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2016 Jahresbericht 2016

graz.welthaus.at

Welthaus. Wir stärken Menschen.


2 | Inhalt

3 Vorwort

15 Religionsfreiheit

4 Weltweit aktiv Länder / Projekte 2016

16 Unrecht beseitigen

6

Albanien

Seelsorge in Bergdörfern

7

Argentinien

Stärkung von Indigenen

8

Brasilien

Stopp der Vertreibung 9

Guatemala

Sozialer Wandel durch Bildung

10 Laos Schutz der Lebensgrundlagen 11

Senegal

Lösung von Landkonflikten

12 Slowakei Schritte zur Gleichberechtigung 13 14

18 Gemeinsam lernen Workshops

19

Weltweite Zusammenhänge erkennen

20

Entwicklungspolitische Mediathek

Drehscheibe für globales Lernen

21

Veranstaltungsreihen

22

Gäste aus Uganda und der Ukraine

23

Ausstellung

24

Hilfswerke / Pfarren

Brisante Themen – freier Eintritt Begegnung mit Gästen

Bilder, die den Blick weiten Werke der Barmherzigkeit

Tansania

25 Finanzen 2016

Ukraine

26 Spenden & helfen

Gerechter Zugang zu Land Zurück in ein normales Leben

Impressum Medieninhaber, Herausgeber, Verleger: Welthaus Diözese Graz-Seckau Bürgergasse 2, 8010 Graz Tel. +43 316 324556 E-Mail: graz@welthaus.at graz.welthaus.at

Titelfoto: Dieses Mädchen lebt auf besetztem Land im Nordosten Brasiliens. Wie Welthaus in der Region Indigene und Kleinbauernfamilien im Kampf um ihre Rechte unterstützt, lesen Sie auf Seite 8. Foto: Ernst Zerche

Redaktion, Gesamtleitung: Christian Köpf Layout: Christian Köpf Druck: Druckhaus Thalerhof Fotos: Welthaus / Christoph Liebentritt / Ernst Zerche / Thomas Bauer / Heinz Dünser / Incupo / Spolu / Verein Viden F.d.I.v.: Dietmar Schreiner Rechtsform: Welthaus Diözese Graz–Seckau Entwicklungszusammenarbeit: Öffentliche juristische Person gemäß can.114 ff CIC. Verantwortlich für Spendenwerbung: Viktoria Schichl. Für Spendenverwendung: Agnes Truger. Für den Datenschutz: Dietmar Schreiner.


Vorwort | 3

Liebe Leserin, lieber Leser!

E

s gibt nicht zwei Krisen nebeneinander, eine der Umwelt und eine der Gesellschaft, sondern einen ganzheitlichen Zugang, um die Armut zu bekämpfen, den Ausgeschlossenen ihre Würde zurückzugeben und sich zugleich um die Natur zu kümmern“, schreibt Papst Franziskus in der Enzyklika Laudato Si‘. Umweltverschmutzung, Armut und Ungleichheit sind die zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Aber Armut ist kein Naturgesetz, sie wird verstärkt durch die Globalisierung des Turbokapitalismus. Deshalb ist es nötig, unseren Lebensstil radikal zu ändern. Dadurch, dass Papst Franziskus die Ursachen deutlich aufzeigt und klar Stellung gegen die Ungerechtigkeiten bezieht, gibt er uns Hoffnung, wie eine Veränderung zum Guten hin geschehen kann. Diese globalen Fragestellungen, die uns als Weltkirche herausfordern, gemeinsam mit anderen Diözesen im Blick zu haben, ist auch unserem Bischof Wilhelm Krautwaschl ein wichtiges Anliegen. „Wie kann das Aufeinander-Verwiesen-Sein unserer Ortskirche auf die anderen weltweit noch deutlicher zum

Ausdruck kommen?“ Diese Frage hat er uns Anfang 2016 als Arbeitsauftrag mitgegeben. Es war ein nicht unwesentlicher Teil der Arbeit des Kuratoriums und Welthaus-Teams im letzten Jahr, dafür Vorschläge zu erarbeiten und dem Bischof zu präsentieren. Mit dem vorliegenden Jahresbericht möchten wir Ihnen einen Einblick in die Arbeit von Welthaus im Jahr 2016 geben. An ausgewählten Beispielen zeigen wir, wie unsere Projekte die Lebensbedingungen von Menschen in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa verbessern konnten. Wir möchten auch zeigen, wie unsere anwaltschaftliche Arbeit sich für an den Rand der Gesellschaft gedrängte Menschen einsetzt und wir stellen Ihnen unsere Bildungsangebote in der Steiermark vor. Ich darf Sie, liebe Leserinnen und Leser, einladen, uns bei unserer Arbeit weiterhin tatkräftig zu unterstützen. Mag. Dietmar Schreiner Geschäftsführer


