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2013

Das Magazin des Österreichischen Wirtschaftsverlags

Riesig seit 1945

Think big

Grenzen sind zum Überwinden da! Vier Beispiele, wie man über den Tellerrand schaut.

P. b. b., Verlagspostamt 2340 Mödling, Zul.-Nr. GZ 02Z030737 M

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Hinter den Kulissen

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an einem starken Wochenendtag an. 1.600 Flaschen bringt der Liefer-

trag ausgeführt sein. Der Wiener Bierlieferdienst startete übrigens 1999

dienst an so einem Tag mit seinen vier Lieferfahrzeugen zu den Kunden.

als Pionier im deutschsprachigen Raum.

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„Wer sich zu groß fühlt, um kleine Aufgaben zu erfüllen, ist zu klein, um mit großen Aufgaben betraut zu werden.“ Jacques Tati

Think big Wissen Sie vielleicht zufällig noch, was Sie werden wollten, wenn Sie einmal groß sein würden? Ich kann mich noch gut an die Wünsche meiner Klassenkameraden erinnern. Einer wollte als Astronaut das All erforschen, ein anderer als Präsident die Geschicke des Landes lenken, dann war da einer, der unbedingt Hubschrauberpilot werden wollte. Einem Mädchen hatte es Daniel Düsentrieb besonders angetan. Sie wollte als Erfinderin die Welt verbessern. Und dann waren da natürlich noch die Heerscharen derer, die mit dem Brustton der Überzeugung sagten: Ich werde Indianerhäuptling! Leider ist es nun aber so, dass sich weder die Grundschule noch eine mir bekannte Universität auf die Ausbildung zukünftiger Stammeshäuptlinge versteht. Nicht einmal Humboldt bietet „Bogenschießen für Fortgeschrittene“ oder „Tapfere Kriegsführung, Teil 2“ an. Doch in Unkenntnis dieses Umstandes hatte die avisierte Berufswahl meistens etwas Heldenhaftes an sich. Es waren Berufe, unter denen man sich etwas vorstellen konnte und deren Bedeutung für die Menschheit außer Frage stand. Es ging um Aufgaben, die mehr sind als nur ein Job. Spannend sollten sie sein und einen richtig fordern – Heldentaten inklusive. Ich selbst wäre ja wirklich gern Batman geworden. Doch daraus wurde nichts. Da Sie eine Leserin oder ein Leser dieses Magazins sind, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie gerade als Indianerhäuptling durch die Prärie reiten, ebenfalls verschwindend gering. Sie sind Unternehmer geworden – und damit gar nicht so weit weg vom Inhalt vieler Kinderträume. Vielleicht wollten ja auch Sie bekannte Grenzen durchbrechen und neues Terrain erobern. Wollten die Geschicke Ihrer Getreuen gerecht und weise wie ein Häuptling oder Präsident lenken, wollten sich in Abenteuer stürzen und sich täglich neuen Herausforderungen stellen. Tja, dann haben Sie ja eine ausgezeichnete Wahl getroffen! Als Chef eines Unternehmens sind diese Aufgaben Ihr tägliches Brot. Und Sie brauchen dafür weder Raumschiff noch Revolver. Unsere Vorstellungen und Ziele sollten auch heute noch „groß“ und „hochgegriffen“ wie jene aus Kindertagen sein. Die Unternehmer unserer Coverstrecke beweisen es: Große Ziele setzen große Energien frei, große Ideen begeistern Menschen, große und mutige Konzepte verändern die Welt ein Stück. Und das sogar ganz ohne Kopfschmuck. Stephan Strzyzowski, Chefredakteur s.strzyzowski@wirtschaftsverlag.at

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Inhalt Hinter den Kulissen / Bier fürs Volk .................................................................................................................................................................... 3 Coverschwerpunkt: Think big „Wer sich keine Ziele steckt, hört auf zu leben“ / Kosmonaut Franz Viehböck im Interview ................................................ 10 Der Andersdenker / Warum Winzer Willi Opitz die halbe Welt kennt ................................................................................................................ 12 Eroberer der Kaffeewelt / Wie sich ein Österreicher mit Starbucks und Co anlegt .................................................................................... 14 „Man muss sich einfach nur trauen“ / Jungunternehmer Florian Gschwandtner im Interview .................................................... 16 So wachstumsorientiert sind Österreichs KMU / Unsere aktuelle GfK-Umfrage ................................................................. 17 Harald Koisser macht Mut / Möglichkeiten der Häutung ........................................................................................................................... 18 Persönlich gefragt / PR-Guru Wolfgang Rosam über Genuss ......................................................................................................................... 20 Basel III / Mythen und Fakten zum Reformpaket ........................................................................................................................................................ 22 Anleihen für den Mittelstand / Wie KMU den Kapitalmarkt anzapfen können .................................................................................... 24 IT als Mietmodell / Vor- und Nachteile von Cloud-Computing ........................................................................................................................ 26 Es wird bewölkt / Die besten Cloud-Lösungen für den Mittelstand ................................................................................................................... 28 Partner für Transportwege / Kleintransporter im Überblick ..................................................................................................................... 30 Offenbachers Asphaltgeschichten / Der Audi Q5 Quattro im Test ..................................................................................................... 32 Genormtes Leben / Skurriles aus der Welt der Normen ..................................................................................................................................... 34 Beniks Bilderbuch / Zu Gast bei einem australischen Chilibauern ................................................................................................................... 35 Verkehrsadern im Zukunftscheck / Wie der Transport zukunftsfähig wird ....................................................................................... 36 Friends on the Road? / Straßentransport: Positionen und Aspekte ................................................................................................................ 38

Michael Rausch - Schott / Verlagsgruppe News / picturedesk.com

Von der Werkstatt zum Konzern / Die Firmengeschichte von Kapsch ............................................................................................... 40 Der Farbenflüsterer / Wie ein Fotolabor in der digitalen Welt reüssiert ......................................................................................................... 42 Was mich ausmacht? / Das Bilderrätsel des Monats ........................................................................................................................................ 47 Ein paar klare Worte, bitte! / René Schmidpeter über unternehmerische Verantwortung .................................................................... 49 Böck macht Schluss / Think pig ......................................................................................................................................................................... 50 The world... is too small

IMPRESSUM Medieninhaber, Herausgeber und Verleger: Österreichischer Wirtschaftsverlag GmbH, Grünbergstraße 15/1, A-1120 Wien, T (+43 1) 546 64-0, F (+43 1) 546 64-528, Geschäftsführer: Thomas Zembacher, DVR-NR.: 0368491, Chefredaktion Österreichischer Wirtschaftsverlag Gesamtleitung: Stefan Böck, (sb), T (01) 546 64 – 380 E s.boeck@wirtschaftsverlag.at, Chefredakteur: Stephan Strzyzowski, (str), T (01) 546 64-381 E s.strzyzowski@wirtschaftsverlag.at, Chef vom Dienst: Daniel Nutz, (dn), T (01) 546 64-388 E d.nutz@wir tschaftsverlag.at , Redaktionelle Mitarbeit : Hannes Offenbacher, Harald Koisser, Peter Tajmar, Klaus Lorbeer, Clemens Rosenkranz, Gregor Josel, Fotos: Julia Fuchs, Martin Benik, Thinkstock, Anzeigenverkauf: Erhard Witty, T (01) 546 64–283, E e.witty@wirtschaftsverlag.at, Grafik Design: Antonia Stanek, Illustration: Barbara Rettensteiner, Silvia Ungersböck, Hersteller: Berger Ferdinand und Söhne GesmbH, 3580 Horn, www.berger.at, Aboservice: Aboservice Österr. Wirtschaftsverlag, T +43/1/361 70 70-570, F +43/1/361 70 70-9570, E aboservice@wirtschaftsverlag.at • www.die-wirtschaft.at • http://www.facebook.com/diewirtschaft • Aus Gründen der Textökonomie verzichten wir auf geschlechtsspezifische Formulierungen.

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Think big: Mit der Kraft der Ziele ins All

„Wer sich keine Ziele mehr steckt, hört auf zu leben!“ Für Franz Viehböck sind hochgesteckte Ziele eine Grundvoraussetzung für Erfolg. Wie er es mit dieser Strategie ins All geschafft hat und wie er als Manager davon profitiert hat – ein Interview über Grenzen, Strapazen und die Zukunft der Raumfahrt. Interview: Stephan Strzyzowski

Sie waren der bisher einzige Österreich im Weltall. Dafür mussten Sie sich einem Auswahlverfahren stellen und zwei Jahre in Russ­ land hart trainieren. Was war Ihr Antrieb? Ich wollte ein Abenteuer erleben! Es hat mich auch gereizt, die Erde einmal aus einem anderen Blickwinkel zu sehen und wissenschaftlich im All zu arbeiten. Ich glaube auch, dass es ein Urtrieb des Menschen ist, nach Neuem zu streben und existierende Grenzen zu überwinden.

ausscheiden würde. Als dann aber nur mehr 13 Kandidaten übrig waren, wusste ich: Jetzt will ich ins All – und habe die nötige mentale Energie aufgewendet.

Auf so eine Mission muss man sich vermutlich sehr gründlich vorbereiten. Was tut sich in dieser Phase mental? Die Vorbereitung ist extrem schwierig, da Raumflüge enorm strapaziös sind. Um so eine Phase durchzustehen, braucht man das große Ziel vor Augen. Nur dann kann man die Energie auf bringen, die man braucht, um es zu erreichen. Wenn man ein wirklich großes Ziel hat, ist man in der Lage, scheinbar Unmögliches zu leisten. Das gilt für den persönlichen genauso wie auch für den unternehmerischen Bereich.

Was haben Sie denn, an Ihrem Ziel, im All, angekommen, über sich gelernt? Sehr viel. Ich habe gelernt, wie ich in Stresssituationen reagiere und wie belastbar meine Psyche und meine Physis sind.

Wissen Sie noch, wann Sie dieses große Ziel für sich formuliert haben? Als ich mich beworben habe, war es zunächst eher ein Abenteuer. Es gab viele Etappenziele, die ich erreichen wollte: einen Fallschirmsprung, ein Überlebenstraining, einen Flug mit einem Bundesheerjet. Ich dachte immer wieder, dass es okay wäre, wenn ich nach diesen Zwischenzielen

Solche Flüge werden betuchten Privatpersonen ja bereits angebo­ ten. Ist ein Raumf lug als Freizeitvergnügen überhaupt geeignet? Ein Raumflug ist definitiv kein Erholungstrip. Er ist eine Riesenstrapaze. Die Anstrengung für den Körper ist enorm. Die Anpassung an die Schwerelosigkeit, die emotionale und physische Belastung, auch die Gefahr der Weltraumkrankheit.

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Wie hat Ihr Leben vor dieser Entscheidung ausgesehen? Ich war nach dem Studium an der TU als Assistent am Institut für Elektronische Messtechnik tätig und habe noch an meiner Dissertation gearbeitet, als ich mich beworben habe.

Würden Sie noch einmal ins All f liegen wollen? Ja, allerdings müsste schon eine neue Herausforderung dabei sein. Ich würde noch mehr machen wollen als beim letzten Mal. Nur rauffliegen, damit man oben ist, das wäre mir zu wenig.


Foto: Berndorf AG

Stichwort psychische Belastung. Wie fühlt es sich an, so weit weg vom Heimatplaneten zu sein? Gedanken und philosophische Überlegungen darüber, wie klein der Mensch in den Weiten des Kosmos ist, kommen einem schon in den Sinn. Vor allem dann, wenn man länger oben ist.

Damit stehen vermutlich auch nur bescheidenere Mittel zur Ver­ fügung. Damals waren finanziell keine Grenzen gesetzt. Jetzt läuft es mehr und mehr mit privaten Mitteln. Weil auch immer häufiger kommerzielle Absichten dahinterstehen. Deswegen geht es auch langsamer voran.

Solche Grenzerfahrungen schweißen vermutlich zusammen. Haben Sie noch viel Kontakt zu anderen Kosmonauten? Ja klar. Man verbringt sehr viel Zeit vor dem Flug miteinander, man trainiert gemeinsam, und dann hat man auch das Erlebnis im All. Es gibt ein jährliches Treffen der Kosmonauten und Astronauten der Welt, bei dem alle für eine Woche zusammenkommen. Da wird zwar natürlich viel über die Vergangenheit geredet, aber auch über die Zukunft. Es ist also nicht nur ein Oldboys-Club. Dahinter steht eine Mission, zum Beispiel in Richtung Umweltschutz und mehr Sicherheit.

Sie sind nun ebenfalls seit Jahren in der Privatwirtschaft als Vor­ stand der Berndorf AG tätig. Welcher Weg hat Sie von der MIR dorthin geführt? Ich war nach der Rückkehr noch zwei Jahre für das Projekt tätig und bin dann nach Amerika gegangen. Die Supermächte haben damals zu kooperieren begonnen. Raumfahrt war ein Projekt, bei dem die USA Russland unterstützen wollten. Ich war bei Boeing und habe den Bereich Space and Communication acht Jahre lang geleitet. Dort habe ich auch Management und Betriebsführung gelernt. Nach 9/11 wurde das Büro in Österreich geschlossen, um wirtschaftliche Auswirkungen zu dämpfen, meine Familie wollte aber nicht in die USA nachgekommen, und so habe ich Boeing verlassen. Ich habe dann die Geschäftsführung einer Tochterfirma von Berndorf übernommen und bin nach fünf Jahren in den Vorstand gewechselt.

Wie könnte denn die Zukunft der Raumfahrt aussehen? Wohin wird der Mensch noch vordringen? Das ist schwer zu beantworten, weil ich mir nicht wirklich Grenzen vorstellen kann. Der Mensch wird sicher in der Lage sein, andere Planeten zu besiedeln. Man wird bestimmt irgendwann zum Mond und zum Mars fliegen, um dort eine Basis aufbauen. Was sind die wesentlichsten Leistungen der Forschung im Welt­ raum? Vor allem im medizinischen Bereich, etwa bei der Erforschung von Osteoporose, hat es spannende Erkenntnisse gegeben. Im Weltall gewinnt man auch immer wieder neue Informationen über dessen Entstehung. Die Weltraumforschung befasst sich aber auch stark mit Umweltschutz und Klimawandel und misst laufend das Meeresniveau. Auch im Bereich der Materialwissenschaften hat sich viel getan. Der erste bemannte Mondf lug konnte realisiert werden, weil enorme Mittel mobilisiert wurden und er zum Ziel einer ganzen Nation wurde. Welchen Stellenwert hat die Raumfahrt heute? Von den heutigen Politikern hat niemand den Mut, sich hinzustellen und zu sagen: Wir machen das. Die Politiker waren vermutlich früher auch nicht mutiger. Aber Kennedy war getrieben durch den politischen Wettkampf und das Wettrüsten. So eine Situation haben wir heute einfach nicht.

Welche Erfahrungen aus dem All konn­ ten Sie in die Firma einbringen? Das Unternehmen, das ich zunächst geleitet habe, hatte jahrzehntelang keine wesentlichen Veränderungen durchgemacht und war nur mit dem Wirtschaftswachstum gewachsen. Das ist für jemanden, der hoch hinaus will, nicht besonders sportlich gewesen. Ich wollte höhere Ziele stecken. Das konnten sich die meisten zunächst nicht vorstellen. Wir haben dann aber einen entsprechenden Prozess aufgesetzt, der Widerstand hat sich gelegt, und die Erfolge kamen. Wesentlich ist also, dass man sich hohe Ziele steckt und dann versucht die Organisation dort hinzubringen. Warum fällt es dennoch oft so schwer, die Ziele zu erreichen? Das, was uns hindert, ist das Menschliche. Die Herausforderung des Miteinanderarbeitens. Denken Sie nur an die internationale Raumstation. 16 europäische Nationen plus die USA, Kanada, Japan und Russland arbeiten gemeinsam an dem Projekt. Technisch ist es nicht so eine große Hexerei. Das machen die Russen seit Anfang der 1970er-Jahre. Aber die Nationen mit ihren unterschiedlichen Sprachen, Kulturen, Interessen und Denkmustern dazu zu bringen, gemeinsam an einem Strang zu ziehen – das ist die wahre Herausforderung.

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Think big:

Fotos: Steve Haider, Bob Doran, Bob McNeely, The White House, John Stillwell / PA / picturedesk.com

Mit Promis und Storys in die weite Welt

Der Andersdenker Der Illmitzer Winzer Willi Opitz wollte von Beginn an hoch hinaus. Am Anfang als Spinner abgetan, eroberte er Marktanteile in England und in China und spannte nebenher einige Topprominente vor den Marketingkarren – ein Besuch auf seinem Weingut. Text: Daniel Nutz

Es ist ein schlichtes Landhaus im nordburgenländischen Illmitz, in dem der Winzer von Welt seine Gäste empfängt. Willi Opitz braucht keinen Glaskobel oder eine auffällige Architektur, um die mondäne und kosmopolitische Strahlkraft seiner Produkte zu unterstreichen. Hier ist es unprätentiös. Authentisch, nennt es Opitz mit seinen Worten. Und internationale Strahlkraft hat er auch so. Das zeigt ein Blick auf die mit Bildern dekorierten Wände seines Weinkellers. Dort präsentiert sich Opitz mal mit Arnold Schwarzenegger, mit dem Bundespräsidenten oder mit Sportlern wie Oliver Kahn oder Kimi Räikkönen, und sogar der ehemalige US-Präsident Bill Clinton schüttelt ihm auf einem Foto die Hand. Opitz hat sie alle zu Botschaftern seiner Marke gemacht, die international reüssiert. Mehr als die Hälfte seiner Produktion geht ins Ausland. Nicht schlecht für einen ehemaligen Maschinenbauer, der als Autodidakt zu einem der erfolgreichsten Winzer des Landes wurde. Doch wie hat es Opitz überhaupt so weit gebracht?

