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WIEN MUSEUM

„Ganz in der Nähe des Judenplatzes, genauer gesagt am Schulhof 2, steht eines der ältesten Gebäude Wiens mit Grundmauern aus dem Mittelalter. Seit 1921 wird dort auf drei Etagen die Zeit zerhackt, in Bildern versteckt, in Spieluhrenmusik oder Kuckucksrufe verwandelt, ausgependelt oder mit Hilfe skurriler Automaten verkündet.“

HIGHLIGHTS AUS DEM WIENER UHRENMUSEUM

Gerhard Roth

HIGHLIGHTS AUS DEM WIENER UHRENMUSEUM


100 x WIEN HIGHLIGHTS HIGHLIGHTS AUS AUS DEM DEM WIEN WIENER MUSEUM UHRENMUSEUM KARLSPLATZ


HIGHLIGHTS AUS DEM WIENER UHRENMUSEUM


IMPRESSUM Herausgeber: Wolfgang Kos Redaktion: Wolfgang Freitag, Rupert Kerschbaum, Eva-Maria Orosz, Peter Stuiber Lektorat: Wolfgang Freitag Produktion: Regina Karner Grafikdesign: fuhrer, Wien

Eigenverlag des Wien Museums Druck: Holzhausen Druck GmbH, Wien Copyright: 2010 Wien Museum ISBN 978-3-902312-22-8

Uhrenmuseum Schulhof 2 1010 Wien Tel.: +43-1-533 22 65 www.wienmuseum.at

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Fotografien der Uhren Paul Kolp Fotostudio Otto S. 24–25, 29, 46–47, 56–57, 81 Peter Kainz S. 97 Sonstige Fotografien Wien Museum S. 9, 10, 16, 17, 19, 20 Didi Sattmann S. 14 Paul Kolp S. 18

Coverabbildungen Vorderseite Astronomische Kunstuhr (Räderwerk), um 1762–1769, David a. S. Cajetano (Rutschmann), Wien (Nr. 10_40) Rückseite Orientalenuhr Österreich, um 1800 (Nr. 13_40)


Inhalt

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Vorwort Wolfgang Kos

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Rupert Kerschbaum, Sylvia Mattl-Wurm

Drei Etagen Zeit Von der Privatsammlung Rudolf Kaftans zum Museum: ein historischer Abriss 11

Eva-Maria Orosz

„Meine Uhren machen mir das Sterben schwer“ Marie von Ebner-Eschenbach. Die Dichterin als Uhrensammlerin 15

„Für mich sind Uhren Lebewesen“ Rupert Kerschbaum, Leiter des Uhrenmuseums, im Gespräch mit Peter Stuiber

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Etagenplan Uhrenmuseum

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Uhren-Highlights 1– 40 Wolfgang Freitag

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Glossar

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Ausgewählte Literatur / Ausstellungskataloge


Vorwort

Bereits auf einem Stadtplan von 1547 scheint das Haus Schulhof 2/Kurrentgasse 1 auf, in dem sich heute das Uhrenmuseum befindet. Damals gehörte es einem Bäcker, viele Nutzer und zwei Aufstockungen folgten, bis es 1901 von der Stadt Wien erworben wurde. Wer hierherkommt, um die exquisite Uhrensammlung zu bewundern, nähert sich durch enge, unregelmäßig angelegte Gassen, die noch die mittelalterliche Stadtstruktur ahnen lassen. Für Uhrenliebhaber aus aller Welt ist das pittoresk untergebrachte Museum ein Fixpunkt ihres Besichtigungsprogramms. Das Uhrenmuseum ist ein kulturhistorisches Fachmuseum im Verbund des Wien Museums, das neben dem Haupthaus auf dem Karlsplatz auch ehemalige Wohnungen von Komponisten, das Römermuseum oder das Pratermuseum betreut. Die Sammlungen der Stadt Wien sind vielfältig und reichhaltig: Sie umfassen bedeutende Kunstwerke ebenso wie stadthistorische Zeugnisse aus Politik und Alltag, aber auch Kunsthandwerk oder Mode. Der Fokus liegt auf Wien, aber einige Spezialbestände wurden mit europäischem Blick zusammengetragen. Ein Beispiel dafür ist das Uhrenmuseum, das auf den kenntnisreichen Enthusiasmus eines Privatsammlers zurückgeht, des Mathematikers und Gymnasiallehrers Rudolf Kaftan. Ihm gelang es Anfang des 20. Jahrhunderts, die Stadt Wien für sein „sonderbares Reich“ zu interessieren. Seit 1921 ist die bis heute kontinuierlich erweiterte KaftanSammlung öffentlich zugängig, bis heute stellt sie den Kern des Museums. Wissenswertes zu Kaftan und seinen außergewöhnlichen historischen Uhren findet sich in diesem Band in einem Aufsatz von Rupert Kerschbaum und Sylvia Mattl-Wurm. Nach Jahrzehnten als liebevoll betriebenes und vollgeräumtes Eldorado für Uhrenfanatiker 6

kam es nach dem Tod Kaftans in den 1960erJahren erstmals zu einer Präsentation nach Museumsstandards. In jüngster Zeit wurden Fassade und Eingangsbereich mit zurückhaltender gestalterischer Handschrift erneuert. Die besondere Atmosphäre eines ungewöhnlichen Museums in einem der schönsten Häuser des alten Wien blieb jedoch erhalten: Entlang einer dichten Abfolge außergewöhnlicher Objekte wandert man durch die Geschichte der Zeitmessung und Uhrentechnik. Unterschiedlichste Uhrentypen warten auf Connaisseurs und staunende Laien: von der riesigen Turmuhr des Stephansdoms, die über Jahrhunderte hinweg der Wiener Bevölkerung die Stunde schlug, bis zu Wunderwerken im Miniaturformat. Neben typischen Wiener Kreationen wie der „Laterndluhr“ oder den „Bilderuhren“ mit biedermeierlichen Veduten als Blickfang finden sich auch Beispiele der internationalen, vor allem der Pariser und Genfer Uhrmacherkunst. Im ersten Stock sind Sand- und Sonnenuhren ebenso zu sehen wie Turmuhren aus dem Spätmittelalter, astronomische Uhren ebenso wie bedeutende Taschenuhren und Standuhren des Empire. Es folgen im Stockwerk darüber Uhren aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Schreibtischuhren aus der Zeit des Wiener Kongresses, die berühmten Wiener „Zappler" oder Stand- und Kommodenstanduhren der Biedermeierzeit. Im obersten Stock befinden sich Uhren aus den Perioden des Historismus und Jugendstils, aber auch volkstümliche und bäuerliche Uhren. Neben Taschenuhren des 19. und 20. Jahrhunderts wird auch eine 200 Armbanduhren umfassende Kollektion gezeigt. Stockuhren oder Bilderuhren mit Kammspielwerken, Flöten-, Harfen - und Orgeluhren, oftmals mit „Automaten"


