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ISSN 18695205

Kopfsache Hede Bühl im Skulpturenpark Gespräch Tony Craggs Waldfrieden Ausstellung Asiatische Kunst in Radevormwald Musikfest Günter Baby Sommer und PULS! Festival „... erinnern an die Zukunft“ Literatur Inselgespräche im literarischen Salon 0 2 / 2 019 A p r il -Ju ni / 5. 8 0 €


Kultur auf der Siegesstraße Das Programm im April, Mai, Juni 2019

Sonntag 7. April 17-21 Uhr

O wie so trügerisch!

Sonntag 19. Mai 17-21 Uhr

Silhouetten

Wovon Männer träumen und was Frauen wollen ... Stefan Lex Tenor, Christiane Linke Sopran, Sigrid Althoff Klavier Drei hochkarätige Künstler auf der Suche nach Antworten auf das Thema, das die Komponisten seit jeher bewegt! VVK: 19 €, AK: 24 €

A-Trio: Margarita Rumyantseva Violine Yuriy Broshel Saxophon, Denis Ivanov Klavier A-Trio präsentiert in seinem Programm „Silhouetten“ Stücke von Schostakowitsch, Peterson und Gershwin. Eintritt frei. Um eine Ausgangsspende wird gebeten.

Boogielicious Freitag 14. Juni Eeco Rijken Rapp Klavier und Gesang, David Herzel 19-21.30 Uhr Schlagzeug, Dr. Bertram Becher Blues-Harmonika Das deutsch-niederländische Boogie-, Blues- und Jazz-Trio Boogielicious katapultiert die Musik der 1920iger, 1930iger und 1940iger Jahre in das aktuelle Jahrhundert. VVK: 25 €, AK: 28 € Anmeldung/Onlinebuchung: www.larena-wuppertal.de „l‘aréna“, Siegesstraße 110, 42287 Wuppertal

Angst vor der Leere?

30. Mai – 2. Juni 2019 Schloss Lüntenbeck

Kunst hilft.

Mode, Stoff und Stil für Individualisten und Designliebhaber Öffnungszeiten: 11–18 Uhr Eintritt: 5 €, Kinder bis 12 Jahre frei Anfahrt und Parken: www.schloss-luentenbeck.de Schloss Lüntenbeck, 42327 Wuppertal

Dr. Andreas Sturies · Moderne Kunst & Auktionen

Büro: Goltsteinstr. 23 · 40211 Düsseldorf · www.sturies.de Auktion 41: Steigenberger Parkhotel, 4. 5. 2019, 14 Uhr


Editorial Liebe Leserinnen und Leser, die vorliegende Ausgabe zeichnet sich aus durch produktive Vielfalt. Diesmal gibt es gleich drei Persönlichkeiten mit Anspruch auf das Etikett der „berühmtesten Elberfelder, die jemals in Vergessenheit gerieten“: Neben Else Lasker-Schüler und Helene Stöcker - beide inspirieren unser großes Festival Erinnern an die Zukunft vom 5. bis 28. Mai - soll das auch für den 1660 in Elberfeld geborenen „Niederländer“ Peter Schenck gelten. Er wird jetzt in einer Ausstellung des Von der Heydt-Museums gewürdigt. Während Figuren der Beuys-Schülerin Hede Bühl den Skulpturenpark bevölkern, gibt es in den Räumen für neue Kunst ein Wiedersehen mit Werken der viel zu früh verstorbenen Wuppertaler Bildhauerin Ulle Hees: Ihre Skulpturen und Zeichnungen zu Else Lasker-Schüler und Helene Stöcker zeigen wir im Rahmen unseres o.g. Festivals (www.erinnern-an-die-zukunft.de). Gern weise ich auch auf die Würdigung von „Europeras 1&2“ in diesem Heft hin: die beste Zeit beleuchtet die mutige und umstrittene Inszenierung im Wuppertaler Opernhaus. By the way: John Cage wurde für mich schon 1968 zu einem musikalisch-kritischen Idol. Ich hatte die Freude – als damals 15-jähriger jüngster Teilnehmer der „Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik“ –, den Komponisten persönlich kennen zu lernen. Er stellte vor allem spannende Fragen. Und er stand entspannt in der Tür, wenn die Häuptlinge der europäischen „Avantgarde“ ihre Hahnenkämpfe um die „richtige“ Antwort austrugen. Sein subversives Lächeln über jede Art von Dogma wurde auch für mich wegweisend - es gehört bis heute zu meinen hellsten Erinnerungen. Dieses Heft spiegelt auch Originalität und Protest - in der Kunst wie im politischen Handeln „von unten“. Der unangepasste Geist der großen Töchter des Wuppertals, Else Lasker-Schüler und Helene Stöcker, aber auch ihrer Weggefährten wie Armin T. Wegner und Gustav Landauer verbindet sich im Mai 2019 zum einen mit musikalischen Uraufführungen, Filmen, Lesungen und Ausstellungen. Zum anderen gibt es in eben diesem Geist Begegnungen mit Zukunftsinitativen sozialer und ökologischer Bewegungen,

z.B. der Klimaschutz-Bewegung „Fridays for Future“, mit dem Frauenhaus Wuppertal oder mit Besetzerinnen und Besetzern des Hambacher Waldes. Dazu passt, dass sich so mancher Text der Dichterin Else Lasker-Schüler heute wie eine Vorahnung des Klimawandels liest. Ich freue mich auch, mit welch großer Fantasie und gegenseitiger Unterstützung die Kulturschaffenden in diesem Jahr die rebellischen Töchter des Wuppertals feiern. Aber es ist an der Zeit, dass auch die Politik in unserer Stadt aktiv wird. Sie kann und soll mehr tun, als nur zuzusehen und sich damit zu schmücken, wie „Else“ und „Helene“ auf der Spielwiese der Kultur gefeiert werden. Eine Würdigung dieser beiden Frauen des Friedens und der Verständigung erfordert ein eigenes kommunalpolitisches „Geburtstagsgeschenk“ der Stadt. Weil Name und Werk beider Frauen für eine klare Absage an Hass, Rassismus, Antisemitismus und Islamfeindschaft stehen und weil gerade Else LaskerSchüler sich als „Prinz Jussuf“ aktiv für jüdisch-arabische Verständigung engagierte, soll der Rat der Stadt Wuppertal das Jubiläumsjahr dazu nutzen, um eine erste arabische Städtepartnerschaft mit der palästinensischen Stadt Dura in der Westbank zu eröffnen – zusätzlich zu unserer bestehenden Partnerschaft mit der israelischen Stadt Beer Sheva. (Mehr Infos: www.erinnern-an-die-zukunft.de) Beide Partnerschaften stehen für Respekt - sie richten sich gegen niemanden. Deutsch-israelische und deutsch-palästinensische Partnerschaften gehören schon seit Ministerpräsident Johannes Rau zu den geförderten Zielen in NRW. Ihnen allen wünscht einen schönen Frühling Ihr Ulrich Klan

Ulrich Klan ist Musiker, Komponist und Pädagoge. Er ist Mitgründer und Vorsitzender der Armin T. Wegner Gesellschaft e.V.

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Inhalt 10 Hede Bühl im Skulpturenpark Waldfrieden

Der Kopf ist für mich ein Universum Gespräch mit dem Bildhauer Tony Cragg

Tony Craggs Waldfrieden

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Peter Schenck im Von der Heydt-Museum

Alte Techniken – neue Betrachtungsweisen

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Museum für Asiatische Kunst in Radevormwald

Von einem, der mit dem Fahrrad um die Welt fuhr und mit Buddha zurückkam 20 Barocke Kunst in Italien

Im Lichte der Medici Eine erste Expedition durch die Kinder-Kunst-Kultur-Landschaft in Wuppertal

Ich sehe was, was du nicht siehst

John Cages provozierende Metaerzählung der Oper

Play! Europeras 1&2

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20 Jahre „Musik auf dem Cronenberg“

Musikalische Grenzgänge

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Günter Baby Sommer zum 75sten

„Etwas mit Lust und Liebe tun hält uns in Bewegung“ Drei Tage Festival im „ort“

PULS!

Petrichor – eine Kolumne von MC Graeff

Erinnerungen an das „Stehbildwerfen“ Wuppertal erfindet die Quartiergartenschau

Quartiere zeigen ihr Grün

Von der Schönheit alter Äpfel und Briefen aus der Zukunft

Hildegard Kurt

Lebendiges Erinnern im Mai 2019

Drei Zeitgenossen der Zukunft „Literatur auf der Insel“ im Café Ada

Inselgespräche im literarischen Salon Neue Kunstbücher vorgestellt von Thomas Hirsch

Geschichten der Bilder

Kinder und Jugendliche, Ausstellungen und Aktionen, Bühne, Musik, Kino

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Kulturtipps

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Impressum

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Der Kopf ist für mich ein Universum Hede Bühl im Skulpturenpark Waldfrieden

4 Hede Bühl, Großer Kopf III 1994-95, © VG Bildkunst Bonn 2019, Foto Michael Richter

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Hede Bühl, geboren 1940 in Haan, lebt und arbeitet in Düsseldorf. Sie studierte an der Kunstakademie Düsseldorf bei Sepp Mages und Joseph Beuys, dessen Meisterschülerin sie war. Für ihr künstlerisches Werk, das die menschliche Figur zum Zentrum hat, erhielt sie zahlreiche Stipendien und Preise, zuletzt wurde ihr 2007 der Käthe-Kollwitz-Preis der Akademie der Künste in Berlin verliehen. Vor allem mit ihren großformatigen Kopf-Skulpturen ist die Künstlerin in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten. Seit einigen Jahren befindet sich eine große Skulptur von Hede Bühl im Skulpturenpark Waldfrieden. Großer Kopf III (1994/95) ist eine dunkel patinierte Bronze, ein monumentaler Kopf, der auf seinem Sockel mit einer Scheitelhöhe von gut zwei Metern dem Betrachter gegenübersteht. Zwei sich auf der Vorderseite überkreuzende Bänder scheinen Mund, Nase und Augen zu verdecken – aber sind überhaupt Sinnesorgane angedeutet? Von der Seite erkennen wir die zwei Auflageflächen der gewölbten Form, die wir am ehesten mit der Kinnpartie und dem Hinterkopf in Verbindung bringen können. In ihrer strengen Symmetrie und Geschlossenheit vermittelt die Skulptur eine konzentrative Ruhe. Dieser Kopf scheint abgeschirmt gegen die Zumutungen der Welt, er mischt sich nicht ein in den Streit der Meinungen. Die Bänder mögen einengen, sie gewähren aber auch Schutz. Ein rätselhafter Kopf, den wir mit ambivalenten Gedanken und Assoziationen umkreisen können. Von Ende Mai bis August 2019 besteht in der ersten großen Halle des Skulpturenparks die Möglichkeit zu einer Begegnung mit sechs weiteren monumentalen Kopf-Skulpturen der Düsseldorfer Künstlerin. Bevor wir jedoch diese Vergleichsstücke zur Skulptur im Park in Augenschein nehmen können, werden wir eine silbern glänzende, hoch aufragende stehende Figur passieren 5

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Hede Bühl, Wächter (Koloss) auf der Isola Bella im Lago Maggiore (Italien), © VG Bildkunst Bonn 2019

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müssen. Der Wächter (Koloss) aus dem Jahr 1975 wird den Eingang zur Halle bewachen. Doch was kann ein solcher Wächter bewachen? Seine Augen sind nur angedeutet, ein massiges Band umschließt die Mund- und Kinnpartie, Arme und Beine sind von starken Klammern umfangen. Und doch wirkt diese Figur kraftvoll, sogar furchteinflößend. Es ist dieser Widerspruch zwischen ihrer machtvoll erscheinenden Präsenz und der offenkundigen Handlungsunfähigkeit, die den Betrachter auch hier wieder vor ein Rätsel stellt. Worin besteht die Macht dieses Wächters, der ja mit seiner von der Künstlerin gesetzten Bezeichnung eine eindeutige Funktion zugeschrieben bekommen hat? Wir werden uns nicht abhalten lassen, die gläserne Halle zu betreten, die einerseits einen rechteckigen, hohen Raum definiert und andererseits die unmittelbare Umgebung, den Wald, die Wege, die angrenzende Wiese optisch überhaupt nicht ausschließt. Hier treffen wir auf sechs, der Skulptur im Park eng verwandte monumentale Köpfe von Hede Bühl. Der erste große Kopf entstand 1991/92, die jüngste der hier gezeigten Arbeiten Großer Kopf VII in den Jahren 2000/01. Ein letzter dieser großen Köpfe, das Gipsmodell Kopf VIII. Der König befindet sich noch im Atelier in Arbeit und existiert dementsprechend noch nicht in gegossener Form. „Mein ‚Haupt‘-Thema, der Kopf, ist für mich ein Universum – die Beschäftigung mit einem Phänomen. Von einem Freund bekam ich noch zu Akademiezeiten einen Totenschädel. Ich war total fasziniert. Die Form des Hinterkopfes, wie sich das rundet, sich schließt – die äußeren und die inneren Formen in ihrer Komplexität begeistern mich nach wie vor. Ich habe mich gefragt, wie man dieses Geheimnisvolle gestalten kann. So habe ich angefangen, und es hat sich entwickelt. Anfangen – dann stellt sich etwas gegen Dich – und dann musst Du Deinen Weg finden.“

Hede Bühl mit Gipsmodell „Großer Kopf VI“, Foto: privat

So beschreibt es Hede Bühl in einem Interview, das in dem gerade erschienenem „Verzeichnis der Skulpturen und Zeichnungen“ (Salon Verlag, Köln 2019) abgedruckt ist. Neben 110 ausgewählten Zeichnungen umfasst dieses Verzeichnis die 190 Skulpturen, die seit 1963 entstanden sind und fast ausschließlich die menschliche Figur zum Thema haben. Seit 1983 dominiert, von wenigen Ausnahmen abgesehen, der menschliche Kopf als zentrales künstlerisches Thema. In ihrer Schilderung des Beginns der Auseinandersetzung mit ihrem „Haupt“-Thema sowie in der kurzen und präzisen Beschreibung des Arbeitsprozesses hat Hede Bühl in denkbar knappster Form Wesentliches für ihr Gesamtwerk zum Ausdruck gebracht. Es geht ihr nicht um Köpfe im Sinne von Abbildern oder Porträts, Hede Bühl geht von 7

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der Schädelform, vom knöchernen Grundgerüst aus. Das ist aber auch nur ein Ausgangspunkt, bei dem sie nicht stehen bleibt. Seit dem Jahr 1967 tauchen Bänder und Einschnürungen auf, von denen die Köpfe und Figuren eingedellt, zerfurcht, aber auch gehalten werden. Augen, Nasen, Ohren als Sinnesorgane sind entweder verdeckt oder im Prozess der Abstraktion, der Reduzierung auf das absolut Notwendige gar nicht erst gestaltet worden. Bei älteren Skulpturen ist gelegentlich noch ein Mund herausgearbeitet, aber auch dieses Ausdrucksorgan findet sich in den neueren Skulpturen schon längst nicht mehr. „Anfangen – dann stellt sich etwas gegen Dich – und dann musst Du Deinen Weg finden.“ Dieser Satz liefert einen Schlüssel zum Gesamtwerk von Hede Bühl. Der eigenen Idee, den ureigensten Wünschen und Bedürfnissen stellen sich Widerstände entgegen, die Wünsche anderer Menschen, soziale Regeln, Tabus und Gesetze. Unser Expansionsdrang stößt von Anfang an an Grenzen. Unsere Vorstellungen lassen sich nicht umstandslos realisieren, Widerstände tauchen auf. Und exakt an dieser unruhigen Grenze zwischen dem Wunsch nach Selbstverwirklichung einerseits und sozialen Grenzsetzungen andererseits müs-

sen wir unseren Weg finden – findet Hede Bühl mit ihren Skulpturen ihren künstlerischen Weg. Da wölbt sich etwas vor, will sich ausdehnen, will den Raum erobern – und wird durch Bänder und Klammern zurückgehalten, eingeengt – und wird von der Künstlerin fixiert, festgehalten in dieser nie endenden Auseinandersetzung zwischen Expansionswillen und Grenzsetzung. Hede Bühl nimmt dabei aber nie Bezug auf aktuelle, tagespolitische Debatten. Selbst ein 1984 geschaffenes Mahnmal in Duisburg für die Opfer des Nazi-Regimes zeigt das Prinzipielle der Auseinandersetzung, das Einengende, Fesselnde, das Leben unmöglich Machende. Aber auch diese Skulptur behält ihre Bedeutungsoffenheit und steht nicht nur für die Gräuel des Dritten Reiches, sondern ebenso auch für andere existenzielle Konflikte und Kämpfe des Einzelnen oder einer Gruppe mit einer übergroßen Macht und Gewalt. Hede Bühl zeigt nicht konkrete Szenen oder äußere Ereignisse, sondern die im Inneren des Menschen sich abspielenden Kämpfe. Sie zeigt uns die Spuren, die diese Auseinandersetzungen mit der Umwelt in uns hinterlassen. Das macht ihre Skulpturen so kraftvoll, bei aller Ruhe, Abgeschlossenheit und klaren Symmetrie so energiegeladen. Die Betrachterin und der Betrachter sollten sich nicht täuschen lassen von

Hede Bühl, Blick ins Atelier, Foto: privat

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Hede Bühl, Blick ins Atelier, Foto: privat

der perfekten, makellosen Außenhaut, der polierten oder sorgfältig patinierten Oberfläche der Skulpturen. Auf einer handgeschriebenen Notiz, die lange an einer Wand ihres Ateliers hing, war die Rede vom „Feuer unter dem Eis“. Während vier der hier gezeigten Kopf-Skulpturen dunkel patiniert sind, werden wir auch mit einer polierten Bronze und einem silber glänzenden Aluminiumguss konfrontiert werden. Die Betrachterinnen und Betrachter spiegeln sich in ihnen, werden mit ihren Fragen an die Kunstwerke auf sich selbst zurückgeworfen. In seiner berühmten Schrift über den auch von Hede Bühl bewunderten Bildhauer Auguste Rodin schreibt der Dichter und sein zeitweiliger Sekretär Rainer Maria Rilke: „Was die Dinge auszeichnet, dieses Ganz-mit-sich-Beschäftigtsein, das war es, was einer Plastik Ruhe gab; sie durfte nichts von außen verlangen oder erwarten, sich auf nichts beziehen, was draußen lag, nichts sehen, was nicht in ihr war. Ihre Umgebung musste in ihr liegen.“ Diese poetischen Sätze des Dichters lassen sich auch auf die Kopf-Skulpturen von Hede Bühl beziehen. Angesichts der ebenso kraftvollen wie in sich ruhenden Skulpturen der Künstlerin sind wir als Betrachte-

rinnen und Betrachter mit uns selbst, mit unseren eigenen Vorstellungen beschäftigt, mit unserem Erleben von Einengungen und Vorschriften, mit unserem Behauptungswillen, mit unserem Widerstand als Antwort. Stoische Ruhe, Auflehnung, Innehalten, Rückzug, Selbstbehauptung, in der Selbstbesinnung gesammelte Kräfte, knospende neue, eigene Ideen – all diese Widersprüche, ambivalenten Gefühle und Gedankengänge spiegeln sich in unseren Assoziationen und Überlegungen, wenn wir uns auf einen Dialog mit den Skulpturen von Hede Bühl einlassen. So sind wir immer mit im Bilde – nicht nur, wenn es sich um reale Spiegel oder uns spiegelnde Skulpturen handelt. Hartmut Kraft

Hede Bühl 25. Mai – 11. August 2019 Skulpturenpark Waldfrieden Hirschstraße 12, 42285 Wuppertal www.skulpturenpark-waldfrieden.de 9

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Tony Cragg, Distant Cousin 2006, ©VG Bildkunst Bonn 2019, Tony Cragg, Foto Michael Richter

Tony Craggs Waldfrieden Ein Gespräch mit dem Bildhauerx

Es ist kaum zu glauben, wenn man ihn sieht und erlebt, ob bei Pressekonferenzen zu seinen Ausstellungen im Skulpturenpark Waldfrieden, als kompetenten und immer auch humorvollen Redner bei Eröffnungen in seinen drei Ausstellungshallen oder bei einem Gang durch den Park: Der Bildhauer Tony Cragg wird 70 Jahre alt. Jetzt sitzt er zum Gespräch in seinem Atelier. 10

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Was bedeutet die Zahl 70 für ihn? Zunächst einmal: Alter sei ja wie alles relativ. Seine Tochter habe ihm kürzlich gesagt, er solle sich keine großen Gedanken machen, es gebe schließlich Schlimmeres, als 70 Jahre alt zu werden. Was denn? „Wenn man 30 wird.“ Sie habe Recht. Mit 30 sei die Jugend vorbei, ein denkwürdiger Einschnitt. „Wenn man jung ist, dann hat man das Gefühl, es gehe immer weiter nach oben, es werde noch schöner, größer, vollkommener es komme noch so viel!“

Ihm habe die Erkenntnis, dass das Leben endlich ist, gutgetan. Er plane die Zeit jetzt ganz anders als noch vor einigen Jahren. Er habe keine Zeit zu warten, weder ein halbes Jahr auf ein Auto noch auf ein spezielles Werkzeug. Zeit sei kostbar geworden. Tony Cragg, seit Ende der 1970er-Jahre in Wuppertal lebend, ist 2003 mit seinem Atelier und den Werkstätten auf die Südhöhen der Stadt gezogen, in eine umgebaute11

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Tony Cragg, Lost in Thought, 2018, Stahl, ©VG Bildkunst Bonn 2019, Tony Cragg, 12 Foto: Michael Richter

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Panzergarage auf einem ehemaligen Kasernengelände. Immer wenn er aus seinem Atelierfenster über die hügeligen Wiesen, umrahmt von Wäldern, mal schneebedeckt, mal grün wuchernd, schaute, träumte er von Skulpturen in dieser bergischen Landschaft, von Natur und Kunst, von einem Skulpturenpark. Es hat ein paar Jahre gedauert, bis Cragg endlich ein ideales Gelände gefunden und gekauft hat: den Skulpturenpark Waldfrieden. Im vorigen Jahr feierte der Park sein zehnjähriges Jubiläum. Tony Cragg hat aus diesem verwilderten, hügeligen Gelände auf der Grenze zwischen Barmen und Elberfeld mit uralten und seltenen Laub- und Nadelbäumen einen öffentlich zugänglichen Skulpturenpark gemacht. Auf dem Weg von der Stadt bergan in sanften in Serpentinen begegnen der Besucherin und dem Besucher Kunstwerke nicht nur des Hausherrn, sondern Geschenke und Dauerleihgaben von namhaften internationalen Bildhauern: z.B. von Henry Moore, Joan Miro, Markus Lüpertz, Norbert Kricke, Richard Deacon, Wilhelm Mundt, Erwin Wurm. Sie alle und viele andere Künstlerinnen und Künstler haben ausgestellt im Park, zunächst in der großen Glashalle, die Cragg zuerst gebaut hat. Inzwischen ist am unteren Ende des Parks eine kleinere Ausstellungshalle entstanden, und seit dem vorigen Jahr steht oben auf dem höchsten Punkt des Parks eine dritte, runde Glashalle. Kunst und Natur – hier stehen sie im Dialog miteinander, die Materialien, die Inhalte. „Wenn man Skulpturen im Außenbereich sieht, dann wird evident, wo die Korrespondenzen und wo die Widersprüche sind. Das ist eine sehr interessante Erfahrung. Korrespondenzen und die gegenseitige Beeinflussung von Natur und Kunst“, so Cragg. Für ihn war und ist der Park immer noch ein „ein unheimlich spannender Ort: eine wunderbare Natur – auf der anderen Seite nur ein paar hundert Meter das Stadtzentrum. Und das ist auch eine schöne Spannung.“ Er liebt diesen Ort. Er sei manchmal abends in seinem Park und sehe eine Vielfalt von Vogelarten, Bussard, Specht, viele kleine Vögel. Dazu all die verschiedenen Bäume, fremde, seltene und einheimische, die im Park wachsen: japanischer Ahorn, amerikanische Roteiche, Scheinzypresse und Rubinie, Sternmagnolie, russische Weintraube und all die Buchen, Eichen, Birken, Lärchen, Eschen, Kastanien, Walnussbäume und Wildäpfel. Und ein riesiger Apfelbaum. „Ihn muss man im Frühjahr sehen, das sieht das ganz fantastisch aus mit den vielen Blüten.“ Längst ist Waldfrieden

Tony Cragg in seinem Atelier, März 2019, Foto: Karl-Heinz Krauskopf

nicht nur Ausstellungsort, sondern auch Treffpunkt für Musikerinnen und Musiker: Jazzkonzerte im Freien, zeitgenössische Musik in den Wintermonaten in der großen Glashalle ziehen seit Jahren ein großes Publikum an, ebenso kleinere Veranstaltungen wie die „Literarische Teezeit“ und regelmäßig im Februar eine Filmreihe zur Kunst. 70 Jahre – das sind für Cragg 50 Jahre Bildhauerei. Der Weg führte ihn vom Studium in London über die künstlerischen Anfänge in England, ab 1977 nach Deutschland. Er zog nach Wuppertal und findet „die Stadt und die gesamte Umgebung bis heute schön und anregend“. Es folgten Jahre und Jahrzehnte immer größer werdender Anerkennung: Er war Teilnehmer an der documenta 7 und 8, vertrat Großbritannien 1988 auf der Biennale in Venedig, und er wurde 13

