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2/ 12 WILLOW MAGAZIN

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LEITUNGSKONGRESS STUTTGART EIN RÜCKBLICK INNOVATIVE GEMEINDEARBEIT AUF DEM LAND 42 TAGE LEBEN FÜR MEINE FREUNDE BILL HYBELS ÜBER TREFFENDE WORTE


Die Lüge der Armut ist: „Du bist wertlos!“ – „Keiner kümmert sich um dich!“ – „Die Welt hat dich vergessen!“ – „Gott hat dich vergessen!“ Die Wahrheit ist: Gott hat jeden Menschen geschaffen und ihm Würde gegeben. Er liebt jeden einzelnen und kümmert sich um ihn. Die Wahrheit ist auch, dass er uns daran beteiligen will.

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EDITORIAL Liebe Leserin, lieber Leser, von dem exzentrischen Dramatiker George Bernhard Shaw stammt der Satz: „Der vernünftige Mensch passt sich der Welt an. Der unvernünftige Mensch besteht darauf, dass sich die Welt ihm anzupassen hat. Deshalb hängt jeder Fortschritt vom unvernünftigen Menschen ab.“ Eine steile Aussage. Fakt ist: Die meisten von uns sind lieber mit „vernünftigen“ Menschen zusammen. Sie sind vorher­ sagbar, mit ihnen kann man in der Komfortzone bleiben, die Zusammenarbeit ist reibungsloser, man muss weniger Extrarunden drehen, um ihre Ideen irgendwie umzusetzen. Darum leben wir auch lieber in „vernünftigen“ Gemeinden. Blickt man in die Geschichte der Willow Creek Community Church, entdeckt man auch vieles „Unvernünftige“: Eine Gruppe unerfahrener Jugendlicher gründet eine Gemeinde –­ noch dazu in einem Kino! Eine gemeindeeigene Autowerk­ stadt nimmt den Betrieb auf, um alleinerziehenden Müttern kostenlos einen PKW zu reparieren – oder zu schenken! Später wird diese Gemeinde aus einem Chicagoer Vorort gar zum Vorbild für Gemeinden weltweit – von Megagemeinden in den USA über wachsende Kirchen in China bis zu kleinen Landgemeinden in Zimbabwe. Klingt ganz nach den „Unvernünftigen“ in der Bibel: Nach Abram, der auf seine alten Tage einen Neuanfang in der Fremde macht. Oder nach der Gruppe ungebildeter Fischer, die zum Gründungs­ team der ersten Gemeinde wurden. Und – darf man das so sagen? – nicht zuletzt nach Gott selbst, der als Mensch auf diese Welt kam, um Menschen wieder mit sich zu versöhnen.

In diesem Magazin finden sich Beispiele von Gemeinden und Menschen, auf die George Bernard Shaws Einschätzung allemal zutrifft. Zumindest zu Beginn scheinen sie ziemlich­ ­„unvernünftig“: Eine aufblühende Gemeindearbeit in einer Pfarrei mit 18 Dörfern zwischen 180 und 1.400 Gemeinde­ gliedern. Oder eine Gemeinde, die ihre gemeindefremden Kontakte ausgereizt hatte, deshalb eine Musikschule gründe­ te – und sich nun vieler neuer Bekannter erfreut. Und nicht zu vergessen Bill Hybels: Er erzählt davon, wie er Überstun­ den einlegt, damit seine – Achtung! – Ankündigungen im Gottesdienst ankommen. In allen Fällen hat sich diese „Unvernunft“ ausgezahlt. Und diese Geschichten machen Mut zu mehr „Unvernunft“. Ruhig mal gegen den Strich bürsten! Das lähmende „Das-habenwir-schon-immer-so-gemacht“ mal außer Kraft setzen! Nicht um gegen Altes zu rebellieren. Sondern um Raum für Neues zu schaffen. In uns selbst und unseren Gemeinden. Ihr Gotthard Westhoff Redaktionsleitung

INHALT KONGRESSE netzwerk RESSOURCEN TRAINING

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LEITUNGSKONGRESS IN STUTTGART Erste Folgen

„DAS HÄTTE ICH NICHT GEDACHT“ Innovative Gemeindearbeit auf dem Land

42 Tage – leben für meine Freunde Wie Menschen die Sprachfähigkeit über den Glauben neu lernen

Celebration of Hope 2012 Die Willow-Gemeinde mobilisiert gegen Armut

Diakonie als Herzstück der Gemeinde Was wir von Willow lernen können

ProfEssor GRAPH – Engagement NEUE RESSOURCEN FÜR DIE GEMEINDEARBEIT treffende worte machen den unterschied Ein Gespräch zwischen Bill Hybels und Jim Mellado

gebetsnetz von willow creek INTENSIV-STUDIENWOCHE, IMPRESSUM willow-partnerschaft lohnt sich jetzt noch mehr Neue töne im gemeindeaufbau Gemeinde-Musikschule als Schlüssel für neue Kontakte editorial 3


Der Leitungskongress 2012 und erste folgen In hunterten von Kommentaren stuften viele der rund 7.500 Teilnehmenden die Konferenz als eine der besten ein, die Willow in Deutschland veranstaltet hat. Bei einer Reihe von Teilnehmern haben wir nachgefragt, w ­ elche Spuren der Kongress im Januar hinterlassen hat – bei ihnen persönlich, in ihrer Mitarbeit, ihrer Gruppe oder Gemeinde. Auszüge aus den zahlreichen Rückmeldungen:

„2005 hat Gott auf einer Willow-Konferenz mein Herz für die Frauen auf dem Straßenstrich in Wien geöffnet. Wir fingen einfach an. Jetzt treffen wir uns wöchent­ lich mit über 100 Frauen aus der Zwangsprostitution. Wir wären nie soweit gekommen ohne die Unterstüt­ zung der Gemeinden und Kirchen in Wien. In Stuttgart hörten wir: ‚Die Gemeinde ist die Hoffnung der Welt!’ Wirklich? Ich habe oft das Gefühl, dass wir Hoffnung auf ‚Sparflamme’ sind – voller Potenzial, aber ziemlich unscheinbar. Es könnte so viel mehr passieren, wenn jeder in der Gemeinde mit Gordon MacDonald sagen würde: Ich möchte kein Meister in Dingen sein, die unbedeutend sind.“ Rachel Zuch, Wien

„Mir wurde deutlich, den Fokus unserer Gemeinde neu auszurichten und die Hauptsache nicht aus den Augen zu verlieren: verlorene Menschen. In der Gemeinde­ leitung stellen wir uns nun die Frage: Wozu braucht es die Evangelische Täufergemeinde Bern überhaupt? Spannende Momente, intensive Gespräche, gründliches Nachdenken und Entscheidungen liegen vor uns.“ Hans Ulrich Bräker, Bern

„Mit 21 Personen nahmen wir am Kongress teil. Wir wollten von Gott hören, welche Ausrichtung für unsere Gemeinde dran ist. Diesen Prozess hatten wir schon im Jahr zuvor gestartet – der Kongress kam da genau richtig. Wir wurden sehr gesegnet: Es gab persönliche Begegnungen mit Jesus und ermutigende Impulse für unsere Gemeinde. Uns wurde wichtig, eine Vision zu formulieren. An drei Abenden nahmen wir uns Zeit mit dem Kirchenvorstand darüber zu beten, auszutauschen und sie schließlich in Einheit zu benennen. Für die Umsetzung erarbeiteten wir: Auf das achten, was uns Gott vor die Füße legt. Die persönliche Stille 4 KONGRESSE

neu pflegen. Mitarbeiter fördern. Kontakte im Wohn­ gebiet suchen. Diakonische Aufgaben wahrnehmen (unsere Kirche steht in einer alten DDR-Plattenbau­ siedlung). Zeltevangelisation April 2014. Christlichen Kindergarten gründen (oder übernehmen)?“ Silke Dämlow, Plauen

„Die Euphorie vom Kongress ist etwas verraucht, der Gemeindealltag steht im Vordergrund. Ich gehöre zu einer kleinen Gemeinde von ca. 20-30 Personen, der Trend geht nach unten, es ist schwierig, die Hoffnung auf Veränderung zu behalten. Mitgenommen habe ich die Frage von Michael Herbst „Was ist das Unaufgeb­ bare?“ Diese Frage wird jetzt in der Gemeinde bedacht. In einem kleinen Kreis beten wir für die Zukunft unse­ rer Gemeinde – um Leidenschaft für Christus und die Menschen unserer Umgebung. Wir rechnen mit Gottes Eingreifen und Führung.“ Christine Steinke, Apolda

„Mir wurde durch die Konferenz klar, dass ich als Leiter persönliches Mentoring brauche, was ich zwischenzeit­ lich auch begonnen habe. Wir sind auch dabei, unsere (versandete) Gemeindevision wieder aufleben zu lassen und neue Ziele zu stecken.“ Gerd Keip, Oberkirch

„Ich leite ein Alterszentrum mit 120 Mitarbeitern. Als Folge des Kongresses habe ich mit der Geschäftslei­ tung überlegt, mit welchen Problemen und Spannun­ gen wir leben, und haben sie aufgelistet, auch deren Ursachen. Anschließend habe ich dies dem erweiterten Leitungskreis präsentiert. Es gab einige Aha-Momente. Wir werden in Zukunft nicht mehr unsere Energie damit vergeuden, Spannungen aufzulösen, die nicht


lösbar sind, sondern uns begnügen, sie gut zu mana­ gen und zu lernen, damit zu leben, wie Andy Stanley vorschlug. Gisela Kessler, Horgen

„Im Abschlussgebet bat uns Bill Hybels, bei mehreren Halbsätzen zu hören, ob Gott uns dadurch etwas mit auf den Weg geben möchte. Drei seiner Worte berühr­ ten mich tief: „Gib nicht auf“, „Ernähre deine Seele“ und „Bete“. Erschöpft von einer leitenden Position und einer herausfordernden neuen Lebenssituation kam ich zum Kongress – hoffte auf Antworten. Die drei Aussagen von Bill Hybels waren wie eine Botschaft nur für mich! Auch wenn sich die belastenden Umstände nicht sehr verändert haben, habe ich seither eine innere Gelas­ senheit und ausreichend Kraft für jeden Tag.“ Andrea Jung, Esslingen

„Trotz guter Gottesdienste und genialer Kinder- und Jugendarbeit haben wir in unserer Gemeinde den Kontakt zu den Mittzwanzigern verloren. Beim Kon­ gress wurde mir wichtig, dass wir mutig und vielfältig aussäen sollen. Gott ist derjenige, der das Wachstum schenkt. So habe ich begonnen, den Mittzwanzigern Geburtstagskarten zu schreiben. Das ist nicht viel, soll ihnen aber zeigen: Ihr werdet wahrgenommen und seid es wert, dass man sich für euch Zeit nimmt. Mit den Worten von Michael Herbst: Die Mittzwanziger in Hessental sind für Jesus unaufgebbar!“ Henric Böhm, Hessental

Ich habe mitgenommen: Gott ist der gleiche Gott in Deutschland, Amerika – und Österreich. In unse­ rer Gemeinde tut sich im Moment nichts. Trotzdem versuchen meine Tochter und ich, einzelne Menschen persönlich zu ermutigen mit Gott zu leben. Außerdem schaue ich seit dem Kongress die Willow-Gottesdiens­ te aus Chicago – ohne diese Ermutigung könnte ich im Moment nicht gut leben.“ Martina Eisner, Tirol

„Nach dem Kongress hat sich unser neunköpfiger Kirchengemeinderat zu einem „KGR-Spezial“ getroffen und ausgetauscht, was für jeden persönlich wichtig gewesen ist. Umsetzen werden wir Veränderungen bei der Mitarbeitergewinnung. Außerdem werden wir For­ men des Danke-Sagens und Erfolge-Feierns entwickeln und einüben sowie unser Leitbild im Bewusstsein der Gemeinde neu verankern. Mir wurde wichtig, in Leserbriefen (idea-Spektrum 6/12, Ev. Gemeindeblatt für Württemberg 14/12) Miss­ verständnissen und Vorurteilen über Willow entge­ genzutreten und auf positive Auswirkungen für unsere Gemeinde hinzuweisen. Paul Eppler, Ingelfingen

„Im Hauskreis beten wir jetzt regelmäßig für Men­ schen, die Gott noch nicht kennen und berichten verstärkt von dem, was wir mit Gott erleben.“ Inge Frank, Schwarzhofen

„Bill Hybels sprach davon, nicht nur dem Geist und der Seele etwas Gutes zu tun, sondern auch dem Körper. Daraufhin habe ich 12 Kilo abgenommen, bis jetzt.“ Jörg-Dieter Helmers, Westoverledingen

„Der Vortrag von Jeff Manion hat meinen Mann und mich besonders angesprochen. Mein Mann befand sich seit dem Abbruch unseres Missionseinsatzes im ‚Zwischenland’. Wir haben uns Jeffs Buch gekauft und es jeden Morgen zusammen gelesen und durchgebe­ tet. Es half, die trockene und schmerzliche Zeit, die seitdem von Arbeitslosigkeit und Rollentausch in der Familie geprägt war, mit anderen Augen zu sehen. Nun spüren wir, dass diese Umleitung uns auf eine Straße geführt hat, die wir sonst nicht betreten hätten.“ Anja Langenbacher, Südbaden

„Ich habe zuhause mein ‚Evangelisches Tagzeitenge­ betbuch’ herausgekramt und übe die drei täglichen Gebetszeiten neu ein. Hart. Gut. Gott ist genial!“ Roland Schindler, Bochum

„Mich begleitet die tiefe Gewissheit, dass es bei Gott keine hoffnungslosen Fälle gibt: Christine Caine hat mich mit ihrer Lebensgeschichte sehr berührt. Was sie gesagt hat, macht mir Mut für mich und andere. Ihre Sicht, wie Menschen verloren gehen, war mir völlig neu.“ Hannelore Sorger, Ubstadt-Weiher

„Wir haben in der Gemeindeleitung eine neue Vision für die nächsten 4 Jahre formuliert, mit Etappenzie­ len, haben die evangelistische Arbeit fest verankert. Dazu gehört, dass wir uns entschieden haben, dieses Jahr die Kampagne ‚42 Tage leben für meine Freunde’ durchzuführen.“ Reinhard Saß, Hamburg nächster leitungskongress

Leitungskongress 2014 in

Leipzig

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. 2 . 20

Congress

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leipz center ig

Der nächste Leitungskongress findet vom 6.-8. Februar 2014 im Congress Center Leipzig statt. Inzwischen haben erste vor­ bereitende Gespräche und Begegnungen mit Verantwortlichen des Sächsischen Gemeinschaftsverbandes und der sächsischen Kirchenleitung stattgefunden. Beide begrüßen ausdrücklich, dass diese Veranstaltung in Leipzig stattfindet und haben ihre Unterstützung zugesagt. Zum Jahres­ ende wird der Kongressprospekt vorliegen.

