sehr viel Ambition und Engagement. Das Produkt war ein gutes – leider hat uns die Industrie dabei im Stich gelassen. Das Konzept wird übrigens seit einiger Zeit von Media und Saturn mit eigenen Zeitschriften umgesetzt … Noch etwas, was mir persönlich sehr am Herzen liegt: Als das Internet die Welt endgültig erobert hatte, gab es nicht wenige Experten, die das Ende des bedruckten Papiers kommen sahen. Zeitungen, Zeitschriften, Bücher – alles nur noch elektronisch? Zum Glück sind diese Prophezeiungen ganz und gar nicht aufgegangen. Das bedruckte Papier hat nach wie vor hohen Stellenwert. Bei aller Liebe zu Smartphones, Tablets, Google: Das raschelnde Papier übt noch immer große Anziehungskraft aus. Einer der vielen Beweise: Unser Elektrojournal! Danke dem Team, mich zu diesen Zeilen eingeladen zu haben. Vielleicht ist noch ein kurzer Dank an meine KollegInnen gestattet, die mit mir zumindest einen Teil des Weges gegangen sind: Dagmar Haßlinger, Elfi Quell, Wolfgang Pirchner, Wolfgang Wirtz, Herbert Schuster (†), Brigitte Medlin und zahlreiche freie Mitarbeiter. Happy Birthday, Elektrojournal. 

© Willy Duschka

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Firmenporträt

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75 jahre Dietzel-Elektrorohre

Eine österreichische Erfolgsgeschichte Als Ing. Alfred Dietzel Anfang der 1930er-Jahre die Bedeutung der Elektrifizierung erkannte, begann er mit der Entwicklung moderner Rohrsysteme zur Verlegung elek­ trischer Leitungen – vorerst noch aus Metall. Aber 1953 gelang mit der Entwicklung des weltweit ersten Elektro-Rohrsystems aus Kunststoff der internationale Durchbruch.

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n einer Garage im 5.Wiener Gemeindebezirk entstanden die ersten Dietzel-Kunststoffrohre für die Elektroinstallation: „EVILON“ und „UNIVOLT“. Heute steht das Dietzel-Werk in Wien Simmering, wo jährlich rd. 70 Millionen Rohre und Kabelkanäle erzeugt werden. (1) „Qualität ist der Schlüssel zum Erfolg“ war die Devise des Firmengründers Ing. Alfred Dietzel. Die Geschäftsführer der zweiten Generation, KommR Kurt Dietzel und Prof. Dr. Ernst Pöcksteiner sind dieser Devise ebenso treu geblieben wie die Geschäftsführer der dritten Generation, Ing. Dr. Michael Pöcksteiner, ein Enkel des Firmengründers, und Peter Steigenberger, die nunmehr das Unternehmen erfolgreich ins dritte Jahrtausend führen. (2)

Und das erste Großprojekt war 1956 die Wiener Stadthalle. Dem Architekten Roland Rainer imponierte das geringe Gewicht der UNIVOLT-Rohre, und als Dr. E. Pöcksteiner 50 Jahre Garantie auf die Rohre gab, setzte er diese für die damals größte Halle Österreichs ein. Die 50-Jahr-Garantie haben wir übrigens inzwischen erfolgreich eingelöst. (3) Heute ist DIETZEL-UNIVOLT auf allen fünf Kontinenten vertreten, Fabriken zur Herstellung von UNIVOLT-Rohren wurden in der Slowakei, in Australien, Brasilien und China errichtet. Bereits 1984 konnte Prof. Dr. Ernst Pöcksteiner in Peking Ministerpräsident Li Peng halogenfreie HFT-Rohre präsentieren, 1994 wurde die Elektroinstallation des Euro-Tunnels mit diesen Rohren ausgeführt. (4) www.dietzel.at

