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wien museum

klimt.

die sammlung des wien museums


wien museum

klimt.

die sammlung des wien museums


wien museum

klimt.

die sammlung des wien museums


Inhaltsverzeichnis

Vorwort So nahe, so fern Wolfgang Kos

Bestandskatalog der Werke Gustav Klimts im Wien Museum 6

Essays Die Klimt-Sammlung des  Wien Museums Fakten und Schlüsse Ursula Storch Höhepunkte und Raritäten Die Klimt-Zeichnungen des W   ien Museums Marian Bisanz-Prakken Sodom und Gomorrha up to date Gustav Klimts Frauenbild und das Fremde Brigitte Borchhardt-Birbaumer Der Zeit ihren Klimt Gustav Klimt im Spannungsfeld zwischen Politik und Gesellschaft Sophie Lillie

12

22

30

38

Gustav Klimts Praxis der Intervisualität Das „Klimtisieren“ in der  Wiener Secession   iener Werkstätte und in der W William M. Johnston

46

Klimt für alle Betrachtungen aus einem Jubiläumsjahr Kerstin Krenn

54

1 Kunstgewerbeschule 1877–1881

65

2 Allegorien 1882–1897

71

3 Auftragsarbeiten 1883–1898

91

4 Zuschauerraum im alten Burgtheater 1888/89

109

112

Die Gründer-Zeit im Bild Gustav Klimts Zuschauerraum im alten Burgtheater Georg Gaugusch, Sophie Lillie

5 Secession 1897–1903

133

6 Fakultätsbilder 1894/95–1903

155

7 Figurenstudien 1898–1917/18

179

8 Porträts 1883–1917/18

199

9 Akte 1897–1917

229

10 Der Kuss / Stoclet-Fries 1904–1908

267

Weitere Objekte aus der Klimt-Sammlung des Wien Museums Fotografien / Devotionalien / Souvenirs

277

Anhang Im Bestandskatalog berücksichtigte Literatur Im Bestandskatalog berücksichtigte Ausstellungen Autorinnen und Autoren Dank / Bildnachweis

296 298 300 301


Inhaltsverzeichnis

Vorwort So nahe, so fern Wolfgang Kos

Bestandskatalog der Werke Gustav Klimts im Wien Museum 6

Essays Die Klimt-Sammlung des  Wien Museums Fakten und Schlüsse Ursula Storch Höhepunkte und Raritäten Die Klimt-Zeichnungen des W   ien Museums Marian Bisanz-Prakken Sodom und Gomorrha up to date Gustav Klimts Frauenbild und das Fremde Brigitte Borchhardt-Birbaumer Der Zeit ihren Klimt Gustav Klimt im Spannungsfeld zwischen Politik und Gesellschaft Sophie Lillie

12

22

30

38

Gustav Klimts Praxis der Intervisualität Das „Klimtisieren“ in der  Wiener Secession   iener Werkstätte und in der W William M. Johnston

46

Klimt für alle Betrachtungen aus einem Jubiläumsjahr Kerstin Krenn

54

1 Kunstgewerbeschule 1877–1881

65

2 Allegorien 1882–1897

71

3 Auftragsarbeiten 1883–1898

91

4 Zuschauerraum im alten Burgtheater 1888/89

109

112

Die Gründer-Zeit im Bild Gustav Klimts Zuschauerraum im alten Burgtheater Georg Gaugusch, Sophie Lillie

5 Secession 1897–1903

133

6 Fakultätsbilder 1894/95–1903

155

7 Figurenstudien 1898–1917/18

179

8 Porträts 1883–1917/18

199

9 Akte 1897–1917

229

10 Der Kuss / Stoclet-Fries 1904–1908

267

Weitere Objekte aus der Klimt-Sammlung des Wien Museums Fotografien / Devotionalien / Souvenirs

277

Anhang Im Bestandskatalog berücksichtigte Literatur Im Bestandskatalog berücksichtigte Ausstellungen Autorinnen und Autoren Dank / Bildnachweis

296 298 300 301


So nahe, so fern

Detail aus der goldenen Kuppel der Secession als Werbesujet von WienTourismus anlässlich des Klimt-Jahres 2012

Vorwort Gustav Klimt sei ein „minor master from Vienna“.

seither entstandene österreichische Kunst über-

Habsburger-Mythos und den Topos Gemütlich-

Ein englischer Kunstkritiker schrieb das, als vor

strahlt und zum Synonym der Kulturstadt Wien

keit ideal ergänzt. Mit der Neuentdeckung der

einigen Jahren in der Tate Liverpool die erste

geworden ist? In der Ausstellung Alt Wien – Die

Edelmarke „Wien um 1900“ wurde Wiens Erinne-

„Jede Generation findet einen neuen Klimt“,

große britische Klimt-Ausstellung stattfand – nach

Stadt, die niemals war hat sich das Wien Museum

rungsfirmament vor nunmehr fast einem halben

so Klimt-Spezialist Tobias G. Natter. Das trifft

Jahrzehnten von begeistert rezipierten Klimt-

2004 mit der Wiener Rückbezüglichkeit und

Jahrhundert mit einem Hauch von Modernität an-

sicher für Spezialisten stärker zu als für das

Hochämtern in bedeutenden Museen der west-

antimodernen Vergangenheitssehnsucht befasst.

gereichert. Doch dieses „goldene Zeitalter“ des

breite Publikum. Denn dieses ist längst mit einem

lichen und fernöstlichen Welt. Erste Reak­tion:

Ein kleines Kapitel galt auch „Wien um 1900“, als

Aufbruchs, mit dem Wien seine kulturelle Welt-

Maler konfrontiert, der im Ranking der teuersten

Darf man so etwas überhaupt schreiben? Hat der

neueres Beispiel der „Alt Wien“-Nostalgie, die

bedeutung so erfolgreich behauptet, liegt weit

Bilder Österreich prächtig vertritt und dessen

österreichische Kulturattachée sein Befremden

das biedermeierliche Wien als Leitnarrativ längst

in der Vergangenheit und ist längst bedroht von

Werk sich in der populären Wahrnehmung auf

über so viel Ignoranz gegenüber ‚unserem‘

abgelöst hat. Im Wandtext hieß es: „Man ist

Entleerung durch formelhafte Nostalgisierung.

maximal 20 berühmte Gemälde reduziert – die

Weltrekordler an geeigneter Stelle deponiert?

heute stolz darauf, einst modern gewesen zu sein.“

Klimt hat heute den Status eines säkularisierten

noch dazu doppelt existieren, real in den Museen

Der provokante und fast majestätsbeleidigende

Der suggestive, betörende und werbewirksame

Stadtheiligen, sein ästhetisches Repertoire

und in permanenter Reproduktion. Man könnte

Widerspruch zum Weltgeltungsanspruch eines

Glanz des Schönen, der von Klimts Bildern

dient als Goldmine für immer neue Nutzungen.

vom Mona Lisa-Effekt sprechen: Das Bild ist so

aus Wiener Perspektive längst im Außerirdischen

ausgeht, macht Wiens großen Meister längst

Auch das Wien Museum profitiert davon.

bekannt, dass man es als Tourist im Louvre nur

positionierten Malers war mit einem interessan-

resistent gegen differenzierte Betrachtung. Wien

Klimt ist eine wichtige Währung, um in der

mehr pflichtschuldig abhakt. Speziell für Men-

ten Vergleich mit anderen Epochenkünstlern

und Klimt: eine Endlosschleife der Selbstbezüg-

Wiener Museumslandschaft Bedeutung zu

schen mit avanciertem Kunstinteresse ist Klimt

wie Picasso und Kandinsky gekoppelt: Während

lichkeit und der Affirmation. Der Prozess der

messen. Das ist auch an der Zahl von Leihanfra-

ein Phänomen, das man eher ignoriert: „Für mich

diese zur gleichen Zeit radikale Wege gingen

Heroisierung hat eine Stufe der Erstarrung

gen abzulesen. Ganz oben steht das Belvedere,

war Klimt immer eine besetzte Figur“, meint

und die Tür zur Moderne weit öffneten, sei Klimt

erreicht, der Masterworks-Kult und das millionen-

weil dort Ikonen wie Der Kuss hängen. Dahinter

etwa die Künstlerin Ulrike Lienbacher.

ein Künstler gewesen, der die Ästhetik des

fache Reproduzieren führten zu einer Automati-

kämpft das Leopold Museum um Rang zwei. Den

19. Jahrhunderts im Spezialbiotop Wien zwar zu

sierung der Wahrnehmung.

dritten Stockerlplatz teilen sich, um es salopp

einem grandiosen Finale steigerte, zugleich aber

zu sagen, die Albertina mit Spitzenzeichnungen

einen Endpunkt darstellte, fast ohne Impulse für künftige Neufindungen. Schon der Kunsthisto-

Sekundär

und das Wien Museum, wo sich nicht nur eines Werbeagentur Klimt

riker Werner Hofmann hatte konstatiert, dass

6

Der doppelte Klimt

der Top-Gemälde, nämlich das Porträt Emilie Flöge

Diese Verweigerungshaltung mag mit der Klimt-

befindet, sondern (im Depot) auch eine riesige

Vermarktung zu tun haben, die seit vielen Jahren

Klimt mit den radikalen Umwälzungen der Kunst

Klimt betreibt posthum eine der erfolgreichsten

Sammlung von Arbeiten auf Papier. Auf diese

für klingelnde Kassen sorgt. Denn es gibt auch

des frühen 20. Jahrhunderts nur peripher zu tun

Wiener Werbeagenturen. Das visuelle Vokabular

Sammlung, die nun präsentiert wird, werde ich

einen Sekundär-Klimt, den des Merchandising,

hatte. Im Gegensatz dazu wird in der ‚offiziellen‘

von Klimt und Jugendstil hat sich in den ver­

weiter unten genauer eingehen.

wobei Klimt-Bilder nur Rohstoff für gestalterische

österreichischen Klimt-Doktrin, die mit dem Kom-

gangenen Jahrzehnten für Wien zum effektvollen

Variationen sind. Auf Facebook führte das Wien

plex „Wien um 1900“ verzahnt ist, das Innovative

Dekor einer vielversprechenden Image-

Museum Anfang 2012 eine Umfrage unter dem

und Progressive betont.

Neu­kon­struktion stabilisiert. Für den Kultur­

Titel „Worst of Klimt“ durch. Die Beteiligung war

Was bedeutet es, wenn ein Epochenkünstler im

tourismus stellt Klimt einen viele Zielgruppen

groß, die Funde führten weit über die üblichen

Lauf eines Jahrhunderts als zeitlose Leitfigur die

einigenden Exklusivitätsfaktor dar, der den

Souvenirs hinaus: Ins Netz gestellt wurden unter 7


So nahe, so fern

Detail aus der goldenen Kuppel der Secession als Werbesujet von WienTourismus anlässlich des Klimt-Jahres 2012

Vorwort Gustav Klimt sei ein „minor master from Vienna“.

seither entstandene österreichische Kunst über-

Habsburger-Mythos und den Topos Gemütlich-

Ein englischer Kunstkritiker schrieb das, als vor

strahlt und zum Synonym der Kulturstadt Wien

keit ideal ergänzt. Mit der Neuentdeckung der

einigen Jahren in der Tate Liverpool die erste

geworden ist? In der Ausstellung Alt Wien – Die

Edelmarke „Wien um 1900“ wurde Wiens Erinne-

„Jede Generation findet einen neuen Klimt“,

große britische Klimt-Ausstellung stattfand – nach

Stadt, die niemals war hat sich das Wien Museum

rungsfirmament vor nunmehr fast einem halben

so Klimt-Spezialist Tobias G. Natter. Das trifft

Jahrzehnten von begeistert rezipierten Klimt-

2004 mit der Wiener Rückbezüglichkeit und

Jahrhundert mit einem Hauch von Modernität an-

sicher für Spezialisten stärker zu als für das

Hochämtern in bedeutenden Museen der west-

antimodernen Vergangenheitssehnsucht befasst.

gereichert. Doch dieses „goldene Zeitalter“ des

breite Publikum. Denn dieses ist längst mit einem

lichen und fernöstlichen Welt. Erste Reak­tion:

Ein kleines Kapitel galt auch „Wien um 1900“, als

Aufbruchs, mit dem Wien seine kulturelle Welt-

Maler konfrontiert, der im Ranking der teuersten

Darf man so etwas überhaupt schreiben? Hat der

neueres Beispiel der „Alt Wien“-Nostalgie, die

bedeutung so erfolgreich behauptet, liegt weit

Bilder Österreich prächtig vertritt und dessen

österreichische Kulturattachée sein Befremden

das biedermeierliche Wien als Leitnarrativ längst

in der Vergangenheit und ist längst bedroht von

Werk sich in der populären Wahrnehmung auf

über so viel Ignoranz gegenüber ‚unserem‘

abgelöst hat. Im Wandtext hieß es: „Man ist

Entleerung durch formelhafte Nostalgisierung.

maximal 20 berühmte Gemälde reduziert – die

Weltrekordler an geeigneter Stelle deponiert?

heute stolz darauf, einst modern gewesen zu sein.“

Klimt hat heute den Status eines säkularisierten

noch dazu doppelt existieren, real in den Museen

Der provokante und fast majestätsbeleidigende

Der suggestive, betörende und werbewirksame

Stadtheiligen, sein ästhetisches Repertoire

und in permanenter Reproduktion. Man könnte

Widerspruch zum Weltgeltungsanspruch eines

Glanz des Schönen, der von Klimts Bildern

dient als Goldmine für immer neue Nutzungen.

vom Mona Lisa-Effekt sprechen: Das Bild ist so

aus Wiener Perspektive längst im Außerirdischen

ausgeht, macht Wiens großen Meister längst

Auch das Wien Museum profitiert davon.

bekannt, dass man es als Tourist im Louvre nur

positionierten Malers war mit einem interessan-

resistent gegen differenzierte Betrachtung. Wien

Klimt ist eine wichtige Währung, um in der

mehr pflichtschuldig abhakt. Speziell für Men-

ten Vergleich mit anderen Epochenkünstlern

und Klimt: eine Endlosschleife der Selbstbezüg-

Wiener Museumslandschaft Bedeutung zu

schen mit avanciertem Kunstinteresse ist Klimt

wie Picasso und Kandinsky gekoppelt: Während

lichkeit und der Affirmation. Der Prozess der

messen. Das ist auch an der Zahl von Leihanfra-

ein Phänomen, das man eher ignoriert: „Für mich

diese zur gleichen Zeit radikale Wege gingen

Heroisierung hat eine Stufe der Erstarrung

gen abzulesen. Ganz oben steht das Belvedere,

war Klimt immer eine besetzte Figur“, meint

und die Tür zur Moderne weit öffneten, sei Klimt

erreicht, der Masterworks-Kult und das millionen-

weil dort Ikonen wie Der Kuss hängen. Dahinter

etwa die Künstlerin Ulrike Lienbacher.

ein Künstler gewesen, der die Ästhetik des

fache Reproduzieren führten zu einer Automati-

kämpft das Leopold Museum um Rang zwei. Den

19. Jahrhunderts im Spezialbiotop Wien zwar zu

sierung der Wahrnehmung.

dritten Stockerlplatz teilen sich, um es salopp

einem grandiosen Finale steigerte, zugleich aber

zu sagen, die Albertina mit Spitzenzeichnungen

einen Endpunkt darstellte, fast ohne Impulse für künftige Neufindungen. Schon der Kunsthisto-

Sekundär

und das Wien Museum, wo sich nicht nur eines Werbeagentur Klimt

riker Werner Hofmann hatte konstatiert, dass

6

Der doppelte Klimt

der Top-Gemälde, nämlich das Porträt Emilie Flöge

Diese Verweigerungshaltung mag mit der Klimt-

befindet, sondern (im Depot) auch eine riesige

Vermarktung zu tun haben, die seit vielen Jahren

Klimt mit den radikalen Umwälzungen der Kunst

Klimt betreibt posthum eine der erfolgreichsten

Sammlung von Arbeiten auf Papier. Auf diese

für klingelnde Kassen sorgt. Denn es gibt auch

des frühen 20. Jahrhunderts nur peripher zu tun

Wiener Werbeagenturen. Das visuelle Vokabular

Sammlung, die nun präsentiert wird, werde ich

einen Sekundär-Klimt, den des Merchandising,

hatte. Im Gegensatz dazu wird in der ‚offiziellen‘

von Klimt und Jugendstil hat sich in den ver­

weiter unten genauer eingehen.

wobei Klimt-Bilder nur Rohstoff für gestalterische

österreichischen Klimt-Doktrin, die mit dem Kom-

gangenen Jahrzehnten für Wien zum effektvollen

Variationen sind. Auf Facebook führte das Wien

plex „Wien um 1900“ verzahnt ist, das Innovative

Dekor einer vielversprechenden Image-

Museum Anfang 2012 eine Umfrage unter dem

und Progressive betont.

Neu­kon­struktion stabilisiert. Für den Kultur­

Titel „Worst of Klimt“ durch. Die Beteiligung war

Was bedeutet es, wenn ein Epochenkünstler im

tourismus stellt Klimt einen viele Zielgruppen

groß, die Funde führten weit über die üblichen

Lauf eines Jahrhunderts als zeitlose Leitfigur die

einigenden Exklusivitätsfaktor dar, der den

Souvenirs hinaus: Ins Netz gestellt wurden unter 7


anderem ein Smart mit Klimt-Bemalung, ein

Klimt-Sammlung der Stadt Wien (zahlenmäßig

Klimt-Sammlung des Wien Museums mit großer

Klimt-Klodeckel (kein Witz!), ein Klimt-Bade­

handelt es sich um die umfangsreichste der Welt)

Empathie auseinandersetzt. Die Ausstellungs­

anzug, ja sogar eine Klimt-Tätowierung. Kultur­

in ihrer Gesamtheit gezeigt. Neben weltberühm-

gestaltung lag bei Johann Moser (Mitarbeit:

historisch ist dieser Repro- und Retro-Klimt

ten Gemälden und Klimts zensuriertem Seces­

Sanja Utech) von BWM Architekten, die Grafik

mindestens so bedeutend für die Wirkungs­

sionsplakat, neben Totenmaske, Fotografien und

beim Büro Perndl+Co (Ausstellungsgrafik:

geschichte eines kitschtauglichen Malers wie ­die

Malerkittel, umfasst diese rund 400 Zeichnungen

Gerhard Bauer, Mitarbeit: Katharina Hetzeneder;

wissenschaftliche Rezeption. In einem Paper zur

– ein gigantisches Universum. Es handelt sich

Kataloggestaltung: Josef Perndl, Mitarbeit:

Sammlungsstrategie des Wien Museums heißt

um Blätter aus allen Schaffens­perioden, von

Aleksandra Gustin). Ihnen allen habe ich für ihr

es: „Die Transformation von Kunst und Elitekultur

der Studienzeit bis knapp vor Klimts Tod, die in

Engagement und ihr Bemühen um funktionelle

in massenhaft reproduzierte Klischees ist ein

großen zyklischen Zusammenhängen stehen. Die

und formale Präzision zu danken.

wichtiges Element der Rezeptionsgeschichte:

enorme Fülle von Skizzen, Detailstudien nach der

Mit dem Katalog liegt nun auch ein Bestands-

Wer z. B. wie das Wien Museum bedeutende

Natur, Variationen und „fertigen“ Zeichnungen

verzeichnis unserer Klimt-Sammlung vor, viele

Werke von Klimt in der Sammlung hat, ist auch

wird – in thematischen Ensembles – in dichter,

Zeichnungen werden zum ersten Mal publiziert.

für Souvenirs im Retro-Jugendstil zuständig.“

serieller Hängung präsentiert: ein flirrender

Sowohl bei der Bearbeitung des Œuvre als

Darin unterscheidet sich ein kulturgeschicht-

Strom von Momentaufnahmen, die den Arbeits­

auch bei der Umsetzung von Ausstellung

liches Stadtmuseum von Nur-Kunstmuseen.

prozess eines Künstlers spüren lassen, der

und Publikation war die Mitarbeit von Kerstin

Deshalb haben wir vor kurzem begonnen, auch

beharrlich um die ultimative Gestaltung ringt.

Krenn sehr wertvoll. Allen Katalogautorinnen

klimtisierte Produkte als Zeitdokumente zu

Bewertungen relativieren sich, das Außerordent-

und -autoren danke ich für ihre Textbeiträge,

sammeln. Einiges davon wird in der Ausstellung

liche erscheint als Destillat des Kontinuierlichen.

die wesentliche Neuinterpretationen zum Werk

zu sehen sein, ebenso wie Beispiele der „Worst

Die von der Kuratorin Ursula Storch mit dem

Gustav Klimts und seiner Rezeption enthalten.

of Klimt“-Umfrage.

Architekturbüro BWM entwickelte, konsequent

Wichtige Unterstützung bei den Medienstationen

Vielleicht ist der neue Blick auf Klimt einer, der

unhierarchische Installation (mit subtiler Hervor-

kam von Ralph Gleis. Mein Dank gilt auch

von der Popularität des Künstlers ausgeht, waren

hebung von exzeptionellen Einzelblättern) ist, das

Isabelle Exinger-Lang (Produktionsleitung)

doch Gefälligkeit und Nähe zum Kitsch schon zu

ist uns bewusst, auch ein riskantes Spiel mit der

sowie Andreas Gruber und Alexandra Moser

dessen Lebenszeit ein Faktor des Erfolgs. Damit

Aura eines Künstlers, von dem selbst flüchtigste

(Papierrestaurierung).

erscheint Klimt zunehmend als Pop-Künstler,

Skizzen als Meisterblätter auktioniert werden.

Ergänzt wird die Ausstellung durch eine Plakat­

durchaus vergleichbar mit Andy Warhol oder

Dazu kommen Video-Zuspielungen, die nicht nur

präsentation der Wienbibliothek im Rathaus

Keith Haring. Aber es gibt auch eine ernsthafte

die Geschichte der Sammlung darstellen, son-

im Atrium des Wien Museums (Konzept:

Brücke zwischen Gegenwartskunst und dem

dern auch als „diskursive Kommentare“ gedacht

Julia König, Sylvia Mattl-Wurm): nachgezeichnet

goldenen Klimt, nämlich ein neues Interesse für

sind – mit Statements zum Klimt-Overkill und zur

wird einerseits die Geschichte der Klimt-

das Ornamental-Dekorative.

Bedeutung von Klimt für den Wien-Tourismus

Ausstellung­en, andererseits der Image-Transfer

beziehungsweise zum ambivalenten Frauenbild

zwischen Klimt-Motivik und Produkt- und

des Künstlers, von dem ja eine große Zahl von

Tourismuswerbung.

Die Sammlung des Wien Museums

zum Teil explizit erotischen Zeichnungen in der Sammlung vertreten sind.

Fast alle Wiener Museen nutzen das Jahr 2012, in

Damit korrespondieren „Klimt-Streitgespräche“

Wolfgang Kos

dem sich Klimts Geburtstag zum 150. Mal jährt,

im Rahmenprogramm, eines mit dem Titel

Direktor Wien Museum

dazu, ihre Klimt-Bestände in die Auslage zu

„Frauenbild von vorgestern?“, eines zum Thema

stellen. Das bietet die Chance, neben den kano­

„Überdosis Klimt – Eine Gefahr für Wien“.

nisierten Glanzstücken auch weniger Bekanntes

Dazu passt eine Überschrift, die sich kürzlich in

zu sehen. Aus den unterschiedlichen Ansätzen

der Presse fand: „Ist Klimt noch zu retten?“

und Modi der Präsentation sollten sich überraschende Perspektiven und erhellende Differenzierungen im Umgang mit einem Starkünstler

Dank Klimt

ergeben, der darunter leidet, dass man ihn zu

8

gut zu kennen glaubt.