KongressE 5


„DAS HÄTTE ICH NICHT GEDACHT!“ „Das hätte ich nicht gedacht“ – diesen Satz haben mei­ ne Frau und ich oft gehört, nachdem wir den neuen Gottesdienst „Lichtblick“ gestartet hatten. Und ab und zu hören wir ihn heute noch. Ja, manchmal denken wir selber noch so! Dass so viel Aufbruch und Innovation in einer traditio­ nellen, lutherischen Landgemeinde im konservativen Mit­ telfranken möglich sein würde – nein, das haben wir alle wirklich nicht gedacht. Wir haben es uns gewünscht. Wir haben dafür gebetet. Wir haben dafür gearbeitet. Und jetzt sind wir einfach nur dankbar. Als lutherische Christen sind wir von Haus aus etwas zurückhaltend, bei Erfolgen gleich von Gottes Segen zu sprechen. Amerikaner sind da unbekümmerter. Und da die posi­ tive Entwicklung in unserer Gemeinde viel mit Willow Creek zu tun hat, haben wir uns von ihnen auch in dieser Hinsicht anstecken lassen und sagen nun ebenso unbe­ kümmert: Ja, wir erleben Gottes Segen! Das hat auch ganz viel damit zu tun, dass wir ihm dazu einen großen „Topf“ hingestellt haben: den Topf einer für unsere Ver­ hältnisse kühnen Vision. Jetzt haben wir den Eindruck, dass Gott denen, die viel von ihm erwarten, auch viel gibt. Aber der Reihe nach. Unsere Pfarrei, in der ich mir mit meiner Frau eine Pfarrstelle teile, besteht aus einer größeren Gemeinde mit 1.400 und einer kleineren mit 180 Gemeindemitglie­ dern. Zu ihr gehören insgesamt 18 Dörfer und Weiler in einer strukturschwachen Region mit wenig Indus­ trie und wenig qualifizierten Arbeitsplätzen. Zu den Problemanzeigen gehört auch, dass es in der größeren Kirchengemeinde kein Zentrum gibt. Ihre einzige Kirche liegt abseits in Sommersdorf, einem Ort von gerade mal 180 Einwohnern. Ein Gemeindehaus gibt es da bis heute nicht. Vor 15 Jahren ist das größte, ehemals katholische Dorf Burgoberbach mit 3.500 Einwohnern hinzugekommen. Inzwischen leben hier 800 Evange­ lische. Die meisten sind in den letzten 40 Jahren neu zugezogen und haben kaum Bezug zur Kirche und zum Gemeindeleben. Der monatliche Gottesdienst in diesem Ort fand in einem alten Bauernhaus statt. Er wurde von 10 bis 15 Personen besucht. Heute finden in Burg­ oberbach an zwei Sonntagen im Monat jeweils zwei Gottesdienste statt. Einer um 9 Uhr mit derzeit rund 60 Gottesdienstbesuchern und der zweite um 10:30 Uhr mit 200. Mehr gehen in die Aula der Grundschule nicht hinein. Im Schulkeller feiern gleichzeitig 40 Kinder ihren Wichtel­ und „Kinderlichtblick“. 6

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WIe InnovATIve GeMeInDeARBeIT Auf DeM LAnD AuSSehen KAnn

MUT ZUM RISIKO „Herr Pfarrer, jetzt kann ich es Ihnen ja sagen. Das hätte ich nicht gedacht, dass das mit dem neuen Gottesdienst was wird, noch dazu in der Schule. Vor dem ersten Got­ tesdienst habe ich die ganze Nacht nicht geschlafen.“ So sagt es mir eine Kirchenvorsteherin. Und so haben viele gedacht. Auch wir selbst wussten es ja nicht. Es war uns klar, dass wir ein nicht unerhebliches Risiko eingehen würden. Ein erster Versuch mit einem neuen Gottesdienst im Kirchengebäude war zwei Jahre zuvor gescheitert. Nun gut, damals waren wir die ganze Sache etwas dilettantisch angegangen: mit viel gutem Willen, aber einem mangelhaften Konzept. Dieses Mal planten wir von vorneherein anders. Wir überzeugten alle acht Mitglieder im Kirchenvorstand, mit uns zwei Tage 370 Kilometer weit nach Neuenburg in Südbaden zu fahren. Dort haben wir uns die innovative, durch Willow Creek inspirierte Arbeit einer landeskirchlichen Gemeinde angeschaut. Das war der Durchbruch. Die Praxis war auch in diesem Fall überzeugender als die besten Argu­ mente. Schon auf der Heimfahrt sprachen wir darüber, wie schön es doch wäre, wenn wir auch so einen ähnli­ chen Gottesdienst in Burgoberbach hätten. Am nächs­


Pfarrer mit Überblick: auf einem ballonflug machte hans löhr dieses foto von seinem dorf. mittendrin die sommersdorfer Kirche mit Zwiebelturm. dahinter das schloss aus dem 13. Jahrhundert. unter der 1468 erbauten Kirche befindet sich ein alter Wehrgang, der als Gruft genutzt wurde. darin liegen heute noch die sommersdorfer mumien, zum teil aus dem dreißigjährigen Krieg. sommersdorf und die umliegenden dörfer sind seit 1551 evangelisch.

ten Wochenende gingen wir gemeinsam in Klausur und planten das Vorhaben. Mir war schnell klar, dass sich alles an der Frage des Gottesdienstsraums entscheiden würde. So kam ich auf die Idee, ihn dort zu feiern, wo ich normalerweise Grundschüler in Religion unterrichtete: im Medienraum der Schule, der durch eine Trennwand zur Aula hin er­ weitert werden kann. Mangels Alternative stimmten die Kirchenvorsteher zu. Aber dann ging es mit den Zumutungen weiter. Willow Creek hatte vorgemacht, dass es für einen bewegenden und glaubensstärken­ den Gottesdienst weder einen Glockenturm, noch eine Orgel, noch eine Kanzel, noch einen Altar, noch Bänke, noch Gesangbücher, noch Introitus und Kyrieeleison, ja nicht einmal einen Talar braucht. Dafür aber viele Mit­ arbeitende, neue Lieder, alltagstaugliche Predigten, ein paralleles Angebot für Kinder und kommunikative An­ gebote rund um den Gottesdienst. Hm, ob das zu schaffen wäre und ob das gut ginge …? Dazu kam: Da wir weder eine Band hatten, noch Ins­ trumente, noch eine Soundanlage, noch Mikrofone oder Mischpult, stand auch eine kräftige finanzielle Investitionen in ein ungewisses Projekt an. Und aber­

mals sprangen die Kirchenvorsteher über ihren volks­ kirchlichen Schatten mitten hinein ins kalte Wasser der Innovation. Und sie waren bereit, nicht nur hinter ver­ schlossenen Türen zuzustimmen, sondern auch in der Öffentlichkeit ihren Kopf für den neuen Gottesdienst hinzuhalten. Von Anfang an arbeiteten sie in dem Pro­ jekt mit. Und sind bis heute dabei. Wir beschlossen, zweigleisig zu fahren und die traditionelle Gemeinde­ arbeit fortzusetzen. Darum war auch der andere Kirchenvorstand unserer kleinen Traditionsgemeinde bereit, auf zwei Kirchengottesdienste zu verzichten. So können wir nun an einem Sonntag den „Lichtblick“ – Gottesdienst und am anderen den Kirchengottesdienst nach Agende 1 feiern. Doch obwohl wir in den Kirchen auch nicht sehr viel anders predigen als in der Schule, stagniert hier der Besuch.

AUFSCHLUSSREICHE ERFAHRUNGEN Inzwischen ist uns klar, wie wichtig die Atmosphäre und die Beziehungen der Besucher in einem Gottesdienst sind. Im „Lichtblick“ herrscht schon beim Ankommen netZWerK

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in der Aula eine heitere und gelöste Atmosphäre. Man geht aufeinander zu, spricht miteinander und bleibt auch nach dem Gottesdienst bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen zusammen. Dazu tragen auch so kleine Mosaiksteinchen bei, wie die Parkplatzeinweiser, die persönliche Begrüßung an der Eingangstür, ein paar humorvolle Bemerkungen bei der Begrüßung im Got­ tesdienst und ab und zu, wo es passt, auch mal ein Witz. Auch der Medientisch im Gottesdienstraum hat sich als Kommunikationspunkt entwickelt. Von den Gästen der „Lichtblick“­Gottesdienste kommt ein nicht unerheblicher Teil aus der Region. Katholi­ sche Christen nehmen dieses Angebot ebenfalls gerne an. Wir haben nun Kontakt zu vielen jüngeren Leuten bekommen, die zuvor an der Gemeinde und zum Teil auch am Glauben nur ein geringes oder gar kein Interes­ se hatten. Der Altersdurchschnitt liegt bei etwa 40 Jah­ ren. „Frau Bezold­Löhr, dürfen wir auch noch kommen, obwohl wir doch schon so alt sind?“, wurde meine Frau kürzlich von einer Riege von Damen über 80 gefragt. Erstaunlicherweise besuchen in letzter Zeit immer mehr ältere, traditionelle Kirchgänger den „Lichtblick“ im Schulhaus. Auch die neuen Lobpreislieder halten sie nicht davon ab. Das hatten wir wirklich nicht gedacht, als wir diesen Gottesdienst starteten. Und auch nicht, dass plötzlich die vielen Ehrenamtli­ chen da waren, die wir dafür brauchen. Sechs Musiker proben jeweils am Samstag vorher zwei Stunden und begleiten am Sonntagmorgen von 8:30 Uhr bis 12:45 Uhr die Lieder. In dieser Zeit sind auch unsere drei „Techniker“ am Beamer und am Mischpult dabei. Eben­ falls am Samstag beginnen Freiwillige die Schulaula für den Gottesdienst herzurichten. Da müssen 200 Stühle gestellt werden, der Medientisch wird aufgebaut und die Kaffeemaschine in Stellung gebracht. Am Sonntag bringen Gottesdienstgäste Kuchen mit, ohne dass wir uns darum kümmern müssen. Nach dem Gottesdienst packen einige Besucher selbst mit an und räumen die Aula wieder auf. Spätestens um 12:30 Uhr kann man sich nicht mehr vorstellen, dass da eben noch 260 Leute Gottesdienst gefeiert haben.

AUSWIRKUNGEN QUER DURCH DIE GEMEINDE Natürlich haben wir beide immer wieder gefragt, wer mitarbeiten möchte. Bei anderen Gemeindeangeboten bekommen wir da oft eine Absage. Nicht so beim „Licht­ blick“. Dieser Gottesdienst ist vielen so wertvoll, dass sie gern bereit sind, dafür auch was zu geben. Apropos geben: Die Sonntagskollekte ist sprunghaft angestiegen. Jetzt finanziert der „Lichtblick“ zu einem großen Teil unsere Kinder­ und Jugendarbeit. Und seitdem es den neuen Gottesdienst gibt, haben wir plötzlich auch Haus­ kreise in der Gemeinde. Wir freuen uns über die für unsere Verhältnisse großen Zahlen. Aber aus der REVEAL­Studie von Willow Creek haben wir gelernt, dass nicht die Quantität, sondern die Qualität, also das Glaubenswachstum entscheidend ist. 8

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Deshalb ergänzen wir den „Lichtblick“­Gottesdienst mit einem entsprechenden Angebot. Von Montag bis Frei­ tag legen wir die Tageslosung und den Lehrtext aus. Diesen Impuls zum „Nachdenken über die Bibel“ ver­ schicken wir an 140 E­Mail­Adressen und veröffentlichen ihn im Internet­Blog glaubenswachstum.blogspot.com, der zurzeit monatlich 1.900­mal angeklickt wird. Es sind die vielen positiven Rückmeldungen, die uns beide motivieren, zusammen mit den Ehrenamtlichen diese Arbeit fortzusetzen. Kritische Stimmen gibt es natürlich auch, besonders aus dem Kollegenkreis. Doch es kom­ men auch immer wieder Kollegen mit Mitgliedern ihres Kirchenvorstands, um den „Lichtblick“­Gottesdienst mitzuerleben.

