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2019 Jahresbericht 2019

graz.welthaus.at

Welthaus. Wir stärken Menschen.


2 | Inhalt

3 Vorwort

14 Unrecht beseitigen

4 Weltweit aktiv Länder / Projekte 2019

16 Gemeinsam lernen

Argentinien

6

Perspektiven für Indigene und Kleinbauernfamilien

7

Brasilien

Land absichern und DorfbewohnerInnen verteidigen 8

Guatemala

Eine Stimme für die Maya

9 Laos Maßnahmen für bessere Ernährung 10

Senegal

Die Unternehmerinnen von Djilor

11 Slowakei Ausgezeichneter „Roma-Spirit“

Workshops

17

Globale Zusammenhänge begreifen

18

Den Weltblick schärfen

Mediathek „Panorama“

19

Begegnung mit Gästen

20

Veranstaltungen

22

Plattform Bildung2030

23

Weltkirche

Gemeinsam aus der Krise Am Puls der Zeit

Lehren und Lernen für die Zukunft Spuren der Solidarität

Tansania

24 Religionsfreiheit

Ukraine

25 Finanzen 2019

12

Land für die eigene Ernährung sichern

13

Hilfe für die Opfer des Krieges

26 Spenden & helfen

Impressum Medieninhaber, Herausgeber, Verleger: Welthaus Diözese Graz-Seckau Bürgergasse 2, 8010 Graz Tel. +43 316 324556 E-Mail: graz@welthaus.at graz.welthaus.at

Titelfoto: Mädchen auf dem Dorfplatz von Santhiou Béra im Senegal. Der Platz mit den großen Mangobäumen und Baobabs ist eine Art „öffentliches Wohnzimmer“ der DorfbewohnerInnen. Welthaus unterstützt hier eine Frauengruppe dabei, mit angepassten Methoden die Ernährung ihrer Familien zu verbessern und ein kleines Einkommen auf dem lokalen Markt zu erzielen. (siehe auch Seite 10). Foto: Ernst Zerche

Redaktion, Gesamtleitung: Christian Köpf Layout: Christian Köpf Druck: Druckhaus Thalerhof Fotos: Welthaus, Ernst Zerche, Gerd Neuhold, COPAE, HORIZONT3000, INCUPO, Verein Spolu, Caritas Wolnowacha, privat F.d.I.v.: Dietmar Schreiner Rechtsform: Welthaus Diözese Graz–Seckau Entwicklungszusammenarbeit: Öffentliche juristische Person gemäß can. 114 ff CIC. Verantwortlich für Spendenwerbung: Viktoria Schichl Für Spendenverwendung: Agnes Truger Für den Datenschutz: Dietmar Schreiner


Vorwort | 3

Liebe Leserin, lieber Leser!

D

ie Coronakrise zeigt uns sehr deutlich die weit reichenden Auswirkungen der Globalisierung. Leider sind dadurch andere globale Herausforderungen wie die Klimakrise, soziale Ungleichheit oder erzwungene Migration in den Hintergrund gerückt. Welthaus bemüht sich seit 50 Jahren, auf die globalen Herausforderungen hinzuweisen und in Kooperation mit seinen ProjektpartnerInnen Lösungen zu suchen. Dafür sind gerade deren Erfahrungen besonders wichtig. Das Jahr 2019 war für die Katholische Kirche ein besonderes Jahr: Zum einen war der Oktober der „Außerordentliche Monat der Weltmission“, zum anderen fand in Rom auch die Amazoniensynode statt, bei der es nicht nur um die Frage der Seelsorge in einer herausfordernden Region ging, sondern auch darum, wie Kirche angesichts des dort herrschenden Raubtierkapitalismus agieren kann. Von den Synodenteilnehmern kam ein deutliches Signal, dass die Kirche weltweit

ein religiöser und politischer Akteur auf der Seite der Armen sein soll. Welthaus sieht sich dadurch in seinem Engagement bestärkt. Mit dem vorliegenden Jahresbericht möchten wir Ihnen an einigen Beispielen zeigen, welche Arbeit Welthaus im Jahr 2019 geleistet hat. Wir konnten mit den Auslandsprojekten die Lebensbedingungen von Menschen in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa nachhaltig verbessern, haben uns aber auch durch die anwaltschaftliche Arbeit für Menschen eingesetzt, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden. Globale Fragestellungen und positive Antworten darauf stehen im Mittelpunkt unserer Bildungsangebote in der Steiermark und im Internet. Ich darf Sie, liebe Leserinnen und Leser, einladen, uns weiterhin bei unserer Arbeit tatkräftig zu unterstützen. Mag. Dietmar Schreiner Geschäftsführer


4 | Welthaus Jahresbericht 2019

SLOWAKEI

UKRAINE

LAOS

SENEGAL

GUATEMALA

BRASILIEN

TANSANIA

ARGENTINIEN

W

elthaus fördert innovative und nachhaltige Programme, die es Menschen ermöglichen, die Gestaltung ihres Lebens und ihrer Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Ausgegrenzte Menschen werden zu aktiv Handelnden. Kreative Überlebensstrategien und konkrete Lösungen lassen erkennen, dass Arme nicht passive SpendenempfängerInnen sind. Welthaus arbeitet langfristig mit lokalen (kirchlichen und nichtkirchlichen) Partnerorganisationen zusammen. Diese sind bei staatlichen Stellen in den jeweiligen Ländern registriert. Die einheimischen MitarbeiterInnen verfügen über professionelles Knowhow. Nur auf diesem Weg sind nachhaltige Veränderungen zu erreichen.

Welthaus ist sich seiner großen Verantwortung gegenüber KirchenbeitragszahlerInnen und SpenderInnen bewusst. Die Projektfinanzierung erfolgt in Teilzahlungen nach Überprüfung des Projektfortschrittes. Regelmäßige externe Buchprüfungen vor Ort gehören zum Standard. Ebenso wird Welthaus von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer jährlich geprüft. Welthaus führt das österreichische Spendengütesiegel. Die Spenden an Welthaus sind steuerlich absetzbar. Zur Sicherung der Qualität werden die Projekte laufend evaluiert. Die Weltkarte oben zeigt unsere Schwerpunktländer. Eine Liste aller Projekte finden Sie rechts. Auf den folgenden Seiten stellen wir Ihnen einige Projekte vor …


Länder / Projekte | 5

Land

Aktivität – Projektpartner

Summe

Argentinien

Politische und kulturelle Stärkung von Indigenen im Chaco – Incupo

30.060,25

Brasilien

Schutz der Landrechte von Kleinbäuerinnen und -bauern – CPT Barra

25.062,50

Brasilien

Land absichern und DorfbewohnerInnen verteidigen – CPT Nordeste, Bahia, Minas Gerais

17.341,00

Brasilien

Gefängnisseelsorge – CNBB

25.065,99

Brasilien

Überleben in der Trockenzone – IRPAA Convivencia

Guatemala

Schutz von MenschenrechtsverteidigerInnen – UDEFEGUA

15.063,09

Guatemala

Politische Mitsprache der indigenen Jugend – FTN

10.025,00

Guatemala

Aus dem Blickwinkel der Völker – COPAE

15.037,50

Laos

Ernährungssicherheit – ARMI

15.271,97

Laos

Gemeinschaftliches Waldmanagement – GAPE

40.100,00

Laos

Erhalt von natürlichen Ressourcen – GAPE

Laos

Management von natürlichen Ressourcen – JVC

20.050,00

Laos

Zugang zu Gemeinschaftsland und Landrechtstrainings – PSNUA

20.050,00

Laos

Schutz und Zugang zu natürlichen Ressourcen – Mekongwatch

17.042,50

Senegal

Ernährungssouveränität – acht Partnerorganisationen

Senegal

Agrarökologie im Getreideanbau – Symbiose

9.205,55

Slowakei

“Vom Abseits in den Mittelkreis”: Förderung von Roma-Mädchen durch Fußball – Verein SPOLU

3.600,00

Slowakei

Romnija – “Agentinnen der Gleichberechtigung” – Verein SPOLU

Slowakei

Pastoralarbeit im Romazentrum in Lipany – Caritas Košice

6.000,00

Tansania

ERI gemeinsame Aktivitäten – OWSL

1.332,00

Tansania

Ernährungssouveränität in Chunya – ADP Mbozi

14.469,15

Tansania

Ernährungssouveränität in Bunda und Serengeti-District – OWSL

10.647,64

Tansania

Gesicherter Zugang zu Land – MIICO

24.110,00

Tansania

Nachhaltige Landwirtschaft – IRDO

11.578,75

Tansania

Landrechte – Haki Ardhi

16.993,30

Tansania

Landrechte und gute Regierungsführung – TNRF

40.130,00

Ukraine

Hilfe für Flüchtlingsfamilien in Konotop – Verein VIDEN

Ukraine

Jugendzentrum in Konotop – Verein VIDEN

22.066,25

Ukraine

Hilfe für Binnenflüchtlinge in Wolnowacha – Caritas Wolnowacha

11.062,08

Ukraine

Bildung für Kinder und Jugendliche – Caritas Iwano Frankiwsk

21.052,50

Ukraine

Summer School Art Therapy – Verein VIDEN

5.000,00

411,18

International Wissensmanagement inkl. Review – HORIZONT3000

100.770,86

26.792,00

5.843,10

4.016,23 13.633,91

Welthaus. Wir stärken Menschen.


