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BERNHARD FETZ · HANNES SCHWEIGER [HG.]

DIE ERNST JANDL SHOW WIEN MUSEUM RESIDENZ VERLAG

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WIEN MUSEUM DIE ERNST JANDL SHOW

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EINE AUSSTELLUNG DES WIEN MUSEUMS UND DES LUDWIG BOLTZMANN INSTITUTS FÜR GESCHICHTE UND THEORIE DER BIOGRAPHIE IN KOOPERATION MIT DER ÖSTERREICHISCHEN NATIONALBIBLIOTHEK

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Die Ernst Jandl Show BERNHARD FETZ � HANNES SCHWEIGER [HG.]

WIEN MUSEUM

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RESIDENZ VERLAG

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DIE ERNST JANDL SHOW

AUSSTELLUNG

K ATA LOG

LEIHGEBER

366. Sonderausstellung des Wien Museums

K UR ATOR E N

HE R AU S G EBE R

Walter Bisinger, Wien Bernard Moxham, Cardiff

W IE N M U S EUM K A R L S PL AT Z

K UR ATOR I S C H E BE R ATU NG

4. November 2010 bis 13. Februar 2011

Bernhard Fetz, Hannes Schweiger Ursula Storch M I TA RBE I T

L I T E R ATUR H AU S BE R L IN

11. März bis 15. Mai 2011 Mit freundlicher Unterstützung der Kulturstiftung des Bundes

Wolfgang Kos AU S S T E L LU NGS G E S TA LTU NG

polar÷

G E S TA LTU NG

Österreichische Nationalbibliothek, Literaturarchiv Druckschriftensammlung

KOR R EKTU R E N

Universität für angewandte Kunst, Bibliothek

DRU CK

DANK

Haller & Haller Gerald Piffl

AU S S T E L LU NGS G R A FIK

Grasl Druck & Neue Medien GmbH

AU S S T E L LU NGS PRODU KT ION

ISBN 978-3-902312-20-4 Museumsausgabe

AUDIOVI S U E L L E ME DIE N

ISBN 978-3-7017-1557-2 Buchhandelsausgabe

Haller & Haller Bärbl Schrems

Zone Media Esteban AudioVideo Johann Kneihs

www.residenzverlag.at

R E S TAU R IE RU NG

Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

R E GI S T R A R

© 2010 Wien Museum, Residenz Verlag und Autoren

AUFB AU

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Die dadurch begründeten Rechte, insbesondere die der Übersetzung, des Nachdrucks, des Vortrags, der Entnahme von Abbildungen und Grafiken, der Funksendung, der Mikroverfilmung oder der Vervielfältigung auf anderen Wegen und der Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen, bleiben, auch bei nur auszugsweiser Verwertung, vorbehalten. Eine Vervielfältigung dieses Werkes oder von Teilen dieses Werkes ist auch im Einzelfall nur in den Grenzen der gesetzlichen Bestimmungen des Urheberrechtsgesetzes in der jeweils geltenden Fassung zulässig und nur mit schriftlicher Genehmigung des Residenz Verlags im Niederösterreichischen Pressehaus Druck- und Verlagsgesellschaft mbH St. Pölten – Salzburg

Österreichische Nationalbibliothek: Christa Hofmann, Liv-Solveig Wanek, Helmut Molacek Wien Museum: Christine Maringer, Gertrud Wieser Katrin Sippel, Andrea Schürz Werkstätten Wien Museum PR E S S E

Peter Stuiber, Barbara Wieser M A R K E T ING

Martina Kuso Alexander Pazdernik V E R MI T TLU NG , BE GL E I TPROG R A MM

Eine Ausstellung des Wien Museums und des Ludwig Boltzmann Instituts für Geschichte und Theorie der Biographie in Kooperation mit der Österreichischen Nationalbibliothek

Bernhard Fetz und Hannes Schweiger im Auftrag des Wien Museums

Bernhard Fetz, Hannes Schweiger Christine Koblitz Isabel Termini Brigitte Reisinger, (Kinderliteraturhaus)

Friederike Mayröcker Ernst Jandl Gesellschaft, Wien Walter Bisinger Matthias Creutziger Wolfgang Drechsler Dieter Glawischnig Bodo Hell Gabriele Jurjevec-Koller Angelika Kaufmann Helmut Moser Gerald Piffl Didi Sattmann Pia Simig

Falls das Wien Museum trotz intensiver Recherchen nicht alle InhaberInnen von Urheberrechten ausfindig machen konnte, ist es bei Benachrichtigung gerne bereit, Rechtsansprüche im üblichen Rahmen abzugelten.

Die Abkürzung „ÖNB, LIT, Nachlass Ernst Jandl“ in den Bildunterschriften steht für: Österreichische Nationalbibliothek, Literaturarchiv, Nachlass Ernst Jandl (Signatur: ÖLA 139/99)

Cover: Ernst Jandl, 23.10.1997 Foto: Matthias Creutziger Rückseite: Regiesessel mit der Aufschrift Jandl, 1970er Jahre

HAUPTSPONSOR DES WIEN MUSEUMS

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Inhaltsverzeichnis

7 Wolfgang Kos Vorwort Schauen, Hören, Staunen

10 Bernhard Fetz, Hannes Schweiger Zur Ausstellung

13 Bernhard Fetz Zur Biographie einer Stimme. Der Schreib-Alltag des Dichters Ernst Jandl

27 Frieder von Ammon ,Das Gedicht geht gesprochen eher ein‘. Ernst Jandl als Vortragskünstler

39 Wolfgang Gratzer Ernst Jandl ohne Musik? Notizen zu einer müßigen Frage

49

„Freund meines Herzens, Bruder im Geiste!“

Ein E-Mail-Interview mit Dieter Glawischnig von Hannes Schweiger, August 2010 55 Monika Schmitz-Emans Ernst Jandl und die internationale künstlerische Avantgarde

69 Ursula Storch Schriftspur – Zeichenspur. Ernst Jandl und die bildende Kunst

83 Christa Blümlinger Traube – ein Versuch über audiovisuelle Sprache

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Kommunizierende Gefäße. Ernst Jandl / Friederike Mayröcker

101 Hannes Schweiger Erziehung zur Widerständigkeit. Ernst Jandls Schule der Literatur

115 Franz Schuh Alleingang und sozialer Sinn. Erinnerungen an Ernst Jandls Kulturpolitik

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„Gedichte zum Fertigstellen“

von Ann Cotten, Franz Josef Czernin, Brigitta Falkner, Friederike Mayröcker, Arne Rautenberg, Ferdinand Schmatz, Yoko Tawada 135 Anhang Die Ernst Jandl Show. Objektverzeichnis

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Autorinnen und Autoren

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Foto: Matthias Creutziger

„ich schreie mich frei, ja, ich schreie mich frei“

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Wolfgang Kos, Direktor Wien Museum Vorwort Schauen, Hören, Staunen SHOW – Dass der Name Ernst Jandl im Ausstellungstitel genannt ist, wird nicht überraschen. Auch nicht ein Plakatsujet, das Jandls Mund mit einem Mikrofon zeigt, zwei entscheidende Werkzeuge des grandiosen Wort- und Vortragskünstlers, mit denen er das Publikum zum Lachen, Nachdenken und manchmal zum Toben brachte. Erstaunen mag das Wort Show, das uns besonders wichtig und das viel mehr ist als ein Gag. Das Wort Show zielt über Sprache hinaus und meint die multimediale Dimension des Künstlers Ernst Jandl, die ursächlich mit dessen für einen Schriftsteller erstaunlicher Popularität zusammenhängt. Neben Jandls „Greatest Hits“ sind auch Raritäten und Überraschungen im Angebot: Jazz-LPs aus Jandls Plattenregal und ein Live-Mitschnitt vom legendären Auftritt mit Allen Ginsberg in der Londoner Albert Hall ebenso wie Einkaufslisten oder diverse JandlVertonungen. Berühmt wurde der Wiener Dichter mit seinen Laut- und Sprechgedichten, immer wieder aber überschritt er die Grenzen zwischen Poesie, Performance, Musik und Bildender Kunst, zwischen Wort, Ton und Bild. Dazu kommt natürlich, dass Jandl auch zeichnete und seine Gedichte immer auch Schriftbilder sind, und selbst private Zettel mit Listen haben eine formale Dimension und finden ihre Entsprechung in seiner Poetik. Im Zentrum der Show steht Jandls Stimme. Diese, so der Dichter Jürg Laederach, „gleicht mehreren noch zu erfindenden Instrumenten“.

