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TOBIAS FAIX WENN JUGENDLICHE DEN GLAUBEN VERLIEREN TOBIAS FRITSCHE LUX – DIE JUNGE KIRCHE IN NÜRNBERG BRANDON GRISSOM GOTTESDIENSTE ALS SCHAUFENSTER HENRY CLOUD WIE WIR ERWACHSEN WERDEN


Klar. Konkret. Christlich. Das Wochenmagazin für engagierte Christen

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EDITORIAL Gleich in seinem Eröffnungsvortrag des Leader-ship Summit im August in Chicago hat Bill Hybels es klar ausgedrückt: Zu den Kernaufgaben jeder Gemeinde und Organisation gehört die ständige Nachwuchsförderung. Das regelmäßige und planmäßige Investieren in heranwachsende Leitungspersönlichkeiten ist für die Wirksamkeit und den Fortbestand jeder Organisation das A und O.

Grenze überschritten. Seine Aufgabe ist es, mit seinem Team dieses zentrale Thema neu zu buchstabieren und schließlich die gesamte Gemeinde dafür zu mobilisieren.

Ein Bild davon konnte sich die deutschschweizerische Summit-Reisegruppe in der Willow-Gemeinde machen: Ob im Gottesdienst für das Jungscharalter ›Elevate‹, wo blutjunge Teenager mit großem Selbstbewusstsein ihre Parts bestritten, im Jugendgottesdienst ›Student Impact‹, der Kaderschmiede für den Hauptgottesdienst, bis hin zu zahlreichen Dienstbereichen: Überall erhalten junge Menschen schon früh Verantwortung – und gezielte Förderung für ihren Arbeitsbereich. Dazu passt, dass die Verantwortung für den Dienstbereich Evangelisation, immerhin das Herzstück der WillowGemeinde, nun in die Hände von Steve Carter gelegt wurde: Er hat gerade die 30-Jahre-

• die volle Verantwortung übertragen bekommen

Die Punkte, wie Leitungskompetenz bei Heranwachsenden eingeschätzt werden kann, lieferte Hybels gleich mit. Sie müssen … • ein herausforderndes Projekt leiten, in dem Erfolg und Scheitern möglich ist

• mit unterschiedlichen Menschentypen zu tun haben • unter gewissem Druck mit klaren Zeitvorgaben arbeiten • das Projekt-Ergebnis mit einem erfahrenen Leitenden auswerten Die Investition in den Leitungsnachwuchs ist auch ein zentrales Thema beim Jugendplus-Kongress 2015 in Erfurt. Derzeit stecken wir mitten in der Programmplanung. Dabei wird an vielen Stellen bewusst die Förderung von Leitungskompetenz bei

Jugendlichen verankert. Wir beobachten immer wieder in Gemeinden, dass junge Menschen etwas bewegen können und wollen. Sie haben ein Herz für Menschen, Missstände und ihre gemeindlichen Aufgaben. Damit ihr Engagement anhält und sinnvoll kanalisiert wird, ist Ermutigung, Förderung und ein gezieltes Formen besonders in dieser Zeit wichtig. Auch in diesem Magazin finden sich Beispiele, was junge Leute auf den Weg gebracht haben. Lassen Sie sich inspirieren: von einer missionarisch motivierten WG im Ostseeviertel Greifswalds, vom LUX-Jugendgottesdienst in Nürnberg, der praktisch ›bei Null‹ angefangen hat; oder von unserem jungen Kongress-Sprecher Lukas Augustin, der den Nachwuchspreis von CNN erhalten hat – und für den genau das wichtig ist: dass junge Leute sich etwas zutrauen, sich ihrer Möglichkeiten bewusst werden und sie nutzen.

Ihr Gotthard Westhoff Redaktionsleitung

INHALT KONGRESSE NETZWERK RESSOURCEN TRAINING

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LESERBRIEFE / WILLOW-IMPULSE

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WENN JUNGE ERWACHSENE DEN GLAUBEN VERLIEREN

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LUX – DIE JUNGE KIRCHE NÜRNBERG

Eine Studie fragt nach persönlichen Hintergründen und Motiven Erfahrungen aus der ersten Jugendkirche der Evangelischen Landeskirche in Bayern

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GOTT SEHNT SICH NACH UNS

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EINE JUNGE WG ALS HOFFNUNGSTRÄGER

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»GOTTESDIENSTE SIND DIE SCHAUFENSTER DER GEMEINDE«

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PROBLEMFALL LAUTSTÄRKE

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HALBNACKTER PREDIGER IN DER UMKLEIDE

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JUGENDPLUS-KONGRESS 2015

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PROFESSOR GRAPH

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HENRY CLOUD: WIE WIR ERWACHSEN WERDEN

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WILLOW SHOP

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TERMINE

Wie ich (nicht nur) mit Jugendlichen über Sünde spreche Die sozialmissionarische ›GreifBar‹-Arbeit zieht erstaunliche Kreise Interview mit Willow-Worshipleiter Brandon Grissom

Wie Gottesdienste angenehm für Hörer und Ohren werden Wie der Ex-Football-Profi Derwin Gray Gott entdeckte Kongress-Botschafter gesucht / Weitere Sprecher / Quartier / CH-Busreise Mit Profiwissen unterwegs – Was uns die Südpol-Expedition lehrt Warum es nötig ist, dass Menschen sich von der einengenden Autorität anderer befreien Wertvolle Impulse für Sie und Ihre Gemeinde Gesunde Grenzen setzen / Morgenforum / Intensiv-Studienwoche / Summit-Studienreise / Leitungskongress 2016 EDITORIAL

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LESERBRIEFE ZUR LETZTEN AUSGABE DES WILLOW MAGAZINS HEISSES THEMA ›STAFFELWECHSEL BEI WILLOW‹ Anfang des Jahres hatte ich die Möglichkeit, für drei Monate in der Willow Creek-Gemeinde ehrenamtlich mitzuarbeiten. Dabei merkte ich, dass der Leitungswechsel ihres Hauptpastors bei vielen ein ganz heißes Thema ist. Das Inter­view war deshalb so interessant, weil Bill Hybels nicht über theoretische Richtigkeiten redete, sondern – wie eigentlich immer – aus dem Lei­tungsalltag. Klasse, wie der scheidende Pastor sich dabei über die eigene Schulter und in sein Herz schauen lässt. Davon kann man hierzulande eine Menge lernen. Felix Padur

ZUKÜNFTIGE ROLLE ›STAFFELWECHSEL BEI WILLOW‹ Die Nachfolgeregelung in Gemeinden ist – wie auch häufig in der Wirtschaft – ein schwieriger und oft aus der Not heraus überstürzt angegangener Prozess. Mir gefällt, dass Bill Hybels über seine zukünftige Rolle nachdenkt, denn es ist sicher kritisch, wenn der ehemalige Pastor weiterhin präsent ist und überall noch mitmischt.

Allerdings kann eine Phase für die Nachfolge­regelung, die laut Interview bei Willow fünf bis sieben Jahre dauern soll, die Gemeinde auch belasten und lähmen. Ich bin gespannt, wie der tatsächliche Staffelwechsel bei Willow letzt­endlich aussehen wird. Henrik von Lukowicz

MANGELNDE KLARHEIT ›WIE GESUNDE GRENZEN BEZIEHUNGEN STÄRKEN‹ Henry Cloud gelingt es mal wieder, pointiert und alltagstauglich das Wesentliche zum Thema ›Gesunde Grenzen‹ zu formulieren. Meine Be­obachtung ist, dass es gerade Menschen in christ­lichen Kreisen schwer fällt, angemessene Grenzen zu ziehen – die für gelingende zwischemenschliche Beziehungen so nötig wären. Dorothea Weiand

MAROKKO-REISE ZUR BEILAGE ›RSD-REISESERVICE‹ Danke für das Willow Magazin – das Studieren der Artikel ist oft wie eine erneute Kongress­ teilnahme! Gewaltig gestört hat mich aber die Beilage ›Studienreise nach Marokko‹. Sicher: Beilagen helfen zur Heftfinanzierung. Aber gegen den Strich geht mir, dass ausgerechnet Marokko als Reiseziel angeboten wird. Was ich über die Flüchtlingspolitik in Marokko höre und lese, ist so menschenverachtend, dass ich nicht verstehen kann, dass Leser des Magazins zu einer Reise nach Marokko zu fünf der bedeutendsten UNESCOWeltkulturstätten eingeladen werden, ohne Rücksicht auf die Politik der Mächtigen in diesem Land.

ANMERKUNG DER REDAKTION: Keine Anzeige oder Beilage im Willow Magazin ist automatisch eine Empfehlung der Redaktion. Mit der Beilage des Reiseanbieters RSD – die vielen christlichen Zeitschriften beilag – bewerten wir demnach auch nicht die politischen Verhältnisse in Marokko. Das heißt selbstverständlich nicht, dass jeder Anzeigen- oder Beilagenkunde unbe­sehen ins Magazin aufgenommen wird. Von Christen in Marokko wissen wir, dass viele von ihnen diese Reisen sehr begrüßen und sich darüber freuen, dass auf diesem Weg zahlreiche Christen ins Land kommen. Ihr dringender Wunsch an diese Christen ist, dass sie die Gelegenheit zu nutzen, um im Laufe der Reise gezielt und direkt mit den (i.d.R.) einheimischen Reise­führern über den Glauben ins Gespräch zu kommen. In der Reisewoche könnten deutsche Christen viel für marokkanische Christen bewirken, wenn sie offen über den Glauben reden und ihn aktiv im Land leben, so sagen es marokkanische Christen. Gotthard Westhoff

SIE MÖCHTEN UNS SCHREIBEN? SO ERREICHEN SIE UNS: WILLOW Magazin Wingert 18 · 35396 Gießen willowmagazin@willowcreek.de Leserbriefe stellen nicht die Meinung der Redaktion dar. Sinnwahrende Kürzungen behalten wir uns vor.

Rüdiger Lancelle

WILLOW IMPULSE FÜR SIE UND IHRE GEMEINDE: VIDEOJOURNAL Im Videojournal vermittelt Bill Hybels alle 14 Tage Leitungsimpulse für engagierte hauptund ehrenamtlich Mitarbeitende in der Gemeinde: überzeugend, prägnant, mit hohem Praxisfaktor. In die 5-Minuten-Clips fließt Bill Hybels’ gesamte Leitungserfahrung als Gründer und Pastor ein. Kostenloses Abo:

WILLOW-NETZWERK Weltweit sind mehr als 10.000 Gemeinden aus über 90 Denominationen in mehr als 35 Ländern Teil des Willow-Netzwerks. Es versteht sich als Visionsgemeinschaft innovativer Menschen, die nach biblischem Auftrag Gemeinde bauen und voneinander lernen wollen. Sie können dazugehören. Eine Partnerschaft im Netzwerk ist möglich als: Einzelpartnerschaft, Partnerschaft für Hauptamtliche, Gemeindepartnerschaft. Leistungen und Anmeldung:

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Die Gottesdienste aus der Willow Creek-Gemeinde in Chicago werden – leicht gekürzt – sonntags um 10 Uhr auf Bibel-TV ausgestrahlt. Außerdem sind sie in der ERF-Mediathek hinterlegt:

Die Kongresseinnahmen decken bei weitem nicht die Ausgaben der vielschichtigen Arbeit von Willow Creek Deutschland/Schweiz, das als eigenständiges Werk keine finanzielle Unterstützung der Willow-US-Gemeinde erhält. Mit Ihrer finanziellen Unterstützung tragen Sie dazu bei, dass hierzulande Gemeinden nachhaltig verändert werden.

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NE T Z WERK

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WENN JUNGE E R W A C H S E N E DEN GLAUBEN V E R L I E R E N

N : BE GE AU S A GL IE D »S T UN EI. ITIG T F R ZE GO HT ICH C E SO MA R GL SIE UND E A B L L EN EL N E EG .« S T E R A UF EL E VI E TZ S GE UDIA A CL Was treibt eigentlich diejenigen um, die nicht nur in keine Gemeinde mehr gehen, sondern ganz aufgehört haben zu glauben? Im ›Institut empirica‹ hatten wir bei engen Freunden und Wegbegleitern miterlebt, dass ihnen der Glaube, den sie einst leidenschaftlich gelebt hatten, auf stille und von außen oft nicht nachvollziehbare Weise abhanden gekommen war. Aber wir wussten nur wenig über ihre Motive und Hintergründe. Wir beschlossen darum, uns intensiver damit zu beschäftigen. Dabei war uns wichtig, Menschen mit ihren Geschichten ernst zu nehmen und zuerst einmal verstehend zuzuhören, bevor wir zu eigenen Schlüssen kamen. Die Folge: Wir haben uns für eine Untersuchung entschieden mit biografischen Interviews im Zentrum. Uns interessierte der einzelne Mensch, seine Geschichte mit seinem Glauben an Gott und der Verlust dieses Glaubens. Was erhoffen sie sich, wenn sie sich von Gott und ihrem Glauben abwenden? Wer begleitet sie dabei? Was sagen ihre Familien und Freunde? Wie reagieren ihre Kirchen und Gemeinden? Jeder persönliche Glaube ist eingebettet in die eigene Biografie und wird von unterschiedlichen Aspekten beeinflusst. Die Umstände, unter denen man aufwächst und

lebt, prägen dabei in einem hohen Maße. Wie wir glauben, was wir glauben und warum wir glauben, hängt elementar mit unserer Herkunftsfamilie, unserer Kirche und unserem Umfeld zusammen. Man kann einen Glaubensverlust nicht verstehen, ohne den Glauben zu betrachten, der verloren ging. Und man kann den Glauben nur verstehen, wenn man genauer in die genannten Bereiche schaut. Die bisherige ›Entkehrungsforschung‹ erarbeitete fünf Kriterien, die Bestandteil des ›Dekonversion‹-Prozesses sind: 1. INFRAGESTELLUNG VON WAHRHEITSAUSSAGEN ODER -SYSTEMEN. Dazu zählt auch der intellektuelle Zweifel an Inhalten des Glaubens. Ein bedeutsamer Aspekt bei vielen Dekonversionen. 2. KRITIK AN DER RELIGIÖSEN GRUPPE UND DEREN LEBENSSTIL. Sie spielte in sehr vielen Dekonversions-Prozessen eine Rolle. Dies zeigte sich am Leitmotiv Moral, an den vielen Berichten über negative Erfahrungen mit Kirche und Gemeinde sowie an der Enttäuschung von und Verletzung durch andere Christen. 3. EMOTIONALES LEIDEN. Wo dieses Leiden deutlich vorkam, hatte es sehr unterschiedliche Ausmaße. Obwohl eine Entkehrung ein

, N EL D T .« EI VI UN DIG SO S T S O E N R E B E E S HE N E I ER IED T P HA HR SE ND D R H H A E EI IN, , F AC IC G W N G EM RE BE NTR ER NI VO LIN »G VE LIE EI AB WE DA MA

EINE STUDIE FRAGTE NACH PERSÖNLICHEN HINTERGRÜNDEN UND MOTIVEN

Umlernprozess ist, der die ganze Identität bzw. Persönlichkeit des Menschen umfasst und somit ein riskanter und oft auch leidensvoller Prozess ist, wird sie nicht immer als Krise erlebt. Deutlich wurde, dass das größte emotionale Leiden nicht durch eine etwaige Sinnleere verursacht wurde, sondern durch massive Verschiebungen und Brüche ehemals stabiler Bindungen. Eine besondere Herausforderung ist hier die Belastung von Beziehungen zu Angehörigen und engen Freunden. Diese sind für einen Menschen von existenzieller Bedeutung. Störungen oder Abbrüche verursachen daher fast immer starkes (soziales) Leiden. 4. AUSTRITT AUS DER RELIGIÖSEN GRUPPE. Dies ist kein Aspekt des Glaubensverlustes, der in allen Fällen auftritt. 5. VERLUST SPEZIELLER RELIGIÖSER ERFAHRUNGEN. Im Vergleich mit anderen Themen spielte dieser Punkt bei unseren Interviewpartnern die geringste Rolle. Selbst dort, wo es in der Dekonversion zentral um die persönliche Gottesbeziehung ging, kann man nicht einfach von einem Verlust religiöser Erfahrungen sprechen. Manche unserer Gesprächspartner litten gerade daran, solche Erfahrungen nie gemacht zu haben.

KONGRESSE

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Auch wenn sich zeigt, dass die fünf Kriterien kein notwendiges Element einer jeden Dekonversion darstellen, beschreiben sie dennoch wichtige Aspekte, die eine zentrale Rolle spielen.