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vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Turner-Preis der Tate Gallery London, dem Premium Imperiale Award Tokyo, dem Cologne Fine Art Award. Er war Professor an der Akademie der Künste in Berlin und an der Kunstakademie in Düsseldorf, dort von 2009 bis 2013 als Direktor. Er stellte weltweit in allen großen Museen aus und in namhaften Galerien. Seine Skulpturen sind in aller Welt zu sehen. „Bildhauerei ist eine Kerndisziplin, nicht etwas, was nebenher läuft und die Welt ein bisschen ausschmückt und interessant macht.“ Bildhauerei sei in der Lage, bestimmten Fragen nachzugehen, was wichtig ist im Leben oder wertvoll, bedeutungs- oder sinnvoll. Nur Werte, die teuer sind, nur Werte, weil sie funktionieren, das seien keine richtigen Werte. Die Bildhauerei gehe „das Risiko ein, Formen zu bauen, die nicht utilitaristisch sind. Die einfach nur da sind, sichtbar und erlebbar. Das ist alles nicht sinnvoll, kaum etwas davon ist nützlich. Aber es ist ungeheuer wichtig, dass wir wissen, welche Möglichkeiten es im Leben gibt, nicht nur praktisch, auch emotional. Nicht nur die Bildhauerei, sondern die Kunst überhaupt hat deshalb eine wichtige Rolle.“ Tony Cragg liebt die Natur, in seinem Park, in Schweden, wo er ein Haus besitzt. Aber seine Skulpturen sind keine verfremdeten Bäume oder abstrahierte Tiere und Gewächse, sondern künstliche Gebilde, angeregt vom Mikrokosmos, geformt aus der Fantasie des Künstlers. Dieser Mikrokosmos besteht aus Molekülen, Luft, Strahlen, Bewegung, Wellen. Hieraus schöpft Tony Cragg seine vielfältigen Formen. Denn es gehe nicht um Dinge, die da sind, die müsse er nicht machen. „Es geht um die Dinge, die nicht da sind. Und das ist für mich die Aufgabe der Bildhauerei, einen Versuch zu machen, Dinge zu bauen, die nicht da sind.“ Bei der Arbeit, beim Bauen mit Materialien merke man sehr schnell, „ob man zu einem Gesicht kommt. Das hat nicht unbedingt logische Formen, manchmal sehen sie wie Türme aus, manchmal wie Organismen, manchmal sehen sie wie geologische Strukturen aus und manchmal findet man keine Worte, sie zu beschreiben.“ Er lacht. 70 Jahre – kein Grund zum Ausruhen, im Gegenteil: „Es gibt noch sehr viel zu tun.“. Tony Cragg wird in diesem Jahr in Denver, London, in Brasilien ausstellen und im Franz-Marc-Museum in Kochel am See. Im kommenden Jahr in der Nationalgalerie in Prag. Er wird eine Skulptur für die Bergische Universität gestalten und eine sechs Meter große Skulptur entwerfen, ein Auf-

trag der Bundesregierung. Standort: an der Spree. Berlin kennt Cragg gut. Wenn er dort in seiner kleinen Wohnung sei, dann erinnere ihn das an seine Studentenzeit in London: direkt vor der Haustür Cafes, kleine Läden, Restaurants, Kinos. Eine ansteckende Lebendigkeit. In Wuppertal arbeitet er zurzeit wieder an dem Thema „Hedges“ – Hecken. Auch da werden Erinnerungen wach: an die Kindheit. An große Wiesen, eingezäunt von Hecken, die ein besonderes Innenleben hatten mit Blumen, vielerlei Insekten und Vögeln mit ihren Nestern. „Das waren für mich Räume der Geborgenheit.“ Und Räume für Abenteuer und Fantasie. Auch das sei schön am Alter: Man habe eine Fülle von Erinnerungen. Was bedeutet Glück für ihn? „Ich genieße meine Familie. Ich bin gern in der Natur. Ich lese viel – amerikanische, englische und schwedische Literatur.“ Und den großen Knut Hamsun. Aber zum Leben, das weiß er, gehört nicht nur das Glück, sondern auch die Erfahrung, „dass das Leben nicht immer so läuft, wie man es gern hätte“. Wie sieht er die Welt heute mit 70 Jahren? Wieder eine Erinnerung: In der Grundschule hätten sie im Unterricht über Wasser und Klima gesprochen. „Jetzt, nach über 60 Jahren hat sich nichts geändert.“ Deshalb findet es Tony Cragg „hoffnungserweckend, dass jetzt die Kinder und Jugendlichen auf die Straße gehen“. Weniger hoffnungsfroh ist Craggs Zustandsbeschreibung der Gegenwart mit Blick auf die Zukunft. Die Welt sei von Materialismus und Kapitalismus bestimmt, sie werde von immer mehr „Verrückten“ regiert, und Unwissen und Ablenkung von wirklichen Problemen werde systematisiert. Aber die Kunst könne vielleicht - mitten im Satz springt Tony Cragg auf und läuft zur Fensterfront. „Ein Bussard, guck mal, ein Bussard! Wie irrsinnig schnell er im Wind fliegt.“ Er schaut ihm lange nach. Anne Linsel

Nächste Ausstellungen Tony Cragg: 7. Mai bis 13. Oktober 2019, Boboli Garten Florenz 2. Juni bis 6. Oktober 2019, Franz Marc Museum Kochel am See

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Tony Cragg, Points of View, Winter, ©VG Bildkunst Bonn 2019, Tony Cragg, Foto: Charles Duprat 15

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Peter Schenck, Das Innere der Peterskirche in Rom, spätes 17. Jh./frühes 18. Jh., Farbstich, Von der Heydt-Museum Wuppertal

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Alte Techniken – neue Betrachtungsweisen Peter Schenck im Von der Heydt-Museum

Das Von der Heydt-Museum widmet Peter Schenck eine Ausstellung, „dem berühmtesten Elberfelder, der jemals in Vergessenheit geriet“, wie die Ausstellung im Untertitel heißt. Im 17./18. Jahrhundert, einer Zeit, die als Hochblüte europäischer Bildkunst gilt, erarbeitet er zahlreiche Porträts und Landschaftsdarstellungen. Dafür benutzt er unterschiedliche druckgrafische Techniken, und als einer der Ersten druckte er in Farbe. Im Interview spricht Kuratorin Anna Storm über die Faszination, einen lange unbeachteten Künstler wiederzuentdecken. Wie kam es zu der Idee zu dieser Ausstellung? Storm: Der erste Impuls für die Ausstellung kam von Herrn Dr. Finckh, der gerne eine Ausstellung mit den eigenen Werken aus der Sammlung konzipieren wollte. Diese Idee hat meine Kollegin Sierra Kaag, Registrarin im Von der Heydt-Museum, dann aufgegriffen und schon vor einiger Zeit eine erste Ausstellungskonzeption erarbeitet. Darauf aufbauend habe ich nun diese Ausstellung kuratiert, die zum allerersten Mal überhaupt das anschauliche druckgrafische Konvolut von Peter Schenck, das das Museum besitzt, präsentiert.

Peter Schenck, Porträt des Künstlers, spätes 17. Jh./frühes 18. Jh., Radierung, Von der Heydt-Museum Wuppertal

Was wird zu sehen sein? Die Ausstellung zeigt 75 Druckgrafiken von Schenck aus der Sammlung des Von der Heydt-Museums. Daneben präsentieren wir ca. 20 Gemälde aus der Sammlung, um Schenck im Kontext des Goldenen Zeitalters in den Niederlanden zu verorten und die historischen Bezüge aufzuzeigen. Die Ausstellung ist in acht Räumen thematisch gegliedert und präsentiert so die ganze Bandbreite seines Schaffens. Was ist das Interessante an Peter Schenck? Peter Schenck wurde 1660 in Wuppertal-Elberfeld geboren, doch er wird heute vorbehaltlos zu den Niederländern gezählt. Das liegt daran, dass er bereits als junger Mann nach

Amsterdam ging, dort eine Lehre absolvierte und sich niederließ. Mit der Übernahme des Verlags J. Jansen, den er gemeinsam mit seinem ehemaligen Lehrer und Schwager Gerald Valck führte, etablierte er sich schnell als äußerst erfolgreicher und kluger Geschäftsmann, der es verstand, der in den Niederlanden sehr großen Nachfrage an Druckgrafiken nachzukommen. Seinen großen Erfolg belegt auch die Tatsache, dass er von König August dem Starken von Sachsen-Polen, der über eine ansehnliche Kunstsammlung verfügte, zum Hofgraveur ernannt wurde. Auch der Vater Goethes schätzte Schenck und besaß einige Drucke von ihm. 17

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Wie wollen Sie den Besuchern die verschiedenen Techniken erklären? Heute kann man sich kaum mehr vorstellen, wie aufwendig und komplex die unterschiedlichen druckgrafischen Verfahren tatsächlich sind. Oder welche Unterschiede zwischen einem Kupferstich und einem Schabkunstblatt bestehen. Daher haben wir uns nicht nur für erklärende Wandtexte und eine kleine Broschüre entschieden. Wir zeigen auch Original-Werkzeuge und Materialien, die für druckgrafische Erzeugnisse unerlässlich sind. So wollen wir dem Besucher die verschiedenen Techniken näherbringen. Außerdem laden wir am 23. Mai den Wuppertaler Künstler und Druckgrafiker Peter Paulus zu uns ein, der eine anschauliche Einführung in die Welt der Druckgrafik geben wird.

Peter Schenck, Bunter Vogel, spätes 17. Jh./frühes 18. Jh., Farbstich, Von der Heydt-Museum Wuppertal

Doch seine besondere Errungenschaft ist der Farbstich. Er produzierte gemeinsam mit dem Erfinder und Unternehmer Johannes Teyler eine ganze Reihe farbiger Blätter und zwar schon lange bevor diese neue Technik weite Verbreitung fand. Schenck gehört also zu den ersten Künstlern überhaupt, die diese Technik systematisch nutzten und somit maßgeblich für die weitere Entwicklung dieser bahnbrechenden Erneuerung waren. Was ist auf den Bildern zu sehen? Die Themen seiner Produktion sind weit gestreut, Schenck bediente unterschiedliche Gattungen. In seinem Œuvre finden sich neben den Stadtansichten und Landschaften auch Genre- und mythologische Szenen sowie Landkarten. Besonders interessant sind die zahlreichen Porträts, die die größte Motivgruppe innerhalb der Ausstellung darstellen. In diesen hielt Schenck bekannte Persönlichkeiten seiner Zeit fest wie Leopold I. oder Karl II., König von Spanien, aber auch Dichter und Denker wie René Descartes und Maler wie Godefridus Schalcken oder Godefridus Kneller. Ob all diese Porträts Auftragsarbeiten waren, wissen wir heute nicht. Aber es ist davon auszugehen, dass Schenck einige auch aus Eigeninitiative heraus nach grafischen oder malerischen Vorbildern anfertigte.

Warum hätte Peter Schenck es verdient, wiederentdeckt zu werden? Man muss Schenck in erster Linie als klugen Geschäftsmann begreifen, der den florierenden Geschäftszweig der Druckgrafik in seinem Verlag ausbaute und weiterentwickelte und damit der Nachfrage – Druckgrafik war in den Niederlanden sehr gefragt – nachkam. Mit seinen Farbstichen revolutionierte er die Druckgrafik und besonders den Landkartenzweig, das hatte weitreichende Folgen. Seine guten Kontakte und sein großes Netzwerk auch zum Hofe bescherten ihm Vermögen und Einfluss, er war in den Niederlanden wie in Deutschland als bekannter Künstler gefragt. Wer Schenck heute wiederentdeckt, der entdeckt damit auch ein Stück Geschichte, denn in der Geschichte der Druckgrafik nimmt Peter Schenck eine prominente Position ein. Das Interview führte Marion Meyer

Peter Schenck 14. April bis 25. August 2019

Parallel dazu ist die Sammlungspräsentation „1919-2019 – hundert Jahre Moderne im Von der Heydt-Museum“ zu sehen. Von der Heydt-Museum Turmhof 8, 42103 Wuppertal www.von-der-heydt-museum.de

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Peter Schenck, Renatus Descartes, spätes 17. Jh./frühes 18. Jh., Mezzotinto, Von der Heydt-Museum Wuppertal

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Von einem, der mit dem Fahrrad um die Welt fuhr und mit Buddha zurückkam Besuch bei Peter Hardt im Museum für Asiatische Kunst in Radevormwald

Nandi, Foto: Helmut Steidler

Wir werden von Nandi, dem Glücklichen, empfangen. Nandi ist ein Stier der hinduistischen Mythologie, er ist das Reittier und ein treuer Diener des Hindu-Gottes Shiva. Er ist auch der Schutzgott der Tiere. Nandi steht in einem Garten vor dem Museum. Neben ihm Ganesha, ein Gott mit dem Kopf eines Elefanten und vier Armen. Er gilt als der „Beherrscher der Hindernisse“ im Hinduismus. Wir sind im Museum für Asiatische Kunst in Radevormwald angekommen, Nandi und Ganesha haben nichts gegen unseren Besuch einzuwenden, und so werden wir von Li Hong Hardt, der Leiterin des Museums, freundlich empfangen. Wenig später sitzt uns Peter Hardt an einem runden Tisch gegenüber, und bei einer Tasse Kaffe erzählt er uns die Geschichte, wie ein so prächtiges asiatisches Museum nach Radevormwald kommen konnte. Alles begann mit Heinz Helfgen, Journalist und Reiseschriftsteller. Sein Buch „Ich radle um die Welt“ fuhr Peter Hardt vor mehr als 30 Jahren zuerst in den Kopf und dann in die Beine. Nachdem er seine kleine Druckerei an seine

Mitarbeiter übergeben hatte, seine Freundin das junge Dienst- und Beamtenverhältnis als Grundschullehrerin beendet hatte, schwangen sich die beiden auf die vollgepackten Stahl-Fahrräder aus den Bismarck-Werken und radelten den Rhein hinauf zuerst nach Österreich, dann entlang der Küstenstraße durch Jugoslawien, um Albanien herum, durch Mazedonien und Griechenland in die Türkei. Sie hatten einen Tagessatz von 1,50 DM zur Verfügung. Davon musste alles, was benötigt wurde, bezahlt werden. In der Türkei gab es dafür Fladenbrot, Trauben und Ziegenkäse. Übernachtet wurde in einem kleinen ZweimannZelt hinter den Polizeistationen. Dort wurden sie immer freundlich aufgenommen und konnten relativ sicher die Nächte verbringen. Nach der Türkei ging es nach Persien und nach Afghanistan, nach Quetta, nach Kabul bis Masar-e Scharif. „Afghanistan ist für mich das schönste Land der Welt“, sagt Peter Hardt. „Mit den freundlichsten Menschen, die man sich vorstellen kann. Die einfachste Dattel wurde mit uns geteilt.“ Durch Pakistan ging es weiter nach Indien, Kaschmir, Bangladesch, Myanmar, Laos, Kambodscha, nach Sumatra, Java und nach Bali. Hier gingen die Geldmittel zur Neige, und die Idee entstand, in Australien zu arbeiten. Die australische Botschaft verweigerte den beiden aber die Einreise, sie konnten die Voraussetzungen nicht erfüllen: Sie waren einfach zu arm. Also ging es von Java wieder zurück nach Singapur und dann in den Norden nach Bangkok. Anschließend mit einem Containerschiff über Hongkong, Osaka, Tokyo, Hawaii nach Los Angeles, mit dem Fahrrad nach New York, von da aus mit dem Billigflieger nach Island und Luxemburg und wieder zurück nach Remscheid. Seine Frau wurde direkt wieder in den Schuldienst aufgenommen, auch ins Beamtenverhältnis.

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Bodhisattva, ein „Erleuchtungswesen“, in der unteren Ausstellungsebene, Peter Hardt (rechts) im Gespräch mit Helmut Steidler, Foto: Willi Barczat

Peter Hardt verkaufte seine Piselinten – Ziegenmilchtöpfe aus Afghanistan, alles, was sich so auf der Reise angesammelt hatte – in Köln auf dem Flohmarkt und bekam dafür 2680 DM. Das war damals eine Menge Geld. In der Zeitung las er eine Anzeige: Alter Postbus in Wuppertal zu verschenken. So ganz umsonst sollte er aber dann doch nicht sein. Schließlich kaufte er den Bus für 900 DM und fuhr damit nach Afghanistan, wo der Bus für 4000 DM erneut den Besitzer wechselte, mit dem Auftrag, drei weitere Busse zu beschaffen. Diese wurden dort umgebaut – zu Personenbussen. Insgesamt fuhr Peter Hardt 18 Mal nach Afghanistan; mit den Erlösen aus den Busverkäufen erwarb er dort Kunstgegenstände, zuerst in der Absicht, diese hier auf Flohmärkten zu veräußern. Später wurde er zum Hallen-Antikhändler, und dann wurden Verbände und Museen auf ihn aufmerksam. Sie baten ihn, asiatische Kunstgegenstände für sie mitzubringen. Heute gehört die Galerie Hardt zu den größten Anbietern asiatischer Kunst weltweit. Die Galerie ist auf Messen in der ganzen Welt vertreten, zum Beispiel in New York, Shanghai, in Hongkong und in Wien, München und Köln.

Auf den Messen trifft man viele interessante Menschen. Auf der Münchner Kunstmesse waren es die Geschwister Kienzle. Sie boten Peter Hardt an, sie in Stuttgart und auch in Oberammergau zu besuchen. Nach einigem Zögern nahm Hardt die Einladung an – und eine Welt tat sich auf: In einem 23-Zimmer-Haus, gelegen in einem verwilderten Garten in der besten Lage von Oberammergau, horten die Kienzles ihre asiatischen Kunstschätze. Alle Zimmer mit Kisten vollgestellt bis zur Decke. Die Eingangstüren ließen sich gerade mal einen halben Meter öffnen. Peter Hardt ließ sich widerwillig zu einer Archivierung der Schätze überreden, musste aber rasch erkennen, dass das alleine nicht zu machen war. In der Professorin Marianne Yaldiz, der damaligen Leiterin des asiatischen Museums in Berlin, fand er eine Unterstützerin. Nach dem Öffnen eines kleinen Teils der Kisten wurde der immense Wert und Reichtum dieser Sammlung erfasst und festgestellt, dass diese Sammlung etwas für das Rautenstrauch-Jost-Museum in Köln, für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, für das Rietberg Museum in Zürich, für das Country-Museum-of-Art in Los Angeles oder das Metropolitan Museum in New York sein könnte. Die Aufgabe 21

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Das 22 Sandmandala „Grüne Tara“, 2016, Foto: Willi Barczat

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für Peter Hardt bestand nun darin, diese ganze Sammlung zu sichten und zu katalogisieren, um sie den Museen anzubieten. Ein Dreivierteljahr verbrachte er damit. Danach machte er sich auf die Reise zu den genannten Museen. Die Reaktionen waren überall annähernd dieselben: „Ja, wir wollen das haben. Wir machen eine Sonderausstellung von vier Wochen, maximal acht Wochen, und dann kommen die Stücke wieder ins Archiv.“ Aber das wollten die Kienzles genau nicht, sie wollten ihre Sammlung nicht in irgendeinem Museumskeller verstauben sehen, sie wollten eine Dauerausstellung, wo jede Frau und jeder Mann das ganze Jahr über ihre Schätze aus Asien anschauen konnte. Aber das konnte kein Museum leisten, schlicht und einfach – es fehlte der Platz. Nachdem Peter Hardt Frau Professor Marianne Yaldiz sein Leid geklagt hatte, riet sie ihm, zwei sehr gute Rotweinflaschen mit zur Familie Kienzle zu nehmen als Vorbereitung für den Vorschlag, ein Museum in „Hippenindien“ zu bauen und dort die Sammlung unterzubringen. Auf die Frage, wo denn Hippenindien liege, erklärte sie: „Ja, da wo sie herkommen … in Radebusch.“ Was wiederum ein Licht auf die Meinung der Berliner über Radevormwald wirft, der „Stadt auf der Höhe“, wie sie seit 2012 genannt wird. Also auf nach Oberammergau! Nachdem die zwei Flaschen geleert waren, der Vorschlag unterbreitet war, wurde, nach einer angeregten Diskussion im internen Familienkreis der Kienzles, schließlich das Einverständnis gegeben: „Ja, wenn du meinscht, dann machscht. Aber Geld kriegscht nit, das zahlscht selbst.“ Eröffnet wurde das Museum im Jahr 2014 mit rund 200 Exponaten auf ca. 500 Quadratmetern. Die Ausstellung ist nicht klassisch aufgebaut, also Vitrine an Vitrine mit kleinen Teetassen aus der Ming- oder Tang-Dynastie, sondern in der Art einer Kunstmesse, also nicht streng getrennt nach Epochen oder Stilrichtungen oder nach religiöser Zugehörigkeit. Die Ausstellung ist nach optischen Gesichtspunkten strukturiert, um den Besucher unmittelbar in ihren Bann zu ziehen. Auf drei Ebenen befinden sich die Exponate, die sowohl aus unterschiedlichen Zeiten als auch aus unterschiedlichen Regionen Asiens stammen. Antike Kostbarkeiten der tibetischen Kunst werden in gesicherten Vitrinen aufbewahrt. Ritualgegenstände und Kultobjekte des tantrischen Buddhismus beleben die Fantasie der Besucher. Seltene Thangkas und buddhistische Ge-

mälde zählen zu den Schätzen ehemaliger Klöster Tibets. Bezaubernde buddhistische Skulpturen aus Bronze zeigen einen feinen Sinn für Formen und Proportionen, wie man ihn nur in der Kunstgeschichte Südostasiens findet. Indien hingegen wird von seinen außergewöhnlichen Gottheiten repräsentiert, oft mit vielen Armen und Köpfen. Seltene Stupas und Tempelskulpturen aus Nepal und Bhutan machen die Ausstellung so unverwechselbar. Es ist eine Sammlung erlesener und seltener Exponate, unterschiedlicher Stile, kulturgeschichtlicher Epochen und verschiedener Regionen Asiens. Die Besichtigungsrunde beginnt mit einem Schlag auf eine große Klangschale. Der Klang erfüllt den Raum eine Minute lang. Ein Fußabdruck erregt unsere Aufmerksamkeit. Buddha wurde ursprünglich nicht als Person dargestellt, man verwendete seinen Fußabdruck als Beweis dafür, dass Buddha auf Erden gelebt hat. Diese Anbetung des Fußabdruckes wurde von den Hindus übernommen. Im Museum kann man einen Blick in das Innere einer Gebetstrommel werfen. Hunderte von handgeschriebenen runden Gebetsseiten wurden aufeinandergeschichtet. Waren sie geweiht, dann kamen sie in einen Sack aus Jak-Leder. Dieser wurde vernäht, damit die Schriften nicht verblassten, danach wurde er mit einem Holzrahmen stabilisiert. Schließlich wurde dieser noch bemalt und in ein Gebetshäuschen gebracht. Vor einigen Jahren kam die Anfrage von sechs tibetischen Mönchen des SERA-Jey NGARI KHANGTSEN Klosters in Südindien, ob sie denn in dem wunderschönen Garten des Museums Tänze aufführen und Geld für einen Tempel sammeln könnten. Peter Hardt sagte zu. Nachdem die Mönche ihre Tänze beendet hatten, bat er sie darum, ein Sandmandala zu streuen. Sie fertigten zunächst eine blaue Platte nach einem bestimmten Maß an und zeichneten Formen mit Bleistift auf ein Blatt Papier. Danach saßen die Mönche vier Tage lang auf dem Boden, die Platte vor ihnen, und streuten gefärbten, sehr feinen Sand mit ungeheurer Feinheit und Konzentration auf die vorgezeichneten Formen. Die Mönche hatten jeweils bereits 25 Jahre auf diese Art meditiert. Schließlich war das Sandmandala fertig. Nach kurzer Zeit wollte einer der Mönche den Sand zusammenkehren, um ihn schließlich in einer Zeremonie in das nächste fließende Wasser zu streuen. Peter Hardt jedoch appellierte an die Mönche, das Meisterwerk nicht zu zerstören, und erinnerte an deren Auftrag, Geld für einen Tempel zu sammeln. Schließlich konnte eine Spende das Sandmandala für das Museum erhalten. Es ist somit das einzige erhalten gebliebene Sandmandala in Deutschland. 23

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Blick in die Ausstellung

Yamantaka, Bronze, Tibet, 20. Jahrhundert

Avalokitesvara, Messing, China

Guanyin in einem chinesischen Schrein, um 1850, Fotos: Willi Barczat

Wir gehen weiter zu einer mittelgroßen, wunderschönen menschlichen Figur. Peter Hardt erzählt dazu, dass er die Statue von einem verstorbenen Kunden bekommen habe, der Wasserbaumeister in Bhutan gewesen sei und für den dort herrschenden König einen Staudamm zur Wasserversorgung gebaut habe. Der König war sehr zufrieden mit dem Ergebnis und hat ihm als Geschenk und Anerkennung diese geweihte Figur aus dem 17. Jahrhundert übergeben (siehe Titelbild). Daneben steht ein großer Buddha. Er ist aus Stuck gearbeitet, ist hellbeige bemalt und hebt sich damit gut ab vom roten Teppich in seinem Rücken. Besonders besticht er durch sein einnehmendes Lächeln. In einer geöffneten Hand sammeln sich kleine Münzen, die Besucherinnen und Besucher dort hineingelegt haben.

Wir treten durch eine Glastür hinaus auf das Freigelände hinter dem Museumsgebäude. Nach wenigen Treppenstufen bergauf gleitet der Blick über einen großen Teich, in dem einige stattliche Koi-Karpfen ihre Kreise ziehen. Garten mit Koiteich, Foto: Jasmin Feike

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GroĂ&#x;er sitzender Buddha, Stuck, Pakistan, ca. 14. Jahrhundert, Foto: Willi Barczat

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Gebetsmühlen, Foto: Jasmin Feike

Hinter dem Teich ist eine Reihe von Gebetsmühlen zu sehen, und noch weiter hinten thront eine alles überragende fünf Meter große Buddhafigur. Gut genährt sitzt Buddha im Schneidersitz auf einem reich verzierten Sockel und scheint uns seine Lehren näherbringen zu wollen. Wir richten unsere Blicke und Schritte nach rechts und betrachten eine Stupa, ein buddhistisches Bauwerk, das Buddha selbst und seine Lehre, den Dharma, symbolisiert. Weiter geht es zu einem wunderschönen Edelstahl-Tor aus Nord-Thailand mit reichhaltigen Verzierungen eines schreitenden Buddha, ein in Asien stark verbreitetes Motiv. Andere sichtbare Motive sind der Baum der Erleuchtung und ein Elefant als Glückssymbol. Wir kommen an den zwölf reich verzierten Gebetsmühlen vorbei und befinden uns plötzlich in einem Mini-Amphitheater, das Gelegenheit für künstlerische Aufführungen bietet. Die in einem weiten Bogen angeordneten Sitzgelegenheiten bestehen aus alten Pferdetränken aus China, als Sitze dienen Schieferplatten. Der Boden des „Theaters“ ist mit Schieferplatten aus der Mongolei ausgelegt. „Wenn die frisch gewachst oder geölt sind, sind die wunderschön“, lässt Peter Hardt seine Begeisterung erkennen.