Für Idee und Kuratierung dieser Ausstellung, die

Das Wien Museum entschloss sich zu einer

auch für das Museum selbst einen Kernbestand

Radikalmaßnahme: Erstmals wird die von vielen

endlich sichtbar macht, habe ich Ursula Storch

Gastauftritten in Museen in aller Welt bekannte

zu danken, die sich seit vielen Jahren mit der 9


anderem ein Smart mit Klimt-Bemalung, ein

Klimt-Sammlung der Stadt Wien (zahlenmäßig

Klimt-Sammlung des Wien Museums mit großer

Klimt-Klodeckel (kein Witz!), ein Klimt-Bade­

handelt es sich um die umfangsreichste der Welt)

Empathie auseinandersetzt. Die Ausstellungs­

anzug, ja sogar eine Klimt-Tätowierung. Kultur­

in ihrer Gesamtheit gezeigt. Neben weltberühm-

gestaltung lag bei Johann Moser (Mitarbeit:

historisch ist dieser Repro- und Retro-Klimt

ten Gemälden und Klimts zensuriertem Seces­

Sanja Utech) von BWM Architekten, die Grafik

mindestens so bedeutend für die Wirkungs­

sionsplakat, neben Totenmaske, Fotografien und

beim Büro Perndl+Co (Ausstellungsgrafik:

geschichte eines kitschtauglichen Malers wie ­die

Malerkittel, umfasst diese rund 400 Zeichnungen

Gerhard Bauer, Mitarbeit: Katharina Hetzeneder;

wissenschaftliche Rezeption. In einem Paper zur

– ein gigantisches Universum. Es handelt sich

Kataloggestaltung: Josef Perndl, Mitarbeit:

Sammlungsstrategie des Wien Museums heißt

um Blätter aus allen Schaffens­perioden, von

Aleksandra Gustin). Ihnen allen habe ich für ihr

es: „Die Transformation von Kunst und Elitekultur

der Studienzeit bis knapp vor Klimts Tod, die in

Engagement und ihr Bemühen um funktionelle

in massenhaft reproduzierte Klischees ist ein

großen zyklischen Zusammenhängen stehen. Die

und formale Präzision zu danken.

wichtiges Element der Rezeptionsgeschichte:

enorme Fülle von Skizzen, Detailstudien nach der

Mit dem Katalog liegt nun auch ein Bestands-

Wer z. B. wie das Wien Museum bedeutende

Natur, Variationen und „fertigen“ Zeichnungen

verzeichnis unserer Klimt-Sammlung vor, viele

Werke von Klimt in der Sammlung hat, ist auch

wird – in thematischen Ensembles – in dichter,

Zeichnungen werden zum ersten Mal publiziert.

für Souvenirs im Retro-Jugendstil zuständig.“

serieller Hängung präsentiert: ein flirrender

Sowohl bei der Bearbeitung des Œuvre als

Darin unterscheidet sich ein kulturgeschicht-

Strom von Momentaufnahmen, die den Arbeits­

auch bei der Umsetzung von Ausstellung

liches Stadtmuseum von Nur-Kunstmuseen.

prozess eines Künstlers spüren lassen, der

und Publikation war die Mitarbeit von Kerstin

Deshalb haben wir vor kurzem begonnen, auch

beharrlich um die ultimative Gestaltung ringt.

Krenn sehr wertvoll. Allen Katalogautorinnen

klimtisierte Produkte als Zeitdokumente zu

Bewertungen relativieren sich, das Außerordent-

und -autoren danke ich für ihre Textbeiträge,

sammeln. Einiges davon wird in der Ausstellung

liche erscheint als Destillat des Kontinuierlichen.

die wesentliche Neuinterpretationen zum Werk

zu sehen sein, ebenso wie Beispiele der „Worst

Die von der Kuratorin Ursula Storch mit dem

Gustav Klimts und seiner Rezeption enthalten.

of Klimt“-Umfrage.

Architekturbüro BWM entwickelte, konsequent

Wichtige Unterstützung bei den Medienstationen

Vielleicht ist der neue Blick auf Klimt einer, der

unhierarchische Installation (mit subtiler Hervor-

kam von Ralph Gleis. Mein Dank gilt auch

von der Popularität des Künstlers ausgeht, waren

hebung von exzeptionellen Einzelblättern) ist, das

Isabelle Exinger-Lang (Produktionsleitung)

doch Gefälligkeit und Nähe zum Kitsch schon zu

ist uns bewusst, auch ein riskantes Spiel mit der

sowie Andreas Gruber und Alexandra Moser

dessen Lebenszeit ein Faktor des Erfolgs. Damit

Aura eines Künstlers, von dem selbst flüchtigste

(Papierrestaurierung).

erscheint Klimt zunehmend als Pop-Künstler,

Skizzen als Meisterblätter auktioniert werden.

Ergänzt wird die Ausstellung durch eine Plakat­

durchaus vergleichbar mit Andy Warhol oder

Dazu kommen Video-Zuspielungen, die nicht nur

präsentation der Wienbibliothek im Rathaus

Keith Haring. Aber es gibt auch eine ernsthafte

die Geschichte der Sammlung darstellen, son-

im Atrium des Wien Museums (Konzept:

Brücke zwischen Gegenwartskunst und dem

dern auch als „diskursive Kommentare“ gedacht

Julia König, Sylvia Mattl-Wurm): nachgezeichnet

goldenen Klimt, nämlich ein neues Interesse für

sind – mit Statements zum Klimt-Overkill und zur

wird einerseits die Geschichte der Klimt-

das Ornamental-Dekorative.

Bedeutung von Klimt für den Wien-Tourismus

Ausstellung­en, andererseits der Image-Transfer

beziehungsweise zum ambivalenten Frauenbild

zwischen Klimt-Motivik und Produkt- und

des Künstlers, von dem ja eine große Zahl von

Tourismuswerbung.

Die Sammlung des Wien Museums

zum Teil explizit erotischen Zeichnungen in der Sammlung vertreten sind.

Fast alle Wiener Museen nutzen das Jahr 2012, in

Damit korrespondieren „Klimt-Streitgespräche“

Wolfgang Kos

dem sich Klimts Geburtstag zum 150. Mal jährt,

im Rahmenprogramm, eines mit dem Titel

Direktor Wien Museum

dazu, ihre Klimt-Bestände in die Auslage zu

„Frauenbild von vorgestern?“, eines zum Thema

stellen. Das bietet die Chance, neben den kano­

„Überdosis Klimt – Eine Gefahr für Wien“.

nisierten Glanzstücken auch weniger Bekanntes

Dazu passt eine Überschrift, die sich kürzlich in

zu sehen. Aus den unterschiedlichen Ansätzen

der Presse fand: „Ist Klimt noch zu retten?“

und Modi der Präsentation sollten sich überraschende Perspektiven und erhellende Differenzierungen im Umgang mit einem Starkünstler

Dank Klimt

ergeben, der darunter leidet, dass man ihn zu

8

gut zu kennen glaubt.

Für Idee und Kuratierung dieser Ausstellung, die

Das Wien Museum entschloss sich zu einer

auch für das Museum selbst einen Kernbestand

Radikalmaßnahme: Erstmals wird die von vielen

endlich sichtbar macht, habe ich Ursula Storch

Gastauftritten in Museen in aller Welt bekannte

zu danken, die sich seit vielen Jahren mit der 9


Essays

10

11


Essays

10

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Die Klimt-Sammlung des Wien Museums Fakten und Schlüsse

Vorlagen­werk für Künstler publiziert, das in dem

land wurde. Per Landeszuweisungsgesetz wur-

Werk Allegorien. Neue Folge 1895–1900 seine Fort-

den den Städtischen Sammlungen die Wien be-

setzung fand. Für die erste Publikation steuerte

treffenden Bilder, Pläne, Ansichten und Bücher

Gustav Klimt zwei Ölbilder und fünf Zeichnungen

des Niederösterreichischen Landesmuseums

als Vorlagen bei, für die zweite Edition ein Ölbild

übergeben. Auf der Liste der Werke bildender

und drei heute weltberühmte Zeichnungen. Nach

Kunst findet sich unter Nummer 36 ein „Damen-

einer Ausstellung aller Originalvorlagen in den

porträt, Gustav Klimt“, hinter dem sich das Porträt

5 Ohne Aktzahl, Inv.Nr. 31.813.

Festräumen des Wiener Rathauses wurde die

Emilie Flöge verbirgt, heute eines der berühmtes-

komplette Sammlung, darunter die erwähnten

ten und zweifellos das kostbarste Gemälde des

6 Zit. n. Alice Strobl: Gustav Klimt. Die Zeichnungen 1878–1918. Nachtrag, Bd. IV, Salzburg 1989, S. 48.

elf Werke Gustav Klimts, für die Städtischen

Wien Museums.9

Sammlungen angekauft.

Mit dem Ankauf der Sammlung Albert Berger

3

4

1 Ich verwende den Begriff Wien Museum, wenn von der Zeit von 2003 bis heute die Rede ist oder wenn ich aus heutiger Perspektive über die Gesamt­ geschichte der Institution spreche. Davor galt von 1939 bis 2003 die Bezeichnung Historisches Museum der Stadt Wien. Seit der Gründung 1888 bis dahin war das Museum Teil der Städtischen Sammlungen. Alle drei Bezeichnungen meinen dieselbe Institution, wie auch die gelegentlich von mir verkürzt verwendete Bezeichnung „Museum“. US 2 Widmung ohne Aktzahl, Inv.Nr. 1.693.

8 Aktzahl 453/1918, Inv.Nr. 96.032.

ins Inventar aufgenommen, und zwar sein

1. und für die 18. Ausstellung der Secession, ein-

9 Aktzahl 730/1921, Inv.Nr. 45.677.

Zuschauerraum im alten Burgtheater. In einem

schließlich der Reinzeichnung für ersteres,

Curriculum vitae von 1893 gibt Gustav Klimt über

in den Besitz des Museums.10

10 Aktzahl 1308/1928, Reinzeichnung: Inv.Nr. 116.210.

die Entstehung dieses Bildes Auskunft: „Im Jahre

1937 kam ein weiteres Damenporträt Klimts in die

würde, bietet aber zugleich Gelegenheit, im

1888 bis 89 malte ich im Auftrage des Gemeinde­

Sammlung. Es handelt sich dabei um das Bildnis

bankeinträgen zu Gustav Klimt aus, so besitzt das

Rahmen der zehn in Wien für 2012 angekündigten

rathes für das historische Museum der Stadt

einer unbekannten Dame,11 das mit dem Ankauf

Wien Museum die größte Klimt-Sammlung der

Klimt-Ausstellungen eine sehr spezielle Nische

Wien, eine Ansicht des Zuschauerraumes des

der Sammlung Dr. August Heymann – einer

Welt. Mit rund 400 Zeichnungen der „Wien um

zu besetzen, in der letztlich auch die Frage „Wie

alten Burgtheaters mit ungefähr 150 Porträts

kultur­historischen Sammlung diverser Viennen-

1900“-Künstlerikone lässt die Kunstsammlung des

viel Klimt verträgt Wien?“ gestellt werden darf.

in Aquarell und erhielt für dieses Bild auf der

sia im Umfang von mehr als 10.000 Objekten –

Wien Museums jede andere einschlägige Institu-

Zudem ergibt sich ein gewinnbringender Neben­

Jahresausstellung im Künstlerhause 1890 den da-

von der Tochter des Sammlers erworben wurde.12

tion hinter sich. Dazu kommen noch acht weitere

effekt für das Wien Museum und die Klimt-

mals gestifteten Kaiserpreis per 400 Ducaten.“ 6

Bei einer Auktion im Dorotheum am 21. März 1939

Originalwerke, Ölbilder, von denen zumindest zwei

Forschung: Erstmals wird eine Faktenanalyse zur

Zwei minutiös aquarellierte Totenbildnisse ge-

wurde die Nummer 558 „Klimt: Sappho, Ölskizze“

zu den absoluten Spitzenbildern zählen. Klimts

bestehenden Sammlung durchgeführt, die über

langten 1909 als Schenkung aus Wiener Privat-

angekauft.13 Obwohl ein Eintrag im Inventarbuch

Plakate für die Secession lassen sich aufgrund

die Ausstellung hinaus Klarheit über diverse

besitz in die Sammlung.7 Es handelt sich bei den

darauf hinweist, dass das Gemälde ursprünglich

ihrer Seltenheit ebenfalls zum Werk rechnen.

Fragestellungen bringen wird.

Dargestellten um zwei bekannte Wiener Persön-

der Bedienerin Gustav Klimts gehörte, wird diese

Als kulturhistorisches Museum besitzt das Wien

lichkeiten, den Vorstand der Direktion der Staats-

Zuschreibung mittlerweile von mehreren Fach-

Museum darüber hinaus auch eine ganze Reihe

eisenbahnbauten Julius von Lott (1836–1883)

leuten bestritten.14 Eventuell könnte es sich dabei

und den Kunsthistoriker Rudolf von Eitelberger

um eine frühe Arbeit Ernst Klimts handeln.

(1817–1885), der Gründungsdirektor des Österrei-

Die früheste Zeichnung der Sammlung, ein

Zur Geschichte der Sammlung

menhang stehen. Etwa einen seiner berühmten

12

7 Zuweisungsprotokoll 138 und 139/1909, Inv.Nrn. 33.907 und 33.908.

gelangten 1928 Klimts berühmte Plakate für die

Geht man von der effektiven Anzahl an Daten-

weiterer Objekte, die mit Gustav Klimt in Zusam-

4 Aktzahl 313/1901. Die Klimt-Werke wurden unter den Inventarnummern 25.001, 25.005, 25.007, 25.014, 25.016, 25.021, 25.022, 25.025, 25.215, 25.256 und 26.373 inventarisiert.

1907 wurde das nächste Werk von Gustav Klimt 5

Ursula Storch

3 Kunstausstellung Gerlach & Schenk, Festräume des Rathauses (Ausstellungskatalog), Wien 1901.

11 Bisher wurde angenommen, dass es sich bei der Darstellung eventuell um die Gattin des Sammlers handeln könnte. In letzter Zeit gibt es aber auch Überlegungen, die August Heymanns Schwester als Porträtierte in Betracht ziehen (vgl. Monika Sommer und Alexandra Steiner-Strauss: Gustav Klimt und Wien. Spaziergänge zu den Orten seines Wirkens, Wien 2012, S. 153-159). Da allerdings die Provenienz der einzige ikonographische Hinweis ist, bleibt die Identität der Dargestellten fürs Erste weiterhin fraglich. US 12 Aktzahl 1200/1937, Inv.Nr. 61.061. 13 Aktzahl 586/1939, Inv.Nr. 60.466. 14 In diesem Zusammenhang danke ich Marian Bisanz-Prakken, Brigitte Borchhardt-Birbaumer, Tobias G. Natter und Othmar Rychlik sehr herzlich für die diesbezüglich geführten Gespräche. US 15 Die Signatur gleicht eher den von Klimt erst ab Mitte der 1890er-Jahre verwendeten; die in der Kunstgewerbeschule entstandenen akademischen Akte Ende der 1870er-Jahre hingegen sind sehr viel konventioneller signiert. US

blauen Malerkittel, Porträtfotos, aufgenommen

Wie, so fragt man sich, kommt eine solche

chischen Museums für Kunst und Industrie sowie

(sicherlich erst später)15 signiertes Damen­porträt,

von den berühmtesten Fotografinnen und Foto-

Sammlung zustande?

der ursprünglich angeschlossenen Kunstgewer-

das Gustav Klimt 1877 im Alter von erst

grafen seiner Zeit, zwei Büsten, die ihn darstel-

Die Erwerbungen gehen auf die verschiedensten

beschule war.

15 Jahren, vermutlich nach einer Fotografie anfer-

len, seine Totenmaske, eine Zeichnung Egon

Quellen zurück und fanden im Laufe der vergan-

Knapp vor seinem Tod 1918 war Otto Wagner mit

tigte, wurde 1940 aus Privatbesitz angekauft.16

Schieles, die den verehrten Malerkollegen in der

genen 120 Jahre statt. Im Folgenden soll erst-

dem Wunsch an das Museum herangetreten, die

Zwei weitere Blätter, beide in Zusammenhang

Totenkammer des Allgemeinen Krankenhauses

mals ein chronologischer Abriss Einblick in das

komplette Einrichtung des neben seinem Atelier

mit den Fakultätsbildern entstanden, wurden bei

zeigt, sowie eine Reihe von Klimt-Souvenirs, die

Zustandekommen der aktuellen Klimt-Sammlung

gelegenen Sprechzimmers durch einen Ankauf

einer Auktion des Dorotheums Anfang November

mittlerweile und speziell 2012 aus der Produkt­

des Wien Museums ermöglichen.

für die Nachwelt zu erhalten. In der beigelegten

1942 ersteigert.17

18 Zuweisungsprotokoll 363/1944, Inv.Nrn. 74.930/1-273.

palette des Wien-Tourismus-Marketing nicht

Das Objekt mit der niedrigsten Inventarnummer,

maschinschriftlichen Inventarliste samt Preisen

„Zeichnungen von Gustav KLIMT vermache ich

19 Aktzahl 78/1947, Inv.Nr. 75.403.

mehr wegzudenken sind.

das zum Klimt-Bestand zählt, ist die Original-

führte er 93 Positionen an, unter denen die

der Gemeinde Wien.“ Mit diesem Satz aus dem

Das sogenannte Klimt-Jahr anlässlich seines

zeichnung zu einer Damenspende für den Ball

Nummer 17 mit „Klimt. Weibliche Köpfe, Hand-

Testament Franziska Klimts, der Witwe von

150. Geburtstages bietet die Möglichkeit, zum

der Stadt Wien 1892, die 1893 als Spende des

zeichnung K 250.-“ angegeben war. In Hinblick

Gustavs Bruder Georg, gelangten 1944 mit einem

ersten Mal in der Geschichte des Wien Museums 1

Gemeinderatspräsidiums in die Städtischen

auf ein geplantes Baukünstlerarchiv, das in

Schlag 273 Zeichnungen in die Sammlung des

die komplette Sammlung zum wohl international

Sammlungen gelangte. Die nächsten Klimt-Objekte wurden 1901 in die

einem Neubau des Städtischen Museums unter­

Wien Museums, das damit weltweit zur Institu­

bekanntesten österreichischen Maler zu präsen­

gebracht werden sollte, kam es nach dem Tod

tion mit den meisten Klimt-Zeichnungen wurde.18

tieren. Dieses einmalige Unternehmen eines

Sammlung aufgenommen. Der Wiener Verlag

Otto Wagners tatsächlich zu diesem Ankauf.8

Eine Studie zum Ölporträt Mäda Primavesi (um

Universalmuseums führt uns in Grenzbereiche,

Gerlach & Schenk hatte in den Jahren 1882–1884

Der nächste Zuwachs der Klimt-Sammlung

1912) wurde 1947 von der Dargestellten an das

die ein reines Kunstmuseum kaum beschreiten

unter dem Titel Allegorien & Embleme ein

erfolgte 1921, als Wien selbstständiges Bundes­

Museum verkauft.19

2

16 Aktzahl 226/1940, Inv.Nr. 66.054. 17 Aktzahl 1241/1942, Inv.Nrn. 71.506 und 71.507. Letztere wurde 2006 restituiert. Näheres dazu an späterer Stelle im Text. US

13


Die Klimt-Sammlung des Wien Museums Fakten und Schlüsse

Vorlagen­werk für Künstler publiziert, das in dem

land wurde. Per Landeszuweisungsgesetz wur-

Werk Allegorien. Neue Folge 1895–1900 seine Fort-

den den Städtischen Sammlungen die Wien be-

setzung fand. Für die erste Publikation steuerte

treffenden Bilder, Pläne, Ansichten und Bücher

Gustav Klimt zwei Ölbilder und fünf Zeichnungen

des Niederösterreichischen Landesmuseums

als Vorlagen bei, für die zweite Edition ein Ölbild

übergeben. Auf der Liste der Werke bildender

und drei heute weltberühmte Zeichnungen. Nach

Kunst findet sich unter Nummer 36 ein „Damen-

einer Ausstellung aller Originalvorlagen in den

porträt, Gustav Klimt“, hinter dem sich das Porträt

5 Ohne Aktzahl, Inv.Nr. 31.813.

Festräumen des Wiener Rathauses wurde die

Emilie Flöge verbirgt, heute eines der berühmtes-

komplette Sammlung, darunter die erwähnten

ten und zweifellos das kostbarste Gemälde des

6 Zit. n. Alice Strobl: Gustav Klimt. Die Zeichnungen 1878–1918. Nachtrag, Bd. IV, Salzburg 1989, S. 48.

elf Werke Gustav Klimts, für die Städtischen

Wien Museums.9

Sammlungen angekauft.

Mit dem Ankauf der Sammlung Albert Berger

3

4

1 Ich verwende den Begriff Wien Museum, wenn von der Zeit von 2003 bis heute die Rede ist oder wenn ich aus heutiger Perspektive über die Gesamt­ geschichte der Institution spreche. Davor galt von 1939 bis 2003 die Bezeichnung Historisches Museum der Stadt Wien. Seit der Gründung 1888 bis dahin war das Museum Teil der Städtischen Sammlungen. Alle drei Bezeichnungen meinen dieselbe Institution, wie auch die gelegentlich von mir verkürzt verwendete Bezeichnung „Museum“. US 2 Widmung ohne Aktzahl, Inv.Nr. 1.693.

8 Aktzahl 453/1918, Inv.Nr. 96.032.

ins Inventar aufgenommen, und zwar sein

1. und für die 18. Ausstellung der Secession, ein-

9 Aktzahl 730/1921, Inv.Nr. 45.677.

Zuschauerraum im alten Burgtheater. In einem

schließlich der Reinzeichnung für ersteres,

Curriculum vitae von 1893 gibt Gustav Klimt über

in den Besitz des Museums.10

10 Aktzahl 1308/1928, Reinzeichnung: Inv.Nr. 116.210.

die Entstehung dieses Bildes Auskunft: „Im Jahre

1937 kam ein weiteres Damenporträt Klimts in die

würde, bietet aber zugleich Gelegenheit, im

1888 bis 89 malte ich im Auftrage des Gemeinde­

Sammlung. Es handelt sich dabei um das Bildnis

bankeinträgen zu Gustav Klimt aus, so besitzt das

Rahmen der zehn in Wien für 2012 angekündigten

rathes für das historische Museum der Stadt

einer unbekannten Dame,11 das mit dem Ankauf

Wien Museum die größte Klimt-Sammlung der

Klimt-Ausstellungen eine sehr spezielle Nische

Wien, eine Ansicht des Zuschauerraumes des

der Sammlung Dr. August Heymann – einer

Welt. Mit rund 400 Zeichnungen der „Wien um

zu besetzen, in der letztlich auch die Frage „Wie

alten Burgtheaters mit ungefähr 150 Porträts

kultur­historischen Sammlung diverser Viennen-

1900“-Künstlerikone lässt die Kunstsammlung des

viel Klimt verträgt Wien?“ gestellt werden darf.

in Aquarell und erhielt für dieses Bild auf der

sia im Umfang von mehr als 10.000 Objekten –

Wien Museums jede andere einschlägige Institu-

Zudem ergibt sich ein gewinnbringender Neben­

Jahresausstellung im Künstlerhause 1890 den da-

von der Tochter des Sammlers erworben wurde.12

tion hinter sich. Dazu kommen noch acht weitere

effekt für das Wien Museum und die Klimt-

mals gestifteten Kaiserpreis per 400 Ducaten.“ 6

Bei einer Auktion im Dorotheum am 21. März 1939

Originalwerke, Ölbilder, von denen zumindest zwei

Forschung: Erstmals wird eine Faktenanalyse zur

Zwei minutiös aquarellierte Totenbildnisse ge-

wurde die Nummer 558 „Klimt: Sappho, Ölskizze“

zu den absoluten Spitzenbildern zählen. Klimts

bestehenden Sammlung durchgeführt, die über

langten 1909 als Schenkung aus Wiener Privat-

angekauft.13 Obwohl ein Eintrag im Inventarbuch

Plakate für die Secession lassen sich aufgrund

die Ausstellung hinaus Klarheit über diverse

besitz in die Sammlung.7 Es handelt sich bei den

darauf hinweist, dass das Gemälde ursprünglich

ihrer Seltenheit ebenfalls zum Werk rechnen.

