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2018 Jahresbericht 2018

graz.welthaus.at

Welthaus. Wir stärken Menschen.


2 | Inhalt

3 Vorwort

14 Unrecht beseitigen

4 Weltweit aktiv Länder / Projekte 2018

16 Gemeinsam lernen

6 7

Argentinien

Einsatz für die Rechte von Indigenen

Brasilien

Gegen die Ausgrenzung von Kleinbauernfamilien 8

Guatemala

Stärkung der indigenen Jugend

9 Laos Erhalt der Lebensgrundlagen und Schutz der Natur 10

Senegal

Reisanbau als Erfolgsgeschichte

11 Slowakei Aus dem Abseits in den Mittelkreis

Workshops

17

Der Globalisierung auf der Spur

18

Medien und mehr ...

19

Bewegende Einblicke

20

Vorträge, Filme, Diskussionen, ...

22

Pädagogik für WeltbürgerInnen

23

Film, lange Nacht und Wallfahrt

Mediathek „Panorama“ Begegnung mit Gästen Veranstaltungen

Lehrgang Globales Lernen Weltkirche

Tansania

24 Religionsfreiheit

Ukraine

25 Finanzen 2018

12

Gemeinsam für eine bessere Ernährung

13

Hilfe für Flüchtlingsfamilien

26 Spenden & helfen

Impressum Medieninhaber, Herausgeber, Verleger: Welthaus Diözese Graz-Seckau Bürgergasse 2, 8010 Graz Tel. +43 316 324556 E-Mail: graz@welthaus.at graz.welthaus.at

Titelfoto: In Santa Maria da Vitória (Brasilien) nahm dieser Kleinbauer an einer Romaria (Wallfahrt) zum Schutz der Flüsse und des Wassers im Cerrado teil. In dem Gebiet geraten Kleinbauern und Indigene immer stärker unter Druck durch die Agrarindustrie (siehe auch Seite 6). Foto: Ernst Zerche

Redaktion, Gesamtleitung: Christian Köpf Layout: Christian Köpf Druck: Druckhaus Thalerhof Fotos: Welthaus, Ernst Zerche, INCUPO, Verein Viden, Michael Pfaffenbichler, privat F.d.I.v.: Dietmar Schreiner Rechtsform: Welthaus Diözese Graz–Seckau Entwicklungszusammenarbeit: Öffentliche juristische Person gemäß can. 114 ff CIC. Verantwortlich für Spendenwerbung: Viktoria Schichl Für Spendenverwendung: Agnes Truger Für den Datenschutz: Dietmar Schreiner


Vorwort | 3

Liebe Leserin, lieber Leser! Klimakrise, soziale Ungleichheit, Migration: Wir stehen vor gewaltigen globalen Herausforderungen. Um Lösungen dafür zu finden, ist es notwendig, Erfahrungen aus anderen Ländern und Kontinenten einzubeziehen. Welthaus führt seit fast 50 Jahren weltweit den Dialog mit seinen Projektpartnern und bringt sich durch vielfältige Aktivitäten und in zahlreichen Gesprächen in den gesellschaftlichen Diskurs in Österreich und auf EU-Ebene ein. Umso mehr freut es uns, dass die Diözese Graz-Seckau anlässlich ihres 800-Jahr-Jubiläums 2018 eine fünfjährige Diözesanpartnerschaft mit der brasilianischen Diözese Bom Jesus da Lapa eingegangen ist. Eine Reihe von diözesanen Einrichtungen auf beiden Seiten haben ihre Bereitschaft bekundet, in gegenseitigem Austausch voneinander zu lernen und somit Möglichkeiten zu schaffen, Lösungen für die Anliegen und Nöte der Menschen in beiden Diözesen zu

finden. Welthaus wird diese Partnerschaft engagiert begleiten. Mit dem vorliegenden Jahresbericht möchten wir Ihnen an ausgewählten Beispielen zeigen, welche Arbeit Welthaus im Jahr 2018 geleistet hat. Wir konnten mit den Auslandsprojekten die Lebensbedingungen von Menschen in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa verbessern, haben uns aber auch durch die anwaltschaftliche Arbeit für Menschen eingesetzt, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden. Globale Fragestellungen und positive Antworten darauf stehen im Mittelpunkt unserer Bildungsangebote in der Steiermark. Ich darf Sie, liebe Leserinnen und Leser, einladen, uns weiterhin bei unserer Arbeit tatkräftig zu unterstützen. Mag. Dietmar Schreiner Geschäftsführer


4 | Welthaus Jahresbericht 2018

SLOWAKEI

UKRAINE

LAOS

SENEGAL

GUATEMALA

BRASILIEN

TANSANIA

ARGENTINIEN

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elthaus fördert innovative und nachhaltige Programme, die es Menschen ermöglichen, die Gestaltung ihres Lebens und ihrer Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Ausgegrenzte Menschen werden zu aktiv Handelnden. Kreative Überlebensstrategien und konkrete Lösungen lassen erkennen, dass Arme nicht passive Spendenempfänger sind. Welthaus arbeitet langfristig mit lokalen (kirchlichen und nichtkirchlichen) Partnerorganisationen zusammen. Diese sind bei staatlichen Stellen in den jeweiligen Ländern registriert. Die einheimischen MitarbeiterInnen verfügen über professionelles Knowhow. Nur auf diesem Weg sind nachhaltige Veränderungen zu erreichen.

Welthaus ist sich seiner großen Verantwortung gegenüber KirchenbeitragszahlerInnen und SpenderInnen bewusst. Die Projektfinanzierung erfolgt in Teilzahlungen nach Überprüfung des Projektfortschrittes. Regelmäßige externe Buchprüfungen vor Ort gehören zum Standard. Ebenso wird Welthaus von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer jährlich geprüft. Welthaus führt das österreichische Spendengütesiegel. Die Spenden an Welthaus sind steuerlich absetzbar. Zur Sicherung der Qualität werden die Projekte laufend evaluiert. Die Weltkarte oben zeigt unsere Schwerpunktländer. Eine Liste aller Projekte finden Sie rechts. Auf den folgenden Seiten stellen wir Ihnen einige Projekte vor …


Länder / Projekte | 5

Land

Aktivität – Projektpartner

Ägypten

Toleranz zwischen Religionen durch Kunst und Kultur – Jesuit Cultural Center Alexandria

15.037,50

Argentinien

Politische und kulturelle Stärkung von Indigenen im Chaco – Incupo

30.060,25

Brasilien

Stärkung der Rechte von traditionellen Gemeinschaften – CPT Nordeste, Bahia, Minas Gerais

25.601,36

Brasilien

Gefängnisseelsorge – CNBB

18.048,06

Brasilien

Überleben in der Trockenzone – IRPAA Convivencia

10.000,00

Brasilien

Schutz der Landrechte von Kleinbäuerinnen und -bauern – CPT Barra

25.062,50

Guatemala

Politische Mitsprache der indigenen Jugend – FTN

15.037,50

Guatemala

Den Maya-Völkern eine Stimme geben – COPAE

21.052,50

Guatemala

Schutz von MenschenrechtsverteidigerInnen – UDEFEGUA

11.212,75

Laos

Ernährungssicherheit in der Mekong-Region – GAPE

Laos

Erhalt von natürlichen Ressourcen – GAPE

33.082,50

Laos

Schutz von Gemeinschaftswald und natürlichen Ressourcen – JVC

32.080,00

Laos

Zugang zu Gemeinschaftsland und Landrechtstrainings – PSNUA

33.583,75

Laos

Schutz und Zugang zu natürlichen Ressourcen – Mekongwatch

16.967,31

Senegal

Ernährungssouveränität – acht Partnerorganisationen

78.782,41

Senegal

Lösung von Landkonflikten – Forum Civile

14.035,00

Senegal

Anpassung an den Klimawandel

Slowakei

Romnija – “Agentinnen der Gleichberechtigung” – Verein SPOLU

Slowakei

Pastoralarbeit im Romazentrum in Lipany – Caritas Košice

Slowakei

“Vom Abseits in den Mittelkreis”: Förderung von Roma-Mädchen durch Fußball – Verein SPOLU

10.500,00

Tansania

Ernährungssouveränität Chunya – ADP Mbozi

17.832,37

Tansania

Ernährungssouveränität – ERI-Act Mara

Tansania

Gesicherter Zugang zu Land – MIICO

31.150,00

Tansania

Nachhaltige Landwirtschaft III – IRDO

25.518,22

Tansania

Landrechte – Haki Ardhi II

10.060,13

Tansania

Landrechte und gute Regierungsführung – TNRF

40.130,00

Tansania

Evaluierung ADP + IRDO und Workshop Wirkungsmessung

Ukraine

Jugendzentrum in Konotop – Verein VIDEN

22.088,00

Ukraine

Hilfe für Binnenflüchtlinge in Wolnowacha – Caritas

14.056,00

Ukraine

Bildung für Kinder und Jugendliche – Caritas Iwano Frankiwsk

21.084,00

6.015,00

4.123,12 29.944,00 5.000,00

5.615,25

International Wissensmanagement inkl. Review – HORIZONT3000

9.461,16

7.467,17

Welthaus. Wir stärken Menschen.