DIE BEDEUTUNG DER GEMEINDELEITUNG Wie geht es weiter? Wir möchten nicht bauen, denn uns sind Beine wichtiger als Steine, wie Michael Herbst sagt. Vielleicht legen wir den 9­Uhr­„Lichtblick“ auf Samstag 18 Uhr, weil dann auch die kommen können, die am Sonntagmorgen in ihrer Familie sein möchten. Wenn die Zeit gekommen ist, wird Gott uns eine Tür auftun. Ob ein solches Angebot wie in unserer Pfarrei – zu dem auch der mittlerweile gut besuchte Kinder­ gottesdienst nach dem Promiseland­Konzept gehört – anderswo ebenfalls möglich ist? Wenn es schon bei uns funktioniert, dann klappt das in vielen anderen Dörfern und Städten erst recht! Entscheidend sind die Menschen im Leitungsgremium der Gemeinde, die Kirchenvorsteherinnen und Kirchen­ vorsteher zusammen mit dem Pfarrer und/oder der Pfarrerin. Sie müssen gemeinsam voll und ganz hinter einem solchen Projekt stehen. Wir haben das so gere­ gelt, dass meine Frau für den „Lichtblick“ die Feder­ führung hat, und ich nur ab und zu predige, mich sonst mehr im Hintergrund engagiere. Da ich in ein paar Jah­ ren aus dem aktiven Dienst ausscheide, müssen wir jetzt schon die Weichen für die Zukunft stellen, damit diese Arbeit fortgeführt werden kann. Wir erwägen im Augenblick die Gründung eines Gemeindevereins, der dann Anstellungsträger für eine weitere theologisch­ pädagogische Kraft sein soll. Ob das alles klappen wird? Gott hat es in der Hand. Vielleicht können wir dann wieder sagen, was wir schon so oft in den letzten fünf Jahren gesagt haben: „Das hätte ich nicht gedacht!“

hans löhr ist Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinden in sommersdorf-thann www.sommersdorf-thann.de gobasil / sebastian Weiß


4Wände GmbH Werner-Heisenberg-Straße 3 86156 Augsburg Telefon: 0821/44488-30 Fax: 0821/44488-33 http://www.4-waende.de eMail: info@4-waende.de

Gemeindezentren

Durch Mitarbeiter der Unternehmensberatung McKinsey, hörte Pfarrer Hans Löhr zum ersten Mal von Willow Creek. Mitte der Neunzigerjahre hatte McKinsey­Direktor Peter Barrenstein dem Evangelisch­Lutherischen Dekanatsbezirk München ein kostenloses Beratungsprojekt angeboten, das nach einigem Zögern von den damals Verantwortlichen angenommen wurde. Pfarrer Löhr hat bei der Ausarbeitung der McKinsey­Studie für den Dekanatsbezirk mitgearbeitet. Danach wurde er zum Leiter des „evange­ lischen Münchenprogramms“ (eMp) berufen. In dieser Funktion reiste er 1998 und 2000 nach Chicago, um die Willow Creek­Gemeinde aus der Nähe kennenzulernen. Pfarrer Löhr: „Meine erste Reaktion als traditio­ neller volkskirchlicher Pfarrer war ablehnend. Amerikanische, evangeli­ kale Megakirchen waren mir und meinen Kollegen ein Graus.“ Sein Sicht änderte sich bald: „Als ich mich im Rahmen des Münchenprogramms näher mit Willow Creek beschäftigte, merkte ich, dass ich unbegründeten Vorurteilen aufsaß. Schnell faszinierte mich die Professionalität in Ver­ bindung mit der Hingabe an die Sache Jesu, mit der in Willow Creek ge­ arbeitet wird.“ Er besuchte auch andere große US­Gemeinden. Sein Fazit: „Keine hat mich so überzeugt und keine erschien mir so ökumenisch kom­ patibel wie Willow Creek.“ So motivierend und fruchtbar die Zusammenarbeit mit McKinsey in Mün­ chen gewesen war, so sehr wurde aber auch der Unterschied in einem wichtigen Punkt deutlich: „In München war ich noch der Ansicht, dass eine Verbesserung der kirchlichen Situation über die Leitungsgremien und ver­ antwortlichen Personen unserer Kirche möglich wäre. Inzwischen ist mir, nicht zuletzt aufgrund unserer praktischen Erfahrungen, klar geworden, dass stattdessen das Wort von Bill Hybels zutrifft: Die Ortsgemeinde ist die Hoffnung der Welt!“, sagt Pfarrer Löhr.

aktuelle Seminartermine unter

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42 Tage Leben für meine Freunde

Wie Menschen die Sprachfähigkeit über ihren Glauben neu lernen. Ein vielversprechender neuer Kurs.

­ emeinde Zeit, neu über die Frage nachzudenken, wie G sie heute die gute Nachricht von Jesus weitergeben kann. Dabei zielt das Material vor allem darauf, Werte neu zu etablieren. Der Kurs umfasst sechs Gottesdienste, inklusive Kinderprogramm, sechs Kursabende, und er enthält praktische Übungen für den Alltag. Die sechs Themen lauten: In kaum einem Bereich der Gemeindearbeit ist die Ratlo­ sigkeit so groß wie bei der Frage, wie Menschen sinnvoll zum Glauben an Jesus eingeladen werden können. Viele Mitglieder in Kirchen und Gemeinden fühlen sich über­ fordert, wenn es darum geht, wie sie anderen von ihrem Glauben erzählen können. Die Vorstellung, jemandem dabei helfen zu sollen, Nachfolgerin oder Nachfolger von Jesus zu werden, treibt vielen den Angstschweiß auf die Stirn. Dennoch sehnen sich Gemeinden danach, Menschen zu erreichen. Aber keiner scheint so recht zu wissen, wie es geht. So ging es auch der Freien Evangelischen Gemein­ de in Rapperswil-Jona. Reto Pelli, einer der Pastoren: „Wir wollten uns nicht mit dem Status Quo abfinden, sondern gemeinsam nach einem Weg suchen, unsere ­Gemeinde neu zu motivieren und zu schulen, dieser Not zu begegnen.“ Mit einem Team entwickelten sie eine sechswöchige Kampagne für die gesamte Gemeinde. Die Fragestellung war: Wie können wir unsere Freunde mit Jesus bekannt machen, ohne dabei in bestimmte Klischees zu verfallen? Es entstand der Kurs „42 Tage – Leben für meine Freunde“ – und der war ein voller Erfolg. Seit die Schweizer Ge­ meinde den Kurs regelmäßig durchführt, hat sich die Anzahl der Besucher dieser Schweizer Gemeinde ver­ zehnfacht. Nicht nur das: Mittlerweile haben über 100 Gemeinden in der Schweiz „42 Tage – Leben für meine Freunde“ mit Erfolg eingesetzt. Nun steht auch deut­ schen Gemeinden das – leicht überarbeitete – Material zur Verfügung. Ziel des Kurses ist, Menschen dabei zu helfen, dass das Leben als Christ als ein Abenteuer entdeckt wird. Sechs Wochen – 42 Tage lang – nimmt sich die gesamte 10 Training

1. Ich verbreite die Gute Nachricht aus Überzeugung. Die Frage dabei: Warum sollen wir den Glauben über­ haupt verbreiten? Was ist der Wille Gottes, und welche Rolle sollen wir dabei spielen? 2. Ich verbreite die Gute Nachricht so, wie ich bin. Den Teilnehmern wird geholfen, ihre individuelle Bega­ bung und Persönlichkeit zu entdecken und diese in dem spannenden Prozess zu nutzen, die Gute Nachricht zu den Menschen zu bringen. Denn aufgrund unterschied­ licher Begabung, sieht auch der evangelistische Bei­ trag des Einzelnen unterschiedlich aus. Vor Jahren hat ­bereits der Willow-Pastor Mark Mittelberg mit seinem Ansatz der verschiedenen Evangelisationsstile für große Aufmerksamkeit gesorgt. Dieser Ansatz taucht hier wieder auf. Ein Fragebogen, der Menschen helfen soll, ihren eigenen Stil zu entdecken, ist Teil des 42-TageProgramms. 3. Ich verbreite die Gute Nachricht investierend. Die Weitergabe des Evangeliums geschieht nicht nur durch Worte, sondern immer auch durch Taten. Men­ schen anzupredigen oder ihnen ein Traktat in die Hand zu drücken, ist zu wenig. Es gibt kaum ein besseres Argument für den Glauben, als Menschen liebevoll zu behandeln. 4. Ich verbreite die Gute Nachricht interessiert. Wenn Menschen sich für den Glauben interessieren sol­ len, müssen wir uns für sie interessieren: Wer sind die Menschen? Wie leben sie? Was denken Sie? Woran glau­ ben sie? Was ist ihre Geschichte? Wer so fragt, bringt den Menschen Wertschätzung entgegen und „verdient sich“ das Recht, seine Sicht, seine Geschichte und seine Überzeugungen weiterzugeben.


5. Ich verbreite die Gute Nachricht erzählend. Menschen lieben Geschichten. Ein Großteil des Buch­ marktes und vor allem Hollywood leben davon. Kaum etwas ist so packend, so lehrreich und so nachhaltig wie eine gute Geschichte. Durch sie lernen und be­ greifen Menschen die Welt. Darum ist unsere eigene ­Geschichte mit Gott so wichtig. Wir selbst können mit unseren Erlebnissen eine wichtige Quelle der Erfahrung für andere sein. Dabei geht es nicht um Spektakuläres – unser Pfund sind Lebensnähe und Glaubwürdigkeit. Aber haben wir gelernt, unsere Geschichte zu erzählen? An diesem Kursabend wird es eingeübt.

Das Material für die Kampagne besteht aus einem Arbeitsheft für jeden Teilnehmer und einem Leiter­ ­ heft für die Kleingruppenleiter. Die Lizenzkosten für die Durchführung betragen € 100,–. Damit erhält eine ­Gemeinde das Recht für das kostenlose Herunterladen der dazugehörigen Predigten, Theaterstücke und „Im­ pulse für die Stille“ von der Webseite.

6. Ich verbreite die Gute Nachricht einladend. Wir bringen Menschen kein Glaubenssystem bei, son­ dern laden sie in eine Beziehung ein – eine Beziehung zu Christus. Wie gelingt das? Wann ist der Zeitpunkt, eine solche Einladung auszusprechen? Wie finden wir einen Weg, diese Einladung zu formulieren?

Hoffnungskirche Herten Donnerstag, 5. Juli 2012 , 18:00 – 21:30

Transportiert wird dies in sechs Gottesdiensten und an sechs Kursabenden. Ergänzt wird das Material durch tägliche Impulse für die Stille, die die Teilnehmer z.B. per E-Mail täglich erhalten können. Außerdem bekom­ men alle zu Beginn eine kleine VIP-Karte, auf der sie Namen ihrer Freunde eintragen können, für die sie wäh­ rend der 42 Tage jeden Tag eine Minute beten. Am Ende des Kurses kann ein Festgottesdienst stehen, an dem die Teilnehmer sich gegenseitig erzählen, was sie mit Gott in den vergangenen sechs Wochen erlebt haben.

Die Teilnahme an einem Infoabend zum Kurs ist hilf­ reich. Hier wird die Durchführung der Kampagne näher erklärt und Hilfe zum Starten in der Gemeinde gegeben. Die nächsten Termine:

Mennonitengemeinde Wolfsburg Dienstag, 11. September 2012, 18:00 – 21:30 Ev.-Freik. Gemeinde Veenhusen-Moormerland Dienstag, 9. Oktober 2012, 18:00 – 21:30 Uhr Gebühr jeweils € 30,– p.P. Info & Anmeldung: www.willowcreek.de

 Jörg Ahlbrecht ist verantwortlich für Training und Ressourcen bei Willow Creek Deutschland

42 Tage – Leben für meine Freunde

Willow Medien / Kirche im Prisma Leiterheft, 75 Seiten, € 9,90 Teilnehmerheft, 43 Seiten, € 7,90 www.willow-shop.de

„42 Tage – Leben für meine Freunde“ ist ein Kurs für die gan­ ze Gemeinde – von den Kindern im Vorschulalter bis zu den Senioren. Er setzt sich auf praktische und kreative Art mit dem Thema Evangelisation auseinander und beinhaltet, wie die Gute Nachricht interessant vermittelt wird, wie man dar­ über ins Gespräch kommen und sinnvoll dazu einladen kann. Der Kurs besteht aus sechs Gottesdiensten und sechs Kurs­ abenden. Entwickelt und getestet wurde er von der „Kirche im Prisma“ (Rapperswil/Schweiz). Weit über hundert Gemeinden haben inzwischen davon profitiert.

Training 11 


eRfAhRunGSBeRIchTe „42-TAGe“ In DeR chRISchonA-GeMeInDe züRIch

„42-TAGe“ In DeR ev.-fReIKIRchLIchen GeMeInDe STuTTGART-feueRBAch

„42­Tage ­ Leben für meine Freunde“ hieß für unsere Gemein­ de, neu denken zu lernen. Die Gemeindeleitung hatte schon länger vermutet, dass unsere Kirche im Bereich Evangelisa­ tion etwas unter Herzschwäche leidet. Ein Gemeindeprofil vor einem Jahr bestätigte dies. Uns war bewusst, dass die Lösung nicht darin bestand, rasch ein paar evangelistische Angebote aus dem Boden zu stampfen. Unser Herz musste verändert werden. Evangelisation musste wieder ein Wert werden, den wir aus Überzeugung und Leidenschaft leben. Auf der Suche nach einem hilfreichen Weg, stießen wir auf das Material „42­Tage“. Der entsprechende Trainingstag in der „Kirche im Prisma“ überzeugte uns schließlich.

In 22 Kleingruppen haben sich in unserer Gemeinde rund 170 Teilnehmer mit dem Kurs „42­Tage ­ Leben für meine Freunde“ beschäftigt. Die intensive Auseinandersetzung mit der per­ sönlichen Evangelisation hat bei vielen zu einem neuen Blick für die Menschen geführt, die Jesus noch nicht kennen. Es wurden ganz neu Erfahrungen gemacht, wie die Gemeinde­ glieder mit anderen über ihren Glauben sprechen können. Das geschah in oftmals überraschenden Situationen, die sicher auch mit den VIP­Gebetskarten zu tun haben, auf denen jeder Teilnehmende die Namen von drei Personen notiert hat, für die er oder sie während des sechswöchigen Kurses betet.

