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Wiener Vergn端gungen seit 1766

residenz verlag


Frank Robert: Aus der Serie »Endstation Sehnsucht. Fotografien vom Wiener Prater«, 2006 (Ausschnitt)


wien museum

H e r au s g e g e b e n vo n Ursula Storch

residenz verlag


Impressum In den Prater! Wiener Vergnügungen seit 1766 408. Ausstellung des Wien Museums Wien Museum Karlsplatz 10. März bis 21. August 2016 Ausstellung Kuratorin: Ursula Storch Wissenschaftliche Assistenz und Objektverwaltung: Elke Wikidal Wissenschaftliche Mitarbeit (Filmauswahl): Christian Dewald Ausstellungsgestaltung: Christian Sturminger Ausstellungsgrafik: Perndl+Co (Gerhard Bauer) Videointerviews: Martina Nußbaumer (Film und Schnitt: Sabine Jelinek und Lukas Schaller) Slideshows: Alexandra Schlag Soundinstallation: Stefan Sterzinger und Franz Schaden Ausstellungsproduktion: Bärbl Schrems Audiovisuelle Medien: Günther Schiebeck, Patrick Spanbauer, Stefan Tunea Restaurierung: Nora Gasser, Andreas Gruber, Regula Künzli, Karin Maierhofer, Andrea Schmidt, Ines Gollner, Anna-Maria Pfanner, Sabine Reinisch, Waltraud Schartmüller, Valerie Thaussig Registrar: Nadine Vorwahlner Lektorat: Lisa Wögenstein Übersetzung: Nick Somers Aufbau: Werkstätten Wien Museum, Winter Artservice Katalog Herausgeberin: Ursula Storch im Auftrag des Wien Museums Grafik: Perndl+Co (Josef Perndl, Aleksandra Gustin) Lektorat: Lisa Wögenstein Bildredaktion: Elke Wikidal Fotografien Wien Museum: faksimile digital – Birgit und Peter Kainz Gesamtherstellung: Book Print, Mautern Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar. Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Publikation darf in irgendeiner Form oder in irgendeinem Medium reproduziert oder verwendet werden, weder in technischen noch in elektronischen Medien, eingeschlossen Fotokopien und digitale Bearbeitung, Speicherung etc. © 2016 Wien Museum, Residenz Verlag und Autorin ISBN 978-3-7017-3395-8


Vorwort 6

1766–1872 »Gehn wir im Prater, gehn wir in d’ Hetz« Von der Eröffnung für die Allgemeinheit bis zur Praterregulierung 9

1873–1918 »Herrlichkeiten und Wunder« Von der Weltausstellung bis zum Ersten Weltkrieg 37

1919–2016 »Eins kann man net – den Wurschtl derschlag’n« Von der Zwischenkriegszeit bis heute 109

Liste der ausgestellten Objekte 158

Dank Leihgeber Abbildungsnachweis 168

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m at T i b u n z l

Das Katalogvorwort, literarisches Genre des Museumsdirektors, ist selten besonders persönlich. Natürlich entwickelt man im Laufe der institutionellen Arbeit an einer Ausstellung ein gewisses Naheverhältnis zur Materie. Von großer Tiefe ist das aber nicht; und so kommt es typischerweise zu ziemlich generellen Reflexionen, etwa zur Beziehung zwischen Malerei und Politik oder dem Status der Fotografie in der Blickgeschichte der Stadt, um nur die beiden vorangegangenen Katalogvorworte anzuführen.

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In diesem Fall ist das anders. Für mich ist der Wiener Prater nicht nur Thema einer Ausstellung, er steht auch im Zentrum meiner eigenen Biographie. Ich bin in unmittelbarer Nähe zum Prater aufgewachsen und lebe, nach einem Vierteljahrhundert in den USA, auch jetzt genau wieder dort. Für mich ist der Prater buchstäblich der Ort auf der anderen Straßenseite. Als Kind war ich jeden Tag im Prater. So jedenfalls ist meine Erinnerung, die wahrscheinlich übertrieben ist, aber doch nicht ganz fern der Wahrheit liegen wird. Es war der Platz lukullischer Köstlichkeiten – Zuckerwatte, Schaumbecher, die Kartoffelpuffer beim Schweizerhaus –, deren elterliche Ablehnung (»Das ist nicht gesund!«) sie umso attraktiver erscheinen ließ. Und es war der Ort des spannungsgeladenen Zeitvertreibs, besonders wenn ein bisschen Geld für die Attraktionen des Wurstelpraters zur Verfügung stand. Da gab es einen absoluten Favoriten: ein Ringelspiel, das ich »Autoflieg« nannte. Kreisend schwebte man in einer Art Jagdflugzeug auf und ab und versuchte, die anderen Mitspieler ›abzuschießen‹.