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Anders denken Die Geschichte des Winzers Willi Opitz ist mit vielen Wagnissen verbunden. Mit seinem halben Hektar Anbaufläche wollte der Burgenländer auf Anhieb in der internationalen Liga mitspielen. Kein einfaches Unterfangen in einer Zeit, in der das Image der österreichischen Branche aufgrund des Weinskandals in etwa so gut war wie jenes chinesischer Fabriken in Sachen Arbeitsbedingungen. Folglich machte die Fachwelt bei den relevanten Messen auch einen größeren Bogen um die österreichischen Stände. Opitz packte dennoch seine unternehmerische Sturheit, und er stieg just zu dem Zeitpunkt ins Geschäft ein, als viele der Illmitzer Winzer ihre Flächen brachlegten. Was nach wirtschaftlicher Irrationalität klingt, hat bei Opitz System. Sein Geschäftskonzept bringt er selbst wie folgt auf den Punkt: „Steige ein, wenn alle aussteigen. Gehe in Märkte, die voll sind. Mache das, was die anderen nicht machen.“


Das Ziel ist die Welt So war für Opitz von Anfang an klar, dass er seinen Absatzmarkt zum Großteil außerhalb der heimischen Landesgrenzen erschließen will. Sein oberstes Ziel: den für Europa bedeutenden britischen Markt zu erobern. „Dort sind die großen Auktionshäuser wie Christie’s und Sotheby’s sowie die wichtigsten Kritiker beheimatet. Wer es in England schafft, schafft es überall“, erklärt Opitz, wieso er gleich zu Beginn aufs Ganze setzte. Woher der Mut kam? Die Geschichten seines Großvaters hätten ihn inspiriert, sagt Opitz. Dieser sei aufgrund der Arbeitsknappheit nach dem Ersten Weltkrieg in die USA gegangen, um sich in der Holzwirtschaft durchzuschlagen, und hat viele Geschichten aus der Neuen Welt mit nach Illmitz genommen. Manche von ihnen erschienen den Dorfkollegen offenbar unglaubwürdig. „Seither sagt man, dass die Familie Opitz ein wenig durchgeknallt ist“, erzählt der Winzer.

Erfinde deinen eigenen Wein Geschichten zu erzählen ist heute auch des Enkels Passion. Sein Erfolgsrezept? „‚Uniqueness‘ und ‚Competitiv Edge‘ nennen wir das hier in Illmitz“, scherzt Opitz. Er meint damit, dass man bei einem kleinen Anbaugebiet nur mit einem ausgefallenen Produkt punkten kann. So nützte er seine Lage am Neusiedler See und entwickelte auf der Tradition der Strohweinherstellung aufbauend seinen einzigartigen Schilfwein. Die Idee dahinter: Durch die frühe Abnahme und die trockene Lagerung auf Schilf entwickelt sich eine außergewöhnlich aromatische Traube, die sich optimal für die Herstellung von Dessertweinen eignet. Die Innovation bewegte einerseits den Gesetzgeber, das Weingesetz zu ändern, und veranlasste andererseits die internationale Fachöffentlichkeit auf der „London Wine Trade Fair“ zu Jubelstimmen. Opitz hatte es damit auf den englischen Markt geschafft. „Wenn du keine Kunden hast, hast du auch keine Angst, etwas falsch zu machen“, sagt er heute lapidar. Dieser Einstellung ist er weiterhin treu geblieben.

würde nicht so entspannt über sein Weingut blicken, wenn er nicht einen Joker im Ärmel hätte. Denn seine prominenten Kunden haben ihm die Handelsstraße nach China bereits ziemlich gut erschlossen und dort zu Bekanntheit verholfen. Stolz belegt er dies mit einem Video, das ihn bei einer Rede in einer mit Tausenden Menschen gefüllten chinesichen Volkshalle zeigt - der Winzer als Weinbotschafter.

Mache den Kunden zum Botschafter „Mache deine Kunden zu deinen Botschaftern“, sagt Opitz, wenn man ihn nach seinem Vermarktungsrezept fragt. Da ist es von Vorteil, wenn die Kunden zur internationalen A-Prominenz zählen. Begonnen hat alles mit dem langjährigen Motorsport-Manager Ron Dennis, der Opitz zum Winzer des traditionsreichen Formel-1-Rennstalls McLaren machte. Über den Rennstall kam Opitz zum ehemaligen Weltmeister Mika Häkkinen, der den Weg zum finnischen Markt ebnete. Heute zählen die unterschiedlichsten Sportpersönlichkeiten zu seinen „Kunden“ – denn Testimonials oder Werbeträger will Opitz diese keinesfalls nennen. Schließlich seien ein paar Flaschen Rabatt auf den Einkauf auch schon die einzige monetäre Zuwendung, die Opitz seinen Promis zukommen lässt, wie er selbst sagt. „Sie kommen, weil sie meinen Wein lieben“, sagt Opitz stolz und präsentiert einige SMS des Rennfahrers Kimi Räikkönen. Der Marke helfen die Promis so oder so. Für China waren vor allem seine zwei bisher größten PR-Coups Gold wert. Anlässlich der Eröffnung des Arnold-Schwarzenegger-Museums präsentierte Opitz seine „Hasta la Vista“-Cuvée. Dass Unverschämtheit oftmals siegt, zeigt eine andere Geschichte: Anlässlich der Wiederwahl Bill Clintons zum US-Präsidenten besorgte sich Opitz von der Telefonauskunft die Nummer des Weißen Hauses, um den verdutzten Mitarbeitern die Lieferung eines eigenen Cuvées zur zweiten Amtszeit anzukündigen. Dem damaligen Präsidenten dürfte er so gut geschmeckt haben, dass er Opitz bei seinem nächsten Wien-Besuch zum Essen einlud – inklusive eines prestigeträchtigen Fototermins.

Erzähle Geschichten Opitz meidet es, ausgetretene Pfade zu gehen. Dafür zerbricht er sich über scheinbar banale Dinge wie Sortennamen den Kopf. „Welschriesling ist eine Bezeichnung, die international einfach nicht funktioniert“, sagt er. So heißt Welschriesling bei ihm eben „Pole Position“, und ein Sämling nennt sich „Kiebitz“. „Kiebitz aus Illmitz vom Opitz“, das merkt sich der Kunde, lautet die Kalkulation. Und nur wer der Kundschaft etwas Neues biete, habe die Chance, aus der Masse der Weinbauern herauszutreten, ist seine Überzeugung. Auch in Sachen Gustation erschließt er deshalb neue Wege. Seinen Wein serviert er ausschließlich mit kleinen Häppchen, die den Geschmack unterstreichen sollen. Wieder so ein Alleinstellungsmerkmal, womit der Kunde den Namen Willi Opitz im Gedächtnis behält. „Biete deinen Kunden nicht nur Wein, biete ihnen auch Kultur“, sagt Opitz, der den Lebensstil der englischen Country-Häuser verbreiten möchte. Mit dieser Botschaft will er nun auch in China reüssieren. Kein einfaches Unterfangen in einem Markt, in dem gerade einmal die größten französischen Châteaus bekannt sind, aber keineswegs das Weinland Österreich. Aber Opitz

Nicht reden, handeln! „Ich bin kein Chancendenker. Ich mache einfach“, sagt Opitz, von dessen Lippen man ablesen kann, dass er die Herausforderung liebt. Aber gibt es überhaupt noch eine Herausforderung, wenn man schon den US-Präsidenten dazu gebracht hat, den Wein zu trinken, den man selbst hergestellt hat? Opitz zieht die Mundwinkel zu einem breiten Lachen hoch. Es gibt sie, soll das heißen. An den Wänden seines Kellers gibt es immerhin noch Platz für Prominentenfotos. Sein neuester Coup: die Sonderedition „Rosamunde Pilcher“, für die die 88-jährige Romancière gewonnen wurde. Auf einem Flecken Land im südenglischen Cornwall pflanzte Opitz mit einem Partner aus diesem Grund vergangenes Jahr Reben der Sorten Pinot Noir und Pinot Gris an. Wie es der Zufall will, gehört das Gut zu den Besitztümern von Prinz Charles. Willi Opitz wäre nicht er selbst, hätte er nicht auch schon daran gedacht, aus dieser Gelegenheit das Beste herauszuholen. Anlässlich der Geburt des ersten Kindes von Thronfolger William soll eine „Royale Baby Cuvée“ entstehen. Die will er dann selbstverständlich persönlich der königlichen Familie überreichen.

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Think big: Mit Wiener Tradition zum Global Player

Eroberer der Kaffeewelt Der Neusiedler Kaffeeunternehmer Reinhold Schärf ist mit seiner Coffeeshop Company auf Expansionskurs und schert sich dabei nicht um die Konkurrenz – egal ob sie Starbucks oder Costa heißt. Text: Daniel Nutz

Ein Einkaufszentrum am Rande der burgenländischen Kleinstadt Neusiedel. Vielleicht nicht gerade der Ort, an dem man den Firmensitz eines Unternehmens vermutet, das gern mit Costa oder Starbucks am internationalen Kaffeemarkt konkurrieren möchte. Wirklich unscheinbar ist aber nur die Postadresse, die Zentrale der Schärf-World kann durchaus mit Repräsentanz dienen. Eine architektonisch integrierte riesige Kaffeebohnennachbildung markiert den Eingang, über eine Miniaturkaffeeplantage betritt man die Unternehmenswelt, die über drei Unternehmergenerationen in einzelnen Evolutionsschritten entstanden war. Zuerst waren da die Espressomaschinen des Großvaters, dann begann der Vater mit der Herstellung eigener Kaffeesorten, und zuletzt führte der Sohn Reinhold Schärf die expansive Familientradition weiter fort, indem er mit der Coffeeshop Company durchaus erfolgreich in die weltweite Systemgastronomie einstieg.

Verbreitung der Wiener Kaffeekultur In der hauseigenen Filiale der CaféKette im ersten Stock empfängt uns Reinhold Schärf. Auf den ersten Blick sieht es hier aus wie beim großen US-Konkurrenten Starbucks. Auf der überdimensionalen Speisekarte hinter der Theke steht ein breites Repertoire an Kaffeevariationen, die vordergrün-

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dig für den Weg ins Büro oder für unterwegs bestimmt sind. Der 56-Jährige im grauen Anzug lädt zu einem Becher Kaffee ein. „Überzeugen Sie sich von der Qualität“, sagt er. Fast eine Aufforderung. Beim Nippen am Kaffee fallen die feinen Unterschiede zum Mitbewerber auf. Schärf hat mit seinem Shop eine Art mitteleuropäischer Adaption der von Starbucks bekanntgemachten Idee des schnellen Kaffees etabliert. „Wir verbinden amerikanischen Lifestyle mit der alten Wiener Kaffeehaustradition“, sagt er. Anders zu sein ist sein Motto. Das machte in Wahrheit schon sein Großvater, der bei seinen Espressomaschinen eine neuartige Zylindertechnik einsetzte und so in der Gastronomie einen bleibenden Eindruck hinterließ. Etwas anders zu machen war auch der Anspruch des Enkels. Seine Idee: Starbucks und Co böten amerikanische Fastfood-Kultur, Coffeeshop solle dieses praktische Äußere um die europäische Seele der Kaffeehauskultur erweitern. Sprich, der Kunde soll sich etwas mehr Zeit nehmen, auch gerne mal Platz nehmen und wieder das tun, was die europäischen Kaffeehäuser seit der Aufklärung groß gemacht hat: Es soll – auf gut Wienerisch gesagt – tischkariert werden. Wobei man sich als Gast auch zurücklehnen kann, denn anders als bei der Konkurrenz wird hier an den Tisch serviert.


Starbucks ließ ihn abblitzen

Der Coup mit Marley

Das Konzept geht offensichtlich auf. Über diverse Franchisepartner ist Coffeeshop mit 285 Filialen in mittlerweile 23 Ländern – darunter USA, Russland, China und beinahe der ganze arabische Raum – vertreten. Wobei die Expansion voranschreitet. Noch heuer wird die 300. Filiale eröffnet. Bei 500 bis 600 sieht Schärf mittelfristig den Plafond. Ganz schön für ein Geschäftskonzept, das sich Schärf eigentlich erst ausdachte, als er von Starbucks einen Korb bekommen hatte. Schärf wollte ursprünglich nämlich Österreich-Franchisenehmer des US-Konzerns werden. Dessen Bosse seien aber ziemlich arrogant gewesen, erzählt Schärf, wonach er es auf eigene Faust versuchte und 1999 in Wien noch vor Starbucks den ersten Straßenladen eröffnete.

Bei diesem Vorhaben hat Schärf unlängst einen vermutlich recht zugkräftigen Botschafter gefunden. Sein Sohn Marco lief bei einem Besuch in Jamaika Rohan Marley – einem der Söhne der Reggae-Ikone Bob Marley – über den Weg. Über Verhandlungen zum Import der von Rohan vertriebenen Edelkaffeemarke Marley-Coffee entstand nebenher eine Kooperation für ein eigenes Kaffeehauskonzept im Rastafari-Stil. Nächstes Jahr soll in Österreich der erste Laden dieser Art entstehen und später konzentriert in die USA expandiert werden. Einzig über den Namen sollte man sich wohl noch Gedanken machen. „Bob Marley Coffeeshop“ würde vermutlich bei den Anhängern des Reggae-Stars nicht unbedingt Assoziationen mit Kaffee hervorrufen.

Buyout der Miteigentümer Kühn nannten damals viele diesen Schritt. In erster Linie auch manche seiner aus der eigenen Familie stammenden Miteigentümer. Das Los eines Familienunternehmens. Um handlungsfähig zu bleiben, hat Schärf also seine Miteigentümer ausgekauft. „Irgendwann kommst du nur mit Familienmitgliedern nicht mehr weiter, da sind die Interessen zu unterschiedlich“, sagt Schärf, dem mit Coffeeshop von Beginn an ein weltweites Netzwerk vorschwebte. Denn Landesgrenzen waren für die Schärfs eigentlich nie ein Thema, das hatten schon die ersten beiden Unternehmergenerationen gezeigt. Rückblickend sieht Reinhold Schärf seinen von vielen als waghalsig angesehenen Schritt ins Franchising als logische Weiterführung der inzwischen 60-jährigen Unternehmensgeschichte. „Gute Unternehmer schauen von der Vergangenheit aus in die Zukunft“, sagt er, und vor allem tun es „gute Unternehmer nicht, um Geld zu verdienen, sondern, um etwas zu schaffen.“ Klingt nach einem abgedroschenen Plädoyer. Schärf ist sich dessen bewusst, versucht die oft leere Phrase mit Leben zu füllen.

Verbreitung der Unternehmensphilosophie „Unternehmer zu sein heißt verändern“, sagt er. Da gehe es um den Gast, der durch den Kaffee Begegnungen erleben soll. Da gehe es aber auch um die eigenen Mitarbeiter. Große Freiheiten für die Mitarbeiter führten zu maximalem Erfolg. Denn Erfolg lasse sich sowieso nicht in Euro messen, das hat Schärf auch auf seinen vielen Reisen zu Kaffeebauern erfahren. Glück habe nichts mit Wohlstand zu tun. Vielmehr berge der Wohlstand die Gefahr, träge zu werden. Und diese einkehrende Trägheit ist Schärfs größte Befürchtung. Geleitete Systeme machen uns zu Fachidioten, sagt der Unternehmer Schärf, der den anthroposophisch geprägten dm-Firmengründer Götz Werner als Vorbild nennt und den eigenverantwortlichen statt des einheitlichen Menschen propagiert. „Ich will als Unternehmer meinen Beitrag leisten und ein Arbeitsumfeld schaffen, in dem Raum zur Entfaltung ist.“ Diese Einstellung will er über Workshops in der Neusiedler Firmenzentrale an seine Franchisenehmer weitergeben und durch seinen Kaffee in alle Welt exportieren.

Nr. 10: Wer Bescheid weiß, entscheidet richtig. Österreichs Wirtschaftskapitäne vertrauen auf die Informationen des STANDARD. Vor allem unter jenen mit Hochschulabschluss gibt es keine beliebtere Qualitätstageszeitung.

