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2014

Das Magazin des Ă–sterreichischen Wirtschaftsverlags

Verantwortungsvoll seit 1945

Die Guten Nur Profite zu machen reicht nicht mehr aus. Unternehmer sollen jetzt auch verantwortungsvoll handeln. Geht das gut?

P. b. b., Retouren an PF555, 1008 Wien, Zul.-Nr. GZ 02Z030737 M Postnummer 4 www.wirtschaftsverlag.at


Die Guten

Der Präsident von Ärzte ohne Grenzen im Interview Ärzte ohne Grenzen kommt in Krisenländer, wenn Diplomaten diese längst schon verlassen haben. Reinhard Dörf linger und sein Team setzen sich dann für jene Menschen ein, die dringend auf medizinische Hilfe angewiesen sind. Ist man als Präsident eigentlich noch selbst im Auslandseinsatz? Seit ich 2006 die Präsidentschaft übernommen habe, mache ich keine klassischen Auslandseinsätze mehr, sondern Projektbesuche. Unter anderem führten mich diese nach Mosambik, Honduras, Guatemala, Niger, Myanmar, Libanon, Guinea, Mexiko und Haiti. Mein letzter Einsatz als sogenannter Field Doctor war 2005 bei der Ernährungskrise im Niger. Klingt nach einer schwierigen Aufgabe. Womit wurden Sie damals konfrontiert? Mit akut unterernährten Kindern. Dort habe ich wie nie zuvor Kinder auf der Intensivstation sterben gesehen, trotz unserer umfassenden medizinischen Bemühungen. Einen weiteren herausfordernden Einsatz erlebte ich 1994 in Ruanda. Nach dem Genozid war die Arbeit mit geflüchteten Hutu-Familien in Butare extrem schwierig: aufgrund der mentalen Präsenz der hunderttausenden Opfer und aufgrund des Wis-

sens, dass viele meiner dortigen Patienten an den Tötungswellen beteiligt gewesen waren. Worauf muss man sich gefasst machen, wenn man bei Ärzte ohne Grenzen mitmacht? Wir bieten eine Absicherung mit Sozialversicherung und einer Auf­ wands­entschädigung. Man wird bei uns nicht reich an Geld, sondern reich an Erfahrungen und Erlebnissen. Man muss mit Erschöpfung rechnen, wenn alles zu langsam geht, und mit Freude, wenn die Anstrengungen und Mühen Leben retten. Man bekommt extrem positives Feedback von den Patienten und Familien, kommt aber auch in Situationen, die man im europäischen Alltag nicht sieht und die die eigene Sicht und den eigenen Horizont langfristig ändern und prägen. Wie lässt sich Ihre ehrenamtliche Tätigkeit mit Ihrem Hauptberuf als niedergelassener Arzt verbinden? Sehr gut. Meine Arbeit als Haus- und Familienarzt ist die Grundlage meiner beruflichen Identität, und meine 30-jährige klinische Erfahrung im Umgang mit Patienten und Patientinnen ist sehr hilfreich. Ich widme etwa ein Fünftel meiner Zeit für die Leitung des Vorstands und für die Arbeit im Büro von Ärzte ohne Grenzen.

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Inhalt Coverschwerpunkt: Die Guten Der Präsident von Ärzte ohne Grenzen im Interview / Vier Fragen zum Wirken seiner Organisation.............................. 3 Die Guten / Profite machen und nebenher die Welt retten ........................................................................................................................................... 8 Harald Koisser macht Mut / Die Lehre der Osterinsel ................................................................................................................................ 14 Ein paar klare Worte, bitte! / Harald Welzer über die Post-Wachstumsgesellschaft............................................................................... 16 „Wir haben kein Wachstumsziel“ / Oikocredit-Präsident Friedhelm Boschert im Interview ............................................................. 18 Zeit für einen Wechsel? / Wann sich ein Wechsel der Mitarbeitervorsorgekasse lohnt ............................................................................ 20 Persönlich gefragt / Brigitte Ederer erklärt, wie man sich treu bleibt ............................................................................................................... 24 Moralisch verwerflich / Warum der Staat ein schlechter Schuldner ist ...................................................................................................... 26

Gemälde des heiligen Franz von Assisi von Ludovico Cigoli, 1559-1613

Wie ich Kraft tanke / Großbäcker Kurt Mann geht laufen................................................................................................................................. 28 Handel mit dem Ausland / Fakten zu Importen und Exporten auf einen Blick ......................................................................................... 30 Nichts für Feiglinge / Zwei KMU zeigen, wie man heikle Importfragen löst ................................................................................................... 32 Offenbachers Asphaltgeschichten / Der Honda Accord Tourer im Test............................................................................................. 36 Lade-Lifestyle für Unternehmer / Pick-ups als Alternative für den Fuhrpark ..................................................................................... 37 Ein Schreibtisch auf Reisen / Worauf Unternehmer bei der Übersiedelung achten müssen................................................................ 40 Gute Mails schreiben / Eine Anleitung zur perfekten E-Mail.......................................................................................................................... 44 Besser als ein Algorithmus / Überlebensstrategien des stationären Buchhandels................................................................................ 46 Geschäftsidee des Monats / Gemüse aus dem Bunker................................................................................................................................ 49 Ein Stück Wien in Lissabon / Zwei Österreicher exportieren Wiener Kaffeekultur................................................................................. 50 Bewegung von unten / Genossenschaften als Wirtschaftsmodell der Zukunft?........................................................................................... 52 Vergelts Gott! / Vermögenstipps von Altabt Gregor Henckel-Donnersmarck ...................................................................................................... 54 Böck macht Schluss / Abziehbilder ..................................................................................................................................................................... 58

IMPRESSUM Medieninhaber, Herausgeber und Verleger: Österreichischer Wirtschaftsverlag GmbH, Grünbergstraße 15/1, A-1120 Wien, T (+43 1) 546 64-0, F (+43 1) 546 64-528, Geschäftsführer: Thomas Zembacher, DVR-NR.: 0368491, Chefredaktion Österreichischer Wirtschaftsverlag Gesamtleitung: Stefan Böck, (sb), T (01) 546 64 – 380 E s.boeck@wirtschaftsverlag.at, Chefredakteur: Stephan Strzyzowski, (str), T (01) 546 64-381 E s.strzyzowski@wirtschaftsverlag.at, Chef vom Dienst: Daniel Nutz, (dn), T (01) 546 64-388 E d.nutz@wirtschaftsverlag.at, Redaktionelle Mitarbeit: Florian Gasser, Alexandra Rotter, Heinz Erdmann, Clemens Rosenkranz, ­Hannes Offenbacher, Harald Koisser, Gregor Josel, Michael Riedmüller, Fotos: Richard Tanzer, Thinkstock, Anzeigenverkauf: Erhard Witty, T (01) 546 64–283, E e.witty@wirtschaftsverlag.at, Nina Grünauer, T (01) 546 64–282, E n.gruenauer@wirtschaftsverlag.at, Anzeigenservice: Renate Weber, T (01) 546 64-482, E r.weber@wirtschaftsverlag.at, Grafik Design: Antonia Stanek, Sibylle Exel-Rauth, Illustration: Barbara Rettensteiner, Silvia ­Ungersböck, Hersteller: Berger Ferdinand und Söhne GesmbH, 3580 Horn, www.berger.at, Aboservice: Aboservice Österr. Wirtschaftsverlag, T +43/1/361 70 70-570, F +43/1/361 70 70-9570, E aboservice@wirtschaftsverlag.at • www.die-wirtschaft.at • http://www.facebook. com/diewirtschaft • Aus Gründen der ­Textökonomie verzichten wir auf geschlechtsspezifische Formulierungen.

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Gut, besser, Pickerl „Was spricht ­dagegen, etwas Gutes zu tun, auch wenn keiner zuschaut?“

Seit einiger Zeit klebt er direkt vor meiner Nase auf meinem PC. Grün, auf-

Nicole Kidman

auszudrucken. Ähnliche Sticker findet man auch an anderen Stellen bei uns

dringlich, lästig – und er erinnert mich ständig. Dieser runde Aufkleber mit der Aufschrift „CSR, Oida!“. Woran er mich erinnern soll? Daran, gut zu sein natürlich. Und gut heißt in diesem Zusammenhang zum Beispiel, beidseitig im Verlag. Sogar auf der Toilette wird man neuerdings daran gemahnt, das Richtige zu tun. Das ist jetzt eventuell erklärungsbedürftig: Also, am stillen Örtchen fordert uns ein Pickerl mit der Aufschrift „Nimm nur eines, so groß sind deine Hände nicht“ dazu auf, sparsam mit den Einwegtüchern umzugehen – der Umwelt zuliebe. Eine wirklich sinnvolle Maßnahme, solange nicht irgendwann Ähnliches auch für das Klopapier gilt. Selbst die Blumen, die Mitarbeiter zum Geburtstag bekommen, sind mittlerweile mit bunten Stickern versehen. Sie sagen uns, dass diese fair gehandelt wurden. Bestickert werden auch die Buffets unserer Green-Events. Damit wir die Brötchen mit gutem Gewissen und im Bewusstsein verdrücken können, dass auch sie so CO2-neutral, nachhaltig und von Grund auf gut sind, wie es bei Brötchen nur möglich ist. Übertroffen werden all die Sticker in puncto Auffälligkeit nur noch von unseren knallbunten neuen Mistkübeln, die Mülltrennung in Kategorien erlauben, die zumindest mir davor völlig unbekannt waren. Warum aber die ganzen Sticker? Wieso dieses beharrliche, mitunter nervige Hinweisen auf CSR-Maßnahmen? Die Antwort ist einfach: Auch wenn wir noch so gut sein wollen, vergessen wir ohne ständige Erinnerung nur allzu rasch darauf. Denn gut zu sein ist manchmal auch unbequem und macht echt Arbeit. Ich weiß das, weil ich in beinahe jede CSR-Arbeitsgruppe unseres Hauses eingebunden bin. Und auch deswegen, weil ich eigentlich alles andere als der Prototyp des Ökoschlapfenfundis bin, der morgens automatisch feministisch sensibilisiert aufwacht, um dann über jeden moralischen Zweifel erhaben mit linksgedrehtem Biojoghurt durch den Tag zu radeln. Leider! Warum ich all die Pickerln trotzdem richtig gut leiden kann? Weil sie mir dabei helfen, zumindest ein paar Mal am Tag das Richtige zu tun. Und wenn man sich schon damit abgefunden hat, dass man in dieser Inkarnation nicht mehr zur Mutter Teresa wird, fühlt sich das richtig gut an. Ihr Stephan Strzyzowski, Chefredakteur s.strzyzowski@wirtschaftsverlag.at

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Die Guten Unternehmen sind nicht nur dazu da, Profite zu machen. Sie sollen auch verantwortungsvoll handeln. Diese Erkenntnis verändert die Unter­ nehmenswelt. Doch lässt sich soziale und öko­ logische Nachhaltigkeit mit betriebswirtschaft­ lichen Faktoren unter einen Hut bringen? Text: Daniel Nutz

Der Wahnsinn muss ein Ende haben, dachte sich Lisa Muhr und wurde deshalb Unternehmerin. Das ist sieben Jahre her. Gemeinsam mit drei Mitstreitern gründete sie damals das Modelabel „Göttin des Glücks“. Den buchstäblichen Wahnsinn sah sie in den weitverbreiteten Produktionsbedingungen der Textilindustrie, in Ausbeutung von Mensch und Umwelt. Die Frage, die sie sich stellte, lautete: Kann man es anders machen? Die Tatsache, dass Muhr heute im eigenen Flagshipstore nahe der Wiener Einkaufsmeile Mariahilfer Straße steht, gibt die Antwort: Man kann. Im kleinen, aber schicken Geschäft werden – wie über andere Handelspartner auch – selbstdesignte Kollektionen von unter fairen Umwelt- und Sozialstandards hergestellten Textilien verkauft. Rund 30.000 Stück sind es im Jahr. Keine Sensationsstory, aber doch eine kleine unternehmerische Erfolgsgeschichte. „Wir wollen auch anderen Mut machen, indem wir zeigen: ‚Schaut her, es geht‘“, sagt Muhr, die „Göttin des Glücks“ gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner Igor Sapic führt.

Die „Guten“ sind auf dem Vormarsch „Göttin des Glücks“ ist nur ein Beispiel für eine Gattung von Unternehmen, die in letzter Zeit immer mehr von sich reden machen. Es sind die Geschichten des Schuhherstellers Heini Staudinger, des Schokolatiers Josef Zotter oder des Teeproduzenten Sonnentor, die die Zeitungen füllen. Sie alle eint sozial, ökologisch und ökonomisch verantwortungsvolles Handeln. Was dahinter steckt, erklären Soziologen und Zeitungskommentatoren mit der Suche nach Werten, die gerade seit der Krise unseres Finanz- und Wirtschaftssystems verstärkt auftritt. Die Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ wollte unlängst erkannt haben, dass christliche Moralvorstellungen verstärkt ins Management zurückkehren. Die Wirtschaftsredaktion der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ untersuchte den positiven Einfluss der Liebe auf die Marktwirtschaft. Der Konsens dieser Überlegungen: Wirtschaften ist heute mehr als reine Zahlenakrobatik. Kunden und Mitarbeiter passen nicht ins Schema des „Homo oeconomicus“. Und der verantwortungsvolle Umgang mit

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„Der Druck der aus Öffentlichkeit auf die Unternehmen wird größer.“

menschlichen und ökologischen Ressourcen wird zur Aufgabe der Unternehmen. Reinhard Altenburger, Die in den frühen 1970er-Jahren aufgeWirtschaftsprofessor an der FH Krems stellte Doktrin des amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlers Milton Friedman, wonach die einzige gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmertums darin liege, Profite zu machen, gerät also zunehmend ins Wanken. Der an der Fachhochschule Krems lehrende Wirtschaftsprofessor Reinhard Altenburger sieht einerseits die steigende Bedeutung der Ökologiebewegung, andererseits den Ruf nach Veränderung seit der Finanzkrise als zentrale Faktoren, welche die Bedeutung von unternehmerischer Verantwortung erhöhen. „Der Druck aus der Öffentlichkeit auf die Unternehmen wird größer“, erklärt der Professor. Dabei spielt die rasante Verbreitung von Inhalten über Social-Media-Netzwerke eine bedeutende Rolle. Durch das gezielte Anprangern von Missständen über Onlinemedien haben Nichtregierungsorganisationen schon so manchen Konzern in die Bredouille gebracht. Ein Beispiel ist die von Greenpeace initiierte Detox-Kampagne gegen Missstände in der Textilindustrie. Viele Konzerne beugen vor, indem sie Programme für Corporate Social Responsibility (CSR), wie unternehmerische Verantwortung und nachhaltiges Wirtschaften in der BWL-Sprache heißt, gründen. Manche Branchen wie etwa der Lebensmittelhandel spielen hier eine gewisse Vorreiterrolle. Aber letztendlich müsse jede Branche ihren eigenen Zugang zu einem nachhaltigen Unternehmertum finden, sagt Altenburger.

Nachhaltigkeit wird Teil des Geschäftskonzepts Unternehmerische Verantwortung gegenüber der Gesellschaft ist keineswegs etwas Neues. „Das philanthropische Unternehmertum war etwa in den USA im 19. Jahrhundert bereits stark ausgeprägt“, erklärt Altenburger. Der Unterschied zum heutigen Diskurs? Früher ging es

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Die Raiffeisenbank Lech am Arlberg stellt so etwas wie die Speerspitze des nachhaltigen Unternehmertums in der ­Finanzwirtschaft dar.

darum, einen Teil des Gewinns für das Gemeinwohl zu verwenden, egal untersuchte, waren etwa die Waldviertler Druckerei Janetschek oder die wie dieser zustande kam. Heute verfolge man den Ansatz, nachhaltiMurauer Brauerei. Ein Beispiel, wie CSR sogar in der vielgescholtenen ges Wirtschaften bereits ins Geschäftskonzept zu integrieren. ErfolgsBankenlandschaft funktionieren kann, findet sich bei einer kleinen beispiele, die zeigen, wie aus CSR-Maßnahmen Innovationen werden, Regionalbank in Vorarlberg. hat Altenburger übrigens in einem im vergangenen Jahr erschienenen Buch zusammengefasst. Dort zu finden sind Firmen, deren StraNachhaltige Finanzwirtschaft tegie darin besteht, Nachhaltigkeit über den gesamten Produktzyklus Dass die Welt in Lech am Arlberg anders tickt, weiß jeder, der schon einmal dort war. Im Winter tummeln sich hier gutbetuchte Skitouristen, sicher zu stellen. Ein Beispiel ist Palfinger: Der Salzburger Produzent im Sommer und Herbst ist wenig von Hebe-Lösungen fokussiert bei und im Frühling ist gar nichts los. seinen Produkten beispielsweise auf Bei der ansässigen Raiffeisenbank eine möglichst lange Lebensdauer Lech hat man aus der Vertrauenskriund wenig Verbrauch von Treibstoff se der Finanzbranche seine eigenen und Schmieröl. Entwickelt wird in Schlüsse gezogen. Als erste Bank des Abstimmung mit den Kunden. Landes erstellte der 30 Mitarbeiter „Der Dialog mit den Stakeholdern zählende Mittelständler eine sogezahlt sich oftmals aus, weil der Martin Jochum, Raiffeisenbank nannte Gemeinwohlbilanz. Dabei Innovationsprozess offener wird“, Lech am Arlberg wird das verantwortungsvolle Hanerklärt Altenburger. Meistens stehen bei seinen Untersuchungen deln eines Unternehmens in mehreren Kategorien evaluiert und mit die Bemühungen von Konzernen Kennzahlen versehen. Die Gemeinwohlbilanz reicht weit in die unterim Fokus, gibt er zu: „Wenn die US-Supermarktkette Walmart mit zwei nehmerische Struktur und bewertet ökologische Faktoren sowie Taten Millionen Mitarbeitern etwas umsetzt, sind die Hebel und die Wirkung für das Gemeinwesen über Mitarbeiterförderung und -beteiligung bis natürlich enorm.“ Wiewohl seiner Erfahrung nach gerade viele eigentümergeführte KMU aus ihrer unternehmerischen DNA heraus veranthin zu einer gemeinwohlorientierten Gewinnausschüttung. Kritikern – wortungsvoll agierten, dies aber oft nicht strukturell und strategisch etwa aus der Wirtschaftskammer – geht jedoch der Einfluss in die unternehmerische Souveränität allerdings zu weit. umsetzten. KMU, die Altenburger bei der strategischen Umsetzung

„Verantwortung gegenüber der Region sowie der Natur wie auch den Mitarbeitern und Geschäftspartnern sei schon immer im Geschäftsgebaren gewesen.“

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Welche Dimensionen des verantwortungsvollen Wirtschaftens gibt es? Markt • Verantwortungsvolles Handeln gegenüber Marktteilnehmern • Steigerung der Produktqualität und Sicherheit • Zeitnahe Begleichung von Forderungen • Faire Preisgestaltung • Ethikbewusstes Marketing Umwelt • • • •

Schonender Ressourcenverbrauch Entwicklung umweltschonender Produkte Öko-Check bei den Zulieferern Reduktion von Abfall und Emissionen

Lohnt sich nachhaltiges Wirtschaften?

Mitarbeiter • • • •

Chancengleichheit, Vielfalt und offene Kommunikation Vereinbarkeit von Beruf und Familie Faire Entlohnung und Weiterbildungsmöglichkeiten Verbesserung der Arbeitsbedingungen

Gesellschaft • Verbesserung der lokalen Infrastruktur • Soziale Integration • Gesellschaftsunterstützende Maßnahmen Quelle: Metastudie: Nachhaltiges Wirtschaften, Österr. Wirtschaftsverlag, KMU Forschung 2014

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Doch der für die Erstellung der Gemeinwohlbilanz der Raiba Lech zuständige Martin Jochum hält argumentativ dagegen: „Die Sache passt sehr gut zu unserem Handeln und schränkt uns nirgends ein. Verantwortung beginnt bei der Raiba Lech bei umweltfreundlicher Anschaffung und endet bei Beratung, bei der wir keine Produkte empfehlen, die auf schnellen Gewinn aus sind“, sagt er. Ein hoher Grad der Verantwortung gegenüber der Region sowie der Natur wie auch den Mitarbeitern und Geschäftspartnern sei schon immer im Geschäftsgebaren gewesen, so Jochum weiter. Laut eigenen Angaben habe die Regionalbank durch seine Aktivitäten den Zulauf von Kunden erhöht.