Das ging für einige Minuten so, bis alle Teilnehmer gleichzeitig in die Höhe katapultiert wurden. Bei einer letzten Runde versuchte dann jeder jeden zu treffen, bis ein einziger ›Flieger‹ übrig blieb. Der gewann eine Freifahrt. Dahingehend angespornt, verbrachte ich Jahre mit der Perfektionierung meiner Abschusstechnik – mit einigem Erfolg. Die Relativierung dieser Leistungen – eine ›Forschungserkenntnis‹ unserer Kuratorin Ursula Storch brachte die Manipulation der Ergebnisse durch das Personal zum Vorschein – will ich, auch im Namen meines 35 Jahre jüngeren Selbst, nicht wirklich akzeptieren. Und da wäre ich auch gleich bei der theoretischen Betrachtung dessen, was im Prater so passiert. Als Kulturanthropologe denke ich da sofort an meinen großen Fachkollegen Victor Turner und seinen Begriff der Liminalität. Dieser beschreibt einen Schwellenzustand jenseits festgefahrener sozialer Strukturen. In bestimmten Momenten (oder an bestimmten Orten) sind die normalen Regeln der Gesellschaft ausgesetzt. Vorübergehende Freiheiten ermöglichen neue Beziehungsmuster und Bedeutungszusammenhänge. Der Wald in Shakespeares Sommernachtstraum ist ein wunderbares Beispiel, genauso wie die Faschingszeit, aber auch der Wiener Prater, in dem sich ängstliche Kinder als heldenhafte Jagdpiloten wiederfinden können. Er ist Teil der Stadt und doch in (fast) jeder Hinsicht außerhalb ihrer sozialen Beschränkungen. Er ist Teil unserer Zeit und doch immer versucht, die Gegenwart zu überwinden, sei es durch Nostalgie (Liliputbahn, Spiegelkabinett) oder Futurismus (Space-Shot,


Ejection Seat). Manchmal auch beides zugleich, so wie beim »Autoflieg«: In den 1960er-Jahren seines Erscheinens bedeutete es wohl die Zukunft selbst, mit einer irgendwo zwischen den Jetsons und der ersten Staffel von Raumschiff Enterprise angelegten Ästhetik. Heute wirkt das alles ein bisschen gestrig. Unsere Realität entspricht eben kaum dem, was man sich für das unfassbar weit entfernte 21. Jahrhundert in der Mitte des 20. vorgestellt hatte. Im Prater findet das alles aber doch irgendwie zusammen. Zwei »Autofliegs« stehen da immer noch – Orte, an denen man heute das Morgen von gestern erleben kann. Vielleicht ist das die wahre Attraktion, die der heutige Prater birgt: ein Platz, der uns an die glückliche Zukunft einer gar nicht so weit zurückliegenden Vergangenheit erinnert. In unserer gewaltgetränkten Zeit mag das die Liminalität sein, nach der wir uns eigentlich sehnen.

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Ursula Storch, Kuratorin und Vizedirektorin des Wien Museums, betreut unsere PraterSammlung seit bald 25 Jahren. 1993 richtete sie das Pratermuseum im Planetarium neu ein, seither konnte sie die Sammlung um etliche wichtige Akquisitionen deutlich erweitern. Das 250-jährige Praterjubiläum gibt uns nun die Gelegenheit, diese Schätze mit der Öffentlichkeit zu teilen und in einer neuen Sicht der Pratergeschichte zu kontextualisieren. Ergänzt werden die Objekte aus unserer eigenen Sammlung durch Leihgaben anderer Institutionen, etwa aus der Wienbibliothek im Rathaus, dem Österreichischen Theatermuseum, dem Bezirksmuseum Leopoldstadt oder dem Technischen

Museum. Über Vermittlung von Frau Silvia Lang, der stellvertretenden Vorsitzenden des Verbands der Praterunternehmer, war es uns möglich, auch Leihgaben direkt aus dem Prater zu bekommen, worüber ich mich besonders freue. Herzlichen Dank an alle Leihgeber! Außerdem gilt mein Dank dem gesamten Team der Ausstellung: Ursula Storch für Konzept und Umsetzung der Ausstellung und des Katalogs, Christian Sturminger für die ansprechende und themengerechte Ausstellungsgestaltung, dem Büro Perndl+Co für die prateraffine und trotzdem elegante grafische Gestaltung, Elke Wikidal für die wissenschaftliche Assistenz, Bärbl Schrems für die Ausstellungsproduktion, Nadine Vorwahlner für die Abwicklung des Leih­ verkehrs, unseren Restaurierungswerkstätten sowie der Abteilung Interne Services für den Aufbau und der Abteilung Marketing und Presse für die kontinuierliche Begleitung des Projekts.


Die Gaststätte »Thurm von Gothenburg«, um 1820 (Ausschnitt)


Ursula storch

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Eine Entscheidung mit Folgen Der Prater, der Jahrhunderte hindurch kaiserliches Jagdgebiet gewesen war, wurde infolge eines »Avertissements« Joseph II. vom 7. April 1766 für die Allgemeinheit geöffnet. Ab nun sollte die gesamte Bevölkerung zu allen Tagesund Jahreszeiten die Möglichkeit haben, dort »frey spatzieren zu gehen, zu reiten, und zu fahren, und zwar nicht nur in der Hauptallee, sondern auch in den Seitenalleen, Wiesen und Plätzen«. Außerdem war es ab diesem Zeitpunkt gestattet, »sich daselbst mit Ballonschlagen, Kegelscheiben und anderen erlaubten Unterhaltungen eigenen Gefallens zu divertiren«.2 Diese Entscheidung hatte weitreichende Folgen: Bereits eine Woche später langte die Anfrage ein, ob auch der Verkauf von »Thee, Coffee, gefrohrnen«3 in diesem für die Wiener Bevölkerung neu eröffneten Naherholungsgebiet gestattet wäre – dies wurde schon am 19. April durch eine »Nachricht« im Wienerischen Diarium bestätigt.4 Innerhalb kürzester Zeit erhielten 66 »Wein-Würthe«, 46 »Bier-Würthe«, »allerhand Coffe-Sieder, Lebzelter, Fleischselcher, Bradelpratter, Kaßstecher«, ein »Limonihandler«, eine »Krapfenbacherin«, ein »Chocolattenmacher«, ein Händler mit »Sallath und Räthig« sowie einige »Öbstler« die Genehmigung, ihr Gewerbe