6 | Welthaus Jahresbericht 2018

ARGENTINIEN

Einsatz für die Rechte von Indigenen aus. Die dort lebenden Menschen werden vielfach vertrieben, die Natur wird rücksichtslos ausgebeutet. Die argentinische Verfassung und internationale Abkommen sichern der indigenen Bevölkerung eigentlich Schutz und das Recht auf Land zu. Doch sie werden einfach nicht eingehalten. Die schwere Wirtschafskrise, verbunden mit einer Hyperinflation, verschärft die bestehenden sozialen und wirtschaftlichen Probleme des Landes.

Eine bessere Zukunft für Indigene und Kleinbauern – durch den Schutz ihres Lebensraumes und ihrer Kultur. Foto: INCUPO

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Welthaus setzt sich gemeinsam mit der argentinischen Organisation INCUPO für die Rechte von Indigenen und Kleinbauernfamilien und gegen die zunehmende Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen ein. INCUPO klärt die Menschen über ihre Rechte auf und stärkt die Position von indigenen Organisationen – durch gezielte Vernetzung, Ausarbeitung und Umsetzung von Strategien und einen in der Öffentlichkeit geführten Diskurs über die Konflikte um Land und den Lebensraum der lokalen Bevölkerung.

Riesige Monokulturen dehnen sich immer weiter auf die nördlichen Provinzen des Landes

Ein Ziel ist der Schutz von Wäldern mit ihrem breiten Angebot an Nahrungsmitteln, Tierfutter und Heilkräutern sowie ihrer wichtigen Funktion für das Klima. Wichtig ist auch der Schutz von Kulturen, mit ihrem großen Wissen über menschliche Beziehungen zur Natur und Spiritualität und ihrem sozialen Gemeinwesen. Dabei ist wesentlich, dass sie für sich selbst sprechen können, um ihr Recht auf Land zu verteidigen und selbst Lebensmittel herzustellen – in Eintracht mit der Natur (siehe auch Seite 15).

as in Österreich auf dem Teller, im Futtertrog oder Tank landet, hat oft einen weiten Weg hinter sich: Argentinien etwa setzt massiv auf den Export von landwirtschaftlichen Produkten. Während die offiziellen Entwicklungszahlen für Argentinien unaufhörlich nach oben steigen, nicht zuletzt durch diese Ausrichtung als Exportland für Agrarprodukte, ist die Armutsrate in zahlreichen Provinzen besorgniserregend. Besonders drastisch ist die Situation in der ChacóRegion – dem zweitgrößten Ökosystem der Welt – für zahlreiche indigene Gemeinschaften und Kleinbauernfamilien.

graz.welthaus.at/argentinien


Weltweit aktiv | 7

BRASILIEN

Gegen die Ausgrenzung von Kleinbauernfamilien

W

as mich arm macht: Unsere gegenwärtige ausgrenzende Gesellschaft mit wenigen Reichen und vielen Armen. Was mich reich macht: Dem Notwendigen zu dienen – im sozialen und ökonomischen Sinn.“ Diese Gedanken von Carivaldo Ferreira dos Santos aus Ibotirama beschreiben prägnant seine Beweggründe, in der Landpastoralkommission CPT zu arbeiten. Ferreira ist Projektkoordinator der Partnerorganisation von Welthaus in der Diözese Barra.

In seit Jahrzehnten nicht mehr dagewesener Kaltblütigkeit werden in Brasilien derzeit Kleinbauern und -bäuerinnen erschossen. Die Täter wiegen sich in der Sicherheit, straflos zu bleiben. Besitzrechte ganzer Dorfgemeinschaften, die seit Generationen ihr Land bewirtschaften, werden von Bergbaufirmen oder anderen Großunternehmen einfach ignoriert – und dies mit dem stillschweigenden Konsens der Behörden. Landwirtschaftliche Kleinbetriebe erzeugen 70 Prozent der Nahrungsmittel Brasiliens. Doch ein Gewinner der neuen Politik unter Präsident Jair Bolsonaro ist die exportorientierte Agrarindustrie. Das Land ist weltweit einer der wichtigsten Produzenten von Soja, Fleisch, Rohrzucker, Zellulose, Kaffee und Orangensaft. Unmenschliche Arbeitsbedingungen, Rodungen, enormer Pestizideinsatz und Wasserverbrauch sowie genmanipulierte Pflanzen sind der hohe Preis dafür.

In dieser brisanten Situation unterstützt die CPT die Dorfgemeinschaften dabei, ihre Rechte durchzusetzen: Mit Fortbildungen zur Rechtslage und der Unterstützung bei Behördenvorsprachen, bei der Formulierung von Anzeigen und der Aushandlung vorteilhafterer Verträge. Ein weiteres Ziel ist es, in den umliegenden größeren Siedlungen und den Schulen über die Situation der Bauern zu informieren und auch die städtische Bevölkerung als Unterstützer zu gewinnen.

Im armen Nordosten Brasiliens unterstützt Welthaus die Landbevölkerung bei der Durchsetzung ihrer Rechte.

Damit das größte Anliegen von Carivaldo ein Stück mehr verwirklicht werden kann: das Wohlergehen von Mensch und Natur. Das Projekt wird kofinanziert mit der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar. graz.welthaus.at/brasilien 7


8 | Welthaus Jahresbericht 2018

GUATEMALA

Stärkung der indigenen Jugend Land verursachen große Migrationsströme in Richtung der USA. Vor allem junge Menschen machen sich auf die Reise.

Bischof Wilhelm Krautwaschl besuchte indigene Jugendliche in Guatemala, die von Welthaus unterstützt werden.

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m von der indigenen Bevölkerung dominierten Hochland Guatemalas lebt mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Armut bzw. extremer Armut. Die Region ist geprägt von exportorientierter Agrarproduktion: Kaffee, Zuckerrohr, Palmen, Bananen und Kautschuk. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, junge Menschen gelten als billige oder sogar kostenlose Arbeitskräfte. Die Bevölkerung wird von ihrem Land vertrieben und muss mit den Umweltschäden leben, die vom industriellen Raubbau verursacht werden. Indigener Widerstand wird kriminalisiert, die Menschen werden verfolgt und eingeschüchtert. Die strukturellen Probleme und Ungleichheiten im

Welthaus unterstützt in Guatemala Maßnahmen, die diese jungen Menschen umfassend fördern und stärken. Mit jungen Männern wird „eine neue Männlichkeit“ anstelle des tradierten „Machismo“ eingeübt. Junge Frauen erhalten Unterstützung bei der Stärkung ihres Selbstwertes und ihrer Identität. Gemeinsam werden Forderungen ausgearbeitet, die an Gemeindegremien gerichtet sind. Die jungen Menschen eignen sich Wissen über Organisation und für die politische Arbeit an. Sie lernen, sich in der Öffentlichkeit zu artikulieren und Netzwerke aufzubauen. Parallel dazu gründen sie Kleinstbetriebe, um unternehmerische Erfahrungen zu sammeln und Einkünfte zu erzielen. Eine Gruppe stellt Joghurt mit ausschließlich natürlichen Geschmackstoffen her, eine andere setzt auf kunstvolle Weberei. Trägerorganisation in Guatemala ist Funda Tierra Nuestra, ihr Vorsitzender ist Bischof Àlvaro Ramazzini Imeri. Er ist Träger des Konrad-Lorenz Staatspreises, mit dem er für seinen Einsatz für Menschenrechte und Umweltschutz ausgezeichnet wurde. Welthaus verbindet mit Bischof Ramazzini eine langjährige Zusammenarbeit. Im Rahmen einer Guatemalareise hat Bischof Wilhelm Krautwaschl im Februar 2019 dieses Projekt besucht.