© Dietzel / Entgeltliche Einschaltung

Mit diesen Produkten begann der Siegeszug der Dietzel-Elektrorohre: 1957 – das erste Kunststoff-Rohrzubehör (Muffen, Bogen, Schellen, Dosen, Kasten)

1964 – die ersten Kunststoff-Klemmschellen für Elektrorohre

2005 – die ersten Elektrorohre mit dem TurboEffekt „FXP-Turbo®“

1959 – das erste österreichische flexible Elektrorohr „FX-Rohre“

1980 – die ersten halogenfreien KunststoffElektrorohre der Welt „UNIVOLT-HFT“

2010 – die ersten raucharmen, halogenfreien Kunststoff-Elektrorohre „UNIVOLT-LSF0H“.


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X wie XXX (ab 18)

Drei Brüste sind besser als zwei. Ob die ältere Dame eifersüchtig ist?

Der

SEX der Branche

1896

, aus diesem Jahr stammt der französische Film „Le Coucher de la Marie (Marie geht zu Bett)“. Er gilt als der älteste erhaltene Erotikfilm. Praktischerweise verrät der Titel bereits den gesamten Inhalt. Heute erregt er weder Gemüter noch sonst irgendwelche Körperteile. In den 1970ern, nach der sexuellen Revolution, ging’s mit der pornografischen Filmindustrie steif nach oben. Die Filme wurden härter, als Höhepunkte gelten die Werke „Deep Throat“ und „Behind the Green Door“. Ersterer schaffte es sogar, sich in der amerikanischen Watergate-Affäre einen Namen zu machen, die Richard Nixon das Amt des US-Präsidenten kostete. In den 80ern begann schließlich die alles überschwemmende Billig-Welle. Dramaturgisch haben sich die Pornofilme nicht sonderlich weiterentwickelt, technisch aber schon. Damit sind nicht die Stellungen der Darsteller gemeint, sondern die Techniken der Unterhaltungselektronik. Pornos in HD? Wer will das sehen? Wie scharf dürfen Sex-Filme eigentlich sein? Schließlich sollen die

körperlichen Unzulänglichkeiten der Darsteller den geifernden Zuschauern beim burschikosen Armtraining verborgen bleiben. Auf dieser Diskussion wurde in den 2000ern herumgeritten. 2007 stöhnten jede Menge Regisseure und Darsteller auf und sprachen sich vehement gegen HD aus. Und sie nahmen dabei den Mund recht voll. Den Widerstand haben sie schlussendlich aufgegeben, denn auch beim jahrelangen Match zwischen HD-DVD und Blu-ray nahm die Pornoindustrie ihre Positionen ein

© ddp images/dapd/Maurizio Gambarini, Thinkstock, Redcoon

Sex sells, heißt es. Gar nicht wenige Werbeagenturen denken: Mit von Beauty-Docs geschnitzten Brüsten wird das Verkaufen an erwachsene Männer zum Kinderspiel. Im Gegenzug erkannte die Porno-Industrie, mit moderner Technik lässt sich in dem harten Geschäft eine Stange Geld verdienen.  Alexander Zechmeister


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„Die SexIndustrie und die Elektro­ branche haben bereits ein langjähriges Verhältnis.“