In den folgenden Monaten hat ein kleines Team die Durch­ führung sorgfältig vorbereitet. Dabei haben wir das Kurs­ material und die Impulse aus dem Trainingstag fast wie ein Kochbuch genutzt; zusätzlich setzten wir ein paar eigene Akzente. Diese Investition hat sich ausgezahlt. Während des sechswöchigen Kurses haben wir viel Wert auf inspirierende Gottesdienste gelegt. Motiviert hat uns, dass rund die Hälf­ te der Gemeinde auch an den sechs Kursabenden teilnahm. Überraschungen blieben nicht aus: Obwohl wir die Gemeinde über Wochen hinweg auf diese besondere Zeit vorbereitet haben, ist vielen erst im Verlauf der Kampagne klar gewor­ den, dass es jetzt zuerst einmal um uns selber geht. Mich hat begeistert, wie immer mehr Leute nicht nur für ganz konkrete Personen gebetet haben, sondern auch das Gespräch mit ihren Freunden suchten. Zu Ostern haben wir eine große Anzahl Biskuit­Lämmer mit einem Begleit­Büchlein über Ostern bestellt. Diese Geschenk­ Idee für Freunde hat vielen geholfen, ihre Arbeitskollegen, Nachbarn und Freunde konkret auf den Glauben anzuspre­ chen. Manche haben dabei sehr motivierende Erlebnisse gemacht. Mit dem Osterfest ging unsere Kampagne zu Ende. Einzelne sind froh, dass alles vorüber ist. Die meisten haben aber verstanden, dass es jetzt erst richtig losgeht ... Martin Maag ist Hauptpastor der Chrischona­Gemeinde Zürich

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TRAINING

Die Erfahrungen in den Kleingruppen waren unterschiedlich. Manche konnten die praktisch angelegten Übungen gut um­ setzen und haben ihren individuellen Stil entdeckt, wie sie ganz natürlich über Jesus reden oder ihn vorleben können. Andere Kleingruppen taten sich schwerer, wurden nicht richtig „warm“. Als Gemeindeleitung haben wir daraus gelernt, dass wir die Unterschiedlichkeit der Gruppenteilnehmer mehr im Auge haben müssen. Wie die Kleingruppen geleitet werden, spielt dabei eine entscheidende Rolle. Ein schöner Nebenef­ fekt von „42­Tage ­ Leben für meine Freunde“: Durch die Akti­ on sind bei uns neue Hauskreise entstanden. Rouven Hönes ist Jugendpastor der Ev.­Freikirchlichen Gemeinde Stuttgart­Feuerbach


„42-TAGe“ IM chRISTLIchen zenTRuM fRAnKfuRT Rund 120 Teilnehmer haben wir bei uns im Frühjahr an der Aktion „42­Tage ­ Leben für meine Freunde“ gezählt. Für die meisten war der Kurs eine wertvolle Erfahrung. Bei vielen wurde eine neue Sensibilität für das Thema Evangelisation geweckt. Fast alle haben persönlich Schritte gewagt, ihren Glauben mit anderen zu teilen, sind bewusst auf Menschen zugegangen oder haben bestehende Beziehungen vertieft. Einige berichteten, dass sie nach dem Kurs ihre Prioritä­ ten verändert haben, um mehr Zeit mit gemeindefremden Menschen verbringen zu können. „42­Tage“ ist ein Kurs, in den sich alle Altersgruppen einklinken können – so haben bei uns auch die Gruppen von 5 – 14 Jahren mitgemacht. Gerade die Größeren haben sich sehr leicht damit getan, ihre Freunde im Verlauf der Aktion am Sonntag in den Kin­ dergottesdienst mitzubringen. Während des sechswöchigen Kurses haben wir im Gottes­ dienst die Gelegenheit gegeben, dass Kurs­Teilnehmer von ihren Erfahrungen während der Woche berichten konn­ ten. Das hat nicht nur dem Kurs eine wichtige Dynamik gegeben, sondern war für alle Besucher eine inspirierende Erfahrung. Der Abschluss des Kurses fand Karfreitag statt – und war ein Höhepunkt. Im Gemeindezentrum veranstalteten wir einen großen Brunch, zu dem wir alle „VIPs“ eingeladen hatten – also die Menschen, für die die Teilnehmer wäh­ rend des Kurses gebetet haben. 220 Personen nahmen am Brunch teil, die Hälfte davon waren gemeindefremde Menschen. Beim anschließenden Gottesdienst wurde das Evangelium erläutert. Zehn Personen entschieden sich für ein Leben mit Jesus. Einige von ihnen meldeten sich sofort für den anschließenden Alpha­Kurs an. Wir sind sehr dankbar, dass viele Teilnehmende entdeckt haben, wie sie auf ihre Weise über das Evangelium spre­ chen können und nun einen neuen Blick dafür haben, wie sie alltägliche Situationen nutzen können, um über ihren Glauben zu reden und Beziehungen aufzubauen. Davon profitieren wir als gesamte Gemeinde.

Inge Wüstefeld gehört zur Gemeindeleitung im Christlichen Zentrum Frankfurt und leitet den Kinder­Arbeitsbereich sowie die missionarisch­diakonische Initiative „Brot & Salz“, durch die die Gemeinde wöchentlich rund 300 Bedürftige mit Lebensmitteln unterstützt

Welche Vision hat Gott für dein Leben? Welche Sehnsüchte und Träume drängen dich? Und wohin drängen sie dich? Wir träumen davon, Menschen wie dir dabei zu helfen, ihre Berufung zu finden und Gottes Vision für ihr Leben zu verwirklichen. Wie können wir dich auf diesem Weg unterstützen? Erfahre mehr über uns und unsere Studierenden und komm mit uns ins Gespräch:

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Celebration of Hope 2012 Willow Creek-Gemeinde mobilisiert ihre Mitglieder erneut gegen Armut

Hilfsprojekte vorgestellt Während der dreiwöchigen Aktion war im Foyer der Gemeinde eine umfangreiche Ausstellung von WillowPartnerorganisationen aufgebaut, die in Lateinamerika und Afrika in verschiedenen Projekten tätig sind. Darüber hinaus wurden technische Geräte präsentiert, durch die Menschen in Ländern der Dritten Welt große Erleichte­ rung und Hilfe erfahren: wie etwa Brunnenbohrer oder Trinkwasserreinigungsanlagen. Die gesamte Ausstellung war so konzipiert, dass sie für Kinder wie Erwachsene gleichermaßen aufschlussreich war. Saatpäckchen packen

Im April fand die dreiwöchige Kampagne „Celebration of Hope“ (Die Hoffnung feiern) in der Willow CreekGemeinde statt. Durch die jährlich stattfindende Aktion, die 2006 begonnen wurde, sollen die Gemeindeglieder weiter für die Not in der Welt sensibilisiert werden, aber auch ganz praktisch etwas dagegen unternehmen. An drei Sonntagen wurde das Thema Barmherzigkeit aus verschiedenen Blickwinkeln aufgegriffen. Susan DeLay, die zum Vorbereitungsteam gehörte, hob hervor: „Barm­ herzigkeit ist bei Willow ein wichtiger Wert, mit dem wir allen Menschen begegnen wollen – ganz gleich, ob es sich um Menschen in der eigenen Familie handelt, den Nach­ barn, demjenigen, der neben uns im Gottesdienst sitzt, oder ob er auf der anderen Seite der Welt wohnt.“

Praktisch engagieren konnten sich die Gemeindeglieder bei „Celebration of Hope“ beim Eintüten verschiedener Gemüsesamen, die für Familien in Zimbabwe gedacht sind. Insgesamt 549.060 Päckchen wurden von 16.070 Willow-Mitgliedern gepackt. Viele von ihnen führten die Aktion als Familienprojekt durch. Der Ertrag eines einzel­ nen Samenpäckchens: rund 450 Kilo frisches Gemüse. Das reicht aus, um eine 6- bis 8-köpfige Familie ein Jahr lang zu ernähren. Der Überschuss ist zum Verkauf auf dem Markt gedacht, um ein zusätzliches Einkommen zu erzielen, das für Schulbildung oder Gesundheitsvorsorge eingesetzt werden kann. Viele Familien, die durch „Celeb­ ration of Hope” 2010 und 2011 auf diese Weise Gemüse­ samen erhalten haben, konnten inzwischen ihr jährliches Einkommen mehr als verdreifachen.

Samen, aus denen Hoffnung keimt Die 33-jährige Charity hat mit einer zweifachen Her­ ausforderung zu kämpfen: Die Mutter von zwei Kin­ dern aus Sambia/Afrika ist Witwe - und sie hat AIDS. Durch ihre Krankheit ist sie auf dem rechten Auge erblindet und hat nur noch geringe Sehkraft auf dem linken Auge. Trotz dieser Herausforderung hat Chari­ ty ihre Hoffnung nicht verloren. Durch die Unterstüt­ zung einer örtlichen Hilfsorganisation, zu der Willow Creek eine Partnerschaft unterhält, konnte sie sich den Traum eines eigenen kleinen Gartens erfüllen.

Eine Woche Reis und Bohnen Um besonders der zunehmenden Armut in der Welt zu begeg­ nen – über eine Milliarde Menschen müssen täglich mit weniger als 2 Dollar auskommen – wurden die Gemeinde­glieder her­ ausgefordert, sich eine Woche lang bei ihren Mahlzeiten bewusst einzuschränken. Sie sollten auf freiwilliger Basis nur das essen, was die Hälfte der Weltbevölkerung zu essen hat, und zwar (wenn es ihnen gut geht) an jedem Tag des Jahres: Reis, Bohnen und Haferflocken - und dazu ausschließlich Leitungswasser trinken. Dahinter stand der Gedanke, das eingesparte Geld für hungernde Menschen zu spenden, sich aber auch mit den Armen der Welt zu solidarisieren und ein Gefühl für deren Lebenssituation zu bekommen. „Von vielen Gemeindegliedern habe ich gehört, dass diese Erfahrung sie ganz neu für die unglaubliche Not in der Welt sensibili­ siert hat – mehr als jeder Artikel oder TV-Bericht das je tun könnte,“ teilte Bill Hybels der Willow-Gemeinde mit. Darüber hinaus wurde die Gemeinde aufgerufen, sich bewusst in ihren Ausgaben einzuschränken, auf Restaurant- und Kinobesuche, und andere Ausgaben zu verzichten. Das eingesparte Geld wurde ebenfalls für Hilfsprojekte von Willow-Partnern in Lateinamerika und Afrika gespendet. Dadurch und durch Sonderspenden kamen mehr als 1 Million Dollar zusammen.

14 Netzwerk

Die Chance, einen Garten anzulegen, verbessert den Lebensstandard von Charity und ihren Kindern dra­ matisch. Statt auf finanzielle Hilfe der Verwandtschaft angewiesen zu sein, kann selbst ein kleiner Garten zur Selbstständigkeit beitragen. Obwohl Charity Tag für Tag mit all den Schwierigkeiten kämpft, hat sie nun damit begonnen, den Boden vorzubereiten, ihren Gar­ ten einzuzäunen und Samen auszustreuen. Ihr Sohn, ein Sechstklässler, unterstützt sie dabei. Der eigene Garten bedeutet für Charity und ihre Familie viel mehr als nur bessere Nahrung: Er weckt Begeisterung und den Sinn, selbst etwas erreicht zu haben.

Gotthard Westhoff ist Redaktionsleiter des WILLOW MAGAZIN


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 Karl-Heinz Zimmer ist Geschäftsführer von Willow Creek Deutschland und Schweiz

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Jugendplus-kongress Der junge Kongress mit Inspiration f端r Mitarbeitende in Jugendarbeit und Gemeinde. F端r Jugend und junge Erwachsene, mit Phil + Lucinda Dooley (Hillsong Kapstadt), Torsten Hebel (bluboks Berlin), Jake Smith (Willow Creek Chicago), Jeremy Camp und vielen anderen. Jetzt vormerken! Flyer und Anmeldung ab 1. August 2012. Infos: www.willowcreek.de


Rittal arena Wetzlar

SAVE THE DATE

31. Mai – 2. Juni 2013


diaKonie als herZstÜCK der Gemeinde WAS WIR VON WILLOW CREEK LERNEN KÖNNEN

Mit dem Titel „Den himmel erden“ veranstaltete die Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste (AMD) im März in Berlin eine Tagung zu Themen der Gemeindediakonie. vorgestellt wurde auch der missionarisch-diakonische Arbeitsbereich „community care“ der Willow creek-Gemeinde in chicago. Andrea Baur, die 2011 die Willow-Gemeinde besuchte, berichtete in Berlin über die Arbeit. hier ein Auszug: An was denken Sie, wenn sie „Willow Creek“ hören? Eine Mega­Kirche? Gottesdienste mit tausenden Besuchern? Anspiele? Mir ging das so. Dann konnte ich im Sommer 2011 mit meinem Mann zusammen diese Gemeinde besuchen. Tief beeindruckt haben uns die Gottesdienste, die Predigten, die Musik, das herzliche Willkommen – und besonders die diakonische Arbeit dieser Gemeinde. Willow Creek ist eine Gemeinde, die kirchendistanzierte Menschen im Blick hat, Menschen in ihrem Leben wahr­ nimmt, Kontakte pflegt, einlädt. Jährlich finden mehr als tausend Menschen bei Willow Creek zum Glauben. Während unseres Besuchs wurde deutlich: Willow ist mehr als eine Mega­Kirche. Den Christen dort gelingt es, trotz der Größe einen ganzheitlichen Anspruch des Evangeliums zu leben. Der ehrliche und echte Umgang miteinander, der annehmende und liebende Umgang untereinander prägt diese Gemeinde. Scheitern, nicht gelingendes Leben, gehören zum Leben dazu – auch zum Leben eines Christen. Dies wird hier nicht ausgeklam­ mert, sondern als normal angesehen. Vor Gott geben wir zu, dass wir Sünder sind, dass unser Leben nicht immer gelingt, dass wir „Mist gebaut“ haben ­ aber voreinander? Da sieht die Sache anders aus. Wer möchte schon vor anderen zugeben, dass er in seiner Ehe Schwierigkeiten

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netZWerK

hat oder in der Erziehung seiner Kinder nicht weiter weiß oder mit seinen Finanzen nicht klar kommt? Normaler­ weise niemand ...

AUS DEM SCHATTEN TRETEN Die Menschen bei Willow sind davon überzeugt, dass der christliche Glaube nur dann ehrlich gelebt werden kann, wenn nicht einzelne Lebensbereiche ausgeklammert wer­ den. Dazu gehört: dass man Überforderung und persönli­ ches Versagen eingesteht – vor sich selbst, vor Gott und vor anderen. Dabei geht es nicht darum, sich selbst zu demütigen oder herabzusetzen. Es geht um eine Ehrlich­ keit, die den anderen wertschätzt, Vertrauen bezeugt und Beziehungen stiftet. Und sie ist der erste Schritt, an Leib und Seele heil zu werden. Denn unsere Offenheit gibt Gottes Geist die Möglichkeit, sich in unserer Schwachheit zu zeigen, sich zu entfalten. Diakonie ist das Herzstück der Gemeinde. Und weil dies in Willow nicht nur auf dem Papier steht, sondern gelebt wird, bauen sie jetzt ihr Zentrum um: Gottesdienst und diakonische Bereiche kommen unter ein Dach, sollen nicht an verschiedenen Orten stattfinden. Zu den viel­ schichtigen Diensten gehören: Pastorale Fürsorge (wie Seelsorge), Krankenbesuche, Autowerkstatt, Lebensmit­


telausgabe, finanzielle Unterstützung. Oder auch „Monday Night Life“: Das sind Angebote in Seminarform und Aus­ tauschrunden für Eheberatung, Geschiedene und Schei­ dungskinder, Trauernde, Finanzkurse, Arbeitssuchende, Suchtberatung, Leben mit chronischen Krankheiten oder die Verarbeitung von Missbrauchsfällen. Bei unserem Besuch konnten wir die „Monday Night Life“­ Seminare besuchen und waren beeindruckt, wie ehrlich Menschen aus ihrem Leben berichteten. Sie machten deutlich, wie ihnen der Glaube hilfreich geworden ist. Dies geschah echt und unaufdringlich. Viele von ihnen sind heute selbst Mitarbeiter und Leiter dieser Gruppen und werden regelmäßig geschult. In Predigten und Schulungen wird immer wieder auf das Wesen Gottes hingewiesen, der in grenzenloser Liebe und Barmherzigkeit uns Men­ schen zugewandt ist. Aus diesen Wurzeln wird die Arbeit gestaltet und genährt.

