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2014

Das Magazin des Österreichischen Wirtschaftsverlags

Gierig seit 1945

Geld

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Fluch, Segen, Antrieb: Wie der Mammon unser Handeln bestimmt

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Der neue Peugeot Boxer

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Mit einer Vielzahl von Verbesserungen wird der neue Boxer zum besten Arbeitskollegen, den man sich nur vorstellen kann. Er punktet mit Optimierungen in der Karosseriestruktur, einer neuen Mechanik für die seitlichen Schiebetüren, verstärkten Hecktüren, größeren Bremsen, neu konzipierten Stoßdämpfern und einem funktional-komfortablen Innenraum. Dazu kommen vier effiziente HDi-Dieselmotoren, ein Laderaum von 8 bis 17 m3 und jede Menge Fahrerassistenz- und Sicherheitssysteme.

DER NEUE PEUGEOT BOXER


Julia Fu

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Echte Klassiker

Ein Numismatiker im Interview Professor Günther Dembski hat sein Leben der Münzkunde gewidmet. Im Kunsthistorischen Museum Wien leitete er mit dem Münzkabinett eine der bedeutendsten Sammlungen der Welt. Als Präsident der Numismatischen Gesellschaft pf legt er den wissenschaftlichen Informationsaustausch. Herr Professor, was ist das Faszinierende an der Münzforschung? Die Klarheit: Münzen überliefern und dokumentieren über Jahrtausende sehr oft kulturelle, politische und auch religionsbezogene Fakten und Entwicklungen. Was kann man aus einer Münze lesen? Seit Alexander dem Großen, also ab dem ausgehenden vierten Jahrhundert vor Christus bis zu Kaiser Franz Joseph sind auf ihren Vorderseiten sehr oft die Porträts der jeweiligen Herrscher zu sehen – sie sind eine Art Porträtgalerie in Erz. Auf ihren Rückseiten wurden besonders in der Antike die Errungenschaften der jeweiligen Herrscher abgebildet: etwa Kriegszüge oder Straßenbauten.

Geld war also ein Massenmedium, lange bevor es Zeitungen gab? Genau. Nach der Ermordung Julius Caesars ließ Brutus zum Beispiel eine Münze mit dem Bild der Freiheitsmütze und den Mörderdolchen auf der Rückseite prägen. Diese Darstellung wirkte als Symbol der gewonnen „Freiheit“ derartig nach, dass sie im ausgehenden 18. Jahrhundert zu Zeiten der Französischen Revolution auf den Münzen wieder aufgenommen wurde. Wie hat sich Geld seit seinem Entstehen 650 v. Chr. verändert? Bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts hatte die Münze den Wert, den ihr Material repräsentierte. Es gab bald Inflationserscheinungen und auch Fälschungen. Freilich war die Entwicklung keineswegs geradlinig. So verlor nach dem Zerfall des antiken Römischen Reiches das Münzgeld sehr an Bedeutung. Im Mittelalter erlebte man sogar vielerorts eine Rückkehr zum Tauschhandel, der dann wieder durch neugestaltete Münzen aus edlen und unedlen Metallen abgelöst wurde. Erst unter Maria Theresia ebneten die ersten Papiergeldversuche den Weg zum heute gängigen Kreditgeld und löstenspäter das „Wertgeld“ endgültig ab.

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Inhalt Coverschwerpunkt Geld: „Geld verpflichtet zum Einsatz von Fähigkeiten“ / Millionenerbe Andreas Kaufmann im Interview ................................ 10 Sicherheitspolster, aber ohne Matratze / Ein Tresorhersteller hat Hochkonjunktur ..................................................................... 14 Guter Rat für angehende Millionäre / Der Großgewinnbetreuer unterstützt Lottosieger .............................................................. 16 Nimm, so viel du willst / Wenn die Mitarbeiter selbst über die Lohnhöhe entscheiden ..............................................................................17 Hallo, wir gründen eine Bank / Zu Besuch bei den Gründern der Bank für Gemeinwohl ..................................................................... 18 Harald Koisser macht Mut / Eine Religion namens Geld ............................................................................................................................ 20 Geld regiert die Welt / Eine Grafikseite zur globalen Verteilung des Vermögens .......................................................................................... 22 Logistik im Wandel / Wo sich die Branche hinbewegt ...................................................................................................................................... 24 Offenbachers Asphaltgeschichten / Der Renault Mégane GT-Line im Test ........................................................................................ 27 Unter Strom / Über die Zukunftsaussichten der E-Mobilität .................................................................................................................................. 28 Wie ich Kraft tanke / In den Weinbergen mit Investor Hans Schmid ............................................................................................................... 32 Leasing ohne Katzenjammer / Tipps für Unternehmer, die ihre Cashreserven nicht antasten wollen .................................................. 34 Die Wutunternehmer / Manche treten in den Steuerstreik ............................................................................................................................ 36 Ein Kleid für die Ewigkeit / Ein Wiener Modedesigner hält der Billigkonkurrenz aus Nahost stand ...................................................... 38 Geschäftsidee des Monats / Alles ohne Verpackung ................................................................................................................................... 40 Schwerpunkt Nachhaltigkeit: CSR statt PR / Wie man verantwortungsvoll erfolgreich ist ..................................................................................................................................... 42 Und so geht es … / Beispiele für CSR im unternehmerischen Alltag.................................................................................................................... 46

Sind wir noch am Leben oder verwesen wir schon? Die Ausstellung Zom_Be der Künstlergruppe Rem:brand stellt diese Frage von 21. bis 31. Oktober 2014 in der Galerie Galerie Kandinsky, 1070 Wien, Lerchenfelderstr. 13 www.rembrand.at

IMPRESSUM Medieninhaber, Herausgeber und Verleger: Österreichischer Wirtschaftsverlag GmbH, Grünbergstraße 15/1, A-1120 Wien, T (+43 1) 546 64-0, F (+43 1) 546 64-528, Geschäftsführer: Thomas Zembacher, DVR-NR.: 0368491, Chefredaktion Österreichischer Wirtschaftsverlag Gesamtleitung: Stefan Böck, (sb), T (01) 546 64 – 380 E s.boeck@wirtschaftsverlag.at, Chefredakteur: Stephan Strzyzowski, (str), T (01) 546 64-381 E s.strzyzowski@wirtschaftsverlag.at, Chef vom Dienst: Daniel Nutz, (dn), T (01) 546 64-388 E d.nutz@wirtschaftsverlag.at, Redaktionelle Mitarbeit: Florian Gasser, Alexandra Rotter, Hannes Offenbacher, Harald Koisser, Oliver Weberberger, Gerhard Brunnbauer, Mara Leicht, Fotos: Simon Jappel, Thinkstock, Julia Fuchs, Richart Tanzer, Anzeigenverkauf: Erhard Witty, T (01) 546 64–283, E e.witty@wirtschaftsverlag.at, Anzeigenservice: Renate Weber, T (01) 546 64-482, E r.weber@wirtschaftsverlag.at, Grafik Design: Antonia Stanek , Illustration: Barbara Rettensteiner, Silvia Ungersböck , Hersteller: Berger Ferdinand und Söhne GesmbH, 3580 Horn, www.berger.at, Aboservice: Aboservice Österr. Wirtschaftsverlag, T +43/1/361 70 70-570, F +43/1/361 70 70-9570, E aboservice@wirtschaftsverlag.at • www.die-wirtschaft.at • http://www.facebook.com/diewirtschaft • Aus Gründen der Textökonomie verzichten wir auf geschlechtsspezifische Formulierungen.

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Simon Jappel/REM:BRAND

Ein paar klare Worte, bitte! / Philosophie für Manager.............................................................................................................................. 49 Böck macht Schluss / Von Zombies umzingelt....................................................................................................................................................50


Patent von Viktor Kaplan zur effizienten Nutzung der Wasserkraft: „Kaplan-Turbine“ (1923)

Große Ideen brauchen zuverlässige Partner. Damals wie heute.

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Geld oder Leben? „Wer der Meinung ist, dass er für Geld alles haben kann, gerät leicht in den Verdacht, dass er für Geld alles zu tun bereit ist.“

Unfassbar, was Menschen für Geld tun. Allerdings ist es manchmal zumindest

Benjamin Franklin

ins Koma, lassen sich operativ verschönern, singen um die Wette und stöckeln

sehr unterhaltsam anzusehen. Denn wer sich die eindrucksvolle Bandbreite der Selbstprostitution vor Augen führen will, muss eigentlich nur den Fernseher aufdrehen. Dort gibt es perfekt ausgeleuchtete Zeitgenossen zu bestaunen, die für eine Handvoll Dollar die unglaublichsten Dinge tun: Sie essen Känguru-Hoden im Dschungel, daten andere soziale Restposten, saufen sich in der Hoffnung auf den Durchbruch über Heidis Catwalk. Die Versuchung ist groß, sie als mediengeile, geldgierige Idioten abzutun. Punkt, kein aber. Dafür eine Frage: Ist der Rest von uns wirklich so viel besser? Okay, so manche Peinlichkeit werden wir uns wohl ersparen, und auch das Mittagsmenü hat nur selten Testikel auf dem Speiseplan – doch dem Geld rennt eigentlich die gesamte Menschheit nach, notgedrungen. Das ist wohl nicht zu ändern und auch ganz in Ordnung, solange das Rennen selbst Spaß bereitet. Solange die Dinge, die wir tun, einen Mehrwert für andere schaffen, und man zumindest mit dem guten Gefühl ins Bett fallen kann, ein kleines Stückchen unserer Welt am Laufen gehalten zu haben. Wenn die Erwerbsarbeit allerdings zur sinnentleerten Geldbeschaffung verkommt, wir nur mehr nach dem „Wie viel“ und nicht mehr nach dem „Warum“ fragen, laufen wir Gefahr, uns zu verlieren. An diesem Punkt beginnt man zu vegetieren anstatt zu leben. Auf dieses Phänomen will aktuell die Künstlergruppe Rem:brand aufmerksam machen, die unter dem Titel „Zom_Be“ eine aufrüttelnde Bilderserie mit heimischen Promis gestaltet hat. Eines dieser Bilder ziert nun unser Cover. Wer da so „scheinheilig“ schaut, ist der Kabarettist Reinhard Nowak. Eine lässige Aktion, die wir als Sponsor unterstützen. Passt doch das Hinweisen auf gesellschaftliche Probleme gut zu unseren eigenen CSR-Ambitionen. Und weil es glückliche Umstände so gefügt haben, dass es in dieser Ausgabe um Geld geht und wir auch noch gerade einen Nachhaltigkeitsschwerpunkt über alle Medien des Hauses machen, haben wir die Gelegenheit einfach beim Schopf gepackt. Also: Nehmen wir uns doch alle ein paar Minuten Zeit, um zu hinterfragen, was wir hier eigentlich tun. Und bedenken wir dabei: Das letzte Hemd hat keine Taschen. Stephan Strzyzowski, Chefredakteur s.strzyzowski@wirtschaftsverlag.at PS: Die komplette Bilderserie gibt es übrigens von 21. bis 31. Oktober 2014 in der Galerie Kandinsky, 1070 Wien, Lerchenfelderstr. 13, zu sehen.

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650 v. Chr. entstanden im Reich der Lyder in Kleinasien die ersten Münzen aus Gold und Silber.

69 Prozent der Weltbevölkerung besitzen insgesamt nur 3 Prozent des Weltvermögens.

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Der Staat Österreich nahm 2013 142,085 Milliarden Euro an Steuern ein.

Geld Über Geld spricht man nicht? Blödsinn! Wir haben fünf Unternehmergeschichten aufgespürt, in denen sich fast alles ums Geld dreht.

Die Österreicher wenden 14 Milliarden Euro jährlich für Glücksspiele auf. die wirtschaft Nr. 6 | Juni '14

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Classical Numismatic Group, Inc. http://www.cngcoins.com, Boss Tweed

Die Notenbanken horten weltweit Goldreserven von rund 32.000 Tonnen.


„Geld verpflichtet zum Einsatz von Fähigkeiten“ Wie verändert sich das Leben, wenn man eines der größten Vermögen des Landes erbt? Millionenerbe Andreas Kaufmann gibt Auskunft. Interview: Daniel Nutz

Der Empfangsraum in Andreas Kaufmanns Firma ACM wirkt beschaulich. Tiefe Decken, ein halbvolles Wandregal mit Büchern, einige Sammlerstücke zeugen von seiner Fotoleidenschaft. Andreas Kaufmann ist kein Typ, der gerne protzt. Der Millionenerbe und nunmehrige Eigentümer der Luxuskameramarke Leica empfängt uns und nimmt auf einem schlichten Bürostuhl Platz. Ihm gegenüber hängt ein Abzug des von Alberto Korda geschossenen legendären Fotos des kubanischen Revolutionärs Che Guevara. Es stellt eine Referenz für die Qualität der Leica-Fotografie dar – aber auch eine Referenz zu Kaufmanns früherem Leben. Er sei in jungen Jahren ein Revolutionär gewesen, sagt der 60-Jährige. Das war in seiner Jugend und vor der Zeit, in der er durch das Erbe der Kärntner Papierfabrik Frantschach vor der Frage stand: Was tun mit dem Geld? Herr Kaufmann, macht Geld Sie glücklich? Geld macht weder glücklich noch unglücklich. Es geht darum, wie man es einsetzt und damit umgeht. Mir bereitet es Glücksmomente, mithilfe des Einsatzes von Kapital gewisse Dinge verwirklichen zu können. Selbstverwirklichung hängt aber keineswegs vom Geld ab. Es geht um die innere Einstellung. Ich kenne Leute, die mit sehr viel Geld sehr unglücklich sind. Ich habe danach gefragt, weil Sie vor Ihrer Erbschaft als WaldorfLehrer tätig waren. Die Waldorfschule vermittelt ja nicht unbedingt die Werte des Kapitalismus.

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Fakt ist, dass man in der Waldorfschule zu wirtschaften lernt. Das liegt daran, dass nur ein Teil der Kosten vom Staat getragen wird. Als Lehrer ist man also mit der Erschließung von Einnahmequellen, etwa durch Elternbeiträge, Spenden und diverse andere Aktionen, beschäftigt. Wer an der Waldorfschule lehrt, lernt, mit Geld umzugehen. Wie hat sich das Erbe auf Ihr Leben ausgewirkt? Ein Erbvorgang tritt ja nicht von einem Moment auf den anderen ein. Meine Brüder und ich wurden darauf vorbereitet. Durch unsere Erziehung lernten wir, damit umzugehen. Uns wurde beigebracht, dass Geld die Verpflichtung zum Einsatz von Fähigkeiten bedeutet. Dieser Begriff stammt aus der Anthroposophie*. Geld ist also ein Mittel, das einen verbindlichen Charakter trägt. Hat Sie das Geld verändert? Geld verändert insofern, als die Verantwortung höher wird. Klar, kann man sich einiges leisten, das man sich vorher nicht leisten konnte. Aber man ist auch verantwortlich für seine Stakeholder. Das sind in meinem Fall die Familie und diejenigen, die am Unternehmen beteiligt sind. Und man hat natürlich die Verantwortung gegenüber den Arbeitsplätzen. Das klingt danach, als hätten Sie als Waldorf lehrer ein angenehmeres Leben gehabt?


Vom Waldorf-Lehrer zum Millionenerben

Verantwortung geprägtes Unternehmertum. In diesen Firmen wird darüber nachgedacht, wie man mit seinen Mitarbeitern umgeht und welche gesellschaftliche Verantwortung man trägt. Ich glaube, das öffentliche Bild des Unternehmertums ist sehr stark von den Auswüchsen des Managements geprägt.

Andreas Kaufmann studierte Literatur- und Politikwissenschaft und war als Lehrer an einer Waldorf-Schule tätig. Nach dem Tod seiner Tante erbte er gemeinsam mit seinen Brüdern den Kärntner Papierkonzern Frantschach und kam somit zu einem Vermögen von kolportierten 1,5 Milliarden Euro. Die Kaufmanns halten über die in Salzburg sitzende ACM Projektentwicklung GmbH verschiedene Firmenbeteiligungen. Die wichtigste ist die Mehrheit beim deutschen Paradeunternehmen Leica. Für den erfolgreichen Turnaround beim Luxuskamera-Hersteller wurde er als „Word Entrepreneur of the Year 2014“ ausgezeichnet.

Wie sieht Ihr Idealbild des Wirtschaftens aus? Es geht darum, ein Gleichgewicht zwischen seinen eigenen Anforderungen, den Aufgaben des Kapitals und jenen der Mitarbeiter und Kunden zu schaffen. Am Ende des Tages soll dabei ein Gewinn übrigbleiben. Wer auf exzessive Gewinne abzielt, lässt meistens die Kunden oder die Mitarbeiter auf der Strecke.

Nicht unbedingt. Man steht da um 8 Uhr in der Klasse und muss mit lustigen Pubertierenden eine Art Unterricht zelebrieren (lacht). Sie sagen, dass Sie bescheiden aufwuchsen. Wie kann man sich das vorstellen? Geld hat in meiner Erziehung eigentlich keine Rolle gespielt. Leute fragen mich, wann ich meine erste Leica-Kamera gekauft habe. Das war erst 2003. Ich habe bis 1998 eher Wagen der Golfklasse gefahren. Im Heranwachsen wurden meine Brüder und ich sehr schlicht gehalten. Das ist gut, weil man den Wert des Geldes schätzen lernt. Ihre Familie steht für anthroposophisches Unternehmertum. Der Vater war Manager bei Weleda, Ihr Schwager gründete Alnatura, und auch DM-Gründer Götz Werner zählt zum erweiterten Familienkreis. Sehen Sie Ihre Familie in einer Vorreiterrolle, was verantwortungsvolles Unternehmertum anbelangt? Ich glaube, dass es viel mehr verantwortungsvolle Unternehmer gibt, als man in der Presse lesen kann. Wir sind selbst Mitglied bei FBN, einem Netzwerk von Familienunternehmen, und dort sehe ich überall durch

Menschen, die wie Sie ein großes Vermögen erben, zahlen in Österreich keine Steuern. Ist das gerecht? Was ist daran ungerecht? Es wird immer darüber gesprochen, dass das geerbte Häusel steuerfrei sein soll. Warum Erben bis zu einer gewissen Grenze steuerfrei sein soll, muss mir aber erst mal wer philosophisch begründen. Steuern bedeuten doch letztlich, dass der Staat einem etwas wegnimmt. Geld, mit dem Leute keinen Konsum bestreiten können. Steuern verhindern den Kaufakt und somit die Freiheit, das Geld auszugeben. Nun gut, aber der Staat braucht doch Einnahmen, um damit ökonomische und soziale Sicherheit zu schaffen, von der letztlich alle profitieren? Die Steuern sind in Österreich aber schon so hoch. Jedes Unternehmen kann an Einnahmen und Ausgaben drehen. Das soll auch der Staat tun. Offenbar sind die Kosten der Staatserzeugung in Österreich zu hoch. Alle Steuern müssen immer auf dem Prüfstand stehen. Es gibt nur eine Steuer, die den Kaufakt nicht verhindert. Das ist die Mehrwertsteuer, weil sie erst nachträglich abgezogen wird.