Verantwortungsvolles Unternehmertum kann also Wettbewerbsvorteile verschaffen, neue Kunden bringen und ein Motor für Innovation sein – das zeigen etwa Studien des Instituts für nachhaltiges Wirtschaften der Wiener Wirtschaftsuniversität. Doch es kann auch zu schlaflosen Nächten führen. Weil dadurch oft höhere Kosten entstehen und man bei Ausschreibungen und Bieterverfahren womöglich den Kürzeren zieht. Folglich gibt es auch Kritiker und Mahner, die nachhaltiges Wirtschaften als vorübergehenden Trend auffassen, der den Unternehmen am Ende nur Sorgen bereite. Nach dem Motto: Wenn schon die staatlichen Regulatoren das Wirtschaften erschweren, soll man sich nicht durch

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Lisa Muhr setzt gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner Igor Sapic seit sieben Jahren auf faire Mode, mit der die beiden jährlich rund eine Million Euro umsetzen.

freiwillige Sozial- und Umweltstandards selbst noch mehr einschränken. Könnte es also sein, dass die Anhänger der extrem wirtschaftsliberalen Sichtweise Milton Friedmans bald wieder Oberwasser bekommen?

zur Kernaufgabe unserer Organisation. Wir sehen uns vielmehr in diese Rolle gedrängt. Weil die Politik nicht handelt.“ Grund zum Handeln gebe es freilich genug. Das zeigen allein schon die Prognosen des jüngsten Weltklimaberichts, der vor irreparablen Folgen durch die ErderDie Uhr tickt wärmung warnt. Das Dilemma der politischen Entscheidungsträger Im Büro der Umweltschutzorganisation WWF in Wien-Ottakring sitzt ist klar. Die Frage lautet: Wie gut lässt sich ökologische Nachhaltigkeit, Thomas Kaissl, der genau das verhindern will. Der Leiter des Programms die auf Klima- und Ressourcenschonung ausgerichtet ist, mit sozialer für Unternehmenskooperationen knallt Papiere mit ungemütlichen und ökonomischer Nachhaltigkeit, die den Wohlstand absichern und Fakten den Tisch. „Die Umweltsituation ausbauen soll, überhaupt vereinen? Die liegt im Argen. Für die großen Probleme aktuelle Diskussion über Abwanderungsdrohungen der ober­österreichischen Vorwie Energie- und Ressourcenknappheit zeigeunternehmen Voest und RLB Oberöund den Klimawandel gibt es nach wie vor sterreich wegen der hohen Energiepreise keine Lösung“, sagt er. Über Kooperationen mit Großunternehmen versucht seibeziehungsweise wegen der Bankenabne NGO deshalb, deren Umweltbilanz zu gabe zeigt die Problematik deutlich auf. verbessern. Dabei arbeitet man mit KonWerden strengere Rahmenbedingungen Thomas Kaissl, Leiter der zernen wie Ikea oder aus der Banken- und hinsichtlich der Umwelt- und sozialen ­Unternehmenskooperationen beim WWF Versicherungsbranche zusammen. UnterStandards eingeführt, drohen Konzerne nehmen, die auf den ersten Blick oft nicht damit, sich diesen durch Abwanderung viel mit Nachhaltigkeit zu tun haben. Das stößt auf Kritik. Den Konzerzu entziehen. Letztlich würden nur die weniger flexiblen KMU unter nen werde durch die WWF-Kooperation beim Greenwashing geholfen, die strengere Gesetzeslage fallen, so die Befürchtung. wird bemängelt. Kaissl widerspricht, indem er darauf hinweist, dass mit Konkrete Förderstrategie fehlt jedem Partnerunternehmen „robuste und konkrete Umweltziele“ vereinbart werden und aufgrund der großen Hebelwirkung große positive Textilunternehmerin Lisa Muhr spürt den engen Radius ihres unternehmerischen Handelns täglich. Als in der gesamten Wertschöpfungskette Effekte für die Umwelt entstünden. Doch ganz selbstkritisch ist auch fair produzierendes Unternehmen sind die Margen klein. „Wir wachKaissl nicht. „Eigentlich gehören Kooperationen mit Konzernen nicht

„Für die großen Probleme wie Ressourcenknappheit, E ­ nergie und den Klimawandel gibt es nach wie vor keine Lösung.“

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sen langsamer, machen auch weniger Profit als manche herkömmliche Hersteller. Wir machen das aber aus Überzeugung, weil wir uns dabei besser fühlen“, sagt Muhr, deren Label das Glück auch im Namen trägt. Doch kann dies allein Anreiz genug sein, um das nachhaltige Unternehmertum stärken? Wirtschaftsprofessor Altenburger ortet zwar ein steigendes Verantwortungsgefühl aufseiten der Konsumenten, auf ethisch einwandfreie Produkte und Dienstleistungen zurückzugreifen. Dennoch hält er ein gesetzliches Anreizsystem für nachhaltiges Wirtschaften für notwendig. Als wichtigen Punkt würde er eine Gewichtung des Themas „Nachhaltigkeit“ bei öffentlichen Aufträgen sehen: „Wenn wir diese Art des Wirtschaftens fördern wollen, müssen wir die gesetzlichen Rahmenbedingungen verbessern.“ Ob man dabei auf eine schnelle Umsetzung hoffen kann, ist aber zu hinterfragen. Seit 2011 arbeiten das Sozialministerium, das Wirtschaftsministerium und das Lebensministerium an einer Nachhaltigkeitsstrategie für Unternehmen. Während in anderen Ländern bereits konkrete Vorgaben zu sehen sind, spießt es sich bei den Verhandlungen über den sogenannten CSR-Aktionsplan zwischen Politik, Interessenvertretern und NGO hierzulande noch.

Warum Unternehmen nachhaltig wirtschaften: • Verantwortungsbewusstsein

31 %

• Mitarbeitermotivation

17 %

• Rankings und Preise

6%

Offensive Motive gesamt

54 %

• Gesetzliche Regelungen

12 %

• Druck von Medien und Stakeholdern 18 % • Druck von Kunden und Mitbewerbern 16 % Defensive Motive gesamt

46 %

Quelle: Grayling Pulse Studie III, 2013

Zukunftsfähig wirtschaften – langfristig profitieren sie wissen es längst: Ohne verantwortungsvolle Unternehmensführung kein Erfolg. Corporate Social Responsibility (CSR) ist in aller Munde. Aber was bringt es Ihrem Unternehmen tatsächlich, CSR in die Unternehmensprozesse zu integrieren? Wo soll man überhaupt beginnen? Und was bedeutet nach­ haltiges Wirtschaften im Auslandsgeschäft oder für die Beschaffung von Rohstoffen aus aller Welt?

Die unternehmensplattform respact – austrian business council for sustainable development hat einen praxisorientierten Leitfaden zur Anwendung der Leitsätze inkl. Selbsttest erarbeitet, der unter www.respact.at/oecdleitsaetze frei verfügbar ist.

noch fragen? Wir unterstützen Sie gern!

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h mi t uns aus! 22 .7. 2014 : CSR­Früh stück mit Saint­ Gobain Rigips und dem Leiter des na ­ tionalen Kontaktpun kts für die OECD ­ Leitsätze, Graz 4.9.2014 : Diskussio nsveranstaltung zum Thema Wirtscha ft & Menschen­ rechte mit Xerox, Wi en 30.9. 2014 : Österrei chischer CSR­Tag an der WU Wien Die Teilnahme ist kos tenlos. Nähere Infos & Anme ldung unter office@respact.at bzw . ww w.respact.at

Österreichischer nationaler kontaktpunkt für die OECD­Leitsätze für multinationale Unternehmen im Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft. Leitung: Dr. Hendrik Zechner, Kontakt: NCP­Austria@bmwfw.gv.at, www.oecd­leitsaetze.at respact – austrian business council for sustainable development Projektleitung: Mag. Theresia Tschol­Alsantali, Kontakt: t.tschol­alsantali@respact.at, www.respact.at

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Harald Koisser macht Mut

Folge 31: Die Lehre der Osterinsel Jeder kennt die unglaublichen Statuen der Osterinsel. Sie sind Kulturgut. Aber Gut welcher Kultur eigentlich? Wie man heute weiß: einer Kultur des ­Größenwahns und politischer Blindheit, ein letales Beispiel mangelnder Nachhaltigkeit. Die Osterinsel ist die einsamste Insel auf diesem Planeten. Sie liegt allein mitten im Pazifik und ist jedem durch ihre außergewöhnlichen Steinstatuen, die „Moai“ genannt werden, bekannt. Allein in dem großen Steinbruch im Norden der Insel hat man mehr als 400 halbfertige Moai entdeckt, meist vier Meter hoch und zehn Tonnen schwer. Die größte misst 21 Meter Höhe und wiegt 270 Tonnen. Die Küste der Insel ist gesäumt von solchen Statuen. Es hat eine richtige Massenproduk­ tion dieser Skulpturen gegeben. Aber wozu? Und wie war das überhaupt möglich gewesen, wo doch die Insel kahl und unfruchtbar ist? Diese Fragen stellte sich schon der erste „Entdecker“ der Insel, der niederländische Seefahrer Jacob Roggeveen, der am Ostersonntag des Jahres 1722, daher der Name „Osterinsel“, das Eiland ausmachte. Er fand eine wenig fruchtbare Insel mit Buschbestand und einige undichte Kanus. Nichts womit man massive Kräne für die Steinmetzarbeiten oder hochseetaugliche Schiffe hätte fertigen können. Es gab auch keinen Hinweis auf solche Vorrichtungen. Nicht einmal genug Landwirtschaft schien hier möglich, um die Menschen zu versorgen, die offensichtlich einmal unglaublich emsig im großen Steinbruch gearbeitet hatten, der völlig verwaist war. Erich von Däniken wusste es natürlich: die Außerirdischen. Die Antwort ist aber banaler und schrecklicher. Heutige Forschungen belegen, dass die Insel enorm fruchtbar gewesen sein muss und einen massiven Bestand an Palmenwäldern hatte. In Vulkanasche sind Unmengen von Palmsamen gefunden worden. Die Besiedelung der Insel ist um das Jahr 900 nach Christus vom Westen her aus Polynesien erfolgt. Es haben sich Clans gebildet, die ihre Territorien bezogen haben. Und sie haben als Zeichen ihrer Würde Steinstatuen gefertigt und aufgestellt. Die Moai sind über die Jahrhunderte hinweg zu Insignien von Macht

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und Ansehen geworden, und es hat, anfangs schleichend, dann immer vehementer, ein aberwitziges „Wettrüsten“ um die prachtvollsten Statuen stattgefunden. Sie stehen wohl an der Küste, schauen aber in das Land hinein auf das Gebiet des jeweiligen Clans. Die Palmwälder wurden abgeholzt, um Gerüste, Kräne und Transportrollen für die Steinmassen zu fertigen. Als kein Material für Hochseeschiffe mehr da war, begann man damit, landwirtschaftlichen Raubbau zu betreiben, und vernichtete nach und nach fruchtbaren Boden. Radiokarbonmessungen zeigen, dass die Vernichtung der Palmwälder um 1500 abgeschlossen war. Die Bewohner hatten 600 Jahre gebraucht, um ihre Lebensgrundlagen zu vernichten. Die Gründe waren machtpolitischer Wahn, Ehrgeiz, Eitelkeit und die Unfähigkeit, rechtzeitig zu erkennen, was man tut. Die Insel erlebte eine kurze Kriegsphase und Kannibalismus. Die letzte Würde wurde verspielt. Dann war Stille. Jared Diamond stellt in seinem Buch „Kollaps“ die Frage: Was dachte der Bewohner, der gerade dabei war, die letzte Palme zu fällen? Vielleicht: „Wir brauchen Arbeitsplätze!“ Oder: „Die Technik wird unsere Probleme schon lösen; wir werden einen Ersatz für Holz finden.“ Oder: „Wir haben keinen Beweis, dass es nicht doch noch geheime Reserven an Palmen gibt. Wir brauchen mehr Forschung! Der Vorschlag, das Abholzen zu verbieten, ist reine Angstmacherei!“ Wenn die Leute wenigstens eine Reserveinsel in Reichweite gehabt hätten. Aber die Insel war so einsam wie der Planet Erde im Universum.

Der Autor: Harald Koisser schreibt philosophische Bücher und ist Herausgeber des Mutmacher-Magazins „wirks“. www.wirks.at, www.koisser.at


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„Das auf Wachstum und Expansion bauende Wirtschaftssystem hat unglaubliche zivilisatorische Fortschritte gebracht. Diese betreffen die materielle Ebene ebenso wie nichtmaterielle Standards wie Rechtsstaatlichkeit und Demokratie. Daraus resultiert aber ein großes Problem: Wir wirtschaften über ein nachhaltiges Maß hinaus. Das Wachstum überfordert die Traglast des Planeten.“ „Die gesamten westlichen Gesellschaften befinden sich schon auf einem sehr hohen wirtschaftlichen Niveau. Wir befinden uns jetzt schon in einer Situation des sehr geringen Wachstums. Außerdem wachsen wir segmentär, die damit verbundenen Segnungen sind sehr zweifelhaft. Ein Beispiel ist das Phänomen hoher Arbeitslosigkeit trotz gleichzeitigen Wirtschaftswachstums. Mit Wirtschaftswachstum werden Mythen verbunden. Es liegt nahe, dass man sich mit ihnen vom Glauben an die Segnungen des Wachstums verabschieden muss.“ „Ich weiß nicht, wie eine Gesellschaft, die nicht auf Wachstum aufbaut, genau aussehen soll. Doch selbst wenn man Anhänger des Wachstumsgedankens ist, muss man sich von der Vorstellung des immerwährenden Wachstums trennen. Weil es vor geraumer Zeit anfing, seine eigenen Voraussetzungen zu generieren.“ „Es lohnt sich, auf die Unternehmen hinzusehen, welche sich vom Wachstumsdogma emanzipieren. Man muss sich die Frage stellen: Was passiert, wenn Unternehmen das Gemeinwohl vor den Profit stellen?

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Es werden andere wirtschaftliche Ziele verfolgt. Es ist nicht möglich zu sagen, wie diese Modelle skalierbar sind. Es lohnt sich aber, hinzusehen und diese Bausteine zu sammeln. Wirtschaftswissenschaften haben das Thema weitestgehend vernachlässigt.“ „Es gibt nur wenige Ökonomen, die in die Richtung Postwachstum argumentieren. Wenn man böse sein will, kann man sagen, dass sie die Affirmation des ökonomischen Prozesses sind. Die Wissenschaften immunisieren sich hinsichtlich ihrer Glaubensüberzeugung.“ „Bei einem Veränderungsprozess hin zu einer Postwachstumsökonomie kommt den Unternehmen eine immens große Rolle zu. Der Stoffwechsel des Prozesses wird von den Unternehmern getragen. Dabei darf Nachhaltigkeit kein Beiwagen sein. Heute sind bekanntlich viele zu dem Schluss gekommen, dass alles nachhaltiger werden muss. Es geht aber um die Frage: Wie kommt man von einer strukturellen Nichtnachhaltigkeit zu einer strukturellen Nachhaltigkeit? Das richtet sich direkt an die Produktion und Vermarktung.“

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„Wir haben kein Wachstumsziel“ Als CEO der Volksbank International war Friedhelm Boschert für das risikoreiche Ostgeschäft zuständig. Heute hilft der Banker Branchenkollegen beim Meditieren und bei der Selbstfindung. Ein Gespräch über Ethik in der Bankenwelt, Selbstreflexion und seine neue Rolle als Präsident von Oikocredit.

Claudia Berg

Interview: Daniel Nutz

Es ist ein warmer Frühlingstag bei einem Wiener Heurigen. Die Miene von Friedhelm Boschert passt zum freundlichen Wetter. Der 54-jährige ehemalige Vorstandschef der Volksbank-Osteuropaholding trinkt entspannt einen Apfelsaft. Seit einem Jahr hat der Mann mit dem grau­melierten Haar die Rollen getauscht. Er coacht Banker dabei, zu sich selbst zu finden, und steht als frischgebackener Präsident des Mikro-Finanzierungsunternehmens Oikocredit für ethisches Investment und Entwicklungshilfe.

Bis 2013 standen Sie als CEO der Volksbank International vor. Heute geben Sie Meditationskurse. Ist das als radikaler Ausstieg aus der Finanzwelt zu werten? Nein. Tatsächlich habe ich mich immer mit Führung auseinandergesetzt. Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, dass Selbstführung und Selbstreflexion im Topmanagement zu kurz kommen. Führungskräf-

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die wirtschaft Nr. 5 | Mai '14

te sind meistens nicht in der Lage zu reflektieren und noch weniger imstande nachzudenken. Auch mir fehlte die Zeit, in mich selbst reinzuhören. Man verbringt seine Zeit mit Sport anstatt mit Geistestraining. In den vergangenen 30 Jahren haben wir da alle zu sehr nach außen gewandt agiert. Ich will dabei helfen, das zu ändern. Sie sitzen heute ehemaligen Bankenkollegen als Coach gegenüber. Was wollen Sie Ihnen mitgeben? Stress ist bei vielen ein Thema. Die meisten haben alle Methoden probiert, von Zeitmanagement bis Wellness. Aber nichts hilft. An äußeren Faktoren wie Termin- oder Arbeitsdruck kann man ja nichts ändern. Man kann nur die Einstellung zum Stress verändern. Dabei hilft die Meditation. Viele Manager suchen – vielleicht auch unterbewusst – nach Orientierung. Es geht um Selbstreflexion. Im Coaching lernt man, in sich reinzuhören, man findet neue Perspektiven. Das reicht vom Persönlichen bis zum Beruflichen.


Friedhelm Boschert

Wird der moderne Bankmanager also sogar zum Sinnsucher? Meine Erfahrung ist, dass man Führungskräfte in ihrem Handeln und ihren Entscheidungen menschlicher machen kann. Wer sich selbst versteht, kann auch zuhören. Dadurch können diese Menschen auch besser auf andere eingehen. Die Art der Führung verändert sich. Besonders in der Finanzbranche wird mehr Verantwortung ein­ gefordert. Verändert sich die Branche tatsächlich? Ich glaube, dass in der Branche noch eine gewisse Schockstarre herrscht. Die Bankenwelt hat ja einen vollständigen Imageverlust erlebt und steht außerdem noch voll unter der Knute der Regulierung. Aus diesem Schock muss man sich erst einmal herausbewegen. Das geht durch Offenheit, Transparenz, simple Produkte und der Miteinbeziehung der Kunden. Welche Wege können die Banken dabei gehen? Man kann Kundenhearings machen. Man kann aber auch so weit gehen, Kunden in Produktgestaltungen einzubinden. Es wird künftig Banken geben, die auf diesen Prinzipien auf bauen. Es gibt ja schon Modelle von ethischen Banken. Also: vollständige Partizipation etwa durch ein Genossenschaftsmodell und ein Corporate-Government-Kodex, der Spekulationen verbietet und ethisch einwandfreie Produkte liefert. Sie haben gerade die Präsidentschaft von Oikocredit Österreich übernommen. Einer Bank, die sich auf die Vergabe von Mikrokrediten an Unternehmensgründer in Schwellen- und Entwicklungsländern konzentriert. Den Schritt von der Volksbank International dorthin müssen Sie uns erklären. Wer meine persönliche Geschichte kennt, wird nicht erstaunt sein.

