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DARIA PRINKE Als NachwuchsTheologin bei Willow WOLFGANG KRASKA Vom Predigt-Produzenten zum Mitarbeiter-Trainer BRIAN HOUSTEN Höhen und Tiefen des Hillsong-Gründers

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NICK BENOIT 40 Jahre Willow – Grund zum feiern

15. JAN AN JE T Z T

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Gemeindehäuser. Christliche Werke. Wohnprojekte. MÖRK Kirchenbau unterstützt Kirchengemeinden und christliche Werke im Bauprozess. Außerdem dient Ihnen unser KirchenbauForum als Netzwerk, als Informationsplattform und zum Erfahrungsaustausch. Besuchen Sie unseren Stand auf dem Willow Creek Leitungskongress: 11.–13. Februar 2016 in Hannover

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EDITORIAL / INHALT verstand oder eine abgeschlossene theologische Ausbildung hatte, sich zu einer ›Megachurch‹ entwickelte, die buchstäblich in aller Welt für Inspiration, ja die Wiederentdeckung der Ortsgemeinde gesorgt hat; auch hierzulande. Bill Hybels, Gründer und (noch) leitender Pastor von Willow Creek, blickt schon weiter nach vorn: »Ich bin überzeugt: Die besten Tage liegen noch vor uns.« Ihr ganzes Pastorenleben noch vor sich haben 25 angehende Theologen, die die Professoren Achim Härtner und Michael Herbst im Sommer im Schlepptau hatten, um eine Studienwoche in der Willow-Gemeinde in Chicago zu verbringen. Wir haben sie mit Notizblock, Foto- und Filmkamera begleitet, ihre Eindrücke und Erfahrungen festgehalten und in diesem Magazin dokumentiert. Wer weiß, welche Bewegung von diesen gut zwei Dutzend begeisterten Jungtheologen einmal ausgehen wird. Only God …

Liebe Leserin, lieber Leser, suchen Sie nach einem gelungenen Beispiel dafür, wie man nach einer Begegnung mit Willow Creek die neu gewonnene Vision erfolgreich und überzeugend in die eigene Gemeinde übertragen kann? Dann haben wir in diesem Heft eines für Sie! Pastor Wolfgang Kraska hat es meisterlich geschafft – trotz einiger Mahner und Warner in der Gemeinde. Und mehr noch: Der Pastor aus Karlsruhe hat nicht nur seine Gemeinde schrittweise verändert, sondern sein eigenes Amtsverständnis gleich mit. In seinem Artikel Vom Predigt-Produzenten zum Mitarbeiter-Trainer blickt er für uns auf seine ereignisreichen 40 Dienstjahre zurück. 40 Jahre: So ›alt‹ ist in diesen Tagen auch die Willow Creek Community Church in Chicago geworden. Eine große Dankesfeier fand dazu im United Center, der BasketballArena des Profi-Teams der Chicago Bulls statt, die bis auf den letzten Platz gefüllt war. Das Geburtstags-Thema lautete: ONLY GOD. Nur Gott konnte diese Geschichte schreiben: Wie eine handvoll begeisterter junger Erwachsener, von denen keiner etwas von Gemeindegründung

Ihr Gotthard Westhoff Redaktionsleitung

P.S. Kurz vor dem Magazin-Drucktermin ist der Leitungskongress 2016 nun restlos ausgebucht! Freie Plätze gibt es nur noch für den Kinderplus-Kongress 2016. Weitere Infos auf Seite 31.

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WILLOW WELT

WILLOW WIRD 40

Neuigkeiten aus der Willow Welt in Kurzform / Impulse für Sie und Ihre Gemeinde

Geburtstagsfeier eines Phänomens

8 VOM PREDIGT-PRODUZENTEN ZUM MITARBEITER-TRAINER Das Berufsbild des Pastors hat sich verändert. Auch die Arbeitsweise von Wolfgang Kraska

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16 AUF ENTDECKUNGSREISE IN CHICAGO

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NACHWUCHS-THEOLOGIN BEI WILLOW

25 Theologiestudierende beschäftigen sich mit Willow

DAS ›VIRUS‹ EINES DEUTSCHEN THEOLOGEN

Daria Prinke über ihre Erlebnisse und Erkenntnisse

Die Professoren Härtner und Herbst bewerten ihre Studienreise

24 ICH BIN EINFACH IMPLODIERT Hillsong-Gründer Brian Housten über die Höhen und Tiefen in seinem Dienst

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KINDER IN SKLAVEREI Infografik

EINE KULTUR DES ERMÖGLICHENS ERLAUBEN Dr. Ulrich Fischer über Chancen und Grenzen von Willow Creek in den Evangelischen Landeskirchen

31 KONGRESS UPDATES Neuigkeiten zum Doppelkongress 2016 in Hannover

34 Impressum / Kleinanzeigen EDITORIAL

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WILLOW WELT

LYNNE HYBELS WASHINGTON POST-BEITRAG ZUR FLÜCHTLINGSKRISE

NEUIGKEITEN AUS DEM WELTWEITEN WILLOW-NETZWERK – KURZ NOTIERT.

Im September schrieb Lynne Hybels einen Gastbeitrag in der Washington Post zur aktuellen Flüchtlingskrise. Sie machte deutlich, dass neben der Regierung und den Nicht-Regierungsorganisationen jetzt besonders die weltweite Kirche gefragt sei. Sie solle ihr Mandat der Nächstenliebe unübersehbar ausleben. Hybels wies darauf hin, dass Jesus in Matthäus 25 eine sehr konkrete Liste von Hilfestellungen geliefert habe, wie Menschen in Not geholfen werden könne. Darüber hinaus rief sie die Leser auf, sich an Petitionen zu beteiligen, mit denen die US-Regierung aufgefordert wird, mehr Flüchtlinge in den USA aufzunehmen. Ferner ermutigte sie dazu, Flüchtlingsfamilien über entsprechende Hilfsorganisationen finanziell zu unterstützen. Schließlich schlug Hybels vor, auch die eigene Gemeinde in den USA für eine Partnerschaft mit europäischen Gemeinden zu gewinnen, die sich für Flüchtlinge einsetzen. Vollständiger Artikel: willowcreek.de/magazin/refugees

TECH-ARTS-KONFERENZ ANREGUNGEN FÜR GUTE GOTTESDIENSTGESTALTUNG Zum ersten Mal veranstaltete Willow Creek Deutschland im Oktober in Karlsruhe die Tech-Arts-Konferenz. Die Tageskonferenz richtete sich an Menschen, die in der Gottesdienstgestaltung tätig sind: Techniker, Kreative, Moderatoren. Der Technical Director der Willow-Gemeinde, Todd Elliot, wies in seinem Vortrag auf die enorme Bandbreite unter den Mitarbeitenden hin: »Künstler, Moderatoren, Sprecher wollen oft bis zur letzen Minute warten, bevor sie sich auf ihre Inhalte festlegen. Und sie wollen wenig proben. Ihre Sorge ist, dass sich der Gottesdienst sonst nicht mehr ›natürlich‹ anfühlt. Bei Technik-Mitarbeitern ist es umgekehrt: Sie wollen so früh und präzise wie möglich wissen, was geplant ist, damit sie die nötigen Vorbereitungen treffen können.« Die Konferenz vermittelte ein Verständnis für die unterschiedlichen Herangehensweisen und dafür, wie man sich gegenseitig ergänzen kann. In zahlreichen Workshops erhielten die 700 Teilnehmenden zusätzlich fachspezifischen Input. Rückblick, Fotos, Unterlagen: techarts-konferenz.de 4

GOTTFRIED LOCHER KIRCHENBUNDPRÄSIDENT IM INTERVIEW In der Herbstausgabe des ›3E-Magazins‹ – echt.evangelisch.engagiert wurde der oberste Schweizer Protestant, Kirchenbundpräsident Gottfried Locher, auf seinen Vortrag beim Leitungskongress 2014 in Leipzig angesprochen. Gefragt, was er dort mitgenommen habe, antwortete er: »Die Freude am Evangelium. Dass so viele Menschen einen Aufwand betreiben, dort hinzugehen, einfach, weil sie es wichtig finden. Diese Freude hat mich erfasst. Ich habe an diesem Anlass viel gelernt.«

WILLOW WELT


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RUBRIK

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NEUE MOBILE WEBSEITE WILLOW CREEK DEUTSCHLAND / SCHWEIZ Die Webseiten willowcreek.de und willowcreek.ch sind jetzt speziell für die Nutzung von mobilen Endgeräten optimiert worden. Im Zuge dessen wurden die Seiten grafisch neu überarbeitet und auf die zwei Schwerpunkte der Willow-Arbeit – Kongress und Netzwerk – konzentriert. Hinzugekommen ist die Rubrik News, die über aktuelle Nachrichten und Entwicklungen der Arbeit informiert.

Foto: Jaffar Amin auf dem Arm seines Vaters Idi Amin.

SHAUNA NIEQUIST BROT UND WEIN Mit dem Titel ›Brot & Wein‹ hat Shauna Niequist soeben eine Sammlung von Essays über Familie, Freundschaft und Essen in einem Buch herausgegeben. Niequist, Tochter von Lynne und Bill Hybels, sagt darüber: »Ich liebe es, über Essen, Kochen und das Bewirten von Gästen zu sprechen. Ich möchte erfahren, was sich ereignet, wenn Menschen an einem großen Tisch zusammenkommen.« Die Autorin schildert, dass sie etliche ihrer schönsten Momente in Küchen erlebt hat: »Viele der geistlich intensivsten Augenblicke in den vergangenen Jahren haben an Tischen stattgefunden.« Davon berichtet sie in ihrem Buch, in dem es nicht nur ums Essen geht, sondern auch um das, was geschieht, wenn Menschen zusammenkommen, ihr Leben entschleunigen, ihre Häuser öffnen und einander Anteil an ihrem Leben geben. Das gut 300 Seiten dicke Werk ist eine Liebeserklärung an die Tischgemeinschaft und steckt voller praktischer Ideen und Rezepte.