1968 geriet ich als 19-Jähriger in ein aufregendes Umfeld, nämlich in die Jugendredaktion des ORF, die neben Ö1-Sendungen vor allem die Musicbox um 15 Uhr 5 produzierte, also zu bester Sendezeit in einem Massenmedium, als permanentes Experiment mit hohem Sendungsbewusstsein. Ein Stehsatz damals: Alle außer uns sind „Wappler“. Popmusik stand im Zentrum (Jazz, die Leitmusik der Generation Jandl, galt als bieder), war aber immer auch eine Art Schuhlöffel für Politik, Literatur und Gesellschaftskritik. Federführend waren Leute, die wie Hubert Gaisbauer oder Alfred Treiber von der Literatur kamen und geeichte Avantgarde-Missionare waren. Literaturplattform war die „Spezialbox“ am Donnerstag, in der Texte von Blake, Brecht oder Kupferberg ebenso gesendet wurden wie solche von Konrad Bayer, Wolfgang Bauer oder Ernst Jandl. Jandl kannte ich peripher vom Lesen, etwa aus den neuen wegen, aber nicht vom Hören. Der „ganze Jandl“ war damals ja öffentlich noch kaum bekannt. Provozieren war für die Jugendredaktion ein wichtiges Ziel – und keine Sendung provozierte mehr als eine mit Lautgedichten von Ernst Jandl (1968), zu der Treiber u. a. Beatles-Songs programmierte. In Paris, erinnert sich Treiber, „flogen die Pflastersteine“, in Wien die „Wortfetzen“. Es gab 700 Protestanrufe, in einem Protokoll ist vermerkt, dass Hörfunkdirektor Hartner „bis Mitternacht“ empörte Anrufe entgegennehmen musste. Ich glaube mich daran zu erinnern, dass unter den Geschockten auch die Arbeiter der Simmering-Graz-Pauker-Werke waren, deren Fabrikshalle mit Ö3 beschallt wurde. Die Belegschaft, so der Protest, fühlte sich bei der Arbeit gestört. Solche Reaktionen stellten Ernst Jandl für uns auf eine Stufe mit den

Ernst Jandls Gedicht: „lichtung“ (PW 2, 171) als Zitat zur Bundestagswahl in Deutschland 1994 ÖNB, LIT, Nachlass Ernst Jandl

Ö3-MUSICBOX (EXKURS) –

Ernst Jandl: „my right hand“, 1970er Jahre ÖNB, LIT, Nachlass Ernst Jandl

Ernst Jandl und Wolfgang Hübsch im Studio der Ö3-Musicbox, 1968 Foto: Alfred Treiber

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Stones oder Frank Zappa. Wir wussten damals noch nicht, dass der Texter der Supergruppe The Cream – Pete Brown – eigentlich ein Avantgardedichter und seit den Sixties ein Bekannter von Ernst Jandl war. Ungefähr damals lief im Radio (natürlich nicht in der Musicbox) auch das geniale StereoHörspiel „Fünf Mann Menschen“ von Jandl / Mayröcker, das Radiomachern die Ohren öffnete, weil Stimmen eingesetzt und Texte zerhackt wurden, wie wir es nie gewagt hätten. STIMME – „In einer bildbegleiteten Mediengesellschaft“, so Brigitte Felderer im Katalog zu ihrer Ausstellung „Phonorama – Eine Kulturgeschichte der Stimme als Medium“, „gewinnt die Stimme eine neue Qualität – ob gesprochen, gesungen, geflüstert, künstlich erzeugt, gespeichert, reproduziert, zum Schweigen gebracht, aufschreiend, verstummend, unverständlich oder artikuliert“. Denn die Stimme sei signifikant für „unverwechselbare Individualität“. Wie Ginsberg, Burroughs oder Adrian Henri gehört der „Sprechdichter“ Jandl zu jenen Autoren, deren über die Literaturwelt hinausreichende Wirkung mit der Markanz und dem performativen Einsatz des Mediums Stimme eng zusammenhängt. Da gab es fließende Übergänge zu den Stimmen der Rockmusik, die wie Bob Dylan oder Tom Waits ebenfalls ihr Genre sprengten im Kontrast zu den neutralisierten, sterilisierten und austauschbaren Standardstimmen der High-Tech-Plattenproduktion. Erstaunlich ist, dass Jandls Stimme mit dem Tod des Dichters nicht historisch geworden ist, sondern lebendig blieb. Vielleicht, weil sie in der medialen Hörflut etwas Archaisches kommuniziert, neben Eigensinn und Mut zur Verstörung. Und wohl auch, weil Jandl die Sprechmasken der politischen Verführer bloßstellte. Geschockt ist heute natürlich niemand mehr, aber die Faszination ist geblieben. Dass der Protest nach der Musicbox so groß war, hängt ursächlich damit zusammen, dass es „Lautgedichte“ und nicht bloß vorgelesene Buchgedichte waren, sie das Gedruckte also hinter sich ließen. Und zwar zeitgleich mit der Weibel’schen Parole von der „Erweiterung der Kunst“ oder Avantgardefilmen, die über das Medium Film weit hinausging. Es ist nie leicht, solche mediale Vielstimmigkeit in Ausstellungen zu vermitteln. Es zu wollen und im Fall Jandl sogar zu müssen, um seiner Kunst gerecht zu werden, war für die Kuratoren unserer „Show“ von Anfang an entscheidende Vorgabe. Noch hat die Museumswelt Probleme damit, Stimmen oder Filmprojektionen (wie in „Wien im Film“, der vorhergehenden Ausstellung des Wien Museums, in der auf dingliche Objekte völlig verzichtet wurde) als gleichberechtigte Exponate zu akzeptieren. Insofern hat auch diese Ausstellung aus museologischer Sicht Laborcharakter. Denn wir werden im Ausstellungswesen Modi finden müssen, um Mediales gleichwertig mit „Öl auf Leinwand“ oder dreidimensionale Artefakte als „akustische Objekte“ zu behandeln.

Aus Ernst Jandls Plattensammlung ÖNB, LIT, Nachlass Ernst Jandl

Wolfgang Puschnig und Ernst Jandl in Saalfelden, 1994 Foto: Matthias Creutziger

FÜR ALLE – Brecht. Schwitters. Ringelnatz. Gernhardt. Jandl. Es gibt kaum eine Anthologie mit Vorlesegedichten für Kinder, die ohne Jandl auskommt. Zumindest mit „ottos mops“ ist er dabei. Auch zum Schulbuchklassiker ist der Dichter schon zu Lebzeiten geworden. Wie kein anderer Lyriker der jüngeren deutschsprachigen Literatur fasziniert er Leser und Leserinnen unterschiedlicher Generationen, wobei seine Fans (und Jandl hat eben auch Fans und nicht nur Leser) immer wieder nachzuwachsen scheinen. Ähnlich wie im Pop gibt es einen Kanon von Hits, die Jandl-Fans jederzeit abrufen können, siehe „schtzngrmm“ oder „lichtung“. Rundherum gibt es aber, diese Ausstellung versucht es zu zeigen, ein Perpetuum mobile des allumfassenden Dichtens, immer im Fluss, sich auf tausenden Aus: Dorothée Kreusch-Jacob: Das Liedmobil. 77 Spiel-, Spaß-, Wach- und Traumlieder, München 1981 ÖNB, LIT, Nachlass Ernst Jandl

VORWORT

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Zetteln verzettelnd und in Wort- und Textkonstellationen immer wieder neue Varianten öffnend. Für Jandls Werk waren die Einzäunungen des Literaturbetriebs stets irrelevant. Experimenteller Pioniergeist wurde Mainstream und verlor dabei nichts an Schärfe. Oft gibt es das nicht. All das macht Jandl zum idealen Thema für ein Museum wie das Wien Museum, das als Breitbandmuseum viele Agenden hat und sich nicht nur an Spezialisten wendet. Deshalb haben wir sofort, quasi ohne darüber nachzudenken, begeistert Ja gesagt, als uns die Kuratoren, die vieles schon im Kopf, aber noch keinen Ausstellungsraum hatten, eine Jandl-Ausstellung vorschlugen. Parallel zur Ausstellung gibt es deshalb auch ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Konzerten, Filmen oder Lesungen. Mit dabei sind viele Weggefährten, mit denen Jandl zusammenarbeitete, von Dieter Glawischnig bis Lauren Newton, von Friederike Mayröcker bis Ferdinand Schmatz. Und auf die Kinder warten Buchstabensuppe und Sprachkarussell. Die Ausstellung entstand in Partnerschaft zwischen dem Wien Museum und dem Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte und Theorie der Biographie. Dieses ermöglichte die intensive wissenschaftliche Vorbereitung von Schau und Buch. Mein Dank gilt dem Direktor des Instituts, Wilhelm Hemecker, und der Geschäftsführerin der Ludwig Boltzmann Gesellschaft, Claudia Lingner. Grundlegend für dieses Ausstellungsprojekt ist der Nachlass des Dichters, den das Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek betreut und erschlossen hat. Erstmals können Schätze aus diesem bedeutenden Bestand präsentiert werden. Die Österreichische Nationalbibliothek ist damit fast exklusive Leihgeberin, für die gute Kooperation bedanke ich mich bei Generaldirektorin Johanna Rachinger. Exzellent war die Zusammenarbeit mit den beiden Kuratoren Bernhard Fetz, seit 2009 Leiter des Literaturarchivs, und Hannes Schweiger. Ihnen sind die Konzeption und ein Übermaß an Ideen zu verdanken. Selten waren Nachdenkrunden im Vorfeld einer Ausstellung so inspirierend wie dieses Mal. Das hängt natürlich mit dem Zündstoff zusammen, der in Jandls Œuvre bis in jede kleinste Verästelung hinein zu finden ist. Fetz und Schweiger erarbeiteten auch das Katalogbuch, das die Ausstellung dokumentiert und sich darüber hinaus auch als Beitrag zur Jandl-Forschung versteht – mit vielen neuen Aspekten und bisher unbekanntem Bild- und Textmaterial. Dank auch dem Residenz Verlag. Als das Architektenduo polar÷ erstmals seine Ideen für die räumliche Umsetzung des Ausstellungskonzepts präsentierte, war das Wort „Jandlsuppe“ Leitmotiv – also keine scharfe Trennung der verschiedenen Aspekte und Medien, sondern das Prinzip der Überlagerung von Schauen, Hören und Staunen. Auch beim Grafikbüro Haller & Haller (Ausstellung und Katalog) war beeindruckend, wie sehr die gestalterischen Entscheidungen stets mit einer Auseinandersetzung mit Ernst Jandls Arbeit und Arbeitsweise verknüpft wurden. Für die Video- und Tonbeiträge habe ich den Studios Zone Wien und Esteban AudioVideo zu danken. Seitens des Wien Museums wurden die Feinentwicklung und Umsetzung der Ausstellung von Ursula Storch begleitet, die Produktionsleitung lag bei Bärbl Schrems. Das Begleitprogramm wurde vom Kuratorenduo gemeinsam mit dem Museum konzipiert, für das uns diesmal besonders wichtige Kinderprogramm danke ich Isabel Termini von der Abteilung Vermittlung des Wien Museums und Brigitte Reisinger vom Kinderliteraturhaus. Bemerkenswert ist, wie groß der Enthusiasmus aller Mitwirkenden im Vorfeld dieser Hommage an den populärsten österreichischen Lyriker nach 1945 war, der vor zehn Jahren starb und heuer seinen 85. Geburtstag gefeiert hätte.