UND DEUTSCHLAND? Ein Blick in die Geschichte der Diakonie, der Inneren Mis­ sion, zeigt: Es sind die gleichen Wurzeln, aus denen sich auch Johann Hinrich Wichern in Bewegung und für be­ dürftige Menschen einsetzen ließ. Bei ihm war Glaubens­ hilfe immer mit praktischer Lebenshilfe verbunden ­ und

praktische Lebenshilfe mit Wegweisung zum Glauben. Haben wir die Menschen in ihrer Einzigartigkeit, mit ihrer göttlichen Würde im Blick? Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir uns länger und leidenschaftlicher mit Strukturfragen, Verwaltungsvorgängen oder an Formal­ fragen aufhalten. Sicher wichtig, aber nicht das Wichtigs­ te. Ich wünsche mir, dass Menschen in unseren Gemeinden Heimat finden und ihre Gaben zur Entfaltung bringen können. Dass wir Fremden auf Augenhöhe und würde­ voll begegnen. Ich wünsche uns Gemeinden mit einer ausgeprägten Kultur der Gastfreundschaft und Begeg­ nung, einer Lebensäußerung, die zur Begegnung mit dem lebendigen Gott einlädt. Bei Willow Creek wurde mir deutlich, dass wir dabei nicht nur Beschäftigte, sondern Beschenkte sein dürfen – Men­ schen, die sich selbst Gottes Liebe widerfahren lassen, seinen Herzschlag spüren und an seinem uns zugewand­ ten Wesen orientieren.

Andrea Baur ist Vorstandsmitglied des Albrecht­Bengel­Hauses (Tübingen)

netZWerK

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Diakonie, nächstenliebe, partizipation, ehrenamt, … freiwilliges engagement hat viele namen. Wer sich für das Wohl anderer Menschen einsetzt, erlebt, was Andrea Baur im vorausgehenden Artikel passend mit „nicht bloß beschäftigt sein, sondern beschenkt“ zum Ausdruck bringt. Aber warum engagieren sich Menschen in unserem Land, wo tun sie es und was wird getan? Alle 5 Jahre veröffentlicht das Bundesministerium für familie, Senioren, frauen und Jugend dazu die Studie „zivilgesellschaft, soziales Kapital und freiwilliges engagement in Deutschland“, den sogenannten freiwilligensurvey. hier ein paar interessante einblicke. Quelle: hauptbericht des freiwilligensurveys 2009, bundesministerium für familie, senioren, frauen und Jugend

Gründe für freiwilliges Engagement ich will durch mein engagement die Gesellschaft zumindest im Kleinen mitgestalten

61

33

6

ich will durch mein engagement vor allem mit anderen menschen zusammenkommen

60

36

4

ich will durch mein engagement ansehen und einfluss in meinem lebensumfeld erwerben

27

ich will durch mein engagement wichtige Qualifikationen erwerben

12

ich will durch mein engagement auch beruflich vorankommen

10

37

42

46

19

voll und ganz Miriam Schwartz / Johannes Schlag

36

71

teilweise

überhaupt nicht

alle engagierten ab 14 Jahren (angaben in %) Quelle: freiwilligen survey

Sebastian Weiß / Oliver Schwartz

Hauptinhalte der freiwilligen Tätigkeit

anteil der freiwillig engagierten. mehrfachnennungen, angaben in Prozent. Quelle: bmfsfJ

organisation u. durchführung von Veranstaltungen

64 %

Praktische arbeiten

58 %

Persönliche hilfeleistungen

41 %

öffentlichkeitsarbeit

39 %

interessenvertretung und mitsprache

37 %

Pädagogische betreuung und Gruppenleitung

33 %

organisation und durchführung von hilfeprojekten

32 %

beratung

32 %

mittelbeschaffung (fundraising)

22 %

Vernetzungsarbeit

20 %

Verwaltungstätigkeiten

20 %

20 Professor GraPh


Organisationsform der freiwilligen Tätigkeiten Verein Kirche oder religiöse einrichtung Gruppen, initiativen staatliche oder kommunale einrichtung Verband Private einrichtung, stiftung, sonstiges Partei, Gewerkschaft

47 % 14 % 13 % 9% 7% 7% 3%

Zeitaufwendigste freiwillige tätigkeiten, Quelle: freiwilligensurveys

zielgruppen des freiwilligen Engagements Kinder und Jugendliche Kein spezieller Personenkreis frauen anderer Personenkreis familien Ältere menschen

Erwartungen an die freiwillige Tätigkeit

35 % 10 % 2% 4% 8% 41 %

Quelle: araG

Zeitaufwendigste freiwillige tätigkeiten (als mittelwerte), Quelle: freiwilligensurveys unwichtig 1

außerordentlich wichtig 2

dass die tätigkeit spaß macht

4,4

dass man damit anderen menschen helfen kann

4,1

dass man etwas für das Gemeinwohl tun kann

4,0

dass man mit sympathischen menschen zusammenkommt

4,0

dass man die eigenen Kenntnisse und erfahrungen einbringen kann

3,8

dass man die eigenen Kenntnisse und erfahrungen erweitern kann

3,7

dass man mit menschen anderer Generationen zusammenkommt

3,7

dass man eigene Verantwortung und entscheidungsmöglichkeiten hat

3,5

dass man für die tätigkeit auch anerkennung findet

3,1

dass man eigene interessen vertreten kann

2,9

3

4

Professor GraPh

5

21


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Warum Gerechtigkeit? | Tim Keller

Auf der Spur des Glücks | Henry Cloud

Die Bibel und soziale Gerechtigkeit – passt das zusammen? Man­ che Christen meinen, die Kirche solle sich um die Gerechtigkeit der Menschen vor Gott kümmern – für die soziale Gerechtigkeit seien andere zuständig. Tim Keller ist überzeugt: Wer von der Er­ fahrung der Gnade Gottes geprägt ist und die Bibel ernst nimmt, entdeckt Gottes großzügige Gerechtigkeit. Dann kann er gar nicht anders, als sich für Gerechtigkeit einzusetzen und sich für die Be­ dürftigen aufzuopfern.

Glückliche Menschen tragen bewusst oder unbewusst viel dazu bei, glücklich zu sein. Das belegen Forschungsprojekte. Dr. Henry Cloud hat noch etwas entdeckt: Die modernen Anweisungen zum Glücklichsein entsprechen dem, was uns schon die Bibel verrät. Entscheidend ist nicht, was uns widerfährt, sondern wer wir sind. Glückliche Menschen leben dankbar, kennen Vergebung, pflegen gesunde Beziehungen, bejahen Grenzen, sehen den Sinn. Kurz: Glaube macht auch glücklich!

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Hölle light | Francis Chan

Jetzt ist Schluss! | Geri Scazzero

Eigentlich gehört die Hölle abgeschafft. Zumindest, wenn es nach Meinung der meisten Menschen geht. Darf ein so schrecklicher Ort überhaupt existieren? Wie kann ein liebender Gott Menschen auf ewig dorthin verbannen? Und haben die Verstoßenen nach ihrem Tod noch eine letzte Chance auf den Himmel? Meinungen zur Hölle gibt es viele. Doch entscheidend ist, was Gott selbst dazu sagt. Dabei geht es nicht um theologische Spitzfindigkeiten. Sondern um Gottes Charakter und seine Liebe zu den Menschen. Wie passen ein liebender Gott und ewige Verdammnis zusam­ men? Francis Chan gibt anhand der Bibel Antworten auf gewich­ tige Fragen.

Nach ein paar Jahren Pastorenehe war für Geri Scazzero als Pastorenfrau von Freude und Lebendigkeit nicht mehr viel ­übrig. ­Dafür verspürte sie Frust, verdrängten Ärger, Müdigkeit. Sie merkte: So geht’s nicht weiter. Der Aufbruch in eine lebenswertere Zu­ kunft begann, als sie aufhörte, so zu tun, als sei alles in Ordnung, und den Mut aufbrachte, zu sagen: „Damit ist jetzt Schluss!“ Sie verließ die aufblühende Gemeinde, in der ihr Mann Pastor war, und setzte eine Entwicklung in Gang, die nicht nur sie selbst, son­ dern auch ihre Ehe verändert hat. Im Buch zeigt sie auf, ­welche Schlussstriche zu ziehen sind, um aus einengenden Lebens­ haltungen auszusteigen.

Deutsche Bibelgesellschaft 1.280 Seiten € 16,90

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BasisBibel | Neues Testament

Der fromme Atheist | Craig Groeschel

Die BasisBibel ist die erste Bibelübersetzung des Neuen Testa­ ments, die den gewandelten Lebensbedürfnissen des 21. Jahrhun­ derts gerecht wird. Sie besticht durch ein zeitgemäßes Deutsch, zahlreiche Sacherklärungen am Rand, lesefreundliche Textgestal­ tung und große Texttreue. Die BasisBibel ist besonders für Men­ schen geeignet, deren Leseverhalten sich durch den Umgang mit den „Neuen Medien“ verändert hat. Auch auf www.basisbibel.de kann der gesamte Text gelesen werden. Über die Internetadresse am unteren Rand einer jeden Buchseite gelangt man schnell zu weiteren ausführlichen Hintergrundinformationen zum Bibeltext.

Vielen Christen geht es wie einem Autoreifen, aus dem langsam, aber sicher die Luft entweicht. Die Hingabe und Begeisterung für den Glauben lassen nach. Allmählich sind sie zu einer Vollzeit-Mut­ ter oder einem Vollzeit-Angestellten geworden. Und gleichzeitig zu einem Teilzeit-Christen. Ihr Gottesdienstbesuch ist zur Routine geworden. Die Liebe Gottes nehmen sie mit einem Achsel­zucken hin. Das Gebetsleben ist nicht dass, was sie sich eigent­lich wün­ schen. Craig Groeschel ermutigt die Leser, ihr Leben neu auf Gott auszurichten. Er ist überzeugt: Darin liegt die Kraft zum Leben, nach der sich die Menschen sehnen.

22 Ressourcen


Buchauszug

Kennzeichen eines Menschen in Verantwortung Gordon MacDonald hat auf zahlreichen Willow-Konferenzen gesprochen. Der begnadete Redner und Autor, der einer der geistlichen Berater von US-Präsident Bill Clinton war, hat nun sein neues Buch vorgelegt: „Warum Jesus kein Burnout hatte“. Hier ein Auszug. Es gab eine Zeit, in der ich danach strebte, Verantwortung für eine Gemeinde zu tragen; heute sehe ich das nüchterner. Es ist ein Vorrecht, ein solches Amt zu haben, aber der Preis ist hoch. Ein Gemeindeleiter muss auf jedes Wort achten und lernt schnell, dass man ohne ein paar Kritiker nicht durchs Leben kommt; und manche hat man sehr wohl verdient. Es fällt schwerer, echte Freunde auszumachen, man hat wenig Zeit, Beziehungen zu pflegen. Auf der Familie lastet Druck. Andererseits war alles, woran ich teilhaben durfte, das Er­ gebnis meiner Entscheidung, auf Gottes Ruf in eine leitende Position zu antworten. Meiner Frau Gail und mir ist bewusst, dass Gott uns zu etwas berufen hat. Jeden Morgen nehmen wir uns Zeit, ihn zu fra­ gen: „Welchen Zweck hat dies oder jenes in unserem Leben?“ Ich glaube nicht mehr, dass all mein Tun toll sein muss, aber ich empfinde das Gefühl, berufen zu sein und eine Pflicht zu haben. Welche Kennzeichen sollte ein Christ in Verantwor­ tung neben der Berufung noch besitzen? Erstes Kennzeichen: die Fähigkeit, eine Vision weiterzugeben. Als Verantwortlicher ist man Hüter einer Vision. Manche von uns vermitteln die Vision durch ihr rednerisches Talent, andere gehen andere Wege. Zweites Kennzeichen: Aufmerksamkeit gegenüber Menschen. Zuerst muss man hören, was sie sagen. Als Redner muss ich verstehen, wie der andere denkt. Wie nimmt er Informa­ tionen auf? Churchill kannte die Engländer, achtete auf die richtigen Formulierungen, mit denen er ihre Aufmerksamkeit gewinnen konnte; er wusste, was sie inspirieren und auf den Feind wütend machen konnte, damit sie trotz unglaublicher Nöte im Krieg durchhalten würden. Drittes Kennzeichen: die Fähigkeit, Situationen zu beurteilen. Einfühlsam zu sein bedeutet auch, Situationen entschlüsseln zu können, zu begreifen, was vor sich geht. Ich kann einen Raum betreten und instinktiv erfassen, wer das Sagen hat –

oder ob niemand es hat. Das ist im Bereich der Gemeinde eine wichtige Fähigkeit. Viertes Kennzeichen: wachsende Selbsterkenntnis. Einfühl­ same Christen in Verantwortung müssen sich selbst kennen. Wenn wir nicht wissen, was uns kaltstellt, wo unsere Grenzen sind, öffnen wir dem Unheil Tor und Tür. Viele Verantwortli­ che sind unsicher, kämpfen mit ihrer Vergangenheit, die nicht aufgearbeitet wurde. Das kann zur Achillesferse der Mitarbeit werden. Der Weg der Selbsterkenntnis beginnt damit, mich täglich kritisch vor Gott zu prüfen und sündhafte Beweg­ gründe aufzuspüren. Er führt auch in die Vergangenheit: Was hat mich zu dem gemacht, der ich heute bin? Wonach suche ich? Was habe ich nicht bekommen, das ich gebraucht hätte? Unsere geistliche Mitte Oft schaffen wir es nicht, zu unterscheiden, was nützlich ist, und was wir ablegen müssen. Wir alle können unsere Vergangenheit als Ausrede benutzen: „Ich bin aus diesem und jenem Grund so, also nimm mich, wie ich bin.“ Als verant­ wortlicher Mitarbeiter darf man sich solch ein Selbstmitleid nicht erlauben. Es abzulegen, ist ein schweres Stück Arbeit und ein lebenslanger Prozess. Wir werden schnell unwirk­ sam, wenn wir unsere geistliche Mitte nicht durch geistliche Disziplin pflegen. Fast alle Christen in Verantwortung finden dies unabdingbar, aber nur wenige halten sich tatsächlich eine oder zwei Stunden täglich frei, um sich ihrer geistlichen Mitte zu widmen. Die Folge: man häuft Erkenntnis an, ohne Weisheit zu haben. Man verlässt sich auf sein Charisma, statt auf die Kraft des Geistes. Erst wenn unser Wirken aus unserer geistlichen Mitte heraus erfolgt, werden unsere Ressourcen richtig kana­ lisiert und vervielfacht.