kombiniert, schließen den Rundgang durch das Uhrenmuseum ab. Die Zeitmesser im Uhrenmuseum sind keine „toten“ Objekte, sondern funktionieren und machen sogar Musik: Die Klänge der Flötenuhren – für eine hat Joseph Haydn Stücke komponiert sind auch auf einer CD erhältlich. Ein Hinweis in diesem Zusammenhang: Die berühmte Flötenuhr mit Stücken von Mozart befindet sich im Mozarthaus Vienna in der Schulgasse, in der vom Wien Museum betreuten Originalwohnung des Komponisten. Der vorliegende Band konzentriert sich auf 40 Highlights des Uhrenmuseums aus mehreren Jahrhunderten. Absolute Kostbarkeiten wurden ebenso ausgewählt wie bizarre Raritäten. Das Buch folgt dem Band „100 x Wien – Highlights aus dem Wien Museum Karlsplatz“, der zu einer Visitenkarte des Museums geworden ist und dessen Spektrum von einem frühgeschichtlichen Mondidol bis zu Klimt und Loos reicht. Die eigentlichen Sensationen spielen sich hinter den Zifferblättern ab, dort, wo internationale Meister und Wiener Uhrmacher mit gefinkelten Konstruktionen ihre Raffinesse unter Beweis stellten. Deshalb gilt bis heute die Tradition, dass die Geschicke des Uhrenmuseums in den Händen gelernter Uhrmacher liegen, spezialisiert auf die fachgerechte Restaurierung von Uhren. Seit vielen Jahren halten Rupert Kerschbaum und Maria Goiser die tickenden Schätze in Schwung und vermitteln dem Publikum ihr Wissen um die mechanischen Raffinessen der Uhren. In Peter Stuibers Gespräch mit Kerschbaum erhält man einen Einblick in die ungewöhnliche Profession eines Uhrenkurators. Die Erläuterungstexte zu den von ihm und Eva-Maria Orosz ausgewählten 40 außergewöhnlichen Uhren enthalten sowohl penible

technische als auch kunst- und kulturhistorische Informationen, rückten in der Ära nach Kaftan neben dem Uhrmacherischen doch zunehmend auch Designaspekte ins Zentrum. Letztere hat vor allem Eva-Maria Orosz eingebracht, die zudem das Porträt der Dichterin und begeisterten Uhrensammlerin Marie von Ebner-Eschenbach verfasst hat. Für die 40 Texte zu den Uhren-Highlights konnten wir mit Wolfgang Freitag einen profunden Publizisten gewinnen. Er hat nicht nur Spezialwissen in Informatives für Nicht-Spezialisten „übersetzt“, er erzählt auch von den „Botschaften jenseits von Stunden und Minuten“ und öffnet immer wieder den weiten Blick auf die Lebensweisen der einstigen Benützer und auf historische, kulturhistorische und wirtschaftliche Zusammenhänge. Denn die Uhren sind immer auch Spiegel unterschiedlicher Kulturen und Zeitordnungen. Hingewiesen sei auf das Glossar am Ende des Katalogs mit hilfreichen Erläuterungen von Fachbegriffen. Wolfgang Freitag hat auch die Textredaktion für dieses Buch übernommen, die Projektkoordination lag bei Regina Karner und Peter Stuiber, für die elegante grafische Gestaltung ist Stefan und Aleksandra Fuhrer zu danken. Vielleicht ist es gelungen, nicht nur einen Einblick in die bedeutendste Uhrensammlung Mitteleuropas zu geben, sondern darüber hinaus ein kleines Handbuch für die unüberschaubare Vielfalt und hohe Kunst der Zeitmessung vorzulegen.

Wolfgang Kos Direktor Wien Museum 7


Rupert Kerschbaum, Sylvia Mattl-Wurm

Drei Etagen Zeit Von der Privatsammlung Rudolf Kaftans zum Museum: ein historischer Abriss

Dem Wiener Uhrenmuseum wird eine besondere „Stimmung" nachgesagt. Befindet man sich etwa zur vollen Stunde darin, wird man mit dem Schlagen und Läuten und sogar mit kleinen Melodien erfreut. Hier sind auf drei Etagen in einem barocken Haus knapp 700 Uhren aufgestellt, im Wesentlichen chronologisch gereiht, Uhren, die zum Großteil in Gang gehalten werden und einvernehmlich die „richtige" Uhrzeit melden. Entstanden ist dieses Museum – wie die meisten anderen Wiener Spezialmuseen auch – aus einer Privatsammlung. Der Mittelschullehrer für Physik und Mathematik Rudolf Kaftan hatte sie in seiner Wohnung in der Billrothstraße im Dachgeschoß aufgestellt. Am 29. Oktober 1916 gibt das „Wiener Extrablatt“ unter dem Titel „Der obdachlose Sammler" eine eindrückliche Schilderung dieser Uhrensammlung Rudolf Kaftans wieder: „So sonderbar ist dieses Reich, kaum jemals hat man Ähnliches gesehen. Wohin man blickt, nichts als Uhren – Uhren und wieder Uhren. Ganz große und ganz kleine, eiserne und hölzerne, verrostete und blanke … Viele, viele Hunderte, Tausende Uhren sind es, die da ganz dicht nebeneinander stehen und übereinander hängen, jedes Fleckchen der Wand ausnützend, jeden verfügbaren Platz verwertend …“ Rund 10.000 Uhren respektive Uhrwerke sowie Bestandteile hatte der 1870 im oberösterreichischen Haslach geborene, in Wien tätige Rudolf Kaftan zusammengetragen. Die Sammlung enthielt 234 Holzuhren aus der Zeit nach 1680, zwölf große Turmuhren (15. bis 19. Jahrhundert), 412 Wand- und Tischuhren, einige davon mit Glockenspiel, 1456 Spindeluhren, 970 Zylinder- und Remontoiruhren sowie rund 800 Ankeruhren. Die Sicherung und der Verkauf der Sammlung wurden aufgrund des bevorstehenden Abbruchs 8

des Wohnhauses immer dringlicher. Kaftan war an mehreren Stellen emsig tätig. So konnte er die Stadt Budapest für den Ankauf und die Errichtung eines Budapester Uhrenmuseums begeistern. Gleichzeitig stand er in Verhandlungen mit der Stadt Wien und deren Bürgermeister Richard Weisskirchner. Es galt, keine Zeit zu verlieren. Mitten im Ersten Weltkrieg fand man schließlich einen Kompromiss, der die Kaftansche Sammlung zum Grundstock des Uhrenmuseums der Stadt Wien machte. Die Privatsammlung wurde den „Städtischen Sammlungen" angegliedert, sollte aber dort als eigene Abteilung bestehen. Von den 200.000 Kronen Kaufpreis erhielt Rudolf Kaftan nur ein Zehntel sofort, dafür musste er sich nicht von seiner Sammlung trennen, sondern wurde zum Leiter des neuen Uhrenmuseums bestellt, erhielt ein jährliches Salär von 6000 Kronen (sowie über 20 Jahre eine jährliche Zahlung von 5000 Kronen) und eine Dienstwohnung im Uhrenmuseum. Schon im Mai 1917 (laut „Wiener Extrablatt“ vom 13. Mai 1917) hatte der Magistrat auch das passende Gebäude für das zu gründende „Uhrenmuseum der Stadt Wien“ gefunden, ein Haus im ältesten Teil Wiens, nahe dem Platz „Am Hof“, in unmittelbarer Nähe der Uhrmacherinnung. Es war somit ideal gelegen, da das Museum auch als „Lehrwerkstätte" für Uhrmacherlehrlinge dienen sollte. Bis zur tatsächlichen Eröffnung des Uhrenmuseums sollte es noch mehrere Jahre dauern. Erst am 30. Mai 1921 war es so weit. Die ehemalige Kaftansche Uhrensammlung – erweitert um mehrere Ankäufe wie die Uhrensammlung der Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach, die 100 Stockuhren umfassende Sammlung des Fabrikanten Leiner oder die aus 400 Uhren bestehende Sammlung Nicolaus – wurde öffentlich