Fragestellungen bringen wird.

Dargestellten um zwei bekannte Wiener Persön-

der Bedienerin Gustav Klimts gehörte, wird diese

Als kulturhistorisches Museum besitzt das Wien

lichkeiten, den Vorstand der Direktion der Staats-

Zuschreibung mittlerweile von mehreren Fach-

Museum darüber hinaus auch eine ganze Reihe

eisenbahnbauten Julius von Lott (1836–1883)

leuten bestritten.14 Eventuell könnte es sich dabei

und den Kunsthistoriker Rudolf von Eitelberger

um eine frühe Arbeit Ernst Klimts handeln.

(1817–1885), der Gründungsdirektor des Österrei-

Die früheste Zeichnung der Sammlung, ein

Zur Geschichte der Sammlung

menhang stehen. Etwa einen seiner berühmten

12

7 Zuweisungsprotokoll 138 und 139/1909, Inv.Nrn. 33.907 und 33.908.

gelangten 1928 Klimts berühmte Plakate für die

Geht man von der effektiven Anzahl an Daten-

weiterer Objekte, die mit Gustav Klimt in Zusam-

4 Aktzahl 313/1901. Die Klimt-Werke wurden unter den Inventarnummern 25.001, 25.005, 25.007, 25.014, 25.016, 25.021, 25.022, 25.025, 25.215, 25.256 und 26.373 inventarisiert.

1907 wurde das nächste Werk von Gustav Klimt 5

Ursula Storch

3 Kunstausstellung Gerlach & Schenk, Festräume des Rathauses (Ausstellungskatalog), Wien 1901.

11 Bisher wurde angenommen, dass es sich bei der Darstellung eventuell um die Gattin des Sammlers handeln könnte. In letzter Zeit gibt es aber auch Überlegungen, die August Heymanns Schwester als Porträtierte in Betracht ziehen (vgl. Monika Sommer und Alexandra Steiner-Strauss: Gustav Klimt und Wien. Spaziergänge zu den Orten seines Wirkens, Wien 2012, S. 153-159). Da allerdings die Provenienz der einzige ikonographische Hinweis ist, bleibt die Identität der Dargestellten fürs Erste weiterhin fraglich. US 12 Aktzahl 1200/1937, Inv.Nr. 61.061. 13 Aktzahl 586/1939, Inv.Nr. 60.466. 14 In diesem Zusammenhang danke ich Marian Bisanz-Prakken, Brigitte Borchhardt-Birbaumer, Tobias G. Natter und Othmar Rychlik sehr herzlich für die diesbezüglich geführten Gespräche. US 15 Die Signatur gleicht eher den von Klimt erst ab Mitte der 1890er-Jahre verwendeten; die in der Kunstgewerbeschule entstandenen akademischen Akte Ende der 1870er-Jahre hingegen sind sehr viel konventioneller signiert. US

blauen Malerkittel, Porträtfotos, aufgenommen

Wie, so fragt man sich, kommt eine solche

chischen Museums für Kunst und Industrie sowie

(sicherlich erst später)15 signiertes Damen­porträt,

von den berühmtesten Fotografinnen und Foto-

Sammlung zustande?

der ursprünglich angeschlossenen Kunstgewer-

das Gustav Klimt 1877 im Alter von erst

grafen seiner Zeit, zwei Büsten, die ihn darstel-

Die Erwerbungen gehen auf die verschiedensten

beschule war.

15 Jahren, vermutlich nach einer Fotografie anfer-

len, seine Totenmaske, eine Zeichnung Egon

Quellen zurück und fanden im Laufe der vergan-

Knapp vor seinem Tod 1918 war Otto Wagner mit

tigte, wurde 1940 aus Privatbesitz angekauft.16

Schieles, die den verehrten Malerkollegen in der

genen 120 Jahre statt. Im Folgenden soll erst-

dem Wunsch an das Museum herangetreten, die

Zwei weitere Blätter, beide in Zusammenhang

Totenkammer des Allgemeinen Krankenhauses

mals ein chronologischer Abriss Einblick in das

komplette Einrichtung des neben seinem Atelier

mit den Fakultätsbildern entstanden, wurden bei

zeigt, sowie eine Reihe von Klimt-Souvenirs, die

Zustandekommen der aktuellen Klimt-Sammlung

gelegenen Sprechzimmers durch einen Ankauf

einer Auktion des Dorotheums Anfang November

mittlerweile und speziell 2012 aus der Produkt­

des Wien Museums ermöglichen.

für die Nachwelt zu erhalten. In der beigelegten

1942 ersteigert.17

18 Zuweisungsprotokoll 363/1944, Inv.Nrn. 74.930/1-273.

palette des Wien-Tourismus-Marketing nicht

Das Objekt mit der niedrigsten Inventarnummer,

maschinschriftlichen Inventarliste samt Preisen

„Zeichnungen von Gustav KLIMT vermache ich

19 Aktzahl 78/1947, Inv.Nr. 75.403.

mehr wegzudenken sind.

das zum Klimt-Bestand zählt, ist die Original-

führte er 93 Positionen an, unter denen die

der Gemeinde Wien.“ Mit diesem Satz aus dem

Das sogenannte Klimt-Jahr anlässlich seines

zeichnung zu einer Damenspende für den Ball

Nummer 17 mit „Klimt. Weibliche Köpfe, Hand-

Testament Franziska Klimts, der Witwe von

150. Geburtstages bietet die Möglichkeit, zum

der Stadt Wien 1892, die 1893 als Spende des

zeichnung K 250.-“ angegeben war. In Hinblick

Gustavs Bruder Georg, gelangten 1944 mit einem

ersten Mal in der Geschichte des Wien Museums 1

Gemeinderatspräsidiums in die Städtischen

auf ein geplantes Baukünstlerarchiv, das in

Schlag 273 Zeichnungen in die Sammlung des

die komplette Sammlung zum wohl international

Sammlungen gelangte. Die nächsten Klimt-Objekte wurden 1901 in die

einem Neubau des Städtischen Museums unter­

Wien Museums, das damit weltweit zur Institu­

bekanntesten österreichischen Maler zu präsen­

gebracht werden sollte, kam es nach dem Tod

tion mit den meisten Klimt-Zeichnungen wurde.18

tieren. Dieses einmalige Unternehmen eines

Sammlung aufgenommen. Der Wiener Verlag

Otto Wagners tatsächlich zu diesem Ankauf.8

Eine Studie zum Ölporträt Mäda Primavesi (um

Universalmuseums führt uns in Grenzbereiche,

Gerlach & Schenk hatte in den Jahren 1882–1884

Der nächste Zuwachs der Klimt-Sammlung

1912) wurde 1947 von der Dargestellten an das

die ein reines Kunstmuseum kaum beschreiten

unter dem Titel Allegorien & Embleme ein

erfolgte 1921, als Wien selbstständiges Bundes­

Museum verkauft.19

2

16 Aktzahl 226/1940, Inv.Nr. 66.054. 17 Aktzahl 1241/1942, Inv.Nrn. 71.506 und 71.507. Letztere wurde 2006 restituiert. Näheres dazu an späterer Stelle im Text. US

13


20 Aktzahl 857/1951, Inv.Nrn. 96.482/1-33.

Unter der Direktion Franz Glücks verdichteten

handlung Nebehay angekauft.33 Ein weiteres Blatt

21 Aktzahl 1/1952, Inv.Nrn. 90.501, 90.502 und 96.730.

sich in den 1950er- und frühen 1960er-Jahren die

wurde bei einer Auktion in München ersteigert.34

22 Aktzahl 455/1952, Inv.Nrn. 96.936/1-14.

Klimt-Erwerbungen: So wurden 1951 aus Wiener

Im folgenden Jahr kamen gleich drei Mal Klimt-

Privatbesitz 33 Zeichnungen angekauft,20 im

Ankäufe über die Kunsthandlung Nebehay

23 Aktzahl 692/1954, Inv.Nr. 100.686.

folgenden Jahr erwarb man drei Zeichnungen

zustande: zwei Zeichnungen,35 ein Notizbuch mit

24 Aktzahl 797/1954, Inv.Nr. 115.143.

von der Neuen Galerie, unter denen sich eine

Eintragungen und Vorarbeiten für den Zuschauer­

25 Aktzahl 484/1955, Inv.Nr. 105.306/1-3. Möglicherweise stammen diese Zeich­ nungen von Franz Matsch als Studien zu seinem Burgtheaterbild, das als Pendant zu Gustav Klimts Zuschauerraum im alten Burgtheater den Blick vom Publikum zur Bühne darstellt. Alice Strobl nahm sie nicht in ihr Werkverzeichnis der KlimtZeichnungen auf, Marian Bisanz-Prakken bekräftigt die bestehenden Zweifel einer Autorenschaft Gustav Klimts. US

der überaus seltenen Tierstudien Gustav Klimts

raum im alten Burgtheater,36 und schließlich eine

befindet, die zwei Hunde zeigt. Ebenfalls 1952

Ölskizze zum rechten Teil des Plakats für die In-

gelangten über das Auktionshaus Kende 14

ternationale Ausstellung für Musik- und Theater-

Studien zum Zuschauerraum im alten Burgtheater

wesen 1892,37 dessen linker Teil von Ernst Klimt

in die Sammlung.22

stammt. Da das gedruckte Plakat lediglich mit

Gustav Klimts Ölgemälde Pallas Athene von 1898,

„Ernst Klimt“ signiert ist und bislang keine

das programmatische Bild zur Gründung der

gesicherten Hinweise auf eine Autorenschaft

26 Aktzahl 836/1955, Inv.Nrn. 101.046/1-10 und 101.059/1-10.

Wiener Secession, konnte 1954 von der Galerie

Gustav Klimts vorliegen, bestehen vereinzelte

27 Aktzahl 784/1956, Inv.Nrn. 101.447101.456.

Neumann für 20.000 Schilling erworben werden

Zweifel an dieser Zuschreibung.38

und ist seither eines der am häufigsten angefrag-

1965 kam mit dem Porträt Marie Molls eine sig-

ten Objekte für Ausstellungen zum Thema „Wien

nierte Kreidezeichnung Gustav Klimts als Ankauf

stellung des Frühlings, für die Gustav Klimt eine

Selbstverständlich sucht das Wien Museum wei-

um 1900.“

aus kanadischem Privatbesitz in die Sammlung.

Diana über einer von Putti getragenen Blumen-

terhin nach den rechtmäßigen Eigentümern und

43 Hermesvilla. Wien 1986 (2., überarbeitete Auflage der Ausgabe von 1981), S.16-21.

28 Aktzahl 810/1957, Inv.Nrn. 101.692101.694.

21

23

Das einzige bekannte Foto von Gustav Klimts Gemälde Das Schweigen (rechts oben im hellen Rahmen)

39

29 Widmung ohne Aktzahl, Inv.Nr. 101.718 und 101.719.

Mit dem Nachlass des Kunstkritikers Arthur

Erst mehr als zwanzig Jahre später erfolgte der

girlande beisteuerte. Durch die schwerwiegen-

ist für weiterführende Hinweise dankbar.

44 Aktzahl 101/1941, Inv.Nr. 69.204.

30 Aktzahl 141/1958, Inv.Nr. 101.784.

Roessler, den das Museum im Gegenzug für eine

nächste Ankauf eines originalen Klimt-Werks für

den Beschädigungen des Hauses nach dem

Mit Gemeinderatsbeschluss vom 3. Februar 1983

45 Aktzahl 1349/1942, Inv.Nr. 71.500.

Leibrente für ihn und seine Frau Ida erhielt, kam

die Sammlung des Wien Museums. Dabei han-

Zweiten Weltkrieg ist leider nicht mehr viel von

trat das Historische Museum sieben Klimt-Zeich-

1955 eine weitere Zeichnung in den Besitz des

delte es sich um eine Zeichnung zum Fakultäts-

der Originalsubstanz erhalten.43

nungen sowie eine Reihe von Secessionsplakaten

32 Aktzahl 652/1960, Inv.Nr. 114.949.

Museums.24

bild Jurisprudenz, die aus Privatbesitz erworben

Im Laufe der Jahrzehnte hat es in der Klimt-

(Doubletten) an den New Yorker Kunsthändler Serge

33 Aktzahl 769/1962, Inv.Nrn. 115.855, 115.856/1-7, 115.857 und 115.858.

46 Alfred Weidinger u. a.: Kommentiertes Gesamtverzeichnis des malerischen Werks, in: Alfred Weidinger (Hg.): Gustav Klimt, München u. a. 2007, S. 281.

Im selben Jahr wurden im Dorotheum drei wei-

werden konnte.40 Schließlich wurde 1988 zum

Sammlung des Wien Museums nicht nur Zu-

Sabarsky ab, der dem Museum dafür im Gegen­

47 Aktzahl 31/2006.

tere Bleistiftskizzen zum Zuschauerraum im alten

letzten Mal eine Klimt-Zeichnung angekauft,

wächse, sondern auch Abgänge unterschied-

zug eine wertvolle Schiele-Zeichnung überließ.48

35 Aktzahl 350/1963, Inv.Nrn. 115.982 und 115.983.

Burgtheater 25 und aus Wiener Privatbesitz

und zwar eine Studie zum Fakultätsbild Medizin,

licher Art gegeben. Vorübergehend besaß das

Der Vollständigkeit halber sei hier abschließend

20 Zeichnungen in zwei Tranchen erworben.26

auf die das Museum vom Bundesdenkmalamt

Historische Museum der Stadt Wien zwei weitere

noch ein weiteres Klimt-Gemälde erwähnt, das,

36 Aktzahl 891/1963, Inv.Nr. 116.386.

Helene Donner, die Nichte Gustav Klimts, bot

aufmerksam gemacht worden war, da diesem

Ölgemälde, nämlich Porträt Mäda Primavesi (um

obwohl theoretisch Eigentum des Wien Muse-

37 Aktzahl 169/1963, Inv.Nr. 115.911.

1956 dem Museum 35 Zeichnungen an, von denen

ein Ausfuhransuchen seitens des Kunsthandels

1912) und Birkenwald (1903). Ersteres wurde 1941

ums, bedauerlicherweise nie in seinen Besitz

38 Auch in diesem Zusammenhang danke ich Marian Bisanz-Prakken, Brigitte Borchhardt-Birbaumer, Tobias G. Natter und Othmar Rychlik sehr herzlich für ihre Expertisen. US

schließlich zehn angekauft wurden.27

vorlag.41

in einer Kunstauktion des Dorotheums erwor-

gelangt ist. Es handelt sich dabei um das sym-

Ebenfalls aus einem größeren Angebot aus

An dieser Stelle sei zusammenfassend nur kurz

ben und 1950 an die Erben nach Jenny Steiner

bolistische Gemälde Das Schweigen, das schon

Pariser Privatbesitz wählte das Museum 1957 drei

darauf hingewiesen, dass die Preise, die seitens

restituiert.44 Es hängt heute im Metropolitan

1898 in der zweiten Ausstellung der Secession

39 Aktzahl 729/1965, Inv.Nr. 133.369.

Zeichnungen aus. Zwei weitere Reinzeichnun-

des Museums für den Erwerb von Klimt-Zeich-

Museum in New York. Birkenwald, ein Gemälde

ausgestellt war.49 Otto Wagner kaufte dieses Bild

gen Klimts für das Ver Sacrum-Heft 3/1898 erhielt

nungen gezahlt wurden, durchweg den jeweils

aus der Sammlung Bloch-Bauer, wurde 1942 über

und hinterließ es seinen Erben. Die Wohnung

31 Aktzahl 302/1958, Inv.Nr. 101. 903.

34 Aktzahl 797/1962, Inv.Nr. 115.888.

40 Aktzahl 1734/1986, Inv.Nr. 186.207.

28

das Museum als Widmung aus einer bedauer­

gängigen Marktpreisen entsprachen, bezie-

eine Rechtsanwaltskanzlei angekauft und 1948 an

seiner Tochter Christine wurde in ihrer Abwesen-

41 Aktzahl 1051/1988, Inv.Nr. 186.269.

licherweise nicht mehr eruierbaren Quelle.29

hungsweise zum Teil sogar deutlich unterschrit-

die Österreichische Galerie ausgefolgt,45 die das

heit 1945 samt Möbeln und sonstigem Inventar

42 Diese Beurteilung bezieht sich auf die von Alice Strobl zusammengetragenen Preise in: Strobl, Klimt, Bd. IV, S. 226-228.

1958 erfolgten der Ankauf eines Klimt-Aquarells

ten wurden.

Bild 2006 ihrerseits an die rechtmäßigen Erben

beschlagnahmt und weitervermietet. Da sich in

aus Privatbesitz, das eine Studie zum Theatervor-

Einen Sonderfall im Rahmen des Klimt-Bestands

zurückstellte.46

dieser Wohnung auch noch etliche nach Entwür-

hang in Karlsbad darstellt , sowie einer weiteren

stellen Deckengemälde in der Hermesvilla dar,

In der Folge des Kunstrückgabegesetzes der

fen Otto Wagners ausgeführte Möbel befanden,

Zeichnung31.

die seit 1976 vom Wien Museum als Ausstellungs-

Stadt Wien von 1999 wurde 2006 eine im

die von kulturhistorischem Wert für Wien waren,

Infolge eines Tausches – eine heute nicht mehr

haus genutzt wird. Die Künstler-Compagnie,

Dorotheum im November 1942 ersteigerte Zeich-

bemühte sich Wagners Tochter seit 1947, diese

gebräuchliche Praxis im Museum – gelangte

also Gustav Klimt, sein Bruder Ernst und Franz

nung Klimts zum Fakultätsbild Medizin an die

sowie das restliche Inventar mit Unterstützung

1960 eine Klimt-Zeichnung in die Sammlung.

Matsch, übernahm dort in der Nachfolge Hans

Erben nach Heinrich Rieger restituiert, in dessen

des Historischen Museums zurückzuerlangen.50

Der private Anbieter erhielt dafür im Gegenzug

Makarts 1885 den Auftrag, die Hohlkehlen im

Sammlung sich das Blatt ursprünglich befunden

Im Zuge der Nachforschungen wurde am

ein Aquarell von Wilhelm Kobell.

14

30

42

Schlafzimmer der Kaiserin Elisabeth nach

hatte. Ein sehr prominentes zweites Blatt, die

16. Dezember 1948 eine gemeinsame Niederschrift

1962 wurden zehn Blätter, darunter sieben weitere

Entwürfen von Julius Victor Berger auszumalen.

Übertragungsskizze für das Fakultätsbild

erstellt, in der Otto Wagners Tochter Folgendes

Studien zum Zuschauerraum im alten Burgtheater

Das Deckengemälde im angrenzenden Salon der

Philosophie, die in derselben Auktion angekauft

zu Protokoll gab: „Ferner widme ich den Städt.

und ein Entwurf Gustav Klimts für das Grabkreuz

Kaiserin konnten sie nach eigenen Vorstellungen

wurde, konnte bisher nicht restituiert werden, da

Sammlungen, falls ich in den Besitz meines mir

seines verstorbenen Bruders Ernst, in der Kunst-

realisieren. Sie entschieden sich für eine Dar-

der Einbringer nicht zu eruieren war.

gehörigen und in der Wohnung befindlichen

32

47

48 Aktzahl 1242/1982. Bei den ausgeschiedenen Blättern handelt es sich um die Inv.Nrn. 74.930/181, 194, 200, 240, 242, 262 und 267. 49 Vgl. Katalog zur 2. Ausstellung der Secession, Wien 1898, Nr. 73. 50 Aktzahlen 917/1947, 1997/1948, 1143/1951.

15


20 Aktzahl 857/1951, Inv.Nrn. 96.482/1-33.

Unter der Direktion Franz Glücks verdichteten

handlung Nebehay angekauft.33 Ein weiteres Blatt

21 Aktzahl 1/1952, Inv.Nrn. 90.501, 90.502 und 96.730.

sich in den 1950er- und frühen 1960er-Jahren die

wurde bei einer Auktion in München ersteigert.34

22 Aktzahl 455/1952, Inv.Nrn. 96.936/1-14.

Klimt-Erwerbungen: So wurden 1951 aus Wiener

Im folgenden Jahr kamen gleich drei Mal Klimt-

Privatbesitz 33 Zeichnungen angekauft,20 im

Ankäufe über die Kunsthandlung Nebehay

23 Aktzahl 692/1954, Inv.Nr. 100.686.

folgenden Jahr erwarb man drei Zeichnungen

zustande: zwei Zeichnungen,35 ein Notizbuch mit

24 Aktzahl 797/1954, Inv.Nr. 115.143.

von der Neuen Galerie, unter denen sich eine

Eintragungen und Vorarbeiten für den Zuschauer­

25 Aktzahl 484/1955, Inv.Nr. 105.306/1-3. Möglicherweise stammen diese Zeich­ nungen von Franz Matsch als Studien zu seinem Burgtheaterbild, das als Pendant zu Gustav Klimts Zuschauerraum im alten Burgtheater den Blick vom Publikum zur Bühne darstellt. Alice Strobl nahm sie nicht in ihr Werkverzeichnis der KlimtZeichnungen auf, Marian Bisanz-Prakken bekräftigt die bestehenden Zweifel einer Autorenschaft Gustav Klimts. US

der überaus seltenen Tierstudien Gustav Klimts

raum im alten Burgtheater,36 und schließlich eine

befindet, die zwei Hunde zeigt. Ebenfalls 1952

Ölskizze zum rechten Teil des Plakats für die In-

gelangten über das Auktionshaus Kende 14

ternationale Ausstellung für Musik- und Theater-

Studien zum Zuschauerraum im alten Burgtheater

wesen 1892,37 dessen linker Teil von Ernst Klimt

in die Sammlung.22

stammt. Da das gedruckte Plakat lediglich mit

Gustav Klimts Ölgemälde Pallas Athene von 1898,

„Ernst Klimt“ signiert ist und bislang keine

das programmatische Bild zur Gründung der

gesicherten Hinweise auf eine Autorenschaft

26 Aktzahl 836/1955, Inv.Nrn. 101.046/1-10 und 101.059/1-10.

Wiener Secession, konnte 1954 von der Galerie

Gustav Klimts vorliegen, bestehen vereinzelte

27 Aktzahl 784/1956, Inv.Nrn. 101.447101.456.

Neumann für 20.000 Schilling erworben werden

Zweifel an dieser Zuschreibung.38

und ist seither eines der am häufigsten angefrag-

1965 kam mit dem Porträt Marie Molls eine sig-

ten Objekte für Ausstellungen zum Thema „Wien

nierte Kreidezeichnung Gustav Klimts als Ankauf

stellung des Frühlings, für die Gustav Klimt eine

Selbstverständlich sucht das Wien Museum wei-

um 1900.“

aus kanadischem Privatbesitz in die Sammlung.