Warum Jesus kein Burnout hatte | Gordon MacDonald

Brunnen 300 Seiten € 16,99

Auf Jesus lastete sein Auftrag manchmal schwer. Wie hat er seinen Dienst erfüllt? Wie traf er Entscheidungen? Wie hat er seine Zeit genutzt? Welche Wege fand er, innerlich aufzutanken und nicht auszubrennen? Die Antwort ist so einfach wie fundamental: Er ging in die Stille, unterhielt sich mit seinem Vater und fand so zu neuer Stärke. Als Christen in Verantwortung brauchen auch wir diese Kraftquelle. Gordon MacDonald ermutigt, sich Zeit zu nehmen für geistliches Reifen und seelische Erfrischung. Sie macht uns stark und lässt ungeahnte Schönheit in unserem privaten, beruflichen und gemeind­ lichen Leben erblühen.

Ressourcen 23


Bill Hybels (r.) bei einer Generalprobe im Willow-Gottesdienstsaal

Treffende Worte machen den Unterschied Bill Hybels

24窶サraining


Der Einfluss der Worte von Leitungspersonen in Kirchen und Gemeinden ist nicht zu unterschätzen: ob in einer Predigt, beim Gewinnen von Ehrenamtlichen oder bei Ankündigungen im Gottesdienst. Jedes Wort wirkt sich entweder positiv oder negativ aus. Der Theologe Dr. Richard Allen Farmer forderte die Zuhörer auf einer Willow-Konferenz in Chicago dazu auf, intensiv über ihre Wortwahl nachzudenken und dann die Worte zu wählen, die am meisten bewirken. Hier zunächst ein Auszug seines Vortrags. Daran schlieSSt sich ein Interview an, das Jim Mellado, Leiter der Willow Creek Association, mit Bill Hybels zum Thema Wortwahl von Leitenden geführt hat. Gardner Taylor sagt Dinge auf so bemerkenswerte Weise, dass ich mich 20 bis 25 Jahre später noch daran erinnern kann. Weil er eine ungemein bildhafte Sprache verwendet. Er hat einmal über den blindgeborenen Mann im 9. Kapi­ tel des Johannes Evangeliums gepredigt. Dieser Mann hat alles zum ersten Mal in seinem Leben gesehen. In seiner Predigt hat Gardner Taylor so getan, als ob er dieser Mann wäre. Er hat über die Begeisterung gesprochen, zum ers­ ten Mal zu sehen. Als „blinder Mann“ hat er gesagt: „Ich habe noch nie eine Rose in Gottes Gesicht erröten sehen.“ Wenn man sich nur eine rote Rose vorstellt, ist das in Ord­ nung. Aber eine Rose, die in Gottes Gesicht errötet? Das ist eine Predigt für sich. Er hat auch über die Steinigung von Stephanus gespro­ chen. Im 7. Kapitel der Apostelgeschichte steht, dass Ste­ phanus zum Himmel geschaut und Jesus gesehen hat. Gardner Taylor sagte dazu: „Er hat nach oben geschaut und dort stand Jesus. In den meisten Textstellen sitzt Je­ sus. Aber diesmal hat Jesus gestanden – und der gesamte Himmel mit ihm - auf Zehenspitzen.“ Der Himmel auf Ze­ henspitzen. Auch ein Bild, an das man sich lange erinnern wird. Wie gehen Sie vor, wenn Sie sich auf Ihre Predigten und Ansprachen vorbereiten? Welche Wörter und Redensarten verwenden Sie? Lassen Sie Ihre Formulierungen hervor­ stechen! Ich war auf einer Pastorenkonferenz. Unter ihnen war auch Monroe Walls, ein Pastor aus New York. Als er sich für den Gottesdienst angezogen hat, in dem Gardner Tay­ lor predigen sollte, hat er einen Herzanfall bekommen und ist gestorben. Gardner Taylor wurde gebeten, diesen To­ desfall vor seiner Predigt zu erwähnen. Gardner kann sich heute nicht mehr daran erinnern, aber ich schon. Obwohl es 25 Jahre her ist, weiß ich noch genau, was er gesagt hat: „Lasst uns für die Familie und Gemeinde von Monroe Walls beten. Er hat sich umgezogen für den Gottesdienst hier unten – und feiert ihn jetzt dort oben.“ Sogar die ­Bekanntmachung des Todesfalls kann unvergesslich sein.

Was machen Sie, um diese wertvollen Werkzeuge namens Worte so zu gestalten, dass sie herausstechen? Mein Vor­ schlag: Benutzen Sie starke und aktive Verben, Hauptwör­ ter und Adjektive! Ein Autor hat sie mal Worte genannt, „die aus dem Innersten kommen“. Weil sie aus einem Bauchgefühl heraus entstehen und nicht durch Überlegen. Wenn man manche Worte zu häufig benutzt, schlafen die Zuhörer ein. Zum Beispiel „Lasst uns von dieser Wahrheit Besitz ergreifen“. Oh bitte ... Wenn Sie über eine Situation in kurzen, prägnanten Redensarten sprechen, dann neh­ men Sie Ihre Zuhörer auf eine Entdeckungsreise mit. Hö­ ren Sie sich diese zwei Beschreibungen an: „Hank Aaron bekam von 50.000 Fans stehenden Applaus. Der Beifall dauerte mehr als 5 Minuten.“ Nun die zweite Variante: „50.000 Fans springen auf, klatschen, schreien und feuern Hank Aaron begeistert an. Der tumultartige Lärm dauert ganze 5 Minuten.“ Beide Versionen beschreiben zutreffend den gleichen Sachverhalt. Aber bei welcher Version sind sie mittendrin - statt nur dabei? Ich befürchte, dass wir viele unserer Zuhörer zum Ein­ schlafen bringen – und das im Namen der großartigsten Wahrheit, die diese Welt je gehört hat. Jemand hat mal einen Gottesdienstbesucher gefragt: „Wie viele Personen können in Ihrem Gottesdienstsaal sitzen?“ Seine Antwort: „Keine Ahnung, aber etwa 800 Leute können dort gut schlafen.“ Bill, wie ging es dir nach dem Vortrag von Dr. Farmer? Bill Hybels: Wenn ich Vorträge zum Thema Leitung höre, sage ich mir: „Ich glaube, das meiste davon praktiziere ich bereits.“ Aber dieser Vortrag war wie eine Tracht Prü­ gel. Ich habe gedacht: „Ich bin so weit entfernt von dem Maßstab, den er gesetzt hat.“ Nachdem ich die Phase der Selbstkasteiung überwunden hatte, hat es mich aber eher angespornt. Ich habe angefangen, mehr über meine Wort­ wahl nachzudenken. Für mich gehört dieser Vortrag zu den zehn besten, die ich je zum Thema Kommunikation gehört habe. Ich sollte ihn mir einmal pro Monat anhören. Pastorinnen und Pastoren sowie Menschen mit Leitungsverantwortung müssen immer die richtige Balance finden, zwischen Aufgaben des Lehrens und des Leitens. Wie findest du die richtige Balance? Das war einer der schwierigsten Kämpfe meines Lebens. Ich weiß, dass Gott mich zum Leiten berufen hat. Ich fühle mich in Leitungssituationen viel wohler. Im Bereich Kom­ munikation bin ich deutlich weniger begabt. Die einzige Lösung war, eine Art Schutzwall zwischen den beiden ­ Bereichen zu errichten. Ich muss mir erlauben, mich voll mit der Aufgabe als Redner zu identifizieren. Ich muss mir ­bewusst sagen: „Bill, in den nächsten 5 bis 6 Stunden bist du kein Leiter, sondern Lehrer, der eine Predigt vor­ zubereiten hat.“ Also denke ich an kein Meeting und keine Entscheidung, die noch zu treffen ist. Ich trage nur den Sprecher-Hut. Vor mir liegt die Bibel, darauf konzentriere ich mich. Ich lasse mich nicht von Verwaltungs- oder Leitungs­ aufgaben ablenken. Dieses „Hutwechseln“ ist wichtig.

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Hast du für diese zwei Aufgabenbereiche unterschiedliche Orte? Jahrelang war das nicht so, aber das habe ich geändert. Wenn ich die Predigtvorbereitung an meinem Schreibtisch im Gemeindezentrum versuche – keine Chance. Der Tisch ist voller Memos, Briefe und Leitungszeugs. Wenn ich wäh­ rend der Predigtvorbereitung stecken bleibe, kümmere ich mich stattdessen um Leitungsaufgaben. Weil das meine stärkste Gabe ist und ich das Gefühl habe, die Gemeinde damit eher voranbringen zu können. Dadurch vernachläs­ sige ich die Predigtvorbereitung. Deswegen war ein Orts­ wechsel zwingend nötig. Ich bereite meine Predigten jetzt zuhause vor. Jeder sollte den Ort finden, an dem sich das eigene Herz und Denken am ehesten auf Gottes Gedanken einstellen kann. Erst dann wird der Bibeltext lebendig.

Die Vorstellung, dass Gott die wirklich guten Ideen nur dem Pastor einer Gemeinde gibt, ist für mich völlig absurd. Bill Hybels

Dürfen andere deine Predigt vorher lesen? Ich bin da ehrlich gesagt ein bisschen exzentrisch. Die­ ser Prozess ist so sensibel, dass ich noch nicht mal den Technik-Mitarbeitern eine Kopie gebe. Ich bin der einzige bei Willow, der das macht. Alle anderen Sprecher geben den Technikern ihre Entwürfe, damit die Bibeltexte und an­ dere Hervorhebungen auf die Leinwände geworfen werden können. Ich fühle mich in dem Bereich so verwundbar, dass ich nie­ mandem vorher meine Notizen zeige. Unseren Technikern sage ich: „Mir ist es lieber, dass ihr bei einer Folie mal zu spät dran seid oder sie verpasst, als dass jemand meine Notizen liest.“ Ich schreibe meine Predigt noch per Hand auf; überall sind kleine Stichworte, die außer mir niemand verstehen würde. Das ist etwas sehr Persönliches. Gleichzeitig ermutigst du aber die Leute, dir Rückmeldungen zu geben. Das mache ich immer, weil meine Predigten noch besser werden können. Auch das ist sensibel. Wie gehst du dabei vor? Es gibt 6 bis 12 Leute, mit denen ich mich regelmäßig tref­ fe. Ich sage ihnen: „Du würdest mir einen großen Gefallen tun, wenn du mir nach einer Predigt eine Rückmeldung geben würdest. Am besten nach der Predigt am Sams­ tagabend, damit ich für den Sonntag noch etwas ändern kann.“ Ich bitte diese Leute um ganz spezifische Dinge. Meinen Mentor, Dr. Bilezikian bitte ich: „Überprüf die Ver­ wendung von Bibelstellen. Achte darauf, ob ich sie aus dem Zusammenhang reiße oder verdrehe, nur damit sie in die Predigt passen. Lass mich wissen, ob ich theologisch gründlich gearbeitet habe.“ Einen Anwalt habe ich gebeten, meine Predigten auf ihre Logik hin zu überprüfen. Und ein Geschäftsmann gibt

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mir wöchentlich Feedback, ob die Predigt für den Durch­ schnittstypen verständlich war. Ich hole mir Rückmeldungen von Frauen, älteren und jüngeren Menschen. Diese Rück­ meldungen wirken sich nicht nur auf die Predigt an dem Wochenende aus, sondern auch auf künftige. Mir geht es nicht nur darum, eine misslungene Predigt zu korrigieren – ich möchte grundsätzlich ein besserer Redner werden. Du verbringst viel Zeit damit, andere zu besseren Rednern zu machen. Worauf achtest du ­besonders? Wenn jemand eine Predigt vorbereitet, bitte ich die Per­ son, zwei Fragen im Hinterkopf zu behalten: Was sollen die Leute lernen? Was sollen sie nach der Predigt verstanden haben? Und das zweite: Was sollen sie konkret tun? Wir haben ein paar jüngere Redner. Zwei Wochen, bevor sie mit Predigen dran sind, frage ich: „Bald ist es soweit. Was sollen eure Zuhörer lernen?“ Meist bekomme ich ­einen erschreckten Blick mit der Frage: „Soll ich dir das hier und jetzt beantworten?“ Genau das sollen sie – mir den zentralen Punkt nennen können. Wenn sie dazu nicht in der Lage sind, wird die Predigt meistens problematisch. Wer eine ausgewachsene Predigt nicht auf eine zentra­ le Aussage herunterbrechen kann, wird erst Recht Mühe ­haben, sie einer großen Gruppe verständlich zu machen. Ein weiterer Punkt ist mir wichtig: die jungen Sprecher zu formen. Das ist etwas sehr Persönliches und potenti­ ell Schmerzhaftes. Aber wer wirklich besser werden will, muss an seinen Fertigkeiten arbeiten. Ich fühle mich ver­ pflichtet, mit meinem Predigtteam sehr offen über diese persönlichen Dinge zu sprechen. Ich erinnere mich noch, wie wir einen meiner Vorträge besprochen haben. Wir haben uns das Video angeschaut und an einem Punkt, der mir am wichtigsten war, hast du gesagt: „Ich weiSS, du bist davon felsenfest überzeugt. Aber ­auSSer dir hat das keiner kapiert – weil weder die Betonung noch die Körpersprache stimmen.“ In jedem Vortrag gibt es ein bestimmtes Maß an Informati­ onen, die der Redner an seine Zuhörer weitergibt. Hin und wieder gibt es einen Wendepunkt, und bei dem kommt es auf die Überzeugung an. Wenn man genügend Informati­ onen weitergegeben hat, muss man in etwa sagen: „Und davon, liebe Leute, bin ich felsenfest überzeugt, weil ...“ Dann kommen wieder Informationen. Dann der nächste Wendepunkt: „Dafür, liebe Freunde, hat Gott seinen Sohn ans Kreuz nageln lassen, deshalb ...“ Durch den Rhythmus von Information, Überzeugung, und Emotion macht man deutlich, worum es geht. Manche Sprecher bleiben nur auf der Informationsebene. Andere sind nur auf der Emotions­ ebene oder machen alles absolut dringlich. Das halten die Zuhörer keine 30 Minuten aus, es laugt sie aus! Dr. Farmer hat gesagt, Gardner Taylor hat keine überflüssigen Worte benutzt. Er spielt auf brillante Weise mit ihnen. Wie sieht das bei Ankündigungen aus? In den meisten Gemeinden sind sie nur lästiger Programmteil. Du schreibst deine Ankündigungen Wort für Wort