Rudolf Kaftan (rechts) bei einem Rundfunkinterview im Uhrenmuseum, 1931

Die Sammlung Rudolf Kaftans um 1916. Kaftan bewohnte die Mansardenräume in der Privatheilanstalt von Prof. Dr. Heinrich Obersteiner in der Billrothstraße in Wien-Döbling

zugänglich gemacht. Sie stand Interessierten vorerst gegen telefonische oder schriftliche Anfrage offen. (Die Sammlung Ebner-Eschenbach bestand aus 270 außerordentlich wertvollen Anhänger- und Taschenuhren; der Ankaufspreis belief sich auf 300.000 Kronen und wurde durch Sponsorgelder zweier privater Großunternehmer, Wetzler und Skoda, finanziert.) Rudolf Kaftan hat, wie aus den Porträts der Sammlung aus den 1930er- und 1950er-Jahren ersichtlich ist, dem Uhrenmuseum über Jahrzehnte die Prägung einer Privatsammlung verliehen. Das Uhrenmuseum war sein Lebenswerk, Uhren sein Lebensinhalt; seine zahllosen Führungen, seine Vorträge etwa in der „Urania“ oder im Radio sind minutiös in Zeitungsausschnitten in der Bibliothek des Uhrenmuseums dokumentiert. (Diese Aktivität verschaffte dem Museum große Popularität. 1931, im zehnten Bestandsjahr des Uhrenmuseums, konnte Kaftan den 30.000. Besucher begrüßen und die 2000. Führung abhalten. Beides wurde in den heimischen Zeitungen vermeldet.) Erst nach Kaftans Tod, 1961, wurden grundlegende Schritte zu einer Modernisierung des Hauses und zur Präsentation nach neueren musealen Prinzipien eingeleitet. 1962 bis 1964 wurde das Gebäude grundlegend umgebaut und

restauriert. Das in seinem Grundbestand spätmittelalterliche respektive frühneuzeitliche Haus war 1690 vom Kommandanten der Stadtguardia, Ferdinand Marchese von Obizzi, erworben worden, dieser hatte es aufstocken sowie innen und außen barockisieren lassen, wie es auch in unseren Tagen vor uns steht: mit barocker Fassadengestaltung und Innenausstattung. Für die Neuaufstellung des Museums in den 1960er-Jahren wurde eine chronologische beziehungsweise objektbezogene Präsentation gewählt. So zeigt sich das Uhrenmuseum – mittlerweile räumlich etwas erweitert – noch heute: Auf drei Stockwerksebenen folgt man der chronologischen Entwicklung der mechanischen Uhren, wobei auch Beispiele der elektronischen Uhr bis in unsere Tage vertreten sind. Im Jahr 2000 erfolgte ein Umbau durch die Architekten Renate Prewein und Markus Eiblmayr, der das Museum noch attraktiver machte. Das Haus „öffnete“ sich nach außen mit Vitrinen und Schaufenstern, der Eingangsbereich wurde vergrößert, ein Raum für Veranstaltungen und Sonderausstellungen geschaffen. Bei den Umbauarbeiten entdeckte man eine Latrine, die vermutlich aus dem 17. Jahrhundert stammt – übrigens eine der wenigen, die in Wien von der Forschung dokumentiert werden konnten. 9


Julius Schmid, Marie von Ebner-Eschenbach in ihrem Arbeitszimmer, 1894

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Eva-Maria Orosz

„Meine Uhren machen mir das Sterben schwer“ Marie von Ebner-Eschenbach. Die Dichterin als Uhrensammlerin

Marie von Ebner-Eschenbach (1830–1916) gilt als eine der bedeutendsten Dichterinnen des 19. Jahrhunderts. Bekannt wurde sie vor allem mit ihren sozialkritischen und psychologisierenden Erzählungen. Zumindest in den Fachkreisen der Uhrmacher und Kunsthändler war sie auch als Sammlerin von Uhren berühmt. Mit ihrer Erzählung „Lotti, die Uhrmacherin“, verfasst 1879, „adelte“ die Aristokratin ein Handwerk, das sie hoch schätzte und in dem sie über praktische Kenntnisse verfügte: Ebner-Eschenbach wartete und reparierte ihre Uhren eigenhändig. Dankbar hat daher die Genossenschaft der Uhrmacher diese literarische Würdigung ihres Berufstandes aufgenommen und die Dichterin zu einer Art Galionsfigur auserkoren. Zu ihrem 70. Geburtstag wurde sie zum Ehrenmitglied ernannt,1 ab 1908 war sie auch Patronin der neuen Fahne der Genossenschaft.2 Die Verbundenheit zum Uhrmacherhandwerk besiegelte die Dichterin über ihren Tod hinaus mit dem Vermächtnis einer Rente von 1200 Kronen, die in der Genossenschaft als „Baronin von EbnerEschenbach-Widmung“ verwaltet wurde.3 Ihre kostbare und berühmte Sammlung von 270 Taschenuhren aus der Zeit vom 16. bis zum 19. Jahrhundert konnte 1917 für das Wiener Uhrenmuseum erworben werden. Obwohl nach den Wirrnissen des Zweiten Weltkriegs nur mehr 47 Uhren erhalten sind, stellt die Sammlung Ebner-Eschenbach nach wie vor einen Bestand von herausragender Qualität und Faszination dar, dem im Museum ein eigener Raum gewidmet ist. Zwei ihrer Taschenuhren werden im vorliegenden Katalog vorgestellt (Nr. 12_40, S. 50 und Nr. 14_40, S. 54). Marie von Ebner-Eschenbach hatte ein Faible für schöne Uhren. Sie erwarb gerne Taschen- und Fantasieuhren, deren Gehäuse aufwendig und kostbar geschmückt waren – mit prachtvoller

Emailarbeit in bestechender Farbenpracht, zarten Perlen und glitzernden Diamanten. Die Uhrenfachwelt zu Beginn des 20. Jahrhunderts ließ trotz hymnischer Gesamtbeschreibungen der Sammlung manchmal auch leise Kritik durchklingen.