6 | Welthaus Jahresbericht 2019

ARGENTINIEN

Perspektiven für Indigene und Kleinbauernfamilien lien. Die indigenen Gemeinschaften, die über Jahrhunderte als Jäger und Sammler ihre Ernährung sicherten, sind durch Abholzungen und Landvertreibungen zu Almosenempfängern geworden: Ihres Lebensraumes beraubt, sind sie heute oft gezwungen, ihre Nahrungsmittel bei Volksküchen, Ausspeisungen oder in Privathäusern zu „sammeln“. Für Kinder ist die kostenlose Schulmahlzeit die einzige sichere Nahrungsquelle. Auch die Wasserversorgung ist sehr schlecht. Hautkrankheiten, Durchfälle und Tuberkulose sind weit verbreitet.

Eine Perspektive für indigene Gemeinschaften, deren Lebensraum durch das Agrobusiness zunehmend bedroht ist.

I

Gemeinsam mit der argentinischen Organisation INCUPO setzt sich Welthaus für die Rechte von Indigenen und Kleinbauernfamilien und gegen die zunehmende Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen ein. INCUPO klärt die Menschen über ihre Rechte auf und stärkt die Position von indigenen Organisationen – durch gezielte Vernetzung, Ausarbeitung und Umsetzung von Strategien und einen in der Öffentlichkeit geführten Diskurs über die Konflikte um Land und den Lebensraum der lokalen Bevölkerung.

Besonders drastisch ist die Lage in der ChacóRegion, dem zweitgrößten Ökosystem der Welt, für viele Indigene und Kleinbauernfami-

Ein Ziel ist der Schutz von Wäldern mit ihrem breiten Angebot an Nahrungsmitteln, Tierfutter und Heilkräutern sowie ihrer wichtigen Funktion für das Klima. Wichtig ist auch der Schutz von Kulturen, mit ihrem großen Wissen über menschliche Beziehungen zur Natur und Spiritualität und ihrem sozialen Gemeinwesen. Dabei ist wesentlich, dass sie für sich selbst sprechen können, um ihr Recht auf Land zu verteidigen und selbst Lebensmittel herzustellen – in Eintracht mit der Natur.

n Argentinien gewann der Linke Alberto Fernández 2019 die Präsidentschaftswahl gegen den neoliberalen Amtsinhaber Mauricio Macri. Dieser stolperte über einen 57-Milliarden-Dollar-Kredit vom Internationalen Währungsfonds, der mit harten Sparauflagen für die Bevölkerung verknüpft war. Darauf wollten sich die ArgentinierInnen nicht erneut einlassen. Steigende Armut, Misswirtschaft und Korruption, die extrem hohe Inflation und um sich greifende Armut prägen den Alltag breiter Bevölkerungsschichten.

graz.welthaus.at/argentinien


Weltweit aktiv | 7

BRASILIEN

Land absichern und DorfbewohnerInnen verteidigen

V

iele Dorfgemeinden im Nordosten Brasiliens sind sogenannte „traditionelle Gemeinschaften“: Es sind Kleinbauernfamilien und FischerInnen, die seit Generationen ohne Landtitel auf Staatsland leben. Diese Gemeinschaften zeichnet ein starker Zusammenhalt aus. Viele sind Quilombos – ehemalige Fluchtsiedlungen von Sklaven. In den drei Bundesstaaten Pernambuco, Bahia und Minas Gerais gibt es 1446 zertifizierte Quilombos. Unter der Regierung Bolsonaro ist die Umsetzung der Rechte der traditionellen Gemeinschaften massiv bedroht. Es kommt zu Einschüchterungen, Morddrohungen, Zerstörung der Felder, Mordversuchen. Laut unserer Partnerorganisation CPT wurden in den letzten drei Jahren 154 Bauern und Bäuerinnen, die ihre Rechte verteidigten, ermordet. Neben diesen vorwiegend privat organisierten Übergriffen ist auch das Ausmaß der vom Staat praktizierten Gewalt alarmierend. Dieses Vorgehen beeinträchtigt die nachhaltige Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen und das wirtschaftliche Überleben der Bevölkerung. Das vorherrschende Wirtschaftsmodell fördert die Landkonzentration, privatisiert das Wasser und verstärkt die Abholzung und Wüstenbildung, die Wasserverschmutzung durch Agrargifte, die Missachtung der ArbeiterInnenrechte und verschärft Armut und Hunger. Immer mehr Land befindet sich in den Händen von Großgrundbesitzern und großen Firmen. Diese Landkonzen-

tration ist eines der deutlichsten Zeichen der sozialen Ungleichheit und verursacht schwere Landkonflikte. Die Gemeinschaften kämpfen trotz aller Schwierigkeiten darum, auf ihrem Land bleiben zu können. Welthaus und die CPT unterstützen sie dabei und bieten ihnen etwa Weiterbildung, damit sie politisch wirkungsvolle Maßnahmen umsetzen können. Ihre Bemühungen dürfen nicht kriminalisiert werden und die persönliche Sicherheit der Menschen muss gewährleistet sein. Anzeigen dürfen nicht grundlos eingestellt werden und der Staat muss sicherstellen, dass Verbrechen nicht straflos bleiben.

Welthaus unterstützt Kleinbauernfamilien im Nordosten Brasiliens bei der Verteidigung ihres Landes.

Das Projekt wird mit der Dreikönigsaktion und HORIZONT3000 durchgeführt. graz.welthaus.at/brasilien 7


8 | Welthaus Jahresbericht 2019

GUATEMALA

Eine Stimme für die Maya doch die Wahl ihrer VertreterInnen in politische Ämter bleibt eine seltene Ausnahme

Indigenas werden in Guatemala nach wie vor diskriminiert. Welthaus und Projektpartner COPAE unterstützen sie dabei, ihren Anliegen öffentlich Gehör zu verschaffen. Foto: Josue Navas

G

uatemala ist geprägt von ethnischer, kultureller und sprachlicher Vielfalt: In dem Land leben 23 Maya-Völker, Xinka, Garifuna und Ladinos (Weißen). Im westlichen Hochland beträgt der Anteil der indigenen Bevölkerung zwischen 25 und 100 Prozent. Seit der Kolonialzeit sind Indigenas von schwerer struktureller Diskriminierung und Rassismus betroffen. Durch die soziale Ungleichgewicht nimmt die (extreme) Armut in dieser Bevölkerungsgruppe ständig zu. Indigenas haben erschwerten Zugang zu Land, Bildung und Gesundheit. Sie arbeiten oft unter prekären Bedingungen, sind kaum in Entscheidungsgremien vertreten und haben geringen Stellenwert in der öffentlichen Debatte. Sie besitzen zwar das aktive Wahlrecht,

Der guatemaltekische Staat hat zahlreiche Projekte zur Nutzung oder zum Abbau von natürlichen Ressourcen im Siedlungsgebiet der Maya-Völker bewilligt. Sie werden meistens nicht mit einbezogen und müssen anschließend mit den teilweise verheerenden Folgen für die Umwelt und das soziale Gefüge leben. Immer wieder werden Persönlichkeiten, die sich für die Rechte der indigenen Völker einsetzen, kriminalisiert, mit Strafprozessen überhäuft und sogar ermordet. Dieses System besteht seit der Kolonialzeit und erschwert die Anerkennung der kollektiven Rechte der indigenen Völker. Die großen Medien sind eng mit Wirtschaft und Politik im Land verknüpft und bilden ausschließlich deren Interessen ab. COPAE, seit 2010 Projektpartner von Welthaus, arbeitet daran, die beschränkten Möglichkeiten für Öffentlichkeitsarbeit für die indigene Bevölkerung bestmöglich zu nützen. Über alternative Kommunikationskanäle wie Gemeinschaftsradios, Informationen auf mehreren Websites, aktuelle Beiträge in sozialen Medien oder die Teilnahme an öffentlichen Diskussionen werden guatemaltekische Realitäten aus dem Blickwinkel der marginalisierten, vorwiegend indigenen Bevölkerung dargestellt. Radios sind oft auch die einzige Informations- und Bildungsquelle für die Menschen, die oft weit abgelegen und verstreut in den Bergen leben. graz.welthaus.at/guatemala