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Diese Aussage ist einigermaßen unerwartet für jemanden, der Gründungsmitglied der deutschen Grünen war. Diese treten doch eher für progressive Steuern ein. Reiche sollen demnach mehr zahlen. Ist das nicht Ihre Meinung? Das tun die Reichen ja auch über die Konsumsteuer. Ich halte die ganze Diskussion für verlogen. Man diskutiert das Thema Steuern mit dem Terminus Gerechtigkeit. Steuern verletzten doch das Eigentum. Was ist die Begründung, jemandem etwas wegzunehmen?

Vergangenes Jahr beteiligten Sie sich an dem Webservice I-ShotIt.com. Was ist der Reiz an dieser Internetfirma? Manchmal gibt es Geschäftsideen, die Bedürfnisse von Kunden erkennen. Ich glaube, dass das hier der Fall ist. Jeder fotografiert und kommt irgendwann zur Frage: Was tun mit den Bildern? Die Website bietet eine Möglichkeit, die man im Englischen als Recognition bezeichnet. Wir bieten die Möglichkeit, von Profis eine Bewertung der Arbeiten zu bekommen.

Irgendwo muss das Geld eben hergenommen werden. Man braucht sich doch nur anzusehen, wie die Dinge in Österreich ablaufen. Wir haben ein Problem, das manche nicht sehen wollen: Wer glaubt, Wirtschaftswachstum mit Steuern fördern zu wollen, ist auf dem Holzweg.

Die Beteiligung ist also ein Versuchsballon? Die Plattform verdient jetzt schon Geld. Mir geht es darum auszuprobieren, ob das Geschäftsmodell stimmt. Und wenn es stimmt, müssen wir es noch ein wenig weiterdrehen. Allerdings ist ein gewisser Glücksspielcharakter dabei.

In Deutschland behaupten manche, Sie seien deshalb in Österreich, weil Sie hier weniger Steuern zahlen. Österreich ist doch ein Hochsteuerland – und zwar in fast jeder Hinsicht. Wenn Sie heute eine Stiftung eröffnen, werden Sie steuerlich bestraft. Die Eingangsbesteuerung beträgt fünf Prozent, dazu kommen die Zwischenbesteuerung und die 25 Prozent bei der Ausschüttung.

Wie viele Stunden arbeiten Sie pro Woche? Das ist sehr unterschiedlich. Manchmal nehme ich mir Zeit und nehme beispielsweise an einem Oldtimer-Rennen teil.

Warum sind Sie dann nach Österreich gegangen? Ein Teil der Familie war immer in Österreich. Das ganze Firmenvermögen lag in Österreich. Die steuerlichen Gründe spielten dabei die geringste Rolle. Sie haben das Familienunternehmen Frantschach vor zehn Jahren vollständig an Mitbewerber Mondi verkauft. Was war der Grund? Wir waren als Familie 101 Jahre dabei. Das ist sehr lange. Es gab ein Ausstiegsszenario, auch weil die Papierindustrie sehr kapitalintensiv war. Es war klar, dass wir in einer Industrie etwas machen, die weniger kapitalintensiv ist. Sie stiegen über Ihre Beteiligungsholding ACM kurz darauf bei Leica ein. Der wohl bedeutendste Hersteller von Luxuskameras war allerdings ein Sanierungsfall, in den Sie viel Kapital zugeschossen haben. Wir sind ursprünglich noch als zweitgrößter Aktionär neben der Hermes-Versicherung eingetreten. Die Probleme waren anfangs nicht so sichtbar. Ein kompletter technischer Wandel hin zur Digitalfotografie war im Laufen. Wir glaubten, ein Jahr Zeit zu haben für eine sorgfältige Analyse der Situation. Die Zeit hatten wir nicht. Wir haben das Unternehmen schließlich ganz übernommen und wieder auf Kurs gebracht. Der Weg aus der Krise von Leica erfolgte dadurch, dass direkt in Forschung und Entwicklung investiert wurden. Seit Ende 2011 ist mit dem Investmentfonds Blackstone ein Partner an Bord, der Rendite sehen will. Wie ist hier die Übereinkunft? Es gibt einen Gewinnabführungsvertrag. Wir investieren nach wie vor reichlich in die Entwicklung. Heute sind wir in der glücklichen Lage, dass danach für beide Seiten noch etwas übrigbleibt.

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Das klingt jetzt aber danach, als würden Sie den Reichtum heraushängen lassen. Für mich sind Oldtimer ein Teil Technikgeschichte. Ich liebe es, sie zu bewegen, weil man dadurch die totale Relativität der Geschwindigkeit erleben kann. Wenn Sie mit einem Auto aus dem Jahr 1932 unterwegs sind und 120 km/h fahren, ist das eine unglaubliche Geschwindigkeit. Das Gefühl macht dann auch dankbar für den technischen Fortschritt. Heute bringt diese Geschwindigkeit doch jedes Elektrogefährt zustande. Der Oldtimer ist also kein Statussymbol für Sie? Nein, meine Sammlung funktioniert hier nach anderen Kriterien. Was halten Sie von sogenannten Neureichen? Das sind oft sehr clevere und intelligente Menschen, weil sie sonst vielfach nicht zu ihrem Reichtum gekommen wären. Und wenn jemand fünf Ferraris zum Prahlen haben will, ist das ja volkswirtschaftlich auch okay. Er sichert rund um Maranello sicher viele italienische Arbeitsplätze in der ganzen Zulieferindustrie. Haben Sie sich schon einmal gedacht, sich mit dem vielen Geld ein schönes Leben zu machen und nichts mehr zu arbeiten? Wenn man mit Arbeitsethos erzogen wurde, denkt man darüber nicht nach. Der Drang, darauf hinzuarbeiten, um irgendwann die Beine hochzulegen, ist für mich Denke aus den 1950er-Jahren. Nach dem Motto: Draufhauen wie verrückt und dann die Rente genießen. Das ist doch nicht sinnvoll. Da bin ich in der Pension, lege die Beine hoch und bekomme Krampfadern. Was soll das?

*eine spirituelle Weltanschauung, die den Menschen in seiner Beziehung zum Übersinnlichen betrachtet. Die Lehre verbindet dabei Elemente des deutschen Idealismus, der Weltanschauung Goethes, der Gnosis, fernöstlicher Lehren sowie der naturwissenschaftlichen Erkenntnisse und geht auf Begründer Rudolf Steiner (1861–1925) zurück.


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Sicherheitspolster, aber ohne Matratze Einbrüche, Zinslage und die Angst vor der nächsten Krise bringen viele Menschen dazu, ihr Erspartes zu Hause aufzubewahren. Das spiegelt sich im Tresor-Absatz wider. Mittlerweile gibt es Tresore in nahezu allen Größen und für jede Geldbörse. Text: Alexandra Rotter

Geld scheint im Moment niemandem so richtig Freude zu bereiten: Wer keines hat, strampelt und versucht mehr oder weniger verzweifelt, an welches heranzukommen. Na gut, das war schon immer so. Doch seit geraumer Zeit grübeln auch jene, die Geld haben, was sie damit machen sollen. Die guten alten Sparmöglichkeiten sind nicht mehr so gut, wie sie einmal waren. Eine Immobilie kaufen? Besser noch nicht: Die Preise steigen, und vielleicht platzt ja doch eine Blase, dann würden sie wieder sinken. Aufs Sparbuch legen? Dort sind die Zinsen so tief, dass selbst eine geringe Inflation den Wertverlust nicht ausgleichen kann. Bausparen? Zahlt sich spätestens seit der Kürzung der staatlichen Prämie auch nicht mehr aus und ist mittlerweile eher etwas für Nostalgiker. Spekulieren? Trauen sich nur mehr die Mutigsten. Und vom Girokonto reden wir besser gleich gar nicht.

Geld bunkern Bleiben eigentlich nicht mehr viele Möglichkeiten: Ausgeben und das Leben genießen? Sicher nicht die schlechteste Lösung. Aber einen Notfallspolster will man sich ja doch zur Seite legen. Richtig: Der letzte Ausweg aus dem Dilemma ist, das Geld zu Hause zu bunkern. Früher

machte man das, indem man die Scheinchen in sämtlichen Zuckerund Kaffeedosen verteilte und unter die Matratze legte. Dort würde bestimmt keiner nachschauen. Doch leider hat sich das bei den Einbrechern längst herumgesprochen. Kein Wunder also, dass immer mehr Österreicher sich für das traute Heim einen eigenen Tresor leisten. So gibt es beim Tresorhändler Fort Knox tatsächlich seit einigen Jahren – genau genommen seit dem Krisenjahr 2009 – einen Anstieg der Nachfrage bei privaten Kunden. Der Umsatz im Privatkundenbereich ist seither laut Geschäftsführer Ronald Jakob sogar „um mindestens 30 bis 35 Prozent“ gestiegen.

Gold kaufen 2010 haben viele Kunden damit begonnen, in Gold zu investieren, was ebenso für Jakobs Geschäft förderlich war. Und der Trend hält weiter an. „Ich bin überzeugt, dass noch genug Potenzial da ist. Die Sensibilität der Kunden, die noch keinen Tresor haben, ist vor allem durch die Vielzahl der Einbrüche gestiegen“, sagt Jakob. Wer gegen Diebstahl versichert ist und glaubt, alles sei in Butter, solange er die Wertgegenstände in einem Tresor gelagert hat, der könnte sich irren und sich im Schadensfall schon sehr bald sehr ärgern. Die Auflagen der Versicherungen sind nämlich nicht zu unterschätzen. Zunächst muss der Tresor geprüft und dem Wert des Inhalts angepasst sein. Außerdem müssen Tresore, die unter 1000 Kilogramm wiegen, laut Jakob in der Wand oder im Boden verankert sein.

Schutz für heikle Daten Das Angebot an Tresoren ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. So gibt es heute „eine Vielzahl von Möglichkeiten, was die Maße betrifft“, sagt Jakob. Der günstigste versicherbare Tresor für Bargeld und Schmuck kostet bei Fort Knox ungefähr 600 Euro. Sein Inhalt kann für Geschäftskunden bis zu 20.000 Euro, für Privatkunden bis 65.000 Euro versichert werden. Außerdem ist er mit einer Feuerschutz-Isolierung ausgestattet und kann in Wand oder Boden verankert werden. Übrigens: Auch wenn die Nachfrage bei Privatkunden steigt, macht Ronald Jakob den Großteil des Geschäfts mit Firmenkunden. Während dieser Bereich in den Krisenjahren problematisch war, weil Firmen sich mit Investitionen zurückgehalten haben, gibt es heute wieder eine größere Nachfrage nach Tresoren. Zwar hat nicht jedes Unternehmen eine Kassa, aber mittlerweile besitzen fast alle sensible Daten und Dokumente, die es zu schützen gilt.

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Guter Rat für angehende Millionäre Ein unerwarteter Geldsegen kann überfordernd sein. Die Österreichischen Lotterien haben für diese Fälle eigens psychologische Betreuung vorgesehen. Ein Gespräch mit dem Großgewinnbetreuer, dessen Name anonym bleiben muss. Text: Alexandra Rotter

Sie beraten Lotto-Großgewinner. Wobei brauchen diese Menschen überhaupt Hilfe? Die klassische Frage lautet: Wie kann ich mit meinem Gewinn glücklich werden? Ich will meinen Gewinn oder zumindest einen Teil davon ausgeben. Wie stelle ich es an, dabei anonym zu bleiben? Was muss ich tun, damit nicht gleich alle wissen, dass ich gewonnen habe? Muss ich den Gewinn versteuern? Was reizt Sie an Ihrer Aufgabe? Die Einzigartigkeit dieses Berufes: Es gibt ihn nur bei den Lotterien und sonst nirgendwo in Österreich. Reizvoll ist das Kennenlernen fremder Menschen, die mir voller Freude gegenübertreten, da ihr Leben mit einem Schlag eine positive Wendung nimmt.

spielgewinn nicht alle Probleme, sondern nur die finanziellen lösen kann.

Diskretion steht für den Großgewinnbetreuer der Lotterien als oberstes Prinzip. Seine Identität bleibt daher anonym.

Wie viele investieren einen großen Teil des Gewinns sofort? Das kann ich nicht beurteilen, weil ich nur von den wenigsten im Nachhinein erfahre, was sie mit dem Gewinn machen. Aus den geäußerten Wünschen jedoch ist abzuleiten, dass die Österreicherinnen und Österreicher sehr vernünftige Gewinner sind. Nur wenige äußern das Bedürfnis nach großen Investitionen oder wollen den Gewinn durch riskante Anlagen erhöhen. Wofür wird der Gewinn dann ausgegeben? Für ein Haus, eine Wohnung, ein Auto oder Reisen. Und dann wird an die Zukunftsvorsorge gedacht. Gibt es auch einen Moment der Ernüchterung? Zum Beispiel, wenn man drauf kommt, dass das Geld nicht für die Villa an der Algarve oder den Ferrari reicht? Die Villa an der Algarve oder der Ferrari sind nicht die vordringlichsten Wünsche der Gewinner. Die wenigsten wollen ihr Leben total umkrempeln, sondern einfach ein bisschen luxuriöser und ohne finanziellen Druck weiterleben. Und ich gebe jedem Gewinner mit, dass ein Glücks-

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Welche Gewinnertypen gibt es? Gibt es welche, die sofort den Job kündigen? Oder solche, die gar nichts ausgeben? Diese Typen gibt es vereinzelt. Meine Aufgabe ist es zu hinterfragen, was der dringlichste Wunsch ist. Den Job zu kündigen ist sicher auch eine Frage der Höhe des Gewinnes. Auch die Angst, bald nichts mehr vom Gewinn zu haben, ist fallweise vorhanden. Aber ich glaube, es gelingt mir ganz gut, diese Bedenken durch Tipps zum maßvollen Umgang mit dem Gewinn zu zerstreuen. Auch hier spielt die Höhe des Gewinnes eine Rolle.

Immer wieder hört man, dass Lottogewinner rasch wieder pleite sind. Ist das auch Ihre Erfahrung? Man hört bzw. liest vereinzelt von Gewinnern, die den Gewinn durchgebracht haben. Erfahrung habe ich damit keine, weil der Kontakt zu den Gewinnern nach einem Treffen meist endet. Nur wenige rufen mich an und sagen mir, wie es ihnen ergangen ist. Gewinner, die alles wieder verloren haben, waren da nicht dabei. Es gibt Einzelfälle, die durch die Medien gegangen sind, denen aber bewusst war, was sie tun. Sie leben nach dem Motto: „Hätte ich nicht gewonnen, hätte ich jetzt auch nichts.“ Welche Fehler machen Gewinner am häufigsten? Die größte Gefahr besteht darin, zu überschwänglich zu sein und zu vielen Personen vom Gewinn zu erzählen, was man nachher vielleicht bereut. Aber das ist ja meine Aufgabe, darauf aufmerksam zu machen. Hat sich Ihr Bezug zu Geld verändert, seit Sie diesen Job ausüben? Nein, Gott sei Dank nicht. Ich freue mich mit den Gewinnern und darüber, meinen einzigartigen Beruf ausüben zu dürfen, der mich mit vielen Millionären des Landes zusammenbringt.


Nimm, so viel du willst Es gibt Unternehmen, in denen bestimmen die Mitarbeiter selbst, wie viel sie verdienen. Kann das gutgehen? Text: Daniel Nutz

Auf den ersten Blick wirkt die Firma V&S aus Niedersachsen gnadenlos unspannend: ein Beratungsunternehmen, das sich auf die Verbesserung der Prozessabläufe im Maschinenbau konzentriert. Die Spannung erschließt sich erst im Detail. Die Firma geht in Sachen Entlohnung nämlich völlig neue Wege. „Nimm dir, was du für richtig hältst“, ist vereinfacht gesagt das Motto, das Managing Partner Bernd Löffler in den Gehaltsverhandlungen ausgibt. Denn bei V&S bestimmen die Mitarbeiter selbst, wie viel sie verdienen und wie lange sie auf Urlaub gehen. Unvorstellbar? Ganz neu ist die Idee, die Mitarbeiter selbst ihr Gehalt bestimmen zu lassen, nicht. Dem brasilianischen Unternehmer Ricardo Semler kam bereits in den 1990er-Jahren ein ähnlicher Gedanke. Zusammen mit einigen anderen Vorschlägen zu einer alternativen Unternehmensführung – die die Freiheit und Verantwortung der Mitarbeiter betonen – schrieb er diese in seinem Buch „Das Semco-System“ nieder. Semlers Rat für Gehaltsverhandlungen: Wer vier Kriterien berücksichtigt, kann seine Mitarbeiter getrost selbst entscheiden lassen, was sie verdienen.

Vier Kriterien für Gehaltsverhandlungen Dabei geht es um die Fragen: Was würde man woanders verdienen? Was verdienen Kollegen mit ähnlicher Verantwortung in der gleichen Firma ? Was bekommen Freunde mit ähnlichem Background, und wie viel Geld braucht der Mitarbeiter zum Leben? Die ersten beiden Kriterien können durch Statistiken wie Gehaltsspiegel vom Unternehmen selbst sehr leicht vorgelegt werden. Die beiden anderen Kriterien müssen vom Mitarbeiter individuell bewertet werden. Das simple Vorgehen dürfte im Fall des brasilianischen Industrieunternehmens offenbar gefruchtet haben. Der Umsatz schoss seit den 1990er-Jahren in die Höhe, die Fluktuation unter den Mitarbeitern liegt laut Firmenangaben unter einem Prozent. Ein Grund, die Sache nachzumachen? Roland Falb, Personalexperte beim Unternehmensberater Roland Berger, relativiert. „Eine solche Gehaltsdemokratie muss auch zur Kul-

tur eines Unternehmens passen. Es stellt sich weiter die Frage, ob überhaupt alle Mitarbeiter ein solches Entlohnungsmodell wollen?“ Aus seiner langjährigen Erfahrung als Personalverantwortlicher kennt Falb zwei Extremtypen: jene, die immer eine Gehaltsaufbesserung fordern, und jene, die sich immer zurückhalten. Folglich könne die Gehaltsselbstbestimmung auch zu mehr Ungerechtigkeit führen.