Ist studierter Volks- und Betriebswirt. Seit den 1980erJahren war er in der ­Banken- und Finanzbranche tätig. Von 2005 bis 2013 war er Vorstandsvorsitzender der Volksbank International und nach deren Übernahme der daraus entstandenen Sber Bank Europe. B ­ oschert ist Lektor an der FH Krems, Honorarkonsul von Bosnien und ­Herzegowina und seit Mai Österreich-Präsident der genossenschaftliche Finanzierungseinrichtung Oikocredit.

Schon als Jugendlicher war ich in Entwicklungshilfeprojekten tätig. Insofern war Entwicklungshilfe immer in meinem Fokus. Früher hatte ich mir in meinen Arbeitsverträgen auch immer vier Wochen Freistellung für Entwicklungsprojekte zugesichert. In den 1980er-Jahren war ich für die deutsche Entwicklungshilfeagentur tätig. Dort habe ich unter anderen auch den Friedensnobelpreisträger und Gründer der Grameen Bank Muhammad Yunus betreut. Also jenen Mann, durch den Mikrokredite weltweit bekannt wurden. Oikocredit hat in den vergangenen fünf Jahren das Anlegervolumen verfünffacht. Streben Sie als Präsident nach weiterem Wachstum? Wir haben kein Wachstumsziel. Wenn wir saubere Arbeit machen, werden die Menschen aufmerksam, dass diese Form der Geldanlage eine gute Sache ist. Mir geht es nicht darum, möglichst viel Geld zu lukrieren. Wir messen, ob das Geld auch tatsächlich dazu beiträgt, die Armut zu reduzieren. Wir stellen uns den Fragen: ­Wie verbessert sich der Gesundheitszustand oder der soziale Stand der Kreditnehmer? Was wir machen, geht weit über ein klassisches Kreditgeschäft hinaus.

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Zeit für einen Wechsel? Vorsorgekassen: Wo die Abfertigungsgelder der Mitarbeiter veranlagt werden, ist eine heikle Frage, die von Geschäftsführung und Betriebsrat gemeinsam geklärt werden muss. Fakt ist, viel gewechselt wird nicht. Wieso eigentlich? Text: Daniel Nutz

Ein gutes Geschäft waren die Betrieblichen Vorsorgekassen bisher nicht. Zumindest nicht für die Anleger. Wie eine Studie der Gewerkschaft der Privatangestellten offenlegt, erwirtschafteten die österreichischen Abfertigungskassen im Zeitraum von 2004 bis 2012 gerade einmal eine Rendite von durchschnittlich 2,7 Prozent per anno. Was auf den ersten Blick noch nach einem kleinen Ertrag in durchwegs eisigen Finanzmarktzeiten aussieht, schmilzt beim näheren Hinsehen dahin. Betrachtet man die durchschnittliche Inflation im Zeitraum von 2,2 Prozent und die durchschnittlichen Verwaltungskosten von 0,67 Prozent, bleibt für die meisten Menschen ein reales Minus, rechnet Studienautor David Mum vor.

Denn hinsichtlich der Anlagestrategien und des Ertrags gibt es trotz staatlicher Vorgaben einige Unterschiede. So variiert der Aktienanteil bei den einzelnen Kassen derzeit zwischen 6 Prozent (NÖVK) und 13,5 Prozent (BUAK). Die Jahresperformance von 2013 liegt zwischen 0,82 Prozent (NÖVK) und 4,06 Prozent (Bonus).

Ethische Veranlagung gewinnt an Bedeutung

Gewinne gab es auch. Allerdings in erster Linie für die Kassen selbst. Im Jahr 2012 machten die zehn Vorsorgekassen 30 Millionen Euro Gewinn. Die Schlussfolgerung von Studienautor Mum: „Die Kassen verdienen an den im Verhältnis zum Aufwand viel zu hohen Verwaltungsgebühren.“ Dass sich die meisten Vorsorgekassen von ihren Kunden nur unwesentlich weniger als die vom Gesetzgeber als Höchstmaß angegebenen 0,8 Prozent holen, liegt auch daran, dass es seit der Einführung der Kassen im Zuge der Gesetzesnovelle zur „Abfertigung Neu“ kaum mehr Wettbewerb gab. An einen Wechsel, der gemeinsam mit dem Betriebsrat beschlossen werden muss, dachten die wenigsten Unternehmen. Dabei lohne es sich jedenfalls, über einen Wechsel nachzudenken, so Mum.

Die meisten Vorsorgekassen tragen der Tatsache Rechnung, dass immer mehr Anleger auf das Thema nachhaltiges Investment setzen. Meist erfolgt dies über Ausschlusskriterien. Bis auf die Valida MVK Plus lassen sich alle Kassen freiwillig auf die ethische Dimension ihrer Anlagestrategie überprüfen. Den Gold-Standard der Prüfungsstelle Ögut erreichen dabei die VBV, Bonus und Fair-Finance. Letztere lässt sich zusätzlich auch international prüfen und hat ihr gesamtes Geschäftsfeld auf nachhaltiges Unternehmertum ausgerichtet. Welche Kasse ist also die richtige? Die Frage ist in erster Linie individuell zu beantworten. „Am besten ist es, man lädt sich zwei bis drei Anbieter zu einem Hearing ein und entscheidet dann, ob ein Wechsel sinnvoll ist“, rät David Mum. Das Risiko eines Wechsels ist jedenfalls relativ gering. Da keine Umstiegskosten anfallen, kann das veranlagte Vermögen theoretisch jedes Jahr von einer Kassa zur anderen übertragen werden. Zu bedenken ist bloß eine sechsmonatige Kündigungsfrist. Wer mit 2015 wechseln will, muss also bis Ende Juni kündigen. Eine Hilfe bei der Vorauswahl soll folgende Übersicht zu den Anlagestrategien der einzelnen Kassen geben.

APK

Bawag/Allianz

Anlagestrategie: „Wir verschreiben uns aktive Ansätze und orientieren uns nicht an vorgegebenen Benchmarkgewichtungen. Die Implementierung von Absicherungsmechanismen stellt eine unabdingbare Managementaufgabe dar.“

Anlagestrategie: „Ziel ist es, Schwankungen zu vermeiden und damit ein stabiles Veranlagungsergebnis zu erwirtschaften, auch in Krisenjahren. Das setzen wir mit geringem Aktienanteil und einem großen HTM-Portfolio mit hohen Bonitäten um.“

Performance 2013: 2,8 %

Performance 2013: 2,76 %

Ein Wechsel kann sich lohnen

Performance seit 2003: 3,60 % Nachhaltigkeitsüberprüfung (nach Ögut): Nein, freiwillige Ü ­ berprüfung nach „Ethical Standards“

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19+22+59T 59,12 % Anleihen gesamt

19,09 % Aktien gesamt

21,79 % Absoluter Return gesamt

Performance seit 2003: 4,27 % Nachhaltigkeitsüberprüfung (nach Ögut): Ja, Silber-Zertifikat

90+10+T 0 % – 10 % Aktien

90 % – 100 % Anleihen


Bonus

BUAK

Anlagestrategie: „Hohe Erträge mit gutem Gewissen sind das Ziel. Dabei setzen wir auf nachhaltiges Investment und Transparenz.“

Anlagestrategie: „Die Veranlagungsstrategie ist darauf angelegt, trotz eines sehr hohen Anteils an Anleihen auch bei steigenden Zinssätzen attraktive Zinserträge für die Anwartschaftsberechtigten erzielen zu können.“

Performance 2013: 4,06 % Performance seit 2003: 5,48 %

77 % Anleihen

5 % Immobilienfonds

14 % Aktien

4 % Cash

Performance seit 2003: 3,75 % Nachhaltigkeitsüberprüfung (nach Ögut): Ja, Silber-Zertifikat

1+31383T

77+1454T

Nachhaltigkeitsüberprüfung (nach Ögut): Ja, Gold-Zertifikat

Performance 2013: 3,09 %

83,3 % Anleihen

0,7 % Bankguthaben 2,5 % Alternative Investments 13,5 % Aktien

Xesar und AirKey eröffnen neue Welten Die Arbeitswelt wird dynamischer. Die Arbeitszeiten werden flexibler. Freelancer, Interimsmanager und Shared Offices prägen die Zukunft. Da braucht es auch flexible und moderne Zutrittslösungen, welche wie Xesar und AirKey. Entwickelt und produziert von EVVA in Österreich.

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Fair-Finance

Niederösterreichische Vorsorgekasse AG

Anlagestrategie: „Unsere Veranlagungsgemeinschaft ist ein gemischtes konser­ vatives Portfolio, dessen Anlageuniversum entsprechend der grundsätzlichen Richtlinie nachhaltiger Vermögensveranlagung ausgerichtet ist.“

Anlagestrategie: „Das Ziel der Veranlagungspolitik ist es, unter Wahrung von ­Sicherheit, Liquidität und Risikotragfähigkeit mit besonderer Beachtung der Grund­ sätze für eine nachhaltige Veranlagung einen nachhaltigen Ertrag zu erzielen.“

79+96T

Performance 2013: 3,33 %

Performance 2013: 0,82 %

Performance seit 2003: k. A., erst 2010 gegründet

91+9+T 35+30105T

Nachhaltigkeitsüberprüfung (nach Ögut): Ja, Gold-Zertifikat, darüber hinaus Prüfung durch Oekom Research 9 % Aktien

91 % Anleihen, Cash

Valida MVK Plus

Anlagestrategie: „Mit dem Geschäftsjahr 2012 erfolgte eine strategische Neuausrichtung. Dabei wurde das Risiko der Veranlagung deutlich reduziert.“

Performance seit 2003: 4,36 % Nachhaltigkeitsüberprüfung (nach Ögut): Nein, für 2014 geplant

79 % Anleihen

9 % Cash 6 % Offene Immobilienfonds 6 % Aktien

Valida Plus (vormals ÖVK) Anlagestrategie: „Bei den festverzinslichen Wertpapieren verzichten wir auf ­vermeintlich hohe Renditen, die mit höherem Risiko behaftet sind, zugunsten von Papieren mit guter Bonität.“

Performance 2013: 3,61 %

Performance seit 2003: 5,1 %

Performance 2013: 3,19 %

Nachhaltigkeitsüberprüfung (nach Ögut): Nein

Performance seit 2003: 4,25 %

10 % Aktien 10 % Globale Unternehmensanleihen

35% Geldmarkt

30 % Staatsanleihen

Nachhaltigkeitsüberprüfung (nach Ögut): Ja, Gold-Zertifikat

48 T 1 4 6 13 + 28

10 % Immobilienfonds

5 % Globale Wandelanleihen

13 % Staats­ 28,4 % anleihen Unternehmensanleihen

6 % Aktien

4 % Immobilien 1 % Alternative Investments

48,4 % Geldmarkt

VBV – Vorsorgekasse

Victoria Volksbanken

Anlagestrategie: „Der hohen Verantwortung gegenüber den Kunden entsprechend, wird das Kundenkapital nachhaltig und mit möglichst geringem Risiko veranlagt. Zukunftsorientiertes Handeln und der Vorsorgegedanke stehen dabei im Mittelpunkt.“

Anlagestrategie: „Die Veranlagung konzentriert sich auf Emittenten mit guter Bonität.“ Performance 2013: 2,82 % Performance seit 2003: k. A.

Performance seit 2003: 4,26 %

Nachhaltigkeitsüberprüfung (nach Ögut): Ja

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3,1 % Alternative Investments 1,7 % Cash

+863T

42 T 2 3 11 36 +

Nachhaltigkeitsüberprüfung (nach Ögut): Ja, Gold-Zertifikat 10,6 % Aktien 3,5 % 36 % Geldmarkt Euro3,1% Rentenfonds Immobilienfonds 42 % Darlehen und HTM

83

Performance 2013: 2,39 %

83 % Anleihen (Euro)

8 % Aktien

5,5 % Convertibles

3,5 % Immobilien


Demner, Merlicek & Bergmann

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Silvio Molin Pradel hat mit seinem Strom aus 100 % erneuerbarer Energie mehr Nachhaltigkeit für seinen Eissalon rausgeholt. Seinem Motto „Gut für die Umwelt, besser für uns“ ist er dabei rundum treu gblieben. Jetzt mehr rausholen auf wienenergie.at/business Wien Energie Vertrieb, ein Unternehmen der EnergieAllianz Austria.

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Persönlich gefragt

„Am Ende hat man Wunden und Narben“ Bleiben, wie man ist: Warum sich Brigitte Ederer heute dumme Fragen zu stellen traut, sie nicht mehr in die Politik zurück will und sich manchmal sogar ganz gern verspotten lässt. Interview: Stephan Strzyzowski, Illustration: Silvia Ungersböck

Politik, Siemens, ÖIAG, ÖBB: Sie haben viele unterschiedliche beruf liche Stationen absolviert. Wo ist es Ihnen leichter gefallen, Sie selbst zu bleiben, wo war es schwieriger? Ich glaube, dass ich immer recht authentisch war. Außer zu Beginn meiner Zeit als Staatssekretärin, als es sehr starke mediale Kritik gab. Man hat damals öffentlich diskutiert, wie Bundeskanzler Vranitzky auf so eine junge unerfahrene Frau setzen konnte. Das hat mich sehr irritiert. Ich war nicht sicher, ob ich meiner Linie würde treu bleiben können. Ist es Ihnen, im Rückblick betrachtet, gelungen? Ja, ich habe aber sehr gelitten. „Die Presse“ hat damals geschrieben, dass ich nicht einmal weiß, wie man Messer und Gabel in der richtigen Reihenfolge verwendet. Das hat mich natürlich gekränkt. Weil ich das mediale Spiel noch nicht beherrscht habe, konnte ich mich zu Beginn wohl auch nicht immer so geben, wie ich wirklich bin. Später ist mir das dann aber recht gut gelungen. Denken Sie, dass Sie dadurch in Ihre Positionen gekommen sind? Schwer zu sagen. Ich glaube, dass ich ausstrahle, dass ich engagiert bin, etwas verändern will und es nicht um der Position willen mache. Was ist es denn, das Sie antreibt? Dinge zu verändern und zu gestalten. Ich habe immer überlegt, was ich bei neuen Aufgaben erreichen will und was die Leute sagen sollen, wenn ich wieder rausgehe. Konnten Sie den Erwartungen gerecht werden? Meinen eigenen nur sehr selten. Ich war immer ein wenig unzufrieden mit mir selbst. Es gab aber etwas, das mir dabei geholfen hat, nicht gebrochen zu werden: Ich hatte nie existenzielle Ängste in meinem Leben, obwohl ich von ganz unten komme. Warum nicht? Als ich in der Politik begonnen habe, hatte ich mit einem Unternehmer eine Vereinbarung getroffen, dass ich immer bei ihm anfangen kann. Ich bin nicht sicher, ob es wirklich etwas geworden wäre, aber es hat mir eine gewisse Sicherheit gegeben. Als Siemens-Vorständin haben Sie pro Jahr Millionen verdient. Vielen Menschen steigt so ein Vermögen zu Kopf. Waren Sie nie in Gefahr, die Bodenhaftung zu verlieren? Nein, ich habe so viele Menschen die Karriereleiter hinaufgehen gesehen und so viele wieder hinunter-

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fallen, dass ich mir nie Illusionen über meine Bedeutung gemacht habe. Es ist schließlich nicht der Mensch, zu dem dann alle freundlich und unterwürfig sind, es ist die Position. Geld hat mir zudem nie besonders viel bedeutet. Welche Rolle spielt das persönliche Umfeld, wenn man so stark unter Beobachtung steht? Man sollte zulassen, dass einem die unmittelbare Umgebung einen Spiegel vorhält. Meine Mitarbeiterin verspottet mich zum Beispiel manchmal ein bisschen, und das ist gut so. Denn eine Umgebung, die einem die Meinung sagt, hilft enorm, sich nicht zu wichtig zu nehmen. Man hat bei vielen Politikern und Topmanagern den Eindruck, dass sie so geschult sind, dass sie überhaupt nicht mehr authentisch rüberkommen. Muss das sein? Wenn man ganz klar und einfach spricht, kann man sehr leicht festgenagelt werden. Manchmal ist die Lage aber nicht so klar oder noch nicht entschieden. Dann ist es schwer, Klartext zu reden. Ist das auch der Grund dafür, warum Sie nicht mehr in die Politik zurückkehren wollen? Politik ist das Spannendste, was es geben kann. Aber es ist gleichzeitig auch das Kränkendste und das Verletzendste. Wenn man diese Kombination schon kennt und mein Alter hat, tut man sich das nicht mehr an. Es waren genug Verletzungen. Ihr Mittel zur Heilung? Die Zeit heilt alle Wunden! Und irgendwann denkt man sich halt auch: Habt mich doch alle gern! Fällt Ihnen das heute leichter? Selbstverständlich. Heute ist es auch leichter für mich, den Mut aufzubringen, meinen Hausverstand einzuschalten und ganz naiv nachzufragen, wenn mir etwas komisch vorkommt. Bestimmt haben sich immer wieder Leute gedacht: Was ist das für eine blöde Gans? Doch oft hat sich herausgestellt, dass jene, die hochtrabend herumphilosophiert haben, selbst keine Ahnung hatten.


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Moralisch ­verwerflich Die öffentliche Hand ist im Vergleich zu ­Österreichs Firmen ein schlechter Zahler. Sie braucht trotz besserer Illu: S. Exel, Source: thinkstock

Bonität im Schnitt zehn Tage länger als normale Schuldner, um ­offene Rechnungen zu begleichen. Text: Clemens Rosenkranz

Ein paar Zahlen mit Signalwirkung: Den Unternehmen in der Europäischen Union entsteht durch den Zahlungsverzug im Geschäftsverkehr ein Schaden von rund 340 Milliarden Euro – mehr als das Doppelte des Gesamthaushalts der EU für das Jahr 2012. 57 Prozent aller europäischen Unternehmen leiden wegen verspäteter Zahlungen und deren Folgekosten an Liquiditätsengpässen, rund 450.000 Jobs haben damit in Zusammenhang stehende Insolvenzen im EU-Raum bereits gekostet. Einen gewichtigen Anteil daran haben öffentliche Stellen, die sich zu lange mit der Zahlung Zeit lassen. Heimische öffentliche Stellen haben im Vergleich zu ihren Pendants in Süd- und Osteuropa eine relativ hohe Zahlungsmoral, liegen aber hinter jenen von nordischen Staaten deutlich zurück: In Finnland ist das Geld nach 24 Tagen auf dem Konto. Dramatisch schlechter, verglichen mit dem EU-Durchschnittswert von 61 Tagen, sieht es in Italien, Griechenland oder Spanien aus. In Italien beträgt die Zahlungsdauer der öffentlichen Hand satte 170 Tage.

Staat soll schneller zahlen In Österreich ist man davon meilenweit entfernt: Laut jüngster jährlicher Umfrage zum Zahlungsverhalten in Österreich des Kreditschutzverbands von 1870 (KSV) lag das Zahlungsziel der öffentlichen Hand bei 33 Tagen, dazu kamen acht Tage Zahlungsverzug. Zum Vergleich: Bei Zahlungen zwischen Unternehmen waren es 25 beziehungsweise sechs Tage. Die öffentliche Hand soll nun mit gesetzlichem Druck dazu gebracht werden, dieses Niveau um einen Tag zu unterschreiten. Dies ist durchaus zu schaffen, ist doch die öffentliche Hand finanziell besser gestellt als so mancher pünktlichere Firmenschuldner. Es lässt sich noch nicht absehen, ob die Richtlinie wie gewünscht echte Zähne zeigt. Die EU-Kommission will eine neue Zahlungskultur des öffentlichen Sektors herbeiführen. In Österreich herrscht vorerst das Prinzip Hoffnung. „Praktische Erfahrungen mit der neuen Rechtslage im öffentli-

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chen Sektor liegen uns noch nicht vor. Hier sind die Entwicklungen der nächsten Monate abzuwarten“, so Rosemarie Haider-Cselko, Mitglied der Geschäftsführung des Alpenländischen Kreditorenverbands.