GLAUBE UND IDENTITÄT Herauskristallisiert hat sich die tiefe Verwurzelung des Glaubens in der eigenen Identität. Sie kann einen Einfluss darauf haben, ob jemand einen starken und selbstständigen oder einen unsicheren und unmündigen Glauben entwickelt. So wie der christliche Glauben helfen kann, die eigene Identität zu stärken, kann es auch umgekehrt möglich sein, dass die in der Regel mit ihm einhergehende Gemeinschaft verletzend, verunsichernd und entmündigend wirkt. Bei unseren Untersuchungen hat sich gezeigt, dass es zwei unterschiedliche Gruppen junger Erwachsener gibt, bei denen ein direkter Zusammenhang zwischen Glaube, Identität und ihrer Dekonversion besteht. Die erste Gruppe ist aus ihrem Glauben herausgewachsen. Durch unterschiedliche Einflüsse haben sich die Betreffenden in ihrer Persönlichkeit weiterentwickelt, sind in ihrem

Glaubensleben aber eher stehengeblieben. Äußere Anlässe für die Auseinanderentwicklung waren beispielsweise der Studienbeginn in einer neuen Stadt oder ein neuer Freundeskreis. Auf diese Weise ging der Kontakt zur alten Gemeinde verloren. Langsam entfernten sie sich so immer weiter von ihrer familiären Prägung und/oder dem Glauben ihrer Kindheit, bis sie sich schließlich bewusst ganz abgewandten, weil der Glaube für sie nicht mehr funktionierte, sie ihn nicht mehr brauchten oder er für sie schlicht keinen Sinn mehr ergab. Schleichend verloren sich auch geistliche Disziplinen wie Beten, Bibellesen etc. So wurde die christliche Vergangenheit Stück für Stück zurückgelassen, ohne dass sie wirklich vermisst wurde. Die zweite Gruppe hat einen schwereren Weg hinter sich. Ihr Glaube und ihre persönliche Entwicklung haben sich zwar auch voneinander entfernt, dabei hat der Glaube die eigene Identitätsentwicklung aber zunehmend behindert. Das heißt, die Betreffenden haben zwar weiter nach christlichen Werten gelebt, sind in die Gemeinde gegangen etc., aber ihr Glaube löste sich immer mehr von ihrem Ich. Eine solche Spaltung kann auf Dauer nicht gut gehen.

So behindert ein ungesunder Glaube die eigene Identitätsentwicklung. Dies zeigte sich beispielsweise in dem Streben, Gott immer größer im eigenen Leben werden zu lassen und sich selbst parallel dazu immer mehr zurückzunehmen. Dieses Zurücknehmen führt zu einer regelrechten Trennung des geistlichen Lebens von der eigenen Persönlichkeit. In der Folge trauen die Betreffenden ihrem eigenen Tun immer weniger zu, da ja alles ›Gute› von Gott kommt und alles ›Schlechte‹ von ihnen selbst. Dieser Dualismus führt zu einem mangelnden Selbstwert und Problemen, sich selbst annehmen zu können. In einigen Fällen wurde der Glaube zudem noch zur Kompensation von persönlichen Problemen. Wo beispielsweise Perfektionismus auf den Glauben übertragen wird – weil man in der Gemeinde geliebt und gelobt wird – wird der Glaube zu einer Art ›Leistungssport‹, wo man immer mehr bringen muss: mehr Bibellesen, mehr Lobpreis, mehr Evangelisation etc. Mit verheerenden Folgen, da weder Glaube noch Identität sich bei diesen Menschen gesund entwickeln konnten.

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ZWEIFELN UND VERZWEIFELN

EIGENE ENTSCHEIDUNGEN TREFFEN Persönlichkeitsreifung und Mündigkeit im Glauben spielen gerade in der Postadoleszenzphase eine große Rolle. Dabei kann die Vermeidung von schwierigen Entwicklungsschritten durch eine einseitige Betonung des Glaubens gefördert werden. Ein Thema, das hier immer wieder zu Konflikten führte, war die Suche nach Gottes Willen und seinem Plan für das eigene Leben. Wie passen die Lebensplanung Gottes und die eigene zusammen? Wie erkennt man überhaupt den Willen Gottes? Und wer steuert diesen Prozess: man selbst oder übernimmt Gott diese Verantwortung? Nimmt man die biblische Botschaft von der Gottesebenbildlichkeit des Menschen ernst, gehört das Hinführen zu solchen „eigenständigen, selbstständigen Entscheidungen“ in den Verantwortungsbereich von Kirchen und Gemeinden und sollte mit den Jugendlichen und jungen Erwachsenen bewusst thematisiert und eingeübt werden. Die Spannung zwischen der Entwicklung und Verantwortung des Einzelnen und den Bedürfnissen einer Gruppe liegt in der Natur der Sache und ist daher kaum aufzulösen; umso wichtiger ist es daher, sich mit Fragen von Begleitung und Hilfe zur Selbsthilfe auseinanderzusetzen.

Unsere Untersuchung hat ergeben, dass vor allem junge Erwachsene mit einem hohen Bildungsabschluss Schwierigkeiten mit dem Glauben haben. Sowohl ihre Reflektionsfähigkeit als auch die Auseinandersetzung mit ihren Studieninhalten können ihren bisherigen Glauben auf existenzielle Art hinterfragen. Dabei wurden von den Betroffenen unterschiedliche Bereiche angesprochen, besonders aber das Bibelverständnis (Wie kann und muss ich die Bibel verstehen?), das Gottesbild (Wer ist Gott angesichts des vielen Elends in dieser Welt?), die Theologie (Sind theologische Lehrmeinungen wie Schöpfung oder die Existenz einer Hölle überhaupt haltbar?), die Ethik (Was in der Bibel kann ich für meinen Glauben und meine Lebensgestaltung als hilfreich oder normativ ansehen?) und die Gemeindepraxis (Was singen und predigen wir in unseren Gemeinden, und was davon leben wir wirklich?). Die aufkommenden Fragen beschäftigen die jungen Erwachsenen, sie suchen nach plausiblen Antworten und viele von ihnen finden in ihren Kirchen und Gemeinden keine adäquaten Diskussionspartner. Zudem empfinden sie vieles in der Gemeinde zunehmend als oberflächlich.

VIELFALT DES GLAUBENS Wir stellten bei unserem Projekt immer wieder fest, dass unter Christen tatsächlich ein Konformitätsdruck existiert. Er kann in Strukturen versteckt sein und eine teils verheerende Wirkung entfalten. Gerade bei denen, deren Entkehrungsgeschichte vom Leitmotiv Macht und Moral bestimmt war, fiel dies besonders auf. Bei der Tendenz zur Konformität geht es nicht nur um Fragen der Lebensführung, sondern auch um den Inhalt des Glaubens und wie er praktiziert und kommuniziert wird. Unsere Interviewpartner machten des Öfteren die Erfahrung, dass speziell in ihren Gemeinden eine gewisse Monokultur herrschte. In vielen gesellschaftlichen Bereichen wird so etwas mittlerweile als problematisch diskutiert: Aufsichtsräte und Banker, die sich nur unter Ihresgleichen bewegen; Hauptschulklassen, die sich ausschließlich aus benachteiligten Schülern zusammensetzen; Migrantinnen, die wegen fehlender Kontakte außerhalb der Familie auch nach Jahrzehnten noch nicht die Landessprache beherrschen. Doch bei christlichen Gemeinden und Kirchen wird diese Tatsache bislang wenig wahrgenommen oder in manchen Fällen sogar als Alleinstellungsmerkmal

selbstbewusst vorangetrieben. Dies kann sich bis in die Art des Sprechens und Betens hineinziehen und findet sich quer durch alle Denominationen: vom salbungsvollen Pastorenstil in den Landeskirchen bis zu immer wiederkehrenden Gebetsformulierungen beim „freien“ Gebet in manchen Kreisen. Dabei kann man fragen, ob ein Gemeindeleben mit einer größeren Vielfalt an Glaubensarten und -ausdrucksformen nicht viel eher auch den biblischen Vorbildern von Gemeindeleben und Gotteserfahrung entsprechen würde. Die Anhänger Jesu setzten sich beispielsweise aus allen Schichten zusammen, vom einfachen Fischer bis zur reichen Ehefrau; die Menschen, die das Pfingstwunder erlebten, waren zwar Juden aus aller Welt, brachten aber alle ihre eigene Sprache und ihren eigenen kulturellen Hintergrund mit; und auch die ersten Gemeinden, wie die in Korinth, waren von einer großen Diversität geprägt. Die Menschen in den biblischen Berichten haben eine Erfahrung immer wieder gemacht: Gott begegnete ihnen. Und es scheint, dass sie dabei jeweils in ihrer ganz eigenen, ganz persönlichen Situation angesprochen wurden. Die Umstände waren so, dass sie es verstehen konnten. Dadurch wird klar, dass diese Menschen von Gott in ihrer Individualität gesehen und dabei unterstützt wurden, ihren ganz eigenen Lebensweg mit ihm zu beschreiten. Wäre es da nicht eine Selbstverständlichkeit, dass Gemeinden und Christen, die sich in ihrem Glauben und Weltbild auf diese Berichte berufen, anderen Christen zugestehen, dass auch sie ihre ganz eigene Lebens- und Glaubensbiografie haben?

PROF. DR. TOBIAS FAIX arbeitet als Dozent für Missionswissenschaften am Marburger Bildungsund Studienzentrum und der Universität von Südafrika. Er leitet das Institut empirica für Jugendkultur und Religion. MARTIN HOFMANN ist Diplom-Soziologe, er forscht an der TU Darmstadt über urbane Erinnerungskulturen. Am Institut empirica arbeitet er im Bereich Kontextanalyse mit dem Schwerpunkt qualitative Forschung. DR. TOBIAS KÜNKLER ist Studienleiter des Studienprogramms „Gesellschaftstransformation“ und des BA-Programms „Soziale Arbeit“ am Marburger Bildungs- und Studienzentrum. Zudem arbeitet er am Institut empirica mit. www.institut-empirica.de Auszüge entnommen aus „Warum ich nicht mehr glaube – Wenn junge Erwachsene den Glauben verlieren. Siehe Seite 32.

KONGRESSE

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LUX – DIE JUNGE KIRCHE NÜRNBERG Die Kirche ist gerappelt voll. 50 Jugendliche wirken mit an diesem Gottesdienst in ›LUX - Junge Kirche Nürnberg‹ zum Thema ›Gerechtigkeit‹. Sie wollen selbst Kirche sein, selbst zu Akteuren im Gottesdienst, zu Verkündigern werden. An den Pulten der Lichtund Medientechnik der zur Jugendkirche umgebauten ›St. LukasKirche‹ sitzen ausschließlich ehrenamtliche Jugendliche. Obwohl viele von ihnen bis vor kurzem noch nichts mit Kirche am Hut hatten, sind sie jetzt voll bei der Sache. Der Raum wird abgedunkelt, sie starten das erste Video. Zu sehen ist Bono von der Band U2 mit seinem Song »Where the streets have no name«. Weil die englischen Worte übersetzt werden, können die Gottesdienstbesucher Bono gut folgen, als er sein Lied Gott widmet. Das Video ist zu Ende. Die LUX-Band setzt ein, spielt den U2-Song live. Die Sehnsucht der Band nach einer Welt der Gerechtigkeit ist spürbar im Raum. Und schon bei den ersten Klängen wird deutlich: Unser Handeln als Christen in dieser Welt wird immer Stückwerk bleiben, wenn nicht die Liebe Gottes die Herzen der Menschen verändert. »Hallo Menschheit« sprechen nun die Mitglieder der Theatergruppe. Das Leid der Welt wird in eindrücklichen Szenen zur Sprache gebracht. Am Ende fragt einer der Jugendlichen aus der Theatergruppe die Besucher: »Was wäre, wenn dein Leid meines wäre? Was wäre dann? Aber so ist es. Dein Hunger ist mein Hunger.« Und plötzlich klingt Jesus durch diese Worte hindurch.

ERFAHRUNGEN AUS DER ERSTEN JUGENDKIRCHE DER EVANGELISCHEN LANDESKIRCHE IN BAYERN. INSPIRIERT VON WILLOW Seit November 2009 finden Gottesdienste wie diese regelmäßig in ›LUX – Junge Kirche Nürnberg‹ statt. Eine Reihe der im Gottesdienst eingesetzten Elemente habe ich vom Willow-Leitungskongress in Bremen mitgebracht. Schon vor meinem Theologiestudium faszinierte mich der Ansatz der Willow Creek-Gemeinde, weil die Gottesdienste sich stark an dem Lebensgefühl und der Kultur der Menschen orientierten, die sie mit dem Evangelium erreichen wollte. Dieser Gedanke stand auch Pate bei der Entstehung von ›LUX – Junge Kirche Nürnberg‹. Alles begann mit dem Traum junger Menschen in der Evangelischen Jugend Nürnberg. Sie wollten in einer der vielen Kirchen Nürnbergs ein regelmäßiges, jugendkulturell geprägtes Gottesdienst- und Veranstaltungsprogramm für junge Menschen zwischen 15 und 27 Jahren entwickeln. Gottesdienste, speziell für Jugendliche, waren eine Ausnahmeerscheinung.

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Die Meinung war verbreitet, dass Jugendliche ohnehin nur drei bis vier Mal im Jahr für einen Jugendgottesdienst zu gewinnen seien. Kirchengebäude waren den altgedienten Kirchenmitgliedern vorbehalten. Jugendliche hatten sich entweder in den traditionellen Gottes­dienst einzufinden oder sollten – wenn überhaupt – ihr eigenes Programm abseits des Kirchenraums bekommen. Die Idee der Jugendkirche stellte dieses Denken auf dem Kopf: In einer Kirche Nürnbergs sollten Jugendliche einen exklusiven Raum bekommen, in der sie ihren Glauben in ihrer Sprache, Musik und Kultur leben und wachsen lassen konnten. Nicht Kirche für Jugendliche, sondern Kirche von Jugendlichen für Jugendliche sollte möglich werden. Damit begann ein doppelter Prozess: Mit einer Handvoll Kirchen­ gemeinden wurden Gespräche geführt mit Blick auf Standort, Nutzungsbedingungen und mögliche Kooperationen. Mit der Kirchengemeinde St. Lukas war eine Gemeinde und Kirche gefunden, die den Vorstellungen entsprach und die auch die Vision von einer Kirche für junge Menschen mit trug. Die Lukas-Gemeinde feierte zu diesem Zeitpunkt im Winterhalbjahr ihre Gottesdienste nicht mehr in der Kirche, sondern im angrenzenden Gemeindehaus, weil die Kirche nicht mehr beheizbar war. Die Kirche war ein Sanierungsfall und die Gemeinde deshalb bereits einige Schritte des ›inneren Abschieds‹ von ihrer Kirche gegangen. Natürlich gab es vor allem bei den älteren Gemeindegliedern auch Verunsicherungen, was aus ihrer Kirche werden würde. Dies änderte sich im Lauf der Zeit und der Kirchenvorstand erkannte die Chance der Jugendkirchenarbeit auch für die eigene Gemeindeentwicklung.

LERNEN IN DER DISKOTHEK Während der Bauphase fand ein weiterer wichtiger Prozess statt: Wir mieteten eine Nürnberger Diskothek, um dort mit den Jugendlichen Gottesdienste, Konzerte und andere Veranstaltungen zu entwickeln, die dann in der umgebauten Jugendkirche fortgesetzt werden sollten. Manch kirchlich sozialisierter Jugendlicher tat sich schwer, in einem derart säkularen Umfeld einen Gottesdienst zu feiern. Gleichzeitig war es eine wichtige Lernerfahrung: Kirchendistanzierte Jugendliche, die für einen Jugendgottesdienst eine Kirche betreten sollen, haben das gleiche Fremdheitsgefühl, wie kirchliche Jugendliche in einer Diskothek. Diese konstruktive Spannung nutzten wir, um mit den Jugendlichen darüber nachzudenken, wie das Evangelium für kirchendistanzierte Jugendliche so zur Sprache kommt, dass es gehört und aufgenommen werden kann.