graz.welthaus.at/guatemala


Weltweit aktiv | 9

LAOS

Erhalt der Lebensgrundlagen und Schutz der Natur

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n Laos gehört alles Land dem Staat. Die bäuerliche Bevölkerung besitzt ein traditionelles Nutzungsrecht für Gemeindeland. Dazu gehören auch gemeinschaftlich genutzte Weideflächen und Wälder. Um sich ausreichend ernähren zu können, sind viele Menschen von den Früchten und Tieren der Gemeinschaftswälder abhängig. Welthaus unterstützt in Laos die Aufklärungsarbeit in den Dörfern, damit diese Flächen nicht übernutzt werden und Nahrungsmittel wie Bambus, Pilze, Heilkräuter oder Wildtiere auch zukünftigen Generationen noch zur Verfügung stehen. Weiters unterstützt Welthaus Projekte zur Aufklärung der lokalen Bevölkerung über ihre Rechte und Pflichten hinsichtlich aller Kriterien, die Land und Landnutzung betreffen. Es geht hier auch um Themen wie Erbrecht, Landbesitz im Fall von Scheidung oder Entscheidungsmechanismen hinsichtlich Land auf Dorfebene. Das Wissen um die Bedeutung von natürlichen Ressourcen vor allem in den Gemeinschaftswäldern ist auch im Süden von Laos nicht sehr hoch. Daher unterstützt Welthaus in den Provinzen Champasak und Attapeu ein Projekt, das sich für den Erhalt der natürlichen Ressourcen einsetzt. Dafür werden Komitees gegründet, bei denen sehr darauf geachtet wird, dass Frauen vertreten sind und sich aktiv einbringen.

Die Komitees erarbeiten Regelungen, wie die Dörfer Gemeinschaftsflächen wie Wald und Weideflächen nutzen. Sie vernetzen sich und tauschen ihre Erfahrungen aus. Die Menschen bauen in den Wäldern Nahrungsmittel wie Kardamom an, vermarkten sie dann gemeinschaftlich und schaffen damit ein zusätzliches Einkommen für die Dorfbevölkerung. Der Zusammenhalt zwischen den DorfbewohnerInnen wird durch die gemeinsame Entscheidung, was angebaut werden soll, aber auch durch die gemeinsame Arbeit und Vermarktung verbessert. Dies erhöht die Ernährungssicherheit und verbessert das Wissen um Gewohnheitsnutzungsrechte.

Bananen für die Familie und den lokalen Markt gab es früher in der Region kaum, das ändert sich nun durch ein Projekt .

graz.welthaus.at/laos 7


10 | Welthaus Jahresbericht 2018

SENEGAL

Reisanbau als Erfolgsgeschichte ISRA und Africa Rice. Unter schwierigsten Bedingungen: In der Region regnet es nur von Juli bis September, die Temperatur beträgt bis zu 45 Grad. Kleinbauern und -bäuerinnen fehlen die Mittel, um die Produktivität ihrer Felder zu erhöhen. Es fehlt oft der Zugang zu ertragreichem Saatgut. Die Möglichkeiten für Lagerung, Transport und Weiterverarbeitung sind beschränkt. Wegen fehlender Maschinen schaffen sie es oft nicht, vor Einsetzen der Regenzeit ihre Äcker zu bestellen.

Kleinbauernfamilien können im Senegal trotz schwierigster Bedingungen gute Ernten erzielen.

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ehr als zwei Drittel der Haushalte im Senegal sind in der Landwirtschaft tätig. Die Kleinbauern und -bäuerinnen bauen Hirse, Sorghum und Mais für den Eigenbedarf an – und Erdnüsse und Baumwolle als Cash Crops. Die Erdnuss gehört zu den wichtigsten Exportprodukten des Landes, der Senegal weltweit zu den größten Produzenten. Allerdings haben Nachfrage und Preis stark nachgelassen. Das Grundnahrungsmittel Reis muss großteils importiert werden. Vor zehn Jahren kam es zu einem Reis-Engpass, eine schwere Ernährungskrise war die Folge. In dieser Phase wagte Symbiose, ein langjähriger Projektpartner von Welthaus, mit einer kleinen Gruppe von engagierten Bauern in vier Dörfern erste Versuche zum Reisanbau, begleitet von den Forschungseinrichtungen

Die Lösung: Von Eseln oder Ochsen gezogene Pflüge und Saatmaschinen sowie Ernte- und Dreschmaschinen wurden für jeweils mehrere Kleinbauernfamilien gemeinsam angeschafft. Die mutige Initiative von Symbiose, konsequent begleitet von der Auswahl der Parzellen, über Selektion der Samen bis zu Aussaat- und Erntetechniken, wurde zu einer Erfolgsgeschichte. Ermutigt durch die Ergebnisse der PilotbäuerInnen, bauten im Vorjahr bereits 4500 Produzenten in der Region auf ihren Felder Reis an. Inzwischen gibt es 40 Schulungsfelder. Etwa 400 ProduzentInnen haben sich auf die Samenproduktion spezialisiert. Durch die enge Kooperation zwischen Wissenschaft und Praxis verfügt Africa Rice inzwischen über 300 Varietäten von Trockenreis, resistent gegen Salz, Hitze und Kälte. Die Expertise von Symbiose ist auch auf nationaler Ebene gefragt: Die Partner-NGO von Welthaus ist unter anderem in Arbeitsgruppen des Landwirtschaftsministeriums vertreten. graz.welthaus.at/senegal


Weltweit aktiv | 11

SLOWAKEI

Aus dem Abseits in den Mittelkreis

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oma sind die größte Minderheit in Europa. Vielfach leben sie in bedrückender Armut, konfrontiert mit Vorurteilen und sozialer Ausgrenzung. In der Slowakei leben rund 500.000 Roma – zehn Prozent der Bevölkerung. Die Mädchen in den RomaGemeinden haben kaum Möglichkeiten, ihre Talente zu entdecken und zu fördern. Sie kennen meist nur ihr unmittelbares Umfeld in der Siedlung. Nach dem Abschluss der Grundschule mit 15 Jahren bleiben sie oft zu Hause, viele werden jung Mutter. Diese Ausgrenzung entsteht, weil niemand da ist, der eine andere Möglichkeit aufzeigen könnte – weder die Eltern noch die Gemeinde oder die Gesellschaft. Diese Isolation von Romnija zu durchbrechen hat sich der Verein SPOLU-Slovensko mit Unterstützung von Welthaus zum Ziel gesetzt. Unter anderem auch durch Fußball: Seit zwei Jahren organisiert SPOLU Trainings und Turniere für Mädchen von elf bis 15 Jahren. Derzeit sind sechs Teams in der Ostslowakei mit dabei. Die Reisen zu den Auswärtsspielen und das Zurechtfinden in einer fremden Umgebung stärken das Selbstwertgefühl der Roma-Mädchen. Wenn sie auch noch Tore und Siege feiern können, dann ist für sie klar: Wir können vieles erreichen! Jedes Team hat seine Stars. Eine davon ist die zwölfjährige Vivien. Seit Jahren spielt sie zwischen den Häusern der Siedlung mit den Buben. Sie war begeistert davon, in einem Mädchen-Team mitmachen zu können und auf echten Spiel-

plätzen ihre Begabung zu zeigen. Auch ihre Schwester hat sie zum Mitmachen überredet. Ihr Talent hat sie auch beim Stadtlauf bewiesen – sie wurde siebente in ihrer Kategorie.

Ein Fußball-Projekt stärkt Roma-Mädchen in der Ostslowakei. Ihr Credo: Wir können vieles erreichen!

Wir hoffen, dass wir Vivien und ihre Mitstreiterinnen durch ähnliche Projekte weiter begleiten können. Ausdauer, Selbstvertrauen und Durchsetzungsvermögen brauchen sie für ihren weiteren Lebensweg. Unsere Hoffnung für die Roma-Mädchen ist, dass sie sich dadurch neue Perspektiven erschließen, sich Neues zumuten und in der Mitte der Gesellschaft ankommen. Das Projekt „Aus dem Abseits in den Mittelkreis“ wird vom österreichischen Sportministerium und der Pfarre Graz-Süd unterstützt.

graz.welthaus.at/slowakei

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12 | Welthaus Jahresbericht 2018

TANSANIA

Gemeinsam für eine bessere Ernährung nische Ernährungsunsicherheit. Mit dem Anbau von Nahrungsmitteln können viele nicht einmal die grundlegendsten Bedürfnisse abdecken. Der Klimawandel verschlechtert die ohnehin schwierige Situation noch weiter.

Der Anbau von Gemüse auf Gemeinschaftsfeldern fördert den Zusammenhalt im Norden Tansanias.