im Bereich des Praters auszuüben.5 Darüber hinaus wurde dem Sprachlehrer Johann Damen am 1. Mai 1766 die Erlaubnis erteilt, »Hutschen nach niederländischer Art«, ein Ringelspiel und eine »Machine per modum einer Schlittenfart« vor Ort in Betrieb zu nehmen.6 Dementsprechend wird 2016 nicht nur die Öffnung des Praters vor 250 Jahren, sondern auch die ebenso lang zurückliegende Gründung des Wurstelpraters gefeiert. Das Kasperl- oder Wursteltheater Zu den frühesten Praterunterhaltungen gehörten neben den genannten auch die Kasperltheater, die in Wien vielfach als »Wursteltheater« bezeichnet wurden. Nach dem Verbot der Alt-Wiener Hanswurst-Komödie des frühen 18. Jahrhunderts hatte sich der Kasperl/Wurstel auf die Puppentheaterbühnen für Kinder zurückgezogen.7 Vorübergehend verurteilte zwar die Polizeizensur des Vormärz sogar den Praterwurstel zum Schweigen bzw. zur Pantomime,8 doch im Sinne des Wienerlieds Den Wurschtl kaun kana daschlogn setzte man sich dort weitgehend über das Verbot hinweg und bot dem respektlosen und unverwüstlichen Helden der kleinen Leute eine Auftrittsmöglichkeit vor Kindern, aber auch vor den sie begleitenden


Von der Öffnung für die Allgemeinheit bis zur Praterregulierung

Erwachsenen.9 Er wurde bald so sehr mit dem Vergnügungsbereich des Praters assoziiert, dass er dem Wurstelprater seinen Namen gab. Ein Ausflugsort für alle Einem Ausflugsort außerhalb der Stadttore entsprechend, blieb nicht nur der Grüne Prater, sondern auch der Wurstelprater über mehr als hundert Jahre hinweg ein eher ländlicher, weitgehend naturbelassener Raum, in dem die Gaststätten und Unterhaltungsangebote vor allem nach dem Zufallsprinzip und oft als Provisorien errichtet wurden. Lediglich die Hauptallee, deren mittlerer Teil Kutschen und Wagen vorbehalten war, in deren rechter Seitenallee sich die Reiter und links die Fußgänger aufhielten, brachte eine gewisse Struktur in den Prater. Bereits 1786 dürften an ihrer linken Seite die drei Kaffeehäuser – nach ihrer Lage vom Praterstern aus gesehen als das Erste, Zweite und Dritte Kaffeehaus bezeichnet – existiert haben. Zwischen Hauptallee und Wurstelprater gelegen, waren sie eine Art liminaler Raum, eine Übergangszone zwischen den sozialen Schichten im Prater:10 Während die Hauptallee vorwiegend von Adel und Großbürgertum genutzt wurde, frequentierten die einfacheren Bürger, Handwerker und Militärangehörigen vor allem den Wurstelprater. In den drei Kaffeehäusern aber vermischte sich das Praterpublikum: Die Konsumation samt musikalischen Darbietungen stand hier allen offen, im Gegensatz zur Inneren Stadt durften sich in der Vorstadt – und damit auch im Prater – bereits Frauen in Kaffeehäusern aufhalten.11 Darüber hinaus konnte man von den ausgedehnten Gastgärten der drei Kaffeehäuser aus bequem die Schönen und Reichen auf der Hauptallee beobachten und so an ihrem Leben teilhaben. Gegen ein geringes Eintrittsgeld standen allen Bevölkerungsschichten um 1800 auch die im Prater stattfindenden spektakulären Massenevents wie Feuerwerke und Flugexperimente offen.

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Feuerwerkskunst In Anlehnung an das Barock führte man zu dieser Zeit szenische Feuerwerke auf, die, einer detaillierten Dramaturgie folgend, ganze Geschichten anhand von Feuerbildern erzählten.12 So wurden etwa mythologische Stoffe wie »Der Tempel des Gottes Mars« oder »Amor und Psyche«, biblische Themen wie »Der Untergang von Sodom und Gomorrha«, aber auch Goethes