Weltweit aktiv | 9

LAOS

Maßnahmen für bessere Ernährung

D

rei von vier Menschen leben in Laos von der Landwirtschaft – ein großer Teil davon, um sich und die eigene Familie zu versorgen. Kleine Überschüsse werden meist auf den lokalen Märkten verkauft, damit notwendige Güter gekauft werden können. Die Landwirtschaft erwirtschaftet in Laos rund ein Drittel des Bruttosozialproduktes. Der Klimawandel, mangelnder Zugang zu Wasser und klimatisch nicht angepasste Anbaumethoden haben oft geringe Ernten zur Folge. Vielen Familien ist es nicht möglich, ausreichend Reis für den Eigenbedarf anzubauen. Der Zugang zu anderen Lebensmitteln ist vielfach begrenzt. Daher ist es wichtig, dass die DorfbewohnerInnen die Anbaumethoden vor allem ihres Grundnahrungsmittels Reis verbessern. Gleichzeitig muss aber auch die Situation in den Dörfern insgesamt verbessert werden, damit Ernteerträge gesteigert und der Zugang zu Lebensmitteln und Wasser verbessert wird. In den Provinzen Savannahkhet und Khammouane unterstützt Welthaus ein Programm mit dem Schwerpunkt auf verbesserten Reisanbau, Kleintierzucht, Diversifikation des Anbaus, Gartenbau und die sinnvolle Nutzung von gemeinschaftlich genutzten Äckern und Wäldern. Ziel ist es, die Erträge zu steigern, damit sich die Be-

völkerung ausreichend und angemessen ernähren kann. Die Lebensbedingungen in den Dörfern haben sich durch verschiedene Maßnahmen deutlich verbessert: Dorfbrunnen, die die Bewohner selbst reparieren können, gemeinschaftlich genutzte Fischteiche, an deren Ufern auch Gemüse angebaut wird, Hühner- und Ziegenzucht, aber auch die Pflanzung von Obstbäumen. Der Speiseplan ist so auch abwechslungsreicher und gesünder geworden.

Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten bereichern den Speiseplan von Familien in Laos.

graz.welthaus.at/laos 7


10 | Welthaus Jahresbericht 2019

SENEGAL

Die Unternehmerinnen von Djilor sen. Trockenreis, Hirse und Erdnuss wird auf den raren fruchtbaren Böden angebaut. Von März bis in den Oktober bleiben die Getreidespeicher leer, eine Zeit der äußersten „Knappheit“ in den Kochtöpfen vieler Familien.

Dieses Bild können Sie „zum Leben erwecken“: Laden Sie die App „Zappar“ vom App Store oder Google Play. Öffnen Sie Zappar und scannen Sie das Foto mit dem Smartphone.

D

as Dorf Djilor liegt im senegalesischen Naturpark Sine Saloum, einem Flussdelta am Atlantik. BesucherInnen sind überwältigt von den hunderten kleinen Inseln, unzähligen Vogelarten, den unendlich erscheinenden Mangrovenwäldern entlang der Flussarme und von den freundlichen und lebensfrohen BewohnerInnen. Sie leben vorwiegend von Fischfang und Ackerbau in dieser dicht besiedelten Region. Die malerische Idylle verbirgt jedoch Dürren und Überschwemmungen, das Ansteigen des Meeresspiegels, die zunehmende Versalzung des Ackerbodens und die enorme Armut, mit der die Menschen hier zurechtkommen müs-

In diesem schwierigen Umfeld begann eine Frauengruppe im Dorf Djilor nach Alternativen zu suchen, um die Familien zu ernähren. Unter der Leitung von Fatou Diouf und begleitet von CAREM, der Partnerorganisation von Welthaus, baute die Gruppe ein Kleinunternehmen auf. In zahlreichen Schulungen des staatlichen Institutes für Ernährungssicherheit lernten die Frauen, die Früchte des Affenbrotbaumes, Hibiskus, Kokosnuss und Mangos hygienisch zu verarbeiten und haltbar zu machen. Eine Startfinanzierung ermöglichte den Kauf von Papiersäckchen, Flaschen und Gläsern, den Bau eines kleinen Verarbeitungsund Verkaufszentrums. Ein funktioneller Alphabetisierungskurs gibt das Rüstzeug für einfache kaufmännische Rechnungen. „Von Beginn an ist der Verkauf unserer Produkte hervorragend gelaufen. Wir haben die ersten Gewinne nicht ausgezahlt, sondern wieder in unser kleines Unternehmen investiert“, erzählt Fatou Diouf. Die meisten Produkte sind inzwischen staatlich geprüft und für den offiziellen Verkauf auf Märkten zugelassen. Säfte, Marmeladen oder Trockenfrüchte, die nicht von den eigenen Familien gegessen werden, verkaufen die Frauen an andere Dörfer und Touristen und Touristinnen, die diese grandiose Deltalandschaft besuchen. graz.welthaus.at/senegal


Weltweit aktiv | 11

SLOWAKEI

Ausgezeichneter „Roma-Spirit“

R

und 500.000 Roma leben in der Slowakei. In zahlreichen Roma-Siedlungen ist die Lage äußerst prekär: Schlechte Wohnverhältnisse, die hohe Arbeitslosigkeit und der erschwerte Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung bilden eine kaum zu überbrückende Hürde für ein selbstbestimmtes Leben. Zur Überwindung dieser gesellschaftlichen Isolation braucht es viele Initiativen. Der Verein SPOLU-Slovensko setzt mit Unterstützung von Welthaus auf das Stärken und Befähigen der Roma, damit sie selbst aktiv werden können. Die Einbeziehung der Roma und Romnija in die Gesellschaft kann nur gelingen, wenn sie an dem Prozess aktiv teilnehmen. Der Verein Spolu-Slovensko unterstützt sechs Frauengruppen in der Region Zips, die sich in den Gemeinden für ein gutes Miteinander mit der Mehrheitsbevölkerung engagieren. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Unterstützung und Begleitung der Roma-Kinder in ihrem Alltag. So konnten etwa alle Kinder, die von Romnija in eigenen Kindergruppen betreut wurden, danach die Regelschule besuchen. Keines dieser Kinder muss – wie sonst oft der Fall – in die Sonderschule gehen. Die kontinuierliche Arbeit zeigt sich auch daran, dass sieben Jugendliche eine Berufsausbildung begonnen haben. Die Zusammenarbeit mit den Grundschulen entwickelt sich sehr gut. Auch Romnija werden in ihren Fähigkeiten gestärkt: Die Frauen konnten etwa Kurse für

Gesundheitsvorsorge besuchen und die gewonnen Kenntnisse in den Roma-Gemeinden anwenden. Ein wichtiger Baustein für die Inklusion der Roma ist auch die Vernetzung mit Partnern und Behörden sowie die Kommunikation ihrer Anliegen, Probleme und Erfolge. 2019 wurde die konsequente Arbeit des Vereines Spolu durch die Verleihung des „Roma Spirit“-Preises in der Kategorie „Beste NGO“ gewürdigt. Der Galaabend wurde landesweit im Fernsehen übertragen. Auch das ist ein Zeichen, dass der eingeschlagene Weg zwar mühsam, aber erfolgversprechend ist.

Ein Perspektive für Roma-Kinder: Sie werden in eigenen Gruppen auf die Schule vorbereitet und können dann die Regelschule statt der Sonderschule besuchen.