DANK –

Friederike Mayröcker: Kochrezept für Ernst Jandl, undatiert ÖNB, LIT, Nachlass Ernst Jandl

Plakat zu „Poetry International“, 1984, Rotterdam, mit einer Übersetzung von Ernst Jandls Gedicht „calypso“ ÖNB, LIT, Nachlass Ernst Jandl

Ernst Jandl: Zeichnung aus „die männer. ein film“, 1970 ÖNB, LIT, Nachlass Ernst Jandl

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Bernhard Fetz, Hannes Schweiger Zur Ausstellung

Am Anfang stand der Nachlass Ernst Jandls am Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek. In den Manuskripten und Zeichnungen, in den Sammlungen von Kriminalromanen und Schallplatten, in den Mitschnitten von Lesungen und Auftritten mit (Jazz-)Musikern, in den Briefen und Lebensdokumenten dieses so ungemein reichhaltigen Nachlasses spiegelt sich das Schreibleben eines der bedeutendsten Dichter der deutschsprachigen Literatur nach 1945. Wenn das, was vorher zum Alltag eines Schriftstellers gehörte, in Form einer großen Ausstellung präsentiert und inszeniert wird, dann gewinnen diese Materialien ein zweites, anderes Leben. Der Titel der Ausstellung und dieses Buches – Die Ernst Jandl Show – vermittelt etwas von der Vitalität, von der anhaltenden Präsenz des Dichters Ernst Jandl, in ihm klingt die Internationalität und Intermedialität eines faszinierenden Werkes an, das hörbar und schaubar gemacht wird: Jandls Texte wollen laut gelesen werden, sie funktionieren aber auch beim stillen ,Lautlesen‘; sie wollen gesehen werden, als visuelle Texte, als Schriftzeichnungen, als Partituren zu Hörspielen und Textcollagen. Die Materialien gewähren Einblick in die Werkstatt eines Dichters, in seine Arbeitsweise, angefangen von ersten Notizen und Entwürfen bis hin zu Aufzeichnungen an der Grenze von Gedicht, autobiographischer Notiz oder auch stummer Partitur innerlich gehörter Musik. Das Sichtbarmachen von Vorstufen und Unveröffentlichtem besitzt mit Blick auf einen so mit Sprache lebenden und so mit Sprache arbeitenden Autor wie Ernst Jandl größte Bedeutung. So lässt sich beispielsweise zeigen, wie sich die ‚Kategorie‘ religiöses Gedicht durch das gesamte Werk zieht, wie groß ihre Variationsbreite ist, wie diese Kategorie im Kontext der Biographie des Autors (der religiösen Erziehung durch die Mutter, die selbst Gedichte religiösen Inhalts schrieb), der Entwicklung der literarischen Formensprache innerhalb des Werkes und schließlich des Verhältnisses von Schrift und Stimme zu sehen ist. Durch all dies wird auf den folgenden Seiten und in der Ausstellung etwas spürbar von der Unbedingtheit, mit der Jandl seine Sache, das Schreiben von Gedichten, verfolgte, und der Wirkung, die er damit erzielte; das zumindest ist unsere Hoffnung. Ernst Jandls überliefertes Bild ist geprägt vom Vortragskünstler, der das „Öffnen und Schließen des Mundes“, so der Titel seiner legendären Frankfurter Poetikvorlesungen, zu einem Thema machte, das an unser aller Existenz rührt. Bereits Jandls erster größerer Auftritt – er fand am 11. Juni 1965 anlässlich einer legendären Beat Poetry Session in der Londoner Royal Albert Hall vor 7000 begeisterten ZuhörerInnen statt – macht deutlich, wie schwierig es ist, Leben und Werk voneinander zu trennen. Die Auftritte Jandls, sein Leben als Performer eigener und fremder Texte, gehören zu seiner Biographie; in ihnen drückt sich etwas aus, das über das einzelne Gedicht hinausreicht. Jandls beeindruckende Plattensammlung dokumentiert nicht nur eine seiner drei großen Leidenschaften – neben der Lektüre von Kriminalromanen und dem Schachspiel –, sie ist vielmehr ein wichtiger Verweis auf Musik als neben der Sprache zentrales künstlerisches Ausdrucksmittel dieses Autors. Ernst Jandl ist es in vielen seiner Gedichte gelungen, Musik nicht nur zu zitieren, nicht nur über sie zu sprechen, sondern sie mit den beiden Pfeilern Rhythmus und Wiederholung

ZUR AUSSTELLUNG

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den Wörtern und Lauten seiner Texte einzuschreiben. Seine Gedichte sind Partituren, die auf ganz unterschiedliche Weise hörbar gemacht werden können. Dabei ging es ihm gerade nicht darum, im Gedicht, auf der Bühne, im Hörspiel oder Film die LeserInnen, ZuhörerInnen oder ZuschauerInnen durch Effekte zu überwältigen. Ernst Jandl attackiert in seiner Kunst durch bewusste Abweichungen von Sprach- und Sprechnormen das falsche Pathos der Erlösergestalten und die politischen Inszenierungen von Massen, wie er sie selbst 1938 als Zeuge jener berühmt-berüchtigten Rede Hitlers am Wiener Heldenplatz erlebt hatte. Genau dies ist auch eines der Ziele von Ausstellung, Buch und multimedialer Ernst Jandl-DVD*: Die Show will nicht überwältigen, sondern ein komplexes Zusammenspiel von Wörtern, Tönen und Bildern, von programmatischen Aussagen und Gedichttexten, von biographischen und zeithistorischen Konstellationen zeigen. Und natürlich will sie die Lust an der Sprache, in der wir alle baden, mit der wir uns herumschlagen, die uns als Muttersprache mitgegeben ist und die als Manipulationsinstrument in die Köpfe eindringt, vermitteln – die Sprachlust, wie sie Kindern und Dichtern im Besonderen eigen ist. Kinder und SchülerInnen waren immer schon von Jandl begeistert, manche seiner von bekannten Illustratoren gezeichneten Kinderbücher wurden zu Klassikern. Jandl selbst bereitete es Vergnügen, wenn Kinder versuchten, in seinem Stile ein a-Gedicht oder ein u-Gedicht zu machen, wenn manche seiner Hits wie das Gedicht „auf dem land“ um- und weitergeschrieben wurden. Ein Glücksfall für diese Ausstellung war, dass der Nachlass Ernst Jandls im Rahmen des „Ludwig Boltzmann Instituts für Geschichte und Theorie der Biographie“ zum Ausgangspunkt intensiver, auch theoretischer Auseinandersetzungen zu Fragen von Leben und Werk und zum Zusammenspiel verschiedener biographischer Rollen wurde. Worüber hier nachgedacht wurde, das findet auf der Bühne des Wien Museums und in diesem Band seinen Niederschlag. „wir jeder wünschen allen alles gute“ (Ernst Jandl: „glückwunsch“).