4 | Welthaus Jahresbericht 2016

SLOWAKEI

UKRAINE

ALBANIEN

LAOS

SENEGAL

GUATEMALA

BRASILIEN

TANSANIA

ARGENTINIEN

W

elthaus fördert innovative und nachhaltige Programme, die es Menschen ermöglichen, die Gestaltung ihres Lebens und ihrer Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Ausgegrenzte Menschen werden zu aktiv Handelnden. Kreative Überlebensstrategien und konkrete Lösungen lassen erkennen, dass Arme nicht passive Spendenempfänger sind. Welthaus arbeitet langfristig mit lokalen (kirchlichen und nichtkirchlichen) Partnerorganisationen zusammen. Diese sind bei staatlichen Stellen in den jeweiligen Ländern registriert. Die einheimischen MitarbeiterInnen verfügen über professionelles Know-how. Nur auf diesem Weg sind nachhaltige Veränderungen zu erreichen.

Welthaus ist sich seiner großen Verantwortung gegenüber KirchenbeitragszahlerInnen und SpenderInnen bewusst. Die Projektfinanzierung erfolgt in Teilzahlungen nach Überprüfung des Projektfortschrittes. Regelmäßige externe Buchprüfungen vor Ort gehören zum Standard. Ebenso wird Welthaus von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer jährlich geprüft. Welthaus führt das österreichische Spendengütesiegel. Die Spenden an Welthaus sind steuerlich absetzbar. Zur Sicherung der Qualität werden die Projekte laufend evaluiert. Die Weltkarte oben zeigt unsere Schwerpunktländer. Eine Liste aller Projekte finden Sie rechts. Auf den folgenden Seiten stellen wir Ihnen einige Projekte vor …


Länder / Projekte | 5

Land

Aktivität – Projektpartner

International

Wissensmanagement inkl. Review – HORIZONT3000

7.031,01

Albanien

Pastorale Mitarbeiter – Diözese SAPA

2.520,74

Argentinien

Eine Stimme für Indigene / Öffentlichkeitsarbeit – Incupo

25.100,00

Brasilien

Stärkung der Rechte von traditionellen Gemeinschaften – CPT Nordeste, Bahia, Minas Gerais

26.574,32

Brasilien

Gefängnispastoral CNBB

20.558,24

Brasilien

Verbesserung der Lebensbedingungen v. Kindern u. Jugendlichen – Convivencia

Guatemala

Politische Mitsprache der indigenen Jugend – FTN

15.060,00

Guatemala

Den Maya-Völkern eine Stimme geben – COPAE

23.057,50

Laos

Ländliche Entwicklung / Landrechte – CIDSE Laos

45.912,94

Laos

Ernährungssicherung – ARMI

15.037,50

Laos

Landrechte / polit. Einflussnahme – VFI

38.841,87

Laos

Erhalt von natürlichen Ressourcen – GAPE

34.136,00

Laos

Schutz von Gemeinschaftswald – JVC

30.075,00

Senegal

Ernährungssouveränität – acht Partnerorganisationen

Slowakei

Romnija – “Agentinnen der Gleichberechtigung” – Verein SPOLU

Tansania

Nachhaltige Landwirtschaft II – IRDO

Tansania

Landrechte – Haki Ardhi II

16.309,65

Tansania

Ernährungssouveränität Chunya – ADP Mbozi

14.441,04

Tansania

Ernährungssouveränität – ERI-Act Mara

11.821,61

Tansania

Gesicherter Zugang zu Land – MIICO

23.564,39

Tansania

Nachhaltige Landwirtschaft III – IRDO

7.293,29

Tansania

Ernährungssouveränität Momba – ADP Mbozi

19.197,38

Tansania

Sicherung von Landrechten – TNRF

41.032,33

Tansania

Gesundheitszentrum Bukoba – Pfarre Ichwandimi

22.680,56

Tansania

Partnertreffen

Ukraine

Jugendzentrum in Konotop – Verein VIDEN

20.080,00

Ukraine

Beratungszentrum für Kinder und Jugendliche in Iwano-Frankiwsk – Caritas

22.088,00

Westbalkan

Stärkung zivilgesellschaftlicher Organisationen – TRIALOG

5.000,00

103.843,99 28.000,00 9.922,61

3.022,74

2.699,07

Welthaus. Wir stärken Menschen.