Wirkung abwarten Auch der KSV traut sich noch keine Bewertung der Auswirkungen des neuen gesetzlichen Rahmens von 30 Tagen Zahlungsziel für die öffentliche Hand vorzunehmen. Im Vorjahr hätten nur 8,5 Prozent der für die Zahlungsmoralstudie befragten Firmen angegeben, Zahlungsfristen verändert beziehungsweise darüber verhandelt zu haben. „Wir hätten uns da schon mehr erwartet“, sagt Johannes Eibl, Geschäftsführer der KSV1870 Forderungsmanagement GmbH. Der Grund für die schlechte Zahlungsmoral der öffentlichen Hand ist derselbe wie jener von Firmen oder Privaten: klamme Finanzen. „Mit Liquiditätsengpässen haben nicht nur Unternehmer zu kämpfen, sondern davon ist auch die öffentliche Hand betroffen. Bürokratische Hürden und lange Verwaltungswege verstärken diese Probleme noch“, erläutert Haider. Eibl sieht es ähnlich: „Bei größeren Gebietskörperschaften dauert der Freigabeprozess sehr lange, er wandert von Abteilung zu Abteilung. Es braucht viele Unterschriften.“ Noch schonungsloser die Analyse des zuständigen EU-Kommissars für Industrie und Unternehmen, Antonio Tajani: „Die meisten Zahlungsverzögerung öffentlicher Stellen sind bloß die Konsequenz von schlechter Organisation, schlampigen Vorgangsweisen oder gescheitertem Cash-Management.“

Ärgerliche Abhängigkeit Einen anderen Aspekt betont Gerhard Weinhofer, Pressesprecher der Creditreform: „Der öffentliche Sektor kann es sich schlichtweg leisten, später zu zahlen, da niemand dagegen außergerichtlich mittels Inkasso oder gar gerichtlich vorgehen wird. Viele, speziell örtliche Unterneh-


ZAHLUNGSMORAL: Wie Österreichs KMU mit säumigen Schuldnern umgehen

NEIN: 77 %

Waren offene Forderungen schon einmal existenzbedrohend für Ihr Unternehmen?

JA: 19 %

JA: 28 %

NEIN: 68 %

Hatten Sie in den vergangenen zwölf Monaten verstärkt Probleme wegen Zahlungsausfällen?

ÖFFENTLICHE: 35 %

FIRMEN: 38 %

PRIVATE: 9 %

Welche Ihrer Kunden zahlen am spätesten?

Nehmen Sie an unserer monatlichen Umfrage teil: Senden Sie einfach eine e-Mail mit dem Betreff „Umfrage“ an d.nutz@wirtschaftsverlag.at.

men sind auf öffentliche Aufträge angewiesen und beißen nicht die sie fütternde Hand.“ Ungeachtet der Ursache der säumigen Zahlungsmoral: Das verspätete Eintreffen von Zahlungen kann gerade bei KMU zu großen Liquiditätsproblemen führen, im Worst Case zur Insolvenz. „Im öffentlichen Sektor ist das durchschnittliche Auftragsvolumen höher, demgemäß sind dort die Folgen der Zahlungsverzögerung für die Gläubiger entsprechend schwerwiegender“, sagt Haider-Cselko vom AKV. Um sich als KMU abzusichern, raten Experten, schnell Rechnungen auszustellen, rasch und nur einmal zu mahnen und dann sofort die Schulden extern per Inkassobüro eintreiben zu lassen. Eine weitere Methode zur Sicherung der Liquidität ist Factoring, also der Verkauf der

Forderung an ein entsprechendes Unternehmen. Damit fällt eine teure Überbrückungs- bzw. Zwischenfinanzierung weg, es bleiben Mittel für Aufträge oder Investitionen frei. „Die Kosten von Factoring sind marginal im Vergleich zu dem, was man dadurch verhindert. Das sind, alle Zinsen und Prämien eingerechnet, maximal zwei bis drei Prozent. Aber wenn ein größerer Kunde umfällt, geht es gleich um mehrere 100.000 Euro“, erklärt Herbert Auer, Vorstand der VB Factoring Bank. Ein Argument, das überzeugen dürfte: In Zeiten knapper Liquidität wird Factoring immer populärer, weiß Intermarket-Chef Sebastian Erich: „In Österreich ist das Geschäft massiv im Steigen begriffen. In den vergangenen zwei Jahren gab es einen Zuwachs von 20 Prozent per anno.“

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Wie ich Kraft tanke

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die wirtschaft Nr. 5 | Mai '14

ellen Größe mit 78 Filialen entwickelt. Viel Zeit zum Ausruhen fand Mann dabei nicht. Dass er mit nur drei bis vier Stunden Schlaf pro Nacht auskomme, sei schon ein Vorteil gewesen, sagt Mann. Nun droht ihm aber sein Ausgleich abhanden zu kommen, erzählt er und zeigt unglücklich auf sein getaptes Bein. Das Knie will nämlich nicht mehr so recht. Aber aufzuhören und sich zu schonen komme für ihn nicht wirklich infrage, sagt der Unternehmer. – Zum Glück tut es ja nach ein paar Kilometern kaum noch weh. Richard Tanzer

Wenn Großbäcker Kurt Mann müde und gestresst aus der Firma kommt, weiß er genau, wie er seine Batterien wieder auflädt: Er läuft einfach los. Zehn Kilometer und mehr. Tag für Tag, seit mehr als 20 Jahren. Danach fühlt sich der Geschäftsmann immer wie ein neuer Mensch. Beim Laufen könne er einfach gut nachdenken, da sprudelten die Ideen, sagt Mann, während er die Prater-Hauptallee entlangläuft. Und Bedarf an guten Einfällen hatte er ständig. Hat sich doch das 1860 gegründete Unternehmen unter seiner Federführung zu seiner aktu-


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Ukraine-Konflikt trifft heimische Unternehmer Durch die politische Krise in der Ukraine sehen sich unzählige österreichische Exporteure mit neuen Gefahren konfrontiert. Wie es in der Region derzeit aussieht, wie es weitergeht und wie sich Unternehmer vor solchen Situationen schützen können – Karolina Offterdinger, Vorstand der OeKB Versicherung im Interview. Welche Veränderungen bringen die Krimkrise und der politische Machtwechsel in der Ukraine für die Wirt­ schaft? Die Wirtschaft in der Ukraine war schon vor der Krimkrise in der Rezession. 2014 muss nun mit weiteren Einbrüchen gerechnet werden. Ganz wesentlich ist dabei der Handel mit Russland, der circa 30 Prozent der Exporte ausmacht und nun besonders betroffen ist. Welche Auswirkungen die Krimkrise auf die Handelsbilanz insgesamt hat, muss man noch abwarten. Problematisch wird auf jeden Fall die Bedienung der ohnehin hohen Auslandsverschuldung. Hilfskredite aus dem Westen sind an strenge Reformauflagen des IWF gebunden, die neben politischen auch zu sozialen Unruhen führen könnten.

„Die Durchsetzung von Rechtstiteln ist kaum möglich.“ Karolina Offterdinger, Vorstand der OeKB Versicherung

Auf welche Auswirkungen müssen sich heimische ­Unternehmer nun einstellen? Österreichische Unternehmer müssen in erster Linie die Sanktionsbestimmungen mit der Personenliste sowie den Kontensperren prüfen. Problematisch wird zudem der Transit von der Ukraine nach Russland oder der Reexport. Diese Transportwege könnten durch neue Zoll- oder Grenzbestimmungen vonseiten Russlands erschwert werden. Durch die Abwertung der ukrainischen Währung wird es auch zu einer deutlichen Verteuerung von Importen in die Ukraine für dortige Auslandsinvestitionen kommen. Auch wirtschaftspolitische Unsicherheiten werden verstärkt auftreten. Zum Beispiel ist eine weitere Beschränkung der Devisenbewirtschaftung denkbar. Sehen Sie die Gefahr, dass nun Exporteure ihre Forde­ rungen nicht mehr einbringlich machen können? Wie steht es um die Rechtssicherheit? Ja, das kann tatsächlich passieren. Die insgesamt steigenden Insolvenzen und neue Rechtsbestimmungen bringen die Forderungen österreichischer Exporteure in Gefahr. Die Rechtsicherheit war schon vor Krimkrise problematisch. Die Durchsetzung von Rechtstiteln ist kaum möglich – und wenn, dann zeitlich stark verzögert. Das hat sich jetzt natürlich nicht verbessert. Wie kann man als Unternehmer für solche Fälle vor­ sorgen? Vorsorgen kann ein Unternehmer nur, indem er vorausdenkt und sich auf dem aktuellen Stand hält – über die Wirtschaft und die Politik eines Landes und über die jeweiligen Geschäftspartner. Das ist ziemlich viel auf einmal. Hier kommen wir ins Spiel: Schon im Vorfeld beraten wir unsere Kunden über die möglichen Risiken. Wenn dann tatsächlich etwas so Unvorhersehbares eintritt wie die Krimkrise, dann stehen wir unseren Kunden bei.

Kann man mit einer Exportversicherung solche Risiken überhaupt absichern? Ja – aber nur, wenn auch das politische Risiko mitversichert ist. Bei der OeKB Versicherung ist das standardmäßig im Versicherungsumfang enthalten. Hat ein Exporteur das politische Risiko nicht in seinem Paket, dann bleibt er auf den Schäden sitzen, die zum Beispiel durch eine Beschränkung der Devisenwirtschaft entstanden sind.

Informieren und Forderungsausfälle vermeiden: Profitieren Sie von unserer Länderexpertise und sichern Sie Ihr Business im Ausland ab. Wir informieren Sie gern über Chancen und Risiken: OeKB Versicherung AG, Tel. (+43 1) 531 27-2664, service@oekbversicherung.at


Handel mit dem Ausland Ein Überblick darüber, wo die heimischen Exporte hingehen, welche ­Warengruppen den meisten Umsatz machen und in welchen Branchen die Exportmeister stecken.

DIE TOP-EXPORTPARTNER in Millionen Euro 37.744 8.175

AUSSENHANDEL: 130 Mrd. DIENSTLEISTUNGEN: 34,6 Mrd.

7.062 6.337

Importe: 164,6 Mrd.

5.913

WOHER KOMMEN DIE EXPORTUNTERNEHMEN? Anteil in Prozent

Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden

Herstellung von Waren

Energieversorgung

Wasserversorgung; Abwasser- und Abfallentsorgung

Bau

Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kfz

Verkehr und Lagerei

0,2 %

21,8 %

0,4 %

0,5 %

5,9 %

54,0 %

2,5 %

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Maschinenbauerzeugnisse Bearbeitete Waren Chemische Erzeugnisse a. n. g. Sonstige Fertigwaren Nahrungsmittel und lebende Tiere Rohstoffe Mineralbrennstoffe, Schmiermittel Getrテ、nke und Tabak Waren a. n. g. Tierische und pflanzliche テ僕e, Fette, Wachse

WIR KAUFEN in Prozent

33,1 15,0 11,2 13,0 11,4 6,5

Exporte: 177,7 Mrd.

4,5 1,7 0,6 0,3

AUSSENHANDEL: 125,4 Mrd. DIENSTLEISTUNGEN: 52,2 Mrd. WIR VERKAUFEN in Prozent

39,1

22,0

11,2

Beherbergung und Gastronomie

Information und Kommunikation

Finanz- und Versicherungsdienstleistungen

Grundstテシcksund Wohnungswesen

1,8 %

3,4 %

0,5 %

1,1 %

11,6

5,7

Freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen 5,6 %

3,1

2,7

1,3

1,2

0,2

Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen

Reparatur von Gebrauchsgテシtern

2,2 %

0,3 %

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Quellen: AWO, Statistik Austria, Wifo

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Nichts für Feiglinge Import: Ob Zierfische, Autos oder Spezialitäten: Wer etwas importieren will, muss sich gezwungenermaßen mit Nummern, Codes, Bestimmungen und Ausnahmen von Bestimmungen beschäftigen und sollte Risiken nicht scheuen. Text: Alexandra Rotter

Jedes Mal, wenn Benno David für sein Aquariengeschäft in Wien Zier­ fische aus Peru einfliegen lässt, geht er ein Risiko ein. Denn oft, wenn er die Fische vom Flughafen abholt, gibt es ein Problem mit den Papieren. „Der Import ist eigentlich nicht schwierig. Aber wenn ein roter Stempel gefordert ist, und der Stempel ist aber blau, stehe ich am Flughafen und darf die Fische nicht mitnehmen“, sagt David. Ungefähr jedes zweite Mal laufe es nicht so, wie es soll – und fast immer gehe es um Kleinigkeiten wie falsch geschriebene Namen oder falsch notierte Stückzahlen. Dauert dann die Klärung des Problems zu lang, sterben Fische. Sie haben durch die Reise ein bis zwei Tage lang kein Futter bekommen. Tote Fische vergiften binnen kürzester Zeit das Wasser, was zum Tod der anderen Fische führen kann. Das finanzielle Risiko trägt der Unternehmer – nur selten derjenige, der die Papiere nicht ordnungsgemäß ausgefüllt hat.

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Bürokratie bei Drittländern Potenzielle Fehlerquellen gibt es beim Importieren aus Drittstaaten, also Ländern außerhalb der EU, zuhauf. Zunächst braucht Benno David eine sogenannte EORI-Nummer. EORI steht für „Economic Operators’ Registration and Identification“ und ist der Nachfolger der Zollnummer. Zudem muss die Lieferung Frachtpapiere enthalten. Werden diese mit dem falschen Flugzeug geschickt, was manchmal vorkommt, ist das ebenfalls ein Problem. Meist kommt es laut David aber zu Schwierigkeiten aufgrund der amtstierärztlichen Untersuchung – die Fische müssen im ersten Eintrittsland der EU begutachtet werden. Wesentlich lieber sind David Importe aus einem EU-Land: Hier fällt nicht nur viel Bürokratie weg, sondern auch der Zoll. Zudem sind die Lieferpreise nicht so hoch. Aus Peru werden die Fische in Boxen geliefert, die je nach Fischgröße fünf bis 600 Fische enthalten. „Unter zehn


Mit einem D.A.S. Rechtsschutz können sich Unternehmer gegen mühsame Vertragsstreitigkeiten umfassend absichern.

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„Innerhalb der EU ist das heute eine leichte Nummer: Sie suchen um ­Einfuhrgenehmigung bei der zuständigen Landesfinanzbehörde an, fahren über die Grenze und haben faktisch keine Abgaben.“ Oldtimerexperte Franz Steinbacher

Es ist extrem ärgerlich: Sie haben einen Vertrag mit Ihrer Reinigungsfirma für wöchentliche Lokal- und monatliche Fensterreinigung abgeschlossen, doch immer öfter werden die vereinbarten Termine nicht eingehalten. Irgendwann platzt Ihnen der Kragen und Sie kündigen den Vertrag. Nun beharrt die Reinigungsfirma aber auf die vereinbarte Kündigungsfrist, was bedeutet, dass Sie den Vertrag mit dem unzuverlässigen Dienstleister erst zur Jahresmitte auflösen können. Das müssen Sie sich nicht bieten lassen. Gegen solche oftmals langwierigen Vertragsstreitigkeiten können sich Unternehmer nämlich absichern: Die D.A.S. Rechtsschutz AG bietet einen variantenreichen, speziell auf Firmenkunden abgestimmten Vertrags-Rechtsschutz: • Rechtsschutz für Lieferungen und Leistungen anderer wie – Konflikte mit Lieferantenverträgen – arbeitsgerichtliche Auseinandersetzungen – Streitigkeiten über Dienstfahrzeuge – Streitigkeiten aus Versicherungsverträgen • Rechtsschutz für eigene Lieferungen und Leistungen an Dritte

Boxen braucht man nicht anfangen zu importieren, weil die Frachtkosten viel zu hoch sind“, sagt David. Pro Box koste der Transport zwischen 200 und 500 US-Dollar. Daher importiert der Unternehmer Zierfische zwei- bis dreimal pro Woche aus EU-Ländern, aber nur zirka alle drei Monate aus Südamerika.

EU-Importe einfach Auch für den Oldtimerexperten Franz Steinbacher, der seit Jahrzehnten einen Kfz-Betrieb führt und schon hunderte Autos importiert hat, ist die EU in Sachen Import ein Segen: „Innerhalb der EU ist das heute eine leichte Nummer: Sie suchen um Einfuhrgenehmigung bei der zuständigen Landesfinanzbehörde an, fahren über die Grenze und haben faktisch keine Abgaben.“ Sofern es sich um einen Oldtimer handelt, also ein 30 Jahre altes Auto, das aus einem EU-Land importiert wird, ent-

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Hilfreiche Websites für Importfragen Richtliniensammlung des Finanzministeriums https://findok.bmf.gv.at/findok Weltzollorganisation WCO (World Customs Organisation) www.wcoomd.org Newsflash „Steuer & Zoll News“ http://ec.europa.eu/taxation_customs/common/ newsflash/index_de.htm

fallen außer dem Zoll auch die Normverbrauchsabgabe (NoVA) und die Einfuhrumsatzsteuer. Aus einem Drittland wird es schwieriger. „Bei Drittlandimporten ist der Einfuhrumsatzsteuersatz von zehn Prozent zu zahlen“, sagt Steinbacher. Zudem ist ein Zollvormerkverfahren vorgeschrieben. „Dafür würde ich einen Spediteur empfehlen“, sagt Steinbacher. Anschließend muss die Einfuhrgenehmigung eingeholt werden.

scheitern regelmäßig an der Datenbank, weil sie sehr kompliziert ist“, sagt Schramm. Dazu kommt, dass das System nicht von allen Ländern genutzt wird – so führt zum Beispiel Russland ein eigenes System.

Regelungen und Ausnahmen

Die Zuordnung von manchen Produkten scheint eine eigene Wissenschaft zu sein. Zum Beispiel stellt sich die Frage, ob das Oberteil eines Jede Zeit hat ihre Hürden Bikinis, wenn es ohne Unterteil importiert wird, in die Kategorie „BadeDer Nachweis, dass es sich um einen Oldtimer handelt, muss durch ein anzüge und Badehosen“ oder „Büstenhalter“ gehört. Wer in diesen Gutachten belegt werden. Dazu muss der Importeur in seinem BundesBelangen einen Fehler begeht, macht sich strafbar, denn je nach Code land zum Finanzamt gehen und das Fahrvariiert auch der Zollsatz. Einen Unterzeug als Oldtimer klassifizieren lassen. schied macht etwa auch bei manchen Franz Steinbacher ist nicht nur Referent Lebensmitteln die Verarbeitung: So können Kakaobohnen laut Schramm zollfrei für Oldtimer in der Wirtschaftskammer importiert werden, für Schokolade fallen sowie Sachverständiger, sondern er sitzt aber rund 20 Prozent Zoll an. Und als ob auch im Beirat der Approbierten Liste für das nicht genug wäre, gibt es noch eine historische Fahrzeuge, wo er jedes Jahr Zwischenstufe: Sind die Kakaobohnen mitbestimmt, was als Oldtimer gilt und Hans-Joachim Schramm, Assistenzprofesgeröstet, fallen sechs Prozent Zoll an. Da was nicht. sor am Institut für Transportwirtschaft und nimmt es sich schon fast wie ein Segen Steinbacher hat schon vor JahrzehnLogistik der Wirtschaftsuniversität Wien ten Autos importiert, unter anderen der aus, dass für komplizierte Zuordnungen eine verbindliche Zolltarifauskunft Marke Maserati aus Italien. Damals war (vZTA) eingeholt werden kann. der Import noch mit anderen Hürden als heute verbunden: So mussten Außerdem spielt es eine Rolle, aus welchen Ländern Waren imporfür jeden Import Gegengeschäfte abgewickelt werden: „Wir haben Holz tiert werden. So gibt es unter anderem mit der Türkei, Tunesien und exportiert, um im Gegenzug Autos zu importieren. Das war fast wie in Marokko Präferenzregelungen, durch die der Zoll entfällt. Das Freieinem Kriminalfilm.“ Zudem sei eine Genehmigung der Nationalbank handelsabkommen mit den USA wird derzeit bekanntlich verhandelt. notwendig gewesen, um Devisen ins Ausland zu überweisen. Keine Ausnahmen gibt es bei Importen aus Drittländern immerhin bei Viele Waren – viele Richtlinien der Einfuhrumsatzsteuer. Was es aber gibt, sind Schlupflöcher, durch Wer „nur“ Zierfische oder Oldtimer importiert, hat es vergleichsweise die Zahlungen zumindest eingeschränkt werden können. So muss etwa einfach. Er muss sich mit den Bestimmungen für diese Warengruppen bei der sogenannten passiven Veredelung bei Wiedereinfuhr nur der vertraut machen und kann dann nach Schema F verfahren. Kompliziert jeweilige Mehrwert bezahlt werden, der durch die Veredelung, etwa die wird es für Unternehmer, die verschiedene Waren importieren, wie etwa Bemalung eines Produkts, entstanden ist. Spezialitätenhändler. Schon die Zuordnung eines Produkts zu einer Insbesondere für KMU können all diese Vorgaben einen hohen Aufwand bedeuten. Wer diffizile Waren einführt oder Import im großen Warengruppe kann in einem Spießrutenlauf enden. Stil betreibt, kann sich jedoch Hilfe von sogenannten AEOs (Authorized „Ich sage meinen Studenten immer: Du musst wissen, welchen Economic Operators) holen. Handelsexperte Schramm rät aber generell Code dein Produkt hat. Dahinter finden sich die Regularien“, sagt dazu, sich selbst mit dem Thema zu beschäftigen: „Die Informationen Hans-Joachim Schramm, Assistenzprofessor am Institut für Transportwirtschaft und Logistik der Wirtschaftsuniversität Wien. Der viersind beschaffbar, wenngleich es zeitaufwändig ist.“ So gebe es für KMU stellige Code, der auf der Rechnung vermerkt werden muss, lässt sich besonders in Österreich jede nötige Information im Internet, und das in mithilfe des Europäischen Zolltarifs Taric herausfinden. „Die Studenten der Regel kostenlos (siehe Linkliste).

