Page 1

N

E

U

E

S

Ü

B

E

R

D

E

N

W

E

L T

J

U

G

E

N

D

T

A

G

„Beim Weltjugendtag wurde ich vom Herrn sehr berührt und bestärkt während der Anbetung in der Vigil.“ Bruder Paul, 30 Eindrücke vom WJT-Nachtreffen 10 I

N F O R M A T I O N S S C H R I F T

Zeugnis eines Benediktiners D E

R

A R G E

W J T

|

12

5 Fragen an Ivan Beeler

A U S G A B E

1 0

|

D E Z E M B E

2 R

2 0 1 3

Ein Rückblick auf den brasilianischen Sommer Der Weltjugendtag in Brasilien war die erste Auslandreise von Papst Franziskus und versammelte 3,5 Millionen junge Menschen aus aller Welt. In dieser Ausgabe des Tagblattes geben wir einige Eindrücke von der Pilgerreise und mehr...

Fotos: Michael Fent und Gregor Hofer

Im kleinen und armen Hafenstädtchen Obidos wurden die Schweizer sehr herzlich empfangen. In einer Prozession wurden das WJT-Kreuz und die Marien-Ikone singend durch die Strassen getragen.

Rund 200 junge Menschen aus der Deutschschweiz pilgerten mit der ARGE Weltjugendtag nach Brasilien. In der ersten Woche lernte man Land und Leute im Amazonasgebiet kennen. „Mir hat die super Stimmung, die es in jedem Gottesdienst in Brasilien hatte, am besten gefallen.“ (Stefan) In Obidos, einer kleinen Stadt am Amazonas, verbrachte man einen ganzen Tag mit brasilianischen Jugendlichen. „Mir hat die Schifffahrt auf dem Amazonas inklusive dem tollen Empfang in Obidos am besten gefallen und mich am meisten berührt, aber auch die Gastfreundschaft bei der Gastfamilie in Fortaleza.“ (Franziska) Fortaleza, eine Stadt an der Küste, war für die Schweizer der Ort der MissionaryWeek, welche zu jedem WJT dazugehört. In verschiedenen Diözesen Brasi-

liens leisteten während dieser Woche Jugendliche aus aller Welt auch Sozialeinsätze. „Geht hin und macht zu Jüngern alle Völker!“ (Mt 28,19) war das Motto des diesjährigen WJTs. Damit setzten sich die Jugendlichen vom 22. bis 28. Juli in Rio intensiv auseinander. Vormittags erteilten jeweils Bischöfe aus aller Welt Katechesen für ihre Landsleute, nachmittags fanden Konzerte, Workshops sowie Musicals und abends an der Copacabana gemeinsame Events mit Papst Franziskus statt. Das Highlight an jedem WJT ist die Abschlussmesse am Sonntag. „Was mich am WJT am meisten beeindruckt hat, war, als wir in einer kleinen Gruppe bei der Abschlussmesse an der Copacabana mit-

ten unter all diesen Millionen von Menschen sassen. Der Gedanke, dass diese Masse von Leuten gekommen war, um den Glauben zu feiern, der hier bei uns als veraltet gilt, hat mich am meisten berührt. Diese Erkenntnis, dass die Kirche jung ist, und dass man nicht alleine ist mit seinem Glauben.“ (Noemi) Mit den Worten „Geht ohne Furcht, um zu dienen!“ verabschiedete sich Papst Franziskus von den über drei Millionen jungen Menschen aus allen Kontinenten, die eine ganze Woche unter nicht immer einfachen Bedingungen, jedoch stets in friedlicher Stimmung Jesus nachgefolgt sind. Beeindruckend! Alfred Perner

Impressionen aus Brasilien

3–8


5 Fragen an... Ivan Beeler (24) aus Steinen SZ Bäcker-Konditor und Student OK-Präsident 2014 in Schwyz An welchen Weltjugendtagen warst du schon dabei? Ich nahm an den Deutschschweizer Treffen in Zug, Grenchen, Gossau, Brig, Muri und Basel teil. An den internationalen Weltjugendtagen in Madrid und Rio de Janeiro war ich ebenfalls mit dabei. Welcher Weltjugendtag hat dir am besten gefallen? Es gibt zwei, drei Weltjugendtage, die für mich sehr wichtig waren. Damals in Zug war ich hin und weg von der grossen Menge Jugendlichen, die wie ich auf dem Weg des Glaubens sind. Auch habe ich damals in der Vigil zum ersten Mal die Tiefe des Glaubens spüren dürfen. Auch der Weltjugendtag in Brig war für mich ein echter Höhepunkt. Der beste Weltjugendtag war für mich aber Madrid. In Madrid habe ich das erste Mal wirklich verstanden, dass wir Teil einer riesigen, dynamischen Weltkirche sind. Kannst du uns von einer speziellen Weltjugendtagsbegegnung erzählen? Die Fahrten in der Metro von Madrid waren jeweils genial. Dicht gedrängt, aber mit einer übersprudelnden Freude am Glauben in den Herzen, war die Metro der Treffpunkt der Jugendlichen aus der ganzen Welt. Nicht selten wurde gemeinsam gesungen und getanzt. Es war auch interessant zu beobachten, wie die Madrider Bevölkerung zu Beginn noch etwas skeptisch gegenüber den vielen verrückten Jugendlichen war. Gegen Ende Woche brach aber das Eis. Die Anzahl der lächelnden, glücklichen Gesichter der Madrider in der U-Bahn und auf den Treppen nahm massiv zu. Was bedeutet dir der Weltjugendtag? Sehr viel, ansonsten hätte ich mich nicht dazu entschieden im OK mitzuwirken. Der Weltjugendtag war und ist für mich jener Ort, an dem wir Jugendliche wahrnehmen, dass der Glaube auch für uns sehr zentral ist und die Antworten auf unsere Fragen bereithält. Es tut auch gut zu sehen, dass man nicht alleine auf diesem Weg ist, sondern Teil einer fantastischen Kirche. Was möchtest du den jungen Menschen von heute mit auf den Weg geben? Jeder von uns wurde reich mit Talenten und Fähigkeiten beschenkt. Wir sollten sie ausbauen und im Vertrauen auf Gott nutzen, um Zeugnis für unseren Glauben zu geben. Er lässt uns dabei nie im Stich.