Quelle: GfK Austria; Image der Tageszeitungen 2011


„Man muss sich einfach trauen“ Mit der Lauf-App „runtastic“ erobert Florian Gschwandtner die Handys von Sportlern rund um den Globus. Wie man es vom Mostviertel ins Silicon Valley schafft – ein Interview über Sturheit, Ehrgeiz und Mut. Interview: Stephan Strzyzowski

Mit welchen Herausforderungen wurdet ihr auf dem internationalen Parkett konfrontiert? Eine Herausforderung war zum Beispiel die sprachliche Barriere. Wir haben zunächst alle Übersetzungen selbst gemacht, dann allerdings rasch gemerkt, dass wir mit unserem Uni-Englisch an Grenzen stoßen. Wir wussten aber, dass die Übersetzungen enorm wichtig sind, weil sie uns eine Differenzierung vom überwiegend nur englischsprachigen Mitbewerb bringen würden. Habt ihr professionelle Übersetzer engagiert? Nein, wir haben unsere User gefragt, ob sie uns nicht helfen wollen, und rasch Leute gefunden, die das bis heute mit Begeisterung kostenlos machen. Gibt es etwas, das euch beim Wachsen über die Landesgrenzen hinaus wirklich Bauchweh bereitet hat? Eigentlich nicht. Bei uns ist es immer nur nach oben gegangen, und so ist es nach wie vor. Wir haben aber auch immer alles dafür getan. Was denn zum Beispiel? Wir haben stets auf die Qualität der App geachtet. Wir haben auch versucht zu verstehen, wie die Medien in anderen Ländern ticken, und über virale Kanäle, über Social Media, über Blogger und Journalisten unsere Marke bekanntgemacht. Teilweise waren wir dabei sehr naiv und haben einfach wichtige Leute angeschrieben und so versucht Kontakte aufzubauen. Das hat da und dort sogar tatsächlich funktioniert. Was muss man denn mitbringen, um als Österreicher internatio­ nal überzeugen zu können? Man muss das Storytelling draufhaben! Es geht darum, die Medien nicht nur mit einer Information zum Produkt, sondern auch mit der

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Story dahinter zu versorgen. Wie ist das Gründerteam zusammengekommen? Was unterscheidet uns? Und damit man damit durchdringt, muss man echte Beziehungen zu den richtigen Leuten aufbauen. Welche Maßnahmen haben abgesehen davon den Erfolg gebracht? Ich glaube, es war ein Mix aus mehreren Maß­ nahmen. Wir haben einerseits über unsere Apps schnell Reichweite bekommen, weil das Business sehr viral ist, und die begeisterten Leute Informationen auf Facebook und Twitter geteilt haben. Und dann waren wir auch auf vielen Messen und Events, um uns auszutauschen und auch einmal auf ein Podium zu kommen. Seid ihr dabei nach Plan vorgegangen? Wir hatten natürlich einen Businessplan. Doch als Entrepreneur muss man immer auch flexibel bleiben und situativ reagieren, ohne große Stretegien zu entwerfen. Das hat sehr gut geklappt, und das Big Picture entwickelt sich dann Schritt für Schritt. Was können sich etablierte Unternehmen von dem international geprägten Start-up-Spirit abschauen? Ich glaube, es sind mehrere Dinge. Auf der einen Seite ist die schnelle Umsetzung sehr prägend. Bei uns entsteht manche Idee am Samstag beim Ausgehen um drei Uhr in der Früh, und wir setzen sie nur wenig später um. Wir sagen auch immer „fail fast“. Denn es ist wichtig, Dinge, die nicht klappen, auch schnell wieder abzudrehen. Auch große Unternehmen können sicher lernen, dass nicht alles monatelang dauern und über sechs Hierarchieebenen gehen muss. Zudem sollten sie auch immer Raum und Ressourcen bieten, damit Innovationen entstehen können. Wird man als App-Schmiede aus Österreich eigentlich gleich ernst genommen? Die meisten wissen ja zunächst gar nicht, dass wir aus Österreich sind. Sie denken eher an Berlin oder London, verstehen aber auch rasch die Vorteile des Standorts. Wir haben etwa sehr gute Techniker in Öster-

Foto: runtasitc

Mit einer App steht man automatisch im internationalen Wettbewerb. War euch von Anfang an klar, dass Landes­ grenzen keine Rolle spielen können? Eigentlich schon. Der Fokus lag allerdings zu Beginn trotzdem eher auf der D-A-CH-Region und Europa. An Übersee dachten wir erst später.


Think big: Mit Strategie nach Übersee

reich, und der War of Talents ist bei weitem nicht so schlimm wie im Silicon Valley. Welche Stellung nehmt ihr denn jetzt im Markt ein? In Europa sind wir schon der Top-Player. Im UK und in den USA sind wir noch dabei zu wachsen, sind aber immerhin schon in den Top 15 bzw. den Top 10. Insgesamt gesehen sind wir unter den Top-3-Companies in dem Bereich und beschäftigen fast 70 Vollzeitangestellte. From Mostviertel to the USA: Woher kommt euer unternehmeri­ sches Selbstbewusstsein? Ich war wohl immer schon ein Draufgänger. Ich bin am Bauernhof in Strengberg aufgewachsen, habe viel Blödsinn gemacht und hatte schon mit sechs Jahren mein erstes Moped. Da wird man risikoversiert. Diese Neugier und Abenteuerlust ist während meines Studiums noch ordentlich gewachsen. Mich haben immer eigene Projekte interessiert. Dabei habe ich zunächst sechs Monate nach dem Studium als Projektmanager gearbeitet und gutes Geld verdient. Als ich aber einmal Feedback zu Optimierungspotenzialen im Unternehmen gegeben habe, musste ich feststellen, dass es gar nicht erwünscht war, über den Tellerrand zu schauen.

Deshalb habt ihr entschieden, euch selbstständig zu machen? Dadurch, dass ich zwei Studien, Technik und Wirtschaft, gemacht habe, hat mich immer alles Unternehmensübergreifende interessiert. Also haben wir dann „runtastic“ gestartet, obwohl uns jeder abgeraten hat. Doch da muss man stur sein und es trotzdem machen. Ehrgeiz war bei uns jedenfalls nie kleingeschrieben. War manchmal dennoch auch etwas Überwindung nötig? Klar! Auf Englisch zu präsentieren war am Anfang eine große Herausforderung für mich. Doch ich habe es trotzdem immer wieder auch vor einem riesen Publikum getan, weil es eine Chance für das Unternehmen war. Auch das erste Mal ins Valley zu fahren und da und dort relativ planlos anzuklopfen und zu präsentieren – das muss man schon einmal gemacht haben. Dein wesentlichstes Learning aus dieser Phase? Man muss sich einfach trauen, denn es kann ja nichts passieren. Das ist mein Motto! Vor allem wenn man jung ist. Man kann nur lernen. Was man in der Start-up-Welt in wenigen Jahren lernt, kapieren andere vielleicht ihr ganzes Leben nicht.

So wachstumsorientiert sind Österreichs KMU Setzen Sie momentan Maßnahmen, damit Ihr Unternehmen weiterwächst?

39 % nein

58 % ja

Haben Sie Ihr Geschäftsmodell bewusst auf stetige Expansion ausgelegt?

58 % nein

39 % ja

Sind Ihre Kunden vorwiegend im In- oder im Ausland?

Ist Ihr Geschäftsmodell beliebig skalierbar?

81 % Inland

29 % ja

17 % Ausland

50 % nein

Kooperieren Sie mit anderen Unternehmen Ihrer Branche?

65 % ja 32 % nein

GfK Austria hat online 219 Leser von die WIRTSCHAFT befragt. Die prozentuelle Angabe der „Weiß nicht“-Antworten haben wir gegebenenfalls weggelassen.

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Illustration: Barbara Rettensteiner

Harald Koisser macht Mut

Folge 19: Die Möglichkeit der Häutung Jede Idee will leben. Die Frage ist nur, ob wir sie in ein enges Aquarium werfen und mutwillig klein halten oder die Möglichkeit der Häutung in Betracht ziehen. Viele Fische passen ihre Körpergröße klug an die Umgebung an. In einem kleinen Aquarium bleiben sie klein, in einem etwas größeren werden sie größer. In ihrem natürlichen Lebensraum dehnen sie sich auf volle Länge aus. Gleich jenen Fischen neigen wir Österreicher dazu, unsere Ideen der Kleinheit des Landes anzupassen. Große Ideen werden klein gedacht, weil wir in einem kleinen Aquarium schwimmen, Europa hin oder her. Begrenzungen, wie fiktiv auch immer sie sein mögen, beschneiden stets das Denken. Meine Tochter hat in der Schule eine „freie“ Aufgabe in Zeichnen bekommen, die voll von Restriktionen war: Mal ein Gefühl, hör auf dein Inneres, drück dich aus – aber arbeite monochrom, die Papierfläche muss komplett mit Farbe gefüllt sein, das Gemälde muss abstrakt sein. Da kann man nur ratlos vor dem leeren Papier sitzen und „versagen“. Es erinnert mich an Brainstormings in Firmen, wo die Führungskraft vorgibt, man dürfe alles, wirklich alles sagen, und dann jede Meldung mit „Das geht nicht, weil“ kommentiert.

hier im Dorf verstanden wird. Eine Produktionsstätte ohne jegliche räumliche Zubaumöglichkeiten ist toll und kuschelig. Am besten, ich benenne mein Unternehmen nach der Straße, wo wir angesiedelt sind, damit wir beim Übersiedeln echte Probleme haben.

Das Leben eines Aquariumfisches ist ganz in Ordnung. Er befindet sich immer in sinnvoller Relation zu seiner Umgebung. Ist es um ihn herum eng, dann macht er sich ganz klein. Das Aquarium wirkt groß, weil er klein bleibt.

PS: Schlangen tragen eine ganz enge Haut. Wenn sie zu eng wird, wird sie abgeworfen. Die Möglichkeit der Häutung sollte stets in Betracht gezogen werden.

Nachhilfe im Aquarium-Denken: Eigentlich ist es eine blöde Idee. Wenn das klug wäre, hätte es schon jemand gemacht. Am besten, ich sage es niemandem. Ich gebe der Idee am besten einen Namen, der nur

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Wobei man natürlich aus „Kronreif, Trunkenpolz, Mattighofen“ immer noch das Kürzel KTM machen und Weltmarktführer für geländegängige Motorräder werden kann. Hier zur Aufmunterung: Folgende österreichische Firmen sind ebenfalls Weltmarktführer in ihrem Bereich. Rosenbauer bei Spezialfahrzeugen für die Feuerwehr, Thomastik-Infeld bei Saiten für Saiteninstrumente, Ovotherm bei durchsichtigen Eierverpackungen. Und da habe ich jetzt bewusst nicht Eh-klar-Firmen wie Red Bull, Doppelmayr oder Atomic erwähnt. Nochmal zur Wiederholung: Weltmarktführer!

Der Autor: Harald Koisser schreibt philosophische Bücher und ist Herausgeber des Mutmacher-Magazins „wirks“. www.wirks.at, www.koisser.at. www.mutmacherei.net


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Persönlich gefragt

„Genuss ist die Triebfeder meines Lebens“ Genuss: Was PR-Guru Wolfgang Rosam wirklich bereut, warum er keinen schlechten Wein mehr trinkt und die Italiener für perfekte Genießer hält. Interview: Stephan Strzyzowski, Illustration: Silvia Ungersböck

Ihr erste Assoziation zu Genuss? Vorfreude, Nachhaltigkeit, Lebenselixier, starke Triebfeder. Inwiefern Triebfeder? Es erleichtert Entbehrungen und Anstrengungen, wenn man dafür als Belohnung Genuss erwarten kann. Welche Karotte hängen Sie sich vor die Nase? Zum Beispiel Urlaube. Ich gönne mir alle sechs Wochen ein Genusswochenende. Drei Tage London oder Paris. Davor freue ich mich immer schon total auf die Restaurants und die Entspannung. Gibt es auch Aspekte Ihres Berufsalltags, die Sie genießen können? Natürlich! Für mich ist Arbeit oft Genuss! Ich genieße es extrem, schwierige Probleme meistern zu dürfen. Lösungen zu erarbeiten, das gibt mir viel. Das ist zwar kein leiblicher Genuss, aber ein geistiger. Wenn man hart arbeitet, kann man sich noch bewusster gewisse Genüsse leisten. Welche leisten Sie sich denn? Ich leiste mir seit zehn Jahren einen Chauffeur, um nicht mehr Parkplatz suchen zu müssen. Ich nehme mir auch die Freiheit, abends bei meiner Familie zu sein. Und jeder Business-Lunch findet in einem sehr guten Restaurant statt. Von Giovanni Boccaccio stammt der Aus­ spruch: „Es ist besser zu genießen und zu bereuen, als zu bereuen, dass man nicht genossen hat.“ Wie nahe liegen bei Ihnen Genuss und Reue beieinander? Ich hatte oft das Gefühl, etwas versäumt zu haben. Dann habe ich mir fest vorgenommen, es rasch nachzuholen. Ich bereue also eher jene Dinge, die ich nicht gemacht habe, als die Genüsse, denen ich mich hingegeben habe. Für Sie persönlich: Der beste Wein? Das beste Essen? Die beste Art zu lieben? Beim Wein gehe ich keine Kompromisse mehr ein. Er muss auf jeden Fall perfekt zum Essen passen. Ich trinke keinen schlechten Wein mehr. Und ich esse auch nichts mehr, was nicht wirklich gut ist. Die

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Kompromissbereitschaft sinkt enorm mit der Fähigkeit, den Genuss richtig zu erleben. Auch in der Liebe sollte man länger kosten und vergleichen, bevor man sich bindet. Ich denke, dass man den idealen Partner leichter findet, wenn man schon viel Erfahrung gesammelt hat. Man braucht also den Vergleich, um den feinen Gaumen zu ent­ wickeln? Ja, natürlich! Wer nie alle möglichen Arten von Zubereitungen und verschiedenen Küchen probiert hat, kann nicht urteilen, das gilt auch für das Liebesleben: Ich bin zum zweiten Mal verheiratet und habe erst vor zehn Jahren die Traumfrau meines Lebens gefunden. Also habe ich viel und lange probiert und letztlich gewonnen. Welches Volk versteht es am besten zu genießen? Die Franzosen und Italiener, aber ich mag die Genussfähigkeit der Italiener lieber als die der Franzosen. Die machen mir zu viel Chichi um ihr Essen. Die Italiener wollen alles so, wie es eben schmeckt, puristisch. Sie brauchen nicht viel, um gut zu leben. Die Franzosen schon. Ein Genießer, den Sie widerlich finden? Gérard Depardieu, der ist völlig abgedriftet. Der wahre Genießer wird nicht so fett. Auch wie er sich sonst gebärdet – ein Franzose wird Russe – enttäuscht mich sehr. Ein bekannter Genießer, den Sie schätzen? Anna Netrebko verkörpert für mich das, was Genuss und Lust ausmacht. Sie ist eine unglaublich attraktive Frau, ein Weib, sie isst gern, und sie ist eine lustbetonte, unfassbare Künstlerin. Was nehmen Sie immer mit auf Urlaub? Zigarren und Badehosen in zwei Größen: eine für den Beginn und eine für das Ende der Reise. Und meinen iPad, ich kann nicht ohne Nachrichten sein. Sie sprechen im Gegensatz zu anderen Wirtschaftsgrößen sehr offen über Ihre Leidenschaften. Warum ist das so? Ganz so offen bin ich ja gar nicht mehr. Ich habe vor zehn Jahren den schwersten Fehler meines Lebens in der Kommunikation begangen und eine Homestory in „News“ zugelassen, wo ich alles hergezeigt habe, was mir Lust macht: meine Hemden, meinen Schuhschrank, und das ist mir sehr negativ nachgehangen. Der Neid ist halt sehr stark. Man darf partiell etwas zeigen, was einen menschlich macht, aber nicht in dieser Fülle. Heute zeige ich nur mehr meinen Weinkeller her, als Herausgeber eines Wein- und Gourmetmagazins darf man das. Die Leidenschaft des Weinsammelns verzeiht man einem Mann eher als das Faible für Schuhe oder Maßhemden.