„Ein echt fraulicher Standpunkt“ Uhrenspezialisten, Techniker mit Leib und Seele, äußerten die Meinung, die Dichterin habe die Uhren nur um deren Schönheit willen gesammelt4 und dass nicht jedes ihrer Stücke ein Musealobjekt sei.5 Und Rudolf Kaftan, Gründer und langjähriger Leiter des Uhrenmuseums, meinte überhaupt: „Sie nahm zu ihren Uhren eher einen echt fraulichen Standpunkt ein. Form und künstlerische Ausführung interessierte sie daran mehr als die Konstruktion des Werkes. Sie sammelte vor allem als Kunstliebhaberin, Aesthetin und Aristokratin.“6 Doch Ebner-Eschenbach war keineswegs eine nur am Liebreiz der Uhren interessierte, sondern eine ausgesprochen sachkundige Sammlerin. Die Uhrmacherei hatte sie am Werktisch praktisch erlernt7 und in rund 50-jähriger Beschäftigung ein breites historisches Wissen erworben. Sie kannte die Entwicklungsgeschichte der Uhren, ihre bedeutendsten Meister und sogar jede Uhrhemmung. Einen Abriss ihrer Kenntnisse und heitere Episoden aus der Entstehungsgeschichte ihrer Sammlung von Taschen- und Fantasieuhren schrieb sie 1895 in dem Aufsatz „Meine Uhrensammlung“ nieder.8 Ihre Kollektion vermittelt jedoch keine reine Technikgeschichte. Sie gewährt darüber hinaus Einblick in den Wechsel der Moden und geschmacklichen Vorlieben im Laufe der Zeit. Außerdem vermittelt sie die Fertigkeiten der Gehäusemacher, Emailleure, Goldarbeiter und 11


Juweliere, die Form und Aussehen der Taschenuhren maßgeblich beeinflussten. Anhängeruhren – zum Beispiel in Form eines Apfels oder einer Violine – waren vornehmlich Schmuckstücke und erst in zweiter Linie Zeitmesser. Bei diesen Objekten riefen Originalität in Form und Ausführung allgemeine Verzückung hervor, die Uhrwerke waren Nebensache und technisch selten innovativ. Dadurch ergibt sich auch eine gewisse Nähe zu einer weiteren bedeutenden Wiener Uhrensammlung, jener von Therese Bloch-Bauer9. Diese umfasste eine mindestens ebenso hervorragende Auswahl von Fantasieuhren des 18. und 19. Jahrhunderts.

Chronik des Sammlungsankaufes „Meine lieben Uhren, sie machen mir das Sterben schwer. Wer wird sie mir noch so gut behandeln?“10 Testamentarisch hatte Marie von Ebner-Eschenbach verfügt, dass die Sammlung verkauft und die Hälfte des Erlöses für die Errichtung eines Kindergartens in ihrem Geburtsort Zdislawitz in Mähren verwendet werden sollte.11 Ankaufsinteressenten für die weltberühmten Uhren ließen nicht lange auf sich warten. Die Sammlung lief Gefahr, ins Ausland verkauft oder gar im Handel komplett zersplittert zu werden. So wurden in Wien Stimmen laut, diesen Schatz für ein Museum zu sichern – namentlich für das Technische Museum für Industrie und Gewerbe.12 Die Dichterin selbst hatte sich sehnlichst gewünscht, dass die Preziosen in Wien verbleiben mögen, wo sie von 1863 bis zu ihrem Tod 1916 lebte. Viktor Graf Dubsky, Neffe der Verstorbenen, machte der Stadt Wien, die am 4. Mai 1917 den Ankauf der Uhrensammlung von Rudolf Kaftan und die Errichtung eines Uhrenmuseums am Schulhof beschlossen hatte, ein 12

Anbot. Bald wurde aber klar: Aus den Mitteln der Gemeinde Wien war ein Ankauf der 270 Uhren nicht möglich! Den Ausweg fand man in der Gründung des Vereins der Freunde des Uhrenmuseums und mit öffentlichen Spendenaufrufen in Tageszeitungen. Zwei Großindustrielle, der Kanonenfabrikant Freiherr von Skoda und der Konservenfabrikant Bernhard Wetzler, sowie ein Ungenannter brachten schließlich den gewünschten Kaufpreis von 301.000 Kronen auf, sodass der Stadtrat am 13. September 1917 den Beschluss fassen konnte, die berühmte Uhrensammlung Marie von EbnerEschenbachs für das Uhrenmuseum zu erwerben.13 Bereits während des monatelangen Akquisitionsverfahrens, als der Ausgang der Verhandlungen und Bemühungen noch ungewiss war, wurde die Uhrensammlung der Dichterin der Öffentlichkeit präsentiert, zunächst im Österreichischen Museum für Kunst und Industrie, anschließend im Technischen Museum. Von dort wurde sie am 9. November 1917, nach Fixierung des Ankaufes, durch den triumphierenden und stolzen Museumsdirektor Rudolf Kaftan abgeholt: Kaftan hatte sich vom Feuerwehrkommando einen Wagen ausgeliehen und war mit einigen Feuerwehrmänner ausgerückt, um die eiserne Kiste, in der die Uhren verwahrt wurden, in sein Museum zu transportieren. „Sie Schatzräuber“, soll der Direktor des Technischen Museums gerufen haben, „Sie wollen uns jetzt wirklich die Uhren davontragen?“ – denn auch das Technische Museum war am Ankauf der Sammlung interessiert gewesen.14 Erst eine Woche später, am 16. November 1917, wurde einem schon beunruhigten Kaftan der Schlüssel zur eisernen Kiste überreicht, eine weitere kommissionelle Besichtigung durchgeführt und die Sammlung der Dichterin definitiv in die


Verantwortung des Uhrenmuseums übernommen. Dieser Zuwachs war nach dem Erwerb der Uhrensammlung von Rudolf Kaftan der sammlungsge-

schichtlich erste große Ankauf des noch jungen und in Aufbau befindlichen Uhrenmuseums der Stadt Wien.

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Uhrenmuseum Wien, Katalog, Wien 1989, S. 60. Die Fahnenweihe der Wiener Uhrmachergenossenschaft, in: Österreichisch-Ungarische Uhrmacher-Zeitung, Juni 1908, S. 27f. Uhrmacher-Fachblatt, 5. Jg, Nr. 9, September 1916, S. 54. Kostbare Uhren, in: Volks-Zeitung, 31.5.1918. Die Uhrensammlung der Ebner-Eschenbach, in: Wiener Tagblatt, 15.10.1916. Rudolf Kaftan, Wie die Uhrensammlung Marie Ebner-Eschenbachs für Wien gerettet wurde. Zum hundertsten Geburtstag der Dichterin, in: Neues Wiener Journal, 15.9.1930, S. 3f. Alexander Grosz, Marie Ebner von Eschenbach. Ehrenmitglied der Uhrmacher-Genossenschaft zu ihrem 100. Geburtstage, in: Der Uhrmacher. Alleiniges offizielles Organ des Reichsfachverbandes der Uhrmacher Oesterreichs, 3. Jg., Nr. 17, 1930, S. 341. Ihr Lehrmeister dürfte Uhrmachermeister Ignaz Hartl, in Wien 15., Sorbaitgasse 4 gewesen sein. Freundlicher Hinweis von Rupert Kerschbaum. Marie von Ebner-Eschenbach, Meine Uhrensammlung, in: Velhagen & Klasings Monatshefte, 10. Jg., 5. Heft, Jänner 1896, S. 531-540.

