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Dancing towards the Essence

Dancing towards the Essence

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Dancing towards the Essence


Inhalt

Achtsam inmitten der Vielfalt5 Eva Inversini

Die Sammlerin und die Ihrigen13 Konrad Tobler

Abbildungen25

Dancing Towards the Essence – Ein Gespräch mit Marlies Kornfeld107 Kathleen Bühler

Werkverzeichnis der Ausstellung121

Impressum124


Kunst sammeln – Aspekte der Selbstreflexion Sammlung Marlies Kornfeld Ausstellung im Kunsthaus Grenchen 13. Mai bis 22. Juli 2012

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Eva Inversini

Achtsam inmitten der Vielfalt Die intensive Beschäftigung mit Kunst gehört seit ihrer Kindheit zu Marlies Kornfelds täglichem Leben. Aufgewachsen als Tochter eines kunstaffinen Vaters und Sammlers von herausragenden Werken der Moderne, war ihr die intensive Auseinandersetzung vor und mit Kunstwerken in die Wiege gelegt. In der Partnerschaft und Zusammenarbeit mit dem international renommierten ­Galeristen Eberhard W. Kornfeld fand dieser vertraute und unvermittelte Umgang mit Künstlerinnen und Künstlern sowie Meisterwerken der Kunstgeschichte eine aussergewöhnliche Fortsetzung. Seit nun bald zwanzig Jahren schlägt sich die Leidenschaft für Kunst auch in der eigenen substanziellen Sammlungstätigkeit nieder – ein guter Zeitpunkt, diese in einer Ausstellung im Kunsthaus Grenchen und in einer Publikation festzuhalten. Das vorliegende Buch ist ein Katalog zu Sammlung und Ausstellung zugleich. Buch wie Ausstellung erforderten eine konsequente Konzentration auf eine Auswahl von Kunstwerken, welche die Sammlung in ihrer Vielfalt und Dichte dennoch repräsentativ widerzuspiegeln vermag. Zum Zeitpunkt unserer Drucklegung umfasst Marlies Kornfelds Sammlung rund 450 Werke von gut 200 Künstlerinnen und Künstlern, wovon rund die Hälfte Schweizer, die andere Hälfte internationale Kunstschaffende sind. In medialer Hinsicht besteht die Sammlung vorwiegend aus Gemälden, Skulpturen und Objekten sowie Fotografien und Arbeiten auf Papier. Mit der Präsentation der Sammlung von Marlies Kornfeld kann das Kunsthaus Grenchen seine Reihe fortsetzen, bedeutende Sammlungsbestände einer breiteren Öffentlichkeit temporär zugänglich zu machen. Im Rahmen der Ausstellung konnten 114 Werke aus der Sammlung gezeigt werden, für dieses Buch haben wir uns auf eine Auswahl von gut siebzig einzeln abgebildeten Werken konzentriert. Diese Selektion vermag zusammen mit den Aufnahmen von Wohn- und Ausstellungssituationen, die Hauptwerke der Sammlung zu repräsentieren und lässt Marlies Kornfelds persönliche Handschrift und ihr besonderes Engagement erkennen: Werke von jüngeren Schweizer Künstlerinnen und Künstlern treten in einen feinsinnigen und überraschenden Dialog mit ausgesuchten Gruppen der klassischen Moderne und der internationalen Gegenwartskunst.

Werke im Dialog – Erkenntnis durch Dialog

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So wie die gesamte Sammlung ausschliesslich eine rein von Marlies Kornfelds persönlichen Vorlieben geprägte Zusammenstellung von künstlerischen Arbeiten ist, so folgen auch die Präsentationen in ihrem privaten Wohnbereich wie auch in der Ausstellung in Grenchen diesem freien Prinzip des assoziativen Komponierens von Kunstwerken. Bei der Wahl von künstlerischen Arbeiten für ihre Sammlung lässt sie sich, so Marlies Kornfeld, meist von ihrer «Intuition» leiten. Für den Betrachter der Werke – einzeln oder in der Gegenüberstellung mit anderen Kunstwerken – entstehen immer wieder neue Möglichkeiten der Wahrnehmung, der Bewusstwerdung, der Erfahrung und der Ver-


tiefung im Verständnis der Beschaffenheit der Welt. Die Begegnung mit dem Fremden führt zurück zum Eigenen – Aspekte der Selbstreflexion. Um die für Marlies Kornfeld so typischen, für manches Auge unerwarteten, jedoch so prägnanten und Sinn stiftenden Kombinationen von Werken auch für die Besucherinnen und Besucher erfahrbar zu gestalten, wurde an manchen Stellen deshalb die Hängung aus der privaten Wohnsituation – adaptiert auf die architektonischen Gegebenheiten des Kunsthauses – nachempfunden. Entsprechend bildet eine Gruppe von Werken verschiedenster Künstler im Altbau fast exakt eine Wand des Kaminzimmers von Marlies Kornfelds Berner Stadtwohnung ab. Im Dialog umkreisen die Frauenportraits «Untitled» (1998) und «SLS (1/3)» (1999) von Eberhard Havekost sowie das Halbfigurenportrait «Maria» (1994) von Alex Katz eines der zentralen Gemälde aus der Sammlung: «Figurine» (1953) von Alberto Giacometti, und in Sichtweite ein weiteres gewichtiges Werk desselben Künstlers, die Kleinplastik in Bronze «Nu d’après nature (Annette)» (1953/55). Die verschiedenen Auffassungen, das Antlitz des Menschen und seine Gestalt abzubilden, vermögen in Kombination mit abstrahierten Landschaftsbildern und nichtfigurativen Werken dem Betrachter überraschende und damit ungewohnte Sichtweisen zu vermitteln – ein beredtes und dennoch in sich ruhendes Ganzes regt zum Nachdenken über Wahrnehmung, Identität und die menschliche Existenz an. Eine weitere Hängungskonstellation, die aus der Wohn- in die Ausstellungssituation transferiert wurde, ist die Übereinanderstellung der Werke von Markus Raetz («Nach Georges de la Tour», 1971), Edgar Degas («La Famille en Promenade», um 1880) und Pablo Picasso («Marie-Thérèse, en Vestale, veillant le Minoteur Endormi», 1933). In der differenzierten Schattierung der GrauSchwarzstufen im Zusammenspiel mit dem Farbton des Materialgrundes harmonieren die drei Arbeiten auf Papier und Pergament in formaler Hinsicht bestens, gleichwohl sie inhaltlich keine unmittelbaren Berührungspunkte aufweisen. Während die Arbeit von Markus Raetz eine rätselhafte Konstellation von drei biomorphen Körpern, die um ein leuchtendes Zentrum angeordnet sind, abbildet, zeigt die Monotypie von Degas eine Familie in Rückenansicht beim Spaziergang auf einem breiten Weg durch eine idyllische Landschaft. Die Radierung von Picasso wiederum ist ein Blatt aus der bedeutenden graphischen Serie «Suite Vollard», die unter anderem auch mythologische Motive darstellt, wie hier dasjenige des Minotaurus mit dessen typischer Gestalt bestehend aus Stierkopf und menschlichem Körper.

Ausstellungsansicht mit Werken von Com&Com (Marcus Gossolt / Johannes M. Hedinger), Gerwald Rockenschaub, Katharina Grosse und Daniel Spoerri

Eine andere sehr überraschende, jedoch inhaltlich und formal bestechende Kombination ist diejenige der zwei Aquarelle aus den Jahren 1916 und 1928 von Louis Moilliet mit Irene Schubigers zwei zeitgenössischen, objekthaften, abstrakten Arbeiten auf Holz und Gips aus dem Jahr 2003. Obwohl praktisch ein ganzes Jahrhundert zwischen den Arbeiten liegt und sie sich in ihrer Materialität radikal unterscheiden, korrespondieren die Farbklänge, Bildkompositionen und Formate der vier Arbeiten, als ob ihre Schöpfer sie im gegenseitigen Austausch am selben Ort, in derselben Zeit und vor demselben Hintergrund hätten entstehen lassen. Ebenfalls eine Nachempfindung der privaten Umgebung, welche die einzigartige Handschrift der Sammlerin in der persönlichen Auseinandersetzung mit ihren Werken erkennen lässt, ist schliesslich die Präsentation der Porzellanfigur «Sitting and Thinking» (2005) von Kiki Smith auf dem Tisch «Guéridon-arbre et l’oiseau» (um 1980) von Diego Giacometti. Smiths Kleinskulptur wiederum

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vereint sich im Dialog mit Constantin Brancusis «Portrait de Femme» (1912), wobei die zwei Frauenfiguren mit geneigtem Haupt, die tief in sich selbst versunken zu sein scheinen, trotz ihrer zarten Gestalt eine eindringliche, nachdenkliche Innerlichkeit zum Ausdruck bringen. Sie bilden den Auftakt zur Repräsentation einer der wichtigsten thematischen Werkgruppen innerhalb der Sammlung von Marlies Kornfeld: derjenigen der Portraits, sowohl im Zwei- wie auch im Dreidimensionalen.

Von Angesicht zu Angesicht Marlies Kornfelds Passion für Portraits und Figuren zeigt sich in unterschiedlichster Form. Eine sehr malerische, annähernd realistische Auffassung weisen die bereits erwähnten Portraits von Eberhard Havekost oder beispielsweise auch das Portrait «Untitled #252» (1998) von Andrew Mansfield in Oel auf Leinwand auf. Die von Quynh Dong («o.T.», 2009) und Christian Denzler («o.T.», 2002 und «Ohne Titel», 2006) geschaffenen Portraits entfalten in ihrer immanenten Ambivalenz eine eigentümliche Sogwirkung, indem sie gleichzeitig von starker Präsenz sind und dennoch konstant dazu tendieren, dem Blick zu entschwinden. Die Wege in die Abstraktion beschreiten Albrecht Schniders Portraits, in denen das Gesicht jeweils durch eine weisse, monochrome Fläche ersetzt wird, ebenso eindrücklich wie die dreidimensionale Wachsarbeit mit Kerzendocht «Head» (2004) von Mai-Thu Perret. Die Reduzierung der menschlichen Gesichtszüge bis hin zu deren gänzlicher Auslöschung bietet dem Betrachter eine Projektionsfläche für eigene Emotionen und für die Auseinandersetzung mit Vergänglichem. Auf uns selbst zurückgeworfen, provoziert die vorhandene Abwesenheit des Minenspiels ein seltsames Befremden, wodurch unser Erinnerungsund Assoziationsvermögen konstant aufgefordert wird, die vorhandene Leere durch die eigene Konstruktionsleistung von Gesichtszügen und Stimmungen zu kompensieren. Die Gleichzeitigkeit von Leere und aufsteigenden inneren Bildern kann zu bewegter Kontemplation führen, sodass die Gerichtetheit nach aussen sich ins Innerliche verkehrt. Ausstellungsansicht mit Werken von Com&Com (Marcus Gossolt/ Johannes M. Hedinger), Mai-Thu Perret und Alfredo Jarr

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Das Dreidimensionale nimmt innerhalb der Gruppe der Figurenbilder eine bedeutende Stellung in Marlies Kornfelds Sammlung ein. Ein weibliches Idol mit verschränkten Armen aus der Frühzeit der Kykladen (Bronzezeit) etwa oder die beiden Kleinskulpturen von Karin Sander «Marina Abramovic´ 1:7,7…» (2002) und «Taron 1:5» (2008), massstabsgetreue Verkleinerungen real existierender Personen, zeugen davon. Das menschliche Mass zeigt sich auch in der Figurengruppe «Siblings with Wool Doll» (2009) der jungen polnischen Künstlerin Aneta Grzeszykowska und in Eva Aepplis sitzender Puppe («Textile Figur», 1970). Beiden textilen Arbeiten ist das Liebreizende ebenso eigen wie das unterschwellig Unheilvolle. Während in vielen der figurenbezogenen Arbeiten innere Zerrissenheiten und existenzielle Fragestellungen zum Ausdruck gebracht werden, schafft Marlies Kornfeld in ihrer Sammlung aber auch immer wieder Raum für Humor und Ironie: Sei es beispielsweise bei Katharina Büches dreidimensionalen Assemblagen «Langhals» (2003) und «Neugierig» (2005), die aus Fell, Kunststoff und präparierten Tieren bestehen und durch ihre grossen Augen zu listigen, scheinbar beseelten Wesen werden, oder sei es bei Elsbeth Bönigers «Modell» (2010), einem skurril-surrealen Hirschgeweih aus Plastik und Blei.