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ansania gehört zu den ärmsten Ländern der Welt: Sieben von zehn Menschen leben von kleinbäuerlicher Landwirtschaft. Nationale und internationale Programme dienen allerdings nicht der Verbesserung ihrer Lebensbedingungen, sondern nutzen vor allem Investoren, die auf agroindustrielle Landwirtschaft setzen. Damit verbunden ist die Vertreibung von Menschen von ihrem Land, das sie oft seit Generationen bewirtschaften. Vor allem in fruchtbaren und regensicheren Gebieten steigt der kommerzielle Druck auf Land. Die Region Mara im Norden ist eine der ärmsten Regionen des Landes. Hier herrscht chro-

Eine in Ostafrika entwickelte Methode, der so genannte ERI (Enabling Rural Innovation) Ansatz ermöglicht es, die Ernährungssouveränität zu erhöhen und den Zugang der Landwirte zu lokalen Märkten zu verbessern. Unsere lokale Partnerorganisation Act Mara unterstützt Kleinbauernfamilien dabei, verbesserte Anbaumethoden zu erlernen und ihre Produktion in angepasster Weise auszuweiten. Der Schutz von Wäldern, die Wiederaufforstung und der Waldfeldbau sind weitere wichtige Bereiche. Bauern und Bäuerinnen schließen sich zu kleinen Kooperativen zusammen und vermarkten ihre Produkte, wie Honig, Seife oder Baumsetzlinge, gemeinsam auf lokalen Märkten. Forschungs- und Projekterfahrungen zeigen, dass Kleinbauern und -bäuerinnen durch Partizipation und Innovation gestärkt werden, damit sie erfolgreich Märkte identifizieren und unternehmerisches Handeln entwickeln können. Gleichzeitig werden sie ermächtigt, langfristig Ernährungssouveränität aufzubauen, was mit dem nachhaltigen Schutz natürlicher Ressourcen Hand in Hand geht. Das Projekt wird kofinanziert mit Austrian Development Agency, HORIZONT3000 und der Dreikönigsaktion. graz.welthaus.at/tansania


Weltweit aktiv | 13

UKRAINE

Hilfe für Flüchtlingsfamilien

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er Konflikt in der Ostukraine ist nicht mehr im Fokus der Medien. Die Lage in der Region ist aber weiterhin höchst prekär. Unsicherheit, Perspektivenlosigkeit und Armut prägen den Alltag. Die Auswirkungen der kriegerischen Auseinandersetzung sind allgegenwärtig. Bei einer Projektreise im Herbst 2018 konnten wir uns ein Bild von der Lebensrealität machen. Je näher man der Grenze zur abtrünnigen Volksrepublik Donezk kam, desto beklemmender wurde die Stimmung. Kontrollposten, Fotoverbot, Männer mit Maschinengewehren prägten das Bild. Im Gespräch mit den Menschen wurde uns die Tragweite der aussichtlosen Lage bewusst. Flüchtlinge, die alles zurückgelassen haben – ihre Dörfer, ihre Arbeitsplätze, Familien und Freunde. Vielfach wurden Familien durch den Konflikt getrennt. Die Sorge um die Zurückgebliebenen ist groß, das Hadern mit der eigenen Entscheidung zur Flucht ist ständig präsent. Die Verletzungen, die Flucht und der Neuanfang als Mittellose in einer fremden Umgebung hinterlassen Spuren. Die Kleinstadt Wolnowacha liegt ganz knapp an der Konfliktlinie, in der Nacht hört man immer wieder Schüsse. Viele Vertriebene sind hier untergekommen, doch die Verwaltung ist mit der Situation überfordert. Es fehlt an Wohnungen und Arbeitsplätzen für die Flüchtlinge. Für die vielfach traumatisierten Kinder und Jugendlichen gibt es kaum Betreuung. Eine neu gegründete Stelle der Caritas versucht die Not zu lindern. Mit Unterstützung von Welthaus

konnten Hilfspakete mit den notwendigsten Lebensmitteln wie Reis, Mehl, Buchweizen und Öl an Bedürftige verteilt werden. Auch die Ausgaben für Medikamente, warme Kleidung oder für die Schulbildung stellen eine große Herausforderung für die Menschen dar. Jede Hilfe bedeutet eine große Entlastung. Neben den Hilfspaketen erhielten die Kinder und Jugendlichen bei Bedarf auch Kleidung, Schuhe und Schulmaterialien. In den Ferien konnten sie an Ausflügen und Erholungsaufenthalten teilnehmen. Unterstützung erhalten die Flüchtlingsfamilien auch bei psychischen Problemen und bei sozialen und medizinischen Fragen.

Olga ist mit ihrem Sohn Nikita aus dem umkämpften Donezk nach Wolnowacha geflüchtet. Für die Familie bedeutet die Unterstützung eine große Hilfe.

graz.welthaus.at/ukraine 7


14 | Welthaus Jahresbericht 2018

UNRECHT BESEITIGEN

Recht auf gesunde Nahrung statt unfairer Kuhhandel

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in Schwerpunkt der Arbeit von Welthaus ist der Einsatz für Ernährungssouveränität – also das Recht auf gesunde und kulturell angepasste Nahrung. Damit geht einher, dass Völker und Länder ihre Ernährungs- und Landwirtschaftspolitik selbst definieren können. In vielen Fällen untergraben jedoch etwa europäische Politiken dieses Menschenrecht. Welthaus setzt sich auf nationaler und internationaler Ebene für den Abbau ungerechter Strukturen und Rahmenbedingungen ein. Dieses politische Lobbying geschieht in strategischen Allianzen – in Österreich etwa durch die Dachorganisation „AG Globale Verantwortung“, die Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission (KOO) und die Plattform „Wir haben es satt“. Auf europäischer Ebene ist Welthaus aktiv im „Agrofuels Network“ und der internationalen Allianz von katholischen Entwicklungsorganisationen CIDSE.

2018 wurde eine Reihe von Gesprächen mit ParlamentarierInnen auf nationaler und EUEbene geführt und bei der Erstellung parlamentarischer Anfragen mitgewirkt – etwa zu Sojafuttermittelimporten und Agrotreibstoffen. Eine weitere Basis für die Arbeit war die Erarbeitung von Grundsatz-, Positions- und Forderungspapieren. Unser enormer Fleischkonsum hat weltweit gravierende soziale, menschenrechtliche und klimatische Folgen: So gefährdet der steigende Anbau von Soja als Viehfutter in Lateinamerika die Ernährungssouveränität von Kleinbauernfamilien und Indigenen. Eine Antwort darauf ist die Fastenaktion „Gerecht leben – Fleisch fasten“, die 15 katholische Einrichtungen 2018 wieder in der Fastenzeit durchführten. Ziel ist das kritische Hinterfragen unseres Fleischkonsums – und das Ausprobieren von fleischlosen Alternativen. 2018 beteiligten sich circa 2000 Menschen, einige Pfarren und die Mensen des Augustinums und des Priesterseminars in Graz an der Aktion.


W

ie sehr die Landbevölkerung in Argentinien unter dem SojaBoom leidet, verdeutlichte der langjährige Projektpartner von Welthaus, Juan Carlos Figueredo, bei seinem Besuch in der Steiermark im Oktober 2018 (siehe auch Seite 19). In zahlreichen Gesprächen berichtete Figueredo von den Auswirkungen des exportorientierten agroindustriellen Landwirtschaftssystems, das in Argentinien die natürlichen Ressourcen zerstört, soziale Konflikte schürt und letztendlich die familiäre Landwirtschaft, die die Ernährung der Bevölkerung sicherstellt, bedroht.

Forschungseinrichtungen wie der Universität für Bodenkultur Wien, der Österreichischen Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung und der Forschungsanstalt Raumberg-Gumpenstein. In Podiumsdiskussionen mit Vertretern der Landwirtschaft (u.a. Landwirtschaftskammer Steiermark, Bio Ernte Steiermark, Landjugend) wurde aus unterschiedlichen Perspektiven das aktuelle System industrieller Landwirtschaft hinterfragt und die Notwendigkeit einer Stärkung der familiären Landwirtschaft unterstrichen. Pressegespräche mit zahlreichen JournalistInnen hatten eine umfangreichen mediale Berichterstattung zur Folge.