Der Arbeitskreis für die Eine Welt und Weltkirche der Pfarre Graz-Süd unterstützt das Projekt (siehe auch Seite 27). graz.welthaus.at/slowakei

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12 | Welthaus Jahresbericht 2019

TANSANIA

Land für die eigene Ernährung sichern künftige Generationen erhalten werden. Über Landgesetze wissen die wenigsten Bescheid. Investoren versprechen der Bevölkerung im Gegenzug für Land oft Arbeitsplätze, den Bau von Schulen und Gesundheitszentren oder einen verbesserten Zugang zu Wasser. Doch eingehalten werden diese Versprechen meist nicht. Ist das Land einmal vergeben, verliert es automatisch den Status von Dorfland und ist unwiederbringlich für die Dorfbevölkerung verloren. Auch kommt es immer wieder vor, dass Investoren die Bevölkerung mit brutalen Mitteln von ihrem Land vertreiben.

Die DorfbewohnerInnen feiern ihren Erfolg: Sie haben Land zurückerhalten, dass ihnen zuvor unrechtmäßig weggenommen wurde.

L

Daher ist die Aufklärung der Bevölkerung über Landgesetze, die Bedeutung ihres Landes, aber auch das Procedere der Landvergabe umso wichtiger. Dies betrifft auch lokale Regierungsstellen, die oft ebenfalls nicht Bescheid wissen. MIICO, die lokale Partnerorganisation von Welthaus, leistet diese Arbeit in drei Regionen im Südwesten Tansanias. Dies trägt dazu bei, dass die bäuerliche Bevölkerung Entscheidungen zu ihrem Wohl treffen kann.

Die Dorfbevölkerung nutzt das Land nicht nur für Ackerbau, sondern auch als Weideland und Wasserschutzgebiet, als Gemeindewald oder spirituellen Ort. Das Land soll für zu-

Mit Erfolg: In Sumbawanga konnten im Vorjahr 11 Dörfer rund 1.200 Hektar Land offiziell von einem Investor zurückfordern, der sie davor mit brutalsten Methoden vom Land vertrieben hatte. Die Trainings und die Ausbildung von Regierungsbeamten haben maßgeblich zu diesem Erfolg beigetragen. Die Freude bei den DorfbewohnerInnen war groß: „Endlich haben wir wieder genügend Land, damit wir unsere Familien ernähren können“, so der einhellige Tenor der Bevölkerung.

andbesitz ist in Tansania ganz anders geregelt als in Österreich: Offiziell wird alles Land vom Präsidenten treuhänderisch verwaltet. Im ländlichen Raum gibt es „staatliches“ Land und Dorfland, das von der Dorfgemeinschaft verwaltet wird. Doch immer mehr in- und ausländische Investoren greifen nach Land – für die Agrarindustrie, den Abbau von Bodenschätzen wie Gold oder auch als reines Spekulationsobjekt. Oft ist davon auch Dorfland betroffen.

graz.welthaus.at/tansania


Weltweit aktiv | 13

UKRAINE

Hilfe für die Opfer des Krieges

P

olitische Instabilität, hohe Inflation, finanzielle Engpässe in allen Bereichen, die schwierige Integration der Kriegsflüchtlinge: Der Alltag in der Ukraine ist nicht leichter geworden. Besonders prekär ist die Lage im Osten, wo der Konflikt mit Russland zwar befriedet, aber nicht beendet ist. Entlang der Frontlinie leben viele Alte und Kinder, oftmals direkt in der Pufferzone zwischen den verfeindeten Parteien. Viele Menschen leiden unter Krankheiten, was auch mit der geringen Qualität der Lebensmittel zusammenhängt. Wolnowacha liegt direkt an der Trennlinie zu der von den Separatisten ausgerufenen Volksrepublik Donezk. In der Stadt mit rund 25.000 Menschen leben tausende Flüchtlinge aus dem Konfliktgebiet. Schon die Registrierung und Bewilligung von Sozialhilfe ist für sie eine Herausforderung. Noch schwieriger ist es, eine Wohnung und einen Job zu finden. Die Ausgaben für das tägliche Leben sind kaum zu bewältigen. Viele Geflüchtete kämpfen mit psychischen Problemen, oft verursacht durch Krieg und Flucht: Angstzustände, Schlaflosigkeit, Konzentrationsstörungen, geminderte Arbeitsfähigkeit…. In den Dörfern direkt an der Pufferzone ist die Lage noch schlimmer. Zu den sozialen Problemen kommt hier die permanente Gefahr durch die Verminung hinzu. Die prekäre Versorgung mit Wasser und Strom – stundenlanges Abschalten ist an

der Tagesordnung – sind Dauerthemen in der Stadt und im Bezirk. Für die Bevölkerung ist humanitäre Hilfe in dieser Situation von großer Bedeutung. Welthaus und die lokale Caritas unterstützen in der Region vor allem Kinder und Jugendliche: Sie erhalten bei Bedarf Kleidung, Schuhe und Schulmaterialien. Insgesamt wurden mit Hilfspaketen über 5000 Menschen erreicht. Hilfe finden sie auch bei psychischen Problemen sowie bei sozialen und medizinischen Fragen. Ein „Nachmittagszentrum“ für Kinder ist im Entstehen, somit kann die Hilfe langfristig organisiert werden.

Hilfspakete für Kriegsflüchtlinge in Wolnowacha: Welthaus und die lokale Caritas konnten bisher über 5000 Menschen mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln unterstützen.

graz.welthaus.at/ukraine 7


14 | Welthaus Jahresbericht 2019

UNRECHT BESEITIGEN

Nachhaltiger Wandel muss Fahrt aufnehmen

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elthaus setzt sich weltweit für das Menschenrecht auf ausreichende, gesunde und lokal angepasste Ernährung ein (Ernährungssouveränität). Leider wirken sich europäische Landwirtschafts-, Wirtschafts-, und Handelspolitiken oft negativ auf Entwicklungsländer aus. Viele Völker und Länder können ihre Ernährungs- und Landwirtschaftspolitik nicht selbst bestimmen. Daher ist politisches Lobbying auf nationaler und internationaler Ebene unerlässlich, um ungerechte Strukturen abzubauen.

lungsorganisationen CIDSE. Im Fokus von Welthaus steht dabei die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (etwa der Import von Pflanzen aus Lateinamerika für Agrotreibstoffe und Futtermittel) und geplante Freihandelsabkommen. 2019 fanden dazu zahlreiche Gespräche mit VertreterInnen aus Politik und Interessensvertretungen aus den Bereichen Landwirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit statt. Weiters hat Welthaus parlamentarische Anfragen eingebracht, auch um die benötigten Daten zu erhalten, die für die weitere Lobbyingarbeit grundlegend sind.

Dieses Lobbying geschieht in strategischen Allianzen – in Österreich etwa durch die Dachorganisation „AG Globale Verantwortung“, die Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission (KOO) und die Plattform „Wir haben es satt“. Auf europäischer Ebene ist Welthaus aktiv im „Agrofuels Network“ und in der internationalen Allianz von katholischen Entwick-

Die im Jahr 2018 begonnene Neuausrichtung der Zusammenarbeit mit unserer argentinischen Partnerorganisation INCUPO (siehe Seite 6) wurde 2019 weiter intensiviert. Gemeinsam mit INCUPO und der Dreikönigsaktion wurden etwa politische Forderungen zur Eindämmung der massiven Waldbrände im Amazonasgebiet gestellt. Höhepunkt der politischen Arbeit war der gemeinsame offene Brief von 39 Organisa-


tionen aus Österreich, Argentinien, Chile, Paraguay und Brasilien an Mitglieder des Nationalrats. Der EU-Unterausschuss hat mit großer Mehrheit beschlossen, dass die Bundesregierung dem vorliegenden EU-MERCOSUR-Vertrag nicht zustimmen darf. Dies war ein wichtiger Beitrag, dass dieser menschenrechtlich hochproblematische Freihandelsvertrag nicht wie geplant zum Abschluss kommen kann.

2019 beteiligten sich circa 2000 Menschen, einige Pfarren und die Mensen des Augustinums und des Priesterseminars in Graz und das Haus der Frauen an der Aktion. Zum Auftakt der Fasktenaktion zeigte Karl Steininger vom Wegener Center für Klima und globalen Wandel am 6. März im Barocksaal des Priesterseminars die globalen Zusammenhänge zwischen unserer Ernährung und dem Klimawandel auf und lud zur Diskussion ein.

Gravierende soziale, menschenrechtliche und klimatische Folgen hat auch der anhaltend hohe Fleischkonsum: So gefährdet der steigende Anbau von Soja als Viehfutter in Lateinamerika die Ernährungssouveränität von Kleinbauernfamilien und Indigenen. Eine Antwort darauf ist die Fastenaktion „Gerecht leben – Fleisch fasten“, die 15 Einrichtungen der Katholischen Kirche Steiermark 2019 wieder in der Fastenzeit durchführten. Ziel ist das kritische Hinterfragen unseres Fleischkonsums – und das Ausprobieren von fleischlosen Alternativen.