6 | Welthaus Jahresbericht 2016

ALBANIEN

Seelsorge in Bergdörfern Die Diözese Sapa liegt im gebirgigen Nordalbanien. Die Dörfer sind vielfach nur über Lehmstraßen im Sommer erreichbar, im Winter bei Schnee und Eis sind sie unzugänglich. Viele Familien verlassen die Bergregion und ziehen in die Städte. Manche versuchen nach Griechenland oder Italien auszuwandern, aber viele kehren mit leeren Händen von dort wieder zurück. In der vernachlässigten Region ist für viele nun die Kirche der einzige Hoffnungsträger. In dieser Situation ist die pastorale und soziale Betreuung der Menschen eine Herausforderung. Allein von der Pfarre Fushe-Arrez werden 17 Bergdörfer im Umkreis von 70 Kilometern betreut.

Seelsorge ist in der schwer zugänglichen Bergregion im Norden Albaniens eine Herausforderung.

D

ie Katholische Kirche in Albanien ist eine Diasporakirche mit langer Tradition, die bis in das 4. Jahrhundert reicht. Die Zahlen schwanken zwischen 250.000 und einer halben Million albanischen KatholikInnen. Seit der Wiederzulassung der Religionsgemeinschaften nach dem Ende des Kommunismus 1990 ist Albanien für die Katholische Kirche ein Missionsland. Der größte Teil der im Land tätigen Priester und Ordensleute stammt heute noch aus dem Ausland. Der Nachholbedarf der Kirchen in materieller und vor allem in personeller Hinsicht ist weiterhin enorm. Ohne Hilfe aus dem Ausland ist das kirchliche Leben nicht vorstellbar. Von staatlicher Seite werden weiterhin keine kirchlichen Initiativen unterstützt.

Die Diözese Sapa hat in Zusammenarbeit mit Welthaus und mit der Diözese GrazSeckau die Ausbildung von pastoralen MitarbeiterInnen initiiert und unterstützt. Ihre Tätigkeit ist vielfältig: Sie sind die Drehscheibe des pfarrlichen Lebens, sie führen Taufgespräche, helfen in der Katechese, initiieren Bildungsangebote und Projekte, helfen Menschen mit Behinderung. Allein die schlechten Straßenzustände zwischen den einzelnen Dörfern verlangen den MitarbeiterInnen einiges an Ausdauer und Engagement ab. Die Berufsgemeinschaft der steirischen PastoralassistentInnen hat dieses Projekt rund 15 Jahre lang unterstützt. Im Jahr 2016 ist es nun ausgelaufen. Für diese langjährige Hilfe gebührt allen Spenderinnen und Spendern ein großer Dank! graz.welthaus.at/albanien


Weltweit aktiv | 7

ARGENTINIEN

Stärkung von Indigenen

D

ie Realität der indigenen Völker dieses Landes ist überall dieselbe: Unseres Territoriums beraubt, werden wir noch dazu wie Kriminelle behandelt und verfolgt, wenn wir unsere Rechte einfordern. Unsere verbleibenden Felder werden weiterhin vom Agrobusiness überrollt und unsere Söhne und Töchter sterben an Hunger!“ beschreibt Relmu Ňamku, Führerin der Mapuche, die Situation in Argentinien. Nach Angaben des argentinischen Bundesamtes für Statistik lebt jede/r Zweite in dem südamerikanischen Land von einem Einkommen unterhalb der Mindestlohngrenze von 8.060 Pesos (rund 430 Euro). Die Armutsrate ist unter der Präsidentschaft von Mauricio Macri weiter angestiegen. Aktuell leben in Argentinien 13 Millionen Menschen unter der Armutsgrenze. Davon leidet jede/r Dritte an Hunger und rund 40 Prozent haben keinen Zugang zu Gesundheits- bzw. Bildungseinrichtungen. Aufgrund der wirtschaftlichen Ausrichtung auf den Export von Agrargütern werden die natürlichen Ressourcen des Landes weiter geplündert. Der Druck auf indigene Territorien und die Gewalt gegen die indigene Bevölkerung steigen. Die Regierung reagiert auf soziale Probleme, wie etwa sozio-ökologische und territoriale Konflikte mit der Kriminalisierung der ländlichen, indigenen Bevölkerung.