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Elisabeth Sturm-Bednarczyk, Phantasie-Uhren. Kostbarkeiten des Kunsthandwerks aus der Sammlung Therese Bloch-Bauer, Wien 2002. Alexander Grosz, Marie Ebner von Eschenbach. Ehrenmitglied der Uhrmacher-Genossenschaft zu ihrem 100. Geburtstage, in: Der Uhrmacher. Alleiniges offizielles Organ des Reichsfachverbandes der Uhrmacher Oesterreichs, 3. Jg., Nr. 17, 1930, S. 341f. Rudolf Kaftan, Gewinnung der Uhrensammlung der Frau Baronin Ebner-Eschenbach für das Uhren-Museum der Stadt Wien durch den Unterzeichneten. Archiv Uhrenmuseum. Richard Edler v. Schickh, in: Fremden-Blatt, 30.11.1916, S. 11. Franz M. Scharinger/Robert Waissenberger, Das Wiener Uhrenmuseum. Anmerkungen zur Entstehung der Sammlung, in: Uhrenmuseum Wien, Katalog, Wien 1989, S. 9. Rudolf Kaftan, Wie die Uhrensammlung Marie Ebner-Eschenbachs für Wien gerettet wurde. Zum hundertsten Geburtstag der Dichterin, S. 4, in: Neues Wiener Journal, 15.9.1930, S. 3f.

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Türmeruhr, Österreich (?), 1. Hälfte 15. Jahrhundert

H.: 55 cm, B.: 20 cm, T.: 18 cm Werk: Flachrahmenbauweise, geschmiedetes Bandeisen mit seitlich verkeilten Lagern für das Schnur- und das Steigrad. Spindelhemmung mit Waag, die Tonfiguren am Waagbalken aus der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts, Gewichtsantrieb mit Schnurzug; Stundenwecker mit kleiner Glocke, Weckeraufzug mit fester Kurbel, Auslösestifte am Stundenrad (fehlen), Anzeige für Stunden, Gangdauer 12 Stunden Inv.Nr. U 785 Erwerb: Ankauf Sammlung Rudolf Kaftan, 1917

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Ein Rückblick in eine Zeit, in der sich nur die wenigsten Städte eine Turmuhr, und wo doch, womöglich keine mit Schlagwerk leisten konnten: In jenen Tagen war es Aufgabe der Türmer, vom höchsten Turm der Stadt nicht nur vor Bränden oder anrückenden Feinden zu warnen, sondern auch den Bürgern kundzutun, wie viel es geschlagen hat. Die kleinen, in ihren Turmstuben angebrachten Türmeruhren signalisierten ihnen, wann jeweils eine Stunde vollendet war; dann gingen sie zur großen Turmglocke und schlugen sie, der jeweiligen Stundenzahl gemäß. Oder sie bliesen in ihr Horn. Die Genauigkeit der Türmeruhren reichte, bei simpelster und zugleich robuster Bauweise, für mittelalterliche Verhältnisse durchaus hin: Eine Viertel- oder halbe Stunde auf oder ab pro Tag, das beunruhigte die Wenigsten in einer Epoche, in der mechanische Uhren grundsätzlich nur mit Stundenzeiger versehen waren. Zur Korrektur der unvermeidlich sich summierenden Unregelmäßigkeiten dienten Sonnenuhren; war der Himmel längere Zeit bedeckt, griff man auf große Sanduhren als Korrektiv zurück. Türmeruhren dieser Art waren weithin verbreitet und haben sich doch nur selten bis in unsere Zeit gerettet: Sie waren Gegenstände des täglichen Gebrauchs, nicht der Erhaltung; waren sie schadhaft oder sonst nicht mehr zu brauchen, wurden sie üblicherweise eingeschmolzen. So wurde aus mittelalterlicher Massenware eine Rarität. Eine Rarität, die übrigens, was unser Exemplar betrifft, jederzeit ihren Dienst wieder antreten könnte: Sie funktioniert heute wie vor 500 Jahren.


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Turmuhrwerk St. Stephan, 1699 Joachim Oberkircher, Wien

H.: 222 cm, L.: 222 cm, T.: 150 cm Werk: Geschmiedetes Eisenwerk, Gewichtsantrieb über Seilzug, Steingewicht (ca. 40 kg), rückführender Ankergang, Stundenschlagwerk mit Schlossscheibe, Auslösung für das Stundenschlagwerk über einen Hebel und vier Rollen, durch einen nicht mehr vollständigen Hebel und ein Glöckchen (nicht vorhanden) wurde der Türmer zum Läuten der Viertelstunden angehalten. Die Einstellung der Uhrzeit war über eine Entriegelung direkt am Werk möglich. Die Räder auf dem Turmuhrwerk waren die Übersetzung zu den vier Zifferblättern außen am Turm. Die Zähne am Zwischen- und Ankerrad konnten paarweise oder einzeln durch Lösen von Schrauben ausgetauscht werden. Gewicht des Werkes rund 700 kg, Anzeige für Stunden und Minuten, Gangdauer acht bis zwölf Stunden Inv.Nr. U 3043 Erwerb: Schenkung aus Privatbesitz an die Städtischen Sammlungen, 1903

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Im 14. Jahrhundert beginnen sie Europa zu erobern: Große Räderuhren auf Stadt- und Kirchtürmen teilen den mittelalterlichen Tag ab da in gleich lang gedachte Stunden – gedacht nur, denn die Uhrwerke sind vorerst grobschlächtig und bedürfen ständiger Korrektur. Als 1699 ein neues Uhrwerk im Südturm des Wiener Stephansdoms montiert wird, ist es immerhin schon das vierte seiner Art an diesem Ort; aber es ist das erste, das neben Stundenzeigern auch Minutenzeiger vorwärts treibt – vor vier Zifferblättern, je eines auf jeder Seite des Turms. So kennt man das Bild des Südturms von St. Stephan bis weit ins 19. Jahrhundert. Da neigt sich die oberste Turmspitze bedenklich aus der Vertikale nach Nordosten. Ein erster Sanierungsversuch scheitert, ein zweiter in den 1840er-Jahren ebenso. In den 1860er-Jahren schließlich ist die Lage so bedenklich, dass die gesamte Helmpyramide abgetragen werden muss. Jahrelang verbleibt der Stephansturm als Stumpf, den man mittlerweile noch um das – mit Gewichten, Zeigern, Zifferblättern doch auch tonnenschwere – Uhrwerk des Joachim Oberkircher erleichtert hat. Im Südturm wird ihm keines mehr folgen. Nicht zuletzt, so wird erzählt, eine Frage der Kosten, die ein neues Werk zusätzlich verursacht hätte. Unter dem neuen Leiter der Dombauhütte, Friedrich Schmidt, heute vor allem als Ringstraßenarchitekt geläufig, ersteht der Südturm wenig später in neuem Glanz; sein letztes Turmuhrwerk dagegen wird zum Schrottwert veräußert – und findet erst weitere 100 Jahre später, als Schenkung seines Eigentümers, den Platz, der einzig ihm jenseits des Stephansturms angemessen scheint. Es wird Herzstück der Dauerausstellung des Wiener Uhrenmuseums.