Auf unserem weiteren Weg treffen wir auf weiße Beduinenzelte, die in den wärmeren Jahreszeiten für Geburtstagsfeiern, Hochzeiten und andere Events zur Verfügung stehen. Auch Veranstaltungen kultureller Art finden hier regelmäßig statt. Ein riesiger fünf Meter hoher Marmor-Monolith vor dem Veranstaltungszelt fällt ins Auge. Der Brocken hat ein Gewicht von 35 Tonnen. Er stammt aus der Mongolei, und Peter Hardt erzählt ausführlich, welche Mühen und Kosten es für ihn bedeuteten, diesen Klotz hierher nach Radevormwald zu schaffen. Am Ende des Rundganges wird er etwas besinnlich: „Also, in den Sommermonaten ist das hier schon eine sehr schöne Angelegenheit. Unsere Besucher fühlen sich sehr, sehr wohl. Bedenken Sie, dass die Zelte alle zum Garten hin geöffnet sind. Die Besucher sitzen unterm Dach und schauen in den von Lampen geschmückten Garten: Wunderschön.“ Vielleicht denkt Peter Hardt dabei auch an das Chinesische Kostümfest, das einmal im Jahr, immer am ersten Sonntag im September, hier stattfindet. In diesem Jahr ist das der 8. September 2019. Dazu sind Sie herzlich eingeladen! Helmut Steidler

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Ausflugstipp der Redaktion: Ein Besuch im Museum für Asiatische Kunst in Radevormwald mit einer Führung von Peter Hardt. Bitte vorher anmelden. Museum für Asiatische Kunst Sieplenbusch 1, 42477 Radevormwald Tel.: 02195 93 16 76, museum@hardt.de www.asianart-museum.de

Öffnungszeiten: November bis Februar Freitag bis Sonntag, 11-17 Uhr März bis Oktober täglich und an Feiertagen, 11-17 Uhr Montag Ruhetag

Veranstaltungen im Museum für Asiatische Kunst im Zeitraum April bis Juni 2019 Dienstag, 9. April 2019, 18 Uhr Myanmar Eine Rundreise durch das Land der tausend Pagoden, bebildeter Vortrag Sonntag, 28. April 2019, ab 15 Uhr Luis Gonzalez Eine musikalische Reise durch Lateinamerika 3.0 Sonntag, 23. Juni 2019, ab 17 Uhr Operettengala Open Air Heike Müller-Ring, Csaba Fazekas, Ralf Feldhoff Salonorchester Münster Sonntag, 30. Juni 2019, ab 17 Uhr Peanut Butter Jelly Pie Eine bunte Mischung aus Blues, Jazz und Soul

Buddhastatue im Garten, Foto: Ulrich Beuttenmüller für Gira

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Felice Ficherelli, Der heilige Sebastian wird von der heiligen Irene gepflegt, 1630er Jahre (Haukohl Famiily Collection)

Im Lichte der Medici Barocke Kunst in Italien

Ein Besuch des thematisch keineswegs auf den Dadaisten Hans Arp beschränkten Arp Museums Bahnhof Rolandseck südlich von Bonn lohnt immer – allein schon wegen der hinreißenden Architektur des von Richard Meier entworfenen Neubaus. Nun lockt eine Ausstellung mit Werken des wenig bekannten Florentiner Barock aus der amerikanischen Privatsammlung Haukohl, die sich zur Zeit auf Europa-Tournee befindet. 28


Cesare Dandini,

Cesare Dandini,

Allegorie des musikalischen Ruhms,

Die heilige Dorothea von Kappadokien,

Mitte 1630er Jahre

Ende 1640er Jahre

(Haukohl Famiily Collection)

(Haukohl Famiily Collection)

Terra incognita Nimmt man eine der einschlägigen Überblicksdarstellungen zur italienischen Kunstgeschichte zur Hand, so wird man in der Regel ausführlich über die bedeutende Rolle von Florenz in der Zeit der Frührenaissance, also im 15. Jahrhundert, unterrichtet. Ghiberti, Brunelleschi und Donatello, Masaccio, Botticelli und Ghirlandaio, Andrea del Castagno und Leon Battista Alberti – um nur einige namentlich zu erwähnen – stehen stellvertretend für eine Epoche, die ins Geschichtsbewusstsein als das „goldene Zeitalter“ der Stadt am Arno eingegangen ist. Politisch wurde das Florenz des Quattrocento maßgeblich von der Familie der Medici geprägt, die zum bedeutendsten Förderer von Kunst und Kultur im Italien der Frührenaissance avancierte, eine Entwicklung, die im letzten Drittel des 15. Jahrhunderts mit Lorenzo de‘ Medici, der auch den Beinamen Il Magnifico trug, ihren Höhepunkt fand. Nach Lorenzos Tod im Jahr 1492 folgten für Florenz unruhige Zeiten. 1494 marschierten die Franzosen ein, die Medici wurden aus der Stadt vertrieben, und der fanatische Bußprediger

Girolamo Savonarola verwandelte Florenz für einige Jahre in einen fundamentalistischen Gottesstaat. 1530 eroberten kaiserliche Truppen die Stadt, 1531 konnten die Medici nach Florenz zurückkehren, und 1537 nahm Cosimo I. aus der jüngeren Linie der Medici als Herzog, später als Großherzog, die Geschicke der Toskana in die Hand. Seinem großzügigen Mäzenatentum war im Zeitalter des Manierismus eine enorme kulturelle Blüte zu verdanken, und Künstler wie Bronzino, Salviati und Cellino Cellini trugen dazu bei, den Ruhm der Metropole am Arno als Stadt der Künste zu mehren. Auch unter den Nachfolgern Cosimos (die Familie der Medici erlosch im männlichen Stamm mit Gian Gastone de‘ Medici im Jahr 1737) befand sich die Florentiner Kunst auf einem beachtlichen Niveau, doch hat die Kunstgeschichte davon kaum Kenntnis genommen, sodass fast von einer Terra incognita die Rede sein kann. Punktuelle Einblicke in Florentiner Ausprägungen dieser Epoche, die vom Manierismus über den Barock bis zum Rokoko reicht, bietet nun die Ausstellung „Im Lichte der Medici“ im Arp Museum Bahnhof Rolandseck. 29


Antonio Montauti, Michelangelo Buonarroti,

Giovanni Domenico Ferretti,

1710-20 (Haukohl Famiily Collection)

Gott tadelt Kain für die Ermordung Abels, 1740 (Haukohl Famiily Collection) Foto: Tom Lucas MNHA Luxemburg

Sammlung Haukohl Es handelt sich zum überwiegenden Teil um Arbeiten aus der amerikanischen Haukohl Family Collection, die als bedeutendste Sammlung Florentiner Barockmalerei außerhalb Italiens gilt und sich derzeit auf Europa-Tournee befindet. Nachdem sie von Oktober 2018 bis Januar 2019 im Schaezlerpalais in Augsburg unter dem Titel „Im Schatten der Medici“ zu sehen war, kann sie nun in der Kunstkammer Rau im Neubau des von dem amerikanischen Stararchitekten Richard Meier entworfenen Arp Museums in Remagen-Rolandseck besichtigt werden, bevor sie anschließend nach Luxemburg und Brüssel weiterwandern wird. Ergänzt werden die Werke aus der Sammlung Haukohl durch einige geschickt ausgewählte Exponate aus der Kunstkammer Rau, also aus der Sammlung des 2002 verstorbenen Tropenmediziners und Kinderarztes Gustav Rau, der seinen Kunstbesitz schon zu Lebzeiten der Stiftung des Deutschen Komitees für UNICEF (UN-Kinderhilfswerk) vermacht hatte. Der Kern dieser Sammlung wird im Arp Museum wissenschaftlich aufgearbeitet und in wechselnden Ausstellungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 30

Die Sammlung der deutschstämmigen, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in die USA ausgewanderten, außerordentlich kunstsinnigen Familie Haukohl ist über Generationen langsam gewachsen und thematisch breit gefächert. Der achtundsechzigjährige Mark Fehrs Haukohl aus Houston/Texas, erfolgreicher Investmentbanker und Finanzmakler, hat sich als leidenschaftlicher Kunstsammler seit Jahrzehnten ganz der Florentiner Barockmalerei des Seicento verschrieben. Mit der Ausstellung und dem begleitenden Katalogbuch verbindet er die Erwartung, ein „Fenster zu öffnen, wie Florenz im 17. Jahrhundert am Hof der Medici ausgesehen hat.“

Unter den letzten Medici Dass dies nur mit einer methodisch konzipierten und systematisch erarbeiteten, umfangreich bestückten kunstund kulturgeschichtlichen Ausstellung und nicht mit 32 Werken aus einer Privatsammlung zu leisten ist, dürfte unstrittig sein. Dennoch bietet die Schau interessante Ein-


Giovanni Domenico Ferretti,

Justus Suttermans, Bildnis

Arlechino und seine Dame,

des Giovan Carlo de‘ Medici,

18. Jh. (Haukohl Famiily Collection)

vor 1644 (Haukohl Famiily Collection)

sichten. Obwohl das Großherzogtum Toskana unter den Medici in der Nachfolge Cosimos I. im „großen Spiel“ der europäischen Mächte keine sonderliche Rolle gespielt hat, profitierte das Land von einer stabilen Herrschaft mit einer funktionierenden Verwaltung, von ökonomisch günstigen Verhältnissen und einer langen Friedenszeit – Randbedingungen, die auch der Entfaltung der Künste zuträglich waren. Zwar war Rom im Barockzeitalter die unbestrittene „Kulturhauptstadt“ Italiens, doch gab es auch in Florenz ein reges künstlerisches Leben, nicht zuletzt als Konsequenz der 1563 von Cosimo de‘ Medici begründeten Accademia delle Arti del Disegno, der ersten Akademie für bildende Kunst europaweit. Gleichwohl macht die Ausstellung deutlich, dass Florenz – anders als im Quattrocento – nicht mehr der Ort bahnbrechender künstlerischer Innovationen gewesen ist, sondern von seiner eigenen Geschichte und von Einflüssen von außen zehrte. In seinen „Unzeitgemäßen Betrachtungen“ hat Friedrich Nietzsche drei Formen der Geschichtsbetrachtung unterschieden, die „monumentalische“, die „antiquarische“ und die „kritische“. Demnach konzentriert sich das

„monumentalische“ Geschichtsverständnis auf die Heroen der Vergangenheit und erhofft von diesen Vorbildern Anregung und Ansporn in der eigenen als eher mittelmäßig empfundenen Gegenwart. Die „antiquarische“ Historie ist fromme und ehrfurchtsvolle Verehrung der Vergangenheit, die man einfach achtet, weil sie alt ist, während der „kritischen“ Geschichte die Funktion zukommt, die Vergangenheit „peinlich zu inquirieren“. Ein Blick auf vier Porträtreliefs von Antonio Monauti (1683-1746) im zentralen Raum des Ausstellung zeigt, wie sehr unter den späten Medici Formen des monumentalischen Geschichtsverständnisses gepflegt wurden, wird hier doch drei herausragenden und als leitbildhaft geltenden Figuren der Florentiner Renaissance, dem Humanisten Marsilio Ficino, dem politischen Philosophen Niccolò Machiavelli und dem Bildhauer, Maler und Baumeister Michelangelo Buonarroti, sowie dem Universalgelehrten Galileo Galilei regelrecht gehuldigt.

Breites Themenspektrum Den Schwerpunkt der Ausstellung bilden qualitätvolle, oftmals geradezu delikat gemalte Tafelbilder mit allegorischen Darstellungen, so zum Beispiel Cesare Dandinis raf31


Onorio Marinari, Apollo,

Onorio Marinari, Heiliger Sebastian,

1690 (Haukohl Famiily Collection)

um 1690 (Haukohl Famiily Collection)

finiert rot-blau kontrastierende, vom römischen Naturalismus beeinflusste „Allegorie des musikalischen Ruhms“ (Mitte 1630er Jahre), ferner Bilder mit religiösen Themen, mit Porträts und mit Genreszenen. Herzstück der Präsentation sind die Gemälde der Künstlerdynastie Dandini, die über mehrere Generationen im Dienst der letzten Medici stand. Begründer dieser Malerfamilie waren der erwähnte Cesare Dandini (1596-1657) und sein Bruder Vincenzo (1609-1675), gefolgt von dessen Neffe Pietro Dandini (1646-1712). Von ihm findet der Besucher der Ausstellung die mit barockem Pathos gesättigte alttestamentarische Szene „Esther und Ahasverus“ (1690er Jahre), ein Bild, dessen Kolorit deutlich den Einfluss von Veronese und anderen Venezianern erkennen lässt. Die zahlreichen Gemälde mit religiösen Inhalten dokumentieren das Bestreben der römischen Kirche, im Zuge der Gegenreformation dezidiert auf die Kunst einzuwirken, indem sie mit einem „Bilderdekret“ versuchte, die Künstler auf ihre Maximen zu verpflichten. Dazu gehörte die Eindämmung von Motiven aus der antiken Mythologie und die Favorisierung biblischer und kir32

chengeschichtlicher Themen, vorzugweise von Szenen aus dem Leben der Märtyrer. In diesem Zusammenhang stellt sich beispielsweise das achteckige Gemälde „Der heilige Sebastian wird von der heiligen Irene gepflegt“ (1630er Jahre) von Felice Ficherelli (1605-1660) dar, das nicht den geschundenen Körper des Heiligen vorführt, sondern die physischen Qualen ausblendet bzw. gleichsam idealisierend verklärt und eher Sinnlich-Erotisches betont. Erwähnt seien in diesem Zusammenhang auch die Gemälde von der Hand Onorio Marinaris (1627-1716), der als einer der bedeutendsten Florentiner Künstler des späten 17. Jahrhunderts gelten darf und dessen „Kleopatra“ erst kürzlich bei Lempertz für 148.000 Euro zugeschlagen wurde. Die Sammlung Haukohl besitzt von Marinari eine „Judith enthauptet Holofernes“ (1680er Jahre) sowie als Ensemble „Apoll“ und den „Heiligen Sebastian“ (1690), Bilder, die durch das makellose Inkarnat und die sinnliche Ausstrahlung der Dargestellten beeindrucken. Neben eindringlichen Porträts, etwa dem „Bildnis des Giovan Carlo de‘ Medici“ (vor 1644) des aus Antwerpen stammenden Hofmalers der Medici Justus Suttermans (15971681), gehört zu den Highlights der Ausstellung das reizende


Pietro Dandini, Esther mit Ahasverus, 1690er Jahre (Haukohl Famiily Collection), Foto Tom Lucas MNHA Luxembourg

Gemälde „Arlecchino und seine Dame“ von Giovanni Domenico Ferretti (1692-1768), ein tänzerisch leichtes, heiteres Genrebild mit der in Italien populären Figur des Narren in der Commedia dell‘Arte, das schon das Rokoko aufscheinen lässt. Der prachtvolle Rahmen steigert nicht nur den ästhetischen Genuss, sondern verleiht diesem Bild einen historisch authentischen Auftritt, ein Aspekt, der dem Sammler Mark Fehrs Haukohl ganz besonders am Herzen liegt. So präsentieren sich dem Betrachter auch die anderen Bilder der Ausstellung entweder in historischen Originalrahmen oder in aufwendigen Nachschöpfungen, die stilistisch dem Formenkanon der Barockzeit entsprechen.

Im Lichte der Medici. Barocke Kunst Italiens Die Haukohl Family Collection European Tour 10. Februar 2019 – 08. September 2019 Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Remagen

Der bei Silvana Editoriale erschienene, von Federico Berti herausgegebene, 288 Seiten umfassende Hardcover-Katalog mit dem Titel „Florenz unter den letzten Medici“ bietet neben einleitenden Essays Einzelbeiträge zu allen Exponaten, die über Bildinhalte, formale Besonderheiten und den aktuellen Forschungsstand informieren (25 Euro). Rainer K. Wick Sir Mark Fehrs Haukohl vor Felice Ficherellis

Alle nicht benannten Fotos: Rainer K. Wick

‚Der heilige Sebastian wird von der heiligen Irene gepflegt‘

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Ich sehe was, was du nicht siehst Eine erste Expedition durch die Kinder-Kunst-Kultur-Landschaft in Wuppertal

„Und ihr, was wünscht ihr Euch?“, waren die letzten Worte der Performance „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ von Kindern für Kinder, die 2015 im Rahmen des Projektes „Kultur und Schule“ entstanden ist. Damals stellten die Kinder vor einer aus recyceltem Material gebauten Wuppertal-Landschaft ihren Schulweg und ihre Exkursionen durch die Stadt vor, mit Schattenspielen und bemalten Folien. Sie hatten erforscht, was sie mögen, was sie nicht mögen und sich für die Zukunft wünschen. Die Installation und Performance war an der Gemeinschaftsgrundschule Am Nützenberg mit Kindern der 4. Klasse

entstanden, begleitet von der Künstlerin Mandy Wiegand und mir, Uta Atzpodien, Dramaturgin. Eingeladen zu dem Theaterfestival im Haus der Jugend konnten sie ihre Arbeit Kindern anderer Schulen zeigen und sie miteinbeziehen. Es war ein beglückendes und stärkendes Erlebnis für alle. Warum? Die Gruppe der Neun- bis Zehnjährigen hatte gemeinsam beobachtet, die eigene Stadt erforscht und gestaltend ihre Eindrücke, Fragen und Wünsche präsentiert, berührend aufrichtig und souverän. Wenn Kunst und Kinder aufeinandertreffen, dann können ganz vielseitig die Fun-

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viele Sparten. Die Kunstaktivitäten richten sich vom Alter her an die ersten zwei Lebensjahrzehnte, von Kleinkindern bis zu Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Es sind Projekte und Produktionen mit Kindern, für Kinder, von Kindern. Institutionen, Organisationen und Vereine engagieren sich. Das Wuppertaler Kinder- und Jugendtheater gehört dazu, Müllers Marionettentheater, die Wuppertaler Bühnen, das vielseitige Programm am Haus der Jugend in Barmen oder seit vielen Jahren Projekte vom soziokulturellen Zentrum die börse. Programme und Angebote im Von der Heydt-Museum, im Skulpturenpark, in Jugendzentren, in Ateliers, in der Bergischen Musikschule, in Tanzprojekten, vom Tanztheater oder über das Medienprojekt für heranwachsende Filmemacherinnen und -macher. Schulen haben sich musisch ausgerichtet, so ist die Else LaskerSchüler Gesamtschule seit 2013 Kulturschule. Der jüngst eröffnete Kulturkindergarten an der Nordbahntrasse engagiert sich mit Kunstprojekten für Kinder im Frühkindalter. Die bundesweit renommierte Junior Uni hat eine naturwissenschaftlich geprägte Grundorientierung, die kreativ experimentierend ausgerichtet ist, und bietet einzelne Kurse an, die von Künstlerinnen und Künstlern geleitet werden. Dies alles zeugt von einer quirligen Vielseitigkeit.

Performance „Ich sehe was, was du nicht siehst. Wuppertal, unsere Stadt“ im Haus der Jugend Barmen, Foto: Susanne Lenz

ken sprühen. Ich sehe was, was du nicht siehst steht spielerisch für den Auftakt einer Reihe in der „besten Zeit“, die die facettenreiche Kinder-Kunst-Kultur-Landschaft in Wuppertal vorstellen möchte. Häufig noch wird ihre Vielfältigkeit wenig beachtet und ihre Bedeutung erkannt. Hier setzen die Künstlerin Andrea Raak und ich, Uta Atzpodien, in Form eines Dialogs an und gehen dabei von den eigenen Erfahrungen aus. Theater, Tanz, Musik, bildende Kunst, Fotografie, Film, Graffiti: Das immer neu überraschende Spektrum umfasst

Zudem gibt es Kunstprojekt-Formate, wie das von Landesmitteln geförderte Programm „Kultur und Schule“, der Kulturrucksack mit Angeboten für 10- bis 14-Jährige, die kulturelle Jugendbildung oder die Winzig Stiftung mit dem Projekt „Kultur am Vormittag“. Aus dem Engagement der Akteurinnen und Akteure erwachsen das Knowhow im Umgang mit Kindern und Jugendlichen und die schillernde Lebendigkeit. Sie arbeiten direkt künstlerisch, kuratieren, organisieren: Der Musiker Björn Krüger, die Malerin Anke Büttner, die Kulturmanagerin Dagmar Beilmann, der Galerist Jürgen Grölle, die Musikerin Gunda Gottschalk, die Künstlerin Cordula Sauer, die Musiker Ralf Kunkel, Uwe Fischer-Rosier und Matthias Goebel, die Chorleiterin Andrea Anders, der Maler und Tänzer Milton Camilo, die Filmemacherin Kim Münster und viele, viele andere gehören dazu. Andrea Raak, Du bist als bildende Künstlerin vielseitig unterwegs, seit vielen Jahren für Kinder und Jugendliche aktiv. Da ist – wie bei vielen anderen – spürbar viel Engagement, Herz und Erfahrung dabei. Möchtest du deine Arbeit kurz vorstellen? Andrea Raak: Sehr gerne engagiere ich mich als freie Künstlerin in Projekten ohne festgelegtes Curriculum und sehe 35

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Mut. Die Angst vor dem Scheitern kann enorm sein, und deshalb steht zunächst probieren und experimentieren im Vordergrund. Jeder angebliche Fehler ist vielleicht schon etwas Unentdecktes, Schönes oder wandert in die Schatzkiste der Erfahrung. Ästhetisches Sehen kommt vor dem Malen und auch dabei muss es die Chance geben, sich auszuprobieren. „Ich sehe was, was du nicht siehst“ hieß auch eines meiner ersten „Kultur und Schule“-Projekte, ein schöner Zufall. Uta, was macht Deine Arbeit als Dramaturgin mit Kindern und Jugendlichen aus? Was hältst du für besonders wichtig für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen?

in dieser Arbeit wie Kinder sich ausprobieren, leidenschaftlich ihre Ideen angehen und ihre Kompetenzen dabei erweitern. In mehr als 20 Jahren habe ich noch nie erlebt, dass ein Kind kein Interesse hatte. Kunst und Kreativität sind ein wundervolles Feld, um Kindern die Möglichkeit zu geben, ihre eigenen Stärken und Schwächen kennenzulernen ohne bereits einer Wertung ausgesetzt zu sein.

UA: Wie bei dem anfangs erwähnten Projekt liebe ich es, wenn Kinder ihre Welt erkunden, zu Forscherinnen und Forschern werden, ausdrücken, was sie wollen und dies mit künstlerischen Mitteln tun. Mit einem Nachhaltigkeitsprojekt vor ein paar Jahren waren die Jugendlichen mit ihren Gemälden und Collagen im Umweltausschuss. Sie gestalteten mit unterschiedlichen künstlerischen Techniken ihre Anliegen und Wünsche zum Thema Umwelt. Eine Ausstellung entstand, die im Sommer 2015 im Lichthof vom Rathaus zu sehen war. Künstlerische Techniken verbinden die Kinder mit Themen, die sie interessieren. Mir gefallen auch die menschlichen Begegnungen, wie sie beispielsweise in den Arbeiten der Fotografin Anne Kuhn mit Kindern und Jugendlichen an Schulen berührend deutlich werden. Sie organisiert zudem den Fotomarathon für Kinder und Jugendliche.

Die Kunst- und Kulturprojekte ähneln sich zum Teil in ihren Ansätzen, haben aber unterschiedliche Rahmenbedingungen. Die Kulturelle Jugendbildung ist herausragend nicht nur in ihrer inhaltlichen Vielfalt. Die engagierten Kursleiter und Künstler bieten Workshops und Kurse in allen Stadtteilen an, sodass Kinder direkt in ihrem Wohnumfeld ein Angebot finden können. In meinem Atelier biete ich für eine Gruppe von max. acht Kindern Skulpturenbau an. Jeder kann für sich dann eine individuell eigene Form erfinden und aus Beton bauen. Die Kinder haben dabei klare Vorstellungen und benötigen eigentlich nur technische Assistenz. Dennoch sind sie überrascht, dass sie ganz alleine entscheiden dürfen, was sie sich konkret im Projekt vornehmen. Das wird auch am Kursende benannt: „Mir hat gut gefallen, dass ich aussuchen durfte, was ich mache.“ Die Kinder sind zielorientiert, weil sie sich ihr Ziel selbst gewählt haben. Etwas sichtbar werden lassen und sich einlassen auf einen Schaffensprozess erfordert Offenheit und

Bemerkenswert ist die Arbeit im Kommunikationszentrum die börse. Dagmar Beilmann, die Leiterin für Theater und Tanz am Haus, organisiert sparten- und altersübergreifend Kooperationen mit Künstlerinnen und Künstlern. Seit 2013 leitet sie den Kulturrucksack für 10- bis 14-Jährige, der mit Landesmitteln finanziert ist und Workshops anbietet. Hier geht es um Freiräume ohne Wertung, Bewertung. Aus den menschlich-künstlerische Begegnungen entstehen Möglichkeiten, sich frei auszudrücken und das dann auch zu präsentieren. „Alternative Lebensmodelle“ nennt sie Dagmar Beilmann. Über die Förderung kultureller Praxis in der Soziokultur steht jetzt im Mai 2019 ein Bewegungstheaterprojekt mit der Grundschule Hesselnberg unter der Leitung von Nelly Köster und Milton Camilo an. Das bekannte junge Börsenensemble entwickelt mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen derzeit eine Bühnenfassung des Spielfilms „Der Krieger und die Kaiserin“ von Tom Tykwer. Konkret findet jetzt im Frühjahr vom 19. bis

Grundschule am Opphof, Klasse 2a, Kultur am Vormittag, „Froh zu sein bedarf es wenig“, Foto: Andrea Raak

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Kreative Kinderwerkstatt „Lieblingsobjekt“ unter der Leitung von Jule Steinbach

Performancelabor „Licht und Schatten“ unter der Leitung der RaumZeitPiraten,

und Zahra Hassanabadi-Horn, Foto: Ralf Silberkuhl

Foto: Annemarie Dämmer

25. Mai die 10. Ausgabe vom Jungen Theaterfestival an der börse statt, als Ort im Wechsel mit dem Haus der Jugend in Barmen. Hier sind Produktionen verschiedener Schulen zu sehen.

eben dieser besondere Moment sein, „bei dem die Kinder wippend zu Musik in die Pause gehen und gerade Erlebtes mit sich tragen“. Das Mitzuerleben ist faszinierend.

