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Ausbildungsangeboten haben wir in Österreich übers Ziel geschossen. Manche sind auch nicht mehr zeitgemäß“, fasst der vorwiegend im KMU-Bereich tätige Trainer und CSR-Lehrbeauftragte zusammen. Wal­ ker ergänzt: „Wir müssen die Kirche im Dorf lassen: In der derzeitigen Praxis ist CSR nur für jene Betriebe ein Thema, deren Stakeholder klare Anforderungen stellen: etwa für kleine, innovative Betriebe, die Zulie­ ferer für die Autoindustrie sind. Diese sind bereits über Management­ systeme gut gerüstet. Systematische CSR ist also der nächste, logische Schritt.“ Die jeweiligen CSR-Beauftragten sind dort immer häufiger im Qualitäts- oder Prozessmanagement angesiedelt. Die unternehmerische Frage ist in diesen Betrieben, ob CSR der zweiten Generation, die als Risikomanagement betrieben wird, oder doch eine fortschrittlichere Form angewandt werden soll. Laut Thomas Walker sind es nur fünf bis acht Prozent, die Unternehmensverantwortung proaktiv verstehen und betreiben.

Persönliche Werte anstatt gelernter Methoden Diese Unternehmer haben häufig einen persönlichen Zugang zu nach­ haltigem Wirtschaften: „Es ist meine persönliche Wertehaltung, die mich veranlasst hat, mich ehrlich mit dem Thema zu beschäftigen“, sagt Ulrike Retter, Chefin des Hotel Retter und Trigos-Gewinnerin 2013. Für sie kam die Ganzheitlichkeit durch ein schrittweises Herantasten über verschiedene Zertifizierungen an die Kriterien des begehrten CSRPreises. „Unsere Entscheidungen sind kompromisslos, was ökologische und soziale Kriterien angeht, auch wenn sie nicht ökonomisch sind. Ich bin mir aber sicher, das sich das auf Umwegen rechnet.“ Für eine spezielle CSR-Ausbildung sieht Ulrike Retter keine Notwendigkeit und hätte dafür auch keine Zeit. Wichtiger sind ihr dafür Netzwerktreffen, in denen sie Austausch mit Gleichgesinnten anderer Branchen pflegen kann und die sie inspirieren. Wenn schon eine eigene CSR-Ausbildung, dann auf Führungskräfteebene, aber auch da kämen für sie nur Lehr­ gänge infrage, die berufsbegleitend sind und Menschen aus der Praxis schulen. Für KMU empfiehlt sie eher die Investition in eine externe CSRBeratung als in einen eigenen Mitarbeiter – aus Kostengründen. Auch für Karl Rosse sen., Chef der Wiener Firma Rollenbau, eines Betriebes mit sechs Mitarbeitern, gilt Ähnliches: „Als Unternehmer und speziell als Leiter eines Familienunternehmens bin ich mir der Verant­ wortung gegenüber Mitarbeitern, Kunden sowie der Umwelt bewusst. Sämtliche Maßnahmen können sofort oder kurzfristig umgesetzt wer­ den, da ich keinen Aktionären oder anderen Gesellschaftern Rechen­ schaft ablegen muss. Kurzfristiges Gewinndenken hat in einem Fami­ lienunternehmen keinen Platz. Wir denken in Generationen.“ Doch er räumt ein, manchmal auch „betriebsblind“ zu sein. Genau hier könnten und sollten Schulungen ansetzen und den Blick über den Tellerrand schulen: Bewusstseinsbildung für die breitgefäch­ erten Aspekte sozialer Verantwortung, Aufzeigen von Spannungsfel­ dern sowie die Fähigkeit, systematisch einen Blick von außen auf das eigene Unternehmen zu werfen und blinde Flecken aufzudecken. Und das möglichst kompakt, denn das Tagesgeschäft bleibt oft die größte Herausforderung für Unternehmensverantwortliche.

Die Autorin: Alexandra Adler ist akademische CSR-Managerin. Nach vielen Jahren Tätigkeit als nachhaltige Unternehmerin und einer postgradualen Ausbildung in „CSR und ethisches Management“ arbeitet sie nun als CSR-Beraterin. www.weitsicht.solutions alexandra@weitsicht.solutions

CSR-Lehrgänge im Überblick: Lehrgang "CSR - Integratives Management in Industrie, Finanz & Wirtschaft" // Incite // 5 Tage Akad. CSR-ManagerIn // FH des bfi-Wien // 2 Semester MSc CSR und Ethisches Management // FH des bfi-Wien // 2 Semester, aufbauend auf CSR-ManagerIn Professional MBA mit Responsible Leadership // WU Executive Academy Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement // FH Krems // 4 Semester MSc in Sustainable Development, Management, and Policy // Modul University // 4 Semester Danube Professional MBA Corporate Responsibility & Business Ethics // Donau Universität Krems // 4 Semester berufsbegleitend/3 Semester Vollzeit Nachhaltigkeitsmanagement (Universitätslehrgang) // Montanuni Leoben // 3 Semester Quint.Essenz – Ausbildung zum akkreditierten CSR-Manager // plenum // 15 Tage MBA SUSTAINABILITY MANAGEMENT // Leuphana Universität Lüneburg // Fernstudium, 2 Semester Vollzeit/4 Semester berufsbegleitend Arbeitsgruppen und Einsteigerworkshops // respACT Zukunftsfähige Businessmodelle mit CSR // WIFI Wien // 1 Tag Risiko? Chance! // WIFI Tirol // Auf Anfrage

Initiative MITTELSTAND

unser Land braucht seinen MitteLstand Mit der Initiative Mittelstand machen wir sichtbar, was Österreichs Unternehmer Tag für Tag leisten und was sie brauchen.

www.initiative-mittelstand.at eine initiative des wirtschaftsbundes

die wirtschaft Nr. 12 | Dezember '14

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Profile for Österreichischer Wirtschaftsverlag GmbH

Die Wirtschaft 12/14  

die Wirtschaft, Wirtschaftsverlag, Stefan Strzyzowski, Daniel Nutz, Unternehmensführung, Harald Koisser, Nachhaltigkeit

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