„Ich fühle mich hier zuhause...“ Ivan schreibt von seinen Eindrücken vom Weltjugendtag in Rio. Umringt von über drei Millionen Jugendlichen, jungen Erwachsenen, Priestern und Ordensleuten liege ich im Schlafsack und schaue auf zum klaren Sternenhimmel. Aus der Ferne höre ich schnelle Trommelschläge, begleitet von Gitarren und dem freudigen Singen einiger dutzender Jugendlicher. Sie verbringen diese Vigil-Nacht lieber mit frohem Lobpreis statt mit Schlaf. Von der anderen Seite des riesigen Copacabana Strandes ist das Rauschen des Meeres zu hören. Umgeben von dieser friedlichen Menge, unter der alle Hautfarben und nahezu alle Sprachen vertreten sind, fühle ich mich geborgen und zuhause. Der gemeinsame Glaube scheint uns alle auf dasselbe Fundament zu stellen und zu verbinden. In Gedanken gehe ich die vergangenen Tage dieses intensiven Weltjugendtages durch. Am Sonntag vor knapp einer Woche wurden wir Schweizer, welche nicht an den Vorreisen teilgenommen haben, herzlich von den freiwilligen, brasilianischen Helfern empfangen. Unsere bescheidene Behausung, eine ältere Primarschule, lag ca. 1,5 Stunden ausserhalb des Stadtkernes von Rio de Janeiro. Noch am selben Tag machten wir uns zusammen mit vier Voluntarios (Helfern) auf an den berühmten Copacabana-Strand. Die holprige Reise wurde genutzt, um möglichst viel von dem jeweils anderen Land zu erfahren. Gestaunt haben wir Schweizer über die Dimensionen der Strände von Rio de Janeiro. Dementsprechend ausgiebig genossen wir das Bad in den hohen Wellen des Atlantiks. Nach dem Willkommensgottesdienst in der Pfarrei St. Markus wurden wir von den jungen Voluntarios zum gemütlichen Abend mit Nachtessen und verschiedenen Spielen ein-

geladen. Am Montag reiste der Grossteil der Schweizergruppe auf den Zuckerhut sowie auf den Corcovado. Die mystisch in Wolken eingehüllte Christusstatue war eindrücklich anzuschauen, der an diesem Abend einsetzende Regen und die nasse Kälte zogen sich dann über einige Tage hinweg. Der Kälte und Nässe trotzend sangen und schaukelten wir während der Anstehzeit zusammen mit einer Gruppe aus Perth (Australien) die verschiedensten Lieder. Diese den widrigen Umständen trotzende Freude zog sich auch durch die anschliessenden Tage. Herrlich war es jeweils Papst Franziskus zuzuhören und zu schauen, seine Authentizität und Freude begeisterte einfach jeden. Als dann die hier am Strand versammelten fröhlich ausgelassenen Millionen Menschen während der Anbetung für dutzende Minuten schweigend im Gebet verharrten, verstand ich, dass der Papst zurecht viel Hoffnung in uns Jugendliche setzt. Erfüllt von all diesen Erfahrungen, geschlossenen Freundschaften und gestärkt im Glauben freue ich mich auf den morgigen Abschlussgottesdienst. Ich schliesse die Augen und schlafe nach einem kurzen Gebet des Dankes auf dem weichen Sand ein. Ivan Beeler


3

Wo Gott ist, ist ein Weg Thomas, 20, war zum ersten Mal bei einem internationalen Weltjugendtag dabei. Seine Perspektive ist die aus dem Rollstuhl. Zum ersten Mal fliegen, dann mitten in einer Massenveranstaltung und zum Teil unter widerliche Bedingungen. Sein Erfahrungsbericht. Die Vorbereitungen für die Reise nach Brasilien starteten für mich schon einige Monate vor dem Abflug. Nebst dem, was jeder für eine Auslandreise unternehmen muss, kaufte ich unter anderem ein Reparaturset und eine Handpumpe, organisierte Ersatzpneus für den Rollstuhl und den SwissTrac (Zugfahrzeug für den Rollstuhl) und erkundigte mich über die Auflademöglichkeiten der Batterien. Da Brasilien sowohl 110 als auch 220 VoltAnschlüsse hat und diese je nach Region unterschiedlich sind, entschloss ich mich, einen Spannungswandler mitzunehmen, der 110 Volt auf 220 erhöht. Dann, endlich, reisten wir nach Rio de Janeiro zum Haupttreffen. Völlig unkompliziert gaben wir in Zürich das Gepäck auf (inkl. Rollstuhl und SwissTrac). In Rio dann, während der Hauptwoche schliefen wir in einem Schulhaus. Glücklicherweise hatte dieses ein rollstuhlgängiges Zimmerchen, in welchem wir zu viert auf dem Boden schlafen konnten. Dusche und WC waren im Erdgeschoss. Meistens wurden die Katechesen und Gottesdienste in der nahe gelegenen Kirche abgehalten. Die eher neue und moderne Kirche in Barra Sul war rollstuhlgängig. Um in das Zentrum der Stadt zu gelangen, fuhr man meist bis zu einer Stunde. Die Busse waren zwar mit einem Hebelift für Rollstühle ausgestattet. Da die Chauffeure jedoch nicht immer motiviert oder in der Lage waren, den Lift zu bedienen, wurde ich, der Rollstuhl und der SwissTrac meistens von Hand hochgetragen.

Fotos: Michael Fent und Martin Iten

Die Eröffnungsfeier, der Kreuzweg, die Vigil und die Abschlussmesse waren jeweils an der Copacabana. Besonders eindrücklich war es, als der Papst an der Eröffnungsmesse die Eucharistie hielt. Alle Jugendlichen knieten am Boden und es war mäuschenstill. An diesem Abend war ich mitten unter den Jugendlichen, was mich besonders berührte und zeigte, dass wir eine riesige Familie sind! Total friedlich und ohne Gedränge verteilte sich die Menschenmasse am Strand. An einem Nachmittag wollten wir von der Copacabana aus die Metro nehmen, um zurück zum Zentrum zu gelangen. Leider war der Personenlift der Metrostation defekt. Ein Kollege fragte spontan die in einem Auto sitzende Spezialeinheit des Militärs, ob sie mich nach unten tragen können. Und tatsächlich, gepanzert mit Knie-, Ellbogen und Brustschützen

trugen sie mich die lange Treppe hinunter. Auch hier merkte ich, wie hilfsbereit das brasilianische Volk ist. Bei der Abschlussmesse hatte ich als Rollstuhlfahrer die Möglichkeit, ziemlich weit vorne einen Platz zu bekommen. So feierte ich die Abschlussmesse mit einer Distanz von nur ca. 100 Metern zum Papst. Dadurch habe ich zwar weniger von der „Atmosphäre“ gespürt, da wir von den anderen Jugendlichen abgetrennt waren, konnte aber der Messe besser folgen. Der Papst bat uns, keine Teilzeitchristen zu sein und ermutigte uns, manchmal auch gegen den Strom zu schwimmen und Neues zu wagen. Seine Worte waren sehr deutlich und klar. Die Nachreise führte uns zuerst in das Dörfchen Paraty direkt ans Meer. Die Strasse durch das Dorf war mit dem Rollstuhl der reinste Horror. Runde Natursteine waren dort aneinander gelegt, es schüttelte und rüttelte grausam. Nach zwei Nächten in Paraty fuhren wir weiter nach Guaratinguetá, wo wir die Fazenda da Esperança besuchten. Am darauffolgenden Tag erwartete uns eine 10 km lange Pilgerwanderung nach Aparecida zum grössten Marienwallfahrtsort Südamerikas. Der Weg war mit dem SwissTrac knapp zu meistern. Ganz selten musste auf einigen Metern nachgeholfen werden. Die Reise führte uns anschliessend mit dem Flugzeug von Sao Paolo nach Salvador da Bahia. In Sao Paolo gab es Probleme mit dem SwissTrac. Die Fluggesellschaft wollte diesen