Faust und Raimunds Mädchen aus der Feenwelt in pyrotechnische Spektakel umgesetzt. Grundlage für diese Art von Feuerwerken war ein hölzernes Feuerwerksgerüst – etwa 50 Meter hoch und 125 Meter breit –, auf dem die Feuerwerkskörper und die sogenannten Dekorationen befestigt waren. Dabei handelte es sich um mit feuerfester Lösung bestrichene und mit Lichtern bestückte Holzfiguren und bemalte Pergamentflächen, die von hinten durch bengalische Feuer beleuchtet wurden. Dort, wo sich das Feuer zwischen den nicht brennbaren Dekorationen einen Weg fand, entstanden riesenhafte Konturen von Landschaften oder Gegenständen. Der aus Ingolstadt stammende Feuerwerker Johann Georg Stuwer und seine Nachkommen waren über mehr als hundert Jahre hindurch für die meisten Feuerwerke im Prater verantwortlich. Auf sie geht der heutige Begriff des »StuwerViertels« im zweiten Wiener Gemeindebezirk zurück, das den Bereich der ehemaligen Feuerwerkswiese meint, auf der ab 1777 die meisten Feuerwerke abgehalten wurden. 25.000 Zuschauer waren bei derartigen Veranstaltungen keine Seltenheit. Luftfahrtexperimente Die Feuerwerkswiese mit ihrer Zuschauertribüne für das reichere Publikum war aber auch derjenige Ort im Prater, an dem die meisten Ballonaufstiege und anderen Flugexperimente ihren Ausgang nahmen.13 Der erste bemannte Flug in einem an Seilen festgehaltenen hölzernen Luftschiff erfolgte hier im Sommer 1784 im Rahmen eines Feuerwerks von Johann Georg Stuwer: Sein Sohn Kaspar und zwei seiner Mitarbeiter stiegen am 6. Juli vor 15.000 Zuschauern von der Feuerwerkswiese auf. 1788 veranstaltete der Erfinder Karl Enslen »Eine große Luft-Jagd von 9 verschiedenen fliegenden Figuren«.14 Ballons in Form eines Wildschweins, eines Hirschen, von Hunden und einem reitenden Jäger stiegen nacheinander vom Prater aus auf und segelten in Richtung Kahlenberg davon. Drei Jahre später nahm hier die erste Ballonfreifahrt von Jean-Pierre Blanchard ihren Ausgang. Nach einigen fehlgeschlagenen Versuchen gelang ihm am 6. Juli 1791 der Flug samt Landung in Großenzersdorf. Einen weiteren Höhepunkt in der Geschichte der Luftfahrtexperimente stellten die erfolgreichen Flugversuche Jakob Degens zwischen 1808 und 1811 mit seiner selbst konstruierten Flugmaschine dar, einem Gerüst


aus Eisenstäben mit Flügeln aus Stahl, Fischbein und bunten Bändern. Auch Frauen waren schon Anfang des 19. Jahrhunderts als Luftschifferinnen tätig: 1820 unternahm z. B. Wilhelmine Reichard im Prater ihren 15. Ballonaufstieg. Sie segelte in Richtung Lusthaus davon und landete bald danach sicher in der Nähe von Schwechat. Auch Elise Garnerin stieg 1826 vom Feuerwerksplatz auf, sprang mittels Fallschirm ab und landete bald danach wohlbehalten wieder, während der Ballon alleine weiterflog. 1846 fanden im Prater mehrere Aufstiege Christian Lehmanns mit dem Gesellschaftsballon »Adler« statt. Groß angelegte Spektakel wie Feuerwerke und Flugexperimente lockten jeweils zehntausende Neugierige in den Prater. Sie wussten, dass ihre Lust auf Phantastisches, Unglaubliches, das Bedürfnis zu Staunen, hier befriedigt werden konnte.

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Das Panorama Dementsprechend startete auch das allererste Massenmedium, das Panorama, seinen Siegeszug in Wien im Bereich des Praters.15 Die Technik des Panoramas, eines topographischen 360-Grad-Gemäldes, präsentiert in einem hölzernen Rundbau, war von Robert Barker im Jahr 1787 in Edinburgh erfunden worden. Die Besucher gelangten durch einen finsteren Gang und über eine Wendeltreppe auf die sogenannte Besucherplattform in der Mitte des Panoramagebäudes. Die schwache Beleuchtung und die Distanz zu dem die Wand entlang laufenden Rundgemälde unterstützten die Illusion, selbst am dargestellten Ort zu sein. Zu einer Zeit, in der das Reisen nur für wenige Privilegierte möglich war, musste dieses Novum auf Begeisterung stoßen, umso mehr, als die geringe Eintrittsgebühr allen Bevölkerungsschichten eine imaginäre Reise im Panorama erlaubte. 1801 errichtete Barker mit seiner hölzernen Panoramarotunde an der Hauptallee im Prater das erste Panorama im deutschsprachigen Raum. Zunächst führte er ein Rundgemälde von London vor. Bald verkaufte er das Gebäude an seinen ehemaligen Gehilfen William Barton, der hier 1804/05 ein Wien-Panorama zeigte. Die Maler Laurenz Janscha und Carl Postl hatten es nach seinen, vom Turm der Augustinerkirche aus aufgenommenen Skizzen angefertigt. Der Zustrom der Besucher war ungebrochen groß – gerade am Bekannten ließen sich Qualität und Wahrheitsgehalt des neuen Mediums erst richtig

