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Virgilkapelle

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Michaela Kronberger

Virgilkapelle WIEN MUSEUM 171003-VK-KAT-D-RZ3.indd 3

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Vorwort Einleitung Plan Die Bauphasen Karten und Verortungen

Die Virgilkapelle 20 22 28 36 38 42 44 52 58 64 66 72 74 78

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Die Maria-Magdalena-Kapelle Ausgrabungen am Stephansplatz Restaurierung und Konservierung Das Bauwerk auf einen Blick Die Anfänge Die Auftraggeber Die Planänderung Ausmalung und Radkreuze Das Zwischengeschoß Die Gottsleichnamsbruderschaft Das Spätmittelalter Ein mysteriöser Brunnen Die Bestattungen Brand und Abbruch

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Wien im Mittelalter 82 86 90 92 96 99 104 106 108 110 114 116 120 124

Wien im Mittelalter Stadt und Herrschaft Die Stadtregierung Stadtverwaltung und Wirtschaft Die Versorgung der Stadt Die Stadt und ihre Bewohner Ein Haus in der Stadt Recht und Ordnung Soziale FĂźrsorge Die bedrohte Stadt Die wehrhafte Stadt Kirche und Religion Wissen und Bildung Leben, um zu sterben

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Bildnachweis Literatur Ausstellung, Dank, Impressum

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Vorwort

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Matti Bunzl Direktor Wien Museum

Die Virgilkapelle wurde 1973 im Zuge des U-Bahn-Baus wiederentdeckt und als Standort des Wien Museums in die U-Bahn-Station Stephansplatz integriert. Aus restauratorischen Gründen musste sie 2008 geschlossen werden. Diese Auszeit war für das Museum wie für das Publikum zwar bedauerlich, eröffnete allerdings auch Möglichkeiten: nämlich einerseits ein umfassendes konservatorisches Maßnahmenpaket für ihre Erhaltung zu entwickeln, andererseits ein kleines Museum des Mittelalters zu konzipieren. Seit der Wiedereröffnung im Dezember 2015 erzählt diese Ausstellung die Geschichte Wiens von 1200 bis 1500. Vor allem das 13. Jahrhundert – in das auch der Bau der Virgilkapelle selbst fällt – war eine Zeit rapider Expansion. Der Bauboom gründete auf dem für den englischen König Richard Löwenherz ausgezahlten Lösegeld und brachte die Erweiterung der Stadt auf die Dimensionen des heutigen ersten Bezirks. Das Stadtrecht folgte 1221. Auch die Etablierung der ersten jüdischen Gemeinde Wiens fällt in diese Zeit, so wie auch die Etablierung der Stadt als internationales Handelszentrum. Eine andere Form der Internationalisierung stellt die Virgilkapelle selbst dar. Die im Rahmen der Wiedererschließung durchgeführte Bauforschung legt nahe, dass das Gebäude ursprünglich in der Regierungszeit von Leopold VI. in Auftrag gegeben wurde. Die massiven Pfeilerkonstruktionen im Tiefgeschoß der Kapelle lassen darauf schließen, dass ein Sakralbau im Stil der frühen Gotik geplant war. Dieser in Frankreich entstandene Baustil, der im Herzogtum Österreich in jener Zeit erstmals an Prestigeobjekten erprobt wurde, hätte wohl auch hier neben dem wichtigsten Kirchenbau Wiens ein Zeichen setzen sollen. Es kam anders. Jedenfalls stellt die Fortsetzung des Baus, die vor allem unter dem letzten Babenberger Herzog Friedrich II. vorangetrieben wurde, eine Abkehr von der originären Monumentalität dar. Warum

