Issuu on Google+

Wieser Herbst 2013

Leben allein gen端gt nicht, sagte der Schmetterling, Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume muss man auch haben. Hans Christian Andersen


Antescriptum

Diesmal möchte ich eine kleine Geschichte erzählen.

Im heurigen Januar war ich als einziger österreichischer Literaturverleger mit einem kleinen Stand in Wien auf der Cook & Look meines Freundes Nilly Nail vertreten. Ein Wagnis, würden meine Kollegen sagen. Was solls. Auch hier sind Leserinnen und Leser unterwegs. Zwischen Tourismus und Literatur klafft nach meiner Beobachtung ein noch tieferer Graben als zwischen Kulinarik und Literatur. Aber ich war zumindest der einzige Literaturverleger, der, wie manche wissen, auf Literaturmessen Pršut zur Stärkung und auf Kulinarikmessen Literatur zur Erholung anbietet! 12 (sprich: zwölf ) Bücher hab ich verkauft, viele Gespräche habe ich geführt, einige neue Ideen bekommen, in einer Kochshow vor 100 Personen gekocht und palavert (Jesuiten Achtung! Wieser verkommt schon wieder beim Kochen!); ich habe Literatur vorgelesen und Überzeugungsarbeit für Literatur gemacht. Und ich stellte fest: Es wird wohl noch anhalten, Menschen für gute Literatur zu gewinnen ... trotz allen Geredes! So stehe ich in meiner kleinen Koje und ein älterer Herr bleibt stehen, schaut zu mir, schaut zu den Büchern, wendet wieder seinen Blick zu mir und fragt, ob denn „Gämsen auf der Lawine“ wohl auch als E-Book erscheinen werde. Nicht wenig überrascht bejahe ich diese Frage, obwohl ich ganz und gar durch ihn, sein Alter und sein Beharren verunsichert bin. Im Laufe des Gespräches erfahre ich die Gründe seiner Frage und auch die seiner Begeisterung für das E-Book. Es lasse sich in der Größe der Schrift regulieren, was für seine alt gewordenen Augen von Vorteil sei; wenn er englische Texte lese, habe er die British Library immer im Hintergrund und bekomme auf alle Fragen umfassend Antwort; er könne sich Texte auf Reisen mitnehmen, wie es ihm beliebe … Neugierig geworden will ich wissen, wen ich denn da vor mir habe. In seinem Leben habe er zahlreiche Stationen durchgemacht, sei Schriftsetzer gewesen, habe die „Graphische“ besucht, sei im Verlag Jugend und Volk beschäftigt gewesen und lese einfach viel. Die Sehkraft lasse allmählich nach und er tue sich mit der Typographie in gedruckten Büchern zunehmend schwerer. Mit Freuden lausche ich seinem Erzählen. Dabei berührt unser Gespräch auch die derzeitige schwierige Situation des Verlagswesens und des Buchhandels. Als ich ihm von unseren gerade erst überwundenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten berichte und ihm auch von der Möglichkeit der Buchpatenschaften erzähle, legt er seinen Arm auf meinen und berichtet mir, was er vor 60 Jahren erlebt hat: „Damals, 1953, war ich einige Jahre in Bern. Ich war ein 22-jähriger neugieriger Schriftsetzer, der jeden Rappen sparte, um später in Wien die Graphische besuchen zu können. Ein befreundeter Schweizer Kollege erzählte mir von dem außergewöhnlichen Erlebnis des Besitzers eines kleinen Verlages: Dieser wurde eines Tages von einem Boten gebeten, ins Berner Münster zu kommen. Ein Herr, der dort auf den Münsterorgeln spiele, erwarte ihn. Dieser Herr war – zur Überraschung des Verlegers – Albert Schweitzer, der ja auch ein großer Bach-Interpret war. In einem Gespräch sagte Schweitzer dem Sinn nach zu ihm: ‚Sie haben u. a. die Arbeit des Studenten X. verlegt, weil Sie von der Qualität überzeugt waren. Aber Sie wussten auch genau, dass damit nichts zu verdienen war. Ich schätze diese Einstellung sehr und biete Ihnen an, in Zukunft meine Schriften zu verlegen.‘ Ob und wie dieser Traum manch eines Verlegers und die weitere Zusammenarbeit sich entwickelt haben, konnte ich leider nicht erfahren …“ Diese kleine Geschichte, die mir Hans Prager auf meine Bitte später auch schriftlich übermittelte und seine Erlaubnis erteilte, sie weiterzuerzählen, hat mich nur darin bestärkt, mit den Buchpatenschaften für Literatur weiterzumachen. Ich möchte Hans Prager und allen bisherigen Patinnen und Paten von Herzen danken. Ohne solche Enthusiasten und ohne Literatur würden wir die Sprache verlieren und somit auch uns selbst. Also: Lesen wir weiter! Lojze Wieser PS: Der Geschichtenerzähler Hans Prager wird übrigens heuer 83 Jahre alt. Na sto let/Auf hundert Jahr’!, singen wir. Das wünschen wir ihm und allen Leserinnen, Patinnen, Lesern und Paten und bitten alle Buchhändlerinnen und Buchhändler, das Lied der Literatur weiterzutragen. 2 | Herbst ’13

Rovinj, die Hauptstadt des 1. Patenfestes

© Gottfried Janschitz

© Mayü Belba

Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Buchhändlerin, lieber Buchhändler!


I n ha l t

04 06 08

Wilhelm Pevny

Die Erschaffung der Gefühle Eine abenteuerliche Geschichte in fünf Teilen Franzobel

Die Weibspassion Ein Hemma-Spiel, oder das beste Stück, das je geschrieben worden ist Liljana Pandeva

Balkanexpress Skopje – Lausanne Als Makedonin am Ufer des Röschti-Grabens

10

Ernst Brauner

12

Aleksandar Gatalica

14

Europa Erlesen Christine Zucchelli

14

Europa Erlesen Lojze Wieser / Vinzenz Jobst

15

Europa Erlesen Christian Fridrich

15

Europa Erlesen Jakob Grollitsch

16 17

Srinagar und andere Nacherzählungen

18

Franz Viktor Spechtler

20

Slowenische Bibliothek Thermenhotel Ronacher

21

Erster original Kärnten Bitter

22

Erhard Kargel

23

Jahrhundert

24

Albanien/Shqipëria

Villach/Beljak

Donaudelta

Gottschee

Europa Erlesen Literaturschauplatz Michael Ellenbogen

Silba, oder die alljährliche Reise ins Paradies

Europa Erlesen Literaturschauplatz Aleksandar Gatalica

Belgrad für Ausländer

Parzival Wolfram von Eschenbach

Hilft bei allen politischen und gesellschaftlichen Vergiftungen

Brückenbauen Architektur des Verbindens Edition Geist & Gegenwart

Lojze Wieser

Demokratische Einigung Europas. Das Hoffen wagen Arno Popotnig

Momentum Arno Popotnig . Christian Kleinschmidt / Inanç Atılgan

25

Deutsch-türkische Wirtschaftsbeziehungen

26

WIESER ENZYKLOPÄDIE DES EUROPÄISCHEN OSTENS

27 28 31

Eine Bestandsaufnahme

WIESER ENZYKLOPÄDIE DES EUROPÄISCHEN OSTENS

Roma im Osten Europas

Sozial- und kulturgeschichtliche Skizzen aus fünf Jahrhunderten WEEO · Band 9.2

Bücher brauchen Paten! 1. Patenfest des Wieser Verlages

Rückblick Frühjahr 2013 | 3


© Dietmar Warmuth

„Sterben Sie nicht, bevor Sie diese Geschichte gelesen haben!“ P. F. Pöttering


Die Erschaffung der Gefühle Eine abenteuerliche Geschichte in fünf Teilen

E

ca. 900 Seiten, 5-teiliger Romanzyklus in 2 Bänden, gebunden, Lesebändchen, im Schuber. EUR 35,00 / sfr 52,00 ISBN 978-3-99029-067-5

r liegt auf dem Boden seines Arbeitszimmers und weiß nicht weshalb. Wahrscheinlich hat er einen Schlaganfall erlitten. Es ist Samstag frühabends, und die Putzfrau wird ihn erst Montag Vormittag hier finden. Allmählich gerät er in andere Schicksale, die mindestens genauso wirklich für ihn werden, wie sein bisheriges. Zwischendurch kommt ihm vor, ein alter Mann würde im Dunkel des Raumes sitzen und ihm von diesen Existenzen erzählen, wobei alles Leben, wie er meint, nichts anderes als das Traumgesurre schwirrender Elektronenverbände sei, einzig geschaffen, um das Kostbarste zu erzeugen, das für einen mathematischen Geist zu erzeugen sei: Gefühle. Er erlebt die Gesellschaft von dreien, deren Leben so harmonisch und angenehm ist, dass keiner von ihnen je fortwill. Dessen ungeachtet werden sie getrennt und auf eine lange Odyssee geschickt. In verschiedene Existenzen geratend, zu verschiedenen Orten, Welten und Zeiten hin, suchen sie, als diese veränderten Gestalten, ein Leben lang unbewusst einander …

© Raphael Sikora

V

  om Realismus der Fernsehserie „Alpensaga“ zum Extrem­realismus des Romanzyklus „Die Erschaffung der Gefühle“. In der Alpensaga versuchte Wilhelm Pevny seinerzeit gemeinsam mit Peter Turrini vorwiegend soziale und historische Wirklichkeit im Zeitkolorit möglichst detailgetreu zu schildern. Nach seinem Rückzug wollte Pevny darüber hinaus vermehrt die Aspekte aus den neuesten Erkenntnissen der Astronomie, Physik, Chemie, Biologie und anderer Bereiche bei seinem Annäherungsversuch an die Wirklichkeit miteinbeziehen. Mit „Palmenland“ ist er auf dieser Forschungsreise in Extremrealitäten, die eher selten betreten werden, bereits vorgedrungen. Mit der „Erschaffung der Gefühle“ scheint er einen vorläufigen Höhe- und Endpunkt bei dieser Suche erreicht zu haben. Der Romanzyklus – gleichsam, wie er sagt, in Trance geschrieben – bewegt sich im Graubereich zwischen Leben und Tod. Durch die multidimensionale Sicht eines Benommenen versucht der Autor der Realität näher zu kommen als durch die beschränkte Sicht, die wir bei nüchternem Verstand gewöhnlich als realistisch bezeichnen.

WILHELM PEVNY Geboren 1944 in Wallersdorf (Niederbayern), 1946 Übersiedlung nach Wien – Stu­dium der Theaterwissenschaft, 1967–69 Sprachlehrer in Paris. Theaterstücke u.a. am Akademietheater, Volkstheater Wien und La Mama, New York. Fürs Fernsehen schrieb er gemeinsam mit Peter Turrini die „Alpensaga“. In Mosambik drehte er 1985 den Film „Safari. Die Reise“. Lebt seit 1989 zurückgezogen in Wien und Retz, arbeitet an Langzeitprojekten. Im Wieser Verlag erschienen: „Palmenland“ (2007) und „Luft“ (2009).