würdigen. Das nachfolgende Rundgemälde der Stadt Prag, ebenfalls von Janscha und Postl gemalt, war bis 1809 zu sehen. Im Zuge der Invasion französischer und bayerischer Truppen wurde es gemeinsam mit der Panoramarotunde zerstört, aber 1812 errichtete Barton an derselben Stelle ein neues Panoramagebäude, erweitert um die zusätzliche Attraktion einer Camera obscura auf dem Dach. Als Eröffnungsgemälde wurde »Gibraltar« vorgeführt, gefolgt 1814 von dem besonders umjubelten Panoramagemälde »Paris«. Der Circus Gymnasticus Schon 1808 gab es auch ein fixes Zirkusgebäude im Prater, den von der Kunstreiterfamilie de Bach erbauten Circus Gymnasticus.16 Auch dabei handelte es sich um einen hölzernen Rundbau, der in diesem Fall nach Plänen des Architekten Joseph Kornhäusel südlich der Hauptallee – schräg gegenüber vom Dritten Kaffeehaus – auf einem bald als »Zirkuswiese« bezeichneten Areal errichtet wurde. Das Programm gestaltete sich möglichst abwechslungsreich: So waren 1812 neben Pferden auch dressierte Hirsche zu sehen, beziehungsweise setzte man zusehends auf immer aufwendigere Aufführungen mit Titeln wie »Don Quichotte«, »Der Triumph der Diana« oder »Mars’ und Venus’ Flucht aus der Werkstätte des Vulkans«. Wann immer die Gesellschaft de Bach im Ausland gastierte, wurde der Circus Gymnasticus an andere Kunstreitergesellschaften vermietet. Wandermenagerien und Affentheater Bis etwa 1800 hatten sich Wandermenagerien meist kurzfristig in Lokalen der Wiener Innenstadt eingemietet, danach verlagerten sie ihre Auftritte fast zur Gänze in den Prater.17 Indem sie erstmals breiteren Bevölkerungsschichten ermöglichten, lebende exotische Tiere aus nächster Nähe zu betrachten, verfolgten sie im weiteren Sinn volksbildnerische Absichten. Im Gegensatz zum Hetztheater des 18. Jahrhunderts, dessen Attraktivität in erster Linie in der Wildheit der Tiere bestand, richteten sich die Menagerien vor allem an naturwissenschaftlich Interessierte. War ein Affentheater angeschlossen, standen die Dressur der Tiere, ihre Geschicklichkeit und das Lachen über die Tiere im Vordergrund, die sich – oft bekleidet und mit menschlichen Accessoires versehen – wie Menschen oder deren Karikaturen benahmen.18


Von der Öffnung für die Allgemeinheit bis zur Praterregulierung

Am Ostersonntag 1847 eröffnete Heinrich Schreyer sein Affentheater im Prater. Der Bau wurde auf einer Fläche von 25 x 15 Metern errichtet und verfügte über zwei Galerien und 17 Logen. Das Programm kündigte »Affen-Possen und künstlerische Affen-Productionen oder: Spaß über Spaß im Affen-Theater!« an.19 1862 und 1866 gastierte Ludwig Broekman aus Amsterdam hier mit seinem Affentheater. Bei ihm traten neben den Affen auch Hunde und »japanesische Miniaturpferde« auf. Mit der Eröffnung fixer Tiergärten im Prater, wie dem Tiergarten am Schüttel 1863, ging das Publikumsinteresse an den Wandermenagerien deutlich zurück. Schauplatz Hauptallee Abgesehen von den aufgezählten Spektakeln, die vor allem der Schaulust des Publikums entgegenkamen und für geringes Eintrittsgeld konsumiert werden konnten, eignete sich das Pratergelände auch für andere Veranstaltungen. So war etwa die Hauptallee schon Ende des 18. Jahrhunderts Austragungsort verschiedener Läuferrennen.20 Die anfänglichen Stafettenläufe wurden durch Kürassläufe abgelöst, bei denen ein Läufer in Harnisch, mit Helm und Visier, Säbel, langen Stiefeln und Sporen eine vorgegebene Strecke in möglichst kurzer Zeit zurücklegen musste. Außerdem fanden am 1. Mai in den frühen Morgenstunden regelmäßig die Rennen der herrschaftlichen Läufer statt. Als Angestellte der adeligen Familien wetteiferten sie in deren Namen um den Sieg, der anschließend in einem der drei Kaffeehäuser mit einem ausgiebigen Frühstück gefeiert wurde. Auch die Prater- oder Maifahrten – endlose Züge der vermögenden Bürger in ihren Kutschen – fanden in der Hauptallee statt. 1787 hatten beispielsweise bereits 1.200 Wagen daran teilgenommen,21 1845 lockte diese Festivität etwa 30.000 Zuschauer in den Prater.22 Das Lusthaus, 1781 bis 1783 am östlichen Ende der Hauptallee nach Plänen des Architekten Isidore Canevale errichtet, war Ziel bzw. Wendepunkt für die Wagenkolonne.