„Ich sage meinen Studenten ­immer: Du musst wissen, welchen Code dein Produkt hat. Dahinter finden sich die Regularien.“

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Liquide bleiben mit Factoring Für kleine und mittlere Unternehmen ist es wichtig, stets Geldmittel zur Verfügung zu haben. Eine Form der Finanzierung ist Factoring, ein immer beliebteres Tool in Österreich und auch weltweit.

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Die Geschichte des Factoring Eigentlich existiert diese Form der Finanzierung schon etwa 4.000 Jahre, denn schon damals wurden Reisen in weitentfernte Handelskolonien von reichen Privatpersonen finanziert. Das Mittelalter war eine Hochzeit des Factoring. Aus dieser Zeit stammt auch der Name. Die Tätigkeit eines „Faktors“ bestand im Verkauf von Waren. Diese Waren bezog man aber von verschiedenen Lieferanten, die Käufer wussten meist gar nicht, von wem das Produkt stammte. Auch damals übernahm der „Faktor“ das Risiko der Vorfinanzierung für die Lieferanten. In Österreich stieg die Beliebtheit der Finanzierungsform rasch. Seit 2000 konnten die Anbieter Zuwächse von 15 bis 20 Prozent pro Jahr verzeichnen. Im Euroraum legte das Factoringvolumen im vergangenen Jahr um sechs Prozent zu.

Für Unternehmen, die liquide bleiben wollen, ist Factoring ein gutes Mittel.

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Vorteile des Factoring • Die Finanzierung passt sich den Umsätzen an • Ausnutzung von Skonti oder Rabatten • Minimieren der Außenstände bzw. Forderungen • Verkürzung der Bilanzsumme • Verbesserung des Ratings • Geringere Kreditabhängigkeit durch zusätzlichen Finanzierungsbaustein • Unterstützung bei der Expansion • Entlastung des Mahnwesens und der Debitorenbuchhaltung • Gewährleistung längerer Zahlungsziele für den Kunden • Absicherung von Forderungsausfällen Informationen: Intermarket Bank AG Marokkanergasse 7, 1030 Wien Tel. +43 (0)5 0100-28900 www.intermarket.at www.xing.com/companies/intermarketbankag IMB Wachstum

Der Begriff Factoring bedeutet Forderungsfinanzierung. Das bedeutet, dass der Unternehmer ein Factoringinstitut in Anspruch nehmen kann, um die Einbringung der Außenstände der Kunden diesem zu überlassen. Die Bank zahlt dem Unternehmer bis zu 90 Prozent der Forderungen sofort aus, was wiederum bessere Liquidität und weniger Bürokratieaufwand bedeutet, um diese Außenstände bei den Kunden einzufordern. Das obliegt nämlich dem Factoringinstitut, also der Bank. Die restlichen zehn Prozent werden nach Eingang der Außenstände von der Bank an den Unternehmer überwiesen. In Österreich wird Factoring rechtlich als Kaufvertrag eingestuft, in dem sich der Factor bereiterklärt, die Forderungen sofort mit 90 Prozent zu bevorschussen. Die Zusammenarbeit zwischen dem Anbieter und dem Unternehmer beginnt mit einem Beratungsgespräch, damit sich dieser einerseits das Angebot ansehen kann und andererseits das Factoringinstitut den Betrieb kennenlernt. Wird festgestellt, dass diese Finanzierungsform die richtige für den Unternehmer ist, verschafft sich das Factoringinstitut einen tieferen Einblick in das Unternehmen. Es erfolgt weiters eine Abstimmung über die Details wie Mahnwesen, Bonitätsmonitoring etc.

Sicherer Hafen für Ihre Liquidität Als starker Partner in puncto Factoring steht die Intermarket Bank an Ihrer Seite. Sie zählt zu den führenden Factoringbanken Österreichs und ist seit 1971 sehr erfolgreich am heimischen Markt aktiv. Oberste Priorität haben dabei immer die Kunden und deren Bedürfnisse. Wenn auch Sie Ihren Finanzierungsspielraum mit Factoring vergrößern möchten, kontaktieren Sie uns jetzt – wir freuen uns auf ein persönliches Gespräch.


Hannes Offenbacher

Offenbachers Asphaltgeschichten

Im Test: Honda Accord Tourer I’ll be back! Was fällt Ihnen ein, wenn Sie an Honda denken? Das wird wohl darauf ankommen, welcher Generation Sie angehören. Die einen verbinden mit Honda wohl vor allem Motorsport, den anderen kommt wohl das Bild eines aufgemotzten CR-X, die anderen denken vielleicht mehr an hybride, sparsame Stadtflitzer. Honda hat in den vergangenen Jahren einen großen strategischen Schwenk gemacht. Sie waren einer der ersten Hersteller, die entschlossen in die Entwicklung von Hybridmotoren investiert haben, und waren unter jenen, die die ersten Modelle in Serie und auf die Straße brachten. Von Neuauflagen sportlicher Modelle wie dem NS-X oder dem S2000 war nichts zu hören, und mit dem Rückzug aus der Formel 1 schien es dann wirklich so, als wolle sich Honda als ökologische Marke positionieren. Doch mit dem Honda CR-Z, dem ersten kompakten HybridSportflitzer, gab es ein erstes Lebenszeichen der alten Sportlichkeit. Auch wenn das Nischenprodukt nie die Anerkennung erhielt, die es verdient hätte (der CR-Z war wirklich göttlich zu fahren), so war es ein Vorbote für das, was in Zukunft anrollen wird. Und der Accord? Der ist in meinen Augen noch immer einer der schönsten Kombis am Markt. Jeder meiner Beifahrer – einschließlich meiner designkritischen Mutter – waren begeistert. Cockpit, Gestaltung, Karosserieform und Fahrdynamik sind ein Genuss, und gerade mein Testmodel der Type-S-Serie hat mit seinen 180 PS auch genügend Dampf unter der Haube. Dass er eher selten auf der Straße zu sehen ist, verwundert, wenn man ihn einmal gesteuert hat. In Qualität und Fahrgefühl braucht er

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keinen Vergleich mit deutschen Kollegen zu scheuen. Als Bergstraßen liebender Wahltiroler fehlte mir nur der Allrad, um alle meine Ansprüche zu erfüllen. Und 2015 bläst Honda zum Angriff: Der Supersportwagen NSX und der Civic Type R (300 PS!) erleben ihren Marktstart. Gleichzeitig feiert Honda seinen Wiedereinstieg in die Formel 1 als Motorenlieferant für das McLaren-Team. Dabei wird Honda seinen Technologievorsprung der Hybridtechnologie gut nutzen können, denn Sparsamkeit ist auch in der Königsklasse angekommen und bringt selbst Traditionsteams in Bedrängnis. Da kann man schon hoffen, dass Honda auch den Accord in naher Zukunft als verschärfte Type-R-Variante auf den Markt bringt. Vielleicht sogar mit Hybridtechnologie. Das Interesse an sportlichen Familienkombis, die man auch mal knackig um die Kurve legen kann, scheint ungebrochen. Honda Accord Tourer 180 Type S Motor: 132 kW (180 PS) mit maximal 380 Nm Beschleunigung: 0–100 km/h in 8,7 sec Verbrauch auf 100 km: 5,7 l (Mischwert) bei 150 g/km (CO2) Preis ab 41.255 Euro (inkl. NOVA und 20 % MwSt.) Weitere Infos: www.honda.at

Hannes Offenbacher ist Unternehmer und Neudenker. Er bloggt auf www.bessergehtsimmer.at


Lade-Lifestyle für Unternehmen Fuhrpark: Pick-ups sind hierzulande nicht besonders beliebt. Warum eigentlich? Es gibt doch einiges, das für die Wägen mit offener Ladefläche spricht. Text: Gregor Josel

Was in vielen anderen Ländern, vor allem in Nord- und Südamerika, aber auch bei unseren östlichen Nachbarn zum mobilen Alltag zählt, setzt sich hierzulande nicht besonders nachhaltig durch: der Pick-up! Verwunderlich, denn gerade ein moderner Pick-up ist die perfekte Symbiose aus Arbeitstier und vollwertigem Geländewagen, der weder in Sachen Komfort noch Sicherheit geizt und vor allem auch optisch keine Abstriche im Vergleich zu üblichen SUV-Modellen macht. Nebst diesen

Basic-Assets hat der Pick-up für Unternehmer und auch Private finanziell zahlreiche Vorteile zu bieten. Mit einer Lkw-Zulassung spart man viel Geld bei der motorbezogenen Versicherungssteuer, und das aktuelle NoVa-Thema kann man mit einem Pick-up ebenfalls außer Acht lassen, denn diese Fahrzeuge sind generell NoVa-befreit. Ob Freizeit, Familie oder Beruf – der Pick-up ist heutzutage also durchaus salonfähig. Wir haben die in Österreich erhältlichen Modelle für Sie zusammengefasst.

TOYOTA HILUX Der Hilux ist ein echter Veteran unter den Nutzfahrzeugen. Bereits seit 1968 wird er von Toyota gebaut. Damit kann er auf eine umfangreiche Geschichte verweisen, die ihn andererseits auch mit enorm viel Erfahrung in diesem Segment ausstattet. Das merkt man auch beim aktuellen Hilux, der komfortabler ist denn je, natürlich auch mit den umfänglichen Allradqualitäten eines Toyotas ausgestattet. Einstiegspreis ab 22.550 Euro (netto).

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DODGE RAM Der Ram gehört in den USA zum Straßenbild wie hierzulande der VW Golf. Der Ram ist ein US-Fullsize-Pickup, der nebst allumfassender Ladekompetenz auf Wunsch auch den Komfort eines Oberklasse­ geländewagen bietet. In Österreich ist der Ram ausschließlich über US-Importeure zu haben und liegt preislich durchschnittlich bei rund 37.000 Euro (netto).

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NISSAN NAVARA

LANDROVER DEFENDER

Ein alter Bekannter, der bereits seit 1986 am Markt ist. Damals noch als reiner Lastesel entwickelt, hat sich auch der Navara zum waschechten SUV mit Ladefläche gewandelt. Vor allem in der Topversion mit dem bärenstarken V6-Diesel ist der Navara mehr Lifestyler als Transporter. Mit Einzelkabine ist der Navara bereits ab 21.540 Euro (netto) zu haben.

Der Pick Up fürs Grobe! Nicht umsonst setzen zahlreiche Expeditionen und Unternehmen die unter härtesten Bedingungen arbeiten müssen seit Jahrzehnten auf den Defender. Er ist das ultimative Gerät für den extra harten Einsatz und im Gelände ungeschlagen. Auf den hohen Komfort anderer, PKW ähnlicherer Pick Up’s muss man - trotz mittlerweile ganz ordentlicher Ausstattung - verzichten, doch eines ist sicher: dieser Pick Up bringt einen sicher an die entlegensten Orte der Welt. Ab 23.500 Euro (netto).

MITSUBISHI L200

ISUZU D-MAX

Der Zweitälteste im Reigen der Lademeister ist der L200, den Mitsubishi bereits seit 1978 im Programm hat. In der aktuellen Version ist der L200 eine perfekte Symbiose aus Arbeitstier und Pkw, der sich vor keiner noch so schwierigen Aufgabe scheut. Den L200 gibt es in vielen und maßgeschneiderten Varianten, die ab Werk für verschiedene Einsatzgebiete (zum Beispiel Jagd, Wald oder Handwerk) ausgerüstet sind. Der Einstiegspreis liegt bei 19.417 Euro.

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Zu den Exoten am Markt zählt der Isuzu D-Max, der seit Mitte 2002 angeboten wird. Im Juli 2012 führte Isuzu die zweite D-Max-Generation ein, dabei wuchs der Radstand auf nunmehr 3.095 Millimeter und die Gesamtlänge auf 5.295 Millimeter. Der neue D-Max wird wie auch alle anderen Pick-ups mit Einzel-, 1,5- und Doppelkabine angeboten und ist ab 18.041,67 Euro (netto) erhältlich.


VW AMAROK FIAT DOBLO WORK

Vier Quadratmeter Ladefläche und das Format eines Kompaktautos: Fiat hat die Doblo-Reihe unlängst um eine Pick-up-Variante erweitert, die kompakte Pkw-Abmessungen mit großer Ladefläche und Nutzlast verbindet. Der Doblo Work basiert auf dem Kleintransporter Doblo und ist somit perfekt für das urbane Umfeld geeignet. Ab 16.980 Euro (netto).

2010 stieg auch Volkswagen in das Segment der Pick-ups ein und präsentierte den Amarok. Mittlerweile ist der fesche Germanen-Lader in zahlreichen und vor allem auch in Lifestyle-Varianten wie „Canyon“ oder „Dark Label“ zu haben. In Sachen Komfort und Ausstattung ist er eher als Geländewagen mit Ladefläche zu sehen denn als klassisches Nutzfahrzeug. Der Einstiegpreis liegt bei 21.730 Euro (netto).

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Ein Schreibtisch auf Reisen Wenn Unternehmen den Standort wechseln, ist perfekte Planung gefragt. Worauf Firmen bei der Übersiedelung achten müssen, und wie professionelle Dienstleister sie dabei entlasten können. Text: Heinz Erdmann

Checkliste für den Firmenumzug • Lieferanten und Kunden müssen informiert und bei der Post muss ein Nachsendeantrag gestellt werden. • Diverse Verträge bedürfen einer Aktualisierung. So muss die Bank über die neue Adresse informiert werden. Der Telefon- und Internetanbieter und die GIS stellen weitere abzuarbeitende Positionen dar. Die Energieversorger müssen frühzeitig kontaktiert werden, um Ablesetermine für Wasser, Gas und Strom zu vereinbaren. • Um die Transportwege möglichst kurz zu halten, müssen Halteverbotszonen beantragt werden. • Übersichtliche, deutlich geschriebene Lagepläne der Entladestellen – getrennt nach Stockwerken und Räumen – müssen erstellt werden. Dies erleichtert den Möbelträgern und Umzugshelfern die Arbeit wesentlich. • Bei den diversen Geräten wie Druckern, Plottern, Kopierern muss eine ausführliche Datensicherung vorgenommen werden. • Bei Leasinggeräten ist oftmals im Voraus schriftlich die Zustimmung der Leasinggesellschaften zum Transport einzuholen. • Die Verkabelung zwischen den EDV-Geräten sollte von Experten abgenommen werden. PCs, Monitore, Tastaturen und Drucker müssen mit Zielangaben gekennzeichnet werden. Auf die Netzwerk-, Strom- und Telefonverkabelung nicht vergessen! • Gegenstände, die von allen genutzt werden, sind zu kennzeichnen und zu verpacken: Küchenutensilien, Schreibwarenvorräte, Archiv, Papier, Pflanzen, Besprechungsräumen, Möbellager etc. • Es ist ratsam, vor dem Auszug aus dem alten und nach dem Einzug in den neuen Standort einen Extramülltransport zu organisieren. Im alten Büro muss die Frage der Endreinigung geklärt werden. • Ein bis zwei Mitarbeiter sollten alle leeren Räume noch einmal gründlich durchforsten und vergessene Kleinigkeiten einsammeln. • Umzüge ziehen häufig Gelegenheitsdiebe an. Alle Beteiligten sind daher zur Vorsicht aufzurufen.

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Ob Liverpool, Chicago, Casablanca oder Brisbane. Ob Dornbirn, Villach, Kufstein oder Mödling. Unabhängig von der Stadt und von der Branche stellt eine Übersiedelung gerade für Unternehmer eine Ausnahmesituation dar. Eine Ausnahmesituation, die von Fallen gespickt und von Fehleinschätzungen geprägt ist. „Unternehmen machen beim Umzug immer die gleichen, aber leicht vermeidbaren Fehler. Sie unterschätzen den Arbeitsaufwand für diese Aktion und ignorieren die simpelsten Regeln“, erklärt Marcus Haas, Geschäftsführer der Office Syncro GmbH, des Trägers von BComplete, einem in Wien ansässigen Netzwerk von Komplettanbietern für Bürolösungen. Obwohl klar ist, dass ein Firmenumzug nicht zum Daily Business eines Unternehmens gehört, ziehen nur rund zwanzig Prozent für die Logistik, die bei einem Umzug oder Neubezug eines Büros anfällt, Fachleute heran. Viele vertrauen lieber auf selbstgestrickte Lösungen in der Annahme, dass es einfach irgendwie klappen wird. Die ärgerliche Folge: Häufig entstehen aus mangelnder Planung Fehler, die viel Zeit kosten und die Produktivität des Unternehmens wesentlich senken – also erhebliche Zusatzkosten.

Richtiges Timing und klare Verantwortung Doch weg von Fehleinschätzung, Fallstricken sowie selbstgestrickten Lösungen und hin zum Gegenteil: zu einer Firmenübersiedlung, die reibungslos funktioniert. Eine der Grundlagen, um den Bezug eines neuen Büros möglichst rasch und gleichzeitig kostengünstig über die Bühne zu bringen, ist es, innerhalb des Unternehmens frühzeitig eindeutige Verantwortungen festzulegen. Für den Neubezug eines Büros sollte gemeinsam mit dem Umzugsdienstleister ein detaillierter Ablaufplan festgelegt werden, der Zeiten und Verantwortungen definiert. Detail am Rande: Es ist sinnvoll, dass jeder Mitarbeiter für sein Büromaterial selbst verantwortlich zeichnet. Für Bereiche, in denen kein Mitarbeiter direkt zuordenbar ist wie zum Beispiel Besprechungszimmer oder Küchen, sind ebenfalls Verantwortliche zu bestimmen. Ehemals klassische Speditionen wie die Johann Weiss GmbH haben sich längst als Komplettanbieter von Firmenübersiedlungen etabliert. Vor dem Umzug analysieren die Experten des in Wiener Neudorf ansässigen Transportunternehmens die Ist-Situation, nehmen den neuen Standort in Augenschein und legen dann ein umfassendes Angebot. Danach erstellen sie den bereits erwähnten, detaillierten Ablaufplan.