Dass das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den MERCOSUR-Staaten nicht nur die Situation in Argentinien verschärfen, sondern auch die österreichische Landwirtschaft noch stärker unter Druck setzen würde, war Konsens in den Gesprächen mit Vertretern der österreichischen Politik, der Landwirtschaftskammer,

Die „gemeinsame Verantwortung“, auf die Juan C. Figueredo so oft hingewiesen hat, möchte Welthaus in Zukunft noch stärker wahrnehmen. Gemeinsam mit Politik, Wissenschaft und Kirche wollen wir – sowohl in Österreich als auch Argentinien – Schritte zur Stärkung familiärer Landwirtschaft und für gerechtere Handelsstrukturen setzen.

Juan C. Figueredo, Gabi Gmeindl und Markus Meister trafen in Wien NR Abg. Georg Strasser (ÖVP, Bauernbund, 2.v.r.), um mit ihm über die Folgen des EU-Mercosur-Freihandelsabkommens zu sprechen. Foto: Pfaffenbichler

graz.welthaus.at/unrecht-beseitigen 7


16 | Welthaus Jahresbericht 2018

GEMEINSAM LERNEN

Aktiv für eine gerechte Welt

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ie Erfahrungen aus den Projektländern bilden die Grundlage für die Bildungsarbeit in der Steiermark. Das Grundprinzip dabei ist, mit Menschen aus anderen Kulturen in offenen Kontakt zu treten, die Welt aus der Sicht anderer zu betrachten und die Konsequenzen des eigenen Handelns in einem globalen Zusammenhang zu sehen.

Das vielfältige Angebot reicht von Workshops mit Schulklassen, Jugendgruppen und Erwachsenen über Vorträge, Diskussionen und Filmscreenings bis zu Festen und Ausstellungen sowie dem Verleih von Medien zu globalen Themen. Gemeinsam werden Mittel und Wege erkundet, wie man im Rahmen der eigenen Möglichkeiten für eine gerechtere Welt aktiv werden kann.


Gemeinsam lernen | 17

WORKSHOPS

Der Globalisierung auf der Spur

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as ist ein sauwichtiges Thema“, meinte ein 17-jähriger Schüler nach einem Workshop von Welthaus zum Thema Landraub. Zu Aha-Effekten und spannenden Diskussionen kam es oft bei den Workshops für Schulklassen, Firm- oder Erwachsenengruppen. Diese orientieren sich am Konzept des Globalen Lernens und ermöglichen interkulturelle Begegnungen sowie eine differenzierte Auseinandersetzung mit globalen Themen. Im Workshop Soja: Der Fleisch gewordene Wahnsinn wurde rund um den gleichnamigen Film diskutiert, was die Situation brasilianischer Kleinbauernfamilien mit uns zu tun hat. Im Workshop Geraubtes Land, geraubtes Essen beschäftigten sich die TeilnehmerInnen (TN) mit dem globalen Wettlauf um die fruchtbarsten Böden. Sie erforschten die Ursachen und machten sich globale Zusammenhänge zwischen unserem Lebensstil und dem Landraub in vielen Teilen der Welt bewusst. Fährst du schon, oder isst du noch? lautet der Titel eines Workshops, der die sozialen und ökologischen Folgen der Produktion von Agrotreibstoffen aufzeigt. Anhand der Zusammenhänge zwischen Österreich und Lateinamerika wurden die TN für die weltweite Dimension des Agrarhandels sensibilisiert. Die bittere Seite der Schokolade zeigt ein Workshop auf, in dem die TN die Schokoladenherstellung kennenlernten und soziale, ökologische und ökonomische Probleme diskutierten und das eigene Konsumverhalten reflektierten.

In der Welthausreise erhielten die TN einen Einblick in die Arbeit von Welthaus und lernten die Mediathek „Panorama“ kennen. Outdoorworkshops verknüpften Orte in der eigenen Gemeinde mit globalen Themen. So machten sich die TN bei der Entdeckungsreise durch unser Dorf auf die Spur weltweiter Zusammenhänge rund um unsere Ernährung – und zwar im eigenen Dorf oder Stadtteil. Bei einer digitalen Schnitzeljagd begaben sich die TeilnehmerInnen mit ihrem Smartphone und der kostenlosen App Dem Schnitzel auf der Spur auf eine Erkundungstour durch Graz und entdeckten dabei die globale Dimension unseres Fleischkonsums. graz.welthaus.at/workshops

Die App kann man auf de.actionbound.com herunterladen. Dann einfach den QR-Code mit der App scannen:


18 | Welthaus Jahresbericht 2018

MEDIATHEK „PANORAMA“

Medien und mehr ... meinsam mit unseren BesucherInnen einen Blick über den regionalen Tellerrand. Das soll auch der neue Look verdeutlichen“, erklärt Karin Mauser (Welthaus, Foto).

Die Mediathek Panorama bietet über 4.700 Medien, interessante Veranstaltungen und fachkundige Beratung.

A

ls MedienkonsumentInnen sind wir Tag für Tag konfrontiert mit einer unübersichtlichen Abfolge von Themen: Vom Klimawandel über Flucht und Migration bis zu sozialen Konflikten, Extremismus und Terror. Doch was steckt hinter diesen globalen Entwicklungen? Wie hängen sie zusammen? Und was können wir tun? Einen vertiefenden Blick auf das Weltgeschehen werfen kann man in der Mediathek im Welthaus Graz und in acht steirischen Regionalstellen. Sie bietet eine breite Auswahl an Büchern, Zeitschriften, DVDs, CDs, Spielen, Karten und Unterrichtsmaterial zum Verleih an – seit Herbst 2018 unter dem Namen „Panorama“ und im neuen Erscheinungsbild. „Wir schärfen den Blick auf das Wesentliche, bieten Einblicke in globale Zusammenhänge und werfen ge-

Panorama bietet aber weit mehr als „nur“ Medien: Das Team berät bei der Planung von Projekttagen und Aktionen in Schulen, Pfarren, Solidaritätsgruppen und Gemeinden. Regelmäßig fanden im Vorjahr Workshops, LehrerInnenfortbildungen und Mediatheksrallyes statt. SchülerInnen und Studierende wurden bei der Recherche für ihre Vorwissenschaftlichen Arbeiten oder Diplomarbeiten betreut. Ein Service ist auch die Vermittlung von ReferentInnen für Workshops. Der Fokus auf Themen wie Globalisierung, Ökologie und Menschenrechte wendet sich an ein interessiertes Publikum genauso wie an SpezialistInnen, LehrerInnen wie SchülerInnen und Studierende. „Panorama“ gibt es auch in den Bezirken: in den Stadtbüchereien in Fürstenfeld, Gleisdorf, Kapfenberg, Knittelfeld, Liezen, Leoben, Mürzzuschlag und Weiz. Diese Bibliotheken sind sehr aktiv und bilden regionale Netzwerke mit Gemeinden, Pfarren, Schulen, Kindergärten und Weltläden. 2018 fanden in Graz und in den Regionalstellen 29 Vorträge und Workshops zu entwicklungspolitischen Themen statt. Die Mediathek war bei zahlreichen weiteren Veranstaltungen auch mit Büchertischen vertreten. Die Mediathek „Panorama“ wird vom Land Steiermark (FairStyria) gefördert. graz.welthaus.at/mediathek


Gemeinsam lernen | 19

BEGEGNUNG MIT GÄSTEN

Bewegende Einblicke

I

nterkulturelle Begegnungen, die bewegen: Welthaus lädt regelmäßig Gäste aus Afrika, Asien und Lateinamerika nach Österreich ein. In ihren Heimatländern setz en sie sich gegen Armut und für eine zukunftsfähige Gesellschaft ein. Workshops, Vorträge und persönliche Begegnungen bieten den Rahmen für Austausch und authentische Einblicke in den Lebensalltag in Entwicklungs- und Schwellenländern. Im April 2018 besuchten Gäste von den Philippinen die Steiermark. In ihrer Heimat machen Bergbaukonzerne gute Geschäfte mit dem Abbau von Rohstoffen. Dass sie auch die Verantwortung für die hinterlassenen „ökologischen Müllhalden“ übernehmen, dafür setzen sich unsere Gäste Adeline Angeles und Jimmy Khayog ein. Sie arbeiten für die Organisationen MACEC und CorDis (Projektpartner der Dreikönigsaktion) und kämpfen dafür, dass auch ihre Kinder noch ein Land vorfinden, in dem ein würdiges Leben möglich ist. Bei Workshops und Vorträgen berichteten sie von ihrem Einsatz für Menschenrechte und den Schutz der Umwelt. Ein langjähriger Projektpartner von Welthaus aus Argentinien, Juan Carlos Figueredo, war im Oktober zu Gast in der Steiermark. Argentinien setzt massiv auf den Export von landwirtschaftlichen Produkten. Für das Agrobusiness ist die Produktion von Soja, Fleisch, Mais, Zuckerrohr, Ethanol, etc. ein lukratives Geschäft. Doch die Schattenseiten dieses Wirtschaftssystems sind nicht zu übersehen: massive

Abholzungen und Landvertreibungen, neue Formen der Sklaverei, Wassermangel und die Vergiftung von Mensch und Natur durch Pestizide. Juan C. Figueredo setzt sich mit unserer Partnerorganisation INCUPO für die Rechte von Kleinbauernfamilien und Indigenen und gegen die zunehmende Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen ein. Am Programm standen Vorträge, Workshops und Gespräche mit PolitikerInnen und Medien zu Themen wie Agrarhandel, EU-Mercosur-Abkommen und „gutes Leben für alle“.