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Feste und Schlachten – Politik im Prater Im Rahmen des Wiener Kongresses fand hier am 18. Oktober 1814 ein großes Militärfest anlässlich der Jahresfeier der Völkerschlacht bei Leipzig statt. Während Kaiser Franz mit den gerade in Wien anwesenden Monarchen, den Erzherzogen, Prinzen und Generälen im Lusthaus speiste,

wurden auf den angrenzenden Wiesen 18.000 Soldaten bewirtet.23 1809 hatten hier Kämpfe mit napoleonischen Truppen stattgefunden.24 Zu bewaffneten Auseinandersetzungen im Prater kam es aber auch im Revolutionsjahr 1848: Nachdem der Arbeitsminister den Lohn der Erdarbeiter um etwa 20 % gekürzt hatte, organisierten diese im August eine anfangs friedliche Demonstration, die in den Praterauen ihren Anfang nahm. Kleinbürger und Arbeiterschaft sowie die akademische Legion bemühten sich vergeblich, zu beschwichtigen – es kam zu einer regelrechten Schlacht mit der Sicherheitswache, an deren Ende seitens der Arbeiterschaft 282 Verwundete und 18 Tote zu beklagen waren, auf der Gegenseite 56 Verwundete und 4 Tote.25 Ereignisse wie dieses begründeten im 19. Jahrhundert die Vorstellung der Aristokratie und des Großbürgertums, dass die Vorstädte – und damit auch der Prater – als Orte der sozialen und politischen Beunruhigung eine Gefahr für Leib, Leben, Eigentum und Moral darstellen würden.26 Im Vergleich zu anderen Vergnügungsstätten vor den Toren der Stadt blieb der Prater dennoch derjenige Ort, an dem sich die Berührungsängste in Grenzen hielten, indem häufig Großveranstaltungen stattfanden, die alle Segmente der Bevölkerung ansprachen. Dazu gehörten auch die diversen Kaiserfeste – Volksfeste, die das Kaiserhaus für seine Untertanen im Prater ausrichtete.27 Das Fest anlässlich der Vermählung Kaiser Franz Josephs mit Elisabeth 1854 besuchten 200.000 Menschen, die alljährlich stattfindenden Geburtstagsfeste des Kaisers im August zogen teilweise noch größere Massen an. Eine weitere Veranstaltung der Superlative war beispielsweise das »Dritte Deutsche Bundesschießen« im Sommer 1868.28 Dafür hatte man auf der Wasserwiese eine riesige Schießhalle mit 160 Schießständen und einer Zuschauertribüne für 1.800 Personen errichtet sowie eine Festhalle, in der 6.000 Besucher an 196 Tischen Platz fanden. 3.400 Schützen aus fünf Nationen trafen hier zusammen. Auftakt der Großveranstaltung war ein Festzug mit 150.000 Teilnehmern, die zuerst über die Ringstraße und dann in den Prater defilierten. Zum Vergnügungsprogramm gehörten tägliche Militärkonzerte, Aufführungen der Kapelle Strauß, eine ›Monsterliedertafel‹ von über 40 Vereinen des Niederösterreichischen Sängerbunds, ein Konzert des Wiener Männergesang-Vereins und zwei Bälle.


Die Aneignung des öffentlichen Raums Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Prater bereits mehr als hundert Jahre als Ort der Freizeit und der Unterhaltung für die Wiener Bevölkerung bewährt. Eine Bestandsaufnahme des Wurstelpraters von 1846 verzeichnete »54 Lokalitäten, wo Bier und Wein ausgeschenkt wird, 9 Ringelspiele, 15 Kegelbahnen, 4 Kaffehhäuser [sic], 17 Billards, 3 Schaukeln, 9 Kunstausstel­ lungen, 3 Pulcinellhütten [Kasperltheater], 1 Haspel, 10 Gärten und 4 Privatgebäude.«29 Seit 1844 war Basilio Calafatis hochmodernes Eisenbahnkarussell in Betrieb, und 1864 eröffnete der Zauberer Professor Anton Kratky-Baschik sein erstes Zaubertheater im Prater, in dem er vorwiegend Geistererscheinungen vorführte.30 Auch der Grüne Prater hatte sich in dieser Zeit verändert: Schon 1786 hatte man am Rande der Hauptallee infolge ihrer intensiveren Nutzung alle 200 Meter Brunnen errichtet, deren Wasser zum Aufspritzen verwendet wurde, damit weder Reiter noch Fußgänger unter dem Straßenstaub zu leiden hätten.31 Die ursprüngliche Unterbrechung der Hauptallee durch das Heustadlwasser – bis dahin war der Fahr- und Gehweg in einem Bogen diesem Wasserlauf gefolgt – wurde 1866/67 durch Aufschüttungen beendet, sodass Praterstern und Lusthaus erstmals durch eine schnurgerade Wegführung miteinander verbunden waren. Weit gravierendere Veränderungen sollten allerdings im Zuge der sogenannten Praterregulierung erfolgen, die der Weltausstellung 1873 vorausging.