Konzentration durch Reduktion Ein weiterer Schwerpunkt der Sammlung zeigt sich in einer umfangreichen und vielfältigen Gruppe abstrakter Werke. Dazu zählen unter anderem die zahlreichen Gemälde des Schweizer Künstlers Albrecht Schnider aus dem letzten Jahrzehnt, die Werke «Upton Park» (1999) und «Hotel Facture #2» (1999) des kürzlich verstorbenen britischen Künstlers Alan Uglow oder die zwei kleinformatigen Gemälde auf Sperrholz von Mai-Thu Perret aus dem Jahr 2009. Weniger einer geometrischen Abstraktion verpflichtet sondern eher gestischer Natur sind die beiden von Marlies Kornfeld einander als Paar zugeordneten kleinformatigen, im selben Jahr entstandenen Werke von Jutta Koether («Ohne Titel», 2006) und Dirk Oeghoede («Whisper», 2006). Marlies Kornfelds Interesse an abstrakter sowie konzeptuell geprägter Kunst wird in den Arbeiten der Künstler George Steinmann, Dominik Stauch und Václav Požárek offenbar. Von George Steinmann beispielsweise besitzt die Sammlerin eine Gruppe von Werken, die mit Säften und Substanzen aus der Natur gestaltet sind und die vom ausgeprägten interdisziplinären Forschungansatz des Künstlers zeugen. Ein ebenfalls konzeptuell angelegtes Werk ist dasjenige von On Kawara mit dem Titel «Friday» (1977) aus der Serie «Today Series» – ein Werk, das die Sammlerin bereits früh erworben hatte. Das in weisser Schrift auf rotem Hintergrund festgehaltene Datum «DEC.23,1977» zeigt den Tag an, an dem das Bild entstanden ist. Die seit 1966 fortlaufende Serie umfasst mittlerweile mehrere Hundert nach demselben System entstandenen Bilder und spiegelt die Auseinandersetzung des Künstlers mit zeitlichen und räumlichen Fragestellungen. Marlies Kornfelds erster Ankauf gehört ebenfalls in die Gruppe der Abstrakten: eine kleinformatige Arbeit in Acryl auf Papier («Ohne Titel», 1965) des amerikanischen Künstlers Sam Francis, den über viele Jahre ein freundschaftlicher Kontakt mit der Familie Kornfeld verband.

Ausstellungsansicht mit Werken von Marius Lüscher, Aneta Grzeszykowska, Albrecht Schnider und Rémy Zaugg

Eine herausragende Stellung innerhalb der Gruppe der Abstraktion nehmen die zwei Werke der deutschen Künstlerin Katharina Grosse ein. In der für Grosse typischen Malerei mittels Sprühtechnik entwickeln die beiden Arbeiten, die lineare Geflechte und zerfliessende Farbflächen aufweisen, bei wiederholter Betrachtung zunehmende Tiefenwirkung, verdichten sich trotz Leichtigkeit des beschwingten Farbauftrages in der Überlagerung unzähliger Farbschichten, sodass die ihnen innewohnende Intensität gleich einem sonoren Unterton ausstrahlt und den Betrachter in Vibration zu versetzen vermag. In der Aufhebung des räumlich Begrenzten findet das Zeitlose der Werke seine Entsprechung.

Das Einzelne im Ganzen – das Ganze im Einzelnen Neben den thematischen Gruppen der Portraits, der Abstraktion und einer Gruppe unterschiedlichster Landschaftsdarstellungen einerseits, beinhaltet die Sammlung andererseits auch grössere Werkgruppen einzelner Künstlerinnen und Künstler wie auch glanzvolle Einzelstücke. Zu den besonders reizvollen singulären Werken zählen die Bronzeplastik «La Tazza – Die Tasse» (1991) von Daniel Spoerri, das bereits erwähnte Werk von On Kawara und die kleine Figur aus der Zeit der Kykladen.

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Zu den Künstlern, die mit grösseren Werkgruppen in der Sammlung vertreten sind, zählen unter anderem Ernst Ludwig Kirchner, Sam Francis, Markus Raetz, Julian Opie und Com&Com (Marcus Gossolt /Johannes M. Hedinger). Verschiedene Aspekte in der künstlerischen Auseinandersetzung derselben Kunstschaffenden können so anhand der von Marlies Kornfeld mit Bedacht ausgesuchten Werkgruppen nachverfolgt werden. Die Werke des Künstlerduos Com&Com beispielsweise stammen aus verschiedenen, wesentlichen Phasen ihres multimedialen Schaffens: «C-Files: Tell Saga, Landscape III / See» (1999) ist eine frühe Fotografie und zeugt von der vertieften Auseinandersetzung der Künstler mit Begriffen wie Heimat und Mythos. Die kleine Farbfotografie hinter Glas «MocMoc» (2004) gehört in die Ära der gesellschaftsorientierten, interaktiven Projekte, die mit Provokationen und damit einhergehenden kontroversen Diskussionen operierten. Mit den Werken «The Big One #002» (2007) und «Clouds – Nr. 1 (Oberschan)» (2011) rückt in den letzten Jahren das Kunstwerk als solches und zunehmend die Malerei basierend auf fiktiven und realen Bildvorlagen in den Fokus des Künstlerduos. Letztgenanntes Werk ist denn auch der jüngste Ankauf von Marlies Kornfeld, den sie in Absprache mit Marcus Gossolt und Johannes M. Hedinger für einen besonderen Platz in ihren Räumlichkeiten gezielt ausgesucht hat. Die unmittelbare und persönliche Begegnung mit Künstlerinnen und Künstlern und nicht zuletzt auch die Förderung junger Kunstschaffender stehen ebenso stark im Zentrum von Marlies Kornfelds Sammlungstätigkeit wie die kontinuierliche, grundlegende und intensive Auseinandersetzung mit existentiellen Fragestellungen. Achtsam inmitten der Vielfalt – so gestaltet Marlies Kornfeld nicht nur ihre Sammlungstätigkeit. Nicht von ungefähr hat sie sich den Titel für die Ausstellung und für die Publikation gewünscht: Dancing Towards the Essence – tanzend sich hin zum Wesentlichen bewegen.

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Konrad Tobler

Die Sammlerin und die Ihrigen Notizen zur Sammlung Marlies Kornfeld «Sammeln ist eine Art Im-Einklang-Sein. Der Sammler erkennt an. Er fügt hinzu. Er lernt. Er bemerkt. [...] Die Welt des Sammlers kündet von einer überwältigend vielfältigen Existenz anderer Welten, Energien, Reiche, Epochen als die, in der er lebt.» 
 Susan Sontag: Der Liebhaber des Vulkans

Bild nächste Doppelseite: Raumansicht mit Werken von Albrecht Schnider, Yutaka Sone, Mai-Thu Perret, Alberto Giacometti und einem weiblichen Idol mit verschränkten Armen aus der Frühzeit der Kykladen

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Vorbemerkung: Diese Notizen sind der Versuch, die Typologie der Sammlung von Marlies Kornfeld gewissermassen mimetisch zu erfassen. Es entspricht dieser Typologie, dass es bei diesem Erfassen keine Systematik geben kann – und nicht geben soll. Erfassen meint hier also eher ein Umschreiben, ein Umschreiten, ein Umkreisen und Umherkreisen. Dabei tendiert das Mimetische fast notwendigerweise zum Metaphorischen. Es erlaubt zudem auch Um- und Nebenwege – genau so, wie sie dieser Sammlung eigen sind. Damit haben diese Notizen zugleich experimentellen Charakter – wiederum wie die Sammlung von Marlies Kornfeld. Darüber, warum Menschen überhaupt sammeln, ist schon viel gesagt und geschrieben worden. Auch darüber, dass es verschiedene Typologien des Sammelns gibt, selbst innerhalb des Sammelns von Kunst. Kurz, um all das nicht zu wiederholen: Kunstsammlung ist nicht gleich Kunstsammlung. Es gibt, überspitzt formuliert, so viele Typen von Sammlungen, wie es Sammlungen gibt. Es gibt nicht die richtige, die wahre Sammlung – zumal es so viele Kunstwerke gibt, die sich sammeln lassen, sammeln liessen. Man kann sich beschränken, etwa auf Malerei oder auf Fotografie. Selbst dann noch, selbst bei einer Beschränkung auf die Gegenwartskunst ist das Feld noch derart weit, dass es keine Kriterien geben kann, die eineindeutig anwendbar wären, um die Systematik einer (idealen) Sammlung zu skizzieren. Jedenfalls: Jede Sammlung entsteht, wächst in einem Kontext. Das stellte schon Goethe in seinem Brief-Essay Der Sammler und die Seinigen fest: «Freilich kommt es viel auf den Charakter, auf die Neigung eines Liebhabers an, wohin die Liebe zum Gebildeten, wohin der Sammlungsgeist, zwei Neigungen, die sich oft im Menschen finden, ihre Richtung nehmen sollen; und ebensoviel, möchte ich behaupten, hängt der Liebhaber von der Zeit ab, in die er kommt, von den Umständen, unter denen er sich befindet, von gleichzeitigen Künstlern und Kunsthändlern, von den Ländern, die er zuerst besucht, von den Nationen, mit denen er in irgendeinem Verhältnis steht. Gewiss von tausend dergleichen Zufälligkeiten hängt er ab. Was kann nicht alles zusammentreffen, um ihn solid oder


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flüchtig, liberal oder auf irgendeine Weise beschränkt, überschauend oder einseitig zu machen!» (Es ist die Intensität der Auseinandersetzung von Sammelnden mit Kunst, diese Liebhaberei, die die Lektüre von Goethes Essay noch heute so reizvoll erscheinen lässt.)

Moden und Enzyklopädien – Ambivalenzen Es gibt, wie in vielen anderen Bereichen, beim Sammeln von Kunst vielleicht (notwendigerweise wechselnde) Tendenzen – und es gibt auch Moden, die Sammlungen sehr ähnlich aussehen lassen. Das war etwa der Fall, als die Impressionisten in Mode waren, das ist teilweise der Fall in Sammlungen von Gegenwartskunst. Denn wenn der eine Sammler – besonders dann, wenn er einen gewissen Einfluss hat – auf bestimmte Künstler setzt, dann setzen auch andere Sammler darauf – weil es sich so gehört, weil sie dazu gehören wollen, weil sie ebenfalls eines jener «Conversation-Pieces» haben wollen. Das sind dann aber Sammlungen, die zum Unpersönlichen tendieren (eben nicht: neigen), und wenn sie vielleicht gar den Anspruch erheben, alles zu versammeln, werden sie zu Ansammlungen, so reichhaltig sie auch sein mögen. Es fehlen der Geist, der esprit, die Wärme. Vielen Sammlungen, dem meisten Sammeln an sich ist inhärent, dass ein Hang zum Enzyklopädischen vorhanden ist – obwohl die enzyklopädischen Sammler selbst wissen, dass Vollständigkeit kaum je erreichbar ist oder nur in einem sehr beschränkten Feld, wo dann wiederum der Kontext fehlt, das Enzyklopädische aufgehoben ist. Das enzyklopädische Sammeln ist – wie jede Enzyklopädie – jener Dialektik unterworfen, die der französische Schriftsteller Georges Perec in Bezug auf Listen – das wäre der Index einer Sammlung – einmal feststellte: «In jeder Aufzählung finden wir zwei widersprüchliche Versuchungen; die erste besteht darin, ALLES zu erfassen, die zweite darin, wenigstens einiges zu vergessen; die erste möchte die Frage endgültig abschliessen, die zweite sie offen lassen; zwischen dem Erschöpfenden und dem Unvollendeten scheint mir somit die

Raumansicht mit Werken von Gerwald Rockenschaub, Marcel Gähler, Mai-Thu Perret und Reto Leibundgut

Aufzählung vor jedem Gedanken (und vor dieser Einordnung) das eigentliche Erkennungszeichen für dieses Bedürfnis zu sein, alles zu benennen und miteinander zu verbinden, ohne das die Welt (‹das Leben›) für uns orientierungslos bleiben würde.»

Was ist und was nicht ist – eine Abgrenzung Die Sammlung von Marlies Kornfeld ist – nicht modisch – auch wenn es eine Werkgruppe von Julian Opie gibt, die durchaus zum Kanon jener modischen Sammlungen gehören könnte; – nicht enzyklopädisch – auch wenn die Sammlung Dinge umkreist, immer wieder beispielsweise die Malerei, die verschiedenen Modi / Gesten der Malerei – von Herbert Brandl über Heinz Egger, Marcel Gähler, Katharina Grosse und Eberhard Havekost bis zu Alex Katz und Kotscha Reist; – nicht systematisch – dafür ist die Sammlung zu heterogen, ja die Sammlerin selbst spricht selbstironisch von einem «Sammelsurium». Der Ausdruck, meist mit negativem Beiklang verwendet, hat hier aber, wie diese Notizen langsam entwickeln werden, eine ganz andere Bedeutung. Reizvoll ist dabei die Etymologie: Sammelsurium ist die von Studenten spöttisch latinisierte Umschreibung

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eines Essens, das aus Resten besteht. Wobei: Die Sammlung Marlies Kornfeld besteht nicht aus Resten, sondern vielmehr aus vielerlei Zutaten: – subjektiv, aber in einem ganz spezifischen Sinn (eine objektive Sammlung gibt es ohnehin nicht). Die Sammlerin will – nicht alles, keine Vollständigkeit – und dennoch gibt es grössere Werkgruppen, etwa von Sam Francis, Alberto Giacometti, Markus Raetz, Albrecht Schnider oder Kotscha Reist; – nicht haben – auch wenn sie, selbstverständlich, kauft und so Kunstwerke als Eigentum erwirbt. Aber sie will nicht Haben um des Habens willen – Marlies Kornfeld ist zuzutrauen, dass sie ohne weiteres loslassen könnte. Das Sammeln, die Sammlung haben bei ihr nichts Festischistisches, das dem Sammeln anhaften kann, indem die Objekte überhöht und von einem übermässigen Begehren affiziert werden; – sich entscheiden, aber sich nicht festlegen.