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Astronomische Kunstuhr, um 1762–1769 David a. S. Cajetano (Rutschmann), Wien

Gehäuse: Vierseitig verglaster Holzkasten H.: 265 cm, B.: 77 cm, T.: 49 cm Zifferblatt: Versilberte Messingzifferblätter mit Gravur und gegossenen Verzierungen, Stahlund vergoldete Messingzeiger, auf dem vorderen Zifferblatt sign. und dat.: „Fr. David a. S. Cajetano – Augustini Discalc Invenit et Fecit, Viennae“, „1769“. Anzeigen der Hauptschauseite im Uhrzeigersinn beginnend mit dem untersten Blatt: (1) Tageszeit mit Minuten- und Stundenzeiger, (2) Umlaufzeit des Planeten Merkur (87 Tage, 23 Stunden, 14 Minuten und 4 Sekunden), (3) Name des Wochentages, (4) Astronomische Abweichung vom Mondknoten (Mondbreite), (5) Umlaufzeit des Planeten Jupiter (11 Jahre, 314 Tage, 22 Stunden), (6) Römerzinszahl, Epakte und „Goldene Zahl“, (7) Umlaufzeit des Planeten Saturn (29 Jahre, 167 Tage und 22 Stunden) und ein Doppelzeiger zeigt die sogenannte Präzession an, worunter man das Vorrücken des Frühlingspunktes versteht, welches sich aus der veränderlichen Stellung der Erdachse ergibt. Umlaufzeit dieses Zeigers 20 904 Jahre, (8) Sonntagsbuchstabe und Sonnenzirkel, (9) Umlaufzeit des Planeten Mars (1 Jahr, 321 Tage, 23 Stunden, 31 Minuten und 56 Sekunden), (10) Synodischer Mondmonat, auch Mondalter genannt (29 Tage, 12 Stunden, 44 Minuten), (11) Anomalistischer Mondmonat, 44

d. h. Zeitangabe von Fern- zu Fernpunkt des Mondes (27 Tage, 13 Stunden, 16 Minuten und 35 Sekunden), (12) Umlaufzeit des Planeten Venus (224 Tage, 16 Stunden, 48 Minuten). In der Bekrönung: böhmische oder italienische Zeit, mit dem Drachen-, dem Sonnenzeiger und der Mondscheibe sind die Sonnen- und Mondfinsternisse ablesbar. In zwei runden Fenstern wird die Größe einer Mondfinsternis und mit einer blau-goldenen Kugel die Mondphase angezeigt. Hauptzifferblatt: Tage, Monate, Tierkreiszeichen, Mondknoten, Voll- und Neumond, das Zeigerpaar mit den Buchstaben „A“ und „P“ (Apogäum und Perigäum) weist auf die Erdferne oder Erdnähe hin, Jahreszahl und für 83 Orte die nach der geografischen Länge richtige Zeit. In vier kleinen runden Fenstern die Jahreszahl bis zum Jahr 9999. Rückseite: Ewiger Kalender, Stunde, Minute und mit dem vergoldeten Minutenzeiger die wahre Zeit, nach der Sonne berechnet, von Wien. Werk: Gehwerk aus Messing und Stahl, Gewichtszug mit einem 26 kg schweren Bleigewicht, Grahamgang, Sekundenpendel, Gangdauer ca. 32 Tage Inv.Nr. U 435 Erwerb: Ankauf aus dem Stift Zwettl, 1928

Ein ganzes Weltall, gefasst in eine Uhr. Und so wie hier unzählbar scheinende Räder ineinandergreifen – 150 sind es, weiß einer, der sie schon einzeln in Händen hielt –, so stellen wir uns ja auch tatsächlich den Kosmos vor: ein Räderwerk, das, einem ungeklärten Aufzugsmechanismus folgend, keine Rast, nur Unruh kennt. Schon von den ersten Stunden der Räderuhr an ist es die Astronomie, die das Berufsbild des Uhrmachers mitgestaltet. Und gleichermaßen ist es das Räderuhrwerk, das alsbald unser Bild des Himmels und der Vorgänge in ihm bestimmt. Konstrukteure astronomischer Instrumente gehören zu den frühesten Repräsentanten der neuen Handwerkskunst im 14. Jahrhundert, nicht wenige von ihnen in Klöstern forschend. Auch einem Zimmermannssohn aus dem Schwarzwald namens David Rutschmann (1726-1796) gibt erst ein Orden, jener der Augustinerbarfüßer, Gelegenheit zu wissenschaftlicher Vertiefung. 1754 tritt der gelernte Tischler dem Orden bei, nennt sich fortan Frater David a Sancto Cajetano, es folgen Lehrjahre in Mathematik, Mechanik, Astronomie in Wien, deren Erkenntnisse unmittelbar in die Arbeit an seiner astronomischen Kunstuhr für sein Wiener Kloster fließen. Am 21. März 1769 übergibt er seinem Abt das Wunderwerk, das seinesgleichen nicht hat. Und hinterlässt die Nachwelt staunend, wie hier einer stupendes astronomisches Wissen auf der höchsten Höhe seiner Zeit in gleichermaßen Staunen machendes Handwerk zu fassen vermochte.


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Bodenstanduhr mit astronomisch-chronologischem Mechanismus, um 1810/15 Michael Krofitsch, Leutschach

Gehäuse: Holzkasten mit aufgeklebter Bemalung und Intarsien H.: 280 cm, B.: 118 cm, T.: 58 cm Zifferblatt und Anzeigen: Karton mit aufgeklebtem Papier, Messingzeiger, Anzeigen im Aufsatz: Minuten und Stunden, eine Scheibe zeigt für mehrere Orte nach geographischer Länge die richtige Zeit. Anzeigen im Gehäuse oben: Römerzinszahl, Jahresregent, Uranus, Jupiter, Ceres, Vesta, Mars, Merkur, Venus, Juno, Pallas, Saturn, Erdnähe oder Erdferne, Mondumlauf, auf- und absteigender Mondknoten und die damit verbundenen Sonnenund Mondfinsternisse, der Zeiger mit der Sonne symbolisiert das Sonnenjahr. Anzeigen in der Mitte: jüdischer Kalender, jüdisches Schaltjahr, kanonische Horen und Vigilien, türkisches Schaltjahr, türkischer Kalender. Anzeigen im linken Kreis: russischer Kalender, die Abweichung der Sonnenauf- und Sonnenuntergänge auf der nördlichen und südlichen Hemisphäre, persischer Kalender, die gemeinen und die Schaltjahre, horizontal Parallaxe der Sonne, Stand der Erde nach dem kopernikanischen System, Tag- und Nachtlänge. Anzeigen im rechten Kreis: gregorianischer Kalender, Äquation, französischer Revolutionskalender, Dauer des Mondlichtes, Sonnenauf- und Untergänge, jeweiliger Abstand der Erde zur Sonne, Stand der Sonne nach Tycho. Anzeigen unten: Sonntagsbuchstabe, Sonnenzirkel, Angaben zum Mond, Epakte, Goldene Zahl Werk: Eisenwerk, teilweise Messingräder, Gangdauer drei Monate (ursprünglich für einjährige Gangdauer berechnet) Inv.Nr. U 986 Erwerb: Ankauf aus Privatbesitz, 1925

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Der Zeit einen Altar: Wie weltlich könnte solches Ansinnen verstanden werden, Vergötterung der Stunden und Minuten, die doch von vielen als durchaus irdische Maße empfunden werden. Und dennoch war es ein Pfarrer, der einer Uhr die Form eines Flügelaltars verlieh. Michael Krofitsch, geboren 1755 in Leutschach und in seinem Geburtstort ab 1790 Dekan, lagen nebst der Seelsorge auch Mathematik und Astronomie am Herzen. Was er – im Grunde nichts weiter als ein Dilettant – an Wissen in sein Werk packte, macht bis zum heutigen Tage staunen. Auf dieser Uhr geht es längst nicht mehr um das Messen und Anzeigen der Zeit, hier ist die ganze Schöpfung eingefangen. Und dieser, nicht der Zeit, gilt der Altar von Krofitsch. Die Mittel, mit denen sie hier eingefangen ist, lassen das Bemühte der Liebhaberei erkennen. Ziffernringe aus Karton, aufgeklebtes Papier, Handschrift, da ausgebessert, dort überklebt: Das ist nicht die Uhrmacherhandwerkskunst auf der Höhe der Epoche, das ist private Passion, der es weniger um das äußere Erscheinungsbild als um den Inhalt geht. Und dieser Inhalt allerdings nimmt wunder – nicht nur wie da alles ineinandergreift, nein, auch was des Zeigens wert befunden wurde: beileibe nicht nur verwinkeltste Planetenstände, nein, auch die Kalender unterschiedlicher Kulturen und Konfessionen, ja sogar die neue Zeitrechnung der Französischen Revolution: Der französische Nationalkonvent hatte 1793 eine Neuordnung des Jahreslaufs nach dem Dezimalsystem dekretiert. 1806 wurde das Experiment beendet; auf einer Uhr aus dem kleinen Leutschach hat es sich bis in die Gegenwart erhalten.