Lieber Wilhelm, es ist für mich aufwühlend und zugleich hält mich auch eine gewisse Demut in den Armen, so ein großes Werk nun – nach der ersten Geburt – in Händen zu halten. Ich danke Dir, dass Du Dir so viel Zeit genommen hast, dass Du im Bergwerk der Sprache – einem Sprachknappen gleich – gegraben, Lösch vom Erz, Blindtauben von Perlen getrennt und zu einem edlen Ganzen zusammengefügt hast. Dafür seist Du umarmt und wir werden die Seelen finden, ja, die werden wir mitnehmen zur zweiten Geburt, die sie erleben werden beim Lesen, die sie glücklich machen wird, wenn sie dem Sprachknappen beim Stollenbau zur menschlichen Seele folgen, ihn begleiten, mit ihm in der eigenen Seele weitergraben und dabei neuerlich Hand anlegen. Sei umarmt und Dank auch an Maria, die sich die Zeit genommen hat, mit Dir im Wortgeröll nach Schätzen zu suchen. Herzlichst Lojze

| 5


Š Paul Kranzler

HEMM A Da gehen sie, die Hoffnungen der Zukunft, die mir liebsten Wesen auf der Welt.


Die Weibspassion Ein Hemma-Spiel, oder das beste Stück, das je geschrieben worden ist Personen von Gurk, ca. 35 Jahre alt, rein und schön wie die junge Jeanne Moreau ❖ Graf Wilhelm von Friesach und Zeltschach und der Krain, ihr Mann, um ein Beträchtliches älter ❖ Wilhelm, ihr erster Sohn, sieht sich als Nachfolger, besonnen, leicht pedantisch ❖ Hartwig, ihr zweiter Sohn, wild, anarchistisch wie Prinz Harry ❖ Kathi, Bedienstete der Friesacher und Tochter von Matschacher ❖ Karl Matschacher, Anführer der Minenarbeiter ❖ Joker, spielt den Erzbischof Donatus von Donnersfeld und den Landesfürsten von Kärnten, Herzog Adalbero von Eppenstein ❖ Chor

© Paul Kranzler

❖ Hemma

Franzobel Aufgewachsen in Büffelwang ob der Neblich im Schatten der Schimmelkirche, Ministrant, Berufswunsch Pfarrer, mittlerweile Privatkatholik und freischaffender Schriftsteller, immer auf der Suche nach Erkenntnis und Erlösung. Zahlreiche Dramen und Romane und Kinderbücher.

ca. 120 Seiten, gebunden, Lesebändchen EUR 17,40 / sfr 25,50 · ISBN 978-3-99029-069-9

E

in expolsives Stück über die einzige Kärntner Heilige, über Glaube und Weiblichkeit, angesiedelt im Hochmittelalter und dennoch sehr heutig. Keine übliche Heiligenvita, eher eine moderne Auseinandersetzung mit Lebenssinn und Gott. Selten war Franzobel so existentiell wie hier. Hemma, eine reiche Adelige, vermählt sich mit dem Grafen Wilhelm, der in Krain reiche Güter besitzt. Das Paar gehört dem Hochadel an und lebt von Silberminen. Wilhelm lebt genusssüchtig, ausschweifend und autark, fügt sich keiner anderen Ordnung als seiner Sucht nach Leben. Da sie keine Kinder bekommen, gibt Hemma das Versprechen, ihr Leben zu ändern, wenn sie nur Mutter wird. Sie bringt zwei Söhne zu Welt. Es kommt zu einem Aufstand der Minenarbeiter. Die Herren Söhne bestrafen die Anführer grausam, woraufhin die Arbeiter ihnen eine Falle stellen. Die Herren Söhne werden gefangen genommen und geloben Besserung, halten sich aber nicht daran. Es kommt erneut zu ungerechten Misshandlungen. Jetzt bricht der Volkszorn los, die Söhne werden gelyncht. Hemma drängt ihren Mann auf Versöhnung. Der ist aber unnachgiebig, lässt alle Knappen niedermetzeln. Hemma erkennt die Sünden der Eitelkeit, der Rache und des materialistischen Denkens. Sie wendet sich zu Gott und wird eine Heilige. Mit Fotos von Paul Kranzler

Lieber Lojze Ich will dir einen Text anbieten, der nach Kärnten gehört. Ein Stück über die Hemma von Gurk. Es ist aber schon weit mehr als eine lokale Heiligenvita. Im Herbst ist Uraufführung in mehreren Domen, so 10 bis 15 Vorstellungen mit jeweils 3400 Menschen sind sicher. Das Buch sollte also nicht zu teuer sein, aber eine schöne Ausstattung haben, dann gäbs die Chance, wenn man es bei den Vorstellungen vertreibt, dass auch einiges weggeht. Andererseits will ich dir nicht verheimlichen, dass Stücke nie so besonders gehen. Franzobel

| 7


Ein Roman, der eine ungewöhnlich attraktive und facettenreich erzählte Galerie von Typen, Charakteren, Sonderlingen und Genies ausstellt – alle irgendwie miteinander verwandt, und doch ist jedes Kapitel des Buchs eine eigene kleine Einheit.

© Werner Soehl


Balkanexpress Skopje – Lausanne sichten sind einfacher und darum leichter zu realisieren. Als Erstes wünscht sie ein auskömmliches Einkommen, das sie in der Gastronomie findet. Zweitens will sie ihre Französischkenntnisse auf Hochglanz bringen, was ihr auch gelingt. Und drittens sucht sie „Nahrung“ für ihre stets an Menschen und Schicksalen interessierte Neugier. Die interessieren sie und regen sie an, gelegentlich unbegrenzt, wenn sie etwa vom Aussehen eines Behinderten zu einer Parabel auf Stevensons „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ kommt.

Aus dem Makedonischen von Wolf Oschlies ca. 200 Seiten, gebunden, Lesebändchen EUR 21,00 / sfr 30,50 · ISBN 978-3-99029-068-2

B

alkanexpress“ ist bereits der zweite Roman, den Liljana Pandeva beim Wieser Verlag veröffentlicht. Wieder ist Ich-Erzählerin eine junge Makedonin, die zwar ein Hochschuldiplom besitzt, aber keinen Job hat und diesen in der Schweiz zu finden hofft. Jetzt landet die balkanische Städterin, mehr balkanisch als urban, in Schweizer Weltstädten, wo sie mit Charme und Unbefangenheit zurechtkommt. Eine akademische Tätigkeit sucht sie jetzt gar nicht erst, denn ihre Ab-

Schauplatz des Romans ist die (französische) Schweiz, was bemerkenswert ist. Die Schweiz hat zwar einen exorbitant hohen Ausländeranteil (1,9 Mio. Ausländer unter 7,9 Mio. Einwohnern), aber dieser Umstand hat nur sehr selten einen literarischen Niederschlag gefunden. Liljana Pandeva holt hier etwas nach, sei es mit kleinen Sticheleien, sei es mit erzkomischen Storys, in denen Schweizer Ordnungsfanatismus zu einem hohen Lottogewinn führt. („Sie sind schon komisch, diese Schweizer. Über sich selber geben sie nichts preis, aber über andere wollen sie absolut alles erfahren.“) Wie schon bei früheren Büchern von Liljana Pandeva sind auch bei dem „Balkanexpress“ Sprache und Darstellungsweise das eigentliche Anziehungsmoment. Bei dieser Autorin weiß der Leser nie, „wie es weitergehen wird“, denn sie hat die Hände voll sprachlicher und gestalterischer „Joker“, die sie im gegebenen Moment ausspielt, um Handlungen und Dialoge in neue und unerwartete Richtungen zu dirigieren.

Liljana Pandeva im Wieser Verlag:

In diesem Land finden sich selbst Analphabeten zurecht, sie müssen nur den Zeichen folgen.

© Photo Studio Dicho

Als Makedonin am Ufer des Röschti-Grabens

Liljana Pandeva Liljana Pandeva wurde 1964 (als Liljana Maldarevska) in Novo Selo, in SüdostMakedonien geboren. Zehn Jahre lebte die Familie an der Adriaküste, in Kroatien absolvierte Liljana Grundund Oberschule, dann zog sie mit ihren Eltern nach Skopje (Republik Makedonien). An der Philologischen Fakultät der „Kyrill- und Method-Universität“ Skopje absolvierte sie erfolgreich den Studiengang „Jugoslawische Literatur und makedonische Sprache“ und immatrikulierte 1989 für „Postdiplomstudien“ an der Universität Zagreb. Der Bürgerkrieg in ExJugoslawien unterbrach ihre weiterführenden Studien, die sie dann im heimatlichen Skopje beendete. Mit einem Essay über Tradition und Innovation in der makedonische Poesie erwarb sie den akademischen Grad einer Magistra. Dann verbrachte sie zwei Jahre in der Schweiz. Nach der Rückkehr nach Makedonien war sie lange Jahre in der Redaktion der Zeitschrift „Odbrana“ (Verteidigung) tätig, danach wechselte sie in die Verlagsabteilung der Militärakademie und arbeitet derzeit als Beraterin für internationale Beziehungen im Innenministerium Makedoniens.

ISBN: 978-3-99029-012-5

| 9


© Ernst Brauner

Menschen leben meist nicht nur ihr kleines individuelles Leben, sondern setzen sich in Beziehung zu irgendwelchen ihnen bekannt gewordenen Archetypen, Gestalten aus Historien oder Sagenwelten oder auch nur Prominenz und Pseudoprominenz aus Fernseh-News und Seitenblicken … und kopieren sie nach bestem Vermögen. Das sind manchmal heroische Entwürfe, manchmal nur Parodien, gewollte oder ungewollte: Paraphrasen sind es immer.


Srinagar und andere Nacherzählungen

S

© Mayü Belba

rinagar ist eine Stadt in Kaschmir, wo nach dem Glauben einer islamischen Sekte Jesus, der ja als einer ihrer Propheten gilt, begraben ist. Also nicht, wie fälschlich berichtet, am Kreuz gestorben, sondern aus dem Grab in Jerusalem, das ja später tatsächlich leer gefunden worden ist, nach Srinagar entkommen und nach langer fruchtbarer Lehrtätigkeit in einer noch heute zu besichtigenden Gruft bestattet wurde. Historie? Oder eine der zahllosen „Nacherzählungen“, mit denen wir Menschen unser Leben meist nach irgendwelchen Archetypen, nach überlieferten Mythen und Märchen oder gar nur nach den flimmernden Bildern irgendwelcher Fernsehshows nachzuleben versuchen?