Der Garten – eine mögliche Metapher Vielleicht lässt sich das Sammeln mit dem Anlegen, der Anlage und Pflege eines Gartens vergleichen. Wenn das so ist: Marlies Kornfeld pflegt ihre Sammlung nicht als botanischen Garten; auch kein strenger französischer Barockgarten ist es, mit streng geschnittenen Einhagungen und geometrisch umzirkelten Rabatten. (Das Nicht-Barocke schliesst in der Sammlung von Marlis Kornfeld Fülle und Vielfalt überhaupt nicht aus.) Ist es also ein englischer Garten? Vielleicht, aber wenn, dann keiner, der sich über weite Felder erstreckt. Vielleicht aber ist es wohl eher ein Garten, der langsam gewachsen ist, dem bei aller Sorgsamkeit sein eigenes Wachstum zugestanden wird, ein Garten, in dem da und dort ein Pflanzengrüppchen angeordnet ist, in dem es nicht um die wertvollsten Pflanzen geht, sondern um diejenigen, die gefallen, die sich einander zugesellen. Mal fälllt das Augenmerk auf dies, mal auf jenes. (Um das auf die Sammlung zu beziehen: Mal spielen die Farben, mal die Formen, dann wieder die Materialien, dann wieder die Sujets, mal alles zusammen für die Wahl eine Rolle.) Mal ist jene Pflanze etwas mehr im Schatten, mal diese. In jedem Fall ist es eine persönliche Beziehung, die spielt, eine Vorliebe, die durchaus auch wieder wechseln kann und die dann vielleicht nach neuen Anordnungen der Pflanzen ruft. Auch einzelne Pflanzen (Werke) finden ihren Ort und haben ihren Platz. Es könnte sein, dass es wiederum Goethe ist, der diese eigentlich gelassene, nicht aufgeregte und doch aufmerksame Haltung mit seiner Pflanzenmetapher im Gedicht Gefunden erfasst:

Ich ging im Walde So vor mich hin, Und nichts zu suchen, Das war mein Sinn. Im Schatten sah ich
 Ein Blümlein stehn,
 Wie Sterne blinkend,
 Wie Äuglein schön. Ich wollt es brechen,
 Da sagt’ es fein:
 Soll ich zum Welken
 Gebrochen sein? Mit allen Wurzeln
 Hob ich es aus,
 Und trugs zum Garten
 Am hübschen Haus. Ich pflanzt es wieder
 Am kühlen Ort;
 Nun zweigt und blüht es
 Mir immer fort.

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Flaneuse – eine weitere Metapher Wer, «nichts zu suchen», durch die Welt der Kunst geht, geht dennoch nicht mit geschlossenen Augen durch diese Welt. Die Aufmerksamkeit ist eine andere, keine gespannte. (Was Konzentration nicht ausschliesst.) Sammeln in dieser Art ist nicht Jagen, das Kunstwerk keine Beute. Eher kommt es zu. Und so ist dieses Gehen einem Flanieren zu vergleichen. Ein Ziel ist nicht in Sicht, muss nicht in Sicht sein. Der Weg ist das Ziel, um eine etwas abgegriffene Wendung zu verwenden (Chrystal Road (der Weg ist das Ziel) lautet der Titel einer Arbeit von Dominik Stauch). Zeit spielt keine Rolle. Der Blick fällt dahin, und er fällt dorthin und hierhin. (Nur dem Aussenstehenden erscheint er zerstreut.) Dieser Blick, ein langsamer, beinahe träumerischer Blick entdeckt Zusammenhänge, lässt Dinge zusammenfallen, die dem schnellen Blick – insbesondere jenem des Systematikers – nicht zusammenzugehören scheinen. Dieser Blick schafft, unmerklich beinahe, Konstellationen. Der flanierende Blick ist offen für Überraschungen, das Unerwartete ist ihm nicht fremd. Die Spannung, wenn es denn eine gibt, besteht darin, das Ungewisse, Noch-Nicht-Gewusste ins Spiel treten zu lassen – als Selbstverständlichkeit, aus Freude (Neugierig heisst eine kleine Skulptur von Katharina Büche). Dazu bedarf es keines theoretischen Überbaus, und viele Worte sind ebenfalls nicht notwendig. Der flanierende Blick lässt eher zu, als dass er ausschlösse/ er schliesst an/ vergegenwärtigt/ ist in der Gegenwart – von Edgar Degas und Pablo Picasso bis Mai Thu Perret – und nicht in einer unbestimmten Zukunft, die es anzuvisieren gäbe. Und ist auch gespeist von der Erinnerung. (Wie ja Marlies Kornfeld seit ihrer Kindheit Kunstwerke als Teil des Alltags sah und erlebte.) Alberto Giacometti steht für diesen flanierenden Blick, der auch nie ganz ohne Melancholie ist. Wohl kein Zufall, dass Giacometti in der Sammlung von Marlies Kornfeld derart präsent ist – mitsamt einem Blatt, auf dem, was sonst nie der Fall ist, in der Strassen von Paris ein Auto zu sehen ist (als Gegenstück zum langsamen Blick?). Auch die Lila Puppe von Eva Aeppli zeigt diesen Blick. Er geht nach innen.

Vergegenwärtigen und aneignen – eine Sichtweise

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Walter Benjamin skizziert in seinem Passagenwerk eine spezielle, spezifische Art, mit Dingen umzugehen. Sie entspricht jener des Flaneurs (wenn freilich der oben skizzierte flanierende Blick nicht im strengen Sinne jenem Flaneur des 19. Jahrhunderts entspricht, den Benjamin als gesellschaftlichen Typus entwirft). Es könnte diese Methode sein, die die Sammlerin insgeheim leitet, indem sie die Sammlung nicht als Konstrukt konzipiert, sondern die Kunstwerke sozusagen zu sich nimmt und sich diese so vergegenwärtigt/ von ihnen umgeben ist/ mit ihnen lebt.


Jedes Kunstwerk der Sammlung wäre dann seine eigene Anekdote/ kurze Geschichte/ Erinnerung – und dennoch immer wieder neu/ überraschend. (Wie Goethes Blume.) Benjamin also: «Die wahre Methode, die Dinge sich gegenwärtig zu machen, ist, sie in unserem Raum (nicht uns in ihrem) vorzustellen. (So tut der Sammler, so auch die Anekdote.) Die Dinge, so vorgestellt, dulden keine vermittelnde Konstruktion aus ‹grossen Zusammenhängen›. Es ist auch der Anblick grosser vergangner Dinge – Kathedrale von Chartres, Tempel in Pästum – in Wahrheit (wenn er nämlich glückt) ein: sie in unserm Raum empfangen. Nicht wir versetzen uns in sie; sie treten in unser Leben.» Raumansicht mit Werken von Christian Denzler, Kusama Yayoi, Alberto Giacometti, Günter Umberg, Alex Katz, Eberhard Havekost, Kotscha Reist und Olav Christopher Jenssen

Wenn Kunstwerke «in unser Leben treten», dann sind letztlich sie diejenigen, die aktiv sind. Sie schlagen die Augen auf (Wie Rémy Zauggs Gemälde sagt: Ich/Das Bild/Ich höre/Dir zu). Und die Aneignung, die daraufhin geschieht, ist nicht so sehr das physische oder gar ökonomische Aneignen, sondern das Sich-zu-eigen-Machen. Indem die Kunstwerke in einen neuen Raum gelangen, schaffen sie zugleich den Raum neu – und verändern, im besten Fall, das Eigene des Eigners. Sie beginnen zu wispern (auch wenn sie manchmal für eine Zeitlang wieder schweigend in ihr Objekt-Sein zurückkehren). Dazu formuliert Susan Sontag eine Ergänzung: «Sammeln ist eine Art Im-Einklang-Sein. Der Sammler erkennt an. Er fügt hinzu. Er lernt. Er bemerkt.»

Elementarteilchen zu einer Ästhetik des Zufalls – ein Exkurs Dieses Bemerken ist ein Zufallen: der Aufmerksamkeit. Dabei muss man sich den Anspruch des Bildes/der Kunstwerke gefallen lassen. Insofern ist der Zufall kein Zufall, sondern es ist ein Prinzip, das man sich einfallen lassen muss. (Es ist wohl eben das, was Marlies Kornfeld mit dem «Sammelsurium» meint.) Das entspricht einer Ästhetik des Zufalls, wie sie in der Geschichte der neueren Kunst zu beobachten ist – und die hier deswegen kurz skizziert sei. Es war eine Frau, die sehr früh, wohl als eine der ersten – soweit jedenfalls bekannt ist – in der Zeit der Romantik systematisch mit zufälligen Farbstrukturen arbeitete: die Aquarellistin Mary Gartside, in deren Essay on Light and Shade sich wundervolle Zufallsbilder finden. Die Ausstellung Turner, Hugo, Morreau. Entdeckung der Abstraktion (Frankfurter Kunsthalle Schirn, 2007/2008) brachte weitere spannende Zufallskünstler zusammen, so etwa den Arzt und Schriftsteller Justinus Kerner, der Fleckenbilder schuf, indem er das Papier faltete (ein Vorläufer des Psychiaters Hermann Rorschach). Auch der berühmte französische Romancier Victor Hugo beschäftigte sich damit, zufällige Tintenkleckse so zu sehen und zu überarbeiten, dass sie bildwürdig wurden.

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Wie eine Dada- oder Nouveau-Réalisme-Vorwegnahme erscheint dann eine von van Gogh überlieferte Beobachtung: «Heute bin ich an einem Ort gewesen, wo die Aschenmänner den Müll hinbringen. Donnerwetter, war das schön, unter anderem kaputte Strassenlaternen, verrostet und verbogen, diese Sammlung ausgedienter Eimer, Körbe, Kessel, Soldaten-Kochgeschirre, Ölkannen, Draht, Ofenrohre...»


Dem Zufall zu- und eingeschrieben waren die «Dessins automatiques» der Surrealisten, wobei genau hier die Dialektik des Zufalls sichtbar wird: Wer sich bewusst dem Zufall des Unbewussten unterwirft, hat ein Prinzip: das System des Zufalls. Damit wird der Zufall ein gesuchter, ein relativer Zufall. Er ist nicht pure Willkür. Es war, um 1960, wieder eine Frau, die dieses Prinzip systematisch anwandte: Niki de St. Phalle mit mit ihren «geschossenen» Bildern: «Ich begann, Spraydosen mit Farbe zu benutzen, die, wenn sie von einer Kugel getroffen wurden, einen besonders raffinierten Effekt ergaben. Ganz so wie bei den Bildern der Abstrakten Expressionisten, die zu der Zeit entstanden.» Damit sind wir wieder mitten in der Sammlung von Marlies Kornfeld, sind wir bei dieser grossen Werkgruppe von Sam Francis. Und sind wir bei den Gemälden von Katharina Grosse, für die die Sammlerin eine besondere Bewunderung hegt. Kein Zufall, denn die deutsche Malerin arbeitet im Medium ihrer Sprühtechnik-Malerei ebenfalls mit zufälligen Farbflüssen und treibt damit die Farbfeldmalerei der 1950er- und 1960er-Jahre auf eine radikale, faszinierende Art weiter. Roman Kurzmeyer umschreibt ein wichtiges Element dieser Malerei als «autopoetische Dimension». Hinzu kommt eine Offenheit, die Mal- und Kompositionsprozess vereint und tendenziell auf eine Entgrenzung und Enthierarchisierung im Raum und des Raumes zielt, eine Bewegung, die die Betrachtenden in neue Farb-Räume entführt. Es ist eine Malerei, die «vom System zum Rhizom» wird, wie es in Künstler – kritisches Lexikon der Gegenwartskunst heisst; also eine Malerei, die wie zufällig erscheint, aber als Rhizom eben doch innere Gesetzmässigkeiten hat: solche, die untergründig sind, die nicht auf den ersten Blick erscheinen und erkennbar sind – gezielter und erzielter Zufall.