Andrea, Du selbst hast schon häufiger mit der Musikerin Gunda Gottschalk zusammengearbeitet, für Pulcinella in der Oper und u.a. beim privat finanzierten „Kultur am Vormittag“-Projekt der Winzig Stiftung. Was ist daran besonders? AR: Der dreijährige Prozess bei Kultur am Vormittag, KUVO genannt, bietet für Künstler, Kinder und Lehrer einen langen gemeinsamen Weg, der sehr intensiv ist. Toll ist, wenn Kinder abtauchen können in Schaffensprozesse. Für das Thema der Gleditschie haben wir drei Monate lang die Früchte des Baumes nach allen Regeln der Kunst erforscht, gezeichnet, bemalt, daraus Pappobjekte konstruiert usw. Die Flut der Gestaltungsideen nahm kein Ende, und die Kinder sind Gleditschien-Experten geworden. Der Luxus des kreativen Schaffens ist, wenn am Anfang das Ende noch unklar ist und die Reise voller Entdeckungen bleibt. Die Künstlerin Gunda Gottschalk hat sich ausdrücklich für diese Projektform entschieden, da sie die prozesshafte Arbeitsweise wichtig findet, „weil großartige Momente in der Klasse geschehen und daraus nicht zwingend ein reproduzierbares Ergebnis entstehen muss.“ Sie arbeitet als Musikerin bei KUVO stets mit ihren eigenen aktuellen Themen, gerne auch mit improvisierter Musik und will dabei „möglichst wenig ‚Rezepte’ und Wiederholbares, um immer wieder frisch in den Unterricht gehen zu können und nichts abzuspulen. Mit dieser Haltung kann ich frei auf die Eingaben der Kinder reagieren.“ Kein Kind ist ausgeschlossen bei Kultur am Vormittag, und wenn bei Gunda zu mongolischen Klängen gearbeitet wurde, dann kann es Ausstellungseröffnung 2018, Schulkooperation Neuer Kunstverein, Foto: Andrea Raak

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Seit 2011 gibt es das Schulkooperationsprojekt im „Neuen Kunstverein Wuppertal“. Fünf Schulen unterschiedlicher Schulformen, besuchen mit ihren Klassen das Jahr über die zeitgenössischen Ausstellungen im Kunstverein. Die Schüler vom 1. bis zum 13. Schuljahr setzen sich mit den Themen der Künstler auseinander und zeigen dann im Herbst gemeinsam zwei Wochen lang im selben Ausstellungsraum ihre eigenen kreativen Sichtweisen. Sehen lernen, darum geht es, mit offenen Augen und Ohren neugierig bleiben und Erfahrungsschätze sammeln, aus denen Kompetenzen sprießen. UA: Ja, auch unser Ich sehe was, was du nicht siehst ist ein erster Einstieg in die spannende Kinder-Kunst-KulturLandschaft in Wuppertal. Da ist noch viel zu entdecken. Warum spielen Kunstprojekte von und für Kinder und Jugendliche eine so große Rolle? Welche Erfahrungen gibt es? Welche Akteure, Formate und Institutionen? Dem wird ‚die beste Zeit’ weiter nachgehen und bietet von jetzt an auch Kulturtipps mit Veranstaltungshinweisen für Kinder, Jugendliche, Familien und Erwachsene an. Uta Atzpodien und Andrea Raak

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Europeras 2, Foto: Jens Grossmann

Play! Europeras 1&2 John Cages provozierende Metaerzählung der Oper John Cages dekonstruktivistisches Spiel mit dem Genre Oper polarisiert: Selten gab es während und nach der Inszenierung einer Oper so geteilte Publikumsreaktionen wie bei der Wuppertaler Premiere von Europeras 1&2. Dass Kunst auch heute noch so provozieren kann, ist erfrischend. Gefühlt ein Viertel der Zuschauerinnen und Zuschauer verließ zur Pause die Spielstätte. Phasenweise breitete sich im ersten Teil Unruhe aus. Nervöses Gelächter, ablenkende Gespräche signalisierten Unverständnis, Langeweile und eine nachlassende Bereitschaft, sich mit dem Bühnengeschehen auseinanderzusetzen.

Tatsächlich verlangt Cages „Europeras 1&2“ dem Publikum viel Ambiguitätstoleranz ab: Sämtliche Erwartungen an diese Form des Musiktheaters werden konsequent gebrochen. Die rasende Eifersucht eines Don José oder Othello, die Freiheitsliebe einer Carmen, die Angst Mimes oder Don Juans, der heldenhafte Mut Siegfrieds – die für die Oper so typischen Einladungen zur Empathie und Identifikation, die zu Ohrwürmern gewordenen Arien und Chöre, all das gibt es bei Cage nicht. Stattdessen dekomponiert, dekonstruiert und seziert Cage dieses Genre. Hinzu kommt die Inszenierung des Spiels durch das postdramatische Theaterkollektiv Rimini Protokoll, das im ersten Teil mit seiner radikalen Reduktion des Bühnengeschehens auf eine Videoinstallation Irritationen provoziert: 45 quälend

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lange Minuten ploppen für kurze Momente akustische Hörbilder auf, in denen ein musikalisches Motiv aus dem großen europäischen Opernrepertoire aufscheint. Für Augenblicke fällt man selig in die Opernwelt eines Mozart, Verdi, Wagner, Bizet und wird sogleich wieder herausgerissen, bis klar wird: Hier wird keine Geschichte erzählt. Oder wenn eine erzählt wird, dann die der Oper selbst - zeitlich und motivisch dekomponiert.

Zwischen Dönerbuden und Friseurläden Im ersten Teil sind zum Klangteppich aus Opernmotiven simultan Straßenszenen aus neun europäischen Städten zu sehen: aus Athen, Istanbul, London, Neapel, Riga, St. Peters-burg, Valencia, Wien und – Daniel Weltzel sei‘s gedankt – auch aus Wuppertal. Doch die Videos aus diesen europäischen Hauptstädten der Oper erzählen ebenfalls keine Geschichten, sie dokumentieren die Banalität alltäglichen Lebens zwischen Dönerbuden, Friseurläden und neapolitanischen Gassen. Phasenweise wird diese postmoderne Wirklichkeit durch die Musik mit Bedeutung aufgeladen. Aber ein tragender Zusammenhang, eine Kohärenz zwischen den trivialen und eben deswegen vielleicht poetischen Bildern europäischer Metropolen und der Musik will sich nicht einstellen. Die Musik zerfällt in Fragmente, die europäischen Bildwelten ebenso. Das kann, wenn man sensibel ist, wehtun; schwer auszuhalten ist es allemal. Gerade weil die Musik nicht zu den Bildern spricht und diese selbstgenügsam zur Musik schweigen. Man könnte es als Kommentar zu einem Europa verstehen, das seine Solidarität, seine Loyalität und seinen kulturellen Zusammenhalt unter den von Populismus und Nationalismus energetisch aufgeladenen politischen Fliehkräften verloren hat. Oder zu einem Europa, dessen faszinierende Vielfalt kultureller Wurzeln zu einem Einheitsbrei der globalisierten Warenwelt gerinnt. Mit dem ersten Teil spannen die Macher Daniel Wetzel/ Rimini Protokoll der Wuppertaler Uraufführung von John Cages „Europeras 1&2“ den Spannungsbogen weit, fast zum Zerreißen weit.

Zeit, einen Moment innezuhalten. Für John Cage, der in einem Land und einem Jahrhundert aufwuchs, dessen kulturell prägende Kraft der Jazz war, muss die Oper aus transatlantischer Perspektive wie ein Fossil aus einer ohnehin schon alten Welt erschienen sein. Schon der Titel „Europeras“ ist ein ironisierendes Wortspiel, in dem das auf den Alten Kontinent gemünzte „Your Operas“ mitschwingt.

Der Broadway hatte die Grenze zwischen E- und U-Kultur eingeebnet, Gershwin das Musical zur Kunstform erhoben, während im alten Europa die Oper landauf, landab gespielt wurde, eine nicht auszurottende Reminiszenz an eine Zeit, in der die Kunst, die Literatur, vor allem aber das Musiktheater zu einem Religionsersatz wurden. Feuerbach, Nietzsche und Freud hatten den christlichen Offenbarungsglauben obsolet gemacht, der tausend Jahre lang in scholastischer Eintracht mit der antiken Philosophie eines Sokrates, Platon und Aristoteles den gesellschaftlichen, weltanschaulichen und kulturellen Kitt dieses Kontinents gebildet hatte. Die neuen Tempel, die errichtet wurden, waren die Kathedralen der Arbeit, die Fabriken, in denen die Artefakte dieser schönen neuen Welt produziert wurden. Tempel waren auch die Opernhäuser, die in diesen Epochenumbrüchen der Entspannung und Erbauung dienten. In einer Welt, die zerrieben wurde zwischen den Erfolgsgeschichten positivistischer Wissenschaft und der Ingenieurskunst, der rasanten technologischen Entwicklung seit der industriellen Revolution einerseits und dem Nihilismus und der Entmachtung des Subjekts andererseits, war die Oper scheinbar eine Insel der Seligkeit. Opernbesuche gehörten lange Zeit zum sozialen Status und dienten erst der höfisch-adeligen Gesellschaft, später der (bildungs-) bürgerlichen zur Selbstvergewisserung.

Transzendenter Schein Die Oper als Gesamtkunstwerk strahlte das Selbstverständnis der sie tragenden Gesellschaft aus und überstrahlte zugleich deren soziale Risse. Zugleich bot sie Erklärungsmodelle für eine sich wandelnde Welt. Bizets Carmen erklärt den Zusammenhang von Macht und Ohnmacht, die Mechanismen von Liebe, Hass und Eifersucht sinnfälliger als Freuds Psychoanalyse. Wagners Ring erzählt unter Verwendung von Motiven der germanischen Mythologie die „Götterdämmerung“ der alten Weltordnung mit ihren überkommenen Werten und den Beginn des neuen postheroischen Zeitalters, in der die Alberiche dieser Welt nach Gold und Reichtum, nach „maßloser Macht“ und Herrschaft der Welt trachten. Es spiegelt den Übergang vom Feudalismus zum Kapitalismus im Zeichen der industriellen Revolution und präludiert zugleich den Weltenbrand des Ersten Weltkriegs. So produzierte die Oper kathartische Narrative als Religionssurrogate und dazu den transzendenten Schein, den prachtvolle Häuser wie die Opéra Garnier in Paris, die Wiener Staatsoper oder Mailänder Scala verbreiteten. 39

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John Cage war Mitbegründer der Fluxusbewegung. In seinen Kompositionen löste er musikalische Motive in Patterns auf, die perpetuiert und durch Zufallsprinzipien neu arrangiert werden. Seine Stücke versetzen die Hörerschaft in einen meditativen Modus: Es ist, als ob man in das Räderwerk der (Musik-)Schöpfung schauen könne, die Welt läuft in simultaner und varianter Form vor dem Ohr des Publikums ab. Es entsteht der Eindruck, das Kompositionsprinzip von einem erhöhten Standpunkt aus überblicken zu können. Bei dem kleinen musikalischen Wunderwerk „In A Landscape“ reist nicht die Hörerschaft mit der Musik durch die Landschaft, sondern gleichsam diese durch die Hörerschaft. Europeras 1, Foto: Jens Grossmann

John Cage beeinflusste durch seine Art zu komponieren, z.B. Yoko Ono und Videokünstler wie Nam June Paik, die ihrerseits die Kompositionsprinzipien der Dekonstruktion, der Simultaneität und des Zufalls auf die visuelle Kunst übertrugen. Cage muss es gereizt haben, die Kunstform Oper, die ein Gesamtkunstwerk war – Theater, Musik, bildende Kunst –, mit seinen künstlerischen Mitteln „auseinanderzunehmen“. Cages Stück „Europeras 1&2“ ist die Grundlage der Wuppertaler Inszenierung des postdramatischen Theaterkollektivs Rimini Protokoll. So wie Cage die musikalischen Motive der Oper dekonstruiert, perpetuiert und variiert, so bearbeiten Daniel Wetzel und seine Mitstreiter von Rimini Protokoll Opernthemen, -motive und Affekte. Was wird die Zuschauer nach der vollständigen Dekonstruktion der Oper in der zweiten Hälfte erwarten? Zunächst einmal kleine Kärtchen mit Handlungsanweisungen, Teil der Selbstironisierung der Oper. Husten, Klatschen, Zischen, Winken – bei Cage werden die Klänge der Welt zur Klangwelt seiner Werke – so wie bei Pina Bausch jede Bewegung Material für Tanz sein kann, und das Publikum wirkt während der zweiten Hälfte von „Europeras“ immer wieder sichtlich erfreut und amüsiert mit. Die zweite, genau doppelt so lange Hälfte des Opernabends ist nichts weniger als die Rekonstruktion der Oper als Metaerzählung des Genres. Die sorgsam auseinandergenommenen Puzzleteile der Opernversatzstücke und der visuellen Motive der transeuropäischen Videoinstallationen kehren nach der Pause leitmotivartig wieder. Der erste und der zweite Teil verhalten sich zueinander wie der analytische zum synthetischen Kubismus.

Federleichte Zufälle Nun treten auch Sängerinnen und Sänger auf der Bühne auf und besetzen Felder eines Spielfeldes mit Nummern, das scheinbar durch Zufall bestimmt wird. Videoeinspielungen und reales Bühnengeschehen verschmelzen miteinander. Neben der Bühne ist ein kleines Häuschen platziert, in dem scheinbar die Nummern und damit die Sängerinnen und Sänger sowie die Arien ausgelost werden: O Fortuna – Imperatix Mundi. Doch dass das Schicksal oder der Zufall hier regiert, ist reine Inszenierung. Der Dramaturg der Inszenierung ist der inszenierte Zufall – hinter ihm verbirgt sich Daniel Wetzel/Rimini Protokoll. Die Regie führt die Uhr, die digital und kühl herunterläuft: Bei exakt 90 Minuten kommt die Aufführung zum Stehen. Dabei entstehen großartige surreale Bilder, die mit der Musik ein stimmiges Ganzes ergeben: Eine Darstellerin lässt einen Fußball auf ihrem Finger kreisen, während in der Manier von Brechts Epischen Theater ein Statist ein Schild in die Höhe hält mit der Aufschrift: „Spanisches Staatsgefängnis. Einige Meilen von Sevilla“. Bezieht sich das nun auf Carmen oder auf die Schreckensherrschaft Francos? Oder auf den feudalen und katholischen Despotismus Spaniens der Carmen-Ära? Fragen über Fragen, während im Hintergrund auf einem berühmten Gemälde der „Zeitgeist zu Pferde“ Napoleon als Triumphator über die Schlachtfelder Europas reitet. In einem anderen Bild hält ein Statist eine Standarte mit der Aufschrift „Marc Anton“ aufrecht, während eine dem Wahnsinn verfallene, an Lady Macbeth erinnernde Figur einen übergroßen Kandelaber in der Hand trägt. Oder ist sie ein Sinnbild der Aufklärung, die, entsetzt und verwirrt, den Glauben an sich selbst verloren hat und auf die Monster ihrer Ausgeburten im Angesicht

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der europäischen Geschichte schaut? Die Gedanken der Zuschauer sind befreit, während Augenblicke europäischer Geschichte, von der antiken Philosophie bis zur Utopie der Aufklärung, vom Größenwahn römischer Cäsaren bis zur nationalsozialistischen Ikonographie - mit den tradierten Bildwelten der Oper montiert – vor deren Augen abrollen. In einem der Schlussbilder wächst eine der Opernfiguren, getragen von der Hebebühne, dieser Illusionsmaschine der Bühnenwelt, ins Übermenschliche. Auf das blaue Gewand dieser figurativen Allegorie (für die Oper und Europa?) wird die zugleich dystopische und ironisch-witzige Botschaft des Abends projiziert: „Alle großen Sachen sind abgeschlossen“, indes im Vordergrund ein Marionettenspieler zu sehen ist: Der Vorhang zu und alle Fragen offen. Dass die Desillusionierung der Illusionsmaschine Oper selbst als perfekte und reibungslose Inszenierung der Illusion funktioniert, ist der äußerst präzisen Arbeit Daniel Wetzels und dem gesamten Team der Wuppertaler Oper zu verdanken. Inspizient Lauren Schubbe und die Bühnenmeister der Oper Fredy Deisenroth (Licht) und Thomas Dickmeis (Ton und Video) haben hier Fantastisches geleis-

tet: Im zweiten Teil stellt sich der Eindruck spielerischer Leichtigkeit ein. Das Opernexperiment von Rimini Protokoll erzeugt heterogene Bild- und Klangwelten, in denen die Zuschauerinnen und Zuschauer einen neuen Blick auf Kultur und Geschichte ihres Kontinents gewinnen können; sie reflektieren Europa und seine Traditionen im Spiegelbild der Oper. Wenn die großen Sachen abgeschlossen sind, dann ist jetzt Zeit und Raum für Neuanfänge. Schon in der Pause hatten Opernbesucherinnen und -besucher, die sonst wohl eher nicht ins Gespräch gekommen wären, über diese Inszenierung miteinander diskutiert. Die, die geblieben waren, spielten mit und applaudierten mit Verve. Es gab Standing Ovations, aber auch vereinzelte Buhrufe. Mancher verließ enthusiasmiert, mancher still irritiert die Aufführung. Dass diese Operninszenierung provoziert und polarisiert, dass sie uns nicht gleichgültig lässt und Fragen evoziert, ist ihre Stärke. Dass Opernintendant Berthold Schneider mit Cages „Play! Europeras 1&2“ nach Steve Reichs „Three Tales“ das Wuppertaler Opernhaus für experimentelle Formate weit jenseits des Mainstreams öffnet, ist mutig und hoffentlich richtungsweisend. Heiner Bontrup und Ulla Backes

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Europeras 1, Sangmin Jeon, Denis Lakey,

Foto: Jens Grossmann

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den. Begegnungen mit Wuppertaler Künstlern wie Peter Kowald, Wolfgang Schmidtke und anderen bestärkten ihn in seiner Entscheidung. Wäre Werner Dickel damals nach Ronsdorf gezogen, gäbe es heute vermutlich dort eine „Musik im RonsDorf“ oder Ähnliches. Aber er zog nach Cronenberg, und so wurde es die „Musik auf dem CronenBerg“: Eine Konzertreihe für klassische Kammermusik und viele andere Musikströmungen, die inzwischen für viele Menschen wichtiger Teil des kulturellen Stadtteillebens geworden ist. Die Qualität und Vielfältigkeit der Konzerte, aber auch die persönliche Atmosphäre zwischen den Künstlern auf der Bühne und dem Publikum locken viele Menschen aus Cronenberg selbst, aus dem Tal aber auch aus dem Umland an.

Werner Dickel, Foto: Karl-Heinz Krauskopf

Musikalische Grenzgänge

1999 fand das erste Konzert statt, und 20 Jahre „Musik auf dem CronenBerg“ sollen in diesem Jahr natürlich gefeiert werden. Zu dem besonderen Anlass wird es beim „Jubiläumskonzert“ am 12. Mai sogar eine Uraufführung geben: ein Konzertstück für zwei Violen und Ensemble, das der in Wuppertal lebende Geiger, Komponist und Leiter des Royal Street Orchesters Christopher Huber dem Freund Werner Dickel und seiner Kollegin und Mitveranstalterin von „Musik auf dem CronenBerg“ Barbara Buntrock auf den Leib geschrieben hat. Außerdem auf dem Programm: das 6. Brandenburgische Konzert von Johann Sebastian Bach, ebenfalls für zwei Solo-Bratschen und Ensemble.

Zwanzig Jahre „Musik auf dem CronenBerg“ Die Mischung von alter und neuer Musik ist charakteris-

Gefeiert wird mit einer Uraufführung und einem „Mittsommernachts-Festival“ mitten im Wald. Für Werner Dickel ist es die letzte Saison als künstlerischer Leiter. Bevor Werner Dickel 1995 nach Wuppertal kam, um eine Professur für Viola und Kammermusik an der hiesigen Musikhochschule zu übernehmen, hatte er das musikertypische Nomadenleben geführt. Als Mitglied des Ensemble Modern und des Chamber Orchestra of Europe war er ständig auf Tour von Auftritt zu Auftritt, von Hotel zu Hotel. Nirgendwo richtig zu Hause. Die erste Zeit pendelte er noch vom Wohnsitz Frankfurt am Main nach Wuppertal, 1998 folgte dann der Umzug mit der Familie. „In Wuppertal wollte ich endlich Wurzeln schlagen“, sagt er heute im Rückblick. Auch: etwas selbst gestalten, am Ort, für den Ort, für die Menschen und mit den Menschen, mit Freun42

tisch für die „Musik auf dem CronenBerg“. In den zwanzig Jahren des Bestehens hat Werner Dickel gemeinsam mit Kollegen und Freunden Musik von Barock bis John Cage, Mahler bis Dowland, vom Weihnachtsoratorium bis zu Tango und Jazz nach Cronenberg gebracht und dort vielen Menschen die Ohren und die Köpfe und Herzen geöffnet. Den Abschluss und Höhepunkt der 20. Saison von „Musik auf dem CronenBerg“ bildet ein dreitägiges OpenAir-Musikfestival zur Sommersonnenwende an einem der traditionsreichsten und schönsten Plätze Cronenbergs – der idyllisch im Wald gelegenen Pickbahn Vonkeln. Das Mittsommer-Nachts-Festival findet vom 21. bis 23. Juni an diesem wundervollen Ort statt. An den drei Tagen wird Limon Garcias wehmütiger Tango-Gesang, Igor Strawinskys „Geschichte vom Soldaten“ mit dem großartigen Bernd Kuschmann in der Sprecherrolle, Edward Griegs Streichquartett (gespielt von dem nicht nur in Cronenberg umjubelten Esme-Quartett) und portugiesischer Fado den Wald


in Schwingung versetzen. Zum Abschluss gibt es einen Frühschoppen am Sonntagmorgen, der von einem JazzPop-Ensemble von der Musikhochschule gestaltet wird. Werner Dickel wird es sich nicht nehmen lassen, bei den Konzerten selbst einen musikalischen Part zu übernehmen. Für ihn ist diese 20. Saison der „Musik auf dem CronenBerg“ eine besondere: Es wird die letzte sein, die er als künstlerischer Leiter begleitet. Ein Ende der „Musik auf dem CronenBerg“ bedeutet das zum Glück nicht: Die Konzertreihe wird in Zukunft von der Bratschistin Barbara Buntrock weitergeführt, die bereits seit drei Jahren an der Leitung beteiligt ist. Den Cronenbergern ist Dickel dankbar für 20 Jahre Interesse, Enthusiasmus, Treue und Kooperation. Ohne den Idealismus und Einsatz der Gründungsmitglieder des „Förderverein Musik auf dem Cronenberg e.V.“ und ohne das begeisterungsfähige Publikum wäre das Projekt sicherlich nicht so weit gediehen. „Nach 20 erfolgreichen Jahren ist es aber nun auch Zeit, mehr Spielraum für Neues zu haben“, sagt Dickel, und fügt augenzwinkernd hinzu: „Außerdem wohne ich ja inzwischen schon seit einer Weile im Elberfelder Luisenviertel.“ In dem Verein will er sich aber weiterhin engagieren.

Werner Dickel hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten in Wuppertal ein künstlerisches Netzwerk geknüpft, das sich in viele Richtungen verzweigte und fruchtbare Kooperationen hervorbrachte. Mit vielen Mitgliedern des Wuppertaler Sinfonieorchesters, Schauspielern des Ensembles der städtischen Bühnen, mit Tänzern des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch und mit Akteuren der freien Szene sind Projekte entstanden. So war er zum Beispiel als Leiter des Festival-Orchesters maßgeblich an dem von dem Jazz-Saxofonisten Wolfgang Schmidtke ins Leben gerufene Festival „Die Dritte Art“ beteiligt – ein kreativer Meilenstein in der Wuppertaler Kulturlandschaft. Das Festival beschäftigte sich mit den Schnittstellen zwischen Zeitgenössischer (Neuer) Musik, Jazz und Improvisation. Es sind solche Grenzgänge und Grenzüberschreitungen, die Dickel besonders interessieren. Im Mittelpunkt seines künstlerisch-pädagogischen Schaffens stand und steht freilich die Tätigkeit an der Musikhochschule. Den jungen Musikern zu helfen, sich zu öffnen, die Flamme anzufachen, sich im Leben und auf der Bühne zurechtzufinden sowie nicht zuletzt ihr Handwerk gut zu lernen, ist ihm ein Herzensanliegen. Viele Jahre hat

Barbara Buntrock im Trio mit Thomas Reif und Isang Enders Foto: Jörg Beckmann

er mit den Studierenden Projekte entwickelt, die für sie richtungsweisend wurden und wichtige Erfahrungen in ihrer Künstlerbiografie darstellen. So leitete er jahrelang das Hochschulorchester und rief das „Schönberg-Ensemble“ für Neue Musik ins Leben, das er bis heute leitet. Wenn er mit dieser Saison die „Musik auf dem CronenBerg“ in guten Händen zurückgelassen haben wird, wird der Kopf frei für neue Projekte. Man darf gespannt sein. Anne-Kathrin Reif

Termine: 12. Mai 2019, 18 Uhr

Jubiläumskonzert, UA von Christopher Huber Konzertstück für zwei Violen und Ensemble

6. Brandenburgisches Konzert

von Johann Sebastian Bach U.a. mit Barbara Buntrock und Werner Dickel, Violen. Zentrum Emmaus, Hauptstr. 39, Wuppertal-Cronenberg

Mittsommernachts-Festival Pickbahn Vonkeln, Wuppertal-Cronenberg 21. Juni 2019, 20 Uhr

Tango mit Limon Garcia und Ensemble 22. Juni 2019, 19 Uhr

Die Geschichte vom Soldaten von Strawinsky für Sprecher und sieben Musiker Sprecher: Bernd Kuschmann Musikalische Leitung: Werner Dickel

Streichquartette von Haydn und Grieg mit dem Esmé Quartett. 22 Uhr: Jazz in der Nacht mit dem Trio Pardun/Rasch/Kurzhals 23. Juni 2019, 11 Uhr

Frühschoppen

mit Kati Majorek und Ensemble Pop/Latin/Jazz Karten: www.wuppertal-live.de und an der Abendkasse 43


44 Foto: Jรถrg Lange


„Etwas mit Lust und Liebe tun hält uns in Bewegung“

Schlagzeuger und Improvisator von unerschöpflicher Kreativität, Jazz-Pionier der DDR, politisch denkender und handelnder Musiker mit Liebe zur Literatur, Weggefährte von Peter Kowald: E. Dieter Fränzel porträtiert Günter Baby Sommer. Günter Baby Sommer zum 75sten. Radebeul bei Dresden: Hoch über dem Elbtal auf der Wilhelmshöhe, umgeben von Weinbergen und mit Blick hinüber zur sächsischen Landeshauptstadt, befindet sich das Basislager von Günter Baby Sommer. Bis zur denkmalgeschützten Gartenstadt Hellerau mit dem zum ‚Europäischen Zentrum der Künste’ ernannten geschichtsträchtigen Festspielhaus, wo die legendäre Mary Wigman ihre ersten Schritte zum Ausdruckstanz machte, ist es nicht weit. Das ehemalige Berggasthaus Wilhelmshöhe hat der vielreisende Musiker mit Wohnhaus und Studio zu seinem Refugium ausgebaut. Hier kann er probieren, Ideen entwickeln, bisweilen zusammen mit anderen Künstlerinnen und Künstlern, auch mit Literaturschaffenden.