Mehr Transparenz Was gegen Ungerechtigkeiten normalerweise hilft, ist Transparenz. „War es früher noch tabu, über das Gehalt zu reden, gehen vor allem die Jungen sehr offen damit um. Die meisten wissen ohnehin schon, was die Kollegen verdienen“, sieht der Personalexperte einen Trend zu mehr Offenheit. Besonders wichtig: Die relative Gehaltsgerechtigkeit muss gegeben sein. „Die größten Konflikte entstehen, wenn einzelne Mitarbeiter sich gegenüber vergleichbaren Kollegen ungerecht entlohnt fühlen.“ Falb rät daher, die Unterschiede bei Fixgehältern im Unternehmen möglichst flach zu halten. Die feinen Unterschiede bei der Entlohnung entstehen beispielsweise über Boni, die über möglichst objektivierbare Kriterien festgelegt werden. Dabei setzte man neben individuellen Provisionen auch auf Teamboni. Damit soll vorgebeugt werden, dass die Jagd nach dem Bonus zu egoistischem Verhalten führt. Bei V&S setzte man früher übrigens auch auf ein sehr ausdifferenziertes Bonus-System. „Es war ein komplizierter Mechanismus, der uns in die Irre führte“, sagt Benno Löffler heute. Ist das System der Gehaltsselbstbestimmung gerechter? Bei V&S nennt man es lieber konsistenter. Sind die Gehälter insgesamt über dem Inflationsmaß gestiegen? Löffler antwortet mit einem klaren Nein. Die Frage, ob das System des mittelständischen Beratungsunternehmens auch bei anderen Unternehmensgrößen und Branchen funktioniert, wäre freilich noch zu klären.

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Hallo, wir gründen eine Bank Eine Gruppe Bürgerinnen und Bürger hat es sich zum Ziel gesetzt, eine neue Bank zu gründen. Sie soll dazu dienen, nachhaltige und dem Gemeinwohl dienliche Unternehmen zu finanzieren. Ein Besuch beim Projektteam. Text: Daniel Nutz

„Eingang um die Ecke“ weist ein kleines Schild an der Rechten Wienzeile den Weg. Das Büro des Projektteams der Bank für Gemeinwohl ist an der angegebenen Adresse nicht leicht zu finden. Über eine Seitengasse betritt man ein Erdgeschoßbüro: simple Ausstattung, ein paar Flipcharts stehen herum. Die Wand zwischen den einzelnen Besprechungsräumen ist dermaßen schalldurchlässig, dass man angehalten wird, leise zu sprechen. Hier tagt also das Projektteam der Bank für Gemeinwohl, die noch heuer die Bankkonzession bekommen möchte. Dass es sich dabei um keine „normale“ Bank handelt, sieht man auf den ersten Blick. Rund zehn Personen treffen sich diesmal. Es ist das übergeordnete Projektteam. Krawatten und genagelte Schuhe sucht man hier vergeblich. Worum geht es überhaupt, wieso braucht es denn überhaupt eine neue Bank? „Unser Geschäftskonzept ist nicht, durch Geld noch mehr Geld zu verdienen. Wir wollen Geld als Gestaltungsmittel einsetzen“, definiert Projektkoordinator Markus Stegfellner die Trennlinie zu anderen Bankhäusern. Der Bankkaufmann und Unternehmensberater ist einer von etwa 120 engagierten Bürgern, die größtenteils ehrenamtlich arbeiten. Nicht zuletzt die Erfahrungen der Finanzkrise hätten ein Umdenken überfällig gemacht, deshalb sitzen sie hier und brüten darüber, wie man eine nach eigener Definition „gute“ Bank im Markt etablieren kann und welche Leistungen sie anbieten wird.

Orientierung an anderen Banken Die Idee einer alternativen Bank ist übrigens nicht neu, sondern geistert seit 2010 schon mehr oder weniger konkret durch die Öffentlichkeit. Dass die Grundidee eigentlich aus dem globalisierungskritischen

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Netzwerk Attac stammt, hängt man heute aber nicht mehr an die große Glocke. Man will nicht in eine Ecke gestellt werden. „Wir wollen auch breiter in der Mitte der Gesellschaft verankert sein als bekannte ethische Banken wie GLS oder die Sparda Bank. Wir wollen alle Leute mit sozialem Bewusstsein ansprechen“, sagt Kampagnenleiter Christof Baum. Um dies zu unterstreichen, bezieht man sich in den eigenen Projektunterlagen auf durchwegs konservative Ideen, etwa aus der Bayerischen Verfassung oder jene von Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Das Geld- und Kreditwesen diene der Werteschaffung und der Befriedigung aller Bewohner, lautet die Botschaft. Doch wie soll dies umgesetzt werden? In einer ersten Phase will die Bank sich auf das Geschäft mit Girokonten, Spareinlagen und Krediten konzentrieren. Die Kredite sollen dabei allerdings an für das Gemeinwohl förderliche Projekte fließen. Also beispielsweise an Unternehmen, die ihre Verantwortung für Gesellschaft und Umwelt wahrnehmen. Wie diese Beurteilung genau erfolgen soll? „Hier werden noch transparente Kriterien erarbeitet“, so Braun. Was allerdings schon feststeht: Zur klassischen Risikoprüfung bei der Kreditvergabe soll es bei jeder Finanzierung zusätzlich eine sogenannte Gemeinwohlprüfung geben, die sich ebenfalls auf den Zins auswirkt. Letztendlich heißt das: Je wertvoller ein Projekt für die Gesellschaft ist, desto günstiger sollen die Zinskonditionen sein. Für jene Projekte, die förderungswürdig, aber für die Bankabwicklung zu riskant erscheinen, soll eine Kreditplattform entstehen, über die potenzielle Geldgeber direkt investieren können. Als Kernzielgruppe der Kreditgeschäfte will man auf kleine und mittelständische Unternehmen setzen. So weit der Blick in die Kristallkugel. Denn bis zur Banklizenz sind noch einige Hürden zu nehmen.


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Suche nach Mitgliedern Sechs Millionen Euro Grundkapital sind notwendig, um in Österreich eine Banklizenz zu bekommen. Laut internem Geschäftsplan will die Bank für Gemeinwohl aber mit zumindest 15 Millionen starten. Stellt sich die Frage, wie man das Kapital aufstellen will, zumal die Zusammenarbeit mit Großinvestoren ausgeschlossen wird? Im Sommer soll eine Kampagne zum Kauf von Anteilen der bereits Ende April gegründeten Genossenschaft starten, sagt Kampagnenleiter Baum. Ab zwei Anteilen zu je 100 Euro ist man dabei. 40.000 Anteilseigner will man so an Bord holen, so die optimistische Prognose. Jeder Teilhaber soll übrigens unabhängig vom tatsächlich eingesetzten Kapital nur eine einzige Stimme bekommen. Basisdemokratie ist also das Motto. Wie man eine Generalversammlung mit 40.000 Teilnehmern über die Bühne bringen will, steht dann aber auf einem anderen Blatt. Baum dazu: „Allein schon aus Kostengründen werden wir hierfür eine Lösung finden, die über das Internet funktioniert.“ Ist das Grundkapital beisammen, muss man zwecks Einlagensicherung noch dem Bankenverband beitreten, danach soll das Bankgeschäft starten. Mit schlanken Strukturen, an vorerst nur einem Standort. Der Großteil des Geschäfts soll via Netbanking ablaufen. In vier Jahren will man in der Gewinnzone sein. Wobei Gewinn freilich nicht abgeschöpft, sondern reinvestiert werden soll. Ob aufgrund der derzeitigen Zinssituation überhaupt Gewinne anfallen, bezweifeln allerdings manche Akteure der Bankenbranche. Im kleinen Büro an der Wienzeile sind die Protagonisten aber optimistisch. Man ist sich einig: Die Zeit ist reif für eine Bank für Gemeinwohl. Dass die Sache gutgeht, ist jedenfalls auch den zukünftigen Genossenschaftseignern zu wünschen: Immerhin haften sie mit dem Doppelten des eingesetzten Kapitals für die Genossenschaft.

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Illustration: Barbara Rettensteiner

Harald Koisser macht Mut

Folge 32: Eine Religion namens Geld Meine Tochter hat mich einmal gefragt, was Geld ist. Ich habe ihr eine Geschichte erzählt. Sie handelt von einer Religion, an die wir besser alle weiterhin ganz fest glauben.

Da war ein Mann, der hatte sein Gold in einem Beutel um den Hals hängen. Es war ganz schön viel Gold und darum sehr schwer. Und ganz wohl fühlte sich der Mann auch nicht. Andauernd so viel Gold mit sich herumzuschleppen konnte gefährlich sein. Er ging zu einem Mann, der ein sehr sicheres Haus hatte. Er sagte: „Heb’ du das Gold für mich auf“. „Gut“, sagte der Andere, „mache ich gegen eine kleine Gebühr gerne. Ich habe einen Keller mit tausend Schlössern. Da liegt dein Gold sicher“. „Sehr fein“, sagt der Erste, „aber du musst mir natürlich bestätigen, dass ich mein Gold in deinen Keller gelegt habe.“ Das wurde gemacht. Sie schrieben einen Zettel, auf dem stand: Herr Schwerreich hat 3.000 Goldstücke hinterlegt.

wenn das so ist“, sagte der andere Mann und nahm den Schein gerne an. Es war natürlich einfacher, einen Papierschein auszutauschen als schwere Goldnuggets.

Dann wollte Herr Schwerreich ein Grundstück kaufen, das 450 Goldstücke wert war. Er ging mit seinem Zettel auf die Bank, bekam die 450 Goldstücke und einen neuen Zettel, auf dem stand, er habe nunmehr 2.550 Goldstücke hinterlegt. Dem Verkäufer des Grundstücks drückte er die 450 Goldstücke in die Hand. Bäh, das ist mühsam, dachte Herr Schwerreich, das muss doch anders gehen. Er ließ sich daraufhin von dem Haus, wo er sein Gold deponiert hatte, ganz viele Scheine geben, auf denen kleinere Beträge standen. Jetzt hatte er viele, viele Scheine und konnte damit viel kleines Zeug kaufen, ohne dauernd das Gold abholen zu müssen. Er gab einem Händler einfach einen Schein. Der erste Händler wunderte sich natürlich und sagte: „Na hallo, da können sie ja irgendein Butterbrotpapier mit beliebigen Zahlen bedrucken. Das interessiert mich nicht.“ Doch der Mann führte ihn zum Golddepot und zeigte ihm, dass das, was auf dem Schein stand, tatsächlich da war. „Ja,

Niemand geht heute mehr zu dem Haus, wo das Gold liegt, um sich zeigen zu lassen, dass es auch wirklich da ist. Das ist auch gut so. Weil es nämlich gar nicht da ist. Es gibt viel mehr Gutscheine als Gold. Gold kann man nicht beliebig herstellen. Diese Gutscheine aus Papier aber schon. Solange wir an die Gutscheine glauben, funktioniert das System. Wir glauben besser daran. Es wäre gar nicht gut, in dieser Sache den Glauben zu verlieren. Geld ist ein reines Glaubenssystem geworden, wahrscheinlich das allerwichtigste dieser Welt. Geld basiert einzig auf blindem Glauben. Und da behaupten die Ökonomen, Rationalisten zu sein.

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Jeder Papierschein ist ein Gutschein, der sagt: „Das, was da drauf steht, gibt es wirklich.“ Bald verzichtete man darauf, zu diesem Haus zu gehen und sich andauernd den echten Wert anzuschauen. Man begann, darauf zu vertrauen, dass der Gutschein auch wirklich einlösbar war. Das nennt man „Deckung“. Heute tauschen wir einfach nur wertlose Papiere aus, und die nennt man „Geld“.

Der Autor: Harald Koisser schreibt philosophische Bücher und ist Herausgeber des Mutmacher-Magazins „wirks“. www.wirks.at, www.koisser.at


Geld regiert die Welt Der Reichtum ist weltweit ungleich verteilt. Einige Fakten zum Thema Vermögen und Reichtum.

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Die laut Forbes vermögendsten Menschen der Welt

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Bill Gates Vermögen: 76 Milliarden Dollar Unternehmen: Microsoft

Carlos Slim Helú Vermögen: 72 Milliarden Dollar Branche: Telekommunikation

Amancio Ortega Vermögen: 64 Milliarden Dollar Unternehmen: Zara

Warren Buffet Vermögen: 58.2 Milliarden Dollar Unternehmen: Berkshire Hathaway

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Die laut Forbes vermögendsten Menschen Österreichs

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Dietrich Mateschitz Vermögen: 8,9 Milliarden Dollar Unternehmen: Red Bull

Johann Graf Vermögen: 6,5 Milliarden Dollar Unternehmen: Novomatic

Karl Wlaschek Vermögen: 4,9 Milliarden Dollar Branche: Handel, Immobilien

Heidi Horten Vermögen: 3,3 Milliarden Dollar Branche: Handel

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http://www.dts-nachrichtenagentur.de/nachrichtenbilder // Agência Brasil, José Cruz/ABr // Startraks Photo / Rex Features / picturedesk.com // CABALAR / EPA / picturedesk.com // Jan Woitas / dpa / picturedesk.com // picturedesk.com // Martin Parzer / picturedesk.com // Novomatic

Wer die Reichen sind:

Quelle: Forbes

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Logistik im Wandel Wie soll man seine Waren lagern, und wie bringt man sie zeitgemäß zum Kunden? Kurz gesagt: ganz anders als noch vor ein paar Jahren. Jürgen Schrampf, Logistikexperte bei Econsult, nennt sieben Trends, auf die sich Unternehmer einstellen sollten. Text: Stephan Strzyzowski

1, DIE LOGISTIK WIRD GRÜNER:

2, DIE LOGISTIK PIMPT ALTE ANLAGEN:

Green Logistics – Der Staat verlangt es, Kunden und Konsumenten wollen es, die Umwelt freut es: Logistik wird immer häufiger auch unter dem Gesichtspunkt der Ökologie betrachtet. Die Forderung nach einer nachhaltigen Entwicklung bedeutet, dass Unternehmen umdenken müssen. Wie sehen konkrete Maßnahmen aus? Die Palette ist extrem breit und reicht von Veränderungen am Fuhrpark über alternative Antriebe und Kraftstoffe, Telematik und Tourenplanung, Geschwindigkeitsreduzierung, Spritspartrainings, die Sanierung von Bestandsimmobilien, bis hin zur adaptierten Produktgestaltung und dem Neubau von Logistikzentren unter Aspekten der Nachhaltigkeit. Ein Hemmschuh der Entwicklung: Jeder will es grün und sauber, allerdings darf es nicht mehr kosten. Den Trend ignorieren geht aber auch nicht: Immer öfter finden sich entsprechende Auflagen in Ausschreibungen, und auch im Nachhaltigkeitsbericht kann man sich nicht um das Kapitel drücken.

Retrofit – Sehr viele Firmen in Österreich haben ihre Lagerhallen, Anlagen und auch die dazugehörige Fördertechnik vor rund 20 Jahren errichten lassen. Nun sind sie betagt, die Leistungswerte entsprechen nicht mehr den Anforderungen, die Software ist veraltet, Ersatzteile sind nicht mehr verfügbar, und Unternehmer müssen sich die Frage stellen: Neu bauen oder überarbeiten? Für bestehende Anlagen kann ein Retrofit durchaus sinnvoller als ein Ersatz durch Neubau sein. Denn durch den Austausch von veralteten Komponenten und dem Hinzufügen von neuen, zeitgemäßen technologischen Weiterentwicklungen können bestehende Anlagen durchaus wieder auf den neuesten Stand gebracht werden. Der Vorteil für den Anlagenbetreiber liegt in der Modernisierung der Anlage und der damit in Verbindung stehenden Erhöhung der Produktivität bei deutlich geringeren Kosten im Verhältnis zur Neuanschaffung einer entsprechenden Anlage. Diese Entscheidung ist meist auch ein Anlass, die Logistikstrategie generell für die Zukunft neu zu überdenken.

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4, DIE LOGISTIK VERSORGT „SMART CITIES“:

E-Commerce-Fulfillment – War der Markt früher regional oder national, liefert man heute mittels E-Commerce rasch in die ganze Welt. Schließlich bieten immer mehr Unternehmer ihre Waren online und damit global an. Weltweit anbieten ist einfach, regional ausliefern jedoch oftmals schwer. Wie bekommt man die Logistik für die neuen Vertriebskanäle hin? Vor allem, da jeder Kunde zu denselben Konditionen bedient werden sollte und die Lieferzeit häufig zum Zünglein an der Waage wird. Die Anforderungen der Kunden definieren also die Logistikkette, vor allem im E-Commerce. Die Unternehmen sollten sich davor hüten, die Kundenerwartungen zu enttäuschen. Wer ein Lieferzeitfenster verspricht, muss es auch halten und dieses Angebot auch langfristig prozess- und kostenseitig bewältigen können. Hier stellt sich – je nach Volumen – die Frage: Soll man die Lagerhaltung und den Transport bzw. das gesamte Logistik-Fulfillment lieber auslagern oder eigene Strukturen aufbauen? Wie auch immer man entscheidet: Wer neue Vertriebskanäle anzapft, muss die Distribution von Anfang an mitdenken.

Smart Urban Logistics – Unternehmer stehen vor einer heiklen Situation: Laut einer EU-Vorgabe soll der Güterverkehr in größeren städtischen Zentren bis 2030 im wesentlichen CO2-frei abgewickelt werden. Gefordert sind dadurch neue, intelligente Strukturen, um die Lebensqualität der Menschen zu verbessern und gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit des Warenflusses zu garantieren. Wie das funktionieren wird, beziehungsweise welche Restriktionen genau kommen, weiß noch niemand. Klar ist aber, dass die Stadtlogistik sauberer und effizienter werden muss. Man kann nun abwarten und reagieren, immer mehr Unternehmen entschließen sich aber dafür, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und zu agieren. Neue Fahrzeugtechnologien, alternative Kooperationsmodelle, Lösungen für die Last Mile der Zustellung – hier schlummern die Potenziale. Programme wie „Smart Urban Logistics“ des Klima- und Energiefonds und das Forschungsprogramm „Mobilität der Zukunft“ des Verkehrsministeriums unterstützen innovative Unternehmer und auch Städte, die hier zukunftsfähige Konzepte umsetzen wollen.