nicht transportieren, da die Batterien Flüssigkeiten enthalten. Nach längeren Diskussionen und Überzeugungsarbeit konnten wir das Gerät trotzdem mitnehmen. Die Pluspole der Batterie mussten jedoch separat abgeschlossen werden. Auch auf der Rückreise gab es wieder Diskussionen wegen den Batterien des SwissTracs. Nach diversen Gutachten und Überzeugungsarbeit wurde die Zugmaschine verladen. Anschliessend flogen wir nach Rio de Janeiro und von dort nach London. Da der Treppenlift im Flughafen Rio nur durch das Personal bedient werden konnte und niemand in der Nähe war, wollten wir die Rolltreppe nehmen. Diese blockierte jedoch sofort (passierte auch in Einkaufszentren). Zurück in Zürich wurde uns dann erklärt, dass sie keinen Rollstuhl an Bord gefunden hätten. Entsetzt bat ich die Dame, erneut zu suchen. Er müsse an Bord sein, denn in London fragten sie nach, ob dies meiner sei. Nach einer Weile fanden sie ihn in einer Kiste mitten im Gepäck. Gott sei Dank. Die Reise wurde mir vor allem durch meinen Bruder und zwei Kollegen ermöglicht, die vor langer Zeit sagten: „Ja, wir nehmen dich mit und tragen dich, wenn es nicht anders geht.“ Ich danke euch von ganzem Herzen für eure Hilfsbereitschaft in jeder Situation. Auch dem Organisationsteam und den Mitreisenden danke ich herzlich für die Unterstützung. Ohne euch wäre nichts gegangen. Danke! Thomas Huber


4

Brasilien im Sommer 2013 Einige ausgewählte Eindrücke von den Reisen zum Weltjugendtag in Brasilien – Vorreise und Missionary Week:

Insgesamt reisten 200 junge Menschen mit der ARGE Weltjugendtag nach Brasilien. Eine solche Reise ist auch immer eine grosse logistische Herausforderung. Wie bringt man so viele Menschen durch das tägliche Programm? Oftmals waren wir daher mit Bussen unterwegs. Ausser auf der Vorreise: da wars ein Schiff.

Von Manaus reisten wir mit dem eigenen Schiff zwei Tage lang auf dem Amazonas flussabwärts bis nach Santarem. Inklusive Messfeier auf offenem Deck.

In Manaus besuchten wir das weltberühmte Opernhaus. Etwas merkwürdig, ein solches koloniales Luxushaus mitten im Urwald. Aber auch interessant.

Auf unserer Schiffsreise machten wir Halt im Urwaldstädtchen Obidos. Diese ärmliche Stadt hat eine sehr lebendige katholische Kirche.

Nach zwei Tagen im Schiff auf dem riesigen Amazonas, liess uns die Schiffscrew in der Bucht von Alter do Chao wieder ans Festland, wo wir erstmal ein Bad im hier sauberen Amazonas-Wasser nahmen. Im Hintergrund sieht man unser Nussschalen-Schiff wieder davon fahren, wieder flussaufwärts, retour nach Manaus.

Das Schiff, das uns auf dem Amazonas beförderte war zwar klein, aber doch irgendwie gemütlich. Geschlafen wurde in Hängematten bei laut surrendem Schiffsmotor. Ein einmaliges Abenteuer! < In Obidos wurden wir von lokalen Jugendlichen sehr begeistert empfangen. Verschiedene Tanz- und Musikgruppen gaben ihr Bestes.


Aus 30 kreativen und total verschiedenen Workshops konnte man maximal 2 besuchen. Viele Jugendliche wurden selber aktiv und boten einen Workshop an. Zum Beispiel gab es welche zu den Themen: SozialeinSeite 5 satz, Ehe (Bild l.), Sport (Bild r.), Theologie, spirituelles Malen, Tanzen, Feuerwerk, Sexualität, Lobpreis...

Überall wurden wir sehr gastfreundlich empfangen. Besonders natürlich in Fortaleza, wo wir fünf Tage lang in Gastfamilien wohnen durften. Obrigado!

Zur Missionary Week in Fortaleza waren bereits mehrere hundert Jugendliche aus verschiedensten Ländern angereist. So gab es tolle Messen mit Jugendlichen aus Australien, Ungarn, Holland, Italien, Frankreich usw. Unsere Schweizer Gruppe war mit den 130 Personen die grösste Landesvertretung, was uns freute.

Fortaleza ist weltbekannt für kilometerlange Sandstrände und angenehme Temperaturen. Natürlich waren die Schweizer mehrmals dort anzutreffen.

Typisch für Weltjugendtage ist, dass die Jugendlichen die Möglichkeit haben, über das eigene Leben nachzudenken. Viele geistliche Gespräche fanden statt.

Zur Messe in der grossen Kathedrale von Fortaleza kamen tausende junger Menschen und feierten zusammen den Glauben. Gänsehaut pur!

In all den Tagen befassten wir uns mit Gottes Gegenwart. Besonders an den Stränden in Fortaleza ist es gewaltig, die Schöpfung Gottes zu bestaunen.

Fotos: Michael Fent, Nathan Schmid und Martin Iten

In Fortaleza liessen wir die ersten Tage ein bisschen die Seele baumeln und genossen das warme Wetter und die tolle Gemeinschaft. Kokosnüsse inklusive.

Das Festival Halleluya in Fortaleza versammelte jeweils über 300‘000 junge Menschen zu Konzerten, Gebetszeiten, Messen, Sport und Fun. Es war sehr eindrücklich zu sehen, wie die katholische Kirche in Brasilien die Jugendlichen anspricht und ernst nimmt. Die Glaubensfreude war sehr gross und ansteckend. Fortaleza gilt als Surferparadies. Junge brasilianische Katholiken gaben uns Surflektionen im Atlantik.


6

Die Hauptwoche in Rio und die Nachreise um Rio und in Salvador da Bahia waren echte Highlights. Hier nur einige wenige Impressionen davon:

Rio gilt als eine der gefährlichsten Städte der Welt. Während dem WJT sorgte die Armee für Sicherheit. Für mehr als Fotosujets brauchte es sie aber nicht.

Die ganze Woche in Rio erlebten wir kaltes und regnerisches Wetter. Erst zum Abschlusswochenende wurde es trocken und sogar die Sonne zeigte sich.