– bösen Gerüchten zufolge, soll das auch ein potentes Argument für den Sieg von Blu-ray gewesen sein. Dann die CES 2010, 3D boomt. Wer treibt’s weiter voran? Die „Bad Girls in 3D“ sind die Vorreiterinnen. Die US-Produktionsfirma stellte ein Komplettsystem für 3D-Pornos inklusive monatlichem Streaming-Paket vor. Zu früh gekommen, befürchten damals schon die Kritiker. Es sind ähnliche Diskussionen wie bereits Jahre zuvor. Die finale Erlösung: 2011 startet Penthouse einen 3D-Porno-Kanal. Sex und Werbung liegen längst gemeinsam unter einer Decke. Am wildesten treibt’s Redcoon in der aktuellen „Billig-UndWillig-Kampagne“. Mit jeder Menge nackter Haut und hüpfenden Geschlechtsmerkmalen schießt der Online-Diskonter „So viel billig gab’s noch nie“ in den Werbeäther. Mutter Media-Saturn nährt seine Kinder dagegen nicht nur an zwei Brüsten. Anfang der 2000er gab’s deshalb in Deutschland eine skurrile Kampagne mit einer dreibusigen Dame. Dreifach hält eben immer noch besser. Dem Werberat, dem unbestechlichem Hüter von Ehtik und Moral in der Werbung, hat’s übrigens nicht sonderlich gefallen. Vermutlich war’s nur der Neid … Das Glück suchte auch Philips in der stimulierten Erotik-Branche. Es war aber nur ein kurzes Vergnügen, quasi ein elektrischer Ejaculatio praecox. Bereits kurz nach ihrer Einführung wurden 2010 die feuchtfröhlichen Höhepunkte, die Intim-Massagegeräte, wieder aus dem Sortiment genommen. Angeblich, so ist’s aus dem entsprechenden Milieu zu hören, waren die Geräte einfach nur zu laut für intime Stunden. Wen wundert’s: wenn man in die Massagegeräte schon einen Motor einbaut, der ansonsten in ElektroZahnbürsten zum Einsatz kommt, dann klappt’s ja höchstens mit dem Zahnarzt. 

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EURO UNITECH Elektrotechnikges. m.b.H. A-8020 Graz | Bahnhofgürtel 35 | Tel. (0316) 683616 A-1210 Wien | Floridsdorfer Hauptstr. 1 | Tel. (01) 6627250 E-mail: info@eurounitech.at | www.eurounitech.at


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Y wie Youngsters/Oldsters

Österreich ist bei den internationalen Gewerbe-Meisterschaften immer ganz vorne dabei. Unsere Fußballer können sich da ruhig ein Vorbild nehmen

Österreich ist Europameister Die rot-weiß-roten Jung-Elektrotechniker sind topp. Und zwar wirklich topp. Dreimal gingen bislang die Gewerbe-Europameisterschaften EuroSkills über die Bühne. 2008 und 2010 staubten unsere Branchen-Vertreter Gold ab, 2012 Silber. alex zechmeister

Hartlauer-Verkäufer Daniel Berger ist Österreichs heißeste Jungverkäufer-Aktie

Zwei Tiroler Europameister unter sich: Matthias Klaunzer und Andreas Indrist

Junge E-Techniker: erfolgreich für Rot-Weiß-Rot A.I.E.-Europameisterschaften: 2006 Christoph Hanreich, Wien, Platz 4 2008 Benjamin Dunst, Vbg, Platz 2 2010 Matthias Stöger, NÖ, Platz 1 2012 Clemens Kerschbaumer, NÖ, Platz 2 EuroSkills Berufs-Europameisterschaften 2008 Andreas Indrist, Tirol Platz 1 2010 Matthias Klaunzer, Tirol, Platz 1 2012 Dominik Rechberger, Wien, Platz 2 WorlsSkills Berufs-Weltmeisterschaften 2007 Andreas Indrist, Tirol, Platz 4 2009 Matthias Klaunzer, Tirol, Platz 4 2011 Dominik Rechberger, Wien