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3, DIE LOGISTIK GEHT ONLINE:

Der Router für Erfolgs-Routen. In unseren Logistik-Zentren bündeln wir komplexe Aufgaben und Wünsche zu effizienten Wegen ans Ziel. Durch intelligentes Daten-Management finden wir dabei Lösungen, die neue und bestehende Verbindungen so erfolgreich vernetzen, dass uns mancher Kunde sogar als „Regional Logistics Supplier of the Year“ auszeichnet. Erleben Sie, was unsere Kunden bewegt: Servicetelefon 0800.201.666

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5, DIE LOGISTIK WIRD VERNETZT: Digitalisierung – Speziell die Logistik kommt natürlich nicht ohne IT und entsprechend vernetzte Systeme aus. Logistikprozesse müssen in der digitalen Welt erfasst, abgebildet und optimiert werden. Nicht alle Unternehmen sind hier bereits so weit, wie man annehmen möchte. Während mancherorts bereits voll integrierte Systeme laufen und über Machine-to-Machine und das „Internet der Dinge“ diskutiert wird, wird andernorts noch mit der Verfügbarkeit und Qualität von Stammdaten gekämpft. So oder so, die Optimierung komplexer Systeme lässt sich natürlich nicht mehr durch Hausverstand und Zettelwirtschaft allein bewältigen, sei es in der Bestellabwicklung, in der Lagersteuerung oder der Tourenplanung. Speziell für KMU stellt dieser notwendige Schritt der Digitalisierung den oft nicht einfachen Transformationsprozess in Richtung Zukunft dar.

6, DIE LOGISTIK WIRD FLEXIBLER: Co-Modalität – Beim co-modalen Verkehr wird jedes Produkt mit dem Verkehrsträger transportiert, der die Anforderungen bezüglich Kosten, Qualität und Nachhaltigkeit am besten erfüllt. Ein Wechsel beziehungsweise eine Verknüpfung zwischen den Verkehrsträgern Flugzeug, LKW, Bahn oder Binnenschiff kann dann entsprechend der Verfügbarkeit und den Möglichkeiten in der Supply-Chain durchgeführt werden. Als Hemmschuh in dem Konzept wirken oftmals fehlende Schnittstellen, zu geringes Know-how bezüglich der Alternativen und anfallende Kosten für Reorganisation oder Investitionen. Der LKW ist dagegen immer verfügbar und flexibel. Wenn man zum Beispiel einen Riesenumweg nehmen muss, um auf Bahn oder Schiff umzuladen, gehen positive Effekte schnell verloren. Andererseits lohnt sich bei größeren Mengen oftmals die Prüfung von Alternativen. Die Economy of Scale ist zwar nach wie vor der treibende Faktor, aber die Supply-Chains werden flexibler – darauf müssen alle Verkehrsträger reagieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Für Großunternehmen kann die Einrichtung einer eigenen Bahnverbindung durchaus Sinn ergeben. Über Alternativen nachzudenken kann bei vorausschauender Planung nie ein Fehler sein.

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7. DIE LOGISTIK WIRD SPEZIELLER: Tailor-Made – Maßgeschneidert, so müssen Logistiklösungen in Zukunft sein. Unternehmen konzentrieren sich auf ihre USPs, ihre Produkte, ihre Märkte. Die Spezialisierung und Individualisierung von Produkten geht kontinuierlich weiter. Die Logistik muss hier Schritt halten, denn mit Standardlösungen sind spezifische Branchenerfordernisse nicht mehr erfüllbar. Handel, Pharma, Tiefkühl, Textil, Bau, Automotive – dass hier die Anforderungen unterschiedlich sind, ist klar. Zentrallager oder regionale Standorte, automatisiertes Hochregallager oder manuelles Blocklager, Eigenfuhrpark oder Outsourcing an den Logistikdienstleister – das sind keine operativen Fragen, sondern strategische Entscheidungen für die Zukunft. Klar ist, dass ein hoher Grad an Spezialisierung auch langfristig bindet. Umso wichtiger ist es, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Die Logistik muss also Teil der Gesamtstrategie sein. Die Zeiten, in denen Logistik als reine Kostenstelle fungiert hat, sind längst vorbei. Innerhalb von zwei Jahrzenten ist die Logistik zur Vorstandsfunktion avanciert. Denn wer maßgeschneiderte Logistik macht beziehungsweise anbietet, hat einen Wettbewerbsvorteil.

Zur Person Jürgen Schrampf leitet bei Econsult das Competence Center „Public Projects“. Sein Fokus liegt auf den Themen Eisenbahngüterverkehr, nachhaltige Logistik, kooperative Projekte, Forschung & Entwicklung. Er ist zudem Koordinator der Initiative „Smart Urban Logistics“ des Klimafonds, österreichischer Vertreter im EU-Projekt „BESTFACT“ für die Themen Green Logistics und Urban Freight und Co-Autor bei den beiden Grünbüchern der Bundesvereinigung Logistik Österreich für „Nachhaltige Logistik“ und „Nachhaltige Logistik in urbanen Räumen“. E: j.schrampf@econsult.at, www.econsult.at


Hannes Offenbacher

Offenbachers Asphaltgeschichten

Im Test: Renault Mégane GT-Line Ehrliche Unaufgeregtheit

Regelmäßigen Leserinnen und Lesern meiner Kolumne mag es schon aufgefallen sein. Meine Testberichte drehen sich normalerweise um sportliche Oberklassenmodelle. Ab und an lässt mich die Redaktion aber wieder in die Mittelklasse eintauchen. Vermutlich, damit ich nicht die Bodenhaftung verliere. Wobei Mittelklasse heute nichts mehr mit Mittelmaß zu tun hat. Denn computergetriebene Innovationen und vernetzte Multimedia-Ausstattungen werden wie in allen Lebensbereichen auch im Automobilsektor immer erschwinglicher. Davon profitiert auch der neue Mégane. Der fesche Kompakt-Kombi lässt sich in Sachen Ausstattung nicht lumpen, vor allem nicht in der von mir getesteten GT-Line. Bose Sound System, Navigation, Parkassistenten, Rückfahrkamera, Bluetooth Connectivity, Licht- und Regensensoren und ein Automatikgetriebe – das klingt alles wenig nach Mittelmaß. Dabei stelle ich die kritische Frage: Muss heutzutage eigentlich alles ein Superlativ sein, oder darf man auch mal unaufgeregt ehrlich sein? Reicht uns das, in einer Zeit, in der Werbung selbst aus einem plumpen Lippenstift eine technisch-chemische Superwaffe inszeniert? Wo selbst Rasierer zu Hightech-Geräten stilisiert werden? Kann man da hergehen und einfach nur sagen: „Hier steht der Mégane. Ein hochwertiger und preiswerter Mittelklassewagen mit netten Extras, schöner Sonderlackierung und einer Basisausstattung, die wenig Wünsche offenlässt.“ Darf man das heute noch, wenn selbst Billig-SUVs als Ego-Shooter präsentiert werden und andere Kleinwagen nicht nur gut zu fahren sind, sondern unter die Haut gehen, das Herz schneller schlagen lassen, uns die

Liebe und die Freude zurück ins Leben bringen (juhu!) und gleichzeitig den Planeten und die gesamte Menschheit retten? Der Mégane zeigt: Ja, man kann. Er hat es nicht nötig, ein Poser zu sein. Er verspricht, was er hält, und überrascht mit überaus sportlichem Fahrwerk, das zum Um-die-Ecke-Fahren einlädt. Und mit seinen 130 PS Automatikgetriebe braucht man sich um spritzigen Vortrieb keine Sorgen zu machen. Nein, trotz des Zusatzes „GT-Line“ klingt der V4-Motor nicht wie ein V8, Claudia Schiffers animiertes Photoshop-Trugbild fährt damit nicht durch die Gegend, und auch James Bond wird nicht mit dem Mégane im nächsten Streifen durch die Provence fetzen. Aber: Es muss eben nicht alles Superlativ sein. Ehrliche Unaufgeregtheit ist dann auch schon wieder mal erfrischend entspannend. So hat der Mégane das Zeug zum zuverlässigen und angenehmen Begleiter durch ein feines, normales Leben ohne Verfolgungsrennen und Expeditionen durch die Wüste. Und das ist dann schon wieder ziemlich viel wert. RENAULT MÉGANE Tce 130 EDC GT-Line V4 | 97 kW (132 PS) 205 Nm | 0–100 km/h in 9,8 sec 5,6 l (kombiniert) | 130 g/km (CO2) Preis des Testwagens: 28.734,– Euro (inkl. NOVA und MwSt.) www.renault.at Hannes Offenbacher ist Unternehmer und Neudenker. Er bloggt auf www.bessergehtsimmer.at

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Porsche, BMW

Unter Strom Mobilität: Elektrizität und Autos bestimmen unser tägliches Leben. Beides zur Elektromobilität zu verschmelzen scheint nur logisch. Während der Funke im Privatbereich nicht so recht überspringen will, wird das Thema aber für Unternehmer immer interessanter. Text: Oliver Weberberger und Gerhard Brunnbauer

Wer Elektromobilität hört, denkt oft an leere Batterien, Kabelsalat und wenig Spielraum für Fahrfreude, Flexibilität und Dynamik. Es scheint die Leichtigkeit im Umgang zu fehlen, die wir normalerweise mit dem Automobil verbinden. Dabei scheint die mobile Zukunft elektrisch zu sein – zumindest, wenn man den Beteuerungen der Politik und den Prognosen der Wissenschaft hinsichtlich Klimawandel und Ressourcenknappheit glauben will. Doch was lässt uns noch zaudern? Wieso mag keiner so recht daran glauben, dass bis 2020, wie von der Politik angekündigt, 200.000 elektrobetriebene Fahrzeuge durch das Land der Berge rollen?

Leiden der E-Mobilität Da wäre einmal die Sache mit der Technik. Die Schwachpunkte der elektrischen Fortbewegung sind seit ewigen Zeiten bekannt. Schon der 1900 der Weltöffentlichkeit präsentierte Lohner Porsche kämpfte

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mit massivem Übergewicht, geringer Reichweite und langen Ladezeiten. Und auch mehr als hundert Jahre später kämpft die Autoindustrie noch immer mit den gleichen Problemstellungen. Sicher, das Übergewicht lässt sich bei Elektroautos bereits so halbwegs in den Griff bekommen. Der Einsatz von leichten Werkstoffen im Karosseriebau setzt sich langsam durch – auch wenn manche Hersteller diesen Trend aus Kostengründen noch ignorieren. Ein weiterer Weg zu weniger Gewicht: Man reduziert einfach das Auto an sich. Der Renault Twizzy als türloses und heizungsbefreites Zwitterwesen aus Auto und Motorroller stellt ein gutes Beispiel dar. Der eigentliche Gewichttreiber – die Batterie – lässt sich aber nicht wegargumentieren. Das Problem: Hohe Reichweiten bedingen nun mal den Einsatz leistungsstarker Akkus. Dies bedeutet wiederum mehr Gewicht, längere Ladezeiten und schlussendlich wieder höhere Kosten. Die Katze beißt sich also in den Schwanz.


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Zahlt sich ein Kauf aus? Teuer ist das ganze Brimborium auch noch. Ganz klar, innovative Technik kostet nun mal ihr Geld, was sich am Beispiel eines V W e-Up sehr einfach verdeutlichen lässt. Der Preis des kleinen Elektromobils beläuft sich auf rund 25.000 Euro – um die Hälfte steht ein ähnlich ausgestatteter Benziner in den Schauräumen. Wer will, kann sich den Mehrpreis pro Liter ausrechnen und diesen dem Stromverbrauch gegenüberstellen. Aber auch ohne Rechenschieber wird schnell klar, dass es sich um den Preis eines e-Up auch schon vortrefflich Diesel-Golf fahren lässt. Hier stellt sich die Frage: Wie hoch ist die Schmerzgrenze der Käufer? Und wie weit korrigieren sich die Preise, insbesondere die der Batterien, irgendwann nach unten. Man bedenke: Auch Mobiltelefone waren einmal teuer, hatten kaum Akkuleistung und waren noch dazu strohdumm. Heute sind sie aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken, sind Alleskönner, Lebensretter und soziale Netzwerke zugleich und passen zudem noch in jede Hosentasche. Nahezu allen Elektroautos ist die durchschnittliche Reichweite von rund 130 Kilometer gemein. Für sich betrachtet ist das schon ganz ordentlich und für den durchschnittlichen Alltag eines durchschnittlichen Österreichers sicher ausreichend. Dazu gesellt sich das wohlige Gefühl, der Umwelt etwas Gutes zu tun, Vorreiter zu sein und der Klimaerwärmung Einhalt zu gebieten. Die extreme Spurtstärke der Batterieträger als Systemvorteil zu sehen, wird sich eher auf wenige lustige Momente mit (noch) vollem Akku beschränken. Unterm Strich ist der Mensch derzeit noch ein Benzinbruder, und rapid sinkende Reichweiten sind nicht das seine. Autobahn, kalte Winternächte oder pubertäre Ampelsprints knabbern am Speicher wie Jugendliche an den Fingernägeln, da ist es dann auch schon egal, dass E-Autos im Feinstaubhunderter von Laserpistoleros keine Gnade zu erwarten haben. Es braucht keine „Das Glas ist halbleer“-Mentalität, um zwischen mulmigem Gefühl und blanker Angst zu schwanken, wenn es darum geht, auf die Schnelle zu laden. Abhilfe schafft hier der Range-Extender – also ein benzinbetriebener Generator on-board –, Plug-in-Hybrid-Technik und in weiterer Folge auch die Brennstoffzelle als mobiler Stromerzeuger. An dieser Technologie arbeiten derzeit Kapazunder wie HybridVorreiter Toyota, Hyundai und auch Daimler. Man befindet sich dabei bereits im erweiterten Versuchsstadium. Man darf also davon ausgehen, dass das Thema Wasserstoff in den nächsten Jahren schlagend wird.

täglichen Kurzstreckeneinsatz reicht die Akku-Reichweite der diversen elektrobetriebenen Kleintransporter in der Regel locker. Die Abhängigkeit von öffentlichen Ladestationen kennen solche Betriebe in der Regel auch nicht, denn geladen wird nach Feierabend an der betriebseigenen Schnellladestation. Attraktive Förderprogramme der jeweiligen Landesregierungen dämmen dann auch die höheren Anschaffungskosten auf ein erträgliches Maß. Bleibt das Problem der Infrastruktur. Österreichweit gibt es derzeit rund 3.300 E-Ladestationen, die meisten davon an öffentlichen Plätzen im urbanen Bereich oder auf Raststationen. Im Klartext heißt das, für Otto Normalverbraucher in seiner Miet- oder Eigentumswohnung ohne eigene Lademöglichkeit ist E-Mobilität ein Flüsterwitz. Davon gehört: ja. Ernsthaft darüber nachgedacht: nicht wirklich. So wird der urbane Kurzstreckenfahrer – an sich die klassische Zielgruppe – zum Zaungast. Bleiben als Zielpersonen betuchte Hausbesitzer im Speckgürtel mit dem Wunsch nach einem Öko-Mobil als Zweitfahrzeug. Nur so viele gibt es davon nicht. Dass sich die Akzeptanz der E-Mobilität aber mittelfristig ins Positive ändern wird, scheint die Prognose von Mitsubishi-CEO Osamu Masuko zu untermauern. Masuko geht von einer Reichweite von bis zu tausend Kilometern ab 2024 aus. Möglich wird das durch stetig fallende Akkupreise und neue innovative Technologien auf diesem Sektor.

Der Marktanteil der elektrisch angetriebenen Fahrzeuge wird in Deutschland mittel- bis langfristig stark steigen: Nach Prognosen von Kienbaum Management Consultants wird 2020 ein Marktanteil von knapp sieben Prozent erreicht, 2030 werden es etwa 30 Prozent sein.

Zielgruppe: KMU in Ballungsräumen Geht der reine Elektroantrieb also an der Realität vorbei? Nicht ganz, denn es gibt da noch die Unternehmerschiene. Vor allem Klein- und Mittelbetriebe in urbanen Ballungsgebieten, vom Bäcker bis zum Elektro-Installateur bieten sich als Vorreiter im E-Mobilitätsbereich an. Im

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Am Beginn des Weges Wie steht es letztlich um die Zukunft der E-Mobilität? Steigende Spritpreise, strengere Umweltauflagen und daraus resultierende innerstädtische Fahrbeschränkungen werden das E-Mobilitätsthema jedenfalls weiter anheizen. Der derzeitige Stand der Technik kann zudem nur als Zwischenstufe bezeichnet werden. Man darf nämlich nicht vergessen, dass die großen Automobilhersteller samt ihren enormen Entwicklungskapazitäten sich erst seit kurzem mit dem Thema beschäftigen. Fakt ist, dass wir noch immer erst am Anfang der Fahnenstange stehen. Geht es nach der Politik, sollen in Österreich bis 2020 rund drei Prozent der angemeldeten Kraftfahrzeuge mit alternativem Antrieb unterwegs sein, das wären dann gut 200.000 E-Mobile. Deutsche Studien gehen gar davon aus, dass jeder vierte Neuwagen in Deutschland ab 2025 ein Elektroauto sein wird (das wären sagenhafte 2,9 Millionen Fahrzeuge). Gewagte Prognosen. Zählt man allerdings sämtliche Hybrid-, Plug-in-Hybrid-, Brennstoffzellen-, Range-Extender- und Elektrofahrzeuge zusammen, erscheint das Ganze wieder einen Hauch realistischer. Eins sollte man sich tunlichst verkneifen: dem Ganzen keine Zukunft zuzugestehen. Diesen Fehler machten unsere Vorfahren vor über hundert Jahren auch, als sie das Automobil als kurzlebiges Spielzeug abstempelten.


