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war die gestaffelte Lustbarkeitsabgabe auf Theater, Konzerte, sportliche Vorführungen, Kinos bzw. Lichtspiel­theater, die ihren Höhepunkt 1928 mit 17,2 Millionen Schilling erreichte, ab 1931 drastisch fiel, bis 1933 auf zehn Millionen. Hier zahlte das ›  einfache Volk  ‹ sicherlich mit, der Kinobesuch ( die Hälfte der Lustbarkeitsabgabe entfiel allein ­darauf)32 war sogar ­höher besteuert als das Theater oder Konzerte, nicht zuletzt um ArbeiterInnen zu dieser ›  höheren  ‹ Art des Kulturkonsums zu bewegen. Die Nahrungs- und Genussmittelabgabe galt für »  Luxusbetriebe  « mit höheren Preisen, besserer Ausstattung und hohem Komfort. Sie betraf 1928 rund 18 Prozent der Gasthäuser, 25 Prozent der Kaffeehäuser, 27 Prozent der Zuckerbäcker, aber nur 0,5 Prozent der Lebensmittel- und Delikatessenhändler bzw. der Fleischhauer, ein kleiner Bruchteil bezahlte den Höchstsatz von 15 Prozent.33 Sie erreichte ihren Höhepunkt 1928 mit 16,2 und 1929 mit 17,1 Millionen Schilling, erbrachte 1933 nur mehr 4,7 Millionen Schilling und wurde 1934 aufgehoben. Die Biersteuer fuhr trotz Einnahmen von rund zehn Millionen Schilling jährlich seit ihrer Einführung im Jahr 1927 bis 1930 defizitäre Ergebnisse

» A us den Mitteln der Wohnbausteuer « , Inschrift auf dem 1926 errichteten Gemeindebau in der Thaliastraße im 16. Bezirk, 2010 nach dem ehemaligen Ottakringer Bezirksvorsteher Josef Srp benannt, 2019 ; Foto : Nora Schoeller, Kat. Nr. 2.15.

ein. Die Kraftwagenabgabe kam auf Erträge zwischen vier und fünf Millionen jährlich, sie wurde – ohnehin von sinkender Bedeutung – im Mai 1931 der Gemeinde vom Bund entzogen. Die Hauspersonalabgabe erbrachte um die zwei Millionen Schilling jährlich, mit ab 1926 sinkender Tendenz, und wurde 1934 aufgelassen. Kaum Bedeutung erlangten die Pferdeabgabe, die Hundeabgabe ( rund eine Million jährlich ) und die nur kurze Zeit bestehende Luxuswarenabgabe. Ein annähernd gleicher Anteil an den Gemeindeabgaben wie auf die Luxussteuern entfiel auf die Boden- und Mietsteuern ( mit Ausnahme von 1923 und 1933 ), wobei rund drei Viertel der Einnahmen aus der Anfang 1923 beschlossenen Wohnbausteuer stammten. Ihr Ertrag ( Einnahmen von jährlich 35 Millionen Schilling ) wurde zur Gänze dem Wohnbau gewidmet, und die Wohnbausteuer wurde neben der Fürsorgeabgabe zur zweitstärksten Einnahmequelle der Gemeinde ( infolge der Wirtschaftskrise zuletzt sogar die wichtigste ). Nennenswerten Ertrag sicherten auch die Wertzuwachssteuer ( zwischen sechs und elf Millionen Schilling jährlich  ; sie behinderte die Spekulation und drückte die Bodenpreise und wurde von eher

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Wien Museum Katalog „Das Rote Wien. 1919-1934. Ideen, Debatten, Praxis.“  

Leseprobe Katalog „Das Rote Wien. 1919-1934. Ideen, Debatten, Praxis.“, Farb- und Schwarzweißabbildungen, broschierte Ausgabe, 469 Seiten, e...

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