Der Umbau der Kirche war von wichtigen konzeptionellen ÜberleSpannend war, dass sich von Anfang an Jugendliche, die nicht gungen geprägt: Die Kirche sollte weiterhin klar als Kirche erkennbar primär aus ›Glaubensgründen‹ dabei waren, zu unserer ›Jugendkirund der gesamte Sakralbereich erhalten bleiben. Ergänzt wurde chenbaustelle‹ gesellten. Manche ließen sich von der Licht- und der Kirchenraum vor allem durch flexible Tontechnik begeistern, die wir nach und nach anschafften. Andere Bestuhlung, Licht-, Ton- und Medientechnik waren von den Gedanken begeistert, dass und eine neue Heizungsanlage. Die VerbinJugendliche hier ihr Ding machten oder dung aus traditioneller kirchlicher Bauweise wollten Teil der entstehenden Theatergrupund modernen Elementen war ein Bild dafür, pe werden. Für die Jugendlichen ergab sich wie Kirche zu verstehen ist: Eine junge Kirche so ein spannender Mix aus unterschiedliist nicht denkbar ohne eine Kirche mit gechen Motivationen. Unsere Aufgabe als wachsenen Traditionen. Der Glaube der älteHauptberufliche bestand darin, in einer Atren Generation und der Glaube der Jüngeren mosphäre der Wertschätzung alle mit eingehören zusammen. zubeziehen und die Jugendlichen mit ihren unterschiedlichen Perspektiven auf das Thema Glauben miteinander ins Gespräch zu bringen. Bei den Gottesdiensten waren dann alle dabei. Dabei konnten die Jugendlichen die Erfahrung machen, dass sie sich mit ihren Gaben und Fähigkeiten schnell einbringen konnten, ohne dass ein bestimmtes ›Glaubensbekenntnis‹ von ihnen verlangt wurde. In dieser Atmosphäre entstand bei vielen eine Offenheit, sich ernsthaft mit dem Glauben an Jesus Christus auseinanderzusetzen. In der Bauphase gründeten sich immer mehr ›Aktivteams‹, die die zukünftige Jugendkirche mit Leben füllen sollten: Ein Gospelchor entstand, eine Band wurde ›gecastet‹, das Technikteam fand sich zusammen, ein Programmteam entwickelte Ideen, ein Bauteam legte beim Umbau der Kirche mit Hand an. Auch in Schulen sprachen wir Jugendliche an. So wuchs die Gruppe der mitarbeitenden Jugendlichen innerhalb eines Jahres von 10 auf 80, mit ganz verschiedenen Hintergründen. Am ersten Advent 2009 konnten wir in die umgebaute St. Lukas-­ Kirche einziehen. Viele Jugendliche waren an dem von der bayerischen Landeskirche bezahlten Umbau beteiligt. NE T Z WERK

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Bei vielen entstand deswegen das Gefühl: Das ist ›meine‹ Kirche. Das Gebäude wurde zu einem Symbol der Wertschätzung für die Jugendlichen und verband sich mit dem Gefühl, der richtige Ort für eine wachsende ›Community‹ zu sein. Community ist dabei ein schillernder Begriff zwischen ›Gemeinde‹ und ›Gemeinschaft‹. Genauso erlebten viele Jugendliche LUX: Für die einen war sie eine Gemeinde im theologischen Sinne, in der sie eine Heimat gefunden hatten. Für andere war LUX ein Netzwerk aus krea­ tiven Akteuren in einer Art offenem Jugendkirchen-Kulturzentrum. Wir gestalteten die Grenzen zwischen beiden Polen bewusst fließend, damit Jugendliche über ihre Mitwirkung immer auch die Chance hatten, sich in Gottesdiensten oder Glaubenskursen tiefergehend mit dem Glauben zu befassen.

AKTIVTEAMS In den Aktivteams finden Jugendliche einen Platz, an dem sie sich beteiligen können. Die Teams funktionieren wie kleine Communities, in denen Fähigkeiten vermittelt werden und Gemeinschaft eine große Rolle spielt. Jugendliche sollen sich ausprobieren und das Erlernte in Gottesdienste und das Programm der Jugendkirche einbringen können. Allen Aktivteams liegt das ›In-Up-Out‹-Model zugrunde: In – Gemeinschaft erleben; Out – Etwas gestalten und weitergeben; UP – Glauben entdecken. Etwa 100 Jugendliche und junge Erwachsene sind Teil der verschiedenen Aktivteams: im Gospelchor, drei Bands, im Gastro- oder Moderations-Team, Programm- und Technik-Team, Multimedia-Team, LUXplusTeam, LUX@home (Hauskreis), Security- oder TheaterTeam. SCHULBEZOGENE JUGENDARBEIT

MIT LUX ENTWICKELTEN SICH FÜNF PROGRAMMATISCHE STANDBEINE:

In der Schulbezogenen Jugendarbeit besuchen Schul­ klassen im Rahmen ihres Unterrichts die Jugendkirche. Sie nehmen teil an thematischen Unterrichtsmodulen zu Themen wie ›Jugendkultur & Kirche‹, ›Einfach klasse – Teamtraining für die Klasse‹ oder ›Stille – Auftanken im Alltag‹. Daneben unterstützen Ehrenamtliche aus der Jugendkirche Lehrkräfte bei Schulgottesdiensten in der LUX-Kirche. Viele Jugendliche kommen dabei zum ersten Mal seit langem mit Kirche in Berührung und erleben, wie andere Jugendliche ›ihre Kirche‹ mit Leben füllen. Immer wieder kommen Schüler dann auf Teammitglieder zu und fragen, ob sie auch Teil der Jugendkirche sein und mitmachen dürfen.

GOTTESDIENST Jeden Sonntagabend in der Schulzeit findet um 18 Uhr ein Gottesdienst statt, der fast ausnahmslos von Jugendlichen vorbereitet und durchgeführt wird. Die Hauptberuflichen begleiten Band, Verkündigungsteam, Moderationsteam, Technikteam und andere Beteiligte in der Vorbereitung. Ein- bis zweimal im Monat finden sogenannte ›Highlight-Gottesdienste‹ statt, die von rund 150 Jugendlichen besucht werden. Dazwischen findet sich eine weniger aufwändige Gottesdienstform, der ›Lichtring‹, die etwa 40 Jugendliche besuchen. Die Gottesdienst-­ Themen orientieren sich an der Lebenswelt der Jugendlichen. In den Gottesdiensten gibt es einen festen Kern von 50 bis 60 LUX-Jugendlichen, daneben gibt es einen bunten Mix aus Jugendlichen, die in ihren Gemeinden keine ›passenden‹ Gottesdienste finden, Konfirmanden und interessierte Externe. Die Gottesdienste werden flankiert von Glaubenskursen, einem Hauskreis und Abenden zu unterschiedlichen Glaubensthemen. KULTURVERANSTALTUNGEN Zwei- bis dreimal im Monat findet eine Kulturveranstaltung statt. Bei den Konzerten, Theateraufführungen oder Workshops sind Jugendliche wieder in hohem Maß bei der Vorbereitung und Durchführung beteiligt. Die Veranstaltungen ermöglichen es Jugendlichen, in einen niederschwelligen Kontakt mit LUX zu kommen. Dieser Arbeits­ bereich ist ein Symbol für die Bereitschaft der Kirche, sich der Jugendkultur zu öffnen, weil sie selbst darauf angewiesen ist, die Kultur der nachwachsenden Generation zu verstehen und in die Verkündigung zu integrieren. Immer wieder tauchen Jugendliche und junge Erwachsene in anderen Bereichen auf, die LUX durch die Kulturarbeit kennengelernt haben.

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›HALTESTELLE LUX‹ Dieser Arbeitsbereich hat sozial-diakonischen Charakter und ist eine Querschnittsaufgabe durch sämtliche andere Bereiche. Jugendliche mit sozial schwächerem Hintergrund bekommen im Rahmen der ›Haltestelle LUX‹ besondere Begleitung. Durch Praktika, Ausbildungsvermittlung, Lebenshilfe und Seelsorge wird den Jugendlichen geholfen, ihren Platz im Leben und in der Community zu finden. Über die Jahre haben sich hier Jugendliche von Außenseitern zu Kandidaten für das Leitende Team in LUX entwickelt. Die gottgegebenen Potenziale mit den Jugendlichen zu entdecken und zu entwickeln, gehört zu den besonders schönen Möglichkeiten in der Jugendkirche. In den vergangenen Jahren ist LUX für viele Jugendliche zu einer Heimat, ja Kirche zu einem ›Wohnzimmer‹ geworden. Ein Großteil ihrer Freizeit spielt sich unter dem Kreuz ab. Kirche, Glaube und Alltag bildet für viele Jugendliche eine Einheit, die sie in anderen kirchlichen Kontexten so nicht erleben. An vielen Stellen erfindet LUX das Rad der kirchlichen Jugendarbeit nicht neu. Wir staunen selbst, welche Anziehungskraft die gute Nachricht von der Liebe Gottes zu jedem Einzelnen haben kann, wenn Jugendliche in ihren Potenzialen ernst genommen und sie ihren Glauben in einem eigens für sie angepassten Kirchenraum entfalten können.

TOBIAS FRITSCHE ist Pfarrer bei LUX – Junge Kirche Nürnberg.

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Gott sehnt sich nach uns WIE ICH (NICHT NUR) MIT JUGENDLICHEN ÜBER SÜNDE SPRECHE

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»Jele, ich habe die Ehe gebrochen!«, sagte mir Maria vor rund drei Monaten am Telefon. Sie ist 22 Jahre alt und hat eine Art ›Freundschaft plus‹ gelebt. Sie war eine Weile mit Martin zusammen, dann haben die beiden sich getrennt. Trotzdem haben sie sich immer wieder getroffen, um Kaffee zu trinken und Sex zu haben. »Da war wirklich nix, keine Gefühle mehr. Ich dachte halt, dass es uns doch beiden gefällt und die Sache geklärt ist.« Über Facebook hat Maria dann herausgefunden, dass Martin seit zwei Monaten verheiratet ist. Kurz nachdem die beiden sich offiziell getrennt hatten, hat Martin geheiratet. Trotzdem hat er die ›Freundschaft plus‹ weiterlaufen lassen. Maria ist zutiefst gedemütigt und verletzt. Ich bin ratlos. Wie reagiere ich? Wie tröste ich? Ist das schon eine Beichte? Wie spreche ich hier über Sünde? Ich sitze mit einem schwulen Pärchen mitten in der Nacht auf einer Parkbank. Die beiden haben mich aus dem Bett geklingelt. Sie sind noch nicht lange zusammen, haben aber den Anspruch, eine Beziehung

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zu führen, in der Probleme nicht verschwiegen werden. Einer der beiden ist eifersüchtig, der andere untreu. Wir besprechen das Problem. Die beiden wünschen sich, dass ich zum Abschluss mit ihnen bete. Ich bin ratlos. Wie rede ich mit diesen beiden Jungs, einer 16, der andere 17, über Sünde? Ist Eifersucht Sünde? Wie geht man mit Untreue um? Ist Homosexualität Sünde? Wie spreche ich dieses Gebet? Wo setze ich an? Wir hocken mit ein paar Leuten in einer Kneipe und feiern den Bachelor-Abschluss von Johannes. Irgendwann landen wir bei unseren Abiturprüfungen. Jemand berichtet: »Ich habe damals einen Spickzettel gehabt. Ich komme immer noch nicht klar damit, dass ich in der Prüfung beschissen habe.« Ein Spickzettel. Ist das Betrug? Was rate ich? Soll er zu den damaligen Prüfern gehen und um Vergebung bitten und damit vielleicht sowohl Abitur als auch Studium aufs Spiel setzen? Oder relative ich es: »Ach, Schwamm drüber!«?


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SINNVOLL ÜBER SÜNDE REDEN

Die meisten Jugendlichen verstehen Sünde – wenn sie überhaupt etwas mit dem Begriff anfangen können – zunächst von ihrem Gefühl her. Wie kann man angesichts dessen sinnvoll über Sünde sprechen, in der Predigt oder im seelsorgerlichen Kontext? Für viele Jugendliche ist schon das Wort ›Sünde‹ schwierig. »Das klingt richtig abschreckend!« meinte unlängst jemand in meiner Gruppe. Ist es vielleicht sogar ›unbiblisch‹, bei der Sünde selbst anzufangen? Jesus selbst hat in der Regel bei der Vergebung begonnen: »Dir sind deine Sünden vergeben!«, sagt er in Matthäus 9,2 als erstes zum

Gelähmten. Und er begann beim Menschen: »Gib mir zu trinken!«, sagt er in Johannes 4 zur ausgegrenzten Frau am Jakobsbrunnen. Ist es nicht notwendig, in der Seelsorge und der Predigt zunächst über die große Liebe Gottes zum ›Du‹ zu sprechen, bevor wir von der Sünde der Menschen reden? Sünde und Schuld ist ein Thema bei Jugendlichen. Oft entscheidet aber das schlechte Gewissen, das Maß ihrer Empathie oder der Grad der zugefügten Verletzung über das Ausmaß des ›Sich-schuldig-Fühlens‹. Sünde als existentielle und zerstörerische Macht begegnet mir im Umgang mit Jugendlichen ganz unterschiedlich, aber meistens in denselben Mustern. Ein paar Beispiele:

MASSLOSIGKEIT: Stets muss die perfekte Beziehung, der perfekte Notenschnitt, das perfekte Aussehen, die perfekte Familie hervorgebracht werden. Dazu kommt Maßlosigkeit beim Konsum, Alkohol, der Kommunikation. Auch im Berufsleben und hauptamtlichen Dienst begegnet mir diese Haltung. Es VERLETZUNGEN: Psychische Probleme haben scheint eine neue Form der Werkgerechtigstark zugenommen. Viele dieser Probleme keit zu sein: alles selbst schaffen wollen; es sind Folgen von Sünde: Depression, Bordernie genug sein lassen. line-Störungen, Suizidgedanken, Ess­störungen, Trichotillomanie und anderes. Diese ErkranGIER: Dahinter steckt die Überzeugung: kungen sind oft Folgen von Verletzungen in Was ich habe, bestimmt, wer ich bin. Das der Kindheit, die im Jugendalter sichtbar Haben-Wollen und Konsumieren geschieht werden. Missbrauch, Zerrüttung in Familien, häufig auf Kosten von anderen. Im Bereich Leid und fehlende Aufmerksamkeit führen der Sexualität spielt Ethik kaum noch eine zu Wunden, die nie richtig heilen konnten. Rolle, auch in christlichen Kreisen nicht. Alles geht! Wehe dem, der etwas anderes beIGNORANZ: Ich beobachte oft die Angst hauptet! des Zu-kurz-Kommens. Eltern sagen ihren Kindern: »Schau zuerst nach dir; ich habe das ZWEI-KLASSEN-DENKEN: Es wird in Opferzu wenig getan.« Egoismus führt zu Einsamkeit Täter-, Gewinner-Verlierer-Kategorien gedacht. und fehlender Vergemeinschaftung. Zivil­ Ich stehe entweder auf der Sonnenseite des courage wird nicht mehr gezeigt. Andere Lebens oder bin außen vor. Schwächere werden nur unter dem Blickwinkel betrachtet: werden oft grundlos fertiggemacht, Aus»Was bringt er mir?« grenzung und Gewalt sind keine Seltenheit.

W

Wie also kann ich mit Jugendlichen sinnvoll über Sünde in ihren vielfältigen Ausprägungen sprechen? Häufig wird dabei in frommen Kreisen das Bild des ›großen Grabens‹ genutzt. In der Bibel kann ich dieses Bild nicht entdecken. Vielmehr lese ich von der Trennung zwischen Gott und Mensch. Diese wird in dem Schaubild allerdings in ein statisches Bild gesetzt. Und dann wird über die Vergehen gesprochen, die uns von Gott trennen und die Kluft hervorrufen. Schnell wird dabei der Zeigefinger erhoben und zum Ausdruck gebracht, was man alles falsch gemacht hat. Im Mittelpunkt steht die Trennung, der Graben, die Sünde. Das Bild setzt zudem voraus, dass es der Mensch ist, der sich danach sehnt, bei Gott zu sein. Er fragt sich im Bild: »Wie kann ich den Graben überwinden?« Hier liegt ein Knackpunkt. Zunächst muss geklärt werden, was

das denn überhaupt für ein Gott ›auf der anderen Seite‹ ist. Ich darf nicht voraussetzen, dass meine Hörer das wissen. Auch wenn sie sich vielleicht nach dem sehnen, was wir Christen mit Gott in Verbindung bringen: Ganzheit, Heilung, Liebe, Anerkennung ... Wir sehen diese Dinge in Gott erfüllt, weil wir bereits eine Beziehung zu ihm haben und im besten Falle erlebt haben, wie liebevoll er ist, wie er Heilung bringt. Unseren Hörern müssen wir diesen Gott aber erst vor Augen malen. Weil die Gefahr besteht, in den Pharisäer-Graben zu fallen und wir das biblische Bild von Gott nicht voraussetzen können, halte ich in der Predigt und der Seelsorge das statische Bild des ›Grabens‹ für ergänzungsbedürftig durch narrative und relationale Formen. Die Bibel bietet dazu eine Vielzahl von Bildern, die wunderbar in unsere Zeit passen.

KONGRESSE

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MENSCH

ZERBROCHENE LIEBESBEZIEHUNG – HOSEA: Es ist ein Bild, das jeder kennt: Zwei Menschen haben sich geliebt, aber aus unterschiedlichsten Gründen ist diese Liebe kalt geworden; vielleicht ist einer von zweien fremdgegangen. Jeder hat schon einmal die Erfahrung gemacht, zurückgewiesen und verletzt worden zu sein, Liebeskummer zu haben. Die Frage in solchen Momenten ist stets: Wie findet die Liebe wieder zueinander? Hier setze ich an der Erfahrungswelt der Menschen an, kann in narrativer Form über die Trennung, die Distanz zwischen Gott und Mensch sprechen.

