Page 27

Banken

27

markt geflüster Martin Kwauka Journalist

Das Ende des Bankgeheimnisses

Martin Kwauka ist freier Wirtschaftsund Finanzjournalist. Im Auftrag von DerBörsianer füllt er diese Seite regelmäßig mit seinen Gedanken.

Der Finanzplatz Österreich droht zum Verlierer des internationalen Trends hin zur Steuertransparenz zu werden. Die Bundesregierung verschärft das Problem durch haarsträubende Gesetze.

D

kehrt lassen offenbar überraschend viele Österreicher ihr Kapital ie Tage des Bankgeheimnisses sind gezählt. Die Buntrotz Strafsteuern weiterhin bei den Eidgenossen verwalten. desregierung gab dem jahrelangen Druck der EU nach Wenn mehr Geld ab- als zufließt, bedeutet dies eine weitere und nimmt künftig am automatischen Austausch von Schwächung des heimischen Finanzplatzes und damit auch einen Kontodaten teil. Zwar betrifft dies primär Deutsche und andere Verlust von Beschäftigungsmöglichkeiten. Eigentlich müsste die EU-Bürger, die in Österreich Geld parken. Mit ihnen werden aber Bundesregierung wenigstens versuchen, dagegen anzukämpfen, auch Auslandsösterreicher mit Konten im Inland zu gläsernen und könnte zum Beispiel attraktive Rahmenbedingungen für AnSteuerzahlern. Wer also zum Beispiel beruflich in ein anderes Land leger außerhalb der EU schaffen. Dort wäre einiges zu holen: Das der Union zieht, kann sich das Bankgeheimnis bald abschminken. Vermögen der neuen Superreichen aus den Schwellenländern, die Manche Experten halten das für verfassungsrechtlich bedenklich. mehr als 30 Millionen Dollar auf dem Konto haben, wächst jährlich Wenn nun ein Auslandsösterreicher mit Erfolg gegen die neue um 15 bis zwanzig Prozent. Das ist beileibe nicht alles SchwarzSteuertransparenz mit dem Argument klagt, er würde gegenüber geld. Österreich hätte dieser Klientel durchaus einiges zu bieten. Inländern benachteiligt, ist endgültig Feuer am Dach: Dann würde Dazu gehören stabile politische Verhältnisse, die Rechtssicherheit nämlich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht der EU-Informationsund auch Wien oder Salzburg als kulturelle Anziehungspunkte. austausch gestoppt, sondern stattdessen auch das Bankgeheimnis Doch was macht die Koalition? Durch eine unüberlegte Bestimfür alle Inländer gekippt. mung im jüngsten Sparpaket werden mit einem Schlag sowohl Der neue Trend zur Steuertransparenz macht sich bereits in der bisinternationale Private-Banking-Kunden vertrieben als auch österher ziemlich ausgeglichenen österreichischen Schwarzgeldbilanz reichische Staatsanleihen steuerlich diskriminiert. Wie das mögbemerkbar. Österreicher hatten laut Schätzungen rund 20 Milliarlich ist? Erstens müssen Nicht-EU-Bürger, die in Österreich Geld den Euro im Ausland, vor allem in der Schweiz, verborgen. Dafür anlegen, ab kommendem Jahr 25 Prozent Quellensteuer auf Zinlag etwa die gleiche Summe Auslandsgeld in Österreich, vorwiesen abführen. Weil diese Abgabe im völligen Alleingang beschlosgend von Deutschen und Italienern. Doch inzwischen gehört die sen wurde, können sich andere Finanzplätze schon jetzt auf neue Republik zu den Nettoverlierern des Booms der Selbstanzeigen: Seit Kunden freuen. Zweitens ist der Koalition dem Vorjahr fließt weit mehr Schwarzgeld noch ein zusätzliches Eigentor eingefallen. aus Österreich ab als aus der Schweiz zuDie neue KESt. wird bei Russen, Chinesen rückkehrt. Der Grund: Viele Bundesbürger und Co nur auf Kontoguthaben und Zinsen fürchten, dass die Steuertransparenz rückauf Inlandsanleihen eingehoben, deutsche wirkend greift, und haben deshalb bereits Bundesanleihen kann diese Klientel nach fluchtartig das Vermögen von den meist wie vor steuerfrei erwerben. grenznahen Instituten abgezogen. UmgeMartin Kwauka

Unüberlegte ­Bestimmungen im jüngsten Sparpaket.

DB_27_Marktgeflüster_Kwauka.indd 27

07.04.14 06:02

DerBörsianer 3. Ausgabe, Q2 2014  

Das Fachmagazin für den österreichischen Kapitalmarkt

Advertisement