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Fränkischer Sonntag SAMSTAG/SONNTAG, 11./12. SEPTEMBER 2010

REPORTAGE

Den Neptunbrunnen gibt es doppelt SEITE 5

BEILAGE des FRĂ„NKISCHEN TAGS, des COBURGER TAGEBLATTS, der BAYERISCHEN RUNDSCHAU

Franke goes to Hollywood

Wut macht erzieherisch Otto Lapp

S

Sebastian Wiegärtner dreht mit kleiner Technik groĂ&#x;e Filme, die auch einen Blockbuster-Guru wie George Lucas umhauen. Von Forchheim nach Hollywood, von 0 auf 100 ohne Wunder sondern allein mit Hilfe des Web 2.0 ! NETZMĂ„RCHEN

heute Fragen, die ins Detail gehen. Oder gibt Tipps zur AusrĂźstung, damit evor das Internet die Welt zu andere an den 1000 Kleinigkeiten, die einem globalen Dorf verwanzu beachten sind, nicht verzweifeln. delt hat, konnte man in der „Folge den richtigen Leuten und auch Provinz nur drei Dinge tun, dir folgen die Richtigen“, zitieren die um ganz groĂ&#x; raus zu kommen. MunWebjĂźnger gerne Slogans im Stilmix ter in die Fremde wandern, auf die aus Werbebotschaft und Heiliger Gnade einer fragwĂźrdigen CastingSchrift. show im TV setzen oder auf den groIn dieser Art hat auch der Guru der Ă&#x;en Jackpot warten wie den sprichDSLR-Operator-Szene sofort Wind wĂśrtlichen Anruf aus Hollywood. vom guten Streifen des Franken Ăźber Eine moderne Cinderellastory, ein die Tapeten aus Hohenberg bekomMärchen wie es vielleicht nur im Zeitmen. Philipp Bloom suchte dann einen alter der schnellen und omnipräsenten Assistenten fĂźr eine HollywoodproDatenhighways des Web 2.0 geschrieduktion. Wiegärtner tippte ein paar ben werden kann, erlebt seit einem Sätze in den Rechner und kurze Zeit Jahr Sebastian Wiegärtner aus Forchspäter stand er im Studioset des neuesheim. „Ich habe einen kleinen Werbeten Lucas-Movies „Red Tails“. Ein film mit einer digitalen SpiegelreflexFilm Ăźber die erste afroamerikanische kamera Ăźber eine Tapetenfabrik geFlugstaffel der Vereinigten Staaten im dreht und ins Internet gestellt. Dann Zweiten Weltkrieg, Ăźber den Wiegärtfing der ganze Wahnsinn an“, erinnert ner (noch) nichts erzählen darf. Seine sich der 27-jährige GeschäftsfĂźhrer eieigenen Filme kann dagegen jeder im ner Werbeagentur, während sein Blick Netz unter wiegaertnerfilms.com anaus den schicken BĂźrofenstern hinĂźber schauen. auf die Dächer der fränkischen FachNach der Lucas-Geschichte zählt werkbauten der KĂśnigsstadt wandert. der Forchheimer mittlerweile zum geVielleicht fragt er sich in diesem Mofragten Experten auf dieser neuen ment, wohin ihn dieses Cybermärchen Technikspielwiese. Als Coach gibt er wohl noch Ăźberall fĂźhren wird? In Prag sein Wissen in Workshops weiter. An jedenfalls war er schon. Beim Filmset diesem Wochenende leitet er einen von George Lucas. Ja, der legendäre Kurs auf der Sonneninsel Mallorca. InStars-Wars-Lucas! zwischen wird er auch von renommierten Firmen mit feinstem Equipment  versorgt. „FĂźr knapp 1000 Euro bekommt man heute Bildqualitäten und einen Look, den man vor Jahren nur mit Kameras erzielt hat, die ein VermĂśgen kosten“, erzählt er und streichelt vorsichtig sein neuestes Baby. Ein Objektiv im Wert von mehreren groĂ&#x;en rosa Scheinen. Die Kunst beim Drehen mit der Spiegelreflex? „Wer das Bild immer scharf hält, der ist am Filmset ein reicher Mann“, erzählt Wiegärtner und schwärmt weiter vom Brillante Bilder im 35mm-Look kreierte Sebastian Wiegärtner schon in seinem Erstlingswerk, dem Tapetenfilm, mit einer DSLR. tollen Catering an der Moldau. VON UNSEREM MITARBEITER