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man sich für eine Rückorientierung auf den Stil der späten Romanik entschied, muss im Ungewissen bleiben. Die Details eines solchen baukünstlerischen Austauschs werden wohl immer im Bereich der Spekulation bleiben. Was aber außer Frage steht, ist die absolute Zentralität des Mittelalters für die Geschichte Wiens. Wenn wir heute in die Virgilkapelle hinabsteigen, begeben wir uns in eine Zeit, die Wien wie kaum eine andere geprägt hat und den Aufstieg zur Weltstadt einläutete. Das Projekt Virgilkapelle ist untrennbar mit einem Namen verbunden: Michaela Kronberger, Kuratorin für Archäologie und Geschichte bis 1500 im Wien Museum, verantwortete die Neupräsentation der Virgilkapelle. Der Neueröffnung vorangegangen ist das ambitionierte Restaurierungsprojekt, das dem Verfall der Kapelle Einhalt geboten hat. Mein großer Dank in diesem Zusammenhang gilt Elisabeth Graff und Martina Klauser, den Leiterinnen der Objektbetreuung und des Facility Management des Wien Museums. Tatkräftig unterstützt wurden sie dabei von Friedrich Dahm und seinem Team im Bundesdenkmalamt. Die Neugestaltung der Virgilkapelle und ihrer Ausstellung verdanken wir BWM Architekten, Sanja Utech, Larissa Cerny, einer großen Gruppe interdisziplinärer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie dem Team des Wien Museums. Ein zentraler Teil dieses Teams war unser ehemaliger Finanzdirektor Christian Kircher. Seine unermüdliche Arbeit hat die Umsetzung des Projekts erst möglich gemacht. Großer Dank gilt auch unseren Leihgebern, die die Ausstellung mit wertvollen Objekten bestückt haben. Dazu zählen das Archiv der Domkirche St. Stephan, die Dombauhütte St. Stephan, das Bundesdenkmalamt, die Burghauptmannschaft, VIAS – Forschungsplattform Archäologie, die Forschungsgesellschaft Wiener Stadtarchäologie und besonders die Stadtarchäologie Wien.

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Einleitung

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Michaela Kronberger Kuratorin

Der Stephansplatz war schon immer ein urbaner Knotenpunkt. Nachdem beschlossen worden war, dass die erste Wiener U-Bahn-Linie genau dieses Areal queren sollte, traf man Vorkehrungen zum Schutz der im Boden verborgenen Kulturschichten. Dabei stand besonders ein Bauwerk des Mittelalters im Fokus: die Maria-Magdalena-Kapelle. Während der Großteil des unterirdischen Verbindungsnetzes im Tunnelvortrieb entstand, tiefte man die Stationsbereiche im Tagbau ab. Dies bedeutete besonders für den Stephansplatz einen erheblichen Einschnitt in das öffentliche Leben. Davon zeugt die großartige Fotodokumentation der bald einsetzenden archäologischen Ausgrabungen, die uns die immense Baugrube vor Augen führt und die Entdeckung eines der spannendsten Gebäude Wiens nachvollziehen lässt. Denn wer hätte gedacht, dass der Untergrund Wiens im 20. Jahrhundert noch Überraschungen wie die Virgilkapelle bereithielt? Die schwierigen Erhaltungsbedingungen zogen seitdem zahlreiche Restaurierungsmaßnahmen nach sich, die nach einem folgenreichen Wassereinbruch im Jahr 2008 auch umfassende Forschungen der Restaurierungswissenschaften und die Erarbeitung eines neuen Klimakonzepts beinhielten. Die Stabilisierung des Klimas ermöglichte 2013, an eine Wiedereröffnung der Kapelle zu denken und ein museales Konzept zu erarbeiten. Dabei stand die Virgilkapelle selbst im Zentrum, die – frei von Ausstellungseinbauten – über einen Multimedia-Guide vermittelt werden sollte. Der eindrucksvolle unterirdische Raum war zwar seit seiner Entdeckung im Jahr 1972 immer wieder Objekt wissenschaftlicher Forschungen, dennoch waren viele Fragen offengeblieben. Marina Kaltenegger und Patrick Schicht führten neue bauhistorische Untersuchungen durch, wobei sie nicht nur die dankenswerterweise von Bernhard Hebert und Christoph Blesl (BDA – Abteilung für Archäologie) zur Verfügung gestellten Unterlagen und Fotografien in kriminalistischer Kleinarbeit sortierten und bewerteten, sondern auch das Bauwerk selbst beforschten. Als glücklicher