Ernst Brauner Geboren 1928 in Wien; Studium der Philosophie, Germanistik, Theaterwissenschaften; als Chefredakteur und Verlagsleiter in der Medienbranche tätig. Zuletzt bei Wieser: Struldbrugs. Eine Chronik aus den ersten Jahrzehnten des dritten Jahrtausends (2008), Die wundersame Päpstin. Ein Schelmen­ roman (2009). Jenseits von Sodom (2010), Die Mühlfelds (2011), O Böhmerwald! (2012).

ca. 200 Seiten, gebunden, Lesebändchen EUR 21,00 / sfr 30,50 · ISBN 978-3-99029-071-2

A

Beatrix und Ernst Brauner mit Elke Beneke an Bord des „WieserPatenschiffes“ im Limski-Kanal

© Mayü Belba

n einem vielfach verästelten Flusslauf und kleinen in sich selbst mündenden Kanälen gelegen, ist Srinagar eine Stadt mit meist hölzernen schmalen Häusern, drei bis vier Stockwerke hoch, versehen mit reich geschnitzten Lauben und malerisch schwankenden Balkonen. Die Straßen sind eng und vollgepackt mit zur Schau gestellten Tüchern und Teppichen, mit Körben und Säcken voll Gemüse und Getreide, mit Pappe und Papier, mit hölzernen Werkzeugen und eisernen Stiften und Maschinen, die aussehen, als wären sie schon vor tausend Jahren gebraucht worden oder könnten vielleicht erst in tausend Jahren gebraucht werden. Früher wurde die Stadt auch Suridschanagar genannt, das heißt Sonnenstadt, denn hier erhob sich, neben zahlreichen Moscheen, bunten Hindutempeln und buddhistischen Klöstern, die Sommerresidenz des Maharadschas von Kaschmir. Aber noch früher, wissen alte Lieder und Überlieferungen, soll sich an dieser Stelle das Paradies befunden haben, die Wiege des Menschengeschlechts.

| 11


DIE PYRAMIDEN VON VISOKO oder

DINGE MEINES LEBENS

I

nspiriert von antiker „ars memorandi“, der informationsfülle des internets, sachbüchern und konversationslexika zeichnet dieser „sachroman“ das humorvolle porträt eines alternden mannes, der nach einem brand in seiner wohnung plötzlich aller objekte ledig ist und vor die entscheidung gestellt, eine neue beziehung mit einer jüngeren frau einzugehen oder nicht, über die rekonstruktion der „dinge seines lebens“ ebendieses wiederfinden will. so nebenbei entsteht dabei auch eine sehr private sozialgeschichte der letzten fünfzig jahre, denn jeder „gegenstand“ wird augenzwinkernd sowohl sachlich als auch privat dingfest gemacht. in form einer skurril-poetischen privat-enzyklopädie von A bis Z (von ABC FIBEL bis zu ZETTELs traum), die die unterschiedlichsten literarischen gattungen vom prosatext, fragebogen, liste, märchen, monolog, gedicht bis hin zum dramolett umfasst, bewegt sich der leser durch von zahllosen dingen inspirierte gefühlswelten des erzählers und hat dabei die möglichkeit, sich aus diesen bausteinen „seinen“ dingroman selber zusammenzustellen. falls er das will (aber leser müssen ja grundsätzlich gar nichts).

Sachroman, ca. 350 Seiten, gebunden, Lesebändchen EUR 21,00 / sfr 30,50 · ISBN 978-3-99029-079-8

© Andreas Staudinger

E ehering der ehering ist eine verblasste form der sklavenkette, mit der man den anderen fesselt und an sich bindet. ehe hat stets etwas mit besitzverhältnissen zu tun und der ring (die miniaturform der kette) ist das sichtbare symbol dafür.

12 | Herbst ’13

ANDREAS STAUDINGER 1956 in scharnstein/oö geboren; studium der germanistik, geschichte und publizistik in salzburg; kuratiert seit 2011; in st.marein/neumarkt das ANDERE heimatmuseum /baustelle schloss lind, autor, regisseur; zahlreiche ortsspezifische theaterprojekte im in- und ausland


Jahrhundert

D

Siehe auch: Belgrad für Ausländer (Wieser Herbst 2013)

Aus dem Serbischen übersetzt von: Gudrun Krivokapić, geb. Bartels, studierte Geschichte, Anglistik, Germanistik in Göttingen, München und Belgrad. Arbeitete als Lektorin für deutsche Sprache an der Universität Belgrad, als Übersetzerin und Simultandolmetscherin, als Bibliothekarin im Goethe-Institut Belgrad. Buchübersetzungen der letzten Jahre: Welterbe: Serbien, 2010; Miroslav Timotijević: Die Geburt der modernen Privatheit, 2011; Dušan Ivanić: Serben in Leipzig, 2011 (zusammen mit anderen). Sonstiges (Auswahl): Goran Marković: Der Fälscher, 2010 (Theaterstück und Filmdrehbuch); Boris Mitić: Auf Wiedersehen, wie geht’s (Dokumentarfilm über serbische Aphorismen, für arte), 2010; Balša Brković: Das tägliche zwanzigste Jahrhundert (Die Horen 239), 2010; Aleksandar Gatalica: Inspektor Voland (Die Horen 239), 2010 Ins Serbische: Hans Magnus Enzensberger: Abeceda krize (Das Alphabet der Krise), 2011

Aleksandar Gatalica Geboren 1964 in Belgrad. Studium der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft an der Universität Belgrad. Schriftsteller, Übersetzer aus dem Altgriechischen, Literatur- und Musikkritiker. Vorstandsmitglied des Serbischen PEN-Zentrums; stellvertretender Vorsitzender der Europäischen Bewegung in Serbien. Veröffentlichte Romane: Linije života (Lebenslinien), 1993, ausgezeichnet mit dem Miloš-Crnjanski- und dem Giorgio-la-Pira-Preis; Naličja (Kehrseiten), 1995; Kraj (Das Ende), 2001; Euripidova smrt (Der Tod des Euripides), 2002; Nevidljivi (Die Unsicht­ baren), 2008; Veliki rat (Der große Krieg), 2012, NIN-Literaturpreis, Ivo-Andrić-Preis und Meša-Selimović-Preis. Erzählungszyklen: Mimikrije (Mimikry), 1996; Vek (Jahrhundert), 1999, ausgezeichnet mit dem Ivo-Andrić-Preis und dem italienischen Umberto-Saba-Preis); Beograd za strance (Belgrad für Ausländer), 2004; Dijalog sa opsenama (Dialog mit Trugbildern), 2006 und Dnevnik poraženih neimara (Tagebuch der besiegten Baumeister), 2006.

© Aleksandar Gatalica

ca. 350 Seiten, gebunden, Lesebändchen EUR 21,00 / sfr 30,50 · ISBN 978-3-99029-077-4

er Roman Jahrhundert von Aleksandar Gatalica wurde in Serbien mit dem prestigeträchtigen Ivo-Andrić-Preis ausgezeichnet und übertrifft nach Ansicht nicht nur serbischer, sondern auch italienischer Kritiker Mein Jahrhundert von Günter Grass, das einen ähnlich ehrgeizigen Ansatz verfolgt, ein fesselndes Gesamtbild des zwanzigsten Jahrhunderts entstehen zu lassen. Ungewöhnliche Ereignisse und Gestalten, historische wie erfundene, schildert Gatalica in seinen Geschichten für jedes einzelne der Jahre, aus denen sich dieses unglaubliche, katastrophale Jahrhundert zusammensetzt, das uns doch unwiderstehlich in seinen Bann zieht. Mehr als hundert Erzählungen fügt der zeitliche Rahmen zu einem Buch zusammen, das der serbischen Literatur am Ende des vergangenen Jahrhunderts seinen Stempel aufgedrückt hat. Jahrhundert gestaltet literarisch nicht nur die Menschheitsgeschichte in einem Zeitraum von hundert Jahren. Es ist auch eine Geschichte der Ideen, Irrtümer, Subkulturen und nicht zuletzt eine Geschichte des kleinen Mannes, der sich in der Zeit, in der er lebt, nicht zurechtfindet. Wenn es ein Buch gibt, in dem kein Ereignis, keine die Epoche bewegende Frage übergangen worden ist, dann ist es Jahrhundert, eine Geschichte in hundert Erzählungen.

| 13


Europa Erlesen Albanien/Shqipëria

A

lbanien berührt: mit wilder landschaftlicher Schönheit, herzlicher Gastlichkeit, dem allgegenwärtigen Kontrast zwischen gelebter Tradition und Moderne – und mit einer Realität, die so gar nicht dem gängigen Bild eines rauen, verschlossenen Landes am Rand Europas entspricht. Gedichte und Auszüge aus Prosawerken albanischer Autorinnen und Autoren, traditionelle Erzählungen und Passagen aus älteren und neuen Reisebeschreibungen laden zur literarischen Spurensuche, öffnen bei der Wanderung durch Landschaften, Dörfer und Städte Fenster in eine bewegte Vergangenheit und lassen erahnen, wie die Menschen ihr Alltagsleben im Spannungsfeld zwischen Gestern und Heute meistern.

ca. 280 Seiten, gebunden, Lesebändchen, Prägedruck EUR 14,95 / sfr 21,00 · ISBN 978-3-99029-072-9

Mit Texten von: Dritëro Agolli, Fatos Arapi, George Gordon Lord Byron, Hugo Adolf Bernatzik, Martin Camaj, Aleks Çaçi, Evlija Çelebi, Gerda Dalipaj, Mary Edith Durham, Gjergj Fishta, Marie Amelie Freiin von Godin, Lindita Arapi, Harry Hamm, Peter Handke, Carola Hoffmeister, Helena und Ismail Kadare, Ardian Klosi, Fatos Kogoli, Christine von Kohl, Maruša Krese, Barbara Maier, Kristo Maloki, Kim Mehmeti, Lovro Mihačević, Hilë Mosi, Franz Baron Nopcsa, Ali Podrimja, Lasgush Poradeci, Joseph Roth, Brikena Smajli, Karl Steinmetz, Dierk Stich, Parid Tefereçi, Pashko Vasa, Ekrem Bey Vlora, Ornela Vorpsi, Lojze Wieser, Kate Xukaro, Visar Zhiti u. a.

Christine Zucchelli: geboren 1962 in Hall in Tirol; studierte Europäische Ethnologie und Sprachwissenschaften in Innsbruck und Dublin, und verbindet heute als freiberufliche Autorin kulturwissenschaftlicher Bücher ihre Freude am Reisen mit der Leidenschaft für Erzähltraditionen, Literatur und Fotografie; häufige, ausgedehnte Aufenthalte in Südosteuropa, u. a. in Albanien. Lebt derzeit in Innsbruck.