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UGANDA DIKTATOR-SOHN BITTET UM VERGEBUNG Jaffar Amin, Sohn des ehemaligen Diktators von Uganda, Idi Amin, hat sein Land um Vergebung gebeten für die Gräueltaten seines Vaters. Während dessen Gewaltherrschaft zwischen 1971 und 1979 wurden 300.0000 bis 400.000 Menschen Opfer seines Terrorregimes. In verschiedenen Regionen des Landes fanden jetzt Versöhnungsveranstaltungen statt, die von Bischof Joshua Lwere organisiert wurden. Er war es auch, der Jaffar Amin dafür gewinnen konnte, sich im Namen seines Vaters bei der Bevölkerung zu entschuldigen. Lwere schilderte die Begegnung Amins mit Angehörigen der Opfer: »Einer nach dem anderen kam auf ihn zu und sagte: ›Wir haben deinem Vater niemals vergeben. Aber jetzt, wo wir dich hier sehen, sind wir bereit zu vergeben.‹« Gefragt, wie er sich angesichts dieser persönlichen Begegnungen fühle, antwortete Jaffar Amin: »Es ist, als ob eine große Last von meinen Schultern fällt.« Den Impuls, sich für die Versöhnung und Einheit des Landes mit seinen 56, teils verfeindeten, Stämmen einzusetzen, erhielt Bischof Joshua Lwere auf dem Global Leadership Summit in Chicago. Mittlerweile organisiert er in 10 Städten Ugandas Summit-Übertragungsorte. »Ich möchte mich für die Veränderung unserer gesamten Gesellschaft einsetzen. Der Summit ist dafür ein entscheidender Bestandteil. Ich weiß, wohin schlechte Leitung führen kann«, so Lwere. WILLOW WELT


WILLOW IMPULSE FÜR SIE UND IHRE GEMEINDE VIDEOJOURNAL

GLOBAL LEADERSHIP SUMMIT WILLOW IN CHICAGO ENTDECKEN Vom 6.-14. August 2016 veranstaltet Willow Creek Deutschland/Schweiz erneut eine Chicago-Reise. Die Teilnehmenden nehmen am Global Leadership Summit auf dem Willow-Campus teil, lernen die Gemeinde kennen und entdecken die faszinierende Stadt Chicago am Michigan See. In Austauschrunden haben die Reiseteilnehmer die Gelegenheit, das gemeinsam Erlebte zu reflektieren. Eine deutsche Übersetzung wird angeboten. In dieser Ausgabe kommen auf den Seiten 16-23 Menschen zu Wort, die in diesem Jahr an der Studienreise teilgenommen haben. Infos zur Reise 2016: willowcreek.de/studienreise-2016

Im Videojournal vermittelt Bill Hybels alle 14 Tage Leitungsimpulse für engagierte haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitende in der Gemeinde: überzeugend, prägnant, mit hohem Praxisfaktor. In die 5-Minuten-Clips fließt Bill Hybels’ gesamte Leitungserfahrung als Gründer und Pastor ein. Kostenloses Abo: willowcreek.de/videojournal

NEWSLETTER Updates über die Arbeit, Termine und Angebote von Willow Creek Deutschland/Schweiz erhalten Sie per E-Mail: durch die monatlichen WILLOW NEWS. Zu abonnieren unter: willowcreek.de/newsletter

WILLOW-NETZWERK

INDIEN SCHRITTE ZUR EINHEIT DURCH GLS Im südindischen Bundesstaat Karnataka wurden in den vergangen Jahren wiederholt Christen verfolgt und Gräueltaten an ihnen verübt. Dennoch grenzen sich viele Gemeinden voneinander ab. Im Wesentlichen sind sie in Karnataka in zwei Lager geteilt. Keines der beiden Lager nimmt in der Regel an Veranstaltungen teil, die von der jeweils anderen Gruppe organisiert werden. Kürzlich schlossen sich – unter der Leitung von zwei Ärzten – Christen zusammen, um den Global Leadership Summit (GLS) in der Stadt Bellary zu organisieren. Gezielt sollte in den Leitungsnachwuchs der örtlichen Gemeinden investiert werden. Vorbereitend besuchten die Ärzte persönlich alle Pastoren der Stadt – aus beiden Lagern, um ihnen die Chance des GLS zu vermitteln. Mit Erfolg: 235 Personen aus über 20 Gemeinden Bellarys besuchten die Veranstaltung. Der GLS wurde von den Gemeinden als neutraler Ausrichter gesehen und trug dazu bei, dass beide Lager Schritte aufeinander zu wagten. Ein Teilnehmer berichtete: »Heutzutage will jeder ein Leiter sein. Der GLS-Fokus war anders, als ich erwartet hatte: es ging um dienende Leiterschaft, das hat mich sehr ermutigt.«

Weltweit sind mehr als 10.000 Gemeinden aus über 90 Denominationen in über 35 Ländern Teil des Willow-Netzwerks. Es versteht sich als Visionsgemeinschaft innovativer Menschen, die nach biblischem Auftrag Gemeinde bauen und voneinander lernen wollen. Sie können dazugehören. Eine Partnerschaft im Netzwerk ist möglich als: Einzelpartnerschaft, Partnerschaft für Hauptamtliche und Gemeindepartnerschaft. willowcreek.de/partnerschaft

TV-GOTTESDIENSTE Die Gottesdienste der Willow Creek-Gemeinde in Chicago werden – leicht gekürzt – sonntags um 07:45 Uhr auf Bibel-TV ausgestrahlt. Außerdem jederzeit abrufbar auf: willowcreek.tv

SOZIALE MEDIEN Folgen Sie unseren Profilen in den Sozialen Medien, um über die Arbeit von Willow Creek Deutschland/Schweiz auf dem Laufenden zu bleiben. Sie finden interessante Berichte, Fotos, Neuigkeiten, … – und bei Willow-Veranstaltungen zahlreiche Einblicke hinter die Kulissen. willowcreek.de/facebook willowcreek_de/twitter willowcreek_de/instagram

WILLOW UNTERSTÜTZEN Die Kongresseinnahmen decken bei weitem nicht die Ausgaben der vielschichtigen Arbeit von Willow Creek Deutschland/Schweiz, das als eigenständiges Werk keine finanzielle Unterstützung der WillowUS-Gemeinde erhält. Mit Ihrer finanziellen Unterstützung tragen Sie dazu bei, dass hierzulande Gemeinden nachhaltig verändert werden. WILLOW WELT

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DAS BERUFSBILD DES PASTORS HAT SICH DRASTISCH VERÄNDERT – EBENSO DIE ARBEITSWEISE VON PASTOR WOLFGANG KRASKA.

Vom PredigtProduzenten zum MitarbeiterTrainer

2016 feiere ich mein 40-jähriges Dienstjubiläum als Pastor. Merkwürdig, aber aus der rückwärtigen Perspektive kann ich meine Arbeit in zwei gleiche, aber recht unterschiedliche Hälften von jeweils 20 Jahren teilen: die vor und die nach der Begegnung mit Willow. Genau in der Mitte meiner Dienstzeit – im Jahr 1996 – fuhr ich zum ersten Willow-Kongress nach Hamburg. Dessen Motto: ›Gemeinde für andere – Mit geistlicher Leidenschaft und Alltagsthemen Kirchendistanzierte erreichen.‹ Die Erfahrungen von Bill Hybels, seine Ziele und die dahinter­ stehenden geistlichen Werte bewegten mich stark. Nach Abschluss meines Theologiestudiums habe ich in den Freien evangelischen Gemeinden in Lüdenscheid, Hamburg-Sasel und Witten als Pastor gearbeitet. Seit 2003 arbeite ich in Karlsruhe – inzwischen in einem Team von vier Pastoren.

Auf der Suche nach neuen Wegen Aber was hat sich in der Zwischenzeit geändert? Gehen Sie ein paar Schritte mit durch ›meine‹ Gemeinden: Sechs Jahre zuvor hatte ich meinen Dienst in Witten angetreten. Eine Gruppe motivierter junger Erwachsener wollte sich für Jesus engagieren und Neues wagen. Gleichzeitig waren sie Teil einer alten, traditionsbe-

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wussten Gemeinde, die von vielen starken Persönlichkeiten geprägt worden war. Es wurde sehr auf die Richtigkeit und Reinheit der Lehre geachtet; eine solide und vitale Gemeinde, die ihre Mitglieder gut versorgte. Aber war sie auch einladend für Gemeindefremde? Der Gemeindesaal mit seinen weißen Wänden und den großen geriffelten Fenstern erinnerte mich immer an ein Gewächshaus. Der Saal lag in der ersten Etage. Im Erdgeschoss gab es die üblichen Gruppenräume. Was es nicht gab, war ein Foyer oder eine andere Möglichkeit, sich aufzuhalten. Nach dem Gottesdienst spülte das Treppenhaus die Besucher wie ein Fallrohr auf schnellstem Wege auf die Straße. Begegnungen nach dem Gottesdienst hatten offensichtlich keinen eigenen Wert. Inzwischen war aber eine neue Generation herangewachsen, die anders dachte, anders lebte und anders glaubte als die Erbauer. Wir experimentierten mit modernen Gottesdiensten. Im Regelfall blieben aber die traditionellen Gottesdienste. Die Generation von jungen Erwachsenen fühlte sich in dem Haus nicht wohl, weil es nicht das ausdrückte und ermöglichte, was sie selbst leben wollte. Ein ›Verschönerungsausschuss‹ beschäftigte sich mit der Frage, ob man die graue Frontwand aus Beton in dieser oder jener Farbe streichen sollte. Das war aber auch schon alles.

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Eine Schlüsselperson ebnet den Weg

Neubau statt Verschönerung

Mitten in diese Zeit der Überlegungen fand der WillowKongress in Hamburg statt. Unser Vorteil war, dass fast die gesamte Gemeindeleitung und eine Reihe prägender Mitglieder daran teilnahmen. Eine besondere Bedeutung kam dabei einem älteren, gestandenen Mann zu, der gemeinsam mit seiner Frau am Kongress teilnahm. Er war Studiendirektor am Gymnasium mit den Fächern Philosophie, Religion und Latein – die klassische deutsche Bildung in Person. Innerhalb der Gemeindeleitung verstand er sich als Wächter über die Lehre in der Gemeinde. Was ihn aber auszeichnete, war, dass er nicht zuletzt durch die Diskussionen mit seinen Schülern, die Offenheit für Fragen und die Bereitschaft, Neues zu prüfen, nicht verloren hatte. Nach dem Kongress trat er gemeinsam mit seiner Frau vor die Gemeinde. Die beiden bekannten, dass sie eigentlich nur nach Hamburg gefahren waren, um die Gemeinde besser vor der neuen Modewelle aus Amerika bewahren zu können. Aber Gott hatte ihr Herz auf dem Kongress angerührt. Sie hatten erlebt, dass die Arbeit von Willow keineswegs oberflächlich und zeitgeistkonform war, sondern von einer soliden Theologie und vor allem einer ganz großen Liebe zu Nichtchristen geprägt war. Für die älteren und konservativen Geschwister in der Gemeinde war klar: Wenn diese beiden Willow gut fanden, dann war es auch gut. So wuchs selbst bei den Senioren die Bereitschaft, im Gottesdienst regelmäßig modernes Liedgut zu singen. Einer von ihnen sagte mir: »Mir ist es wichtiger, dass meine Enkel gerne zum Gottesdienst kommen, als dass es mir dort gefällt. Unsere alten Lieder können wir ja immer noch im Seniorenkreis singen.« Das war eine entscheidende Einsicht, denn Veränderung ist fast nie willkommen. Es muss einen positiven Grund, ein echtes Motiv geben, dass ich den Preis dafür zahle. Und dieser Grund hieß: Es geht nicht um uns, sondern um die nächste Generation, die sich der Gemeinde zu entfremden drohte, und um andere Gemeindefremde. Die Grundidee des Kongresses war angekommen: Gemeinde für andere.

Nach den Impulsen vom Kongress, konnte der ›Verschönerungsausschuss‹ nicht einfach weiter machen. Wir fragten Gott und fingen an zu träumen, wie die Zukunft der Gemeindearbeit aussehen sollte. Das Ergebnis war ein kompletter Umbau und eine Erweiterung des Gemeindehauses zu einem einladenden, besucherfreundlichen Gemeindezentrum – einem der schönsten Versammlungsräume in der Stadt. Dabei habe ich eine weitere wichtige Einsicht gewonnen: Wenn keine inspirierende Sicht der Zukunft vorhanden ist, sind 40.000 Mark unglaublich viel Geld und Grund für stundenlange Debatten. Wenn es aber eine geistliche Vision gibt, sind auch 1,5 Millionen kein ernsthaftes Hindernis. Hilfreich waren für uns auch die Impulse zum Thema ›Change-Management‹. Uns wurde klar, dass wir das Bisherige nicht als alt und überholt abtun durften. Vielmehr wollten wir es bewusst wertschätzen und weiter entwickeln. Beim Einzug in das neue Gemeindehaus überreichten die später dazu gekommenen Gemeindeglieder den Erbauern des früheren Hauses Blumen als Zeichen des Dankes und der Wertschätzung. Die Idee zu diesem wichtigen und bewegenden Moment ging unmittelbar auf ein Willow-Seminar zurück. Für mich blieb es nicht bei dem einen Kongress. Ich brauchte immer wieder neu solche Impulse oder auch die Wiederholung von Aspekten, die mir theoretisch durchaus klar waren. Und was vielleicht bis heute das Wichtigste ist: Ich habe an vielen unterschiedlichen Tagungen und Kongressen teilgenommen, aber an keiner anderen Stelle werde ich regelmäßig geistlich so tief bewegt wie bei Willow.