Sie sind heiß begehrt, die Medaillen der EuroSkills

ie rot-weiß-roten Elektro-Youngsters haben’s drauf. Das beweisen sie Jahr für Jahr bei den internationalen Gewerbe-Welt- und -Europa-Meisterschaften. Seit den 50er-Jahren werden die WorldSkills ausgetragen, seit 2008 die EuroSkills. Österreichs Jung-Elektrotechniker gehören stets zu den heißesten Medaillen-Anwärtern, sind (fast) immer ganz vorne mit dabei. Wir schreiben das Jahr 2008. In Rotterdam geht die Premiere der EuroSkills über die Bühne. Für Österreichs Elektrotechniker ist Andreas Indrist am Start. Es wird gebohrt, geschraubt, am Problem getüftelt. Indrist löst’s besser als die Konkurrenz erlaubt. Der junge Tiroler holt sich bei der Premiere die Goldene, kürte sich somit zum ersten Champion der EuroSkills in der E-Technik-Sparte. Auf dem Tiroler Boden scheinen Elektrotechniker großartig zu gedeihen. Liegt’s am Tiroler Wasser oder an der Tiroler Luft? Egal. Zwei Jahre später ist es jedenfalls wieder ein Tiroler, der es Indrist gleichtut. Matthias Klaunzer wurde in Lissabon sogar Doppel-Europameister, siegte im Einzel- und im Teamwettbewerb. Im selben Jahr schnappte sich auch noch Markus Stöger bei den Europameisterschaften der A.I.E., der Vereinigung der europäischen Elektroinstallateure, den ersten Platz. Aus rot-weiß-roter Sicht waren die zweiten EuroSkills in Lissabon enorm erfolgreich. Unsere Youngsters gewannen spartenübergreifend zwölfmal Gold, sechsmal Silber und einmal Bronze. In den Gazetten der Verbraucher-Medienlandschaft war darüber aber nichts zu lesen. „Sind wir – das Gewerbe – in den Köpfen unserer Politiker überhaupt noch vorhanden oder, was nicht ganz von der Hand zu weisen ist, befindet sich unsere kammereigene PR-Abteilung in der WKO bereits im Winterschlaf?“, polterte damals Bundesinnungsmeister Joe Witke. 2012. Heuer fanden die EuroSkills im belgischen Spa/Francorchamps statt. Und was wohl keiner dachte, das Team Austria konnte das tolle Ergebnis von 2010 übertrumpfen: 14 Mal Gold, sechsmal Silber und zweimal Bronze. Applaus, Beifall, Bravo. Dominik Rechberger trat im Elektrotechnik-Wettbewerb an und kürte sich zum Vize-Europameister. Auch im Team-Wettbewerb räumt er die Silberne ab. Das gute Omen: Zuvor holte Clemens Kerschbaumer bei den A.I.EEuropameisterschaften ebenfalls den zweiten Platz. Über den ElektrotechnikerNachwuchs müssen wir uns keine Sorgen machen! Drauf haben es aber nicht nur Österreichs Jung-Elektrotechniker. Auch die Elektro-Verkäufer verstehen ihr Handwerk. Hartlauer-Mitarbeiter Daniel Berger belegte beim „Junior Sales Champion 2012 – International“ den starken dritten Platz und wurde bester Österreicher. 

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Der leuchtende Ritter von Döbling Ein Urgestein der Branche. So kann Peter Markuzy mit Sicherheit bezeichnet werden. Seine Liste mit Ehrenauszeichnungen ist lang, die Freude am Geschäft groß – auch nach über fünf Jahrzehnten. In dem von seinem Vater gegründeten Betrieb wurden bisher über 100 Lehrlinge ausgebildet. Peter Alexander hörte er den Badewannen-Tango singen. 