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Umstand erwies sich die Wiederauffindung der im Zuge der Grabungen geborgenen menschlichen Überreste, die von Michaela Binder anthropologisch untersucht wurden. Diese Arbeiten konnten, angereichert mit kulturhistorischen Beiträgen zur Nutzung des Gebäudekomplexes, in einer wissenschaftlichen Publikation vorgelegt werden. Nachdem ein neuer Zugang geschaffen worden war, der einen Abstieg über eine Treppe vom U-Bahn-Bereich Stephansplatz in die Tiefe der Kapelle zulässt, konnte der ehemalige Eingangsbereich für die Präsentation einer kleinen Ausstellung genutzt werden. Dafür stand dem Wien Museum ein wissenschaftliches Team zur Seite, das mit großem Einsatz sechs digitale Wissensstationen erarbeitete, die dem Publikum eigene Recherchezugänge zu vielen Themen der Stadttopografie und des Lebens im mittelalterlichen Wien bieten. Allen daran Beteiligten sei herzlich für die gute Zusammenarbeit gedankt. Die Texte von Elisabeth Graff, Reinhard H. Gruber, Marina Kaltenegger, Renate Kohn, Christoph Sonnlechner und Manuel Swatek lieferten auch die Basis für dieses Buch. Für die anschaulichen Visualisierungen im Museum zeichnen Heike Krause, Paul Mitchell, Michael Klein mit seinem Team, Martin Mosser und Bernhard Münzenmayer-Stipanits verantwortlich. Besonderer Dank gebührt Larissa Cerny, die durch ihre grafische Gestaltung aus dem engen Raum erst eine Ausstellung gezaubert hat, und Sandro Fasching, der ebenso maßgeblich am Gelingen des Projekts beteiligt war. All diese Arbeiten bilden die Grundlagen für das vorliegende Buch, das sich zur Aufgabe macht, die Virgilkapelle selbst als Bauwerk zu beschreiben und Anregungen für eine Weiterbeschäftigung mit dem mittelalterlichen Wien zu bieten. Last, but not least sei den damaligen Entscheidungsträgern im Wien Museum – Wolfgang Kos, Christian Kircher und Matti Bunzl – gedankt, die ermöglichten, die Virgilkapelle wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, und die großes Vertrauen in das Ausstellungsteam setzten.

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Siehe Seite 127

Siehe Seite 128

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Plan

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Nische 2

Westen

Nische 1

Nische 6

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Norden

Nische 3

Nische 4

Osten

Nische 5

Süden

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Die Bauphasen

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1. Viertel 13. Jahrhundert

2. Hälfte 13. Jahrhundert

vor 1230

2. Hälfte 15. Jahrhundert

vor 1246

frühes 16. Jahrhundert

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Karten und Verortungen

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Die Virgilkapelle Die Maria-Magdalena-Kapelle Ausgrabungen am Stephansplatz Restaurierung und Konservierung Das Bauwerk auf einen Blick Die Anfänge Die Auftraggeber Die Planänderung Ausmalung und Radkreuze Das Zwischengeschoß Die Gottsleichnamsbruderschaft Das Spätmittelalter Ein mysteriöser Brunnen Die Bestattungen Brand und Abbruch

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Die MariaMagdalenaKapelle

Siehe Seite 78

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Nur wenige Schritte südlich des Stephansdoms, mitten im ehemaligen „Stephansfreithof“, stand einst eine kleine, im gotischen Stil erbaute mittelalterliche Kapelle. Eine Reihe von Häusern, die vom Mesner, vom Kirchschließer, vom Barleiher und von der Domkantorei genutzt wurden, stellte die Trennlinie zwischen dem Friedhof und dem angrenzenden Stadtviertel dar. Die Maria-Magdalena-Kapelle wurde besonders ab dem frühen 14. Jahrhundert von der Schreiberzeche großzügig ausgebaut und von ihren Mitgliedern als Andachts- und Versammlungsort genutzt. Durch hohe spitzbogige Maßwerkfenster fiel Licht in den vieleckigen Chor und den Kapellenraum, der im Westen über eine Treppe betreten werden konnte. Dies war erforderlich, da die Untergeschoße der Kapelle – eines davon war die heutige Virgilkapelle – den Stephansplatz um einiges überragten. In die Tiefe konnte man über ein weiteres Portal gelangen, das um 1460 vom berühmten Baumeister Laurenz Spenning prächtig gestaltet wurde. Im späten 15. Jahrhundert entstanden im Norden und im Süden Anbauten an die Kapelle, zu denen auch ein kleiner Turm gehörte. Sanitäre Probleme führten dazu, dass der Friedhof 1732 für Bestattungen gesperrt wurde. Während einer Feierlichkeit im Herbst 1781 brach in der Maria-Magdalena-Kapelle ein Feuer aus und zerstörte sie. Danach baute man sie nicht mehr auf und verfüllte ihr Untergeschoß mit dem Bauschutt. In der Folgezeit wurde auch die dem Dom vorgelagerte Häuserzeile nach und nach abgetragen. So entstand erstmals ein großzügiger Platz vor dem Stephansdom, der eine freie Sicht auf das bedeutende Bauwerk zuließ.

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Der Stephansdom mit der Maria-Magdalena-Kapelle (rechts daneben) in der Vogelschau des Jacob Hoefnagel von 1609.