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Das große Reformpaket für die Finanzwelt nimmt konkrete Formen an. Für die Banken kommen dadurch ab 2014 zwar strengere Eigenkapitalvorschriften, für KMU hat das Paket aber seinen Schrecken verloren – wie der folgende Faktencheck zeigt. Text: Clemens Rosenkranz

Die Kreditvergabe wird strenger: Fakt Das Regelwerk besagt konkret: Banken müssen künftig 10,5 Prozent (derzeit acht Prozent) Eigenkapital vorhalten. Das heißt, bei einem Volumen von 100.000 Euro muss ein Kredit mit durchschnittlicher Bonität mit 10.500 Euro (jetzt 8.000 Euro) unterlegt werden. Damit steigt die Kapitalanforderung laut Experten unabhängig von Ausfallwahrscheinlichkeit und Rating um ein Drittel. Dass da manchen angst und bang wird, ist nachvollziehbar. Walter Bornett, Chef der KMU Forschung Austria: „Ich erwarte, dass KMU generell Schwierigkeiten haben werden, Kredite für risikoreiche Projekte und Investitionen zu erhalten.“ Das betreffe nicht nur jene 30 Prozent der Firmen, die kein Eigenkapital haben. Für Bornett könne dies in einen Teufelskreis führen: Um die Zukunft zu meistern, müssten diese KMU in Innovationen investieren, aber ohne Sicherheiten und ein brauchbares Rating kämen sie nicht an Kredite heran. Mit Fremdmitteln hätte ein Drittel dieser finanzschwachen Firmen aber die Möglichkeit, erfolgreich durchzustarten. Der Geldhahn wird überhaupt abgedreht: Mythos Die große Sorge der vordergründig kleineren Firmenkunden ist überzogen. Vielfach ist sogar das Gegenteil der Fall. Die Raiffeisenlandesbank

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Niederösterreich-Wien (RLB-NÖW) bewirbt etwa die „Grätzelmillion“ für die Kleinsten, die Bank Austria verweist auf ihre KMU-Milliarde, die mit mehr als 1,2 Milliarden Euro nachgefragt war. „Was wir allerdings bemerken, ist, dass größere Investitionen mit großer Vorsicht strukturiert, projektiert und umgesetzt werden. Das führt zu punktuellen Verschiebungen der Investitionen. Für 2013 rechnen wir mit gleichbleibenden bzw. mit leicht steigenden Investitionen im KMU-Bereich“, sagt Karl-Heinz Krenn, Geschäftsführer der Bank Austria Kreditvereine Wien, Niederösterreich und Burgenland. Zusammengefasst kann man feststellen, dass die Gelder weiterfließen, auch wenn vielleicht das Füllhorn über etwas weniger Kunden ausgegossen wird. Für KMU gelten Sonderregelungen: FAKT Fakt ist, dass die Banken die vergebenen Kredite mit mehr Eigenkapital unterlegen müssen. Die meisten Banken relativieren aber die ursprüngliche Sorge, dass KMU nur schwer eine Fremdfinanzierung finden werden. Basel III werde im Grunde nichts ändern, denn die meisten Giftzähne seien gezogen worden – zumindest für die ganz kleinen Firmenkreditnehmer: Die an KMU verliehenen Kredite müssen geringer unterlegt werden, denn das EU-Parlament hat durch die Einführung

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Basel III: Mythen und Fakten


eines Ausgleichsfaktors das Risikogewicht für KMU-Kredite (bisher 75 Prozent) um 31 Prozent reduziert. Damit gelten für KMU die gleichen Bedingungen wie schon heute (Basel II), was aber nicht heißt, dass fremdes Geld nicht teurer wird. Um Firmengründungen und Innovationen zu fördern, soll der KMU-Faktor daher auch auf Gründerkredite angewandt werden. Zugleich wurde der Schwellenwert von Retail-Krediten von einer auf 1,5 Millionen Euro erhöht. Kredite werden teuer: Fakt Peter Kottbauer, Leiter Corporate & International Finance der Oberbank, wagt sich aus der Reserve und räumt ein, dass Kredite durch Basel III teurer werden. Dennoch stehe keine Änderung der Vergabebedingungen ins Haus, an den Grundzügen wie Bonitätseinschätzung oder Rating werde nicht gerüttelt. „Unsere Kunden sind wegen Basel III nicht nervös.“

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Die Kreditvergabe wird bürokrati­ scher und komplizierter: FAKT Das Gegenargument der Banken lautet aber: Es gebe zwar künftig Mehraufwand, dieser diene aber auch dem Kunden. Dazu Gaston Giefing, Stadtdirektor Handel und Gewerbe der RLB-NÖW: „Sehr wohl geändert hat sich durch Basel III die Beziehung zwischen Hausbank und KMU-Kunden. Eine gemeinsame Strategieplanung wird immer wichtiger. Dabei geht es um grundlegende Fragen wie: Was ist der USP des Betriebs, wo will das Unternehmen in 15 Jahren stehen? Durch Basel III müssen künftig intelligente Fragen gestellt und beantwortet und neue Sichtweisen gefunden werden. Strategische Soft Facts bekommen ebenso mehr Gewicht wie Zahlungsverkehr, Informationsfluss, Marktstellung oder Mitbewerb.“

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Basel III führt zum KMU-Massenster­ ben: Mythos Diese große Sorge zerstreuen quasi alle Experten. Allerdings wird die natürliche Flurbereinigung von Firmen erhöht, die am Markt vorbeiarbeiten, deren interne Prozesse von vorgestern sind und die der Konkurrenz keine Innovation entgegensetzen können. Dazu kommen fehlende Planung sowie Selbstüberschätzung.

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Anleihen für den Mittelstand Wann KMU den Kapitalmarkt anzapfen können, und worauf sie dabei achten müssen – Fragen und Antworten Text: Stephan Strzyzowski, Quellen: Andreas Reinthaler, Partner bei M27 sowie die Wiener Börse.

Was sind Anleihen? Eine Anleihe ist ein Vertrag, in dem geregelt ist, dass im Zuge einer Anleiheemission die Zeichner dem Emittenten für eine vereinbarte Laufzeit und Verzinsung ein bestimmtes Kapital überlassen. Der Zeichner ist somit Gläubiger des Emittenten und hat ein Recht auf Verzinsung sowie auf Rückzahlung des eingesetzten Kapitals. Er kann die Anleihe entweder bis zur Rückzahlung behalten oder sie vorher verkaufen.

Worin liegen ihre Vorteile gegenüber einem klassischen Bankkredit? Der Vorzug besteht darin, dass Kapital für Investitionszwecke von privaten Kapitalgebern und institutionellen Investoren beschafft werden kann, ohne dass zusätzliche Sicherungsmittel verpfändet werden müssen. Sehr im Gegensatz zur derzeitigen Fremdfinanzierungssituation, wo Sicherheiten eine Grundvoraussetzung darstellen. Gerade bei Expansionsplänen in neue Märkte oder bei der Investition in neue Produkte gibt es aber häufig keine probaten Sicherheiten. Weitere Vorteile liegen in der Verbesserung der Finanzierungsstruktur durch verlängerte ­Fristigkeiten, der Nichtbelastung von Kreditlinien bei Banken, der endfälligen Tilgung nach einem fix festgelegten Zeitraum. Zudem ist eine Fälligstellung kaum möglich.

Ab welchem Volumen sind Anleihen geeignet? Das Instrument eignet sich ab einem Platzierungsvolumen im zweistelligen Millionenbereich, da sich die Kosten der Emission rechnen müssen. Diese liegen im Schnitt zwischen acht und 15 Prozent des eingeworbenen Kapitals.

Welche Verzinsungsvarianten gibt es? Bei Anleihen gibt es im Voraus vereinbarte Zinsen, die in der Regel höher als bei einem Sparbuch sind. Die ­Verzinsung kann über die gesamte Laufzeit fix sein oder variieren. Anleihen können jederzeit verkauft werden, ­allerdings besteht ein gewisses Kursrisiko. Ein entscheidendes Thema für den Anleger ist zudem die Bonität des ­Emittenten, also dessen Fähigkeit, während der Laufzeit der Anleihe alle finanziellen Verpflichtungen zu erfüllen.

Welche Risiken tragen die Emittenten? Sie können im schlimmsten Fall auf den Kosten der Emission sitzen bleiben. Etwa dann, wenn die Platzierung nicht oder nur zum Teil gelingt.

Wie überzeugt man potenzielle Investoren? Wirkungsvolle Öffentlichkeitsarbeit ist besonders wesentlich. In Abhängigkeit der jeweiligen Investoren­ gruppen sind Pressekonferenzen, Unternehmenspräsentationen und ein Unternehmensberichtswesen notwendig. Auch das Rating des Unternehmens spielt eine Rolle. Vom ihm, aber auch von der Bonität des Unternehmens leitet sich die angemessene Gestaltung der Konditionen ab, die besonders für eine internationale Platzierung von Bedeutung ist. Ein wichtiges Kriterium ist auch eine möglichst zündende Investment-Story, mit der Investoren vom Kauf der Anleihe überzeugt werden können. Idealerweise wird die Emission der Anleihe auch mit einem konkreten ­Finanzierungsanlass in Verbindung gebracht.

Wie viel Vorlaufzeit muss man einkalkulieren? Zwischen sechs und neun Monate: vom Kernentschluss bis zur Ausarbeitung der Geschäftsplanung, von der ­Mittelverwendungsrechnung, der Kapitalmarktprüfung, dem Kick-off-Termin bis zum Closing der Anleihen.

Welche Möglichkeiten sollten KMU noch vor Anleihen in Betracht ziehen? Bevor man sich dem Thema nähert, sollten alle Alternativen ausgeschöpft sein. Mezzaninkapital oder die Finanzierung über den AWS-Mittelstandsfonds können unter Umständen günstiger kommen.

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IT als Mietmodell iTunes, Google Play, Dropbox oder flickr – Cloud-Computing ist längst im Alltag angekommen und erfreut sich bei Privatpersonen großer Beliebtheit. Dabei hat diese Technologie gerade für Unternehmen noch wesentlich mehr zu bieten. Speziell für KMU gibt es zahlreiche verlockende Cloud-Dienste. Text: Klaus Lorbeer

Österreich ist ein Land der Klein- und Mittelbetriebe: 99,7 Prozent der hierzulande tätigen Unternehmen zählen laut Statistik Austria zu dieser Gruppe, das sind rund 308.000 Betriebe. Davon haben 87,4 Prozent der Betriebe bis zu neun Mitarbeiter, 10,6 Prozent der Betriebe zwischen zehn und 49 Mitarbeiter und 1,6 Prozent der Betriebe von 50 bis 249 Beschäftigte. Von den Kleinstbetrieben bis neun Mitarbeiter sind wiederum 36,4 Prozent Ein-PersonenUnternehmen. Diese Gruppe stellt auch den größten Zuwachs bei den KMU. Warum das Zahlenspiel? Weil es verdeutlicht, dass vielen österreichischen Betrieben allein aufgrund ihrer Größe eines fehlt: nämlich IT-Know-how. IT ist aber essenziell, um in der heutigen Wirtschaftswelt bestehen zu können. Hier kommt Cloud-Computing ins Spiel. Dabei geht es allgemein gesagt darum, dass ein Anbieter diverse IT-Dienstleistungen zur Verfügung stellt, die der Kunde über das Internet beziehen kann. Diese Dienstleistungen oder Services gibt es für Unternehmen jeder Größe und in verschiedenen Ausprägungen: Bei Infrastructure-as-a-Service (IaaS) erhält der Kunde Rechenleistung, Speicher- und Netzwerkkapazitäten vom Rechenzentrum des Anbieters zur Verfügung gestellt, bei Platform-as-a-Service (Paas) kann er Cloud-Anwendungen selbst programmieren und ausführen, und bei Software-as-a-Service (SaaS) stellt der Anbieter dem Kunden seine eigenen Anwendungen über das Internet zur Verfügung.

Ressourcen mieten, die man wirklich braucht Das klingt sehr technisch und ist es auch, doch letztlich geht es bei all diesen Varianten darum, dass einem Unternehmen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden, die es tatsächlich für sein Tagesgeschäft benötigt. Überdimensionierte Server oder Softwarelösungen gehören damit der Vergangenheit an, was sich natürlich in Kosteneinsparungen niederschlägt. Denn gemietet und bezahlt wird nur, was wirklich eingesetzt wird – und das können Speicherkapazitäten sein, Marketingtools, moderne Kommunikationslösungen oder Computerprogramme. Aber

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Achtung: Für IaaS und PaaS ist IT-Know-how und zumeist auch eine eigene IT-Abteilung wichtig. Interessant ist für Kleinbetriebe insbesondere SaaS, da sie dadurch Zugriff auf Möglichkeiten bekommen, die früher nur für Großunternehmen erschwinglich waren. Laut einer Studie von Microsoft und Edge Strategies ist Cloud-Computing im Vergleich zum Betrieb einer eigenen IT-Infrastruktur für ein KMU bis zu 40-mal kosteneffizienter.

Viele Angebote Speziell wenn es im Betrieb an IT-Know-how mangelt, sind einfach zu handhabende Lösungen ideal. Zu nennen wären hier zum Beispiel die Business-Sprachbox oder web.SMS-Lösung von T-Mobile. Aber auch die Auslagerung von E-Mail, Kalender- und Kontaktdaten ist möglich, indem man bei einem Provider einen Exchange-Server und die dazugehörige Speicherkapazität im Web mietet („hosted Exchange-Server“). Hierbei können auch mobile Geräte wie Smartphones einfach eingebunden werden, E-Mail und Co sind damit immer und überall abrufbar. Lösungen gibt es unter anderem von A1, T-Mobile und Orange. Mit dieser Technik können auch kleine Unternehmen für relativ wenig Geld in Sachen effizienter Kommunikation mit den großen Firmen mithalten. Mittlerweile ist auch der Bezug der Microsoft-Office-Programme aus der Cloud möglich. „Microsoft Office 365“ heißt das Produkt. Selbst Adobe vermietet ihre Grafiksoftware samt PDF- und E-Book-Lösungen für einen monatlichen Betrag (eine Auswahl an Cloud-Lösungen für KMU finden Sie auf Seite 28).

Zahlreiche Vorteile, wenig Nachteile Die Vorteile der hier genannten Lösungen sind zahlreich. Der Kunde erspart sich zusätzliche Investitionen in Hard- und Software, die Software ist stets auf dem neuesten Stand, die Lösung Tag und Nacht verfügbar und die Sicherheit auf der letzten Entwicklungsstufe eines modernen Rechenzentrums. Zudem können solche Lösungen leicht erweitert und an steigende Anforderungen angepasst werden. IT-Profis spre-


chen hier übrigens von „Skalierbarkeit“. Der Vorteil liegt auf der Hand, erklärt Stefan Gubi, Geschäftsführer für den Geschäftskundenbereich bei T-Mobile. Solcherart könnten sich „Klein- und Mittelbetriebe, egal welcher Branche, auf ihr Kerngeschäft konzentrieren“. Der Nachteil ist eine gewisse Abhängigkeit vom Lieferanten. Alle Modelle sind zwar wieder kündbar, doch was dann? Wer Speicherplatz kündigt und woanders mietet, darf nicht vergessen, dass auch die Daten auf den neuen Webspace transferiert werden müssen. Ähnlich verhält es sich bei E-Mail-, Kontakt- und Adressdaten. Wer beispielsweise AdobeSoftware gemietet hat und diesen Vertrag kündigt, muss darauf achten, dass die mit dieser Software erstellten Dateien so abgespeichert werden, dass sie auch in anderen Programmen geöffnet werden können. Dennoch: Die Kostenersparnisse wiegen diese Nachteile bei weitem auf, nur sollte man sich vorher genau über die vorhandenen Lösungen informieren und die für sein Unternehmen passende wählen, bevor man sich langfristig an einen Anbieter bindet. Anders sieht es mit hochsensiblen Daten aus. Diese lagern Unternehmen ungern aus, und sie dürfen es in der Europäischen Union auch nur auf Rechenzentren tun, die in der EU stehen. Das ist auch ein Grund, warum viele Kleinbetriebe in Österreich der Cloud noch immer

Serverkammerl oder fremdes Rechenzentrum?

skeptisch gegenüberstehen: Man erachtet die sensiblen Daten auf dem eigenen Server als sicherer als in einem fernen Rechenzentrum. Ob die Technik, Verfügbarkeit und Wartung im Serverkammerl eines Kleinunternehmens sicherer ist als in einem hochmodernen Rechenzentrum, darf allerdings bezweifelt werden. Dass man seine Daten aber nicht in fernen Ländern gespeichert haben will, ist leicht nachzuvollziehen. Aus diesem Grund hat IBM die IBM City Cloud ins Leben gerufen, bei der die Datenspeicherung in einem lokalen Rechenzentrum erfolgt und lokale Ansprechpartner und individuelle Beratung zur Verfügung stehen. Auch andere Anbieter wie Raiffeisen Informatik, A1 oder Orange bieten Datenhaltung in ihren Rechenzentren in Österreich. Wächst ein Unternehmen und wird international tätig, ist andererseits ein global agierender Anbieter wie Microsoft oder Google auch nicht uninteressant.

Wettbewerbsvorteil durch die Cloud Letztlich überwiegen die Vorteile des Cloud-Computing dessen Nachteile bei weitem. Das Angebot ist vielfältig, ausgereift und bietet gerade Ein-Personen-Unternehmen, Kleinst- und Kleinbetrieben sowie Firmen mittlerer Größe Möglichkeiten in puncto Marketing, Kommunikation und Effizienzsteigerung, die noch vor wenigen Jahren viel zu teuer für solche Unternehmen gewesen wären. Jetzt heben Cloud-Services die Professionalität von KMU und helfen gleichzeitig, Kosten zu sparen. Wer sich noch nicht mit Cloud-Computing beschäftigt hat, sollte dies jetzt schnell nachholen.

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Es wird bewölkt Cloud-Lösungen für KMU sind zahlreich und unterschiedlich. Die WIRTSCHAFT fasst die interessantesten Lösungen zusammen. Text: Klaus Lorbeer

Produktion

*Sofern möglich, sind bei den vorgestellten Lösungen die Preise angeführt. Da die Cloud-Anbieter ihre Services aber in unterschiedlichen Varianten offerieren, mit mehr oder weniger Speicher, für mehr oder weniger Benutzer etc., wird zumeist nur der Einstiegspreis angegeben. Weitere Preisund Angebotsvarianten sind bei den Anbietern zu erfragen.