Diana über einer von Putti getragenen Blumen-

terhin nach den rechtmäßigen Eigentümern und

43 Hermesvilla. Wien 1986 (2., überarbeitete Auflage der Ausgabe von 1981), S.16-21.

28 Aktzahl 810/1957, Inv.Nrn. 101.692101.694.

21

23

Das einzige bekannte Foto von Gustav Klimts Gemälde Das Schweigen (rechts oben im hellen Rahmen)

39

29 Widmung ohne Aktzahl, Inv.Nr. 101.718 und 101.719.

Mit dem Nachlass des Kunstkritikers Arthur

Erst mehr als zwanzig Jahre später erfolgte der

girlande beisteuerte. Durch die schwerwiegen-

ist für weiterführende Hinweise dankbar.

44 Aktzahl 101/1941, Inv.Nr. 69.204.

30 Aktzahl 141/1958, Inv.Nr. 101.784.

Roessler, den das Museum im Gegenzug für eine

nächste Ankauf eines originalen Klimt-Werks für

den Beschädigungen des Hauses nach dem

Mit Gemeinderatsbeschluss vom 3. Februar 1983

45 Aktzahl 1349/1942, Inv.Nr. 71.500.

Leibrente für ihn und seine Frau Ida erhielt, kam

die Sammlung des Wien Museums. Dabei han-

Zweiten Weltkrieg ist leider nicht mehr viel von

trat das Historische Museum sieben Klimt-Zeich-

1955 eine weitere Zeichnung in den Besitz des

delte es sich um eine Zeichnung zum Fakultäts-

der Originalsubstanz erhalten.43

nungen sowie eine Reihe von Secessionsplakaten

32 Aktzahl 652/1960, Inv.Nr. 114.949.

Museums.24

bild Jurisprudenz, die aus Privatbesitz erworben

Im Laufe der Jahrzehnte hat es in der Klimt-

(Doubletten) an den New Yorker Kunsthändler Serge

33 Aktzahl 769/1962, Inv.Nrn. 115.855, 115.856/1-7, 115.857 und 115.858.

46 Alfred Weidinger u. a.: Kommentiertes Gesamtverzeichnis des malerischen Werks, in: Alfred Weidinger (Hg.): Gustav Klimt, München u. a. 2007, S. 281.

Im selben Jahr wurden im Dorotheum drei wei-

werden konnte.40 Schließlich wurde 1988 zum

Sammlung des Wien Museums nicht nur Zu-

Sabarsky ab, der dem Museum dafür im Gegen­

47 Aktzahl 31/2006.

tere Bleistiftskizzen zum Zuschauerraum im alten

letzten Mal eine Klimt-Zeichnung angekauft,

wächse, sondern auch Abgänge unterschied-

zug eine wertvolle Schiele-Zeichnung überließ.48

35 Aktzahl 350/1963, Inv.Nrn. 115.982 und 115.983.

Burgtheater 25 und aus Wiener Privatbesitz

und zwar eine Studie zum Fakultätsbild Medizin,

licher Art gegeben. Vorübergehend besaß das

Der Vollständigkeit halber sei hier abschließend

20 Zeichnungen in zwei Tranchen erworben.26

auf die das Museum vom Bundesdenkmalamt

Historische Museum der Stadt Wien zwei weitere

noch ein weiteres Klimt-Gemälde erwähnt, das,

36 Aktzahl 891/1963, Inv.Nr. 116.386.

Helene Donner, die Nichte Gustav Klimts, bot

aufmerksam gemacht worden war, da diesem

Ölgemälde, nämlich Porträt Mäda Primavesi (um

obwohl theoretisch Eigentum des Wien Muse-

37 Aktzahl 169/1963, Inv.Nr. 115.911.

1956 dem Museum 35 Zeichnungen an, von denen

ein Ausfuhransuchen seitens des Kunsthandels

1912) und Birkenwald (1903). Ersteres wurde 1941

ums, bedauerlicherweise nie in seinen Besitz

38 Auch in diesem Zusammenhang danke ich Marian Bisanz-Prakken, Brigitte Borchhardt-Birbaumer, Tobias G. Natter und Othmar Rychlik sehr herzlich für ihre Expertisen. US

schließlich zehn angekauft wurden.27

vorlag.41

in einer Kunstauktion des Dorotheums erwor-

gelangt ist. Es handelt sich dabei um das sym-

Ebenfalls aus einem größeren Angebot aus

An dieser Stelle sei zusammenfassend nur kurz

ben und 1950 an die Erben nach Jenny Steiner

bolistische Gemälde Das Schweigen, das schon

Pariser Privatbesitz wählte das Museum 1957 drei

darauf hingewiesen, dass die Preise, die seitens

restituiert.44 Es hängt heute im Metropolitan

1898 in der zweiten Ausstellung der Secession

39 Aktzahl 729/1965, Inv.Nr. 133.369.

Zeichnungen aus. Zwei weitere Reinzeichnun-

des Museums für den Erwerb von Klimt-Zeich-

Museum in New York. Birkenwald, ein Gemälde

ausgestellt war.49 Otto Wagner kaufte dieses Bild

gen Klimts für das Ver Sacrum-Heft 3/1898 erhielt

nungen gezahlt wurden, durchweg den jeweils

aus der Sammlung Bloch-Bauer, wurde 1942 über

und hinterließ es seinen Erben. Die Wohnung

31 Aktzahl 302/1958, Inv.Nr. 101. 903.

34 Aktzahl 797/1962, Inv.Nr. 115.888.

40 Aktzahl 1734/1986, Inv.Nr. 186.207.

28

das Museum als Widmung aus einer bedauer­

gängigen Marktpreisen entsprachen, bezie-

eine Rechtsanwaltskanzlei angekauft und 1948 an

seiner Tochter Christine wurde in ihrer Abwesen-

41 Aktzahl 1051/1988, Inv.Nr. 186.269.

licherweise nicht mehr eruierbaren Quelle.29

hungsweise zum Teil sogar deutlich unterschrit-

die Österreichische Galerie ausgefolgt,45 die das

heit 1945 samt Möbeln und sonstigem Inventar

42 Diese Beurteilung bezieht sich auf die von Alice Strobl zusammengetragenen Preise in: Strobl, Klimt, Bd. IV, S. 226-228.

1958 erfolgten der Ankauf eines Klimt-Aquarells

ten wurden.

Bild 2006 ihrerseits an die rechtmäßigen Erben

beschlagnahmt und weitervermietet. Da sich in

aus Privatbesitz, das eine Studie zum Theatervor-

Einen Sonderfall im Rahmen des Klimt-Bestands

zurückstellte.46

dieser Wohnung auch noch etliche nach Entwür-

hang in Karlsbad darstellt , sowie einer weiteren

stellen Deckengemälde in der Hermesvilla dar,

In der Folge des Kunstrückgabegesetzes der

fen Otto Wagners ausgeführte Möbel befanden,

Zeichnung31.

die seit 1976 vom Wien Museum als Ausstellungs-

Stadt Wien von 1999 wurde 2006 eine im

die von kulturhistorischem Wert für Wien waren,

Infolge eines Tausches – eine heute nicht mehr

haus genutzt wird. Die Künstler-Compagnie,

Dorotheum im November 1942 ersteigerte Zeich-

bemühte sich Wagners Tochter seit 1947, diese

gebräuchliche Praxis im Museum – gelangte

also Gustav Klimt, sein Bruder Ernst und Franz

nung Klimts zum Fakultätsbild Medizin an die

sowie das restliche Inventar mit Unterstützung

1960 eine Klimt-Zeichnung in die Sammlung.

Matsch, übernahm dort in der Nachfolge Hans

Erben nach Heinrich Rieger restituiert, in dessen

des Historischen Museums zurückzuerlangen.50

Der private Anbieter erhielt dafür im Gegenzug

Makarts 1885 den Auftrag, die Hohlkehlen im

Sammlung sich das Blatt ursprünglich befunden

Im Zuge der Nachforschungen wurde am

ein Aquarell von Wilhelm Kobell.

14

30

42

Schlafzimmer der Kaiserin Elisabeth nach

hatte. Ein sehr prominentes zweites Blatt, die

16. Dezember 1948 eine gemeinsame Niederschrift

1962 wurden zehn Blätter, darunter sieben weitere

Entwürfen von Julius Victor Berger auszumalen.

Übertragungsskizze für das Fakultätsbild

erstellt, in der Otto Wagners Tochter Folgendes

Studien zum Zuschauerraum im alten Burgtheater

Das Deckengemälde im angrenzenden Salon der

Philosophie, die in derselben Auktion angekauft

zu Protokoll gab: „Ferner widme ich den Städt.

und ein Entwurf Gustav Klimts für das Grabkreuz

Kaiserin konnten sie nach eigenen Vorstellungen

wurde, konnte bisher nicht restituiert werden, da

Sammlungen, falls ich in den Besitz meines mir

seines verstorbenen Bruders Ernst, in der Kunst-

realisieren. Sie entschieden sich für eine Dar-

der Einbringer nicht zu eruieren war.

gehörigen und in der Wohnung befindlichen

32

47

48 Aktzahl 1242/1982. Bei den ausgeschiedenen Blättern handelt es sich um die Inv.Nrn. 74.930/181, 194, 200, 240, 242, 262 und 267. 49 Vgl. Katalog zur 2. Ausstellung der Secession, Wien 1898, Nr. 73. 50 Aktzahlen 917/1947, 1997/1948, 1143/1951.

15


51 Aktzahl 1997/1948

Mobiliars komme, das oben angeführte Klimt-Bild

Im Sommer 1979 hatten Werke Gustav Klimts

52 Fritz Novotny und Johannes Dobai: Gustav Klimt, Salzburg 1967, S. 308 (ohne eigene Werknummer; hier fälschliche Zuordnung zur 18. Ausstellung der Secession); Weidinger, kommentiertes Gesamtverzeichnis, in: Weidinger (Hg.), Klimt, Nr. 129.

‚Das Schweigen‘, sowie andere im Einvernehmen

einen ersten größeren Auftritt in der Ausstel-

mit der Direktion der St. Sammlungen zu bestim-

lung Wiener Stilkunst um 1900. Zeichnungen und

mende Gegenstände.“ 51 Auf einem Foto, das dem

Aquarelle im Besitz des Historischen Museums der

Akt beiliegt, ist das Gemälde, leider sehr dunkel,

Stadt Wien, die in der Hermesvilla stattfand. Hier

an der Wand hängend dokumentiert. Die Korre-

wurden 28 Klimt-Zeichnungen präsentiert, vor

53 Vgl. Schausammlung Historisches Museum der Stadt Wien, Wien 1984, S. 294f.

spondenz mit der Tochter Otto Wagners bricht

allem die Höhepunkte der Sammlung.55

mit Jänner 1952 ab. Über den Verbleib des Bildes,

Obwohl William M. Johnstons Österreichische

54 Wien um 1900 (Ausstellungskatalog), Wien 1964, Nr. 309, Nr. 324, Nrn. 342-343.

das 1950 in einer maschinschriftlichen Aufzeich-

Kultur- und Geistesgeschichte. Gesellschaft und

nung des Museums mit dem Titel Otto Wagner.

Ideen im Donauraum 1848 bis 1938 bereits 1974 auf

55 Wiener Stilkunst um 1900. Zeichnungen und Aquarelle im Besitz des Historischen Museums der Stadt Wien (Ausstellungskatalog zur 61. Sonder­ ausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien), Wien 1979.

Liste der fehlenden Stücke angeführt wurde, ist

Deutsch erschienen und damit ein erster Schritt

bis heute nichts bekannt, in der Literatur gilt es

zur Wiederentdeckung der Kulturgeschichte

allerdings bereits seit 1898 beziehungsweise 1903

der Wiener Jahrhundertwende gesetzt worden

als verschollen.52

war, brachte erst die Übersetzung von Carl E.

56 Heidemarie Uhl: „Wien um 1900“ – das making of eines Gedächtnisortes, in: Monika Sommer u. a. (Hg.): Imaging Vienna. Innensichten, Außensichten, Stadterzählungen, Wien 2006, S. 49. 57 Gustav Klimt. Zeichnungen aus amerikanischem Privatbesitz ausgewählt von Serge Sabarsky und aus Beständen des Historischen Museums der Stadt Wien (Ausstellungskatalog zur 89. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien), Wien 1984. 58 Aktzahl 1092/1983.

16

Blick in die Ausstellung Vienna 1900 im Museum of Modern Art, New York 1986, mit den Gemälden Pallas Athene und Porträt Emilie Flöge aus dem Wien Museum

Schorskes Wien, Geist und Gesellschaft im Fin de Siècle 1982 die große internationale Begeisterungswelle für „Wien um 1900“ ins Rollen.56

und das unzensurierte Exemplar des Plakats für

aber die Leihansuchen sowie die Leihverträge zu

1984 fand die erste und bislang einzige dezidierte

die 1. Secessionsausstellung bei. Aufgrund des

Gustav Klimt an, wird deutlich, dass die Klimt-

Was aber macht ein Museum mit einer solchen

Klimt-Ausstellung im Historischen Museum statt,

großen Erfolgs wurden in den nächsten Jahren

Sammlung des Wien Museums national wie

59 Traum und Wirklichkeit. Wien 1870–1930 (Ausstellungskatalog zur 95. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien), Wien 1985.

Sammlung?

bei welcher in Zusammenarbeit mit dem New

ähnliche Ausstellungen gezeigt, etwa Vienne

international bekannt und gefragt ist.66

60 Uhl, „Wien um 1900“, S. 63.

Ölgemälde wie das Porträt Emilie Flöge, die Pallas

Yorker Kunsthändler Serge Sabarsky Zeichnun-

1880–1938. L’ Apocalypse Joyeuse im Centre

Das heutige Wien Museum stand Leihanfragen

Athene oder die Liebe waren in den vergangenen

gen aus amerikanischem Privatbesitz und aus der

Pompidou in Paris oder die Ausstellung Vienna

aus der Klimt-Sammlung bei entsprechenden

Jahrzehnten zumeist in der Dauerausstellung des

Museumssammlung gezeigt wurden. Diesmal

1900: Art, Architecture & Design im New Yorker

Bedingungen von jeher positiv gegenüber. So

Wien Museums zu sehen.53 Zum einen ist es der

waren es 50 Zeichnungen aus Museumsbestand,

MoMA. Mit der Ausstellung Emilie Flöge und

verlieh es etwa bereits Objekte zu den Klimt-

61 Emilie Flöge und Gustav Klimt. Doppelporträt in Ideallandschaft (Ausstellungskatalog zur 112. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien), Wien 1988.

akute Platzmangel im Haus, der es kaum erlaubt,

die zu sehen waren. Der Besuch von knapp

Gustav Klimt. Doppelporträt in Ideallandschaft

Gedächtnisausstellungen 1928 und 1943 in der

mehr als drei Gemälde eines Malers permanent

45.000 Personen war ausschlaggebend dafür, diese

zeigte das Historische Museum der Stadt Wien

Secession. Auch die Klimt-Ausstellungen in der

zu zeigen, zum anderen können die Zeichnungen

Ausstellung auf Reisen zu schicken. Sie wurde

1988/89 in der Hermesvilla noch einmal eine Aus-

Albertina 1962 und 1968 wurden durch Leihgaben

schon aus konservatorischen Gründen nicht für

im Anschluss von der Kestner-Gesellschaft

wahl seines Klimt-Bestands, nämlich zwei Ölbil-

aus dem Historischen Museum ergänzt.

längere Zeit präsentiert werden. Allerdings wur-

Hannover, über den Jahreswechsel von der

der – darunter natürlich wieder das Porträt Emilie

Nach den eigenen Klimt-Ausstellungen der 1980er-

den – wenn auch bisher nicht in ihrer Gesamtheit –

Münchner Villa Stuck und im Frühling 1985 von

Flöge – zwei Plakate und fünf Zeichnungen.61

Jahre begannen sich die Leihanfragen zu häufen:

immer wieder Teile der Sammlung für Ausstel-

der Neuen Galerie der Stadt Linz übernommen.

In den letzten 20 Jahren wurden nur einzelne

1990 reisten zehn Klimt-Objekte zu der Ausstel-

lungen herangezogen. In diesem Zusammenhang

Im selben Jahr fand im Künstlerhaus die legen-

Klimt-­Objekte in Ausstellungen des Wien Muse-

lung Wien in der Morgenröte des 20. Jahrhunderts

sind sowohl eigene als auch von anderen Insti-

däre Ausstellung Traum und Wirklichkeit. Wien

ums gezeigt. So war unter den 100 ausgewählten

im Pushkin-Museum in Moskau,67 im folgenden

tutionen veranstaltete Ausstellungen zu nennen,

1870–1930 statt – eine Ausstellung, die vom

Blättern der Ausstellung Skizzen, Studien, Meister­

Jahr waren 40 Objekte bei der Klimt-Ausstellung

für die Leihgaben der Sammlung zur Verfügung

Historischen Museum der Stadt Wien organisiert

blätter. Wiener Graphik aus fünf Jahrhunderten 1996

im Palazzo Strozzi in Florenz zu sehen,68 und 1992

gestellt wurden.

und konzipiert wurde. Diese Schau gilt bis heute

eine Zeichnung Gustav Klimts zu sehen, 2003

fand im Kunsthaus Zürich eine Klimt-Ausstellung

Beginnen wir mit einem Überblick über die

als das Wiener Ausstellungsereignis der Superla-

waren seine Plakate für die Secession Teil der

statt, die mit 52 Kunstwerken, Porträtfotografien

eigenen Ausstellungen, in denen Klimt-Objekte

tive, das mit mehr als 622.000 Besucherinnen und

Ausstellung Kraftflächen. Wiener Plakatkunst um

und dem Malerkittel Klimts beschickt wurde.69

zu sehen waren. 1964 initiierte das Kulturamt der

Besuchern seither nicht getoppt werden konnte.

1900, im folgenden Jahr war die Zeichnung aus

1994 fanden zwei Ausstellungen von Klimt-Zeich-

Stadt Wien eine Ausstellung zum Thema Wien

Hier war das Beste vom Besten zum Thema

dem Nachlass Arthur Roesslers, ein stehender

nungen des Historischen Museums der Stadt

um 1900, die gleichzeitig an vier verschiedenen

„Wien um 1900“ versammelt, die Wiener Museen

weiblicher Akt, in Schiele & Roessler. Der Künstler

Wien in Zusammenarbeit mit der Nationalgalerie

Orten in Wien stattfand. Im damaligen Histori-

wie auch private Leihgeber aus dem In- und Aus-

und sein Förderer ausgestellt,64 und 2008/09 war

Bratislava statt, bei denen jeweils 50 Zeichnungen

schen Museum der Stadt Wien wurden die Be-

land unterstützten die Ausstellung mit hochkarä-

das Porträt Emilie Flöge Leitobjekt der Ausstellung

aus der Sammlung des heutigen Wien Museums

67 Aktzahl 2599/1988.

reiche Druckgrafik, Buch und Plakat präsentiert.

tigen Leihgaben. Das Historische Museum selbst

Glanzstücke.

gezeigt wurden. Bei der Ausstellung Sehnsucht

68 Aktzahl 219/1991.

Dementsprechend waren in dieser Ausstellung

steuerte aus der eigenen Sammlung neben vielen

Abgesehen von einer Häufung der ausgestellten

nach Glück. Wiens Aufbruch in die Moderne in der

69 Aktzahl 2454/1991.

aus dem eigenen Klimt-Bestand lediglich die

anderen Objekten sieben seiner acht Ölbilder

Klimt-Objekte in den selbstveranstalteten Aus-

Kunsthalle Schirn in Frankfurt waren 1995 drei

70 Aktzahl 413/1993.

Plakate zur 1. und zur 18. Secessionsausstellung,

von Gustav Klimt, darunter natürlich das Porträt

stellungen in den Jahren 1979 bis 1989 scheint im

Ölbilder und 20 Zeichnungen zu sehen,71 1998

71 Aktzahl 26/1995.

sowie Ver Sacrum-Hefte mit Klimt-Illustrationen

Emilie Flöge und Pallas Athene, den Zuschauerraum

eigenen Haus eher wenig Interesse an diesem

wurden anlässlich des hundertjährigen Bestehens

zu sehen.

im alten Burgtheater, zwei seiner Zeichnungen

Bestand geherrscht zu haben. Sieht man sich

der Secession 25 Klimt-Leihgaben für eine Aus-

Die Nutzung der Sammlung

54

57

58

59

60

62

63

65

70

62 Skizzen, Studien, Meisterblätter. Wiener Graphik aus fünf Jahrhunderten (Ausstellungskatalog zur 216. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien), Wien 1996, S. 65f. 63 Kraftflächen. Wiener Plakatkunst um 1900 (Ausstellungskatalog zur 303. Ausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien), Wien 2003, S. 43-47. 64 Tobias G. Natter und Ursula Storch (Hg): Schiele & Roessler. Der Künstler und sein Förderer. Kunst und Networking im frühen 20. Jahrhundert (Ausstellungskatalog Wien Museum), Ostfildern-Ruit 2004, S. 151. 65 Glanzstücke. Emilie Flöge und der Schmuck der Wiener Werkstätte (Ausstellungskatalog Wien Museum), Stuttgart 2008. 66 Da in den vergangenen Jahrzehnten nicht alle Leihakten archiviert wurden, muss davon ausgegangen werden, dass die folgenden Angaben nur Tendenzen erfassen können, die realen Zahlen aber wohl noch um einiges höher anzusetzen sind. US

17


51 Aktzahl 1997/1948

Mobiliars komme, das oben angeführte Klimt-Bild

Im Sommer 1979 hatten Werke Gustav Klimts

52 Fritz Novotny und Johannes Dobai: Gustav Klimt, Salzburg 1967, S. 308 (ohne eigene Werknummer; hier fälschliche Zuordnung zur 18. Ausstellung der Secession); Weidinger, kommentiertes Gesamtverzeichnis, in: Weidinger (Hg.), Klimt, Nr. 129.

‚Das Schweigen‘, sowie andere im Einvernehmen

einen ersten größeren Auftritt in der Ausstel-

mit der Direktion der St. Sammlungen zu bestim-

lung Wiener Stilkunst um 1900. Zeichnungen und

mende Gegenstände.“ 51 Auf einem Foto, das dem

Aquarelle im Besitz des Historischen Museums der

Akt beiliegt, ist das Gemälde, leider sehr dunkel,

Stadt Wien, die in der Hermesvilla stattfand. Hier

an der Wand hängend dokumentiert. Die Korre-

wurden 28 Klimt-Zeichnungen präsentiert, vor

53 Vgl. Schausammlung Historisches Museum der Stadt Wien, Wien 1984, S. 294f.

spondenz mit der Tochter Otto Wagners bricht

allem die Höhepunkte der Sammlung.55

mit Jänner 1952 ab. Über den Verbleib des Bildes,

Obwohl William M. Johnstons Österreichische

54 Wien um 1900 (Ausstellungskatalog), Wien 1964, Nr. 309, Nr. 324, Nrn. 342-343.

das 1950 in einer maschinschriftlichen Aufzeich-

Kultur- und Geistesgeschichte. Gesellschaft und

nung des Museums mit dem Titel Otto Wagner.

Ideen im Donauraum 1848 bis 1938 bereits 1974 auf

55 Wiener Stilkunst um 1900. Zeichnungen und Aquarelle im Besitz des Historischen Museums der Stadt Wien (Ausstellungskatalog zur 61. Sonder­ ausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien), Wien 1979.