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Vera Bauer

„Ein Meilenstein war für mich die Erfindung des FI-Schalters.“

Peter Markuzy mit der 20.000 Watt starken

Glühlampe, die in früheren Zeiten für die as Geschäft in der Döblinger Hauptstraße 79 ist randvoll mit Bühnenausleuchtung benutzt wurde Glühlampen aller Art. Die größte davon ist ein Schaustück, welches der 77-jährige pensionierte Geschäftsmann immer wieder (Peter Markuzy) Gebäude – Installationsargerne hervorholt und sich damit ablichten lässt. Als „Herr des Lichts“ beiten durchgeführt. Während und „Glühbirnen-Kaiser“ wurde er unter anderem in den Bezirksblättern ich beim Peter Alexander war, war betitelt. Peter Markuzy sen. hat das im Jahr 1933 gegründete Geschäft von er gerade im Badezimmer und hat den seinem Vater Karl im Jahre 1969 übernommen, zehn Jahre zuvor war er bereits Badewannentango gesungen“, plaudert Geschäftsführer. Das Elektroinstallationsgeschäft befindet sich ebenfalls im er aus dem Nähkästchen. 19. Bezirk, in der Seileräckergasse. Dieses wird von seinem Sohn Peter geleitet; Ein Punkt, der ihn auch heute nicht Sohn Paul führt das Handelsgeschäft in der Döblinger Hauptstraße. loslässt, sind die Lehrlinge. Er ist stolz, Peter Markuzy Senior steht nach wie vor gerne im Laden. Eine Dame tritt in seinem Betrieb über 100 Lehrlinge herein, lässt sich beraten. „Wofür soll denn die Lampe sein?“ Peter Markuzy ausgebildet zu haben, die es teilweise kennt die Lampenwelt wie seine Westentasche. Einige zigtausende werden es sehr weit gebracht haben; unter schon sein; sein Sohn schätzt die Zahl auf 30.000. „Wir bekommen Anfragen aus anderem auch zu gerichtlich beeideten ganz Österreich“, so Markuzy. Er lebt für und mit der Branche, das hat sich im Sachverständigen. Über den heutigen Laufe seines Lebens durch zahlreiche Verdienstorden und Positionen gezeigt. Fachkräftemangel bemerkt er: „Es ist (Anmerkung: Unter anderem war er privat auch der „Ritter von Döbling“, bei nicht so, dass das Niveau der Lehrlinge einer Faschingsgilde) Den Omudsmann der Elektroinnung hat er erst kürzlich selber schlechter wäre, die Ausbildung ist nach 22 Jahren zurückgelegt. es.“ Außerdem sei man früher auch mehr Das Geschäft läuft stabil, aber nicht nur aufgrund der Tatsache, dass in Döbling handwerklich tätig gewesen. Dankbar eine Kundschaft mit mehr Kaufkraft lebt. Im Laufe seines Firmendaseins hat ist Markuzy seiner Frau. „Wenn sie nicht der Kommerzialrat freilich auch oft selber den Dienst am Kunden ausgeführt. gewesen wäre, hätte ich nicht die vielen „Damals war man ja gewillt, Überstunden zu machen.“ So blieb auch die eine Funktionen, die ich inne hatte, ausführen oder andere Bekanntschaft mit bekannten Persönlichkeiten nicht aus. „Einmal können. Das gehört auch gesagt.“  habe ich bei Peter Alexander und Herbert Karajan – beide wohnten im selben

1 Alles dreht sich, Markuzy bleibt. Nur der Aufputz ändert sich. Das Geschäft bei der Firmengründung in den 30er-Jahren ...

2 … dann in © Redaktion, Markuzy

den 80ern

3 … und wie es heute glüht. 2013 wird das 80-jährige Bestehen gefeiert


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Z wie Zeitzeuge

So sahen 1936 die Ingenieur­ausweise aus

Ab 1941 wurde Hans Sedlak ins Entwicklungslabor der AEG nach Berlin dienstverpflichtet – heuer wurde er 100 Jahre alt und ist immer noch rüstig, agil und an vielem interessiert

Ein Blick zurück auf die Entwicklung in der Elektrotechnik

Vom Petroleum- und Gaslicht bis zum Computerzeitalter Aufgewachsen in einer Zeit, in der elektrisches Licht noch Seltenheitswert hatte, hat Hans Sedlak, Geburtsjahrgang 1912, die Entwicklung in der Elektrotechnik nicht nur passiv miterlebt, sondern als Absolvent der Technischen Hochschule Wien auch aktiv daran mitgearbeitet.  Wolfgang Sedlak an glaubt es kaum: Erst 1927, als Hans Sedlak 15 Jahre alt war, wurde sowohl in der elterlichen Wohnung als auch in der Greißlerei seines Vaters im dritten Bezirk in Wien elektrischer Strom „Mehr eingeleitet. Hans Sedlak im Komfort, Rückblick: „Vorher hatten aber immer wir nur Gaslicht. Junge Menschen werden das noch die alte kaum mehr kennen. Viele Installation“ werden gar nicht wissen, (Hans Sedlak) wie so ein Gas-Glühstrumpf von Auer von Welsbach ausgesehen hat.“ Schon damals gab es Münzeinwurfgeräte. Hans Sedlak: „Wenn die Beleuchtung schwächer geworden ist, musste man wieder ein