Am 7. März stellten sich die Fastenaktionen der Katholischen Kirche – Fleischfasten, Autofasten und Aktion Familienfasttag – bei einer Sonder-Straßenbahnfahrt durch Graz vor. Vom Jakominiplatz nach Andritz und zwischen dem Murpark und dem LKH gab es ein buntes Programm, u.a. mit Fastensuppenessen, Kaffee und Tee, Livemusik mit der Band „Die Ausseer“ und Lesungen der Autorin Eva Schlegl – und natürlich mit vielen Infos und Gesprächen zu den Anliegen der Fastenaktionen. Einige Promis aus Politik und Kirche waren ebenfalls mit an Bord.

Dietmar Schreiner vom Welthaus informiert bei einer Sonder-Straßenbahnfahrt durch Graz über die Fastenaktion „Gerecht leben – Fleisch fasten. Foto: Neuhold

graz.welthaus.at/unrecht-beseitigen 7


16 | Welthaus Jahresbericht 2019

GEMEINSAM LERNEN

Aktiv für eine gerechte Welt

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ie Erfahrungen aus den Projektländern bilden die Grundlage für die Bildungsarbeit von Welthaus in der Steiermark. Das Grundprinzip dabei ist, mit Menschen aus anderen Kulturen in offenen Kontakt zu treten, die Welt aus der Sicht anderer zu betrachten und die Konsequenzen des eigenen Handelns in einem globalen Zusammenhang zu sehen.

Das vielfältige Angebot reicht von Workshops mit Schulklassen, Jugendgruppen und Erwachsenen über Vorträge, Lesungen und Diskussionsabenden bis zu Filmscreenings und Ausstellungen sowie dem Verleih von Medien zu globalen Themen. Gemeinsam werden Mittel und Wege erkundet, wie man im Rahmen der eigenen Möglichkeiten für eine gerechtere Welt aktiv werden kann.


Gemeinsam lernen | 17

WORKSHOPS

Globale Zusammenhänge begreifen

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s sind große Themen und komplexe Fragen: Landraub in Brasilien, das „Bauernsterben“ in Österreich, die Klimakrise, globale Ungleichheiten. Und doch passen sie in einen Workshop, werden greifbar und lassen globale Zusammenhänge erkennen. Und sie werfen die Frage auf, was wir mit diesen Themen zu tun haben und ob wir an der geschilderten Situation etwas ändern können – unsere EntscheidungsträgerInnen und jeder und jede Einzelne von uns. Unsere vom Land Steiermark geförderten Workshops mit Schulklassen, Firm- und Erwachsenengruppen orientieren sich am Konzept des Globalen Lernens und ermöglichen interkulturelle Begegnungen sowie eine differenzierte Auseinandersetzung mit globalen Themen: Der Workshop Soja: Der Fleisch gewordene Wahnsinn stellte, rund um den gleichnamigen Film auf der Welthaus-Website, kritische Fragen zu unserem Wirtschafts- und Ernährungssystem. Im Workshops Die bittere Seite der Schokolade lernten die Teilnehmenden die Schokoladenherstellung kennenlernen, diskutierten soziale, ökologische und ökonomische Probleme und reflektierten das eigene Konsumverhalten. Die Welthausreise schaffte einen Einblick in die Arbeit von Welthaus und stellte die Mediathek „Panorama“ vor. Outdoorworkshops verknüpfen Orte in der eigenen Gemeinde mit globalen Themen. So machten sich die Teilnehmenden bei der Entdeckungsreise

durch unser Dorf auf die Spur weltweiter Zusammenhänge rund um unsere Ernährung. Besonderer Beliebtheit erfreute sich die digitale Schnitzeljagd Dem Schnitzel auf der Spur. Hier begaben sich die Teilnehmenden mit ihrem Smartphone und der kostenlosen App auf eine Erkundungstour durch Graz, entdeckten spannende Orte und lernten einiges über die globale Dimension unseres Fleischkonsums. Damit die Schnitzeljagd nicht nur in Graz gespielt werden kann, wurde 2019 eine Version ausgearbeitet, die in jedem beliebigen Ort gespielt werden kann. Das Angebot wurde aus Mitteln des Innovationstopfs der Diözese und im Rahmen des EU-Projektes “Make Europe Sustainable for all” gefördert. graz.welthaus.at/workshops

Die App für die digitale Schnitzeljagd kann man auf de.actionbound.com herunterladen. Für Graz den QR-Code oben scannen, für alle anderen Orte unten.


18 | Welthaus Jahresbericht 2019

MEDIATHEK „PANORAMA“

Den Weltblick schärfen Panorama bietet aber weit mehr als „nur“ Medien: Das Welthaus-Team berät bei der Planung von Projekttagen und Aktionen in Schulen, Pfarren, Solidaritätsgruppen und Gemeinden. Regelmäßig fanden im Vorjahr Workshops, LehrerInnenfortbildungen und Mediatheksrallyes statt. SchülerInnen und Studierende wurden bei der Recherche für ihre Vorwissenschaftlichen Arbeiten und Bachelor- oder Masterarbeiten betreut. Ein Service ist auch die Vermittlung von ReferentInnen für Workshops. Der Fokus auf Themen wie Globalisierung, Ökologie und Menschenrechte wendet sich an ein interessiertes Publikum genauso wie an SpezialistInnen, LehrerInnen wie SchülerInnen und Studierende.

Dieses Bild können Sie „zum Leben erwecken“: Laden Sie die App „Zappar“ vom App Store oder Google Play. Öffnen Sie Zappar und scannen Sie das Foto mit dem Smartphone.

T

agtäglich sind wir – bewusst und unbewusst – mit globalen Themen konfrontiert: Vom Klimawandel über Flucht und Migration bis zu sozialen Konflikten, Extremismus und Terror. Doch wie hängen sie zusammen? Wo liegen die Ursachen? Und was können wir tun? Wer hier sein Wissen vertiefen will, wird in Graz bei über 4.300 Medien fündig. Hier wird eine breite Auswahl an Büchern, Zeitschriften, DVDs, CDs, Spielen, Karten und Unterrichtsmaterial zum Verleih angeboten. „Wir schärfen den Blick auf das Wesentliche, bieten Einblicke in globale Zusammenhänge und werfen gemeinsam mit unseren BesucherInnen einen Blick über den regionalen Tellerrand.“, erklärt Karin Mauser.

Das Angebot von „Panorama“ gibt es auch in den Steirischen Bezirken: in den Stadtbüchereien in Fürstenfeld, Gleisdorf, Kapfenberg, Knittelfeld, Liezen, Leoben, Mürzzuschlag und Weiz. Diese Bibliotheken haben einen entwicklungspolitischen Schwerpunkt gesetzt, sind sehr aktiv und bilden regionale Netzwerke mit Gemeinden, Pfarren, Schulen, Kindergärten und Weltläden. 2019 fanden in Graz und in den Regionalstellen 35 Vorträge und Workshops zu entwicklungspolitischen Themen statt. Bei zahlreichen weiteren Veranstaltungen war die Mediathek „Panorama“ auch mit Büchertischen vertreten. Die Mediathek „Panorama“ wird vom Land Steiermark (FairStyria) gefördert. graz.welthaus.at/mediathek


Gemeinsam lernen | 19

BEGEGNUNG MIT GÄSTEN

Gemeinsam aus der Krise

I

nterkulturelle Begegnungen, die bewegen: Welthaus lädt regelmäßig Gäste aus Afrika, Asien und Lateinamerika nach Österreich ein. In ihren Heimatländern setzen sie sich gegen Armut und für eine zukunftsfähige Gesellschaft ein. Workshops, Vorträge und viele persönliche Begegnungen bieten den Rahmen für Austausch und authentische Einblicke in den Lebensalltag in Entwicklungs- und Schwellenländern. Im April und Mai 2019 berichteten Gäste aus Burkina Faso, wie die Klimakrise die Lebensgrundlagen von Kleinbauernfamilien in ihrer Heimat bedroht: Der ausbleibende Regen macht es schier unmöglich, ausreichend Getreide für ihre Ernährung zu ernten. Unsere Gäste Didier Ouedraogo und Odette Savadogo konnten aber auch von Erfolgen im Kampf gegen die Klimakrise berichten: Dank angepasster landwirtschaftlicher Methoden sind selbst bei extremen Bedingungen meist ausreichende Ernten möglich. Neben gut besuchten Workshops und Abendveranstaltungen (in Kooperation mit „Fridays for Future“) trafen die Gäste in der Steiermark u.a. ExpertInnen vom Land Steiermark, dem Joanneum Research und der GRAWE zu Fachgesprächen. Die Begegnungen führten die Dringlichkeit zu handeln vor Augen. Vor allem aber ermutigten sie, gemeinsam zukunftsfähige Perspektiven zu entwickeln. Im November besuchten Gäste aus Brasilien die Steiermark: Renata Costa Cezar de

Albuquerque und José Plácido da Silva Junior erzählten, wie sie gegen die Folgen der rücksichtslosen Politik von Präsident Jair Bolsonaro kämpfen: Gegen Landraub und den Anstieg von Armut und Hunger. Gegen die Verschmutzung der Böden und des Wassers, den Verlust von Artenvielfalt und traditioneller Kultur – und für ein „gutes Leben für alle“. Gut besuchte Vorträge und Schulworkshops sowie zahlreiche Medienberichte zum Gästebesuch spiegelten die Aktualität und Relevanz des Themas wider.