Die Missstände bewirken eine zunehmende Mobilisierung der Zivilgesellschaft, die sich gegen soziale Ungleichheit und für Umweltschutz einsetzt. Kleinbäuerliche und indigene Bewegungen schließen sich zusammen, Medien berichten über Problemfälle, auf nationaler Ebene werden Dialogforen geschaffen. INCUPO (Instituto de Cultura Popular) spielt in all diesen Prozessen, mit finanzieller Unterstützung von Welthaus, eine sehr wichtige Rolle. Die Organisation stärkt die Position von indigenen Organisationen durch gezielte Vernetzung, Ausarbeitung und Umsetzung von Strategien, die ein Leben in Würde ermöglichen. Diskriminierungsfälle gegenüber der indigenen Bevölkerung werden kritisch auf ihre Ursachen und die verletzten Rechte hin analysiert, die kulturelle Identität indigener Organisationen wird gestärkt.

Indigene setzen sich in Argentinien gegen den Raub ihres Landes ein. Foto: Incupo

graz.welthaus.at/argentinien 7


8 | Welthaus Jahresbericht 2016

BRASILIEN

Stopp der Vertreibung gel sinkt, viele Böden werden versiegelt, der Wasserverbrauch ist riesig. Windräder vermischen die kühle Bodenluft mit jener der wärmeren in höheren Schichten. In einem Trockengebiet wie dem Nordosten kann das fatale Auswirkungen haben. Seit 2014 gibt es zwar eine Resolution des Nationalen Umweltrats, die den Bau von Windparks in ökologisch sensiblen Gebieten erschwert. Ausnahmeregelungen sind jedoch nicht selten.

Immer mehr Windparks gefährden in Brasilien die Lebensgrundlagen von Kleinbauernfamilien. Foto: Thomas Bauer

I

Unser Projektpartner, die Landpastoralkommission CPT, unterstützt die Kleinbauernfamilien bei der Durchsetzung ihrer Rechte: durch Schulungen, die Vernetzung der Betroffenen, die Begleitung bei behördlichen Vorsprachen und durch Rechtsbeistand. Zudem wird die Zusammenarbeit der bäuerlichen Gemeinschaften mit der Stadtbevölkerung gefördert. Beide Gruppen sind von Wassermangel und -verschmutzung durch Großprojekte betroffen.

Die Auswirkungen auf die Umwelt sind durchwegs negativ: Der Grundwasserspie-

In São Gonçalo ist eigentlich alles für ein einfaches aber gutes Leben vorhanden: gutes Land, Brunnen und Zisternen, ein Mehlhaus zur Herstellung von Maniokmehl, Hausgärten, kleine Felder, Rinder und Hühner. Wären da nicht der Präfekt und die Windparkfirma miteinander verbündet. „Viele Junge wollen dableiben“, meint Seu Luciano. Er ist Präsident der fünf Orte umfassenden Bauernvereinigung und setzt sich mit aller Kraft und Unterstützung der CPT dafür ein, dass die 108 Familien auf ihrem Land bleiben können und endlich Besitzdokumente erhalten.

n ganz Brasilien sind mittlerweile fast 400 Windparks entstanden. Das Hochland Bahias mit seinen stetigen Winden bietet günstige Voraussetzungen für die Errichtung von Windrädern. Die lokale Bevölkerung hat dabei oft das Nachsehen. Ihre Landnutzungsrechte für Weideland werden nicht eingehalten, stattdessen wird das Gelände von den Betreibern der Windparks umzäunt. Statt versprochener Dauerarbeitsplätze gibt es nur harte, schlecht bezahlte Arbeit während der Bauphase. Korruption ist ein großes Problem und Besitzdokumente werden von Firmen oft mittels gefälschter Unterlagen erworben.