Die Jugendlichen versammelten sich jeweils zu den Abendveranstaltungen an der Copacabana. Der weltberühmte Sandstrand wurde diesmal nicht zum Sonnenbaden oder Fussballspielen gebraucht, sondern zum Beten, Knien, Tanzen und Singen. Mittels Videowalls und Lautsprechern konnte man dem Programm gut folgen.

< Papst Franziskus begeisterte auf seiner ersten Auslandsreise die jungen Menschen sehr. Er sprach sehr deutlich und forderte sie auf, Jesus Christus bis an die Ränder der Gesellschaft zu bringen.

An der Copacabana musste man kreativ sein, um eine gute Sicht auf die Menge und die „Papststrasse“ zu haben. Klettern war eine Möglichkeit.

Samstagabend, Dämmerung über der Copacabana. Zur Vigilmit Papst Franziskus haben sich über 3 Millionen Jugendliche versammelt. Einmalig!

Schweizer-Fahnen sind natürlich immer begehrte Fotosujets. Hier posen Schweizer mit Jugendlichen aus Brasilien. Auf den Strassen Rios war von morgens früh bis abends spät ein internationales Fest.


Seite 7 5

Auf der Nachreise besuchten wir die erste Fazenda da Esperança in Guarrantingueta. Hier leben Drogenabhängige und versuchen wieder ins Leben zu finden.

In Salvador da Bahia, einer afrikanisch geprägten Stadt, gibt es andere Schönheitsideale als bei uns. Bischof Marian mit einheimischen Trachtenfrauen.

Die ersten Tage auf der Nachreise verbrachten wir in Paraty, einem Kolonialstädtchen, das in einer ruhigen Meeresbucht liegt. Wunderbar zum Entspannen.

In einer Favela in Salvador besuchte eine Schweizer Delegation ein Haus für schwerstbehinderte Jugendliche. Sehr eindrücklich, wie fröhlich der Empfang war.

Seit 30 Jahren leben Mutter Teresa Schwestern in einer der ärmsten Favela Brasiliens, in Alagados. Papst Johannes Paul II. hat sie gebeten, dort den Menschen zu dienen. Dies tun sie durch selbstlose Hingabe an den Ärmsten unter den Armen; den Kindern und den verlassenen und bedrohten Müttern. Wir durften die Schwestern besuchen und mit den Kindern spielen. Der Besuch bei den Schwestern erweiterte uns Schweizern den Horizont und berührte uns sehr!

Auf einer kleinen Fusswallfahrt nach Aparecida, dem grössten Marienwallfahrtsort Südamerikas, brachten wir der Madonna unsere Anliegen und die Menschen, die wir in unseren Herzen mit uns trugen. > Ein grosser Dank gilt dem OK, das während fast zwei Jahren und vielen Stunden die Reisen ausdachte und organisierte. Der leere Stuhl steht für Jean-Marie, der das Backoffice in der Schweiz machte.

Wir besuchten die Favela Alagados in Salvador, wo tausende Menschen unter erbärmlichsten Umständen leben und die katholische Kirche grosse Arbeit leistet.

Fotos: Michael Fent und Nathan Schmid

Dank geschicktem Organisationstalent schafften es die Schweizer auch, die beiden Wahrzeichen von Rio, die Christusstatue und den Zuckerhut, zu besuchen. An beiden Orten ist zahlenmässig nur begrenzter Zugang. Bei so vielen PilgerInnen in der Stadt ein eher abenteuerliches Unterfangen, das allerdings glückte.


8

Das Reisetagebuch Martin Iten hat versucht die Ereignisse des Sommers in einem Tagebuch zusammenzutragen. Viel Spass! 8.7. – Abflug der zwei ersten Gruppen nach

Brasilien. Über London – bzw. Frankfurt – und Rio fliegen insgesamt 75 Jugendliche nach Manaus, mitten in den amazonischen Urwald. Eine lange Reise.

Santarem, wo wir im Priesterseminar übernachten dürfen. Nach einer sehr eindrücklichen Gebetszeit mit Zeugnis und Beichtmöglichkeit fallen wir todmüde in unsere Betten und Hängematten.

9.7. – Die London-Gruppe verpasst in Rio we-

13.7. – Bereits um 3.30 Uhr ist Tagwache,

gen einer verspäteten Landung den Anschluss und muss 24 Stunden in Rio auf den Weiterflug warten. In einem Hotel an der Copacabana lässt es sich gut warten. Die Frankfurt-Gruppe ist derweil in Manaus in der einfachen Unterkunft und versucht sich im tropischen Klima anklimatisieren.

10.7. – Mitten in der Nacht stossen nun

auch die Londoner zur Gruppe, sodass der Tag vollzählig mit einem gemeinsamen Morgenlob gestartet werden kann. Anschliessend fahren wir ins Stadtzentrum, besichtigen die Oper von Manaus und andere Sehenswürdigkeiten, bevor wir im geschäftigen Hafentreiben unser Boot besteigen, mit welchem wir am Nachmittag auf den Amazonas hinausfahren. Nach einem kurzen Regenschauer feiern wir auf offenem Deck mitten in der gewaltigen Flusslandschaft die Heilige Messe. Die Nacht verbringen wir in Hängematten dahinschaukelnd.

11.7. – In verschiedenen Austauschgruppen

unterhalten wir uns über unseren Glauben und fragen uns, was das WJT-Motto „Mission“ mit uns zu tun hat. Nach einem Wetterumschwung sind wir auf einmal mitten in einem Sturm und können den Amazonas nicht mehr überqueren, da die Wellen zu gross sind. Erst nach sehr welligen Minuten erreichen wir verspätet Obidos, eine kleine Hafenstadt, wo wir mit Feuerwerk und lauter Musik von der Bevölkerung sehr herzlich empfangen werden. In Obidos wirkt der deutsche Bischof Bernardo Bahlmann. Die Einheimischen bescheren uns wunderbare Stunden und zusammen feiern wir eine Messe. Gegen Mitternacht verlassen wir Obidos und fahren wieder hinaus auf den Amazonas.

12.7. – Mitten in der Nacht werden wir von

einer Sturmwarnung geweckt. Nach ein paar unruhigen Minuten können wir in den Hängematten aber weiterdösen. Gegen Mittag erreichen wir dann Alter do Chao, einen Hafen in einer Seitenbucht des Amazonas. Hier baden wir und treffen katholische Jugendliche. Am Nachmittag fahren wir mit einem Bus nach

weil wir auf den ersten Flieger von Santarem nach Fortaleza müssen. Alles klappt bestens und wir erreichen am Mittag unsere Unterkunft, ein Camp mitten in Fortaleza. Hier wartet eine 20-köpfige Schweizer Gruppe bereits auf uns, die direkt aus der Schweiz zu uns dazustösst. Mit den restlichen Schweizern gibt es ein Problem. 30 PilgerInnen sind in London hängengeblieben, weil auf dem Flughafen ein leerstehender Flieger gebrannt hat.