Beziehungen und Verbindungen – mehr als äussere Merkmale Nachdem bisher die inneren Strömungen der Sammlung von Marlies Kornfeld umkreist worden sind, geht der Blick nun zu äusseren Verbindungen, die sich ablesen lassen. Selbstverständlich besuchte die Sammlerin – man stellt sie sich flanierend vor – seit Beginn die Art Basel. Und war dort ebenso Käuferin wie in verschiedenen Galerien im In- und Ausland. Selbstverständlich oder natürlich war schliesslich ihre gemeinsame Zeit mit Eberhard W. Kornfeld prägend. Ein weiteres Feld jedoch muss unbedingt erwähnt werden. Dessen Kern heisst: Förderung und Unterstützung. Auffallend nämlich ist der hohe Anteil an junger und jüngerer Kunst in dieser Sammlung. Die Sammlerin wagt sich so auf ein noch eher ungesichertes Terrain, das stark, aber nicht nur, in der Region Bern verankert ist. Das mag, einerseits, mit ihrer Neugierde zusammenhängen. Aber es hängt andererseits auch mit ihrer Haltung und ihrem Anspruch zusammen: Ohne viel Aufhebens zu machen, ist sie Mäzenin. Und indem sie junge Kunst kauft, unterstützt sie zugleich die Arbeit von jüngeren Galeristen. Das zeigte sich deutlich in ihrer fünfjährigen Zusammenarbeit mit dem Berner Galeristen Bernhard Bischoff. Manche Werke der Sammlung spiegeln diese Kooperation, so Werke von Samuel Blaser, Elsbeth Böniger, Raffaella Chiara, Com & Com, Christian Indermühle, Reto Leibundgut, Andrea Loux, Marius Lüscher, Kotscha Reist, Dominik Stauch und Erich Weiss.

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Damit ist ein weiteres Element dieser Sammlung in den Blickpunkt gerückt. Denn es geht der Sammlerin nicht nur darum, jüngere Kunst zu fördern, sondern sich auch mit den Künstlerinnen und Künstlern auseinanderzusetzen und auszutauschen. Dieser persönliche Kontakt macht die Atmosphäre aus, die diese in einem gewissen Sinn empathische Sammlung auszeichnet. Die Sammlerin kennt die Hintergründe ihrer Werke, sie kennt die Ateliers der Künstlerinnen und Künstler. Die Sammlung ist so ein Beziehungsnetz und bildet dieses ab. Susan Sontag: «Sammeln ist eine Art Im-Einklang-Sein. Der Sammler erkennt an.» Anerkennung also ist ein weiterer Antrieb des Sammelns: Anerkennung einer künstlerischen Haltung, eines künstlerischen Weges. Dass das zu einer Bereicherung der Wahrnehmung führt, liegt auf der Hand. Wieder sind es die Neugierde und die Offenheit, die hier zum Zug kommen – die Lust an der Vielfalt und an der Entdeckung: «Die Welt des Sammlers kündet von einer überwältigend vielfältigen Existenz anderer Welten, Energien, Reiche, Epochen als die, in der er lebt.»
(Susan Sontag) Indem die Marlies Kornfeld derart sammelt, sammelt sie auch sich selbst. Sie weiss, worauf es ihr – und nur ihr selbst – eigentlich ankommt: auf ihre eigene Welt von Welten, die sie sich mit der Sammlung schafft, in der und mit der sie im Alltag lebt.

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ÂŤDancing Towards the EssenceÂť Marlies Kornfeld

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Com&Com (Marcus Gossolt *1969 / Johannes M. Hedinger *1971), C-Files: Tell Saga, Landscape III / See, 1999, Fotografie, 133 x180 cm, Edition 2/3


Com&Com (Marcus Gossolt *1969 / Johannes M. Hedinger *1971), The Big One #002, 2007, Acryl auf Leinwand, 126 x 224 cm

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Com&Com (Marcus Gossolt *1969 / Johannes M. Hedinger *1971), CLOUDS – Nr. 1 (Oberschan), 2011, Airbrush auf Leinwand, 190 x 340 cm


Alex Katz (*1927), January 1:30 pm, 1996, Oel auf Hartfaserplatte, 23 x 30.3 cm

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Kotscha Reist (*1963), Die Beobachtung, 2002, Oel auf Leinwand, 30 x 40 cm


Herbert Brandl (*1959), Ohne Titel, 2005, Oel auf Leinwand, 40 x 60 cm

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Herbert Brandl (*1959), Ohne Titel, 2004, Oel auf Leinwand, 40 x 60 cm


Kotscha Reist (*1963), Ohne Titel (Zweig), 2000, Aquarell auf Papier, 43.5 x 35.5 cm

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Raffaella Chiara (*1966), Komplexer Plan 1, 2006, Bleistift und Aquarell auf Papier, 142 x 98 cm


Eberhard Havekost (*1967), Afrika, B08, 2008, Oel auf Leinwand, 150 x 100 cm

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Julian Opie (*1958), I think..., 2002, C-Print auf Holz, 90 x120 cm


Louis Moilliet (1880 –1962), Komposition mit Pfahl und Mauer, 1916, Aquarell über Bleistift auf Papier, 23.8 x 31.4 cm

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Louis Moilliet (1880 –1962), Tunesisches Interieur I, 1928, Aquarell über Bleistift auf Papier, 19 x 42.5 cm


Irene Schubiger (*1948), Ohne Titel, 2003, Pigmentfarben, veralumisierter Kelco auf Gips, 18 x 33 x 3.5 cm

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Irene Schubiger (*1948), Ohne Titel, 2003, Pigmentfarben, veraluminisierter Kelco auf Holz, 25.5 x 30 x 2 cm


«In der Abwesenheit von Form erhält die Form eine Heiligkeit.» unbekannt

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Václav Požárek (*1940), What you see is more, 2007, Buchdruck auf Papier, 70 x 50 cm; 50 x 25 cm


Sam Francis (1923 –1994), Ohne Titel, 1965, Acryl auf Papier, 33.7 x 25 cm

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Sam Francis (1923 –1994), Ohne Titel, um 1975, Acryl auf Papier, 36 x 51 cm


Alan Uglow (1941–2011), Hotel Facture #2, 1999, Acryl auf Leinwand, 51 x 40.5 cm

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Alan Uglow (1941–2011), Upton Park, 1999, Acryl auf Leinwand, 50 x 45 cm


Mai-Thu Perret (*1976), Ohne Titel, 2009, Acryl-Gouache auf Sperrholz, 24.7 x 19.7 cm

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Mai-Thu Perret (*1976), Ohne Titel, 2009, Acryl-Gouache und Acryl auf Sperrholz, 29.8 x 29.8 cm


George Steinmann (*1950), Ohne Titel, 1995–97, Quellsubstanz auf Papier, 21 x 29.8 cm

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George Steinmann (*1950), Polarit채re Landschaft, 1997, Heidelbeersaft, Farnsaft, Bleistift auf Papier, 64.5 x 94 cm


Gaylen Gerber und Michelle Grabner (*1955 / *1962), Support / Daisy Pattern, 1999, Oel, Lack und Flaum auf Leinwand, 96.5 x 96.5 cm

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Václav Požárek (*1940), Fassade, 1998, Bleistift und Deckweiss auf Papier, 99.8 x 69.7 cm


Katharina Grosse (*1961), Ohne Titel, 2007, Acryl auf Papier, 100 x 70.7 cm

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Katharina Grosse (*1961), Ohne Titel, 2004, Acryl auf Leinwand, 200 x 290 cm


Jutta Koether (*1958), Ohne Titel, 2006, Verschiedene Materialien, liquid glass auf Leinwand, 50 x 40 cm

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Dirk Oeghoede (*1944), Whisper, 2006, Oel auf Leinwand, 50 x 40 cm


Albrecht Schnider (*1958), Ohne Titel, 2001, Oel auf Leinwand, 168 x 118.5 cm

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Albrecht Schnider (*1958), Untitled 2008, Acryl auf Leinwand, 60 x 40 cm


Albrecht Schnider (*1958), Untitled, 2006, Acryl auf Leinwand, 40 x 30 cm

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Albrecht Schnider (*1958), o.T., 2006, Acryl auf Leinwand, 40 x 30 cm


Frank Nitsche (*1964), FIT-13-2007, 2007, Oel auf Leinwand, 53 x 38 cm

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Eberhard Havekost (*1967), Faltung (Art Fair Picture 4), B08, 2008, Oel auf Leinwand, 90 x 60 cm


Dominik Stauch (*1962), 4 Chairs for a Requiem, 2005, Mixed Media Installation, 4 beschriftete Stühle (Unikat), Video «Requiem» (Edition 1/6), Masse variabel 62


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On Kawara (*1933), Friday, 1977, aus «Today Series» No.35, 23.12.1977, Acryl auf Leinwand, 33.5 x 44 cm


Richard Allen Morris (*1933), Cover Up, 1993, Acryl auf Holz, 10.2 x 17.1 x 3 cm

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Richard Allen Morris (*1933), China Town, 2005, Acryl auf Leinwand, 30.5 x 23 cm


Uwe Wittwer (*1954), Stilleben, 2000, Oel auf Leinwand, 46 x 40 cm

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Paul Morrison (*1966), Samara, 2010, Blattgold (24 Karat) und Acryl auf Leinwand, 72 x 54 x 4 cm


«Art Comes From Need.» Titel des Filmporträts über den irischen Künstler Sean Scully von Hans Andreas Guttner, 2010

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Alberto Giacometti (1901–1966), Nu d’après nature (Annette), 1953/ 55, Bronze, Höhe 53 cm


Katharina BĂźche (*1963), Neugierig, 2005, Fell, Gummi, HĂśhe 72 cm

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Anna-Kavata Mbiti (*1976), Füsse, 2001, aus «make your own history», Kastanienholz, 20 x 42 x 15 cm, 17 x 40 x18 cm


Karin Sander (*1957), Marina Abramovic´ 1:7,7…, 2002, 3D-Bodyscan der lebenden Person, Rapid Prototyping, Acryl Butadien Styrol, ABS Kunststoff weiss, Höhe 23 cm

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Karin Sander (*1957), Taron 1:5, 2008, 3D-Bodyscan der lebenden Person, Inkjetprint, Gips, Pigment, Hรถhe 24.5 cm


Aneta Grzeszykowska (*1974), Siblings with Wool Doll, 2009, Wolle, Holzkonstruktion, Holzwolle, 117 x 107 x 25 cm

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Eva Aeppli (*1925), Textile Figur, 1970, Seide, Kapok, Watte, Samt, Metallstab, Hรถhe 187 cm (stehend)


Axel Lieber (*1960), Short Cuts (Spiegel), 2007, Mรถbelfragmente, Holz, Spiegel, 37 x 17 x 2.5 cm | Short Cuts (Kommode), 2007, Mรถbelfragmente, Holz, Filz, 69.5 x 15.5 x 15.5 cm

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Elsbeth Bรถniger (*1945), Kenneth Nolan, 2006, Hochglanzlack auf Surfboard, 190 x 45 x 8 cm


Maya Vonmoos (*1953), I’m so innocent, 2004, Rapid Prototyping, kunstharzinfiltrierte Cellulose, 20 x 32 x 18 cm, Exemplar 2/5

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Elsbeth Bรถniger (*1945), Modell, 2010, Bleimantel auf Plastikhirsch, 80 x 42 x 39 cm


ÂŤArtists are the truest gatekeepers of truth.Âť Harry Belafonte

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Alfredo Jaar (*1956), Walking, 2003, Leuchtkasten mit farbigem Diapositiv, 90 x 59 cm


Pablo Picasso (1881–1973), Minotaure endormi contemplé par une Femme, 1933, Blatt 86 aus «La Suite Vollard», Radierung auf Pergament, 36 x 44 cm; 19.4 x 26.8 cm | © 2012, ProLitteris, Zurich

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Edgar Degas (1843–1917), La Famille en Promenade, um 1880, Monotypie in schwarzer Oelfarbe, 15.9 x 21.3 cm


Alberto Giacometti (1901–1966), L’Avenue, 1956, Feder in brauner Tinte auf Papier, 36.5 x 25 cm

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Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938), Boot auf den Moritzburger Teichen an waldigem Ufer mit einem Paar, 1905/06, Fettkreide auf Papier, 37.7 x 27.9 cm


Inga H채usermann (*1971), o.T., 2004, Tusche auf Papier, 24 x 33 cm

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Markus Raetz (*1941), o.T. (gehen), 1978, zweiteilige Arbeit, Spray auf Leinwand, 76 x 85 cm; F채hnchen 27 x17.5 cm, Stiel 81 cm


Markus Raetz (*1941), Picasso, 1977, Acryl, Leim mit Pigment und Tuschlasur auf Karton, 110 x 25.5 cm

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Markus Raetz (*1941), Nach Georges de la Tour, 1971, Aquarell in Bister auf Velinpapier, 17 x 24 cm


Andrea Loux (*1969), N채hrboden, 2005, Mischtechnik, 21 x 29.7 cm

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Andrea Loux (*1969), Sie wartet hinter dem Perlenvorhang, 2005, Mischtechnik, 29.5 x 34 cm


«ICH DAS BILD ICH HÖRE DIR ZU» Rémy Zaugg (Titel des gleichnamigen Werkes, 2001, Autolack auf Aluminium, 112.7 x 100.6 cm, Sammlung Marlies Kornfeld)

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Constantin Brancusi (1876 –1957), Portrait de Femme, um 1912, Oel und Gouache auf Karton, 62.3 x 42.8 cm