Liste der fehlenden Stücke angeführt wurde, ist

Deutsch erschienen und damit ein erster Schritt

bis heute nichts bekannt, in der Literatur gilt es

zur Wiederentdeckung der Kulturgeschichte

allerdings bereits seit 1898 beziehungsweise 1903

der Wiener Jahrhundertwende gesetzt worden

als verschollen.52

war, brachte erst die Übersetzung von Carl E.

56 Heidemarie Uhl: „Wien um 1900“ – das making of eines Gedächtnisortes, in: Monika Sommer u. a. (Hg.): Imaging Vienna. Innensichten, Außensichten, Stadterzählungen, Wien 2006, S. 49. 57 Gustav Klimt. Zeichnungen aus amerikanischem Privatbesitz ausgewählt von Serge Sabarsky und aus Beständen des Historischen Museums der Stadt Wien (Ausstellungskatalog zur 89. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien), Wien 1984. 58 Aktzahl 1092/1983.

16

Blick in die Ausstellung Vienna 1900 im Museum of Modern Art, New York 1986, mit den Gemälden Pallas Athene und Porträt Emilie Flöge aus dem Wien Museum

Schorskes Wien, Geist und Gesellschaft im Fin de Siècle 1982 die große internationale Begeisterungswelle für „Wien um 1900“ ins Rollen.56

und das unzensurierte Exemplar des Plakats für

aber die Leihansuchen sowie die Leihverträge zu

1984 fand die erste und bislang einzige dezidierte

die 1. Secessionsausstellung bei. Aufgrund des

Gustav Klimt an, wird deutlich, dass die Klimt-

Was aber macht ein Museum mit einer solchen

Klimt-Ausstellung im Historischen Museum statt,

großen Erfolgs wurden in den nächsten Jahren

Sammlung des Wien Museums national wie

59 Traum und Wirklichkeit. Wien 1870–1930 (Ausstellungskatalog zur 95. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien), Wien 1985.

Sammlung?

bei welcher in Zusammenarbeit mit dem New

ähnliche Ausstellungen gezeigt, etwa Vienne

international bekannt und gefragt ist.66

60 Uhl, „Wien um 1900“, S. 63.

Ölgemälde wie das Porträt Emilie Flöge, die Pallas

Yorker Kunsthändler Serge Sabarsky Zeichnun-

1880–1938. L’ Apocalypse Joyeuse im Centre

Das heutige Wien Museum stand Leihanfragen

Athene oder die Liebe waren in den vergangenen

gen aus amerikanischem Privatbesitz und aus der

Pompidou in Paris oder die Ausstellung Vienna

aus der Klimt-Sammlung bei entsprechenden

Jahrzehnten zumeist in der Dauerausstellung des

Museumssammlung gezeigt wurden. Diesmal

1900: Art, Architecture & Design im New Yorker

Bedingungen von jeher positiv gegenüber. So

Wien Museums zu sehen.53 Zum einen ist es der

waren es 50 Zeichnungen aus Museumsbestand,

MoMA. Mit der Ausstellung Emilie Flöge und

verlieh es etwa bereits Objekte zu den Klimt-

61 Emilie Flöge und Gustav Klimt. Doppelporträt in Ideallandschaft (Ausstellungskatalog zur 112. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien), Wien 1988.

akute Platzmangel im Haus, der es kaum erlaubt,

die zu sehen waren. Der Besuch von knapp

Gustav Klimt. Doppelporträt in Ideallandschaft

Gedächtnisausstellungen 1928 und 1943 in der

mehr als drei Gemälde eines Malers permanent

45.000 Personen war ausschlaggebend dafür, diese

zeigte das Historische Museum der Stadt Wien

Secession. Auch die Klimt-Ausstellungen in der

zu zeigen, zum anderen können die Zeichnungen

Ausstellung auf Reisen zu schicken. Sie wurde

1988/89 in der Hermesvilla noch einmal eine Aus-

Albertina 1962 und 1968 wurden durch Leihgaben

schon aus konservatorischen Gründen nicht für

im Anschluss von der Kestner-Gesellschaft

wahl seines Klimt-Bestands, nämlich zwei Ölbil-

aus dem Historischen Museum ergänzt.

längere Zeit präsentiert werden. Allerdings wur-

Hannover, über den Jahreswechsel von der

der – darunter natürlich wieder das Porträt Emilie

Nach den eigenen Klimt-Ausstellungen der 1980er-

den – wenn auch bisher nicht in ihrer Gesamtheit –

Münchner Villa Stuck und im Frühling 1985 von

Flöge – zwei Plakate und fünf Zeichnungen.61

Jahre begannen sich die Leihanfragen zu häufen:

immer wieder Teile der Sammlung für Ausstel-

der Neuen Galerie der Stadt Linz übernommen.

In den letzten 20 Jahren wurden nur einzelne

1990 reisten zehn Klimt-Objekte zu der Ausstel-

lungen herangezogen. In diesem Zusammenhang

Im selben Jahr fand im Künstlerhaus die legen-

Klimt-­Objekte in Ausstellungen des Wien Muse-

lung Wien in der Morgenröte des 20. Jahrhunderts

sind sowohl eigene als auch von anderen Insti-

däre Ausstellung Traum und Wirklichkeit. Wien

ums gezeigt. So war unter den 100 ausgewählten

im Pushkin-Museum in Moskau,67 im folgenden

tutionen veranstaltete Ausstellungen zu nennen,

1870–1930 statt – eine Ausstellung, die vom

Blättern der Ausstellung Skizzen, Studien, Meister­

Jahr waren 40 Objekte bei der Klimt-Ausstellung

für die Leihgaben der Sammlung zur Verfügung

Historischen Museum der Stadt Wien organisiert

blätter. Wiener Graphik aus fünf Jahrhunderten 1996

im Palazzo Strozzi in Florenz zu sehen,68 und 1992

gestellt wurden.

und konzipiert wurde. Diese Schau gilt bis heute

eine Zeichnung Gustav Klimts zu sehen, 2003

fand im Kunsthaus Zürich eine Klimt-Ausstellung

Beginnen wir mit einem Überblick über die

als das Wiener Ausstellungsereignis der Superla-

waren seine Plakate für die Secession Teil der

statt, die mit 52 Kunstwerken, Porträtfotografien

eigenen Ausstellungen, in denen Klimt-Objekte

tive, das mit mehr als 622.000 Besucherinnen und

Ausstellung Kraftflächen. Wiener Plakatkunst um

und dem Malerkittel Klimts beschickt wurde.69

zu sehen waren. 1964 initiierte das Kulturamt der

Besuchern seither nicht getoppt werden konnte.

1900, im folgenden Jahr war die Zeichnung aus

1994 fanden zwei Ausstellungen von Klimt-Zeich-

Stadt Wien eine Ausstellung zum Thema Wien

Hier war das Beste vom Besten zum Thema

dem Nachlass Arthur Roesslers, ein stehender

nungen des Historischen Museums der Stadt

um 1900, die gleichzeitig an vier verschiedenen

„Wien um 1900“ versammelt, die Wiener Museen

weiblicher Akt, in Schiele & Roessler. Der Künstler

Wien in Zusammenarbeit mit der Nationalgalerie

Orten in Wien stattfand. Im damaligen Histori-

wie auch private Leihgeber aus dem In- und Aus-

und sein Förderer ausgestellt,64 und 2008/09 war

Bratislava statt, bei denen jeweils 50 Zeichnungen

schen Museum der Stadt Wien wurden die Be-

land unterstützten die Ausstellung mit hochkarä-

das Porträt Emilie Flöge Leitobjekt der Ausstellung

aus der Sammlung des heutigen Wien Museums

67 Aktzahl 2599/1988.

reiche Druckgrafik, Buch und Plakat präsentiert.

tigen Leihgaben. Das Historische Museum selbst

Glanzstücke.

gezeigt wurden. Bei der Ausstellung Sehnsucht

68 Aktzahl 219/1991.

Dementsprechend waren in dieser Ausstellung

steuerte aus der eigenen Sammlung neben vielen

Abgesehen von einer Häufung der ausgestellten

nach Glück. Wiens Aufbruch in die Moderne in der

69 Aktzahl 2454/1991.

aus dem eigenen Klimt-Bestand lediglich die

anderen Objekten sieben seiner acht Ölbilder

Klimt-Objekte in den selbstveranstalteten Aus-

Kunsthalle Schirn in Frankfurt waren 1995 drei

70 Aktzahl 413/1993.

Plakate zur 1. und zur 18. Secessionsausstellung,

von Gustav Klimt, darunter natürlich das Porträt

stellungen in den Jahren 1979 bis 1989 scheint im

Ölbilder und 20 Zeichnungen zu sehen,71 1998

71 Aktzahl 26/1995.

sowie Ver Sacrum-Hefte mit Klimt-Illustrationen

Emilie Flöge und Pallas Athene, den Zuschauerraum

eigenen Haus eher wenig Interesse an diesem

wurden anlässlich des hundertjährigen Bestehens

zu sehen.

im alten Burgtheater, zwei seiner Zeichnungen

Bestand geherrscht zu haben. Sieht man sich

der Secession 25 Klimt-Leihgaben für eine Aus-

Die Nutzung der Sammlung

54

57

58

59

60

62

63

65

70

62 Skizzen, Studien, Meisterblätter. Wiener Graphik aus fünf Jahrhunderten (Ausstellungskatalog zur 216. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien), Wien 1996, S. 65f. 63 Kraftflächen. Wiener Plakatkunst um 1900 (Ausstellungskatalog zur 303. Ausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien), Wien 2003, S. 43-47. 64 Tobias G. Natter und Ursula Storch (Hg): Schiele & Roessler. Der Künstler und sein Förderer. Kunst und Networking im frühen 20. Jahrhundert (Ausstellungskatalog Wien Museum), Ostfildern-Ruit 2004, S. 151. 65 Glanzstücke. Emilie Flöge und der Schmuck der Wiener Werkstätte (Ausstellungskatalog Wien Museum), Stuttgart 2008. 66 Da in den vergangenen Jahrzehnten nicht alle Leihakten archiviert wurden, muss davon ausgegangen werden, dass die folgenden Angaben nur Tendenzen erfassen können, die realen Zahlen aber wohl noch um einiges höher anzusetzen sind. US

17


103 99

Verliehene Klimt-Objekte des Wien Museums seit 1980

90

82

70 65 59 57 56 50 44 40 39 33 25 23 17 15 14

Plakat der National Gallery of Victoria in Melbourne mit Motiv Porträt Emilie Flöge, 2011

10 9 8 7 1

1980 1981 1982 1983  1984  1985 1986  1987 1988 1989  1990  1991  1992 1993  1994 1995 1996  1997 1998  1999  2000  2001  2002 2003  2004 2005 2006 2007  2008  2009 2010  2011

72 Aktzahl 2562/1997.

stellung im Akademiehof leihweise zur Verfügung

Auf die Gefahr hin, dass eine solche Aufzählung

Wien Museum nur mehr in höchst seltenen Aus-

gemeinsam mit den Schenkungen und mithilfe

73 Aktzahl 2756/1998.

gestellt.72 24 Leihgaben reisten 1999 für Gustav

ermüdend wirkt, zeigt sie doch sehr eindrucks-

nahmefällen verlässt, da es, wie bereits erwähnt,

weiterer Steuergelder verwahrt, wissenschaftlich

74 Aktzahl 448/1999.

Klimt e le origini della Secessione Viennese nach

voll, welche Bedeutung die Klimt-Sammlung des

das kostbarste und eines der berühmtesten

bearbeitet, verwaltet und restauratorisch betreut,

75 Aktzahl 1303/1998.

Mailand,73 bei Klimt und die Frauen im Belvedere

Wien Museums in den letzten Jahrzehnten auf

Gemälde des Museums ist. An dritter Stelle im

sodass die Öffentlichkeit das Recht hat, diesen

76 Aktzahl 461/2001.

waren im selben Jahr 22 originale Werke aus

dem internationalen Ausstellungsparkett erlangt

Ranking liegt das Gemälde Liebe mit rund 25 Leih­

Bestand – vermutlich das einzige Mal in seiner

77 Aktzahl 1724/2002.

dem Museum zu sehen.74

hat. Leihgebungen einzelner oder weniger Objekte

anfragen seit 1980. Unter den Grafiken führen

Geschichte – in seiner Gesamtheit zu sehen.

78 Aktzahl 2144/2003.

Die umfangreichsten Leihgebungen seit dem

blieben bei dieser Aufzählung unberücksichtigt,

erwartungsgemäß die vielerorts publizierten drei

Es versteht sich von selbst, bei dieser Gelegen-

79 Aktzahl 2060/2003.

Jahr 2000 waren folgende: 45 Werke bei einer

genauso wie die zahllosen Leihansuchen, die

Reinzeichnungen Klimts für das Vorlagenwerk

heit alle Ölgemälde Klimts auszustellen. Alle,

80 Aktzahl 1725/2005.

Klimt-Ausstellung in der National Gallery of

aus verschiedenen Gründen abgelehnt werden

Allegorien. Neue Folge, also Tragödie, Sculptur und

also rund 400 Zeichnungen zu zeigen, ohne eine

81 Aktzahl 1750/2005.

Canada in Ottawa 2001,75 18 Zeichnungen bei

mussten. Darunter fanden sich auch mehrmals

Junius mit je 25 bis 30 Leihansuchen. Die beiden

wertende Auswahl zu treffen, ist allerdings eher

82 Aktzahl 215/2007.

einer Klimt – Kokoschka – Schiele-Ausstellung in

Ansuchen für ganze Klimt-Ausstellungen aus

Reinzeichnungen für die Ver Sacrum-Illustrationen

ungewöhnlich, ermöglicht dem Publikum aber

83 Aktzahl 445/2008.

Rom 2001/02,76 drei Ölbilder und 12 Zeichnungen

den Beständen des Wien Museums, die meist

Neid und Nuda Veritas sowie die Gorgonen, eine

Schlüsse, die in anderen Wiener Klimt-Ausstel-

bei der Ausstellung Klimt und die Frauen in Kobe

aus konservatorischen Gründen abgelehnt

Studie zum Beethovenfries, wurden seit 1980

lungen dieses Jahres nicht gezogen werden

und Nagoya in Japan 2003,77 37 Zeichnungen bei

wurden, etwa eine Ausstellungstournee durch

jeweils rund 20 Mal für Ausstellungen angefragt.

können.

Gustav Klimt. Papiers Érotiques im Musée Maillol in

vier bedeutende Museen der USA mit rund 80

Der größere Teil der Zeichnungen sind schnell

Paris 2005,78 zwölf Werke bei Die nackte Wahrheit in

Klimt-Zeichnungen Ende der 1990er-Jahre,87 eine

hingeworfene Skizzen, gleichsam Stenogramme

84 Aktzahl 729 und 1054/2007. 85 Aktzahl 1246/2007. 86 Aktzahl 1104/2008. 87 Aktzahl 2377/1995. 88 Aktzahl 481/2002. 89 Aktzahl 486/2002. 90 Aktzahl 694/2001.

der Kunsthalle Schirn, Frankfurt 2005, 17 Zeich-

Ausstellung im Historischen Museum Warschau

nungen bei einer Ausstellung über Jan Toorop

2002,88 eine Ausstellung in der Athens Concert

und Gustav Klimt im Gemeente­museum in Den

Hall ebenfalls 2002 oder eine Klimt-Schau im

Die Faktenanalyse macht deutlich, dass die

Ölgemälden, in denen er Details ausprobierte,

Haag 2006,80 31 Werke bei einer Klimt-Ausstel-

Museo de arte moderno de Bogota 2003.90

Klimt-Sammlung des Wien Museums im inter-

sie verwarf, nach anderen Lösungen suchte und

lung in der Fundación Juan March in Madrid

Im Rahmen der faktenorientierten Auflistungen

nationalen Ausstellungskarussell zum Thema

Varianten dazu fand. Es ist nachvollziehbar, dass

2006/07,81 13 Objekte bei Gustav Klimt: Painting,

seien hier auch kurz die seit 1980 am häufigsten

„Wien um 1900“ vor allem seit den 1980er-Jahren

bei einer so großen Zahl von Zeichnungen

Design and Modern Life in Vienna 1900 in der Tate

angefragten Klimt-Objekte des Wien Museums

eine wesentliche Rolle spielt. Rekapituliert man,

Qualitätsunterschiede zu bemerken sind. Aller-

Liverpool 2008,82 15 Leihgaben bei Gustav Klimt. In

vorgestellt, was allerdings nicht bedeutet, dass

dass die bisher einzige Gustav Klimt gewidmete

dings war auch nicht jedes dieser Blätter dafür

Search of the Total Art Work im Seoul Art Center

diese Objekte in allen Fällen tatsächlich verliehen

Ausstellung in diesem Haus 1984, also vor bald

vorgesehen, der Nachwelt erhalten zu werden.

2008/09,83 fünf Ölbilder und acht Zeichnungen

wurden. Im Gegenteil: Vor allem aus konservato-

30 Jahren stattfand, in dieser Zeit aber insgesamt

Klimt selbst maß den meisten unter ihnen keinen

bei einer Ausstellung der Meisterwerke des Wien

rischen Gründen mussten die meisten Leihansu-

mehr als 800 Klimt-Leihgaben das Wien Museum

großen Wert bei. Zeitgenossen berichteten mehr-

Museums in vier japanischen Museen 2009/10,84

chen abgelehnt werden. Das Ölgemälde Pallas

zu Ausstellungszwecken verlassen haben, so

fach über seinen Umgang mit den Zeichnungen,

zwölf Zeichnungen bei der Klimt-Ausstellung

Athene liegt mit rund 40 Anfragen in den vergan-

wird die Überlegung nachvollziehbar, die eigene

so auch der Kunstkritiker Arthur Roessler:

im Museum der bildenden Künste Budapest

genen 30 Jahren auf dem Spitzenrang. Klimts

Sammlung im Klimt-Gedenkjahr im eigenen

„Ich selbst sah in Klimts Werkstatt übermannshohe

2010/11 und zuletzt das Porträt Emilie Flöge und

Gemälde Porträt Emilie Flöge folgt mit rund 30

Haus zu präsentieren. Schließlich wurden die

Stapel von Studienblättern, darunter Dutzende,

fünf weitere Arbeiten bei Vienna: Art & Design in

Leihanfragen, wobei es sich schon herum­

seit 1901 insgesamt 131 angekauften Klimt-Werke

die das selbe [sic] Motiv behandeln, eine Hand,

der National Gallery of Victoria in Melbourne 2011.

gesprochen haben dürfte, dass dieses Werk das

mit öffentlichen Geldern erworben und seither

eine Achsel, einen Rumpf, ein paar Beine, eine

79

89

85

86

18

Die Sammlung im Gedenkjahr 2012

von Ideen, die Klimt hatte, oder endlose Reihen von einander sehr ähnlichen Studienblättern zu

19


103 99

Verliehene Klimt-Objekte des Wien Museums seit 1980

90

82

70 65 59 57 56 50 44 40 39 33 25 23 17 15 14

Plakat der National Gallery of Victoria in Melbourne mit Motiv Porträt Emilie Flöge, 2011

10 9 8 7 1

1980 1981 1982 1983  1984  1985 1986  1987 1988 1989  1990  1991  1992 1993  1994 1995 1996  1997 1998  1999  2000  2001  2002 2003  2004 2005 2006 2007  2008  2009 2010  2011

72 Aktzahl 2562/1997.

stellung im Akademiehof leihweise zur Verfügung

Auf die Gefahr hin, dass eine solche Aufzählung

Wien Museum nur mehr in höchst seltenen Aus-

gemeinsam mit den Schenkungen und mithilfe

73 Aktzahl 2756/1998.

gestellt.72 24 Leihgaben reisten 1999 für Gustav

ermüdend wirkt, zeigt sie doch sehr eindrucks-

nahmefällen verlässt, da es, wie bereits erwähnt,

weiterer Steuergelder verwahrt, wissenschaftlich

74 Aktzahl 448/1999.

Klimt e le origini della Secessione Viennese nach

voll, welche Bedeutung die Klimt-Sammlung des

das kostbarste und eines der berühmtesten

bearbeitet, verwaltet und restauratorisch betreut,

75 Aktzahl 1303/1998.

Mailand,73 bei Klimt und die Frauen im Belvedere

Wien Museums in den letzten Jahrzehnten auf

Gemälde des Museums ist. An dritter Stelle im

sodass die Öffentlichkeit das Recht hat, diesen

76 Aktzahl 461/2001.

waren im selben Jahr 22 originale Werke aus

dem internationalen Ausstellungsparkett erlangt

Ranking liegt das Gemälde Liebe mit rund 25 Leih­

Bestand – vermutlich das einzige Mal in seiner

77 Aktzahl 1724/2002.

dem Museum zu sehen.74

hat. Leihgebungen einzelner oder weniger Objekte

anfragen seit 1980. Unter den Grafiken führen

Geschichte – in seiner Gesamtheit zu sehen.

78 Aktzahl 2144/2003.

Die umfangreichsten Leihgebungen seit dem

blieben bei dieser Aufzählung unberücksichtigt,

erwartungsgemäß die vielerorts publizierten drei

Es versteht sich von selbst, bei dieser Gelegen-

79 Aktzahl 2060/2003.

Jahr 2000 waren folgende: 45 Werke bei einer

genauso wie die zahllosen Leihansuchen, die

Reinzeichnungen Klimts für das Vorlagenwerk

heit alle Ölgemälde Klimts auszustellen. Alle,

80 Aktzahl 1725/2005.

Klimt-Ausstellung in der National Gallery of

aus verschiedenen Gründen abgelehnt werden

Allegorien. Neue Folge, also Tragödie, Sculptur und

also rund 400 Zeichnungen zu zeigen, ohne eine

81 Aktzahl 1750/2005.

Canada in Ottawa 2001,75 18 Zeichnungen bei

mussten. Darunter fanden sich auch mehrmals

Junius mit je 25 bis 30 Leihansuchen. Die beiden

wertende Auswahl zu treffen, ist allerdings eher

82 Aktzahl 215/2007.

einer Klimt – Kokoschka – Schiele-Ausstellung in

Ansuchen für ganze Klimt-Ausstellungen aus

Reinzeichnungen für die Ver Sacrum-Illustrationen

ungewöhnlich, ermöglicht dem Publikum aber

83 Aktzahl 445/2008.

Rom 2001/02,76 drei Ölbilder und 12 Zeichnungen

den Beständen des Wien Museums, die meist

Neid und Nuda Veritas sowie die Gorgonen, eine

Schlüsse, die in anderen Wiener Klimt-Ausstel-

bei der Ausstellung Klimt und die Frauen in Kobe

aus konservatorischen Gründen abgelehnt

Studie zum Beethovenfries, wurden seit 1980

lungen dieses Jahres nicht gezogen werden

und Nagoya in Japan 2003,77 37 Zeichnungen bei

wurden, etwa eine Ausstellungstournee durch

jeweils rund 20 Mal für Ausstellungen angefragt.

können.