Villach/Beljak

A

n der schnittstelle von drei, gar vier kulturen, wenn man zur slowenischen, fruilanischen und deutschen auch die italienische nimmt; am rande der auslaufenden alpen und am übergang zum mediterran gelegen ist sie – nicht nur – der größte verschiebebahnhof des südens; kulturscheide und wohnstätte von paracelsus, die geburtsstätte der nachkriegsliteraturzeitschrift „bogen“, in der h. c. artmann über pfabigan bis hans leb ihre beiträge veröffentlichten und h. p. maya seine ersten bilder abdruckte; villach/belak, jene stadt, die es dem verstorbenen humbert fink übel genommen hat, dass er sie 1958 schroff aus ihrem nachkriegsschlaf geweckt hat. und doch eine stadt, von wo aus man europa auch entdecken kann, besinnt man sich der kulturellen vielfältigen ausdrücke, die hier auch ihre wiege haben. „Man sagt, dass das Lächeln dieser Stadt von so südlich-romanisch-slawischer Zugeneigtheit sei, dass dem übrigen Land nichts anderes übrig bleibe, als in dieses Lachen miteinzustimmen. Und dass der Himmel hier schon jene andere, intensivere Bläue demonstriere, die man für gewöhnlich erst einige Eisenbahnstunden weiter südlich vorfinde. Und dass Lebensart und Lebenslust zwar nicht gerade romanisch oder slawisch wären, aber keinesfalls auch so rein deutsch, keinesfalls so deutschnational, wie manche Unentwegte dies wahrhaben möchten.“  Humbert Fink ca. 280 Seiten, gebunden, Lesebändchen, Prägedruck EUR 14,95 / sfr 21,00 · ISBN 978-3-99029-074-3

Lojze Wieser: 1954 geboren, lebt als Verleger in Klagenfurt/Celovec und legt den Schwerpunkt seines Programms auf südosteuropäische Literatur. Die Reihe Europa erlesen und die Wieser Enzyklopädie des europäischen Ostens erreichten Kultstatus. Vinzenz Jobst: Professor, geboren 1949 in Klagenfurt; lebt und arbeitet in Klagenfurt. Publikationen zur Sozial- und Regionalgeschichte Kärntens; Biografien; Anthologien; Essays und literarische Beiträge. 14 | Herbst ’13


Europa Erlesen Donaudelta

D

as Donaudelta ist ein letztes großes Geschenk, das die ‚schöne blaue Donau‘ dem Festland darbringt, bevor sie ihre Fluten mit dem Schwarzen Meer vereinigt“, schreibt der rumänische Autor Eugen Panighianţ. Nur wenige europäische Landschaften weisen auf einer so kleinen Fläche einen derartigen Reichtum an Ökosystemen, Tier- und Pflanzenarten auf wie das Donaudelta. Seit Menschengedenken ist die Region im und um das Delta besiedelt: Geten, Kimmerer, Skyten, Griechen, anschließend Römer, Byzantiner, Bulgaren, Walachen und Osmanen, schließlich Armenier, Roma, griechische und jüdische Händler, russische Lipowaner und ukrainische Kosaken. Dutzende Autorinnen und Autoren unterschiedlicher ethnischer Herkunft aus zwei Jahrtausenden folgen den vielfältigen Spuren in Lebensweisen, Alltagskultur und Natur, am Wasser und auf dem Wasser, in Fischersiedlungen, Dörfern und Kleinstädten. So entsteht ein prachtvoller Mikrokosmos voller Buntheit und Facettenreichtum.

ca. 280 Seiten, gebunden, Lesebändchen, Prägedruck EUR 14,95 / sfr 21,00 · ISBN 978-3-99029-073-6

Mit Texten von: Gellu Naum, Oscar Walter Cisek, Richard Wagner, Claudio Magris, László Mészáros, Gertrud Fussenegger, Hertha Kräftner, Plinius Maior, Ingeborg Bachmann, Franz Grillparzer, Adelbert Müller, Jules Verne, Dan Grigorescu, Mella Waldstein, Demetru Popescu, Péter Esterházy, Karl-Markus Gauß, Joscha Remus, Felix Kanitz, Petru Dumitriu, Dejan Medaković, Fănuş Neagu, Hans Slanar, Dana Grigorcea, Alexander F. Heksch, Rudolf Fabry, Ernst Trost, Martin Graff, Sigmund von Birken, Oskar Ludwig, Bernhard Wolff, Johann Hehl u. a.

Christian Fridrich: Professor an der Pädagogischen Hochschule Wien, Leiter des Fachbereichs Geografie und Wirtschaftskunde, Lehrbeauftragter an der Universität Graz, Autor und (Mit-)Herausgeber von Fachaufsätzen, Zeitschriften und Büchern. Begeisterter Bücherwurm, Fotograf und Reisender – an der Donau von den Quellen bis zum Delta. Lebt im Weinviertel und hat vier Kinder. Zuletzt bei Wieser in der Reihe „Europa erlesen“ erschienen: Donau.

Gottschee

D

ie Gottschee, das ist der Märchenwald, die Heimat der Schlangenkönigin und des Pilichmandle (Bilchenmännchens), Zufluchtsort von Waldfrauen und Riesen. Tief in den Grotten des Karstfeldes liegt der Shidlschtoin (Siedelstein) verborgen, der jedem, der ihn findet, Glück und schnellen Reichtum verspricht. Die Gottschee ist geprägt durch das Leben mit dem und gegen den Wald. Eine Geschichte, die um 1330 mit der Ansiedelung Kärntner und Osttiroler Bauern auf slowenischem Gebiet beginnt und sich über 700 Jahre erstreckt – erzählt, gesungen und gebetet auf „Gottscheerisch“. In der Abgeschiedenheit ihrer durch den Wald bedingten Isolation sprachen und sprechen die Gottscheer eine Mundart des Deutschen, die die Zuhörer ins Mittelalter zurückversetzt. Aber die Gottschee, das sind auch der Hunger, die Auswanderung, Unterdrückung und Assimilation, Geschichten und Geschichte von Verfolgung, Widerstand, Kollaboration, Mord, Umsiedelung und Vertreibung. Es ist still geworden in der Gottschee. Der Wald holt sich seinen Raum zurück – verschlingt wieder was ihm einst abgerungen. Was bleibt, ist Erinnerung, Nachdenken und Neudenken. Was bleibt sind Lieder, Märchen, Gebete und die Hoffnung, dass mehr zurück bleibt, als der schweigende Wald.

ca. 280 Seiten, gebunden, Lesebändchen, Prägedruck EUR 14,95 / sfr 21,00 · ISBN 978-3-99029-075-0

Mit Texten von: Karl-Markus Gauß, Adolf Hauffen, Martin Pollack, Sandra Blum, Erich Petschauer, Anton Alexander Graf von Auersperg, Hugo Grothe, Tanja Malle, Mitja Ferenc, Jakob und Wilhelm Grimm, Johann Weichhard Freiherr von Valvasor, Igor Mekina, Maridi Tscherne, Ingrid Kaiser-Kaplaner, Wilhelm Tschinkel u. a.

Jakob Grollitsch: 1980 in Klagenfurt geboren, in Wien Kultur- und Sozialanthropologie studiert. Als Kindergärtner, Zeitungsausträger, Stromableser, Fernsehverkäufer und Sozialarbeiter beschäftigt gewesen, schließlich nach Rückkehr ins Herkunftsbundesland im Wieser Verlag eine Heimat gefunden.

| 15


Europa Erlesen Literaturschauplatz

Silba, oder die alljährliche Reise ins Paradies

I

m Buch wird die frühe Verbindung zweier grundverschiedener sozialer, politischer und gesellschaftlicher Systeme in den Erinnerungen des Autors dargestellt, der diese in den Kinder- und Jugendtagen sowohl in Wien als auch in Zagreb, wie eben auch, und dies prägte ihn am meisten, auf der Insel Silba in Dalmatien erlebte. Diese Reise war über viele Jahre der Höhepunkt des Jahres im Leben von Michael Ellenbogen und seiner Familie. Einzelne Kapitel in den Erinnerungen, wie beispielsweise die für heutige Begriffe beschwerliche Reise von Wien in die Hafenstadt Rijeka, waren nicht nur nachhaltige Ereignisse, sondern eine Art früher Sozialisierungsprozess, der dem Kind und Jugendlichen die vielen Facetten gesellschaftlicher Unterschiede auf eine faszinierende Weise vermittelte, ohne negative Prägungen in irgendeiner Art und Weise zu verursachen. Man lernte die Heimat der Familie des Autors mütterlicherseits sozusagen spielerisch und mit vielen positiven Eindrücken verbunden kennen und suchte in der Folge in Wien bis heute nach ethnischen Anknüpfungspunkten.

ca. 280 Seiten, gebunden, Lesebändchen, Prägedruck EUR 14,95 / sfr 21,00 · ISBN 978-3-99029-076-7

© Michael Ellenbogen

Eine Reise mit dem Auto über die Wechselbundesstraße war in den 60er, 70er und auch noch in der ersten Hälfte der 80er Jahre ein einprägsames und mit einigen Pausen verbundenes Erlebnis. Der Urlaub begann für den Autor in seinen Kinder- und Jugendtagen bereits beim Einsteigen in das Auto vor dem elterlichen Haus in Wien.

16 | Herbst ’13

Michael Ellenbogen Geboren am 18.6.1962 in Wien-Penzing, Schulausbildung in Wien absolviert, Studium der Politikwissenschaft an der Universität Wien, Abschluss Bachelor of Arts, danach multidisziplinäres Masterstudium Balkanwissenschaften als Lehrgang des IDM (Institut für den Donauraum) und der Universität Wien abgeschlossen. Seit 1993 als freier Journalist in Wien tätig, Mutter gebürtige Zagreberin, daher zweisprachig deutsch und kroatisch in Wien aufgewachsen, Vater aus Wien, eine Schwester, ein Sohn, Maximilian, geboren 1993. Wesentliche Bereiche der Berichte, Reportagen und Artikel beinhalten den Themenbereich Kroatien, aus historischer, kultureller, ethnologischer, sozialer und wirtschaftlicher Sicht, und hier insbesondere den Landesteil Dalmatien und die Insel Silba.


Europa Erlesen Literaturschauplatz

Belgrad für Ausländer

D

Siehe auch: Jahrhundert (Wieser Herbst 2013)

Aleksandar Gatalica Geboren 1964 in Belgrad. Studium der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft an der Universität Belgrad. Schriftsteller, Übersetzer aus dem Altgriechischen, Literatur- und Musikkritiker. Vorstandsmitglied des Serbischen PEN-Zentrums; stellvertretender Vorsitzender der Europäischen Bewegung in Serbien. Veröffentlichte Romane: Linije života (Lebenslinien), 1993, ausgezeichnet mit dem Miloš-Crnjanski- und dem Giorgio-la-Pira-Preis; Naličja (Kehrseiten), 1995; Kraj (Das Ende), 2001; Euripidova smrt (Der Tod des Euripides), 2002; Nevidljivi (Die Unsicht­ baren), 2008; Veliki rat (Der große Krieg), 2012, NIN-Literaturpreis, Ivo-Andrić-Preis und Meša-Selimović-Preis. Erzählungszyklen: Mimikrije (Mimikry), 1996; Vek (Jahrhundert), 1999, ausgezeichnet mit dem Ivo-Andrić-Preis und dem italienischen Umberto-Saba-Preis); Beograd za strance (Belgrad für Ausländer), 2004; Dijalog sa opsenama (Dialog mit Trugbildern), 2006 und Dnevnik poraženih neimara (Tagebuch der besiegten Baumeister), 2006.