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AUf, ObwOHL DU SCHON fAST 40 jAHRE ERfAHRUNG HAST. Ich habe eine Todesangst vor Ankündigungen. Weil die Leute sie erwarten. Das sind für sie nur Mitteilungen. Sie erwarten, dass man die runterleiert. Meist spielen die Leute währenddessen mit dem Handy oder rücken ihre Klamotten zurecht. Keiner ist bei der Sache. Ich mache manchmal extra Überstunden, um sie mit meinen Ankün­ digungen zu überraschen. Einfach, um ihre Aufmerksam­ keit zu behalten. Ich würde nie so anfangen: „Hey, hier sind ein paar Mitteilungen ...“ Das ist eine Kapitulation. Meine ersten Worte sollen so sein, dass die Zuhörer sa­ gen: „Moment, das ist nicht nur eine Ankündigung.“ Ein Beispiel: Wir veranstalten jedes Jahr ein Fisch­Derby für Kinder mit Behinderungen, eine große Veranstaltung an unserem See. Wir brauchen 500 Ehrenamtliche, um das zu stemmen. Der zuständige Leiter hat mir gesagt: „Bill, alles hängt von dir ab. Nur durch deine Ankündigung im Gottesdienst werden wir die notwendigen Mitarbeiter be­ kommen!“ Ganz ehrlich: Ich habe mir mehr Sorgen über diese Ankündigung gemacht, als über meine Predigt. Nachdem ich dafür gebetet habe, hat Gott mir eine Idee geschenkt. An dem Sonntag habe ich gesagt: „Wie viele von euch gehen gerne fischen?“ Ein paar tausend Leute ha­ ben ihre Hände gehoben. Dann sagte ich: „Großartig! Ganz nebenbei: Jesus hat damals Fischer berufen.“ Mit dieser Aussage habe ich etwas gespielt. Dann habe ich eine neue Richtung eingeschlagen und gefragt: „Wer würde gerne für einen guten Zweck fischen? Für etwas, das ein Men­ schenleben verändern kann? Hebt bitte eure Hand. Wir ha­ ben demnächst eine Veranstaltung, zu der wir Kinder im Rollstuhl eingeladen haben. Die können nicht fischen, weil sie ihre Arme nicht benutzen und keinen Köder am Haken befestigen können. Wenn ihr also für einen guten Zweck fischen wollt, dann könnt ihr euch nach dem Gottesdienst hier eintragen.“ Über 800 Leute haben sich gemeldet. Der Ausgangspunkt war eine Idee, die Gott mir für eine An­ kündigung geschenkt hat ­ und dann heißt es, ordentlich daran zu feilen. wIE wICHTIG IST SpRACHE, wENN mAN DIE KULTUR EINER GEmEINDE vERÄNDERN wILL? Die Kultur in einer Gemeinde zu verändern, hat zu 50% mit Sprache zu tun. Dabei ist die Wortwahl außerordentlich wichtig, um die Menschen in eine bestimmte Richtung zu bewegen. Vor 30 Jahren hatte ich eine interessante Er­ kenntnis. Damals wollte ich, dass die Leute ihr Bestes in der Gemeinde geben. Deshalb habe ich das Wort „Exzel­ lenz“ in dem Zusammenhang benutzt. Das hatte aber nicht genügend Biss. Die Leute haben gesagt: „Das ist deine per­ sönliche Vorliebe. Zwing mir die nicht auf.“ Also habe ich mir eine Redewendung überlegt: Exzellenz ehrt Gott und inspiriert Menschen.“ Als ich das zum ersten Mal auf einen Zettel geschrieben habe, konnte ich mich nur bei Gott bedanken. Mir war klar: Das wird Menschen über Jahrzehnte helfen. Jetzt kann der Mitarbeiter, der die Mikrofonkabel aufwickelt sagen: Das, was ich hier mache, ehrt Gott und inspiriert Menschen. Deshalb möchte meine Aufgabe ausüben, so gut ich kann.“ Gleiches gilt für die Person, die den Rasen mäht oder die

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TRAINING

VISIONäRE MENSCHEN HABEN MIT DEN GLEICHEN PROBLEMEN ZU KäMPFEN WIE JEDER ANDERE AUCH. ABER STATT SICH VON DEN PROBLEMEN LäHMEN ZU LASSEN, SIND VISIONäRE SOFORT DAMIT BESCHäFTIGT, NACH EINER LÖSUNG ZU SUCHEN. Bill Hybels

Toiletten reinigt. Wenn ich nur gesagt hätte: „Sieh zu, dass du deine Aufgabe so gut wie du kannst ausübst!“, hätte das nicht gezündet. Leitungspersonen suchen ständig nach solchen ansteckenden Worten, um Menschen aufzu­ rütteln, zu inspirieren; das große Bild zu zeigen. SEIT LETzTEm jAHR wIRD bEI wILLOw DIE fORmULIERUNG GEbRAUCHT: „bIST DU GEfÄHRLICH übERfORDERT?“ mAN HÄTTE AUCH SAGEN KöNNEN: „STEHST DU KURz vOR EINEm bURNOUT?“ Das ist eine Formulierung, die über einen Zeitraum von 3 bis 4 Monaten entstanden ist. Wir haben an einem Schau­ bild für unsere Mitarbeiter gearbeitet und gefragt: „Wirst du bei uns angemessen gefordert oder bist du unterfor­ dert?“ Die logische Fortführung wäre „Bist du überfor­ dert?“ gewesen. Aber das war mir nicht zugespitzt genug. Es hätte den Leuten zu wenig Angst eingejagt. Ich habe mit dem Leiter der Personalabteilung zusammengesessen und wir haben ein Dutzend verschiedener Worte auspro­ biert. Eines Tages habe ich gefragt: „Wie wäre es mit un­ terfordert, angemessen gefordert und gefährlich überfor­ dert?“ Ihm hat das sofort gefallen. Ich habe gesagt: „Das ist schon ein bisschen dramatisch.“ Er meinte nur: „Aber genau das ist nötig, um den Punkt rüberzubringen.“ „vERLORENE mENSCHEN SIND GOTT wICHTIG.“ IST EIN KLASSIKER, AN DEN SICH ALLE NOCH ERINNERN. Ja, aber dessen Haltbarkeit ist abgelaufen, er hat nicht mehr den Biss wie früher. In dem Fall braucht man neue Begriffe. Das trifft auch auf das Wort „Evangelisation“ zu. Es hieß bei uns: „Menschen erreichen, die Gott fern sind.“ Jetzt heißt es: „In Zukunft noch mehr Risiken eingehen, um alle Menschen für Gott zu gewinnen, die ihn nicht kennen.“ Das hat unsere Leute wieder zum Nachdenken gebracht. Der Aufwand lohnt sich, um die Macht der Worte wirklich zu entfesseln. Treffende Worte machen den Unterschied.

Jim Mellado, Präsident der Willow Creek Association, stellte die Fragen an Bill Hybels für das „mutig führen“­Audiojournal Willow Creek Association


GEbETSNETz Wenn Wir arbeiten, arbeiten Wir. Wenn Wir beten, arbeitet Gott. hudson taYlor

GEbETSNETz vON wILLOw CREEK DEUTSCHLAND/SCHwEIz GESTARTET „HÖRT NICHT AUF ZU BETEN UND GOTT ZU DANKEN. VERGESST NICHT, AUCH FÜR UNS ZU BETEN, DASS GOTT UNS VIELE GELEGENHEITEN SCHENKT, SEIN GEHEIMNIS WEITERZUSAGEN: DIE BOTSCHAFT VON CHRISTUS.“ PAULUS, IN KOLOSSER 4,2­3A Paulus wusste, wovon er spricht. Bei allem Tatendrang für das Reich Gottes war ihm immer klar: Nur das beständi­ ge Gebet schafft optimale Voraussetzungen, öffnet Türen, Herzen, Horizonte. Gebet macht uns weise, gibt die nötige Orientierung, überwindet Barrieren, schafft den frucht­ baren Boden, auf den wir Gottes guten Samen aussäen können. Eine Erfahrung, die wir immer wieder machen: Trotz sorg­ fältiger Planung bleibt letztendlich Gott der Handelnde. Deshalb brauchen wir Ihr Gebet und laden Sie ein: Verbin­ den Sie sich mit dem Willow Gebetsnetz! Denn wer seinen Mund nahe an Gottes Ohr hält, hält gleichzeitig das eigene Ohr an Gottes Mund. Unser Gebet ist der direkte Draht zum Ohr und Herzen Gottes. Gemein­ sam wollen wir Gottes Segen für den Dienst von Willow erbitten. Ihm aber auch für allen Aufbruch in unseren Kir­ chen und Gemeinden danken, den er auch durch die Impul­ se von Willow hervorgerufen hat. Über die Internetseite: www.willowcreek.de/netzwerk/ gebetsnetz geben wir ab sofort konkrete Gebetsanliegen an Sie – das Willow Gebetsnetz – weiter. Da Gebet keine Einbahnstraße ist, werden wir Sie auch über die Entwick­ lungen und Neuigkeiten innerhalb der entsprechenden An­ liegen unter den Einträgen informieren. Auf dieser Webseite können Sie sich auch für die Gebets­ netz­Impulsmail anmelden. Dann erhalten Sie 4 Mal im Jahr eine kurze E­Mail als Erinnerung und Einladung zum Blick auf diese Seite. Karl­Heinz Zimmer, Geschäftsführer von Willow Creek Deutschland / Schweiz


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willow-partnerschaft lohnt sich jetzt noch mehr In den vergangenen Monaten wurde in der Willow-Zen­ trale intensiv über die drei Partnerschafts-Varianten nachgedacht. Ziel war eine bessere Unterstützung für die Menschen in ihren gemeindlichen Aufgaben. Aus diesen Überlegungen ist eine Neugestaltung der Partnerschaft im Willow-Netzwerk hervorgegangen. Willow stellt in Zu­ kunft noch mehr Material zur Verfügung. Die Neuregelung tritt zum 1. Juli 2012 in Kraft. Im Einzelnen bietet die Part­ nerschaft die folgenden Vorteile:

Für Willow-Einzelpartner •  Freier und kostenloser Zugriff auf alle Folgen des „Mutig führen Audiojournals“. •  Rabatt auf die Teilnahmegebühr von Willow-Kongres­ sen, Seminaren und Studienreisen für den Einzelpartner und eine weitere Person. •  Discount auf ausgewähltes Material im Willow-OnlineShop – zu finden unter der Kategorie „Vergünstigt für Willow-Partner“.

Für Willow-Partnergemeinden •  Kostenloser Zugriff auf alle 250 Willow-Theaterstücke von der Willow-Webseite. Die bisherige Aufführungsli­ zenz von € 12,50 je Stück entfällt für Willow-Gemein­ departner. •  Freier und kostenloser Zugriff auf alle Folgen des „Mutig führen Audiojournals“ mit Bill Hybels. Zugriff haben alle Mitarbeiter von Willow-Partnergemeinden. Etwaige be­ stehende Abos laufen aus. •  Sonderkondition für die REVEAL–Gemeindeanalyse. Partnergemeinden zahlen € 150 statt € 450. Folgeana­ lysen zum regulären Preis. •  40 % Rabatt auf Seminare und Vorträge, die WIllowReferenten in Willow-Partnergemeinden durchführen. •  Rabatt für alle Gemeindeglieder auf die Teilnahmege­ bühr an Willow-Kongressen, Seminaren und Studien­ reisen, ebenso einen Discount auf ausgewählte Artikel im Willow-Online-Shop – zu finden unter der Kategorie „Vergünstigt für Willow-Partner“.

Für Hauptamtliche Partner •  Freier und kostenloser Zugriff auf alle Folgen des „Mutig führen Audiojournals“. •  Freier und kostenloser Zugriff auf alle Willow-Theater­ stücke (s. „Willow-Partnergemeinden“). •  Rabatt auf die Teilnahmegebühr von Willow-Kon­ gressen, Seminaren und Studienreisen für den/die Hauptamtliche/n und drei weitere Personen. •  Discount auf ausgewähltes Material im Willow-OnlineShop – zu finden unter der Kategorie „Vergünstigt für Willow-Partner“.

Darüber hinaus haben Willow-Partner die exklusive Teil­ nahme-Möglichkeit an besonderen Veranstaltungen, wie die „Intensiv-Studienwoche“ am Jahresende in Chicago oder Treffen mit Willow-Referenten im Rahmen von Ver­ anstaltungen. Seit acht Jahren sind die Partnerbeiträge unverändert geblieben. Durch die Erweiterung des Leistungsumfangs möchte Willow zum 1. Juli 2012 eine moderate BeitragsAnhebung vornehmen. Die jährliche Gebühr beträgt dann: Willow-Partnergemeinden € 250; Hauptamtlichen-Part­ nerschaft € 125; Einzelpartner € 65.

Willow-partner werden Auch Sie können dazu gehören: Das Anmeldeformular so­ wie weitere Informationen zum Willow-Netzwerk finden Sie online: www.willowcreek.de Für Willow Creek Deutschland/Schweiz sind die Partner im Netzwerk sehr wichtig. Wir sind dankbar, dass unse­ re Partner nicht nur vor Ort den Traum einer Gemeinde nach Apostelgeschichte 2 leben, sondern uns auch in un­ serem Auftrag unterstützen, einen wachsenden Kreis von Gemeinden mit ihren haupt- und ehrenamtlichen Mitarbei­ tern in ihren Aufgaben zu ermutigen und zu fördern.