Markus Schwarz, Leitung der Umzugsabteilung „Transportmeister“ bei Johann Weiss, weiß genau, wie viel Zeit man realistischerweise einplanen muss: „Die reine Übersiedlungszeit für ein bis zu 100 m2 großes Büro beträgt durchschnittlich zwei Werktage. Für ein Büro von zwischen 100 und 200 m2 kalkulieren wir zwei bis drei Werktage. Übrigens beschleunigt es den Umzug nicht, wenn wir möglichst viele Übersiedler einsetzen. Im Gegenteil, sie würden sich dann nur gegenseitig im Weg stehen.“

Knackpunkt Verpackung

Was muss beim neuen Standort bedacht werden? „Büroflächen werden durch neue Bürokonzepte immer kleiner“, weiß der Office-Consulter Andreas Gnesda. Obwohl er bei seinem letzten Großprojekt – der Übersiedlung der Wirtschaftsuniversität Wien – über Platzmangel nicht klagen musste, rät er zu wohlüberlegtem Flächenmanagement. Naturgemäß sollten die Planungen diesbezüglich schon im Vorfeld des Umzugs abgeschlossen sein. Die Kosten für eine Komplettübersiedelung hängen primär von den Gegebenheiten an der alten und an der neuen Firmenadresse ab. Ausschlaggebend sind dabei folgende Punkte: In welchen Stockwerken befinden sich die Standorte, sind Lifte vorhanden, welche Maße weisen die Portale auf? Entsprechend groß ist die preisliche Spannweite. Stellt sich die Frage, wo die siedlungswilligen Unternehmer Kosten einsparen können. Markus Schwarz von Johann Weiss weiß es: „Sie können beispielsweise ihr Archiv selbst verpacken. Allerdings wird der Arbeitsaufwand dafür häufig unterschätzt. Viele planen diese Tätigkeit für Wochenenden ein, um dann an einem Sonntag festzustellen, dass sie nicht genügend Kartons haben.“ Eine klassische Fehleinschätzung, die längst nicht mehr Teil der Ausnahmesituation Firmen­ umzug sein muss – wenn man professionelle Dienstleister engagiert.

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Die größte Schwachstelle bei der Do-it-yourself-Lösung bildet laut Schwarz meistens der Lkw-Transport. Damit Möbel und sonstige sperrige Gegenstände auf dem Weg vom alten in den neuen Standort keinen Schaden nehmen, setzt sein Unternehmen auf optimale Verpackungen. Die Spezialisten von Johann Weiss verwenden stoß- und erschütterungsfeste Transportverpackungen. Bei besonders empfindlichem und wertvollem Gut kommen maßgeschneiderte Sonderverpackungen zum Einsatz. Um die Betriebsunterbrechung möglichst kurz zu halten, wird standardmäßig die gesamte Hardware in den alten Räumlichkeiten als Letztes eingepackt und im neuen Büro als Erstes wieder ausgepackt.

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Was ein MBA bringt Statussymbol, Sprungbrett für die höchsten Management-Weihen oder ­Turbo für den Wert am Arbeitsmarkt: Was ein MBA kostet, was er bringt, und woran Sie die guten Anbieter erkennen. Text: Mara Leicht

Was waren das für Zeiten, als zwei Drittel aller MBA (Master of Business Administration) noch vom Unternehmen bezahlt wurden. Ein bisschen verhandeln, die leise Drohung, man könnte sich nach einem neuen Job umschauen – und schon hatte man die Finanzierung in der Tasche. Heute ist das anders. „Höchstes ein Drittel der Kurse geht noch auf Unternehmensrechnung“, weiß Astrid Kleinhanns, Geschäftsführerin der WU Executive Academy. Die Postgraduate-Schmiede der Wirtschaftsuniversität hat das unangefochten größte wirtschaftsnahe Angebot, die Donau-Universität Krems das breiteste in Österreich. Geändert haben sich auch die Motive der Lernhungrigen. Von wechselwillig keine Spur mehr: „Die Bewerber sagen, sie haben viel gearbeitet und wollen jetzt etwas für sich selbst tun. Oder sie wollen im Unternehmen weiter nach oben kommen und brauchen die Gesamtperspektive.“ Der MBA ist dafür die Paradefortbildung. Schwierig nur, sich aus den vielen Anbietern den richtigen herauszupicken.

Woran erkennt man einen „guten“ Kurs? Zuerst einmal daran, dass eben kein theoretischer Frontalunterricht praktiziert wird. Die Teilnehmer (an der WU sind es bis zu 40 pro Kurs) lösen in der Gruppe konkrete Fallbeispiele. Das hat den Nebeneffekt, dass auch die einsamsten Wölfe dabei Teamarbeit lernen. Die Gruppe gibt ein Feedback, das mehr weiterhilft als jedes Mitarbeitergespräch. Und ganz nebenbei entstehen Freundschaften, die noch lange nach dem Abschluss bei der Lösung realer Probleme hilfreich sind. Dass ein Anbieter nicht auf Abzocke aus ist, lässt sich an der Veranstaltung von möglichst vielen Alumni-Veranstaltungen erkennen. So manches Netzwerk entpuppt sich später als wahre Goldmine. Wer nach höheren Unternehmensweihen strebt, für den ist ein Kurs mit hohem Finance-Anteil richtig. Der ist zwar (für alle Nicht-Financer) schweißtreibend und anstrengend, lohnt sich aber. Wer Geschäftsführer werden will, muss Bilanzen lesen können.

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Ist ein Unternehmen international orientiert, sei dessen Gründer ein englischsprachiger Kurs ans Herz gelegt. Ein Qualitätskriterium ist die globale Vernetzung – wenn etwa Teilnehmer in China, Indien, Russland, Amerika und Österreich virtuell gemeinsam ein Fallbeispiel lösen. Im Rolls-Royce der heimischen MBA, dem Global Executive MBA der Executive Academy, treffen sie auch in der realen Welt zusammen. Was finanziell kräftig zu Buche schlägt: Während ein „billiger“ MBA schon um 10.000 Euro zu haben ist, kostet dieser 42.000 Euro. Da fallen zusätzliche 10.000 Euro Reisekosten in die genannten Länder kaum mehr ins Gewicht. Immer noch billiger als der weltweite Diamantstandard: In den Eliteschmieden Harvard (Massachusetts), Insead (Fontainbleau) und Iese (Barcelona) schlägt ein MBA mit rund 65.000 Euro zu Buche.

Was bringt’s? Am meisten bringt der MBA einer bestimmten Zielgruppe: Ende 30 bis Anfang 40 Jahre alt, mindestens zwölf Jahre Berufserfahrung und auf dem Sprung zu den höchsten Managementweihen. Ziel ist es meist, einer bisher stetigen, linearen Karriere eine neue Wendung zu geben. Was auch (eine geeignete Position im Unternehmen vorausgesetzt) durchaus gelingt. Wenn nicht, steigt zumindest der Wert am Arbeitsmarkt. Doch Achtung: Personalberater kennen sich bei den Anbietern und ihren Preisen gut aus und filtern schnell heraus, wem es nur um den raschen Titel ging. Wer den MBA also nur fürs Image anstrebt, muss auch einen prestigeträchtigen – und damit teuren – Anbieter wählen. Apropos rasch: Die meisten Ausbildungen dauern zwei Jahre. Eine Zeit, in der man sein Privatleben getrost abschreiben kann. Dieser Punkt gehört unbedingt vorab mit Partner und Familie geklärt. Viele Absolventen sind überrascht, wenn man sie, das Diplom in der Hand, nach ihrer wertvollsten Lesson Learned fragt. Kleinhanns fragt Erwartung und Erfüllung ihrer Schützlinge vorher und nachher ab. Erkenntnis: Nachher ist es immer etwas anderes, als man vorher denkt.


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Gute Mails schreiben Tausende E-Mails landen täglich ungelesen im virtuellen Papierkorb. Was tun, damit die eigene Post vom Gegenüber wahrgenommen wird? Rhetorik-Coach und ­Mentaltrainer Roman Braun gibt Tipps, wie E-Mails gestaltet sein sollen. Text: Daniel Nutz

Erst überlegen, dann schreiben!

Vertrauen Sie auf die gute alte Schule!

Fürs geschriebene gilt das Gleiche wie fürs gesprochene Wort. Der Tipp: einfach und verständlich bleiben. „Hauptsätze verwenden und Nebensätze vermeiden“, erklärt Roman Braun. Wenn es sein muss, dann sollen Nebensätze nach- oder vorgestellt sein. Schachtelsätze dienen dazu, den Leser Ihrer Nachricht das Leben zu erschweren. Eine lebendige Sprache wird besser rezipiert, das belegen Ergebnisse aus der Gehirnforschung. Darum: Die Nennform und Passiv vermeiden und dafür visuelle Prädikate verwenden. Diese bringen Abwechslung für das Gehirn.

In der Briefkorrespondenz ist es ein Leichtes, dem Schreiben eine persönliche Note zu geben: Durch die Wahl des Briefpapiers oder bei persönlichen Schreiben durch die Handschrift. „Bei E-Mails zeigen Studien, dass die Schriftfarbe Blau gut ist, weil sie Assoziationen zu Füllfeder und Kugelschreiber herstellt“, sagt Braun. Auch sonst gilt es, sich weiter am guten alten Brief zu orientieren. Anreden im laufenden E-Mail-Verkehr wegzulassen ist für Braun ebenso keine gute Idee. „Anreden erhöhen die Akzeptanz ebenso wie Groß- und Kleinschreibung.“

„Unsere neue Website wird bald mit Texten, die wir selber formulieren, befüllt werden. Dazu würden wir auch ein ­Interview mit Ihnen führen wollen.“

„Wir texten gerade Inhalte für unsere neue Website und wollen deswegen ein Interview mit Ihnen veröffentlichen.“

danke für ihre nachricht, bezüglich ihrer beschwerde betreffend der badewanne ihres hotelzimmers….

Sehr geehrter Herr Dr. Müller-Lüdenscheidt, bezüglich Ihrer Beschwerde betreffend der Badewanne ihres Hotelzimmers …

Bei „James Bond“ Regie führen!

Seien Sie kein Affe!

Eine perfekte Mail soll dem aristotelischen Spannungsbogen folgen. Was ist gemeint? „Lassen sie Ihr Gegenüber mit einer netten Begrüßung ankommen. Bereiten Sie dann einen ersten Höhepunkt vor, und legen Sie dann mit der Story los. Eine gute E-Mail funktioniert wie ein ‚James Bond‘-Film“, sagt Braun. Wichtig: Es ist essenziell, schon mit dem ersten Satz Aufmerksamkeit zu erregen. Der Leser schmunzelt und wird dazu animiert weiterzulesen.

„Jede offene Aufgabe ist wie ein Klammeraffe. Er sitzt auf jenen, die die Aufgabe zu erfüllen haben. Im Management versuchen Leute die eigenen Affen anderen anzuhängen“, sagt Braun. Konkret geschieht dies in Unternehmen, indem Probleme via E-Mails weitergeschoben werden. Das Prinzip: Wenn ich mich nicht drum kümmere, soll sich jemand anderer (nicht) drum kümmern.

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 Direkte Ansprachen und Fragen sind immer gut: „Haben Sie auch die Nase voll von langatmigen, nicht informativen E-Mails? Wir haben die besten Tipps für Sie.“

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 Dass meine Mail einfach weitergeschoben wird, vermeide ich, indem ich den Inhalt personalisiere. Ich spreche die adressierte Person direkt mit ihrem Namen an und zeige ihr, „ja, genau dich meine ich“. Mails an die berühmten Office-Adressen zu senden ergibt daher nur wenig Sinn.


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It’s time to say goodbye – Danke Windows XP „Wer jetzt erst beginnt, sich über eine Ablöse von Windows XP Gedanken zu machen, handelt reichlich spät, aber nicht zu spät. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt endgültig gekommen!“

Klar strukturiert wird gelesen! Aufzählungen, Nummerierungen und Absätze erleichtern das Lesen. Weiß fast jeder, die wenigsten halten sich aber daran. Braun hat einen Tipp: „In jedem Absatz muss die Möglichkeit bestehen, einen Doppelpunkt zu setzen, dem eine Aufzählung folgt.“ Ist das nicht möglich, sollte der Text nochmal überarbeitet werden.

Sehr geehrte Frau Magister Furthner,

Walter Berl, Geschäftsführer Berl EDV, Microsoft Partner

Am 8. April 2014 wurde der Support von Windows XP eingestellt. Dies kann für Unternehmen gravierende Folgen haben: PCs sind nur unzureichend vor Viren, Spy- und anderer Malware geschützt. Die daraus resultierenden Gefahren reichen vom Datenverlust bis hin zum Totalausfall des PCs.

Sehr geehrter Prof. Altenburger,

seriösen Informationen entsprechend weitet die Oberbank ihr Einfluss- und Wirkungsgebiet innerhalb Österreichs weiter aus. Es

habe gestern Friedhelm Boschert getroffen und er hat Sie mir als Ex

wäre daher durchaus passend, wenn Sie mit DIE WIRTSCHAFT auch

perte für einen Artikel im Magazin „Die Wirtschaft“ weiterempfohlen.

einen Informationspartner an Ihrer Seite hätten, der bei der letzten LAE deutlich gewonnen hat ( vor Format, vor Wirtschaftsnachrichten,

Worum es geht? Ich will das Thema „Unternehmertum und

vor Industrie Magazin usw. ) und auch bei den Top Entscheidern

Verantwortung“ (also Themenspektrum Nachhaltigkeit - CSR) in der

im Spitzenfeld liegt.

kommenden Coverstory recherchieren. Grob soll es darum gehen,

Ein Magazin eben, das auf kompetente, seriöse und leserorientierte

folgende Themen zu besprechen:

Redaktion Wert legt. Bei der es mehr um praktischen Nutzen als um

weihrauchgestützte Berichterstattung geht. Finanz Entscheider und

erklärbar?

8 bis 400 Mitarbeitern ( also etwa 80 % der heimischen Unternehmen

• • •

) Bevor ich Ihnen unser Medium in allen Einzelheiten vorstelle und

Unternehmen mehr und mehr Funktionen des Staates?

betriebswirtschaftlich Verantwortliche gehören vermehrt zu unseren Abonnenten und Lesern, die Firmengrössen bewegen sich zwischen

Es wird Zeit für den Umstieg

Wie ist der Wandel zu mehr unternehmerischer Verantwortung

Jetzt ist der perfekte Zeitpunkt, einen neuen Windows8-Pro-PC zu kaufen. Ob Tablets, Laptops oder PCs: Die neuen Modelle sind dünner, leichter, schneller, ausdauernder und mit den neuesten Sicherheitstechnologien ausgestattet. Mehr erfahren Sie unter windows.com/endofxp.

In welchem geschichtlichen Kontext steht Wirtschaftsmoral? Echte CSR versus Green Washing? Kultureller Unterschied zum anglikanischen Raum. Übernehmen

möglichweise durch Zahlen und Statistiken langweile, darf ich Ihnen einen persönlichen Termin anbieten. Beri diesem Gespräch könnte

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir hier für ein Gespräch (am

ich Ihnen maßgeschneiderte Lösungsmodelle für Ihre Aufgabenstel

besten telefonisch) zur Verfügung stehen könnten. Termin: Ich sage:

lungen anbieten ( nicht adhoc - ich erlaube mir, diese Modelle auch

je früher desto besser, weil ich Ihre Expertise mit in die Folgerecher

mit den Fachleuten aus unserer Redaktion zu besprechen ).

che nehmen möchte. Bis 17. April.

Auch werde ich Ihre Zeit nicht sinnlos vergeuden, sondern zu einem konstruktiven Gedankenaustausch nützen.

Mit besten Grüßen

Ihnen den Vormittag zu jeder Zeit anbieten. Andere Möglichkeiten

Daniel Nutz

essantes Gespräch mit Ihnen und werde mich dabei bestmöglich

Berl EDV, Microsoft-Partner, hat bereits vor rund einem Jahr damit begonnen, für seine Kunden ein Servicepaket unter dem Motto „Abkehr von Windows XP“ zu schnüren und mittels gezielter Kommunikation auf das nahende Support-Ende hinzuweisen. Dabei ging es um optimale Unterstützung bei der Planung des zeitgerechten Umstiegs auf eine aktuelle Betriebssystemversion. Das beinhaltet neben der Planung der Migration auch die Budgetierung eventuell nötiger neuer Hardware. „Denn der klassische Kunde im KMU-Bereich kauft das Betriebssystem mit einem neuen Rechner mit; die wenigsten installieren ein neues Betriebssystem auf bereits ältere Geräte. Der Hardware-Erneuerungszyklus beträgt hier in etwa fünf Jahre“, so Berl. Neben den sicherheitsrelevanten Aspekten durch das Support-Ende sprechen natürlich auch zahlreiche technische Neuerungen für Windows 8(1), z. B. der Support von USB 3, IPv6, Security, Performance u. v. m. Ein wichtiger Punkt für die Kunden ist auch die Vereinheitlichung der Plattform im Unternehmen, die für die IT viel einfacher zu warten ist als heterogene Systeme. Und last, but not least laufen viele Applikationen unterschiedlicher Hersteller in den neuen Versionen nicht mehr auf Windows XP, erklärt Berl weiter.

bemühen, Ihnen ein kompetente Basis für eine Zusammenarbeit zu schaffen. Mit besten Grüßen, Dr. Hannes WALTER

Zu viel Information bereitet Bauchschmerzen! Gerade im Business bekommt fast jeder mehr E-Mails, als ihm lieb ist. Um nicht auf der Spamliste zu landen, gilt daher: nur relevante Nachrichten versenden! Das gilt auch für interne Mails. In manchen Unternehmen ist das Versenden in CC verboten. Und das hat gute Gründe: Niemand will unnötige Informationen bekommen. „Viele Mails im Geschäftsbereich entstehen aus Angst und Unsicherheit“, sagt Braun, „den Verfassern geht es darum, sich abzusichern.“

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Roman Braun ist Master-Coach der ICF, NLP-Master-Trai-

ner und Bestsellerautor. Er lernte u. a. bei Paul Watzlawick, Bert Hellinger und Viktor Frankl. Braun ist als Coach für Manager und Spitzensportler tätig.

Entgeltliche Einschaltung

 Eine Mail sollte vor allem kurz und bündig sein. Geschwafel vermeiden – in der Kürze liegt die Würze! Ein Pyramidenaufbau hilft: das Wichtigste zuerst und dann Hintergrundinfos und Details. Sachliche und vor allem zeitliche Relevanz und der passende Empfänger sind essenziell. Was erst in zwei Wochen aktuell ist, wird heute niemand lesen.

Kundenprofil: Berl EDV mit Sitz in Neunkirchen ist ein klassischer Systemintegrator mit sehr starkem Serviceschwerpunkt im Bereich KMU. Berl bietet seit vielen Jahren Serviceverträge mit Monitoring der IT seiner Kunden auf Monatsbasis an. Microsoft Österreich GmbH Am Europlatz 3, 1120 Wien Telefon: +43 610 640 • E-Mail: austria@microsoft.com www.microsoft.com/austria

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Das preisgekrönte Interieur der Buchhandlung Haymon in Innsbruck lädt zum Verweilen ein.

Viele kamen, und noch mehr gingen wieder. Heinz Stierle hat schon viele Buchhandlungen auf- und zusperren sehen. Der 74-Jährige ist seit 52 Jahren Buchhändler in Salzburg. Mitten im Zentrum der Mozartstadt, nur einen Steinwurf vom Residenzplatz entfernt, sitzt er in seinem kleinen Buchgeschäft, das seinen Namen trägt. In hellen Holzregalen stehen Lexika, Kinderbücher, Bildbände oder Belletristik. Hier ist man besonders auf Lokales spezialisiert, Bücher aus und über Salzburg. „Ich bin Buchhändler aus Überzeugung“, sagt er. Es bereite ihm Spaß, sonst würde er nicht noch immer jeden Tag im Geschäft stehen. Trotz der Konkurrenz im Internet und großer Handelsketten, mit deren Margen eine kleine Buchhandlung nie mithalten kann, gibt es die Buchhandlung Stierle noch immer – und viele andere auch. „Ein Raum ohne Bücher ist wie ein Körper ohne Seele“, schrieb bereits Cicero. Was der alte Römer im ersten Jahrhundert vor Christus nicht wissen konnte: Eine Buchhandlung hat inzwischen mit Büchern oft nur noch bedingt zu tun.