© Aleksandar Gatalica

ca. 120 Seiten, gebunden, Lesebändchen, Prägedruck EUR 14,95 / sfr 21,00 · ISBN 978-3-99029-081-1

iese Geschichte kann nicht erzählt werden, denn um sie zu Ende zu erzählen, müsste jemand bis auf den Grund der königlichen Donau hinabtauchen, an der Achsel der Jungfrau Save vorbeischnorcheln, den Geschmack des Schlammes kosten, das Kitzeln von Barsch und Wels spüren, die Strömungen der Flüsse und alle Ertrunkenen, die mit Steinen um den Hals am Boden liegen, kennenlernen.“ Der Belgrader Taucher Gatalica stellt den Lesern durch die magischtragischen Schicksale seiner imaginären Gestalten historisch reale Belgrader Epochen, Stadtteile und Menschenschläge vor. Man wird in eine turbulente Phantasiewelt entführt, möchte aber am liebsten schon während der Lektüre nach Belgrad reisen, um weitere schräge Vögel aufzuspüren, die dort ihr Unwesen treiben. Ein Handbuch für die Mutigen und Neugierigen. Aus dem Serbischen übersetzt von: Elvira Veselinović, geb. 1971 in Dessau, aufgewachsen im mittlerweile ehemaligen Jugoslawien; Linguistin – seit 2002 promoviert; Übersetzerin – seit 2007 staatlich geprüft. Studium der Sprachwissenschaft, klassischen Philologie und Keltologie an den Universitäten Köln, Bonn und Galway (Irland). Serbischlehrerin am Bundessprachenamt Hürth, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität zu Köln, Irisch-(Gälisch)-Dozentin am Studienhaus für keltische Sprachen und Kulturen in Königswinter, wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Anglistik der Universität Potsdam, Bosnisch/Kroatisch/SerbischDozentin im Sprachenatelier Berlin. Seit 2006 als freiberufliche Übersetzerin, Dolmetscherin und Lektorin in Berlin tätig.

| 17


Parzival teren Handlungssträngen. In immer neuen ‚Würfelwürfen‘ (schanzen – Metapher Wolframs im Prolog des Parzival in Bezug auf sein eigenes narratives Verfahren) spielt er die politischen, gesellschaftlichen und religiösen Probleme, vor die sich Parzival gestellt sieht, mit anderen Protagonisten durch und entfaltet die Romanhandlung so zu einer umfassenden Anthropologie. Wolfram selbst war sich dessen bewusst, dass seine oft sprunghafte, bildreich assoziierende Erzählweise neu und ungewöhnlich war; er vergleicht sie mit dem ‚Hakenschlagen eines Hasen auf der Flucht vor Ignoranten‘.

ca. 280 Seiten, gebunden, Lesebändchen, Prägedruck Ins Neuhochdeutsche übertragen von Franz Viktor Spechtler EUR 14,95 / sfr 21,00 · ISBN 978-3-99029-075-0

M

it seiner komplexen Sinnstruktur und der aufwendigen erzählerischen Komposition ist der Parzival keine ‚leichte Lektüre‘, dennoch kann dem Werk mit über 80 überlieferten Textzeugnissen eine einzigartige Wirkungsgeschichte im Mittelalter nachgesagt werden. Wolfram von Eschenbach verarbeitet alle geläufigen Problemstellungen seiner literarischen Epoche – teilweise kritisch ironisierend, teilweise für seine Zeit neuartig zuspitzend; dem Roman kommt damit exemplarische Bedeutung für die Themenkomplexe der höfischen Literatur insgesamt zu. Der Autor verfolgt parallel zum Hauptgeschehen um Parzival eine Vielzahl von wei-

Der Parzival folgt einer Doppelromanstruktur mit einem langen Prolog. Nach den ersten beiden Büchern, die sich der Vorgeschichte der Haupthandlung widmen, also den Abenteuern Gahmurets, Parzivals Vater, beginnt Wolfram von der Kindheit seines Protagonisten zu erzählen. Es folgt später der Wechsel zur Gawan-Handlung, die durch den Besuch Parzivals beim Einsiedler Trevrizent unterbrochen und anschließend wieder aufgenommen wird. Der Inhalt der beiden letzten Bücher ist Parzival gewidmet.

Franz Viktor Spechtler ist Professor für Ältere Deutsche Sprache und Literatur an der Universität Salzburg und Spezialist für mittelhochdeutsche Dichtung Österreichs. Er habilitierte mit einer Arbeit zu Ulrich von Liechtenstein und transkribierte dessen Dichtungen »Frauendienst« und »Frauenbuch«. Spechtler ist Verfasser zahlreicher Monographien und Aufsätze zu verschiedenen mediävistischen Themen. Bei Wieser erschienen: Ulrich von Liechtenstein (2000), Walther von der Vogelweide (2003), Mönch von Salzburg (2004); ferner gemeinsam mit Barbara Maier: Ich – Ulrich von Liechtenstein. Literatur und Politik im Mittelalter (1999), Oswald von Wolkenstein (2007), Neidhard, der freche Dichter aus Österreich (2013).

Hauptquelle des Parzival ist der unvollendete Versroman Perceval le Gallois ou le conte du Graal/Li contes del Graal von Chrétien de Troyes, entstanden zwischen 1180 und 1190. Wolfram selbst distanziert sich im Epilog überraschend von Chrétien, nennt dagegen mehrfach das Werk eines gewissen ‚Kyot‘ als Vorlage und versieht diese auch noch mit einer abenteuerlichen Entstehungsgeschichte. Da aber ein solcher ‚Kyot‘ außerhalb von Wolframs Dichtung nicht identifiziert werden konnte, sind diese Angaben eher als literarische Koketterie des Autors und Kyot als Quellenfiktion einzuordnen.

Peter Handke meinte einmal in einem Gespräch, dass Parzival wohl der wichtigste Roman der Weltliteratur sei und er sich freuen würde, wenn er für den heutigen Gebrauch neu übersetzt vorliegen würde. | 19


Die Slowenische Bibliothek ist ein gemeinsames Projekt der Verlage Drava, Mohorjeva/Hermagoras und Wieser in Klagenfurt/Celovec

PROGRAMM

The 5-Star-SPA in Bad Kleinkirchheim

The 5-Star-SPA in Bad Kleinkirchheim

Thermenhotel Ronacher Familie Ronacher Thermenstraße 3 9546 Bad Kleinkirchheim Kärnten/Austria

1. GASTSPIELWOCHE +43 (0) 42 40 282 Fax - 606 thermenhotel@ronacher.com www.ronacher.com

The 5-Star-SPA in Bad Kleinkirchheim

Thermenhotel Ronacher Familie Ronacher Thermenstraße 3 9546 Bad Kleinkirchheim Kärnten/Austria

Thermenhotel Ronacher Familie Ronacher Thermenstraße 3 9546 Bad Kleinkirchheim Kärnten/Austria

+43 (0) 42 40 282 Fax - 606 thermenhotel@ronacher.com www.ronacher.com

+43 (0) 42 40 282 Fax - 606 thermenhotel@ronacher.com www.ronacher.com

Mo 20. 5. MAXIMILIAN SCHELL „Ich fliege über dunkle Täler“ Erinnerungen

Do 23. 5. BRIGITTE KARNER & DANIEL GLATTAUER PETER SIMONISCHEK „Gut gegen Nordwind“ So 26. 5. CHRIS PICHLER ISBN 978-3-99029-059-0

ROMY SCHNEIDER „2 Gesichter einer Frau“

2. GASTSPIELWOCHE Sa

1. 6. RUFUS BECK am Akkordeon Maria Reiter

spielt und spricht WENEDIKT JEROFEJEW: „Die Reise nach Petuschki“

3. GASTSPIELWOCHE Mo 3. 6. TOBIAS MORETTI ISBN 978-3-99029-060-6

„Münchhausen“

Mi

5. 6. JULIA VON MILLER & „Best of Pearls“ „STRING OF PEARLS“

So

9. 6. WERNER SCHNEYDER „Meine Lieder“ Des Satirikers andere Seite

4. GASTSPIELWOCHE Mi 12. 6. MICHAEL QUAST mit Philipp Mosetter

Fr 14. 6. BIRGIT MINICHMAYR ISBN 978-3-99029-061-3

KUNSTZUGAST 20. 5. CHRISTIAN LUDWIG – 30. 6. ATTERSEE

ISBN 978-3-99029-062-0

GOETHE FAUST I kommentierte Darbietung ELFRIEDE JELINEK „Erlkönigin“ GALERIE HEIKE CURTZE im Ronacher Kunstraum AUSSTELLUNG „Feuchten der Malerei“ Kleines Werksquer 2003-2013 Vernissage: 23. Mai, 18 Uhr

ORT

Thermenhotel Ronacher, Thermenstraße 3, 9546 Bad Kleinkirchheim In der Festspiel-Galerie.

BEGINN

Aufführung: 20.30 Uhr, freie Platzwahl, Einlass ab 20 Uhr Nach der Aufführung: „Meet and Greet” mit den Künstlern in der Bar-Lounge. AUSSTELLUNG und GENUSS-SHOP – geöffnet bis 23 Uhr.

KARTEN

Als Benefit für Ronacher Gäste im Nächtigungstarif inkludiert. (Reservierung erforderlich) RESTKARTEN limitiert: Vorverkauf € 30,– Abendkassa € 40,Kartenreservierungen und Programmheft: an der Hotelrezeption oder per Tel. +43 (0) 4240 282, Fax -606, thermenhotel@ronacher.com

EXTRA ISBN 978-3-99029-063-7

für Tagesgäste auf Wunsch: • Hauben „Early“ Dinner, 18 Uhr, inkl. Ticket € 90,– • Tagespaket: Galafrühstück 7-12 Uhr, 4.500 m² Thermen- u. Saunawelt mit Einzelkabine, Bademantel, Handtücher und Tasche, Hauben „Early” Dinner, Garagenplatz in Autoresidenz, inkl. Ticket € 160,–

www.ronacher.com


*

* * Hilft bei allen politischen und gesellschaftlichen Vergiftungen


Brückenbauen Architektur des Verbindens

K

aum eine andere Bauwerksart übt mehr Einfluss auf ihre Umgebung aus als Brücken. Erhard Kargel hat sich deshalb mit Leib und Seele ihrer Gestaltung verschrieben. Es genügt ihm nicht, dass seine Bauwerke einfach nur „funktionieren“. Sie müssen auch sichtbar machen, wie sie das tun, und eine Symbiose mit ihrem Umfeld eingehen. Erhard Kargel gelingt es, Ästhetik allein aus der Konstruktion heraus zu entwickeln. Kräfteverläufe werden offengelegt und damit nachvollziehbar. Das Endprodukt sind höchst spannende, minimalistische Strukturen, die nicht weiter reduzierbar sind. 2010 wurde dem Bauingenieur der Kulturpreis des Landes Oberösterreich für Architektur verliehen. Erhard Kargel beschäftigt sich seit seinem 14. Lebensjahr intensiv mit Fotografie. Seine eindrucksvollen Bilder, Handskizzen und prägnanten Texte geben Einblick in sein Denken. Mit der Lektüre des Buchs wird der Laie Brücken mit offeneren Augen betrachten und der Fachmann manche wertvolle Anregung erhalten.

Format 30,5 x 23 cm, 128 Seiten ca. 150 Abbildungen und Planskizzen, Hardcover EUR 29,90 / sfr 14,90 · ISBN 978-3-99029-051-4

© Bettina Sohmeikal

Wer Brücken bisher als profane Bauwerke betrachtet hat, der wird sie nach diesem Buch intensiver wahrnehmen.

22 | Herbst ’13

Erhard Kargel geb. 1942 in Villach, Studium des Bauingenieurwesens an der Technischen Hochschule Graz, Leiter des Kon­ struktionsbüros Mayreder in Linz, Ingenieurkonsulent und Bürogründung (1996). Entwurf, Planung und Konstruktion wichtiger Brücken in Europa; zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich (1990), der renommierte Renault Traffic Future Award (2008) sowie der Kulturpreis des Landes Oberösterreich für Architektur (2010).