14.7. – Am heutigen Sonntag feiern wir zu-

sammen die Messe und machen am Nachmittag ein gemütliches Programm mit Workshops, Spielen und Diskussionsrunden. Da in London grosses Chaos herrscht, müssen unsere PilgerInnen unter schwierigen Umständen die Reise nach Brasilien selber organisieren. Am Abend feiern wir einen Adoray-Gebetsabend und denken besonders an unsere Freunde, die irgendwo zwischen London und Fortaleza verteilt unterwegs sind.

15.7. – In Fortaleza steht heute ein Strandtag

auf dem Programm. Dank guter Beziehungen können wir einen kilometerlangen Sandstrand praktisch für uns alleine geniessen. In der Zwischenzeit tröpfeln einzelne Gruppen aus London ein. Von einigen PilgerInnen fehlt allerdings das Gepäck. Nach bis zu 3-tägiger Odyssee können wir am späten Nachmittag die letzten SchweizerInnen in Fortaleza endlich begrüssen. Bei einem bunten Abend erzählen sie von ihren Reiseerlebnissen, die an einen Krimi erinnern.

16.7. – Untertags besuchen wir einen Erleb-

nispark etwas ausserhalb von Fortaleza. Neben Bogenschiessen, Adventure-Park und Paintball gibt es auch verschiedene andere Dinge, die man hier tun kann. Am Nachmittag fahren wir in die Stadt, machen eine kleine Besichtigungstour und nehmen am Abend an der grossen Eröffnungsmesse in der Kathedrale teil. Nach einer langen Prozession durch die Strassen von Fortaleza, werden wir Gastfamilien zugeteilt. Die Nacht verbringen wir in unterschiedlichen Gastfamilien, verteilt in ganz Fortaleza.

17.7. – Diesen Tag verbringen wir mit un-

serer Gastfamilie. Obwohl die Sprach- und Kulturbarrieren gross sind, entstehen Freundschaften. Am Abend feiern wir mit den anderen Jugendlichen, die mit uns auf dem Weg nach Rio sind, die grosse, internationale Eröffnungsmesse der Missionary Week. Anschliessend nehmen wir am ersten Abend des Festival Halleluya teil.

18.7. – Heute zeigen uns unsere brasilia-

nischen Gastgeber verschiedene Realitäten der kirchlichen Arbeit in Fortaleza. Einige nehmen an einem Evangelisationsprogramm teil. Am Abend sind wir wieder beim Festival Halleluya, zu welchem heute bereits über 200‘000 junge Menschen gekommen sind.

19.7. – Wir besuchen ein Haus, wo ehemals

drogenabhängige Burschen in einem Programm der Gemeinschaft Shalom wieder den Tritt im Leben finden. Am Abend feiern wir wieder mithunderttausenden jungen Menschen den Glauben beim Festival Halleluya.

20.7. – Heute dürfen wir noch einmal den

gewaltigen Strand von Fortaleza geniessen. Und am Abend sind wir zum letzten Mal Teil des Festival Halleluya, zu welchem heute über 300‘000 junge Menschen gekommen sind. Besonders eindrücklich ist das Konzert der österreichischen Band Cardiac Move.

21.7. – Auf drei Reisegruppen aufgeteilt, flie-

gen wir nach Rio de Janeiro. In Rio erwartet uns garstiges und kaltes Regenwetter, was nach den warmen Tagen in Fortaleza einem Kulturschock gleicht. Unsere Unterkunft in Rio ist eine sehr einfache Schule am einen Ende der Stadt, eine Stunde vom Zentrum entfernt. Die Schule ist mit kaltem Wasser und verstopften WCs ausgestattet. In den Schulzimmern richten wir es uns, so gut es geht, gemütlich ein. Eine kalte Nacht wartet auf uns.

22.7. – Dank gutem Organisationsgeschick

besuchen heute ein Grossteil der SchweizerInnen die Wahrzeichen von Rio: Cristo Redentor und den Zuckerhut. Da Rio ein spezielles öffentliches Verkehrsnetz hat, sind die letzten SchweizerInnen erst spät nach Mitternacht wieder in der Unterkunft. Inzwischen sind dafür auch die letzten Leute aus der Schweiz angekommen und die Gruppe umfasst nun 200 Personen! Eine weitere kalte Nacht auf den kalten Steinböden der Schule wartet auf uns.

23.7. – Heute ist Sightseeing in der Stadt angesagt. Viele Jugendliche verbringen den Tag aber auch in Einkaufszentren, weil es


9

dort warm ist und die Kleider trocknen können. Am Abend findet auf der Copacabana die Eröffnungsmesse des Weltjugendtages statt. OK-Mitglied Rafael ist einer der Hauptmoderatoren auf der Bühne.

24.7.– Am Morgen findet die erste Kate-

Jugendlichen in verschiedenen Gruppen wieder heim. 45 bleiben noch zur Nachreise, die mit einer mehrstündigen Busreise nach Paraty startet. In einem einfachen B&B wartet endlich wieder ein warmes Bett...

chese statt, zu welcher wir mühsam anreisen müssen. Weihbischof Lackner aus Graz (inzwischen Erzbischof von Salzburg) hält die Katechese, Weihbischof Schwaderlapp aus Köln predigt bei der Messe. Am Nachmittag und Abend gibt es Festivals in der Stadt.

30.7. – Im ehemaligen Kolonialstädtchen

25.7. – Für heute wurde unser Katechesen-

grosse Meeresbucht hinaus, baden im Atlantik und geniessen die wunderbare Landschaft. Am Abend feiern wir zusammen mit einheimischen Jugendlichen aus Paraty eine Messe.

ort umgeteilt und wir können am Programm in der Pfarrei, wo auch unsere Unterkunft liegt, teilnehmen. Weihbischof Neymeyr aus Mainz hält die Katechese. Am Abend nehmen wir an der Begrüssung von Papst Franziskus an der Copacabana teil. Der fröhliche Papst bringt ein wenig Sonne nach Rio, denn das Wetter ist eigentlich noch immer sehr trostlos und kalt.

26.7. – Das brasilianische Orgsanisationsta-

lent bringt es zu Stande, dass auch die heutige Katechese von Weihbischof Neymeyr gehalten wird. Er wurde an zwei Tagen unserer Gruppe zugeteilt. Auf der Copacabana findet ein eindrücklicher Kreuzweg statt.

27.7. – Nach dem Frühstück kommt uns der

Schweizer Jugendbischof Marian Eleganti besuchen. Zusammen mit allen SchweizerInnen feiern wir eine Messe, Bischof Marian predigt. Anschliessend fahren wir mit Bussen in die Stadt und laufen zu Fuss viele Kilometer im grossen Pilgerstrom auf das Abschlussgelände, das wegen den schlechten Wetterbedingungen kurzerhand wieder auf die Copacabana verlegt wurde. Am Abend an der grossen Vigilfeier sind wir Teil von über 3 Millionen Jugendlichen, die zusammen anbeten und feiern. Die Nacht verbringen wir im Sand der Copacabana und in einer nahegelegenen Schule.