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Creative Cloud von Adobe

Dieses Angebot können maximal 25 Anwender nutzen, es umfasst ausgelagerte E-Mail-Dienste auf einem Exchange-Server plus 25 GB an Speicherplatz. Wer nur mit Online-Apps arbeiten will, also zum Beispiel eine Word-Datei ausschließlich im Webbrowser erstellt, den kostet diese Variante 4,90 Euro (pro Benutzer/Monat) bzw. 49,20 Euro (pro Benutzer/Jahr). Wer auch die Desktopversionen von Word, Excel, PowerPoint, Outlook, OneNote, Access, Publisher und Lync mitabonnieren und die Apps auch auf Smartphones und Tablets verwenden will, der zahlt 12,80 Euro (pro Benutzer/Monat) bzw. 124,80 Euro (pro Benutzer/Monat). Dafür hat man immer die allerneueste Version der Office-Programme, da Updates im Abonnement inkludiert sind. Für größere Unternehmen gibt es Office 365 Midsize Business. Wer nur gehostete E-Mail benötigt, bekommt diese ebenfalls von Microsoft für 3,30 Euro pro Benutzer und Monat. Info: www.microsoft.com

Während Microsoft zwischen einem Office-Angebot mit Desktopversionen und Web-Apps und einem nur mit Web-Apps unterscheidet, bekommt man beim Adobe-Abonnement den Zugriff auf die Desktopverisionen (PC und Mac) der gesamten Creative Suite. Dieses Paket beinhaltet alle CS6-Applikationen wie u. a. Illustrator, InDesign, Flash, Dreamweaver, Lightroom oder Photoshop. Zudem erhält man Zugriff auf die Digital Publishing Suite (Single Edition) zur Erstellung von E-Magazines oder Broschüren sowie auf Muse, eine Software zum einfachen Erstellen von Websites. Auch Tools für Spieleentwickler und für iOS- und AndroidTablets sind enthalten. Der Zugang zur Cloud wird jeden Monat überprüft (dazu bedarf es einer aktiven Internetverbindung) und – so bezahlt – weiterhin aufrechterhalten. Preis: 61,49 Euro pro Monat

E-Mail/Kommunikation Orange Cloud

A1 Austria Cloud

Orange bietet verschiedene Lösungen in ihrer Cloud. Speicherplatz heißt dort „Data Space Professional“ und kostet 30 Euro für 25 GB und fünf Benutzer. Zusätzliche Benutzer kosten extra, nämlich 2,40 Euro pro Benutzer (für insgesamt zwischen sechs und zehn Benutzer), 2,10 Euro pro Benutzer (11–20 Benutzer) und 1,80 Euro pro Benutzer (21–50 Benutzer). Maximal können 250 GB an Speicherplatz gemietet werden (60 Euro). Eine E-Mail-Lösung mit Exchange-Server im Orange-Rechenzentrum kostet für eine Mailbox, 5 GB Speicherplatz, 20 E-MailAlias, unlimitierte Ressourcen/Mailboxen 6,90 Euro pro Monat. Der Speicherplatz kann bis 20 GB erweitert werden (15 Euro/Monat). Mittels „Easy Backup“ kann auch eine automatische Datensicherung über die Cloud bezogen werden. Preis: 1 Lizenz, 10 GB für 6,90 Euro pro Monat. Info: www.orange.at

Auch A1 hat eine Hosted-Exchange-Lösung im Programm. Diese reicht von A1 Cloud Basic mit 5 GB für 3,90 Euro / Benutzer und Monat über A1 Cloud Mobility mit 10 GB für 5,90 Euro / Benutzer bis hin zur A1 Cloud Professional mit 25 GB für 8,90 Euro / Benutzer. Erst die letzten beiden inkludieren E-Mail-, Kalender-, Kontakt- oder Aufgabenabfrage auch am Smartphone. Die Backup-Lösung A1 Cloud Backup Service kostet bei A1 5,90 Euro und beinhaltet 25 GB Speicherplatz. Zusätzlich bietet A1 auch virtuelle Desktops an, wo die Benutzer-Desktops nicht am PC des Mitarbeiter liegen, sondern zentral verwaltet im Rechenzentrum. Damit wird der Computerarbeitsplatz unabhängig vom Endgerät. Diese Lösung gibt es für Unternehmen ab 50 IT-Arbeitsplätzen. Der Preis muss individuell erfragt werden. Info: www.a1.net

Marketing T-Mobile web.SMS

Google-Werbung für KMU

Bei web.SMS handelt es sich um ein Marketingtool für den Einzel- und MassenSMS-Versand. Es gibt verschiedene Varianten. Von web.SMS basic über web. SMS advanced bis zu web.SMS professional. Die SMS werden mithilfe eines Assistenten versandt. Eine Kontakteverwaltung ist integriert. Dazu kommen viele Extras wie das automatische Aussortieren von nichtexistenten Telefonnummern oder ein integrierter kostenloser Outlook-User, der die Nutzung der web.SMSLösung mittels Outlook Mobile Service erlaubt.

Gemeinsam mit Google offeriert T-Mobile Austria als österreichweiter GoogleAdWords-Premium-KMU-Partner eine schlüsselfertige Lösung für kleine und mittlere Betriebe, um das Optimum aus Google-AdWords-Werbung im Internet herauszuholen. Der Kunde legt die Werbebotschaft fest, wählt das Land, die Region oder die Stadt, in der diese an eine ebenfalls wählbare Zielgruppe oder Branche gesendet werden soll – den Rest erledigt T-Mobile.

Bei web.SMS advanced kommt Interaktivität hinzu, sodass Gewinnspiele, Abstimmungen, Umfragen oder Abfrageservices via SMS bewerkstelligt werden können. web.SMS professional schließlich ist ein Komplettpaket für Gastronomen und Eventveranstalter und kombiniert SMS-Versand, Interaktion und Verrechnung. Mittels Filter können bestimmte Zielgruppen genau erreicht und solcherart Eventinfos, Einladungen oder Gutscheine schnell und zielgerichtet versendet werden. Dieses Werkzeug eignet sich auch für den Kundenservice. Preis: Bei einer Mindestlaufzeit von zwölf Monaten kostet das einmalige Setup 58,80 Euro für die basic-Variante und 178,80 Euro für die beiden anderen. Diese Gebühr entfällt bei einer Vertragszeit von 24 Monaten. Die monatlichen Kosten belaufen sich auf 14,40 Euro (basic), 117,60 Euro (advanced) bzw. 142,80 Euro (professional). Die Basic-Version erlaubt 1–3 Benutzer und je einen Smartphoneund Outlook-Benutzer. Die Advanced-Variante ist für 1–25 Benutzer gedacht (1 Smartphone- und 5 Outlook-Benutzer) und web.SMS professional erlaubt 1–50 Benutzer, 3 Smartphone- und 10 Outlook-User.

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die wirtschaft Nr. 5 | Mai '13

Preis: Nach einer einmaligen Einrichtungsgebühr von 149,90 Euro kostet das Einstiegspaket Google AdWords basic 49,90 Euro im Monat, ein Advanced (99,90 Euro) und ein Premium-Paket (149,90 Euro) sind ebenfalls vorhanden. Info: www.t-mobile-business.at

IaaS für Mittelständler Virtualisierungslösungen, also das Bereitstellen von Infrastrukturressourcen wie Rechenleistung in Form von virtuellen Servern und Speicherplatz, sind äußerst interessante Cloud-Dienstleistungen (man spricht hier auch von „Private Cloud“), die sich aber an mittelständische und Großunternehmen richten. Einer der größten Anbieter in Österreich ist Raiffeisen Informatik. Aber auch IBM hat hier einige Lösungen im Angebot. Preise können keine genannt werden, da die richtig dimensionierte Lösung von der Größe und bereits bestehenden IT-Infrastruktur des jeweiligen Unternehmens abhängt und sehr stark variieren kann. Da sich die Ausgaben für Hardware, Wartung und Infrastruktur beträchtlich verringern, können solcherart Kosten minimiert werden. Weitere Infos: www.ibm.com


wir sind ihr Business Partner.

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Nutzfahrzeuge

Partner für Transportwege Kleintransporter sind beliebte Klassiker im Fuhrpark der KMU. Doch aufgrund der Variantenvielfalt verliert man schnell die Übersicht. Die folgende Komplettübersicht der Basismodelle des kleinen Segments verschafft Durchblick. Recherche: Gregor Josel

Modell

Motor

Laderaum

Verbrauch

CO2

€-Preis netto

Caddy

63 kW / 85 PS

3,2 m 3

6,7 l / 30 km

156 g/km

ab 11.170,–

Transporter

62 kW / 84 PS 

5,8 m 3

7,2 l / 100 km

190 g/km

ab 22.944,–

Citan

55 kW / 75 PS

2,4 m 3

4,6 l / 100 km

119 g/km

ab 13.600,–

Vito

70 kW / 95 PS

5,2 m 3

7,6 l / 100 km

200 g/km

ab 21.440,–

Scudo

66 kW / 90 PS

5,0 m 3

6,9 l / 100 km

k. A. 

ab 19.020,–

Doblo

70 kW / 95 PS

3,4 m 3

7,3 l / 100 km

169 g/km

ab 11.950,–

Fiorino

54 kW / 73 PS

2,5 m 3

6,4 l / 100 km

148 g/km

ab 9.690,–

Kangoo

55 kW / 75 PS

2,3 m 3

4,5 l / 100 km

116 g/km

ab 12.650,–

Trafic

66 kW / 90 PS

5,0 m 3

7,9 l / 100 km

207 g/km

ab 19.750,– 

Renault

Fiat

Mercedes-Benz

VW

Marke

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die wirtschaft Nr. 5 | Mai '13


Modell

Motor

Laderaum

Verbrauch

CO2

€-Preis netto

Bipper

54 kW / 73 PS

2,5 m 3

6,4 l / 100 km

148 g/km

ab 10.110,– 

Partner

72 kW / 98 PS

3,7 m 3

7,1 l / 100 km

164 g/km

ab 12.150,–

Expert

66 kW / 90 PS

5,0 m 3

6,7 l / 100 km

177 g/km

ab 20.230,–

Dokker

ab 63 kW / 85 PS

3,3 m 3

7,5 l / 100 km

175 g/km

ab 7.490,–

Combo

70 kW / 95 PS

3,4 m 3

7,3 l / 100 km

169 g/km

ab 13.300,–

Vivaro

66 kW / 90 PS 

5,0 m 3

7,8 l / 100 km

200 g/km

ab 21.150,–  

Primastar

66 kW / 90 PS

5,0 m 3

7,6 l / 100 km

202 g/km

ab 20.600,–  

NV200

 66 kW / 90 PS

4,2 m 3

5,1 l / 100 km

135 g/km

ab 12.090,– 

Transit Connect

Dztg. Modell: ab 55 kW / 75 PS

3,4 m 3

6,0 l / 100 km

159 g/km

ab 13.890,–

Berlingo

72 kW / 98 PS  

3,3 m 3

7,1 l / 100 km

164 g/km

ab 12.150,–

Nemo

54 kW / 73 PS 

3,0 m 3

6,4 l / 100 km

148 g/km

ab 10.110,–

Jumpy

66 kW / 90 PS 

5,0 m 3

6,7 l / 100 km

177 g/km

ab 20.230,–

Citroën

Ford 

Nissan

Opel

Dacia

Peugeot

Marke

die wirtschaft Nr. 5 | Mai '13

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Hannes Offenbacher

Offenbachers Asphaltgeschichten

Im Test: Audi Q5 Quattro Der Sinn der Bodenfreiheit Ein silberner Audi Q5. Da regt sich jetzt mal nicht so viel bei mir. Er kommt nämlich so unaufgeregt uniform daher wie ein Anzugträger, der in der Früh in die Bank marschiert. Man sucht vergebens nach optischen Besonderheiten, die ihn von anderen Audis abheben. Aber: Der Slogan heißt ja auch „Vorsprung durch Technik“ und nicht „durch Design“. Zumindest eine charakterbildende Designfacette entdecke ich dann doch noch: das LED-Lichtdesign. Hier hat man ins Schwarze getroffen. Das Audi-Lichtdesign zählt aktuell zu den wohl schönsten auf der Straße, und in Zeiten von Tagfahrlicht ist das ein nicht zu unterschätzender Faktor. Der Q5 ist zwischen Q3 und Q7 die mittelgroße SUV-Variante von Audi. Also noch so eine große Kiste, höre ich urbane Autohasser schon sagen. Und die Frage, wer wirklich ein hohes Auto benötigt, ist berechtigt. In der Stadt doch wirklich niemand, oder? Wenn es so einfach wäre. Es steht außer Frage, dass man im urbanen Umfeld für den Transport eines Menschen grundsätzlich kein großes Auto benötigen würde, aber eine entscheidende Perspektive geht in der verkürzten Diskussion dann doch immer verloren. Nämlich eine systemische Idiotie, die – so meine Prognose – den Anteil an hohen Autos weiterhin steigern wird: der Randstein. Eher selten wird das Argument, man wolle immer wieder mal offroad übers Feld heizen, zum Kauf eines SUV führen. Vielmehr sind es Übersicht und Sicherheit – wobei die Sicherheit nicht nur die Insassen betrifft, sondern auch das Auto selbst. Ein hochgestelltes Auto hat in der Alltagspraxis einen entscheidenden Vorteil: Der Randstein (und andere kleine Hindernisse) ist keine Gefahr, wo bei normaler

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die wirtschaft Nr. 5 | Mai '13

Höhe einem kleinen Fehler schnell eine kostspielige Reparatur folgt. Diese bessere „Usabilty“ spielt auch den Q-Modellen von Audi in die Hände. So wirkt der Q5 auch auf mich entspannend, wenn ich zum Parken ansetzen oder im Wald mal an enger Stelle umdrehen muss. Sonst überrascht er wenig, sondern überzeugt mit der typischen Qualität von Audi. Das Soundsystem lässt mich über die Felder fliegen, der Dieselmotor hat ausreichend Kraft, und der Quattro gibt Sicherheit auf der Schneefahrbahn des nicht enden wollenden Winters (der mit Erscheinen dieser Zeilen hoffentlich vorbei ist). Der Audi Q5 ist so etwas wie eine Vernunftehe für alle, die Sicherheit und Qualität suchen. Das lässt vielleicht kein Herz schneller schlagen, aber dafür schützt es vor Bluthochdruck. Und das ist bekanntlich gut für die Gesundheit. AUDI Q5 quattro s-Tronic Motor: V4 Diesel mit 130 kW (177 PS) Beschleunigung 0–100 km/h: 9 Sekunden Maximales Drehmoment: 380 nm, Leergewicht: 1.895 kg Verbrauch auf 100 km: 6,1 l (Mischwert) bei 159 g/km (CO2) Preis: Ab 32.900,– Euro (inkl. Nova und 20 % MWSt.) Weitere Infos: www.audi.at

Hannes Offenbacher ist Unternehmer und Neudenker. Er bloggt auf www.bessergehtsimmer.at


Rahofer. Palfinger AG · 5020 Salzburg, Austria · E-Mail h.roither@palfinger.com

Wir Wachsen Jahr für Jahr

Dass die PALFINGER AG kontinuierlich wächst, liegt zum großen Teil an der erfolgreichen Internationalisierungsstrategie: Durch neue Partnerschaften wurden etwa der Markteintritt in China und ein gewaltiger Wachstumsschritt im Bereich Marine erzielt. Doch nur nachhaltiges Handeln – und zwar in sämtlichen Bereichen – ist die Wurzel für gesundes Wachstum und langfristigen Erfolg. Dann gedeihen die Geschäfte auch in Zukunft prächtig! www.palfinger.ag


Genormtes Leben Ob ISO-, DIN- oder ÖNORM: Vereinheitlichte Standards begegnen uns nicht nur in der technischen Produktion, sondern auch im alltäglichen Leben. Text: Daniel Nutz, Quelle: Austrian Standards

Piktogramme, Schilder: ISO 9186, ÖNORM A 3011, ÖNORM A 3012 Symbole für die Öffentlichkeitsinformation sind praktisch, weil sie auch im Ausland verlässlich den Weg zum stillen Ort beschreiben. Genormt sind etwa die Symbole, die Mann und Frau bezeichnen. Aber auch Leitsysteme für die öffentliche Information wie Richtungspfeile, grafische Symbole, Text, Licht oder Farbe sind international vereinheitlicht.

Die (falsche) Gurken-Norm: 183/64/EWG Diese wird oft fälschlicherweise als Norm bezeichnet. Tatsächlich handelt es sich dabei um eine Vermarktungsregel der EU-Kommission. Gurken der „Klasse Extra“ und der „Klasse I“ müssen demnach gerade sein und dürfen pro 10 cm Länge nur eine Krümmung von höchstens 10 mm aufweisen. Krumme Gurken müssen entgegen mancher Annahmen natürlich nicht weggeschmissen werden – dürfen allerdings nur als Gurken minderwertiger Klasse verkauft werden.

Der Bürostuhl: EN 1335-1 Bequem und sicher soll man im Büro sitzen. Genormt sind daher Maße, Schnittpunkte, Achsen und Ebenen. Die Sitzhöhe soll zwischen 40 cm und 51 cm liegen, die Sitztiefe zwischen 40 cm und 42 cm. Für Entspannung ist das Rückenlehnenmaß zuständig: Mindestens 15 cm muss der Winkel betragen.

Transportcontainer: ISO 668 Der Normklassiker und wichtigstes Transportmittel im Welthandel. Geregelt werden Maße, Konstruktion, Kennzeichnung und Identifizierbarkeit. Die Breite von Containern der Klasse 1 ist mit 2,438 m einheitlich geregelt. Höhen zwischen 2,438 m und 2,896 m werden in unterschiedliche Klassen unterteilt.

Der Einkaufswagen: ÖNORM EN 1929-1 Damit der Einkaufswagen nicht zur Gefahrenquelle wird, gelten diverse Materialnormen. Strenge Vorgaben gelten bei den Maßen. Das Wagerl soll nicht breiter als 65 cm sein. Der Handgriff muss zwischen 85 cm und 115 cm über der Stellfläche angebracht sein. Die Räder müssen zumindest 7,5 cm breit sein. Und damit nicht nur Muskelprotze ungehindert navigieren können, soll die Kraftanstrengung beim Schieben des Wagens nicht 65 Newton übersteigen. Wie viel der Kunde reinpackt, bleibt ihm selbst überlassen, sofern die vom Hersteller bestimmte Nennlast nicht überschritten wird.

Bierdose: ÖNORM EN 13028 Ein komplexes Regelwerk steckt auch hinter scheinbar banalen Dingen wie einer Getränkedose. Geregelt ist nicht nur die Materialbeschaffenheit, sondern auch der Dosendurchmesser: 66 mm hat das in Wien als 16er-Blech bekannte 0,5-Liter-Dosenbier.

Teddybär: EN 71-1 Für die „Sicherheit von Spielzeug“ gilt ein 130 Seiten starkes Regelwerk. Das Fell eines Teddys muss feuerresistent sein, das Knopfauge darf nicht allzu leicht zu lösen sein. Und sollte doch mal das Auge abfallen, darf es nicht zu leicht verschluckt werden können.