„Mir ist es wichtiger,

dass meine Enkel gerne zum Gottesdienst

kommen, als dass es mir dort gefällt.“

Neue Sicht für Leiterschaft 2003 bin ich von Witten nach Karlsruhe gewechselt. Wieder war es ein Impuls während eines Willow-Kongresses, der die Weichen stellte. Gordon McDonald sagte, mit fünfzig müsse man sich eine neue Herausforderung suchen, sonst fange man an, zurück zu blicken anstatt nach vorne. Das Neue bestehe darin, nicht mehr alles selbst zu machen, sondern zum Förderer der nächsten Generation zu werden. Das traf mich, denn ich war gerade 50. Als meine Zeit in Witten zu Ende ging, schaute ich mich deshalb bewusst nicht nach einer ähnlichen Gemeinde um, in der ich meine alten Predigten recyceln und bequem in Rente schlurfen konnte, sondern suchte eine neue Herausforderung. Ich fand sie in der Freien evangelischen Gemeinde Karlsruhe. Es war eine junge, experimentierfreudige und bunt zusammengewürfelte Truppe. Eine Gemeinde in der Pubertät. In dieser Phase hat man unglaublich viel Energie und Ideen, aber nicht alles, was man macht, ist auch zielführend. Die Gemeinde brauchte einen erfahrenen Pastor, der sie in der Konsolidierungsphase begleiten konnte, ohne ihre Vitalität zu erdrücken. Das passte. Ich hatte durch die Kongresse zweierlei verinnerlicht: die Freude daran, immer wieder neue Wege zu wagen und eine Vorstellung von moderner, der Bibel gemäßer Leitung.

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Was sich in 40 Jahren verändert hat

Von Natur aus bin ich eher ein Kontrolltyp. Aber die Bücher von Bill Hybels, die Vorträge von ihm und anderen, haben mich verändert. Wir haben nicht einfach Rezepte von Willow übernommen. Aber dass wir unser Leitungsverständnis reflektieren und Ideen entwickeln, wie man Herausforderungen anpacken kann, das verdanken wir Willow. Ein Beispiel ist unser Papier ›Verantwortung, Leitung und Dienst in der FeG Karslruhe‹. In der Präambel heißt es: »Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens« (1. Kor 14,33). Strukturen schaffen kein Leben, aber sie helfen, dass das Leben und insbesondere das Zusammenleben von Menschen gelingen. Ordnung ist in der Bibel kein Wert in sich. Das Gegenteil von Unordnung ist nicht die Ordnung, sondern der Friede in der Gemeinde. Deshalb soll die nachfolgende Gemeindestruktur nicht als Gesetz und Regelwerk verstanden werden, das Vorrang vor dem geistlichen Leben hätte. Das bedeutet:

Zu Beginn meiner Dienstzeit stand – wie überall – die Versorgung der bestehenden Gemeinde im Vordergrund. Schließlich bezahlte sie den Pastor dafür, dass er sie geistlich fütterte und seelsorglich begleitete. Das ist und bleibt ohne Frage auch in Zukunft wichtig. Aber Willow hat den Blick dafür geweitet, dass Gemeinde nicht für sich selbst da ist, sondern immer auch Gemeinde für andere ist. Die Kongresse haben den Blick für die Vielfalt der Gaben, die Wertschätzung der Mitarbeitenden und das Potenzial der Ortsgemeinde eröffnet. In der Folge davon hat sich auch das Berufsbild des Pastors gewandelt: weg vom Stundenhalter und Predigtproduzenten, hin zum Trainer und Begleiter der ehrenamtlich Mitarbeitenden. Eigentlich ist die Bedeutung der Ehrenamtlichen im freikirchlichen Bereich eine Selbstverständlichkeit. Aber erst Willow hat uns gezeigt, wie das, was wir immer schon für richtig hielten, in der Praxis aussehen konnte. Auch moderne Gottesdienste waren nicht wirklich neu. Aber sie waren nur eine gelegentliche Ergänzung zur traditionellen Gemeindearbeit. Das gesamte Gemeindeleben jedoch durch die Augen von Gemeindefremden zu betrachten, war ein entscheidender, neuer Impuls. Jeder Gottesdienst, ja das gesamte Leben der Gemeinde sollte so gestaltet sein, dass man glaubensferne Nachbarn

„Was man im Schau-

fenster zeigt, muss im

Laden auch jederzeit zu finden sein.“

Es geht in der Gemeinde nicht um Hierarchie und Bevormundung, sondern um dienende Leiterschaft. Wir wünschen uns, dass weiterhin viele neue Ideen nicht durch Gremienbeschlüsse, sondern unmittelbar aus dem geistlichen Miteinander der Gemeinde entstehen (Emergenzprinzip). Wir wollen keine unnötigen Dienst- und Verwaltungswege aufbauen, sondern wünschen uns weiterhin den unmittelbaren Kontakt unter den betroffenen Mitarbeitern (Querkontakte). Wir möchten, dass Entscheidungen so weit wie möglich von denen getroffen werden, die die Arbeit hinterher auch tun (Subsidiaritätsprinzip). Wir wollen allen Mitarbeitern größtmögliche Freiheit einräumen. Dabei setzen wir voraus, dass alle Aktivitäten dem Leitsatz der Gemeinde entsprechen und sich an ihm orientieren.

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und Freunde jederzeit ohne Beklemmung mitbringen kann. Ich sage gerne: Was man im Schaufenster zeigt, muss im Laden auch jederzeit zu finden sein. Deutschland ist nicht Amerika und sicher gibt es hier wie dort Gemeinden, in denen sich Veränderungen schwerer umsetzen lassen als ich das erlebt habe. Mir war immer wichtig, eine Vision von Gemeinde zu haben und sie beharrlich Schritt für Schritt umzusetzen. Mal langsamer, mal schneller. Die inspirierenden Impulse von Willow haben ihren Anteil daran, dass ich bis heute gerne als Pastor unterwegs bin.  WOLFGANG KRASKA ist Pastor der Freien evangelischen Gemeinde Karlsruhe. Gerade ist bei SCM Brockhaus sein viertes Buch erschienen ›Engel, Hirten, Könige? – 24 Entdeckungen in der Weihnachtsgeschichte‹. feg-karlsruhe.de

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WILLOW WIRD 40 Im United Center in Chicago, der Basketball-Arena der Chicago Bulls, feierte die Willow Creek Community Church im Oktober ihr 40-jähriges Bestehen. Die Gemeinde, die Bill Hybels gemeinsam mit einer handvoll begeisterter Jugendlicher am 12. Oktober 1975 in einem gemieteten Kino gegründet hatte, wurde größer und einflussreicher als irgendjemand vermutet hätte. Sieben regionale Standorte sind im Einzugsgebiet von Chicago mittlerweile entstanden; dazu ein Netzwerk von mehr als 10.000 Gemeinden in über 100 Ländern – darunter auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Bei der Festveranstaltung in der mit 23.000 Besuchern bis auf den letzten Platz gefüllten Arena wurden die verschiedenen Stationen in Erinnerung gerufen, die die Gemeinde in ihren 40 Jahren erlebte. Der Tenor: ONLY GOD! – nur Gott konnte diese einzigartige Geschichte schreiben. Zum Schluss machte Bill Hybels deutlich: »Gottes Geschichte mit Willow geht weiter – die ersten 40 Jahre waren erst der Anfang.« Die Festveranstaltung kann online angesehen werden unter: willowcreek.tv/archive/ 40th-anniversary

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WILLOW HAT ALLEN GRUND ZU FEIERN Als ich klein war, waren Geburtstage und andere Jubiläen nicht so wichtig. Da wurden nicht schon Monate vorher große Partys geplant. Unsere Geburtstagsfeiern waren eher bescheidene Familientreffen, zu denen man auch mal ein oder zwei Freunde einladen durfte. Als ich anfing, als Creative Director in der Willow Creek Community Church zu arbeiten, merkte ich schnell, dass der Gemeindegeburtstag jedes Jahr ziemlich intensiv gefeiert wird. Ehrlich gesagt, konnte ich das überhaupt nicht verstehen. Gleich in meiner ersten Arbeitswoche erwähnte jemand bei einer Sitzung den 40. Geburtstag von Willow – der allerdings erst in zwei Jahren anstand. Plötzlich gab es kein anderes Thema mehr. Alle waren total aufgeregt und sagten, wie groß wir das feiern würden, wo das alles am besten stattfinden solle und was alles vorzubereiten war. Ich hatte das Gefühl, irgendetwas Wichtiges im Leben verpasst zu haben und verstand die ganze Aufregung nicht. Nach einigen Monaten hatte sich das jedoch grundlegend geändert. Um den 40-jährigen Gemeindegeburtstag vorzubereiten, haben sich unsere Teams in den vergangenen Monaten tief in die Geschichte von Willow Creek eingegraben: Wir haben Bücher gelesen, Videos angeschaut und viele, teilweise echt peinliche Fotos gesichtet. Wir haben mit Menschen gesprochen, die hier ihre geistliche Heimat gefunden haben. Einige erst ganz frisch, einige tatsächlich schon vor 40 Jahren! Wir haben viele Menschen aus allen Generationen getroffen, deren Lebensskripte umgeschrieben wurden, weil sie begonnen haben Jesus nachzufolgen. Menschen aus der ganzen Welt haben uns berichtet, wie Willow Creek sie inspiriert und unterstützt hat. Wir haben gelacht, geweint und uns bewegen lassen von den Erzählungen darüber, wie Leben für Leben verändert wurde. Als wir diesen Geschichten lauschten – einige davon haben wir beim 40-Jährigen präsentiert – haben wir von unfassbaren ›Zufällen‹ gehört, von mutigen Entscheidungen, Überraschungen und Wundern. Und jedes Mal, wenn wir nachfragten, wie und warum solche Entwicklungen möglich wurden, haben wir stets dieselbe Antwort gehört: NUR GOTT ALLEIN. Jetzt habe ich es

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verstanden. Nun weiß ich, warum dieses Jubiläum so wichtig ist. Wir feiern, dass Gott unserer Gemeinde 40 Jahre lang Gutes getan und ihr die Treue gehalten hat. In der Bibel finden wir an vielen Stellen Anweisungen an Gottes Volk sowie Eide, die sie leisten. Einer lautet, dass sie die ›Nur-Gott-Geschichten‹ von Generation zu Generation weitergeben werden. Wir werden sie unseren Kindern nicht verschweigen. Wir werden die herrlichen Taten Gottes weitersagen und erzählen, wie groß er ist und welche Wunder er getan hat. In Psalm 78,4 fordert Gott selbst seine Kinder auf, anderen zu erzählen, was er getan hat, weil sie ihn damit verherrlichen und gleichzeitig den eigenen Glauben stärken. Genau das habe ich in den letzten Monaten erlebt. Mit den Planungen für das 40-Jährige ist auch mein Glaube gewachsen. Die Geschichte, die Gott mit Willow Creek geschrieben hat, hat mich bewegt und überwältigt. Und ich wurde daran erinnert, dass Gott größer ist als meine Phantasie und die