28.7. – Zur grossen Abschlussmesse mit

Foto: Nathan Schmid

29.7. – Im Verlauf des Tages reisen 155 der

Papst Franziskus scheint nun endlich die wärmende Sonne. Es ist eindrücklich, wie friedlich und besinnlich die Stimmung ist, obwohl sich 3,5 Millionen Menschen am Strand befinden. Nach der Messe verbringen wir die letzte gemeinsame Zeit in Rio und geniessen die Sonne, die wir unter der Woche so sehr vermisst haben. Zurück in unserer Schule beenden wir den Tag mit einem gemeinsamen Gebetsabend und mit einem leckeren Abendessen. Die grosse Verabschiedung steht an, schon in der Nacht werden die ersten PilgerInnen abreisen, zurück in die Schweiz.

Paraty ist heute das grosse Ausschlafen angesagt. Einzig die Gebetszeiten zum Morgen und Abend und die Heilige Messe geben dem Tag eine Struktur.

31.7. – Mit einem Schiff fahren wir in die

1.8. – Am heutigen Nationalfeiertag verlas-

sen wir Paraty und fahren über Umwege in die hügligen Berge im Landesinneren. In Guarratingueta besuchen wir die erste Fazenda da Esperança und hören die Lebensgeschichten von ehemaligen Drogenabhängigen. In der klirrenden Abendkälte singen wir den Schweizerpsalm bei einem grossen Feuer. Ganz schweizerisch... :-)

2.8. – Heute pilgern wir zu Fuss nach Apare-

cida, dem grössten Marienwallfahrtsort Südamerikas. Hier steht eine der grössten Kirchen der Welt. Papst Franziskus hat wenige Tage zuvor Aparecida ebenfalls besucht. Am Abend, zurück auf der Fazenda in Guarratingueta, besuchen wir eine Aufführung vom Musical „Streetlight“, das von der bekannten Gruppe „Gen Rosso“ aufgeführt wird.

6.8. – Der heutige Tag ist ganz dem Thema

„Armut“ gewidmet. Nachdem wir uns am Morgen in Austauschgruppen mit der Theorie auseinandersetzen, fahren wir am Nachmittag mit einem Bus in die Favela Alagados, wo wir eine Pfarrei besuchen, die mitten im Armenviertel grossartige Arbeit leistet. Auch Mutter Teresa Schwestern wirken hier und geben uns einen Einblick in ihre extrem wertvolle Arbeit. Wir dürfen mit den Kindern spielen und ihnen Essen geben. Zusammen mit Jugendlichen der Pfarrei feiern wir eine Messe in der Pfarrkirche, die von Papst Johannes Paul II. geweiht wurde. Nach einem Austausch und vielen eindrücklichen Erlebnissen fahren wir zurück in unsere Unterkunft und sind tief berührt. Wir waren bei Armen und die haben uns so sehr beschenkt!

7.8. – Noch einmal geniessen wir das Meer

und verbringen den Tag am Strand mit Baden und Strandfussball. Ein Bunter Abend beschehrt viele Lacher und fröhliche Stunden.

8.8. – Nach dem letzten gemeinsamen Got-

tesdienst brechen wir auf und reisen in zwei verschiedenen Gruppen zurück über London/ Frankfurt in die Schweiz. Im Gepäck viele tolle Begegnungen und Erfahrungen!!! Muito obrigado Brasil!

9.8. – Am Nachmittag erreichen die letzten BrasilienpilgerInnen die Heimat. Jetzt sind wir wieder in der Schweiz. Schön war‘s!

Grosser Auftritt

3.8. – Mitten in der Nacht fahren wir mit dem

Bus nach Sao Paolo, von wo wir nach Salvador da Bahia fliegen. Dort beziehen wir unser Quartier, ein Exerzitienhaus mit eigenem Meerzugang. Nach anstrengender Reise ist heute früh Nachtruhe.

4.8. – Am heutigen Sonntag dürfen wir in der Kathedrale von Salvador, zusammen mit Erzbischof Murillo Krieger, dem Primas von Brasilien, eine Messe feiern. Anschliessend werden wir von der bekannten Samba-Band „Alto Luovor“ zu einem Konzert mit Tanz eingeladen. Am Abend feiern wir ein Adoray und hören das bewegende Lebenszeugnis von Bruder Andreas.

5.8. – Nach einer Stadtbesichtugung besu-

chen wir zum Nachtessen eine typisch brasilianische Churrascaria. Das ist ein Restaurant, wo man verschiedene einheimische Fleischspezialitäten probieren kann.

Die Abschlussmesse war für mich ein ganz spezieller Moment. Ich durfte die deutsche Fürbitte lesen. Es war schön und eine grosse Ehre, mit anderen Jugendlichen aus verschiedenen Ländern, dies zu tun. Während des Gottesdienstes ist meine anfängliche Nervosität fast verflogen und ich konnte die Messe richtig geniessen. Es war eine ganz spezielle Atmosphäre, so nah bei und mit dem Papst zu sein. Der Blick auf die Menschenmenge war natürlich super! Judith Locher (19)


10

Wiedersehen beim Nachtreffen Vom 1. bis 3. November, beim diesjährigen Adoray Festival in Zug, fand das offizielle Rio-Nachtreffen statt. Viele Brasilienpilger sahen sich wieder. Das Festival versammelte über 500 junge Menschen – es war wie ein kleiner WJT. Kurz vor dem Ende des Jahres des Glaubens fand das Adoray Festival unter dem Motto „Wer glaubt ist nie allein“, einem Zitat von Papst Benedikt XVI., statt. Drei Tage lang herrschte in Zug fast schon brasilianische Glaubensfreude. Natürlich wurden auch Lieder und Tänze, die im Sommer in Brasilien schon Hochsaison hatten, wieder zusammen gesungen und getanzt. „Viva Fortaleza!“ Im Nachmittagsprogramm gab es neben einem lustigen fotografischen und filmischen Rückblick auch einen Film zu sehen, in dem ein Impuls von Papst Franziskus aufgegriffen wurde, den dieser im Sommer auf seiner Reise nach Brasilien bei der Pressekonferenz im

Flieger gab. Dort sagte er sinngemäss, dass nicht nur die Jugendlichen die Zukunft der Kirche seien, sondern auch die Alten. Und dass die Jugendlichen wieder mehr auf die Alten hören sollten. Im Film sprachen dann verschiedene ältere Menschen zu den Jugendlichen, erzählten aus ihren Leben und berührten und ermutigten sie damit sehr. Das Adoray Festival ist das jährliche Treffen aller Adoray-Lobpreisabende, welche es inzwischen in bereits elf Schweizer Städten gibt. Diese Adorays sind stark von den Weltjugendtagen inspiriert und zum Teil auch ganz konkrete Früchte von ihnen. www.adoray.ch

Verschiedene Glaubenszeugnisse ermutigten die anwesenden Jugendlichen sehr. So auch die junge Mutter Priya, die von ihrem Weg mit Gott erzählte.