& Gegenwart Demokratische Einigung Europas. Das Hoffen wagen Edition Geist

D

Ein Geist geht um in Europa, und dieser Geist wird – in mehreren Beiträgen – direkt oder indirekt angesprochen, beschworen oder es wird ihm – direkt oder indirekt – widersprochen. Wir sind heute in aller Deutlichkeit zu Zeitzeugen der Reibung zwischen Vergangenheit und Zukunft geworden, wie es die Nachkriegsgenerationen noch nicht erlebt haben. Die weitere Entwicklung wird über Würde und gegenseitige Achtung der Menschen untereinander entscheiden und sie wird auch sichtbar machen, ob die handelnden Personen und Institutionen imstande sind, aus der Geschichte zu lernen. Davon wird abhängen, wie verletzend und zerstörerisch und wie langwierig dieser Prozess der Reibung sein wird. Schon 2006 meinte Václav Havel im Gesprach mit Jirˇi Gruša, dass sich »Europa heute an einer Art neuen Kreuzung befindet (…), und es möglich ist, dass sich gewisse Vibrationen, die wir heute in Mitteleuropa registrieren können, zu umfassenden Vibrationen auswachsen, was sowohl gute als auch schlechte Folgen haben kann (…). Ich würde gerne glauben, dass alles gut ausgeht (…)« Aus dem Vorwort des Herausgebers

Mit Beiträgen von: Elmar G. Arneitz, Wolfgang Burtscher, Erhard Busek, Aleš Debeljak, Christopher Drexler, Martin Eichtinger, Franz Fischler, Ernest Hauer, Sabine Herlitschka, Franz Heschl, Gerhart Holzinger, Herwig Hösele, Erhard Juritsch, Dževad Karahasan, Michael Kerbler, Franz Küberl, Richard Kühnel, Gertraud Leimüller, Stephan Maier, Wilhelm Molterer, Leopold Neuhold, Ewald Nowotny, Matthias Opis, Wolfgang Petritsch, Wolfgang Pribyl, Manfred Prisching, Julya Rabinowich, Eva Rossmann, Jan Skácel, David Schalko, Susanne Scholl, Kurt Scholz, Margit Schratzenstaller-Altzinger, Alexander Van der Bellen, Werner Weidenfeld, Lojze Wieser, Werner Wintersteiner und Werner Wutscher. Mit Gedichten, Statements und Zitaten von: Siegfried Barones, Christian Buchmann, David Cameron, Winston Churchill, Daniel Cohn-Bendit, Udo Di Fabio, Kristina Edlinger-Ploder, Wilfried Eichlseder, Karl-Markus Gauß, Thomas Götz, Oskar Maria Graf, Jürgen Habermas, Johannes Hahn, Václav Havel, Josef Herk, Jean-Claude Juncker, Harald Kainz, Egon Kapellari, Kurt Koch, Helmut Kohl, Srecˇko Kosovel, Miroslav Krleža, Michael Krüger, Paul Lacroix, Claudio Magris, Norbert Mayer, Robert Menasse, Hermann Miklas, Rudolf Mitlöhner, Reinhold Mitterlehner, Esther Mitterstieler, Jean Monnet, Christa Neuper, Cees Nooteboom, Rainer Nowak, Karl P. Pfeiffer, Jochen Pildner-Steinburg, Ali Podrimja, Christian Purrer, Walter Rotschädl, Michael J. Sandel, Friedrich Santner, Werner Schneyder, Hermann Schützenhöfer, Karl Schwarzenberg, Klaus Schweighofer, Josef Smolle, Jim Hagemann Snabe, Michael Spindelegger, Werner Tessmar-Pfohl, Karlheinz Töchterle, Gertrude Tumpel-Gugerell, Franz Voves, Richard von Weizsäcker und Thomas Wieser.

Lojze Wieser 1954 geboren, lebt als Verleger in Klagenfurt/Celovec und legt den Schwerpunkt seines Programms auf südosteuropäische Literatur. Bei ihm sind über neunhundert Bücher erschienen. Die Reihe Europa erlesen und die Wieser Enzyklopädie des europäischen Ostens erreichten Kultstatus.

© Darko Dozet

294 Seiten, Englische Broschur EUR 19,95 / sfr 28,90 · ISBN 978-3-99029-066-8

ie Pfingstdialoge „Geist & Gegenwart“ reflektieren mit hochkarätigen ReferentInnen die Problemstellungen und Herausforderungen Europas und den Stand des europäischen Integrationsprozesses und wollen stets kritische, aber positive Signale setzen. Unter dem Titel „Vereinigte Staaten von Europa. Hoffen. Wagen.“ tauschen sich namhafte ExpertInnen und MeinungsbildnerInnen aus und treten in Arbeitskreisen in einen intensiven Diskurs mit den TeilnehmerInnen. Gerade angesichts der krisenhaften wirtschaftlichen Entwicklung in mehreren EU-Mitgliedsstaaten und einer breiter werdenden EU-Skepsis in der Bevölkerung ist die Frage nach der Zukunft Europas drängender denn je. Wollen und sollen wir in Zukunft in den Vereinigten Staaten von Europa leben? Wenn ja, welche Gestalt der Einheit in der Vielfalt sollen sie haben? Sind sie ein Beitrag zu einem besseren Leben in Europa? Wie geht es mit dem Projekt Europa in den einzelnen Bereichen weiter? Wie können die Herzen der BürgerInnen erreicht werden? Wie steht es um die „Seele“ Europas? Das sind einige der Fragestellungen, mit denen sich der 5. Pfingstdialog im inspirierenden Ambiente von Schloss Seggau auseinandersetzt. Unter dem Titel Demokratische Einigung Europas. Das Hoffen wagen versammelte Lojze Wieser Beiträge und Fragen der ReferentInnen, ergänzt mit Statements und Gedichten, das Thema betreffend.

| 23


Momentum Arno Popotnig

D

ieser Dialog zwischen Kunst und Literatur ist jedoch nicht allein ein Phänomen der Romantik, sondern bis heute von Interesse, wohl weil viele Schriftsteller der Malerei eine ihnen verwandte, tiefer gehende „Wesensschau“ attestieren. Der Schriftsteller Hugo Ramnek erweitert die Werkmonographie Arno Popotnigs durch seine Texte, was der Publikation einen neuen Kontext und Stellenwert gibt. Doch nicht die Erklärung des Bildes sucht der Literat und schon gar nicht ihre sprachliche Illustration. Zuweilen ist er nah am Werk, manchmal beneidet der Dichter den Maler, bemerkt zugleich jedoch auch dessen eigene Suche nach dem Klang der Farben. Es entstand ein beeindruckender Dialog zwischen den Texten Hugo Ramneks und der Malerei von Arno Popotnig, die den visuellen Referenzrahmen bildete und zum Ausgangspunkt der lyrischen Poesie des Schriftstellers wurde. 

96 Seiten (deutsch, slowenisch englisch) EUR 20,00 / sfr 30,00 · ISBN 978-3-99029-070-5

Silvie Aigner

vielleicht im finstren zimmer der spiegel mein bild wir zwei verwandelt vielleicht ich

© Arno Popotnig

Der Titel „Momentum“ steht für das Herausnehmen einzelner Sequenzen eines zeitlichen Kontinuums aus dem ständigen Arbeitsfluss.

24 | Herbst ’13

Arno Popotnig Geboren 1965 in Görtschach im Gailtal, aufgewachsen im Gailtal, studierte an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien bei Prof. Herbert Tasquil und Prof. Adolf Frohner, lebt und arbeitet in Wien. Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen seit 1988 siehe Homepage: arnopopotnig.com


Deutsch-türkische Wirtschaftsbeziehungen Eine Bestandsaufnahme

D

. I nanç Atılgan: Studium der Orientalistik und Geschichte an der Universität Wien, Mag. phil., Dr. phil., Mitarbeit an der Erstellung des „Etymologischen Wörterbuches des Türkeitürkischen“ unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Andreas Tietze, Tätigkeit in der Abteilung für Internationale Forschungskooperation des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur. 2005–2007 Ass.-Prof. an der Wirtschafts- und Technologieuniversität der Union der Türkischen Kammern und Börsen (TOBB-ETÜ), an der Universität Bilkent, an der Universität Cankaya – Ankara. Generalsekretär der Föderation der Türkischen Hoteliers (TÜROFED). Derzeit Direktor CINtr Wien. Träger des Literaturpreises der Psychoanalyse in der Türkei anlässlich des Freudjahres.

© Christian Kleinschmidt

Christian Kleinschmidt: Studium der Geschichte, Sozialwissenschaften und Philosophie in Bochum (1. Staatsexamen 1988); Promotion an der Ruhr-Universität Bochum; Habilitation 2000 an der Ruhr-Universität Bochum; Lehrbeauftragter an der WHU in Vallendar; Lehrstuhlvertretungen in Münster, Mainz und Dortmund, 2007–2009 Professur für Neuere Geschichte mit dem Schwerpunkt Zeitgeschichte an der Universität Paderborn; seit 2009 Professur für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Philipps-Universität Marburg. Forschungsschwerpunkte: Wirtschaftsund Unternehmensgeschichte; Marketinggeschichte, Konsumgeschichte.

© İnanç Atılgan

Türkisch-Deutsch, ca. 400 Seiten, gebunden EUR 25,00 / sfr 39,90 · ISBN 978-3-99029-080-4

ie zweisprachige Beitragssammlung von Fachleuten ist der zweite Band der Schriftenreihe zu den türkischen bilateralen Wirtschaftsbeziehungen. Die Herausgeber sind die TOBB Wirtschafts- und Technologieuniversität (TOBB ETÜ) und die Türkische Forschungsstiftung für die Wirtschaftspolitik (TEPAV). Beide Institutionen sind Gründungen der Union der Türkischen Wirtschaftskammern und Börsen (TOBB) und gelten als elitäre Wissenschaftszentren. Der Sammelband setzt sich zum Ziel, die wirtschaftlichen Beziehungen Deutschlands und der Türkei in ihren historischen Grenzen und ihrer momentanen Stellung als EU-Mitglied bzw. Beitrittskandidat zu bearbeiten und eine diesbezügliche Bestandsaufnahme zu ermöglichen. Es handelt sich um ein Nachschlagewerk über die Grundlinien der deutsch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen von gestern bis heute. Das Buch wird in Zusammenarbeit zwischen dem Wieser Verlag und dem Verlag Grafiker ltd. Gedruckt und veröffentlicht. Der erste Band war den österreichisch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen gewidmet.

| 25


W E E O JudEn in EurOpa

9.1

WEEO Band 1.2

WEEO Band 18

Slowakei Geschichte – Theater – Musik – Sprache – Literatur – Volkskultur – Bildende Kunst – Slowaken im Ausland

Wieser Enzyklopädie des europäischen Ostens Selbstbild und Fremdbilder der Völker des europäischen Ostens. Herausgegeben von Karl Kaser und Martin Prochazka

EUR 49,90 / sfr 66,90

ISBN 978-3-85129-502-3

Miroslav Timotijevic´ Die Geburt der modernen Privatheit Das Privatleben der Serben in der Habsburgermonarchie vom Ausgang des 17. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts ISBN 978-3-85129-504-7

Wolfgang Geier

WEEO Band 9.1 Juden in Europa Historische Skizzen aus zwei Jahrtausenden EUR 49,90 / sfr 66,90

ISBN 978-3-99029-005-7

WEEO Band 10 Lexikon der Sprachen des europäischen Ostens 

ISBN: 3-85129-510

WEEO BAND 11 Europa und die Grenzen im Kopf Herausgegeben von Karl Kaser, Dagmar Gramshammer-Hohl, Robert Pichler EUR 145,00 / sfr 189,00

ISBN 978-3-85129-511-0

In diesem Band wird eine Einführung in die elementaren Fragen gegeben, die uns heute in der Debatte um den europäischen demokratischen Einigungsprozess zunehmend beschäftigen.