Odette Savadogo und Didier Ouedraogo aus Burkina Faso sprachen mit Gregor Petrowitsch (Fridays For Future Graz) und dem Publikum über Wege aus der Klimakrise.

„Begegnung mit Gästen“ wird von den Welthaus-Organisationen in Graz, Linz, Klagenfurt, St. Pölten, Innsbruck und Wien durchgeführt. Unterstützt wird das Projekt von der Austrian Development Agency. graz.welthaus.at/gaeste 7


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VERANSTALTUNGEN

Am Puls der Zeit

U

nsere Vorträge, Filmscreenings, Lesungen, Ausstellungen und Diskussionsabende zu aktuellen Themen stießen auf großes Interesse. Eine Auswahl ... Fördern Religionen Frieden? Mit dieser Frage beschäftigte sich P. Dr. Sebastian Painadath SJ am 21. Januar bei einem Vortrag im Barocksaal des Priesterseminars. Texte zum Thema Frieden aus dem Islam, dem Hinduismus und Buddhismus, aus Judentum und Christentum standen dabei im Mittelpunkt. Painadath hat im Auftrag des Jesuitenordens 1986 in Kalady, Südindien, ein Zentrum für indische Spiritualität gegründet. Dort entstand der Ashram „Sameeksha“, der die geistige Begegnung zwischen den Religionen, insbesondere den Dialog zwischen Hinduismus und Christentum, fördert. Über den Nahen Osten im Umbruch sprach die bekannte Journalistin Gudrun Harrer (Der Standard) am 31. Jänner im Barocksaal. Die Nahostexpertin (Diplomatische Akademie

Wien, Uni Wien) schilderte die Folgen des Arabischen Frühlings seit 2011, erklärte die komplexen Zusammenhänge in der Region und warnte davor, „den Nahen Osten als homogenen, unveränderlichen Block zu sehen.“ Um die grüne Lüge ging es bei einer Lesung und Diskussion mit Kathrin Hartmann am 6. Februar im Welthaus. In ihrem Buch beschäftigt sich die Autorin und Journalistin mit Greenwashing, also dem Bemühen von Konzernen, schmutzige Geschäfte hinter schönen Ökound Sozialversprechen zu verstecken. Das Buch entstand aus der Zusammenarbeit mit Werner Boote, mit dem Hartmann das Drehbuch für seinen Film The Green Lie verfasste und in dem sie auch mitwirkt (die DVD ist in unserer Mediathek „Panorama“ entlehnbar). Wie schmeckt Klimaschutz? Karl Steininger vom Grazer Wegener Center sprach am 6. März im Barocksaal über den globalen Zusammenhang zwischen unserer Ernährung und dem Klimawandel. Rund hundertdreißig


Gemeinsam lernen | 21

Leute kamen zum Auftakt der Aktion Gerecht leben – Fleisch fasten und diskutieren mit Prof. Steininger über Handlungsmöglichkeiten im Kampf gegen den Klimawandel. Die Krise der Demokratie und die Religionen lautete ein Vortrag von Heiner Bielefeldt am 21. März im Barocksaal. Der Theologe und Philosoph konstatierte die zunehmende Markierung von Territorien – einerseits durch Mauern und Zäune, aber auch durch symbolische Grenzen wie die Schaffung einer „Leitkultur“ mit Kopftuchverboten und Kreuzerlässen. Bielefeldt plädierte dafür, gegen die Verengung des öffentlichen Raums und für die Demokratie einzutreten (siehe Seite 24). „Wofür lernen, wenn es keine Zukunft gibt?“ Unter diesem Motto standen 2019 die weltweiten Proteste von Jugendlichen. Sie gingen und gehen auf die Straßen, um rasche und umfassende Maßnahmen zum Klimaschutz einzufordern. Am 2. Mai diskutierte Gregor Petrowitsch (Fridays For Future Graz) mit unseren Gästen Odette Savadogo und Didier Ouedraogo aus Burkina Faso und dem Publikum über Wege aus der Klimakrise. Zwei Tage zuvor waren unsere Gäste zu Gast in der Stadtbücherei Fürstenfeld – auch dort gemeinsam mit SchülerInnen der „Fridays For Future“-Bewegung (siehe Seite 19).

Wie Populisten und Demokratiefakes die Welt verändern (wollen), darüber sprach die Historikerin und Medienwissenschafterin Regula Stämpfli am 16. September im Welthaus. Sie las auch einige Passagen aus ihrem Buch Trumpism. In diesem beschreibt sie, woher der Erfolg der Vulgarität, autoritärer Konzepte und populistischer Autoritarismen stammt und was sich dagegen unternehmen lässt. Am 12. November ging es im Welthaus um den Brennpunkt Brasilien. Renata Costa Cezar de Albuquerque und José Plácido Da Silva Junior erzählten, wie sie gegen die Folgen der rücksichtslosen Politik von Präsident Jair Bolsonaro kämpfen: Gegen Landraub und den Anstieg von Armut und Hunger. Gegen die Verschmutzung der Böden und des Wassers, den Verlust von Artenvielfalt und traditioneller Kultur – und für ein „gutes Leben für alle“. 30 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer ging es am 26. November im Barocksaal um die Frage: Wende in der Krise? Der Theologe András Máté-Tóth lehrt an Universitäten in Szeged (Ungarn) und Wien. Er zeichnete in seinem Vortrag die Entwicklung in OstMittel-Europa von der überwiegend friedlichen demokratischen Wende und dem steigenden Lebensstandard bis hin zu autoritären Tendenzen in Ländern wie Polen und Ungarn nach. graz.welthaus.at/termine

Die Nahostexpertin Gudrun Harrer im Barocksaal, Begegnung mit Gästen aus Brasilien, András Máté-Tóth über die „Wende in der Krise“, Regula Stämpfli zu Gast im Welthaus (v.l.).


22 | Welthaus Jahresbericht 2019

PLATTFORM BILDUNG2030

Lehren und Lernen für die Zukunft Angebote und Materialien für alle Altersstufen und liefert vielfältige Ideen, wie globale Herausforderungen in unterschiedlichen Lehr- und Lernsituationen gemeistert werden können. Die Angebote orientieren sich dabei an eigens entwickelten Qualitätskriterien. Darüber hinaus informiert die Plattform über die Konzepte Globales Lernen und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).

Gemeinsam mit weiteren NGOs hat Welthaus 2019 eine digitale Plattform für Bildungsangebote zum Globalen Lernen entwickelt.