GOTT

SÜNDE

Bild des ›großen Grabens‹

Das biblische Bild von Hosea ist dabei hilfreich. Es ist eine Metapher für Gottes Liebe und Israels Sünde in Form von Untreue, Ignoranz und Maßlosigkeit. Hoseas Aufgabe war es, HEILUNG – DER GELÄHMTE: Wenn wir über Sünde spresich eine Hure als Frau zu nehmen. »Gottes Treue überchen, müssen wir auch über Verletzungen sprechen. windet Israels Untreue«, ist die Überschrift in Hosea 2. Hier lohnt es sich, Jesus als den Heilmacher, den HeilMithilfe dieser Geschichte kann ich die bedingungslose and zu verkündigen. Den, der mich losmacht, mich erlöst Liebe, Leidenschaft und Treue Gottes darstellen. Jeder von all dem Schmerz. Therapeuten können helfen, die Jugendliche versteht dieses Bild zutiefst. Ich habe noch Wurzeln der psychischen Verletzungen zu identifizieren nie eine Predigt gehört, in der diese leidenschaftliche, und mit ihnen leben zu lernen. Aber heilen und davon aber auch verletzte Liebe angesprochen wurde, wenn erlösen, kann nur der Erlöser – von ihm können nur wir es um das Thema Sünde geht. Häufig wird über den Christen erzählen. Helge Seekamp: »Die Heilungsprozesse, ›großen Graben‹ und damit oft über Moral gesprochen. die bei Sündenvergebung in Gang kommen, sind schließAber Sünde ist ein Begriff, der die Beziehung zwischen lich auch psychologische Prozesse, die aber für die spirituGott und Mensch anspricht. Deshalb muss ich auch in elle Dimension offen sind. Die Frage ist: Wie wird die BezieBeziehungs-Bildern darüber sprechen. hung zu Gott geheilt und wie wirkt das auf uns selbst zurück? (…) Nur wenn der Glaube neu dazu beiträgt, die eigene SEHNSUCHT – DAS GROSSE GASTMAHL: Ich möchte in Identität zu finden, bekommt er wieder den befreienden Predigt und Seelsorge den Menschen ein Bild von wahrer Charakter des Evangeliums. Es geht im Kern um einen Liebe und Ganzheit vor Augen malen, weil es die Ant›Heilungsweg‹. Heilung ist dabei ganzheitlich zu verstewort auf all die Gebrochenheit ist, der ich oft begegne. hen. (…) Erst, wenn wir die personale Beziehung zu Gott Mein Zuspruch lautet: »In deine Ignoranz, dein Desintereswahrnehmen, wird die Heilung ihre entscheidende Zielse hinein möchte ich dir trotzdem sagen: Gott sehnt sich richtung und Tiefe bekommen.« nach dir!« Ich möchte von der großen Liebe sprechen, die trotz Untreue, Fremdgehen und Hurerei liebt und Viele Menschen, die unseren Predigten zuhören, haben nicht aufgibt. Nicht der Mensch fragt sich zuerst: »Wie innere Hindernisse, an Gott zu glauben, weil sie verüberwinde ich den Graben, der sich durch meine Sünde letzt wurden. Die Ursache ist Sünde. Ich möchte diese gebildet hat?«, sondern Gott fragt: »Wie überwinde ich Wunden beim Namen nennen. Dann kann ich Christus ihn?« als den Heilmacher predigen. Liest man die Heilung des Gelähmten in Markus 9, den seine Freunde über das Das Bild vom großen Gastmahl in Lukas 14 greift die Loch im Dach zu Jesus hinunterlassen, spricht Jesus zuIgnoranz des Menschen wundervoll auf. Ein guter nächst einmal das Vergebungswort »Dir sind deine SünFreund ist dadurch zum Glauben gekommen. Er sagte: den vergeben!«, erst dann kommt es zur Heilung, sozu»Ich stellte mir die Frage nach Gott eigentlich gar nicht. sagen als Machtbeweis für die Sündenvergebung. Dann wurde mir klar, dass er nach mir fragte! Wegen dieser großen Sehnsucht Gottes wurde mir klar, dass ich etwas ZIELVERFEHLUNG – HAMARTIA: ›Hamartia‹, dieses ändern muss.« Wenn wir in Seelsorge und Predigt über Wort wird im Neuen Testament häufig für den Begriff die Sehnsucht Gottes nach dem Menschen sprechen, ›Sünde‹ verwandt. Es drückt das Bild des ›Zielverfehlens‹ landen wir bei dieser großen Liebe. Und dann können aus. Mit all meiner Kraft versuche ich an ein bestimmtes wir auch ganz natürlich über die Sünde reden. Ziel zu gelangen, lande aber stets daneben. Die Erfahrung des ständigen Versagens trotz vielfältiger Anläufe, steckt dahinter. Anhand dieses Wortes, kann erklärt werden, dass es sich bei Sünde nicht um einzelne Vergehen handelt, sondern um einen Zustand, von dem wir alle betroffen sind. Gerade bei Jugendlichen lässt sich das verbinden mit der Frage nach dem Ziel des Lebens und der Frage, worauf ich im Leben setze. Deutlich wird dies beim bekannten Text aus 1. Korinther 13: Wenn ich alles richtig machen würde, und das Entscheidende nicht hätte – die Liebe – hätte ich dennoch das Ziel verfehlt.

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SÜNDE BEIM NAMEN NENNEN

Einige mögen fragen: Wird auf diese Weise nicht alles relativiert, wenn wir nur über die große Sehnsucht Gottes nach dem Menschen sprechen, wenn wir Jesus nur als Liebhaber und Heilland darstellen? Muss nicht auch in Predigten einfach mal gesagt werden, wo Missstände, Fehler und Sünde beim Menschen zu entdecken sind? Mir hilft das Bild des Ermahnens und Ermutigens, das dem griechischen Wort ›paraklein‹ zugrunde liegt: Es sind zwei Seiten einer Medaille. Wenn ich von der großen Sehnsucht Gottes spreche, von Jesus als dem Heil-and und Liebhaber, bewege ich mich auf der Seite des Ermutigens und Tröstens. Hier spreche ich von Gott, der auf uns zugeht, uns für eine Richtungs-Änderung gewinnen will, uns Vergebung und Heilung anbietet. Aber Sünde braucht auch die Offenlegung. Dinge müssen beim Namen genannt werden. Das ist die andere Seite – das Ermahnen. Denn erst wenn klar ist, wo die Problematik der Sünde liegt, kann über Vergebung gesprochen werden. Aber nicht um Dampf abzulassen und zu sagen, was Leben, möchte aber Maßstäbe setzen und alles schlecht läuft, sondern im Geist der ehrlich bleiben: als Predigerin und als PrivatSehnsucht danach, dass heil wird, was kaputt person. Ich selbst bin Sünderin und brauist. Bedingung dafür ist das Ansprechen che Vergebung. Das ist der Bogen, den ich dessen, was schief hängt. Das Ansprechen spanne. Dafür muss ich keinen Seelenist nicht Selbstzweck, sondern Diener des Striptease vollführen, aber authentisch sein, Heilungs- und Vergebungsprozesses. Als solindem ich auch von meinen Fehlern, dem cher muss er sich unterordnen und sensibel Getrenntsein von Gott und der Tatsache und leise auftreten. rede, dass Gott sich nach mir sehnt. Erst dann bekommt meine Predigt Kraft: Wenn DIE EIGENE SÜNDE ich selbst aus dem schöpfe, was ich anderen weitergeben möchte. Wenn ich so über Sünde spreche, kann es nie nur um meine Hörer gehen. Es geht Als ich mich wieder mal über meinen Ehrauch immer um mich. Vor kurzem sollte ich geiz und die Lobhudelei beim Predigen in unserem neuen Gottesdienstformat gestolpert war, sagte meine Mentorin an›mittig‹ predigen. Schon am Freitag hat schließend zu mir: »Ja, da bist du schuldig sich das angebahnt. Mein Mann Hannes geworden. Geh ins Gebet, bitte um Vergeund ich hatten uns wegen einer Kleinigkeit bung. Und dann geht’s zur nächsten Predigt.« gestritten. Obwohl wir solche Dinge grundMaria, die die ›Freundschaft plus‹ gelebt sätzlich schnell regeln, war am Sonntag die hat; das schwule Pärchen, das mit Untreue Sache immer noch nicht geklärt. Ich bin und Eifersucht in ihrer Beziehung ringt; dann mit einem blöden Gefühl auf die Bühne derjenige, den das Mogeln bei der Abi-Prügegangen. Das Wissen, dass etwas zwifung nicht loslässt – ihnen allen möchte ich schen Hannes und mir nicht in Ordnung ist, deutlich machen, dass Gott sich zuallererst hat sich zu dem Gefühl geschlichen, dass nach ihnen sehnt, sie bedingungslos liebt. dann auch zwischen Gott und mir die Sache Und dann möchte ich mutig genug sein, nicht im Reinen ist. Wie kann ich so predigen? Sünde beim Namen zu nennen und den zu Wenn ich über Sünde spreche, spreche ich verkündigen, der ihnen vergibt. auch über meine eigene: das Perfektionsstreben in meinem Dienst oder meine ganz DANIELA MAILÄNDER ist Dekanatsjugendrepersönliche Gier nach mehr, nach Anerkenferentin und Öffentlichkeitsreferentin bei der nung oder Lob. Wenn ich über Sünde spreEvangelischen Jugend Nürnberg, und Teil des che, dann geht es zunächst um mich: Wie LUX-Leitungsteams komme ich als Sünderin überhaupt dazu, von der Vergebung Gottes zu sprechen? Und weil das Evangelium in den öffentlichen Raum muss, bin ich, sind wir als Predigende auch immer Personen des öffentlichen Lebens. Privater und öffentlicher Raum meines Lebens müssen zu dem passen, was ich zu sagen habe. Ich bin nicht fehlerfrei, lebe kein ethisch perfektes

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EINE JUNGE WG ALS HOFFNUNGSTRÄGER DIE SOZIALMISSIONARISCHE GREIFBARARBEIT ZIEHT ERSTAUNLICHE KREISE Hinter ›GreifBar‹ steckt ein unabhängiges Werk im Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis der evangelischen Nordkirche. Die Mitarbeiter arbeiten zu 100% ehrenamtlich und fast ausschließlich spendenbasiert. Die jungen Leute im Greifswalder Ostseeviertel lassen sich in dem, was sie tun, auf Gott ein – und überlassen seinem Wirken, was daraus entstehen kann … Es begann mit einer WG im Greiswalder Ostseeviertel. Die kleine Hansestadt Greifswald zwischen den Inseln Usedom und Rügen, direkt am Greifswalder Bodden, ist mit fast 13.000 Studierenden unter 60.000 Einwohnern sehr studentisch geprägt. Wie die meisten Städte in den neuen Bundesländern, hat auch Greifswald ein Plattenbaugebiet; eigentlich drei Plattenbaugebiete, von denen eines – das Ostseeviertel – zum Teil unsaniert ist und vor allem grauen Charme versprüht. Die Bewohner haben mit ganz unterschiedlichen Nöten, Herausforderungen und Krisen zu kämpfen. Dazu beschleicht sie zunehmend das Gefühl, dass sich nach und nach alle Institutionen und Einrichtungen aus ihrem Viertel zurückziehen: Jugendclubs, Läden, Kneipen … Das Umfeld ist einfach nicht attraktiv genug. Hier starteten 2007 vier Theologiestudenten der Universität Greifswald eine WG. Schnell entstanden Freundschaften mit einer achtköpfigen Nachbarfamilie. Mit deren Kindern spielten sie regelmäßig Fußball und gaben ihnen Nachhilfe bei Schulaufgaben. Bei gemeinsamen Mahlzeiten staunten die Kinder, wie vier junge Männer vor dem Essen beteten. Neugierig und unvoreingenommen haben die Kleinen

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später selbst angefangen, vor dem Essen erste Dankgebete zu formulieren. Immer wieder ergaben sich Gespräche über den Glauben. Besonders die Gleichnisse Jesu oder auch persönliche Erlebnisse der Studierenden mit Jesus stießen bei den Kindern auf große Aufmerksamkeit. Um der stetig wachsenden Kinderschar gerecht zu werden, wurde – neben der Hausaufgabenhilfe – eine Kinderstunde am Samstagnachmittag ins Leben gerufen. Dazu gehörte das Spielen auf der Wiese im Viertel, anschließend eine Erfrischung mit Obst und Getränken in der Studenten-WG oder das kindgemäße Vermitteln einer biblischen Geschichte – meist in Form eines Theaterstücks, mit den Kindern als Darstellern. Das Engagement der Studierenden blieb nicht unbemerkt. Die Eltern freuten sich über die Angebote und Unterstützung, die ihre Kinder in der nicht immer einfachen Nachbarschaft erhielten. Mit wachsender Gruppengröße und größer werdender Verantwortung merkten die Theologiestudenten, dass die neue Arbeit einen größeren Rahmen brauchte als eine WG ihn bieten kann. Da die meisten ohnehin Mitglieder bei ›GreifBar‹ waren, wurde das Projekt im Ostseeviertel 2009 zu einem offiziellen Arbeitszweig. Und mittlerweile ist diese sozialmissionarische Arbeit ein zentraler ›GreifBar‹-Bestandteil. ›GreifBar‹ ist ohne sie nicht mehr denkbar – und die sozialmissionarische Arbeit ist ohne ›GreifBar‹ nicht mehr denkbar.

LEBEN IM VIERTEL Es dauerte nicht lange, da wurden weitere WGs im Viertel gegründet oder bestehende für die Arbeit begeistert. Inzwischen gibt es sechs WGs. Das Ziel ist eine dauerhafte Präsenz von Christen im Ostseeviertel, die ihre Wohnungen und Herzen für die Einwohner öffnen. Für ein glaubhaftes Interesse an den Menschen ist entscheidend, nicht nur gelegentlich als Gast zu erscheinen, sondern auch dort zu leben.

Neben der wöchentlichen Kindergruppe wurde außerdem eine Teenagergruppe gestartet. Ein Team von Ehrenamtlichen hat die schulische Nachhilfe ausgebaut. Seit eineinhalb Jahren entwickelt sich das wöchentliche Fußballspielen zu einem regelmäßigen Anlaufpunkt für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus dem Viertel. Und es zieht Kreise zu angrenzenden Plattenbaugebieten und dem Berufsbildungswerk, das sich in unmittelbarer Nachbarschaft befindet. Für alle Beteiligten ist es inzwischen völlig normal, zu Beginn des Fußballspiels in einer Minipredigt von einem Gott zu hören, den man im Alltag erleben kann. Anschließend beten die Jungs und Mädels und bitten Gott um Bewahrung beim Spiel. Übrigens: Dass sich angesichts der Altersspanne von 11 bis 37 Jahren bisher niemand verletzt hat, ist für sich schon ein kleines Wunder. Zu den Höhepunkten des Jahres zählt mittlerweile das Krippenspiel an Heiligabend auf dem Aldi-Parkplatz im Ostseeviertel. Rund 100 Gäste feiern dort jedes Jahr gemeinsam das Wunder von Bethlehem. Die Kinder spielen die Weihnachtsgeschichte nach – mit Hirten, echtem Feuer und einem Einkaufswagen als Krippe – und erleben selbst, dass im Stall von Bethlehem ein großes Wunder geschehen ist und dass dieses Kind keins wie jedes andere ist. Das zweite Jahres-Highlight ist das Osterfeuer, das mit rund 300 Gästen am Karsamstag gefeiert wird. Nach einem Open-Air-Gottesdienst entzündet die Freiwillige Feuerwehr das Feuer. So feiert ›GreifBar‹ gemeinsam mit den Bewohnern des Ostseeviertels den Übergang zum Ostersonntag.