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Ziele, die ich mir setze. Er ist größer als meine größten Gedanken; größer als meine größten Probleme. In diesem Geist haben wir am Jubiläumswochenende von Gottes herrlichen Taten, seiner Macht und seinen Wundern in den letzten 40 Jahren erzählt. Den 23.000 Besuchern im United Center ging es wie mir bei der Vorbereitung: Sie gingen überwältigt nach Hause – nicht weil Menschen in den 40 Jahren bei Willow etwas auf die Beine gestellt haben, sondern weil Gott groß ist. Wir alle haben nun eine viel weitere Definition von Gottes Treue. Angesichts der erlebten Wunder können wir nur ungläubig den Kopf schütteln und sagen: NUR GOTT ALLEIN. NICK BENOIT ist Creative Director in der Willow Creek Community Church. nickbenoit.com Chris Lesner


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ST EN U IN T D E D C E N H C TE IC K N AG UN A O GS U F RE IS E

25 Theologiestudierende mehrerer deutscher Universitäten und Hochschulen nahmen im August an einer Studienreise zur Willow Creek Community Church in Chicago teil. Begleitet wurden sie von Michael Herbst (Universität Greifswald), Achim Härtner (Theologische Hochschule Reutlingen) dem Willow-Vorstandsmitglied und Initiator der Reise, Stefan Pahl (mc² – Marburger Kreis/crossover) sowie Axel Ebert, Leiter der Abteilung Missionarische Dienste in der Badischen Landeskirche. Neben dem Global Leadership Summit erhielten die Teilnehmenden Einblick in die verschiedenen Arbeitsbereiche der Willow-Creek-Gemeinde, trafen in Gesprächsrunden auf Leitungspersonen der Gemeinde und besuchten Kirchen und theologische Ausbildungsstätten im Großraum Chicago. Axel Ebert schildert hier seine Eindrücke:

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MENSCHEN ZÄHLEN

BLEIBENDER EINDRUCK

Es hat beeindruckt, in welch kompromissloser Liebe sich die Willow-Gemeinde Menschen zuwendet. ›People matter‹ – Menschen sind wichtig. Das ist nicht nur das Credo von Willow, hinter dem jeder steht, dem man begegnet. Es wird auch gelebt. Menschen zählen: Darum hat Willow eine beeindruckende sozialdiakonische Arbeit aufgebaut, die Menschen in Not hilft. Menschen zählen: Darum existieren unzählige Kleingruppen, in denen Menschen seelsorgerlich einander begleiten und tragen. Menschen zählen: Darum sucht Willow ständig nach neuen Wegen, Menschen mit dem Evangelium zu erreichen, die davon noch nicht berührt sind. Menschen zählen bei Willow, weil sie für Gott zählen. Jeder Einzelne. Alle Traditionen, Formen, Gebäude und Strukturen sollen dem Ziel dienen, Menschen mit diesem Gott bekannt zu machen. Und falls sie nicht dem Ziel dienen, muss man sie ändern. Das ist der Grund, warum Willow sich nie mit dem Bestehenden zufrieden gibt, sondern eine lernende und sich ständig verändernde Gemeinde ist.

Von Willow lernen? Durchaus. Wenn wir als Mutterland der Reformation lernbereit sind und nicht überheblich meinen, wir ›könnten‹ schon Kirche. Und das besser als andere. Die immer leerer werdenden Kirchen im deutschsprachigen Europa, die fortschreitende Belanglosigkeit kirchlicher Verkündigung und der rasant fallende geistliche Grundwasserspiegel lassen es dringend geboten scheinen, von Willow zu lernen. Vielleicht mehr die Haltung, in der Willow seine Arbeit tut und nicht so sehr einzelne Methoden. Die Theologiestudierenden jedenfalls haben sich herausfordern lassen. Sie haben diskutiert, gelernt, verstanden. Sie werden anders weiterstudieren als zuvor. Und sie haben gesagt, dass sie sich jetzt, mehr als bisher, auf ihren künftigen Dienst freuen.

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AXEL EBERT ist Leiter der Abteilung Missionarische Dienste in der Badischen Landeskirche, aus der vier der 25 Theologiestudierenden an der Studienreise teilnahmen. Simon Hesselmann, Alexander Zehrer

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Kann man von amerikanischen Kirchen überhaupt etwas lernen, was für unsere deutschen Kirchen und Gemeinden Relevanz hat? Schließlich sind wir das Mutterland der Reformation (2017 werden wir es wieder stolz zelebrieren). Wir schauen auf eine Jahrhunderte lange Kirchen- und Theologiegeschichte zurück, sind stolz auf unsere reichen Traditionen – was soll uns eine Fastfood-Nation kirchlich schon beibringen können? Zugegeben: In anderen Bereichen haben wir längst von Amerika gelernt oder gar manches übernommen: Burger, Google und Apple sind Teil unserer Kultur geworden. Aber Kirche können wir doch selbst. Oder? Es ist wirklich so: Einiges auf der Reise ist uns fremd erschienen und fremd geblieben. Willow Creek ist eine Megachurch, kaum vergleichbar mit unseren Kirchengemeinden, die flächendeckend in jeder Stadt und jedem noch so kleinen Ort zu finden sind. Willow Creek ist gerade 40 Jahre alt geworden. Da fehlt jeder Reichtum (und Ballast) von Traditionen oder denkmalgeschützten Gebäuden. Willow finanziert sich durch Spenden, ein Kirchensteuersystem ist unbekannt. Und: Willow ist Teil einer amerikanischen Kultur, in der das Religiöse im Gegensatz zu uns weithin salonfähig und selbstverständlich ist. Die für unser Land typische Peinlichkeit, die sich einstellt, wenn jemand anfängt über seinen Glauben zu sprechen, ist unseren amerikanischen Geschwistern fremd. Und so haben die Theologiestudierenden durchaus eine ›fremde‹ Kirche erlebt. Doch gerade am Fremden, Widerständigen, manchmal Irritierenden, kann man lernen und wachsen. Die Begegnung mit dem Fremden lässt das Eigene schärfer sehen: auch die eigene Kirche. So führte die Studienreise nach Chicago nicht nur in eine fremde kirchliche Kultur, die zu manchen theologischen Diskussionen führte, sondern auch zu überraschenden und herausfordernden Erkenntnissen.

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Das theologische Begleitpersonal ACHIM HÄRTNER und MICHAEL HERBST und ihre Einschätzungen der Chicago-Studienreise.

Welchen Wert hat eine Reise zur Willow-Gemeinde für Theologiestudierende? Michael Herbst: Reisen bildet! Die Studierenden lesen nicht nur, sondern erleben, wie z.B. sich Gemeindeleben in der Willow Creek Community Church ›anfühlt‹, wenn man Gastfreundschaft erlebt, beim Lobpreis mitsingt oder die Leiter der Gemeinde befragen kann. Erleben und reflektieren ist deutlich mehr als nur Lesen.

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Achim Härtner: Es ist eine gute Möglichkeit, das eigene theologische Profil zu schärfen. Dieser Effekt wird verstärkt, wenn es gelingt, die Studienreise auch formal ins Theologiestudium einzubinden. Durch vorbereitende Lektüre, schriftliche Reflexion, Credit-Punkte. An unserer Hochschule haben wir gute Erfahrungen damit gemacht. Die Willow-Gottesdienste werden von 23.000 Menschen besucht. Was können angehende Theologen von der Megachurch lernen? Später werden sie ja für deutlich kleinere Gemeinden zuständig sein. Herbst: Ich mag nicht wiederholen, was man oft hört: dass man nichts kopieren könne. Stimmt das eigentlich? Abgesehen davon ist es die unermüdliche Bereitschaft, Altes zu prüfen, Gewohntes und Beliebtes bei Bedarf auch zu lassen oder mindestens zu überarbeiten, wenn es den innersten Werten der Gemeinde nicht mehr entspricht. Man sieht bei Willow wenig von unserer Untugend, sich nur schwer von Altem zu verabschieden. NE T Z WERK

Das Wort „Megachurch“ hat hierzulande häufig einen negativen Beigeschmack: Menschen gehen in der Masse unter, bleiben anonym und allein, wird gemutmaßt. Zutreffend? Herbst: Ich erlebe eine Gemeinde, die bei aller Größe den Einzelnen sieht und achtet, deren Gastfreundschaft überwältigend ist. Und ich sehe eine Gemeinde, in der Menschen mit ihren Wunden Hilfe finden und mit ihren Stärken Freiräume zum Mitwirken. Ich sehe eine Leitung, die demütig und klar zugleich ist. Und ich sehe eine Gemeinde, die in 40 Jahren nichts von ihrer Leidenschaft verloren hat, glaubensferne Menschen zu hingegebenen Nachfolgern von Jesus zu machen. Ich jedenfalls bin dort gerne Schüler. Härtner: Meinem Eindruck nach haben viele Theologiestudierende kaum mehr ein positives Bild einer vitalen Gemeinde nach dem Vorbild von Apg. 2,42-47. Insofern ist diese Studienreise so etwas wie ein ›bildgebendes Verfahren‹. Willow hat über Jahrzehnte bewiesen, dass eine Gemeinde ihren Grundwerten treu bleiben und sich gleichwohl permanent weiterentwickeln kann, um ihrer Berufung so gut wie möglich gerecht zu werden. Hat das „bildgebende Verfahren“ funktioniert? Härtner: Zunächst: Wer Willow zum ersten Mal besucht, ist natürlich von der Größe des Gemeindezentrums und der Exzellenz all dessen, was dort angeboten wird, beeindruckt. Manche Studierenden waren begeistert und sagten: So etwas brauchen wir in Deutschland auch! Andere waren skeptisch oder gar ablehnend:


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zu groß, zu perfekt, zu amerikanisch, hieß es. Es ist gut, dass die ersten Wahrnehmungen in Reflexionsrunden ausgesprochen werden konnten. Die Begegnungen mit Willow-Leitungspersonen und ›normalen‹ Gemeindegliedern verschafften den Studierenden dann einen differenzierten Einblick in das Selbstverständnis und den Dienst der Gemeinde.

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Herbst: Genau. Es war wichtig, dass sie das Erlebte reflektieren und mit dem verknüpfen konnten, was sie theologisch gelernt haben. Zahlreiche theologische Grundfragen stellen sich, wenn man Willow Creek, und die anderen spannenden Orte der Reise, aufsucht: Wie denke ich über Taufe, Leitung, Mission, Diakonie, Heiligung, Eschatologie usw.? Der Transfer geht in mehrere Richtungen: Das theologisch Erlernte hilft das Erlebte einzuordnen und zu verstehen, wenn es z.B. um die Bemühungen um Wachstum im Glauben geht und wir dann noch einmal theologisch über das Verhältnis von Rechtfertigung und Heiligung nachdenken. Dabei kommen die Dinge in Bewegung: Ich muss mir klarmachen, warum z.B. unsere Taufpraxis in der Landeskirche eine andere ist, und was wir in dieser Hinsicht voneinander lernen können. Worauf müsste in der Ausbildung angehender Pfarrerinnen und Pfarrern ein noch größerer Schwerpunkt gelegt werden? Härtner: Fachlich gut begleitete Exkursionen müssten noch stärker Teil theologischer Ausbildungsgänge sein. An GoodPractice-Beispielen wie Willow kann man viel lernen, wenn gewährleistet ist, dass nicht das Modell an sich im Mittelpunkt steht, sondern das Lernen am Modell. Herbst: Und dass schon im Studium zusammenkommt, was zusammen gehört: fleißiges Lernen, tiefes Nachdenken, beste Theologie, alle Mühe, die es kostet, sich einzulesen und einzudenken, um theologisch auskunftsfähig und urteilskräftig zu werden. Und dann: Leidenschaft für die Mission Gottes, Gebet und Gottesdienst, geistliche Bildung des eigenen Herzens, Begegnung mit Menschen, die eine Vision für die Kirche haben, Einübung

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Herbst: Es gibt eine Art ›Virus‹, das zu einem guten deutschen Theologen gehört: Skepsis! Skepsis gegenüber Größe, Professionalität, Exzellenz, dem Mangel an vertrauter Liturgie und überhaupt allem, was aus Amerika kommt – bis auf dieses oder jenes Spielzeug, das man dann doch gerne nutzt. Es wäre seltsam, wenn unsere Studierenden nicht auch diese viral vermittelte Zurückhaltung mitbrächten und auch deutlich äußerten. Aber dann gab es bei der Reise eine Wandlung: nicht zu kritikloser Begeisterung, aber zu wachsendem Respekt, größerer Zuneigung und persönlicher Offenheit: Häufig ist der Besuch im WillowCare Center der ›turning point‹, weil man kaum durch diese Räume geführt werden kann, ohne den Geist zu spüren, der hier weht: Hingabe, Respekt vor dem Einzelnen, reflektiertes Tun, professionelle Hilfe, die nicht nur ›Pflästerchen‹ verteilt, eine im Gebet sich äußernde Abhängigkeit von Gott und fantasievolle Liebe zu denen, die die Dienste in Anspruch nehmen. Das Care Center leistet also auch Überzeugungsarbeit an mild skeptischen deutschen Theologen.