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Günter Baby Sommer 1980 mit Leo Smith und Peter Kowald. Foto: Dagmar Gebers/FMP-Publishing

Denn Sommer ist als Schlagzeuger und Perkussionist nicht nur einer der großen Protagonisten der europäischen Jazz-Szene, er ist auch ein Meister der musikalischen Gestaltung literarischer Texte. Er arbeitete mit Christa Wolf, Günter Grass, mit Rafik Schami und anderen Schriftstellerinnen und Schriftstellern und ist neuerdings mit der Lyrikerin Nora Gomringer unterwegs. Sein Interesse an Literatur führte Sommer in eine Richtung seiner musikalischen Entwicklung, die zu einer lebenslangen Obsession werden sollte. Besonders die jahrelange Zusammenarbeit mit Günter Grass bis zu dessen Tod wurde eines der wichtigsten Anliegen im künstlerischen Schaffensprozess von Günter Baby Sommer, seine Herzensangelegenheit. Günter Baby Sommer ist ein politisch denkender, lokal und global handelnder Künstler. Herausragendes Beispiel dafür ist das Projekt „Songs For Kommeno“. Als der Schlagzeuger in der kleinen Ortschaft Kommeno im griechischen Ipiros zu einem Festival eingeladen wurde, erfuhr er durch den Bürgermeister Christos Kosmas vom Verbrechen der deutschen Wehrmacht an der dortigen Zivilbevölkerung während des Zweiten Weltkriegs: Am 16. August 1943 ermordeten deutsche Soldaten 317 Bewohner des Dorfes – Männer, Frauen und Kinder. Der deutsche Jazzmusiker, der im Jahr dieses Verbrechens geboren wurde, traf sich mit Maria Labri, einer der wenigen Überlebenden des Massakers. Er verarbeitete dieses unfassbare Geschehen zu einer von der Musik Griechenlands inspirierten musikalischen Hommage, 46

die er den Opfern der grausamen Tat widmete und 2012 in Kommeno uraufführte – begleitet von der ausdrucksstarken Sängerin Savina Yannatou und vier weiteren griechischen Musikern. Es entstand eine Freundschaft zwischen dem Musiker, dem Bürgermeister und den Bewohnerinnen und Bewohnern von Kommeno. Günter Baby Sommer wurde durch seine Musik, durch seine Fähigkeit des Zuhörens und Mitfühlens zum Botschafter eines anderen Deutschlands. 2013 verlieh Kommeno dem deutschen Musiker die Ehrenbürgerschaft. Das Projekt, das 2015 auch im Wuppertaler Skulpturenpark Waldfrieden zu erleben war, ist auf einem Film und einer CD dokumentiert („Songs For Kommeno“, INTAKT Records). „Ich will mich mit meiner Musik in Bezug zur Welt stellen. Ich glaube an eine bessere Welt und will ein kleines Stück dazu beitragen. Ich bin kein Politiker, ich bin Musiker. Was ich geben kann, ist Musik. Deshalb entschied ich mich, ein musikalisches Projekt zu entwickeln, das den Namen dieses Dorfes und die Erinnerung an das Leid der Opfer in den Mittelpunkt rückt“, sagt Sommer über sein Projekt. Seinen Spitznamen hat Baby Sommer vom New OrleansMusiker Warren „Baby“ Dodds übernommen, der u.a. Schlagzeuger Louis Armstrongs in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts war und als Erster in der Jazzgeschichte das Schlagzeug als Soloinstrument entdeckt hat. Als Jazzmusiker gilt Günter Baby Sommer als einer der Pioniere des Jazz in der DDR. Zusammen mit Pianist Uli Gumpert, Saxofonist Ernst-Ludwig Petrowsky und Posaunist Conny Bauer gründete er 1984 das „Zentralquartett“.


Im Festspielhaus Hellerau konzertierte Baby Sommer zu seinem 75.sten mit dem Trompeter Till Brönner. Fotos: Karl-Heinz Krauskopf

„Das war eine Satire auf all das Zentrale in der DDR. Ein sarkastischer Seitenhieb“, sagt Sommer rückblickend. Der Drang zur Befreiung aus dem rhythmischen Korsett führte zum Free Jazz. Baby Sommer entdeckte das Potenzial des perkussiven Instrumentariums und erforscht seither immer wieder neu die Möglichkeiten, das Schlagzeug als vollwertiges Melodie-Instrument zu nutzen. Alle möglichen Gegenstände wie Haushaltsgeräte oder Werkzeuge setzt er zur Klangerzeugung ein, nichts ist vor einer Verwendung durch den Schlagwerker sicher, solange es irgendeinen Klang hervorzaubert. Eine Schlüsselfigur auf dem Weg zu seiner musikalischen Entwicklung war der Wuppertaler Bassist Peter Kowald. Bereits 1972 ist er ihm zum ersten Mal begegnet – in Ostberlin. Baby Sommer erinnert sich: „Das war bei einer Gelegenheit, als eine Handvoll Musiker aus der DDR in der ,Großen Melodie’ am Friedrichstadt-Palast zu einer Jamsession zusammengekommen waren. Zu der Zeit veranstaltete die FMP (Free Music Production) in Westberlin das Total Music Festival. Jazz-Musiker aus dem ,Westen’ spielten ,drüben’ im Quartier Latin, einem alternativen Veranstaltungsort. Jost Gebers, der Spiritus Rector des Festivals, sagte dann irgendwann: ,Kommt, wir gehen mal in den Osten rüber!’ So kam es dann zu diesem legendären Treffen, wo wir Ost-Jazzer erstmals auf Musiker wie Peter Kowald, Peter Brötzmann, Alexander von Schlippenbach, Evan Parker, Paul Rutherford, Irene Schweizer und Paul Lowens trafen. Das war eine faszinierende Begegnung. Zunächst spielten die aus dem Westen und wir aus dem Osten getrennt. Doch dann forderten die ,Westler’ uns auf: Macht

doch mal eins mit!’ Und so kam es, dass ich bei dieser Gelegenheit mit Peter Kowald spielte. Kowald war einer, der dort in einer wunderbaren Weise den abtastenden Abstand zwischen uns verkürzte, der direkt einen Weg fand, mit uns musikalisch zu kommunizieren.“ Es dauerte nicht lange, da besuchte Peter Kowald mit seiner damaligen Frau und ihren beiden Kindern den Musikerkollegen in Meißen, wo Baby Sommer zu der Zeit mit seiner Familie lebte. Seitdem blieben sie befreundet, und es begann eine fruchtbare und nachhaltige Zusammenarbeit. Auf Platten und CDs ist dieser intensive künstlerische Austausch dokumentiert. Mit zwei Formationen waren Sommer und Kowald über einen längeren Zeitraum immer wieder in Konzerten präsent: Im Trio mit dem amerikanischen Trompeter Leo Smith ignorierten sie stilistische Grenzen, ganz nach den musikalischen Vorstellungen von Kowalds „Global Village“. Ihr Trio Album „Touch The Earth“ erschien 1979 sowohl im Westen (bei FMP) als auch im Osten (auf Amiga). Mit Leo Smith spielt Günter Baby Sommer gerne auch heute noch im Duo. 15 Jahre tourte das Trio Conny Bauer – Peter Kowald – Günter Baby Sommer, spielte auf zahlreichen Festivals in Europa und den USA, beim „Black Art Festival“ in Atlanta City oder beim „Vision Festival“ in New York. Im Dezember 2001 begaben sich die drei Freunde in Zürich ins Studio und nahmen während zweier Tage eine wunderschöne CD auf, „Between Heaven And Earth“ (Intakt). Kräftige, erdige Sounds, Klangspielereien, Gruppenimprovisationen, Grooves und Drive: das große Spektrum der drei Meister 47


Mutter Erna Sommer auf der Wilhelmshöhe, 2009. Foto: Dieter Fränzel

im Spiel mit den heutigen Formen des Jazz. Niemand hätte im Dezember 2001 in Zürich daran gedacht, dass diese CD die letzte Trio-Aufnahme mit dem Bassisten Peter Kowald sein könnte. Nach dem unerwarteten Tod von Peter Kowald im September 2002 ist diese Einspielung zu einem Erinnerungsdokument an den Bassisten geworden, auch eine Freundschaftsbekundung von Günter Sommer und Conrad Bauer. „30 Jahre war die Freundschaft zu Peter Kowald eine Bereicherung für mich“, schreibt der Schlagzeuger Günter Sommer in den Liner Notes. „Peter Kowald hat mir nicht nur weite Teile der Welt gezeigt, durch ihn habe ich begriffen: Was uns letztlich in Bewegung hält, ist die Fähigkeit, etwas mit Lust und Liebe zu tun, etwas zu lieben.“ Günter Baby Sommer ist seit Jahrzehnten ein gern gesehener Gast in Wuppertal. Oft war er hier an der Seite seines Freundes und musikalischen Weggefährten Peter Kowald zu erleben. Im Mai wird er wieder im Wuppertaler ort zu erleben sein, wenn die Peter Kowald Gesellschaft ihm zu Ehren das Schlagzeug in den Mittelpunkt ihres jährlichen Festivals stellt. Anlass ist nicht zuletzt der 75. Geburtstag von Günter Baby Sommer, den er im August 2018 begangen hat. Da hat er sich selbst schon ein feines Geschenk gemacht: ein Festkonzert im denkmalwürdigen Festspielhaus Hellerau. Ausgerichtet hat ihm das der 1981 gegründete Jazzclub „Tonne“, der im Kurländer Palais im Herzen der Dresdener Altstadt sein Domizil betreibt und dessen Ehrenmitglied Sommer ist. Als Gaststar hatte der vielseitige Schlagzeuger und Komponist den Trompeter Till Brönner eingeladen. 48

Doch als Überraschungsgast trat zunächst unangekündigt der legendäre Liedermacher Wolf Biermann vor das Publikum, der dem Gefährten aus früheren DDR-Zeiten ein Lied widmete: „Lullaby für mein Baby“. Sommer, der experimentierfreudige Schlagzeuger, und Brönner, der smarte Trompetenstar, spielen normalerweise in verschiedenen Lagern, das Publikum mag entweder den einen oder den anderen. Der eine bewegt sich meist im Feld der frei improvisierten Musik, der andere im Fahrwasser des populären Mainstream. Umso überraschender, dass sich die beiden Musiker zu einem Duo gefunden und nun sogar ein Album herausgegeben haben („Babys Party“ – INTAKT Records). Die beiden kennen sich von der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ in Dresden, an der Baby Sommer seit 1995 als Professor lehrt und Talente wie Christian Lillinger und Lucas Niggli unterrichtet und gefördert hat, die sich mittlerweile als innovative Schlagzeuger international einen Namen gemacht haben. Till Brönner wurde 2009 dort zum Professor berufen. Baby Sommer: „Till ist jemand, der mich neugierig macht, weil er aus einer ganz anderen stilistischen Ecke kommt. Weil ich weiß, dass er ein sehr guter Trompeter mit einer unglaublichen Improvisationstechnik ist“. Der musikalische Dialog gelingt – erstaunlich, wie selbstverständlich und entspannt Till Brönner und Günter Baby Sommer miteinander umgehen. Der Meistertrommler mit seinem umfangreichen Schlagwerk gibt meist den Rhythmus vor, der wendig und betont klar melodisch agierende Startrompeter lässt sich ein auf ein Spiel des gegenseitigen Austauschs von Klängen: ein musikalisches Gespräch zwischen zwei Künstlern, die sich etwas mitzuteilen haben. Das Publikum im voll besetzten Festspielhaus Hellerau ist begeistert, in der ersten Reihe Baby Sommers Lebensgefährtin Katharina, sein Sohn Tobias und Mutter Erna Sommer, die im weisen Alter von 97 Jahren sichtlich stolz auf ihren Sohn blickt. Ihr hat Günter Baby Sommer versprochen: „Mein letztes Konzert gebe ich zu meinem 92sten.“ E. Dieter Fränzel


Musik kennt kein Alter: Günter Baby Sommer und der 44 Jahre jüngere Saxofonist Antonio Lucaciu spielen beim Ort-Festival gemeinsam. Foto: Tom Streller

PULS! Drei Tage im „ort“

Die Wuppertaler Perkussionistin Salome Amend eröffnet das Festival. Foto: Daniel Schmitt

Beim Festival vom 2. bis 4. Mai 2019 mit Günter Baby Sommer im „ort“ steht das Schlagzeug im Mittelpunkt. Eine Menge fantastischer Schlagzeuger und Perkussionisten waren in den vergangenen 15 Jahren im „ort“ zu erleben. Gar nicht zu reden von denen, die noch zu Lebzeiten von Peter Kowald hier und anderswo mit ihm gespielt haben. Aber vielleicht ragt unter den vielen doch einer heraus: Günter Baby Sommer, Freund und musikalischer Weggefährte von Peter Kowald über Jahrzehnte, der wie kaum ein anderer das Schlagzeug als Solo-Instrument etabliert hat. Auf der Gedenkfeier für Peter Kowald in der Wuppertaler „börse“ nach dessen plötzlichem Tod 2002 klagte der Freund einst, Peter Kowald habe uns alle darum betrogen mitzuerleben, wie er das Altwerden meistert. Günter Baby Sommer lässt es uns miterleben: 75 Jahre alt ist er im vergangenen August geworden. 75 Jahre alt wäre Peter Kowald am 21. April dieses Jahres geworden. Und so passt es, wenn die Peter Kowald Gesellschaft ihr dreitägiges Frühjahrsfestival, das sie jedes Jahr in zeitlicher Nähe zu Peter Kowalds Geburtstag veranstaltet, in diesem Jahr dem Schlagzeuger und seinem Instrument widmet. 49


Bringen ihre verschiedenen Traditionen in einen musikalischen Dialog: Pape Dieye aus dem Senegal und Davide Campisi aus Sizilien. Fotos: privat/Fabio Leone

Mit PULS! ist das Festival diesmal überschrieben. Der Titel erinnert daran, dass vielleicht kein anderes Instrument so eng mit unserer Lebenskraft verbunden ist wie die Schlaginstrumente. Der Rhythmus unseres Herzens ist ein Beat, in unsern Adern pulsiert das Blut. So vielfältig wie sich das Leben leben lässt, so vielfältig lässt sich freilich auch mit dem Schlagwerk umgehen. Denn nicht nur für Günter Baby Sommer kann quasi jeder Gegenstand zum Rhythmusinstrument werden und zur Klangerzeugung dienen. Am ersten Abend, Donnerstag, den 2. Mai, wird die Wuppertaler Perkussionistin Salome Amend dafür ein Beispiel geben. Sie ist nicht nur Spezialistin im Bereich der Neuen Musik und eine großartige Vibraphonistin, sondern „trommelt“ ebenso virtuos zum Beispiel auf Fahrradspeichen. Mit ihrem Percussion-Solo wird sie das Festival und damit auch eine Fotoausstellung der „ort“-Fotografen Karl-Heinz Krauskopf, Elmar Petzold und Helmut Steidler zum Thema Schlagzeug eröffnen. Wie an jedem ersten Donnerstag im Monat steht an diesem Abend aber auch noch eine Folge der beliebten Filmreihe cine:ort auf dem Programm – natürlich ebenfalls passend zum Festivalthema. Der 60-minütige Film „Rhythm Lab 1“ von Christoph Böll dokumentiert ein Konzert, das die US-amerikanische Perkussionistin Robin Schulkowsky, „artist in residence“ 2006 im „ort“, in der Wuppertaler Galerie Epikur gegeben hat. 50

Am zweiten Abend, Freitag, den 3. Mai, gibt es ein Doppelkonzert, das den Horizont zum Thema „Schlagzeug“ noch erweitert: Den ersten Teil bestreiten der afrikanische Musiker und Perkussionist Pape Dieye aus dem Senegal und der sizilianische Tamburinspieler Davide Campisi. In der Improvisation werden sie ihre unterschiedlichen musikalischen Traditionen zu einem spannenden Klangerlebnis zusammenschmelzen. Erstmals begegnet sind sich die beiden auf dem Festival „gongs and skins“ in Myanmar. Gunda Gottschalk, Musikerin und „ort“-Aktivistin, erlebte die beiden 2018 dort bei ihrer ersten Zusammenarbeit und lud sie nun zum Festival nach Wuppertal ein.

Im zweiten Set des Abends spielt die junge Avantgarde-Jazzband „Max Andrzejewski´s Hütte“ aus Berlin ein groove orientiertes Konzert. Bei gedimmtem Licht und einem Getränk danach noch zusammensitzen und gemeinsam Schallplatten anhören: Das ist die Idee der „Hör-Lounge“, die den langen Abend beschließen soll. Die Ortler bringen Aufnahmen von Peter Kowald mit diversen Drummern mit; Baby Sommer wird hier bereits anwesend sein und die Tonträger fachlich kommentieren. Der Samstagabend ist dann Günter Baby Sommer selbst gewidmet. Er wird zunächst ein Solo-Set spielen. Die Wahl eines Duo-Partners für das zweite Set hat die Peter Kowald


Avantgarde-Jazz aus Berlin: „Max Andrzejewski´s Hütte“. Foto: Dovile Sermokas

Das Programm: Gesellschaft Sommer selbst überlassen. Dessen Wahl fiel auf den jungen Saxofonisten Antonio Lucaciu. 2017 hatte Sommer den in Leipzig lebenden Musiker zu einem DuoKonzert in der Reihe „Erstbegegnung“ nach Dresden eingeladen. Zwischen dem Schlagzeuger und dem 44 Jahre jüngeren Saxofonisten funkte es sofort, und so entstand der Wunsch, es nicht bei einer „Erstbegegnung“ zu belassen. Beiden gemeinsam ist, dass sie keine musikalischen Berührungsängste haben. Baby Sommer tourte unlängst erfolgreich mit dem smarten Trompeter Till Brönner, Antonio Lucaciu ist nicht nur mit diversen Jazzpreisen ausgezeichnet, sondern war auch schon in der Popmusik u.a. bei Udo Lindenberg, Clueso und Wolfgang Niedecken aktiv. Das Sich-Einlassen auf den anderen und das andere erschließt neue Erfahrungsräume, befruchtet das eigene Spiel ebenso wie das Zusammenspiel. Mit seiner Haltung der Offenheit und Neugier auf solche Begegnungen erteilt uns Günter Baby Sommer nicht nur eine musikalische Lektion, sondern auch eine über das Altwerden. An allen Festivalabenden wird, wie es im „ort“ üblich ist, immer auch für das leibliche Wohl gesorgt. Anne-Kathrin Reif

Donnerstag, 2. Mai, 19 Uhr Eröffnung der Fotoausstellung „Schlagzeuger im ort“ mit einem Percussion-Solo von Salome Amend. Anschließend cine:ort-Filmvorführung „Rhythm Lab 1“ von Christoph Böll, 60 Min. Freitag, 3. Mai, 20 Uhr Act 1: Begegnung zweier Perkussionisten Pape Dieye Senegal und Davide Campisi Sizilien Act 2: Max Andrzejewski‘s Hütte Berlin Ab ca. 22.30 Uhr Hör-Lounge mit Aufnahmen von Peter Kowald und Schlagzeugern/Perkussionisten Samstag, 4. Mai, 20 Uhr Act 1: Günter Baby Sommer, Percussion-Solo Act 2: Günter Baby Sommer und Antonio Lucaciu Saxofon ort, Luisenstraße 116, 42103 Wuppertal Donnerstag: frei, Freitag und Samstag: 15 Euro Studierende/Arbeitslose: 6 Euro (kein Vorverkauf – frühzeitiges Erscheinen wird empfohlen).

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Petrichor … ist die Bezeichnung des Geruchs, der von Regentropfen auf trockenem Boden hervorgerufen wird. Petros steht im Griechischen für Stein und ichor für das Blut der Götter. In Wuppertal kennt man den Duft schon viel länger als den Begriff. In der besten Zeit ist Petrichor eine Kolumne von

MC Graeff.

Werbedruck der Dr. Tigges-Fahrten für Lichtbildvorträge

Erinnerungen an das „Stehbildwerfen“ Kaum waren die Sommerferien vorbei, nahm das Schicksal erbarmungslos seinen Lauf: Große Diashow! Seufzend legte Mutter die Einladung der Nenntante Frieda auf den Tisch: „Es hilft wohl nichts; diesmal müssen wir dahin. Aber ihr kommt mit, Kinder, dann können wir vielleicht früher gehen!“ Besagte Bekannte pflegte einen Breitensport der 50er- bis 80er-Jahre: Sie reiste umher und „knipste“ die Welt entzwei, wie dies heute die Vorruheständler auf Facebook tun. Katzen, Pflanzen, Brötchenhälften – keine Scheunengiebel waren vor ihrer Linse sicher, und leider war ihr Budget für die teuren Farbnegativfilme schier unbegrenzt. So saß man dann einen endlosen Abend lang bei Goudawürfeln und Mettigel auf einer Couch und schaute sich auf einer windschiefen Silberleinwand den tollsten Kaktus Andalusiens aus allen Himmelsrichtungen an, bis das Magazin zu oft verklemmte und jemand sich zu sagen traute: „Gönnen wir dem Apparat doch eine Pause …“ 52

Wikipedia verzeichnet den ersten „Lichtbildervortrag“ – ohne Details – im Jahr 1653, gehalten durch den Mathematiker André Tacquet. Das Prinzip der Camera obscura und der Laterna magica war seit der Antike bekannt. Richtig in Fahrt kam das klassische private „Dia“ (vom altgriechischen dia für durch) als 36-mm-Umkehrfilm erst mit modernen Leuchtmitteln und in Begleitung des 35-mmFilmstreifens anno 1925; die Firma Leitz brachte 1926 ihren ersten Projektor auf den Markt. Zuvor waren die Fotoapparate mobiler und bezahlbarer geworden, und die Bildungsund Reformationsbewegungen hatten die europäische Reiselust entfacht. Man begann, sich die Welt nach Hause zu holen – auch als unikates Diapositiv, das performativ geteilt werden musste. Die eigentliche Medienrevolution – die erst wieder von der digitalen übertroffen wurde – hatte flächendeckend gesiegt. Manch Reisender gab mehr Geld für Filme als fürs Ticket aus, und in den Abstellkammern bogen sich vor lauter Erinnerung die Regale.


Sprung in die Gegenwart: Im aktuellen Kursprogramm der Bergischen VHS sucht man den Diavortrag vergeblich. Auch die Kunstgeschichte generell ist kaum mehr gefragt. Die digitallexikalische Gesellschaft verzichtet auf das Reisen im Kopf, auf das live erzählte, bebilderte Entdecken der Welt. Ab und zu tourt noch eine Show mit bildsensationellem Charakter durch Eventhallen, doch mit dem klassischen und gar kunsthistorischen Vortrag hat dies meistens nichts mehr zu tun. Selbstverständlich war Wuppertal einst eine Hochburg des Mediums; von hier aus organisierten die StudienreiseExperten der Dr.-Tigges-Fahrten ein dichtes Vortragsprogramm für die Winterhalbjahre, auch um ihren dann oft einkommenslosen Reiseleitern eine sinnvolle Überbrückung der reisefreien Zeit zu bieten. Mit Hunderten populärwissenschaftlichen Vorträgen in vielen Dutzend Städten brachten die Referenten die Schätze der Welt unter die Leute, von denen nicht selten zweihundert oder mehr die Säle füllten: „Die Plitvitzer Seen und andere Sehenswürdigkeiten der jugoslawischen Karstlandschaft“ – schon manche Titel verraten, dass es zwar ohne die Bilder nicht ging, aber wohl ganz entscheidend auf die Vortragenden selbst ankam, den Zuschauern eine ferne Welt in den tristen Saal zu zaubern. Dies konnte so weit zu einer eigenen Kunst ausgebaut werden, dass mein Vater, der zu den fleißigsten Vortragenden gehörte, mehrfach Anfragen eines Blindenvereins bekam: Die Sehbeeinträchtigten und deren Begleiter brauchten zwar die tatsächliche Projektion; der eigentliche Vortrag spielte sich jedoch in der Fähigkeit der Beschreibung von Kunst, Kulturen und Menschen ab, sodass der Stoff des Wissens vor dem inneren Auge lebendig werden konnte. Was heute die digitalen Animationen der Historien-Dokumentationen im TV und Netz zeigen, wurde anhand weniger Standbilder über das lebendige Wort transportiert; es war jeden Abend ein neues Spiel zwischen Neugier und Imagination. Die Kunst des Lichtbildervortrags ist längst verweht. Im Schrank warten noch 3000 glasgerahmte Dias frisch wie am ersten Tag auf das Ende meiner Ratlosigkeit, was mit Ihnen anzufangen ist. Der Bedarf an lebendig erzählter Geschichte von der Vielfalt menschlichen Strebens ist obsolet geworden – oder einfach durchgeknallt wie die letzte Birne des alten Liesegang-Fallschachtprojektors, der noch neben den Kästen steht.

Alle Fotos: Christian H. Graeff, 60er-Jahre

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Quartiere zeigen ihr Grün Wuppertal erfindet die Quartiergartenschau

Man stelle sich vor: Wuppertal wird Schauplatz einer Bundesgartenschau (BUGA)! Das ist schon etwas Besonderes. Die Republik wird kommen, um die Werke der grünen Zunft in der bergischen Großstadt zu besichtigen: erneuerte Grünanlagen, interessante Sportflächen und städtebauliche Entwicklungen. Da wird Innovatives, Außerordentliches zu sehen sein, und das tut unserer Stadt gut. Gut, dass Erneuerung auch im Grünen stattfindet, gut, dass Wuppertal den Mut findet, es anderen zu zeigen. Dem Stadtmarketing darf ruhig schon einmal das Herz aufgehen bei den avisierten Besucherzahlen. Und die Wuppertalerinnen und Wuppertaler werden auf vielfältige Weise von alledem profitieren. In der Vergangenheit hat Wuppertal schon mehrfach mit dem Gedanken gespielt, eine BUGA auszurichten. Letzten Endes versagte die Politik den hochfliegenden Plänen jedoch immer wieder aus diesem und jenem Grund ihre Unterstützung. Doch lassen wir die Vergangenheit links liegen, die Zukunft ruft. Und da ist Spannendes geplant, von dem wir noch so manches hören werden. Vielleicht werden wir auch mal angehört und können die florale Zukunft unserer Stadt mitgestalten. Die Stadtväter und -mütter jedenfalls werden noch das ein oder andere Mal über ihren Schatten springen müssen. Ich freue mich jedenfalls schon darauf, mit der Seilbahn in den Zoo und auf die Königshöhe zu schweben. 2031 werde ich das passende Alter haben. Das Erlebnis der talüberspannenden Brücke überlasse ich dann vermutlich Jüngeren. Schließlich sind es bis zur BUGA Wuppertal noch 12 Jahre. 12 Jahre! Ja, das ist für Vorfreude ein langer Zeitraum. Aber daraus kann man etwas machen. Drehen wir den Spieß doch einfach um. Dann kommen wir in den Genuss einer langen Zeitspanne, die uns hilft, unsere Vorfreude zu kultivieren. 54

Genau das ist auch das Ziel der „QUGA“, der QuartiersGartenschau. In jedem Jahr macht sie das Grün eines anderen Wuppertaler Stadtviertels zum Thema. Dabei geht es weder um Neubau noch um Tourismus, sondern um den Bezirk und seine Bewohnerinnen und Bewohner. Sie kennen ihre Grünflächen und werden sie nun anderen präsentieren. Schließlich gibt es schon jetzt viel Grün in Wuppertal zu sehen. Aktivitäten einzelner Vereine, die „Offene Gartenpforte“ oder das nun im dritten Jahr angebotene Programm „Park des Monats“ konnten schon viele Gärten, Parks und Wälder ins öffentliche Bewusstsein bringen. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass es hier mehr gibt, als die meisten hinter dem eher grauen Image der Stadt vermuten. Unsere Heimat hat Besonderheiten zu bieten wie den „grünen Kranz der Berge“, der sich um das Tal zieht. Ihn besäße Wuppertal nicht, wären nicht im 19. Jh. Bürger vehement zu seiner Erhaltung und Neuanlage sowie seiner Öffnung für alle eingetreten. Das ausgeprägte Bürgerengagement darf man ruhig als legendär bezeichnen. Und diese Energie lebt vielfältig weiter. Die großen Landschafts- und Waldparks ergänzen kleinere Anlagen in den Quartieren.