MUTIGE ZUKUNFTSPLÄNE Im Laufe der Jahre hat die Arbeit im Ostseeviertel sich verändert. Dabei wurde deutlich, dass es für eine nachhaltige Arbeit ein Mehr an Verlässlichkeit und Öffentlichkeit braucht. Die Mitarbeitenden merken: Wir können nicht nur für ein oder zwei Semester dabei sein, weil die Kinder uns schnell in ihr Herz schließen und enge Beziehungen entstehen. Und viele der Studierenden spüren: Jesus überträgt ihnen auf diese Weise eine Verantwortung, lässt seine Leidenschaft und Sehnsucht für die Menschen zu ihrer eigenen Leidenschaft werden. Es gab Abende, an denen Mitarbeitende nach einer


intensiven Zeit mit den Teenagern im Gebet weinen mussten, weil sie sich dem Schmerz Gottes über manches Leid und manche Ungerechtigkeit nicht erwehren konnten. Durch ihr Engagement spüren viele Mitarbeitende: Gott hat ein weites Herz, in dem die Menschen des Ostseeviertels einen prominenten Platz haben. Und Gott sucht Menschen, die auch in ihrem Herzen einen Platz für diese Menschen einräumen. Und da ist das nötige Mehr an Öffentlichkeit. Eine wachsende Arbeit in WGs und Privatwohnungen aufzubauen, stellt für viele Gäste eine Hürde dar. Und reduziert die dringend benötigten Angebote. Ein öffentlicher Raum ist dringend nötig. ›GreifBar‹ hat darum entschieden, sich noch stärker auf das Viertel zu konzentrieren und als Werk selbst ins Ostseeviertel zu ziehen: Ein Nachbarschaftszentrum soll entstehen, in dem das bisherige Engagement und auch viel Raum für Neues vorhanden ist: eine Familien- und Sozialberatung, ein Café, ein Jugendclub, Raum für Gottesdienste, Glaubenskurse und ›GreifBar‹-Mitarbeitertreffen. Geeignete Räumlichkeiten gibt es, die Verhandlungen dafür werden geführt. Aber es müssen eine Menge Fragen beantwortet werden. Weil ›GreifBar‹ ein Werk der Landeskirche und als solches fast ausschließlich spendenfinanziert ist, Greifbar aber auch – trotz umfangreichen Dienstes – niemanden hauptamtlich beschäftigt, müssen die monatliche Miete und die Kosten für Umbaumaßnahmen aus Spenden bestritten werden. Auch alles, was an Planen, Prüfen, Verhandeln ansteht, ist Sache von Ehrenamtlichen. Darum sucht ›GreifBar‹ Partner im Umfeld von Greifswald und in ganz Deutschland. Denn allein wird das umfangreiche Projekt nicht zu schultern sein. Das neue Nachbarschaftszentrum soll das Ostseeviertel in geistlicher, sozialer und kultureller Hinsicht bereichern. Die Bewohner des Viertels sind dabei auch Partner, die sich in das Projekt mit einbringen; und dadurch – das hat die Vergangenheit oft gezeigt – vielfältige Gotteserfahrungen machen. Das gilt genauso für alle Christen, die im Ostseeviertel-Projekt viele Aspekte des Evangeliums entdecken, die ohne diese Aufgabe verborgen geblieben wären.

WAS HABEN WIR IM OSTSEEVIERTEL GELERNT? Als Mitarbeitende haben wir viel in diesen Jahren gelernt. Wenn Gott eine Vision hat, sind große Dinge möglich. Wer sich darauf einlässt, entdeckt, dass nicht an uns liegt, dass sie Wirklichkeit werden. Gott ist entscheidend kreativ, energisch und großzügig.

Wir stehen nicht still

Um einem Stadtteil wie dem Ostseeviertel zu dienen, bedarf es keiner gigantischen Maschinerie. Es genügen ein paar Menschen, die bereit sind, sich von Gott in die Verantwortung nehmen zu lassen. Der Rest ergibt sich unterwegs und findet sich zur passenden Zeit. Eine sozialmissionarische Arbeit ist niemals statisch, sondern verändert sich ständig. Sie muss zweierlei beherzigen: sich den wechselnden Bedingungen und Bedürfnissen der Menschen anzupassen; und auch mit den Plänen Gottes Schritt zu halten, der sich oftmals schrittweise offenbart. Das macht die Arbeit spannend und zu einem einmaligen Abenteuer, bei dem die Mitarbeitenden reich beschenkt werden. Bei allem Wandel, ist eines stets konstant geblieben und gehört zur DNA der Arbeit: Zeit für die Kinder und Jugendlichen zu haben, das eigene Herz für sie zu öffnen und dabei zu erleben, wie Gott durch persönliche Begegnungen das Leben aller Beteiligten verändert.

NEU!

A b Ok

to b e r 2 014

Was Männer bewegt. Was Männer bewegen.

Felix Eiffl er studiert Theologie an der Universität Greifswald und ist ehrenamtlicher Mitarbeiter bei GreifBar. www.greifbar.de

»Das neue Nachbarschaftszentrum soll das Ostseeviertel in geistlicher, sozialer

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BRANDON, WORIN SIEHST DU DEINE AUFGABE ALS WORSHIP-LEITER? Ich will eine Atmosphäre schaffen, in der Menschen sich frei fühlen, ihr Herz und ihren Verstand auf Jesus auszurichten. Wenn das gelingt, treten wir Musiker völlig in den Hintergrund, werden nicht mehr als die entscheidenden Akteure wahrgenommen. Worum es mir überhaupt nicht geht, ist, die Leute im Gottesdienst durch coole Musik zu begeistern. WIE KANN DIESE ATMOSPHÄRE ENTSTEHEN? Vieles spielt eine Rolle: die positive Grundhaltung und Ausstrahlung der Band – überhaupt von allen, die auf der Bühne einen Beitrag leisten, ein durchdachter Gottesdienstablauf, Momente des Feierns und Momente der Besinnung. Und nicht zuletzt eine Band, die ihr Handwerk versteht. Bei Willow sind wir überzeugt: Exzellenz ehrt Gott und inspiriert Menschen.

WESHALB MÖCHTE DER WORSHIPLEITER DER WILLOW CREEK-GEMEINDE, BRANDON GRISSOM, AUF DER BÜHNE LIEBER UNBEMERKT BLEIBEN – MACHT ABER TROTZDEM NACH JEDEM GOTTESDIENST EINE VIDEOANALYSE?

WORAN ERKENNST DU, OB SO EINE ATMOSPHÄRE HERRSCHT? Es braucht viel Erfahrung, bis man als Worship-Leiter in der Lage ist, einen Saal zu ›lesen‹. Dazu gehören Anhaltspunkte wie: Singen die Leute mit? Lassen sie sich auf das ein, wozu wir sie einladen? Sind die Menschen in einer inneren Gebetshaltung? Ist eine ›Ehrfurcht‹ im Saal spürbar? Bei einigen Faktoren interpretiert man die Körpersprache der Gottesdienstbesucher. Andere kann man nur erspüren oder sie werden einem durch Gottes Geist kommuniziert. Ein erfahrener Worship-Leiter hat ein Gespür dafür, diese Signale zu deuten. WENN ALLES OPTIMAL LÄUFT – WIE SIEHT DAS AUS? Die Worship-Leiter, die ich am meisten schätze, sind diejenigen, bei denen ich gar nicht merke, dass sie auf der Bühne sind. Die Band ist gut aufeinander eingespielt, ihr Gesang ist überzeugend, ihre Wortbeiträge sind nicht ausufernd und belanglos, ihre Aufstellung auf der Bühne lenkt nicht ab. Es braucht viel Vorbereitung und Gebet, damit eine Band während der Anbetungszeit Gott nicht im Weg steht. Das kann durch ganz banale Dinge geschehen: Dass man zu viele unbekannte Lieder singt. Oder dass die Leute zwischen den Liedern mit Wortbeiträgen zugetextet werden. Oder dass wir beim Singen nur auf die Notenblätter starren und damit eine Kluft zur Gemeinde erzeugen.

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W und or s hi S p p -Le JU KO G E N r eche i t er NG DP L rb RE S S U S- e i m 20 15

»Gottesdienste sind die Schaufenster der Gemeinde«


DAS SIND VIELE FALLSTRICKE. WIE UMGEHST DU DIE? Am meisten vorangebracht hat uns als Band die Entscheidung, uns nach jedem Gottesdienst, in dem wir gespielt haben, die Anbetungszeit auf Video anzuschauen. Wir neigen manchmal dazu, unsere Kompetenz höher einzuschätzen als sie tatsächlich ist. Aber die Kamera lügt nicht! Die regelmäßige Videoanalyse hat mir enorm geholfen mich zu verbessern: wie ich singe, Gitarre spiele, rede und mich auf der Bühne bewege. WOHER NIMMST DU DIE KREATIVEN IDEEN, DIE DU IN DEN WORSHIP-PART DER GOTTESDIENSTE EINBAUST? Das ist für mich die größte Herausforderung überhaupt. Ich führe ständig Listen, auf denen ich jede kreative Idee notiere, die mir einfällt. Damit mir keine Ideen durch die Lappen gehen, habe ich an verschiedenen Orten Notizbücher liegen: am Bett, im Bad, auf meinem Schreibtisch. Denn wir versuchen in jedem Gottesdienst einen künstlerischen Moment einzubauen. Das kann ein selbstgedrehtes Video sein, ein kreativer Wortbeitrag, ein besonderes Vortragslied, verbunden mit anderen Medien oder Musik. WANN BEGINNT DIE PLANUNG? Etwa einen Monat vor dem jeweiligen Gottesdienst, für den ich zuständig bin, beginne ich. So gerate ich nicht unter Druck. Denn unter Druck ist man oft mit der erstbesten Idee zufrieden, weil die Zeit fehlt. Diese Durchschnittlichkeit spürt man den Gottesdiensten dann auch ab. OFT IST DIE LAUTSTÄRKE DER MUSIK IM GOTTESDIENST EIN GROSSES THEMA. BEI WILLOW AUCH? Klar. Wir haben ja ein breites Alterspektrum in unseren Gottesdiensten: von Anfang zwanzig bis zu Senioren, die über 90 sind. WIE GEHST DU DAMIT UM? Ich versuche eine gute Mischung aus ›big songs‹, also Liedern, die bewusst lauter gespielt werden, und ruhigeren Liedern. Ich persönlich bin ein großer Fan von Chorälen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass wir mit der Band einen Choral spielen, und danach eine richtig rockige Nummer. Wichtig ist, dass man die Bedürfnisse der gesamten Gemeinde im Auge behält. Übrigens: die meisten meinen, dass man bei der Lautstärke an die Senioren denken soll. Das stimmt. Aber

genauso müssen wir auch an die junge Generation denken. Auch sie müssen sich mit ihrem Musikgeschmack wiederfinden. EINE SCHLÜSSELROLLE HABEN DIE TONTECHNIKER. Allerdings. Vor kurzem habe ich mit meiner Band und den Tontechnikern viele Stunden damit verbracht, uns Aufnahmen der letzten Gottesdienste anzuhören. Dabei haben wir vor allem auf die Abmischung der Musik geachtet. Und anschließend offen darüber gesprochen. Das hat uns geholfen, unser Gehör zu schulen und als Musiker und Techniker ein ähnliches Hörgefühl zu entwickeln. Danach haben wir Testaufnahmen mit verschiedenen Mikrofonen gemacht, um herauszufinden, welches Mikro in unserem Saal für unsere Band am besten klingt. Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich die Wirkung ist. ›Leise‹ Musik, wenn sie unvorteilhaft abgemischt ist, kann für Zuhörer störend wirken. Genauso kann ›laute‹ Musik, wenn sie richtig abgemischt ist, für die Zuhörer ein angenehmes Klangerlebnis sein.

WIE SIEHT DIE GOTTESDIENSTPLANUNG IM EINZELNEN AUS? Unsere Gottesdienste orientieren sich an mehrwöchigen Predigtserien. Zum Oberthema der Serie erhalten wir im Vorfeld für jede Woche das Unterthema mit kurzer Erläuterung. Das ist unsere Arbeitsgrundlage. Jeden Mittwoch treffen wir uns mit unserem Pastor Bill Hybels und werten den Gottesdienst vom letzten Sonntag aus. Anschließend sprechen wir über den kommenden Gottesdienst. Zusätzlich gibt’s zwei Kreativ-Teams, die parallel und in Abstimmung mit den Bands Ideen für den Gottesdienst entwickeln. Es gibt Sonntage, da passen die Kreativ-Elemente zum Thema; an anderen Gottesdiensten nicht – haben aber trotzdem eine starke Aussage in sich. Das ist völlig okay. Diese Flexibilität behalten wir uns vor. WIE WIRD EIN GOTTESDIENST AUSGEWERTET? Neben der Band sind das Kreativ-Team, Technik-Team und Predigt-Team dabei. Diese Leute treffen sich jede Woche zur Auswertung. Wir sind bei Willow echte FeedbackJunkies. Denn wir wollen die Dinge immer optimieren. Im Wesentlichen stellen wir uns dabei zwei Fragen: Was hat beim letzten Gottesdienst ›funktioniert‹ und was nicht? Und weshalb? IST WORSHIP IM GOTTESDIENST FÜR GLAUBENSFREMDE MENSCHEN PROBLEMATISCH? Wenn er nicht sorgfältig vorbereitet ist, mag das sein. In unseren Gottesdiensten behalten wir besonders die Länge der Lieder im Blick; und ob die Texte verständlich KONGRESSE

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JOHANNES HARTL

Musikvideo zum Song ›Empty‹ von Brandon: tinyurl.com/BrandonGrissom

sind. Wir haben festgestellt: Wenn der Anbetungspart einen dynamischen, ermutigenden Charakter hat, ist das für die meisten Glaubensfremde überhaupt kein Problem. Ich selbst kam zum Glauben, weil ich erlebte, wie Christen Gott aus tiefem Herzen in einem Gottesdienst lobten.

„Beten ist Lieben. Und beten lernen heißt, lieben lernen.“

GIBT ES KLARE ANFORDERUNGEN AN LEUTE, DIE DEIN TEAM ERGÄNZEN SOLLEN? Aus Erfahrung weiß ich, dass es wichtig ist, einen Standard in einem Team festzulegen. Der sieht in jeder Gemeinde anders aus. Aber wenn es keinen Level gibt, an dem man sich orientieren kann, ist alles beliebig. Diesen Standard sollte man im Laufe der Zeit schrittweise erhöhen. So entwickeln sich Teams weiter und bleiben lernbereit, feilen an ihren Begabungen. Mit der Weiterentwicklung der Teams entwickelt sich dann auch der Gottesdienst einer Gemeinde weiter. Das ist nicht zu unterschätzen. Denn Gottesdienste sind oft das Schaufenster einer Gemeinde.

(Johannes Hartl)

UND WENN DIE FÄHIGKEITEN NICHT DER MESSLATTE ENTSPRECHEN?

Auch als

Wichtig ist, dass man niemanden auf die Bühne holt, der dafür noch nicht bereit ist – ganz gleich, ob es Musik, Moderation oder Predigt betrifft. Viele der nicht ganz einfachen Gespräche könnten vermieden werden, wenn man im Vorfeld genauer hingeschaut hätte oder sich jemand in einem kleineren Rahmen hätte ausprobieren können.

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Johannes Hartl

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Aber es muss offen besprochen werden, wenn eine Person ein ganzes Team an der Weiterentwicklung hindert. Dabei schauen wir natürlich auch: Kann die Person vielleicht ein anderes Instrument spielen, das nicht so im Vordergrund steht? Oder wir überlegen gemeinsam, welcher andere Platz geeigneter wäre. Wir alle sind Teil des Leibes Christi. Jedem wurde darin ein einzigartiger Platz zugedacht. Niemand fällt also durchs Raster, wenn Veränderungen anstehen.

BRANDON GRISSOM hat im Willow-Jugendgottesdienst ›Student Impact‹ Erfahrungen als Worship-Leiter gesammelt und wurde dort gezielt gecoacht. Seit einem Jahr ist er nun – neben Matt Lundgren – Worship-Leiter im Gottesdienst der Willow Creek Community Church in Chicago. Das Interview führte Gotthard Westhoff www.brandongrissom.net twitter.com/brandongrissom facebook.com/brandongrissommusic


P R O B LEMFALL LAUT S T Ä R K E TODD ELLIOTT: WIE GOTTESDIENSTE ANGENEHM FÜR HÖRER UND OHREN WERDEN Vor einiger Zeit haben wir die niedrigen Frequenzen unserer Tonanlage im WillowGottesdienstsaal neu eingestellt. Nachdem wir dieses Problem gelöst hatten, kamen zeitgleich neue Probleme auf uns zu: Wir erhielten mehr Beschwerden über die Lautstärke im Gottesdienst als je zuvor. Natürlich haben wir eine klare Vorstellung davon, wie laut es in unserem Gottesdienst sein darf. Das ist nicht ins Belieben des jeweiligen Mischpult-Mitarbeiters gestellt. Mit der Tatsache, dass irgendjemand sich immer beschweren wird, kann ich als technischer Gesamtleiter gut leben. Beim Thema ›Lautstärke‹ kann man es ohnehin nie allen recht machen. Das hat nichts mit Gleichgültigkeit gegenüber denjenigen zu tun, die sich beschweren. Gerade deshalb ist es aber wichtig zu wissen, wie man mit diesen Beschwerden sinnvoll umgeht und darauf reagiert. Was also tun? In der Regel beschweren sich die Gottesdienstbesucher nicht direkt bei mir als technischem Gesamtleiter, sondern bei Gemeindeleitern, beim Mischpult-Techniker oder irgendjemandem, der am Gottesdienst beteiligt war. Wenn mir eine Klage weitergeleitet wird (selbstverständlich nehmen unsere Mitarbeiter die Kontaktdaten dieser Personen auf), bestätige ich – wenn irgend möglich innerhalb von 24 Stunden – per E-Mail, dass die Kritik bei mir angekommen ist. Ich erkläre, dass ich gern zum Gespräch bereit bin und bitte die betreffende Person um einen Terminvorschlag. Dann warte ich ab.