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Wie ich Kraft tanke

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Medienherausgeber machte, hat so schon genug um die Ohren. Als Eigentümer des Wiener Kaufhauses Steffl und besonders als Präsident der Eishockeymannschaft Vienna Capitals gibt es immer etwas viel tun. Umso mehr genießt er die Zeit, die er in seinem Haus inmitten der Weingärten verbringen kann, ohne über das Business nachdenken zu müssen, sagt Schmid und krault seinen Hund. Der weite Blick und ein Glas Rotwein – viel schöner kann Abschalten kaum sein. Richard Tanzer

„Am Anfang war es eigentlich reine Liebhaberei“, sagt Hans Schmid und lässt den Blick über seine Weinreben gleiten. Jetzt sollte sich sein Engagement aber langsam zu rechnen beginnen. Mit über 70 Hektar Rebfläche ist der Unternehmer schließlich zum größten Winzer in Wien avanciert, und auch die nagelneue Produktionsanlage, nur einen Steinwurf entfernt an der Donau gelegen, will ausgelastet werden. Beim Wein will er seinen Experten aber gar nicht groß reinreden. Denn Hans Schmid, der sein Vermögen als Werbeunternehmer und


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Wirtschaftschancen und Fußballfieber Brasilien befindet sich gerade im Ausnahmezustand. Denn von 12. Juni bis 13. Juli geht im bevölkerungsreichsten Staat Südamerikas die Fußball-Weltmeisterschaft über die Bühne. Grund genug, auch einen Blick auf die Chancen und Risiken für heimische Unternehmer zu werfen. Karolina Offterdinger, Vorstand der OeKB Versicherung, im Interview. Im Vorfeld der WM blickt alle Welt auf den Austragungsort Brasilien. Welches Bild zeichnen Sie von der aktuellen wirtschaftlichen Situation? Die wirtschaftliche Situation sieht derzeit nicht so rosig aus. Es gibt Engpässe in der Infrastruktur, und die Wettbewerbsfähigkeit sinkt. Der Schwung, den unsere Versicherungsnehmer bisher miterlebten, ging leider verloren. Dafür verantwortlich sind die Verdopplung der Arbeitskosten seit 2003 und die vermehrte Intervention der Regierung. Außerdem herrscht Verunsicherung durch die bevorstehenden Wahlen im Oktober 2014. Was aber das Wachstum nach wie vor antreibt, sind neben dem Konsum die Einzelhandelsumsätze – diese eilen der Industrie ganz klar davon. In welchen Bereichen können heimische Unternehmen besonders punkten? Wo ergeben sich Chancen? Brasilien ist ein riesiges Land mit großen unerschlossenen Märkten, und damit hat es nach wie vor erhebliches Wachstumspotenzial. Die WM war die erste Chance für österreichische Unternehmen im Bereich der Infrastrukturprojekte. Wer diese Chance noch nicht ergriffen hat, bekommt noch eine weitere. Denn 2016 findet die Sommerolympiade in Rio de Janeiro statt. Generell können österreichische Exporteure auf dem Gebiet der umweltverträglichen Beseitigung, Lagerung und Aufarbeitung von Abfall und Abwasser, aber auch bei Biomasse-, Müllverbrennungs- und Wasseraufbereitungsprojekten punkten. Abseits des Fußballfestes wird das Land aktuell von schweren Protesten überschattet. Immer mehr Menschen gehen gegen Korruption, hohe Verbrechensraten und soziale Missstände auf die Straße. Ist Brasilien für Unternehmer ein zu gefährliches Pflaster geworden? Der WM sieht man mit gemischten Gefühlen entgegen. Manche sprechen sogar schon von einer WM des Terrors. So dramatisch würde ich das jetzt nicht sehen. Aber wir gehen davon aus, dass die politische Instabilität im Land anhalten wird. Wir rechnen mit verstärkten Protesten gegen die derzeitige Regierung und ihre schwerfällige staatliche Verwaltung, vor allem rund um die WM und im Vorfeld der Wahlen im Oktober 2014. Worauf müssen sich heimische Unternehmer in der Zusammenarbeit mit brasilianischen Firmen einstellen? Der Zugang zum brasilianischen Markt ist nicht einfach. Gebühren, Zölle und Steuern sind hoch. Ausländischen Unternehmen kann man dennoch raten, sich in Brasilien niederzulassen. Das Lohnniveau und die Nebenkosten sind zwar hoch, aber wer in Brasilien produziert, genießt wertvolle Privilegien, wie zum Beispiel günstige Kredite. Auch können so die komplizierten Einfuhrbestimmungen und Zollmauern umgangen werden. Die Rechtssicherheit ist gut.

„Die WM ist eine klare Chance für österreichische Unternehmen im Bereich der Infrastrukturprojekte.“ Karolina Offterdinger, Vorstand der OeKB Versicherung

Was können Exporteure für ihre Sicherheit tun? Vorausschauen und sich am aktuellen Stand halten – über die Wirtschaft und die politische Lage eines Landes und auch über die jeweiligen Geschäftspartner. Wenn man sich rechtzeitig kreditversichert, dann wird man schon im Vorfeld eines Geschäftes bei all diesen Dingen unterstützt. Vor allem politische Risiken tauchen immer öfter auf. Hier raten wir zur Vorsicht. Hat ein Exporteur das politische Risiko nicht in seinem Paket, dann bleibt er auf den Schäden sitzen, die zum Beispiel durch eine Beschränkung der Devisenwirtschaft oder durch Unruhen entstanden sind. Informieren und Forderungsausfälle vermeiden: Profitieren Sie von unserer Länderexpertise und sichern Sie Ihr Business im Ausland ab. Wir informieren Sie gern über Chancen und Risiken: OeKB Versicherung AG, Tel.: (+43 1) 531 27-26 64, service@oekbversicherung.at BRASILIEN: - Fünftgrößter Staat der Welt - Siebentgrößte Volkswirtschaft - Mehr als die Hälfte des Landes ist von Regenwald bedeckt - 200 Mio. Einwohner - 17 Millionenstädte - Wachstum laut IWF 2014: 1,8 Prozent

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Leasing ohne Katzenjammer Leasen ist teurer als kaufen. Dennoch ist es eine gute Alternative für Unternehmen, die ihre Cash-Reserven nicht antasten wollen. Wenn man ein paar Dinge beachtet. Text: Mara Leicht

Wenn Sie eine Maschine, ein Fahrzeug, ein Objekt kaufen, gehört es Ihnen. Nicht so, wenn Sie es leasen: Dann bleibt es im Eigentum des Verleasers. Die Verantwortung geht aber auf Sie über. Selbst wenn das Objekt durch einen Unfall zerstört wird, müssen Sie Ihre meist monatlichen Raten weiter bezahlen. Die setzen sich aus Anschaffungskosten plus Finanzierungskosten plus Gewinnspanne des Verleasers plus gesetzliche Vertragsgebühr (1 Prozent des Brutto-Leasing-Entgeltes) plus Anfangs- und Schlusszahlung zusammen. Der Vorteil: Sie können sie von der Steuer absetzen. Es gibt zwei grundlegende Vertragsvarianten: Beim „Vollamortisationsleasing“ decken die Raten alle diese Kosten ab. Nach Ablauf der Leasingperiode fällt das Objekt je nach Vereinbarung an den Verleaser zurück, kann zum Restbuchwert gekauft werden oder zu reduzierten Raten weiter geleast werden. Beim „Teilamortisationsleasing“ sind die Raten niedriger. Das Objekt soll nach Ablauf der Vertragsdauer an den nächsten Kunden verleast werden. Weil dieser erst einmal gefunden werden muss, lassen sich Leasinggeber den Mehraufwand gern abgelten. Mit folgenden neun Tipps sind Sie für die Leasingverhandlungen gewappnet.

WAS KOSTET DAS OBJEKT, WENN MAN ES KAUFT? Tipp: Handeln Sie direkt mit dem Hersteller Rabatte aus und treten Sie mit diesem Preis an Leasinggeber und Hausbank (weil sie ohnehin vom Verleaser kontaktiert wird) heran. Bietet der Verleaser das Objekt selbst an, holen Sie Vergleichsangebote ein. Achtung: Oft geben Verleaser kürzere Gewährleistungsfristen an als Hersteller.

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Das Zukunftskonto von Raiffeisen in Wien Wie entwickelt sich Ihr Kontostand in der Zukunft? Wann ist der ideale Zeitpunkt, in Ihr Unternehmen zu investieren? Wann sollten Sie Einsparungen treffen? Werden Sie Ihre unternehmerischen Ziele erreichen?

WIE LANGE IST DIE LAUFZEIT? Faustregel: Je kürzer die Nutzungsdauer, desto höher die Raten. Üblich sind 40 bis 90 Prozent der Nutzungsdauer. Bei langfristigen Verträgen Zinsanpassungen aushandeln.

„Mit dem RaiffeisenZukunftskonto blicken Sie in die Zukunft Ihres Unternehmens!“ Gaston Giefing

WORAUS SETZEN SICH DIE RATEN ZUSAMMEN? Auch hier Offerte mehrerer Verleaser einholen und jeweils den Effektivzins ausrechnen lassen. Werden Sie stutzig, wenn dieser nicht in den Vertrag geschrieben wird. Achtung: Nebenkosten schlagen kräftig aufs Börsel! Auch wenn es noch in weiter Zukunft liegt: Welche zusätzlichen Kosten entstehen nach Vertragsablauf – z. B. Abbau- und Transportkosten von Maschinen. Kosten für eine KFZ-Schlussinspektion ablehnen! Wie hoch ist der kalkulierte Restwert? Was mindert diesen Wert und muss von Ihnen getragen werden? Am Beispiel KFZ: Steinschlag, Beulen und verdreckte Sitze mindern ihn, normaler Verschleiß ist durch Ihre Monatsraten gedeckt. Kalkulieren Sie Ihren jährlichen Kilometerbedarf sorgfältig. Mehrkilometer werden meist in Rechnung gestellt, dafür wird „vergessen“, Ihnen Minderkilometer gutzuschreiben. Kann oder muss man das Objekt nach Ende der Laufzeit kaufen (Andienungsrecht)? Achtung: KFZ-Verleaser setzen hier gern den Wiederverkaufswert laut Eurotaxliste an, egal wie viel Sie bereits bezahlt haben.

HAFTET MAN FÜR DEN RESTWERT? Bei Verträgen mit Restwertabrechnung müssen Sie meist die Differenz bezahlen, wenn das Objekt beim Weiterverkauf weniger erlöst als erwartet. Umgekehrt müssen Sie auch an Mehrerlösen beteiligt sein.

WIE HOCH SIND DIE RATEN BEI VERTRAGSVERLÄNGERUNG?

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Jedenfalls niedriger als die bisherigen.

WARUM IST DIE OBJEKTBESCHREIBUNG SO WICHTIG? Weil Sie nur schriftlich Festgehaltenes vor willkürlichen Behauptungen zu Vertragsende schützt. Finger weg, wenn die Objektbeschreibung verdächtig vage formuliert ist. Sie wollen doch belegen können, das KFZ selbst mit Alufelgen aufgerüstet zu haben. Vor weitreichenden Veränderungen müssen Sie die Genehmigung des Verleasers einholen. Weil zu Vertragsende immer wieder gestritten wird: Der Abschluss einer Rechtsschutzversicherung hat sich bewährt.

Prok. Gaston Giefing, MBA, CMC Stadtdirektor Raiffeisen Handel und Gewerbe Mobil: 0664 885 47 330 gaston.giefing@raiffeisenbank.at www.raiffeisenbank.at/zukunftskonto *Das Unternehmercockpit ist ein Produkt von MeinController GmbH. Die Verrechnung erfolgt im Falle der Registrierung bei MeinController und der Weiternutzung nach dem 30-tägigen kostenlosen Testzugang quartalsweise im Vorhinein durch die MeinController GmbH.

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Die Wutunternehmer Die Rufe nach einer Steuerreform werden immer lauter und dringlicher. Manche Unternehmer wollen nicht länger warten und sind in den Steuerstreik getreten. Text: Florian Gasser

SN/Birgitta Schörghofer

Gerhard Höller reicht es. Er fordert von der Politik Taten und hat daher die Seite dersteuerstreik. at ins Leben gerufen.

Gerhard Höllers Trafik in Wagrain ist ein Ort der Kommunikation und ein Ort, an dem man sich gerne ausweint. Über den Staat, über Steuern und die eigene Hilflosigkeit. Höller selbst sei eigentlich ein unpolitischer Mensch, sagt er über sich. Eigentlich, denn vor einiger Zeit hat er der Politik den Kampf angesagt: Er weigert sich, die Umsatzsteuer abzuführen und ist im Steuerstreik. „Es wird immer von Reformen gesprochen, und nie ist etwas passiert“, schimpft er. „Ich habe nichts dagegen, Steuern zu bezahlen. Aber wie sie verwendet werden, das schreit zum Himmel.“ Mit seinen Kunden spricht er über seine Kampfmaßnahme und erntet viel Zuspruch. Österreich gehört zu den Ländern mit der höchsten Steuerbelastung – und den höchsten bürokratischen Hürden. Im Standortwettbewerb tritt man auf der Stelle. Unter Österreichs Steuerzahlern brodelt es. Für viele ist bereits Feuer am Dach. Die kalte Progression schlägt mit aller Härte zu, Realeinkommen stagnieren seit einem Vierteljahrhundert. Die Rufe nach einer raschen Steuerreform werden lauter, der Druck auf die Bundesregierung wächst.

Druck von allen Seiten

RE-agieren

Wolfgang Reichl glaubt, dass seine Steuern für die falschen Dinge verwendet werden.

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Arbeitnehmervertreter wie der Vorarlberger Arbeiterkammerpräsident Hubert Hämmerle warnen gar vor „Steuerdemonstrationen“. Und auch von Unternehmern wird immer vehementer eine Entlastung gefordert. Zuerst müsse der Schuldenberg abgebaut werden, rechtfertigt sich Finanzminister Michael Spindelegger, erst dann könne man sich einen Steuerabbau leisten. Eine Meinung, der sich nicht alle anschließen wollen. Selbst besonnene und ausgewogene Köpfe wie der Linzer Wirtschaftsprofessor Friedrich Schneider sehen das anders. „Die Leute fühlen sich auf den Arm genommen“, sagte er kürzlich in einem Interview, wenn nicht bald etwas passiere, stehe das Land kurz vor einer Steuerrebellion. Sollte das tatsächlich passieren, wären die Finanzämter wohl überfordert. Denn das Eintreiben von hunderttausenden ausständigen Lohnsteuern sei verwaltungstechnisch eine nur schwer zu bewältigende Herausforderung. Gerhard Höller hat seinen Streik mittlerweile auch im Internet publik gemacht. Auf der Homepage dersteuerstreik.at listet er seine


Titel 80 %

60 %

Sozialabgaben

4,3

andere Steuern

40 %

1,2

0,8

4,6

2,1

2,4

1,8 3,1 3,6

2,1

21,8

10,6

20 %

0,6

0%

16,0 4,1

20,3

9,2

21,6

14,1

11,2

23,0

15,3

8,7

20,3

LUX

DAN

SUI

UK

FIN

GRE

GER

AUT

FRA

ITA

24,5

17,8

sechs Forderungen auf: Hypo-Untersuchungsausschuss, Reform der Lohn- und Einkommensteuer, eine Verwaltungs- und Bildungsreform, ein gesetzliches Mindesteinkommen von 1.250 Euro, eine EU-weite Finanztransaktions-, Vermögens- und Gewinnsteuer sowie eine persönliche, jedoch beschränkte Haftung von Politikern.

Eine kleine Bewegung entsteht Auf der Website buhlt er auch um Mitstreiter, die sich seinen Forderungen anschließen. 1.726 Unterschriften hatte er bis zum Redaktionsschluss gesammelt. Manche von ihnen taten es Höller gleich und traten bereits selbst in den Steuerstreik. Einer davon ist Wolfgang Reichl. „Ich vertraue der Finanz nicht mehr“, sagt er. Der selbstständige Mentaltrainer, der auch Seminare für Führungskräfte veranstaltet, entschied Mitte März, die Umsatzsteuer nicht mehr abzuführen. „Ich habe das Gefühl, das Geld wird in den Bankensektor geleitet“, sagt er. An das Salzburger Finanzamt und an den Finanzminister Spindelegger schrieb er einen Brief, der sich in den sozialen Netzwerken wie ein Lauffeuer verbreitete. „Sorry, ich kann nicht mehr (…) meine Steuern zahlen“, ist darin zu lesen. „Ich tue mir schwer, diesen Betrag vertrauensvoll auf Ihr Konto anzuweisen, da ich ,Gefahr in Verzug‘ sehe.“ Natürlich müsse ein Staat Steuern einheben, sonst funktioniere nichts, sagt Reichl fast versöhnlich. Aber es müsse mit den Abgaben der Bürger korrekt umgegangen werden. „Doch es greift die Gier um sich. Die Wirtschaftslogik der Politik ist darauf begrenzt, dass man in fünf Jahren noch schön dasteht und wiedergewählt wird“, empört sich Reichl. Wenn Gerhard Höller zusammenrechnet, was er monatlich an Abgaben abliefert, wirkt er so, als würde er es selbst nicht glauben wollen. „Ich habe eine Fixangestellte, die bekommt 1.020 Euro netto für 24 Stunden. Dazu zahle ich einen Arbeitgeberzuschuss von 500 Euro an die Krankenkasse, das ist doch irre“, erzählt er. „Da fühlt man sich wie eine Weihnachtsgans. Da kommt eine Summe zusammen, bei der man sich überlegen muss, ob man sich das leisten kann. Es muss etwas passieren!“

43,4

34,7

32,0

51,7

Quelle: PwC Paying Taxes 2014 Analysis

Steuern auf Profite

Politik ohne Mut Wirtschaftsprofessor Schneider fordert von der Regierung „Mut und Tatendrang“. Allein eine Kürzung der staatlichen Subventionen und eine härtere Bekämpfung des Steuerbetrugs würden zwei Milliarden Euro einbringen, rechnete er vor. Rezepte für eine Steuerreform gibt es mittlerweile einige: Strukturreformen, Bereinigung des Förderdschungels, Reform des Sozialstaates und vieles mehr. Jeden Tag kommen neue Vorschläge von verschiedenen Seiten hinzu. Wolfgang Reichl hat indes einen Anruf von seiner Bank bekommen. Fünfzehn Tage, nachdem die Umsatzsteuer fällig gewesen wäre, bekam er zuerst einen Mahnbrief vom Finanzamt, und kurz darauf wurde das Firmenkonto gepfändet. Wie es weitergehen wird, weiß er nicht. „Ich kann nicht mein Unternehmen riskieren, um da weiter aktiv zu sein“, sagt er. Ob er auch im nächsten Quartal die Umsatzsteuer zurückbehalten werde, wisse er noch nicht. „Mir tut der Finanzbeamte leid, der da sitzt und durch meine Handlung einen Mehraufwand hat. Ich will niemandem etwas Schlechtes antun, aber ich möchte schon auf gewisse Dinge hinweisen.“ Zumindest würde nun in einer breiten Öffentlichkeit über eine Steuerreform gesprochen, sagt er. Das sei immerhin etwas und mehr, als in den vergangenen Jahren passiert sei.