Die regelmäßigen Reflexionsrunden, die Achim Härtner erwähnt hat, spielten offenbar auch eine wichtige Rolle.

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in alles, was die Gemeinde im 21. Jahrhundert braucht. Dass das weitgehend auseinandergerissen bleibt, schädigt unseren theologischen Nachwuchs und die Kirche. Das Umfeld, auf das die angehenden Theologen treffen, hat sich in den letzten 20 Jahren stark verändert. Wurde in der Ausbildung darauf reagiert? Herbst: Leider hat sich seit dem letzten Jahrhundert – oder sollte ich sagen: seit dem letzten Jahrtausend – nichts geändert. In der Tat: Die Rahmenbedingungen für den pastoralen Dienst ändern sich rasant. Es geht etwas zu Ende in unserem Land: die selbstverständliche Volkskirchlichkeit. Wenn wir nur lernen, wie wir pflegen, bewahren, weiterführen, was immer schon da war, mit denen, die immer schon da waren, dann werden wir der missionarischen Herausforderung nicht gerecht. Wir brauchen neben der erwähnten ›Wiedervereinigung von Wissenschaft und Frömmigkeit‹ auch eine Erweiterung des Spektrums: vom Bewahrer des kirchlich Vorgegebenen zum geistlichen Unternehmer, der Neues aufzubauen hilft, und der mit theologischer Kenntnis hilft, gemeindliche Start-ups in einer säkularer werdenden Welt zu begründen. Härtner: Nicht zu vergessen, dass angehende Theologen eine geistliche Persönlichkeit ausbilden müssen. Dass sie einen Lebensstil einüben, der die Jesus-Nachfolge für andere erkennbar und einladend macht. Zugleich ist ein gutes Beheimatet-Sein in der eigenen Glaubenstradition wichtig – während sie lernen müssen, offen für Menschen anderen Glaubens zu sein. Dazu gehört auch die Fähigkeit, die eigenen geistlichen Überzeugungen so zur Sprache zu bringen, dass sie von Menschen ohne religiöse Vorkenntnisse verstanden werden können.


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Kurs- und Studienmaterial

Gab es ein Highlight auf der Reise? Herbst: Da könnte ich ganz viel nennen: im Gottesdienst plötzlich ›Bluegrass Worship‹ zu hören; der Vortrag von Bill Hybels; ein exzellentes Steakessen mit dem Team; morgens um 6:30 Uhr Joggen in einem bezaubernden Park; der Anblick der Chicago-Skyline vom Lake Michigan aus… Herausragend aber waren die vielen kleinen Gespräche, bei den Autofahrten mit den Studierenden, über alles Mögliche, mal ernst, mal albern, mal theologisch, mal ›kirchlich‹ und oft auch über das, was den jungen Leuten wirklich auf der Seele brennt. PROF. ACHIM HÄRTNER M.A. lehrt Praktische Theologie (E. Stanley Jones Chair of Evangelism) an der Theologischen Hochschule Reutlingen, in Trägerschaft der Evangelisch-methodistischen Kirche. th-reutlingen.de PROF. DR. MICHAEL HERBST Professor für Praktische Theologie an der Universität Greifswald sowie Direktor des Instituts zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung. theologie.uni-greifswald.de/ieeg

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A N LS TH AC B E HW EI O W LO UC IL G I H LO N SW Studienreisen-Teilnehmerin DARIA PRINKE 端ber ihre Erlebnisse und Erkenntnisse in Chicago

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GEMEINDE UND GELD Ich war erstaunt, wie viele Verantwortungsträger bei Willow sich während unseres einwöchigen Aufenthalts immer wieder Zeit nahmen, um unsere zahlreichen Fragen zu beantworten. Besonders interessant war für mich ein Treffen mit Matt Sundstedt, dem Finanz-Chef der Gemeinde. Mit eindrücklicher Offenheit sprach er über das Thema Geld. Von meiner deutschen Prägung bin ich es nicht gewohnt, dass Menschen so locker und leicht darüber reden können (oder wollen). Sundstedt dagegen sprach unverblümt über den monatlichen Etat oder die Ausgaben für verschiedene Dienstbereiche. Ein weiteres eindrückliches Beispiel war der Bericht von Gary Schwammlein, dem Leiter der Willow Creek Association (WCA), der internationalen Arbeit von Willow. Er berichtete von einem Treffen mit einem potenziellen Spender, der der WCA $ 8.000 in Aussicht gestellt hatte. Gary Schwammlein hatte sich gut auf das Treffen vorbereitet und erfuhr dabei von dem enormen Vermögen des Unternehmers. Bei dem Gespräch konnte er den Geschäftsmann dann überzeugen, statt der $ 8.000 eine Million Dollar zu spenden. Sein unverkrampftes, aber sensibles Vorgehen – gepaart mit der tiefen Überzeugung, dass Gott die weltweite Arbeit

FRAGEN UND ANTWORTEN Wichtige Momente waren für mich auch die Reflexionsrunden, die von Prof. Achim Härtner und Prof. Michael Herbst geleitet wurden. Hier konnten wir ausführlich über das Erlebte und Gehörte diskutieren und erhielten durch die unterschiedlichen Meinungen der Studierenden neue Denkanstöße. Ein Thema, das immer wieder auftauchte, war die Frage nach dem Motiv hinter der außerordentlichen Qualität, die wir an vielen Stellen der Gemeinde erlebten. Wir haben gelernt, dass es Willow nie um Perfektion, sondern um Exzellenz geht. Dies bedeutet, dass man aus den zur Verfügung stehenden Ressourcen – Geld, Räumlichkeiten, Zeit, Kraft, persönliche Begabungen – das Bestmögliche macht: zur Ehre Gottes. Genau das erlebten wir in jeder Veranstaltung: Musiker, die einen musikalisch hochwertigen Lobpreis auf die Bühne brachten, sich dabei aber nie selbst ins Rampenlicht drängten, sondern stets Gott in den Mittelpunkt stellten. Auch das Motto der vielen Ehrenamtlichen, die bei den Veranstaltungen fast unsichtbar für einen reibungslosen Ablauf sorgten, lautete ›Here to serve!‹ – Wir sind hier um zu dienen! Man konnte spüren, dass diese Gemeinde sich bewusst ist, von Gott reich beschenkt worden zu sein. Nun sehen sie es als ihre Aufgabe, ihr Beschenktsein an andere weiterzugeben. Ein Aha-Moment war für mich ein Gedanke während einer Reflexionsrunde: »Wir bekommen in unserem Alltag an vielen Stellen qualitativ Hochwertiges präsentiert. Das erwarten wir häufig auch. Weshalb messen wir in der Gemeinde oft mit einem anderen Maß?« Müssen wir uns dort mit halbherziger Organisation, mittelmäßigem Lobpreis oder schlechtem Kaffee zufrieden geben? Was wäre, wenn wir als Verantwortungsträger unseren Gemeindemitgliedern noch besser dabei helfen würden, ihre Gaben zu entdecken TITELKOPF

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Zugegeben, ich gehörte nicht zu den Menschen, die regelmäßig an Willow-Kongressen teilnehmen. Auch ein Amerika-Urlaub hatte mich bisher nicht besonders gereizt. Aber die Studienreise für Theologiestudierende zur Willow Creek-Gemeinde in Chicago im August 2015 reizte mich. Ich hatte von der hohen Qualität gehört, mit der Leitungspersonen und Mitarbeitende dort in ihren Aufgaben gefördert werden. Das wollte ich mir gern aus nächster Nähe anschauen. Gespannt war ich auch, wie Willow es schafft, eine Gemeinde von 23.000 Gottesdienstbesuchern zu organisieren. Gleich mehrere Fragen stellten sich: Bleiben bei dieser Größe nicht die persönlichen Begegnungen auf der Strecke? Wie steht es um die persönliche Beziehung zu Jesus bei den Mitarbeitenden? Steht sie noch im Vordergrund oder geht es bei Willow hauptsächlich darum, dem ›Publikum‹ regelmäßig eine ›gute Show‹ zu liefern? Diese und viele andere Fragen begleiteten unsere bunt zusammengewürfelte Studentengruppe.

der Willow Creek Association nutzen möchte – und dass er deshalb offen auch über Geld spricht, hat uns als Gruppe ins Nachdenken gebracht. Auch wenn man Willows Vorgehensweisen sicher nicht in allen Bereichen eins zu eins in Deutschland umsetzen kann, haben mir die Beispiele gezeigt, dass Geld in unseren Gemeinden nicht das Tabu-Thema sein muss, zu dem es oft stilisiert wird. Ein offenerer Umgang, ein mutigeres Ansprechen dessen, was benötigt wird und was damit erreicht werden könnte, könnte dazu führen, dass diese Praxis auch in unseren Gemeinden salonfähiger wird. Immerhin: Auch der Bereich Finanzen zählt zur praktischen Nachfolge eines Christen.

und sie entsprechend einzusetzen? Oder wenn wir Menschen, die offensichtlich am falschen Platz sind, behutsam und liebevoll zu dem Bereich geleiten, in dem ihre Talente tatsächlich etwas bewegen? Sicher, das sind knifflige Aufgaben – aber auch sie gehören zum Verantwortungsbereich von Leitungspersönlichkeiten. Erst auf diese Weise, so mein Eindruck nach der Reise, entsteht ein überzeugendes Gesamtbild einer Gemeinde. Ich jedenfalls war beeindruckt, wie viel reibungsloser eine Gemeinde ›funktionieren‹ kann, wenn das richtige Maß an Energie darauf verwendet wird, jedes Gemeindeglied zur Mitarbeit zu motivieren. Ja, motivieren! Nicht zwingen, nicht drängen, nicht überreden. Sondern sich die Mühe machen, jedem das große Bild vor Augen zu malen und deutlich zu machen, welchen Anteil der betreffende Mitarbeitende daran hat. Das ist natürlich mit viel Arbeit verbunden. Vielleicht werde ich darüber auch etwas anders denken, wenn ich erst einmal selbst in der Leitungsposition einer Gemeinde bin und täglich mit vielen Herausforderungen und Hürden zu tun habe. Doch ich bin überzeugt: Dies könnte auch in unseren Gemeinden dazu führen, dass das Bild, das viele von Kirche im Kopf haben, wieder zurechtgerückt wird. Dass Kirche wieder zu dem einladenden, lebensnahen und wirkungsvollen Ort wird, der er eigentlich sein sollte. Denn wer sonst sollte den Menschen anschaulich die Hoffnung und Liebe von Jesus Christus vermitteln, wenn nicht sein Leib, die Kirche selbst? Diese Verantwortung möchte ich mir in Zukunft noch bewusster machen und meine Gaben mit Blick darauf effizienter und leidenschaftlicher einsetzen.