 Karl-Heinz Zimmer, Geschäftsführer von Willow Creek

Deutschland / Schweiz

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Neue Töne im Gemeindeaufbau In Verden spielt eine GemeindeMusikschule eine missionarische Schlüsselrolle

2003 hörte ich auf einem Willow-Kongress, dass Verände­ rungsprozesse in Gemeinden fünf bis zehn Jahre dauern, bevor sie wirksam werden. Das konnte ich kaum glauben. Wir hatten kurz zuvor mit unserer Landeskirchlichen Ge­ meinschaft in Verden (Aller) einen Veränderungsprozess eingeleitet. Würden wir nun diese Geduld aufbringen? Und stimmt die Zahl überhaupt? Aus eigener Erfahrung wissen wir heute: Ja, es stimmt! Der Veränderungsprozess unserer kleinen Landeskirchli­ chen Gemeinde mit 100 Mitgliedern, durchschnittlich 100 Gottesdienstbesuchern und gut 100 ehrenamtlichen Mit­ arbeitern, hat bisher zehn Jahre gedauert. Und ich bin Gott dankbar, dass er uns diese Geduld geschenkt hat! Denn Erfolgsstreben macht kurzatmig. Ungeduld setzt die eige­ nen Träume an die Stelle Gottes und allzu leicht kann aus dem Dienst für Gott ein persönlicher Götzendienst wer­ den.

Zu Beginn ein Sabbatjahr „Wer das Wasser auffangen will, wenn es regnet, der muss vorher die Gefäße dazu aufstellen“, sagt ein Sprichwort. Zu meinem Dienstantritt als Prediger in Verden 2001 sagte man mir (ähnliches bekommt vermutlich jeder neue Pre­ diger zu hören): „Wir wollen mit Ihnen neue Wege wagen.“ Das war auch nötig. Ich fand eine Gemeindesituation vor, in der es wenige Ver­ antwortungsträger gab. Und diese Wenigen hatten viel zu schultern. Es existierten vier Hauskreise, die bereits viele Jahre zusammen waren. Zahlreiche unaufgearbeitete Kon­ 32  Netzwerk

flikte und Verletzungen aus der Vergangenheit machten das Zusammenleben schwer. Zugleich gab es viele Men­ schen mit guten Ideen und großer Bereitschaft sich einzu­ bringen. Nur fehlte eine gemeinsame Vision. Wir beschlossen als Gemeinde zunächst ein Sabbatjahr einzulegen, alles auf ein Mindestmaß herunterzufahren. Den entstandenen Freiraum nutzten wir, um uns gezielt auf folgende Schwerpunkte zu konzentrieren: •  Versöhnung suchen, Konfliktfähigkeit stärken, Kommunikation klären Unzählige Gespräche, Seelsorge und Versöhnung waren vonnöten, zudem ein neues Verständnis unserer Verschie­ denheit. Dazu gab es ein Kommunikationsseminar und ver­ schiedene Predigtreihen, die sich um diese Fragen drehten. •  Mitarbeiterschaft stärken Wir führten das D.I.E.N.S.T-Programm ein. Die Gaben­ orientierung trat in den Vordergrund. Wir unterschieden nicht mehr zwischen Mitarbeitern und Teilnehmern, sondern zwischen Gästen und Gastgebern. Darin sollte deutlich werden, dass ein zehnjähriger Gaststatus un­ natürlich ist. Ab einem bestimmten Zeitpunkt wird jeder zum Gastgeber und bringt sich ein. •  Gottesdienst verändern Der Gottesdienst sollte neu belebt werden. Zu diesem Zweck änderten wir den Ablauf, gründeten eine Band, führten neues Liedgut ein und begannen mit Predigten in Themenreihen.

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•  Kleingruppen werden zum Gerüst der Gemeinde Weitere Hauskreise wurden gegründet, damit jeder die Möglichkeit hat, Teil einer engen Gemeinschaft zu wer­ den. Heute zählen wir 13 Kreise. Als diese Maßnahmen gut etabliert waren, waren bereits drei Jahre vergangen. Aber es war eine notwendige Auf­ stellung für die Zukunft. Wichtig war uns Verantwortli­ chen während dieser Zeit, das langfristige Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

Die Gemeinde öffnet sich 2005 begannen wir schließlich mit dem Alpha-Kurs, der seither zweimal jährlich stattfindet. Wir haben ihn bewusst nur für Menschen geöffnet, die dem Glauben noch fernstehen. Christen können am ersten Abend, dem Schnupperabend, teilnehmen, um Eingeladene zu beglei­ ten. Und sie kommen: Freunde, Bekannte, Kollegen, Nach­ barn, Verwandte... wenn Gemeindeglieder sie tatsächlich einladen. Nach Abschluss eines Alpha-Kurses besuchen die Teil­ nehmer sofort den Gottesdienst. Da hat es sich als hilf­ reich erwiesen, dass wir zuvor am Gottesdienstkonzept gearbeitet haben. Auch die Hauskreise erhielten so neuen Zulauf; neue wurden gegründet, vorhandene neu belebt. Wir ­erleben auch: Menschen, die zum Glauben gefunden haben, möchten gern mitarbeiten. Durch das vorher einge­ führte D.I.E.N.S.T.-Programm war auch der Einstieg in eine geeignete Mitarbeit geebnet.

An Grenzen gestoSSen Da tauchte ein neues Problem auf: Nach mehreren Durch­ läufen hatten unsere Mitglieder alle Menschen zum AlphaKurs eingeladen, die sie näher kannten. 2006 konnte zum ersten Mal ein Kurs wegen Teilnehmermangels nicht statt­ finden. Wir brauchten eine neue Kontaktplattform. Das Schlüsselwort für uns lautete dann: Musik. Musik spielt für mich selbst, wie auch in unserer Gemeinde eine große Rolle. Gemeinsam mit einem Freund, der Musiker ist und als Diakon nach einer neuen beruflichen Perspektive suchte, entwickelten wir in den folgenden Monaten eine Idee: Wir gründen eine Gemeinde-Musikschule. Das Kon­ zept wurde der Gemeinde vorgestellt - und fand schließlich eine klare Zustimmung. Inzwischen hat die Musikschule 280 Schüler, zwölf Lehrkräfte und zwei Minijobber mit Verwaltungsaufgaben. Fünf Lehrkräfte kommen aus den eigenen Reihen – und sie spielen eine ganz entscheidende Rolle: Sie sind für die Musikschul-Teilnehmer die Brücken­ bauer in die Gemeinde. Die meisten Menschen finden inzwischen durch den ­„Musikgarten“ – das sind rund 40 0- bis 3-jährige Kinder mit Begleitperson – in die Gemeinde. Aber auch unser 70-köpfiger Gospelchor ist ein erstaunliches Einfallstor! Für die „Musikgarten“-Teilnehmer gibt es als Anschluss­ angebot einen monatlichen „Krabbel-Zappel-Gottesdienst“. Er setzt sich zusammen aus 30 Minuten Gottesdienst und 90 Minuten Spielen, Reden, Kaffeetrinken. So entstehen ganz neue Beziehungen. Eine Einladung in den Sonntags­ gottesdienst oder den Alpha-Kurs folgt dann ganz natürlich.

Gospelchor mit Chillout-Zeit Unseren Gemeinde-Gospelchor leite ich selbst. Erstaun­ lich ist dabei: Die Übersetzung und Interpretation der Text­e ist manchmal wie eine kleine Andacht; öffnet beso­ nders den glaubensfernen Sängerinnen und Sängern die Welt des Glaubens. Nach jeder Chorprobe schließt sich eine 45-minütige „Chillout“-Zeit mit Getränken und regen Gesprächen an. Es ist uns wichtig, Zeit zum Zuhören zu haben. Wir stellen immer wieder fest: Menschen genie­ ßen es, wenn jemand sich für sie interessiert. Keine Ver­ anstaltung kann das ersetzen. In diesem Rahmen ist eine Einladung zum Alpha-Kurs etwas Selbstverständliches. Inzwischen werden die Kurse wieder von jeweils 10 bis 20 Teilnehmern besucht. Der nächste Anknüpfungspunkt ist die Elternarbeit. In vielen Gesprächen, die im Rahmen der Gemeinde-Musik­ schule entstehen, kommt das Elternsein auf den Tisch, mit all seinen Fragen: zum Beispiel die Herausforderung, alleinerziehend zu sein, oder Familie und Beruf zu ver­ einbaren, oder auch Erziehungs- und Beziehungskisten. Es liegt nahe, den Eltern hier Unterstützung anzubieten. Eine Diplompädagogin veranstaltet nun mit einem kleinen Team Elternseminare. In diesem Jahr soll eine Werkstatt für Kinder entstehen, in der sie grundlegende handwerk­ liche Fähigkeiten erlernen und dann mit ihren Eltern aus­ probieren können.

Wenn sie wirklich kommen … So wichtig Christen eine missionarische Gemeinde finde­n, so schwer tun sie sich oft damit, wenn tatsächlich neue Menschen kommen. Von „alten Hasen“ hören wir: „Man kennt sich in unserer Gemeinde gar nicht mehr aus!“ Oder: „Ihr kümmert euch nur noch um die Neuen, was ist mit uns alten?“ Mit logischen Argumenten kommt man da nicht weiter. Es sind Gefühle, die dahinterstehen und wahrgenommen werden müssen. 2012 wird es deshalb bei uns keinen Alphakurs geben. Wir wollen gezielt an der Beziehungs­ebene arbeiten. Es ist nicht unüblich, dass die neuen Gemeindemitglie­ der bis zum Hals in Krisen oder Lebensweisen stecken, die mit Gottes Sicht nicht vereinbar sind. Hier Antworten und gangbare Lösungen zu finden, das ist ein Spannungs­ feld zwischen den „Neuen“ und der etablierten Gemeinde, die gerne einfache Antworten trotz komplizierter Fragen hätt­e. An diesen Punkten zu unterscheiden zwischen Rigo­ rosität und Liberalität, ist eine große Herausforderung – und eine Aufgabenstellung, die noch vor uns liegt.

Gerd Voß ist Prediger der Landeskirchlichen Gemeinschaft in Verden (Aller)

gobasil / Sebastian Weiß

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Einige der christlichen Bekenntnisschulen in Deutschland suchen für verschiedene Schulformen per sofort oder zu Beginn des nächsten Schuljahres Lehrer/innen mit Staatsexamen.

Der Verein Hilfe zum Leben e.V. sucht für seine Evangelisch-Freikirchliche Kindertageseinrichtung/Familienzentrum Regenbogen (3-gruppig, inte­­grativ) eine erfahrene Leitungskraft. Der Verein betreibt zwei Kitas in ­Siegen und ist als Verwaltungsdienstleister weiterer Kitas in NRW tätig.

Auch „Quereinsteiger“ mit Hochschulabschluss, der zur Erteilung eines Schulfaches befähigt (z. B. Biologen, Physiker, Germanisten, Sprachwissenschaftler) sind willkommen. Verband Evangelischer Bekenntnisschulen e. V. Jakobsbrunnenstr. 1, 60386 Frankfurt a.M. Telefon 069.42000319 • sekretariat@vebs-online.de

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Lernen Sie unsere Schule vorab auf unserer Homepage kennen: www.fgs-freiberg.de

Interesse geweckt? Stellenausschreibung und Infos auf: www.kita-regenbogen-siegen.de Ihre aussagekräftige Bewerbung richten Sie bitte an: Verein Hilfe zum Leben e.V. • Weststr. 11 • 57072 Siegen Geschäftsführender Vorstand Herr M. Beckord • Telefon 0271.3720080 vorstand@verein-hilfe-zum-leben.de


TAGESSEMINARE MIT PETE SCAZZERO

ANDEREN VERMITTELN PERSÖNLICH ERLEBEN 16. November 2012

Teilnehmer-Stimmen des Tagesseminars von Pete und Geri Scazzero beim Leitungskongress 2012 in Stuttgart:

  „DAS MATERIAL IST EINFACH GENIAL – GENAU RICHTIG FÜR UNSERE GRUPPE!“   „ICH HABE ENDLICH BEGRIFFEN, DASS MEINE SEELE NICHT MEIN FEIND IST, DER BEKÄMPFT WERDEN MUSS.“

17. November 2012 Warum ist unter Christen das menschliche Miteinander oft so schwierig? Warum gibt es in Gemeinden so viele Konflikte? Der christliche Glaube zielt doch eigentlich auf grundlegende persönliche Veränderung. Dennoch erleben viele Christen wenig von den Früchten, die der Glaube hervorbringen möchte. Im Tagesseminar zeigt Pete Scazzero die verbreiteten Symptome eines emotional stecken gebliebenen Glaubens auf. Er stellt Schritte zu einer Spiritualität vor, die die emotionale Ebene nicht unberücksichtigt lässt und zu wirklicher Veränderung und persönliche Reife führt. Das Seminar am Freitag vermittelt, wie Sie gesundes Persönlichkeitswachstum und Wachstum im Glauben miteinander verbinden und in ihrer Gruppe oder Gemeinde einführen können.  

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Pete Scazzero ist Pastor der New Life Fellowship Church, einer multikulturellen Gemeinde in New York City. Darüber hinaus hat er das Center for Emotional Health and Spirituality gegründet, eine Organisation, die emotionale Reife und kontemplative Spiritualität bei Menschen mit Leitungsverantwortung fördert und miteinander verbindet.

INFO + ANMELDUNG: WWW.WILLOWCREEK.DE Willow Creek Deutschland · Wingert 18 · 35396 Gießen Telefon: 0641-984370 · E-Mail: info@willowcreek.de


DIESMAL AUF DEM COVER: MIRIAM KÜLLMER-VOGT UND DR. FABIAN VOGT

„WIR HABEN VON WILLOW CREEK GELERNT, DASS GOTTESDIENSTE GESAMTKUNSTWERKE SEIN KÖNNEN, UND GENIESSEN ES, WENN KUNST NEUE DIMENSIONEN DES LEBENS AUFZEIGT.“ Miriam Küllmer-Vogt und Dr. Fabian Vogt arbeiten als Pfarrer-Ehepaar in Oberstedten bei Frankfurt und als freischaffende Künstler – und sie träumen von einer Kirche, in der Kreativität großgeschrieben wird: Im Spätsommer eröffnet ihre Gemeinde ein eigenes Kulturzentrum, die „Alte Wache“. Miriam tourt zurzeit mit einem „Katharina von Bora“-Musical durch die Lande, Fabian hat seine Vision von einer erneuerten Kirche gerade literarisch verarbeitet, in dem Roman „2017 – Die neue Reformation“.

THE LOCAL CHURCH IS THE HOPE OF THE WORLD


WILLOW MAGAZIN 2/12