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Die Einzigartigkeit der Kleinen Während große Buchhandelsketten, in denen sich zwischen Best- und Restsellerangeboten Buddha-Statuen, Glasperlen und Lebensberatungsbücher breitmachen, zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten schlittern, scheint das klassische Buchgeschäft geradezu eine Renaissance zu feiern. Während Ketten ihren Filialen ein einheitliches Gewand überstülpen, setzen kleine Buchhandlungen auf ihre Einzigartigkeit. Der stationäre Buchhandel ist es gewohnt, gebeutelt zu werden. Zuerst setzten ihm die großen Ketten zu. Thalia, Morawa, Weltbild oder Hugendubel lockten Kunden mit gigantischen Verkaufsflächen. Doch die Eroberer von damals sind heute die Opfer. Gerade die großen Ketten leiden besonders unter dem Onlinehandel. Ganze Landstriche verloren ihre Buchhandlungen, in manchen Orten oder Wiener Bezirken fand sich kein einziger echter Buchladen mehr. Doch mittlerweile erleben gerade kleine Buchhandlungen wieder einen Zulauf – wenngleich die Steigerungsraten noch überschaubar sind. Zwar gibt es für Österreich noch keine aktuellen Zahlen, doch


www.fotowerk-aichner.at

Besser als ein ­Algorithmus Der Buchhandel wurde schon oft totgesagt, setzte ihm doch die Konkurrenz aus dem Internet m ­ ächtig zu. Doch mit Innovation, Kreativität und Q ­ ualität ­konnten sich viele Geschäfte bis heute halten. Text: Florian Gasser

der Blick nach Deutschland stimmt optimistisch. Nach jahrelangen Umsatzrückgängen verbuchte der stationäre Buchhandel dort wieder ein kleines Plus und stieg um 0,9 Prozent.

Mit Innovation und Selbstausbeutung Der Buchhandel wurde schon oft totgesagt – und es gibt ihn immer noch. Eine echte Trendumkehr kann Erwin Riedesser, Vorsitzender des Buchhändlerverbands und Inhaber der Wiener Buchhandlung Leporello, aber nicht feststellen. „Der Grund, wieso es dem Einzelhandel schlechter geht, ist das Internet, und das ist nicht im Abmarsch“, sagt Riedesser. Trotzdem sei die Situation gerade in Österreich besser als in Deutschland. „Es machen immer wieder kleine Buchhandlungen auf, die mit der notwendigen Selbstausbeutung auch erfolgreich sind.“ Doch Einsatz allein reicht schon lange nicht mehr. Innovation ist das Zauberwort. Ein Bücherwühltisch mit den Bestsellertiteln ist bestimmt kein Verkaufsargument. Wer in eine Buchhandlung geht, weiß zumeist noch gar nicht, was er kaufen möchte. Der Leser will stö-

bern – und beraten werden. Heinz Stierle ist Spezialist für Reisebücher und kennt sich bei Sprachen aus. Eine seiner Angestellten ist Kennerin von Kinderbüchern. „Das spricht sich herum, manche kommen extra wegen der Beratung hierher und verlangen nach ihr“, erzählt Stierle. „Doch eine gute Beratung ist teuer, man braucht richtige Fachkräfte.“

Gespräche statt Algorithmen „Bei großen Ketten ist fast keiner mehr da, weil die Personaldecke dünn gehalten wird“, sagt Riedesser. „Beim kleinen Buchhandel haben wir genug Stammpersonal. Die Kunden wollen Gespräche führen und sich anders beraten lassen als nur durch einen Algorithmus.“ Buchhändler müssten jetzt erst recht besser, schlauer und klüger sein und über mehr Wissen verfügen als die anderen. „Wenn jemand in eine Buchhandlung geht und dort kein freundliches Wort bekommt, dann wird er das nächste Mal eher mit dem Computer arbeiten.“ Als Stierle vor mehr als einem halben Jahrhundert als Buchhändler begonnen hatte, gab es in Salzburg noch 17 Buchläden. Elf sind bis heute

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„Bei großen Ketten ist fast keiner mehr da, weil die Personaldecke dünn gehalten wird.“ Erwin Riedesser, Vorsitzender des Buchhändlerverbands

übrig geblieben. Noch immer muss er sich stets etwas Neues überlegen, immer am Ball bleiben. 65 Prozent der Kundschaft sind Stammgäste, rund ein Viertel Touristen. Gemeinsam entscheidet die Belegschaft, was ins Sortiment aufgenommen wird und was nicht. 11.000 Titel liegen bereit. Paulo Coelho und Stefan Zweig liegen Stierle besonders am Herzen. Doch manchmal muss er auch über seinen Schatten springen. Thomas Bernhard im Regal stehen zu haben gehöre in Salzburg dazu. „Aber der ist überhaupt nicht meins“, sagt Stierle. „Diese Nestbeschmutzung, das mag ich nicht.“

Alternative Ideen Immer wieder warten Buchhandlungen mit neuen Konzepten und innovativen Ideen auf. In der Buchhandlung Heyn in Klagenfurt werden die

Kunden bekocht, andere setzen auf außergewöhnliche Architektur wie die Buchhandlung Haymon in Innsbruck, deren Interieur bereits mehrfach preisgekrönt wurde. „Ihr Buch hat ein Gesicht“ heißt eine von 39 Wiener Buchhändlern ins Leben gerufene Initiative. Sie wollen damit explizit auf die Qualität des Buchhandels aufmerksam machen und argumentieren, dass ein ausgebildeter Buchhändler mehr ist als bloß ein Verkäufer. Die Buchhandlung ist ein Ort des Austauschs, des Dialogs über Literatur. „Ich behaupte nicht, dass das Internet Teufelszeug ist“, sagt Erwin Riedesser. Trotzdem würde Riedesser „zum Beispiel lieber in Plattengeschäfte gehen, aber die gibt es kaum mehr. Wein kann man auch im Internet kaufen, aber mir würde es abgehen, wenn es keine Weinhandlungen mehr gäbe.“

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Geschäftsidee des Monats

Ausgefallen, witzig, innovativ: Die WIRTSCHAFT präsentiert in jeder Ausgabe ein neues Businessmodell, das Schule machen ­könnte. Die Redaktion freut sich über Tipps und Infos: s.strzyzowski@wirtschaftsverlag.at.

Gemüse aus dem Bunker Die Idee:

Der Anbieter:

Nichts weniger als eine Lebensmittelrevolution verspricht „Growing Underground“ – und diese soll auch noch 30 Meter unter den Straßen Londons stattfinden. Was zunächst einmal seltsam klingt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als durchaus schlaue Idee. Und die sieht so aus: In einer Großstadt wie London Anbauflächen für Grünzeug zu finden und so für kurze Transportwege zu sorgen ist extrem schwierig bis unmöglich. Doch ein paar Stockwerke tiefer sieht die Sache anders aus, wie Richard Ballard und Steven Dring, die Pioniere von Zero Carbon Food, ausgetüftelt haben. Sie konnten von der Stadt London mit viel Überzeugungsarbeit ausgediente Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg pachten und im Süden der Metropole unter der Oberfläche eine unterirdische Farm errichten. Auf mehr als einem Hektar Fläche produzieren sie dort nun Kräuter, Sprossen und Gemüse. Absolut ohne Kohlenstoffdioxid auszustoßen, wie sie versichern. Spezielle energiesparende LEDLampen, kontrollierte Bewässerung und gleichbleibende Temperaturen halten den Energiekonsum auf ein Minimum. Und auch der Strom ist grün: Sämtliche Energie wird aus ökologischen Quellen bezogen.

Richard Ballard und Steven Dring sind beide auf Bauernhöfen aufgewachsen und seit der Schule dicke Freunde. Die Idee zu dem Projekt kam den beiden – wie könnte es anders sein – nach ein paar Bieren in einem Pub. Obwohl die Idee unter Alkoholeinfluss entstanden ist, ist das Konzept voll aufgegangen. Das hochwertige Gemüse wird von Restaurants, Markthändlern und den Londonern selbst gut angenommen und findet reißenden Absatz. www.growing-underground.com

Die Vorteile: Für eine Anbaufläche mitten in London zahlen die Underground-Farmer einen vergleichsweise lächerlichen Betrag, können mit extrem kurzen Lieferwegen und dadurch günstigen Preisen punkten, benötigen keine Pestizide, können aufgrund der jahreszeitenunabhängigen Bedingungen das ganze Jahr alle Sorten liefern, die auch noch toll schmecken sollen. Zudem setzen sie soziale Impulse in der Nachbarschaft und agieren nachhaltig durch die energiesparenden Anbaumaßnahmen.

Was wir toll finden: Erstens, dass aus einer besoffenen Idee manchmal tatsächlich etwas werden kann. Zweitens, dass die Gründer eine günstige Ressource entdeckt haben, an die niemand sonst dachte. Drittens, dass sie mit ihrer Idee aufzeigen, wie die Lösungsansätze in puncto Lebensmittelproduktion in Zukunft aussehen könnten. Und dass es auch noch schmeckt.

Was uns überrascht: Dass es in einer extrem artifiziellen Umgebung möglich ist, ein Produkt herzustellen, das nicht von konventionellem Gemüse ­ nterscheidbar ist. Und zwar ohne gigantischen Energieaufwand. u

Was man sich von der Idee abschauen kann: Die Art aus der Box aus denken, seine Idee umzusetzen, auch wenn alle sagen, dass sie verrückt ist, und dabei auch noch an Gesellschaft, Umwelt und Kosteneffizienz zu denken.

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Ein Stück Wien in Lissabon Zwei Österreicher gingen nach Portugal, um dort höchst erfolgreich den Charme Wiens zu verbreiten. Ein Besuch in ihrem Kaffeehaus bei Melange, Käsekrainer und im Geiste Rapid Wiens. Text und Fotos: Michael Riedmüller

Ernst Jandl und Helmut Qualtinger blicken mürrisch von der Plakatwand herunter. Auf der Speisekarte stehen ein kleiner Brauner, Apfelstrudel und Käsekrainer. „Rapid Wien – Lebenssinn“ steht auf einem Sticker hinter der Bar. Neben dem Eingang beim Fenster liegen Zeitungen aus, die Stimmung ist gediegen gemütlich. Es ist ein ganz normales Wiener Kaffeehaus, von denen es in der Hauptstadt der Kaffeehauskultur viele gibt. Mit dem kleinen Unterschied, dass auf der Karte neben dem kleinen Braunen „Café pingado“ steht, neben Apfelstrudel „Strudel de maçã“ und neben Käsekrainer „Salsicha ligeiramente fumada“, alles in portugiesischer Übersetzung, denn das „Kaffeehaus“, wie es schlicht heißt, findet sich nicht in Wien, sondern in Lissabon.

„Leiwand, leiwand, leiwand“ „Ein Wiener Kaffeehaus funktioniert überall, davon waren wir überzeugt“, sagt Konrad Tretter, der das Lokal 2008 gemeinsam mit Christoph Hubmayer eröffnete. Sie sollten recht behalten. Mittlerweile ist das „Kaffeehaus“ in der Rua Anchieta, mitten in Chiado, dem Zentrum der portugiesischen Hauptstadt, zu einer Lissabonner Institution geworden, die in den meisten Reiseführern Beachtung findet. Das Geheimnis des Erfolgs? „Wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, sagt der studierte Betriebswirt Hubmayer. Der heute 35-Jährige war schon 2004 für ein Praktikum in Lissabon, seitdem reiste er jedes Jahr mit Tretter nach Portugal, unter anderem der gemeinsamen Passion des Wellenreitens willens. In dieser Zeit reifte die Idee, hier ein Geschäft zu eröffnen, ohne genau zu wissen, was es am Ende werden sollte. 2007 entschieden sie sich während eines längeren Aufenthalts für ein Kaffeehaus. „Wir

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haben gesehen, dass es so etwas hier einfach nicht gibt“, erzählt Tretter, der schon vorher in der Gastronomie gearbeitet hatte. Als sie das leerstehende Lokal in Chiado fanden, war klar, dass sie es machen, deckte der Zufallsfund doch die drei L des Erfolgs im Gastronomiegeschäft ab: Lage, Lage, Lage. Was sie daraus machten, deckt wiederum die drei Wiener L ab: „Leiwand, leiwand, leiwand“, wie Tretter mit einem spitzbübischen Lächeln erklärt. Im Sommer 2007 verkauften die beiden Jugendfreunde den größten Teil ihres Hab und Guts auf einem Flohmarkt, den Rest packten sie in einen kleinen Bus und machten sich auf den Weg in den Westen. In Wien gaben sie alles auf, um in Lissabon bei null anzufangen. „Wir waren überzeugt, dass es klappt, aber natürlich ist immer ein Risiko dabei“, sagt Hubmayer, der aus dem niederösterreichischen Kirchberg an der Pielach stammt, heute rückblickend. Aber was für andere vielleicht abschreckend wäre, war für die beiden Motivation, es zu probieren. Die Anfangszeit war alles andere als einfach. Es dauerte fast ein Jahr bis zur Eröffnung. Bei den Umbauarbeiten legten sie aufgrund des geringen Budgets oft selbst Hand an. 90-Stunden-Wochen waren zu Beginn eher die Regel als die Ausnahme. Und auch die portugiesische Bürokratie machte ihnen zu schaffen. „Für Bewilligungen mussten wir schon mal ein halbes Jahr warten. Aber man gewöhnt sich schnell daran, dass hier alles etwas langsamer läuft“, erzählt Tretter. Noch dazu betraten sie völliges Neuland. „In Österreich wussten wir, wo man nachsehen muss, wen man fragen kann, um Informationen zu bekommen. Hier mussten wir alles neu entdecken, und das in einer anfangs fremden Sprache“, erinnert sich der 34-Jährige.


Christoph Hubmayr (l.) und Konrad Tretter nehmen gern einen echten Wiener Kaffee im eigenen Lokal ein.

Hart erarbeiteter Erfolg Es sollte sich auszahlen. Die harte Anfangszeit führte schon bald zum Erfolg, der in diesem Ausmaß auch für Tretter und Hubmayer überraschend kam. Die Lissabonner verliebten sich schnell in das Kaffeehaus, für das die Gründer das Design der Wiener Pendants zum Vorbild nahmen. Die Stühle beispielsweise stammen aus einem alten leerstehenden Zinshaus in der Wiener Taborstraße, die die beiden „Austriacos“, wie sie hier genannt werden, nach Lissabon verschifften und selbst neu schliffen und lackierten. „Es steckt viel Herzblut in dem Lokal. Das merken die Gäste auch, und das ist sicher auch ein Grund für den Erfolg“, ist Tretter überzeugt. Schon kurz nach der Eröffnung gab es sogar einen richtigen Hype um das „Kaffeehaus“ inklusive Medienberichterstattung. Um die Vermarktung mussten sie sich keine Sorge machen. Heute ist das Lokal ein Fixpunkt in der Lissabonner Gastronomieszene. Aus anfänglich sechs Angestellten sind zwanzig geworden, Hubmayer und Tretter können es sich leisten, etwas ruhiger zu treten und auch wieder ab und zu auf Heimaturlaub zu fahren. „Anfänglich war das nicht so wichtig, aber mittlerweile brauche ich die regelmäßigen Ausflüge nach Wien“, sagt Tretter. Früher wäre der Strand Luxus gewesen, heute, mit dem Atlantik ums Eck, sind es

die Berge. Was vermissen sie am meisten an Österreich? „Die Rapid Wien geht mir am meisten ab“, sagt Tretter, gebürtiger und leidenschaftlicher Hütteldorfer. Ein echtes Wiener Kaffeehaus fehlt ihnen nicht, dafür haben sie selbst gesorgt.

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Bewegung von unten Genossenschaften: Nicht die Gier Einzelner, sondern Kooperation steht bei ihnen im ­Vordergrund. Sind sie ein geeignetes Gegen­modell für die Wirtschaft von morgen? Text: Alexandra Rotter

Seit der Krise sind die Prinzipien der Marktwirtschaft in mehr oder weniger heftige Kritik geraten. Auf einmal ist es fragwürdig, ob Wachstum das oberste Ziel ist, das Wirtschaft und Gesellschaft anstreben sollten. Unklar ist plötzlich auch, ob Gewinnmaximierung weiterhin das wichtigste Mantra jedes Unternehmens bleiben sollte. Schließlich herrscht bei vielen Menschen mittlerweile der Eindruck vor, dass das, was erwirtschaftet wird, nur selten jenen zugute kommt, die dafür hart gearbeitet haben. Nicht zuletzt der Hypo-Skandal erschüttert viele, die nicht verstehen, warum Gewinne so oft von Einzelnen eingestreift werden, während Verluste von der Gemeinschaft getragen werden. Da scheint das Konzept der Genossenschaft, bei der gemeinsam erwirtschaftete Gewinne der Gemeinschaft zufallen, als eine logische Alternative zu AGs und GmbHs zu sein. Aber gibt es so etwas wie ein Revival dieser althergebrachten Rechtsform? In Deutschland etwa machen in letzter Zeit einige Genossenschaftsgründungen, besonders im Energiesektor, von sich hören. Und hierzulande will ein Team um Christian Felber, der den Begriff der Gemeinwohlökonomie geprägt hat mit der „Demokratischen Bank“ ein genossenschaftlich geführtes Geldinstitut gründen.

Demokratisches Prinzip Johann Brazda, Professor am Institut für Betriebswirtschaftslehre der Universität Wien und Experte für Genossenschaften, räumt zunächst mit einem Vorurteil auf: „In Deutschland und Österreich sind Genossenschaften ganz normale Unternehmensformen, die sich auf dem Markt genauso

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bewähren müssen wie alle anderen. Die Privilegien wurden mit der Zeit abgeschafft.“ Ein Beispiel für eine neue Genossenschaft ist promakler. Versicherungsmakler Karl Kainerstorfer hat diese vor einem Jahr gemeinsam mit mehr als 30 Kollegen gegründet. „Genossenschaften leben das demokratische Prinzip in Reinkultur“, sagt er. Bei promakler stellt die Genossenschaft Werkzeuge zur Prämienberechnung sowie Verwaltungsdienstleistungen zur Verfügung. Die Mitglieder haben diese Rechtsform aber nicht gewählt, um ein Gegenmodell zur aktuellen Wirtschaft zu etablieren. Wichtig war ihnen aber, dass über jenes „Geld, das übrig bleibt, gemeinsam entschieden wird“. Zuvor war man als GmbH organisiert, wo dieses Prinzip nicht gilt, was letztlich auch zu Streit und zur Neuorganisation geführt hat.