Alex Katz (*1927), Maria, 1994, Oel auf Hartfaserplatte, 30 x 40.2 cm

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Alberto Giacometti (1901–1966), Figurine, 1953, Oel auf Leinwand, 27.4 x 22.2 cm


Julian Opie (*1958), Bernadette Nr. 1, Student, 1999, Inkjet auf Papier, auf Holz aufgezogen, 86 x 75 cm

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Julian Opie (*1958), Christine, gallery director (back), 2000, C-Print auf Papier, auf Holz aufgezogen, 35 x 29.5 cm


Albrecht Schnider (*1958), Portr채t (Gold), 2008, Acryl auf Leinwand, 140 x 100 cm

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Andrew Mansfield (*1953), Untitled #252, 1998, Oel auf Leinwand, 56 x 40.5 cm


Eberhard Havekost (*1967), SLS (1/3), DD99, 1999, Oel auf Leinwand, 40 x 30 cm

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Eberhard Havekost (*1967), Untitled, WD98, 1998, Oel auf Leinwand, 30 x 40 cm


Christian Denzler (*1966), o.T., 2002, Oel auf Leinwand, 37 x 30 cm

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Quynh Dong (*1982), o.T., 2009, Aquarell auf Papier, 65 x 50 cm


«What you see is more» Václav Požárek (Titel des gleichnamigen Werkes, 2007, Buchdruck auf Papier, 70 x 50 cm, Sammlung Marlies Kornfeld)

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Mai-Thu Perret (*1976), Head, 2004, Kerze aus Wachs, 28 x 11x12 cm, Edition 1/3


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Dancing Towards the Essence – Ein Gespräch mit Marlies Kornfeld von Kathleen Bühler

Was waren deine ersten Erfahrungen mit Kunstsammeln? Von Geburt an war ich von Bildern, Skulpturen, ausgesuchten Objekten umgeben, dies gehörte einfach zu unserem Umfeld. Unser Vater war ein akribischer Sammler, der nach dem Krieg sukzessive eine Sammlung aufbaute, wobei ihm Kunsthistoriker und Galeristen, letztere oft nicht immer ganz uneigennützig, bei der Auswahl zur Seite standen. Davon habe ich sehr profitiert, durfte ich doch seit meinem 12. oder 13. Lebensjahr bei der Entscheidungsfindung dabei sein, da ich im Gegensatz zu den meisten meiner sieben Geschwister, meine Schulzeit zu Hause verbrachte. Das Auswahlprozedere war folgendes: das jeweils in Frage kommende Werk wurde entweder im Original gezeigt oder als Ektachrome an die Wand projiziert, worauf eine ausführliche Diskussion um dessen Stärken und Schwächen stattfand. Die kunsthistorische Durchleuchtung zog sich über Stunden hin. Sich mit einem Werk so lange auseinander zu setzen, hat mir im wahrsten Sinne des Wortes damals die Augen geöffnet Ist das Sammeln also fast schon eine Familientradition? Sammeln wurde in der Folge bei uns eine Art Tradition. Von uns acht Kindern wurden zwei meiner Brüder, Thomas Koerfer und Adrian Koerfer, engagierte, berühmte Sammler zeitgenössischer Kunst. Thomas spezialisierte sich neben wichtigen malerischen Positionen stark auf Fotografie. Adrian wirkt in Deutschland wohltuend bescheiden mit seiner äusserst malerischen Sammlung «Mondstudio» an zahlreichen Ausstellungen mit. Beide haben bereits in grossen Museen ausgestellt.  Was waren neben dem familiären Umfeld die prägenden künstlerischen Erlebnisse? Schon während meiner Schulzeit, später während meiner Studienzeit erst in München, dann in Basel und London, habe ich sehr oft Ausstellungen besucht. In München entsinne ich mich eines Besuchs im Lenbachhaus, wo ich von den frühen abstrakten Kandinsky-Gemälden förmlich eingefangen wurde. In London zog mich eine reichhaltige Mark Tobey-Ausstellung für Stunden in ihren Bann. Bereits während meiner Schulzeit besuchte unsere Klasse eine Pissarro-Ausstellung, die mich so sehr beeindruckte, dass ich beim Heimfahren meine ganze Umgebung nur noch in der Malweise dieses Impressionisten sah.

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Wann begann dein eigenes Sammeln? Nach der väterlichen Umgebung ging das Sammeln von Kunst und das Leben mit Kunst während meiner Ehe mit dem Galeristen und Kunsthändler Eberhard Kornfeld in sehr reichem Masse und mit wichtigen Werken aus den verschiedensten Zeitepochen nahtlos weiter. Es kam zu vielen intensiven Freundschaften mit Künstlern und Kuratoren. Sam Francis gehörte fast schon zur Familie und lebte immer wieder bei uns, arbeitete auch viel in Bern. Jeannot Tinguely erschien zu jeder Tages- und Nachtzeit, natürlich immer unangemeldet, und belebte unseren Alltag in buntester Weise. Alfred Jensen aus New York war da viel analytischer, viele Nachmittage und Abende ver-


brachten wir auch bei Bernhard und Ursi Luginbühl, wo ich deren überbordend grosszügige und kreative Lebensweise in mich aufsog. Feierlicher und weniger spontan verlief unser einmaliger Besuch bei Picasso, wo man tagelang anrufen musste, um einen möglichen Termin zu erhalten. Doch einmal in seiner malerischen von Büchern und Bildern angehäuften «Wohnstube» war man ganz selbstverständlich aufgenommen und integriert. Einen tiefen Eindruck machte auf mich Diego Giacometti, den wir sehr oft in Paris besuchten. Seine unsägliche Trauer nach dem Tod seines Bruders Alberto – ohne ein Wort darüber auszusprechen – werde ich nie vergessen, seine immense Hochachtung vor dem Werk seines Bruders, in dessen Dienst er sich jahrelang selbstlos gestellt hatte, die Bescheidenheit seinen eigenen Werken gegenüber, seine Art, wie er sich als «Ur-Bündner» auch die Eleganz des Pariser Lebens zu eigen gemacht hatte... Neben den vielen Künstlern erlebten wir auch spannende Begegnungen mit Museumsdirektoren und Kuratoren. Franz Meyer und seine wilde Frau Ida Chagall kannte ich schon aus dem Elternhaus, wie auch zahlreiche Kunsthändler, etwa den jungen Ernst Beyeler, Vater und Sohn Nathan sowie Marianne Feilchenfeldt, die oft bei uns zu Besuch waren. Ich erinnere mich noch gut an ihren wunderbaren Mann, Walter Feilchenfeldt, eine Legende. Diese Leute gehörten zu unserem Alltag.

Raumansicht mit Werken von berhard Havekost, Albrecht Schnider und Václav Pozárˇek

Wann war der Startschuss für deine eigene Sammlung? Mein Sammeln begann um 1993 nach der Trennung von meinem Ehemann Eberhard Kornfeld. Am neuen Wohnort waren die Räume und Wände zu Beginn leer. Alles begann eher spielerisch. Ich hab nie obsessiv und akribisch nach Werken gesucht, es ergibt sich intuitiv, die Kunstwerke finden eher mich als ich sie. Klar besuche ich viele Galerien, Museen oder Künstlerateliers und informiere mich heute vor allem über das Kunstschaffen der jungen Künstler. Mein Leben war immer von Kunst geprägt, das Sehen, das unmittelbare berührt werden, auch die Sehnsucht danach sind ein Teil von mir. Heute sehe ich es als ein Teil des Ausdrucks meines Lebens: Kunst kommt, wie bekanntlich Arnold Schönberg 1911 festgehalten hat, von Müssen, der Suche nach Auseinandersetzung.   Sind dir persönliche Beziehungen in der Kunst wichtig? Bei meiner eigenen Sammlertätigkeit kam es immer wieder zu intensiven Freundschaften wie etwa mit Alfredo Jaar, dessen soziale Anliegen die Triebfedern zu seinen eindrücklichen Werken sind. Alfredo kam durch einen Glücksfall in mein Haus, um hier zu wohnen, und irgendwo fanden wir uns in gemeinsamen Visionen und deren Umsetzung. Mit Albrecht Schnider verbindet mich seit Jahren eine von Kreativität, Behutsamkeit und tiefer Menschlichkeit geprägte Freundschaft. Der Besuch seiner Ausstellung im Haus am Waldsee in Berlin 2011 zusammen mit Andreas Fiedler war für mich eine Sternstunde künstlerischer Auseinandersetzung mit seinem Werk. Inspirierend sind auch die Rundgänge durch Ausstellungen mit Heinz Egger. Besonders in Erinnerung ist mir der von Heinz arrangierte Besuch im Atelier von Hans Josephson. Der Künstler war mir als Besuchern gegenüber eher unzugänglich und abweisend geschildert worden. So sah ich diesem Atelierbesuch mit Bangen entgegen. Doch aus dem nur kurz geplanten Besuch wurden Stunden intensivster Auseinandersetzung mit seinem wahrlich monumentalen Werk, gekrönt von einer heissen Schokolade, die uns der Künstler höchstpersönlich in seinem Atelier braute. 108


Hast du dich auf gewisse Sammlungsgebiete konzentriert, die in deiner Familie noch nicht abgedeckt waren ? Sammelfelder finden? Das hätte ich als Limitierung empfunden, das entspricht mir nicht, wobei es Kunstrichtungen, wie z.B. den Surrealismus gibt, die mich nicht bewegen oder die sich mir nicht eröffnen. In meinem Elternhaus und während meiner Ehejahre hatte ich verschiedene Kunstepochen im wahrsten Sinne des Wortes «erlebt». Für mich ging und geht das Entdecken, auch meine eigene Entwicklung ständig weiter. Das Zeitgenössisches Kunstschaffen ist der Spiegel unserer Zeit, die Reaktion auf und die Reflexion über das Jeweilige. Was bedeutet dir Schönheit in der Kunst? Das Wort «schön» hat heute oft einen negativen Beigeschmack, ich würde ein Werk schwerlich als schön bezeichnen, eher als abgerundet, ausgewogen, harmonisch, in seiner Ganzheit gelungen. Ganz zu werden, ist ja das Bestreben des Menschen. Vielleicht klingt hier auch beim Betrachter eine Sehnsucht nach dieser Ganzheit an. Jeder Künstler erlebt seine Sternstunden, in denen er eine «Inspiration», eine «Eingebung» erfährt, die er willentlich nicht herbei führen kann. Es gelingt ihm ein Werk, worüber er selber erstaunt ist, das weit über jede rationale Erklärbarkeit hinausführt. Ich meine, dies spürt auch der Betrachter. An dieser Suche des Künstlers, an der Essenz, der «Schönheit» teilzunehmen, ist für den Sammler in gewisser Weise auch ein kreativer Akt. Dann muss ein Werk für dich vor allem schön sein? Es gibt für mich klar positiv und negativ besetzte Werke, die möglicherweise mit der inneren Haltung eines Künstlers zu tun haben. Ein für mich «negativ» besetztes Werk würde ich kaum in meiner eigenen Umgebung haben wollen. Dies ist unabhängig vom Thema oder vom Motiv, mehr ein subkutanes Gefühl, dass mir dieses Werk nicht gut tut. Zwei Beispiele für Werke, die trotz ihrer Problematik, schön sind und die ich nicht in meiner Sammlung habe, zeigen das bestens. Da wäre Alfredo Jaars The Eyes of Gutete Emerita (1996), die fotografierten Augen einer Frau in Ruanda, welche die Ermordung ihres Ehemannes und zwei ihrer Kinder mit ansehen musste. Die Installation mit einer Million von Diapositiven auf einem Haufen handelt von einem grauenhaften Thema, doch präsentiert der Künstler dies in einer ästhetischen Ausgewogenheit, die es zugänglich und gerade durch seine Harmonie äusserst wirksam macht. Auch Mona Hatoums Neoninstallation Silver Lining (2011) in der Hochschule der Künste in Bern ist ein gutes Beispiel dafür: die frei an der Wand flottierenden Ländersilhouetten müssen in Gedanken zu einem neuen Weltbild zusammen gesetzt werden. Mona Hatoum stellt die Frage nach dem Zusammenhalt in unserer Welt und wirkt subversiv in ihrer Schönheit.