Daraus ragen der städtische Zoo, das staatliche Arboretum Burgholz, die Stiftungen Skulpturenpark Waldfrieden und Adolf-Vorwerk-Park sowie die Anlagen des Barmer Verschönerungsvereins hervor. Neues soziales Grün entsteht mit dem Urban Gardening, das auch das Thema Ernährung in den Gartenblick rückt. Einen anderen Aspekt bildet die große Zahl der Kleingärten mit herrlicher Aussicht. Sie schaffen Wohnungsbesitzern ein Stück privates Grün in toller landschaftlicher Lage. Der „K-Weg“ des Sauerländischen Gebirgsvereins schließt viele Kleingartenanlagen zu einem großen Rundweg zusammen und öffnet damit das beschauliche Gartenglück dem allgemeinen Wandervergnügen. Auch die Friedhofskultur ist ausgeprägt. Mehr als 50 Bestattungsstätten zählt Wuppertal, die meisten davon sind noch in Benutzung. Im Unterschied zu anderen Städten sind sie hier fast ausschließlich in kirchlicher Obhut. Begräbniskultur wie Friedhofsverwaltung befinden sich in einer spannenden Umbruchssituation, in der Untergehen-


Die Ronsdorfer Talsperre, Erbaut 1898 Foto: Klaus GĂźnther Conrats

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Die Ronsdorfer Anlagen und der Bandwirkerplatz. Foto oben und unten links: Michael Heil Foto unten rechts: Klaus-GĂźnther Conrads

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des noch zu sehen und Neues schon zu erkennen ist. So wagt der Friedhof Krummacherstraße mit der Nachbarschaft einer christlichen, einer jüdischen und einer muslimischen Gräberanlage ein Vorreiterprojekt. Auch die traditionellen Sportstätten ändern sich, neue Körperbetätigungen im Freien entstehen. Spielplätze sind längst nicht mehr allein Reservate für Kinder, „Mehrgenerationenspielplätze“ machen auch Seniorinnen und Senioren Bewegungsangebote. Es gibt also viel zu erkunden in den Stadtteilen. Dazu werden Führungen, Feste, Konzerte, Ausstellungen, Vorträge, Arbeitseinsätze und mehr veranstaltet. Verantwortlich sind die Bürgervereine und der Förderverein Historische Parkanlagen Wuppertal gemeinsam mit dem Garten- und Landschaftsbau und dem städtischen Ressort Grünflächen und Forsten. Dieses Kernteam kooperiert jeweils mit weiteren Initiativen oder Interessierten vor Ort. Was wären die Parks ohne ihre fördernden Vereine, die Gärten ohne ihre Besitzerinnen und Besitzer, die Wälder ohne die Försterinnen und Förster, die Friedhöfe ohne die Gemeinden? Im Quartier wirken sie zusammen.

fersack“. Ein besonderes Augenmerk hat der Bürgerverein auch auf die Talsperre, die die Bürger schon seit deren Errichtung 1898 als Ausflugsort nutzen. Ronsdorfs Gartenbaugewerbe ist zweifellos ein Aushängeschild. Es gibt statt Gartencentern Gärtnereien und Baumschulen, die ihre Pflanzen noch selbst anbauen. Die 1888 gegründete Staudengärtnerei Arends Maubach genießt sogar noch in der vierten Generation große Bekanntheit in der Gartenwelt. Der Förderkreis Georg Arends kümmert sich außerdem um das historische Erbe des Pflanzenzüchters. Betriebe für Garten- und Landschaftsbau sowie Gartentechnik runden den heimlichen Schwerpunkt des Bezirks ab. Und gleich vier Friedhöfe, darunter der einzige städtische in Wuppertal, zeigen Facetten der Bestattungskultur.

Der Faden der QUGA soll sich von Jahr zu Jahr weiterspinnen. Quartiere können sich melden, Erneuerungsmaßnahmen und Jubiläen einen Anlass für die Übergabe des Staffelstabs bilden. Den mutigen Anfang macht in jedem Fall Ronsdorf, ja, gerade jenes Bergvolk, das auch nach 150 Jahren noch den überaus vitalen Ronsdorfer Verschönerungsverein (RVV) in seiner Mitte weiß. Nur drei Jahre nach dem Barmer Verschönerungsverein gegründet, hat der RVV wie jener seine eigene Parkanlage, die Ronsdorfer Anlagen, ein privater Park, der jedem offensteht. Im Dritten Reich musste die Fläche jenseits der L 418 für militärische Nutzungen verkauft werden. Nach langem Ringen gelang es dem RVV jedoch Jahrzehnte später, sie zurückzuerwerben, fast kann man sagen, im Stillen. Inzwischen ist auch dieser Wald erschlossen und erwartet die Spaziergängerinnen und Spaziergänger. Also schauen Sie sich doch die Ronsdorfer Anlagen einmal an, vielleicht zur QUGA in diesem Jahr. Der RVV lädt jeden in seinen Privatwald ein und zur Feier seines eindrucksvollen Jubiläums ganz besonders.

An Kleingärten ist die „Gartenstadt Ronsdorf“ weniger reich, wobei diese Selbstzuschreibung nicht zu wörtlich zu nehmen ist. Entstehung und Siedlungsstruktur des Stadtteils haben nichts mit dem englischen Modell der Gartenstadt zu tun. Vielmehr handelt es sich bei der Bezeichnung um einen Kniff des Stadtmarketings der 20er-Jahre. Dass Ronsdorf nichtsdestotrotz reich an Grün ist, dürfte spätestens durch die Gartenschau klar werden.

Aber Ronsdorf hat noch mehr zu bieten, und auch das wird im Rahmen der Gartenschau gezeigt werden. Grüne Plätze und Parks, Wälder und Bachtäler. Der Heimat- und Bürgerverein Ronsdorf verfügt über geballte Energie, vor allem wenn es darum geht, Menschen zusammenzubringen. So initiiert er etwa auf dem Bandwirkerplatz, der grünen Mitte, regelmäßig Feste, etwa das Weinfest und den „Lie-

So weit also der Auftakt 2019. Und dann? Ja, dann steht das Jahr des 200-jährigen Geburtstags von Friedrich Engels an. Klar, die QUGA 2020 muss nach Unterbarmen. Vom Engelsgarten über den Unterbarmer Friedhof bis zum Skulpturenpark Waldfrieden gibt es Namhaftes zu entdecken. Und danach geht der Staffelstab ans nächste Quartier. Antonia Dinnebier

Kaum hat das Quartier am Picobello-Tag am 30. März aufgeräumt, startet also Ronsdorfs Gartenschau, die bis Oktober dauert. Der Programmflyer versammelt die Angebote verschiedener Firmen und Vereine. Wird auch etwas gepflanzt, verbessert oder erneuert? Zumindest die Lust der Ronsdorferinnen und Ronsdorfer darauf dürfte wachsen, Ideen gesammelt und Partnerinnen und Partner gesucht werden. Spannend, was da im ersten Jahr der QUGA zusammenkommt, schließlich ist sie noch Neuland. Gutes Gelingen dem Pionier Ronsdorf!

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Hildegard Kurt Von der Schönheit alter Äpfel und Briefen aus der Zukunft

Hildegard Kurt in der CityKirche. Foto: Ralf Silberkuhl

Die Kulturwissenschaftlerin Hildegard Kurt trägt in Wuppertal zum Entstehen von Gemeinschaft mit offener Mitte, Lebendigkeit und Reflexion bei. Mit Stille begann und endete ihr Vortrag „Die neue Muse. Hin zum schöpferischen Wir“ in der CityKirche in Elberfeld am ersten März-Wochenende 2019. Mit faszinierender Präsenz und Freude machte Hildegard Kurt eine rote Rose zur Protagonistin des Abends, die sie kurz zuvor in der Elberfelder Fußgängerzone gekauft hatte. Ungewöhnlich groß und von scheinbar perfekter Schönheit war sie, stammte aus Ecuador und verströmte keinerlei Duft. Mit der Rose verwies Hildegard Kurt auf die documenta 5 in Kassel. Hier hatte Joseph Beuys 1972 mit einer täglich frischen Rose in sein „Büro für direkte Demokratie durch Volksabstimmung“ eingeladen, hundert Tage lang. Ihre Blüte stand im Verhältnis zu Stil und Blättern für eine Revolution, die sich, mit Beuys gesprochen, „ganz langsam durch Transformation und Evolution vollzieht“. 58

In Wuppertal stand die Rose, wie die Stadt selbst, für Widersprüche: Als pflanzliches und künstlerisches Symbol für Wandel war sie zugleich ein duft- und stachelloses, fragwürdig gezüchtetes Resultat der kapitalistischen, globalisierten Wirtschaft. Die Widersprüche sorgten für spannenden Austausch beim Vortrag und während der „Lebendigkeitswerkstatt“ am Tag darauf in der gelben Hütte des Bergischen Vereins für Gesundheit und Natur e.V.. Hildegard Kurt legt als Mitbegründerin des „und.Institut für Kunst, Kultur und Zukunftsfähigkeit e.V.“ ihren Fokus seit vielen Jahren auf eine zukunftsweisende Verbindung von Kultur, Kunst und Nachhaltigkeit. Sie gilt als Koryphäe für diesen Ansatz, unterrichtete als Senior Lecturer für Soziale Plastik an der Oxford Brookes University, veröffentlicht Bücher und initiierte jüngst mit dem Biologen und Philosophen Andreas Weber die „Erdfest-Initiative“, gefördert vom Bundesamt für Naturschutz. Ihre Texte und Bücher sind mir schon lange vertraut. Vor zwei Jahren begegnete ich ihr persönlich in der von ihr als „Zukunftslabor“ bezeichneten Gemeinschaft Schloss Tempelhof in Süddeutschland. Andreas Weber stellte dort sein Buch


„Lebendigkeit. Eine erotische Ökologie“ vor, und sie selbst bot eine „Lebendigkeitswerkstatt Erde“ an. Letzten Herbst war Hildegard Kurt zu Gast bei den „Bergischen Klimagesprächen“ in Wuppertal und lernte mit zahlreichen anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern durch Stadttouren pulsierende Kunstorte kennen (vgl. DbZ 1/2019). Die Aufbruchsstimmung faszinierte sie: „Ein Merkmal, das etliche hiesige Unternehmungen verbindet, ist: Sie basieren nicht auf fertigen Konzepten, sondern kommen geradezu ohne Konzept aus. Aus diesem offenen Raum entsteht eine bemerkenswerte Kreativität.“ Die CityKirche in Elberfeld – in der im letzten Jahr zahlreiche Veranstaltungen zum Thema Glaube und sozial-ökologische Verantwortung stattfanden – war ein stimmiger Ort für Kurts Vortrag. Die „neue Muse“ geht auf Beuys zurück, der schon Anfang der 80er-Jahre angesichts sozialer und ökologischer Krisen das Erscheinen einer neuen Muse ankündigte: Sinnbild für die urmenschliche Fähigkeit, zukunftsfähige Formen des Lebens und Wirtschaftens mitzugestalten. Von da aus widmete sich der Vortrag der neuen Muse der Zukunftsfähigkeit (vgl. auch das gleichnamige Buch). Über bunte Zeichnungen und mit viel Freude und Begeisterung brachte uns Hildegard Kurt einen Raum näher, der jenseits logisch-kausaler Linearität liegt. Indem Phänomene von der Zukunft her wahrgenommen, gedacht und gestaltet werden, öffnet sich eine tiefe, schöpferische Quelle für den Menschen, aus der wiederum transformatives Denken und Handeln entstehen können. Höchst spannend erklärte Kurt, wie Zukunftsfähigkeit als Gegenwartsfähigkeit greifbar wird, und zeigte dies anhand lebendiger Bezüge wie Rainer Maria Rilkes Gedicht „Der Panther“, Willy Brandts Kniefall 1970 vor dem Mahnmal für die Ermordeten des Warschauer Ghettos, Hannah Arendts „Geburtlichkeit“, der U-Theorie des Transformationsforschers Otto Scharmer und der Tiefenökologin Joanna Macy. Zentrale Herausforderung für uns alle ist die Fähigkeit, das In-der-Welt-Sein so zu ent-automatisieren, dass es möglich wird, gewohnte Pfade, Muster und Logiken zu verlassen. Auf Kurts während des Vortrags entstandenen Zeichnung waren zuletzt Kreise mit offener Mitte zu sehen: ein Symbol für Selbstreflexivität, die Gemeinschaften brauchen, um schöpferisch und zukunftsfähig wirksam zu sein. In Wuppertal selbst formieren sich neue Gemeinschaften: Vortrag und Werkstatt waren Veranstaltungen von )) freies netz werk )) KULTUR in Kooperation mit dem Wuppertal Institut, dem Kulturbüro und Urbane Gärten Wuppertal. Die Cocreatio-Stiftung für Kooperation und kollektive

Die ERDFEST-Initiative feiert gemeinsam Lebendigkeit. Foto: Eddie Kopp, Unsplash

Entwicklung förderte die „Lebendigkeitswerkstatt“. Hier erkundete Hildegard Kurt mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern und ihren unterschiedlichen Hintergründen und Perspektiven, wie selbstreflexive und ko-kreative Gemeinschaften entstehen können. Viele der kreativen Praktiken sind in dem Buch „Die rote Blume. Ästhetische Praxis in Zeiten des Wandels“ beschrieben, das Kurt zusammen mit der Künstlerin und Beuys-Schülerin Shelley Sacks verfasst hat. Dazu gehörten in der Wuppertaler Gelben Hütte das Entschleunigen, das einander Zuhören, selbst geschriebene Briefe aus der Zukunft und das vertiefende Wahrnehmen von etwas so Unscheinbarem wie einem verschrumpelten Apfel. Die Werkstatt zeigte, wie aus einem Gestalten ohne fertiges Konzept, ohne Guru, ohne Chef – also um eine offene Mitte herum – Lebendigkeit entstehen kann. Hildegard Kurt hatte dies umgekehrt bei den Bergischen Klimagesprächen in Wuppertal begeistert wahrgenommen: „Indem solche Gruppen selbstreflexiv sind, bleiben sie im Prozess und können sich selbst korrigieren. Sie praktizieren ein spürendes Denken, wofür Stimmigkeit ein Kompass ist.“ Ein verschrumpelter Apfel wurde am Ende der Lebendigkeitswerkstatt in die Hände eines Wuppertaler Bildhauers gegeben. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass es vom 21. bis 23. Juni 2019 in Wuppertal mehrere „Erdfeste“ geben wird. www.erdfest.org Uta Atzpodien 59


Drei Zeitgenossen der Zukunft Lebendiges Erinnern im Mai 2019

150 Jahre Else Lasker-Schüler und Helene Stöcker Vor 100 Jahren: Mord an Gustav Landauer

„Prinz von Theben“ meets heutige Initiativen für Klimaschutz und gegen Rassismus. Eine historische Kriegsgegnerin und Sexualreformerin inspiriert moderne Friedens- und Fraueninitiativen. Ein gewaltloser Philosoph der Gesellschaft von unten und Aktivist der Münchener Rätepublik trifft Initiativen gegen Bodenspekulation und Besetzer*innen des Hambacher Waldes: Lebendiges Erinnern an die Zukunft - unter diesem Motto lädt die internationale Armin T. Wegner Gesellschaft gemeinsam mit der Stiftung W zum Wuppertaler Zukunftsfestival für Klimaschutz und gewaltfreie Veränderung 2019.

„Die Unberechenbarkeit vom Allzuheiß bis zum Allzukalt ist die Folge der Klage der aus den Fugen geratenen Pflanzenwelt. Wir haben sie tödlich verwirrt und getroffen. Denn die Natur ist nicht der Menschen Schemel, den sie rücken oder gar durchsägen können nach Belieben.“

Else Lasker-Schüler

Else Lasker-Schüler, 1927

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Foto: unbekannt Mit freundlicher Genehmigung der Else Lasker-Schüler-Gesellschaft e.V.

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In Kooperation mit dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt; Energie, den Wuppertaler Bühnen, der Stadt Wuppertal und vielen anderen gibt es Begegnungen mit Zukunftsinitiativen, Konzerte mit Uraufführungen, Filmund Literaturabende, zwei Ausstellungen und das OpenAir-Fest Wuppertaler Töchter – Else-Helene-Fest am 25. Mai auf dem Laurentiusplatz. Hellsichtige Künstlerinnen und Künstler, kreative Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, einfühlsame Philosophinnen und Philosophen sind ihrer Zeit häufig weit voraus. Zusammen mit „Aussteigerinnen und Aussteigern“ und anderen Minderheiten werfen sie oft als Erste Fragen auf, die alle Lebewesen und die Zukunft unseres Planeten betreffen. Als sensible Frühwarnsysteme des (Über-)Lebens hören solche Menschen „das Gras wachsen“ und sehen frühzeitig, was „den Bach runtergeht“. Solche Zeitgenossinnen der Zukunft waren auch die Dichterin und „Friedensindianerin“ Else Lasker-Schüler sowie die Sozialphilosophin Helene Stöcker. Was wenige wissen: Lasker-Schüler warnte in ihren Texten schon visionär vor

„Die moderne Frau ist etwas, das noch nicht in dieses Jahrhundert hineingehört, für die es noch keinen Namen und keinen Mann gibt, keine Stellung in der Gesellschaft; denn ihrem ganzen, innersten Wesen nach gehört sie in ein Zeitalter der Zukunft – kurz, sie hat sich auf jeden Fall verfrüht.“

Helene Stöcker, 1893 61

Helene Stöcker, um 1906, Foto: unbekannt

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dem Klimawandel und setzte sich für neue, nicht rassistische Gesellschaftsformen ein. Die entschiedene Kriegsgegnerin Helene Stöcker legte die Fundamente einer modernen, frauen- und kinderfreundlichen Sozialgesetzgebung. Neben diesen beiden berühmten Töchtern unserer Stadt Wuppertal feiert 2019 ihren 150. Geburtstag! - erinnern wir auch an den Schriftsteller und gewaltlosen Rebellen Gustav Landauer, der seinerseits eng mit Lasker-Schüler und Stöcker sowie mit dem Rheinland verbunden war. Der rechtsradikale Mord an diesem nachhaltig „produktiven Träumer“ jährt sich im Mai 2019 zum hundertsten Mal. Auch Else und Helene wurden vom rechten Mob verfolgt. Ins Exil gejagt, starben sie in Jerusalem und in New York. Auf ihren Spuren engagieren wir uns heute mit vielen für eine offene, nicht rassistische und ökologisch achtsame Gesellschaft. Ulrich Klan

„Austreten aus dem Kapitalismus! (…) Wir beginnen mit dem Sozialismus, indem wir aufhören, Knechte des Kapitals zu sein. Wir beginnen mit dem Sozialismus, indem wir nicht mehr als Lohnarbeiter für den Warenmarkt produzieren. Die eigene Arbeit um des schönen Lebens und der inneren Seligkeit willen zusammen mit arbeitenden und helfenden Menschenbrüdern und Schwestern in den Dienst des eigenen Verbrauchs stellen – das ist der Beginn des Sozialismus.“

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Gustav Landauer 1892, National Library of Israel, Schwadron Collection, Foto: Oscar Suck

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„Ich glaube, dass spätere Geschlechter einst mit Grauen auf unsere Tage zurückblicken werden, wo sich die Völker in blutigen Kriegen zerfleischten, Frauen sich mit Fellen und Federn wie dem Skalp eines Indianers schmückten und die Menschen sich von gerösteten Tierleichen ernährten.“ Armin T. Wegner, 1919

Das Festival ... erinnern an die Zukunft 2019 macht diese drei Persönlichkeiten in Zukunftskontexten neu erfahrbar. Es lohnt sich, ihnen neu zuzuhören. Zukunftsgeladene Poesie und Philosophie begegnen modernen Klima-, Ernährungs- und Sozialinitiativen. Zu den Höhepunkten des Festivals gehören: Sonntag, 5. Mai 2019, um 11 Uhr

Samstag, 25. Mai 2019, ab 12 Uhr

City-Kirche, Kirchplatz 2, Wuppertal Julia Reznik und Hak Young (Wuppertaler Bühnen) präsentieren Else-Lasker-Schüler-Lieder von Friedrich Hollaender und Ulrich Klan (Uraufführung) sowie Musik von Robert Schumann und Felix Mendelssohn. Kurzvorträge: Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie: „Zukunftskunst und gesellschaftlicher Wandel“. Ulrich Klan: „Wie (un)politisch war der Prinz von Theben und sein Staat?“

Laurentiusplatz, Wuppertal mit Karussell und Reibekuchen, Öko-, Frauen- und Kinderinitiativen. Julia Reznik (Wuppertaler Bühnen) und Beate Rüter präsentieren Texte von Else Lasker-Schüler und Helene Stöcker. Open-Air-Bühne: Musik von FaulenzA (Berlin), E.L.S.E. Experience (Bayreuth), Time Rag Departement (Berlin), Fortschrott (Wuppertal), Barmer Ersatzkapelle (BEK), Nadine Beneke (Düsseldorf), Salto Vocale, Internationaler Else Chor, Marvin Dillmann und Ulrich Klan Moderation: Dörte Bald

Eröffnungsmatinee

Donnerstag, 9. Mai 2019, um 19 Uhr

Auch Vergangenheit ist Zukunft Bergische VHS, Auer Schulstraße 20, Wuppertal Eröffnung der Gustav Landauer-Ausstellung Einführung: Dr. Michael Matzigkeit (Düsseldorf) Rolf Becker (Hamburg) liest Texte von Gustav Landauer und Armin T. Wegner. Thesen zu Landauer von und mit Andreas Steffens – Philosoph (Wuppertal) Musik: Ulrich Klan

Dienstag, 21. Mai 2019, um 19 Uhr

Als die Bäume mich wiedersahen Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie Döppersberg 19, Wuppertal Konzert und Lesung, mit Texten von Else Lasker-Schüler. Musik von Haydn, Robert Schumann, Tona ScherchenHsiao und Charles Ives. Mit Joslyn Rechter und Torsten Krug (Gesang) sowie Studierenden der Musikhochschule Rheinland - Institut Wuppertal. Musikalische Leitung, Klavier und Moderation: Ulrich Klan

Wuppertaler Töchter – Else-Helene-Fest

Sonntag, 26. Mai, um 18 Uhr

Earth Songs

Immanuelskirche, Sternstraße 2, Wuppertal Chor- und Orchesterkonzert mit den „Amici del Canto“ und der Mandolinen-Konzertgesellschaft Wuppertal Musik: „Gartenlieder“ von Fanny Hensel, „Over all tree tops“ von Charles Ives, „Arten“ von Ulrich Klan (Uraufführung) und „Styx“ von Anestis Logothetis Musikalische Leitung: Prof. Dennis Hansel, Detlef Tewes Texte von Else Lasker-Schüler und Moderation: Ulrich Klan

Alle Veranstaltungen des Festivals unter: www.erinnern-an-die-zukunft.de oder www.armin-t-wegner.de 63

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Inselgespräche im literarischen Salon Die Reihe „Literatur auf der Insel“ im Café Ada lockt seit fünf Jahren renommierte Autorinnen und Autoren nach Wuppertal 64


Uta Atzpodin und Torsten Krug im Gespräch mit der Autorin Susan Kreller. Alle Fotos: Ralf Silberkuhl

Welches Buch würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen? Und wenn Sie dort nur einen einzigen Menschen treffen könnten, der auch noch Autor ist – welcher würde das sein? Solcherart sind Fragen, die prominente Menschen gelegentlich in Fragebögen zur Persönlichkeit beantworten sollen. Die „Literatur auf der Insel“ im Wuppertaler Café Ada hat aber einen ganz anderen Hintergrund: „Ada“, das heißt auf türkisch schlicht „Insel“. Und das Ada ist von Anfang an Heimstatt der Literaturreihe, die sich seit ihrem Beginn 2014 stetig wachsender Beliebtheit erfreut. „Der ideale Ort“, findet Torsten Krug, Erfinder der Reihe und einer von stets zwei Gastgebern. Denn dass das Publikum nicht aufgereiht vor einer Bühne sitzt, gemütlich an Tischen, dass während des ganzen Abends gegessen und getrunken werden darf, trägt erheblich zu der entspannten Atmosphäre dieser ganz besonderen Literaturabende bei. Genauso wie das Ada selbst, diese mediterrane Insel im Wuppertaler Stadtleben, auf der sich die Kulturen mischen und ein Hauch von Orient weht. 65


Das schätzen nicht nur die Besucher, sondern auch die Autoren – jedenfalls die, die sich auf das ungewöhnliche Format einlassen. Denn viel mehr als einer schlichten Lesung entspricht die „Literatur auf der Insel“ einem literarischen Salon. „Es geht um den Gast an sich, um seine Person, um sein ganzes Werk“, erklärt Torsten Krug. Deshalb haben die Abende stets einen großen Gesprächsanteil. „Literatur hat ja mit Geschichtenerzählen zu tun“, sagt Krug. Und die meisten Gäste erzählen gern, statt wie sonst üblich einsam einem lauschenden Publikum gegenüber zu sitzen. „Das war ganz anders als sonst“, hat der Gastgeber schon oft am Ende eines Abends von Autoren gehört, die plötzlich Dinge erzählt haben, die sie sonst nicht erzählen. Dass das passiert, kann man natürlich nicht planen. Aber man kann Gelegenheiten schaffen. Deshalb sind alle Autorinnen und Autoren aufgefordert, eine Musik mitzubringen, die ihnen etwas bedeutet. Sie öffnet oft schon im ersten, literarischen Teil des Abends eine Tür zum persönlichen Austausch, schafft Intimität. Als „Zugabe“ zum Hauptteil, in dem die Autoren natürlich auch aus ihren Werken lesen, können sie stets noch ein weiteres Mitbringsel ihrer Wahl präsentieren, das zum Gesprächsanlass wird. Das kann wiederum eine Musik sein aber auch ein Filmausschnitt oder anderes. Susan Kreller trug nach der Lesung aus ihrem jüngsten Roman „Pirasol“ zuletzt ihre ganz persönlichen Lieblingsgedichte vor. Jochen Rausch brachte einen Ausschnitt aus dem von ihm verfassten Hörspiel „Dann sind wir Helden“ mit, ein Zeitdokument vom Vorabend des Punk, mit Campino und Judith Holofernes. Christoph Peters hatte jahrhundertealte Teeschalen dabei. Gerbrand Bakker dirigierte zehn Minuten zu Richard Strauß. Solche Überraschungen bieten Anlässe, Dinge im Gespräch in Beziehung zu setzen, und öffnen den Horizont. Torsten Krug ist als Moderator eine Idealbesetzung: Ihm fällt es leicht, nicht in engen Genregrenzen zu denken – ist er doch nicht nur studierter Literaturwissenschaftler, sondern auch selbst Autor, Regisseur, Musiker und ausgebildeter Sänger. „Ich habe kein Interesse daran, zu interpretieren oder journalistische Fragen zu stellen. Ich will nur Gastgeber sein“, sagt er über seine Rolle. Diese Rolle füllt er aber nicht allein aus. Das dialogische Prinzip mit zwei Gastgebern und einem Gast ist wichtiger Bestandteil des Die Autorin Susann Kreller (Mitte) war bislang vor allem als erfolgreiche Kinderund Jugendbuchautorin bekannt. Im Ada bannte sie das Publikum mit Passagen aus „Pirasol“, ihren ersten Roman für Erwachsene. „Für mich gibt es nur eine Literatur“, sagte sie im Gespräch mit Uta Atzpodien und Torsten Krug.