Ernst Jandl and the Neighbours, 5. Darmstädter Jazzforum, Sprache und Jazz, Darmstadt, 23.10.1997 Foto: Matthias Creutziger

* Die DVD ist während der Dauer der Ausstellung im Wien Museum und im Literaturhaus Berlin erhältlich, danach zu beziehen unter http://gtb.lbg.ac.at oder http://www.zonemedia.at

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Bernhard Fetz Zur Biographie einer Stimme. Der Schreib-Alltag des Dichters Ernst Jandl Dichten – wie überhaupt jede künstlerische Aktivität – kann keine Nebenbeschäftigung, auch keine Hauptbeschäftigung, sondern nur eine Lebensweise sein. [...] Dichten ist Leben, nicht Kommentar. Notizen zu Übersetzungen von T. S. Eliot, 19531 Wovon also ließe sich berichten? Einzig doch von Gedichten, solange sie nicht daran gehen, ihren Autor in Stücke zu reißen. Autobiographische Ansätze, November 19782

„Szenen aus dem wirklichen Leben“

Menschen, die berühmten Menschen zu deren Lebzeiten begegnet sind, erzählen später gerne Anekdoten. Anekdoten gewinnen im Lauf der Zeit ein Eigenleben und besitzen deshalb einen schlechten Ruf als biographische Wahrheitsvermittler. Aber die Anekdote ist besser als ihr Ruf, erlaubt sie es doch manchmal, in die „Kontaktzone“ zwischen Literatur und Alltag zu gelangen, „zu dem Ort, an dem die Dinge wirklich geschehen, zur Sphäre der Praxis, die selbst in ihren unbeholfensten und unangemessensten Artikulationen einen Anspruch auf Wahrheit erheben kann, dem sich gerade die beredsamsten unter den literarischen Texten verschließen“.3 Die folgende Anekdote handelt von etwas Alltäglichem, das vielen von uns vertraut ist – von der Korrespondenz, von den anwachsenden Papierbergen, die irgendwie bewältigt sein wollen: Im Dialog mit der Schriftstellerin und jahrzehntelangen Lebensgefährtin Ernst Jandl: Zeichnung, o.T., 1981 ÖNB, LIT, Nachlass Ernst Jandl

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Friederike Mayröcker stöhnte Ernst Jandl einmal, die Post sei die ‚Hölle‘; was von Friederike Mayröcker als zu starker Ausdruck zurückgewiesen wurde, der Begriff ‚Hölle‘ sei für anderes reserviert, sie denke da an religiöse Bedeutungen oder an wirklich schlimme Dinge. Darauf folgte ein kurzer Dialogkampf zur Begriffsbestimmung, geführt im Vorzimmer der Jandl’schen Wohnung, buchstäblich zwischen Tür und Angel. Schließlich lenkte Ernst Jandl ein: Dann sei die Post eben nicht die ‚Hölle‘, sondern die ‚Vorhölle‘. An dieser kleinen Szene lässt sich mehreres ablesen: Einmal Ernst Jandls unvergleichliche Präzision im sprachlichen Ausdruck; seine Bemerkungen zur eigenen dichterischen Praxis oder auch zum Werk von anderen sind von einer immer wieder staunen machenden Klarheit. Bloßes rhetorisches Dekor ist hier nichts, überflüssig ist wie in den Gedichten kein einziges Wort. Diese Anekdote zeigt außerdem, wie „einfach kompliziert“ unser aller Existenz ist, wie schwierig, wie prekär eine Dichterexistenz sein kann. In den geglückten Momenten, dann wenn ein Gedicht entsteht, wenn es schließlich da ist, ist der Alltag für Momente sistiert, tut sich über der Vorhölle ein weiter Himmel auf. In einem unveröffentlichten Text, der der amerikanischen Dichterin Gertrude Stein gewidmet ist, die Jandl verehrt hat und deren Einfluss auf sein Schreiben kaum zu überschätzen ist, bringt er den Kampf zwischen Dichterhimmel und Alltagshölle auf den Punkt: „ich erfahre, in gertrude stein, die abwerfung des leibes, nämlich in ihrer sprache, also in dem, was sie schreibt. es ist und bleibt ein kampf; aber hier, bei ihr, und bei einigen anderen, um frauen zu nennen: bei virginia woolf und friederike mayröcker ist es ein kampf in verbindung mit einem glauben: dass etwas von uns etwas anderes als körper ist, etwas anderes als ein fressendes, kopulierendes, defäkierendes.“4 Wahrscheinlich kein anderer Dichter hat auf so vollkommene Weise die Begriffe sprachliches Experiment, Alltag und Existenz in Einklang gebracht, gerade indem der Kampf zwischen den Sphären zum Thema wird. Ab den späten 1960er Jahren avancierte Jandl zu einem der wichtigsten Vertreter moderner Poesie, der auch deshalb so erfolgreich war, weil er zwischen dem Experiment und anderen Schreibformen keinen Widerspruch sah. Nie verstand sich Jandl als puristischer Vertreter einer so genannten „konkreten Poesie“. Elfriede Gerstl, die Randgängerin unter den vornehmlich männlichen Protagonisten der österreichischen experimentellen Literatur der 1950er und 1960er Jahre, nennt verallgemeinerbare Gründe für die anhaltende Wirkung der Jandl’schen Gedichte: „Die besondere Nähe zu Jandls Gedichten und meine Sympathie für sie erkläre ich mir unter anderem mit seiner Beachtung trivialer Alltagserfahrung, seiner traurigen Lustigkeit, seiner Selbstironie, seinem Blick für Komik und für soziales Unrecht, eine Besonderheit unter den mit der Sprache als Material arbeitenden Autoren.“5 „Form ist Erfahrung“6 – in diesem Jandl’schen Diktum steckt beides: die kritische Reflexion der vorhandenen sprachlichen Formeln und Methoden zur Weltbeschreibung und das Pochen auf den Stellenwert subjektiven Empfindens. Das programmatische Gedicht „inhalt“ bringt es auf den Punkt: „um ein gedicht zu machen / habe ich nichts“; dieses „nichts“ aber enthält alles: „eine ganze sprache / ein ganzes leben / ein ganzes denken / ein ganzes erinnern“.7 Ernst Jandls Texte treffen die äußersten Punkte der menschlichen Existenz, sie tasten sich dahin vor, wo sich gerade noch etwas sagen lässt, bevor das Schweigen beginnt, sie tun dies aber ohne falsches lyrisches Pathos, ohne tiefsinnig sein zu wollen, und ohne jemals Gefahr zu laufen, lediglich eine formale Vorgabe zu erfüllen. Darin ist auch ein antielitäres Moment enthalten. Ernst Jandl wollte ein Dichter „für alle“ sein,

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ohne in seinen Gedichten aber jemals Konzessionen an den Publikumsgeschmack zu machen. Der arrogante Gestus des Bohemiens, der die Masse verachtet, weil sie nichts von Kunst versteht und weil sie in ihre mickrigen kleinbürgerlichen Existenzen verstrickt ist, lag Jandl nicht. Er war ein Lehrer, der ein Dichter war, ein Dichter, der die Ausdrucksformen lyrischen Sprechens bedeutend erweiterte und die alltägliche Sprache lyrikfähig machte, zum Beispiel in seiner „heruntergekommenen“ Sprache, einer Kunstsprache in Infinitiven, angelehnt an das Deutsch der ArbeitsmigrantInnen. Die Schönheit der lyrischen Sprache hat nichts zu tun mit der klassischen Schönheit ‚großer‘ Kunst. „wirklich schön“ heißt ein Friederike Mayröcker gewidmetes Gedicht. Es ‚handelt‘ davon, dass das Einfache und das Komplizierte nicht ohne das jeweils andere zu haben sind und dass Schönheit auch ein sozialer Begriff ist: „einfachheit macht das komplizierte schön, who knows kompliziertheit macht das einfache schön, who knows einfach kompliziert sein ist vielleicht weniger schön einfach einfach sein ist vielleicht auch nicht so schön […]“ (PW 9, 14) „wirklich schön“ wäre, so der Schluss des Gedichts, wenn jeder den anderen mit seinen Vorlieben gelten ließe, „und sich selber auch, das allein / wäre dann erst wirklich schön“. Nur Jandl gelingt es, ein Liebesgedicht zu schreiben, das den programmatisch und nüchtern klingenden Titel „beschreibung eines gedichtes“ trägt (PW 8, 176) und das trotzdem ein vollkommenes Liebesgedicht ist. Ein Liebesgedicht, das ausdrückt, wie weit der lyrische Ausdruck reichen kann, nämlich bis zum Atmen bei geschlossenem Mund durch die Nase bei gleichzeitigem stummen Sprechen jenes Satzes, der verbraucht ist wie kein anderer: „ich liebe dich“. „so daß jedes einziehen der luft durch die nase / sich deckt mit diesem satz / jedes ausstoßen der luft durch die nase / und das ruhige sich heben / und senken der brust /“; so wie sich auch die Silben im lyrischen Vers heben und senken. Ein anderes Gedicht wiederum drückt einen Wunsch aus, der ein frommer Wunsch sein mag, der zum Repertoire der von uns allen gebrauchten alltäglichen Floskeln gehört, nämlich den Wunsch, dass es den anderen gut gehen möge. Das Gedicht „glückwunsch“ (PW 8, 31) radikalisiert die Floskel, öffnet sie für einen zentralen Aspekt menschlicher Erfahrung, die Zufügung von körperlichem Schmerz, wovon wir hoffen, verschont zu bleiben: „wir alle wünschen jedem alles gute: / daß der gezielte schlag ihn just verfehle“. In ihrem Requiem für Ernst Jandl schreibt Friederike Mayröcker über eine Gedichtzeile des vor kurzem gestorbenen Gefährten so vieler Jahre, dass diese die „verdammenswürdige, die entwürdigende Vergänglichkeit und Endlichkeit unseres Lebens“ ausdrücke.8 Die Zeile lautet: „mütterchen steht nicht am herd“: „in der küche ist es kalt / ist jetzt strenger winter halt / mütterchen steht nicht am herd / und mich fröstelt wie ein pferd“. (PW 9, 42) Der Vergänglichkeit und Endlichkeit unserer Existenz Ausdruck verleihen – das tun viele Gedichte. Sie sind einzigartig in der Art und Weise, wie sich das autobiographische Material in der Jandl’schen Sprachkunst öffnet und verwandelt, wie sich das Eigene des Dichters zum All-gemeinen im buchstäblichen Sinn des Wortes weitet: zum Alltagsstenogramm, aber auch zum Glaubensbekenntnis – „ich klebe an gott dem allmächtigen vater / schöpfer himmels und aller verderbnis“9, bis hin zur apokalyptischen Vision. Mit einer Schonungslosigkeit, die in der deutschsprachigen Lyrik der Gegenwart einzigartig ist, hat sich Jandl in seinen späten Gedichtbänden der Frage nach den letzten Dingen in der Doppelbedeutung des Wortes gestellt.