D

ie Agenda 2030 der Vereinten Nationen hat die Kraft, unsere Welt zu verändern. Ihre 17 globalen Nachhaltigkeitsziele zeigen, wie wir Ungerechtigkeit bekämpfen, die Klimakatastrophe verhindern und die Welt zu einem lebenswerten und gerechten Ort für alle machen können. Bildung ist der Schlüssel dafür. Vielfältige Ideen, qualitätsgeprüfte Inhalte und besonders einfach in der Handhabung – die im Vorjahr entwickelte Plattform Bildung2030 ist DIE Online-Anlaufstelle für Multiplikator*innen in der schulischen und außerschulischen Bildung, die zu diesem Leitgedanken beitragen möchten. Die Plattform bündelt Informationen,

„Globale Herausforderungen wie die Coronakrise verändern nicht nur unser Leben, sondern schärfen auch den Blick auf unsere Weltgemeinschaft als vielfach verknüpftes Netzwerk. Lösungsansätze für den Weg in eine faire, ressourcenschonende Gesellschaft müssen verstärkt interdisziplinär, länderübergreifend und mit kritischem Selbstverständnis erarbeitet werden. Von Bildungsmaterialien, Fortbildungen und Workshops bis hin zu Angeboten für außerschulische Lernorte – die Plattform Bildung2030 bietet allen Menschen im Bildungsbereich ganz unterschiedliche Hilfsmittel, um einen offenen, wechselseitigen Dialog zu fördern und gesellschaftliche und ökologische Veränderung mitzugestalten“, meint Bundesministerin Leonore Gewessler. Die digitale Plattform Bildung2030 ist ein Gemeinschaftsprojekt von BAOBAB, FORUM Umweltbildung, KommEnt, Südwind und Welthaus Graz. Die Umsetzung wird finanziert durch die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit und das Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie. www.bildung2030.at


Gemeinsam lernen | 23

WELTKIRCHE

Spuren der Solidarität

W

elthaus bietet gemeinsam mit den anderen Hilfswerken der Katholischen Kirche ein breites Spektrum zu den Themen „Weltkirche und Entwicklungszusammenarbeit“ an und hat laut Statut auch die Aufgabe, diese Angebote zu koordinieren. Bei der Ausstellung zur Enzyklika „Laudato si“ zeigen 26 beeindruckende Fotos, wie sich die Hilfswerke weltweit für ein Leben in Würde einsetzen. Gerade sie bemühen sich um einen Blick auf die Welt, den der Papst in seiner Enzyklika meint – „ein Denken, eine Politik, einen Lebensstil und eine Spiritualität, um Alternativen aufzuzeigen.“ Die Ausstellung, ein Gemeinschaftsprojekt der Hilfswerke mit Unterstützung des Bildungswerkes und der Umweltbeauftragten der Diözese, wurde 2019 um einen Ausstellungsbegleiter erweitert. Ausstellungen fanden im Pfarrverband Aflenz-ThörlTurnau und bei der Langen Nacht der Kirchen in der Grazer Stiegenkirche statt. Die Wanderausstellung wird auch 2020 angeboten. Die Lange Nacht der Kirchen am 24. Mai 2019 stand unter dem Motto „Dann singt ihr Lieder wie in der Nacht, in der man sich heiligt für das Fest“. Dementsprechend boten die Hilfswerke in der Grazer Stiegenkirche ein vielseitiges Programm: Mit dem multikulturellen Frauenchor „Sosamma“ reiste das Publikum musikalisch um die Welt und „besuchte“ dabei Entwicklungsprojekte. Danach sangen die BesucherInnen mit Robert Sawilla heilsame Lieder; und mit Elke Heinrichs und Anna Steiner wurde gejodelt und gejuchazt. Um-

rahmt wurde der musikalische Abend von der Ausstellung „Laudato si“ von Ernst Zerche. Am 6. Oktober fand der Auftakt zum „außerordentlichen Monat der Weltmission“ mit Bischof Willhelm Krautwaschl und Vertreterinnen der Hilfswerke in der Grazer Stadtpfarrkirche statt. Dieser von Papst Franziskus weltweit ausgerufene Monat stand unter dem Motto „Getauft und Gesand“. Im Gottesdienst wurden die Partnerdiözesen Masan (Südkorea) und Bom Jesus da Lapa (Brasilien) sowie die Schwerpunkte der Hilfswerke thematisiert. Die Wallfahrt der Weltkirche führte anschließend von Graz St. Peter über Messendorfberg zu den Comboni Missionaren. Rund 100 TeilnehmerInnen begaben sich dabei auf „Spuren der Solidarität“, z.B. in der Betreuung von Flüchtlingen. graz.welthaus.at/pfarren

Die Wallfahrt der Weltkirche im Südosten von Graz führte auch an Orte, die den Einsatz für weltweite Solidarität sichtbar machen.


24 | Welthaus Jahresbericht 2019

RELIGIONSFREIHEIT

Ein bedrohtes Menschenrecht Die bahnbrechende Erklärung zur Religionsfreiheit, Dignitatis Humanae, gesteht jedem Menschen das Recht auf religiöse Freiheit zu. Das Engagement der christlichen Kirchen gilt heute allen Menschen, unabhängig von Religion und Weltanschauung. Religionsfreiheit ist ein Schwerpunktthema von Welthaus: Im Austausch mit ExpertInnen beleuchten wir die Herausforderungen bei der Umsetzung dieses Rechtes in Gesellschaft, Kirche und Politik.

Heiner Bielefeldt, Experte für das Menschenrecht auf Religionsfreiheit, besuchte im März 2019 Graz. Gemeinsam mit Welthaus-GF Dietmar Schreiner traf er dabei auch Bischof Wilhelm Krautwaschl.

D

ie Religionsfreiheit ist ein elementares Menschenrecht: Jeder Mensch sollte seinen Glauben privat und öffentlich leben können. Dazu gehört auch das Recht, die Religion zu wechseln oder keiner Religion anzugehören. Dieses Recht wurde in der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ im Jahr 1948 proklamiert. In vielen Teilen der Welt werden Menschen jedoch wegen ihrer Religion oder Weltanschauung diskriminiert. Die Katholische Kirche hat einen langen Weg von der Christenverfolgung über den Vorrang als Staatskirche bis zum Bekenntnis zur religiösen Vielfalt durchschritten. Mit dem zweiten Vatikanischen Konzil in den 1960ern wurde ein grundsätzlich neues Denken in Fragen der Religionsfreiheit in Kraft gesetzt.

Einer den profiliertesten Kenner der Materie ist Univ.-Prof. Dr. Heiner Bielefeldt. Er ist Inhaber des Lehrstuhls für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und war 2010 bis 2016 UN-Sonderberichterstatter über Religions- und Weltanschauungsfreiheit. Im März 2019 hat er in Graz in mehreren Vorträgen, Workshops und Gesprächen, die wir in Kooperation mit CommUnity Spirit, der Stadt Graz und der KPH organisieren konnten, auf die Wichtigkeit der Einhaltung dieses Rechtes für eine funktionierende Demokratie hingewiesen (siehe auch Seite 21). Bielefeldt plädierte dafür, sich über den Sinn der Demokratie klar zu werden. Diese lebe von Menschenwürde und Gerechtigkeit. Über „Religionspolitik“ im säkularen Rechtsstaat meinte der Theologe und Philosoph: „Der Staat muss einen Raum eröffnen, dass angstfrei Religion gelebt werden kann.“ Ob Religionsgemeinschaften Teil des Problems oder Teil der Lösung seien, hänge vom Menschen ab: „Sie haben das Potential, positiv zur Demokratie beizutragen – aber nur, wenn sie glaubwürdig sind.“ graz.welthaus.at/weltweit-aktiv/religionsfreiheit


Finanzen 2019 | 25 Mittelherkunft I. Spenden

82.208,40

a) ungewidmete Spenden

21.191,74

b) gewidmete Spenden

61.016,66

II. Mitgliedsbeiträge

-

III. Betriebliche Einnahmen

166.370,19

a) betriebliche Einnahmen aus öffentlichen Mitteln

-

b) sonstige betriebliche Einnahmen

166.370,19

IV. Subventionen und Zuschüsse der öffentlichen Hand

62.977,08

V. Sonstige Einnahmen

-

a) Vermögensverwaltung

-

b) sonstige andere Einnahmen (nicht unter Punkt I-IV)

-

VI. Einnahmen aus kirchlicher Mitfinanzierung

1.621.004,00

a) von KOO-Mitgliedern

59.000,00

b) von sonstigen kirchlichen Organisationen (Kirchenbeitrag)

1.562.004,00

VII. Auflösung von Passivposten für noch nicht widmungsgemäß verwendete Spenden bzw. Subventionen VIII. Auflösung v. Rücklagen

19.204,08

IX. Jahresverlust

-

Summe Mittelherkunft

1.951.763,75

Mittelverwendung I. Leistungen für die statutarisch festgelegten Zwecke

1.770.339,36

Projektmittel (Entwicklung, Humanitär, Andere, Mildtätige)

766.119,77

Aufwendungen für Projektvorbereitung, - begleitung

124.066,34

Aufwendungen für Bildung/Anwaltschaft/Information

569.565,15

Aufwendungen an KOO-Mitglieder (Weiterleitungen, Kofin.)