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Flötenuhr, um 1815 Anton Bayer, Wien

Gehäuse: Holzgehäuse mit vergoldeten Messingbeschlägen, vier Pilaster aus Alabaster H.: 51 cm, B.: 56 cm, T.: 33 cm Zifferblatt und Anzeigen: Emailring, der Mittelteil aus guillochiertem vergoldetem Messing, Anzeige für Stunden, Minuten und Datum Werk: Messingwerk mit Wiener 4/4 Schlagwerk auf Glocken, Hakengang, Pendel mit Fadenaufhängung, sign.: „Anton Bayer in Wien“, Gangdauer 30 Stunden Flötenwerk mit Federantrieb, drei Melodien, 22 Pfeifen mit Blasebalg Inv.Nr. U 3066 Erwerb: Ankauf aus Privatbesitz, 1967

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Allein Joseph Haydn hat 32 Stücke für dieses eigentümliche Instrument komponiert: für die Flötenuhr, Symbiose aus Zeitmesser und kleiner Orgel, die zu vorgegebenem Termin Musik erklingen lässt, gesteuert von einer Stiftwalze. Die Geschichte der Spielwerke, also der Uhrwerke, die zugleich Musikerzeuger sind, geht freilich weit vor die Epoche Haydns zurück: So waren etwa Glockenspiele schon im 16. Jahrhundert weitläufig bekannt und beliebt. 1738 stellt der französische Erfinder Jacques de Vaucanson in Paris einen automatischen Flötenspieler vor, der ein Repertoire von zwölf Liedern hat und auf einer mechanischen Stiftwalze mit zwei Bewegungsrichtungen basiert. 30 Jahre später gründet Friedrich der Große in Berlin eigene Werkstätten für Flöten- und Harfenuhren. Es folgt eine Blütezeit der Flötenuhr. Die größten Komponisten der Epoche liefern dem Musikautomaten zu: Carl Philipp Emanuel Bach genauso wie Joseph Haydn, aber auch Wolfgang Amadeus Mozart. Der hielt zwar – glaubt man einem Brief an seine Frau, Constanze – den Klang der kleinen Pfeifchen für „zu kindisch“, was ihn allerdings nicht daran hinderte, gleich drei Werke für „Orgelwerk“ oder „Orgelwalze“ zu verfassen: vermutlich im Auftrag eines Grafen Joseph Deym von Střitez, der sie in seinem Kuriositätenkabinett nebst den Kopien klassischer Statuen oder auch Wachsfiguren prominenter Zeitgenossen als musikalische Stimmungsmacher darbot. Heute liefern uns die Walzen historischer Flötenuhren Hinweise auf die Musizierpraxis längst verklungener Tage: vor allem darauf, was denn dem Tempo nach damals als Andante oder auch Allegretto empfunden wurde.


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Bilderuhr mit Kaiser Franz I. am Schreibtisch seines Arbeitszimmers in der Hofburg, 1830 Carl Ludwig Hoffmeister (Maler), Wien

H.: 64 cm, B.: 80 cm, T.: 15 cm Bild: Öl auf Eisenblech, sign. re. u.: „C. L. Hoffmeister pinx Wien 1830“, kleines Emailzifferblatt Werk: fehlt Inv.Nr. U 3212 Erwerb: Ankauf durch die Städtischen Sammlungen aus Privatbesitz, 1901

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Ernst sitzt er da in seinem Arbeitszimmer, der „gute Kaiser Franz“: Eine „Volkshymne“, komponiert von Joseph Haydn, mit einem Text von Lorenz Leopold Haschka, hat ihn 1797 für alle Zeiten mit diesem Attribut versehen: „Gott erhalte Franz, den Kaiser, / unsern guten Kaiser Franz!“ Da ist er noch Franz II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation, eine Würde, die er 1806, als Folge der nicht eben glückreichen Koalitionskriege gegen Frankreich, zurücklegt. Allerdings hat er schon davor, 1804, ein neues Kaisertum Österreich proklamiert, für das er naturgemäß als Franz I. firmiert (siehe auch Vermählungsuhr, S. 48). Als Franz I. hat ihn Johann Stephan Decker 1826 an seinem Schreibtisch festgehalten: ein Sujet, das durch Holzschnitte und Kupferstiche weite Verbreitung fand. Dem Maler Carl Ludwig Hoffmeister diente es als Vorlage für eine jener Bilderuhren, wie sie für das Wiener Biedermeier charakteristisch sind: In ein Gemälde wird an passender Stelle eine kleine Uhr integriert. Und so finden wir bei Hoffmeister, als einzige wesentliche Abweichung vom Vorbild Deckers, im kaiserlichen Arbeitszimmer eine Uhr: über dem Fenster, also ziemlich ungewöhnlich platziert. Aber wo sonst hätte man sie unauffällig postieren können? Bleibt festzuhalten, dass die Malerei auf Metallplatten aus Eisen- oder Kupferblech, wie für Bilderuhren gern benutzt, hohe Anforderungen an die Technik des Künstlers stellte. Und dass Hoffmeisters Bilderuhr mit Franz I. in mehreren Ausgaben erhalten ist. Unter anderem auch in einer mit einem Spielwerk, das Haydns „Volkshymne“ hören lässt.