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Jandls späte sprachliche Selbstporträts zeigen den Alltag in all seiner Schäbigkeit, sie führen den Körper in verstörenden Verfallszuständen vor – und doch sind sie schön: Zum Beispiel das Gedicht „alternder dichter“: „ach wie klein ich geworden bin / […] ich bin sehr in mich zusammengesunken / mir ist so bang“. (PW 9, 27) Die späten Gedichte sprechen von biographischen Brüchen, von körperlichen Gebrechen, vom Elend der Existenz in diskontinuierlichen sprachlichen Formen, die aber auch Momente höchster Eindringlichkeit kennen. Dabei verfügte Jandl über sprachlichen Witz und Sinn für die absurde Komik der menschlichen Existenz wie kaum ein anderer Dichter, wofür ihn sein Publikum, darunter auch viele Kinder, bis heute liebt. Ernst Jandl konnte ein o-Gedicht wie „ottos mops“ (ottos mops „trotzt“, „hopst“, „klopft“, „kotzt“ usw.) schreiben, einer seiner ‚lustigen‘ Klassiker, und er konnte Gedichte schreiben wie jene im Band idyllen, dessen Titel Bilder romantischer Literatur und Kunst evoziert, um dieses „schöne bild“ (so ein anderer Gedichttitel) zurechtzurücken, seine nicht mehr schöne Kehrseite zu zeigen: Zweifel an der Dichtkunst, Zweifel an der Integrität der menschlichen Gestalt (der Maler Francis Bacon gehörte zu Jandls Lieblingsmalern), Zweifel an den Verheißungen der christlichen Religion. Raum unbegrenzter (Lebens-)Möglichkeiten zu sein, das ist eines der schönsten Privilege der Literatur; auch noch da, wo dieser Raum wie in Ernst Jandls Stück Aus der Fremde eher ein Zwangsraum ist als ein Raum der Freiheit. Das Stück, das er schreibe, so der Schriftsteller im Stück, sei einfach „alltagsdreck / chronik der laufenden ereignislosigkeit“. (PW 10, 220) Bei allen Vorbehalten gegenüber biographischen Kurzschlüssen gleichen wir als LeserInnen trotzdem oft verschämten Detektiven auf der Suche nach biographischen Fundstücken. Zumal bei einem Stück, das zwar Aus der Fremde heißt und extreme formale Distanzierung praktiziert, aber doch so unübersehbar vom Alltag eines Schriftstellers handelt, der Ernst Jandl zu sein die Aufführungspraxis des Stückes zumindest am Anfang suggerierte. Ich bin nicht durch eine Theatertür in das Stück Aus der Fremde getreten, sondern als Literaturwissenschaftler und Archivar durch Ernst Jandls Wohnungstür, aus Anlass der Übernahme seines zuerst Vor- und dann Nachlasses; dabei hatte ich sehr stark das Gefühl, mitten in eine mir vertraute Fremde geraten zu sein. Die Verwandlung von Lebensspuren und literarischen Entwürfen in ein Ernst Jandl-Archiv war stark von kreisenden, stockenden Momenten gekennzeichnet, wie sie auch die ästhetische Anlage des mit autobiographischem Lebensmaterial arbeitenden Stückes auszeichnen. Es war quasi eine Übernahme im Konjunktiv. Ein Beispiel für ein im Nachlass überliefertes Lebens-Dokument ist eine Einkaufsliste; auf ihr sind immer bereitzuhaltende Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs verzeichnet. Herausgelöst aus dem ursprünglichen Lebenszusammenhang und zu einem Objekt in einem Archiv bzw. in einer Ausstellung geworden, wirkt sie so, als ob ihr Platz auch im Bühnenbild einer Aufführung von Aus der Fremde sein könnte. Die unschuldige Einkaufsliste besitzt neben ihrer Scharnierfunktion zwischen Leben und Werk aber vor allem Aussagewert in Hinblick auf die eminente Bedeutung von Listen und Aufzählungen in der avantgardistischen Literatur ganz allgemein.10 Das Misstrauen gegenüber Begriffen wie ‚Ganzheit‘, ‚Totalität‘ und ‚Werk‘ gehört zu den Grundhaltungen der Avantgarde. Dadurch weitet sich ausgehend von einem scheinbar unbedeutenden Dokument der Horizont, vor dem das Individuum sich abzeichnet. Wie im Falle der Post, die die ‚Hölle‘ oder die ‚Vorhölle‘ ist, wird auch an der im Hinblick auf das Stück mit literarischer Energie aufgeladenen Einkaufsliste auf Ernst Jandls Kühlschrank, 1990er Jahre ÖNB, LIT, Nachlass Ernst Jandl

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Einkaufsliste der Kampf zwischen Alltag und Existenz in der ganzen metaphysischen und philosophischen Schwere dieser Begriffe deutlich – eine Kontaktzone zwischen Leben und Werk als permanente Konfliktzone, die Jandls Spätwerk bestimmt. Viele der späten Gedichte bewegen sich entlang solch biographisch-literarischer Bruchlinien und stehen in ihrer Radikalität in der Lyrik nach 1945 ziemlich einzigartig da. Die Ablage der Jandl’schen Korrespondenz löste sich mit den Jahren zusehends auf, sie wuchs sich zum täglichen Kampf mit einem unüberwindbaren Gegner aus: „daß er nicht längst erstickt sei / an briefen / ihm ins maul gestopft“, heißt es im Stück Aus der Fremde. (PW 10, 241) Und tatsächlich: Die Fülle an Zusendungen, an Anfragen, an Bitten um Stellungnahme zu den Texten anderer, die Einladungen und Aufforderungen zur öffentlichen Meinungsäußerung waren beängstigend. Ernst Jandl war in späteren Jahren nur mehr teilweise Herr seiner Korrespondenz. Sein Arbeits- und Wohnraum bis Mitte der 1970er Jahre, ein Raum knapp 20 Quadratmeter groß (die ganze Wohnung war nicht viel größer), war akkurat aufgeräumt, der Lehrer und Schriftsteller ordnete seine Briefsachen, seine Gedichte, seine Aufsätze und seine Schulunterlagen penibel. Auch die Gedichte waren ‚aufgeräumt‘; sie folgten der strengen Symmetrie experimenteller Dichtung, der genau kalkulierten Anordnung der Zeichen auf dem Papier. Ernst Jandl wusste, was er als Schriftsteller wollte und verfolgte seine Ziele mit großer Energie.Später geriet der viel größere Arbeitsraum in der Wohllebengasse im vierten Wiener Gemeindebezirk tendenziell in Auflösung, er war durchzogen von Textspuren aller Art, Gedichtentwürfen, geöffneten und ungeöffneten Briefsendungen. Halt gaben Listen, wie sie auch für die Gedichtproduktion von großer Bedeutung waren, Gepäcklisten, Einkaufslisten, Medikamentenlisten etc. Auch die spätere Gedichtproduktion folgte nicht mehr jenem bewussten Kalkül der früheren Jahre. Es änderte sich die Produktionslogik der Jandl’schen Gedichte: Die Bewältigung des alltäglichen Lebens war zusehends an ein weniger produktorientiertes, vielmehr an ein prozesshaftes Schreiben gebunden. Schreiben wurde mehr noch als früher zu einer Existenzform. Die späten Blätter sind durchzogen von psychodynamischen Spuren, und sie besitzen oft intermedialen Charakter: Die Schriftbilder gewinnen an Aussagekraft, manchmal gleichen sie Partituren zu Musikstücken. „Das Arbeiten an Form ist gleichzeitig eine Erfahrung. Form ist Erfahrung“, hat Ernst Jandl gemeint.11 Damit hat er nicht nur jede avancierte Poetik auf den Punkt gebracht, sondern auch in eigener Sache festgehalten, dass das Arbeiten an Gedichten oder am Stück Aus der Fremde eine Erfahrung ist, die nicht vom Leben getrennt werden kann. Irgendwo zwischen Form und Erfahrung haben auch die Nachlass-Fundstücke aus dem wirklichen Leben ihren Platz. Inserat Ernst Jandls, August 1975 ÖNB, LIT, Nachlass Ernst Jandl