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Kanon »Gehn wir im Prater, gehn wir in d’ Hetz«, Text und Musik von Wolfgang Amadeus Mozart, Mozarts Werke, KV Nr. 558. Wienerisches Diarium, 9.4.1766, S. 8. Zit. nach: Hans Pemmer, Ninni Lackner: Der Wiener Prater einst und jetzt, Leipzig, Wien 1935, S. 11. Wienerisches Diarium, 19.4.1766, S. 8. Zit. nach: Pemmer, Lackner: Der Wiener Prater einst und jetzt, S. 11. Zit. nach: ebd., S. 12. Sabine Müller: Dabei könnten sie doch Deutsch reden! Von Praterausrufern, Sprechstellern und »jüdelnden Hasen«, in: Siegfried Mattl, Klaus Müller-Richter, Werner Michael Schwarz (Hrsg.): Felix Salten: Wurstelprater. Ein Schlüsseltext zur Wiener Moderne, Wien 2004, S. 221. Wolfgang Maderthaner, Lutz Musner: Die Anarchie der Vorstadt. Das andere Wien um 1900, Frankfurt, New York 1999, S. 118. Vgl. ebd., S. 115. Siegfried Mattl, Werner Michael Schwarz: Delirious Wien? Der Wiener Prater und die Assimilierung der Moderne, in: Christian Dewald, Werner Michael Schwarz (Hrsg.): Prater Kino Welt. Der Wiener Prater und die Geschichte des Kinos, Ausstellungskatalog Wien Museum, Wien 2005, S. 88.

11 Veronika Helfert: Vor der Pratersauna. Eine kleine Geschichte der Subversion in den kaiserlichen Jagd­ gründen, in: MALMOE 72, Wien, September 2015, S. 12. 12 Vgl. Pemmer, Lackner: Der Wiener Prater einst und jetzt, S. 36-52. 13 Vgl. ebd., S. 77-81. 14 Eine große Luft-Jagd [...], Ankündigungsplakat, 1788, Österreichisches Theatermuseum, Wien. 15 Ursula Storch: Panorama. Das 360-Grad-Erlebnis, in: dies. (Hrsg.): Zauber der Ferne. Imaginäre Reisen im 19. Jahrhundert, Ausstellungskatalog Wien Museum, Weitra 2008, S. 80. 16 Vgl. Pemmer, Lackner: Der Wiener Prater einst und jetzt, S. 53-60. 17 Vgl. ebd., S. 72-74. 18 Vgl. Markus Feigl: Tierschaustellungen in Wien. Anlässlich 250 Jahre Tiergarten Schönbrunn, Ausstellungskatalog Wiener Stadt- und Landesbibliothek, Wien 2002. 19 Programm »Heinrich Schreyer’s Affen-Theater«, 25. April 1847, Wien Museum, Inv.Nr. 66.004/1. 20 Vgl. Pemmer, Lackner: Der Wiener Prater einst und jetzt, S. 84f. 21 Dr. F. Gall, Dr. H. Parton: Komm mit in den Prater … 200 Jahre Wiener Prater, Wien 1966, o. S. 22 Pemmer, Lackner: Der Wiener Prater einst und jetzt, S. 87. 23 Realis: Der Prater, Wien 1846, S. 31. 24 Pemmer, Lackner: Der Wiener Prater einst und jetzt, S. 8f. 25 1848 »das tolle Jahr«. Chronologie einer Revolution, Ausstellungskatalog Historisches Museum der Stadt Wien, Wien 1998, S. 39-41 und S. 191; Müller: Dabei könnten sie doch Deutsch reden!, S. 217f. 26 Vgl. Maderthaner, Musner: Die Anarchie der Vorstadt, S. 86-98. 27 Pemmer, Lackner: Der Wiener Prater einst und jetzt, S. 87-90. 28 Ebd., S. 90f. 29 Realis: Der Prater, S. 49. 30 Pemmer, Lackner: Der Wiener Prater einst und jetzt, S. 195. 31 Realis: Der Prater, S. 18.


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»Avertissement« im »Wienerischen Diarium« vom 9. April 1766 Dieser kurze Eintrag auf der letzten Seite des Wienerischen Diariums informierte die breitere Öffentlichkeit darüber,

dass Joseph II. sich am 7. April dazu entschlossen hatte, den »Bratter« (Prater), der bisher kaiserliches Jagdgebiet gewesen war, für die Allgemeinheit zu öffnen. Jedermann sollte sich ab nun zu jeder

Tages- und Jahreszeit in der Haupt­allee, aber auch auf den angrenzenden Wiesen »divertiren«, also zerstreuen dürfen. Wienbibliothek im Rathaus, Druckschriftensammlung


Von der Öffnung für die Allgemeinheit bis zur Praterregulierung

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Im Prater, um 1800 Zu den frühesten Praterunter­ haltungen zählten sogenannte Haspeln oder Russische Schaukeln – senkrecht stehende Drehkreuze mit frei

hängenden Sitzbänken – und Ringelspiele. Sie wurden meist als zusätz­liches Angebot von Gast­häusern und Schänken errichtet. Wien Museum


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»Ringelspiel im Prater«, um 1800 Die ersten Ringelspiele im Prater waren von einer Art Pavillonarchitektur aus Holz umbaut, die an mehreren Seiten geöffnet werden konnte. Wie alle frühen Vergnügungseinrichtungen wurden auch

die Ringelspiele ursprünglich händisch angetrieben. Manche von ihnen verfügten sogar über zwei Etagen. Wien Museum