Wie es weitergeht Auch Gerhard Höller weiß noch nicht genau, wie es weitergehen wird. Er bezahlt die Umsatzsteuer nun immer dann, wenn eine Aufforderung des Finanzamtes in die Trafik flattert. Doch das allein, das ist ihm bewusst, wird die Politik der Regierung nicht ändern. „Natürlich müssen wir noch andere Hebel ansetzen“, sagt er. Für den Herbst sei eine Demonstration geplant. Wo und wie, weiß er noch nicht. Doch das Bedürfnis nach einem Aufschrei sei da, das merke er auch bei seiner Kundschaft. „Die Aggressionen wurden in den vergangenen Jahren immer größer“, erzählt er. Die Wut, aber auch die Hilflosigkeit vieler, die mit den Abgaben überfordert seien und am Existenzminimum leben, könne er nicht länger ignorieren. Auch wenn er nur ein Zeichen setzen könne. „Mehr geht nicht.“

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Ein Kleid für die Ewigkeit Ein junger Wiener Modedesigner zeigt, wie man mit dem Verkauf von heimischer Mode gegen die Billigkonkurrenz aus Fernost überleben kann. Mit modischen Evergreens aus nachhaltiger Produktion. Text: Thomas Schwentenwein, Fotos: Julia Fuchs

In ein Genre packen lässt sich der Modeunternehmer Michael Edinger nicht. Zwei Jahre ist es her, dass er seinen Laden, das „Magazin am Getreidemarkt“, eröffnete. Er soll mehr sein als bloß eine weitere FrauenmodeBoutique in einer der mondänsten Gegenden der Hauptstadt. Wer das Geschäft betritt, soll sich vielmehr wie im eigenen Wohnzimmer fühlen. „Man muss sich wohlfühlen. Die Kundinnen können sich bei mir Zeit lassen und die Mode auf sich wirken lassen“, sagt Edinger. Entspanntes Shoppen ist das Motto. Das kommt auch bei den männlichen Begleitern seiner Kundinnen gut an. Anstatt wie anderswo in eine Ecke gestellt zu werden, nimmt man im „Magazin am Getreidemarkt“ gemütlich auf der Couch Platz und wird mit Kaffee oder Prosecco versorgt.

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Wie man mit Kunden umgeht, erlernte Edinger schon in Kindheitstagen im großelterlichen Feinkostladen in Salzburg. Seine Großeltern brachten ihm bei, nie zu aufdringlich zu sein und sich als Verkäufer in vornehmer Zurückhaltung zu üben. Über seine Großmutter entdeckte er aber auch seine Liebe zur Mode. „Beim Kramen in Großmutters Schrank wurde meine Wertschätzung für gut geschneiderte weibliche Mode geweckt“, sagt der Mitdreißiger, der in Berlin Schauspiel und in Wien Kultur- und Sozialanthropologie studierte, bevor es ihn eher zufällig in den Handel zog. Beruflich waren dabei seine Lehrjahre bei Wiens Traditionsschneider Lambert Hofer die prägendsten.


Nur mithilfe der Familie Der Schritt in die eigene Selbstständigkeit war dann zwar naheliegend, fiel aber keineswegs leicht. Hätte ihn seine Familie nicht finanziell unterstützt, wäre sein Traum vermutlich schon geplatzt, erzählt der Jungunternehmer. „Von einer Bank bekommst du ohne Sicherheiten keinen Kredit, da kann die Idee noch so gut sein“, sagt Edinger mit demoralisiertem Unterton. Doch auch wenn bei der Gründung einige Steine aus dem Weg geräumt werden müssen, lohnte es sich letztendlich. Gerade die Beratungsleistungen der Wirtschaftskammer hätten ihm entscheidend weitergeholfen: „Die Beratungen waren breitgefächert, und ich bekam das Gefühl, dass es den Beratern ein wirkliches Anliegen war, Neugründungen zu unterstützen.“ Heute läuft die Firma. Denn Edinger hat zwischen aller Billigkonkurrenz eine Nische gefunden. Nachhaltigkeit ist Edingers entscheidendes Verkaufsargument. Nur war es anfangs gar nicht so einfach, Mode aus Österreich zu halbwegs günstigen Preisen anzubieten. Darum machte Edinger aus der Not eine Tugend und entwarf seine eigene Kollektion namens „Schneidermodel“. Die Linie steht dabei für handgenähte Mode und ist hundertprozentig fairtrade. Doch der Nachhaltigkeitsgedanke beschränkt sich bei Edinger nicht bloß auf die verwendeten Materialien. „Ich stelle Mode her, die zeitloses Design darstellen soll, sich also nicht irgendwelchen Modetrends unterwirft. Zeitloses Design eben“, sagt Edinger. Seine Kollektionen erinnern dabei alle sehr stark an die 1960erJahre, ohne aber mit dem Retro-Zug zu fahren. „Die Designs sind angelegt an die Mode der frühen 1960er, aber adaptiert für heute“, betont der Designer, der keinen Abklatsch liefert. Neben der Authentizität ist für ihn aber auch wichtig, dass sich Normalverbraucherinnen seine Mode kaufen können, er wollte immer „im leistbaren Rahmen anbieten“.

„Beim Kramen in Großmutters Schrank wurde meine Wertschätzung für gut geschneiderte weibliche Mode geweckt.“ Michael Edinger

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Der richtige Partner für die Personalauswahl

Die meisten Teile im „Magazin am Getreidemarkt“ bewegen sich preislich zwischen 50 und 200 Euro. Eine typische Kundin könne er schwer festmachen, aber er würde sie allenfalls in zwei Kategorien unterteilen: Erstens die erfolgreiche Frau zwischen 30 und 50 Jahren, die genau weiß, was sie will, nämlich weibliche Mode mit einem praktischen Beigeschmack: „Ein schönes Kleid, das sich aber auch zum Autofahren eignet.“ Und zum Zweiten ein sehr junges und hippes Publikum, welches schnell neue Trends aufgreift und sich dabei von diversen Blogs und Facebook inspirieren lässt. Die Facebook-Seite des Magazins am Getreidemarkt, wo befreundete Models und Schauspielerinnen neue Trends vorführen, hat sich dabei zu einem absoluten Renner entwickelt und ist selbst zu Edingers Erstaunen erfolgreicher als die Homepage. „Viele neue Kundinnen kommen zu uns, weil sie ein bestimmtes Stück davor bei Facebook gesehen haben.“ Dort sieht man die neueste Mode als Erstes. Heuer werden übrigens Pastellfarben sowie Kombinationen aus Schwarz und Weiß der Sommertrend sein.

Entgeltliche Einschaltung

Facebook heizt Vertrieb an

Das WU ZBP Career Center ist als Karrierezentrum der WU (Wirtschaftsuniversität Wien) die Schnittstelle zwischen Universität und Arbeitsmarkt. Unternehmen, von KMUs bis Global Player, finden zahlreiche Services, um Wirtschaftsabsolvent/inn/en als potenzielle Mitarbeiter/ innen zu erreichen: • Stellenangebote auf www.zbp.at: Die Online-Plattform des Career Center wendet sich ausschließlich an Studierende und Absolvent/inn/en mit wirtschaftlichem Background und ist österreichweit bekannt. •  Personalvermittlung: Durch den unmittelbaren Kontakt zu Absolvent/inn/en kann das Career Center bei der gezielten Suche nach potenziellen Mitarbeiter/inne/n optimal unterstützen. •  Networking: Das ZBP organisiert jährlich zahlreiche Karriereveranstaltungen, um den Austausch zwischen Absolvent/inn/en und Arbeitgebern anzuregen. Interessiert? www.zbp.at, www.careercalling.at die wirtschaft Nr. 6 | Juni '14

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Geschäftsidee des Monats

Ausgefallen, witzig, innovativ:

Berit Ladewig

Die WIRTSCHAFT präsentiert in jeder Ausgabe ein neues Businessmodell, das Schule machen k ­ önnte. Die Redaktion freut sich über Tipps und Infos: s.strzyzowski@wirtschaftsverlag.at

Alles mit ohne Die Idee:

Der Anbieter:

Jeder kennt das: Man besorgt sich die Zutaten für eine kleine Jause und hat neben dem Snack, ohne es zu bemerken, auch einen ganzen Haufen Müll mitgekauft. Denn die meisten Lebensmittel liegen doppelt und dreifach in Plastikfolien verpackt im Regal. Für immer mehr Menschen ein echtes Ärgernis. So auch für Andrea Lunzer, die im Jänner das erste Lebensmittelgeschäft in Wien eröffnet hat, das vollständig auf Verpackungen verzichtet. Und damit liegt sie voll im Trend. Denn ganz ähnliche Gedanken hatte zum Beispiel auch Marie Delaperriére aus Kiel, die einen Laden ohne Verpackungen betreibt genau wie drei junge Damen aus Berlin, die gerade intensiv an einem ähnlichen Konzept arbeiten. Was sie alle eint, ist der Wunsch nach Alternativen zu den unnötigen Müllbergen. Die konsequente Umsetzung: Die Produkte werden bei ihnen einfach lose in Spendern oder Behältern angeboten. Kunden kommen mit ihren mitgebrachten Mehrwegbehältern ins Geschäft und füllen sich die Produkte ganz nach Belieben ab.

Andrea Lunzer ist auf einem Biobauernhof im burgenländischen Seewinkel aufgewachsen und hat vor der Eröffnung ihrer Greißlerei im Verpackungsbereich und Marketing einer großen Biokette gearbeitet. www.mass-greisslerei.at

Die Vorteile: Weniger Müll, da die Produkte lose, in Spendern oder Behältern, angeboten werden. Neben dem Verzicht auf Plastikverpackungen wird vor allem die Notwendigkeit von langen Transporten abgewogen beziehungsweise vermieden, um eine unnötige Umweltverschmutzung zu vermeiden. Regionale und saisonale Produkte haben dagegen Vorrang. Zudem kann man einfach die Mengen kaufen, die man wirklich braucht. Das Fehlen von Verpackungsmaterialien hilft natürlich auch dabei, die Produkte zu attraktiven Preisen anzubieten.

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Ihr deutsches Pendant, Marie Delaperrière, hat nach 15 Jahren Erfahrungen im Bereich Logistik ihren Wunsch verwirklicht, Kunden einen verpackungsfreien Einkauf zu ermöglichen. www.unverpackt-kiel.de

Wer hat’s erfunden? Catherine Conway! Sie hat bereits 2007 in London einen Shop eröffnet, in dem nichts verpackt ist. www.beunpackaged.com

Was wir toll finden: Dass man ein neues Geschäftsfeld erobern kann, indem man „einfach“ etwas weglässt.

Was uns überrascht: Wie weit das Sortiment ohne Verpackung gehen kann: Die Produktpalette umfasst Getreide, Mehl, Teigwaren, Hülsenfrüchte, Nüsse, Öle und Essig, Oliven und Knabbereien, Tee und Kaffee, Gewürze, Milchprodukte, Obst, Gemüse, Trockenfrüchte, Spirituosen, Wein, Bier, Süßwaren, Reinigungsmittel sowie Duschgel und Seifen.

Was man sich von der Idee abschauen kann: Immer mehr Menschen konsumieren extrem bewusst. Wer die Bedürfnisse dieser stetig wachsenden Gruppe ernst nimmt und in smarten Konzepten umsetzt, setzt auf einen Trend, der vermutlich noch lange anhalten wird.


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Wir müssen umdenken Viele Unternehmen stellen ihre Manager nicht mehr auf Dauer an, sondern für drei Jahre. Für ökonomische Nachhaltigkeit bleibt da keine Zeit. Eine untragbare Fehlentwicklung, findet Wolfgang Mader, der sich als Geschäftsführer der Huemer Data Center GesmbH für einen anderen Weg starkmacht. Ein Plädoyer.

„Die Politik muss endlich gesetzliche und steuerliche Rahmenbedingungen für nachhaltiges Unternehmertum schaffen.“ Wolfgang Mader, Geschäftsführer der Huemer Data Center GesmbH

Es klingt wie eine Binsenweisheit: Wenn die Quartalszahlen wichtiger sind als die Strategie, bleibt die Nachhaltigkeit auf der Strecke. Dennoch ignorieren immer mehr Unternehmen diese simple Wahrheit. Ein Nearshoring nach Indien, verbunden mit massivem Personalabbau, lässt sich schließlich wunderbar in PowerPoint darstellen. Die Corporate Responsibility wird dagegen – wenn überhaupt – nebenher in einem PDF abgehandelt. Probleme der Datensicherheit, mit der Finanzmarktaufsicht und auch des Standortes bleiben einfach unerwähnt. Dabei sind die Schwierigkeiten, die sich ergeben, wenn Personal nicht mehr in Greifweite, sondern am anderen Ende der Welt sitzt, so umfangreich, dass es nur wenige Unternehmen gibt, die von solchen Maßnahmen wirklich profitieren können. Sehr oft folgt auf eine Reihe kostspieliger Golden Handshakes, mit denen erfolgreiche Strukturen zerstört und Know-how eliminiert werden, ein noch kostspieligerer Wiederaufbau. Recruiting, Personalsuche oder Konsulenten-Verträge, die ein Vielfaches von dem kosten, was derselbe Mitarbeiter bis vor kurzem verdient hatte, sind die Folge.

Schlecht für einen, schlecht für alle Dabei ist das individuelle Unglück eines einzelnen Unternehmens nur der Gipfel des Eisberges. Solange österreichische Betriebe auch österreichische Dienstnehmer beschäftigen, funktionieren die Ansätze des Keynesianismus. Angebot und Nachfrage bestimmen die Produktion und die mögliche Beschäftigung von Arbeitskräften. Leider werden nun aber immer mehr der potenziellen Abnehmer arbeitslos. Sie müssen einerseits sparen und andererseits staatliche Unterstützung beziehen. Eine Investition des Staates in Firmen, die derart vorgehen, ist sinnlos, weil sie weder zu mehr Beschäftigten noch zu mehr Umsatz führt. Der britische Ökonom Keynes dreht sich im Grab um.

Raubbau an der Zukunft Auf diese Art und Weise sägt der Manager, der seinen Drei-Jahres-Vertrag so beeindruckend wie möglich umsetzen möchte (sein persönlicher Bonus hängt davon ab), sowohl an der Möglichkeit des Staates, sinnvoll mit Geld-

politik einzugreifen, als auch an der Zukunft des eigenen Unternehmens. Eliminiert er doch Kunden und verhindert damit Geschäft. Die Denkweise ist vergleichbar mit einem Betrunkenen, der leere Bierdosen in die Wiese wirft, weil er sich den Weg zur Mülltonne sparen will. Das ist ärgerlich, aber unbedenklich – solange es nicht alle machen. Wenn es aber zur Mode wird, verkommt die Parkanlage rasch zur Müllhalde, und aus einem prosperierenden Land wie Österreich wird ein Armenhaus mit einigen verbleibenden Oligarchen. Nun müssen aber nicht nur die Unternehmer umdenken und Verantwortung übernehmen. Die Politik muss endlich gesetzliche und steuerliche Rahmenbedingungen für nachhaltiges Unternehmertum schaffen. Klar, umdenken ist immer schmerzhaft! Doch wenn wir wollen, dass unsere Enkel noch in Österreich leben und arbeiten können, ist das die einzige Möglichkeit. Wolfgang Mader ist Geschäftsführer der Huemer Data Center GesmbH, einem österreichischen Unternehmen, das sich klar zur Wertschöpfung und Produktion in Österreich bekennt. Huemer Data Center GesmbH, Leonard-Bernstein-Straße 10, 1220 Wien, Tel.: +43 1 26 33 77 0, E-Mail: wm@huemer-dc.com


Themenschwerpunkt Nachhaltigkeit Wir tragen Verantwortung! Erstmals in der Verlagsgeschichte erscheint ein Themenschwerpunkt in allen Medien des Wirtschaftsverlages zeitgleich, aber inhaltlich auf die jeweilige Branche zugeschnitten. Wir wollen damit ein Zeichen für eine nachhaltige mittelständische Wirtschaft setzen. Weil wir uns aber nicht damit begnügen wollen, über Nachhaltigkeit bloß zu schreiben, arbeiten wir seit mehr als einem Jahr selbst an der Umsetzung einer CSRStrategie. Der Verlag hat unter Einbeziehung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

sechzehn Einzelprojekte gestartet, mit dem Ziel, Maßnahmen zur Verbesserung im Sinne der Nachhaltigkeit durchzuführen. Dabei geht es vorwiegend um die Themen Ökologie, Soziales, um Mitarbeiterthemen und um Nachhaltigkeit im Kerngeschäft. Erfahren Sie mehr auf www.wirtschaftsverlag.at und in unserem CSR-Profil auf http://www.respact.at/site/mitglieder/profilecsr/profile/4201.html Folgen Sie uns auf Twitter für aktuelle News: @csr_verlag

CSR statt PR Innovation, Kundenbindung und motivierte Mitarbeiter – Corporate Social Responsibility, kurz CSR, verspricht jede Menge Vorteile. Doch nur jene Unternehmen, die sich Problemen stellen und ethisch korrekt entscheiden, sind damit wirklich erfolgreich.