Ernst Jandl in seiner Wohnung in der Wohllebengasse im vierten Wiener Gemeindebezirk, wo er ab 1975 wohnte Foto: Bodo Hell

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Anders als andere Autoren ist Ernst Jandl über Vorsätze zu einem Tagebuch nicht hinausgekommen. Diese Art der oft mit Blick auf die Nachwelt geschriebenen literarisierten Lebensaufzeichnungen war nicht seine Sache. Als Tagebuchersatz dienten ihm ab Mitte der 1970er Jahre so genannte „Tageszettel“. Das sind mit Datum und oft auch Uhrzeit versehene Wortlisten, die von großem faktualem Wert sind, was die Rekonstruktion des Alltags eines Schriftstellers anbelangt. Sie sind der Rohstoff, aus dem das sprachliche Ereignis, das Aus der Fremde heißt – die extrem verfremdete Sprechoper aus dem eigenen, gefährdeten Leben – entstand. Die Tageszettel dokumentieren den Alltag eines Dichters zwischen Haushalt, Dichterlesungen und sozialen Verpflichtungen. Am Ende des Tages oder – seltener – ganz am Anfang steht oft ein Name: Friederike Mayröcker. Am 4. November 1995 zum Beispiel notierte Jandl als eine der Agenden des Tages: „Schuhe a) Kontrolle b) kaufen“, unter Hinzufügung von Markennamen und einem möglichen Ort für den Einkauf; unter dem Datum „Mi, 4.3.98“ findet sich folgender Eintrag: „13 – 1330 Eier, Wurst, Obst [...] Rasierwasser.“ Die Tageszettel vom Sommer 1990 zeigen die Regelmäßigkeit eines Tagesablaufes zumindest als Wille und Vorstellung auf dem Papier zwischen „Post“, „einkaufen“, „Briefe“, „div. Zimmerordnung“, „Hose nähen“, „Plan für morgen“, „Wochenplan“ – und, immer wieder: „1 h Ged.“: als Selbstvorgabe einer Maßeinheit für das Verfassen neuer Gedichte. Die Tageszettel stellen so etwas wie das missing link zwischen Leben und Werk dar; allerdings dürfen sie nicht wörtlich genommen werden, als minutiöse Verzeichnung dessen, was an einem Tag passiert ist. Denn sie sind eben oft mehr Wille zur Ordnung als diese Ordnung selbst. Was es bedeutet, wenn sich neben dem Eintrag „1 h Ged.“ ein Haken findet, der die erfolgreiche Erfüllung des Plansolls anzeigt, bleibt für immer eine unbeantwortbare Frage. Ernst Jandl hat das Schreiben einer Autobiographie, das chronologische Erzählen mit seinen teleologischen Effekten nie interessiert. Wohl aber sieht sich Jandl als „Schreiber von Literatur mit autobiographischen Zügen“; als solcher verwendet er „Inhalte seines eigenen Lebens, um daraus alles andere zu machen nur nicht Autobiographie“.12 Das ist das eine. Das andere ist eine Disposition, eine Haltung des experimentellen Künstlers zum eigenen Leben, die den Lebensstoff einer verfremdenden Wahrnehmung unterzieht. Es gibt Schriftsteller, die im Verhältnis zur Welt und zu sich selbst Erzähler sind, und solche, die das nicht sind. Ernst Jandl war kein Erzähler; oder er war ein Erzähler anderer Art. Das Epische lag ihm nie besonders, von seiner Liebe für Kriminalromane einmal abgesehen. Die „Kürze Ernst Jandl: „a musical present“, handschriftliches Konzeptblatt, wahrscheinlich Anfang der 1990er Jahre

Ernst Jandl: Tageszettel vom 25. Juli 1990 ÖNB, LIT, Nachlass Ernst Jandl

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des Lebens“ verlangt nach einer Kürze der Darstellung. Mit den kürzeren Formen ist die Hoffnung verbunden, dass möglichst wenig an Lebensinhalten im Schreiben verdampfe.13 „[...] ach ich habe derart mein Leben mit Schreiben verloren, aber andererseits war es vielleicht das beste was ich hatte tun können“, schreibt Friederike Mayröcker in ihrem am direktesten autobiographischen Buch Und ich schüttelte einen Liebling.14 Das Schreiben zehrt die Lebensinhalte auf, und es stellt das Energiereservoir bereit, aus dem erst sich Lebenserfahrung schöpfen lässt.

„ich schreie mich frei“

Ernst Jandls Mutter Luise schrieb in den 1930er Jahren religiöse Gedichte und erzog ihre Kinder in einem streng verstandenen christlichen Glauben. Bis zu seinem Tod setzte sich Jandl mit der Mutterreligion und mit der Gestalt seiner Mutter, die bereits 1940 starb, auseinander. Kaum ein Gedicht drückt dies eindringlicher aus als „der schrei“: „ich habe meine mutter durchlocht / als ich herauskam, oh welcher schrei“; die letzte Verszeile lautet: „davon bin ich nie gesundet“. (PW 10, 21) Die Um-Schreibung religiöser Formeln und Formen (der Litanei, des Gebets, des Glaubensbekenntnisses), ohne die Preisgabe von deren metaphysischem, beunruhigendem Gehalt, ist ein weiteres zentrales Element der Jandl’schen Dichtkunst. In vielen Gedichten drückt sich der Wunsch aus, über den Anschluss an das Kindheits-Ich eine Identität zu gewinnen, die jenseits von psychologischen, sozialen oder auch von künstlerischen Prägungen liegt: „Diese Texte, ich meine das ‚Ave Maria‘ und das ‚Vater unser‘, haben eine magische Kraft gehabt für den kleinen Jungen, der ich einmal war. Ich lasse das Wort magisch beiseite, weil es in die Irre führen kann, aber an der Kraft, die in diesen fixen Formulierungen liegen kann, gibt es keinen Zweifel.“15 – Eine Kraft, die sich mit dem Schreiben von Gedichten verbindet. „Ein wünschenswerter Zustand wäre: ‚Am Ende war das Wort und das Wort war bei Gott usw.‘.“ „Entschuldigen Sie, ich bin aber kein Prediger, das ist entsetzlich“, fügt Jandl in diesem Interview dem eben zitierten Satz hinzu.16 Der an das (Gedicht-)Wort gerichtete Wunsch geht über ein mit Understatement vorgetragenes Statement aus dem Jahr 1970 zur eigenen Produktion von Kunst hinaus: „denn was mich wirklich interessiert, ist weniger das woraus es gemacht wird als dass es eine sache ist die gemacht wird damit man sie herzeigen kann, und die die leute anschauen und über die sich die einen freuen und die anderen ärgern, und die zu nichts sonst da ist.“17 Der Bogen der Ausdrucksformen der zwischen Anfang der 1940er Jahre und Jandls Tod am 9. Juni 2000 entstandenen Texte ist aufs Äußerste gespannt. Die Gedichte in Jandls erstem Gedichtband Andere Augen entstanden zwischen 1952 und 1955; sie drücken in einfachen Sprachformen einen Nachkriegsalltag aus, in dem der Krieg noch anwesend ist. Es sind Momentaufnahmen, an vertraute Wiener Orte gebundene Verse, an Bertolt Brecht und Gottfried Benn geschulte Versuche, die Jandls lyrischen Ton zu dieser Zeit bestimmen. Aber bereits in diesen wunderbar ‚einfachen‘ Gedichten geht es um ein anderes lyrisches Sehen und Sprechen: „Andere Augen müssen den Menschen / andere Augen die Blume ansehn“. (PW 1, 51) Zwischen dem Erscheinen von Andere Augen und der erst zehn Jahre später erfolgten Veröffentlichung von Laut und Luise im Jahr 1966, die die damals