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Ausgrabungen am Stephansplatz

Siehe Seiten 74–77

Siehe Seiten 24–25

Siehe Seiten 52–57

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Das wichtigste Bauprojekt in Wien Ende der 1960er-Jahre war die U-Bahn. Als die Station am Stephansplatz geplant wurde, war dank alter Ansichten und historischer Quellen bereits bekannt, dass hier zahlreiche Relikte vergangener Zeiten im Boden verborgen sind, so auch die Reste der Maria-Magdalena-Kapelle mit einem darunterliegenden Geschoß. Von Anfang an waren Archäologen unter der Leitung von Gustav Melzer in das Baugeschehen mit eingebunden, um alle zu Tage tretenden Reste zu dokumentieren. Die Ausgrabungen begannen im Winter 1972/73 und wurden unter großem Zeitdruck in neun Monaten durchgeführt. Bald schon stieß man tatsächlich auf die Mauerstrukturen der Kapelle. Zuerst wurden der Chorbereich mit seinen charakteristischen Strebepfeilern und die ihn umgebenden Grüfte ausgegraben. Die Entdeckung der Oberseite eines Ziegelgewölbes im anschließenden Langhaus lieferte einen ersten Hinweis auf einen unterirdischen Raum. Westlich davon konnte weiter abgetieft werden, da sich auch hier im Mittelalter ein Abgang befunden hatte. Mittels Scheibtruhen, die man an einem Baugerüst befestigte, wurde aus dem verfüllten unterirdischen Raum eine Unmenge von Schutt hinausbefördert. Vollkommen überraschend war, dass erst in etwa zwölf Metern Tiefe das Bodenniveau erreicht wurde. Schließlich stand man in einem tief gelegenen Raum, der von sechs Nischen und eindrucksvollen Wandmalereien geprägt ist: die heutige Virgilkapelle. Sie zählt zu den besterhaltenen Innenräumen aus dem Mittelalter in Wien.

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Ausgrabungen im westlichen Teil der Virgilkapelle.

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Blick aus der Virgilkapelle auf St. Stephan.

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Restaurierung und Konservierung

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Die überraschende Entdeckung der Virgilkapelle stellte für den U-Bahn-Bau eine Herausforderung dar. Trotz der weit fortgeschrittenen Planung konnte die Kapelle erhalten werden, dies geschah jedoch nicht ohne Zugeständnisse. Eine der Nischen und ein Teil des aufgehenden Mauerwerks mussten aus statischen Gründen abgetragen werden. Zudem setzte zeitgleich mit der Freilegung der Virgilkapelle auch deren Verfallsprozess ein. Ihre Wände waren in verschüttetem Zustand von beiden Seiten mit feuchtem Erdreich umgeben gewesen. Durch die Freilegung waren die Wandmalereien plötzlich der Trockenheit des Raumklimas im Kapellenraum ausgesetzt. Im Erdreich enthaltene Salze traten an den Kapellenwänden aus und kristallisierten an ihren Oberflächen. Dies führte wiederum dazu, dass die Wandmalereien von Salzkrusten überzogen wurden und sich von der Wand lösten. Sogleich begann man mit Restaurierungsarbeiten, der Verfall konnte und kann aber nicht aufgehalten, sondern nur minimiert werden. In der mehr als vierzigjährigen Restaurierungsgeschichte der Virgilkapelle konzentrierte man sich außer auf die Festigung der Putzund Malschichten vor allem darauf, den Salzgehalt der Mauern zu reduzieren. Wichtig ist dabei ein stabiles Raumklima, das mittlerweile durch den Einbau einer leistungsstarken Klimaanlage gewährleistet ist. Bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von etwas unter siebzig Prozent können sich die schädlichen Salzkristalle nicht ausbilden, auch die Zerstörung der Wandmalereien kann durch regelmäßige Restaurierungen verringert werden.

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Restauratorinnen und Restauratoren im Jahr 1973 bei der Festigung und Reinigung einer teilweise freigelegten Nische mit Radkreuz.

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Nische 1 während der Freilegung.

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Die später abgebrochene Nische 1 mit der Nummerierung der Quader fßr den Wiederaufbau.

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Die wiederaufgebaute Nische 2 noch vor der Anbringung des Radkreuzes im September 1978.

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Nische 2 mit dem restaurierten Radkreuz im Jänner 2015.

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Das Radkreuz in Nische 4 während der Ausgrabung.