Die Norm der Verantwortung: ISO 26000 Nicht nur Dinge, sondern auch soziales Handeln unterliegt der Normenwelt. Aktuelles Beispiel ist etwa der Leitfaden für Unternehmen mit sozialer Verantwortung. Wichtige Eckpfeiler: Organisationsführung, Menschenrechte, Arbeitspraktiken, Umwelt, faire Betriebs- und Geschäftspraktiken, Konsumentenanliegen und Einbindung und Entwicklung der Gemeinschaft.

Kondome: ÖNORM EN ISO 4074 Der weitverbreitete Glaube, dass Kondome hinsichtlich der Größe genormt sind, stimmt zwar nicht. Dennoch unterliegt das Präservativ aus Naturkautschuklatex auf vielfältige Weise der internationalen Normung: Nämlich in erster Linie hinsichtlich der Beschaffenheit und der Prüfverfahren. Also etwa die Messung von Dichte, Berstvolumen oder Berstdruck.

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die wirtschaft Nr. 5 | Mai '13


Beniks Bilderbuch

Martin Benik hat es gut. Der Fotograf aus Wien macht gerade eine Weltreise. Für die WIRTSCHAFT sucht er in der Ferne nach interessanten Geschäftsmodellen und typischen Unternehmern. Das ist einer davon:

Wayne Whitcroft, Chilibauer in Australien: Die

Farm übernommen. Der Kreislauf von Pflügen, Bewässern, Sätzlinge­

Luft zwischen den Chilistauden flimmert in der Mittagshitze. Das Ther-

stecken, Düngen und Ernten, immer im Dreimonatsrhythmus, ist ihm

mometer zeigt 45 Grad an. Kein Wunder, dass die Arbeiter von Wayne

schon in Fleisch und Blut übergangen. Und weil aufgrund des Klimas das

Whitcroft danach trachten, möglichst rasch fertig zu werden. Doch so

ganze Jahr durch produziert werden kann, liefert er nun rund 9.000 Kilo

schweißtreibend die Arbeit auf der Chilifarm in Carnarvon auch ist –

Chilis jährlich nach Perth. Hilfe hat er nur von Anna aus Japan, seiner

Wayne Whitcroft hat sich dieses Leben ganz bewusst ausgesucht. Noch

einzigen Fixangestellten, und jährlich von bis zu 50 Kurzzeitarbeitern.

vor knapp fünf Jahren betrieb er eine Firma, die Autoscheiben produzier-

Hauptsächlich Backpacker aus der ganzen Welt sowie Pflücker aus Tai-

te. Doch er wollte etwas züchten und wachsen sehen, und so hat er die

wan helfen ihm, die Farm sieben Tage die Woche in Schuss zu halten.

die wirtschaft Nr. 5 | Mai '13

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Verkehrsadern im Zukunftscheck Warum werden in Österreich nicht alle Verkehrsmittel sinnvoll ausgelastet? Woran krankt es, und was muss passieren, damit der Transport in Richtung „mulitmodaler“ Zukunft rollt? Eine Analyse. Text: Peter Tajmar

Ohne leistungsfähige Infrastrukturen erlahmt der Pulsschlag der Wirtschaft. Import und Export verkämen zu hohlen Begriffen. Ohne Straßen, Autobahnen, Schienenstränge und Luftwege würde die Versorgung für das tägliche Leben zusammenbrechen. Doch die Last auf diesen unterschiedlichen Verkehrswegen ist sehr ungleich verteilt. So wird die Wasserstraße in Österreich nur sehr ungenügend als Transportweg genutzt, die Schiene steht in Konkurrenz zur Straße, und Air Cargo ist mengenmäßig zu vergessen. Die Folge sind Staus, eine hohe Umweltbelastung und Mehrausgaben.

ist die letzte Meile ohne Lkw nach wie vor nicht denkbar. Dass beim Transport nicht stärker auf alle vorhandenen Beförderungsvarianten zurückgegriffen wird, liegt mitunter also schlicht und einfach daran, dass es unpraktikabel wäre. Die Luftfracht kennt in Österreich grob betrachtet nur zwei dominante Zentren: Wien-Schwechat und Linz. Bei der Schifffahrt kann man die Häfen in Österreich an einer Hand abzählen. Die Bahn verfügt zwar noch über etliche Verladestellen, doch wurden in den vergangenen Jahren nicht wenige stillgelegt. So weit, so schlecht.

Transportaufkommen in Tonnen Schiene StraSSe Schiff Luftfahrt

2006 110,779,370

358,795,005

10,844,165

230,359

2007 115,525,835

354,278,512

12,106,540

229,496

2008 121,579,304

369,408,561

11,208,711

228,663

2009 98,887,310

336,642,989

9,321,810

221,907

2010 107,670,263

330,988,307

11,052,080

258,440

2011 107,586,617

344,693,723

9,943,288

241,489 (Quelle Statistik Austria)

Das Ungleichgewicht, auf ein paar Zahlen reduziert: 2011 wurden 344.693.723 Tonnen über die Straße, 107.586.617 Tonnen über die Schiene, 9.943.288 Tonnen mittels Schiffen und 241.489 Tonnen auf dem Luftweg quer durch Österreich transportiert. Verschärft hat sich diese Verteilung zusätzlich nach 2008. Der deutliche Wirtschaftseinbruch hat zwar alle Verkehrsträger gleichermaßen betroffen, doch von der konjunkturellen Erholung in den Folgejahren hat vor allem der Straßentransport, aber auch die Luftfracht profitiert. Der Grund: Die Produktion auf Lager hatte ausgedient, die Zyklen wurden kurzfristiger, die beiden schnellen Transportvarianten wurden bevorzugt. Klar, der Straßentransport ist flexibel und kann sich schnell auf neue wirtschaftliche Rahmenbedingungen einstellen. Zudem

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die wirtschaft Nr. 5 | Mai '13

Ab in die multimodale Zukunft? Als Lösungsansatz und heilbringendes Schlagwort wurde dennoch „Mulitmodalität“ gepredigt. Dahinter verbirgt sich der verkehrspolitische Gedanke, dass die einzelnen Infrastrukturen und die verschiedenen Verkehrsträger nicht in Konkurrenz zueinander stehen sollten, sondern ein intelligenter Mix die ideale Lösung darstellt. In der Praxis sollen also kleinräumige Transporte auf der Straße erledigt werden. Transporte über mehrere hundert Kilometer, also etwa Produkte aus China oder Japan, landen dagegen per Containerschiffe in Hamburg, werden per Bahn nach Zentraleuropa verbracht, von wo sie dann in der Feinverteilung auf den Lkw verladen werden.


Transportwege in Österreich

2.187 Autobahnkilometer 350 km Donau-Wasserstraße Von den rund 6.300 Schienenkilometern sind rund 90 % in Besitz des ÖBB-Konzerns und etwa 10 % in Privatbesitz. Tatsache ist, dass die Zeiten, in denen ein Produkt nur in einer Fabrikhalle hergestellt wurde, vorbei sind. Wird heute etwa ein Auto produziert, stammen die Kabelbäume aus der Ukraine, die Sitze aus Tschechien, die Elektronik aus China, und so geht es weiter mit der Windschutzscheibe, den Bremsbelägen, den Fußmatten und vielem mehr. All das muss transportiert, gelagert, just in time zu den Förderbändern gebracht und zum Schluss das fertige Produkt an die neuen Besitzer überstellt werden. Die Folge ist Verkehr ohne Ende. Was wir als Belastung empfinden, hat aber auch eine Kehrseite: Österreichs Firmen sind Teil dieses Konglomerats, wollen selbst exportieren, suchen ihre Märkte im Ausland. Will man diesen Aspekt fördern und gleichzeitig für eine Entlastung der Straße sorgen, muss die heimische Infrastruktur auf dem letzten Stand gehalten werden; um der österreichischen Wirtschaft die Möglichkeit zu geben, im EU-Binnenmarkt und natürlich auch im globalen Wettbewerb punkten zu können. Das bedingt einen kontinuierlichen Ausbau der Straßeninfrastruktur, eine Verbesserung der Luftfrachtmöglichkeiten, eine Modernisierung der Schieneninfrastruktur und den Ausbau der Umschlagstellen zu Verkehr- und Transportdrehscheiben, die irgendwann wirklich das Attribut „multimodal“ verdienen.

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Klingt in der Theorie plausibel. Die angestrebte Multimodalität weist aber einige Hürden auf. Noch gibt es nämlich keine durchgängigen Schienenverkehre zwischen Nord- und Südeuropa. Der Ausbau wird viel Zeit und noch mehr Geld beanspruchen. Für Österreich wäre die Umsetzung leistungsfähiger Schienenwege zwischen Nord und Süd allerdings eine große Entlastung, würden doch die vielen Tonnen, die heute auf der Straße im Transit durch das Land rollen, Österreich per Schiene queren. Ein Segen für Umwelt und die CO2-Bilanz. Doch noch ist es nicht so weit. Ein wenig tut sich allerdings beim Stichwort Multimodalität in Österreich schon jetzt. Die Schiene hat im Europavergleich eine sehr hohe Transportleistung, die Straßenmaut hat die Aufteilung auf die verschiedenen Varianten durchaus begünstigt. Auch wenn die Erwartungen bei weitem nicht eingetroffen sind. Die Wasserstraße fristet in unserem Land dagegen nach wie vor ein stiefmütterliches Dasein. Wäre die Donau so etwas wie eine Autobahn mit zehn Spuren, tuckerte nur auf einer ein Frachter vor sich hin. Das könnte zwar mit raumordnungspolitischen Maßnahmen geändert werden, doch ist nur wenig Initiative in diese Richtung zu bemerken. Es gibt also noch jeder Menge Arbeit für Verkehrsstrategen und noch mehr politischen Sprengstoff für die kommenden Jahre.

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Friends on the Road? Nachgefragt: Der Transport über die Straße wird zwar benötigt, aber auch bekämpft. Positionen und Aspekte. Text: Peter Tajmar

1) In Österreich dominiert der Straßentransport. Woran liegt das? 2) Die Transporteure sowie Vertreter von Handel und Industrie üben Kritik an den gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Straßentransport. Welche Punkte halten Sie für gerechtfertigt, und welche Lösungen schlagen Sie vor? 3) Ist die Infrastruktur in Österreich für die Notwendigkeiten der Wirtschaft ausreichend? Wenn nein – was wäre dringlich zu tun?

Wolfram SengerWeiss, Vorstand bei Gebrüder Weiss, Präsident des Zentralverbands Spedition & Logistik

1) Auf kurzen Transportwegen ist der Lkw im Vergleich zur Schiene zeitlich flexibler und kostengünstiger einsetzbar. Vermeidet man den Schienentransportweg, entfallen die Zusatzkosten des zweifachen Umschlags bzw. die Abhängigkeit vom Güterzugsfahrplan. Dies ist der Hauptgrund für die Dominanz des Straßengüterverkehrs. 2) EU-einheitliche steuerliche Rahmenbedingungen für den Einsatz von Lkw sind notwendig, damit keine Standortverzerrungen eintreten und Unternehmen nicht gezwungen werden, ihre Lkw auszuflaggen. Die EUweite Genehmigung des Einsatzes von Ökolinern bedeutet eine Reduzierung des Lkw-Verkehrs, der wiederum die Umwelt entlasten würde. Nationale österreichische Lkw-Fahrverbote führen zu einer Konzentration von Lkw-Verkehren. Das künstlich erzeugte Zusammenfallen von Pendler- und Lkw-Berufsverkehr bedingt unnötige Stauzeitverluste, die dabei helfen, den Lkw als Feindbild zu sehen. Die Bevorzugung von Elektrofahrzeugen oder hybridangetriebenen Lkw bei den Zustellzeiten in den innerstädtischen Bereichen wäre ein geeignetes Signal für eine rasche Umstellung des Fuhrparks. 3) Die Spediteure wünschen einen permanenten Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, um sicherzustellen, dass zukünftiges Wirtschaftswachstum in Österreich entstehen kann. Da die Spediteure verkehrsträgerneutral agieren, werden Investitionen in die Verkehrsträger Straße, Schiene, Luft und Wasser begrüßt. Da die heutige Kapazität des Verkehrsträgers Straße bei steigendem Wirtschaftswachstum den Verkehrsanstieg allein nicht bewältigen können wird, ist es sinnvoll, sowohl im Straßenbereich als auch in die Schieneninfrastruktur zu investieren. Der zügige Ausbau der Verkehrsanbindung auf der Straße und Schiene in Richtung unserer nordöstlichen Nachbarländer Tschechien, Slowakei und Ungarn sollte Priorität besitzen. Die Donau hat als internationale Binnenwasserstraße mit Anbindung an die Nordsee bzw. das Schwarze Meer ein hohes Entwicklungspotenzial, das derzeit noch nicht genutzt wird.

Martin Gleiss, Leiter Lager­ logistik/-organi­ sation, Spar AG

1) Das liegt daran, dass Österreich einerseits ein kleines Land ist und andererseits die ÖBB weder Kapazität noch Interesse hat, Einzelwaggontransporte durchzuführen. 2) Mein Kritikpunkt sind die immer weiter reichenden Restriktionen, was die Möglichkeit betrifft, den Verkehr auf 24 Stunden zu verteilen. Einerseits wird das massive Verkehrsaufkommen speziell in den Morgen- und Abendstunden beanstandet und andererseits werden die Alternativen immer restriktiver politisch verhindert. Das passiert durch Ausweitung der Lkw-Nachtfahrverbote und durch standortspezifische Nachtanlieferungsverbote. Das führt dazu, dass unsere Lkw zu den Spitzenzeiten massiv unterwegs sein müssen, da die Geschäfte in der Früh mit frischer Ware versorgt werden müssen. Wäre es möglich, diese Transporte in den Nachtstunden durchzuführen, würde das zu einer deutlichen Entlastung unserer Straßen während der Verkehrsspitzenzeiten führen. 3) Im Bereich der Schiene brauchte es ein politisches, nachhaltiges und glaubhaftes Umdenken – Einzelwaggonverkehr müsste gewünscht, gefördert und nachhaltig gesichert werden. Dann gebe es hier sehr viel Potential. Solange die ÖBB die Auslastung der wichtigen Trassen aber mit Ganzzugkonzepten auf der Westbahn hat, weil diese einfach abzuwickeln sind und ohne großen Aufwand sichere Einnahmen bescheren, wird sich der arbeitsintensive Einzelwaggonverkehr, der in Österreich die Regel wäre, nicht entwickeln. So lange wird es auch so sein, dass in den Angeboten der ÖBB für regelmäßige Transporte von Einzelwaggons innerhalb Österreichs drei oder mehr Tage Laufzeit vorgesehen sind und die Kosten gleichzeitig deutlich über üblichen Straßentransportpreisen liegen. Wasser und Luft sind im Bereich der Inlandstransporte kein wirkliches Thema für die Massengüter.

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Wolfgang Herzer, FachgruppenObmann Güterbeförderungsgewerbe, stv. Fachverbands­ obmann

1) Der Lkw-Verkehr zeichnet sich – trotz der vielen und einschränkenden Rahmenbedingungen – durch hohe Flexibilität und Zuverlässigkeit aus. Kein anderes Verkehrsmittel kann derzeit dieses hohe Maß an Service, Qualität, Pünktlichkeit konstant erfüllen. Auch ist kein anderes Verkehrsmittel in der Lage, den Flächenverkehr und zeitgenaue Zustellungen sowie Haus-zu-Haus-Verkehre in der vom Kunden gewünschten Form zu bieten. 2) Vor allem kritisieren wir, dass zum Beispiel das Thema „Lkw-Fahrverbote“ nicht sachlich, sondern emotional und nach dem Floriani-Prinzip behandelt wird. Außerdem kritisieren wir den verkehrspolitischen Unwillen zur Veränderung. Es gäbe einige Forderungen wie die Aufhebung des Nacht-60ers oder das Abstellen eines Anhängers ohne Zugfahrzeug, die dem Staat keinerlei Kosten verursachen, jedoch die tägliche Arbeit der Transporteure wesentlich erleichtern würden. 3) Wir fordern einen Gesamtverkehrsplan für Österreich, der auf die Wünsche der österreichischen Wirtschaft abgestimmt ist. Hierbei geht es uns auch darum, die einzelnen Verkehrsträger optimal miteinander zu verknüpfen, sodass Österreich zu einem modernen Top-Logistikstandort werden kann.

Walter Gerbautz, Vorsteher der ­Kleintransporteure in Wien

1) Die Nahversorgung kann nur mit flexiblen, umweltfreundlichen Transportmitteln, wie sie im Kleintransportgewerbe österreichweit in den Ballungszentren eingesetzt werden, optimal funktionieren. Umweltauflagen für schwere Lkw-Einheiten werden immer rigoroser sowie just in time, und die Internetgeschäfte werden noch weiter wachsen. Die Politik müsste funktionierende Wirtschaftsspuren für leichte Lkw im Nahverkehr installieren. 2) Bereits seit Jahrzehnten stehen Güterumschlagplätze am Stadtrand von Wien zur Diskussion. Leider hat sich auf diesem Gebiet noch sehr wenig getan. Viele europäische Großstädte haben auf diesem Gebiet die Nase vorn und sind bei den Belieferungszeiten wesentlich flexibler, sodass man in manchen Städten auch in der Nacht die Belieferung im innerstädtischen Bereich durchführen kann. Die Zeitfenster für die Belieferung in den City-Fußgängerzonen müssten erweitert werden, wobei auch die Öffnungszeiten der Geschäfte dieser Entwicklung anzupassen wären. 3) Hier kann und will ich als Vertreter des Wiener Kleintransportgewerbes keine Meinung äußern, ohne meine Kompetenz zu überschreiten.