Aus der Krimisammlung Ernst Jandls ÖNB, LIT, Nachlass Ernst Jandl

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weithin unbekannten Spielarten experimenteller Poesie vorführte – visuelle Gedichte, Sprechgedichte, Lautgedichte, experimentierende Dialektgedichte –, vollzog sich Jandls Kampf um die Anerkennung als Autor. Laut und Luise gilt als Meilenstein in der Geschichte der experimentellen Poesie. Die komplizierte Einfachheit im lyrischen Sprechen erreicht Jandl durch die Reduktion des sprachlichen Materials auf seine Bestandteile, auf die Laute und Wörter, und er erreicht sie durch den Verzicht auf verbrauchte lyrische Metaphern. Dies war nach der Korrumpierung der deutschen Sprache durch die Nazis, nach dem Missbrauch auch der klassischen Kunst die zentrale Aufgabe, vor die sich jene Autoren gestellt sahen, die nach 1945 mit neuen Formen experimentierten und sich dabei auf die Vertreter der Vorkriegsavantgarden beriefen. Wenn es auch ab Mitte der 1950er Jahre zu einer Reihe von Kontakten und Auftritten gekommen war – dieses Buch, das mit seinem Titel an Jandls Mutter Luise erinnerte und an die Emanzipation der Laute von allen Beschränkungen, war der wirkliche Durchbruch. Zwischen dem Kriegsende und dem Erscheinungsjahr von Laut und Luise liegen die Formierungsjahre nicht nur eines experimentellen Dichters, sondern auch jene der Zweiten österreichischen Republik. Als Ernst Jandl in den 1940er Jahren zu schreiben begann, bedeutete dies den Beginn einer künstlerischen Auseinandersetzung mit dem katholischen Elternhaus, dem Nationalsozialismus und der restaurativen kulturellen Atmosphäre im Nachkriegsösterreich. Sein Werk steht im Zusammenhang einer widersprüchlichen Geschichte der Befreiung von familiären, gesellschaftlichen und künstlerischen Begrenzungen. Entscheidend war die Entdeckung, über eine eigene Stimme zu verfügen. Ernst Jandls Präsenz ist eng an den Hallraum seiner Stimme gebunden. Lange vor Jandls Tod hatte diese Stimme begonnen, ein Eigenleben zu führen, das die Grenzen ihrer physisch-materiellen Existenz überstieg. Neben der Wahrnehmung des Gesichts ist es die Stimme, die unser Bild von den anderen entscheidend prägt. Mehr noch als unsere ebenfalls nicht nur naturgegebene Physiognomie ist die Stimme ein Produkt der sozialisierenden Instanzen, in Jandls Fall sind es die klassischen: Elternhaus, Schule, Kirche und Militär. Jandls frühe Jahre fielen in die Zeit von Austrofaschismus und Krieg. Aufgewachsen in einem von der Mutter gelebten und vor allem für ihren ältesten Sohn stets präsenten Katholizismus, der im austrofaschistischen Ständestaat eine enge Symbiose mit der staatlichen Autorität einging, bedeutete der Tod der Mutter 1940 ein traumatisches Erlebnis und zugleich ein Gefühl der Befreiung. Die jahrelange schwere Krankheit der Mutter und die daraus resultierende physische und psychische Belastung, die ihre heranwachsenden drei Söhne zu steter Rücksichtnahme verpflichtete, hat vor allem für den Ältesten zu einer schwierigen, ambivalenten Gefühlslage geführt. Ohne sich entwickeln zu können, wurde das durch die Pubertät verstärkte Gefühl, nun befreiter leben zu können, von Militärdienst und Krieg okkupiert. Andere Stimmen drängten sich in den labilen Innenraum hinein. Jandl war Ohrenzeuge des Chors fanatischer Stimmen am 15. März 1938, als Hunderttausende Hitler auf dem Wiener Heldenplatz zujubelten und das, was euphemistisch „Anschluss“ Österreichs an Hitlerdeutschland genannt wird, vollzogen wurde. Sein berühmtestes Gedicht „wien: heldenplatz“ von 1962 ist die vierundzwanzig Jahre später erfolgte Antwort auf die alles dominierende Hitlerstimme mit den Mitteln experimenteller Poesie. Das Gedicht spricht von der „aufs bluten feilzer stimme“ und einem „hünig sprenkem stimmstummel“. (PW 2, 46) Dass der 13-Jährige im März 1938 den Aufruhr und die Gewaltsamkeit der Stimmen noch als Befreiung, als

Ernst Jandls Mutter Luise in den 1930er Jahren ÖNB, LIT, Nachlass Ernst Jandl

Ernst Jandl anlässlich seiner Firmung 1934 ÖNB, LIT, Nachlass Ernst Jandl

Titelblatt der Mütterzeitung vom Juni 1937 In dieser und anderen Zeitschriften publizierte Luise Jandl ihre Gedichte. ÖNB, LIT, Nachlass Ernst Jandl

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Zusammenbruch einer wenig geliebten Ordnung und als Erosion des Mutterregiments empfand, darauf spielt ein Abschnitt in dem gemeinsam mit Friederike Mayröcker 1969 verfassten Hörspiel Gemeinsame Kindheit an: Die Sprecher F (Frau) und M (Mann), in denen Jandl und Mayröcker wie die Taschenspielerhände in den Köpfen von Puppen stecken, führen folgenden, die biographische Episode nur andeutenden Dialog: „M: wie du dir vorstellen kannst / hat mich jede Betätigung der Stimme / F (fragend): durch die Wildnis ... / M: nein, jede extreme Betätigung der Stimme [...] F: natürlich dieses ‚Wien Heldenplatz‘“. Die Vervollständigung des Halbsatzes liefert die biographische Erklärung für die durch die extreme Betätigung von Stimmen ausgelöste Gefühlslage: M hat den Extremismus der Stimmen „begrüßt als eine Möglichkeit / der Emanzipation / F: mit 13? M: durch den Fortfall / durch den Zusammenbruch / Österreichs etc / F: beabsichtigte Unform? / M: zusammenkrachen! F: elterliche Autorität und kirchliche / M: zusammengefallen!“ (GW 3, 90f.) Und noch einen prägnanten Widerhall hat das Erlebnis der Stimmen in jenem März 1938 in Jandls Werk gefunden. Das im Februar 1957 entstandene Sprechgedicht „deutsches gedicht“ erprobt die neu gewonnenen sprachlichen Freiheiten an einem politischen Gegenstand; es ist ein politisches und ein experimentelles Gedicht, was von den für Jandl damals neben Friederike Mayröcker und dem Dichter und Chemiker Andreas Okopenko wichtigsten literarischen Bezugspersonen H. C. Artmann und Gerhard Rühm „heftig abgelehnt“ wurde: „Ich vermute, es erschien Artmann und Rühm damals nicht statthaft, im Gedicht politisch zu sein; das verstieß offenbar gegen Vorstellungen von Reinheit der Kunst. Vorstellungen, die ich selbst nie gehabt hatte.“ (PW 11, 72) Das Ich steht „eingekeilt“ im triumphierenden Jauchzen der Stimmen ringsum. In der Zusammenstellung „zungen verbrennen“ schießen der Massenmord an den Juden, die Begeisterung der Menge und die autobiographische Erinnerung an den 15. März 1938 zusammen. (PW 1, 153-172, bes. 160f.) Erst Jahre später, mit der Entdeckung der Fähigkeit, aus Sprache Gedichte machen zu können, wurde die eigene Stimme „frei, um fortan, vor mir und vor anderen, alles zu tun was ihr in den Sinn kam, ohne daß sie sich weiter der Wörter und Sätze und Gedanken besinnen mußte, von denen sie so viele Jahre gefangen gehalten worden war; sie hatte ihre eigene Art zu denken gefunden, und dazu ihre eigene Art, es hörbar zu machen“18 – so formulierte es Jandl 1975. Das endlich gewonnene Eigenleben der Stimme war ein Akt der Austreibung: Jene Stimmen elterlicher, kirchlicher, staatlicher und militärischer Autorität, von denen Jandls Heranwachsen geprägt war, konnten schließlich überwunden werden und die Stimme war frei hinzugehen, wo immer sie hinwollte. Und sie wollte vor allem hin zu Gedichten, die gesprochen sein wollten, laut und deutlich: „Mach den Mund auf! hieß es von Vater und Mutter, nicht wenn ich essen sollte, sondern um mich das deutliche Sprechen zu lehren, und so bin ich viele Jahre später zu den Sprechgedichten gelangt.“19 Die so berückend einfach scheinende Logik des biographischen Arguments macht den Dichter Ernst Jandl aus, sie ist sein Geheimnis. Denn was hat sich auf dem Lebensweg vom elterlichen Appell zum Sprechen und Schreiben der Sprechgedichte ereignet? Die Emanzipation der Stimme war ein Prozess, der vieler Anstöße von außen und vieler Impulse von innen bedurfte. Etwas aber war klar, spätestens ab Mitte der 1950er Jahre, ohne völlig bewusst zu sein: Die Stimme ging ihre eigenen Wege, ihre physische Präsenz konnte in den Dienst eines Anderen gestellt werden, was die Hypothek des Vergangenen zwar nicht zum Verschwinden brachte, aber sie entscheidend veränderte. Ernst Jandl: Zusammenstellung von Gedichten für den Gedichtband Laut und Luise, Juli 1963 ÖNB, LIT, Nachlass Ernst Jandl