Mit Impulsen durch das Festival führten neben Pfarrer Ruedi Beck aus Basel auch verschiedene Jugendliche und junge Ordensleute. Es war interessant!

Jugendbischof Marian Eleganti predigte am Sonntag in der grossen Pfarreimesse von der dreifaltigen Liebe Gottes und deren Bedeutung für unser Leben.

Fotos: Gregor Hofer

Beim Big-Adoray, einem grossen Gebetsabend in der übervollen Kirche St. Oswald, gab es Lobpreis, Impulse und eine Zeit der eucharistischen Anbetung. Zudem konnten die Jugendlichen in einem Akt der Lebensübergabe an Jesus für sich beten lassen. Die fast dreistündige Gebetszeit war sehr gesalbt!

< Die Innerschweizer Band Trainwood, bekannt vom WJT in Basel, spielte ein interaktives und gemütliches Wohnzimmerkonzert. Sänger Michi ist dafür extra von seinem Sprachaufenthalt aus London angereist.

Ein extra für dieses Festival geschriebenes und einstudiertes Theater über das Leben von Franziskus aus Assisi begeisterte am Freitagabend sehr. Die jungen SchauspielerInnen spielten grandios!


11

Schwyzer Vorbereitungen laufen

WJT-Patron Schwyz

Bereits im September sind die Vorbereitungen für den Deutschschweizer Weltjugendtag in Schwyz gestartet. Das junge Organisationsteam plant Grosses... Vom 9. bis 11. Mai 2014 werden in Schwyz gegen 800 Jugendliche und junge Erwachsene erwartet. Diesen TeilnehmerInnen wird einiges geboten. So ist bereits jetzt klar, dass es ein Musical zu bestaunen geben wird. Zudem wird mit Father Agostino Torres ein sogenannter „Bronx Brother“ aus New York nach Schwyz kommen und mit Impulsen durch das Wochenende führen. Der franziskanische Bruder lebt die selbstgewählte Armut und passt daher sehr gut zum Motto, welches Papst Franziskus für diesen Weltjugendtag bestimmt hat: „Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich“. Als weitere Höhepunkte wird es wiederum Konzerte, Workshops, Gebetszeiten, Austauschgruppen usw. geben. Bereits im Vorfeld pilgert das WJT-Kreuz und die Marienikone durch die verschiedenen Pfarreien im Schwyzer Talkessel, wo Jugendliche auch Gottesdienste mitgestalten. Am Sonntag, 2. Februar 2014, werden das WJT-Kreuz und die Marienikone von Basler Jugendlichen nach Schwyz gebracht. Weitere Informationen dazu unter www.weltjugendtag.ch

Das 11-köpfige Organisationsteam hat einen Altersdurchschnitt von 25 Jahren und besteht aus folgenden Personen: Ivan Beeler, 24, Bäcker-Konditor und Student aus Steinen SZ, OK-Leitung und Ressort Fundraising – Sarah Holzer, 24, Kleinkindererzieherin aus Brig VS, Ressort Festival – Philomena Zgraggen, 20, Studentin aus Lauerz SZ, Ressort Finanzen und Sekretariat – Johannes Tschudi, 19, Maturant aus Sursee LU, Ressort Liturgie – Elisa Fent, 24, Fachangestellte Gesundheit und Studentin aus Goldach SG, Ressort Rahmenprogramm – Steffi Steiner, 24, Dipl. Pflegefachfrau aus Steinen SZ, Ressort Logistik – Sr. Maria Baptista, 49, Eremitin in der Einsiedelei Tschütschi in Schwyz, Ressort geistliche Begleitung des OK – Manuela Herger, 21, Bäcker-Konditorin aus Bauen UR, Ressort Verpflegung – Nicole Burri, 25, Religionspädagogin aus Schwyz, Vetretung der Pfarrei – Angela Zgraggen, 22, Studentin aus Lauerz SZ, Ressort Gastfamilien – Martin Iten, 27, Polygraf aus Zug, Ressort Werbung und Medien.

Wir gratulieren Auch in den letzten Monaten haben ehemalige WJT-OK-Mitglieder geheiratet. Am 29. Juni Flurina und Gregor Hofer (rechts), die beide im Madrid-Team dabei waren und in der Zeit der Vorbereitungsarbeiten zusammengekommen sind. Am 24. August heiratete Patrizia Pfaffen, Mitglied im Brig-OK, ihren Mann Philipp Jenni (unten). Wir gratulieren den beiden WJT-Pärchen von ganzem Herzen!

arge weltjugendtag

Impressum

Das Tagblatt ist die Vereinsschrift der ARGE Weltjugendtag und erscheint dreimal jährlich in unregelmässigem Abstand. Auflage: 5‘500 Exemplare / Druck: Cavelti Druck, Gossau Adresse: ARGE Weltjugendtag, Kloster, 8840 Einsiedeln Tel 055 418 62 99, Fax 055 418 62 98, arge@weltjugendtag.ch

arge weltjugendtag

Unserarge Goldpartner: weltjugendtag

schweizer seelsorgestiftung

arge weltjugendtag

Heiliger Charbel Makhlouf 1828 bis 1898 aus dem Libanon Joseph Machluf stammt aus einer einfachen christlichen Bauernfamilie in der damals schwer zugänglichen Hochgebirgsregion im Norden Libanons. Er soll schon als Kind sehr fromm gewesen sein und trat mit 23 Jahren ins Kloster ein, legte 1853 das Mönchsgelübde ab, nahm den Namen Charbel (nach dem alten orientalischen Märtyrer Sarbelius) an und wurde 1859 zum Priester geweiht. 1875 entschied er sich für ein Leben als Eremit in der Abgeschiedenheit oberhalb von Annaya. Ihm wurden schon zu Lebzeiten verschiedene Wunder zugeschrieben und er galt als weiser Ratgeber. Einen Mann und ein Kind erweckte er wieder zum Leben. Am Heiligabend 1898 starb er an den Folgen eines Schlaganfalles. Nach seinem Tod wirkte er ausserordentlich viele Wunder. 1899 und 1950 wurde sein Grab geöffnet, dabei hat man seinen Körper völlig intakt vorgefunden. Aus seinem Sarkophag fliesst bis heute ein heilsames Öl. Es verehren ihn Christen und Muslime. Als leuchtendes Vorbild für das kontemplative Leben wurde Charbel 1965 selig- und 1977 heiliggesprochen.

