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Böck macht Schluss

Vorwärts! Ich habe mir gedacht, ich schreibe mal eine kleine Motivationsrede, damit auch niemand auf die Idee kommt, alles hinzuschmeißen. Dank an William ­Wallace (Braveheart), Leonidas von Sparta, König Theoden von Rohan, Aragorn (J.R.R. Tolkien) und Heinrich V. (William Shakespeare) für die Inspiration. Bitte getragen durchlesen, an Cinemascope denken und etwas Filmmusik im Kopf abspielen.

Thinkstock, fotokostic

Unternehmer, Freunde, Mitstreiter! In euren Augen sehe ich die Furcht, die auch mich ver­ zagen ließe. Der Tag mag kommen, da der Mut erlischt, da wir unsere Firmen aufgeben, unsere Mitarbeiter entlassen, unsere Geschäftsidee hin­ schmeißen. Aber ich sage euch: Heute ist dieser Tag nicht! Heute ist der Tag, an dem wir kämp­ fen, für unsere Idee, für alles, was wir uns aufge­ baut haben, für unsere Familien und die unserer Mitarbeiter. Freunde! Hört mich an. Ihr könntet jetzt nach Hause gehen. Ihr könntet euch eine feste Anstellung besorgen, es gemütlich haben, bis zur Pension. Aber wenn ihr dann eines Tages sterbend in euren Betten liegt, wärt ihr dann nicht bereit, jede Stunde einzu­ tauschen von heute bis zu jenem Tag, um einmal nur, ein einziges Mal, wieder Unternehmer zu sein, euer eigener Chef zu sein, Führungskraft zu sein und dem freien Markt zuzurufen: Du kannst mir die Existenz nehmen, aber niemals, nie­ mals wirst du mir die Freiheit nehmen! Unternehmer, Gewerbetreibende, meine Brüder und Schwestern! Wir wei­ chen nicht zurück! Es ist das Gesetz der kleinen und mittleren Betriebe, gegen übermächtige Konzerne, Banken, Lobbys und Bürokraten in die Schlacht zu ziehen. Und wir werden diese Schlacht schlagen, so wie es uns der Unterneh­ mergeist befiehlt. Und wenn wir untergehen, dann nur, weil ein neues Zeitalter anbricht, ein Zeitalter des Mutes, der Chancen, das Zeitalter der nachhaltigen, ehrlichen, kleinen und mittleren Unternehmer, die Arbeit und Brot für unsere Kinder schaffen und nicht wie Heuschrecken über den Erdenball ziehen. Und alle werden wissen, dass wir hier standen bis zu unserem letzten Atemzug. Denn wir sind hier, um der Geschichte unseren Stempel aufzudrücken. Was wir vollbrin­ gen, davon werden noch in hundert Jahren die Lieder der Barden künden. Unse­ re Kinder und Kindeskinder werden davon erzählen, was wir heute tun. Kämpft wacker, denn wir kämpfen für sie! Und den hohen Herren in den Amtsstuben und Bankkontoren rufen wir zu: Wir sind Krieger des Werktags. All das, was uns beflügelt, wird durch euch beschmutzt. Wir kommen in nassen Märschen durch mühseliges Feld, aber es schmerzt uns nicht, denn unsere Herzen schlagen voller Kraft. Wir werden um Förderungen und faule Kredite nicht mehr zu euch kommen, darauf unser Ehren­ wort, unsere Konkursmasse könnt ihr euch holen! Unternehmer! Fürchtet keine Dunkelheit. Lasst einmal noch das Horn erschallen! Vorwärts zu neuen Erlösquellen! Auf, ihr Chefs, auf, ihr Entrepreneurs und Start-ups! Der Mitbewerb wird zerschellen, die Konkurrenz zersplittern. Ein Schwerttag, ein Muttag, ehe die Sonne steigt. Reitet! Reitet hinaus und kämpft!!!

Stefan Böck ist Chefredakteur des Österreichischen Wirtschaftsverlags und nimmt sich kraft seines Amtes heraus, die letzte Seite mit seinen verqueren Gedanken zu füllen. Schreiben Sie ihm: s.boeck@wirtschaftsverlag.at

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die wirtschaft Nr. 12 | Dezember '14

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Die Wirtschaft 12/14  

die Wirtschaft, Wirtschaftsverlag, Stefan Strzyzowski, Daniel Nutz, Unternehmensführung, Harald Koisser, Nachhaltigkeit

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