Raumansicht mit Werken von Albrecht Schnider, Kiki Smith und Diego Giacometti

Es fällt auf, dass Du viele Bildnisse besitzt. Mir war dies bisher kaum bewusst. Vor allem Frauenporträts habe ich intuitiv ausgewählt, da sie die Wahrnehmung unserer Existenz reflektieren, wie etwa das kleine Frauenporträt Figurine 1953 von Alberto Giacometti, mein Lieblingsbild. Dazu gehören auch die beiden Frauenköpfe von Eberhard Havekost, Untitled (1998) und SLS (1/3) von 1999. Vor allem das letztere symbolisiert eine Härte und Ratlosigkeit, eine Hektik, dieser Figur, deren mögliche Sensibilität und Weiblichkeit durch die an sie gestellten Forderungen der Aussenwelt überschattet werden. 110


Was hast du von der Kunstgeschichte mitgenommen? Wenn ich über Kunst lese, fällt mir auf, dass sich in den letzten Jahrzehnten der Stil der Autoren sehr gewandelt hat. Die frühen Schriften etwa von Georg Schmidt (z.B. Schriften aus 22 Jahren Museumstätigkeit, Phoebus-Verlag Basel 1964) oder Franz Meyer (Alberto Giacometti, Verlag Huber Frauenfeld 1968) sind für mich Klassiker und in ihrer Ausdruckskraft zeitlos. Kürzlich las ich einen im Piet Meyer-Verlag wieder aufgelegten Artikel von Gotthard Jedlicka, der von einem Rundgang mit Matisse durch dessen Ausstellung 1931 berichtet. Es war von einer berührenden Unmittelbarkeit. Man hängt förmlich an Matisses Lippen und erhält wichtige Einblicke in sein gesamtes Kunstschaffen. Meine persönliche Wahrnehmung ist, dass sich heute manch ein Kunstkritiker, auch Kunsthistoriker schwer tut, uns vor allem die zeitgenössische Kunst in verständlicher Weise zu eröffnen. Gelegentlich habe ich den Verdacht, der Autor sehe sich selber als Künstler und schreibe dazu ein wenig l’art pour l’art. Von wenigen Ausnahme abgesehen, berührt mich die Lektüre seltener und hilft mir in meinem Kunstverständnis wenig weiter. Oft lässt sich mich eher verständnislos und verloren zurück. Welche Rolle spielen Galeristen beim Sammeln? Galerien waren und sind Vermittler zwischen Künstler und Sammler sowie Institutionen. Mich interessieren heute vor allem Galerien, die junge Kunst zeigen, deren Galeristen junge, neue Künstler entdecken und fördern, weil sie an deren Schaffen glauben. Diese Galeristen setzen Zeit und Arbeit ein, übernehmen finanzielle Risiken, entwickeln eine eigene Kreativität. Ob sie richtig liegen, ob es sich «lohnen» wird, zeigt erst die Zukunft. Frühere Kunsthändler wie Ambroise Vollard und Daniel-Henry Kahnweiler in Paris, Paul Cassirer und Herwarth Walden in Berlin, später Ernst Beyeler und Eberhard Kornfeld in der Schweiz, um nur einige zu nennen, waren für viele Künstler das Tor zum Erfolg. Um nur zwei heute wichtige Galerien für neueste Kunst zu nennen, die Whitecube Gallery in London oder Zeno-X in Antwerpen mit Luc Tuymans und Michael Borrëmans zeigen immer wieder überraschende, unbekannte Künstler und verhelfen ihnen zu Publizität und zum Durchbruch, weil sie an sie glauben. So gäbe es viele weitere Beispiele. Wie beeinflusste deine eigene Galeristentätigkeit dein Sammeln? A: Ich wurde durch die fünfjährige Zusammenarbeit mit Bernhard Bischoff – in der Galerie Bernhard Bischoff & Partner in Bern – neugierig auf das Werk ganz junger Künstler. Dank meiner Tätigkeit in der Galerie bekam ich reichlich Gelegenheit, die Beweggründe für das unterschiedlichste Vorgehen von heutigen Künstlern zu studieren Meistens hat man als Sammler eine besonders innige Beziehung zu den Künstlern der eigenen Generation. Bei dir ist es jedoch anders. Wie erklärst du das? Darin hat mich Franz Meyer beeindruckt und bestärkt. Ständig aktualisierte er sein Wissen in der zeitgenössischen Kunst. Er konnte umfassende Bezüge herstellen, die einem die Augen öffneten. Der unmittelbare Kontakt und die Gespräche mit den jungen Künstlern, die wir während den fünf Jahren in der Galerie Bernhard Bischoff & Partner ausstellten, haben mir den Einstieg in die jüngere Kunst erleichtert. Es sind die Werke der jungen Generation, die auf das heute reagieren. Junge Künstler zeigen ihre aktuelle Reflexion, sei dies in gesellschaftlicher, politischer oder existenzieller

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Hinsicht, mit der Wahrnehmung, dem Erleben der Bewusstheit von heute. Die Fragestellungen sind aktuell, ebenso die Antworten, die sie in vielfältigsten Formen suchen und geben. Die Reflexion der Landschaft, des Raumes von Raffaela Chiara etwa, inspiriert mich, ebenso die in verschiedenen Techniken und Materialien geschaffenen Werke von Com&Com (Marcus Gossolt und Johannes Hedinger), teils spielerisch-humorvoll, teils malerisch und immer bezugnehmend auf das Heute.   Regt dich Kunst vor allem zum Nachdenken an? Es ist wie ein Aha-Erlebnis. Kunst verschafft mir Einsichten in Zusammenhänge, die mir zuvor nicht bewusst waren und dieses neue Wissen kann ich in der Folge vertiefen. Denn man kann nur etwas aufnehmen, wenn im Inneren eine Resonanz besteht. Gute Kunst tut etwas mit mir. Wie gehst du bei der Auswahl vor? Bei der Auswahl «meiner» Werke lasse ich mich sehr gerne überraschen, erfreuen, inspirieren, bestätigen, auch irritieren. Meistens spielt viel Intuition mit. Warum habe ich in den frühen Achtziger Jahren ein Bild von On Kawara gekauft? Als ich damit heimkam, war sich die Familie einig, dass ich spinne. Weshalb stach mir 2006 der Plexiglasstab von Gerwald Rockenschaub in die Augen? Diese Werke sprachen mich im wahrsten Sinne des Wortes an. Es trifft und betrifft mich. Dabei geht es mir um eine geschärfte Selbstreflexion. Mir bisher Unbekanntes, Neues kommt hinzu, oder etwas Bekanntes wird bestätigt. Meine gewohnte Wahrnehmung wird in Frage gestellt und bereichert: «So kann man das auch sehen». In seinem Interview im Schweizer Monat der Februar Ausgabe 2012 nennt es Dirk Braeker treffend: «Irritation von Wahrnehmung durch ungewohnte Formen, die sich in dieser Weise immer auf die Gesellschaft bezieht». Ich würde dem die Bezugnahme auf unsere Zeit, unsere Existenz hinzufügen. Es sind dies teils existenzielle Fragen nach dem Sinn des Lebens, nach dem Zurechtfinden in unserer Welt, nach Hinterfragen der heutigen Zeit, in Wirtschaft, Politik und Umwelt. Alfredo Jaar z.B. nimmt immer wieder Themen des Postkolonialismus, der Fremdenfeindlichkeit, politischer Konflikte, etc. auf. Für mich ein gutes Beispiel einer ästhetisch gelungenen Reaktion, Interaktion und Reflexion auf unsere Zeit. Wie würdest du deine Sammlung charakterisieren? Da ich mich mit den Werken vieler verschiedener Künstler umgebe und mich nicht auf eine bestimmte Richtung oder ein Sujet etc. konzentriere, mag man meine Sammlung eher als ein Sammelsurium empfinden. Ich empfinde dies nicht so. Auch wenn meine Auswahl auf den ersten Blick unkonventionell erscheinen mag, weil sich darin total abstrakte Werke, wie diejenigen von Katharina Grosse, zum Teil auch diejenigen von Albrecht Schnider, Allen Uglow und Hermann Nitsch, neben konzeptuellen Positionen von On Kawara oder Vaclav Pozárˇek finden. In meiner Sammlung treffen konkret-konstruktivistische Werke auf figurative Malerei wie beispielsweise von Alex Katz oder Eberhard Havekost. Havekosts Gemälde Faltung (Art Fair Picture 4, B08, 2008) ähnelt in seiner Malweise den Faltenwürfen von mittelalterlichen Madonnen, dennoch hat das Werke eine enorme Modernität und für mich eine ungeheure malerische Kraft. Es verbindet auf geglückte Weise Abstraktion mit Gegenständlichkeit.

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Was bewegt dich zu diesem «eklektischen» Vorgehen? Früher reihten sich Stilrichtungen aneinander: Eine ging aus der anderen hervor. Eine Inspiration


folgte der nächsten. In der historischen Betrachtungsweise erscheint dies als folgerichtige und organische Entwicklung, die sich manchmal an verschiedenen Orten zeitgleich ereignete. Heute laufen wegen der globalen Vernetzung viele Richtungen parallel. Jedes Werk ist, sobald es ins Netz gestellt wird, sofort für jedermann zugänglich und erhält eine andere Wirkungsgeschichte als früher. Das rechtfertigt, bezogen auf die Sammlungstätigkeit, in meinen Augen auch das gleichzeitige Nebeneinander von Unterschiedlichem. Eine Sammlung von Kunstwerken ist in diesem Sinne Ausdruck eines weltumspannenden Zeitgefühls, das durch die Persönlichkeit des Sammlers oder der Sammlerin Werke unterschiedlichster Herkunft zusammenführt.

Raumansicht mit Werken von Katharina Grosse und Julian Opie

Könntest du dafür ein Beispiel geben? Ein Bildnis von Hans Holbein ist in einem anderen Zeitgeist entstanden, als eines von Alberto Giacometti, Andy Warhol, Eberhard Havekost oder Albrecht Schnider. Es ist die Aktualität der Fragestellung, der jeweilige Zeitgeist oder die darin eingeflossene künstlerische Reflexion, die mich an Werken berührt und allenfalls bei mir eine Selbstreflexion auslöst. So ist es für mich durchaus stimmig, wenn neben einer Monotypie von Edgar Degas, die ich seit Jahrzehnten besitze, eine Zeichnung von Markus Raetz hängt. Beide Werke unterscheiden sich in ihrer Bildsprache zwar vollkommen, besitzen jedoch einen verwandten Klang und erzeugen eine reizvolle Spannung. Nach welchen Kriterien hängst du deine Sammlung? Das geschieht genauso intuitiv, wie das Ankaufen. Es tut mir generell weh, wenn etwas in meinen Augen schlecht gehängt wird. In Hotels richte ich immer als erstes die Bilder gerade. Ein besonderer Genuss war es jeweils, mit Bernhard Bischoff die Bilder in unserer Galerie zu hängen. Jeder Millimeter stimmte. Deshalb freut es mich, wird er auch im Kunsthaus Grenchen mit dabei sein. Eigentlich sollte ein Werk ja so gut sein, dass die Umgebung keine Rolle spielt. Doch kann sich im Zusammenspiel mit den anderen Werken ein besonderer Klang ergeben. Es ist spannend, zu sehen, wie Bilder «miteinander sprechen», deshalb reizt es mich auch, meine Werke einmal in ungewohnter Umgebung im Kunsthaus Grenchen zu erleben. Denn das eine soll das andere in seiner Wirkung steigern. Es bleibt eine Gabe, Kunst gut zu hängen. Das kann nicht jeder. Es ist in sich selbst ein kreativer Prozess. Eine Teil meiner Sammlung im Kunsthaus Grenchen ausstellen zu können, ist verlockend und eine Herausforderung, denn die Werke werden sich in einer neutraleren Umgebung «behaupten» müssen. Ich bin gespannt, wie sie darauf reagieren werden. Was bedeutet es dir, Kunst zu besitzen? Ich jage keine Kunst, es ist eher eine Neugier auf Neues. Besitz ist immer relativ und währt nur eine gewisse Zeit. Der Umstand, dass ich nun «stolze» Besitzerin eines Werkes bin, sagt mir nichts. Die Beschäftigung mit dem Werk macht mich glücklich, ist für mich spannend, fordert mich heraus und setzt eine Entwicklung in Gang. Mein eigenes Bewusstsein entwickelte sich im Laufe der Zeit, meine Fähigkeit des Sehens und zur Befragung der Wahrnehmung. Klar, habe ich zu einigen Werken eine tiefere Beziehung, – von meinem kleinen Alberto Giacometti Gemälde würde ich mich schwer trennen. Es verkörpert für mich die Essenz des Menschseins überhaupt. Hat Sammeln Suchtpotenzial? Sammeln ist bei mir keine Sucht, vielmehr gehört es zu meinem Leben und ist Teil meines Lebens-