Heiligsprechung von JP2 Wir reisen am Wochenende vom 26./27. April 2014 mit einem Bus zur Heiligsprechung von Papst Johannes Paul II. und Papst Johannes XXIII. nach Rom. Herzliche Einladung! Infos und Anmeldung im Internet unter: www.wjt.ch


12

Wie ein Weltjugendtägler Mönch wurde

Die Grundlagen des Glaubens bekam ich von meinen Eltern vermittelt. Als Jugendlicher flachte der Glaube aber deutlich ab, ich wurde kritisch und das Ganze wurde sehr unverbindlich und kraftlos. Während eines Sprachaufenthalts in Kanada kam ich in Kontakt mit einer lebendigen Gruppe katholischer Studenten. Sie beeindruckten mich mit ihrer Mischung aus Glauben, Freude, Liebe zur Kirche und jugendlicher Normalität. Ich durfte für mich wunderbar erkennen, dass Gott die Quelle des Schönen, des Guten und des Glücks ist, sich in Christus offenbart und sich durch die Kirche zuverlässig erkennen lässt. Ich war begeistert. Zu Hause begann ich ein aktives Glaubensleben, besuchte kirchliche Jugendanlässe und startete mit der Gemeinschaft der Seligpreisungen das spätere Adoray Zug. In dieser Zeit erlebte ich auch meinen ersten WJT, Köln 2005. Dieser wirkte genau richtig. Mich beeindruckte die grosse Gemeinschaft der jungen Gläubigen und die moderne und ansprechende Art, den Glauben zu feiern. Beispielsweise dass man ein Konzert des Mönchs und Hip-Hoppers Father Stan Fortuna besuchen konnte. Es war toll, mit dem Jugendbischof auf der Vorreise unkompliziert unterwegs zu sein. Ausserdem lernte ich viele junge Gläubige aus der Schweiz kennen. Ab nun besuchte ich jeden regionalen WJT. Es war jedes Mal eine grosse Bestärkung. Einerseits wurde ich bestärkt, den Weg als Christ zu gehen, den Glauben im Alltag umzusetzen und zu bezeugen, sowie mich in Jugendprojekten, vor allem Adoray, zu engagieren. Andererseits waren es immer auch starke Momente, wo ich Antworten und Eindrücke geschenkt bekam auf persönliche Fragen: zu Ausbildung, Beziehung oder auch Alltäglichem, aus Katechesen, Gebetszeiten oder ähnlichen Elementen heraus. Meine Ausbildung war von einer Art Slalom geprägt. Ich hatte die Matura gemacht, war vielseitig interessiert, aber nichts wollte so richtig passen. Ich hatte mich fürs Studium der breit angelegten Umweltnaturwissenschaften entschieden. Und doch blieb der Weg eine Suche. Zwischendurch studierte ich ein Jahr Theologie, um vielleicht eher in der Erwachsenenbildung oder im Journalismus indirekt für den Glau-

Foto: Gregor Hofer

Christian Tobler, 30, hat am 28. April im Kloster Disentis die zeitliche Profess abgelegt und heisst jetzt Bruder Paul. Uns erzählt er, wie es dazu gekommen ist, dass er Benediktinermönch geworden ist...

Bruder Paul bei seinem Impuls über das Beichten beim Weltjugendtag-Nachtreffen am 2. November in Zug.

ben zu wirken. Doch dann fühlte sich dies „zu steil“ an. Ich schloss mein vorheriges Studium ab, und die Pläne gingen in Richtung Forschung oder Wirtschaft.

Überraschung in der Stille

Bis zum Alter von 27 Jahren hatte ich nicht den Eindruck, eine geistliche Berufung zu haben. Aber ich war grundsätzlich auch dafür offen geworden, durch gute Begegnungen mit Ordensleuten und Priestern. Weil ich mir von Gott zeigen lassen wollte, in welchem Bereich ich nun genau zu arbeiten beginnen sollte, machte ich eine Woche Schweigeexerzitien. In der Stille wurde ich überrascht und getroffen vom Gedanken, Priester zu werden: „Jeder, der um meinetwillen (…) verlassen hat, wird das Hundertfache dafür empfangen“ (Mk 10,29). Es war Lourdes-Feiertag, 11. Februar, nachdem ich Maria die Woche anvertraut hatte. Ich war aufgeregt, erschrocken und erfreut zugleich. Obwohl es ein deutliches Erlebnis war, benötigte ich noch etwas Zeit, um es fassen, glauben und umsetzen zu können. In dieser Phase nahm ich am WJT 2010 in Gossau teil. Dort wurde ich vom Herrn noch einmal sehr berührt und bestärkt während der eucharistischen Anbetung in der Vigil. Im Herbst 2010 begann ich das „Einführungsjahr für Priesteramtskandidaten“ der Deutschschweizer Bistümer in Chur. Das geistliche Jahr war sehr erfüllend und bestärkend, die Richtung stimmte. Trotzdem verblieben Widerstände gegen das danach geplante Theologiestudium. Ich versuchte Gott alles immer wieder im Gebet hinzuhalten. Eines Abends ging ich etwas ratlos zur Messe. Ich bemerkte, dass es der Festtag

des Hl. Benedikt war, der 11. Juli, ausserdem Hochfest der Disentiser Klostergründer. Es kam wieder „mein“ Berufungsevangelium. Und beim persönlichen Gebet der Vesper auf dem Heimweg wurde ich getroffen von einer Umschreibung der benediktinischen Berufung: „Gott suchen als Beruf“! Ruhig und tief war der Gedanke da, Benediktiner zu werden, und erstaunlicherweise auch mit dem Ort Disentis. Nachdem sich beim baldigen Aufenthalt in Disentis alles bestätigte, nahm ich einen Monat Bedenkzeit. In diesen Monat fiel die einwöchige Teilnahme am WJT Madrid 2011. Praktisch ohne dass jemand von meinem besonderen Nachdenken und Beten wusste, konnte ich in Shorts, Flip-Flops und Sommerhitze nochmals diese starke Erfahrung der Weltkirche machen. Es half mir, bald darauf „Ja“ zu sagen zum „abenteuerlichen“ Schritt innerhalb dieser Kirche. Ich bin noch am Anfang, die Berufung bleibt ein Weg. Ich will weiter versuchen, möglichst gut auf die Führung von Jesus Christus zu hören und ansprechbar und treu zu bleiben mit seiner Hilfe. Bis jetzt erlebe ich die Berufung zum Ordensleben als wunderschön, sehr spannend und fühle mich sehr beschenkt. Gottsuche, Gebet und Glaubensweitergabe ganz ins Zentrum stellen zu können, ist für mich eine grosse Freude! Bruder Paul Tobler osb

Jugend im Kloster Disentis Bruder Paul lebt nun im Kloster, in welchem im September 2003 der erste Deutschschweizer Weltjugendtag durchgeführt wurde. Noch heute bieten die Benediktinermönche regelmässig Angebote für junge Leute an. Die Grosse Stille vom 7. – 9. März 2014 und die Jugendvigil vom 28. – 29. Juni 2014

Weltjugend Tagblatt 10/2013  

Die 10. Ausgabe vom Tagblatt mit Berichten und Eindrücken vom Weltjugendtag in Rio und vom Nachtreffen beim Adoray Festival in Zug. www.wjt...

Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you