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Von der Werkstatt zum Konzern Zeitreise: Egal wie groß und erfolgreich sich ein Unternehmen auch jetzt präsentiert: Irgendwann einmal hat es klein angefangen, stürmische Zeiten erlebt, Wandel durchgemacht und wurde so zu dem, was es heute ist. Wir haben für diese Ausgabe in der Firmenhistorie von Kapsch gestöbert. Text: Stephan Strzyzowski

1892: Johann Kapsch eröffnet eine feinmechanische Werkstätte in Wien. Der Sohn eines Bauern hat eine Lehre zum Mechaniker absolviert und fertigt nun Telegrafenstationen für die k.k. Post- und Telegraphenverwaltung. Erste Telefonapparate folgen. Johann Kapsch erweitert sein Einzelunternehmen und gründet mit seinen Söhnen die Kapsch u. Söhne OHG. 1912: Das Unternehmen eröffnet seine erste Fabrik – das Werk 1 – in Wien Altmannsdorf. Fabriks- und Verwaltungsgebäude befinden sich von nun an am Johann-Hoffmann-Platz.

Eine neue Ära beginnt 1950er: Die 50er-Jahre werden für Kapsch zu Boom-Jahren. Das Unternehmen beschäftigt rund 1.000 Mitarbeiter. Ab 1953 übernimmt Kapsch die Generalvertretung der deutschen AEG-Telefunken. Übertragungstechnik wird zum Schwerpunkt des Unternehmens. Das erste UKWRadio kommt auf den Markt, bald darauf auch das Transistorgerät Capri. 1955 präsentiert Kapsch ein eigenes S/W-Fernsehgerät. In der Fernmeldetechnik baut das Unternehmen unter anderem Wählämter in Italien und Brasilien.

1960er und 1970er Jahre: Expansion und Innovation 1916: Kapsch wird in die Telephon- und Telegraphen-Fabriks-Aktiengesellschaft umgewandelt und die Produktpalette erneut erweitert. Aus dem Hause Kapsch gibt es nun auch Kondensatoren, Trockenbatterien und Zinntuben. Für die österreichische Post baut das Unternehmen das Telefonnetz aus und errichtet halbautomatische Amtszentralen. 1921: Johann Kapsch hinterlässt seinen Erben einen florierenden Betrieb.

Markenradios in den Zwischenkriegsjahren 1923: Kapsch steigt in die Produktion von Radio-Empfangsgeräten ein. Durch die Verwendung von Röhrentechnik wird die Empfangsleistung verbessert. Unter dem Namen „Pionier-L“ kommt das erste Radiogerät mit eingebautem Lautsprecher auf den Markt. 1927: Der Unternehmenserfolg ermöglicht die Eröffnung eines zweiten Werkes in der Kranichberggasse. 1930: Auf der Wiener Messe zeigt Kapsch den ersten Fernseher in Österreich im eigenen Pavillon. Das Unternehmen beschäftigt inzwischen rund 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Im Zweiten Weltkrieg 1939-1945: Kapsch muss Aufträge des NS-Regimes übernehmen. Während der Luftangriffe auf Wien, verlagert Kapsch Teile der Produktion in ländliche Gebiete. Bei Kriegsende sind drei Fünftel der Produktionsanlagen durch Sprengbomben und Brände zerstört. Nach dem Krieg wird das Unternehmen mit der Wiederherstellung der automatischen Zentralen und der Lieferung von Fernsprechapparaten betraut. Der Wählapparat „W48“ wird zum Erfolg und die Umstellung der Wahlämter auf das „Wählsystem 48“ sichert langfristig eine gute Auftragslage. Bei den Rundfunkkunden landet Kapsch mit dem Kleinempfänger „Mucki“ und dem tragbaren Radio „Weekend 5“ zwei Verkaufsschlager.

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Ausbau und Veränderung sind die Kennzeichen der 60er und 70er für Kapsch. In Gänserndorf entsteht das Werk IV, das 25 Jahre lang der Fertigung von Telefonapparaten dienen wird. 1961: Mit 42.700 ausgelieferten Radios erreicht Kapsch den höchsten Absatz an Geräten in seiner Firmengeschichte. In den Folgejahren präsentiert Kapsch den Farbfernseher "Chromomatic“. 1970: Kapsch entwickelt ein neues Geschäftsfeld und rüstet die Österreichische Bahn mit Zugfunk aus. Die Wählämter sind österreichweit automatisiert, durch den Ausbau der Kapazitäten läuft das Geschäft mit der Amtstechnik unvermindert weiter. 1973: Kapsch errichtet die größte Nebenstellenanlage Österreichs. In der Bundesgebäudeverwaltung werden für mehr als 8.000 Teilnehmer eine Anlage konzipiert und Anschlüsse erstellt. Im gleichen Jahr wird die Produktion von Radiogeräten eingestellt. 1973-1979: In Forschung und Entwicklung arbeitet Kapsch an der Leiterplattentechnologie. Die ersten Nebenstellenanlagen mit Leiterplatten werden hergestellt und 1978 die Eigenproduktion von Leiterplatten aufgenommen. 1979 ändert das Unternehmen seinen Namen in Kapsch AG – der Name, der auch heute noch aktuell ist.

Digitale Elektronik und das Ende der Konsumgüter-Ära 1980er: Die 80er werden für Kapsch das Jahrzehnt der Großaufträge. Gemeinsam mit der Firma Schrack entwickelt Kapsch das digitale Telefonsystem OES-D. Für die Eigenfertigungen wird 1981 ein neues Werk in Fürstenfeld eröffnet. Mitte der 80er steigt Kapsch in den Mobilfunk ein und produziert in Fürstenfeld die ersten C-Netz-Mobiltelefone. 1985 wird die Produktion von Unterhaltungselektronik eingestellt. Kapsch richtet in Österreich das erste digitale Wählamt ein. Im Zugfunk präsentiert Kapsch Innovationen – der „Zugfunk 2000“ überzeugt die ersten Bahnkunden in Osteuropa. Ab 1989 werden als Folge der internationalen


Ihr Unternehmen hat eine bewegte Historie? In Ihren Archiven schlummern spannende Geschichten? Schreiben Sie mir: s.strzyzowski@wirtschaftsverlag.at.

Ausweitung des Geschäfts die ersten Tochtergesellschaften im Ausland gegründet. Bis 1994 entstehen Repräsentanzen in Ungarn, Tschechien, Polen, der Slowakei, der Ukraine, Russland, Slowenien und Kroatien.

2003: Kapsch entwickelt in Österreich das elektronische Mautsystem für LKW. 2006 wird das elektronische LKW-Mautsystem in Tschechien errichtet.

Mauttechnik und Mobiltelefonie

2007: Kapsch TrafficCom unternimmt den Schritt an die Börse.

1990er: Kapsch entdeckt die Verkehrstechnik als neues innovatives Geschäftsfeld und entwickelt elektronische Maut- und Verkehrssysteme. Das Unternehmen errichtet das elektronische Ökopunkte-System für Österreich und errichtet in der Schweiz 200 Mautstationen. In der Telefonie baut Kapsch das gesamte Netzwerk der mobilkom austria und deren Mobilfunknetz A1 aus.

2009: Die Aktie der Kapsch TrafficCom AG wird in den VÖNIX Nachhaltigkeitsindex aufgenommen. Kapsch BusinessCom beweist ihre technische Kompetenz als Cisco–Goldpartner und Kapsch CarrierCom stärkt durch weitere Zukäufe ihre Marktposition in Zentral- und Osteuropa.

Weltmarktführer im Wandel 2000: Georg, Kari und Elisabeth Kapsch übernehmen die Anteile der Familie Wilhelm Kapsch. In der Telekom-Branche verschärft sich der Wettbewerb – Kapsch verkauft das Werk in Fürstenfeld und reduziert die Fertigung im Stammwerk. Mit der strategischen Übernahme der Schrack BusinessCom kann sich das Unternehmen eine führende Position in der Business-Telefonie sichern. In der Verkehrstechnik untermauert der Kauf des schwedischen Maut-Spezialisten Combitech das Engagement von Kapsch. 2002: Die Kapsch AG formiert seine drei strategischen Geschäftsbereiche zu eigenständigen Unternehmen: Kapsch CarrierCom bietet Telekommunikationssysteme für Fest-, Mobil- und Datennetze, Kapsch TrafficCom deckt die Verkehrstechnik und intelligente Transportsysteme ab und Kapsch BusinessCom agiert als Servicepartner für Informations- und Kommunikationstechnologie.

2010: Kapsch TrafficCom erwirbt „Mark IV IVHS“ und sichert sich damit einen ausgezeichneten Markteintritt in Nordamerika. In weiterer Folge können Großaufträge in Südafrika, Polen und den USA gewonnen werden. 2011: Kapsch verlegt die Fertigung von GSM- und GSM-R-Systemen von China zurück nach Wien. 2012: Kapsch wird Apple-Partner in Österreich. Das Unternehmen erhält zusätzliche Aufträge für intelligente Verkehrssysteme aus den USA. Auch Straßenbetreiber in Australien und Brasilien werden als Neukunden gewonnen. 2013: Heute ist die Kapsch Group Qualitäts- und Innovationsführer in den Bereichen der Informations- und Kommunikationstechnologie und intelligenten Verkehrssysteme. Über 5.000 Mitarbeiter sind in Niederlassungen, Repräsentanzen und Beteiligungen in der ganzen Welt tätig.

1912: Einzug in das Werk I im 12. Wiener Gemeindebezirk. 2013: COO Kari Kapsch, CEO Georg Kapsch und CFO Franz Semmernegg beschäftigen weltweit 5.000 Mitarbeiter.

1927: Erste Telefonapparate werden hergestellt.

1978: Die ersten hauseigenen Leiterplatten laufen vom Band

1892: Johann Kapsch eröffnet seine feinmechanische Werkstätte. 1926: Kapsch entwickelt den Einröhren-Empfänger Reinartz Baby

1950er: Kapsch ­produziert Radios, die laufend weiterentwickelt werden.

1990er: Verkehrstechnik wird zunehmend zu einem wichtigen Geschäftsfeld

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Der Farbenflüsterer Als die meisten Fotolabors zusperrten, startete Foto Leutner erst richtig durch. Sein Erfolgsrezept: handwerklich perfekte Komplettlösungen anbieten und das Ohr immer schön am Kunden haben. Text: Daniel Nutz, Fotos: Julia Fuchs

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Wir machen’s trotzdem Die WIRTSCHAFT stellt in einer Serie Betriebe vor, deren Geschäftsideen als überholt, gestrig oder nicht zukunftsfähig gelten, die aber dennoch ein Beispiel unternehmerischen Erfolgs darstellen. Haben Sie Anregungen? Schicken Sie eine E-Mail an d.nutz@wirtschaftsverlag.at.

Eigentlich beabsichtigte Felix Leutner, beruflich nichts mit Fotografie zu tun zu haben. Nein, in die Fußstapfen seines Großvaters wollte er nicht treten. Denn Fotos auszuarbeiten, das war schon das Geschäft der Leutners, als noch der monarchistische Doppeladler als Staatswappen diente. Der Großvater war einer der wenigen, die sich rein auf die Laborarbeit konzentrierten. Felix Leutners Vater führte den Betrieb weiter. Es war die goldene Ära der Branche, als die Privatkamera in den Haushalten einzog und man die Werbewirtschaft mit ihren bunten Bildkampagnen als Kunden gewann. Es lief gut, bis Ende der 1990er-Jahre die digitale Fotografie die klassische analoge Technologie zu verdrängen begann und viele der klassischen Fotolabors zum Zusperren zwang. Es war die Zeit, in der das große Branchensterben einsetzte, als dem studierten Juristen Felix Leutner die Idee kam, die Unternehmensgeschichte doch noch um eine Generation zu erweitern.

Die Kunstszene als Kundschaft „Die Arbeitswelt, in der man sich bewegt, färbt immer auf einen ab. Von der Juristenwelt wollte ich nicht zu viel abbekommen“, sagt Leutner heute, während er einen Negativstreifen betrachtet. Selbstständig wollte er sein und in seinem Beruf Kreativität erleben, erzählt der Mann im schwarzen Hemd und graumeliertem Haar weiter. Um vom angehenden Branchensterben unbeeindruckt zu bleiben, gehörte eine gewisse Kühnheit dazu, aber auch ein Plan, wie man in einem schwindenden Markt dennoch wachsen könne. Die Idee hinter dem Plan hatte in Wahrheit sein Bruder, der als Kunststudent der kreative Part des Geschwisterpaares war, und Kontakte zu einem aufstrebenden Fotokünstler namens Erwin Wurm hatte. So kam Felix Leutner zu seinem ersten Auftrag in der Kunstszene und betrat ein Terrain, das die meisten Labors weitgehend mieden. „Viele Kollegen wollten sich das nicht antun“, erklärt Leutner. Manche dachten abschätzig über Künstler und verkannten dadurch

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auch das Geschäftsfeld. Denn gerade die Kunstfotografie, die vorwiegend auch heute noch analog arbeitet, erlebte Ende der 1990er-Jahre einen Boom, der noch immer anhält. Über die Empfehlung von Erwin Wurm, der allmählich zum internationalen Kunststar aufstieg, machte sich Leutner somit schnell einen Namen und besetzte eine der wenigen Nischen, in denen ein Fotolabor heute noch reüssieren kann.

Full-Service als Konzept Wobei die Bezeichnung Fotolabor natürlich eine Untertreibung ist. Foto Leutner ist vielmehr ein Full-Service-Anbieter, der prinzipiell alle Kundenwünsche zu erfüllen versucht. Manchmal geht das sogar so weit, dass man von der Entwicklung über die Rahmung bis zum Aufhängen der Bilder alle Arbeitsschritte übernimmt. „Kommunikation“ ist ein Schlagwort, das Leutner immer wieder in den Mund nimmt, wenn er über sein Geschäftskonzept spricht. In den ersten Jahren sei er darum von einer Kunstmesse zur anderen gefahren – einfach um zu erfahren, wo die Bedürfnisse von Künstlern, Ausstellern und Galeristen liegen. Man müsse sich Zeit nehmen und mit den Kunden reden, sagt er. „Es geht darum, zu erkennen, welches Bild der Kunde im Kopf hatte, als er den Auslöser drückte.“ Fotografie, das ist in seinen Augen nichts Faktisches, kein Abbild der Realität, sondern immer wieder ein Stück Interpretation des Fotografen selbst. Durch die Gespräche will er verstehen lernen, um die Farbwelt durch die Augen des Kunden zu sehen. Bei seinen Stammkunden wisse er ganz genau, wo deren persönliche Vorlieben lägen: mal mystischer, da wärmer, dort heller.

Handarbeit gefragt Um die Bilder dementsprechend hinzubekommen, ist Handarbeit gefragt. Die klassischen Analogfilme werden nämlich noch immer per Hand ausgearbeitet. „Da geht es um das Erkennen von Hauttönen und Farben. Das kannst du nicht messen. Gute Fotografie kann man nicht mit Messverfahren, sondern nur mit dem Auge auf das Papier holen“, erklärt Leutner, wieso er gegenüber der automatisierten Entwicklung immer im Qualitätsvorteil ist. Als Referenz zeigt er auf ein Entwicklerbecken mit Schwarz-Weiß-Abzügen der Künstler Peter Weibel und Elfie Semotan. Die Qualität seiner zwölf Mitarbeiter sei für den Geschäftserfolg entscheidend, sagt Leutner. Das gilt natürlich auch, wenn moderne Maschinen zum Einsatz kommen. Denn jede Maschine sei nur so gut wie der Mensch, der sie bedient.

Der Markt ist die Welt Für die größten Maschinen braucht Leutner eine eigene Räumlichkeit, die seinem Straßenverkaufslokal angeschlossen ist. Prints mit einem

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Maß von 300 mal 180 Zentimetern können hier angefertigt werden. Bilder, die in einigen Wochen in Museen oder großen Galerien hängen werden, und die man weltweit nur in etwa einem Dutzend Labors in dieser Qualität bekommen könne, wie Leutner stolz behauptet. Durch seine Spezialisierung auf sehr seltene und aufwändige Verfahren liegt es nahe, verstärkt auf den internationalen Markt zu fokussieren. Schon heute beliefert man gelegentlich ausländische Galerien. Das Argument auf Leutners Seite: Verglichen mit den Labors in New York oder Paris könne man einen deutlich günstigeren Preis anbieten. Zum weiteren Aufbau der internationalen Reputation wird vermutlich auch das eben an Land gezogene Großprojekt mithelfen: Man ist nämlich gerade dabei, das Fotoarchiv des Wiener Aktionskünstlers Otto Mühl publikationsfähig zu machen.

Veredelung von Handyfotos Das Geschäft mit der Kunst ist zu einem soliden Standbein geworden. Das zeigt allein schon ein Blick in das Kaschierzimmer, auf dessen Boden zusammengerollt zig mit Galerienamen versehene Aufträge lagern. Doch auch qualitätsbewusste Hobby- oder Urlaubsfotografen will Leutner in seinen Laden holen. „Selbst aus einem mit einem Smartphone geschossenen Bild kann ich heute einen A2-Print machen“, sieht er den Vormarsch der Handy- und Billigdigitalkameras durchaus als Chance für seine Branche. Immerhin entdeckten viele Kunden erst über ihr Handy die Leidenschaft für die Fotografie. Und auch aus vermeintlich schlechten Aufnahmen kann man heute über Digitalbelichtung noch einiges aus den Aufnahmen holen. Da mache es einen gewaltigen Unterschied, ob man zum Profi gehe oder die Fotos im Drogeriemarkt ausdruckt. 80 Prozent des Geschäfts macht Leutner heute mit der Weiterverarbeitung digitaler Fotos. Sein Labor zur Entwicklung von analogen Schwarz-Weiß- und -Farbfilmen wird man aber nicht aufgeben – solange es irgendwo auf der Welt noch Filme zu kaufen gibt, beteuert Leutner.