DARIA PRINKE studiert am Theologischen Seminar Tabor in Marburg. Sie zählte zu den 25 Theologiestudierenden, die im August 2015 an der Chicago-Studienreise teilnahmen. Pete Ruppert 23


I C H B I E I N FA C I M P L O D I E R

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Die 1983 von Brian Housten in Sydney, Australien gegründete Hillsong-Gemeinde hat eine weltweite Bewegung ausgelöst. Über 75.000 Menschen besuchen wöchentlich die Gottesdienste der gegenwärtig 15 HillsongGemeinden in aller Welt, die vor allem durch ihre Worship-Musik bekannt geworden sind. Aber: Der Weg des Hillsong-Gründers Brian Housten war kein leichter. Beim Leadership Summit im Sommer sprach Bill Hybels mit Housten über seine Erfahrungen.

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HILLSO N G - G RÜ NDE R B RIAN HOUSTEN Ü B E R H Ö HE N U ND TIE FE N SE INE S WE LT WE ITE N DIE NSTE S Hybels: Soeben ist dein Buch ›LEBEN LIEBEN LEITEN‹ erschienen. Sehr ehrlich beschreibst du darin deine Lebensgeschichte, mit allen Höhen und Tiefen. Was war das für ein Moment, als Gott dir klarmachte, dass du Pastor werden sollst? Housten: Dieser Wunsch steckte schon von klein auf in mir. Jedes Mal, wenn ich meinen Vater, der auch Pastor war, zum Predigen irgendwohin fahren sah, wusste ich: Das werde ich eines Tages auch machen. Was Paulus in Epheser 1,1 schreibt, trifft auf mich zu: »Paulus, ein Apostel Christi Jesu durch den Willen Gottes, an die Heiligen in Ephesus.« »Paulus« – das bin ich. Ein »Apostel« – das ist es, was ich tue, »durch den Willen Gottes« – das ist meine Autorität; »an die Heiligen in Ephesus« – das ist meine Zuhörerschaft oder Zielgruppe. Mit einer solchen Klarheit bin ich aufgewachsen. Du hast dich mit dem Predigen am Anfang sehr schwer getan, weil du Angst vor dem öffentlichen Sprechen hattest. Da wolltest du das Pastorenamt gleich wieder an den Nagel hängen. Als Sohn eines prominenten Pastors hatte ich unrealistische Erwartungen an mich selbst. Ich stand mir oft selbst im Weg und brauchte länger als nötig, um mich in meiner eigenen Haut wohlzufühlen. Die ersten Gottesdienste der Willow Creek-Gemeinde fanden in einem gemieteten Kino statt. Wo ist Hillsong gestartet? In der Turnhalle einer Schule. Dort hingen Kletterseile von der Decke herab. An einem der ersten Sonntage habe ich mir – als unbeschwerter 29-Jähriger – eines dieser Seile geschnappt und bin damit geschwungen, über das Publikum und wieder zurück zu meinem Podium. Eine leichte Übung: Es gab nur drei Stuhlreihen. Einer der Jugendlichen war davon so beeindruckt, dass er seinen Freunden erzählte: Ihr müsst unbedingt unseren Gottesdienst besuchen – unser Pastor schwingt an einem Seil wie ein Affe! Daraufhin kamen am nächsten Sonntag neun neue Leute in den Gottesdienst. Und sie bekehrten sich – es waren die ersten Bekehrungen bei Hillsong. In den folgenden drei Wochen brachte der gleiche Jugendliche 30 weitere Leute mit, die auch alle zum Glauben kamen. Das löste eine Bewegung aus, die im Grunde seit 32 Jahren nicht aufgehört hat. In deinem Buch schreibst du sehr offen über Krisen, die du in deinem Dienst durchlebt hast.

Wir beide haben darüber vor Jahren unter vier Augen gesprochen – jetzt schreibst du öffentlich über die kolossale Enttäuschung, die du mit deinem Vater erlebt hast. Es war der schlimmste Tag meines Lebens. 1999 kam der Geschäftsführer unserer Gemeinde – ein guter Freund – auf mich zu und sagte: Es gibt eine Beschwerde, dass dein Vater einen Minderjährigen missbraucht hat. Mein Vater war bis dahin mein Held. So etwas zu hören, war das Schrecklichste überhaupt. Es traf mich auf allen Ebenen: als Sohn, als Pastor, als Leiter, als Vater seiner Enkel. Auf allen Ebenen musste ich mich mit der Anschuldigung befassen. Es stellte sich heraus, dass es um einen Fall ging, der 20, 30 Jahre zuvor passiert war, als mein Vater noch Pastor in Neuseeland war. Mittlerweile lebte er in Sydney. Wie bist du mit deinen Gefühlen umgegangen? Wohl nicht sehr gut. Ich habe einfach in den ›Leitungs-Modus‹ umgeschaltet: habe versucht meine Kinder, meine Frau, unsere Gemeinde durch diese Krise – die mittlerweile öffentlich war – hindurchzuleiten. Zu der Zeit trug ich noch Verantwortung in einer Denomination von 1.200 Gemeinden, in der mein Vater ein bekannter Pastor war. Wir suchten unverzüglich das Gespräch: mit der Leitung und dem Ältestenkreis der Gemeinde, in der er tätig war. Als der Fall ans Licht kam, war das Opfer bereits 37 Jahre alt. Mittlerweile wissen wir, dass es kein Einzelfall war, weitere Opfer haben sich inzwischen gemeldet. Der Fall ist noch nicht abgeschlossen, obwohl mein Vater 2014 verstarb. In dieser Zeit habe ich mich um alle anderen gekümmert, nur nicht um mich selbst. Deshalb bin ich irgendwann implodiert. Du sprichst über etwas, was jede Leitungsperson kennt: Schmerz und Enttäuschung. Gerade in diesen Zeiten gilt es besonders die eigene Seele im Blick zu behalten. Wie ist dir das gelungen? Äußerlich ging es mir ganz gut. Innerlich sah es anders aus: Der Schock, der Kummer, das Trauma hat mich zermürbt. Ich gelangte an einen emotionalen Tiefpunkt, von dem ich nie gedacht hätte, dass ich ihn je erreichen würde. Ich hatte doch immer ein sonniges Gemüt. »So ein Typ bist du gar nicht,« dachte ich. Aber vor etwa vier Jahren fand ich mich an genau diesem Tiefpunkt wieder.

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Du berichtest von einem Abend, an dem du predigen solltest und plötzlich eine Panikattacke bekamst. Menschen wie wir leben oft nah an der Grenze zum ›roten‹ Bereich. Wenn dann plötzlich noch eine Krise auftaucht, sind wir sofort in der Gefahrenzone. Ich habe sicher eine Reihe von falschen Entscheidungen getroffen, bin zu viel gereist. Um im Flugzeug schlafen zu können, habe ich angefangen Schlaftabletten zu nehmen – anfangs eine, nach einiger Zeit zwei. Plötzlich musste ich jeden Abend Schlaftabletten einnehmen, um überhaupt schlafen zu können. Das hatte Auswirkungen auf meinen Gesamtzustand. Neben dem Reisedienst lief die eigene Gemeindearbeit auf Hochtouren. Zum 25-jährigen Bestehen der Hillsong-Konferenzen hatten wir in allen großen Städten Australiens nacheinander große Konferenzen veranstaltet. Als wir abends mit Freunden essen waren, musste ich im Restaurant buchstäblich auf meinen Händen sitzen, um meine Gliedmaßen ruhig zu halten. Als ich am letzten Tag der Tour zum Predigen auf die Bühne wollte, bin ich auf dem Weg dorthin kollabiert. Eine demütigende Erfahrung! Am gleichen Abend bekam ich zuhause plötzlich keine Luft mehr. Meine Frau merkte, dass es eine Panikattacke war. Sie rief den Arzt, der mich wieder herunterholte. Dieser Tiefpunkt führte dazu, dass ich mein Leben ernsthaft überdacht habe. Ein Therapeut hat mir dabei sehr geholfen.

Seitdem hast du gravierende Veränderungen vorgenommen: setzt klare Grenzen, achtest mehr auf deinen Körper. Ich hatte keine Wahl. Verändert habe ich, wie und wie häufig ich reise. Und ich rühre keine Schlaftabletten mehr an. Unterm Strich bin ich aus dem Loch schneller wieder herausgekommen, als mein Umfeld es erwartet hat. Lass uns über etwas Erfreulicheres sprechen. In den 1990er Jahren taucht plötzlich diese unglaublich talentierte junge Frau in deiner Gemeinde auf: Darlene Zschech. Durch die Musik, die sie schrieb und vortrug, entstand eine Art musikalische Explosion, die die Musik in Gottesdiensten auf der ganzen Welt geprägt hat. Wie kam es dazu? Sie war früher ein Kinderstar im australischen Fernsehen. Als junges Ehepaar kamen sie und ihr Mann dann in unsere Gemeinde. Darlene war ein großer Segen für uns. Ich wollte schon immer eine Gemeinde leiten, die eigene Lieder schreibt und wo das Thema Anbetung wichtig ist. Mit Darlenes Einstieg konnten wir diesen Weg beschreiten. 1993 hat sie „Shout to the Lord“ geschrieben – das war der Durchbruch. Das Lied hatte weltweit eine große Wirkung. Ich bin sehr dankbar, dass Gott die Hillsong-Gemeinden gebraucht, um das Thema Anbetung überall auf der Welt zu fördern.

L A V I T S I CHR 4. – 8. MAI 2016

KARLSRUHE Infos und Anmeldung: www.christival.de JE T ZT A N M EL D

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»MENSCHEN WIE WIR LEB EN OF T NAH AN DER G RENZE ZUM ›ROTEN‹ B EREICH. WENN DANN PLÖTZLICH NOCH EINE KRISE AUF TAUCHT, SIND WIR SOFORT IN DER G EFAHRENZONE.« Dann hat dein Sohn Joel eine eigene Jugendband innerhalb der Gemeinde gegründet – Hillsong United – die noch erfolgreicher wurde. Wann hast du sein Talent erkannt? Eigentlich gar nicht. Als Kind ist er immer widerwillig zum Klavierunterricht gegangen. Eines Tages forderte ihn seine Klavierlehrerin auf, einfach ein eigenes Lied zu schreiben. Da hat es bei ihm Klick gemacht. Als Joel später den Song „Everyday“ schrieb, der in unserem Gottesdienst gut ankam, fragte ich die Leute: Wer hat denn dieses großartige Lied geschrieben? „Joel“ sagten sie. Darauf ich: „Welcher Joel?“ „Na dein Sohn!“ Das hätte ich ihm damals gar nicht zugetraut. Es dürfte nicht ganz einfach gewesen sein, dass Joel mit seiner Band in der Gemeinde plötzlich auf so große Resonanz stößt, obwohl Darlene für die Musik zuständig war – und das seit Jahren. Ja, da gab es auch Spannungen. Und dann eine längere Übergangsphase. In der haben wir aber immer versucht, das große Ganze im Blick zu behalten. Ich bin sehr dankbar, dass trotz der notwendigen Umbrüche die Gemeinde sich nicht auf dem Erreichten ausgeruht hat. Darlene und ihr Mann leiten mittlerweile eine eigene Gemeinde. Man denkt ja oft: Mit dieser oder jener Person steht oder fällt alles. Dann verlassen sie die Gemeinde oder erhalten eine neue Berufung – und dennoch geht’s weiter. Ich habe mich stets darauf verlassen, dass es Jesus ist, der seine Gemeinde baut und nicht irgendwelche Personen.