B

NIKOLAS PELKE

„In einem Jahr von Null auf Hun- Ăźber Facebook und Twitter bekomdert“, sagt er noch leicht verträumt, me.“ DafĂźr nimmt er sich auch schon während die dunklen Augen schon mal in der Nacht die Zeit, wenn ihn seiwieder hellwach sind. Angefangen hat ne kleine Tochter mal wieder aufgealles damit, dass er TĂśchterchen Anna- weckt hat. „Dann sind die ganzen Amis belle mit seiner digitalen Spiegelreflex- wach“, erzählt er weiter ohne zu verkamera (DSLR) filmen wollte. Dass schweigen, das seine Frau nicht immer die Qualität einfach gigantisch und die froh Ăźber das nächtliche Treiben ist. Filme „einfach verEifersĂźchtig muss sie dammt gut“ ausdann nicht sein. Es schauen, hat der Wergeht ihm beim Surbekaufmann, der 2004 fen schlieĂ&#x;lich nicht in die Werbeagentur um billige Unterhalseines Vaters eingetung. stiegen und vor drei „Wenn man sein Jahren als GeschäftsWissen anderen im fĂźhrer Ăźbernommen Internet zur VerfĂźhat, schnell bemerkt. gung stellt, dann „Was bringt dir der kriegst du 100 Probeste Film, wenn ihn zent zurĂźck“, sagt niemand anschaut“, Wiegärtner, dem hat sich Wiegärtner derzeit allein bei gefragt und die AntTwitter Ăźber 5000 wort als erfahrener Menschen via RechWebsurfer schnell paner folgen. Dass dies Sebastian Wiegärtner rat gehabt: das Netz dank SchneeballsysFilmemacher des neuen Jahrtautem zu einer gigantisends oder einfach Web 2.0 ! schen Lawine werden kann, weiĂ&#x; er aus „Ich bin seit den späten Neunzigern, eigener Erfahrung. Der Inhalt mĂźsse dabei, aber in den letzten drei Jahren aber schon stimmen. Sonst läuft auch hat sich ’ne Menge im Netz getan.“ hier nichts. Ablenkung und BerieseDass das ohne Ăœbertreibung stimmt, lung sucht die Avantgarde der neuen merkt man schnell. „Ich beantworte je- Medien nicht in erster Linie in der virden Tag so 20 Fragen, die ich online tuellen Welt. Wiegärtner beantwortet

Wenn man sein Wissen anderen im Internet zur VerfĂźgung stellt, dann kriegst du 100 Prozent zurĂźck.

chon länger her, da hat mein Sohn aus Wut seine Jacke auf den Boden geworfen. Mitten in der, wirklich mitten in der Stadt. So, hab ich gedacht, wie reagierst du jetzt? Jacke auf dem Boden, Sohn brummgrummelt in seinen noch längst nicht vorhandenen Bart und nebendran: die Besserwisser. Trotzdem habe ich beschlossen, nicht zu platzen. Schimpfen, danach war mir auch nicht. Und fĂźr eine Predigt Ă  la so-was-geht-gar-nicht usw., dafĂźr war der Tag einfach zu schĂśn. Ich also hebe die Jacke auf (Sohn brummgrummelt noch wĂźtender) und meinen Sohn umarme ich. Weil der kann mich gar nicht aufregen heute. Dass er weiter brummgrummelt, brauche ich hier nicht zu sagen. Jetzt hätte ich meinen Erziehungsauftrag nicht erfĂźllt, sagt einer der Besserwisser aus der samstäglichen Zuschauerriege in der FuĂ&#x;gängerzone. Ein Nicht-Elter. „Wohlgemerkt“ wĂźrd’ ich gern: schreiben. Tu ich aber nicht. Tjahaa, mein Sohn. Ungezogen, sei er. Besagter Nicht-Elter hätte ihm und hätte ihn und Ăźberhaupt: Nie wieder! Weil Kinder in der heutigen Zeit. Kein Wunder, dass Frauen keine Kinder mehr wollen. Jedenfalls nicht „so was“. Und dann hat er noch herausgefunden, dass Kinder frĂźher anders waren. Als wer? Als alle, als meines, brummgrummeliges? So genau war er nicht. Ohrfeigen hat er mir empfohlen. Und Ăźberhaupt die gute alte Zeit. Ich fragte ihn, ob er die Zeit meinte, in der noch Boten auf Trakehnerhengsten die Post brachten. Das machte ihn wĂźtend und er ging, schmiss aber seine Jacke nicht auf den Boden. Gut erzogen. DafĂźr hat vier Monate später mein Sohn wieder etwas auf den Boden geworfen. Einen Bleistift, weil er beim Kniffel verloren hat. Ich hĂśrte die Stimme des Nicht-Elter: schwere ErziehungssĂźnde, keine klare Linie, fehlende Strenge. Und ich hab ihn aufgehoben, den Stift, und trotzdem wieder umarmt – den Sohn. Ich weiĂ&#x;, diesen Fehler kann ich nie wieder gut machen. Mit Sicherheit ziehe ich so ein Monster groĂ&#x;, das nie gesellschaftsfähig werden kann. Bei dem Vater! Aber mir ist da was eingefallen. Am Ostersamstag war ich sehr sehr wĂźtend. Und vor lauter Wut habe ich einen Blumentopf, meinen einzigen, auf den Boden geworfen. Wie ungezogen. Stimmt. Aber ich hätte gern jemanden gehabt, der mich in dieser Situation umarmt.

MUSIK

Neue CD von „Blechschaden“  SEITE 2 ZUM THEMA

Ritterkapelle ist saniert  SEITE 3 KINO

Ein Leben im Abseits  SEITE 8




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