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Vor allem ein Ereignis, ein Auftritt war es, der die Emanzipation der Stimme bei noch spürbarer Anwesenheit der Vergangenheitsstimmen in für Jandl triumphaler Weise zum Ausdruck brachte: Am 11. Juni 1965 ereignete sich in der Londoner Royal Albert Hall eine Lesung, die in ihrer Dimension und Strahlkraft einmalig war. Bei der als „Wholly Communion“ in die Geschichte eingegangenen, spontan organisierten Beat-Veranstaltung trat neben Stars der internationalen Poesie wie Allen Ginsberg auch Ernst Jandl auf. Es sollte für den bislang nur in Kreisen avancierter Poesie Bekannten, der weit mehr unveröffentlichte Gedichte in der Tasche hatte, als bislang veröffentlicht worden waren, der vielleicht größte Erfolg als Vortragskünstler werden. An einem kulturellen und politischen Kulminationspunkt des letzten Jahrhunderts, wenige Jahre vor 1968, gelangte vor siebentausend ZuhörerInnen, unter denen sich etwa auch die nachmalige indische Ministerpräsidentin Indira Gandhi befand, ein einzigartiges Programm mit experimenteller und politischer Poesie zur Aufführung. Jandl las als Vorletzter, vor Allen Ginsberg, dem Star des Abends. Die euphorisch enthusiastische Stimmung des jungen Publikums verdankte sich dem reichlichen Konsum von Alkohol und Drogen und sie wurde angestachelt durch die kollektive Feier von Poesie in einer Masse von Gleichgesinnten. Wie immer bei solch spontanen Manifestationen eines gemeinschaftlichen Lebensgefühls, das 1965 für viele spürbar in der Luft lag und dem die Popkultur ständig neue Nahrung gab, feuerte die Menge nicht nur die Dichter an, sondern sie feierte vor allem sich selbst. Die euphorische Grundstimmung wurde noch dadurch gesteigert, dass nach drei Stunden mit Lesungen und Performances das illuminierte Publikum auf den voraussichtlichen Höhepunkt der poetischen Kommunion wartete, den Auftritt Allen Ginsbergs; es war inzwischen fast halb elf Uhr nachts. Umso überraschender kam die überwältigende Wirkung der Jandl’schen Gedichte, vorgetragen von einem Autor aus Österreich, von dem fast niemand der Anwesenden bislang etwas gehört hatte. Offensichtlich wirkte die Mischung aus aggressivem Vortragsgestus und Sprachwitz, in Verbindung mit dem gar nicht Beatnikliken Habitus des Schriftstellers und Lehrers Jandl, zunächst verstörend. Denn wie seltsam musste ein Vortrag anmuten, der wenig mit dem bis zu diesem Zeitpunkt in der Royal Albert Hall Gehörten zu tun hatte. Hier war kein Lovesong herauszuhören, die Aggressivität nicht auf thematische Assoziationen wie einen dichterischen Protest gegen den Krieg in Vietnam zurückzuführen, die Stimme war kein Medium einer mystischen Botschaft wie in Ginsbergs gesummten, gesungenen, gemurmelten Mantras. Der Dichter und Übersetzer Alexis Lykiard schrieb über den Auftritt Jandls wenig später: „[T]he destruction of words and their conversion to a shouted, half hysterical series of sounds, seemed sinister – took on a Hitlerian aspect: the Hall became almost a Babel.“20 Für den größten Aufruhr sorgte Jandls bis zum Schreien gesteigerter Vortrag seiner „ode auf N“. In diesem Sprechgedicht sind die Buchstaben des Namens Napoleon isoliert und so umgestellt, dass sich im Vortrag jener Effekt einstellen konnte, den Alexis Lykiard als „Hitlerian aspect“ beschrieb. Am Schluss der vermeintlichen Napoleonode wurde dem Publikum klar, dass hier der Feind mit seinen eigenen Mitteln geschlagen wurde, dass Feldherrenherrlichkeit und Kriegsgeschrei durch die Dekonstruktion von Wort- und Lautgestalt attackiert wurden. Der Schweizer Autor Jürg Laederach hat einmal vom Befehl als Jandls „dominierende(m) Leitstern“ gesprochen.21 Jandl, so Laederach, „ist der einzige Mensch der Welt, der einen Witz überzeugend im Befehlston erzählen kann; und dem sowas überhaupt einfällt“.22 Jandls Geheimnis als Performer eigener und fremder Gedichte lag in der bis in die letzten

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Lautdimensionen aufrechterhaltenen Kontrolle über das eigene Sprechen. Seine Nüchternheit und Präzision, in Verbindung mit dem genau kalkulierten Witz, vermischten sich zu einem Eindruck, dem sich Jandls Publikum weder entziehen konnte noch wollte. Seine Stimme vermittelt etwas, das über die Bedeutung der Wörter hinausgeht, etwas von der Existenz ihres Trägers und etwas von der Existenz schlechthin. Ernst Jandls Gedichte stellen eine präzise Analyse von Sprache als Gewalt und als Medium von Freiheit dar. Dies und die Momente großer Einfachheit und großer Poesie machen seine Bedeutung aus. Natürlich nicht zu vergessen sein unvergleichlicher Witz.

Kunst als Realisation von Freiheit

Zurückgekehrt aus England, schrieb Ernst Jandl am 5. Juli 1965 in einem Brief an Raoul Hausmann, den legendären dadaistischen Autor: „Oh, ich bin zurückgekehrt, und sitze in Wien, wo man kaum etwas andres tun kann als sitzen, wie in einem Gefängnis, oder in einem Isolationsspital für ansteckend Kranke, und sage mir, dass England eine bessere Welt ist – Österreichs kleinbürgerliche Mentalität ist kaum erträglich, nach 6 intensiven Wochen in England. Aber man muss schließlich leben, und im Herbst werde ich wieder unterrichten, 19 Stunden Englisch die Woche, an einem Gymnasium in Wien. Die Dichtung bringt ja nichts ein.“23 Die biographische Geschichte einer Befreiung spielte sich zwischen der Enge Nachkriegsösterreichs mit seiner latenten und auch manifesten Kunstfeindlichkeit und der Weite einer internationalen avantgardistischen Bewegung ab. Leben und Schreiben Ernst Jandls vollzogen sich in der Ersten und in der Zweiten österreichischen Republik, aber auch in England, Deutschland und Amerika. Die Übersetzungen aus dem Amerikanischen – von Gertrude Stein, der intellektuellen Mutter der Jandl’schen Dichtung, des Komponisten John Cage oder des Schriftstellers Robert Creeley – trugen zur Herausformung eines Habitus bei, der den Lehrer ebenso umfasste wie den experimentellen Dichter und den gefeierten Vortragskünstler, aber auch den Literaturpolitiker (im Rahmen der Grazer Autorenversammlung) und den alle Rollen aufs Heftigste Abweisenden. Der im Spätwerk zusehends nach innen gewendete Blick auf den eigenen Körper, auf den Alltag eines Schriftstellers und auf traumatische Momente seiner Biographie korrespondiert mit einem weit ausgreifenden, lebenslangen Interesse an den Errungenschaften moderner Poesie und Kunst. Einer der faszinierendsten Aspekte in Ernst Jandls Werk ist dessen Intermedialität. Es ist weder ohne den Einfluss der verschiedenen literarischen und künstlerischen Avantgarden denkbar noch ohne den Einfluss moderner Kunst und Musik. Insbesondere die Jazzmusik gab Jandls Dichtung den Rhythmus vor, die internationale Avantgarde war ihr Spielfeld. Die verschobenen Rhythmen der Jazzmusik offenbarten etwas vom erträumten Rhythmus eines wilden Lebens, in ihrem Schoß wurde der Mann und Dichter zum Wiegenkind: Friederike Mayröcker widmete Ernst Jandl ein Gedicht mit dem Titel „doppelte szene“. Es ist ein poetisches „Erinnerungsbild“: „er / sitzt im Zimmer und schlägt / zu berstender Platten- / musik den Rhythmus / mit Kopf und Armen, vor- / wärts und rück- / wärts, wie einstmals / auf schwingendem / Schaukelpferd, das / selige Kind.“24 Musik, Rhythmus, Körper, Kindheit und Dichtung – von ihrer glücklichen Symbiose im Moment des Versunkenseins spricht dieses Gedicht. Ohne Musik im weitesten Sinne ist Ernst Jandls Leben und Schreiben nicht vorstellbar.

Z U R B I O G R A P H I E E I N E R S T I M M E . D E R S C H R E I B - A L LTA G D E S D I C H T E R S E R N S T J A N D L

Katalog_Kern.indd 24

Ernst Jandl bei seinem Auftritt in der Royal Albert Hall am 11. Juni 1965 Still aus dem von Peter Whitehead gedrehten Film Wholly Communion, London 1965

Widmung Allen Ginsbergs, die an den gemeinsamen Auftritt in der Royal Albert Hall 1965 erinnert (Ginsberg irrte sich im Datum) ÖNB, LIT, Nachlass Ernst Jandl

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05.06.20 15:31


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