Vergiss den Controller Denn die Freiheit, das zu machen, was ihn interessiert und woran er glaubt, war schließlich einmal der Grund, wieso er Unternehmer wurde. Hätte er auf einen Controller gehört, der nur auf die Kosten schaut, würde es sein Labor freilich längst nicht mehr geben, meint er. In der Geschäftswelt ist es eben auch manchmal so wie in der Fotografie. Nicht immer führt eine rein technisch Analyse zum größten Erfolg. „Meistens helfen Herzblut und eine gewisse Beharrlichkeit weiter“, sagt Leutner und wirft einen Blick in seine Dunkelkammer, die mittlerweile eine der letzten Wiens ist.


KONGRESS

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Gesetze und Normen Fördersituation Technische Herausforderungen – praktische Lösungsbeispiele Die Zukunft des Wohnens Best-Practice-Beispiele u. v. m.

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Entgeltliche Einschaltung

Gewerbliche Anlagen auf dem Prüfstand Gewerbliche Elektroanlagen und Gasanlagen sind das Herz vieler Betriebe. Ebenso wie für das menschliche Herz ist auch die regelmäßige Überprüfung dieser Anlagen notwendig. Das nützt nicht nur dem Budget, weil Reparaturen und Störungen vermieden werden, sondern ist auch im Sinn des Gesetzgebers. Wien Energie bietet - speziell für Businesskunden – eine professionelle Überprüfung von Elektro – und Gasanlagen zu güns-

tigen Konditionen an. Das Service unterstützt Unternehmen dabei Energie-Schwachstellen aufzuspüren. Es wird sichergestellt, dass die Anlagen kosteneffizient und umweltgerecht funktionieren. Mit Hilfe der Wartung wird außerdem gewährleistet, dass die Anlagen alle behördlichen Auflagen erfüllen. Ein weiteres Service zur Steigerung der Energieeffizienz jedes Unternehmens ist die Anlagen-Thermografie. Wärmeverluste oder Wärmestaus werden sichtbar gemacht. Ähn-

lich wie bei der Thermografie von Gebäuden kommt auch bei Anlagen eine Spezialkamera zum Einsatz. Diese ist mit Infrarottechnik ausgestattet und stellt die Temperaturunterschiede in Form eines Bildes, Thermogramm genannt, dar. Weitere Informationen für Businesskunden auf www.wien­energie.at und telefonisch unter 01/97700 38065. Anfragen per E-Mail an dienstleistungen@wienenergie.at

I N FO Vorteile bei Überprüfung für Elektroanlagen: • Sicherheit für Personen und Nutztieren gegen elektrischen Schlag und Verbrennungen • hohe Betriebssicherheit und ungestörter Betrieb • Beratung bei Behördenauflagen und der Gewerbeordnung Vorteile bei Überprüfung von Gasanlagen: • Gewährleistung von Kosten­effizienz und Sicherheit • Sicherstellung des umwelt­

gerechten Anlagenbetriebs • Abgasmessungen lt. Feuer­polizeigesetz I N FO

Vorteile der AnlagenThermografie: • Früherkennung von Brand­gefahr • Aufspüren von fehlerhaften

Schraub- und Klemmverbindungen • Erkennen von thermischen Über- belastungen von Elektroleitungen


Was mich ausmacht?

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8: Pfadfindergruppe Graz, 4: „St. Vinzenz“, 12: Markus Mitterauer, 15: matt buchanan

Bildrätsel. Diesmal suchen wir eine Unternehmerin, die in einer richtigen Männerdomäne reüssiert. Ein Tipp: Ihre Produkte machen sich verdammt gut am Heck eines Golf GTI.

1 Mein Geburtsort: Voitsberg, Steiermark 2 Darin war ich in der Schule gut: Bis auf Physik in allen Fächern, ich war eine Vorzugsschülerin 3 Das hat mir die Schule nicht beigebracht: Unternehmerisches Denken 4 Das wollte ich als Kind später einmal werden: Innenarchitektin 5 Damit habe ich mein erstes Geld verdient: Mit zwölf Jahren habe ich meine ersten Nachhilfestunden gegeben. In weiterer Folge hatte ich oft sieben bis acht Nachhilfeschüler in verschiedenen Fächern 6 Das ist das Schöne an meinem Beruf: Die Gestaltungsmöglichkeiten 7 Ohne diese Erfindung könnte ich nicht leben: Warmes Wasser 8 Diese Person ist/war für mich ein Vorbild: Pfarrer Pucher 9 Ich liebe diese Kunstrichtung: Mir müssen Kunstwerke gefallen und in die Landschaft oder in einen Raum passen – für eine bestimmte Richtung habe ich keine Präferenz 10 Davor habe ich Angst: Vor einem Cyber-War, den niemand einschätzen kann respektive über dessen Folgen ich gar nicht nachdenken möchte. 11 Mein liebstes Reiseziel: Ich würde gern Destinationen, in denen ich beruflich schon mehrfach zu tun hatte, auch touristisch erleben 12 Das ist meine Lieblingsspeise: Tiramisu 13 Mein Sport: Radfahren, Laufen, Skifahren 14 Das mag ich nicht: Faule Menschen 15 Das ist für meinen Job unentbehrlich: Handy und iPad 16 Davon möchte ich mehr haben: Zeit für Privates, Familie, Freunde, Sport

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Remus

Was mich ausmacht!

Angelika Kresch, Mitgründerin und -eigen­ tümerin des Unternehmens Remus-Sebring: Ich

ner beruflichen Laufbahn. Den Bereich Forschung und Entwicklung in

denke, ich vereine sehr viele Eigenschaften meines Sternzeichens Stein-

unserer Unternehmensgruppe voranzutreiben und damit die Marktpo-

bock in mir. So bin ich extrem verantwortungsbewusst, sowohl meiner

sition auszubauen und langfristig abzusichern war mir immer eines der

Familie gegenüber als auch den Mitarbeitern in unserer Unternehmens-

wichtigsten Anliegen. Weiters empfinde ich den Einsatz für die Jugend

gruppe. Mein Mann bezeichnet mich oft als die „Mutter der Nation“.

als besonders wichtig und bringe mich in die unternehmensinternen

Treue sehe ich als eine der wichtigsten Eigenschaften, und ich lebe sie

Fortbildungsprogramme gern persönlich ein.

Nachhaltiges Denken war und ist einer der wichtigsten Punkte mei-

auch. Damit meine ich Treue nicht nur im üblichen Sinn, sondern auch

Ich bin Vorsitzende der Projektgruppe „Zukunft Industrie“ sowie

im Hinblick auf Kunden- und Lieferantenbeziehungen, wo sie heute lei-

Spartenobfrau Industrie und möchte versuchen, der Gesellschaft etwas

der nicht mehr Usus ist. Handschlagqualität zählt bei mir, privat wie

zurückzugeben. Nicht zuletzt war es mir stets ein Anliegen, Frauen und

geschäftlich.

Mädchen in technischen Berufen zu unterstützen und zu fördern.

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Ein paar klare Worte, bitte!

Was bringt CS R ...

... Herr Schmidpeter?

... für KMU, ...

Diesmal zum Thema: Unternehmerische Verantwortung Der internationale CSR- und Nachhaltigkeitsstratege René Schmidpeter stattet der Redaktion einen kurzen Besuch ab. Wir sprechen mit ihm über Shareholder-Value, die DNA des Mittelstands und Nachhaltigkeit als neues Geschäftskonzept. Interview und Fotos: Daniel Nutz

Unternehmerische Verantwortung oder Corporate Social Responsibili-

ganzheitliche Strategie zu entwickeln, die zum Unternehmen passt, um

ty (CSR) hat nichts mit reiner Philanthropie, mit Spenden, Sponsoring

damit am Markt einen Wettbewerbsvorteil zu generieren. Wird Nachhal-

oder mit altruistischen Sozialprojekten zu tun. CSR heißt, Projekte bzw.

tigkeit zum Alleinstellungsmerkmal eines Unternehmens, ist es oft ein

Geschäftsideen so umzusetzen, dass dadurch sowohl gesellschaftlicher

lohnendes Investitionsmodell, das den wirtschaftlichen Erfolg sichert.

Mehrwert als auch Gewinne für das Unternehmen generiert werden.

CSR muss somit in die DNA der Unternehmen integriert werden.

Wir leben in einer Zeit mit gewaltigen gesellschaftlichen Herausforderungen wie dem Klimawandel, Globalisierung und den demografi-

Wer CSR als rein defensives Compliance-Thema sieht, liegt falsch. Es

schen Veränderungen. Doch gerade deswegen entstehen neue Märkte

geht nicht darum, mehr Kontrolle und damit verbunden Kosten zu gene-

und Geschäftsfelder. Die Wirtschaftskrise hat uns gezeigt, dass wir neue

rieren, sondern darum, das Geld effizienter zu investieren. Im Endeffekt

Geschäftsmodelle brauchen. Es geht darum, diese Chancen zu erkennen.

kann man mit CSR sogar Kosten sparen. Zum Beispiel mit Energiesparmaßnahmen: Da profitiert man schon mittelfristig von den deutlich

KMU sind dafür prädestiniert, diese Herausforderungen bestmöglich zu

geringeren Ausgaben. Oder im Personal: Eine nachhaltige Mitarbeiter-

bewältigen. Denn es war, rückwirkend betrachtet, ihr großes Glück, sich

politik erspart Rekrutierungskosten. Und ökonomisch: Nachhaltigkeit

nicht dem reinen Streben nach Shareholder-Value auszuliefern – son-

ist kein Gegenkonzept zu wirtschaftlichem Erfolg. Im Gegenteil, mit

dern in ihren jeweiligen Geschäftsmodellen verankert zu bleiben. Des-

neuen unternehmerischen Lösungen für die gegenwärtigen gesellschaft-

halb haben Länder wie Österreich oder Deutschland, die einen starken

lichen und ökologischen Herausforderungen kann man Geld verdienen.

Mittelstand aufweisen, die Krise bisher am besten gemeistert. Die meisten KMU denken in und für Generationen und sind daher auch beim

Die Zukunft liegt daher in der Hand der Unternehmer. Sie steuern die

Thema Verantwortung hervorragend aufgestellt. Vielen Unternehmern

Hebel, die die Welt verändern. Diese Entwicklung kann nur von jenen

ist das oft nicht bewusst, weil es zu ihrem Selbstverständnis gehört.

Unternehmen getragen werden, die den Erfolg ihres Geschäftskonzepts in der Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen sehen. Das war

CSR beruht auf drei Säulen: Umweltverantwortung, sozialer Verant-

schon die Erkenntnis des großen Nationalökonomen Adam Smith. Der

wortung und ökonomischer Verantwortung. Meist sind KMU bereits in

Mittelstand ist dafür prädestiniert. Denn Nachhaltigkeit heißt, in die

einem dieser drei Bereiche schon sehr aktiv – sei es im Bereich Mitarbei-

Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder zu investieren! Ein Prinzip,

ter, Umweltschutz oder Ähnlichem. Nun gilt es darauf aufbauend eine

das vom Mittelstand schon seit Jahrhunderten gelebt wird.

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Böck macht Schluss

Think pig Wir sind klar das beste Land der Welt. Österreich ist das schönste und beste Land der Erde mit den schönsten und besten Menschen und dem besten Essen. In Österreich wird das beste Bier der Welt gebraut. Bei uns wächst der beste Wein in den schönsten Landschaften weit und breit. Die absolut größten Genies dieser Erde sind aus Österreich. Die größten geistigen Schöpfungen der Menschheit kommen aus Österreich. Der Ursprung für alles, was der Mensch bisher erreicht hat, liegt in Österreich. Die großen Erfindung und Entdeckungen der Welt stammen aus Österreich. Die genialsten Köpfe der Welt sind Österreicher. Die besten Wissenschaftler und Forscher der Welt sind Österreicher. Die besten Schriftsteller der Welt sind Österreicher. In Österreich entscheidet sich das Schicksal der Welt. Kein Präsident, kein Papst, kein Herrscher kann ohne Österreich regieren. Alle wichtigen weltpolitischen Entscheidungen werden in Österreich vorbereitet. Das Herz der internationalen Diplomatie, es schlägt in Österreich. Die Weltwirtschaft steht und fällt mit Österreich, dem besten Land in der EU, in Europa und in der Welt. Die fleißigsten und anständigsten Menschen weltweit leben in Österreich. Wir haben die schönsten Straßen der Welt, die besten Brücken und Tunnels, die besten Seilbahnen, die besten Züge und die weltweit schönsten Bahnhöfe. In unserem Land gibt es das weltweit beste Telefonnetz, das schnellste Internet der Welt und die weltweit sauberste Stromerzeugung. Kein Land hat so gute Sportler. Sämtliche olympische Disziplinen sind ohne Österreich undenkbar. Die besten Fußballer der Welt sind aus Österreich. Ohne Österreich würde der Fußballsport überhaupt nicht existieren. In allen wichtigen Sportarten sind immer Österreicher die Besten der Besten. Ohne Österreich gäbe es keinen Sport. Ohne Österreich gäbe es auch keine Kultur. Die besten Sängerinnen und Sänger der Welt sind Österreicher, die besten Maler und Architekten sowieso. Unsere Politiker sind die besten der Welt. Sie treffen die weltbesten Entscheidungen. Das demokratische System in Österreich ist das beste weit und breit, weil wir die weltweit beste Verfassung haben. Wir haben das weltbeste Bildungssystem und die mit Abstand besten Universitäten. Wir haben die berühmtesten Theater. Die besten Schauspieler der Welt sind Österreicher. Wir lesen die besten Zeitungen weltweit. Unser Fernsehprogramm ist Weltspitze. Wir haben das weltweit beste Wasser. Das beste Brot haben wir. Nirgendwo auf der Welt gibt es besseres tägliches Brot als bei uns. Unser Essen ist sowieso das beste auf dem ganzen Globus. Nirgendwo auf der Welt gibt es einen besseren Schweinsbraten und bessere Knödel als bei uns. Wir haben die besten und glücklichsten Schweine der Welt. Unsere Kühe geben die weltbeste Milch, weil sie das beste Gras auf den schönsten Wiesen der Welt fressen. Unsere Mehlspeisen sind weltberühmt, weil sie die besten sind. Österreich hat die weltweit besten Köche und Restaurants. Die weltweit schönsten Berge und Täler befinden sich in Österreich, dem schönsten und besten Land der Erde mit der weltbesten Luft, den schönsten Bergen und den weltbesten Seen mit den saubersten Stränden der Welt, dem weltweit besten Wetter und den freundlichsten Menschen der Welt.

Stefan Böck ist Chefredakteur des Österreichischen Wirtschaftsverlags und nimmt sich kraft seines Amtes heraus, die letzte Seite mit seinen verqueren Gedanken zu füllen. Schreiben Sie ihm: s.boeck@wirtschaftsverlag.at

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die wirtschaft Nr. 5 | Mai '13


Eine Initiative der gewerblichen Immobilienwirtschaft


Demner, Merlicek & Bergmann

Ein echter Naturbursch: Der Stromtarif MEGA Wasser.Plus für Ihr Unternehmen

Ihre ökologische Haltung zeigt sich in Ihrem ökologischen Handeln? Dann entscheiden Sie sich für den Stromtarif aus 100 % erneuerbarer Energie. Denn MEGA Wasser.Plus hält, was sein Name verspricht. Und sorgt mit mindestens 80 % Wasserkraft plus Wind, Sonne und Biomasse dafür, dass Ihr Unternehmen nachhaltiger agiert. Mehr auf wienenergie.at Wien Energie Vertrieb, ein Unternehmen der EnergieAllianz Austria.

www.wienenergie.at

Die unten angeführten Werte beziehen sich auf die Beschaffungssystematik von Wien Energie Vertrieb und treffen keine Aussage zum konkreten Produktmix.

Wasserkraft Wind- und Sonnenenergie feste oder flüssige Biomasse sonstige Ökoenergie Erdgas CO2-Emissionen radioaktiver Abfall

48,22 % 4,32 % 3,57 % 1,05 % 42,84 % 188,50 g/kWh 0,00 g/kWh

Stromkennzeichnung des Lieferanten: Gemäß § 78 Abs. 1 ElWOG 2010 und Stromkennzeichnungsverordnung 2011 hat die Wien Energie Vertrieb GmbH & Co KG im Zeitraum 1.10.2011 – 30.9.2012 auf Basis der in der nebenstehenden Tabelle angeführten Primärenergieträger Strom an Endverbraucher verkauft. Die Herkunftsnachweise stammen aus Österreich (75,97%) und Norwegen (24,03%). Das Erdgas wird mit höchster Effizienz in modernen KWK-Kraftwerken zur gleichzeitigen Erzeugung von Strom und Fernwärme eingesetzt. Gemäß § 78 Abs. 2 ElWOG 2010 und Stromkennzeichnungsverordnung 2011 entstanden bei der Stromerzeugung in diesem Zeitraum nebenstehende Umweltauswirkungen. Unsere Lieferungen sind frei von Atomstrom. Bei der Erzeugung entstehen keine radioaktiven Abfälle.


Die Wirtschaft 05/13  

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