»Das Turnierspiel im Prater«, um 1825 Vincenz Reim Der Titel des Blattes bezieht sich auf den Namen des Ringelspiels links im Bild. In Anlehnung an mittelalterliche Turniere, musste man bei den frühen Ringelspielen im Vorbei-

fahren einen seitlich montierten Ring treffen oder am Rand stehende Holzfiguren in Drehung versetzen. Schaukeln und andere Praterbuden vermitteln eine gute Vorstellung des noch ländlich wirkenden Ausflugsorts vor den Toren der Stadt. Wien Museum


Von der Öffnung für die Allgemeinheit bis zur Praterregulierung

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Ankündigung für die »Kunst-Gallerie« von Franz Weiß im Prater, um 1830 Diese wandernde »KunstGallerie« machte im Prater beim Eisernen Mann Station. Unter den 70 lebensgroßen

Statuen fanden sich laut Ankündigung auch »Maria mit dem Kinde Jesu« und »Se. Majestät der Kaiser Franz«. Außerdem wurde »Die Geschichte des Wilhelm Tell in 3 Abtheilungen« dargestellt.

Die beiden auf dem Plakat abgebildeten Figuren zeigen die »zwey Brasilianischen Wilden«, die ebenfalls Teil der Schaustellung waren. Wienbibliothek im Rathaus, Druckschriftensammlung


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»Versammlung der schönen Welt bey den Kaffee-Häusern in der großen Prater Allee«, 1795 Johann Andreas Ziegler nach Laurenz Janscha Die Kaffeehäuser an der Hauptallee – nach ihrer Lage vom Praterstern aus als das Erste, Zweite und Dritte

Kaffeehaus bezeichnet – dürften bereits 1786 existiert haben. In ihren ausgedehnten Gastgärten sitzend, konnten auch einfachere Leute bequem bei einer Tasse Kaffee oder einem Glas Limonade die Schönen und Reichen auf der Hauptallee beobachten. Wien Museum


Von der Öffnung für die Allgemeinheit bis zur Praterregulierung

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»Eine Szene aus dem Prater«, um 1830 Alexander Franz Bensa d. Ä. Die ersten Gasthäuser im Prater waren einfache Holzbauten. Die Mehrzahl der Gäste wurde an den zwischen den Bäumen

des Auwaldes aufgestellten Tischen bewirtet. Dargestellt ist hier die Wein- und Bierschänke Zum braunen Hirschen, die zumindest seit 1799 existierte. Wien Museum


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»Der Thurm von Gothenburg im Prater«, um 1820 Der Thurm von Gothenburg bestand aus einem Gasthaus, einem Ringelspiel und einer Camera obscura. Das Gebäude erhielt seinen Namen angeb-

lich nach einer um 1800 sehr beliebten Oper. Es steht in der Tradition der pseudomittelalterlichen Bauten der eng­ lischen Landschaftsgärten. Wien Museum


Von der Öffnung für die Allgemeinheit bis zur Praterregulierung

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»Volks-Scene im Prater« mit Harfenistengruppe, 1826 Johann Nepomuk Passini nach Johann August Krafft Musik spielte im Prater von jeher eine wesentliche Rolle. Anfangs waren es die Harfe­ nisten, Bänkelsänger und

Zitherspieler, deren Musik – oft begleitet von eher derben Texten – in den Gastgärten für Stimmung sorgte. Außerdem zogen Werkelmänner mit ihren Drehorgeln umher. Wien Museum


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Der Fünfkreuzertanz im Prater, um 1829 Michael Neder Der Fünfkreuzertanz, ein spezielles Angebot einzelner Gaststätten, war ein billiges Vergnügen für alle Tanzbegeisterten. Hier konnte man ohne

Konsumationszwang, lediglich gegen Entrichtung von fünf Kreuzern pro Tanz, zur Musik einer eigens dafür engagierten Kapelle tanzen. Wien Museum


Von der Öffnung für die Allgemeinheit bis zur Praterregulierung

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»Ansicht des Panorama beym Eingang im Prater«, um 1813 Laurenz Janscha Im Panorama, einer Erfindung des Iren Robert Barker aus dem Jahr 1787, konnte man ein 360-Grad-Gemälde in einem hölzernen Rundbau betrachten. 1801 errichtete Barker im Prater eine solche

Panoramarotunde mit einer Ansicht von London. 1809 bei der Invasion französischer und bayerischer Truppen zerstört, wurde 1812 an derselben Stelle ein neues Panoramagebäude mit einer Camera obscura auf dem Dach erbaut. Wien Museum

Die k. k. Militärschwimmschule im Prater, 1815 Jakob Alt Die Militärschwimmschule wurde 1811 an einem Seiten-­ arm der noch unregulierten Donau in Form eines Badeschiffs errichtet. Zwischen den Übungseinheiten für die Sol­daten wurde Männern aller

Gesellschaftsschichten gegen Honorar Schwimmunterricht erteilt. Wien Museum


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»Das Lusthaus im Prater«, um 1825 Vincenz Reim Das Lusthaus wurde 1781 bis 1783 nach Plänen von Isidore Canevale am Ende der »Langen Allee« (später Hauptallee) errichtet. Es fand bereits im ersten Drittel des 19. Jahr­ hunderts als Restaurant

Verwendung. Ursprünglich lag es direkt an einem Nebenarm der noch nicht regulierten Donau. Wien Museum


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Wien Museum Katalog „In den Prater! Wiener Vergnügungen seit 1766“  

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