Gewinne erwünscht Zwar müssen Gewinne der Genossenschaft wieder investiert oder auf die Mitglieder aufgeteilt werden, doch arbeiten die selbstständigen Makler sehr wohl gewinnorientiert. „Gewinne zu machen ist nicht per se unmoralisch. Wir sind Unternehmer und leben davon, dass wir mehr einnehmen als wir ausgeben“, sagt Kainerstorfer, der die Geschäfte von promakler führt. Nachteile hat die Gesellschaftsform aus seiner Sicht nicht viele: „Es ist ein großer Formalismus notwendig. Es müssen Vorstandssitzungen und Versammlungen abgehalten werden, und es muss richtig dazu eingeladen werden.“ An Formalitäten hat man sich etwa auch bei einer Satzungsänderung zu halten. Doch dies gewähre, „dass alles gerade und sauber über die Bühne geht“, sagt Kainerstorfer. Die einzige Alter-


native wäre ein Verein gewesen, doch: „Eine Genossenschaft ist gediegener.“ Dazu gehören etwa auch ein Eintrag ins Firmenbuch, die Einbeziehung des Genossenschaftsverbands sowie regelmäßige Revisionen. Neugründungen registrierter Genossenschaften sind hierzulande selten geworden. So gab es in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten laut dem Genossenschaftsexperten Johann Brazda rund 15 Neugründungen pro Jahr, davon 85 Prozent im landwirtschaftlichen Bereich. Besonders in Vorarlberg gebe es hier Bewegung. Bei Wohnbaugenossenschaften bleibt die Situation konstant, und gewerbliche Genossenschaften, zum Beispiel im Bereich von Rohstoffen, rücken immer mehr in den Hintergrund. Die Zahlen sind dennoch imposant: Rund 1.800 Genossenschaften gibt es in Österreich. Diese haben 3,3 Millionen Mitglieder und beschäftigen 70.000 Mitarbeiter.

Modell der Zukunft? Historisch sind Genossenschaften gegründet worden, weil sich Bürger selbst organisieren wollten, etwa um Begräbnisse gemeinsam zu organisieren oder Risikogemeinschaften gegen große Gefahren wie Feuer oder Krankheiten zu bilden. Auch Bauern und Handwerker haben traditio-

nell häufig kooperiert. Als Highlight in der Entstehungsgeschichte gilt die Bewegung im britischen Rochdale 1844, wobei es laut Johann Brazda schon zwanzig Jahre zuvor eine Gründungswelle von Genossenschaften gegeben hat: „Aber Rochdale wurde zum Vorbild für viele andere Gründungen in Europa.“ Hochkonjunktur hatten Genossenschaften unter anderem auch während und nach den Weltkriegen. Heute werden Gründungswellen vor allem von oben ausgelöst, indem Anreize durch Förderungen geschaffen werden. Dass in Deutschland viel gegründet wird, hat laut Brazda nichts mit der Krise zu tun, sondern mit der Änderung des europäischen Genossenschaftsstatuts: „Deutschland hat die Gelegenheit für eine umfangreiche Genossenschaftsreform genutzt. Zum Beispiel sind jetzt nicht mehr sieben, sondern nur noch drei Gründer notwendig.“ In ihrer jetzigen Form, so glauben Experten, sind Genossenschaften nicht das zukunftsfähigste Modell. Viele glauben, dass komplett neue wirtschaftliche Kooperationsformen entstehen müssen, was zum Teil ja schon passiert. Auch Johann Brazda glaubt, dass es lohnt, darüber nachzudenken, „ob wir neue Formen brauchen, um den sozialen Frieden aufrechtzuerhalten“.

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Das KMU-Magazin

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Vergelts Gott! Bevor ihn der Ruf des Herrn erreicht hat, war Altabt Gregor Henckel-Donnersmarck in der Privatwirtschaft sehr erfolgreich tätig. Weil ihn seine Leidenschaft für Buchhaltung und Unternehmensführung auch im Kloster niemals verlassen hat, gibt er jetzt in einem Buch Vermögenstipps der gottgefälligen Art. Interview: Stephan Strzyzowski, Fotos: Richard Tanzer

Ihr eben erschienener Ratgeber trägt den Titel „Reich werden auf die gute Art“. Was bringt einen Mann Gottes dazu, sich so einem Thema zu widmen? Mir geht es vor allem darum aufzuzeigen, dass es grundsätzlich nicht unmoralisch, sondern sogar Gott wohlgefällig ist, wenn man für seine Arbeit einen Gewinn, ein hohes Gehalt oder einen Bonus erhält. Es ist auch völlig in Ordnung, ein großes Vermögen aufzubauen. Allerdings nur dann, wenn man es nachhaltig, sozial, mit Fairness und einem guten Produkt tut. Für viele Unternehmen dürfte es aber recht schwierig sein, sich im aktuellen Marktumfeld mit diesen Prinzipien gegen die harte Konkurrenz durchzusetzen. Zugegeben, die Bedingungen, um wertorientiert zu wirtschaften, sind heute eher ungünstig. Da sind Staat und Verbände aufgerufen, entsprechende Grundlagen zu schaffen. Doch wir können beobachten, dass immer mehr Konsumenten und Unternehmer nach Werten in der Wirtschaft suchen. Man denke nur an das Thema CSR, das kaum noch aus dem Geschäftsleben wegzudenken ist. Ich bin überzeugt, dass sich ein gottgefälliges, nachhaltiges Unternehmertum auf lange Sicht gesehen auch wirtschaftlich auszahlt. Woher kommt diese Trendwende? Ich denke, dass jetzt wieder Werte in den Vordergrund treten, die vor 50 oder 60 Jahren ganz selbstverständlich das wirtschaftliche Klima bestimmt haben. Die Auf baugeneration war von Werten moralisch geprägt und hat auf deren Basis die soziale Marktwirtschaft aufgebaut. Als 1989 der Realsozialismus zu Ende gegangen ist, haben viele im Westen gemeint, dass damit der Kapitalismus gesiegt hätte. Es war aber niemandes Sieg, und schon gar nicht der des Kapitalismus. Doch dem Markt wurde daraufhin extrem vieles erlaubt. Er wurde zur Gottheit stilisiert, die schon alles regeln würde. Doch der Markt ist nicht heilig, auch wenn er noch so nützlich ist. Man darf ihn nicht sich selbst überlassen. Die Wirtschaftkrise hat uns deutlich vor Augen geführt, was dann passiert, und zu diesem Ruf nach Werten geführt.

Welchen Beitrag kann die Kirche zu dieser Diskussion leisten? Die Kirche hat die Aufgabe, die Menschen auf ihrem Weg in Politik, Kultur, Familie und auch in der Wirtschaft zu begleiten und ihnen dabei zu helfen, das Leben lebenswert und moralisch verantwortungsvoll zu gestalten. Schon in der Zeit der industriellen Revolution, die jede Menge Fragen im Umgang mit den Arbeitern aufgeworfen hat, hat sich der Papst mit der Arbeiterfrage befasst und aus Sicht der Kirche Ratschläge gegeben. Aber die Kirche hat keine Sachkompetenz über Detailfragen. Sie kann vielmehr Anleitungen geben, nach welchen Prinzipien gehandelt werden sollte. Und welche sind das? In der christlichen Soziallehre gilt zum Beispiel das Personalprinzip. Es besagt, dass es um den Menschen selbst geht. Er ist nicht Objekt der Wirtschaft, sondern Subjekt. Darunter fallen auch die Beziehungen zu Kunden, Lieferanten, Regierungen, NGO und Berufsverbänden. Es geht also darum, den Menschen sozial ernst zu nehmen und auch einmal Opfer zu bringen. Dann treten wir für das Solidaritätsprinzip ein, das den Zusammenhalt predigt. Das Subsidiaritätsprinzip meint, dass die kleinere Einheit Vorrang vor der größeren hat, schutzbedürftig ist und ihren eigenen Bereich verantworten soll. Wir plädieren natürlich auch dafür, das Gemeinwohl zu fördern. Nicht zuletzt wird die Kirche auch immer aufseiten der Armen stehen. Sie hat also insgesamt die Maßgabe, aus Werten zu schöpfen und auf Missstände hinzuweisen. In Ihrem Buchtitel geht es ums Reichwerden. Was gilt denn für jene, die dieses Ziel schon erreicht haben? Nun, ein Großteil des vorhandenen Reichtums ist ererbter Reichtum. Aber egal ob geerbt oder erarbeitet: Man ist dann ganz besonders zur Vermögenskultur verpflichtet. Was verstehen Sie darunter? Der Begriff meint, dass die Reichen kultiviert mit ihrem Vermögen umgehen sollen. Dabei ist Vermögen natürlich auch im Sinne des Bewirkens zu verstehen. Reichtum soll also Gutes bewirken. Hans Peter

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Haselsteiner, der ein alter Schulfreund von mir ist, engagiert sich zum Beispiel mit dem Jesuitenpater Sporschill sozial und fährt regelmäßig selbst nach Rumänien und Moldawien. Das finde ich toll. Er hat wirtschaftlich eine ganze Menge erreicht, gibt aber der Gesellschaft auch wieder etwas zurück. Sie stammen selbst aus einer begüterten, aristokratischen Familie. Wie hat dieser Hintergrund Ihre Sicht auf Vermögenswerte geprägt? Was ich bestimmt aus meiner Familiengeschichte mitgenommen habe, ist der Ansatz, materielle Werte nicht nur für sich selbst zu nützen, sondern für die folgenden Generationen zu bewahren. Das kommt vermutlich auch aus dem agrarischen Denken heraus, wo man schon sehr früh nachhaltig gewirtschaftet hat. Es gibt Familien, die mit diesem Prinzip über Jahrhunderte sehr erfolgreich waren. Genauso haben sich auch kirchliche Einrichtungen wie Klöster dieser Strategie bedient. Wann wird Reichtum aus kirchlicher Sicht zum Laster? In dem Moment, wo der Mensch das Geld anbetet und es für ihn zum Selbstzweck wird. Die Karikatur des Onkel Dagobert, der nur für sein Geld lebt, ist dafür ein Extrembeispiel. In der Realität geht es um Reichtum, der nicht verwendet wird, um wieder weiteren Reichtum – auch spirituellen Reichtum – zu generieren. Zudem darf man sich selbst nicht mit seinem Reichtum in den Vordergrund stellen. In Österreich wird immer wieder kritisiert, dass Einkommen viel höher besteuert werden als Vermögen. Wie sieht Ihre Position dazu aus? Ich finde, dass man auch den Aspekt bedenken sollte, dass jemand sein Vermögen anderen auch dann zur Verfügung stellt, wenn er es in Beteiligungen, Aktien und Anleihen anlegt. Man muss sich aber im Klaren

Zur Person: Gregor Henckel-Donnersmarck stammt aus der gräflichen Linie der schlesischen Familie Henckel von Donnersmarck. Er studierte Welthandel in Wien und war 1970 bis 1977 Manager des Logistikdienstleisters Schenker & Co. 1977 trat er ins Stift Heiligenkreuz ein, als dessen Abt er von 1999 bis 2011 wirkte. Unter seiner Leitung besuchte Papst Benedikt XVI. Heiligenkreuz, zudem stürmten Mönche des Klosters mit ihrem Album „Chant Music for Paradise“ die Hitparaden.

sein, dass wirtschaftliches Handeln immer mit Risiken verbunden ist. Dabei wäre es wichtig, vom Prinzip „To big to fail“ wegzukommen. Sonst wird es noch mehr Fälle wie die Hypo Alpe Adria geben. Zusammengefasst: Wir sollten grundsätzlich Vermögen schützen, Vermögende sollten aber auch einen angemessenen Beitrag zur Finanzierung des Systems leisten! Dabei kann man ruhig auch über eine Progression nachdenken, damit jeder seinen Möglichkeiten entsprechend einzahlt. Wie sehen Ihre Anlagetipps aus? Ich kann natürlich nicht anders, als das Bankhaus Schelhammer und Schattera zu empfehlen. Dort war ich Aufsichtsratspräsident der Investmentgesellschaft. Dieses katholische Bankhaus hat Fonds, die ethisch verantwortbar sind, zum Beispiel alternative Energien. Waffenproduktion oder Alkohol sind dagegen zum Beispiel ausgeschlossen. Nach Ihrem Wechsel von der Wirtschaft zu den Zisterziensern haben Sie ein Armutsgelübte abgelegt. Haben Sie das als Befreiung empfunden? In der geistlichen Einstellung ja, in manchen Fragen des täglichen Lebens nein. Es ist schon manchmal lästig, wenn man um alles bitten muss, doch es lehrt Demut. Als Ordensmann bekommt man dann, was man braucht. Allerdings sollte man bescheiden sein. Das Armutsgelübte und die Verpflichtung zum Gehorsam befreien einen auf alle Fälle vom Egotrip. Um ein Bild aus der Bibel zu bemühen: In den gebundenen Händen Jesu Christi am Marterpfahl liegt eine große Freiheit. Was war denn Ihre Motivation für diesen Schritt? Hatten Sie die Nase voll vom Daily Business? Nein, ich war sogar sehr gerne in der Wirtschaft tätig. Ich war zum Beispiel ein Buchhaltungsfan. Und ich war auch gern als Geschäftsführer bei Schenker in Spanien tätig. Mein Eintritt war also nicht von Verzweiflung geprägt. Meinen Beruf, der mir Spaß gemacht hat, aufzugeben war vielmehr ein Opfer für mich. Wieso haben Sie es dann getan? Ich hatte drei Motive: Ich lebte erstens spirituell unter meinem Niveau, zweitens spürte ich eine Berufung, und drittens war ich ein echter Fan von Papst Paul VI. Er war eine sehr unverstandene Person, und mein Eintritt ins Kloster war ein Akt der Solidarität ihm gegenüber. Nun sind Sie der Wirtschaft ja auch als Abt im Klosterleben treu geblieben. Konnten Sie hier nach Prinzipien wirtschaften, die

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Welchem Zweck kommen die Einnahmen Ihres Buches zugute? Der Anteil, den ich dafür bekomme, wird natürlich für das Kloster verwendet. Wir haben ja zahlreiche Ausgabenposten: die Seelsorge, die Denkmalpf lege, die Hochschule, Entwicklungsprojekte, wir speisen Bedürftige, bieten Schlafquartiere. Dagegen sind unsere Einnahmequellen durchaus limitiert. Wenn ich dazu einen kleinen Beitrag leisten kann, freut es mich.

„Reich werden auf die gute Art – Vermögenstipps eines Geistlichen“ Gregor Henckel-Donnersmarck, edition a

Matthias. Weltoffen, ehrlich, kommunikativ. Sucht Leute, die aus dem gleichen Holz geschnitzt sind. Wir kommen zu Matthias,Tischlerei Prödl: AMS ON TOUR 2014 Die vielen Seiten des Lebens erfordern viele Antworten. Ob Personalsuche, Qualifizierung oder eServices: Wir informieren Sie über die vielseitigen Möglichkeiten, die das AMS für Unternehmen bietet. www.ams.at

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Ist das Gebet ein Mittel, dem man sich auch in wirtschaftlichen Belangen bedienen darf? Ja, vorausgesetzt, man wendet sich nicht mit zu eitlen Anliegen an Gott. Man sagt: Gewissheiten, die im Gebet errungen wurden, wanken nicht. Das gilt auch im allgemein menschlichen Bereich. Wer in Dialog mit Gott tritt und seine Ziele und Wünsche hinterfragt, wird vielleicht auch von manchem Unterfangen Abstand nehmen. Das kann Opfer bedeuten, da man vielleicht dadurch Verirrungen erkennt und von manchen Vorhaben ablässt.

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bei Schenker einfach nicht drin waren? In einem Stift ist man besonders mit Land- und Forstwirtschaft befasst. Da wir ins allgemeine Wirtschaftssystem eingebunden sind, können wir aber auch keine höheren Gehälter zahlen. Die Antwort ist also: Nein! Früher sagte man: Unter dem Krummstab ist gut leben. Wir sind aber nun mit unseren wirtschaftlichen Leistungen mit privatwirtschaftlichen Betrieben vergleichbar und müssen dadurch im Gefüge bleiben. Wir versuchen aber ganz bewusst, soziale Härten zu vermeiden. Wir wollen auch keine Vermögenswerte veräußern, die seit Jahrhunderten im Besitz des Stiftes sind. Wir leiden aber unter den niedrigen Holzpreisen wie alle anderen auch.


Böck macht Schluss

Abziehbilder Regelmäßig bricht kurz vor einem Fußballgroßereignis die Pickerlsammelleidenschaft aus. Kurioserweise, denn durchaus zu Recht erschließt sich für viele Menschen der Sinn der Stickeralben nicht wirklich. Weder sind die darin abgebildeten Fußballer besonders schön anzuschauen, noch handelt es sich um Bilder, die die Eleganz des Sports zeigen, im Gegenteil: Es handelt sich um Passfotos schlecht frisierter, wechselweise grimmig oder doof dreinschauender, chronisch überbezahlter Zeitgenossen, die zu mehr als 80 Prozent komplett unbekannt sind und dies auch bleiben. Oder können Sie abgesehen von Cristiano Ronaldo weitere zwei oder drei Spieler Portugals beim Namen nennen? Und wenn Sie es mit Portugal noch schaffen, wie sieht es mit Kamerun aus oder gar mit Südkorea? Eben. Bei Kindern, der Hauptzielgruppe der Firma Panini, sieht es da etwas anders aus. Ein Stapel mit mehr als einhundert Panini-Dubletten eines befreundeten Sammlers wird mit einer Frequenz von zwei bis drei Bildern pro Sekunde durchgesehen. Per Gesichtserkennung wird der gesuchte Sticker zielsicher aussortiert. Zehnjährige agieren hier auf dem Niveau von industriellen Kamerasystemen. So gesehen könnte ein Politiker-Panini-Album einen wertvollen Beitrag im Kampf gegen Politikverdrossenheit leisten. Ich meine, das Europäische Parlament zum Beispiel mit seinen 751 Abgeordneten wäre doch ideal. In Österreich könnte man National- und Bundesrat und die neun Landtage zu einem schmucken Album zusammenfassen. Auch hier könnte man Politikern, die komplett unbekannt sind und dies auch bleiben, eine Chance geben, sich Zugang zum Gedächtnis der nächsten Wählergeneration zu verschaffen. Parallelen zum Fußball sind jedenfalls reichlich vorhanden. So ist auch von den wenigsten Abgeordneten bekannt, wie sie überhaupt ins Team gekommen sind. Sie verdienen gut, obwohl sie in nicht wenigen Fällen schlecht oder falsch positioniert sind. Wenn etwas nicht klappt – oder im Extremfall einer Niederlage –, suchen sie die Fehler stets bei den anderen. Im Falle eines Sieges hingegen lobt man höflich die Teamleistung, solange man selbst den meisten Applaus abbekommt. Fehlende Kompetenz wird durch versteckte Fouls und beleidigende Sprache wettgemacht. Die Karriere dauert für die meisten nur wenige Jahre, dann sind sie verbraucht und werden durch neue, jüngere Spieler ersetzt. Dank fürstlicher Gehälter ist das aber kein Problem für die Betroffenen, außerdem findet sich meist ein Platzerl im Trainerstab, in der politischen Akademie, der Regionalliga oder Landespolitik, wie auch immer das dann heißt. Ist man erst mal weg vom Fenster, werden einem die vergeigten Chancen rasch verziehen. Neues Spiel, neue Wahl, neues Album heißt die Devise. Der Anhang, das Wahlvolk, vergisst die Schmach angesichts neuer Versprechungen. Es besteht keine Gefahr, dass ein Politiker-Panini-Album daran etwas ändern würde. Der Blick ins Archiv auf die Versagertruppe von einst erfolgt stets milde und wird nostalgisch verklärt, schließlich hat man ja damals an sie geglaubt. Nicht zu unterschätzen ist auch der positive Aspekt der Tauschbörsen. Endlich wären Politiker wieder gefragt. Endlich hört man wieder Sätze wie: „Jö, der Spindelegger! Den hab ich so lange gesucht.“ Oder: „Ich hab den Pilz doppelt, bräuchte aber dringend die Glawischnig, dann hätt ich die Grünen fertig.“ Oder: „Ich hab schon alle Plenarsäle! Cool schau’n die aus! Wenn ich groß bin, will ich da auch mal sitzen.“ Und besonders unbekannte und schlecht frisierte Hinterbänkler werden produktionsbedingt zur Blauen Mauritius der Politik, zum Objekt der Begierde einer ganzen Wählergeneration.

Stefan Böck ist Chefredakteur des Österreichischen Wirtschaftsverlags und nimmt sich kraft seines Amtes heraus, die letzte Seite mit seinen verqueren Gedanken zu füllen. Schreiben Sie ihm: s.boeck@wirtschaftsverlag.at

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Die Wirtschaft 05/14