‚Sechserl’ (Anm. waren damals 20 Heller) einwerfen, um genug Licht zu haben.“ Und noch etwas gab es in der elterlichen Greißlerei, was man sich heute überhaupt nicht mehr vorstellen kann: Neben Brot, Butter und der offenen Milch stand ein Petroleum-Behälter, wo die Kunden Nachschub für ihre PetroleumLampen kaufen konnten. Ältere Elektrojournal-Leser werden sich vielleicht noch an diese Petroleum-Lampen erinnern, die bis in die 50er-Jahre dann zum Einsatz kamen, wenn wieder einmal der elektrische Strom ausblieb.

Stoffummantelte Zinkdrähte – Papierstreifensicherungen. Nach dem Krieg übersiedelte Hans Sedlak mit seiner Familie (mittlerweile waren zwei der insgesamt vier Kinder geboren) in eine Wohnung im dritten Bezirk, wo zwar elektrischer Strom vorhanden war, die Anzahl der Steckdosen und sonstiger Anschlüsse aber eher karg war. Hans Sedlak: „Da haben wir ziemlich viel umbauen müssen, auch wenn Strom damals hauptsächlich für die Beleuchtung genutzt wurde.“ Kupfer war damals ein kostbares Metall und auch Kunststoffe eher selten. Daher: „Wir haben damals stoffummantelte Zinkleiter ganz einfach im Putz verlegt. Manche Steckdosen in Holzverteilerdosen und Pertinax-Abdeckung hatten für jeden Pol eine sogenannte Papierstreifen-Sicherung.“ Die Verlegung in Rohren

© Mihai Odoleanu, Redaktion

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85 Jahre

Erst 1927 wurde in die elterliche Greißlerei im dritten Bezirk in Wien Strom eingeleitet. Vorher erhellte man die Räume mit Gaslicht

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Noch heute ist in der Wohnung von Hans Sedlak im dritten Bezirk in Wien der Gasanschluss zu finden, der die früher üblichen GaslichtLampen versorgte

und Schläuchen war damals in der Wohnungsinstallation höchst selten, auch Schutzleiter gab es damals noch nicht und natürlich auch keine FI-Schalter. Dafür aber sogenannte „Deckel-Sicherungen“, die man nach einem Kurzschluss ganz einfach selbst flicken konnte.

Komfort dank Elektrizität war damals noch rar. Fernsehen hat es noch nicht gegeben, nur Radio. Und auch Waschmaschinen waren höchst selten. Hans Sedlak erinnert sich an ein Angebot, das heute kaum jemand kennen wird: „Damals gab es in verschiedenen Wiener Kaffeehäusern Waschmaschinen – die waren sozusagen zusätzlich Waschsalons.“ Waschmaschinen kamen erst langsam in die Häuser, zuerst in die allgemeinen Waschküchen, danach auch in die Wohnungen. Im Hause Sedlak war es Mitte der 50er-Jahre eine AEG Bottichmaschine mit daneben integrierter Schleuder. Erst später war man stolzer Besitzer einer modernen Trommel-Waschmaschine. Hans Sedlak ist heute noch begeistert von der Qualität der Eudora38, einem österreichischen Erzeugnis: „Eine wunderbare Maschine, einfach aufgebaut und hat uns über 20 Jahre bestens gedient.“ Übrigens erst beim Kauf der Eudora wurde – zumindest ins Badezimmer – eine dreipolige Zuleitung geführt und ein FI-Schalter eingebaut. In der Küche gab es auch noch einen echten Eiskasten aus gelötetem Zinkblech – bis Mitte der 50er-Jahre wurde beispielsweise das Wirtshaus im gleichen Häuserblock mit Eisblöcken für die Kühlung versorgt. Der moderne Haushalt besaß damals aber schon einen AbsorberKühlschrank – einen AEG, sogar mit Tiefkühlfach. Und auch beim Gedanken an den alten Nilfisk-Topfstaubsauger gerät Hans Sedlak heute noch ins Schwärmen.