Meine rasche Reaktion macht dem anderen deutlich, dass die Beschwerde gehört und ernst genommen wird. Jetzt muss der oder die andere reagieren. Normalerweise geschieht das auch. Wir verabreden einen Termin – entweder für ein Telefonat oder ein persönliches Gespräch. Dabei stelle ich dann konkrete Fragen: • WIE LANGE KOMMEN SIE SCHON ZU UNSERER GEMEINDE? • WIE HÄUFIG SIND SIE IM GOTTESDIENST? • HABEN SIE ES NUR AN DIESEM SONNTAG ALS ZU LAUT EMPFUNDEN ODER AN JEDEM SONNTAG? • WO SITZEN SIE NORMALERWEISE IN UNSEREM SAAL? • MERKEN SIE VERÄNDERUNGEN IN DER LAUTSTÄRKE, ABHÄNGIG VOM JEWEILIGEN LOBPREIS-LEITER ODER LOBPREISSTIL? Sind diese Fragen beantwortet, erläutere ich dem Betreffenden, wo man in unserem Saal am besten sitzt, wenn man empfindlich auf Lautstärke reagiert. Ich erkläre, dass wir genau Buch führen über die DezibelZahlen und wissen, dass wir mit unserer Aussteuerung keine Hörschäden verursachen. Außerdem gebe ich eine kurze Einführung über unsere ›Lautstärkephilosophie‹ im Gottesdienst. Sie hat mit der ›Energie‹ im Raum zu tun, die nötig ist für einen Saal wie unseren. Auch dass die große Mehrheit der Besucher ein intensives Musikerlebnis wünscht – unabhängig davon, ob es sich um rockige oder getragene Musik handelt. Ich mache deutlich, dass wir zu jeder Zeit des Gottesdienstes die Lautstärke im Blick haben und versuchen, die richtige Balance zu finden.

In neun von zehn Fällen laufen diese Gespräche gut und meine Gesprächspartner fühlen sich ernst genommen und zeigen Verständnis. Früher haben wir denjenigen, die unzufrieden mit der Lautstärke waren, der Einfachheit halber nur eine erläuternde E-Mail geschickt – zusammen mit einer allgemeinverständlichen Dokumentation, aus der hervorging, dass wir uns im sicheren akustischen Rahmen bewegten. Diese Praxis ging aber am eigentlichen Problem vorbei: Die Menschen wollten persönlich wahrgenommen und gehört werden. Klar: Die Aussicht auf ein möglicherweise unangenehmes Telefonat oder Gespräch begeistert mich nicht. Im Grunde telefoniere ich überhaupt nur sehr ungern. Aber in all den Jahren, in denen ich jetzt diese Art von (Telefon)-Gesprächen führe, habe ich nicht eine einzige negative Erfahrung gemacht. Im Gegenteil: Der offene und klare Umgang mit einem sensiblen Thema hat vielfach dazu geführt, dass ein gutes Verhältnis zu einem Menschen entstanden ist, der zunächst unzufrieden war. Letztlich gehört der Umgang mit Beschwerden zu den Aufgaben eines Leitenden. Sich diesen zu stellen, ist Teil des Dienstes und ein Weg, Menschen in der Gemeinde zu dienen. TODD ELLIOTT ist bei den Gottesdiensten der Willow Creek-Gemeinde ›Technnical Director‹. Auch bei zahlreichen Willow-Kongressen in Deutschland hat er diese Aufgabe ausgeübt. www.toddelliott.net

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HALBNACKTER PREDIGER IN DER UMKLEIDE WIE DER EX-FOOTBALLPROFI DERWIN GRAY GOTT ENTDECKTE

Ich bin in San Antonio, Texas, aufgewachsen, und natürlich glaubte ich an einen Gott – Football. Dieser Sport war meine Fahrkarte heraus aus einem Leben, das von klein auf bestimmt war von Gewalt, Sucht, Missbrauch und Chaos. Aufgewachsen bin ich bei meiner Oma. Denn als ich geboren wurde, waren meine Eltern selbst noch halbe Kinder. Sie konnten sich nicht um mich kümmern, obwohl sie es wollten, da sie selbst in ihrem Leben schon zu viel Negatives erlebt hatten. Meine Oma gehörte zu den Zeugen Jehovas. Ich lernte die Religion ein wenig kennen. Aber nach einer Weile spielte auch sie keine Rolle mehr für mich. Wir waren sehr arm. Es gab keine gemeinsamen Mahlzeiten, keine Familiengebete. Trotzdem erlebte ich schöne Momente: Wenn wir zum Angeln gingen oder wenn mein Großvater abends nach der Arbeit nach Hause kam. Als ich 13 war, sagte ich zu meiner Großmutter – nach einem gründlichen Blick auf mein Leben und mein Umfeld: »Ich werde etwas aus meinem Leben machen.« Der Weg, der mich aus der Hölle führen sollte, in der ich lebte, hieß Football. Der Football sollte mir dazu helfen, dass ich den amerikanischen Traum leben konnte. Und Football wurde zu meinem Retter. Er gab mir Liebe: Wenn ich gut spielte, liebten mich die Fans. Er gab mir eine Identität: Ich war Derwin, der Footballspieler. Er gab mir eine Bedeutung: Ich war jemand, weil ich genial spielte. Und Football gab mir einen Auftrag, und der lautete: Derwin, du kannst es aufs College schaffen und etwas aus deinem Leben machen.

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Mit Jesus wollte ich auch nichts zu tun haben, geschweige denn mit einem halbnackten Mann, der über ihn sprach, Steve Grant. Also versuchte ich ihm aus dem Weg zu gehen. Einmal kam er nach dem Training in der Umkleide auf mich zu. »Rookie D. Gray, kennst du Jesus?« fragte er. Ich tat so, als hätte ich ihn nicht bemerkt. Er wiederholte die Frage, aber diesmal stand er dabei direkt vor mir. Ich war kein Kirchgänger und gehörte auch keiner religiösen Gruppe an, aber ich gab eine Antwort, die ich für relativ fromm hielt: »Ich bin ein guter Mensch.«

AY I N GR DE R W c h e r b e i m re i s t Sp P LU SND J U G E S S 2 01 5 E R KO N G

FLUCHT VOR DEM NACKTEN PREDIGER Ab meinem zweiten Jahr in der High School in einem Vorort von San Antonio tat ich genau das. Dort spielte ich für den legendären Trainer D.W. Rutledge. Dann bekam ich ein Stipendium für die Brigham Young University (BYU) – die Universität der Mormonen. Das muss man sich mal vorstellen: Ein farbiger Junge aus der Unterschicht, dessen Erfahrungen mit Religion und Glaube von den Zeugen Jehovas geprägt wurden (und dessen Gott Football hieß), besucht eine Universität der Mormonen! Alles lief gut. 1990, in meinem ersten Jahr an der BYU, lernte ich ein wunderschönes Mädchen kennen. Vicki Ensign gehörte zum Leichtathletikteam der Uni und war eine phantastische Speerwerferin. Wir verliebten uns und heirateten im Jahr darauf, meinem Abschlussjahr. Meine eigene Hochzeit war die erste, die ich überhaupt miterlebte. An der Brigham Young wurde Football zu meinem Gott. Ich machte Karriere und wurde sogar ins ›All Time Dream Team‹ gewählt. Ich war beliebt. Ich hatte meine Traumfrau gefunden. Ich machte etwas aus meinem Leben. Im April 1993 kam ich bei den Indianapolis Colts auf die Position des ›Strong Safety‹, das ist sozusagen der erste Verteidiger der Mannschaft. Ich hatte es geschafft! Und dann traf ich 1993 den ›Nackten Prediger‹, einen Linebacker der Colts. Der Spieler schlang sich nach dem Duschen immer ein Handtuch um die Hüften, nahm seine Bibel und fragte die Spieler: »Wisst ihr, wer Jesus ist?« Man hätte dann am liebsten zurückgefragt: »Weißt du, dass du halbnackt bist?« Ich fragte einige aus der Mannschaft, was das sollte, und sie sagten: »Beachte ihn einfach nicht! Das ist der Nackte Prediger.«

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Ich erzählte ihm, dass ich der einzige in meiner Familie bin, der noch nicht im Gefängnis war, der kein Alkoholoder Drogenproblem hat, der High School und College abgeschlossen und kein uneheliches Kind gezeugt hat. Der Nackte Prediger schlug seine Bibel auf und las mir zwei Verse vor: »Und Jesus sagte zu ihm: ›Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott‹«(Markus 10,18); und: »Denn darin sind die Menschen gleich: Alle sind Sünder und haben nichts aufzuweisen, was Gott gefallen könnte« (Römer 3,23). Steve erklärte mir, dass nach der Bibel nur Gott gut ist; er ist der Maßstab für Güte und Gerechtigkeit. Jeder Mensch ist demgegenüber ein Sünder und hat nichts vorzuweisen. Ich war verstört. Und sagte: »Nackter Mann, willst du damit sagen, dass Gott der Maßstab für moralisches Handeln sein soll und nicht andere Menschen?« Seine Antwort: »Genau.« »Gott ist perfekt! Was kann ich tun um perfekt zu werden?« »Nichts.« »Dann habe ich ein Problem.« »Rookie D. Gray«, sagte er dann, »jetzt fängst du an zu begreifen. Du kannst nichts tun, um einem perfekten Gott zu gefallen oder seinen Standard zu erreichen. Aber Jesus hat alles getan, damit er dich erreichen kann.« Was sollte ich dazu sagen? Mir fiel nichts ein. Ich brauchte Zeit, um über das nachzudenken, was er gesagt hatte und was das in meinem Herzen auslöste.

DIE GROSSE LEERE In den nächsten fünf Jahren konnte ich sehen, wie Steve seinen Glauben lebte. Wenn einer aus der Mannschaft Rat und Hilfe brauchte, war er die erste Adresse an die man sich wandte. Er war ein vorbildlicher Ehemann und Familienvater und predigte nicht nur mit Worten, sondern auch mit seinem Leben. Als der Nackte Prediger predigte, leistete Gottes Liebe in meinem Herzen ganze Arbeit. Ich lebte den amerikanischen Traum, nur um dann zu erkennen, dass er mir nicht die Kraft gab, um meine Frau zu lieben oder meinem Vater zu vergeben. Mein Ruhm und mein Geld konnten Sünde, Scham, Schuld, Angst und Unsicherheit nicht auslöschen. Zwischen 1995 und 1997 hatte ich immer wieder gesundheitliche Probleme. Für einen Profisportler bedeutet das, dass seine Karriere dem Ende entgegengeht. Ich gab meinen Gott – Football – auf, denn ich konnte ihm nicht länger dienen.


Mein Körper war mein Kapital. Als er versagte, hatte ich nichts mehr, obwohl ich doch eigentlich alles besaß, was man sich nur wünschen konnte. Am 2. August 1997 bereitete sich die Mannschaft in einem Trainingscamp auf die neue Saison vor, meine fünfte bei den Indianapolis Colts. Nach dem Mittagessen, auf dem Weg zu meinem Zimmer, empfand ich eine Leere und Erschütterung wie noch niemals zuvor in meinem Leben. Ich rief meine Frau an und sagte: »Ich möchte eine tiefere Beziehung zu dir. Und ich möchte eine Beziehung zu Jesus.« In diesem Moment wurde mir klar, dass Gott mich liebt. Nicht weil ich schnell laufen oder hoch springen kann, nicht weil ich ein guter Mensch bin oder ihm etwas anzubieten hätte. Ich verstand, was das Kreuz bedeutet: Ich bin geliebt und angenommen. Das Blut Jesu hat meine Sünde weggewaschen. Ich hatte das Gefühl, zum ersten Mal wirklich zu sehen. An diesem Tag erwischte mich der Virus namens Gnade, und inzwischen hat er seine Symptome voll entfaltet.

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DIE GESCHICHTE GEHT WEITER Im Herbst 1999, nach meiner sechsten Saison, zog ich mich aus der National Football League (NFL) zurück. Bei Jugendtreffen und in Gemeinden sprach ich über Gottes Liebe. Das allein ist schon ein Wunder, nicht nur wegen meines familiären und sozialen Hintergrunds, sondern auch wegen eines schweren Sprachfehlers, den ich als Kind hatte: Ich stotterte. Aber meine Frau und ich wussten uns von Jesus geliebt. Und wenn er mein Leben verändern kann, dann kann er jedes Leben verändern. Ganz langsam wuchs in mir auch eine Liebe zur Gemeinde Christi. Meine Frau und ich fühlten den Ruf, eine Gemeinde zu gründen, die die Vielfalt der Menschen und die im Neuen Testament beschriebenen Gemeinden spiegelt. Im Februar 2010 gründeten wir in Indian Land, South Carolina, gemeinsam mit anderen begeisterten und von Gottes Liebe erfüllten Menschen die ›Transformation Church‹, eine multi-ethnische, missionale Gemeinde, die offen ist für alle Generationen. ›LifeWay Research‹ und das ›Outreach Magazine‹ zählten uns in den Jahren 2010, 2011 und 2012 zu den am schnellsten wachsenden Gemeinden der USA. Das ist meine Geschichte mit der Gnade Gottes. Bis hierher. Denn Jesus schreibt immer noch weiter daran.

 DERWIN GRAY ist Pastor der Transformation Church, eine multi-ethnische Gemeinde, der es gelungen ist, viele Generationen zu einer Einheit zusammenzuführen. Der Schwerpunkt der Gemeinde liegt darauf, Menschen zu erreichen, die dem Glauben nichts abgewinnen können. Derwin Football ist Sprecher beim Jugendplus-Kongress 2015 in Erfurt. Der Artikel erschien zuvor in ›Christianity Today‹. Übersetzung: Antje Gerner. www.transformationchurch.tc

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KONGRESSBOTSCHAFTER GESUCHT WEITERE SPRECHER IN ERFURT Das breite Sprecher-Spektrum des Erfurter Kongresses wurde noch einmal erweitert. Mit dabei ist nun auch LUKAS AUGUSTIN, Multimedia Producer aus Berlin. Er lebte zwei Jahre in Afghanistan und produzierte den Kurzfilm ›Afghanistan - Touch Down in Flight‹. Dafür erhielt er den ›CNN Journalist Award‹. Seine neue Doku beschäftigt sich mit der Versöhnung zwischen Opfern und Tätern des Bürgerkriegs in Ruanda. Beim Kongress wird er darüber sprechen, wie junge Leitende mit Mut und Gottvertrauen Dinge erreichen, die ihnen oft unmöglich erscheinen. Zur Sprecherschar gehört auch EVI RODEMANN, Leiterin des multikulturellen europäischen Jugendkongresses ›Mission-Net‹. Die erfahrene Leiterin wird in Erfurt aufzeigen, wie Heranwachsende ihre Lebensberufung entdecken und zielsicher entfalten können.

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Für den JUGENDPLUS-KONGRESS 2015 in Erfurt möchte Willow Creek Deutschland 700 ›KONGRESS-BOTSCHAFTER‹ gewinnen. Diese Botschafter sollen im Vorfeld des Kongresses strategische Partner in Kirchen und Gemeinden vor Ort sein. Sie weisen in ihrem Umfeld auf die Veranstaltung hin und helfen mit, dass viele Jugendgruppen und Teams von dem Event erfahren, daran teilnehmen – und letztendlich profitieren.

Ausgestattet wird jeder Botschafter mit einem kostenlosen Botschafter-Paket. Darin enthalten sind: • Kongress-T-Shirt • USB-Karte mit Video des Jefferson-Bethke-Vortrags vom Jugendplus-Kongress 2013 • Stundenentwurf zum Bethke-Vortrag • Kongress-Trailer

Direkt auf dem Gelände der Erfurter Messe können Teilnehmende des Kongresses in einer Massenunterkunft günstig JETZT übernachten: für € 25,– pro Person für zwei Übernachtungen. Das Quartier kann bei der Kongressanmeldung gebucht werden.

