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Steirisches Energiebündel Ein kleiner Malerbetrieb aus der Oststeiermark räumt derzeit ziemlich alle CSR-Preise ab. Wie aus einer persönlichen Leidenschaft ein funktionierendes Geschäftskonzept wurde. Text: Diana Danbauer

Firmenchef Hannes Herbsthofer offeriert bei unserem Besuch FairTrade-Kaffee und Biomilch. Das passt ganz ins Leitbild seines 35 Mitar­ beiter zählenden Malerbetriebs. Herbsthofer hat sich mit seiner Firma nämlich dem Thema Corporate Social Responsibility (CSR) verschrie­ ben. Und das ziemlich erfolgreich. In letzter Zeit wird die Malerei aus dem beschaulichen Kaindorf in der Oststeiermark mit allen relevanten Preisen auf diesem Gebiet überhäuft: Der European CSR-Award, der Tri­ gos oder der SEA Award sind bloß die wichtigsten in einer Reihe von Auszeichnungen.

Vom Ökospinner zum ausgezeichneten Betrieb Begonnen hat alles im Jahr 2006. Der damalige UN-Klimareport war in aller Munde, und Herbsthofer wollte etwas tun, gegen den Klimawandel aktiv werden. In Freunden fand er Gleichgesinnte, und schnell war die Idee der Ökoregion Kaindorf geboren. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss der Gemeinden der Region, um gemeinsam den CO2Ausstoß drastisch zu reduzieren und so zur Klimaschutzvorzeigeregion zu werden. Das Ziel war, den CO2-Ausstoß binnen fünf Jahren um 50 Prozent zu vermindern. Dem Malermeister war klar: Auch sein Betrieb muss entsprechend umgestellt werden. „Ich dachte, wenn ich zeige,

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die wirtschaft Nr. 12 | Dezember '14

dass ich das Ziel mit unserem Betrieb in der halben Zeit schaffe, dann müssen sich die anderen an der Nase nehmen“, erklärt Herbsthofer. Und tatsächlich hat der Malerbetrieb den CO2-Ausstoß innerhalb von zwei Jahren um mehr als die Hälfte reduziert. Das ging eigentlich ganz ein­ fach: Ölheizung raus, Nahwärmeanschluss mit Biomasse, Umstieg auf Ökostrom, die erste PV-Anlage wurde errichtet, und die Fahrzeuge wur­ den auf Pflanzenölbetrieb umgerüstet. Zudem reduzierte er den betrieb­ lichen Einsatzbereich. 2006 wurden noch rund 80 Prozent des Umsatzes in Entfernungen von mehr als 70 Kilometer erwirtschaftet, 2009 erzielte man bereits 80 Prozent davon in einem Umkreis von 30 Kilometern. Natürlich gab es auch für Herbsthofer Rückschläge. Der Umstieg auf Pflanzenöl als Benzinersatz habe sich etwa nicht ausgezahlt. Letztlich sei diese Form des Wirtschaftens aber für ihn der einzig gangbare Weg, wie er bekräftigt. Wichtig sind auf diesem Pfad die qualifizierten und engagierten Mitarbeiter, die dieses System mittragen. Diese kommen freilich nicht zufällig zu ihm. Herbsthofer lebt auch im Umgang mit den Mitarbeitern seine unternehmerische Verantwortung: „Ich beschäf­ tige nur regionale, heimische Facharbeiter, alle bestens ausgebildet, alle über dem Kollektivvertrag bezahlt. Zudem können sich meine Mitarbei­ ter ihre Arbeitszeit frei einteilen.“ Das ist einer der Gründe dafür, warum

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Die Wirtschaft 12/14  

die Wirtschaft, Wirtschaftsverlag, Stefan Strzyzowski, Daniel Nutz, Unternehmensführung, Harald Koisser, Nachhaltigkeit

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