Adeline und Jimmy berichteten in der „Politik Traffik“ in Kapfenberg von ihrem Einsatz für Menschenrechte auf den Philippinen.

„Begegnung mit Gästen“ wird von den Welthaus-Organisationen in Graz, Linz, Klagenfurt, St. Pölten, Innsbruck und Wien durchgeführt. Unterstützt wird das Projekt von der Austrian Development Agency. graz.welthaus.at/gaeste 7


20 | Welthaus Jahresbericht 2018

VERANSTALTUNGEN

Vorträge, Filme, Diskussionen, ...

A

uf großes Interesse stieß der Vortrag des Nahostexperten und Autors Gerhard Schweizer zum Thema Iran verstehen am 24. Januar im Grazer Barocksaal. Mehr als 100 Interessierte fanden keinen Platz mehr im vollbesetzten Saal. Schweizer, einer der führenden Experten für die Analyse der Kulturkonflikte zwischen Abendland und Orient, plädierte dafür, den Iran mit allen seinen Gegensätzen wahrzunehmen und die Reformkräfte zu stärken. Der Vortrag zum Nachhören: graz.welthaus.at/news/iranverstehen-vortrag-zum-nachhoeren

Umweltschonende Elektroautos, nachhaltig produzierte Lebensmittel, faire Produktion: Wenn man den Konzernen Glauben schenkt, können wir mit Kaufentscheidungen die Welt retten. In dem Dokumtarfilm Die Grüne Lüge zeigen Regisseur Werner Boote und Kathrin Hartmann, wie wir uns gegen „Greenwashing“ wehren können. Welthaus veranstaltete am 6. März gemeinsam mit dem Grazer Schubertkino die Steiermark-Premiere. Im Anschluss diskutierten Boote, Hartmann, Nunu Kaller (Greenpeace) und Markus Meister (Welthaus) mit dem Publikum über den Film.

Für ein Leben ohne Gewalt: Am 28. Februar war Ana María Berrío Ramírez aus Kolumbien zu Gast im Welthaus. Sie berichtete über die aktuelle Situation in Kolumbien und ihre Arbeit bei der Organisation „Vamos Mujer“. Die Projektpartnerin der Aktion Familienfasttag der Katholischen Frauenbewegung (kfb) setzt sich dafür ein, von Gewalt betroffenen Frauen und Mädchen ein besseres Leben zu ermöglichen.

Der gebürtige Voralberger Thomas Bauer lebt seit über 20 Jahren in Brasilien und ist ein langjähriger Projektpartner von Welthaus. In seinem Dokumentarfilm Soja. Der Fleisch gewordene Wahnsinn zeigt er auf, welche gravierenden Folgen die steigende Produktion von Soja als Futtermittel in Brasilien auf Mensch und Natur hat. Welthaus veranstaltete zwei Filmscreenings – eines am 8. März in der Pfarre Christkönig (gemeinsam


Gemeinsam lernen | 21

mit dem Arbeitskreis Schöpfungsverantwortung) und am 15. März im Welthaus (mit den Grünen SeniorInnen). Anschließend gab es Filmgespräche mit Sigrun Zwanzger (Welthaus). Film online: graz.welthaus.at/news/ soja-der-fleisch-gewordene-wahnsinn Nachhaltigkeit ist das Schlagwort unserer Zeit. Wenn man das Wort ernst nimmt, steht es für Umdenken und Handeln – weg von der Geiz-ist-geil-Mentalität, weg von der Wegwerfgesellschaft und der Profitmaximierung. Der Dokumentarfilm Zeit für Utopien von Kurt Langbein zeigt lebensbejahende, positive Beispiele, wie man mit Ideen und Gemeinschaftssinn viel erreichen kann. Welthaus veranstaltete am 18. April gemeinsam mit dem Schubertkino eine Preview. Anschließend diskutierte der Regisseur mit Sigrun Zwanzger (Welthaus) und dem Publikum. Nach der Revolution: Die muslimische Welt befindet sich seit Jahrzehnten in einer Krise. Die Revolutionsbewegungen des „Arabischen Frühlings“ hatten Regierungsumstürze, Bürgerkriege und neue Machtverhältnisse zur Folge. Über die Ursachen und Folgen dieser Entwicklungen sprach der Nahostexperte Prof. Dr. Samir Khalil Samir SJ auf Einladung von Welthaus am 3. Mai in der Vorklinik der Karl-Franzens-Universität Graz.

Der Cerrado im Nordosten Brasiliens gilt als eine der artenreichsten Savannenregionen der Erde. Doch die Agrarindustrie beansprucht immer größere Flächen. Sie verdrängt die Bevölkerung, die eine kleinbäuerliche, an die Trockenzone angepasste Landwirtschaft betreibt. Tania de Souza Santos arbeitet bei der CPT Bahia, einer Partnerorganisation von Welthaus. Sie berichtetete am 13. Juni in der Stadtbibliothek Knittelfeld über ihren Einsatz für eine Lebenswerte Zukunft in Brasilien. Ohne Fleisch kein was? Der übermäßige Konsum von Fleisch hat viele negative Folgen. Kann dieses wertvolle Nahrungsmittel überhaupt „nachhaltig“ konsumiert und produziert werden? Welche Rolle wird Fleisch zukünftig in unserer Ernährung spielen? Wie viel ist „genug“, was sind die Alternativen? Darüber diskutierten Hermann Neuburger (Neuburger/ Hermann Fleischlos), Norbert Hackl (Biohof Labonca) und Sigrun Zwanzger (Welthaus) am 20. September im Welthaus. In den letzten Jahren wurde die Gewalt gegen Frauen in Indien zu einem zentralen gesellschaftlichen Thema. Über die aktuelle Lage berichtete die Leiterin der Organisation Mittika und Expertin zum Thema Gendergerechtigkeit Durba Ghose am 7. November im Welthaus. In Kooperation mit der kfb. graz.welthaus.at/termine

Der Nahostexperte Gerhard Schweizer zu Gast im Barocksaal, Ana María Berrío Ramírez (Kolumbien) im Welthaus, Filmpremiere von „Die Grüne Lüge“ im Schubertkino und Diskussion mit Hermann Neuburger u.a. im Welthaus (v.l.).


22 | Welthaus Jahresbericht 2018

LEHRGANG GLOBALES LERNEN

Pädagogik für WeltbürgerInnen Ressourcen pflegt, die Menschenrechte achtet und die Vielfalt der Kulturen als einzigartige Chance wahrnimmt. Der dreisemestrige Lehrgang wurde berufsbegleitend durchgeführt und richtete sich an Lehrende aller Schulstufen, Lehramtsstudierende und Interessierte. Welthaus führte ihn in Kooperation mit der KPH Graz und Südwind Steiermark durch.

Gemeinsam feierten die TeilnehmerInnen den Abschluss des Lehrganges im Grazer Barocksaal.