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inhalts, – vorausgesetzt meine Mittel erlauben mir dies. Spannend ist der Prozess des Suchens allemal, doch betreibe ich dies weder systematisch noch professionell. Ich besuche natürlich viele Ausstellungen, gelegentlich auch Ateliers. Doch würde ich sagen, dass mir ein Werk eher «zustösst». Wenn das Ausgesuchte dann bei mir eintrifft, stelle ich es zuerst einige Zeit irgendwo auf den Boden. Ganz selten findet es gleich seinen endgültigen Platz. Erst nach längerem Betrachten bekommt das Bild seine endgültige Position, ganz so, als müsse es sich erst an die neue Umgebung gewöhnen. Bilder, die am Boden stehen, wechseln oft ihren Platz, was neue spannende Bezüge schafft. Hast du auch schon an deiner Wahl gezweifelt oder anders gefragt, wie definierst du für dich künstlerische Qualität? Natürlich tauchten auch schon Fragen auf wie: War die Entscheidung des Kaufs richtig? Wird es sich einfügen? Sprengt es den bisherigen Rahmen? Fordert es zu Neuem heraus? Habe ich einen Fehler gemacht? Entspricht es meinem Qualitätsempfinden? Zweifel, Fehler beim Entscheid, ein Werk zu erstehen, gehören für mich dazu. In manche Werke bin ich erst nach einiger Zeit «hineingewachsen», habe ihre Stärke und Aussagekraft erst allmählich entdeckt. Jeder Sammler definiert wohl künstlerische Qualität unterschiedlich. Qualität hat ein Werk für mich dann, wenn es sich bei mir über lange Zeit «hält», wenn ich sowohl intuitiv als auch rational dazu ja sagen kann. Ein Werk muss mit mir im weitesten Sinn in Harmonie sein. Haben private Kunstsammler eine soziale Funktion? Dies kann, aber muss nicht der Fall sein. Sich einen gesellschaftlichen Status durch das Sammeln von Kunst zu geben, mag an der Park Avenue in New York stimmen, mir ist dies zutiefst fremd. In meinem eigenen Sammeln sehe ich weniger eine gesellschaftliche Aufgabe, ausser dass ich Künstler durch meine Ankäufe finanziell unterstütze, damit ihre Werke privat und gelegentlich auch in Ausstellungen sichtbar werden. Früher waren es Mäzene, man denke etwa an die Medicis in Florenz, an die grossen Fürstenhöfe, an die Kirche als traditionelle Auftraggeber, welche die Künste im weitesten Sinne förderten und Kunstschaffen überhaupt erst ermöglichten, sei es in der Architektur, in der Musik oder in der Bildenden Kunst. Ende 19. und Anfang 20. Jahrhundert hat das Ehepaar Hahnloser wegweisend für die Impressionisten gewirkt. In Amerika war es der Sammler Julian Barnes, dessen Sammlung bis heute vorbildhaft wirkt. Das Ehepaar John und Dominique de Menil hat seine Sammlung institutionalisiert und mit ihrem Museum in Houston, Texas einen Meilenstein für die Kunst des 20. Jahrhunderts gesetzt. In den letzten Jahrzehnten waren es visionäre Sammler wie Paul Jolles und Ueli Sigg, welche die russische und chinesische Kunst in den Westen gebracht haben und damit eine wichtige, ausschlaggebende Vermittlerfunktion ausübten. Welche Position haben Privatsammler in der Kulturpolitik? Die meisten politischen Entscheidungsträger, welche die für die Kultur notwendigen Gelder sprechen, verkennen den grossen Wert des Kulturschaffens und stehen ihm eher verständnislos gegenüber. Sie betrachten es als notwendiges Übel. Dass Kultur unser Bewusstsein prägt, unserer kulturellen Zugehörigkeit Ausdruck verschafft, unsere Wurzeln bildet und auch Einfluss auf unsere Zukunft nimmt, ist nicht in deren Bewusstsein gedrungen. Doch haben wir diese Wertschätzung je gelernt? Ist das Wissen über Kunst, der Umgang mit Kunst etwa ein Schulfach? Haben wir gelernt, wie gestalterische Prozesse die Phantasie beflügeln oder wie das Suchen nach Ausdrucksformen

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auch in anderen Bereichen ausschlaggebend für neue Lösungsansätze sein kann? Denn gerade heute, wo die grossen, entscheidenden Fragen sich nicht mehr nur mit herkömmlichem Wissen beantworten lassen, spielt Kunst für mich eine herausragende Rolle in der Förderung von kreativem Denken. In der Wirtschaft, in der Forschung, in vielen Wissenschaften sind vermehrt neue Denkmethoden gefordert, die in einer anderen Bewusstseinsdimension entstehen und denjenigen der Kulturschaffenden verwandt sind. Was passiert dereinst mit deiner Sammlung? Daran habe ich bisher wenig Gedanken verschwendet. Für mich zählt meine jetzige Auseinandersetzung, meine jetzige Freude daran. Nach meinem Tod sollen meine Kinder lustvoll auslesen, was ihnen gefällt. Vielleicht geht einiges als Geschenk an Freunde, möglicherweise geht einiges in den Handel zurück. In musealen Kategorien zu denken, steht mir sicher nicht an. Immer wieder ist es eine Zumutung, wenn Museen Privatsammlungen als «Geschenk» entgegen nehmen müssen, wovon nur ein Bruchteil «museumswürdig» ist, während der Rest die Depots füllt. Daran möchte ich mich nicht beteiligen. Und zum Schluss: Was bedeutet der Ausstellungstitel «Dancing towards the essence» (Tanzen zur Essenz hin)? Sammeln ist für mich eine spielerische, intuitive Suche nach der Essenz, wobei das Spiel, hier der Tanz durchaus ernst sein kann. Heiter, übermütig, verspielt, erotisch, kann er sein, sehnsüchtig, sakral, bis hin zum Totentanz. Die Suche nach dem Sinn unserer Existenz ist tänzerische Bewegung. So wählt sich jeder Mensch seinen eigenen Tanz.

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Die AutorInnen Kathleen Bühler (*1968 in Bülach, lebt in Zürich), Dr. phil. I, Kunsthistorikerin, seit 2008 Kuratorin für Gegenwartskunst Kunstmuseum Bern. 2005 –2007 Konservatorin Bündner Kunstmuseum Chur. 2000 –2002 Konservatorin Videokunstsammlung Flick Collection. Zuvor freie Kuratorin, Kunstkritikerin und Autorin. Eva Inversini (*1975 in Langenthal, lebt in Bern), Lic. phil. I, Kunsthistorikerin, seit 2008 Künstlerische Leiterin Kunsthaus Grenchen, 2006/07 Mitarbeiterin Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia und Bundeskunstsammlung. 2005/06 Interimistische Leiterin und 2001–2005 Wiss. Assistentin Kunsthaus Langenthal. Ausstellungen und Publikationen zur Gegenwartskunst. Konrad Tobler (*1956 in Bern, lebt in Bern), Studium der Germanistik und Philosophie in Bern und Berlin, Gymnasiallehrer. Seit 2007 freier Autor, Kulturjournalist, Kunst- und Architekturkritiker. 1992–2007 Kulturredaktor und ab 2000 Kulturchef der Berner Zeitung.

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Werkverzeichnis der Ausstellung Aeppli Eva (*1925 Zofingen, CH) Textile Figur, 1970, Seide, Kapok, Watte, Samt, Metallstab, Höhe 187cm (stehend) Böniger Elsbeth (*1945 Bergamo, CH) Kenneth Nolan, 2006, Hochglanzlack auf Surfboard, 190 x 45 x 8 cm Modell, 2010, Bleimantel auf Plastikhirsch, 80 x 42 x 39 cm Brancusi Constantin (*1876 Hobita, RO; † 1957 Paris, FR) Portrait de Femme, um 1912, Oel und Gouache auf Karton, 62.3 x 42.8 cm Brandl Herbert (*1959 Graz, AT) Ohne Titel, 2004, Oel auf Leinwand, 40 x 60 cm Ohne Titel, 2005, Oel auf Leinwand, 40 x 60 cm Büche Katharina (*1963 Karlsruhe, DE) Neugierig, 2005, Fell, Gummi, Höhe 72 cm Langhals, 2003, Plastik, Nerz, Kaninchenfell, 32 x 21 x16 cm Chiara Raffaella (*1966 Langnau i.E., CH) Komplexer Plan 1, 2006, Bleistift und Aquarell auf Papier, 142 x 98 cm Com&Com (Marcus Gossolt *1969 St. Gallen, CH /Johannes M. Hedinger *1971 St. Gallen, CH) C-Files: Tell Saga, Landscape III / See, 1999, Fotografie, Edition 2/3, 133 x180 cm Mocmoc, 2004, Farbfotografie hinter Glas, Auflage 40, Ø 55 cm The Big One #002, 2007, Acryl auf Leinwand, 126 x 224 cm Clouds – Nr. 1 (Oberschan), 2011, Airbrush auf Leinwand, 190 x 340 cm Degas Edgar (*1843 Paris; †1917 Paris, FR) La Famille en Promenade, um 1880, Monotypie in schwarzer Oelfarbe, 15.9 x 21.3 cm Denzler Christian (*1966 Winterthur, CH) o.T., 2002, Oel auf Leinwand, 37 x 30 cm Ohne Titel, 2006, Bleistift auf Papier, 120 x 80 cm Dong Quynh (*1982 Hai Phong, VN) o.T., 2009, Aquarell auf Papier, 65 x 50 cm Egger Heinz (*1937 Aarwangen, CH) Zyklus, Geschichten /Journale, 2002/2004, Nrn.10, 20, 21, Dispersion / Oel auf Holz, je 30 x 23 cm Ohne Titel, 2010, Oel auf Leinwand, 50 x 46 cm Francis Sam (*1923 San Matea, † 1994 Santa Monica, USA) Ohne Titel, 1965, Acryl auf Papier, 33.7 x 25 cm Ohne Titel, um 1975, Acryl auf Papier, 36 x 51 cm

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Gähler Marcel (*1969 Zürich, CH) Ohne Titel, 2003, Oel auf Holz, 20 x 26 cm Ohne Titel, 2009, Aquarell auf Papier, 154 x 204 cm


Gerber Gaylen und Grabner Michelle (*1955 McAllen, USA / *1962 Oshkosh, USA) Support/Daisy Pattern, 1999, Oel, Lack und Flaum auf Leinwand, 96.5 x 96.5 cm Giacometti Alberto (1901 Borgonovo; † 1966 Chur, CH) Figurine, 1953, Oel auf Leinwand, 27.4 x 22.2 cm Nu d’après nature (Annette), 1953/55, Bronze, Höhe 53 cm L’Avenue, 1956, Feder in brauner Tinte auf Papier, 36.5 x 25 cm Giacometti Diego (*1902 Borgonovo; † 1985 Paris, FR) Gueridon-arbre et l’oiseau, um 1980, Bronze, Höhe 62.2 cm, 70.5 x 37.5 cm Grosse Katharina (*1961 Freiburg im Breisgau, DE) Ohne Titel, 2004, Acryl auf Leinwand, 200 x 290 cm Ohne Titel, 2007, Acryl auf Papier, 100 x 70.7 cm Grzeszykowska Aneta (*1974 Warschau, PL) Siblings with Wool Doll, 2009, Wolle, Holzkonstruktion, Holzwolle, 117 x107 x 25 cm Häusermann Inga (*1971 Langenthal, CH) o.T., 2004, Tusche auf Papier, 24 x 33 cm Havekost Eberhard (*1967 Dresden, DE) Untitled, WD98, 1998, Oel auf Leinwand, 30 x 40 cm SLS (1/3), DD99, 1999, Oel auf Leinwand, 40 x 30 cm Faltung (Art Fair Picture 4), B08, 2008, Oel auf Leinwand, 90 x 60 cm Afrika, B08, 2008, Oel auf Leinwand, 150 x100 cm Jaar Alfredo (*1956 Santiago de Chile, CL) Walking, 2003, Leuchtkasten mit farbigem Diapositiv, 90 x 59 cm Katz Alex (*1927 Brooklyn, USA) Maria, 1994, Oel auf Hartfaserplatte, 30 x 40.2 cm January 1:30 pm, 1996, Oel auf Hartfaserplatte, 23 x 30.3 cm Lincolnsville, 2002, Oel auf Hartfaserplatte, 23 x 30 cm Kawara On (*1933 Aichi-Ken, JP) Friday, 1977, aus «Today Series» No.35, 23.12.1977, Acryl auf Leinwand, 33.5 x 44 cm Kirchner Ernst Ludwig (*1880 Aschaffenburg, D; † 1938 Davos Frauenkirch, CH) Boot auf den Moritzburger Teichen an waldigem Ufer mit einem Paar, 1905/06, Fettkreide auf Papier, 37.7 x 27.9 cm Koether Jutta (*1958 Köln, DE) Ohne Titel, 2006, Verschiedene Materialien, liquid glass auf Leinwand, 50 x 40 cm Leibundgut Reto (*1966 Büren zum Hof, CH) Jungfrau XVII, 2010, Kunstharzfarbe auf Holz, 45 x 50.5 cm Liddell Siobhan (*1965 Worksop, GB) Not True Solids, 1998, zweiteilige Arbeit, Glas, je ca. 30 x14 x13 cm