BUSREISE AUS DER SCHWEIZ Teilnehmer aus der Schweiz können per Bus zum Erfurter Kongress anreisen: Abfahrt: 20. März, 7.00 Uhr aus Thun; Ankunft: ca. 16.00 Uhr. Rückfahrt: 22. März, 13:30 Uhr von Erfurt/Messe nach Thun. In der Schweiz sind diverse Zwischenstopps geplant. Reisebus mit WC, Bordküche, DVD, CD u. Schlafsitzen. Preis: CHF 100,- pro Person. Anmeldung: info@willowcreek.ch

• Grafiken + Powerpoint-Folien • Flyer + Mini-Poster

Als Dankeschön werden alle Botschafter zu einem exklusiven Meet & Greet mit Kongress-Sprechern in Erfurt eingeladen. 350 Botschafter sind bereits an Bord! Wer sich auch als Botschafter für den Kongress engagieren möchte, kann das Botschafter-Paket hier anfordern: WWW.JUGENDPLUS-KONGRESS.DE 26

KONGRESSE

JPK IMMER AKTUELL Verfolge unsere Beiträge zum Kongress und füge deine hinzu:

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INFO- & TRAININGSABENDE In verschiedenen Regionen bietet Willow Creek Deutschland Info- und Trainingsabende an, um Willow in Jugendgruppen vorzustellen, die die Zielsetzung der Arbeit noch nicht kennen. Teil dieser Abende ist eine Schulung zum Thema: »Wie Jugendliche geistlich erwachsen werden«. Daneben informieren wir auch über den Jugendplus-Kongress 2015.

Jetzt erhältlich! Das neue Buch von Mark Hitchcock

In folgenden Städten finden diese kostenfreien Trainingsabende statt: 09.09. \ Itzehoe \ Christuszentrum \ 19:30 Uhr 15.09. \ Minden \ Landeskirchl. Gemeinschaft \ 19 Uhr 22.09. \ Chemnitz \ Jugendkirche St. Johannis \ 19 Uhr

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23.09. \ Cochem \ youcom Jugendgemeinde \ 19 Uhr 25.09. \ Butzbach \ Stadtmission \ 19 Uhr 10.10. \ Karlsruhe \ ICF Karlsruhe \ 19 Uhr 14.10. \ Bornheim \ Ev. Freik. Gemeinde \ 19:30 Uhr 17.10. \ Celle \ Ev. Freik. Gemeinde \ 19 Uhr 23.10. \ Murr \ Ev. Jugendwerk Marbach \ 19 Uhr 24.10. \ Schnaittach \ Ev. Christuskirche \ 19:30 Uhr 03.11. \ Herne \ Lighthouse \ 19 Uhr 05.11. \ Jüchen \ Kirche Kelzenberg \ 19:30 Uhr 00.11. \ Kassel - Termin noch offen

Anmeldung: WWW.JUGENDPLUS-KONGRESS.DE

55 Antworten auf Fragen zum Leben nach dem Tod

Itzehoe

Celle Minden

Herne

Kassel

Chemnitz

Jüchen Bornheim

Butzbach

Cochem

Karlsruhe

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Gibt es Tiere im Himmel? Das ist eine gute Frage. Und so gibt es viele andere, die die Menschen bewegen, wie: Wissen die Bewohner des Himmels, was auf der Erde los ist? Oder: Können Selbstmörder in den Himmel kommen? Dieses Buch gibt Antwort auf diese und über 50 andere brennende Fragen zum Leben nach dem Tod. Und wenn Sie diesem Thema lieber aus dem Weg gehen würden, so wird der Tod Ihnen nicht aus dem Weg gehen. Darum, schiessen Sie los! Stellen Sie die schweren Fragen. Hier erhalten Sie die Antworten, die Sie brauchen, auch auf Fragen, die Sie womöglich gar nicht zu stellen wagen – auf den Punkt gebracht, verständlich und informativ. Gebunden, 240 Seiten Bestell-Nr. 180022, EUR 11.50

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Mit Profiwissen unterwegs.

KONZENTRATION vs. ZEITVERTREIB Winterpause AMUNDSEN: Er verbrachte den dreimonatigen Antarktischen Winter mit der Verfeinerung seiner Ausrüstung: Skier glätten, Felle ausbessern, Gewicht der Traglast reduzieren, uvm. Sein Fokus lag auf dem    gesamten Weg, nicht auf dem schnel    len Erfolg einer Teilstrecke.

WAS UNS DIE SÜDPOL-EXPEDITION LEHRT.

SCOTT: Seine Auftraggeber erwarteten von ihm die Lieferung wissenschaftlicher Ergebnisse. Darum verbrachte sein Team den Winter mit DIA-Vorträgen, Gesprächsrunden und einem vollen Programm. Ihr Ziel bestand nur in der Entdeckung des Südpols. Der Weg dorthin und zurück verlor an Bedeutung.

Der Wettlauf zum Südpol ist eine der spannendsten Expeditions-Geschichten des 20. Jahrhunderts. Der Brite ROBERT FALCON SCOTT und der Norweger ROALD AMUNDSEN sind als Kontrahenten angetreten, um als erste Menschen den Südpol zu entdecken. Obwohl beide fast gleichzeitig gestartet sind, erreichte das Team Amundsen den Pol knapp vier Wochen vor dem Team Scott. Tragischerweise gingen Scotts Team auf der Rückreise die Vorräte aus, was zur Folge hatte, dass die gesamte Crew auf der Strecke blieb. Die Entscheidungen, die wir fällen und die Taktiken, nach denen wir vorgehen, bestimmen den Erfolg unserer Unternehmung. Auch Gemeinden und Jugendgruppen stehen vor Herausforderungen, die von den Leitenden Weisheit, Geduld, Mut und Disziplin verlangen, um ›erfolgreich‹ zum Ziel zu gelangen. Im Nachhinein ist es leicht, die weisen und unweisen Entscheidungen zu identifizieren. Aber gerade aus der Nachbetrachtung können wir vieles für unsere Herausforderungen lernen.

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PROFESSOR GR APH

DISZIPLIN vs. BAUCHGEFÜHL Marschphilosophie AMUNDSEN: Er nahm sich vor, jeden Tag 30 km zurückzulegen – egal ob gutes oder schlechtes Wetter. Durch eiserne Disziplin konnte sein Team so die Kräfte einteilen und überforderte sich nicht. Auch wenn die Männer manchmal gern im Zelt geblieben wären – oder deutlich mehr geschafft hätten.

SCOTT: Er war durch seine Transportmittelwahl sehr vorbestimmt. Sein Team ließ sich immer wieder vom schlechten Wetter ausbremsen, so dass sie manchmal noch nicht einmal die Zelte verließen. Die verlorene Wegstrecke versuchten sie bei gutem Wetter wieder wett zu machen – womit sie erst ihre Pony und später sich selbst überforderten.


VORSICHT vs. KALKÜL Ressourcenplanung AMUNDSEN: Beide berechneten im Vorwege die benötigten Vorräte. Amundsen verdreifachte jedoch die errechnete Menge – für den Extremfall einer ungeplanten längeren Verweildauer im Lager. Zusätzlich stellte er im Umkreis von 1 km wegweisende Fahnen auf, damit er die Lager im Falle eines Schneesturmes auf dem Rückweg nicht verfehlen würde.

SCOTT: Auch er legte im Sommer Versorgungslager an, weil es keinen Sinn macht, die gesamte Last mit einer Schlittenladung mitzunehmen. Scott bemaß seine Lager jedoch sehr knapp. Nachdem sie stark in Verzug geraten waren, gingen ihnen auf dem Rückweg die Vorräte aus.

ERFAHRUNG vs. IDEALISMUS Transporttechnik AMUNDSEN: Er hatte aus früheren Expeditionen und von den Inuit Nordamerikas gelernt und setzte darum einzig und allein auf Hundeschlitten. Er wusste wie stark Hunde im Rudel sind, zudem sahen seine Pläne vor, einen Teil der Hunde zu schlachten und so Proviant und Hundefutter zu sparen.

SCOTT: Indem er auf unsichere Transportmittel setzte nahm er das Risiko in Kauf, Proviant und Ausrüstung selbst ziehen zu müssen. Genau der Fall trat ein: Den bis dahin unzureichend getesteten Kettenfahrzeugen platzten bereits nach 4 Tagen die Motorblöcke und die Ponys waren nicht für die Kälte geschaffen, sodass sie schon vor Erreichen der halben Wegstrecke starben.

Quelle: Vortrag von Jim Collins ›Leiten in Zeiten der Ungewissheit‹, Willow-Leitungskongress 2014.

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WIE WIR ERWACHSEN WERDEN HENRY CLOUD: WARUM ES NÖTIG IST, DASS MENSCHEN SICH VON DER EINENGENDEN AUTORITÄT ANDERER BEFREIEN

TAGES KONF EREN Z

GESUN GREN DE SETZEZEINNFO NS. 35 S:

HENRY CLOUD (r.) ist seit vielen Jahren ein enger Freund, Seelsorger und Berater von Bill Hybels. »Ohne die enge Beziehung zu ihm hätte ich die extremen Anforderungen an mich als Leitungsperson unmöglich geschafft«, sagt Hybels über Cloud.

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GÜNS TIGE G EBÜH R BIS

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Wir werden alle als Kinder unter die Autorität von Eltern geboren. Mit der Zeit sollen wir selbst erwachsen werden und unser Leben in die Hand nehmen. Diese Aufgabe ist nicht einfach. Einige von uns bewältigen sie nie. Wir versuchen, von der untergeordneten Position eines Kindes aus als Erwachsene zu leben. Menschen, die Schwierigkeiten haben, ihr Leben in die Hand zu nehmen, können oft nicht unabhängig von der Billigung anderer handeln. Sie suchen stets nach Anerkennung von »jemand anderem von Bedeutung«, sei es ihr Chef, Ehepartner, Freund, Pastor oder Mitarbeiter. Diese Art von Anerkennung unterscheidet sich von der normalen Bestätigung, die wir alle für unsere Arbeit brauchen. Das Streben nach Anerkennung wird dann problematisch, wenn die Menschen kein gutes Gefühl für sich und ihre Arbeit haben, ehe ihnen eine Autoritätsperson dafür ein Lob ausstellt. Wenn diese Person sie lobt, ändert sich ihr ganzes Selbstverständnis. Die Meinung anderer hat ein zu großes Gewicht, ja die Rolle eines Richters oder der Eltern eingenommen. Es ist ein notweniger Schritt, diese Autorität von anderen abzustreifen. Thomas Merton schreibt: »Ich kann keine guten Entscheidungen treffen, ehe ich nicht ein reifes und kluges Gewissen habe, das mir genau meine Motive, Absichten und meine moralischen Taten erklärt. Hier muss das Wort ›reif‹ betont werden. Ein Kleinkind, das noch keinerlei Gewissen hat, wird durch die Haltung von jemand anderem zu seinen ‚Entscheidungen’ veranlasst. Ein unreifes Gewissen gründet seine Urteile zum Teil oder sogar ganz auf die Weise, wie andere Menschen sich zu seinen Entscheidungen verhalten. Selbst wenn das unreife Gewissen nicht ganz von einem anderen Menschen beherrscht wird, so handelt es doch immer nur als Stellvertreter eines anderen Gewissens. Das unreife Gewissen ist nicht sein eigener Herr.« In den folgenden Abschnitten nenne ich darum einige Dinge, die Sie brauchen, um unter Gottes Herrschaft Ihr eigener Herr, ein reifer Erwachsener zu werden.

DENKEN SIE NEU ÜBER IHRE ÜBERZEUGUNGEN NACH! Wir müssen neu über das nachdenken, was wir glauben. Die Zeit eines »ererbten Glaubens« ist vorbei; jetzt ist Zeit für einen erwachsenen Glauben. Wir müssen betrachten, warum wir das denken, was wir denken, und das glauben, was wir glauben. Ist das so, weil wir es wirklich glauben oder


weil jemand anderes es wünscht? Wir müssen erkennen, was Glaube an eine ›Satzung‹ ist – und was im Gegensatz dazu eine wirkliche Überzeugung des Herzens von Gott, seinem Wort und aus eigener Erfahrung. Diese Zeit des Fragens kann eine Zeit lang dauern. Aber so entwickeln wir eigenständige Überzeugungen.

WIDERSPRECHEN SIE AUTORITÄTSPERSONEN! Seien Sie ehrlich, wenn Sie mit anderen nicht übereinstimmen. Die meisten von uns haben Meinungsverschiedenheiten mit Autoritätspersonen, aber sie fürchten sich, vor sich selbst zuzugeben, wie sehr sie auseinander liegen. Und sie fürchten sich, ihren Widerspruch in Worte zu fassen. Wenn Sie einer Gruppe angehören, in der Sie

»ERWACHSENE HABEN DIE FREIHEIT, IHRE EIGENEN WERTE UND ÜBERZEUGUNGEN ZU WÄHLEN.« keine unterschiedlichen Meinungen in Spannungsfeldern haben dürfen, ist das sehr bedenklich. Erlauben Sie sich die Freiheit der Gedanken, und nennen Sie sich nicht selbst ›schlecht‹ für Ihre Meinungen! Niemand hat immer recht, und wir alle gehen durch Phasen, in denen wir unser Denken über ein Thema ändern. Sprechen Sie Ihre Meinungen aus und hören Sie auch auf Kritik. Vielleicht hilft es Ihnen, Ihre Sicht zu schärfen, wenn Sie Ihre Meinung aussprechen; oder Sie helfen vielleicht anderen, ihre Sicht zu schärfen. Meinungsverschiedenheiten sind gesund, und »Eisen wird durch Eisen geschärft«.

BETRACHTEN SIE IHRE ELTERN UND AUTORITÄTSPERSONEN REALISTISCH! Stoßen Sie Ihre Eltern und andere Autoritätspersonen von dem Sockel, auf den Sie sie gesetzt haben. Sehen Sie ihre Schwächen und ihre Stärken. Untersuchen Sie, wo Sie nicht mit dem übereinstimmen, was sie denken und glauben. Bekennen Sie die Sünden Ihrer Väter und vergeben Sie ihnen dann! Wenn Sie Ihre Eltern idealisieren, erklären Sie sich auch mit ihren Fehlern einverstanden und werden vielleicht wie sie. Widersprechen Sie schlechten Vorbildern, nennen Sie sie sündig, und unterscheiden Sie sich von den Generationen vor Ihnen!

Denken Sie auch an die geistlichen ›Helden‹ in der Bibel und ihre Fehltritte, wie sie z.B. der Hebräerbrief betont. Sie alle waren Menschen wie wir auch.

PRAKTIZIEREN SIE WIDERSPRUCH! Wenn Sie mit diesen Problemen kämpfen, gibt es in Ihrem Leben wahrscheinlich keinen Mangel an Vormündern. Sie haben viele Möglichkeiten, das zu praktizieren, was Sie als Heranwachsender nicht konnten: zu widersprechen und das nicht zu tun, was ein selbst ernannter menschlicher Gott Ihnen sagt. Machen Sie es sich bewusst, wenn Sie jemand bevormundet, und sagen Sie, was Sie denken. Sie müssen nicht herabsetzend sein oder aggressiv. Sagen Sie einfach: »Ich kenne nun deinen Standpunkt, aber ich sehe das anders. Ich denke …« Das ist ein normales Gespräch, auch wenn es Ihnen respektlos oder herabsetzend zu sein scheint, wenn sie es vorher nie versucht haben. Lernen Sie, mit denen auf gleiche Höhe zu kommen, die sich als Götter in Ihrem Leben eingesetzt haben, oder denen Sie diese erhöhte Stellung gegeben haben!

STELLEN SIE SICH IHRER SEXUALITÄT! Wenn Sie beim Sex prüde oder verlegen sind, schauen Ihre Eltern vielleicht noch mit gerümpfter Nase auf Ihre Sexualität herab, oder das ist zumindest Ihr Empfinden. Arbeiten Sie daran, sich neu die Schönheit der Sexualität beizubringen; desensibilisieren Sie sich gegenüber der ›Nein-nein‹-Haltung, die Sie darüber haben. Wenn Sie sich schämen, betrachten Sie Sex vielleicht immer noch von einem Standpunkt der Präadoleszenz aus. Wenn Sie Ihre Gefühle verdrängen, hindern Sie vielleicht auch andere Fähigkeiten eines Erwachsenen an Ihrer Entwicklung. Alle diese Fähigkeiten beeinflussen einander, und wenn Sie Ihrer Meinungen nicht mehr verdrängen, werden Sie auch Ihre Sexualität und Kreativität nicht mehr verdrängen.

LERNEN SIE UNBEKANNTES ZU SCHÄTZEN! Ein Kennzeichen von Menschen mit Problemen mit Autorität ist ihre Unfähigkeit, Geheimnisse und Unbekanntes zu akzeptieren. Sie brauchen auf alles eine Antwort, und alles muss in sauberen kleinen Häppchen serviert werden. Jesus versuchte immer wieder, die Pharisäer von dieser Strenge abzubringen. Gott ist in vielerlei Weise ›unermesslich‹. Lernen Sie die Dinge zu schätzen, die Sie nicht herausfinden können, und lassen Sie sie ruhen! Beten Sie sein Geheimnis an. Kommen Sie aus der ›SchwarzWeiß‹ und ›Wir-wissen-auf-alles-eine-Antwort‹Mentaltität heraus, die Gott in ein System zwängt! Er ist so viel größer als das.