E

in Blick auf den gedeckten Tisch, ins Supermarktregal oder auf das Handy genügt, um festzustellen, wie sehr wir in weltweite Zusammenhänge eingebunden sind. Die Globalisierung löst bei vielen Menschen aber auch Gefühle wie Ohnmacht, Unsicherheit und Angst aus. Wie bereiten wir unsere Kinder auf diese Herausforderungen vor? Wie finden wir uns selbst in einer immer komplexeren und schnelleren Welt zurecht? Diese Fragen sowie die Themen, Methoden und Werte des Globalen Lernens standen im Mittelpunkt des Lehrganges „Globales Lernen – Pädagogik für WeltbürgerInnen“. Der Lehrgang fand zwischen 2017 und 2019 bereits zum dritten Mal statt. Er zeigt Perspektiven einer nachhaltig ausgerichteten Weltgesellschaft auf, die einen behutsamen Umgang mit

Der Lehrgang bietet eine intensive Auseinandersetzung mit dem Konzept des Globalen Lernens, eine praxisorientierte methodische Vertiefung und gleichzeitig inhaltliche Bearbeitung zahlreicher Brennpunkte unserer Gegenwart: Migration, Ökologie und Klimawandel, Wirtschaft und Globalisierung, Religion, nachhaltiger Lebensstil und Ernährungssicherheit. Besonders intensiv sind dabei die Erfahrungen bei den Bildungsreisen. Soziale Brennpunkte und Gegenstrategien standen bei der Projektreise nach Rumänien im Mittelpunkt, die Wear-Fair in Linz machte die Themen nachhaltiger Lebensstil, Arbeitsbedingungen und faire Handelsbeziehungen begreifbar. Umfassend waren auch die inhaltlichen und methodischen Zugänge der Abschlussarbeiten: Von Kleidertauschbörsen mit SchülerInnen über das Gestalten von Nachrichtensendungen zu positiven Entwicklungen bis hin zu kreativ-künstlerischen Auseinandersetzungen mit unserer Gegenwart wurden viele „heiße Eisen“ aufgegriffen und bearbeitet. Die TeilnehmerInnen bewiesen damit, dass sie aktive WeltbürgerInnen sind und SchülerInnen und Lernende auf diesem Weg begleiten können. graz.welthaus.at/gemeinsam-lernen


Gemeinsam lernen | 23

WELTKIRCHE

Film, lange Nacht und Wallfahrt

D

ie tätige Nächstenliebe ist nicht nur ein Auftrag an jeden einzelnen Gläubigen, sondern an alle Pfarren, die diözesanen Einrichtungen und die Diözese als Ganze. Welthaus hat laut Statut die Aufgabe, die gemeinsamen Aktionen der katholischen Hilfswerke in der Steiermark zu koordinieren. Im Rahmen von „800 Jahre Diözese GrazSeckau“ wurde 2018 der Film einfach Mensch sein produziert. Ernst Zerche (Welthaus) und Manuel Prett begeben sich im Film auf die Spur der diözesanen Aktivitäten in der Weltkirche. Die filmische Reise führt von Nepal über den Senegal und Brasilien bis nach Südkorea und Österreich. Im Mittelpunkt stehen Menschen, die sich für eine bessere Welt einsetzen und die trotz schwierigster Umstände weder die Hoffnung noch ihre Lebensfreude verlieren. Die ausverkaufte Filmpremiere fand am 14. Juni im Grazer Schubertkino statt. Am 20. Juni gab es eine Open-Air-Vorführung am Tummelplatz. Es folgten zahlreiche weitere Filmscreenings mit Regisseur Ernst Zerche in ausgewählten österreichischen Kinos. In Kürze ist der Film auf graz.welthaus.at abrufbar.

machte speziell auf Kinderechte aufmerksam. Anschließend informierten die Hilfswerke mit Daten und Fakten sowie landesüblichen Köstlichkeiten über die Realitäten in ihren Projektländern. Begleitet wurde diese Weltreise von der Ausstellung „Laudato si“ des Fotografen Ernst Zerche. Zum Ausklang gab es einen spirituellen Abschluss mit Musik und Texten.

Die Lange Nacht der Kirchen am 25. Mai 2018 stand unter dem Motto „Menschenrechte“. Dabei setzten sich die katholischen Hilfswerke in der Grazer Stiegenkirche auf unterhaltsame und kritisch-informative Weise mit den Menschenrechten auf Bildung, Nahrung, Religionsfreiheit, Recht auf Land, soziale Sicherheit und menschenwürdige Arbeit auseinander. Der Kinderchor „Superar“

Die Wallfahrt der Weltkirche fand am 30. September 2018 als gemeinsame Wallfahrt der diözesanen Hilfswerke in Sankt Ruprecht an der Raab statt. Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl war unter dem Motto „in Vielfalt verbunden“ mit den teils internationalen TeilnehmerInnen unterwegs. Der Weg führte von der Pfarrkirche in St. Ruprecht a. d. Raab zur Wallfahrtskirche Breitegg. graz.welthaus.at/gaeste

Manuel Prett bei den Dreharbeiten zum Film „einfach Mensch sein“ mit Kindern im Nordosten Brasiliens.


24 | Welthaus Jahresbericht 2018

RELIGIONSFREIHEIT

Angstfrei den Glauben leben Team bot 2018 fachkundige Beratung an und gestaltete Büchertische bei den Veranstaltungen, die auf reges Interesse stoßen. Unsere ReferentInnen gaben Auskunft über aktuelle Analysen zur Lage der Religionsfreiheit weltweit. Welthaus informiert auch auf der Website regelmäßig über das Thema. Bei der Frühjahrssitzung der Österreichischen Bischofskonferenz wurde eine Diskussionsgrundlage zur Religionsfreiheit eingebracht, um das Thema in der Bischofskonferenz zu verankern. Bischof Dr. Werner Freistetter betreut dieses Thema, im Herbst wurden mit ihm mögliche Themenfelder besprochen.

Im Senegal leben die Religionsgemeinschaften friedlich miteinander.

R

Im Rahmen der Ringlehrveranstaltung „Einführung in die Menschenrechte“ hielt Christine Reiter-Haas vom Welthaus eine Vorlesung an der Karl-Franzens-Universität-Graz zum Thema „Menschenrecht Religionsfreiheit“ (in Kooperation mit ETC).

In der Mediathek „Panorama“ im Welthaus können inzwischen über 200 Medien zu den Themen Religionen, interreligiöser Dialog und Naher Osten entlehnt werden. Das Welthaus-

Die Thematik der weltweiten religiösen Vielfalt konnte man auch auf spielerische Weise erfahren: „Meine, deine, unsere Religion?“ ist ein Schätzspiel, das von Gruppen und Schulklassen gespielt wurde. Dabei kann man die weltweite Verteilung der Religionsgemeinschaften „begreifen“: Das Spiel wurde u.a. beim Diözesanjubiläum am Grazer Tummelplatz und beim Fair-Styria-Tag des Landes Steiermark von Schulgruppen gespielt. Manches Aha-Erlebnis war dabei vorprogrammiert. Das Schätzspiel ist in der Mediathek „Panorama“ im Welthaus entlehnbar.

eligionsfreiheit ist ein Menschenrecht. Doch in vielen Ländern werden Menschen aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit diskriminiert, unterdrückt, verfolgt und ermordet. Wo die Religionsfreiheit verletzt wird, dort werden auch die Menschenrechte insgesamt nicht geachtet. Die Frage der freien Ausübung von Religion ist zu einem Schwerpunktthema von Welthaus geworden. Bei Veranstaltungen mit ExpertInnen wurden 2018 Hintergründe von religiösen, gesellschaftlichen und politischen Auseinandersetzungen beleuchtet (Seiten 20 – 21).

graz.welthaus.at/weltweit-aktiv/religionsfreiheit


Finanzen 2018 | 25 Mittelherkunft I. Spenden

89.245,38

a) ungewidmete Spenden

22.912,56

b) gewidmete Spenden

66.332,82

II. Mitgliedsbeiträge

-

III. Betriebliche Einnahmen

131.309,86

a) betriebliche Einnahmen aus öffentlichen Mitteln

-

b) sonstige betriebliche Einnahmen

131.309,86

IV. Subventionen und Zuschüsse der öffentlichen Hand

89.650,87

V. Sonstige Einnahmen

-

a) Vermögensverwaltung

-

b) sonstige andere Einnahmen (nicht unter Punkt I-IV)

-

VI. Einnahmen aus kirchlicher Mitfinanzierung

1.589.900,00

a) von KOO-Mitgliedern

92.900,00

b) von sonstigen kirchlichen Organisationen (Kirchenbeitrag)

1.497.000,00

VII. Auflösung von Passivposten für noch nicht widmungsgemäß verwendete Spenden bzw. Subventionen VIII. Auflösung v. Rücklagen

108.208,00

IX. Jahresverlust

-

Summe Mittelherkunft

2.008.314,11

Mittelverwendung I. Leistungen für die statutarisch festgelegten Zwecke

1.647.446,10

Projektmittel (Entwicklung, Humanitär, Andere, Mildtätige)

697.638,64

Aufwendungen für Projektvorbereitung, - begleitung

132.657,25

Aufwendungen für Bildung/Anwaltschaft/Information

571.743,61

Aufwendungen an KOO-Mitglieder (Weiterleitungen, Kofin.)