Senkt Ihre Firma CO 2-Ausstoß und Energieverbrauch und spart dadurch Geld? Unterstützen Sie Ihre Mitarbeiter gezielt bei der Aus- und Weiterbildung? Pf legen Sie einen fairen Umgang mit Lieferanten und Geschäftspartnern? Wenn ja, dann sind Sie auf dem besten Weg zum verantwortungsvollen Unternehmertum, kurz zu einer gelungenen CSR-Strategie. Hinter diesen drei Lettern verbirgt sich das Managementinstrument Corporate Social Responsibility. Die EU-Kommission hat 2011 folgende Definition aufgestellt: „CSR ist die Verantwortung von Unternehmen für ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft.“ Darunter fallen ökologische, ethische, Menschenrechts- und Verbraucherbelange. Die konkrete Umsetzung findet etwa in einer umweltschonenden Produktion, bei der Unterstützung lokaler Beschaffungsmärkte oder durch die Miteinbeziehung von Mitarbeitern in Unternehmensentscheidungen statt. Doch mit einer einzelnen Aktion ist es nicht getan. CSR bedeutet, sich nicht nur auf einen Themenbereich zu fokussieren, denn nachhaltiges Wirtschaften muss sich im gesamten Unternehmen widerspiegeln. Einzelaktionen sind zwar leicht zu initiieren und machen sich

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gut fürs Image, laufen aber Gefahr, randständig zu sein. „CSR ins Kerngeschäft zu integrieren bedeutet zu hinterfragen: Was, wo, wie und für wen produziere ich?“, bringt es André Martinuzzi, Leiter des Instituts für Nachhaltigkeitsmanagement an der WU Wien, auf den Punkt. Eine Vorgehensweise, die sich auch wirtschaftlich auszahlt. Fließt CSR in alle strategischen Unternehmensentscheidungen ein, können daraus enorme Innovationspotenziale entstehen, weiß Martinuzzi.

Mit den Stakeholdern in Dialog treten Nachhaltiges Wirtschaften wird von einem Wertewandel in der Gesellschaft angetrieben. Ob Klimawandel, knappere Ressourcen oder die vielerorts auf Sparflamme laufende Konjunktur: Unternehmen stehen vor großen Herausforderungen. Zudem reagieren Kunden wie auch Mitarbeiter sensibler auf ökologische und soziale Aspekte. Jeder CSR-Prozess braucht deshalb den kritischen Blick von außen – den Dialog mit jenen Anspruchsgruppen, die direkt oder indirekt mit dem Betrieb verbunden sind, den „Stakeholdern“. Darunter fallen etwa Kunden, Anrainer und Lieferanten. „Es geht darum, ihre Erwartungen zu kennen, deren legitime Interessen und Rechte zu berücksichtigen und sich mit et-

Illustration: Antonia Stanek, Fotos: Thinkstock

Text: Sandra Knopp


waigen Problemen an der Schnittstelle zur Gesellschaft auseinanderzusetzen“, sagt Barbara Coudenhove-Kalergi, Co-Gründerin des Center for Responsible Management. Das kann etwa durch Kundenbefragungen und Beschwerdemanagement erreicht werden. Reicht es also, einfach den Erwartungen von außen zu entsprechen? Nicht wirklich. Denn verantwortungsvolles Wirtschaften sollte auf einer ethischen Haltung des Unternehmens selbst beruhen. Fehlt diese Grundhaltung, steht CSR auf tönernen Beinen, so die Expertin. Stimmen die kolportierten Werte nicht mit Erfahrungen von Kunden und Mitarbeitern überein, wird das Engagement rasch als unecht, als „Greenwashing“ wahrgenommen, was die Unternehmensreputation nachhaltig schädigt.

CSR ins Unternehmen integrieren CSR, einst vorwiegend mit Großunternehmen assoziiert, hat längst auch bei den Klein- und Mittelständlern Einzug gehalten. Ob eine gezielte Lehrlingsförderung oder die Verwendung von Rohstoffen aus der Region – nachhaltiges Wirtschaften wird bereits vielerorts gelebt. Doch nicht alle etikettieren ihr Engagement mit CSR. Die einzelnen Initiativen müssen zu einem großen Ganzen verschmolzen werden, damit von einer Strategie gesprochen werden kann. KMU haben einen strukturellen Vorteil, wie Thomas Walker, Leiter des Instituts für Nachhaltige Lösungen, walk-on, betont: „Sie haben zwar professionelle Managementstrukturen, aber keine so starren Vorgaben wie Großkonzerne. Damit können sie flexibler, menschlicher und schneller auf Änderungen reagieren.“ Damit das klappt, muss CSR Chefsache sein. „Ich kenne zahlreiche engagierte Menschen, die versuchen, etwas zu verändern. Spielt das Top-Management nicht mit, läuft man gegen Gummiwände“, sagt Christine Maria Jasch, Leiterin des Wiener Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung. Dabei ist es die Aufgabe der Geschäftsführung, Experten im Unternehmen an einen Tisch zu bringen. So unterschiedlich die CSR-Zugänge, so auch die Umsetzung. Während einige Unternehmen eine eigene Abteilung einrichten, etablieren andere die Maßnahmen abteilungsübergreifend. Thomas Walker rät zu Letzterem. Es gelte den Aufwand gering zu halten und an bestehendes Wissen anzuknüpfen. Qualitätsmanagement und Umweltabteilung fungieren ohnehin oft als Schnittstellen in vielen Abteilungen. Es ergebe oftmals Sinn, CSRAgenden dort anzusiedeln.

Wissen, wo man steht Am Anfang des CSR-Prozesses steht für Gabriele Faber-Wiener, CoGründerin des „Centers for Responsible Management“, eine eingehende Unternehmensanalyse. Es gilt unter anderem die eigene Marktposition zu bestimmen, Auswirkungen, Chancen und Hemmnisse zu definieren und festzustellen, welche Werte für das Unternehmen essenziell sind. Die Analyse von Fluktuation und Krankenstandtagen, Rohstoffverbrauch und Kundenzufriedenheit sind nur einige Kennzahlen, die

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Nachhaltig produziert Nachhaltigkeit wird bei Österreichs größtem Fahnenhersteller seit Jahren großgeschrieben. Durch neueste Materialien und Produktionsverfahren reduziert das Mittersiller Unternehmen Fahnen-Gärtner GmbH Abfall, spart wertvolle Ressourcen und leistet so einen Beitrag zu Nachhaltigkeit und CO2-Einsparung. Diese Maßnahmen sorgen dabei auch noch für mehr Qualität und helfen somit, Geld zu sparen. Ermöglicht doch der neue Fahnenstoff Polyweb Plus® fast doppelte Haltbarkeit im Vergleich zur Standardqualität. Getragen wird das Engagement für die Umwelt von der Belegschaft, die von der wertschätzenden, talentorientierten Mitarbeiterführung des Familienunternehmens profitiert.

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Themenschwerpunkt Nachhaltigkeit

Auskunft über die CSR-Performance geben. Bei ethischem Wirtschaften müssen sich Unternehmen immer wieder auch mit heiklen Themen auseinandersetzen. „Man verwendet CSR entweder als Ausweichstrategie oder zur Weiterentwicklung. Lange Zeit war es eine Ausweichstrategie“, so Faber-Wiener. Definiert etwa ein Betrieb Gerechtigkeit als Kernwert, sollte dieser also zum Beispiel an einem transparenten Gehaltsschema, das für alle Mitarbeiter einsehbar ist, festgemacht werden.

Nachhaltigkeit richtig kommunizieren Rund um die Nachhaltigkeit hat sich eine florierende Industrie entwickelt – von Beratern, Standards, Zertifizierungen und Auszeichnungen. Einige Länder wie Schweden oder Frankreich forcieren Nachhaltigkeitsberichte. Die Darlegung der eigenen Aktivitäten führt zu einer Sensibilisierung der Mitarbeiter und der Überprüfung der Zielvorgaben. „Nachhaltigkeitsberichte haben sich zu dem Kommunikationsmedium entwickelt. Viele KMU müssten keinen Geschäftsbericht veröffentlichen, zeigen durch die Berichte aber, wofür sie stehen“, so CSR-Expertin Christine Maria Jasch. Die Bereitschaft zur Publikation hängt allerdings von der Branche und der Nähe zum Kunden ab. So ist die Lebensmittelbranche öfter vertreten als beispielsweise die IT. Unumstritten ist jedenfalls, dass die Kennzahlen Rückmeldung über den Status quo geben. Dennoch ist es nicht zwingend erforderlich, diese Messdaten zu veröffentlichen. Einige Betriebe behalten die Zahlen für sich, um der Konkurrenz keinen Vorteil zu verschaffen. Andere setzen die Berichte gezielt bei Geschäftsanbahnungen ein.

Wie CSR sich auswirkt Nachhaltigkeit bedeutet mehr als Wohlfühlprojekte und Spendenkampagnen. „CSR muss gleichzeitig einen wirtschaftlichen Nutzen für ein Unternehmen und einen gesellschaftlichen Nutzen für alle erbringen“, sagt CSR-Experte Martinuzzi. Umweltschonende Produktionstechniken können Innovationen fördern, im Idealfall kann gar eine Marktnische erobert werden. Wie eine Untersuchung der KMU-Forschung Austria zeigte, erwarten sich rund zwei Drittel der befragten Familienbetriebe, durch CSR Kosten zu senken. Etwa durch den effizienteren Einsatz von Rohstoffen und Energie. Positives Image, Markenbekanntheit und enge Kundenbindung sind weitere Vorteile, die mit nachhaltigem Wirtschaften verbunden werden. Diese Managementstrategie gilt oft auch als Geheimwaffe im „Kampf um die besten Talente“. Das ist in Zeiten des Fachkräftemangels vor allem in strukturschwachen Regionen ein Argument. Wenig verwunderlich also, dass rund drei Viertel der heimischen Unternehmen die Mitarbeiter in den CSR-Fokus stellen. Darunter fallen Maßnahmen wie die stärkere Partizipation, Gesundheitsvorsorge oder Sport- und Freizeitaktivitäten.

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„CSR will gelernt sein“ MBA-Lehrgang „Corporate Responsibility & Business Ethics“ an der Donauuni Krems. Sprache: Englisch; Zielgruppe: Geschäftsführer, Manager und jene, die Fachwissen über Wirtschaftsethik und verantwortliches Unternehmertum erwerben wollen. Dauer: 4 Semester, berufsbegleitend, 3 Semester Vollzeit; Kosten: 21.900 € + Unterrichtsmaterialien: 950 €. „CSR-integratives Management in Industrie, Finanz & Wirtschaft“ von Incite, Qualitätsakademie des Fachverbandes Unternehmensberatung und IT (UBIT) der WKÖ. Zielgruppe: CSR-Verantwortliche und Experten. Dauer: 3 Module – Ausbildung zum akkreditierten CSR-Experten. Kosten: 2.880 €. (inklusive Ust.) „Akademischer CSR Manager“ auf der FH des BFIWien. Zielgruppe: Führungskräfte, Unternehmensberater, PR-Manager, CSR- und Umweltverantwortliche, Dauer: 2 Semester, berufsbegleitend, Kosten: 4.900 € (mehrwertsteuerfrei); Bewerbungsfrist: 31. Juli 2014 Master „Umwelt und Nachhaltigkeitsmanagement“ am IMC FH Krems, Dauer: 4 Semester, berufsbegleitend, Sprache: Deutsch + Englisch, Kosten: 1.520 €. MBA Sustainability Management an der LeuphaniaUniversität Lüneburg. Fernstudium, berufsbegleitend, neue Schwerpunkte wie Sustainable Finance. Bewerbungsschluss: 30. 9. 2014, Kosten: mindestens 14.590 €, Dauer: 2–3 Semester MBA Corporate Compliance and Governance an der TU Ingolstadt, Dauer: 4 Semester, berufsbegleitend, Kosten: 6.125 € / Semester

Neverending CSR Dass man sich auf eine lange Reise begibt, sollte von Beginn an klar sein. „Verantwortungsvolles Wirtschaften ist als Innovationstreiber ein zentrales Thema, aber nicht immer einfach. Es gilt Kunden wie Mitarbeiter zu überzeugen, auf Rückschläge zu reagieren und in Forschung und Entwicklung zu investieren“, sagt respACT-Geschäftsführerin Daniela Knieling. Die Anforderungen variieren oft branchenspezifisch. Die Nachhaltigkeitsplattform, auf der sich aktuell 260 Unternehmen mit ihren CSR-Aktivitäten präsentieren, hat deshalb elf Branchenleitfäden und eine Anleitung für den Weg zum eigenen Nachhaltigkeitsbericht erstellt. Angebote, die immer mehr Firmen annehmen. Kein Wunder: Verantwortungsvoll wirtschaftende Unternehmen handeln umweltbewusst, sozial korrekt und vor allem ökonomisch erfolgreich.


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NACHHALTIGKEITSPORTRÄT:

Von Klimaschutz bis Katastrophenhilfe Wie DHL Express Austria gesellschaftliche und ökologische Verantwortung in ihr Kerngeschäft integriert. DHL Express ist weltweit der führende Anbieter für internationale Express-Sendungen mit zeit- und taggenauen Zustellungen und einer Flächendeckung in mehr als 220 Ländern und Territorien. In Österreich bedient das Unternehmen seine Kunden mit derzeit knapp 600 Beschäftigten sowie rund 400 Servicepartnern. Dass DHL als global agierendes Unternehmen den Ausgleich zwischen wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Interessen anstreben muss, ist für Ralf Schweighöfer, Managing Director DHL Express Österreich, eine Selbstverständlichkeit. Entstehen doch 23 Prozent der globalen energiebezogenen Treibhausgasemissionen in der Transportindustrie. „Als weltweit größter Logistikdienstleister stehen wir in einer besonderen Verantwortung, die negativen Auswirkungen des Geschäfts auf die Umwelt zu reduzieren“, so Schweighöfer. Unter dem Motto „Living Responsibility“ fördert der Expressdienstleister deshalb Mitarbeiter von DHL Express Austria haben bereits zum vierten Mal in ihrer Freizeit Nachhaltigkeit und nimmt seine Verantwortung am Sterntalerhof mit angepackt und auch den jährliche Spendenscheck übergeben. gegenüber Gesellschaft, Umwelt und Mitarbeitern besonders bewusst wahr. „Mit zielgerichteten Programmen, die über strophengebiet und leisten logistische Unterstützung am Flughafen. die Geschäftstätigkeit als Logistikunternehmen hinausgehen, brin- Im Jahr 2013 waren Teams nach Waldbränden in Chile und nach dem gen wir unsere Stärken und Kernkompetenzen in die Gesellschaft verheerenden Taifun auf den Philippinen im Einsatz. Seit 2009 werein,“ erklärt der Manager den Ansatz des Unternehmens. den mit dem Programm „Get Airports Ready for Disaster“ Flughäfen

Ambitionierte Klimaziele erreichen Eines dieser Programme nennt sich „Gogreen“. Unter diesem Stichwort setzte sich Deutsche Post DHL im Jahr 2008 als erstes Logistikunternehmen ein Klimaschutzziel. Das weltweite Klimaschutzprogramm soll die CO2-Effizienz bis 2020 im Vergleich zum Basisjahr 2007 um 30 Prozent verbessern. Das erste Etappenziel, eine Steigerung der Effizienz um zehn Prozent, erreichte Deutsche Post DHL bereits im Jahr 2010 – zwei Jahre früher als geplant. Im Jahr 2013 lag die Steigerung bereits bei 18 Prozent. Auch Unternehmenskunden können durch den klimaneutralen Transportservice „GoGreen“ die beim Transport von Sendungen entstehenden TreibhausgasEmissionen durch anerkannte Klimaschutzprojekte ausgleichen. In den letzten drei Jahren konnten so bei mehr als 60.000 Sendungen 1.200 Tonnen CO2 ausgeglichen werden. Durch den Einsatz geziel-

ter Verbesserungsmaßnahmen und Mitarbeiterkampagnen konnten in ganz Österreich die eigenen CO2-Emissionen um 11,2 % reduziert werden. DHL Express Österreich wurde kürzlich sogar das „Green Brands“-Siegel für sein lokales GoGreen-Programm verliehen.

Soziale Verantwortung übernehmen Einen weiteren CSR-Schwerpunkt setzt das Programm „GoHelp“, mit dem Hilfe bei Naturkatastrophen geleistet wird. Im Jahr 2005 wurde mit den Vereinten Nationen eine Partnerschaftsvereinbarung zum Katastrophenmanagement unterzeichnet. Seither wurde ein Netz aus derzeit über 400 geschulten Mitarbeitern aufgebaut, die sich freiwillig engagieren. Sie sind innerhalb von 72 Stunden im Kata-

auf eventuelle Naturkatastrophen vorbereitet. 2013 wurden Trainings an sechs Flughäfen mit über 140 Teilnehmern von DHL-Experten durchgeführt. Auch DHL Express Österreich übernimmt in solchen Fällen immer wieder den kostenlosen Transport von Spendengütern.

