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Was verstehen Sie unter Integration? Mit dieser Fragestellung laden wir Sie herzlich dazu ein, in die Arbeitswelt unserer Lernenden und Mitarbeitenden einzutreten und sich vorzustellen, wie die berufliche Perspektive mit dem Austritt aus der Regel- und Sonderschule für Jugendliche aussehen könnte.

Viele Jugendliche freuen sich auf das Ende der obli-

wenn eine Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt

gatorischen Schulzeit. In dieser Aufbruchsstimmung

erwartet werden kann, auch wenn diese nicht renten-

treten nicht nur bei den Jugendlichen sondern auch

beeinflussend ist.

bei deren Eltern Gefühle der Unsicherheit auf: «Ist mein Kind den Herausforderungen der Berufsausbil-

Für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung hat die

dung auch tatsächlich gewachsen? Besteht überhaupt

Teilnahme am Erwerbsleben eine sehr hohe Bedeu-

eine Chance für eine berufliche Ausbildung?» Mit der

tung. Das Innehaben einer integrativen Arbeitsstelle

Berufswahl kann zugleich auch der Auszug aus dem

bewirkt ein erhöhter sozialer Status. Es bedeutet Selb-

Elternhaus einhergehen. Die Jugendlichen nehmen

ständigkeit und Unabhängigkeit wie auch Sicherung

eine neue Rolle ein. Die Eltern sind gefordert im Ba-

des Lebensunterhalts. Die Möglichkeit, ein normales

lancieren zwischen Unterstützen und Loslassen. In

Leben zu führen und eine sinnspendende Tätigkeit

dieser sehr anspruchsvollen Zeit wird von den Eltern

auszuüben, ist mehr als Arbeit.

eine partnerschaftliche Zusammenarbeit und somit grosses Verständnis von institutioneller Seite für die

Politische und gesetzliche Grundlagen

teilweise erlebte «Odyssee» vorausgesetzt.

Die ab 1. Januar 2012 gültige IV-Revision 6a hat das Ziel, im Zeitraum von sechs Jahren circa 17‘000 IV-

Berufliche Perspektiven

Rentenbeziehende mit erfolgsversprechenden Einglie-

Der Prozess der beruflichen Integration von Menschen

derungspotential in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

mit kognitiver Beeinträchtigung nach der Schule in

Somit sollen jährlich rund 2‘800 IV-Rentenbeziehen-

private oder öffentlich-rechtliche Betriebe des allge-

de eingliederungsfähig gemacht werden. Das überge-

meinen Arbeitsmarktes stellt Betroffene, deren Eltern,

ordnete Ziel der Rentenreduktion soll bis in das Jahr

Lehrer und Ausbildungsbetriebe zugleich vor neue

2027 die IV-Rechnung jährlich um 335 Millionen Fran-

Herausforderungen. Die Berufswahl ist eine wesent-

ken entlasten. Mit der operativen Kompetenzübergabe

liche Weichenstellung für die persönliche Zukunft.

vom Bund an den Kanton wird das Ziel verfolgt, dass

Fakt ist, dass mit der Neuregelung des Bundesamtes

Zuständigkeiten und Abläufe eine grösserer Kunden-

für Sozialversicherung für eine zweijährige, erstmalige

nähe und Flexibilisierung der Angebote bieten sowie

berufliche Grundbildung im Status einer IV-Anlehre /

durch eine grössere Bedarfs- und Wirkungsorientie-

praktischen Ausbildung nach INSOS vorerst nur ein

rung eine bessere Qualität und höhere Effizienz er-

Ausbildungsjahr zugesprochen wird. Nur wenn ge-

reicht wird.

gen Ende des ersten Ausbildungsjahres in der Standortbestimmung (lernende Person, IV-Berufsberatung,

Die IV will behindertengerechte Ausbildung fördern

Ausbildungsbetrieb) zum Ausdruck kommt, dass gute

und die Erwerbsfähigkeit von Menschen mit Behinde-

Aussicht auf eine künftige Erwerbstätigkeit in renten-

rung massgeblich verbessern, indem qualitativ stren-

beeinflussenden Ausmass besteht, kann die Ausbil-

gere Anforderungen an die Ausbildungsstätten gestellt

dung um ein weiteres Jahr verlängert werden. Jedoch

und die IV finanzierten, behinderungsbedingten Mehr-

kann das zweite Jahr auch zugesprochen werden,

kosten an ihrer Wirkung gemessen werden.

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Integration

Zämehebe 01/2014  
Zämehebe 01/2014  
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