245.406,60

II. Spendenwerbung

34.392,20

III. Verwaltungsaufwand

138.143,06

IV. Sonstige Ausgaben, sofern sie nicht unter I. bis III. enthalten sind

188.332,75

V. Zuführung zu Passivposten für noch nicht widmungsgemäß verwendete Spenden bzw. Subventionen VI. Zuführung zu Rücklagen

-

VII. Jahresüberschuss

-

Summe Mittelverwendung

2.008.314,11

Gemäß Finanzrichtlinien der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission.

D

ie finanziellen Mittel, die Welthaus zur Bewältigung seiner Aufgaben zur Verfügung stehen, stammen zum überwiegenden Teil von der Diözese GrazSeckau, die durch „Selbstbesteuerung“ ihre Solidarität mit der Weltkirche und mit Menschen in vielen Teilen der Welt zum Ausdruck bringt.

Die Arbeit von Welthaus wird kofinanziert durch das Land Steiermark und das Österreichische Außenministerium (Austrian Development Agency). Ein wesentlicher Teil der kofinanzierten Entwicklungsprojekte wird in Kooperation mit HORIZONT3000 durchgeführt. Außerdem wird die Arbeit von Welthaus unterstützt von:

7


26 | Welthaus Jahresbericht 2018

WIR STÄRKEN MENSCHEN

Mit Ihrer Hilfe...

W

as macht arm, was macht reich? Carivaldo Ferreira dos Santos aus Brasilien spricht für mich klare Worte (Seite 7): Wir brauchen Zeichen gegen arm machende Ausgrenzung und Ausbeutung und müssen uns für das Wohlergehen von Mensch und Natur einsetzen. Dazu gehört nicht nur die Sorge um das tägliche Brot, es braucht vor allem auch den Blick auf die Ungerechtigkeiten, die allzu oft Ursache für großes Leid sind. Mich selbst macht es reich zu sehen, wie wir mit Ihrer Unterstützung unsere Partner in Entwicklungs- und Schwellenländern stärken können, ihr Leben selbst zum Guten zu verändern. Dank Ihrer Spenden konnten wir 2018 indigene Familien in Argentinien beim Kampf gegen die zunehmende Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen unterstützen. Indigene Jugendliche im Hochland Guatemalas sind besonders ausgegrenzt und benachteiligt. Wir stärken sie mit Aus- und Weiterbildung, damit sie sich selbst für ihre Rechte einsetzen können. In der Slowakei unterstützt Welthaus die „Agentinnen der Gleichberechtigung“. Sie sind selbst Romnia und stärken Frauen ihrer Volksgruppe dabei, für ihre Anliegen einzutreten und bereiten die Kinder auf den Eintritt in die Regelschule vor. Kleinbauern-Familien in Tansania und im südostasiatischen Laos standen im Fokus unserer Sammlungen für bessere Anbaubedingungen von Lebensmitteln. Die Lage der Flüchtlinge des Konflikts in der Ostukraine ist abseits der Kameras nicht we-

niger prekär. Vor allem das Überstehen der Wintermonate bereitet vielen Familien große Sorgen. Hier konnten wir dank Ihrer Weihnachtsspenden Wärme und Hoffnung schenken. Auch beim traditionellen Adventpunsch der Grazer Wechselseitigen Versicherung wurde 2018 ein namhafter Betrag für die Ostukraine gespendet. Das Reisebüro Amigotour/Worldtour hat anstelle von Weihnachtsgeschenken für Kunden Projekte in Brasilien unterstützt. Danke, dass Sie mit uns den Weg in eine gerechtere Zukunft voll Hoffnung für unsere Partnerinnen und Partner gehen! Ohne Ihre Unterstützung wäre unsere Arbeit nicht möglich. Viktoria Schichl P.S. Ein paar Hühner zum Fünfziger? Haben Sie schon daran gedacht, sich anstelle von Geschenken bei Festen Spenden für Welthaus-Projekte zu wünschen? Wählen Sie aus unseren Projekten, wir unterstützen Sie gerne – nicht nur mit Infomaterial für Ihre Gäste. 218 Millionen Euro werden jährlich steuerlich berücksichtigt. Wenn auch Sie Ihre private Spende an uns beim Finanzamt absetzen möchten, geben Sie uns bitte – falls Sie es noch nicht getan haben – Ihren Namen laut Meldezettel und Ihr Geburtsdatum bekannt. Damit können wir die Spendenmeldung durchführen und Sie Ihre Spende absetzen.


Spenden & Helfen | 27

UNTERNEHMEN HELFEN PRAKTIKUM / EHRENAMT

Honig aus der Serengeti

P

artnerschaft für eine gute Sache: Tumaini Matutu, langjährige Mitarbeiterin des Welthaus-Projektpartners ACT Mara im Nordwesten Tansanias, besuchte im Herbst 2018 Gert Rücker in Rohr bei Feldbach. Rücker unterstützt mit seinem Textilunternehmen seit vielen Jahren ein Projekt für Kleinbauernfamilien in Tansania: „Als JMB Fashion Team sind wir stolz, Welthaus und seine Initiativen in Afrika unterstützen zu dürfen. Bei ihrem Besuch hat uns Tumaini wieder darüber informiert, welchen wunderbaren und besonderen Beitrag für eine Verbesserung der Bedingungen in Tansania sie gemeinsam mit ihrem und dem Team von Welthaus leistet. Mit ihrer Freude und Fröhlichkeit hat sie uns alle bezaubert und beschenkt. Danke!“ Mit im Gepäck hatte Tumaini Honig aus einem Landwirtschaftsprojekt im Bezirk Serengeti, produziert von den dortigen KleinbäuerInnen, sowie Seife aus Bunda, die auf Märkten sehr erfolgreich verkauft werden. Unterstützung aus Österreich, die Wirkung zeigt.

Vertiefende Einblicke

W

er sich für globale Fragen interessiert ist herzlich willkommen, im Welthaus ein studienbegleitendes Praktikum zu absolvieren oder ehrenamtlich mitzuarbeiten. Praktikum und Ehrenamt bieten Interessierten vertiefende Einblicke in die Arbeit einer entwicklungspolitischen Organisation. Welthaus wiederum profitiert von den vielen Ideen und Anregungen und dem frischen Wind durch das Engagement der zumeist jungen Menschen. Durch die gute Zusammenarbeit mit dem Masterstudienlehrgang „Global Studies“ der Uni Graz konnten 2018 vier Studentinnen und zwei Studenten ihr Praktikum im Welthaus absolvieren. Mit den PraktikantInnen erreicht Welthaus auch eine Zielgruppe, die der Katholischen Kirche zum Teil fern oder zumindest kritisch gegenübersteht. Regelmäßig wird in den Abschlussgesprächen von den PraktikantInnen die wertvolle Arbeit der Katholischen Kirche in diesem Bereich gewürdigt. graz.welthaus.at/spenden-helfen


Danke für Ihr Vertrauen! Wir bitten Sie auch weiterhin um Ihre Unterstützung unserer Arbeit. WELTHAUS IST ... eine Einrichtung der Katholischen Kirche Steiermark zur weltweiten Verwirklichung von Menschenwürde und Gerechtigkeit. Seit 1970 verbessert Welthaus gemeinsam mit lokalen Organisationen die Situation von Armen in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa. In Österreich zeigt Welthaus globale Zusammenhänge auf und tritt für einen nachhaltigen und sozial gerechten Lebensstil ein. Die Erfahrungen aus den Projektländern bilden die Grundlage für die Bildungsangebote in der Steiermark. Welthaus Diözese Graz-Seckau Bürgergasse 2, 8010 Graz Tel. +43 316 324556 graz@welthaus.at graz.welthaus.at Öffnungszeiten: Mo. – Fr. 9 – 12 Uhr Mo. – Do. 13 – 16 Uhr und nach Vereinbarung In den Schulferien: 9 – 12 Uhr

Spendenkonto

IBAN: AT79 2081 5000 0191 3300 BIC: STSPAT2GXXX

Spenden steuerlich absetzen

Wenn Sie Ihr Geburtsdatum, Vor- und Nachname angeben, werden Ihre Spenden an Welthaus automatisch steuerlich berücksichtigt (siehe Seite 26). Diese Absetzbarkeit ermöglicht es Ihnen, mehr zu spenden – ohne mehr zu bezahlen!

Online spenden unter: graz.welthaus.at / Welthaus

/ WelthausGraz

Welthaus. Wir stärken Menschen.

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Welthaus Jahresbericht 2018  

Der Jahresbericht des Welthaus Diözese Graz Seckau 2018

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