Gustav Klimt. Papiers Érotiques im Musée Maillol in

vier bedeutende Museen der USA mit rund 80

Der größere Teil der Zeichnungen sind schnell

Paris 2005,78 zwölf Werke bei Die nackte Wahrheit in

Klimt-Zeichnungen Ende der 1990er-Jahre,87 eine

hingeworfene Skizzen, gleichsam Stenogramme

84 Aktzahl 729 und 1054/2007. 85 Aktzahl 1246/2007. 86 Aktzahl 1104/2008. 87 Aktzahl 2377/1995. 88 Aktzahl 481/2002. 89 Aktzahl 486/2002. 90 Aktzahl 694/2001.

der Kunsthalle Schirn, Frankfurt 2005, 17 Zeich-

Ausstellung im Historischen Museum Warschau

nungen bei einer Ausstellung über Jan Toorop

2002,88 eine Ausstellung in der Athens Concert

und Gustav Klimt im Gemeente­museum in Den

Hall ebenfalls 2002 oder eine Klimt-Schau im

Die Faktenanalyse macht deutlich, dass die

Ölgemälden, in denen er Details ausprobierte,

Haag 2006,80 31 Werke bei einer Klimt-Ausstel-

Museo de arte moderno de Bogota 2003.90

Klimt-Sammlung des Wien Museums im inter-

sie verwarf, nach anderen Lösungen suchte und

lung in der Fundación Juan March in Madrid

Im Rahmen der faktenorientierten Auflistungen

nationalen Ausstellungskarussell zum Thema

Varianten dazu fand. Es ist nachvollziehbar, dass

2006/07,81 13 Objekte bei Gustav Klimt: Painting,

seien hier auch kurz die seit 1980 am häufigsten

„Wien um 1900“ vor allem seit den 1980er-Jahren

bei einer so großen Zahl von Zeichnungen

Design and Modern Life in Vienna 1900 in der Tate

angefragten Klimt-Objekte des Wien Museums

eine wesentliche Rolle spielt. Rekapituliert man,

Qualitätsunterschiede zu bemerken sind. Aller-

Liverpool 2008,82 15 Leihgaben bei Gustav Klimt. In

vorgestellt, was allerdings nicht bedeutet, dass

dass die bisher einzige Gustav Klimt gewidmete

dings war auch nicht jedes dieser Blätter dafür

Search of the Total Art Work im Seoul Art Center

diese Objekte in allen Fällen tatsächlich verliehen

Ausstellung in diesem Haus 1984, also vor bald

vorgesehen, der Nachwelt erhalten zu werden.

2008/09,83 fünf Ölbilder und acht Zeichnungen

wurden. Im Gegenteil: Vor allem aus konservato-

30 Jahren stattfand, in dieser Zeit aber insgesamt

Klimt selbst maß den meisten unter ihnen keinen

bei einer Ausstellung der Meisterwerke des Wien

rischen Gründen mussten die meisten Leihansu-

mehr als 800 Klimt-Leihgaben das Wien Museum

großen Wert bei. Zeitgenossen berichteten mehr-

Museums in vier japanischen Museen 2009/10,84

chen abgelehnt werden. Das Ölgemälde Pallas

zu Ausstellungszwecken verlassen haben, so

fach über seinen Umgang mit den Zeichnungen,

zwölf Zeichnungen bei der Klimt-Ausstellung

Athene liegt mit rund 40 Anfragen in den vergan-

wird die Überlegung nachvollziehbar, die eigene

so auch der Kunstkritiker Arthur Roessler:

im Museum der bildenden Künste Budapest

genen 30 Jahren auf dem Spitzenrang. Klimts

Sammlung im Klimt-Gedenkjahr im eigenen

„Ich selbst sah in Klimts Werkstatt übermannshohe

2010/11 und zuletzt das Porträt Emilie Flöge und

Gemälde Porträt Emilie Flöge folgt mit rund 30

Haus zu präsentieren. Schließlich wurden die

Stapel von Studienblättern, darunter Dutzende,

fünf weitere Arbeiten bei Vienna: Art & Design in

Leihanfragen, wobei es sich schon herum­

seit 1901 insgesamt 131 angekauften Klimt-Werke

die das selbe [sic] Motiv behandeln, eine Hand,

der National Gallery of Victoria in Melbourne 2011.

gesprochen haben dürfte, dass dieses Werk das

mit öffentlichen Geldern erworben und seither

eine Achsel, einen Rumpf, ein paar Beine, eine

79

89

85

86

18

Die Sammlung im Gedenkjahr 2012

von Ideen, die Klimt hatte, oder endlose Reihen von einander sehr ähnlichen Studienblättern zu

19


91 Arthur Roessler: In memoriam Gustav Klimt, Wien 1926, o. S. 92 Inv.Nr. 74.930/176. 93 Inv.Nr. 74.930/230. 94 Ludwig Hevesi: Haus Wärndorfer, in: ders.: Altkunst – Neukunst. Wien 1894–1908, Wien 1909, S. 223.

stehende, oder liegende Gestalt, die kontrapunk-

kritischen Betrachtung unterzogen, der Markt-

tische Umschlingung und Verschlungenheit

wert seiner Werke näher unter die Lupe genom-

zweier Leiber oder auch nur eine Gebärde, eine

men und die Frage nach den Langzeitfolgen

ganz leise Geste; viele Male immer dasselbe, aber

Klimts für Wien, in ästhetischer und wirtschaft­

stets neu erschaut und wiedergegeben. Klimt

licher Hinsicht gestellt.

wertete diese Fülle von Beweisstücken ebenso

In diesem Zusammenhang gilt es etwa auch,

emsiger wie durchdringender Arbeit nach der

das Urteil des Kunstkritikers Ludwig Hevesi zu

Natur, nur als Mittel zum Zweck und hat tausende

überprüfen, der 1905, anlässlich einer Einladung

davon vernichtet, wenn sie ihm gedient hatten

in die von Charles R. Macintosh und der Wiener

oder nicht das Äußerste an Ausdruck in spar-

Werkstätte eingerichtete Villa des Industriellen

samst angewandter Technik enthielten.“

Fritz Waerndorfer, über das Wien seiner Zeit ins

91

Im Wien Museum bietet sich in der Klimt-

Schwärmen geriet:

Ausstellung 2012 die einmalige Gelegenheit,

„Es gibt neue Poesie in der Welt, wie sie noch nie

dem Künstler gleichsam bei der Arbeit über die

erträumt wurde. Eine herbe Schönheit, nach all

Schulter zu schauen, seiner Produktivität auf die

den Süßigkeiten des neunzehnten Jahrhunderts,

Spur zu kommen und ihn bei seiner künstleri-

dessen eigentlicher Ruhm sein wird, die besten

schen Suche nach der passenden Form und dem

Bonbons erzeugt und sogar das Saccharin

geeigneten Ausdruck zu beobachten. Besonders

erfunden zu haben. Und merkwürdig, daß gerade

erhellend sind in diesem Zusammenhang auch

Wien nachgerade [sic] die Hauptstadt dieser so

die wenigen Zeichnungen, in denen er beispiels-

ernst angewandel­ten, aus männlichen Nerven

weise zu einer weiblichen Rückenpartie „länger“

strömenden, mit neuem Reiz reizenden Herbheit

dazuschreibt92 oder in einen Gemäldeentwurf

ist. Wien ist die Stadt Gustav Klimts, dessen

die später zu verwendenden Farbbezeichnungen

Bilder extra dry sind, wie ein Champagner für

„WEISS“, „SCHWARZ“, „GRAU“ einträgt. Nur

Männer.“

93

angesichts der großen Fülle von Detailstudien

Gustav Klimts Pallas Athene als Leihgabe bei internationalen Ausstellungen seit 1985

Ottawa 2001

Ringen um die ultimative Gestaltung nachvollziehen. Diesem Prozess folgt schließlich auch die Erkenntnis, dass selbst ein überdurchschnittlich begabter Künstler nicht mit jeder Zeichnung ein Kunstwerk mit Ewigkeitsanspruch abzuliefern vermag – das aber auch gar nicht beabsichtigt.

London 2000

Montréal 1995/96

Moskau 1990 Wien

Sapporo 2009/10 Koriyama 2001 Fuchu 2001

Paris 2005/06

Lienz 2002

Kobe 2003

94

New York 1986/1995/1996

und Skizzenserien, auf die Arthur Roessler Bezug nimmt, lässt sich Klimts Arbeitsweise, sein

Sendai 2001/02

Den Haag 2006

Washington D.C. 2000/01

Frankfurt 1995/2005 Fukuoka 2009/10

Zürich 1992 Florenz 1991/92

Tokyo 2001/02

2009/10

Matsue 2001/02 Osaka 2009/10 Nagoya 2003

Die wenigsten Zeichnungen wurden von Klimt signiert, was ein weiterer deutlicher Hinweis auf seine persönliche Bewertung dieser Arbeiten ist. Dass mittlerweile sogar Studienblätter, die er selbst wohl niemals aufbewahrt hätte, auf dem Kunstmarkt beachtliche Preise erzielen, ist zwar eine Tatsache, deren Irrationalität allerdings steht angesichts der großen Anzahl an bekannten Zeichnungen und deren qualitativen Unterschieden zur Diskussion. In einem Universalmuseum wie dem Wien Museum, das sich mit der gesamten Wiener Kultur­ geschichte beschäftigt, lassen sich darüber hinaus auch weiterführende Fragen zu Gustav Klimt und Wien stellen. So wird im Rahmen der Ausstellung auch Klimts Frauenbild einer 20

21


91 Arthur Roessler: In memoriam Gustav Klimt, Wien 1926, o. S. 92 Inv.Nr. 74.930/176. 93 Inv.Nr. 74.930/230. 94 Ludwig Hevesi: Haus Wärndorfer, in: ders.: Altkunst – Neukunst. Wien 1894–1908, Wien 1909, S. 223.

stehende, oder liegende Gestalt, die kontrapunk-

kritischen Betrachtung unterzogen, der Markt-

tische Umschlingung und Verschlungenheit

wert seiner Werke näher unter die Lupe genom-

zweier Leiber oder auch nur eine Gebärde, eine

men und die Frage nach den Langzeitfolgen

ganz leise Geste; viele Male immer dasselbe, aber

Klimts für Wien, in ästhetischer und wirtschaft­

stets neu erschaut und wiedergegeben. Klimt

licher Hinsicht gestellt.

wertete diese Fülle von Beweisstücken ebenso

In diesem Zusammenhang gilt es etwa auch,

emsiger wie durchdringender Arbeit nach der

das Urteil des Kunstkritikers Ludwig Hevesi zu

Natur, nur als Mittel zum Zweck und hat tausende

überprüfen, der 1905, anlässlich einer Einladung

davon vernichtet, wenn sie ihm gedient hatten

in die von Charles R. Macintosh und der Wiener

oder nicht das Äußerste an Ausdruck in spar-

Werkstätte eingerichtete Villa des Industriellen

samst angewandter Technik enthielten.“

Fritz Waerndorfer, über das Wien seiner Zeit ins

91

Im Wien Museum bietet sich in der Klimt-

Schwärmen geriet:

Ausstellung 2012 die einmalige Gelegenheit,

„Es gibt neue Poesie in der Welt, wie sie noch nie

dem Künstler gleichsam bei der Arbeit über die

erträumt wurde. Eine herbe Schönheit, nach all

Schulter zu schauen, seiner Produktivität auf die

den Süßigkeiten des neunzehnten Jahrhunderts,

Spur zu kommen und ihn bei seiner künstleri-

dessen eigentlicher Ruhm sein wird, die besten

schen Suche nach der passenden Form und dem

Bonbons erzeugt und sogar das Saccharin

geeigneten Ausdruck zu beobachten. Besonders

erfunden zu haben. Und merkwürdig, daß gerade

erhellend sind in diesem Zusammenhang auch

Wien nachgerade [sic] die Hauptstadt dieser so

die wenigen Zeichnungen, in denen er beispiels-

ernst angewandel­ten, aus männlichen Nerven

weise zu einer weiblichen Rückenpartie „länger“

strömenden, mit neuem Reiz reizenden Herbheit

dazuschreibt92 oder in einen Gemäldeentwurf

ist. Wien ist die Stadt Gustav Klimts, dessen

die später zu verwendenden Farbbezeichnungen

Bilder extra dry sind, wie ein Champagner für

„WEISS“, „SCHWARZ“, „GRAU“ einträgt. Nur

Männer.“

93

angesichts der großen Fülle von Detailstudien

Gustav Klimts Pallas Athene als Leihgabe bei internationalen Ausstellungen seit 1985

Ottawa 2001

Ringen um die ultimative Gestaltung nachvollziehen. Diesem Prozess folgt schließlich auch die Erkenntnis, dass selbst ein überdurchschnittlich begabter Künstler nicht mit jeder Zeichnung ein Kunstwerk mit Ewigkeitsanspruch abzuliefern vermag – das aber auch gar nicht beabsichtigt.

London 2000

Montréal 1995/96

Moskau 1990 Wien

Sapporo 2009/10 Koriyama 2001 Fuchu 2001

Paris 2005/06

Lienz 2002

Kobe 2003

94

New York 1986/1995/1996

und Skizzenserien, auf die Arthur Roessler Bezug nimmt, lässt sich Klimts Arbeitsweise, sein

Sendai 2001/02

Den Haag 2006

Washington D.C. 2000/01

Frankfurt 1995/2005 Fukuoka 2009/10

Zürich 1992 Florenz 1991/92

Tokyo 2001/02

2009/10

Matsue 2001/02 Osaka 2009/10 Nagoya 2003

Die wenigsten Zeichnungen wurden von Klimt signiert, was ein weiterer deutlicher Hinweis auf seine persönliche Bewertung dieser Arbeiten ist. Dass mittlerweile sogar Studienblätter, die er selbst wohl niemals aufbewahrt hätte, auf dem Kunstmarkt beachtliche Preise erzielen, ist zwar eine Tatsache, deren Irrationalität allerdings steht angesichts der großen Anzahl an bekannten Zeichnungen und deren qualitativen Unterschieden zur Diskussion. In einem Universalmuseum wie dem Wien Museum, das sich mit der gesamten Wiener Kultur­ geschichte beschäftigt, lassen sich darüber hinaus auch weiterführende Fragen zu Gustav Klimt und Wien stellen. So wird im Rahmen der Ausstellung auch Klimts Frauenbild einer 20

21


Höhepunkte und Raritäten Die Klimt-Zeichnungen des Wien Museums Gustav Klimt Märchen, 1884 Kat.Nr. 2.18

Marian Bisanz-Prakken 1 Einer Notiz zufolge ist hier „Frau Taglang“ dargestellt. 2 Handschriftliche Aufzeichnungen Hermine Klimts über das Leben Gustav Klimts, zit. n.: Christian M. Nebehay: Gustav Klimt. Dokumentation, Wien 1969, S. 60. Weitere Beispiele dieser frühesten, fotografisch genauen Porträtgattung: Alice Strobl: Gustav Klimt. Die Zeichnungen 1878–1903, Bd. I, Salzburg 1980, WV Nr. 26-30; dies.: Gustav Klimt. Die Zeichnungen 1878–1918. Nachtrag, Bd. IV, Salzburg 1989, WV Nr. 3184-3168. Bei Nr. 3184, dem nach einem Foto entstandenen Porträt der 15-jährigen Paula Taglang, laut einer Notiz von Georg Klimt „ungefähr 1876 entstanden“, handelt es sich vermutlich um die Tochter der Dargestellten. 3 Albert Ilg, in: Martin Gerlach (Hg.): Allegorien und Embleme, Wien 1882, Bd. I, S. 1.

Die Vielfalt der im Wien Museum verwahrten,

Details durch subtile Helldunkelwirkungen und

Tierreichs, dem die Vertreterinnen der Pflanzen-

geprägten Malweise, stimmt dieses bisher 1882

insgesamt rund 400 Zeichnungen Gustav Klimts

prägnante Umrisslinien hervor. Erst viel später

und Mineralienreiche ergeben zu Füßen sitzen,

datierte Werk jedoch eher mit den Dekorationen

knapp zu charakterisieren, ist kein leichtes Unter-

sollte Klimt sich primär dem weiblichen Akt

an Michelangelos ignudi der Sixtinischen

für das Theater in Karlsbad (1884/85) überein.

fangen. Bedeutender Schwerpunkt der Samm-

widmen.

Kapelle. Im Vordergrund jedoch steht hier das

Von einem scharfen Realismus wiederum sind

lung sind überragende Werke des Historismus,

Eine Schlüsselstellung in Klimts zeichnerischem

Spiel mit sensiblen Umrisslinien, raffinierten

die beiden Aquarelle geprägt, die den 1885 ver-

des Symbolismus und der frühen Secession, aber

Frühwerk nehmen die fünf bildhaft ausgeführten

Oberflächenwirkungen und sorgfältig aufeinan-

storbenen Kunsthistoriker Rudolf von Eitelberger,

Besonderheiten und Höhepunkte gibt es auch

Kompositionen ein, die – zusammen mit zwei

der abgestimmten Gesten. Im üppig dekorierten

beziehungsweise den 1883 verstorbenen Eisen-

unter den zahlreichen Blättern der Goldenen

gemalten Arbeiten – zwischen 1881 und 1884

Rahmen der Allegorie Oper (1883, Kat.Nr. 2.16)

bahnpionier Julius Lott auf ihrem Totenbett wie-

Periode und der späten Jahre zu verzeichnen.

als Reproduktionsvorlagen für die von Martin

wiederum, scheinen die musizierenden und eifrig

dergeben – die frühesten post-mortem-Bildnisse

Ohne den Anspruch auf Vollständigkeit werden

Gerlach herausgegebene Serie Allegorien und

hochkletternden Amoretten sogar mehr zu

Klimts (Kat.Nr. 8.1 und 8.2). Die wie Pendants

im nun folgenden Überblick auch einige kaum

Embleme entstanden. Ganz im Sinne des Historis-

,leben‘ als die Figuren der Hauptdarstellung.

wirkenden Arbeiten könnten gleichzeitig ent-

bekannte Aspekte der Sammlung beleuchtet.

mus sollten sich die an diesem Projekt beteiligten

Durch spontane Linienskizzen von Kleinkindern

standen sein. Während Klimt das 1885 datierte

Die früheste, bisher unveröffentlichte Zeichnung

Künstler aus Deutschland und Österreich den

bereitete Klimt die zahlreichen Putten und

Totenbildnis Rudolf von Eitelbergers unmittelbar

der Klimt-Sammlung des Wien Museums ist das

„höchsten, einfachsten und darum ewig bedeu-

Amoretten vor, die seine historistischen Szenen

nach der Wirklichkeit angefertigt hat, mag er bei

wie ein Foto ausgeführte Ovalbildnis einer Frau

tenden Begriffen“ widmen, in denen sich „alle

vielfach bevölkern. Die modernste Allegorie der

der nicht datierten Darstellung des Julius Lott

mittleren Alters (Kat.Nr. 1.1).1 Die Signatur und

Epochen und Schulen seit Jahrhunderten geübt“

Serie ist die bühnenhafte Szene Märchen (1884,

von einem von den Auftraggebern zur Verfügung

die Jahreszahl 1877 wurden zweifelsfrei vom

hätten. Dem jungen Gustav bot sich die willkom-

Kat.Nr. 2.18). Als monumentales Kontrastpaar

Künstler selbst angebracht, allerdings zu einem

mene Chance, seine Fähigkeiten öffentlich unter

inszeniert Klimt den feurigen orientalischen

gestellten Totenbett-Foto ausgegangen sein.4 Noch kurz vor seinem Tod hatte Rudolf von Eitel-

späteren Zeitpunkt – sehr wahrscheinlich in den

Beweis zu stellen; in diesen autonomen Arbeiten

Märchenerzähler und das exotische, sich an ihn

berger in Bezug auf den größten Wiener Auftrag

1890er-Jahren. Diese, nach vorliegendem Stand

konnte er sich als Zeichner in vielen Techniken

schmiegende nackte Mädchen. Diese Gestalt mit

an die Künstler-Compagnie, die Deckendekora­

am frühesten datierte Arbeit Gustav Klimts,

entfalten. Auch in der Behandlung seiner Themen

ihren üppigen, verführerisch dargebotenen

tionen der Kaiserstiege des Burgtheaters (1886–

gehört zu den Bildnissen, die der angehende

hatte er einen größeren Spielraum als im Rahmen

Körperformen ist der erste weibliche Akt in

1888), eine wichtige vermittelnde Rolle gespielt;

Künstler nach seiner Aufnahme in die Kunst­

der Dekorationsmalereien, die er gemeinsam mit

seinem Werk, der eine unverkennbar erotische

es war der Höhepunkt der Karriere des erfolgrei-

gewerbeschule (1876) in seiner Freizeit „zur

Franz Matsch und seinem Bruder Ernst Klimt –

Wirkung ausübt. Die visionäre Kulisse mit den

chen Trios. Von Gustav Klimt besitzt das Museum

vollsten Zufriedenheit der Besteller“ nach Foto-

das Trio bildete seit 1880 die erfolgreiche Künstler-

schemenhaften Figuren­szenen weist auf den

in diesem Zusammenhang mehrere Detailstudien,

grafien angefertigt hat; honoriert wurden diese

Compagnie – zur Ausführung brachte.

Symbolismus voraus: Auch in Philosophie

darunter den klassisch strengen Männerakt für

Blätter „mit 5 Gulden pro Stück“. Klimt sollte ur-

Trotz deutlicher Anlehnungen an die Kunst der

(1900–1907) schieben sich die ,wirklichen‘ und

Der Thespiskarren (Kat.Nr. 3.20). Unmittelbar

sprünglich Zeichenlehrer werden, aber nach zwei

Vergangenheit, vor allem an die italienische

imaginären Raumschichten übereinander.

nach der Beendigung der Burgtheater-Malereien

Jahren wechselte er zum Fach der Dekorations-

Hochrenaissance, weisen Klimts Beiträge für

Das seltene Aquarell des in der Art des Rokoko

schuf Klimt 1888/89 als Auftragsarbeit der Stadt

malerei. Als Zeichner ragt er schon früh heraus:

Allegorien und Embleme ein eigenständiges, fein

gestalteten Entwurfs eines Bühnenvorhangs,

Wien die Gouache, die den Zuschauerraum des

In seinen zwischen 1878 bis 1880 im Unterricht

differenziertes Form- und Linienvokabular auf. In

dessen Zweck unbekannt ist, zeichnet sich durch

alten Burgtheaters vor der Demolierung des

geschaffenen Studien von nackten männlichen

Die Reiche der Natur (1882, Kat.Nr. 2.2) etwa

einen fulminanten Kolorismus aus (Kat.Nr. 3.12).

Gebäudes wiedergibt (Kat.Nr. 4.1). Der auf den

Modellen und Knaben hebt er die anatomischen

erinnert der oben thronende Herrscher des

Angesichts der extrem freien, von Hans Makart

Moment fixierte Aspekt dieses Bravourstücks,

2

22

3

4 Zu dieser Thematik: Marian BisanzPrakken: Im Antlitz des Todes. Gustav Klimts „Alter Mann auf dem Totenbett“, ein Porträt Hermann Flöges?, in: Belvedere 2 (1996) 1, S. 20-39.

23


Höhepunkte und Raritäten Die Klimt-Zeichnungen des Wien Museums Gustav Klimt Märchen, 1884 Kat.Nr. 2.18

Marian Bisanz-Prakken 1 Einer Notiz zufolge ist hier „Frau Taglang“ dargestellt. 2 Handschriftliche Aufzeichnungen Hermine Klimts über das Leben Gustav Klimts, zit. n.: Christian M. Nebehay: Gustav Klimt. Dokumentation, Wien 1969, S. 60. Weitere Beispiele dieser frühesten, fotografisch genauen Porträtgattung: Alice Strobl: Gustav Klimt. Die Zeichnungen 1878–1903, Bd. I, Salzburg 1980, WV Nr. 26-30; dies.: Gustav Klimt. Die Zeichnungen 1878–1918. Nachtrag, Bd. IV, Salzburg 1989, WV Nr. 3184-3168. Bei Nr. 3184, dem nach einem Foto entstandenen Porträt der 15-jährigen Paula Taglang, laut einer Notiz von Georg Klimt „ungefähr 1876 entstanden“, handelt es sich vermutlich um die Tochter der Dargestellten. 3 Albert Ilg, in: Martin Gerlach (Hg.): Allegorien und Embleme, Wien 1882, Bd. I, S. 1.

