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Peter Chrastek

WARUM DIESES BUCH ? Schon im jugendlichen Alter beschäftigte ich mich mit bildender Kunst, und das führte mich bald zum Sammeln. Zunächst fanden Werke der Phantastischen Realisten mein Interesse, und ich begann, Druckgrafiken zu erwerben. Anfang der 1970er-Jahre wandte ich mich der Zeit um 1900 zu. In Kunsthandlungen und Galerien sah ich immer wieder Bilder, die mir gefielen, und auf Fragen erhielt ich manchmal die Auskunft, dieser oder jener Künstler sei Mitglied im Hagenbund gewesen. Wirklich aufschlussreiche Antworten erhielt ich allerdings selten. Dann fand 1975 die große Hagenbund-Ausstellung im Historischen Museum der Stadt Wien statt, die mir weitere Aufschlüsse gab. Allerdings wurden 1975 nicht nur Werke von ehemaligen Mitgliedern des Hagenbundes gezeigt, sondern auch von vielen, zum Teil später berühmt gewordenen Gästen, wie z. B. Oskar Kokoschka, Egon Schiele, Anton Kolig und Anton Faistauer, die 1911 und 1912 ausstellen durften. Ich hatte jedenfalls das Gefühl, dass seitens der Aussteller den Gästen zu viel Aufmerksamkeit gewidmet worden war, auch fehlten in der Aufzählung einige Mitglieder. Doch diese Ausstellung war immerhin die erste seit 1937, die sich des Hagenbundes und seinen Künstlerinnen und Künstler angenommen hatte, sie war gewissermaßen ein Meilenstein. Mich führte sie zu noch mehr Beschäftigung mit dem Hagenbund, und ich begann intensiv zu forschen und zu sammeln. Ich entdeckte vergessene und längst verstorbene Mitglieder, die ich bildlich gesprochen, „ausgraben“ musste, und so nach und nach konnte ich auch von diesen Vergessenen Werke erwerben. Ab den 1980er-Jahren kuratierte ich zahlreiche Ausstellungen mit Werken der „Hagenbündler“ – viele davon im Anton Hanak-Museum in Langenzersdorf. Der Begründer und damalige Leiter war Prof. Erich Gusel, er ist derzeit Präsident unseres 2002 gegründeten „Vereines der Freunde des Hagenbundes“. Eine wichtige und große Ausstellung veranstaltete die Österreichische Galerie 1993 im Schloss Halbturn („Die verlorene Moderne“), ich durfte damals bereits Beiträge für das Katalogbuch beisteuern und war der größte private Leihgeber. Insbesondere diese Ausstellung regte sowohl das Interesse des Kunsthandels als auch jenes von Kunst­ interessierten und Sammlern an. Auch die Mitgliederanzahl war inzwischen korrigiert. Seitdem fanden und finden in Museen (z. B. zuletzt in der Österreichische Galerie im Unteren Belvedere, 2014/2015), Kunsthandlungen und Galerien immer wieder Ausstellungen mit Werken von Künstlerinnen und Künstlern des Hagenbundes statt, teils in Einzelausstellungen, teils in Gruppen oder in Kombination mit Künstlern von anderen Kunstvereinen aus dem Inund Ausland. Bei Einzelausstellungen von Werken bekannter Mitglieder des Hagenbundes waren in Katalogen stets ausreichende biografische Daten zu lesen, über andere der prominenten „Hagenbündler“ wurden Monografien oder Werksverzeichnisse verfasst (etwa über J. Floch, C. Hauser, O. Laske, O. R. Schatz, oder L. H. Jungnickel), doch über viele der nicht so prominenten oder überhaupt unbekannten Mitglieder weiß man wenig und kennt kaum Werke. Selbst im heimischen Kunsthandel ist man sich nicht immer klar, wer tatsächlich Mitglied war, ich sehe immer wieder, dass in Katalogen Künstler dem Hagenbund als Mitglied zugeordnet werden, die es nie waren. Und nun kehre ich wieder zum Titel diese Vorwortes zurück: Es versteht sich als Nachschlagewerk aller ordentlichen und außerordentlichen Mitglieder (Künstler und Künstlerinnen). Die überaus zahlreichen Gäste und korrespondierenden Mitglieder wurden hiebei nicht berücksichtigt. Es wurde von uns der Versuch unternommen, ALLE Mitglieder mit einer Biografie vorzustellen und auch von den Unbekannteren unter ihnen ein oder mehrere Werke zu zeigen, sodass sich die Interessierten auch ein Bild über diese Künstlerinnen und Künstler machen können. Last but not least: Mein Dank für die Mitarbeit an diesem Nachschlagewerk gilt vor allem meinem Freund und Sammler­kollegen Peter Sroubek, ohne den es nicht zustande gekommen wäre – er war die treibende Kraft, die ­„Lokomotive“ bei unserer Arbeit. Mein Dank gilt weiters Univ.-Prof. Dr. Dietrich Kraft, der viele Ideen, seine Erfahrung und Anregungen einbrachte, unserem Präsidenten Prof. Dipl.-Ing. Erich Gusel, der das Projekt mit Rat und Tat förderte und unserem Vizepräsidenten Dr. Siegfried Sellitsch als Anreger und Ratgeber in organisatorischen Fragen.

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Wien Museum, Hagenbund und seine Künstler  

Leseprobe „Peter Chrastek, Hagenbund und seine Künstler", Farb- und Schwarzweißabbildungen, gebundene Ausgabe, 344 Seiten, erschienen im Eig...

Wien Museum, Hagenbund und seine Künstler  

Leseprobe „Peter Chrastek, Hagenbund und seine Künstler", Farb- und Schwarzweißabbildungen, gebundene Ausgabe, 344 Seiten, erschienen im Eig...