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Schmuckuhr, um 1840 Terond und Ravier, Genf

Schmuckgarnitur: Brosche, Anhänger mit Kette, goldener Armreif mit Perlen, Diamanten, emailliert. Kleine goldene Anhängeruhr, die im Armreif eingelegt wird. Armreif: H.: 70 mm, B.: 45 mm, Anhängeruhr: H.: 28 mm, B.: 21 mm, T.: 4 mm Gehäuse: auf dem Innendeckel bez.: „Terond u. Ravier, Geneve No. 75.512“ Zifferblatt und Anzeigen: Emailzifferblatt, Anzeige für Stunden und Minuten Werk: vergoldetes Messingwerk mit Zylindergang und Schlüsselaufzug, Gangdauer 30 Stunden Inv.Nr. U 3294 Erwerb: Vermächtnis Anna Januschek, 1984

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Wenn in Österreich von einer Hofschauspielerin die Rede ist, dann kann eigentlich nur eine einzige gemeint sein: Katharina Schratt (1853–1940). Ihre jahrzehntelange enge Freundschaft mit Kaiser Franz Joseph machte sie zu einer Person von allergrößtem öffentlichem Interesse, deren Bekanntheit naturgemäß weit über das eigentliche Theaterpublikum hinausging. 1885 kam es zu einer ersten nennenswerten Begegnung, bis zum Tod des Kaisers, 1916, blieb man einander fast durchgängig zugetan. So ist „die Schratt“ bis zum heutigen Tag im kollektiven Bewusstsein ähnlich fest mit dem Bild des alten Kaisers verbunden wie Kaiserin Elisabeth mit dem Bild des jungen. Ihre schauspielerischen Leistungen treten da zwangsläufig in den Hintergrund: Immerhin konnte Katharina Schratt auf eine äußerst erfolgreiche Karriere an ersten Häusern in Berlin, Wien und Sankt Petersburg verweisen, ehe sie am Wiener Burgtheater ihre künstlerische Heimat fand. Im Übrigen bescherte die kaiserliche Verbindung der Schratt nebst finanziellen Zuwendungen und einer Villa in der Nähe des Schlosses Schönbrunn auch eine beachtliche Schmucksammlung, zu der – glaubt man mündlicher Überlieferung – auch die vorliegende Schmuckgarnitur mit der kleinen Anhängeruhr gehört haben soll. Ihr aufwendiger Lebensstil zwang sie allerdings immer wieder dazu, ihre Schätze zu veräußern. Immerhin hatte die Schauspielerin sich schon im Oktober 1900, erst 47-jährig, nach Differenzen mit dem damaligen Burgtheaterdirektor, Paul Schlenther, in die Pension zurückgezogen.


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Bergwerksuhr, 1891 Karl Morawetz, Wien

Gehäuse: Dziedzinski & Hanusch, Wien (Ausführung), Friedrich Meister (Modelleur), Bronzeguss vergoldet, bez.: „Dem hochverehrten Herrn k.k. Oberbergrath Christian Mladý anlässlich seines Scheidens aus dem Revierbergamts-Bezirk BRÜX die Gewerken“, Originalsockel H.: 201 cm, B.: 56 cm, T.: 40 cm Zifferblatt und Anzeigen: Emailzifferblatt mit Doppeladler, Anzeige für Stunden, Minuten, Barometer Werk: Messingwerk mit AnkerEchappement, Halbstundenschlagwerk auf eine Glocke, zwei Bewegungsautomaten, bez.: „S. Marti et Cie medaille de Bronze“, sign. u. dat.: „Carl Morawetz / Uhrmachermeister in Wien 1891“ und bez.: „150 Tage Arbeitszeit 30. September 1891“, Gangdauer ein Tag Bewegungsautomaten: umlaufender Knappe mit Hunt, zwei Aufzugskörbe mit umlaufendem Zugseil Inv.Nr. U 3100 Erwerb: Vermächtnis Peter Mladý, 1969

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„Dem hochverehrten Herrn k.k. Oberbergrath Christian Mladý anlässlich seines Scheidens aus dem Revierbergamts-Bezirke BRÜX“, steht da in schwarzen Lettern auf goldenem Grund. Man könnte auch sagen: Herr Mladý, Beamter im Revierbergamt des nordböhmischen Brüx, ging in Pension, und die Gewerke, die Bergwerkseigentümer, erwiesen ihm die Reverenz – mit einem Uhrenunikat, entworfen von einem Fachschuldirektor in TeplitzSchönau. Einen Schnitt durch ein Kohlebergwerk stellt es vor, in dem zur vollen Stunde Förderkörbe auf- und abwärts fahren, ein Bergmann seinen Hunt durch einen Stollen schiebt. „Von dieser Bergwerksuhr existiert kein zweites Stück, das Modell wurde sofort vernichtet“, versichert eine Schrift auf der Fotografie des Tonmodells der Einzelanfertigung. Immerhin 49 einzelne Gussteile mussten dafür produziert werden. Der k. k. Hofuhrmacher Carl Morawetz seinerseits wiederum hat sich auf dem Werk mit dem Hinweis „150 Tage Arbeitszeit 30. September 1891“ verewigt. Und das alte Brüx, auf Tschechisch Most? Das gibt es längst nicht mehr. Für die Aufnahme des Kohletagbaus wurde der JanHus-Schacht geschaffen, der die Beseitigung der Altstadt erzwang; Anfang der 1960er-Jahre wurde das alte Stadtzentrum gesprengt. Ein letzter Rest der Stadt des Christian Mladý: die gotische Dekanatskirche, die in einer spektakulären Aktion samt ihren Fundamenten auf Schienen an einen neuen Standort verschoben wurde. Der Rest ist überwiegend Plattenbau.


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Schaltuhr für die Gasbeleuchtung, um 1920 Danubia AG, Wien

Gehäuse: Lackierter Eisenguss, Aufsatz aus Messing, bez.: „Danubia A.G. / System Klichmann / Budapest – Wien – Straßburg i. Els.“ H.: 36 cm, Dm.: 15 cm Zifferblatt und Anzeigen: Schwarz-weiß lackiertes Messingzifferblatt mit 24-StundenEinteilung, zwei verstellbare Reiter für den Beginn und das Ende der Beleuchtungszeit, bez.: „System Klichmann“ Werk: Messingwerk mit Federzug und Anker-Echappement, Gangdauer acht Tage Inv.Nr. U 587 Erwerb: Widmung aus Privatbesitz, 1923

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Am 8. Juli 1818 fängt alles an: Der Direktor des Polytechnischen Institutes, Johann Joseph Prechtl, nimmt mit Hilfe einer in der Nähe des Kärntnertors errichteten Gaserzeugungsanlage die ersten 25 Gasstraßenleuchten Wiens in Betrieb. Es ist ein Versuch, der nur wenige Monate währt, aber die nächtliche Erhellung Wiens durch Gaslaternen ist ab da nur mehr eine Frage der Zeit. 1850 zählt man in der Inneren Stadt bereits 564 ganznächtige und 494 halbnächtige Gasflammen. 1912 schließlich ist die Zahl der Wiener Gaslaternen auf 37.000 angewachsen, die von 679 Laternenwärtern betreut und betrieben werden. Dasselbe Jahr wartet mit einer Neuerung auf, die den meisten von ihnen den Arbeitsplatz kosten wird: der Installierung automatischer Zünd- und Löschuhren, die das Entzünden und Löschen des Gaslichts übernehmen sollen. „Die Uhrwerke unserer Automaten sind sehr sorgfältig gebaut und mit Rubinen versehen von tadelloser Qualität“, versichert der Erzeuger, die Danubia AG aus Wien, in einer Werbebroschüre. Und: „Dieselben sind doppelt resp. in zwei regen- und staubdichten Gehäusen eingebüchst und daher von außerordentlich langer Lebensdauer.“ Ziemlich nüchtern weiß man auch andere Vorteile der Neuerung ins rechte Licht zu rücken: „Jeder Gasfachmann kann an Hand der örtlichen Lohnverhältnisse die Ersparnisse, die mit der automatischen Laternenbedienung durch unsere Zünduhren erzielt werden können, selbst berechnen.“ Wenige Jahre später ist die automatische Zünd- und Löschuhr selbst ein Auslaufmodell: 1923 beginnt in Wien die Umrüstung der Gaslaternen auf elektrischen Betrieb.


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