Die Vielfalt der im Wien Museum verwahrten,

Details durch subtile Helldunkelwirkungen und

Tierreichs, dem die Vertreterinnen der Pflanzen-

geprägten Malweise, stimmt dieses bisher 1882

insgesamt rund 400 Zeichnungen Gustav Klimts

prägnante Umrisslinien hervor. Erst viel später

und Mineralienreiche ergeben zu Füßen sitzen,

datierte Werk jedoch eher mit den Dekorationen

knapp zu charakterisieren, ist kein leichtes Unter-

sollte Klimt sich primär dem weiblichen Akt

an Michelangelos ignudi der Sixtinischen

für das Theater in Karlsbad (1884/85) überein.

fangen. Bedeutender Schwerpunkt der Samm-

widmen.

Kapelle. Im Vordergrund jedoch steht hier das

Von einem scharfen Realismus wiederum sind

lung sind überragende Werke des Historismus,

Eine Schlüsselstellung in Klimts zeichnerischem

Spiel mit sensiblen Umrisslinien, raffinierten

die beiden Aquarelle geprägt, die den 1885 ver-

des Symbolismus und der frühen Secession, aber

Frühwerk nehmen die fünf bildhaft ausgeführten

Oberflächenwirkungen und sorgfältig aufeinan-

storbenen Kunsthistoriker Rudolf von Eitelberger,

Besonderheiten und Höhepunkte gibt es auch

Kompositionen ein, die – zusammen mit zwei

der abgestimmten Gesten. Im üppig dekorierten

beziehungsweise den 1883 verstorbenen Eisen-

unter den zahlreichen Blättern der Goldenen

gemalten Arbeiten – zwischen 1881 und 1884

Rahmen der Allegorie Oper (1883, Kat.Nr. 2.16)

bahnpionier Julius Lott auf ihrem Totenbett wie-

Periode und der späten Jahre zu verzeichnen.

als Reproduktionsvorlagen für die von Martin

wiederum, scheinen die musizierenden und eifrig

dergeben – die frühesten post-mortem-Bildnisse

Ohne den Anspruch auf Vollständigkeit werden

Gerlach herausgegebene Serie Allegorien und

hochkletternden Amoretten sogar mehr zu

Klimts (Kat.Nr. 8.1 und 8.2). Die wie Pendants

im nun folgenden Überblick auch einige kaum

Embleme entstanden. Ganz im Sinne des Historis-

,leben‘ als die Figuren der Hauptdarstellung.

wirkenden Arbeiten könnten gleichzeitig ent-

bekannte Aspekte der Sammlung beleuchtet.

mus sollten sich die an diesem Projekt beteiligten

Durch spontane Linienskizzen von Kleinkindern

standen sein. Während Klimt das 1885 datierte

Die früheste, bisher unveröffentlichte Zeichnung

Künstler aus Deutschland und Österreich den

bereitete Klimt die zahlreichen Putten und

Totenbildnis Rudolf von Eitelbergers unmittelbar

der Klimt-Sammlung des Wien Museums ist das

„höchsten, einfachsten und darum ewig bedeu-

Amoretten vor, die seine historistischen Szenen

nach der Wirklichkeit angefertigt hat, mag er bei

wie ein Foto ausgeführte Ovalbildnis einer Frau

tenden Begriffen“ widmen, in denen sich „alle

vielfach bevölkern. Die modernste Allegorie der

der nicht datierten Darstellung des Julius Lott

mittleren Alters (Kat.Nr. 1.1).1 Die Signatur und

Epochen und Schulen seit Jahrhunderten geübt“

Serie ist die bühnenhafte Szene Märchen (1884,

von einem von den Auftraggebern zur Verfügung

die Jahreszahl 1877 wurden zweifelsfrei vom

hätten. Dem jungen Gustav bot sich die willkom-

Kat.Nr. 2.18). Als monumentales Kontrastpaar

Künstler selbst angebracht, allerdings zu einem

mene Chance, seine Fähigkeiten öffentlich unter

inszeniert Klimt den feurigen orientalischen

gestellten Totenbett-Foto ausgegangen sein.4 Noch kurz vor seinem Tod hatte Rudolf von Eitel-

späteren Zeitpunkt – sehr wahrscheinlich in den

Beweis zu stellen; in diesen autonomen Arbeiten

Märchenerzähler und das exotische, sich an ihn

berger in Bezug auf den größten Wiener Auftrag

1890er-Jahren. Diese, nach vorliegendem Stand

konnte er sich als Zeichner in vielen Techniken

schmiegende nackte Mädchen. Diese Gestalt mit

an die Künstler-Compagnie, die Deckendekora­

am frühesten datierte Arbeit Gustav Klimts,

entfalten. Auch in der Behandlung seiner Themen

ihren üppigen, verführerisch dargebotenen

tionen der Kaiserstiege des Burgtheaters (1886–

gehört zu den Bildnissen, die der angehende

hatte er einen größeren Spielraum als im Rahmen

Körperformen ist der erste weibliche Akt in

1888), eine wichtige vermittelnde Rolle gespielt;

Künstler nach seiner Aufnahme in die Kunst­

der Dekorationsmalereien, die er gemeinsam mit

seinem Werk, der eine unverkennbar erotische

es war der Höhepunkt der Karriere des erfolgrei-

gewerbeschule (1876) in seiner Freizeit „zur

Franz Matsch und seinem Bruder Ernst Klimt –

Wirkung ausübt. Die visionäre Kulisse mit den

chen Trios. Von Gustav Klimt besitzt das Museum

vollsten Zufriedenheit der Besteller“ nach Foto-

das Trio bildete seit 1880 die erfolgreiche Künstler-

schemenhaften Figuren­szenen weist auf den

in diesem Zusammenhang mehrere Detailstudien,

grafien angefertigt hat; honoriert wurden diese

Compagnie – zur Ausführung brachte.

Symbolismus voraus: Auch in Philosophie

darunter den klassisch strengen Männerakt für

Blätter „mit 5 Gulden pro Stück“. Klimt sollte ur-

Trotz deutlicher Anlehnungen an die Kunst der

(1900–1907) schieben sich die ,wirklichen‘ und

Der Thespiskarren (Kat.Nr. 3.20). Unmittelbar

sprünglich Zeichenlehrer werden, aber nach zwei

Vergangenheit, vor allem an die italienische

imaginären Raumschichten übereinander.

nach der Beendigung der Burgtheater-Malereien

Jahren wechselte er zum Fach der Dekorations-

Hochrenaissance, weisen Klimts Beiträge für

Das seltene Aquarell des in der Art des Rokoko

schuf Klimt 1888/89 als Auftragsarbeit der Stadt

malerei. Als Zeichner ragt er schon früh heraus:

Allegorien und Embleme ein eigenständiges, fein

gestalteten Entwurfs eines Bühnenvorhangs,

Wien die Gouache, die den Zuschauerraum des

In seinen zwischen 1878 bis 1880 im Unterricht

differenziertes Form- und Linienvokabular auf. In

dessen Zweck unbekannt ist, zeichnet sich durch

alten Burgtheaters vor der Demolierung des

geschaffenen Studien von nackten männlichen

Die Reiche der Natur (1882, Kat.Nr. 2.2) etwa

einen fulminanten Kolorismus aus (Kat.Nr. 3.12).

Gebäudes wiedergibt (Kat.Nr. 4.1). Der auf den

Modellen und Knaben hebt er die anatomischen

erinnert der oben thronende Herrscher des

Angesichts der extrem freien, von Hans Makart

Moment fixierte Aspekt dieses Bravourstücks,

2

22

3

4 Zu dieser Thematik: Marian BisanzPrakken: Im Antlitz des Todes. Gustav Klimts „Alter Mann auf dem Totenbett“, ein Porträt Hermann Flöges?, in: Belvedere 2 (1996) 1, S. 20-39.

23


Gustav Klimt Reinzeichnung zu einer Damenspende des Balls der Stadt Wien, 1892 Kat.Nr. 3.42

5 Zum prägenden Einfluss des Symbolismus von Fernand Khnopff und Jan Toorop auf dieses Werk: Marian Bisanz-Prakken: Gustav Klimt und die „Stilkunst“ Jan Toorops, in: Mitteilungen der Österreichischen Galerie (Klimt-Studien) 22/33 (1978/79) 66/67, S. 150-153.

24

Gustav Klimt Tragödie, 1897 Kat.Nr. 2.24

das die Bildnisse von etwa 150 quasi zwanglos

schwarzer Kreide mit subtilen Goldakzenten,

der Buch- und Plakatkunst, zusammen mit seinen

delinien gezeichnetes, vorgebeugtes Profilbild

arrangierten Personen des öffentlichen Lebens

nehmen in Klimts Werk und auch innerhalb der

gleichgesinnten Kollegen für die Vermittlung der

eines Mädchens­(1898) mit geschlossenem Auge,

präsentiert, ist innerhalb Klimts œuvre ebenso

Wiener „Moderne“ eine Schlüsselstellung ein.

neuen Ideale ein. In seiner Vorlage für das Plakat

in dem der geheimnisvolle Schimmer der langen,

singulär wie die realistische Wiedergabe des voll

In Junius wird der Profilkopf eines römischen

der 1. Secessionsausstellung (März bis Mai 1898)

herunter­fließenden Haare eine besondere Rolle

beleuchteten Innenraums. Maßangaben, Pläne

Mädchens mit goldenem Haarschmuck von zwei

versetzt der griechische Held Theseus dem

spielt (Kat.Nr. 7.2). Eine Sonderstellung in Klimts

und Skizzen erfasste er in einem – hier erstmals

zarten Assistenzfiguren flankiert. Diese von flo­

Minotauros (Symbol des „Indifferentismus“ des

gezeigten – Registerbuch (Kat.Nr. 4.28). In lebhaf-

ralen Elementen und Jugendsymbolik geprägte

Wiener Publikums) den Todesstoß (Kat.Nr. 5.1).

ten Helldunkelrhythmen skizzierte er vor Ort die

Komposition weist bereits auf den „Heiligen

Überwacht wird die Szene von Pallas Athene,

ein (Kat.Nr. 5.5). Auf beiden Seiten der von nack-

in den Logen und Galerien sitzenden Menschen­

Frühling“ der 1897 gegründeten Secession

Schutzgöttin der jungen Vereinigung. Das

ten Gestalten gerahmten Eingangspartie zeigen

reihen; Wandlampen und Architekturdetails hielt

voraus. In Sculptur entfaltet sich ein raffiniertes

Geschlecht des muskulösen nackten Männer­

sich flüchtige Ansätze zu Wanddeko­rationen.

er mit energischen Parallelschraffen fest.

Verwirrspiel zwischen alter und neuer Kunst,

körpers wird knapp von einem Feigenblatt

Gekrönt wird die Fassade von den Worten

Anfang des Jahres 1892, in dessen Verlauf Gustav

zwischen kühler Materie und belebter Substanz.

verdeckt; trotzdem forderte die Zensur, dass

„Ver Sacrum“– dem späteren Titel der epochalen

Klimt seinen Vater Ernst senior und seinen

Wirkungsvoll eingesetzte leere Flächen und wohl-

diese Stelle in der endgültigen Plakatfassung

Zeitschrift der Vereinigung. Von Klimts Ideen hat

Bruder Ernst verlor, erschien als Ballspende für

kalkulierte Fragmentierungen prägen den moder-

durch einen Baumstamm verdeckt werden sollte.

sich der Architekt des Ausstellungsgebäudes,

den Ball der Stadt Wien ein Büchlein mit Illustra-

nen Charakter – etwa bei dem greifbar nahen,

Die Tuschzeichnungen Nuda Veritas und Neid,

Joseph Maria Olbrich, zum Teil zweifellos inspi-

tionen von verschiedenen Künstlern – darunter

vom Bildrand überschnittenen Frauenkopf im

ausgeführt im japanisch inspirierten, schmalen

rieren lassen.

Gustav und Ernst Klimt. In seiner kleinen, subtilen

Vordergrund, Verkünderin der modernen Kunst,

Hochformat, wurden 1898 in der Secessions-

Während der ersten, aufregenden Jahre der

Tuscharbeit gab Klimt das japanische Figuren-

die sich von der zeitlosen Nacktheit der frontalen

zeitschrift Ver Sacrum reproduziert (Kat.Nr. 5.11,

Secession stand für Klimt die Arbeit an den drei

paar aus der Oper Mikado von Sir Arthur Sullivan

Hauptgestalt emphatisch abhebt. Im Gründungs-

5.10). Vielsagend ist der Kontrast zwischen der

Fakultätsbildern im Mittelpunkt. 1894 waren er

mit flächig stilisierten, gemusterten Kimonos,

jahr der Wiener Secession (1897) setzte Klimt

leuchtenden nackten Frontalgestalt, deren

und Franz Matsch vom Unterrichtsministerium

maskenhaften Gesichtern und erstarrten Gesten

mit Tragödie die Maßstäbe für seinen neuen

Spiegel das Licht der Wahrheit reflektiert, und

beauftragt worden, die Decke der Universitäts-

wieder; früher Symbolismus und moderner

Monumentalstil. Die zwingende Frontalität der

dem schwarzen Gewand der ausgemergelten,

aula mit den Allegorien der Wissenschaften

Japonismus gehen hier eine neuartige Verbin-

hypnotisierenden Hauptgestalt und die Profil­

schielenden Figur als Allegorie der die wahre

zu dekorieren; Gustav Klimt wurden dabei die

dung ein (Kat.Nr. 3.42).

stellung der schicksalsergebenen Assistenz­

Kunst bedrohenden Mächte.

Philosophie, die Medizin und die Jurisprudenz

Werk wiederum nimmt der 1897 gezeichnete 6

7 Zu dieser Thematik: Marian BisanzPrakken: Heiliger Frühling. Gustav Klimt und die Anfänge der Wiener Secession, Wien und München 1999, S. 16-18.

Entwurf für die Fassade des Secessionsge­bäudes

Nach einigen Jahren der Zurückgezogenheit

figuren sind streng aufeinander abgestimmt.

Ihr neues Programm vermittelten die Secessions­

zugeteilt. Nach seiner inzwischen vollzogenen

und der inneren Neuorientierung bekannte

Dekorativ ausgewogene Kontraste zwischen

künstler aber nicht nur durch eine offensive

Wende zum Symbolismus war es dem Künstler

Klimt sich durch seine Beteiligung an der Serie

dunkel und hell, statisch und bewegt oder groß­

allegorische Bildsprache, sondern auch durch

aber unmöglich geworden, sich diesen existen­

Allegorien. Neue Folge erstmals demonstrativ zum

flächig und fein-linear bestimmen die Darstel-

ein vielfach artikuliertes Bekenntnis zur neuen

ziell geprägten Themenbereichen im Sinne eines

Symbolismus. Die berühmten Vorlagen für diese

lung. Eine neue Rolle spielt die Magie der Gesten,

„Seelenkunst“, zur tief verborgenen „Welt des

positivistischen Fortschrittsglaubens anzunä-

Publikation, das Ölbild Liebe (1895, Kat.Nr. 2.19)

die sich, wie von einer geheimen Macht diktiert,

Künstlers“.7 Mehrmals variiert hat Klimt den

hern. Seine als fatalistisch und anstoßerregend

und die höchst kultivierten Zeichnungen Junius

in die Tektonik ihrer Umgebung einfügen. Als erster Präsident der Secession setzte Klimt

symbolistischen Typus des idealisierten, in sich

verurteilten Bilder wurden letztendlich abgelehnt,

(1896, Kat.Nr. 2.20), Sculptur (1896, Kat.Nr. 2.22)

gekehrten weiblichen Profilgesichts. Herausra-

aber für ihn als Maler wie auch als Zeichner war

und Tragödie (1897, Kat.Nr. 2.24), ausgeführt in

sich durch seine grafischen Beiträge im Bereich

gend ist sein mit feinen blauen und roten Krei-

die intensive Auseinandersetzung mit den großen

5

6 Zum Ausdruck „Indifferentismus“ s. Carl Moll: Osterstimmung im Wiener Kunstleben, in: Osterbeilage der Wiener Allgemeinen Zeitung, 1898.

25


Gustav Klimt Reinzeichnung zu einer Damenspende des Balls der Stadt Wien, 1892 Kat.Nr. 3.42

5 Zum prägenden Einfluss des Symbolismus von Fernand Khnopff und Jan Toorop auf dieses Werk: Marian Bisanz-Prakken: Gustav Klimt und die „Stilkunst“ Jan Toorops, in: Mitteilungen der Österreichischen Galerie (Klimt-Studien) 22/33 (1978/79) 66/67, S. 150-153.

24

Gustav Klimt Tragödie, 1897 Kat.Nr. 2.24

das die Bildnisse von etwa 150 quasi zwanglos

schwarzer Kreide mit subtilen Goldakzenten,

der Buch- und Plakatkunst, zusammen mit seinen

delinien gezeichnetes, vorgebeugtes Profilbild

arrangierten Personen des öffentlichen Lebens

nehmen in Klimts Werk und auch innerhalb der

gleichgesinnten Kollegen für die Vermittlung der

eines Mädchens­(1898) mit geschlossenem Auge,

präsentiert, ist innerhalb Klimts œuvre ebenso

Wiener „Moderne“ eine Schlüsselstellung ein.

neuen Ideale ein. In seiner Vorlage für das Plakat

in dem der geheimnisvolle Schimmer der langen,

singulär wie die realistische Wiedergabe des voll

In Junius wird der Profilkopf eines römischen

der 1. Secessionsausstellung (März bis Mai 1898)

herunter­fließenden Haare eine besondere Rolle

beleuchteten Innenraums. Maßangaben, Pläne

Mädchens mit goldenem Haarschmuck von zwei

versetzt der griechische Held Theseus dem

spielt (Kat.Nr. 7.2). Eine Sonderstellung in Klimts

und Skizzen erfasste er in einem – hier erstmals

zarten Assistenzfiguren flankiert. Diese von flo­

Minotauros (Symbol des „Indifferentismus“ des

gezeigten – Registerbuch (Kat.Nr. 4.28). In lebhaf-

ralen Elementen und Jugendsymbolik geprägte

Wiener Publikums) den Todesstoß (Kat.Nr. 5.1).

ten Helldunkelrhythmen skizzierte er vor Ort die

Komposition weist bereits auf den „Heiligen

Überwacht wird die Szene von Pallas Athene,

ein (Kat.Nr. 5.5). Auf beiden Seiten der von nack-

in den Logen und Galerien sitzenden Menschen­

Frühling“ der 1897 gegründeten Secession

Schutzgöttin der jungen Vereinigung. Das

ten Gestalten gerahmten Eingangspartie zeigen

reihen; Wandlampen und Architekturdetails hielt

voraus. In Sculptur entfaltet sich ein raffiniertes

Geschlecht des muskulösen nackten Männer­

sich flüchtige Ansätze zu Wanddeko­rationen.

er mit energischen Parallelschraffen fest.

Verwirrspiel zwischen alter und neuer Kunst,

körpers wird knapp von einem Feigenblatt

Gekrönt wird die Fassade von den Worten

Anfang des Jahres 1892, in dessen Verlauf Gustav

zwischen kühler Materie und belebter Substanz.

verdeckt; trotzdem forderte die Zensur, dass

„Ver Sacrum“– dem späteren Titel der epochalen

Klimt seinen Vater Ernst senior und seinen

Wirkungsvoll eingesetzte leere Flächen und wohl-

diese Stelle in der endgültigen Plakatfassung

Zeitschrift der Vereinigung. Von Klimts Ideen hat

Bruder Ernst verlor, erschien als Ballspende für

kalkulierte Fragmentierungen prägen den moder-

durch einen Baumstamm verdeckt werden sollte.

sich der Architekt des Ausstellungsgebäudes,

den Ball der Stadt Wien ein Büchlein mit Illustra-

nen Charakter – etwa bei dem greifbar nahen,

Die Tuschzeichnungen Nuda Veritas und Neid,

Joseph Maria Olbrich, zum Teil zweifellos inspi-

tionen von verschiedenen Künstlern – darunter

vom Bildrand überschnittenen Frauenkopf im

ausgeführt im japanisch inspirierten, schmalen

rieren lassen.

Gustav und Ernst Klimt. In seiner kleinen, subtilen

Vordergrund, Verkünderin der modernen Kunst,

Hochformat, wurden 1898 in der Secessions-

Während der ersten, aufregenden Jahre der

Tuscharbeit gab Klimt das japanische Figuren-

die sich von der zeitlosen Nacktheit der frontalen

zeitschrift Ver Sacrum reproduziert (Kat.Nr. 5.11,

Secession stand für Klimt die Arbeit an den drei

paar aus der Oper Mikado von Sir Arthur Sullivan

Hauptgestalt emphatisch abhebt. Im Gründungs-

5.10). Vielsagend ist der Kontrast zwischen der

Fakultätsbildern im Mittelpunkt. 1894 waren er

mit flächig stilisierten, gemusterten Kimonos,

jahr der Wiener Secession (1897) setzte Klimt

leuchtenden nackten Frontalgestalt, deren

und Franz Matsch vom Unterrichtsministerium

maskenhaften Gesichtern und erstarrten Gesten

mit Tragödie die Maßstäbe für seinen neuen

Spiegel das Licht der Wahrheit reflektiert, und

beauftragt worden, die Decke der Universitäts-

wieder; früher Symbolismus und moderner

Monumentalstil. Die zwingende Frontalität der

dem schwarzen Gewand der ausgemergelten,

aula mit den Allegorien der Wissenschaften

Japonismus gehen hier eine neuartige Verbin-

hypnotisierenden Hauptgestalt und die Profil­

schielenden Figur als Allegorie der die wahre

zu dekorieren; Gustav Klimt wurden dabei die

dung ein (Kat.Nr. 3.42).

stellung der schicksalsergebenen Assistenz­

Kunst bedrohenden Mächte.

Philosophie, die Medizin und die Jurisprudenz

Werk wiederum nimmt der 1897 gezeichnete 6

7 Zu dieser Thematik: Marian BisanzPrakken: Heiliger Frühling. Gustav Klimt und die Anfänge der Wiener Secession, Wien und München 1999, S. 16-18.

Entwurf für die Fassade des Secessionsge­bäudes

Nach einigen Jahren der Zurückgezogenheit

figuren sind streng aufeinander abgestimmt.

Ihr neues Programm vermittelten die Secessions­

zugeteilt. Nach seiner inzwischen vollzogenen

und der inneren Neuorientierung bekannte

Dekorativ ausgewogene Kontraste zwischen

künstler aber nicht nur durch eine offensive

Wende zum Symbolismus war es dem Künstler

Klimt sich durch seine Beteiligung an der Serie

dunkel und hell, statisch und bewegt oder groß­

allegorische Bildsprache, sondern auch durch

aber unmöglich geworden, sich diesen existen­

Allegorien. Neue Folge erstmals demonstrativ zum

flächig und fein-linear bestimmen die Darstel-

ein vielfach artikuliertes Bekenntnis zur neuen

ziell geprägten Themenbereichen im Sinne eines

Symbolismus. Die berühmten Vorlagen für diese

lung. Eine neue Rolle spielt die Magie der Gesten,

„Seelenkunst“, zur tief verborgenen „Welt des

positivistischen Fortschrittsglaubens anzunä-

Publikation, das Ölbild Liebe (1895, Kat.Nr. 2.19)

die sich, wie von einer geheimen Macht diktiert,

Künstlers“.7 Mehrmals variiert hat Klimt den

hern. Seine als fatalistisch und anstoßerregend

und die höchst kultivierten Zeichnungen Junius

in die Tektonik ihrer Umgebung einfügen. Als erster Präsident der Secession setzte Klimt

symbolistischen Typus des idealisierten, in sich

verurteilten Bilder wurden letztendlich abgelehnt,

(1896, Kat.Nr. 2.20), Sculptur (1896, Kat.Nr. 2.22)

gekehrten weiblichen Profilgesichts. Herausra-

aber für ihn als Maler wie auch als Zeichner war

und Tragödie (1897, Kat.Nr. 2.24), ausgeführt in

sich durch seine grafischen Beiträge im Bereich

gend ist sein mit feinen blauen und roten Krei-

die intensive Auseinandersetzung mit den großen

5

6 Zum Ausdruck „Indifferentismus“ s. Carl Moll: Osterstimmung im Wiener Kunstleben, in: Osterbeilage der Wiener Allgemeinen Zeitung, 1898.