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Konzepts. Als Partnerin war von Beginn an Katrina Schulz an seiner Seite. Die Tochter des Autors und früheren Verlagsleiters Hermann Schulz brachte als Musikerin einen frischen, eigenen Blick auf die Literatur mit, war oft ein belebendes Element. Nach ihrem Ausscheiden hat erst vor kurzem die Wuppertaler Dramaturgin Uta Atzpodien ihren Part übernommen. Sie studierte Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Politikwissenschaft und Hispanistik und promovierte in Theaterwissenschaften. Das Lesen von Literatur im Original und auch das Vergleichen von Perspektiven und Praktiken in verschiedenen Kunstgenres habe ihren Sinn für Zusammenhänge geschärft, erklärt sie. „Mich interessiert, wie sich Literatur und Kunst allgemein in der Gesellschaft positionieren und einschreiben“, charakterisiert sie ihren persönlichen Blickwinkel, den sie in die Gespräche einbringen will. Aber genauso wie Torsten Krug findet sie das Unerwartete, Überraschende, das im Gespräch entsteht, am spannendsten. „Man liest, bereitet sich auf das Gespräch vor – und dann kommt alles ganz anders“, bringt Krug es auf den Punkt. „Im Gespräch entstehen Momente, die zum Staunen bringen oder einfach menschlich tief berühren. Das einander Zuhören hat eine Qualität, die uns alle an dem Abend verbindet“, ergänzt Atzpodien. Hermann Schulz hat die Reihe gemeinsam mit Torsten Krug auf den Weg gebracht. „Er ist der Mentor des Ganzen“, betont Krug. Der frühere Verlagsleiter des Peter Hammer Verlags kennt sich aus mit den Gepflogenheiten der Verlagsszene, öffnete die Türen, beriet bei der Auswahl der Autoren – und war auch schon selbst Gast auf der „Insel“. „Ein Jahr lang haben wir das alles gemeinsam vorbereitet“, erzählt Krug. Geldgeber und Sponsoren mussten gewonnen werden, denn ohne branchenübliche Honorare zahlen zu können, käme man nicht an die Autorinnen und Autoren von Rang heran. Die aber sollen es schon sein. Die oft ohnehin auf Jahre ausgebuchten Stars der Literaturszene kann sich die „Insel“ zwar nicht leisten, aber die Liste derer, die schon auf der kleinen Eckbühne im Ada Platz genommen haben, kann sich sehen lassen. Clemens J. Setz war da und Alissa Walser, Alex Capus, Bodo Kirchhoff, Alexa Hennig von Lange, Judith Kuckardt, Peter Stamm und Nino Haratischwili, um nur einige zu nennen. Die Auswahl, sagt Krug, sei „leidenschaftgesteuert“. Das können Autorinnen und Autoren sein, die ihn schon jahrelang begleiten, genauso wie spannende Neuentdeckungen – so wie der nächste Insel-Gast Usama Al Shahmani,

der nicht nur seinen in den Feuilletons groß gewürdigten Debütroman „In der Fremde sprechen die Bäume arabisch“ mitbringt, sondern auch eine bewegende Lebensgeschichte. Im sechsten Jahr ihres Bestehens hat sich „Literatur auf der Insel“ bei den Verlagen längst ein Renommee erworben; seit vier Jahren fördert die Kunststiftung NRW die Reihe – auch dies ein Gütesiegel. Auch die Wuppertaler Stadtsparkasse, das Kulturbüro Wuppertal, die Dr. Werner JackstädtStiftung und weitere Sponsoren* unterstützen die Reihe, sodass der Fortbestand jeweils für ein Jahr mit fünf Veranstaltungen gesichert ist. Die Frage, ob es in Wuppertal überhaupt genug Publikum für Literaturveranstaltungen gebe, hat sich mit dem Erfolg der Literatur-Biennale längst erledigt. Und auch die „Insel“ kann sich über mangelnden Zuspruch nicht beklagen. Zwar gab es auch schon Abende mit 20 Zuhörern, dafür platzte das Ada bei Bestseller-Autor Hanns Josef Ortheil mit 200 Gästen aus allen Nähten. Da geht dann fast schon zu viel von der Atmosphäre verloren, welche die InselAbende gerade auszeichnet. Aber bis zu hundert dürften es schon sein, meint Krug, 50 bis 70 sind es im Durchschnitt, Stammpublikum genauso wie Neugierige. Neugier auf das, was einen an einem solchen Abend erwartet, lohnt sich jedenfalls fast immer. Und die Frage, welches Buch man auf die berühmte einsame Insel mitnehmen würde, findet vielleicht eine überraschende Antwort. Anne-Kathrin Reif * Weitere Sponsoren sind in diesem Jahr die Firma Knipex, die Kalkwerke Oetelshofen und die Barmenia Versicherungen.

Die nächsten Termine: 26. April 2019, 19.30 Uhr

Gast: Usama Al Shahmani Autor von „In der Fremde sprechen die Bäume arabisch“ Limmat-Verlag 14. Juni 2019, 19.30 Uhr

Gast: Jan Brandt

Autor u.a. von „Gegen die Welt“, „Tod in Turin“, „Stadt ohne Engel“, DuMont-Verlag Café Ada, Wiesenstraße 6, 42105 Wuppertal 67


Volker Döhne (Fotos), Steffen Siegel, Marcus Trier, Isaku Yanaihara: Mit Alberto

Limes.

Giacometti. Ein Tagebuch,

Grenzgänge eines Fotografen

348 Seiten mit 60 Abbildungen,

von Bonn bis Xanten,

Broschur mit Schutzumschlag,

192 Seiten mit 402 Abbildungen,

26,5 x 17,5 cm,

Hardcover, 21 x 28 cm,

Piet Meyer Verlag, 42,- €

Greven Verlag, 28,- €

Neue Kunstbücher vorgestellt von Thomas Hirsch

Geschichten der Bilder Dieses feine Buch handelt, auf der narrativen Ebene, von der Geschichte einer immer wieder verschobenen Reise – so verstanden entwickelt es, in tagebuchartiger „Ich“-Form, einen Spannungsbogen. Ob mit oder ohne Happy End, bleibt dahingestellt. Die Rede ist von Isaku Yanaihara, der seine Begegnungen mit und seine Porträtsitzungen für Alberto Giacometti beschreibt. Im wesentlichen fanden diese 1956 statt, wurden aber über ein Jahrzehnt hinweg punktuell fortgesetzt. Das über 300-seitige, wunderbar zu lesende Buch enthält vorzügliche Milieuschilderungen der existenzialistischen Jahre in Paris, etwa von Satre oder Genet, und es schildert vor allem, wie das Atelier des legendären Bildhauers aussah, wie Giacometti arbeitete und sich in sein zu porträtierendes Gegenüber vertiefte. Damit hilft es, die oft wie ausgemergelten, langgezogenen Bildnisse – in Zeichnung, Malerei und Plastik – zu begreifen und seinen Verzicht auf Buntfarbigkeit in der Malerei zu verstehen. Zugleich ist das Buch eine eigene zärtliche Annäherung an Giacometti als Mensch, der sich im Porträtieren Isaku Yanaihara, dem Philosophieprofessor aus Tokio, geöffnet. Klugerweise sind die Porträts selbst abgebildet, dazu kommen Atelier- und Freundschafts-Fotografien, die Yanaihara oder Giacomettis Frau Annette oder Ernst Scheidegger aufgenommen haben. Freilich darf man sich an manchen Stellen fragen, ob es denn wirklich so, wie im Text beschrieben, gewesen ist und wann denn die Indiskretion beginnt. Jedenfalls hat Giacomettis Witwe Zeit ihres Lebens die Veröffentlichung des Textes, soweit ihr möglich war, verboten. Nun liegt er vor, im wirklich grandiosen Piet Meyer Verlag, noch von der Fondation Giacometti unterstützt: Zum Glück!

Auch der Fotograf Volker Döhne erzählt eine lineare Geschichte. Sie handelt vom Limes, der Grenze des römischen Imperiums, die durch Nordrhein-Westfalen führt. Döhne hat die antike Straße in den Jahren 1993 und 1994 aus der Perspektive des Fotografen abgeschritten, nun ist daraus ein Buch entstanden. Dank seiner Aufnahmen entdecken wir die Orte, die auf der Route liegen und uns teilweise vertraut sind, wobei sie jetzt einen nostalgischen Anstrich besitzen, gesteigert gewiss durch das Schwarz-Weiß der Aufnahmen. Bei Döhne gibt es für dieses Projekt der sukzessiven Aneignung aber nicht nur ein Bild für jede Situation, sondern auch für ihre Ränder und die Spuren kleiner und großer (nun längst erinnerter) Ereignisse. Das (schnörkellose, klare, textlich solide eingeleitete) Buch schreitet auf den rechten (Schau-) Seiten geografisch voran und zeigt auf den gegenüberliegenden linken Seiten diese abschweifenden und neu justierten Blicke in mehreren Abbildungen. Volker Döhne (geb. 1953) ist sowieso ein herausragender Fotograf, der seine Bilder eindrucksvoll zu komponieren weiß. Er hat als einer der ersten in der Fotoklasse von Bernd und Hilla Becher an der Kunstakademie Düsseldorf studiert, hatte davor aber schon eine Schriftsetzerlehre absolviert und war ab 1980 als Fotograf und Gestalter der Publikationen der Kunstmuseen Krefeld tätig. Zu dem besonderen, zugleich flanierenden Blick kommt die Erfahrung des überblickenden Ordnens. - Noch bis Anfang Mai zeigt das Kaiser Wilhelm Museum in Krefeld die erste Retrospektive seines fotografischen Werkes. Sujet seiner freien Fotografie ist das Land Nordrhein-Westfalen. Er geht den Spuren der Industrialisierung nach und arbeitet in seinen Farbaufnahmen pittureske Verbindungen zwischen den Farben der Fahrzeuge heraus: Ganz selbstverständlich und eindrucksvoll.

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Michael Koch: Albert Hien,

Alexander Kanoldt,

Scultura Poetica,

Werkverzeichnis der Gemälde,

248 Seiten mit 84 Abbildungen,

224 Seiten mit 337 Abbildungen,

Hardcover, 28 x 21 cm,

Hardcover, 28 x 23 cm,

Kerber, 48,- €

Hirmer, 58,- €

Andere Bücher erzählen die Geschichte der Kunstwerke selbst anhand von diesen. Albert Hien wurde 1956 in München geboren, er hat an der dortigen Kunstakademie studiert und wurde 1997 zum Professor in Braunschweig und 2001 in München berufen. Als Künstler freilich ist er heute nicht mehr so bekannt wie in seinem Anfangsjahrzehnt. Albert Hien reüssierte in den frühen 1980er Jahren im Kontext der „Modellbauer“, die der Architektur spielerische Züge verliehen, ihr geradezu Flügel gaben, robuste oder fragile Baukörper entwarfen und dann, im Opulenten, noch die Kunstgeschichte zitierten und damit die Postmoderne fortsetzten. Im Rheinland galt das für Künstler wie Thomas Schütte oder Ludger Gerdes, in Hamburg war Klaus Kumrow tätig und in München eben besonders Albert Hien. Vor allem mit Metall hat Hien kleine Modelle und monumentale Objekte entworfen, die, teils kinetisch und teils als Brunnen, Wasser speien und zwischen Funktion und Dysfunktion, Surrealismus und Dadaismus verbleiben wollen, also mit System aus den Fugen geraten scheinen und zugleich robust und wie Monster daherkommen. Die Titel lauten etwa „Fontanelle“ (1983) oder „Rekonstruktionen zum Garten der Lüste“ (1987) für drei Skulpturen, die,auf Hieronymus Bosch anspielen. Das Buch mit dem klaren, aber irgendwie leidenschaftslosen Text von Martin Hentschel würdigt nun diese Erfolgsgeschichte der Jahre 1982-1990 und stellt die Plastiken sorgfältig vor. Das Reminiszente des Buchs ist charmant, allerdings: Wie es mit dem Werk von Albert Hien und mit seiner Ausstellungsgeschichte nach 1990 weiterging, darauf gibt es weder in Bildern noch Texten einen Hinweis. Die Homepage des Künstlers selbst endet übrigens Mitte der 2000er Jahre. Das solide umgesetzt Buch von Hiens Skulpturen der 1980er bleibt somit irgendwie unbeholfen allein.

Als Werkverzeichnis, das soweit möglich nichts weglässt, ist die Monographie zu Alexander Kanoldt eine runde und im übrigen unverzichtbare Sache. Kanoldt (1881-1939) ist einer der wichtigsten, weil konsequentesten Vertreter der Neuen

Sachlichkeit in Deutschland. Obwohl viele seiner Bilder in ihrer Schärfe, Beobachtungsgenauigkeit und dem fein Humorvollen ihres Arrangements sich leicht ins Gedächtnis einschreiben, ist er heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Von ihm stammen Stillleben etwa mit Kakteen und aus kristallin geschnittenen Flächen zusammengesetzten Landschafts- und Stadtansichten sowie durch das ganze Werk hindurch einzelne Porträts, die durch die Lichtführung und den Gesichtsausdruck feine Psychogramme sind. Kanoldt stammte aus Karlsruhe, beim dortigen Studium lernt er Adolf Erbslöh kennen, mit dem er sich befreundet. Mit Erbslöh gehört er zu den Gründungsmitgliedern der Neuen Künstlervereinigung München, wo er seit 1909 lebt. Von hier aus unterhält er Kontakt zur künstlerischen Avantgarde in Deutschland, 1925 wird er als Professor an die Staatliche Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in Breslau berufen, im gleichen Jahr nimmt er in der Kunsthalle Mannheim an der wichtigen Ausstellung „Die Neue Sachlichkeit“ mit 15 Ölgemälden teil. 1933 wird er zum Direktor der Staatlichen Kunstschule in Berlin-Schöneberg ernannt. Kanoldt, der sich für viele seiner Kollegen gegenüber der NSDAP einsetzt, wird mit seinem Werk schließlich selbst als „entartet“ eingestuft, bleibt als Person jedoch weitgehend unbehelligt. 1939 stirbt er an einer Herzerkrankung. In der Monographie nun ist der einführende Text von Michael Koch sehr an dieser Vita orientiert, wendet sich von ihr ausgehend aber immer wieder dem Werk und seiner Stilentwicklung zu: Das ist fundiert und kompetent. Ansonsten – es ist ein Werkverzeichnis, als solches hat es mit dem Verlust von Bildern oder deren Übermittlung ausschließlich in Schwarz-Weiß klarzukommen. Das ist okay. Aber schade ist doch, dass es keinen eigentlichen Bildteil gibt, dass fast alle Abbildungen kleinformatig eingeklinkt sind und noch miteinander konkurrieren. Dass es nicht einfach noch zwei 8er-Bögen nur mit größeren Abbildungen dieser tollen Gemälde gibt: Wie anders stünde jetzt das Buch da! Das Buch ist eine Geschichte der Bilder, aber um die Bilder geht es zu wenig. Trotzdem: unverzichtbar für die Forschung zu dieser Zeit und diesem Künstler. 69

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Kulturtipps KINDER UND JUGENDLICHE:

Sonntag, 26. Mai 2019, 11 und 13 Uhr Die Feier ist um 12 Uhr.

Müllers Marionettentheater

Das beliebte Schnipsel-Kino feiert in diesem Jahr seinen zehnten Geburtstag – und das mit allem Zipp und Zapp. Mit Torte, mit Sektempfang, mit einer Ausstellung alter Plakate und Flyer und mit der Präsentation der CD „Schnipsel-Kinos Ohrwürmer“ und anderen Überraschungen. Aufgeführt wird eine eigens entwickelte Geschichte: Detektiv Astor Chang sucht in alten Geschichten die schönsten Schnipsel für das schönste Schnipsel-Kino-Bild.

Neuenteich 80, 42107 Wuppertal Premiere Mittwoch, 24. April 2019, 10 Uhr Kleine Ente Plumps, ein Theaterstück von Günther Weißendorn mit Musik von Uwe Rössler und Hartmut Müller, ab 4 Jahren Weitere Vorstellungen im April/Mai/Juni

10 Jahre Schnipsel-Kino

Mittwoch, 19. Juni 2019, 11 und 18 Uhr

Die Werkstatt der Schmetterlinge

Premiere Samstag, 8. Juni 2019, 16 Uhr

Eine musikalische Erzählung nach einer Parabel von Gioconda Belli für Kinder ab 6 Jahren mit dem Akkordeonorchester Wuppertal und Bochum: Ute Völker, Gunda Gottschalk, Olaf Reitz und Andrea Raak mit den Kindern der KUVO-Klasse Liegnitzer Strasse Komposition: Thomas Beimel

Otfried Preußler, ab 4 Jahren Weitere Vorstellungen Juni/Juli

Kulturelle Jugendbildung

Premiere, Sonntag, 7. Juli 2019, 16 Uhr

Haus der Kulturellen Jugendbildung Gräfrather Str. 9b, 42329 Wuppertal

Kleine Ente Plumps

Der Räuber Hotzenplotz von

Brummel, das Musical von Günther

Weißenborn mit der Musik von Uwe Rössler, ab 3 Jahren

LCB | Haus der Jugend Barmen Geschwister-Scholl-Platz 4-6, 42275 Wuppertal Sonntag, 7. April 2019, 11 Uhr

Ein Huhn, ein Ei und viel Geschrei (Familienvorstellung)

Ein Bilderbuch von Mario Giordano und Sabine Wilharm, ab 4 Jahren Dauer: 40 Minuten 70

10-14 Jahre, Kosten: 18,40 € Ihr wolltet schon immer mal wissen, wie sich ein Schauspieler fühlt? Welche Herausforderungen er meistern muss? Wir möchten euch einen Blick in die Arbeit eines Schauspielers ermöglichen und zusammen in die kreative Welt des Theaters und Castings eintauchen. Wir freuen uns auf euch!

Kulturelle Jugendbildung Haus der Jugend, Bergstr. 50, 42105 Wuppertal Sa., 11., So., 12. Mai 2019, Sa., 18. Mai 2019, 10 bis 13 Uhr

Flashmob-Dance

Leitung: Murat Güclü 6-14 Jahre, Kosten: 27 € Wer Spaß am Tanzen hat und sich gerne zu aktuellen und OldschoolSongs bewegt, ist genau richtig in diesem Workshop. Hier lernt ihr einige Grundschritte und dürft am Ende des Workshops mit mir gemeinsam einen Flashmob-Tanz in Wuppertal präsentieren. Bitte Snacks und Getränke mitbringen.

Kommunikationszentrum „die börse“ Wolkenburg 100, 42119 Wuppertal

Dienstag, 23. April 2019, 9 bis 14 Uhr, Mi. bis Fr., 24. bis 26. April 2019, 9 bis 15 Uhr

Tierfilm-Seminar

11-14 Jahre, Kosten: 46 € Leitung : Tassilo Priebisch Tier- und Naturdokumentationen faszinieren: In diesem Seminar wird ein Wuppertalertierwelt-Film erstellt, und der Wuppertaler Zoo wird dabei eine wichtige Rolle spielen. Sa., 27., So., 28. April 2019, 10. bis 14 Uhr

Theater & Improvisation Leitung: Katja Kuklinski

19. bis 26. Mai 2019

Junges Theaterfestival Wuppertal Das Junge Theaterfestival Wuppertal, 2009 aus der traditionellen Wuppertaler Schultheaterwoche hervorgegangen, bietet Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die an Schulen, Jugend- und Kulturzentren, an den Wuppertaler Bühnen und in freien Gruppen Theater spielen, einmal im Jahr eine Plattform, auf der sie sich vor einer breiten Öffentlichkeit mit ihren Arbeiten präsentieren können.


Sonntag, 19. Mai 2019, 15 Uhr

Eröffnung des Jungen Theaterfestivals Wuppertal 2019 mit Ausschnitten aus allen Stücken

Junior Uni Forscherplattform Bergisches Land, Am Brögel 31, 42283 Wuppertal Montag, 24. Juni 2019

Kursprogramm Veröffentlichung Montag, 1. Juli 2019 Anmeldungsstart

Kulturrucksack Kreative Ferien für Kinder und Jugendliche im Alter von 10-14 Jahren Anmeldungen ab Mai 2019 über www.wuppertal-live.de Kulturrucksack 2017 mit Jule Steinbach und Zahra Hassanabadi-Horn

Wuppertaler Kinder- und Jugendtheater Theater im Berufskolleg, Bundesallee 222, 42103 Wuppertal Premiere Freitag, 21. Juni 2019, 18 Uhr Hexenjagd von Arthur Miller, ab 8 Jahren, eine Inszenierung mit dem Theaterclub „Lampenfieber“ Kursleitung und Regie: Lars Emrich

Haus der Jugend in Barmen, Geschwister-Scholl-Platz 4-6, 42227 Wuppertal Premiere Freitag, 14. Juni 2019, 18 Uhr

Frühlingserwachen

von Frank Wedekind, ab 10 Jahren Eine Inszenierung des Theaterclubs „Rampenlichter“. Kursleitung und Regie: Katja Leibold-Büchmann „Wie willst Du leben, ohne Dich dem Leben anzuvertrauen – wie willst Du lieben, ohne Dich der Liebe anzuvertrauen?” (Moritz in Frühlingserwachen). 17 junge Menschen gehen auf die Suche nach Anerkennung, Zuneigung und Unabhängigkeit.

Von der Heydt-Museum Turmhof 8, 42103 Wuppertal Sonntag, 5. und 26. Mai 2019 Freitag, 7., und Sonntag, 30. Juni 2019

Kindervorführungen

ab 5 Jahren Zweistündige spielerische Kinderführungen mit anschließender Atelierarbeit, für Kinder ohne Begleitung der Eltern. Kosten: 7 € Anmeldung erforderlich! Online oder per E-Mail: vdh.kunstvermittlung@ stadt.wuppertal.de oder Tel. 0202 563 6630

Freitag, 7. Juni, 16 bis 18 Uhr

Spindeldürr oder Kugelrund Figuren oder Menschen, die spindeldürr oder kugelrund sind, wir entdecken Skulpturen u.a. des Künstlers A. Giacometti. Seine Figuren waren stets dünn und lang. Ob Giacometti und die anderen Künstler uns ihre Geschichte erzählen? Im Atelier entstehen aus Gips und Draht kleine Figuren. Jeden Samstag, 11.15 bis 13.15 Uhr (außer in den Ferien)

Mini-Kunst-Treff ab 5 Jahren

Jeden Donnerstag, 16 bis 18 Uhr (außer in den Ferien)

Jugend-Kunst-Klub

für kreative Jugendliche ab 8 Jahren

Feste Freitag, 5. Juli 2019, 15 bis 18 Uhr

Zoofest

Eintritt für Kinder frei Es erwartet euch u.a. ein Auftritt von „Kultur am Vormittag-Klassen“ in der Konzertmuschel und ein Stand mit Einblicken in künstlerische Arbeiten. Sonntag, 7. Juli 2019, ab 12 Uhr

Kinder- und Familienfest auf der Hardt, umsonst und draußen! Musik, Sport, Theater, Tanz, Akrobatik, Abenteuer und Feiern: „Die Hardt bewegt.“ Getränke und frisch Gegrilltes, Kaffee, Waffeln und Kuchen stehen für Hungrige und Durstige bereit. Auf der Bühne wechseln sich Musik, Tanz und Akrobatik ab. Um 17.15 Uhr gibt es zum Abschluss ein Kindertheaterstück ab 5 Jahren auf der Waldbühne Hardt. Anmeldungen über www.jugend-kult.de oder Tel. 0202 563-2645

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AUSSTELLUNGEN UND AKTIONEN: Kunsthalle Barmen Haus der Jugend Geschwister-Scholl-Platz 4-6, 42269 Wuppertal Felix Baltzer

Marlies Blauth

Fr., 3. Mai 2019, bis So., 30. Juni 2019 Jaana Caspary

Kunstausstellung Wuppertal 2019

Vernissage: Do., 2. Mai 2019, 20 Uhr Öffnungszeiten: Do., 15 bis 20 Uhr Fr., 15 bis 18 Uhr und Sa./So., 11 bis 18 Uhr

Peter Caspary

Regina Friedrich-Körner

Matthias Günzel

Paul Dieter Haebich

Sylvie Hauptvogel

Jonas Hohnke

Georg Janthur

Andreas Komotzki

Renate Löbbecke

Annette Marks

Matthias Neumann

Birgit Pardun

Charlotte Perrin

RaumZeitPiraten

Anna Solecka

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Nach nunmehr 17 Jahren findet 2019 wieder eine Ausstellung Wuppertaler Künstlerinnen und Künstler in der „Kunsthalle Barmen“ im „Haus der Jugend“ statt. Damit wird jene Tradition wieder aufgegriffen, die ihre Wurzeln im 19. Jahrhundert hat und die dem Bestreben eines Kreises kulturell engagierter Bürgerinnen und Bürger folgte, herausragende internationale Gegenwartskunst ins Tal zu holen und gleichzeitig auch Künstlerinnen und Künstler mit ihren Werken zu präsentieren, die einen biografischen oder künstlerischen Bezug zu Wuppertal haben. Aus einem Pool von 96 Bewerberinnen und Bewerbern aus den Städten Wuppertal, Solingen und Remscheid hat eine sechsköpfige Jury die Künstlerinnen und Künstler mit rund 40 Arbeiten ausgewählt. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, in dem alle präsentierten Werke abgebildet sind und durch begleitende Texte erläutert werden. Das Kulturbüro der Stadt Wuppertal, das in diesem Jahr für die „Kunstausstellung Wuppertal 2019“ verantwortlich ist, bedankt sich für die Förderung von Ausstellung und Katalog beim Landschaftsverband Rheinland, der Stadtsparkasse Wuppertal sowie der Dr. Werner Jackstädt Stiftung.