Als Leitungsteam habt ihr vor einiger Zeit entschieden, Hillsong-Gemeinden in den großen Metropolen der Welt zu gründen – besonders dort, wo der christliche Glaube schwer Fuß zu fassen scheint: in Kiew, Kopenhagen, Barcelona … Was steckt dahinter? Großstädte haben mich schon immer inspiriert. Diese Städte üben auf ihre Kultur einen großen Einfluss aus. Dort Gemeinden zu bauen und einen positiven Einfluss auszuüben, fasziniert mich. Das tun wir schon in London, New York, Los Angeles. Bewusst gründen wir keine Gemeinden im sogenannten „Bible Belt“ der USA. Wir gehen dorthin, wo es schwieriger ist. Aus irgendeinem Grund scheint die Hillsong-Kultur in diesen Städten gut zu funktionieren. Anfangs haben uns die Leute vor Ort gesagt: Eine Gemeinde in London muss aber soundso aussehen; und die Musik muss unbedingt soundso klingen. Wir haben das versucht – es hat nicht funktioniert. Statt eine Londoner Hillsong-Gemeinde zu bauen, bauen wir eine HillsongGemeinde in London. Wir haben gelernt, dass wir unserer Hillsong-Kultur gerecht werden müssen. Nur dann sind wir authentisch. Wir haben oft erlebt: Wenn die richtige Person zur richtigen Zeit an den richtigen Ort kommt, hat Gott das immer gesegnet. Diese Gemeinden wachsen, Menschen kommen zum Glauben – trotz schwierigem Umfeld. In Buenos Aires und Sao Paulo entsteht gerade die 14. und 15. Hillsong-Gemeinde. Jedes Mal, wenn wir uns austauschen, überkommt mich neu die Gewissheit, dass Gott Großes tun kann – trotz widriger Umstände. Du strahlst diese große Zuversicht aus. Woher nimmst du sie?

Das Buch von Brian Housten ›LEBEN LIEBEN LEITEN‹ ist ab Januar erhältlich unter willow-shop.de

Ich liebe einfach das, wozu Gott mich berufen hat. Diese Motivation hat mich nie verlassen. Auch nicht in den dunkelsten Stunden meines Lebens; in Zeiten, in denen ich dachte: Rasenmähen wäre eine gute Job-Alternative. Es ist reine Gnade, dass Gott die Vision, die er mir aufs Herz legte, wach gehalten hat.

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Auf Einladung der hannoverschen Landeskirche referierte Dr. Ulrich Fischer im Juni 2015 auf einem Informationsabend vor kirchlichen Führungskräften über Schlussfolgerungen des Willow-Gemeindeansatzes für die Landeskirchen. Teil 1 seines Vortrags druckten wir in der September-Ausgabe ab, hier folgt der abschließende 2. Teil.

EINE KULTUR DES ERMÖGLICHENS & INTEGRIERENS ERLAUBEN LANDESBISCHOF I.R. DR. ULRICH FISCHER ÜBER CHANCEN UND GRENZEN VON WILLOW IN DEN EVANGELISCHEN LANDESKIRCHEN

TEIL 2 LEITUNG UND EHRENAMT Die große Mitgliederzahl der Willow Creek-Gemeinde, das vielfältige Gottesdienst- und Kleingruppenangebot, das breite diakonische Engagement, das Zusammenspiel mit den Willow-Regionalgemeinden und die internationale Wirkung, vor allem durch ihre Kongresse, erfordert eine leistungsstarke Leitungsstruktur. Sie ist eine Mischung aus einem Modell für eine Kirchenleitung und der Führungsstruktur einer Non-Profit-Organisation. An der Spitze steht ein 13-köpfiger Ältestenkreis, zu dem auch Bill Hybels als Senior-Pastor zählt. Er richtet die Gemeinde theologisch und strategisch aus. Die Gruppe der Ältesten ist azyklisch zusammengesetzt. Das bedeutet: In jedem Jahr der insgesamt vierjährigen 28

Amtszeit werden einige Älteste verabschiedet und gleichzeitig stoßen neue hinzu. Durch den Wechsel entsteht Dynamik an der Führungsspitze. Das ehrenamtliche Leitungsgremium ist aus Personen unterschiedlicher Alters- und Berufsgruppen zusammengesetzt. Die Anzahl von Männern und Frauen ist in etwa gleich. Grundsätzlich kann bei Willow jeder mitarbeiten und sich mit seinen Fähigkeiten ›ausprobieren‹. Der Bedarf der Gemeinde ist dabei nicht das Maß aller Dinge. Es werden immer die individuellen Begabungen der interessierten Mitarbeitenden berücksichtigt. Das kann dazu führen, dass ganz neue Dienste entstehen, die vorher weder geplant noch denkbar gewesen wären. Aus- und Weiterbildung spielen in jedem Dienstbereich eine große Rolle. Häufig ergeben sich im Lauf der Zeit für die Mitarbeitenden – je nach Gabe, Neigung und Zeit – KONGRESSE

neue Stufen der Verantwortung. Je höher die individuelle Verantwortungsstufe ist, desto wichtiger ist es, dass die Vision dem Mitarbeitenden nicht nur bekannt ist, sondern von ihm mit Leben gefüllt wird. MÖGLICHKEITEN UND CHANCEN DES TRANSFERS IN DIE LANDESKIRCHEN Für die Vielfalt innerhalb unserer Ortsgemeinden sehen wir große Chancen in neuen Aufgabenverteilungen, die die heutige Praxis ablösen können. Wir sollten das bestehende Potenzial und die Gabenvielfalt unserer Gemeindeglieder viel gezielter als bisher nutzen. Wenn wir einer Kultur des ›Ermöglichens‹ und des ›Integrierens‹ Einzug in unsere Kirchen erlauben, werden vermutlich völlig neue Wirkbereiche entstehen. Dort finden womöglich Menschen ihren Platz, die wir bislang nicht oder kaum erreichen


konnten. Wichtig erscheint mir, dass alle Mitarbeitenden gut für ihre Dienste ausgebildet und begleitet werden. Solche Schulungen können von hauptamtlichen Kräften angeboten werden, wenn die Ehrenamtlichen befähigt werden, zunehmend mehr Verantwortung zu übernehmen – bei gleichzeitiger Entlastung der Hauptamtlichen. Was würde geschehen, wenn die Ortsgemeinde als ein Ort wahrgenommen wird, an dem man nicht nur geistlich, sondern auch fachlich profitieren kann? Und was wäre, wenn unser Miteinander von einer nach außen wahrnehmbaren aufrichtigen Wertschätzung geprägt wäre? GRENZEN Zweifelsohne sind Aspekte wie Leitungskompetenz und Mitarbeiterförderung, wie Willow sie inhaltlich füllt, für unsere Gemeinden Gewinn bringend – sehen sie sich doch als ›Priestertum aller Gläubigen‹ von Gott zum Handeln berufen. Gleichermaßen notwendig ist aber auch der behutsame Umgang mit diesen Themen in der Verkündigung in den Gottesdiensten unserer Pfarrbezirke: Dieser soll ja nicht allein für aktive Ehrenamtliche, sondern auch für nicht-aktive Gemeindeglieder ansprechend sein. Der Fokus auf gut ausgebildete Mitarbeitende darf also nicht in ein ›Zwei-Klassen-Christsein‹ münden, das eine Aufspaltung in eine ›Gottesdienst-Gemeinde‹ und eine aktive ›Kerngemeinde‹ zur Folge haben kann.

BILL HYBELS – GRÜNDER UND GESTALTER Bill Hybels ist für die Willow-Gemeinde äußerst wichtig. Wenn er seine Gemeinde lobt, geht den Mitgliedern das Herz auf. Bill Hybels hat als ›Gründervater‹ seit 40 Jahren unermüdlichen Einsatz gezeigt – und die Gemeinde somit entscheidend geprägt. Durch seinen persönlichen Beitrag ist sie nicht nur entstanden, sie hat sich auch stetig weiterentwickelt – und ist dabei auf Kurs geblieben. So ist der Name Bill Hybels bei vielen untrennbar mit Willow verbunden. Doch was geschieht, wenn eine so prägende Figur einmal fehlen wird? Wird Willow diese Lücke schließen können?

»Wenn wir einer Kultur des ›Ermöglichens‹ und des ›Integrierens‹ den Einzug in unsere Kirchen erlauben, werden vermutlich ganz neue Wirkbereiche entstehen..«

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»Kein markt-konformes Evangelium! So bewusst man sich bei Willow auf ›unkirchliche‹ Menschen zubewegt, so sehr wird zugleich um die Klarheit und Wahrheit des Evangeliums gerungen.«

DIE LANDESKIRCHE UND IHRE TRADITION

PROJEKTENTWICKLUNG

GEWERBEBAU

Willow Creek befindet sich im 40. Lebensjahr. Das ist nicht mehr ganz jung, und dennoch: Wir reden über eine Gemeinde, die im wörtlichen Sinne auf der grünen Wiese errichtet wurde. Weder verfügt sie über den Schatz, noch über den Ballast großer Traditionen. Das ›Heuern und Feuern‹ von Ideen liegt in ihrer DNA; Gebäude werden nach Zweckmäßigkeit und Spendenstand errichtet – und auch wieder umgebaut. Willow kennt keine 800 Jahre alten Kirchen und keine bindenden Verpflichtungen aus grauen Vorzeiten. Sie können die Ketten nicht kennen, an denen unsere Kirchengemeinden oftmals liegen. Möglichkeiten und Grenzen unserer Kirchenkultur sind ihnen ebenso unbekannt, wie die Orientierung am Kirchenjahr, unsere Liturgien und unsere Kirchenmusik. Umgekehrt wird manchem von uns die moderne Inszenierung des Gotteslobs mit populärer – und nicht immer ganz leiser – Musik etwas ungewohnt erscheinen.

MEGACHURCH UND LANDESKIRCHE

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Die Mitgliederzahlen und die Finanzkraft von Willow Creek sind beeindruckend. Das Gebäude erinnert an ein großes Konferenzzentrum. Hier hat sich eine große Kirche – als Organisation mit Zielen, Strategien, gezielter Werte-Umsetzung und konsequenter Arbeitsweise – nahezu perfektioniert. Und doch: Die Kirche als lebendige Gemeinschaft von Christen ist hier eingepflanzt in eine Kirche, die professionell geleitet wird. Doch Willow Creek redet keiner Marktförmigkeit das Wort! Verkündigt wird kein ›marktkonformes‹ Evangelium, das alle Ecken und Kanten vermissen ließe. So bewusst man sich im Geist der Willow-Kultur auf ›unkirchliche‹ Menschen zubewegt, so sehr wird zugleich um die Klarheit und Wahrheit des Evangeliums gerungen. Für unsere Kirche hierzulande gilt hingegen: Sie ist teils noch kirchliche Institution – und damit eine ›vorgegebene Heimat‹: Man gehört traditionell dazu, und sie ist für alles Religiöse innerhalb der Gesellschaft zuständig (auch wenn dies im KONGRESSE

Osten nur noch für einen Teil der Gesellschaft gilt). Doch auch dies gilt: Unsere Kirche versteht sich, gerade durch ihre DDR-Erfahrungen der Minorisierung und Marginalisierung, ebenso selbstverständlich als eine Kirche im Sinne einer kleinen, lebendigen und starken Gemeinschaft.