Fußball-WM sorgte für ersten Fernsehgenuss. Den ersten Fernseher schaffte sich Familie Sedlak erst 1974 anlässlich der Fußball-WM in Deutschland an. Vorher saß man bei Nachbarn zusammen, um gemeinsam etwa Olympische Spiele oder die beliebten „Einer wird gewinnen“-Sendungen mit HansJoachim Kulenkampff anzuschauen. Damals gab es natürlich nur das 1. und 2. Fernsehprogramm, das mit der Zimmerantenne, der „Libelle“, empfangen werden konnte. Heute wohnt Hans Sedlak auch als Hundertjähriger immer noch in seiner alten Wohnung – mit etwas mehr Komfort und einer ein bisschen verbesserten elektrischen Installation. Alte Zinkdrähte gibt es aber immer noch. Der Elektrotechniker Sedlak: Es gibt ja nicht viele leistungsstarke Geräte bei mir – und welche Stromkreise schwach sind, weiß ich auch.“ 

Mit 98 Jahren schaffte sich Hans Sedlak – hier mit Sohn Wolfgang und Enkelsohn Niki – seinen ersten Computer an

Hundert Jahre jung und 65 Jahre Mitglied beim ÖVE

Geboren am 29. Mai 1912 in Wien blickt Dipl. Ing. Hans Sedlak auf ereignisreiche Jahre zurück. Ende des 1. Weltkriegs begann er mit der Volksschule, maturierte 1930 und studierte anschließend Elektrotechnik an der Technischen Hochschule in Wien. Nach erfolgtem Abschluss 1936 findet er in schwierigen Zeiten erst im Sommer 1937 eine Anstellung bei der AEG Union in Stadlau. Mit Beginn des 2. Weltkriegs wurde er zum Wehrdienst eingezogen, im September 1942 ins Entwicklungslabor der AEG nach Berlin dienstverpflichtet. 1946 kehrte er nach Wien zurück, war zunächst bei AEG Union in der Berechnung elektrischer Maschinen tätig und übernahm 1956 die Leitung des Prüffelds in Stadlau. Von 1947-57 war er zugleich Lektor an der TU Wien. Nach der Fusion der AEG Union und der Elin wurde er Direktionsassistent, 1973 trat er in den Ruhestand. Ruhestand bedeutete für ihn jedoch, verstärkt Tätigkeiten im Bereich des Normungswesen zu übernehmen. Schon in den 50er-Jahren im ÖVE-Fachausschuss M (Elektrische Maschinen) tätig, übernahm er 1974 dessen Vorsitz, wurde ständiger Delegierter bei der CENELEC und arbeitete im IEC TC 2 (Rotierende Maschinen) mit. Oktober 1991 war er stellvertretender Vorsitzender des TKM und arbeitete danach noch aktiv im TSK TM 26 „Elektroschweißen“ mit. Seit 65 Jahren ist Hans Sedlak Mitglied im ÖVE und auch als Hundertjähriger immer noch interessierter Leser der ÖVE-Verbandszeitschrift e&i Im Mai 2012 wurde Hans Sedlak nicht nur für seinen Hunderter gefeiert, sondern auch für 65 Jahre Mitgliedschaft beim ÖVE (der nächstes Jahr 130 Jahre alt wird)


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