ERKENNEN SIE DIE PRIVILEGIEN EINES ERWACHSENEN! Wenn jemand erkennt, wie viel Freiheit die Stellung als Kind kostet – nämlich die Freiheit, sich so zu entwickeln, wie Gott es will, ohne dafür die Genehmigung durch andere Erwachsene zu brauchen –, dann sieht die untergeordnete Position schnell wie ein Gefängnis aus. Es ist sicher, in der Position eines Kindes zu bleiben, weil andere für einen denken. Sie müssen nur Ihre Selbstachtung aufgeben. Erwachsene haben die Freiheit, ihre eigenen Werte und Überzeugungen zu wählen, eine eigene Beziehung zu Gott aufzubauen, sich ihren eigenen Geschmack, eigene Freunde und eine eigene Gemeinde zu suchen. Sie können auch von Gott gegebene Seiten von sich ausdrücken, wie Gefühle und Sexualität, und das ohne Hemmungen und Furcht oder eine Erlaubnis von jemand anderem. Sie können sie selbst sein. Wie Paulus sagt, besitzt das Kind alles – aber hat nicht die Freiheit, es zu benutzen (Galater 4,1). Erwachsene haben sie.

DR. HENRY CLOUD ist Psychotherapeut, Theologe und Autor zahlreicher Bücher. Er gehört zu den regelmäßigen Gast-Predigern in der Willow

LERNEN SIE LEUTE ZU SCHÄTZEN, DIE ANDERS SIND! Menschen halten andere oft für nicht so gut, weil sie immer noch versuchen, das bessere Kind zu sein. Wenn Sie Menschen schätzen können, die anders sind als Sie, dann haben Sie die geschwisterliche Rivalität aufgegeben – den Kampf in der Kindheit, das bessere Kind zu sein und die Anerkennung der Eltern zu bekommen – und begonnen, eine Position auf Augenhöhe mit Ihren Mitmenschen einzunehmen.

Creek-Gemeinde in Chicago. Entnommen aus »Vier Schritte in eine gesunde Zukunft – Heilung von seelischen Schmerzen«, Verlag SCM Hänssler. www.drcloud.com

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Jesus war für seine Zeitgenossen tatsächlich ein Mann der Skandale: „Sohn der Maria“ – das bedeutete unehelicher Bastard. Junggeselle bleiben – ein No-Go für einen jüdischen Mann. Sein Schüler- und Freundeskreis – eines Rabbis unwürdig. Und dann sprach und lehrte er auch noch über unangenehme Themen. Der Autor, Experte für das Neue Testament und das antike Judentum, stellt den ungeheuerlichen Mann aus Nazareth, der seine Zeitgenossen bewusst schockierte, auf eine neue Weise vor.

Jeder von uns kennt schwierige Menschen, denen man am liebsten aus dem Weg gehen würde. Meist kann man es aber nicht! Diese Leute machen uns das Leben schwer. Wo sie sind, gibt es mittelfristig Ärger und Probleme. Oft merken sie selber nicht, was sie durch ihr Verhalten auslösen. Der Bestsellerautor und Beziehungsexperte Dr. John Townsend bietet in diesem Buch eine Fülle an Antworten und Einsichten, die uns helfen, mit uns selbst und anderen auf eine neue Art umzugehen.

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DU SCHENKST MIR FLÜGEL HENRI NOUWEN

WARUM ICH NICHT MEHR GLAUBE TOBIAS FAIX, MARTIN HOFMANN, TOBIAS KÜNKLER

Wir können schmerzhaften Erfahrungen, Krankheit, dem Verlust eines geliebten Menschen und dem eigenen Versagen nicht ausweichen. Doch es hängt viel davon ab, dass wir lernen, damit umzugehen – damit wir nicht verzweifeln und verbittern, sondern uns dem Leben stellen. Henri Nouwen weiß sich getragen von seinem christlichen Glauben, er ist sich sicher, dass mitten im Leid Türen zu einem anderen Leben offen stehen. Ein Buch gegen die Verzweiflung und die Angst. Ein Buch voller Trost und Hoffnung.

Wie verliert man seinen Glauben? Warum geht es oft jungen Leuten so? Die Autoren lassen Menschen zu Wort kommen, die sich vom Glauben abgewandt haben, und forschen nach Gründen. Sie stoßen auf Erschütterndes genauso wie auf Unverständliches, auf Herausforderndes wie Bedauernswertes. Auch wenn jeder seine eigene Geschichte hat, lassen sich doch bestimmte Leitmotive ausmachen, die zu einer Abwendung vom Glauben beitragen. Ein erhellendes Buch für Pastoren, Jugendleiter etc.

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BUCHAUSZUG

DALLAS WILLARD JÜNGER LEBEN MITTENDRIN Wir kommen aus einer Zeit, in der die beherrschende Theologie rein gar nichts mit Jüngerschaft zu tun hatte. Es ging um den wahren Glauben, um einen Gott, der darauf achtet, dass Menschen nicht in die falsche Richtung abirren, sondern auf den rechten Weg finden. Das führte zu der verbreiteten Vorstellung, dass selbst ein Mensch mit dem denkbar schlechtesten Charakter auf dem rechten Weg sein kann – sofern er nur das Richtige glaubt. Diese Trennung ist für die Kirche zu einer immer schwereren Last geworden. Heute fragen sich gar viele, ob es überhaupt einen Unterschied zwischen einem Christen und einem Nicht-Christen gibt. Das hat zum Teil damit zu tun, dass die christliche Lehre unsere Gesellschaft stark geprägt hat. Viele Menschen, die keiner Kirche angehören und die nicht aufgrund einer bewussten Entscheidung Christus nachfolgen, leben letztendlich doch auf halbherzige, kraftlose Weise das, was Jesus lehrte. Wir wissen auch, dass die Welt die Kirche gerne mit dem eigenen Stock der Kirche schlägt und sich in ihrer Kritik auf das beruft, was Jesus selbst lehrte. Wir brauchen eine Veränderung. Diese Veränderung wird Bewegung in unsere Welt bringen, denn der Plan, den Jesus mit seinem Volk von Anfang an hatte, war Weltrevolution. Wenn Sie den Missionsbefehl lesen, fällt Ihnen vielleicht nicht auf, dass es hier um Weltrevolution geht. Vielleicht denken Sie: Hier geht es um das Gründen von Gemeinden (was wichtig sein mag), oder es geht um Evangelisation (was oft angenommen wird) – nein, hier geht es um eine Weltrevolution, die durch Abraham verheißen wurde, durch Jesus gelebt wurde und bis zum heutigen Tag in seinem Volk weiterlebt. Danach hungern unsere Herzen, auch wenn wir nicht wissen, wie wir uns ihr stellen oder sie umsetzen sollen. ERKENNTNIS ÜBER CHRISTUS Während der vergangenen einhundert Jahre ist Folgendes passiert: Die Gesellschaft hat mithilfe ihrer Institutionen Jesu Lehre ganz vorsichtig aus dem Bereich der Erkenntnis herausgelöst und sie der Kategorie Glaube zugeordnet. Dieser Wandel hat dem Glauben seine Kraft genommen, denn Glaube ist eigentlich nicht dazu gedacht, losgelöst von der Erkenntnis zu existieren, wo Erkenntnis möglich ist. Durch die Bibel und durch Gottes Handeln im Laufe der Geschichte ist Erkenntnis möglich – Erkenntnis Gottes und Erkenntnis über das menschliche Leben. Diese Würde muss wiederhergestellt werden. Es gibt den eigentümlichen Begriff des säkularen Wissens. Was ist das? Ist die Realität säkular? Falls die Realität nicht säkular ist, dann wird säkulares Wissen den Bedürfnissen der Menschen ganz und gar nicht gerecht. Wissen, Erkenntnis ist das, was wir in die Welt bringen, was Pastoren oder Gottes Sprachrohre der Welt vermitteln. Sprachrohre Christi sind alle jene Männer und Frauen, die an den verschiedensten Orten für Christus sprechen und Gotteserkenntnis vermitteln. Sie vermitteln Erkenntnisse über die menschliche Seele, ohne die der Welt die Struktur fehlt. Den meisten geht es heute hauptsächlich darum, etwas aus ihrem Leben zu machen und kaum darum, wie man mit den Realitäten Gottes klarkommt, mit seinem Wesen und seinen Absichten mit der Schöpfung und seiner Sendung Christi und dem Kommen des Heiligen Geistes in diese Welt. Sprecher für Christus verfügen über Erkenntnisse, die sonst niemand besitzt. Deshalb sind sie die wichtigsten Menschen

innerhalb einer Gesellschaft, einfach deshalb, weil sie Erkenntnisse über Zeit und Ewigkeit vermitteln. Auf diese Erkenntnisse können Menschen ihr Leben bauen. Es ist traurig, wie in unserer Kultur Glaube bezeugt wird. Man bezeugt seinen Glauben nicht, um Erkenntnis zu vermitteln, sondern um Menschen zu einem bestimmten Handeln zu bewegen. Trennt man Glaube von Erkenntnis, manövriert man sich an einen Punkt, von dem aus man Menschen zu einem bestimmten Handeln überreden will. Man gibt ihnen nicht die Grundlage, von der aus sie entscheiden können, wie sie ihr Leben gestalten können. Das Glaubenszeugnis ist zu einem Instrument geworden, mit dem man Menschen drangsaliert. Aus diesem Grund bezeugen auch so wenige Menschen ihren Glauben. Als junger Mann war ich Pastor einer Baptistengemeinde. Es war mir ein Leichtes, bei den Gemeindegliedern Schuldgefühle zu erzeugen, wenn ich ihnen vorhielt, wie wenig sie ihren Glauben bezeugten. Das war die traurige Wahrheit und ich muss gestehen – meine Sünde. Ich tat es häufig, weil ich der Überzeugung war, dass ich die Menschen nur dann zum Handeln bewegen konnte, wenn ich ihre Gefühle ansprach und nicht, wenn ich ihnen Erkenntnisse vermittelte. Wir wollen die Würde der Sprachrohre Christi wiederherstellen, die auf der Würde der Erkenntnis beruht, die sie überbringen. Wir wollen Menschen dazu befähigen, an die Tradition Christi und seines Volkes anzuknüpfen, die immer schon eine Erkenntnistradition war.

Neufeld Verlag 192 Seiten € 14,90

JÜNGER LEBEN MITTENDRIN DALLAS WILLARD, JOHN ORTBERG Das Buch von Dallas Willard und John Ortberg basiert auf einer Konferenz, die beide gemeinsam bestritten. Es ging um die Herzensangelegenheit der beiden Theologen: Christus nachfolgen. Im Alltag erleben, dass das Reich Gottes bereits Wirklichkeit ist. Und dass Jesus in allen Fragen unser Meister ist.

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ANZEIGEN René Adam Kirchstraße 25 35799 Merenberg Telefon 06471.5094690 adam@willowcreek.de GESTALTUNG gobasil GmbH www.gobasil.com COVER- & EDITORIALFOTOGRAFIE Richard Shusha DRUCK westermann druck GmbH Georg-Westermann-Allee 66 D-38104 Braunschweig ADRESSÄNDERUNG Bitte direkt an Willow Creek Deutschland/Schweiz, Adressen siehe oben WILLOW-PARTNER Für Mitglieder im Willow-Netzwerk ist der Bezug des Magazin in der Mitgliedsgebühr enthalten.


TERMINE

GESUNDE GRENZEN SETZEN

TAGESKONFERENZ MIT HENRY CLOUD 3. Oktober 2014 · 10 – 17 Uhr · Gießen 4. Oktober 2014 · 10 – 17 Uhr · Puschendorf (bei Nürnberg) Im christlichen Umfeld sind viele Menschen bemüht, liebevoll, hilfsbereit und selbstlos zu sein, vergessen dabei aber oft ihre eigenen Grenzen und Begrenzungen. Dies führt häufig zu Überlastung, Unzufriedenheit und Unproduktivität. Deshalb ist die Fähigkeit, klare Grenzen ziehen zu können, entscheidend für einen gesunden, erfolgreichen und ausgewogenen Lebensstil. Dr. Henry Cloud zeigt auf, wie Sie gesunde Grenzen setzen können: in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Gemeinde. Infos & Anmeldung: www.willowcreek.de

MORGENFORUM MIT BILL HYBELS

8. NOVEMBER 2014 · 10 – 13:30 UHR · AARAU / CH Im Morgenforum können Sie Ihre persönlichen und fachlichen Fragen zu Leitungs- und Gemeindethemen an Bill Hybels richten. Er besitzt die besondere Fähigkeit, komplexe Fragen und Themenstellungen aus dem Leitungs- und Gemeindeleben zu analysieren und prägnante, überzeugende Antworten zu vermitteln. Die Veranstaltung wird übersetzt. Infos & Anmeldung: www.willowcreek.ch

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INTENSIV-STUDIENWOCHE IN CHICAGO

1. – 5. DEZEMBER 2014 · WILLOW CREEK-GEMEINDE / CHICAGO Vom 1. bis 5. Dezember 2014 (Anreise 30. Nov.) findet in der Willow-Gemeinde in Chicago eine Intensiv-Studienwoche statt. Das Angebot richtet sich an haupt- und ehrenamtlich leitende Mitarbeitende aus Gemeinden, die Teil des Willow-Netzwerkes sind. Die Teilnehmer treffen in Gesprächsrunden zu Themen aus dem Gemeindealltag mit verschiedenen Leitungspersonen von Willow sowie erfahrenen externen Leitenden zusammen. Die Gruppe ist weltweit auf 75 Personen begrenzt. Eine Übersetzung wird nicht angeboten. Infos & Anmeldung: www.willowcreek.de

STUDIENREISE ZUM LEADERSHIP SUMMIT 2015

1. – 8. AUGUST 2015 · WILLOW CREEK-GEMEINDE / CHICAGO

Willow Creek Deutschland/Schweiz bietet vom 1. – 8. August 2015 (Ankunft in D/CH am 9. Aug.) eine Reise zum Leadership Summit in der Willow-Gemeinde in Chicago an. Der Summit zählt zu den herausragenden Veranstaltungen für Führungsfragen in Kirche und Non-Profit Organisationen. Das Angebot richtet sich sowohl an erfahrene haupt- und ehrenamtlich Leitende, wie auch an junge Menschen, die ihre Leitungsbegabung entdecken möchten. Die Reisegruppe erhält Einblick hinter die Kulissen der Willow-Gemeinde, lernt leitende Mitarbeiter und Dienstbereiche kennen und profitiert von Austauschrunden innerhalb der Gruppe.  Ein Sightseeing-Programm ist ebenfalls Teil der Reise. Summit und Reiseprogramm mit deutscher Übersetzung. Infos & Anmeldung: www.willowcreek.de

LEITUNGSKONGRESS 2016

11.–13. FEBRUAR 2016 · TUI-ARENA HANNOVER Der nächste Willow-Leitungskongress findet vom 11. – 13. Februar 2016 in Hannover statt. Internationale Sprecher aus Kirche, Bildung und der Geschäftswelt werden zu wichtigen Leitungsthemen referieren. Mit zahlreichen Leitungspersonen aus Kirchen, Gemeinden und Verbänden führt Willow Creek Deutschland derzeit Gespräche, um den Kongress 2016 sinnvoll in die kirchlichen und gemeindlichen Gegebenheiten einzubetten. In der NovemberAusgabe des Willow Magazins werden Themen und Sprecher bekanntgegeben. TR AINING

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DIESMAL AUF DEM COVER: BRANDON GRISSOM

VIELE GEMEINDEN FAHREN TOTAL AB AUF „JESUS-IS-MY-BOYFRIEND-LIEDER“. DARIN WIRD NUR BETONT, WIE SEHR ER UNS LIEBT. DAS STIMMT – ABER WIR VERMITTELN DAMIT EINE UNAUSGEWOGENE THEOLOGIE. WORSHIPLEITER, INSBESONDERE SONGSCHREIBER, NEHMEN HEUTZUTAGE OFT UNBEWUSST DIE ROLLE VON THEOLOGEN EIN. EIN BEÄNGSTIGENDER GEDANKE! WIR BRAUCHEN AUCH LIEDER, DIE UNS AUFFORDERN, ETWAS FÜR GOTT ZU TUN, NICHT NUR LIEDER, DIE GOTTES LIEBE ZU UNS FEIERN. Brandon Grissom ist Worship-Leiter in der Willow-Gemeinde in Chicago. Vom 20. – 22. März 2015 wird er mit seiner Band beim Jugendplus-Kongress in Erfurt die Anbetungszeiten leiten. Außerdem referiert er mit seiner Frau Beki über die „best practices“ in Willows Arbeit mit jungen Erwachsenen.

THE LOCAL CHURCH IS THE HOPE OF THE WORLD

WILLOW MAGAZIN 3/14  

Willow Magazin ist die Informationszeitschrift von Willow Creek D/CH, berichtet über (inter)nationale Gemeindeentwicklungsprozesse und gibt...

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