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Lieber Axel (*1960 Düsseldorf, DE) Short Cuts (Spiegel), 2007, Möbelfragmente, Holz, Spiegel, 37 x17 x 2.5 cm Short Cuts (Kommode), 2007, Möbelfragmente, Holz, Filz, 69.5 x15.5 x15.5 cm Short Cuts (Stuhl), 2009, Möbelfragmente, Filz, Bast, 48.5 x14 x 22 cm Loux Andrea (*1969 Bern, CH) Nährboden, 2005, Mischtechnik, 21 x 29.7 cm Sie wartet hinter dem Perlenvorhang, 2005, Mischtechnik, 29.5 x 34 cm Lüscher Marius (*1974 Zürich, CH) o.T., 2011, Acryl auf Leinwand, 135 x100 cm Mansfield Andrew (*1953 Leicester, GB) Untitled #252, 1998, Oel auf Leinwand, 56 x 40.5 cm Mbiti Anna-Kavata (*1976 Nyon, CH) Füsse, 2001, aus «make your own history», Kastanienholz, 20 x 42 x15 cm, 17 x 40 x18 cm Moilliet Louis (*1880 Bern; † 1962 Vevey, CH) Komposition mit Pfahl und Mauer, 1916, Aquarell über Bleistift auf Papier, 23.8 x 31.4 cm Tunesisches Interieur I, 1928, Aquarell über Bleistift auf Papier, 19 x 42.5 cm Morris Richard Allen (*1933 Long Beach, USA) Cover Up, 1993, Acryl auf Holz, 10.2 x17.1 x 3 cm China Town, 2005, Acryl auf Leinwand, 30.5 x 23 cm Morrison Paul (*1966 Liverpool, GB) Samara, 2010, Blattgold (24 Karat) und Acryl auf Leinwand, 72 x 54 x 4 cm Nitsche Frank (*1964 Görlitz, DE) FIT-13-2007, 2007, Oel auf Leinwand, 53 x 38 cm Oeghoede Dirk (*1944 Ansoes, ID) Whisper, 2006, Oel auf Leinwand, 50 x 40 cm Opie Julian (*1958 London, GB) Bernadette Nr. 1, Student, 1999, Inkjet auf Papier, auf Holz aufgezogen, 86 x 75 cm Christine, girl friend (shirt, jeans, trainers), 1999, Inkjet on foamex, Höhe 175 cm, 52 x 30 cm Christine, gallery director (back), 2000, C-Print auf Papier, auf Holz aufgezogen, 35 x 29.5 cm I think..., 2002, C-Print auf Holz, 90 x120 cm Perret Mai-Thu (*1976 Genf, CH) Head, 2004, Kerze aus Wachs, Edition 1/3, 28 x11 x12 cm Ohne Titel, 2009, Acryl-Gouache auf Sperrholz, 24.7 x19.7 cm Ohne Titel, 2009, Acryl-Gouache und Acryl auf Sperrholz, 29.8 x 29.8 cm La Fée électriciteé (Small Yellow Sign), 2006, Neon, Edition 1/3 +1AP, 35 x 60 cm Picasso Pablo (*1881 Málaga, ES; † 1973 Mougins, FR) Marie-Thérèse, en Vestale, veillant le Minoteur Endormi, 1933, Blatt 86 aus «La Suite Vollard», Radierung auf Pergament, Expl. 1/3, 36 x 44 cm; 19.4 x 26.8 cm

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Požárek Václav (*1940 Ceské Budejovice, CZ) Fassade, 1998, Bleistift und Deckweiss auf Papier, 99.8 x 69.7 cm What you see is more, 2007, Buchdruck auf Papier, 70 x 50 cm; 50 x 25 cm Raetz Markus (*1941 Büren an der Aare, CH) Nach Georges de la Tour, 1971, Aquarell in Bister auf Velinpapier, 17 x 24 cm Profil, 1974, Spiegel, blauer und goldener Glimmer auf Spiegelglas, 180 x 73 cm Picasso, 1977, Acryl, Leim mit Pigment und Tuschlasur auf Karton, 110 x 25.5 cm o.T. (gehen), 1978, zweiteilige Arbeit, Spray auf Leinwand, 76 x 85 cm; Fähnchen 27 x17.5 cm, Stiel 81 cm Reist Kotscha (*1963 Bern, CH) Die Beobachtung, 2002, Oel auf Leinwand, 30 x 40 cm Ohne Titel (Zweig), 2000, Aquarell auf Papier, 43.5 x 35.5 cm Rockenschaub Gerwald (*1952 Linz, AT) Ohne Titel (Plexiglasstab), 2006, Plexiglas rundiert, Höhe 200 cm, Ø 2 cm Sander Karin (*1957 Bensberg, DE) Marina Abramovic´ 1:7,7…, 2002, 3D-Bodyscan der lebenden Person, Rapid Prototyping, Acryl Butadien Styrol, ABS Kunststoff weiss, Höhe 23 cm Taron 1:5, 2008, 3D-Bodyscan der lebenden Person, Inkjetprint, Gips, Pigment, Höhe 24.5 cm Schnider Albrecht (*1958 Luzern, CH) Ohne Titel, 2001, Oel auf Leinwand, 168 x118.5 cm Ohne Titel, 2002, Lackfarbe auf Leinwand, 65 x 46 cm Ohne Titel (Spiegel), 2005, Lackfarbe auf Leinwand, 90 x 63.5 cm Ohne Titel, 2005, Acryllack auf Leinwand, 40 x 30 cm o.T., 2006, Acryl auf Leinwand, 40 x 30 cm o.T., 2006, Acryl auf Leinwand, 40 x 30 cm Untitled, 2006, Acryl auf Leinwand, 40 x 30 cm Untitled 2008, Acryl auf Leinwand, 60 x 40 cm Porträt (Gold), 2008, Acryl auf Leinwand, 140 x100 cm Landschaft, 2010, Oel auf Leinwand, 16.5 x 33 cm Landschaft, 2010, Oel auf Leinwand, 16.5 x 33 cm Schubiger Irene (*1948 Näfels, CH) Ohne Titel, 2003, Pigmentfarben, veralumisierter Kelco auf Gips, 18 x 33 x 3.5 cm Ohne Titel, 2003, Pigmentfarben, veraluminisierter Kelco auf Holz, 25.5 x 30 x 2 cm Schwander Markus (*1960 Reussbühl, CH) Untitled, chewed, 2002, Kunststoffguss, Hochglanzlack, 65 x 60 x 27 cm Shahbazi Shirana (*1974 Teheran, IR) o.T. [Farsh-01-2004], 2003, Teppich, handgeknüpft, Korkwolle auf Seide, Edition 3/3 + 1AP, 70 x 50 cm Smith Kiki (*1954 Nürnberg, DE) Sitting and Thinking, 2005, Porzellan, Edition 3/13, Höhe 22 cm, 15 x17 cm Sone Yutaka (*1965 Shizuoka, JP) Medium Crystal Snowflake, 2006, Glas, 10 x18 x18 cm

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Spoerri Daniel (*1930 Galati, RO) La Tazza – Die Tasse, 1991, Bronze, dreiteilig, Höhe 71 cm, Ø 104 cm Stauch Dominik (*1962 London, GB) 4 Chairs for a Requiem, 2005, Mixed Media Installation, 4 beschriftete Stühle (Unikat), Video «Requiem» (Edition 1/6), Masse variabel Steinmann George (*1950 Bern, CH) Ohne Titel, 1995–97, Quellsubstanz auf Papier, 21x 29.8 cm Polaritäre Landschaft, 1997, Heidelbeersaft, Farnsaft, Bleistift auf Papier, 64.5 x 94 cm Uglow Alan (*1941 Luton, GB; † 2011 Manhattan, USA) Hotel Facture #2, 1999, Acryl auf Leinwand, 51 x 40.5 cm Upton Park, 1999, Acryl auf Leinwand, 50 x 45 cm Umberg Günter (*1942 Bonn, DE) Ohne Titel, 1995, Polimer, Pigment und Dammar auf Holz, 37 x 33.5 cm Vonmoos Maya (*1953 Chur, CH) I’m so innocent, 2004, Rapid Prototyping, kunstharzinfiltrierte Cellulose, Expl. 2/5, 20 x 32 x 18 cm Weiss Erich (*1966 Waregem, BE) NEUTRA, 2009, Film, 08:16 Minuten, Assistenz: Dmitri Makhomet, Anna Katharina Scheidegger Soundtrack: Kris Be; Produktion: Be-Part, Waregem (Belgien), Le Fresnoy / Studio national des arts contemporains, Tourcoing (France), Région Nord-Pas des Calais / Aide à la création Wittwer Uwe (*1954 Zürich, CH) Stilleben, 2000, Oel auf Leinwand, 46 x 40 cm Zaugg Rémy (*1943 Courgenay; † 2005 Basel, CH) Ich/Das Bild/Ich Höre /Dir Zu, 2001, Autolack auf Aluminium, 112.7 x100.6 x 3 cm Zieger Brigitte (*1959) Blast 2, 2006, Lidschatten auf Papier, 156 x150 cm Weibliches Idol mit verschränkten Armen Herkunft unbekannt, Frühkykladisch II. – Chalandriani-Art, Marmor, Höhe 28.1 cm

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Impressum Die bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliografie ist über www.d-nb.de abrufbar. © 2012, Marlies Kornfeld, Bern und Stiftung Kunsthaus Grenchen Herausgeber Verlag Konzeption des Katalogs Texte Lektorat Gestaltung Fotografie Lithografie Gesamtherstellung Auflage Umschlagbild

Marlies Kornfeld, Bern und Stiftung Kunsthaus Grenchen Stämpfli Verlag AG, Bern, www.staempfliverlag.com Marlies Kornfeld, Eva Inversini, Christoph Rölli Marlies Kornfeld, Eva Inversini, Kathleen Bühler, Konrad Tobler Benita Schnidrig, Stämpfli Verlag AG, Bern Christoph Rölli und Chantal Brülhart, c&h konzepte werbeagentur ag, Solothurn Dominique Uldry, Bern Fotoatelier Spring, Oberburg Stämpfli Verlag AG, Bern 700 Ex. Com&Com (Marcus Gossolt/Johannes M. Hedinger), The Big One #002, 2007, Acryl auf Leinwand, 126 x 224 cm

Die Publikation erscheint anlässlich der Ausstellung «Dancing Towards the Essence | Kunst sammeln – Aspekte der Selbstreflexion» im Kunsthaus Grenchen, 13. Mai bis 22. Juli 2012. Künstlerische Leitung Kunsthaus Grenchen Administrative Leitung Kunsthaus Grenchen Konzeption der Ausstellung Ausstellungstechnik Wissenschaftliche Assistenz

Eva Inversini Daniela von Büren Marlies Kornfeld und Eva Inversini Marco Eberle, Jürg Ottiger und Simon Stalder Isabelle Zürcher

Marlies Kornfeld und die Stiftung Kunsthaus Grenchen danken Galerie Bernhard Bischoff & Partner, Bern | Peter Stämpfli, Stämpfli Verlag AG, Bern | Freunde des Kunsthauses Grenchen |

ISBN 978-3-7272-1357-1 Printed in Switzerland © 2012, die AutorInnen, für die Texte © 2012, die KünstlerInnen, Fotografen und Marlies Kornfeld, für die Abbildungen © 2012, die KünstlerInnen und deren Rechtsinhaber bzw. -nachfolger, für die Werke © 2012, für die Werke von: Elsbeth Böniger, Raffaella Chiara, Com&Com, Quynh Dong, Andrea Loux, Kotscha Reist, Dominik Stauch, courtesy Galerie Bernhard Bischoff & Partner, Bern | Herbert Brandl und Aneta Grzeszykowska, courtesy Galerie nächst St. Stephan, Wien | Christian Denzler und Inga Häusermann, courtesy Galerie Krethlow, Bern | Gaylen Gerber und Michelle Grabner, courtesy Galerie Susanna Kulli, Zürich | Jutta Koether und Mai-Thu Perret, courtesy Galerie Francesca Pia, Zürich | On Kawara, courtesy Gallery David Zwirner, New York | Anna-Kavata Mbiti, courtesy Galerie Haldemann, Spiegel b. Bern | Richard Allen Morris, courtesy Gallery Peter Blum, New York | Andrew Mansfield, courtesy Anthony Reynolds Gallery, London | Paul Morrison, courtesy Galerie Bob van Orsouw, Zürich | Frank Nitsche und Eberhard Havekost, courtesy Galerie Gebr. Lehmann, Berlin/Dresden | Dirk Oeghoede, courtesy Galerie Beeld & Aambeeld, Enschede | Václav Požárek und Irene Schubiger, courtesy Galerie annex14, Bern | Alan Uglow, courtesy Galerie Nordenhake, Berlin © 2012, ProLitteris, Zurich, für die Werke von: Constantin Brancusi, Sam Francis, Alberto Giacometti, Katharina Grosse, Alex Katz, Axel Lieber, Louis Moilliet, Julian Opie, Pablo Picasso, Markus Raetz, Karin Sander Wir haben uns grösste Mühe gegeben, jegliche Rechte abzuklären. Trotz ausführlicher Recherchen konnten jedoch nicht alle Rechteinhaber ermittelt werden. Wir bitten gegebenenfalls um Kontaktaufnahme mit Marlies Kornfeld oder der Stiftung Kunsthaus Grenchen.


Dancing towards the Essence

Dancing towards the Essence

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St채mpfli

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