25


Gustav Klimt Entwurf für das Gebäude der Wiener Secession, 1898 Kat.Nr. 5.5

8 Zu den Grundsituationen des menschlichen Lebens im zeichnerischen Werk von Klimt: Marian Bisanz-Prakken: Gustav Klimt’s Drawings, in: Colin B. Bailey (Hg.): Gustav Klimt. Modernism in the Making (Ausstellungskatalog National Gallery of Canada), Ottawa 2001, S. 150.

26

Gustav Klimt Zusammengekauert sitzende Frau, in dunklen Umhang gehüllt, 1908/09 Studie zu Familie (1909/10) Kat.Nr. 7.32

Lebensfragen, die ihn während seiner ganzen

Papierfläche ab, um den Eindruck des richtungs-

Von dieser Illusion von Plastizität und Räum­

met er sich bis zum Schluss praktisch ausschließ-

Laufbahn beschäftigen sollten, von entscheiden-

losen Schwebens zu verinnerlichen; auf diese

lichkeit verabschiedete Klimt sich radikal in

lich der menschlichen, hauptsächlich weiblichen

der Bedeutung.

Weise gestaltet sich die Umrisslinie zur psycholo-

seinem 1901/02 gemalten Beethovenfries, der in

Einzelfigur, sei es im Rahmen der Lebensthematik –

Innerhalb der Vorbereitungen für das erste,

gischen Grenze zwischen dem Innenleben der

der Secession als Dekoration der epochalen

inklusive der Erotik – oder ­der in der Sammlung

1900 in der Secession gezeigte Monumentalbild

Menschen und der sie umgebenden Leere. So

Beethoven-Ausstellung zustande kam (April bis

vielfach vertretenen Studien für die Porträtge-

Philosophie markiert die 1899 gezeichnete Über-

scheint ein liegender alter Mann verzweifelt ins

Juli 1902). Schon in seinen Figurenstudien

mälde. In den nach Jurisprudenz entstandenen

tragungsskizze einen entscheidenden Moment

Nichts abzustürzen oder die Rückenfigur eines

richtet er sich nach der streng geometrischen

Allegorien des Goldenen Stils – und darüber hin-

(Kat.Nr. 6.3). Statt der diffus verstreuten Bildele-

seine Familie schützenden Vaters ganz in sich

Ausstellungsarchitektur, wobei er sich praktisch

aus – griff Klimt jeweils auf einzelne Lebensthe-

mente der zuvor entstandenen Ölskizze (1897/98)

versunken zu sein. In Medizin, dem Gegen­stück

ausschließlich auf die prägnant stilisierenden

men der ersten beiden Fakultätsbilder zurück und

erscheint hier der Zyklus von „Werden, frucht­

zu Philosophie, erweiterte Klimt diese neu

Umrisslinien konzentriert. In einem Blatt fügt er

setzte diese in einen monumentalen, dekorativen

barem Sein und Vergehen“ als zufälliger Aus-

entdeckten Möglichkeiten. In den einander dicht

drei frei variierte Frauenköpfe aus Feindliche

Kontext. Zu diesen Gemäldeprojekt­en besitzt das

schnitt aus einem vertikal ins Weltall projizierten

überlagernden, aber gleichzeitig voneinander

Gewalten zu einer autonomen Komposition

Wien Museum verschiedene Studiengruppen.

Menschenstrom. „Das Welträtsel“ ist hier eine

isolierten Gestalten sind alle Nuancen des

zusammen; im Fokus steht die dämonisch bli-

In den Zeichnungen von nackten schwangeren

überdimensionale Sphinx, unter deren Gewicht

körperlichen und seelischen Leidens vertreten.

ckende, zentrale Gestalt der Drei Gorgonen mit

Frauen, entstanden für Hoffnung I (1903) und

die allegorische Hauptfigur, eine griechisch antike

Die Dargestellten verkörpern allerdings keine

ihren wilden Haaren und verkrampften Fingern

Denkerin, fast zusammenzubrechen scheint.

persönlichen Schmerzzustände,­sondern die

(Kat.Nr. 5.24).

Hoffnung II (1907/08), verinnerlicht Klimt das Mysterium des wachsenden Lebens.9 In den Stu-

Im ausgeführten Gemälde wird diese immer

Grundsituationen im Kreislauf des Lebens, von

Von der Monumentalität und dem Linearismus

dien zu Die drei Lebensalter (1905) widmet er sich

noch historistische Figur durch „Das Wissen“ –

der Zeugung bis zum Tod; die Bewegungen und

des Beethovenfries zeigt sich das dritte Fakultäts-

sowohl den physischen als auch psychischen

ein mysteriöser, frontaler Frauenkopf mit weit

Gesten der somnambulen Gestalten erscheinen

bild Jurisprudenz (1903) durch und durch geprägt.

Seiten der Lebensphasen, insbesondere des

offenen Augen und geschlossenen Lippen –

wie von unsichtbarer Hand gelenkt. Dementspre-

Eine spröde Linienführung kennzeichnet die

hohen Alters. Die vorgebeugten Figuren in den

ersetzt.

chend umfangreich und vielfältig gestalten sich

Studien für die Rechtsgelehrten, unter denen das

frühesten, 1908/09 entstandenen Studien zu Tod

Im Rahmen der Fakultätsbilder kam dem nackten

die zeichnerischen Vorbereitungen. Dabei

imposante Brustbild mit den herben, skulpturalen

und Leben (1910/11, überarbeitet 1916) und in dem

menschlichen Körper eine grundlegend neue

erscheinen die Studien des liegenden, sinnlich

Gesichtszügen hervorsticht (Kat.Nr. 6.57). Mit

seltenen, aquarellierten Blatt zu Familie (1909/10)

Funktion zu: Die nicht-perfekte oder sogar

vorgewölbten Modells für die laszive Hauptfigur

dünnen, eckig markierenden Kreidelinien erfasst

bringen Trauer und Melancholie zum Ausdruck

hässliche Nacktheit wurde zum Elementarzu-

der Schwebenden ebenso gewichtslos wie

Klimt den vorgebeugten, hageren Greis, das

(Kat.Nr. 7.32). Einen besonderen Schwerpunkt

stand der ihrem ungewissen Schicksal aus­

die Zeichnungen der immer leicht von unten

Modell für den Sünder; die Konturen der Stu­

der Sammlung bilden die für Wasserschlangen I

gelieferten Menschheit. Anhand des intensiven

dargestellten Modelle von athletischen Männern,

dien für die nackte Veritas wiederum zeigen den

und II (beide 1904–1907) entstandenen Studien,

Studiums der Stellungen und Gesten jeder

verträumten Frauen, Säuglingen, hageren

schwungvollen, sinnlichen Verlauf der Zeichnun-

in denen Klimt die lesbische Liebe und die Auto-

Einzelfigur ging Klimt der Essenz einer bestimm-

Halbwüchsigen oder kummergebeugten alten

gen für die Gorgonen im Beethovenfries.

erotik erstmals thematisiert und weitaus freizü-

ten Seelenstimmung oder Lebenssituation immer wieder auf den Grund.8 Die für ihn posierenden

Männern und Frauen. Modelliert werden die

Im Grunde sollte Klimt seiner innovativen, im

giger wiedergibt als in den Gemälden; in diesem

zumeist mild beleuchteten Gestalten durch

Rahmen von Philosophie und Medizin entwickelten

Kontext entstehen auch viele autonome Blätter.

Modelle – Männer und Frauen, Greise und Kinder –

inselhaft hervorgehobene Parallelschraffen,

Zeichenpraxis bei allen Änderungen seines Stils

In den ab 1906/07 entstandenen Studiengruppen

setzte er gleichsam schutzlos von der hellen

manchmal auch durch Weißhöhungen.

sein Leben lang treu bleiben. Als Zeichner wid-

von schreitenden und lesenden Modellen sowie

9 In einer nicht verwendeten, 1904/05 gezeichneten Studie eines alten Mannes für die Oranten in Hoffnung II (Strobl 1762) wurde Klimt offensichtlich durch ­ die Plastik Johannes der Täufer (Blaustein, 71 cm, Museum voor Schone Kunsten Gent) von George Minne inspiriert; s. Bisanz-Prakken: Gustav Klimt’s Drawings, S. 158f.

27


Gustav Klimt Entwurf für das Gebäude der Wiener Secession, 1898 Kat.Nr. 5.5

8 Zu den Grundsituationen des menschlichen Lebens im zeichnerischen Werk von Klimt: Marian Bisanz-Prakken: Gustav Klimt’s Drawings, in: Colin B. Bailey (Hg.): Gustav Klimt. Modernism in the Making (Ausstellungskatalog National Gallery of Canada), Ottawa 2001, S. 150.

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Gustav Klimt Zusammengekauert sitzende Frau, in dunklen Umhang gehüllt, 1908/09 Studie zu Familie (1909/10) Kat.Nr. 7.32

Lebensfragen, die ihn während seiner ganzen

Papierfläche ab, um den Eindruck des richtungs-

Von dieser Illusion von Plastizität und Räum­

met er sich bis zum Schluss praktisch ausschließ-

Laufbahn beschäftigen sollten, von entscheiden-

losen Schwebens zu verinnerlichen; auf diese

lichkeit verabschiedete Klimt sich radikal in

lich der menschlichen, hauptsächlich weiblichen

der Bedeutung.

Weise gestaltet sich die Umrisslinie zur psycholo-

seinem 1901/02 gemalten Beethovenfries, der in

Einzelfigur, sei es im Rahmen der Lebensthematik –

Innerhalb der Vorbereitungen für das erste,

gischen Grenze zwischen dem Innenleben der

der Secession als Dekoration der epochalen

inklusive der Erotik – oder ­der in der Sammlung

1900 in der Secession gezeigte Monumentalbild

Menschen und der sie umgebenden Leere. So

Beethoven-Ausstellung zustande kam (April bis

vielfach vertretenen Studien für die Porträtge-

Philosophie markiert die 1899 gezeichnete Über-

scheint ein liegender alter Mann verzweifelt ins

Juli 1902). Schon in seinen Figurenstudien

mälde. In den nach Jurisprudenz entstandenen

tragungsskizze einen entscheidenden Moment

Nichts abzustürzen oder die Rückenfigur eines

richtet er sich nach der streng geometrischen

Allegorien des Goldenen Stils – und darüber hin-

(Kat.Nr. 6.3). Statt der diffus verstreuten Bildele-

seine Familie schützenden Vaters ganz in sich

Ausstellungsarchitektur, wobei er sich praktisch

aus – griff Klimt jeweils auf einzelne Lebensthe-

mente der zuvor entstandenen Ölskizze (1897/98)

versunken zu sein. In Medizin, dem Gegen­stück

ausschließlich auf die prägnant stilisierenden

men der ersten beiden Fakultätsbilder zurück und

erscheint hier der Zyklus von „Werden, frucht­

zu Philosophie, erweiterte Klimt diese neu

Umrisslinien konzentriert. In einem Blatt fügt er

setzte diese in einen monumentalen, dekorativen

barem Sein und Vergehen“ als zufälliger Aus-

entdeckten Möglichkeiten. In den einander dicht

drei frei variierte Frauenköpfe aus Feindliche

Kontext. Zu diesen Gemäldeprojekt­en besitzt das

schnitt aus einem vertikal ins Weltall projizierten

überlagernden, aber gleichzeitig voneinander

Gewalten zu einer autonomen Komposition

Wien Museum verschiedene Studiengruppen.

Menschenstrom. „Das Welträtsel“ ist hier eine

isolierten Gestalten sind alle Nuancen des

zusammen; im Fokus steht die dämonisch bli-

In den Zeichnungen von nackten schwangeren

überdimensionale Sphinx, unter deren Gewicht

körperlichen und seelischen Leidens vertreten.

ckende, zentrale Gestalt der Drei Gorgonen mit

Frauen, entstanden für Hoffnung I (1903) und

die allegorische Hauptfigur, eine griechisch antike

Die Dargestellten verkörpern allerdings keine

ihren wilden Haaren und verkrampften Fingern

Denkerin, fast zusammenzubrechen scheint.

persönlichen Schmerzzustände,­sondern die

(Kat.Nr. 5.24).

Hoffnung II (1907/08), verinnerlicht Klimt das Mysterium des wachsenden Lebens.9 In den Stu-

Im ausgeführten Gemälde wird diese immer

Grundsituationen im Kreislauf des Lebens, von

Von der Monumentalität und dem Linearismus

dien zu Die drei Lebensalter (1905) widmet er sich

noch historistische Figur durch „Das Wissen“ –

der Zeugung bis zum Tod; die Bewegungen und

des Beethovenfries zeigt sich das dritte Fakultäts-

sowohl den physischen als auch psychischen

ein mysteriöser, frontaler Frauenkopf mit weit

Gesten der somnambulen Gestalten erscheinen

bild Jurisprudenz (1903) durch und durch geprägt.

Seiten der Lebensphasen, insbesondere des

offenen Augen und geschlossenen Lippen –

wie von unsichtbarer Hand gelenkt. Dementspre-

Eine spröde Linienführung kennzeichnet die

hohen Alters. Die vorgebeugten Figuren in den

ersetzt.

chend umfangreich und vielfältig gestalten sich

Studien für die Rechtsgelehrten, unter denen das

frühesten, 1908/09 entstandenen Studien zu Tod

Im Rahmen der Fakultätsbilder kam dem nackten

die zeichnerischen Vorbereitungen. Dabei

imposante Brustbild mit den herben, skulpturalen

und Leben (1910/11, überarbeitet 1916) und in dem

menschlichen Körper eine grundlegend neue

erscheinen die Studien des liegenden, sinnlich

Gesichtszügen hervorsticht (Kat.Nr. 6.57). Mit

seltenen, aquarellierten Blatt zu Familie (1909/10)

Funktion zu: Die nicht-perfekte oder sogar

vorgewölbten Modells für die laszive Hauptfigur

dünnen, eckig markierenden Kreidelinien erfasst

bringen Trauer und Melancholie zum Ausdruck

hässliche Nacktheit wurde zum Elementarzu-

der Schwebenden ebenso gewichtslos wie

Klimt den vorgebeugten, hageren Greis, das

(Kat.Nr. 7.32). Einen besonderen Schwerpunkt

stand der ihrem ungewissen Schicksal aus­

die Zeichnungen der immer leicht von unten

Modell für den Sünder; die Konturen der Stu­

der Sammlung bilden die für Wasserschlangen I

gelieferten Menschheit. Anhand des intensiven

dargestellten Modelle von athletischen Männern,

dien für die nackte Veritas wiederum zeigen den

und II (beide 1904–1907) entstandenen Studien,

Studiums der Stellungen und Gesten jeder

verträumten Frauen, Säuglingen, hageren

schwungvollen, sinnlichen Verlauf der Zeichnun-

in denen Klimt die lesbische Liebe und die Auto-

Einzelfigur ging Klimt der Essenz einer bestimm-

Halbwüchsigen oder kummergebeugten alten

gen für die Gorgonen im Beethovenfries.

erotik erstmals thematisiert und weitaus freizü-

ten Seelenstimmung oder Lebenssituation immer wieder auf den Grund.8 Die für ihn posierenden

Männern und Frauen. Modelliert werden die

Im Grunde sollte Klimt seiner innovativen, im

giger wiedergibt als in den Gemälden; in diesem

zumeist mild beleuchteten Gestalten durch

Rahmen von Philosophie und Medizin entwickelten

Kontext entstehen auch viele autonome Blätter.

Modelle – Männer und Frauen, Greise und Kinder –

inselhaft hervorgehobene Parallelschraffen,

Zeichenpraxis bei allen Änderungen seines Stils

In den ab 1906/07 entstandenen Studiengruppen

setzte er gleichsam schutzlos von der hellen

manchmal auch durch Weißhöhungen.

sein Leben lang treu bleiben. Als Zeichner wid-

von schreitenden und lesenden Modellen sowie

9 In einer nicht verwendeten, 1904/05 gezeichneten Studie eines alten Mannes für die Oranten in Hoffnung II (Strobl 1762) wurde Klimt offensichtlich durch ­ die Plastik Johannes der Täufer (Blaustein, 71 cm, Museum voor Schone Kunsten Gent) von George Minne inspiriert; s. Bisanz-Prakken: Gustav Klimt’s Drawings, S. 158f.

27


von Tänzerinnen, aus denen sich letztendlich die

Nähe und Metaphysik gilt, bei aller linearen

Figur der Erwartung im Stoclet-Fries entwickelt

Freiheit, auch für die Zeichnungen der späten

(1910/11), schließt Klimt an Motive des Beethoven-

Jahre; ­in diesen spielt die weibliche Erotik eine

fries an.

dominieren­de Rolle. Zu den zwei zentralen

Das für ihn zentrale Thema der Liebe zwischen

Bildprojekten Die Jungfrau (1913) und Die Braut

Mann und Frau entfaltet sich in einer spannungs-

(1917/18, unvollendet) sind mehrere Studien

vollen Liniensprache in den Studien, mit denen er

vorhanden, in denen sich die typologisch sehr

etwa gleichzeitig das Gemälde Der Kuss (1908),

unterschiedlichen Modelle in verschiedenen

das berühmteste Werk des Goldenen Stils, und

Graden des Entrücktseins oder der erotischen

das Liebespaar der Erfüllung im Stoclet-Fries

Ekstase präsentieren; darüber hinaus entstehen

vorbereitet. Seit dem Beethovenfries verankert

zahl­reiche autonome Blätter. Unter den vielen

Klimt seine Figuren noch mehr als zuvor in der

zu dieser Thematik vorhandenen Studien

Papierfläche; oft lässt er sie von den Rändern

befindet sich die Darstellung einer sitzenden

überschneiden, wodurch sie – ob liegend oder

Frau mit schleierartiger Kopfbedeckung, ge-

stehend – ohne Anfang und Ende im Luftleeren

schlossenen Augen und gefalteten Händen

zu verharren scheinen. Zeichenkunst wird zur

sowie mit nackten, gegrätschten Oberschenkeln.

„Raumkunst“, jedes Blatt ist eine Welt für sich

In dieser Arbeit gelangt der für Klimt charakteris-

und trägt den Charakter des Bekenntnis­haften –

tische Dualismus von Erotik und Askese unmittel­

besonders in der Goldenen Periode. In allen

bar zum Ausdruck (Kat.Nr. 9.14). Auch diese

Phasen seiner Tätigkeit ist die sich ständig wan-

Gestalt vermittelt das tranceartige Nicht-von-

delnde Linie sein Hauptinstrument. Um 1903/04

dieser-Welt-Sein, das sich unter dem Einfluss ­

wechselt Klimt von der weichen, schwarzen Krei-

des Symbolismus in den Studien zu den

de zum metallisch scharfen Bleistift, oft ergänzt

Fakultäts­bildern erstmals manifestiert. Klimts

durch blaue und rote Farbstifte, die manchmal

zeichnerischer Zugang zur existenziellen Nackt-

auch allein zum Einsatz kommen. Gleichzeitig

heit, verbunden mit einer kompromisslosen

erfolgt der Übergang von den immer zu gleichen

Liniensprache, war von richtungweisender

Formaten geviertelten Packpapierbögen zu einer

Bedeutung für den Expressionismus.

leicht schimmernden, aus Japan importierten Papiersorte, die etwas größer zugeschnitten wird. Das für Klimts Studien charakteristische Spannungsfeld zwischen sinnlicher Unmittelbarkeit und formaler Disziplin, zwischen greifbarer 28

Gustav Klimt Oberkörper eines sich umarmenden Paares, 1904/05 Kat.Nr. 10.4

29


von Tänzerinnen, aus denen sich letztendlich die

Nähe und Metaphysik gilt, bei aller linearen

Figur der Erwartung im Stoclet-Fries entwickelt

Freiheit, auch für die Zeichnungen der späten

(1910/11), schließt Klimt an Motive des Beethoven-

Jahre; ­in diesen spielt die weibliche Erotik eine

fries an.

dominieren­de Rolle. Zu den zwei zentralen

Das für ihn zentrale Thema der Liebe zwischen

Bildprojekten Die Jungfrau (1913) und Die Braut

Mann und Frau entfaltet sich in einer spannungs-

(1917/18, unvollendet) sind mehrere Studien

vollen Liniensprache in den Studien, mit denen er

vorhanden, in denen sich die typologisch sehr

etwa gleichzeitig das Gemälde Der Kuss (1908),

unterschiedlichen Modelle in verschiedenen

das berühmteste Werk des Goldenen Stils, und

Graden des Entrücktseins oder der erotischen

das Liebespaar der Erfüllung im Stoclet-Fries

Ekstase präsentieren; darüber hinaus entstehen

vorbereitet. Seit dem Beethovenfries verankert

zahl­reiche autonome Blätter. Unter den vielen

Klimt seine Figuren noch mehr als zuvor in der

zu dieser Thematik vorhandenen Studien

Papierfläche; oft lässt er sie von den Rändern

befindet sich die Darstellung einer sitzenden

überschneiden, wodurch sie – ob liegend oder

Frau mit schleierartiger Kopfbedeckung, ge-

stehend – ohne Anfang und Ende im Luftleeren

schlossenen Augen und gefalteten Händen

zu verharren scheinen. Zeichenkunst wird zur

sowie mit nackten, gegrätschten Oberschenkeln.

„Raumkunst“, jedes Blatt ist eine Welt für sich

In dieser Arbeit gelangt der für Klimt charakteris-

und trägt den Charakter des Bekenntnis­haften –

tische Dualismus von Erotik und Askese unmittel­

besonders in der Goldenen Periode. In allen

bar zum Ausdruck (Kat.Nr. 9.14). Auch diese

Phasen seiner Tätigkeit ist die sich ständig wan-

Gestalt vermittelt das tranceartige Nicht-von-

delnde Linie sein Hauptinstrument. Um 1903/04

dieser-Welt-Sein, das sich unter dem Einfluss ­

wechselt Klimt von der weichen, schwarzen Krei-

des Symbolismus in den Studien zu den

de zum metallisch scharfen Bleistift, oft ergänzt

Fakultäts­bildern erstmals manifestiert. Klimts

durch blaue und rote Farbstifte, die manchmal

zeichnerischer Zugang zur existenziellen Nackt-

auch allein zum Einsatz kommen. Gleichzeitig

heit, verbunden mit einer kompromisslosen

erfolgt der Übergang von den immer zu gleichen

Liniensprache, war von richtungweisender

Formaten geviertelten Packpapierbögen zu einer

Bedeutung für den Expressionismus.

leicht schimmernden, aus Japan importierten Papiersorte, die etwas größer zugeschnitten wird. Das für Klimts Studien charakteristische Spannungsfeld zwischen sinnlicher Unmittelbarkeit und formaler Disziplin, zwischen greifbarer 28

Gustav Klimt Oberkörper eines sich umarmenden Paares, 1904/05 Kat.Nr. 10.4

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