WAS HABEN WIR IN BADEN VON WILLOW GELERNT? Anstöße zu Führungsverantwortung und noch besseres Wahrnehmen von Leitungsaufgaben; Anregungen für den badischen Kirchenkompass-Prozess mit biblischen Leitbildern, die Lust zum Aufbruch machen; Gottesdienste und kirchliche Angebote von den Menschen her denken, denen die Formen traditioneller Gottesdienste nicht mehr geläufig sind; Gemeinden gabenorientiert entwickeln. ›Ich bin dabei‹ ist inzwischen als Heft für Teilnehmende und als Buch für Mitarbeitende erschienen. ›Promiseland‹ hat die Mitarbeitenden unserer Kindergottesdienste angeregt. Willow hat sich auf diesem Gebiet weiter entwickelt: Das ›Orange-Konzept‹ verknüpft Familie und Kindergottesdienst – auch das stößt bei uns auf offene Ohren; Glaube und Dienst, missionarisch-evangelistischer Auftrag und Diakonie müssen gemeinsam, nicht getrennt voneinander wahrgenommen werden.  DR. ULRICH FISCHER war von 1998 bis 2014 Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Baden und ist heute im Ruhestand. Seit Mai 2015 ist er Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste (AMD) im Diakonischen Werk der EKD.


DOPPELKONGRESS IN HANNOVER LEITUNGSKONGRESS 11.–13. FEBRUAR 2016 KINDERPLUS-KONGRESS 13.–14. FEBRUAR 2016

Die Anmeldezahlen sind in den vergangenen Wochen weiter gestiegen: auf 9.100 beim Leitungskongress – der damit restlos ausgebucht ist – und 2.600 beim Kinderplus-Kongress. Anmeldungen sind jetzt nur noch für den Kinderplus-Kongress möglich. Infos & Anmeldung: willowcreek.de In den Programmen beider Kongresse tauchen eine Reihe neuer Gesichter auf, die zum Teil auch die neuen Entwicklungen in der Willow Creek Community widerspiegeln:

MARSHALL HALL – der stimmgewaltige Musiker hat seine Karriere mit Songs in Werbespots begonnen. Später trat er bei Billy-Graham-Evangelisationen auf und war Teil der Gaither Vocal Band. Seit zwei Jahren gehört er dem Willow-Worship-Team in Chicago an und hat sich dort in kurzer Zeit in die Herzen der Gottesdienstbesucher gesungen. »Durch meine Musik möchte ich Menschen Hoffnung zusprechen, wenn alles hoffnungslos erscheint, Gottes Liebe, wenn sie sich zutiefst ungeliebt fühlen«, sagt Hall über seine Motivation. Seine Songs werden auch die Kongressbesucher in Hannover begeistern. Eine musikalische Kostprobe gibt es auf: willowcreek.de/magazin/hall

UTE BUTH wird beim Kinderplus-Kongress darüber sprechen, wie Kinder in einer sexualisierten Welt begleitet werden können; ein Thema, das auch in Kirchen und Gemeinden immer wichtiger wird. Die Bochumer Ärztin beleuchtet aktuelle sexuelle Herausforderungen und gibt Anregungen, wie Mitarbeitende und Verantwortungsträger in Gemeinden sinnvoll darauf reagieren können – und wo die Grenzen sind.

REGGIE JOINER hat die ORANGE-Bewegung mit ins Leben gerufen. Er beschreibt einen Weg, wie Gemeinde und Familie sich sinnvoll ergänzen und ihren Einfluss auf die heranwachsende Generation vergrößern können. Promiseland – die Arbeit mit Kindern in der Willow-Gemeinde – hat in den letzten Jahren maßgebliche Impulse von ORANGE aufgenommen. Entscheidend für eine erfolgreiche Umsetzung des ORANGE-Ansatzes ist, dass die gesamte Gemeinde einbezogen ist. Der Doppelkongress in Hannover bietet hier eine große Chance: Am Samstagvormittag erleben die Teilnehmenden des Leitungskongresses den wegweisenden Vortrag von Reggie Joiner gemeinsam mit den Teilnehmern des Kinderplus-Kongresses.

NICK BENOIT ist Spoken-WordArtist, Autor und Creative Director in der Willow Creek-Gemeinde. Mit seinem Einstieg vor rund zwei Jahren haben sich die Kreativ-Elemente in den Willow-Gottesdiensten weiterentwickelt: von ganz normalen Theaterstücken hin zu multimedial-unterstützten Aufführungen. Die Stücke aus seiner Feder zeichnen sich durch eine große Ehrlichkeit aus. »Das Leben – meines eingeschlossen – enthält oft Unfertiges, Zerbruch, Schmerz«, erzählt Benoit. »Das fließt in meine Stücke ein. Dann verbinde ich dies mit Gottes Perspektive.« Beim Leitungskongress in Hannover wird er einige seiner Stücke aufführen. KONGRESSE

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Sklaven in Ketten sieht man schon lange nicht mehr, was nicht heißt, dass es sie nicht mehr gibt. Weltweit befinden sich geschätzt 21 Mio Menschen in brutaler Arbeitssklaverei, Zwangsprostitution und anderen Formen gewaltsamer Unterdrückung. Viele von ihnen sind Kinder, die weder spielen noch zur Schule gehen dürfen. Sie werden durch Gewalt und Einschüchterung zum Arbeiten gezwungen und werden so Opfer eines lukrativen Geschäftes.

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das sind mehr als ein Viertel der knapp 21 Millionen Arbeitssklaven weltweit.

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Auch heute gibt es noch Sklavenmärkte. So werden in Afrika z.B. ganze Dörfer überfallen und deren Bewohner gekidnappt, um sie auf Sklavenmärkten zu verkaufen.

ist der Durchschnittspreis für einen Sklaven.3

90 Dollar

Sklaverei meint: Eine Person wird als Ware gehandelt und/oder ausgebeutet − durch Anwendung und Androhung von Gewalt, Strafe und anderen Formen der Nötigung oder Ausnutzung von Hilflosigkeit.

werden 2 Kinder in die Sklaverei verkauft.2

Jede Minute

Die Menschenrechtsorganisation International Justice Mission (IJM), hat es sich zur Aufgabe gemacht, Sklaverei nachhaltig zu bekämpfen, dabei gehen sie in vier Schritten vor:

Quellen: 1 International Labour Organisation (ILO); 2012 // 2 Innocence Atlanta: fb.com/InnocenceAtlanta // 3 Kevin Bales, Moderne Sklaverei; 2012 // 4 walkfree.org/modern-slavery-facts; 5 United States Department of Labour, List of Goods produced by child labour or forced labour; 2014 //

Deshalb ist Sklaverei nicht nur ein Problem von Entwicklungsländern. Durch unser Konsumverhalten nehmen wir Einfluss auf Sklaverei weltweit: slaveryfootprint.org

wie z.B. Baumwolle, Zuckerrohr, Ziegelsteine oder Gold, die wir auch bei uns nutzen, werden zum Großteil durch Kinderarbeit produziert.5

126 Produkte

werden jährlich durch Sklaverei erwirtschaftet.4

32 Mrd Dollar

Durch diese Operationen werden Täterinnen und Täter überführt und IJM setzt sich ein, dass diese strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen werden. Das wirkt und schreckt ab. Seit 2004 sind durch diese anwaltschaftliche Hilfe mehr als 770 Täter für Gewalttaten verurteilt worden.

2. Täter überführen

Durch verdeckte Operationen ermitteln und befreien sie mit der Polizei vor Ort Betroffene aus Menschenhandel, Zwangsprostitution, Sklaverei und anderen Formen gewaltsamer Unterdrückung. Überall auf der Welt. Seit 2004 konnten so mehr als 18.000 Menschen befreit werden.

1. Opfer befreien

3 Weitere Infos: ijm-deutschland.de

Sie stärken Rechtssysteme gemeinsam mit den verantwortlichen Behörden vor Ort, sodass Menschenrechte tatsächlich durchgesetzt werden. In ihren Partnerländern kooperieren sie mit den Regierungen, um arme Menschen vor Gewalt zu schützen.

4. Rechtssystem stärken

Gemeinsam mit Partnerorganisationen kümmern sie sich um die psychologische und sozialpädagogische Nachsorge der traumatisierten Opfer. Sie erhalten eine neue Perspektive für ihr Leben und lernen, ihre Rechte wahrzunehmen. Derzeit werden mehr als 4.000 Klienten in Nachsorgeeinrichtungen versorgt.

3. Menschen stärken


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Kirche in der Stadt Wie kann das Evangelium mitten in einer säkularisierten Gesellschaft glaubhaft verkündigt und gelebt werden? In seinem Grundlagenbuch Center Church beantwortet Timothy Keller diese Frage im Rückblick auf 25 Jahre als Gemeindegründer in New York City. In einzigartiger Weise verbindet er dabei das Evangelium von Tod und Auferstehung Christi mit der radikalen Hinwendung zu den Menschen in der Stadt. Mit Kommentarteil deutschsprachiger Autoren zu Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Der Anspruch, der uns bei Timothy Keller begegnet, ist ungemein attraktiv: Wie wäre es, wenn wir so intensiv in der Welt unserer Hörer und zugleich in der Welt des Evangeliums leben, dass wir die Geschichten unserer Hörer in der Sprache des Evangeliums neu erzählen können? Keller bleibt uns praktische Hinweise nicht schuldig – Lassen Sie sich überraschen!“ Prof. Dr. Michael Herbst (Vorwort zu Center Church) Timothy Keller: Center Church Deutsch – Kirche in der Stadt ISBN 978-3-939577-25-6 / Bestell-Nr. 652.825 390 Seiten, gebunden € 34,95 (D), € 35,90 (A), CHF 49,90 www.pulsmedien.de

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REDAKTION Gotthard Westhoff (Leitung) Ulrich Eggers Volkhard Michel Jörg Podworny Karl-Heinz Zimmer Wingert 18 · 35396 Gießen Telefon 0641.98437-12 Telefax 0641.98437-10 westhoffg@willowcreek.de GESTALTUNG gobasil GmbH · gobasil.com COVER- UND EDITORIALFOTOGRAFIE Pete Ruppert · pete-ruppert.com

Foto: Nathan Troester

HERAUSGEBER Willow Creek Deutschland e.V.

DRUCK westermann druck GmbH Georg-Westermann-Allee 66 38104 Braunschweig ADRESSÄNDERUNG Bitte direkt an Willow Creek Deutschland/Schweiz, Adressen siehe oben WILLOW-PARTNER Für Mitglieder im Willow-Netzwerk ist der Bezug des Magazin in der Mitgliedsgebühr enthalten.

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»Wir erwarten in unserem Alltag an vielen Stellen Qualität und Exzellenz. Weshalb messen wir in der Gemeinde oft mit einem anderen Maß? Müssen wir uns dort mit halbherziger Organisation, mittelmäßigem Lobpreis oder schlechtem Kaffee zufrieden geben?«

DARIA PRINKE studiert am Theologischen Seminar Tabor in Marburg. Sie zählte zu den 25 Theologiestudierenden, die im August 2015 an einer Studienreise zur Willow-Gemeinde in Chicago teilnahmen.

WILLOW CREEK MAGAZIN 4/15  

Das Willow Creek Magazin ist die Informationszeitschrift von Willow Creek D/CH, berichtet über (inter)nationale Gemeindeentwicklungsprozesse...

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