graz.welthaus.at/brasilien


Weltweit aktiv | 9

GUATEMALA

Sozialer Wandel durch Bildung

H

ohe Schulabbruchsraten, Kriminalität, Drogenhandel und allgegenwärtige Angst prägen das Leben der Jugendlichen im westlichen Hochland Guatemalas. Fehlende Arbeitsmöglichkeiten und die herrschende Armut in den ländlichen Gemeinden führen zu einer extrem hohen Abwanderung in die Hauptstadt des Landes und in die USA. Viele Mädchen und junge Frauen arbeiten als Hausmädchen, um damit ihren jüngeren Geschwistern den Schulbesuch zu ermöglichen. Für die Fundación Tierra Nuestra (FTN), die „Stiftung Unsere Erde“, ist Bildung das wichtigste Mittel, um einen sozialen Wandel zu ermöglichen. So arbeitet FTN mit der Unterstützung von Welthaus mit Jugendlichen, von denen viele keinen Zugang zu formeller Bildung haben. In Workshops wird politisches Wissen vermittelt, indigene Identität bewusstgemacht und persönlichkeitsstärkende Themen zu Frau- und Mann-Sein behandelt. Im Austausch mit anderen Basisorganisationen lernen die Jugendlichen, kritisch zu denken. Sie entwickeln ein Bewusstsein für die in der Gesellschaft herrschende Ungleichheit und für den Ausschluss der indigenen Bevölkerung – Einstellungen, die sie bisher als unhinterfragt und natürlich erleben mussten. Durch die Kurse beginnen die Jugendlichen, sich für gesellschaftliche Belange zu interessieren und sich einzubringen. In den zehn Jugendgruppen arbeiten sie Projekte aus und treten damit an die Öffentlichkeit.

Eine Gruppe fordert in einem Theaterstück die Gesellschaft zu einem nachhaltigen Konsum im Einklang mit den traditionellen Werten auf. Andere evaluieren die lokalen Gesundheitseinrichtungen und Schulen und wenden sich mit Forderungen an den staatlichen Menschenrechtsbeauftragten. Sie kämpfen für ihr Land und ihre natürlichen Ressourcen, werden laut gegen die ungerechtfertigte Kriminalisierung indigener Führungskräfte. Sie lernen, selbst Verantwortung zu übernehmen. Und so wird Bildung zu einem politischen Werkzeug, mit dem die historische Ausgrenzung und Unterdrückung gebrochen werden und der Kampf um Land und Selbstbestimmtheit ermöglicht werden kann.

Ein Projekt von Welthaus und FTN in Guatemala: Bildung als wichtigstes Mittel zur Mitgestaltung der Gesellschaft.

graz.welthaus.at/guatemala 7


10 | Welthaus Jahresbericht 2016

LAOS

Schutz der Lebensgrundlagen und Vietnam interessant. Aber auch andere Länder versuchen vermehrt, sich die begehrten Ressourcen zu sichern. Für die lokale Bevölkerung, die sich ihrer Rechte meist gar nicht bewusst ist, bedeutet dieser zunehmende Hunger nach Land oft die Vertreibung oder Übervorteilung bei Verhandlungen mit Investoren. Hier setzt ein Projekt von Welthaus und der lokalen Partnerorganisation in der Region Khammouane an: Dorfgemeinschaften werden über ihre Rechte und Pflichten in Bezug auf Land aufgeklärt. Diese Informationsarbeit ist vor allem dann wichtig, wenn Investoren mit der Dorfbevölkerung in Verhandlungen treten.

Nachhaltiger Umgang mit Land und der Schutz von Wäldern, Weiden und Flüssen ist für die Landbevölkerung in Laos eine Überlebensfrage.

I

n Laos gehört alles Land dem Staat. Die bäuerliche Bevölkerung besitzt aber ein traditionelles Nutzungsrecht für Gemeindeland. Dazu gehören auch gemeinschaftlich genutzte Weideflächen und Wälder. Um sich ausreichend ernähren zu können, sind viele LaotInnen von den Früchten und Tieren der Gemeinschaftswälder abhängig. In den 1990er Jahren hat sich das kommunistisch regierte Land der Marktwirtschaft geöffnet. Durch seinen Reichtum an Land, Wasser, Holz und Erzen wurde Laos besonders für die Nachbarländer China, Thailand

Generell wird der nachhaltige Umgang mit Gemeinschaftsland und der Erhalt der natürlichen Ressourcen in Laos immer wichtiger: Wälder, Weideflächen und Flüsse bieten Nahrungsmittel, die die Landbevölkerung für ihr Überleben braucht. Nachdem es auch kaum Arbeitsmöglichkeiten gibt, ist eine angepasste Landwirtschaft zusammen mit der nachhaltigen gemeinschaftlichen Bewirtschaftung von Wäldern und Flüssen eine der wenigen Möglichkeiten, um weiterhin auf und vom Land leben zu können. Die Dorfgemeinschaften erhalten dazu Informationen und erstellen gemeinsam Pläne für den Schutz und die Nutzung ihrer Lebensgrundlagen.