ELSE GEHT AUS – Ein Kunstprojekt des BBK Bergisch Land e.V. zum 150. Geburtstag von Else LaskerSchüler. BBK Veranstaltungsreihe II. Quartal 2019.

Backstubengalerie Schreinerstraße 7, 42105 Wuppertal Fr., 5. April 2019, bis Fr., 26. April 2019, Sa., So., 14 bis 17 Uhr Vernissage: 5. April 2019, 19.30 Uhr

ELSE GEHT AUS II – „Du und ich“

Maria Pienkowski Teresa Wojciechowska Skulptur, Objekte, Malerei

K1 Art-Café kunst & kultur

Sa., 18., bis Di., 28. Mai 2019 Vernissage: Sa., 18. Mai 2019, 15 Uhr

ELSE GEHT AUS IV – „Unter den Zweigen der Träume“ Performance von Annette SchulzeLohoff am Turm um 18 Uhr Ulrike Eggers, Doris Hommes, Ulla Riedel, Ulla Schenkel, Annette Schulze-Lohoff, Petra Pfaff Malerei, Collagen, Objekte, Installation, Performance Samstag, 25. Mai 2019, 16 Uhr

„Ein Turm erklingt“ – Klanginstallation

mit dem Wuppertaler Improvisations Orchester WIO Sonntag, 26. Mai 2019, 14.30 Uhr

Botanisch-literarische Führung zum Weyerbuschturm

Oststraße 12, 42277 Wuppertal

Michael Felstau Förderverein historische Parkanlagen Wuppertal e.V.

Fr., 3. Mai 2019, bis Fr., 21. Juni 2019 Vernissage: Fr., 3. Mai 2019, 19 Uhr

Sonntag, 16. Juni 2019, 14.30 Uhr

Lesung: Anne Fitsch „Leiden und Leidenschaft“ E.L.S. und Marina Zwetajewa Fotografie: Tatiana Stroganowa, Eberhard Vogler

Treffpunkt: Das Haus der Familie Schüler Sadowastraße 7, 42103 Wuppertal Samstag, 15., bis Sa., 22. Juni 2019

ELSE GEHT AUS III

Weyerbuschturm

Stennert 8, 42275 Wuppertal So., 23. Juni, bis Mi., 31. Juli 2019 Vernissage: Sonntag, 11 bis 13 Uhr Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten des Cafés zu sehen.

ELSE GEHT AUS VII Ulla Schenkel „Else und Gabriele“ Ölbilder und Grafik Beate Rüter liest Texte und Briefe Anneli Schröder „Annäherung an Else Lasker-Schüler“ Radierungen, Acrylbilder, Aquarell

Elisenhöhe Elisenhöhe 1 + 5, 42107 Wuppertal So., 30. Juni, bis Sa., 13. Juli 2019 Vernissage: So., 30. Juni 2019, 15 Uhr im Glashaus

„Else Lasker-Schülers grüner Hügel“

ELSE GEHT AUS V „Sternenstaub“

Daphna Koll/Frottagen

Weyerbuschweg 1, 42115 Wuppertal Der Turm wird geöffnet am Sa., 18., So., 19. Mai 2019, 15 bis 18 Uhr Do., 23., bis Di., 28. Mai 2019, 15 bis 18 Uhr Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Förderverein Historische Parkanlagen statt. Ansprechpartner: Michael Felstau

Färberei e.V. Zentrum für Integration und Inklusion

Katholisches Stadthaus Laurentiusstraße 7, 42103 Wuppertal So., 2., bis Sa., 22. Juni 2019 Vernissage: So. 2. Juni, 11 Uhr

ELSE GEHT AUS VI

Einführungsrede: Dr. Jutta Höfel Lesung: Anne Fitsch, Künstlerinnen: Lidia Epshtein, Barbara Held, Daphna Koll, Petra Mohr, Tatiana Stroganowa, Petra Pfaff

Teresa Wojciechowska, ich und ich, Acryl auf Leinwand, 2019, 70 x 100 cm

Glaushaus im Botanischen Garten

ELSE GEHT AUS VIII – „Unter den Zweigen der Träume (2)“ Ulrike Eggers, Doris Hommes, Daphna Koll, Gerd Mittreiter, Petra Pfaff, Boris von Reibnitz, Ulla Riedel, Annette Schulze-Lohoff Collagen, Installation, Malerei, Skulptur Soundpoesie: Mitch Heinrich Stimme Christoph Irmer Geige Erhard Hirt Gitarre, electronics www.wuppertal.de/bgw 73


Sonntag, 26. Mai, bis 30. Juni 2019, 14 bis 18 Uhr, Eröffnung: Sonntag, 26. Mai 2019, 16 Uhr Lesung mit Soraya: Sonntag, 16. Juni 2019, 16 Uhr Projektreihe Gemischte Gefühle

Fremdes Land

Unsere Zeit ist geprägt von Widersprüchen und Gegensätzlichkeiten. Im Jahresprojekt Gemischte Gefühle, initiiert von Ins Blaue/Remscheid im Rahmen der regionalen Kulturpolitik, spiegeln bergische Künstler polarisierende, gegensätzliche Empfindungen in Theater, Film, Aktionen und bildender Kunst. Veranstaltungsorte sind Wuppertal, Remscheid und Solingen – das bergische Stadtedreieck.

Zahra Hassanabadi Regina Friedrich-Körner Wo und wie sind wir auf dieser Welt beheimatet? Vor dem Hintergrund ihrer unterschiedlichen Biografien und kulturellen Wurzeln gehen Regina Friedrich-Körner und Zahra Hassanabadi dieser existenziellen Frage nach. Im vielfältigen Umgang mit Material und Technik zeigen die beiden Wuppertaler Künstlerinnen raumbezogene Installationen, großformatige Wandarbeiten, Fotografie, Zeichnung, Druckgrafik und Objekte.

Kulturwerkstatt Ins Blaue e.V. Ins Blaue Art Gallery Siemensstraße 21, 42857 Remscheid Sonntag, 7. April 2019, bis 5. Mai 2019, 14 bis 18 Uhr Eröffnung: So., 7. April 2019, 16 Uhr Projektreihe Gemischte Gefühle

Sometimes Happy Sometimes Sad, Frank N

Vom Film kommend, drückt Frank N erstmalig in der Ausstellung Sometimes Happy Sometimes Sad seinen Hang zum Erzählerischen aus. Jedes einzelne Bild erzählt eine Geschichte und dennoch fügen sich die einzelnen Bilder, ergänzt durch Worte und Sounds, zusätzlich zu einer kompletten Geschichte. Es geht um nichts weniger, als das Leben selbst. Alles scheint zunehmend schlimmer zu werden. Was lässt sich der großen Menschenverdummungsmaschinerie, von der wir geleitet werden, entgegensetzen? Gibt es Hoffnung?

Fremdes Land 2012 Ausstellungsansicht

KunstStation Bahnhof Vohwinkel Bahnstraße 16, 42327 Wuppertal Donnerstag, 11. April 2019, 20 Uhr, Einlass ab 19.30 Uhr Filmpräsentation (Premiere) Projektreihe Gemischte Gefühle

Lost in Transit

Ein Essayfilm von Frank N über die Möglichkeit, eine Depression zu überwinden. In einem Wechselbad der Gefühle wird hier eine Geschichte erzählt, die – auf eigene Erfahrungen des Filmemachers beruhend – transparent veranschaulicht, wie man in Sometimes Happy – Sometimes Sad © Frank N

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ein solches Dilemma geraten kann – vor allem aber wird auch ein Weg heraus skizziert … Mit einem präzisem Rhythmusgefühl wechselt der Film zwischen wildem Bilderrausch und der totalen Entschleunigung hin und her und treibt so seine Geschichte voran. Was ist wahr? Was ist falsch? Der Film deutet nur an, zeigt Türen, die jeder für sich öffnen muss. Sonntag, 19. Mai bis 16. Juni 2019, 15 bis 18 Uhr, Feiertags/Pfingstsonntag geschlossen Eröffnung: Sonntag 19. Mai 2019, 15 Uhr Projektreihe Gemischte Gefühle

EGO-Archiv

Michaela Kuhlendahl, Anja Schreiber und Katja Wickert Während das Biografische oft unbewusst in die künstlerische Arbeit einfließt, rücken die Künstlerinnen Michaela Kuhlendahl, Anja Schreiber und Katja Wickert die biografische Wahrnehmung in den Mittelpunkt ihrer Ausstellung EGO-Archiv. Dabei wird deutlich, dass letztlich kein Kriterium besteht, welches eine Erinnerung „wahr“ macht. Alle Archivierungsversuche stellen lediglich eine Momentaufnahme dar – die beständige Neukonstruktion des Selbst ist unvermeidlich.


Galerie GRÖLLE pass:projects

Familie – wurden in Deutschland noch nie gezeigt. Die Werke von Anna Stainer-Knittel werden in einen Dialog gesetzt mit zeitgenössischen Positionen.

Friedrich-Ebert-Straße 143e 42117 Wuppertal Sonntag, 19. April 2019, 11.30 Uhr

BÜHNE:

Denkerei Mobil : Karfreitagsphilosophie Teil 2

LOCH

Bazon Brock

Noch bis Sonntag, 28. April 2019 Galerie: wir gehn gerne zu fuss Ein Ausstellungsprojekt zusammengestellt von Jürgen Palmtag, Doris Schmid, Olsen und Jürgen Palmtag Videoinstallationen, Fotos, Objekte Raum2: The Transparent

Stillness of the Turning World Mary Ruth Welsh Video, Objekte, Bilder

Freitag, 3. Mai 2019 bis Sonntag, 30. Juni 2019, Ausstellungseröffnung: Freitag, 3.Mai 2019, 19 Uhr Isabel Kerkermeier Galerie: Maze Gaze Raum2: Elisabeth Charnock ein Projekt von INTERVENTIONS Im Rahmen unserer Ausstellungskooperation mit irischen Städten stellen wir mit der Künstlerin Mary Ruth Walsh die dritte künstlerische Position aus Irland vor. Im Juni werden acht Künstlerinnen und Künstler aus unserem Galerieprogramm in Irland zu Gast sein. In Zusammenarbeit mit der Kuratorin und Galeristin Anya von Gosseln, Wexfort Art Center, Wexford County Council, Gallery Kamera8.

Lions Club Wuppertal-Mitte Else-Postkarten Zum 150. Geburtstag von Else LaskerSchüler (1869 bis 1945) gibt der Lions Club Wuppertal-Mitte ein Kalendarium mit zwölf Postkarten in einer

Postkarten zum 150. Else-Geburtstag

Bergstraße 50, 42105 Wuppertal

Acrylbox zum Preis von 15 Euro heraus. Auf sechs der Postkarten finden sich farbige Zeichnungen der expressionistischen Dichterin. Die sechs anderen Karten zeigen Fotos von Karl-Heinz Krauskopf: Wuppertaler Orte, die Else kannte und besuchte. Verwischte weibliche Figuren und lyrische Fragmente wecken Assoziationen. Der Verkaufserlös geht an „Glanzstoff – Akademie der inklusiven Künste“, die Menschen mit und ohne Behinderungen eine Bühne bietet und die Grundlagen des Schauspiels professionell vermittelt. Der 1965 gegründete Lions Club Wuppertal-Mitte fördert soziale und kulturelle Projekte für Kinder und Jugendliche – bevorzugt in Wuppertal. Die Else-Postkarten gibt es hier: Von der Heydt-Museum, Buchhandlung Mackensen, Musikhaus Landsiedel-Becker, Bürobedarf Illert, Ronsdorfer Bücherstube, Buchhandlung Jürgensen, Kunstmuseum Solingen, Lions Club Wuppertal-Mitte.

Samstag, 6. April, 20.15 Uhr

Kunstmuseum Solingen

ANNNA3. The Worlds of Infinite Shifts

Wuppertaler Str. 160, 42653 Solingen Fr., 10. Mai 2019, bis So., 23. Juni 2019

Anna Stainer-Knittel

Besser bekannt als „Geierwally“. Sie war das Vorbild der Kunstfigur, mit der sie sich selbst nie identifiziert hat. Ihre Bilder – wir zeigen eine Auswahl von Bildern aus dem Privatbesitz der

Das andere Gesicht – Die Scham der Gesellschaft Theater Filidonia Eine interaktive und interdisziplinäre Installationsperformance Es gibt unausgesprochene Wahrheiten, denen man erst ins Auge blicken möchte, wenn es für das Wegschauen zu spät ist. Tabus sind unhinterfragte Bestandteile jeder menschlichen Gesellschaft und definieren das, was verboten, unberührbar und undenkbar ist. Wer gegen diese Regeln verstößt, muss mit Ausgrenzung, Verachtung und Missbilligung rechnen. Das Theater Filidonia verarbeitet soziale und gesellschaftliche Themen zu interdisziplinären Performances mit Tanz, Musik, Theater und Installation. Eintritt: VVK 5/10 €, AK 8/12 € www.wuppertal-live.de/?274889

Theater am Engelsgarten Engelsstraße 18, 42283 Wuppertal Mittwoch, 15. Mai 2019, 19.30 Uhr

Alexandra Waierstall Erneut erschafft die Choreografin Alexandra Waierstall mit dem Komponisten Hauschka ein minimalistisches Meisterwerk: Fragil und zugleich mit erstaunlicher Kraft durchlaufen die drei Performerinnen ständig wandelnde und wankende Si75


tuationen. Durch sich wiederholende und variierende Materialitäten, Klangund Stimmungsverhältnisse lassen sie physische Landschaften der Vergangenheit und Zukunft, der Archäologie und Utopie entstehen.

Künstler auf der Suche nach Antworten auf das Thema, das die Komponisten seit jeher bewegt! Sonntag, 19. Mai 2019, 17 bis 21 Uhr

Silhouetten A-Trio

Margarita Rumyantseva, Violine, Yuriy Broshel, Saxofon, Denis Ivanov, Klavier Das A-Trio präsentiert Stücke von Schostakowitsch, Peterson und Gershwin.

Freitag, 14. Juni 2019, 19 bis 21.30 Uhr

Boogielicious Alexandra Waierstall, © Katja Illner

Samstag, 18. Mai 2019, 19.30 Uhr

The Well in the Lake

Julio César Iglesias Ungo Einmal mehr begibt sich Julio César Iglesias Ungo in die Schattenwelten der Existenz. Erstmals kreiert er ein Duett für sich und seinen früheren Ultima-Vez-Kollegen Helder Seabra. Sie begeben sich in einen Kreislauf aus Schöpfung und Scheitern. Wie zwei Gestrandete ringen sie mit dem Raum, der sich mit jeder Bewegung zu verändern scheint, zu kippen droht. Die einzige Konstante ist dabei die Ungewissheit.

MUSIK: l’aréna Eventlounge Siegesstraße 110, 42287 Wuppertal Sonntag, 7. April 2019, 17 bis 20 Uhr

O wie so trügerisch! Wovon Männer träumen und was Frauen wollen ... Stefan Lex, Tenor Christiane Linke, Sopran Sigrid Althoff, Klavier Drei hochkarätige Künstlerinnen und

Eeco Rijken, Rapp, Klavier, Gesang David Herzel, Schlagzeug Dr. Bertram Becher, Blues-Harmonika Deutsch-niederländisches Boogie-, Blues- und Jazz-Trio

Bandfabrik Schwelmer Straße 133 42389 Wuppertal-Langerfeld

zeigt die Künstlerin Stationen aus dem Leben legendärer Frauen. Samstag, 4. Mai 2019, 20 Uhr Chansons

A Paris

Ulla Krah „A Paris“ ist eine abwechslungsreiche Revue der Wuppertaler Sängerin Ulla Krah mit Liedern u. a. von Aznavour, Brel, Hardy, Moustaki, Paradis, Piaf und Kaas. Feine musikalische Arrangements (Tatjana Lesko, Klavier, sowie Andreas Kneip, Kontrabass), sehr persönliche Interpretationen der Chansons und ein Glas guten Weines: Savoir Vivre.

Samstag, 11. Mai 2019, 20 Uhr

Jam-Session & Open Mic Klezmer-Café Das Klezmer-Café ist eine Mischung zwischen Jam-Session und Offener Bühne für Klezmerfans, Musiker und Freunde des Jiddischen Liedes.

Freitag, 17. Mai 2019, 20 Uhr Samstag, 20. April 2019, 20 Uhr mojo nights

Bad Temper Joe

Im Bann des Blues. Wenn Bad Temper Joe sich über seine Lap Slide Gitarre beugt und den Blues spielt, liefert er einen herzzerreißenden, gefühlvollen und einmaligen Sound. Freitag, 26. April 2019, 20 Uhr Antipasti & Sound

Friday Night Jazz Club feat. Philipp Humburg Trio & Special Guest Samstag, 27. April 2019, 20 Uhr Kabarett

Mythos – Ein Remake

Sylvia Brécko Die bekannte Kabarettistin Sylvia Brécko kommt in die Bandfabrik mit einem Remake ihres „Mythos“-Programms: Einfühlsam und sinnlich

76 Bad Temper Joe ©Gerald Oppermann

weltwärts

Klaus der Geiger & Marius Peters: Piadolla Die beiden spielen Improvisationen, Stücke des Jazz-Repertoires, vor allem aber die revolutionäre argentinische Tangomusik Astor Piazzollas.


Sonntag, 19 Mai 2019, 16 Uhr wortlaut

Liebs Mütterlein

Diana & Wolfgang Welter Eine nachträgliche Muttertagslesung unter dem Motto: „Liebs Mütterlein – Nettigkeiten und Ungezogenheiten zum Muttertag“. Bekannte Autorinnen und Autoren haben sich in freundlichen Texten – aber auch in ziemlich ungezogenen Beiträgen – zum Thema ausgelassen.

Fre itag, 24. Mai 2019, 20 Uhr mojo nights

Greyhound´s Washboard Band Die Band greift die Tradition der BluesStraßenmusiker in den 1920er/1930er Jahren auf: Typisch waren Resonatorgitarren aus Blech, dazu ein Waschbrett und eine Mundharmonika. Samstag, 25. Mai 2019, 20 Uhr Weltwärts

Latin Connection

Die kubanischen Sänger Matela van der Heusen und Jorge Oliva haben virtuose Vollprofis in Sachen Latin Music an ihrer Seite: Wolfgang Eichler, Piano Martin Führ Gitarre Sven Vilhelmsson, Kontrabass Andreas Landrock, Drums/Perc. Groovy Latin-Style-Songs aus Jazz, Soul und Pop – und aus Kuba. Mehr Spaß inne Backen und inne Beine geht kaum. Freitag, 31. Mai 2019, 20 Uhr Antispasti & Sounds

Friday Night Jazz Club feat. Dirk Schaadt, Organ Trio Organic Jazz Dirk Schaadt, Hammond-Orgel Martin Feske, Gitarre Marcus Möller, Schlagzeug Ab 19 Uhr Wein & Antipasti von Pilkens Catering GmbH

Historische Stadthalle Wuppertal Johannisberg 40, 42103 Wuppertal Montag, 6. Mai 2019, 20 Uhr

Klavierabend

Hardy Rittner Ferruccio Busoni, „Fantasia” J. S. Bach, „Neun Variationen über ein Präludium von Chopin”, „Toccata” Johannes Brahms, Variationen über ein eigenes Thema op. 21, 1 Arnold Schönberg, Drei Klavierstücke op. 11 Christopher Tarnow, „Nachtstücke“

U-Club Friedrich-Ebert-Straße 191 42117 Wuppertal Freitag, 17. Mai 2019, 21.30 Uhr

Sound of the City. Part 3: wuppertal@night Um.Nachtung Fragmente der alptraumhaften Orchesterfantasie „Eine Nacht auf dem kahlen Berge“ von Modest Mussorgksy stehen musikalisch im Zentrum, wenn das Festival im U-Club startet. Holz- und Blechbläserensembles erzeugen Texturen, die sich in das elektronische Gewebe von Orson Hentschel einbringen. Dazu ein erster Einstieg in die Abgründe der Nachtwelt in Blaise Cendrars‘ „Madame Thérèse“.

Skulpturenpark Waldfrieden Hirschstraße 12, 42285 Wuppertal Samstag, 18. Mai 2019, 21.30 Uhr

Sound of the City. Part 3: wuppertal@night Nacht.werden Eine musikalisch-textliche Wanderung in die Nacht. Der Skulpturenpark tritt mit der Musik von Igor Strawinskys „Les Noces“ und Gorilla 77


Internationales Begegnungszentrum

Mittwoch, 15. Mai 2019, 18 Uhr

Hünefeldstraße 54a, 42285 Wuppertal

Dokumentarfilme des heutigen Russlands

Russischer Filmclub

Freitag, 12. April 2019, 19 Uhr

Motiv: SOTC19 für Sound of the City. Part 3, Wacomka Shutterstock

Moon in ein dunkles Spannungsverhältnis. Die Musik selbst wird zur Skulptur, wenn der Chor der Oper, Schlagzeuger aus dem Sinfonieorchester Wuppertal und elektronische Musiker die Dämmerung durchbrechen.

Mauke Schloßbleiche 32, 42103 Wuppertal Donnerstag, 23. Mai 2019, 21.30 Uhr

Sound of the City. Part 3: wuppertal@night Nacht und Nebel

Wahn und Täuschung werden greifbar, wenn der Liederzyklus „Ohne Sonne“ auf die elektronischen Soundscapes von Martin Stürtzer trifft. Opernsänger und Beat-Boxer Sebastian Campione ist für die Vocals zuständig, begleitet von der Harfenistin Fanny Herbst.

Loch Bergstraße 50, 42105 Wuppertal Freitag, 24. Mai 2019, 21.30 Uhr

Sound of the City. Part 3: wuppertal@night Nacht der langen Messer Die politische Seite nächtlicher Aktivitäten wird zeremoniell begangen, wenn die Musiker von Maria Basel, Jonas David und Julian Bülhoff auf die Delegation aus dem Opernhaus treffen.

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Konzert Musik aus aller Welt

Samstag, 18. Mai 2019, 16 Uhr

Genießen Sie die melodischen Stücke aus verschiedenen Kulturen, die an das Duett von Geige (Josef Schevalenko) und Klavier (Marta Kogan) angepasst sind und Ihnen die Musik aus ausgewählten Ländern in multikultureller Atmosphäre näherbringen.

Vortrag von Klava Leibova zu Alexander Galich: „Wenn ich zurückkomme“. Musikalische Begleitung von Lev Kazarnovsky und Marta Kogan. Literarische und musikalische Komposition.

Literaturcafé

KINO:

Dienstag, 16.April 2019, 18 Uhr

Buchpräsentation Ein Deutscher in New York

Eine Multimedialesung mit Fotografien und Livemusik von Uli Balß und Willi Schwarz. Es beginnt 1928 mit Theodor Trampler aus Leipzig und endet 2018, 90 Jahre, später mit der Fertigstellung des Buches durch seinen Enkel Ulrich Balß. Mittwoch, 17. April 2019, 18 Uhr

Russischer Filmclub Ein neuer Spielfilm – eine spannende Überraschung! Moderation: Irina Altmann Freitag, 3. Mai 2019, 20 Uhr

Konzert, SUN RA ARKESTRA

Peter Kowald Gesellschaft/ort e.V. Luisenstraße 116, 42103 Wuppertal Donnerstag, 9. Mai 2019, 20 Uhr

Nick Cave 20.000 Days on earth

Ian Forcyth & Jane Pollard ENG 2014, 98 Min. Es beginnt mit einem Weckerklingeln und endet mitten in seiner Seele. Was bedeutet es, sich ununterbrochen im kreativen Prozess zu befinden? Wie füllt man sein Leben abseits der Bühne?

Sensationell, dass das Sun Ra Arkestra im Internationalen Begegnungszentrum seine intergalaktische und afrofuturistische Musik zelebrieren wird. Space is the place!

Open-Air-Kino im Wandelgarten

Samstag, 4. Mai 2019, 18 Uhr

Pina Bausch 2008, 104 Min. Das Ballett wurde live in der Pariser Oper aufgezeichnet. Dies ganz und gar überirdische Choreografie der unvergessenen Meisterin des Tanzes, Pina Bausch, berührt bis in die tiefste Seele.

Musical-Hörspiel Der Prinz und der Bettler Mark Twains Klassiker über Arm und Reich, soziale Ungerechtigkeit, Freundschaft und Status als Live-Hörspiel mit Musik.

Luisenstraße 110, 42103 Wuppertal Fr., 7. Juni 2019, 20 Uhr

Orpheus und Eurydike


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Impressum Herausgeber und v.i.S.d.P.: Schwebetal, Stadtteilverlag Wuppertal

Gastbeiträge durch Autoren spiegeln nicht immer die Meinung des Verlages und

Willi Barczat, Rita Küster, Helmut Steidler, Juliane Steinbach GbR

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Redaktion: Willi Barczat, Rita Küster, Helmut Steidler, Juliane Steinbach

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Druck: Offset Company, Wuppertal, Auflage: 1000 Titelbild: Prajnaparamitra, Holz, Bhutan, 17. Jahrhundert, 64 x 20 x 20 cm,

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Museum für Asiatische Kunst, Radevormwald, Foto: Willi Barczat Erscheinungsweise: vierteljährlich Erfüllungsort und Gerichtsstand: Wuppertal Trotz journalistischer Sorgfalt wird für Verzögerung, Irrtümer oder Unterlassungen keine Haftung übernommen. Texte und Fotos: Bildnachweise/Textquellen sind unter den Beiträgen vermerkt. Haftung oder Garantie für Richtigkeit, Aktualität, Schreibweise, Inhalt und Vollständigkeit der Informationen kann nicht übernommen werden. Kürzungen bzw. Textänderungen, sofern nicht sinnentstellend, liegen im Ermessen der Redaktion. Für unverlangt eingesandte Beiträge kann keine Gewähr übernommen werden. Nachdruck - auch auszugsweise - von Beiträgen innerhalb der gesetzlichen Schutzfrist nur mit der ausdrücklichen Genehmigung des Verlages.

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"die beste Zeit" Ausgabe 02.2019  

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