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Das Bauwerk auf einen Blick 36

Siehe Seiten 64–65

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Die folgende Visualisierung zeigt die Maria-Magdalena-Kapelle und ihr Untergeschoß. Zum besseren Verständnis wurden beide Bauteile getrennt dargestellt, zur Orientierung außerdem eine kleine Figur am linken Bildrand hinzugefügt, die jeweils durch dasselbe Fenster blickt. Der untere, hell eingezeichnete Bereich des Baukomplexes gibt die heute erhaltenen Teile der Virgilkapelle wieder. Die Maria-Magdalena-Kapelle auf dem Stephansfriedhof wurde in erster Linie von der Schreiberzeche genutzt. Diese angesehene Berufsvereinigung verfasste gegen Bezahlung Schriftstücke und Dokumente für die städtische Verwaltung, aber auch für Einzelpersonen. Das tiefe Untergeschoß wurde zu Beginn des 14. Jahrhunderts durch den Einbau eines Gewölbes in zwei Ebenen geteilt. Oberhalb des Gewölbes schuf man einen Raum, der eine Verbindung zum Untergeschoß des Chores der Maria-Magdalena-Kapelle erhielt. Quellen berichten, dass hier um 1310 der „Neue Karner“ als Beinhaus des Stephansfriedhofs untergebracht wurde. Darin verwahrte man die Knochen aus den aufgelassenen Gräbern des umliegenden Friedhofs. Ungefähr 180 Jahre später wurden die Gebeine wieder entfernt. Das freie Geschoß diente nun der Gottsleichnamsbruderschaft, einer religiösen Vereinigung der bürgerlichen Elite Wiens, als Andachts- und Versammlungsraum. Vor einem Altar im Osten des Choruntergeschoßes wurden auch Bestattungen vorgenommen. Die tiefer gelegene Ebene hingegen wurde im frühen 14. Jahrhundert von der angesehenen Bürgerfamilie Chrannest als private Gedenkkapelle erworben. An einem Altar für die Heiligen Virgil, Erasmus und Helena wurden über lange Zeit hinweg zahlreiche Messen gestiftet. Der heilige Virgil war für die 1972 wiederentdeckte unterirdische Kapelle namensgebend.

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Visualisierung der MariaMagdalena-Kapelle mit ihren UntergeschoĂ&#x;en.

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Die Anfänge

Nischen

Pfeiler

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Ganz zu Beginn, um das Jahr 1220, wurde direkt neben der Stephanskirche eine Baugrube für sechs massive Pfeiler ausgehoben – so tief, bis man auf eine Schotterschicht stieß. Dieser Untergrund sorgte für die größtmögliche Stabilität des Gebäudes. Um den Druck des Erdreichs abzufedern, wurden die Nischen halbrund ausgemauert. Auf diese Weise entstand ein unterirdischer Raum mit der beachtlichen Höhe von etwa zwölf Metern und einem außergewöhnlichen Grundriss. Die Pfeiler der Unterkirche hätten vielleicht ein sakrales Gebäude tragen sollen, das einer neuen architektonischen Idee, der Skelettbauweise der Gotik, entsprach. Dieser Baustil suchte nach innovativen Möglichkeiten, die Lasten von Bauwerken zu tragen. Dabei wurde das Gewicht der Wände und der Gewölbe auf die Pfeiler abgeleitet, die die Fundamente bildeten. Durch die Entlastung der Mauern konnten hohe spitzbogige Fenster eingesetzt werden, die den Kirchenraum mit Licht durchfluten sollten. Die geplante gotische Kapelle wurde jedoch nie realisiert. Wie diese Kapelle ausgesehen hätte, wissen wir nicht; einzigartig unter den zeitgleichen Bauwerken wäre sie auf jeden Fall gewesen. Ihre Fundamentpfeiler wurden nie fertiggestellt, sie enden abrupt auf halber Raumhöhe bei ca. fünf Metern. Für diese erste Bauphase besitzen wir keinerlei Hinweise, wie man in das Untergeschoß hinabsteigen konnte bzw. wofür der unterirdische Raum genutzt wurde.

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Nische 3 nach Freilegung der Fundamente.

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Der bis zum Fundament ausgegrabene Pfeiler zwischen den Nischen 6 und 1.

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Ein Grabungsmitarbeiter vermisst die HÜhe des Pfeilers zwischen den Nischen 4 und 5 während der Ausgrabung.

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Wien Museum Virgilkapelle  
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Virgilkapelle Farb- und Schwarzweißabbildungen, broschierte Ausgabe, 128 Seiten, ISBN 978-3-9504059-3-4, Erhältlich in Deutsch