graz.welthaus.at/laos


Weltweit aktiv | 11

SENEGAL

Lösung von Landkonflikten

I

m Senegal haben Landkonflikte massiv zugenommen. Oft werden sie gewaltsam ausgetragen. Die Gründe dafür sind die steigende Nachfrage nach Lebensmitteln, Wasser und Energie in Kombination mit dem Bevölkerungswachstum, der Bau von Autobahnen, Straßen oder Flughäfen oder die galoppierende Urbanisierung. Die Regierung fördert insbesondere das Agrobusiness, die Nahrungsmittelindustrie und große Infrastrukturprojekte – mit massiven Auswirkungen auf die Landverteilung. Die Betroffenen werden in die Planung kaum miteinbezogen, ihre Rechte auf Entschädigungszahlungen werden oft missachtet. In den Landkonflikten stehen sich Staat und Bevölkerung, Gemeinden untereinander oder auch Gemeinden und ihre Einwohner als Streitparteien gegenüber. Hinzu kommen Investoren, die auf Kosten der Bevölkerung großen Landbesitz anhäufen. Korruption spielt bei der Landvergabe eine maßgebliche Rolle. Die Landrechtspolitik im Senegal ist widersprüchlich, die Gesetzgebung entspricht nicht der gelebten Praxis. Diese Situation schafft soziale Ungerechtigkeiten, insbesondere zu Lasten von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen – mehr als 60 Prozent der senegalesischen Bevölkerung. „Eines Morgens waren meine Felder besetzt von Baumaschinen und Arbeitern, die mir erklärten, dass hier die neue Autobahn gebaut werde. Als ich bei der Gemeinde nachfragen wollte, was hier los sei, wurde

mir gesagt, dass sie keine Auskunft geben“, erzählt Paté Mbaye. Seit Generationen lebt seine Familie von der Landwirtschaft in der Gemeinde Illa Touba, etwa 60 Kilometer östlich der Hauptstadt Dakar.

Im Senegal häufen sich die Konflikte um fruchtbares Land. Hier eine Bäuerin in ihrem Hibiskusfeld. Foto: Heinz Dünser

Forum Civil setzt mit Unterstützung von Welthaus in der Region Thiés ein Pilotprojekt um: Alle involvierten Parteien versammeln sich in einem offiziellen Rahmen. Die Landkonflikte werden erfasst und Forum Civil greift vermittelnd und als Rechtsberater ein. Das Abstimmungsgremium wird durch Weiterbildungen auf den neuesten Stand des Bodenrechts gebracht, die Bevölkerung informiert und sensibilisiert. Nun wurde eine einvernehmliche Lösung für die Gemeinde Illa Touba gefunden: Durch eine veränderte Straßenführung konnte die Umsiedlung von 1700 Bauernfamilien verhindert werden. graz.welthaus.at/senegal

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12 | Welthaus Jahresbericht 2016

SLOWAKEI

Schritte zur Gleichberechtigung In Schulungen werden Romnija gestärkt, für ihre eigenen Anliegen einzutreten. Die erworbenen Kenntnisse setzen sie auf lokaler und regionaler Ebene um: In informellen Kindergartengruppen bereiten sie die Kinder für den Schuleintritt vor. Sehr erfreulich ist, dass heuer kein Kind mehr in die Sonderschule gehen musste. Das ist ein großer Erfolg, der zugleich mit der Herausforderung verbunden ist, die Schulbildung auch in der Regelschule abzuschließen. Darum wurden die Lerngruppen am Nachmittag verstärkt. Die Gruppen werden von zwei Romnija geführt, die mit viel Energie für ihre Schützlinge eintreten und mit ihnen auch an Stadtfesten, Wallfahrten und Sportveranstaltungen teilnehmen.

Bildung und Freizeitangebote zur Förderung der RomaMinderheit. Hier die Tanzgruppe. Foto: Spolu Slovensko

T

rotz EU-Mitgliedschaft hat die Slowakei im Sozialbereich einigen Aufholbedarf. Gerade die Situation der Roma, die fast 10 Prozent der Bevölkerung stellen, ist prekär. Welthaus unterstützt in der Region Zips/Spiš das Projekt „Agentinnen der Gleichberechtigung“: Unsere Partnerorganisation, der Verein SPOLU, setzt auf das Stärken und Befähigen von Menschen, damit sie selbst aktiv an der Gesellschaft teilhaben. Bei den Frauen anzusetzen hat die größte Hebelwirkung für alle.

