Leseprobe - Elf Meter

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machen oder nicht? Okay, ich laufe an, erreiche den Ball, und ich schwöre, was ab dem Moment passierte, weiß ich nicht mehr. Ich kann mir bis heute nicht vergegenwärtigen, was ich gemacht habe. Alles wurde schwarz. Ich trat über den Ball, ich glaube, ich habe ihn nicht mal berührt, dann steht Titi neben mir, der fragt: ‚Was machst du da?‘ Ich kam mir vor wie ein Idiot. Ich hatte es total vermasselt. Ein Spieler von City, Danny Mills war es, machte mich zur Schnecke: Er schnauzte mich an, ich wolle sie wohl verscheißern und sei ein arroganter Franzmann. Ich konnte nicht mal was erwidern. Ich war wie betäubt und fühlte mich einfach miserabel.“ Arsenal gewann letztlich trotzdem noch 1:0. Pires erfuhr erst später, dass Cruyff einmal einen ähnlichen Trick probiert hatte. Den Namen Coppens hörte er zum ersten Mal, als er mit mir sprach. Hätte er es respektlos gefunden, wenn jemand das Gleiche gegen seine Mannschaft versucht hätte? „Ganz ehrlich, nein. Hätte es gegen uns einer versucht und getroffen, hätte ich sogar noch applaudiert. Es ist mutig, und wir brauchen Fantasie im Fußball. Ich wünschte nur, wir hätten es hinbekommen.“ An Fantasie fehlte es Coppens sicher nicht. Als er nach einer langen Verletzungspause zurückkehrte, kamen 10.000 Fans an einem Sonntagmorgen zum Spiel der Reserve gegen Beringen. Beerschot gewann 9:1. Coppens gelang kein Tor. „Er war wie Maradona, nur ohne die Drogen“, sagte Raes. „Ein einzigartiges Talent.“ Manchmal dribbelte er gleich zweimal um den Torhüter, sicher ist sicher, und einmal legte er sich auf die Torlinie und stupste den Ball mit der Nase über die Linie. Elfmeter schießen sei keine Kunst, sagte er, obwohl er sich den Ball manchmal vier- oder fünfmal zurechtlegte, bevor er bereit war, zu schießen. „Ein Elfmeter ist eine Sache für technisch gute Spieler“, fügte er hinzu. „Ich habe sie nie wirklich trainiert, aber ich verstehe nicht, wie man einen Elfmeter verschießen kann. Die sind doch so simpel.“

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