Kontinuitäten und Brüche: Lebensformen – Alteingesessene – Zuwanderer von 500 bis 1500 Herausgegeben von Karl Kaser, Dagmar Gramshammer-Hohl, Jan M. Piskorski und Elisabeth Vogel

26 | Herbst ’13

Wieser Enzyklopädie des europäischen Ostens Deutsch/Englisch 

ISBN 978-3-85129-500-5

Lexikon der Sprachen des europäischen Ostens und Westens WIESER ENZYKLOPADIE DER SPRACHEN DES EUROPÄISCHEN WESTENS WIESER ENZYKLOPADIE DER SPRACHEN DES EUROPÄISCHEN WESTENS Band II WIESER LEXIKON DER SPRACHEN DES EUROPÄISCHEN OSTENS Alle drei Bände 297,00 statt einzeln 395,00 Euro / sfr 514,00 ISBN 978-3-85129-795-9

In diesem großen Werk werden erstmals alle autochthonen Sprachen Europas wissenschaftlich beschrieben. Im epochalen LEXIKON DER SPRACHEN DES EUROPÄISCHEN OSTENS UND WESTENS in drei Bänden wird die europäische Vielfalt

Die WEEO wird von der Handbibliothek der WEEO begleitet. In dieser Handbibliothek wird seltene und schwer zugängliche Literatur wieder aufgelegt. Anton Linhart Handbibliothek der WEEO Band 1

Versuch einer Geschichte von Krain und den übrigen Ländern der süd­lichen Slaven Österreichs Band 1 EUR 66,00/sfr 88,50

ISBN 978-3-85129-512-2

ISBN 978-3-85129-342-8

mit einem Vorwort von Igor Grdina Anton Linhart Handbibliothek der WEEO Band 2

Versuch einer Geschichte von Krain und den übrigen Ländern der südlichen Slaven Österreichs Band 2 EUR 66,00/sfr 88,50

ISBN 978-3-85129-530-7

Paul Joseph Šafarˇ i´k Handbibliothek der WEEO Band 3

Geschichte der slawischen Sprache und Literatur nach allen Mundarten EUR 66,00/sfr 88,50

ISBN 978-3-85129-531-5

Paul Joseph Šafarˇ i´k Handbibliothek der WEEO Band 4

Geschichte der südslawischen Literatur EUR 66,00/sfr 88,50

WEEO BAND 12

EUR 145,00 / sfr 189,00

ISBN 978-3-85129-518-8

WEEO Perspektivenband

WEEO Band 2.2

EUR 49,90 / sfr 66,90

EUR 145,00 / sfr 189,00

wissenschaftlich belegt. Zählt man die 200 Migrantensprachen in den europäischen Ländern dazu, wird man sich dessen bewusst, wie vielfältig Europa ist. In jedem Land Europas werden im Schnitt acht Sprachen gesprochen.

ISBN 978-3-85129-534-X

Paul Joseph Šafarˇ i´k Handbibliothek der WEEO Band 5

Geschichte des serbischen Schriftthums EUR 66,00/sfr 88,50

ISBN 978-3-85129-533-1


WIESER ENZYKLOPÄDIE DES EUROPÄISCHEN OSTENS

WEEO WIESER ENZYKLOPÄDIE DES EUROPÄISCHEN

Ostens

Roma im Osten Europas Sozial- und kulturgeschichtliche Skizzen aus fünf Jahrhunderten WEEO · Band 9.2

ROma im OstEn EuROpas

9.2

WEEO · Band 9.2 Wieser Enzyklopädie des europäischen Ostens EUR 49,90 / sfr 66,90 ISBN 978-3-99029-078-1

n Anbetracht der mit diesem Themenkreis verbundenen vielfältigen Schwierigkeiten werden zunächst geo-, ethno- und historiografische Begriffe erläutert. Das betrifft schon die Wortbildung „südöstliches Europa“ im Unterschied zu den räumlich-zeitlichen Begriffsbedeutungen „Ostmittel“- und „Osteuropa“ , vielmehr jedoch dann die Bedeutungen und Bezeichnungen jener Völkerschaften, die über Jahrhunderte mit dem Sammelbegriff „Zigeuner“ beschrieben, seit einigen Jahrzehnten als Roma (vorwiegend für diese Bevölkerungen im südöstlichen), Sinti (vorwiegend für jene im mittleren), Gitanos oder Gypsies (vorwiegend für jene im westlichen Europa) oder in/nach europäischen Regionen anders bezeichnet wurden und werden. Hier sind Erklärungen dieser Begriffe, die aus Selbst- und/oder Fremdbezeichnungen entstanden sowie geo-, ethno- und historiografisch geprägt sind, angebracht und erforderlich. Das ist auch deshalb notwendig, um den ursprünglichen völkerkundlich gemeinten Sammelbegriff „Zigeuner“ von pejorativen Konnotationen, ideologischen, politischen, rassebiologischen und ähnlichen Instrumentalisierungen zu lösen, die Annahme oder Ablehnung anderer Bennungen zu erklären. Manche verwenden die von anderen wiederum als ungenau angesehene Bezeichnung „Zigeuner“ dennoch oder eben die inzwischen anerkannten und gebräuchlichen Selbst- und/oder Fremdbezeichnungen. Sowohl im Sprachgebrauch der betroffenen Bevölkerungen als auch in dem ‚nichtzigeunerischer‘ Öffentlichkeiten gibt es sowohl Eindeutigkeiten als auch Unsicherheiten und ablehnende Haltungen, die noch zu erläutern sind. Allerdings helfen manche Bemühungen um eine political or ethnological correctness hier auch nicht weiter, wie noch zu beschreiben ist. Nach der zunächst angebrachten Klärung bisher noch verbreiteter sprachlicher Komplikationen und Irritationen kann die sozial- und kulturgeschichtliche Darstellung dieser Bevölkerungen mit ihrer Herkunft und Geschichte begonnen sowie mit ihren Sprachen, Lebensweisen und Kulturen sowie der Erklärung aktueller Probleme fortgesetzt werden.

Wolfgang Geier Geboren 1937, Dr. phil. habil., Kulturhistoriker, Kultursoziologe; bis 2000 kulturwissenschaftliche Forschung und Lehre, zuletzt Universität Leipzig, seit 2001 Gastprofessor an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt; Monografien zur vergleichenden Kulturgeschichte des östlichen und westlichen Europa.

© Privat

W E E O

I

| 27


1. Patenfest des Wieser Verlages

I

n dem Örtchen Hreli, nur fünfzehn Autominuten von Rovinj entfernt und mit keinem GPS mehr zu finden, haben Karin Schorm und Zahra Mani für sich und ihre Gäste ein Refugium zur Entspannung geschaffen. Die liebevoll gestalteten Appartements in malerischer Umgebung und die Herzlichkeit der Gastgeberinnen prädestinierten die Stancija Mani als Veranstaltungsort des 1. Wieser Verlags Patenfests. Lojze Wieser hatte vom 26. bis 28. April eingeladen, um sich bei den Buchpatinnen und -paten des Wieser Verlages zu bedanken, und sie drei Tage lang kulinarisch, seelisch und intellektuell zu verwöhnen. Nach einem  Willkommens-Abendessen, durch die Gastgeberinnen ausgerichtet, spazierten die Patinnen und Paten am Samstag durch den Markt von Rovinj und wurden im Hafen stimmungsvoll von der Sängerrunde „Rovinjska Batana“ empfangen, die alte kroatische und in Vulgärlatein gesungene Lieder vortrug. Selbst während der stürmischen Bootsfahrt in den Limski-Kanal hörten sie nie auf zu singen und zu musizieren. Am Ende des Kanals angekommen, kosteten sich die Patinnen und Paten durch lokale Muschelspezialitäten, die direkt aus dem Meer geerntet wurden, um sich für die Rückfahrt zu stärken und sich Appetit zu holen für das Abendessen im Vereinslokal der „Batana“. Als Höhepunkt des Essens überreichte Lojze Wieser jedem anwesenden Paten als kleines Dankeschön und als Erinnerung eine Patenschaftsurkunde des Wieser Verlages. Der Ausklang des kurzen, aber intensives Festes war ein vom Verleger zubereitetes gemeinsames Frühstück. Wir hoffen, mit den präsentierten Fotos nicht nur einen Eindruck von der charmanten und ausgelassenen Atmosphäre des Patenfests geben zu können, vielmehr auch Dich oder Sie für neue oder weitere Patenschaften zu begeistern. Denn: Bücher brauchen Paten! Jakob Grollitsch


„Das schönste Sich-Öffnen ist das Erzählen“ Das literarische Buch, sagt man, hat zumindest zwei Geburten: Die erste ist die Geburt aus der Hand des Scheibenden und die zweite die aus der Hand des Lesenden. Nachdem es üblich ist, Geburten mit einer Taufe zu feiern, haben auch wir das getan. Gemeinsam mit unseren Patinnen und Paten sind wir Ende April nach Istrien gefahren und haben die Geburten jener Bücher gefeiert, die durch deren Patenschaft möglich gemacht wurden! Und wir haben, wie es sich gehört, dabei die Seele baumeln lassen, und uns gefreut, dass durch das Mitwirken der Patinnen und Paten neue Literatur das Licht der Welt erblicken konnte. „Das schönste Sich-Öffnen ist das Erzählen“, sagt Peter Handke im Gespräch mit Anton Thuswalder. Die Erzählung zum Buch werden zu lassen, war unser Wunsch. Der Traum, es gemeinsam mit unseren Bücherpatinnen und -paten zu verwirklichen, ist wahr geworden. Wir brauchen mehr denn je Initiativen, die den Menschen Kultur und Sprache näherbringen. Buchpatinnen und Buchpaten sind Brückenbauer zum Gegenüber und zu sich selbst. Sie setzen in einer Zeit des radikalsten Medienwandels seit der Erfindung des Buchdrucks ein unvergängliches Zeichen und sie helfen mit ihrer finanziellen Unterstützung, verborgene Schätze der Weltliteratur zu bergen, sie zugänglich zu machen und sie zu er-lesen! Ich freue mich heute schon auf das Geburtstagsfest im kommenden Jahr. Vielleicht treffen wir uns in der Zips bei den Blaudruckerinnen und folgen den Huzulen in entlegene Gegenden oder begegnen uns in Bautzen, wo wir in der Poesie von Kito Lorenc der Melodie der sorbischen Sprache lauschen. Kommen Sie mit, werden auch Sie Patin, werde auch Du Pate: Wir wissen, jede Geburt ist neue Hoffnung. Und: Wir wollen das Hoffen wagen! Lojze Wieser


„Die Buchpatenschaft beim Wieser Verlag – für ein offenes Europa der Kulturen und Literaturen“ http://www.eu-infothek.com/article/buchpatenschaften-mittel-zum-erhalt-der-sprachenvielfalt

Bücher brauchen Paten: Werde Buchpatin! Werde Buchpate!