Bildung fördern Mit dem Programm „GoTeach“ hat man es sich zur Aufgabe gemacht, die Bildungs- und Berufschancen junger Menschen insbesondere aus benachteiligten Verhältnissen durch Partnerschaften mit der weltweiten Bildungsinitiative „Teach For All“ und den SOS-Kinderdörfern zu verbessern. Zudem werden die Mitarbeiter animiert, am Freiwilligenprogramm „Global Volunteer Day“ teilzunehmen. Seit 2011 werden die Mitarbeiter weltweit dazu aufgerufen, freiwillig an einem lokalen, sozialen oder Umweltschutzprojekt mitzuarbeiten. Im Jahr 2013 beteiligten sich bereits rund 100.000 Mitarbeiter und mehr als 3.000 Mitarbeiter von Kunden und Geschäftspartnern und unterstützten 1.578 Projekte in 127 Ländern. In Österreich haben Mitarbeiter von DHL Express Austria bereits zum vierten Mal in ihrer Freizeit am Sterntalerhof angepackt. Auch der jährliche Spendenscheck, dieses Mal über 11.000 Euro, wurde vor Ort überreicht. Seit 2011 ist der Expressdienstleister mit seinen Beschäftigten verlässlicher Partner des Kinderhospizes im Burgenland und nutzt jedes Jahr verschiedene Gelegenheiten, um Spenden zu sammeln. DHL Express (Austria) GmbH, Viaduktstraße 20, 2353 Guntramsdorf Tel.: 0820 550505, E-Mail: dhlat@dhl.com, www.dhl-express.at

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Themenschwerpunkt Nachhaltigkeit

Und so geht es… Wie lässt sich CSR im Unternehmen umsetzen. Fünf Projekte aus unterschiedlichen Handlungsbereichen zeigen, wie es geht! Text: Stephan Strzyzowski und Daniel Nutz

Bewusste Produktauswahl Beim technischen Händler Haberkorn ist man sich sicher: Nachhaltigkeit muss immer Teil des Kerngeschäftes sein. Leicht gesagt, doch in der konkreten Umsetzung eine extrem ambitionierte Ansage. Vor allem, wenn das Unternehmen die Verantwortung für die gesamte Supply-Chain aller Produkte übernimmt. Das ambitionierte Ziel: nur mehr nachhaltige Waren anbieten. Erreicht wurde es durch die stärkere Einbindung der Lieferanten und durch die Überprüfung des gesamten Sortiments. Um die Absicherung von Mindeststandards verbindlich zu machen, wurde ein eigener Code of Conduct entwickelt, dessen Einhaltung alle Lieferanten mit ihrer Unterschrift bestätigt haben. Und damit es nicht bei den guten Absichten bleibt, gibt es regelmäßige Gespräche sowie Audits. Weil es keine Analysemodelle für gesamte Sortimente gab, hat Haberkorn gemeinsam mit dem Österreichischen Ökologieinstitut einen strukturierten Screeningprozess für das Gesamtsortiment mit mehr als 200.000 Artikeln entworfen und umgesetzt. Das Ergebnis ist die Unterteilung des Sortiments in Chancen-, Standard- und Risikoprodukte mit dazu abgeleiteten Maßnahmen. Dadurch will man den Kunden mittelfristig in unterschiedlichsten Sortimentsbereichen Produkte anbieten, die „nachhaltiger“ sind. DAS ZIEL: nur nachhaltige Produkte anbieten DIE MASSNAHMEN: - einen Code of Conduct erarbeiten - das Sortiment checken - die Lieferanten laufend überprüfen

Grüne Mobilität

Als Service-Gärtner, der seine Dienstleistungen hauptsächlich am Land anbieten kann, war der Betrieb von Reinhard Sperr stets auf individuelle Mobilität angewiesen. So wurden mit vier bis sechs Mitarbeitern pro Jahr rund 55.000 Kilometer per PKW und LKW zurückgelegt. Die negativen Folgen für die Umwelt waren dem Gärtnermeister allerdings ein Dorn im Auge. Er wollte eine Lösung, um die Umweltbelastungen seines Dienstleistungsbetriebes auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Zunächst schaffte Sperr ein Firmenfahrzeug mit Erdgas-/ Biogas-Antrieb an. Aufgrund der positiven Erfahrungen im Bereich der Umweltverträglichkeit, aber auch der Wirtschaftlichkeit, setzte der Gärtnermeister in Folge einen weiteren, wesentlich größeren Schritt: Vier von fünf Fahrzeugen seines Fuhrparks wurden auf Elektroantrieb oder Biogas umgerüstet. Zwar war die Investition von mehr als 100.000 Euro keine Kleinigkeit für den Betrieb, der gerade mit einem FranchiseKomzept startet. Doch Sperr glaubt fest daran, den richtigen Weg zu gehen und will sich auch in Zukunft als Öko-Pionier positionieren. DAS ZIEL: ein umweltschonendes Mobilitätskonzept DIE MASSNAHMEN: - Anschaffung von Elektro- und Biogasfahrzeugen - Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel - Förderung von Fahrgemeinschaften - intelligente Routenplanung - ausschließlich regionale Auftragsannahme

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Innovative Müllvermeidung Die Verpackungs- und Papierindustrie ist seit jeher sehr ressourcenintensiv. Der internationale Konzern Mondi nimmt in der Branche eine Vorreiterrolle ein und zeigt, dass die Verankerung ökologischer Nachhaltigkeit auch ökonomisch sinnvoll ist. Gemeinsam mit der Umweltschutzorganisation WWF entwickelte man ein Arbeitsprogramm, das den Schutz und Wiederaufbau gefährdeter Ökosysteme umfasst, auf die sukzessive Verkleinerung des Wasser- und Klimafußabdrucks abzielt und die Optimierung der Umweltbilanz in der Produktproduktion forciert. Besonders innovativ zeigt sich die österreichische Tochter Mondi Frantschach. Am Kärntner Standort stellt man die benötigte Energie bereits selbst her und lässt auch mit Innovationen bei ressourcenschonenden und recycelbaren Produkten aufhorchen. Aktuelles Beispiel: Durch die Wiederverwertung des Abfallproduktes Grünlaugenklärschlamm werden Reststoffe im Werk in Frantschach mittlerweile zu nahezu 100 Prozent wiederverwertet. Letztendlich reduziert das auch die Kosten im Herstellungsprozess.

DAS ZIEL: ressourcen- und umweltschonende Produktion DIE MASSNAHMEN: - Forcierung von Ressourceneffizienz, Recycling und Langlebigkeit von Produkten - effiziente Nutzung der Ressourcen im Herstellungsprozess - Verantwortung übernehmen durch Projekte für das Ökosystem

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Starke Impulse für die nachhaltige Immobilienwirtschaft Die Österreichische Gesellschaft für nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI) ist der Motor der nachhaltigen Bau- und Immobilienwirtschaft und prägt in Österreich den Paradigmenwechsel hin zur Nachhaltigkeit. Die ÖGNI wurde 2009 von Unternehmen und Institutionen der Bauund Immobilienwirtschaft mit dem Ziel gegründet, den Paradigmenwechsel der Branche hin zur Nachhaltigkeit zu ermöglichen. Beweggrund ist der Umstand, dass die Bau- und Immobilienbranche

für 50% der Ressourcen, 40% der Energie und 30% der Emissionen verantwortlich ist – darüber hinaus ist die Vermeidung des Sick Building Syndroms Motivation für die Aktivitäten. Die ÖGNI setzt auf den 3-P-Ansatz bestehend aus Produkten, Prozessen und Personen und fokussiert auf die Lebenszyklus-Betrachtung im Zusammenhang mit dem Dreiklang aus Ökologie, Ökonomie und Sozio-Kulturellem. Die über 300 Mitglieder und 400 Experten der ÖGNI erarbeiten partnerschaftlich, ergebnisorientiert und international vernetzt Empfehlungen, Kodices und Leitfäden, dabei integriert der Verein alle Stakeholder der Bau- und Immobilienbranche: vom Bauherren, Nutzer, Planer, Projektentwickler, Investor, Bewerter, Baustoffhersteller, Asset- bis zum Facility Manager. Als Produkte bietet der Verein u.a. internationale Zertifizierungen für Blue Buildings (nachhaltige Gebäude), EPD’s für Baustoffe und ethische Unternehmenszertifizierungen an. Hierfür wurden Grundlagen entwickelt, die es den Unternehmen ermöglichen, durch Corporate Governance, Compliance Management und Corporate Social Responsibility (CSR) umfassend nachhaltig zu agieren.

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Themenschwerpunkt Nachhaltigkeit

Neue Arbeitsmodelle

Bei Schmuck und Uhren Habenicht in Klagenfurt braucht man keine Personalexperten, um zu erkennen, was ein Unternehmen bieten muss, um für seine Mitarbeiter attraktiv zu sein. Personal ist im 20-Mitarbeiter-Betrieb Sache der Chefin Ute Habenicht. „Zu unserem Erfolgsrezept gehören gegenseitige Wertschätzung, Zusammenarbeit der Generationen und gemeinsames Feiern“, sagt sie. Hinsichtlich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie legt man sich selbst die Latte hoch und setzt somit eine Benchmark für viele Kleinbetriebe, die diesem Weg folgen wollen. Seit 2003 nimmt man übrigens schon am Audit „Beruf und Familie“ teil. Konkret fördert man die durchwegs weibliche Belegschaft mit neuen Arbeitsmodellen. Beispielsweise: Teilzeit während des Studiums, Altersteilzeit, Möglichkeiten externer Berufserfahrung oder Sabbaticals. Zudem werden über den Betrieb laufend Kinderbetreuungsmodelle vorgestellt und die Mitarbeiterinnen bei der Suche und der Organisation der Betreuung unterstützt. Dabei kooperiert man mit Babysitterdiensten, Feriencamps oder bietet eine betriebsinterne Tauschbörse für Betreuungsdienste an. DAS ZIEL: Vereinbarkeit Beruf und Familie DIE MASSNAHMEN: - Zielgespräche unterstützen mittel- und langfristige Lebens- und Karriereplanung - flexible und individuelle Arbeitsmodelle - Schaffung von Kinderbetreuungsmöglichkeiten

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Ein faires Produkt Hinsichtlich sozialer und ökologischer Verantwortung stellt die Handy-Industrie so etwas wie den Ground Zero dar. Die holländische Initiative Fairphone suchte über Crowdfunding Investoren, gründete eine Firma und versuchte das schier Unmögliche: ein unter fairen Bedingungen hergestelltes Smartphone auf den Markt zu bringen (wir berichteten in die WIRTSCHAFT 9/2013). Eins vorweg: Das Unterfangen konnte nicht gänzlich umgesetzt werden. Trotz aller Anstrengungen war es nicht möglich, alle für ein Smartphone notwendigen Komponenten aus sozial und ökologisch vertretbaren Quellen zu beziehen. Das seit Frühling erhältliche Produkt ist nur so fair wie derzeit möglich. Ist das Projekt deshalb gescheitert? Mitnichten. Fairphone brachte das Thema Nachhaltigkeit in der Handyproduktion in die Öffentlichkeit und wurde von Vorbestellungen überhäuft. Die erste Marge von 25.000 Stück ist längst vergriffen, und die Verkaufszahlen übertrafen die Kalkulationen letztlich um mehr als das Fünffache. So gesehen ist Fairphone eine der spektakulärsten Startup-Storys der letzten Jahre. Die Tür für die bereits Schlange stehenden Investoren ist dennoch zu. „Wir versuchen Schritt für Schritt zu wachsen und wollen die Idee hinter dem Produkt erhalten“, so FairphoneGründer Bas van Abel. DAS ZIEL - ein rundum faires Produkt zu schaffen DIE MASSNAHMEN: - Investoren über Crowdfunding suchen - Zusammenarbeit mit Initiativen wie „Solutions for Hope“ bei der Suche nach ethisch korrekten Lieferanten - Ein Produkt entwickeln, in dem Einzelkomponenten austauschbar sind und durch das weniger Sondermüll entsteht


Academia Philos

ophia

Ein paar klare Worte, bitte!

Bernd Waß wil l Unternehmer und Manager …

… zum Nachdenken anstiften ...

... und gründete deshalb das Institut für Philosophi e und Management in Wien .

Diesmal zum Thema: Philosophie und Management Schnelles Handeln und Problemlösung zeichnen gute Manager aus? Blödsinn, sagt Bernd Waß, genau diese Handlungswut führe in die Krise. Wir fragten nach. Interview: Daniel Nutz

„Die Philosophie ist eine ausgezeichnete Schule des Denkens, die ich den Managerinnen und Managern empfehle zu durchlaufen. Nicht um zu lernen, wie man ein Unternehmen führt, sondern als Ergänzung zu bereits ausgebildeten Managementkompetenzen und als Erweiterung des persönlichen Denkhorizonts. Auf diese Weise könnten nämlich Manager zu in sich ruhenden, reflektierten und in großen Zusammenhängen denkenden Handlungsagenten werden.“ „À la longue gibt es ohnehin keinen Ausweg: Wir brauchen eine Kultur des Nachdenkens. Die Wirtschafts- und Geldkrise, die noch immer nicht überwunden scheinen, sind Kollateralschäden einer Kultur des Handelns, die gegenwärtig Hochkonjunktur hat. Ich glaube aber, dass das Zeitalter der Handlungswut ausklingen wird, denn sie kostet den Unternehmen letztlich wesentlich mehr, als sie vordergründig davon haben.“ „Stellt man dem Management die Philosophie und das philosophische Denken gegenüber und räumt man die schwerwiegendsten Vorurteile aus, so kommt man sehr rasch zu der Einsicht, dass Philosophie und Management in vielerlei Hinsicht komplementär sind: Management ist lösungsorientiert, Philosophie ist problemorientiert. Management

ist handlungsorientiert, Philosophie ist am reinen Denken orientiert. Management ist praktisch, Philosophie ist theoretisch. Beides für sich allein genommen ist in wirtschaftlichen Kontexten unbrauchbar. Handeln ohne Verstehen ist blind. Verstehen ohne Handeln bleibt wirkungslos. Ich plädiere daher für einen Brückenschlag zwischen diesen beiden Disziplinen.“ „Wir brauchen eine Verknüpfung zwischen Denken und Handeln. Die Qualität unserer Handlungen ist nämlich radikal abhängig von der Qualität unseres Denkens. Das liegt daran, dass Handlungen keine Ursachen haben, sondern Gründe. Vernünftige Handlungen sind daher nicht das Ergebnis autonomer, gesetzmäßiger Abläufe, sondern sie ruhen auf den jeweiligen Gründen, die wir dafür haben. Zu diesen Gründen aber kommen wir, indem wir über die Dinge nachdenken, und je besser die Gründe sind, je klarer sie vor uns liegen und je behutsamer wir sie abgewogen haben, desto wirkmächtiger werden unsere Handlungen sein. Strenges, nach logischen Prinzipien geleitetes Nachdenken, das Herausheben von Gründen, die Klärung von Problemen und das Ordnen komplexer Zusammenhänge, das ist nun über weite Strecken das Geschäft der Philosophie.“

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Böck macht Schluss

Von Zombies umzingelt In Wien, der Welthauptstadt des Todes, treiben naturgemäß auch viele Zombies ihr Simon Jappel/REM:BRAND

Unwesen. Wo viel Tod, da viel Untod. Erst neulich war einer bei mir in der Wohnung. Er gab sich als Installateur aus. Ich hab es erst gemerkt, als er sich bereits im Bad befand und sich an der Armatur zu schaffen machte. Seine Arbeitskleidung war verrutscht und gab den Blick auf seine angefaulte, offene Wirbelsäule frei. Ich reagierte sofort, holte den langen, metallenen Schuhlöffel aus der Garderobe und schlug ihm damit von hinten den Kopf ab. War eine ziemliche Sauerei! Allerdings ist ein präzise abgetrennter Zombiekopf immer noch besser als die alte Methode, einen Pflock ins Herz zu treiben. Damit hab ich keine guten Erfahrungen gemacht, denn man kann nie ganz sicher sein, ob man auch richtig trifft. Tut man das nicht, bleibt die Kreatur untot, was zu bösen Überraschungen, noch mehr Sauerei in der Wohnung und hohen Entsorgungskosten führen kann. Ich pflege erledigte Zombies sofort zu verbrennen. Das ist auch im Sinne der Allgemeinheit am sichersten, aber nicht jeder hat einen Garten mit einer geeigneten Feuerstelle. Außerdem ist die Geruchsbelästigung einigermaßen intensiv, es sei denn, man verwendet Kerosin. Das Flugbenzin ist zwar schwer zu bekommen, aber unschlagbar praktisch. Extrem rasche Brandentwicklung, kaum Rückstände, geringe Rußbelastung. Unterwegs bin ich ja vom direkten Angriff etwas abgekommen, vor allem dann, wenn keine Gefahr im Verzug ist, oder wenn ich ein Restrisiko sehe, dass es sich doch um einen Lebenden handelt. Der Zombie neulich an der Schwimmbadkassa zum Beispiel, war einfach nicht klar genug zu erkennen. Da bleib ich dann relativ cool, und geh weiter. Gut, das ist jetzt nicht gerade sozial gedacht, aber ich kann die Stadt bitte nicht im Alleingang von Zombies befreien. Anders ist das bei Situationen, die eine gewisse Geistesgegenwart und vor allem entschlossenes Handeln erfordern. Schlimm genug, dass viele Menschen entweder nicht in der Lage sind, Bedrohungen richtig einzuschätzen, oder einfach ihre Ruhe haben wollen. Kürzlich gelang es mir, einen Zombie unter den Wartenden am U-Bahn-Bahnsteig auszumachen. Aus seinem rechten Hosenbein tropfte brauner Schleim. Ich stieß ihn vor den einfahrenden Zug und ärgerte mich, dass offenbar keiner der umstehenden Passanten auf dieselbe Idee gekommen wäre. Um ein Haar wäre der Zombie also in die U-Bahn eingestiegen und was das bedeutet, haben viele Öffi Fahrer schon öfter erlebt. Dann wird schnell der ganze Waggon zum Tollhaus, dass die Fetzen fliegen. Die Untoten im urbanen Bereich versuchen zunehmend durch Anpassung unentdeckt zu bleiben und unterzutauchen. Dieser Trend wird uns noch vor einige Probleme stellen. Gerade sitzt man noch in einem Meeting und denkt an alles Mögliche, nur nicht an anwesende Zombies, schon findet man sich im Nahkampf wieder und muss eine dieser Bestien niederringen. Peinlich, wenn das bei Kunden passiert und die vermeintliche Marketingleiterin plötzlich Hunger auf Menschenfleisch bekommt. Das hab ich übrigens selbst erlebt und nur dank eines Feuerlöschers und 220 Volt aus dem Beamerkabel unbeschadet überstanden, sieht man einmal von meinem Sakko ab. Immer mehr Zombies kommen heute in regulären Jobs unter, weil Arbeitgeber einfach zu wenig aufpassen. Ein Restaurantbesitzer wollte mir partout nicht glauben, dass einer seiner Kellner ein Zombie war. Erst als ich diesem zum Beweis ein Ohr abriss, wachte er auf. Den Rest erledigte der Koch, aber die Lust auf Essen war mir da schon vergangen. Für einen kleineren oder mittelständischen Betrieb können Zombies einen beträchtlichen Schaden verursachen, bleiben Sie daher auf der Hut.

Stefan Böck ist Chefredakteur des Österreichischen Wirtschaftsverlags und nimmt sich kraft seines Amtes heraus, die letzte Seite mit seinen verqueren Gedanken zu füllen. Schreiben Sie ihm: s.boeck@wirtschaftsverlag.at

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Eine Initiative der gewerblichen Immobilienwirtschaft


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2014

Das Magazin des Ă–sterreichischen Wirtschaftsverlags

Verantwortungsvoll seit 1945

Geld

Nur Profite zu machen reicht nicht mehr aus. Unternehmer sollen auch verantwortungsvoll handeln.

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P. b. b., Retouren an PF555, Wien, die wirtschaft Nr.1008 6 | Juni '14 Zul.-Nr. GZ 02Z030737 M Postnummer 5 www.wirtschaftsverlag.at


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Geld Nur Profite zu machen reicht nicht mehr aus. Unternehmer sollen auch verantwortungsvoll handeln.

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Nur Profite zu machen reicht nicht mehr aus. Unternehmer sollen auch verantwortungsvoll handeln.

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Die Wirtschaft 06/14  

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