310.588,10

II. Spendenwerbung

36.623,02

III. Verwaltungsaufwand

61.996,64

IV. Sonstige Ausgaben, sofern sie nicht unter I. bis III. enthalten sind

82.804,73

V. Zuführung zu Passivposten für noch nicht widmungsgemäß verwendete Spenden bzw. Subventionen VI. Zuführung zu Rücklagen

-

VII. Jahresüberschuss

-

Summe Mittelverwendung

1.951.763,75

Gemäß Finanzrichtlinien der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission.

D

ie finanziellen Mittel, die Welthaus zur Bewältigung seiner Aufgaben zur Verfügung stehen, stammen zum überwiegenden Teil von der Diözese GrazSeckau, die durch „Selbstbesteuerung“ ihre Solidarität mit der Weltkirche und mit Menschen in vielen Teilen der Welt zum Ausdruck bringt.

Die Arbeit von Welthaus wird kofinanziert durch das Land Steiermark und das Österreichische Außenministerium (Austrian Development Agency). Ein wesentlicher Teil der kofinanzierten Entwicklungsprojekte wird in Kooperation mit HORIZONT3000 durchgeführt. Außerdem wird die Arbeit von Welthaus unterstützt von:

7


26 | Welthaus Jahresbericht 2019

WIR STÄRKEN MENSCHEN

Mit Ihrer Hilfe...

S

eit 50 Jahren setzt sich Welthaus mit klarem Auftrag der Diözese für Benachteiligte in anderen Regionen der Welt ein. Mit Hilfe Ihrer Spenden konnten wir 2019 verstärkt Projekte in den Ländern Tansania und Senegal unterstützen: Regionen, die vom Klimawandel besonders betroffen sind. Aus Anlass der Amazoniensynode lag unser Schwerpunkt im Herbst/Winter auf Lateinamerika, insbesondere Brasilien. Wir haben auf die prekäre Lage der Kleinbauern aufmerksam gemacht, die – wieder vermehrt bedroht durch Landkonflikte und Vertreibungen – nicht wissen, wie sie ihre Kinder ernähren sollen. Gerade das Thema „Recht auf Land“ zieht sich zunehmend durch unsere Projekte, vor allem in Lateinamerika: Menschen, die seit Generationen auf ihrem Land leben, werden vertrieben, weil der Boden für Investoren aus der Agroindustrie interessant ist. Lebensmittel für den Export werden hier angebaut, während die Kleinbauern und Indigenen zu Almosenempfängern oder Tagelöhnern werden müssen, um überleben zu können. Das Fehlen von Landrechtsreformen, die von den Regierungen nicht durchgeführt oder verschleppt wurden, zeigt sich immer deutlicher: Die Menschen, die seit Langem auf dem Land leben, wissen nicht um ihre Rechte, werden schlichtweg „über den Tisch gezogen“ und vertrieben. Vor allem für Aufklärungsarbeit und Rechtsberatung brauchen wir zunehmend Ressourcen. Sonst bleibt den Men-

schen eine Zukunft aus eigener Kraft auch weiterhin verwehrt: Ohne Zugang zu Land kann es auch keine Ernte geben. Das Reisebüro Amigotour/Worldtour investierte auch 2019 das Budget für KundenWeihnachtsgeschenke in Projekte in Brasilien. Ebenso ist die Förderung der GRAWE für das Jugendzentrum in Konotop seit Jahren eine große Unterstützung für die Kinder aus sozial schwachen Familien. Der Unternehmer Gert Rücker aus Feldbach engagiert sich stark bei unseren Tansania-Projekten. Danke, dass Sie mit uns bisher den Weg in eine gerechtere Zukunft für unsere Partnerinnen und Partner gegangen sind! Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit auch weiterhin. Ohne Ihre Spenden und Ihr Mittragen wäre unsere Arbeit so nicht möglich. Viktoria Schichl P.S.: Haben Sie schon mal daran gedacht, eine ganz einfache Art von „Charity-Diner“ zu veranstalten und Ihre Gäste um eine Spende für Welthaus anstelle einer Flasche Wein oder Blumen als Mitbringsel zu bitten? Jeder dritte Spendeneuro wird steuerlich abgesetzt. Wenn auch Sie Ihre private Spende an uns beim Finanzamt geltend machen möchten, geben Sie uns bitte – falls Sie es noch nicht getan haben – Ihren Namen laut Meldezettel und Ihr Geburtsdatum bekannt. Damit können wir die Spende problemlos melden.


Spenden & Helfen | 27

PARTNERSCHAFT

PRAKTIKUM

Unterstützung Vertiefende für Romakinder Einblicke

P

artnerschaft für eine gute Sache: Seit Herbst 2014 unterstützt der Arbeitskreis für die Eine Welt und Weltkirche der Pfarre Graz-Süd ein Projekt für Romakinder in der Slowakei. Viele Roma leben in Armut und leiden unter Ausgrenzung und fehlenden Perspektiven (siehe auch Seite 11). Durch die Unterstützung aus Österreich konnten in den Gemeinden Levocske Luky und Hajik Kindergartengruppen gegründet werden, die auf die Schule vorbereiten. Neben Bastelmaterial und Spielen werden auch Bücher und Schreibutensilien für die Kinder organisiert. Die Initiative wird von den Müttern selbst getragen, die am Nachmittag auch Lerngruppen für Volksschulkinder organisieren. Ausflüge, Exkursionen und Ferienprogramme runden das Angebot ab. Acht Romnija arbeiten aktiv mit und sind damit Vorbilder für ihre Kinder, sich für die eigenen Anliegen zu engagieren. All diese Bemühungen sind wichtige Meilensteine für die Integration der Romakinder in das Bildungssystem und in die Gesellschaft.

W

er sich für globale Fragen interessiert ist herzlich willkommen, im Welthaus ein studienbegleitendes Praktikum zu absolvieren. Das Praktikum bietet Interessierten vertiefende Einblicke in die Arbeit einer entwicklungspolitischen Organisation. Welthaus wiederum profitiert von den vielen Ideen und Anregungen und dem frischen Wind durch das Engagement der zumeist jungen Menschen. Durch die gute Zusammenarbeit mit dem Masterstudienlehrgang „Global Studies“ der Karl-Franzens-Universität Graz konnten 2019 sechs Studentinnen und drei Studenten ihr Praktikum im Welthaus absolvieren. Mit den PraktikantInnen erreicht Welthaus auch eine Zielgruppe, die der Katholischen Kirche zum Teil fern oder kritisch gegenübersteht. Regelmäßig wird in den Abschlussgesprächen von den PraktikantInnen die wertvolle Arbeit der Katholischen Kirche in diesem Bereich gewürdigt. graz.welthaus.at/spenden-helfen


Danke für Ihr Vertrauen! Wir bitten Sie auch weiterhin um Ihre Unterstützung unserer Arbeit. WELTHAUS IST ... eine Einrichtung der Katholischen Kirche Steiermark zur weltweiten Verwirklichung von Menschenwürde und Gerechtigkeit. Seit 1970 verbessert Welthaus gemeinsam mit lokalen Organisationen die Situation von Armen in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa. In Österreich zeigt Welthaus globale Zusammenhänge auf und tritt für einen nachhaltigen und sozial gerechten Lebensstil ein. Die Erfahrungen aus den Projektländern bilden die Grundlage für die Bildungsangebote in der Steiermark. Welthaus Diözese Graz-Seckau Bürgergasse 2, 8010 Graz Tel. +43 316 324556 graz@welthaus.at graz.welthaus.at Öffnungszeiten: Mo. – Fr. 9 – 12 Uhr Mo. – Do. 13 – 16 Uhr und nach Vereinbarung In den Schulferien: 9 – 12 Uhr

Spendenkonto

IBAN: AT79 2081 5000 0191 3300 BIC: STSPAT2GXXX

Spenden steuerlich absetzen

Wenn Sie Ihr Geburtsdatum, Vor- und Nachname angeben, werden Ihre Spenden an Welthaus automatisch steuerlich berücksichtigt (siehe Seite 26). Diese Absetzbarkeit ermöglicht es Ihnen, mehr zu spenden – ohne mehr zu bezahlen!

Direkt online spenden: graz.welthaus.at In vier einfachen Schritten: 1. Projekt auswählen 2. Betrag und Spendenhäufigkeit eingeben 3. Zahlungsweise 4. Kontaktdaten bekannt geben (v. a. für Spendenabsetzbarkeit)

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