S

eit fünfundzwanzig Jahren baut der Wieser Verlag Brücken zwischen den europäischen Ländern. Rund eintausend Titel sind in dieser Zeit im Verlag erschienen, über eine Million Bücher haben wir gedruckt – davon viele zum ersten Mal in deutscher Sprache. Das Wichtigste bei unserer Arbeit war immer, Grenzen zu überwinden: politische Grenzen, aber auch jene im Kopf. Diesem Grundsatz wollen wir auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten treu bleiben. Wir wollen uns weiterhin nicht von finanziellen Notwendigkeiten, sondern von inhaltlich wichtigen und richtigen Projekten leiten lassen. Trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten haben wir es geschafft, in den vergangenen Monaten mit viel Unterstützung unserer Partner schuldenfrei zu werden. So soll es bleiben. Und weiterhin wollen wir – mit Ihrer aktiven Mitwirkung und Unterstützung – unbekannte Literatur und Erlesenswertes aus verschiedenen literarischen Welten bekannt machen. Um das aus eigenen Kräften dauerhaft zu schaffen, bieten wir Unterstützerinnen und Unterstützern dieser Idee eine Möglichkeit zur Beteiligung. Kultur sollte die Politik ersetzen und das gegenseitige Kennenlernen fördern. An den jüngsten Entwicklungen sieht man, unsere Arbeit ist noch längst nicht getan. Europa braucht mehr denn je Initiativen, die Kultur und Sprache den Menschen näherbringen. „Das schönste Sich-Öffnen ist das Erzählen“, sagt Peter Handke im Gespräch mit Anton Thuswaldner. Es würde uns sehr freuen, wenn viele Menschen Patenschaften für Bücher aus dem laufenden Programm übernehmen und damit einen wichtigen Beitrag zu einem aufgeschlossenen, offenen Europa der Kulturen und Literaturen leisten. Jede Patenschaft wird im jeweiligen Buch namentlich und an sichtbarer Stelle angeführt. Die Unterstützung trägt dazu bei, dass ein Buch einer breiteren Leseschaft bekannt gemacht werden kann. Wir hoffen, durch zahlreiche Patenschaften auch ein wichtiges Zeichen zu signalisieren: dass verborgene Schätze der Weltliteratur mit Ihrer Hilfe gehoben werden! Sie oder Ihre Firma können Pate / Patin werden für einen Titel, der Ihrem Interesse und Ihrer Entdeckungslust entgegenkommt, oder einen, der am Markt wirtschaftlich nicht bestehen könnte, dem Sie aber eine Öffentlichkeit geben möchten. Für eine Einmalzahlung in den angeführten Kategorien erhalten Sie folgende Gegenleistungen:

„Finanzielle Nöte werden rasch zu kulturellen Nöten“ Börsenblatt, Die Sonntagsfrage; http://www.boersenblatt.net/590893/ ❒  Gutenberg-Patin oder -Pate P latin -P atenschaft  € 10.000,–* zu Ehren des Erfinders der beweglichen Lettern

– Prominente Platzierung des Namens / Unternehmenslogos im Buchinneren – Nennung bei der PR-Vermarktung des Buches – Prominente Nennung im nächsten Verlagskatalog – 100 Exemplare des Buches der gewählten Patenschaft – Ein exklusives Abendessen für 12 Personen nach Wahl des Paten, bei dem der Verleger kocht, liest und diskutiert. – Teilnahme an einem Verlagsfest für alle Buchpaten (Details siehe unten) – Patenschaftsurkunde, signiert von (lebendem/lebender) Autor/in, Übersetzer/in und Verleger

❒  Primož-Trubar-Patin oder -Pate G old -P atenschaft  € 5.000,–* zu Ehren des Verlegers des ersten slowenischen Buches

– Hervorgehobene Platzierung des Namens / Unternehmens­ logos im Buchinneren – Prominente Nennung im nächsten Verlagskatalog – 50 Exemplare des Buches der gewählten Patenschaft – Teilnahme an einem Verlagsfest für alle Buchpaten (Details siehe unten) – Patenschaftsurkunde, signiert von (lebendem/lebender) Autor/in, Übersetzer/in und Verleger

❒  Alma-Karlin-Patin oder -Pate S ilber -P atenschaft  € 2.500,–* zu Ehren der in 12 Sprachen parlierenden Reiseschriftstellerin

– Platzierung des Namens / Unternehmenslogos im Buchinneren – Nennung im nächsten Verlagskatalog – 25 Exemplare des Buches der gewählten Patenschaft – Teilnahme an einem Verlagsfest für alle Buchpaten (Details siehe unten) – Patenschaftsurkunde, signiert von (lebendem/lebender) Autor/in, Übersetzer/in und Verleger

❒  Kyrill-und-Method-Patin oder -Pate B ronze -P atenschaft  € 1.000,–* zu Ehren der Erfinder der Glagolica, der ältesten slawischen Schrift

– Platzierung des Namens / Unternehmenslogos im Buchinneren – Nennung im nächsten Verlagskatalog – 10 Exemplare des Buches der gewählten Patenschaft – Teilnahme an einem Verlagsfest für alle Buchpaten (Details siehe unten) – Patenschaftsurkunde, signiert von (lebendem/lebender) Autor/in, Übersetzer/in und Verleger * Betrag versteht sich für Firmen zuzügl. ges. MwSt. Privatpersonen inkl. MwSt.

Alle Buchpaten sind im Jahr der Übernahme der Patenschaft zu einem Verlagsfest geladen. Der Verleger kocht, liest und diskutiert. Entscheiden Sie, wählen Sie, seien Sie dabei! Wir freuen uns auf die neuen Patinnen und Paten guter Literatur! Lesen wir weiter. 30 | Herbst ’13


Rückblick Frühjahr 2013 Josef Winkler

Wenn wir den Himmel sehen wollen, müssen wir donnern helfen

Stanislav Struhar

Fremde Frauen Zwei Erzählungen

Die Salzburger Rede

WIESER Wissen

Gertraud Leimüller

Innovator, Imitator oder Idiot

Franz Pichler/Florian Kerschbaumer

Sozialist, Gewerkschafter und Humanist

und

Gerhard Maurer

Saualm reflux

Rudolf O. Zucha

Krise und Chance der Psychologie

Darja Mihelicˇ

Die Bucht von Piran Heute wissen wir, dass Jörg Haider der größte politische Bankräuber der Zweiten Republik war

Liebe und Verlust… in zwei Ländern und zwei Zeiten des scheinbar grenzenlosen Europas

Wıeser

Wıeser

Günther Freitag

Café Olympia

ISBN 978-3-99029-049-1

Das Neue fällt nicht vom Himmel. Bevor man Erneuerung von oben erwarten kann, muss man diese von unten schaffen.

Alfred J. Noll

„Jung sterben wird allemal übeschätzt“ ISBN 978-3-99029-064-4

Wıeser ◆

Wıeser ◆

Gross / Ulrich Kunst · Wissenschaft · Gesellschaft

Ein kulturstiftender Zusammenhang? ISBN 978-3-99029-040-8

Wuketits / Heintel

Brock / Liessmann

ISBN 978-3-99029-042-2

ISBN 978-3-99029-048-4

Die (Natur-)Geschichte von Gut und Böse

Ein optimistischer Blick auf den Pessimismus

| 31


Der Wieser Verlag wird im Rahmen der Kunstförderung des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur unterstützt.

VERTRETung

Auslieferung

Österreich

Deutschland

Günther Raunjak – Gebiet Ost Landersdorf 23 A-3124 Oberwölbling Telefon +43 (0)664/3912839 Fax +43 (0)2786/20293 guenther.raunjak@mohrmorawa.at

Jürgen Foltz Wacholderweg 14 D-53127 Bonn Telefon +49 (0)228 9287655 Fax +49 (0)228 9287656 juerfo@t-online.de Nordrhein-Westfalen

Michael Hipp – Gebiet West, Südtirol Mahrhöflweg 20/5/5 A-9500 Villach Telefon +43 (0)664/3912837 Fax +43 (0)664/773912837 michael.hipp@mohrmorawa.at Vertreterin im Fachhandel Jutta Bussmann Reulingweg 5 A-1230 Wien Telefon +43 (0)664/203 90 71 Fax +43 (0)664/207 52 58 jutta.bussmann@mohrmorawa.at

Thilo Kist Danckelmannstraße 11 D-14059 Berlin Telefon +49 (0)30 3258477 Fax +49 (0)30 3215549 t.kist@t-online.de Berlin, Brandenburg, MecklenburgVorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen Schweiz Richard Bhend b+i buch und information ag Hofackerstraße 13 CH-8032 Zürich Telefon +41 (0)44 422 12 17 Fax +41 (0)44 381 43 10 r.bhend@ava.ch

Österreich Mohr Morawa Buchvertrieb GesmbH A-1230 Wien, Sulzengasse 2 Telefon +43 (0)1 68014-0 Fax +43 (0)1 6887130 momo@mohrmorawa.at Deutschland Bugrim Verlagsauslieferung Dr. Laube & Lindemann GbR Saalburgstraße 3, D-12099 Berlin (Tempelhof ) Telefon +49 (0)30 6068457, 6068130 Fax +49 (0)30 6063476 bugrim@bugrim.de www.bugrim.de Schweiz Scheidegger & Co. AG c/o AVA Verlagsauslieferung AG Centralweg 16, CH-8910 Affoltern am Albis Telefon +41 (0)44 762 42 00 Fax +41 (0)44 762 42 10 p.iten@ava.ch avainfo@ava.ch www.ava.ch Slowenien Direktvertrieb durch den Verlag

Die Reihe Europa erlesen ist die Mutter aller Reiseanthologien Skylines

Europa erhören: ein Schatz, der Europa den Klang gibt Peter Pisa, Kurier

A-9020 Klagenfurt/Celovec Ebentaler Straße 34b Telefon +43 (0)463 37036 Fa x + 4 3 ( 0 ) 4 6 3 3 7 6 3 5 office@wieser-verlag.com http://www.wieser-verlag.com

Katalog Herbst 2013 Art Director und Redaktion: Lojze Wieser und Jakob Grollitsch Grafische Umsetzung: Dietmar Schöffauer Lektorat: Barbara Maier und Josef Pichler Umschlagfoto: Gottfried Janschitz Copyright Buchumschläge: Mayü Belba (EE, Belgrad für Ausländer) Coypright Fotos Wir danken den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des 1. Patenfestes des Wieser Verlages für die Erlaubnis, ihre Fotos sowie die von ihnen gemachten Aufnahmen in unserem Katalog verwenden zu dürfen.

© Thereza Altersberger

Wieser Verlag GmbH

Was’s wiegt, das hat’s!

Der Verleger bei einer Lesung in Zagreb 2008.


Wieser Verlag - Herbst 2013