Beeindruckend, was es zusätzlich an Aktivitäten gab: Für 25 Kinder wurde eine Ferienwoche mit Wandern, Spielen und Basteln organisiert, auch das städtische Freibad haben sie besucht. Beim Singen und Tanzen sind die Kinder der Gruppe „Khamoro“ mit Freude und Eifer dabei. Bei all diesen Aktivitäten ist es enorm wichtig, bei den Kindern und den Erwachsenen das Gefühl zu stärken: „Ihr seid ein Teil der Gesellschaft, ihr gehört in unsere Mitte!“ In diesem Projekt wird von der vielbeschworenen Inklusion nicht nur gesprochen, sondern es werden Schritte zur gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft gesetzt.

graz.welthaus.at/slowakei


Weltweit aktiv | 13

TANSANIA

Gerechter Zugang zu Land

T

ansania gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Mehr als 70 Prozent der Bevölkerung leben von kleinbäuerlicher Landwirtschaft. Regierungswie auch bi- oder multilaterale Programme dienen allerdings nicht der Verbesserung ihrer Lebensbedingungen, sondern nutzen vor allem Investoren, die auf agroindustrielle Landwirtschaft setzen. Damit verbunden ist die Vertreibung der Menschen von ihrem Land, das sie oft seit Generationen bewirtschaften. Vor allem in fruchtbaren und regensicheren Gebieten steigt der kommerzielle Druck auf Land. Die Umsetzung der Landgesetzgebung verläuft schleppend und scheitert auch an mangelnder Budgetierung. Welthaus unterstützt die Bevölkerung dabei, ihr Recht auf Land und somit ihre Lebensgrundlagen zu verteidigen. Unsere lokale Partnerorganisation TNRF vermittelt in den Regionen Dodoma und Iringa der Landbevölkerung wie auch lokalen Regierungsbeamten Wissen über Landrechte. Somit kann ein gleichberechtigter und sozial gerechter Zugang zu Land und Eigentumsrechten gewährleistet werden. Zentral ist die Einbindung von Frauen in diese Arbeit. Durch immer kleinere verfügbare Flächen wird der Druck auf Land immer höher, was auch zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen unterschiedlichen Gruppen führen kann. Deshalb arbeitet TRNF mit Ackerbauern

und Viehzüchtern gleichermaßen, was zur Verringerung der Konflikte zwischen diesen beiden Gruppen beitragen soll. Durch die Schaffung von Netzwerken, wo es einerseits Austausch, aber auch gemeinsame Lobbyingaktivitäten gibt, konnte in den Projektgebieten die Zahl der Konflikte schon massiv reduziert werden.

Durch die Vermittlung von Wissen und die Schaffung von Netzwerken konnte die Zahl der Landkonflikte massiv reduziert werden.

Das Projekt wird kofinanziert von der Dreikönigsaktion.

graz.welthaus.at/tansania 7


14 | Welthaus Jahresbericht 2016

UKRAINE

Zurück in ein normales Leben stärken. Welthaus unterstützt daher in der Stadt Konotop das Jugendzentrum „Freundeskreis“. Dieses organisiert Ferienlager, Bastelrunden, Debattierclubs, Englischkurse und fördert auch Musikgruppen. Auch ein so genanntes „mobiles Zimmer“ wurde eingerichtet, das die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Beeinträchtigung fördert und sie und ihre Eltern aus der Isolation zurück in die Gesellschaft holt. Dies gelingt durch individuelle Betreuung, gemeinsame Freizeitaktivitäten mit anderen Kindern und regelmäßigen Unterricht. Bei gemeinsamen Aktivitäten in der Öffentlichkeit können sie ihr Selbstbewusstsein stärken und sich und der Welt zeigen, dass sie so sind wie die anderen.

Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen zurück in die Gesellschaft zu holen ist das Ziel des „mobilen Zimmers“. Foto: Verein Viden

D

ie Ukraine kommt nicht zur Ruhe. Die unsichere politische Situation und der nach wie vor schwelende Konflikt im Osten des Landes wirken sich gravierend auf das Leben der Menschen aus. Preissteigerungen bei fast allen Produkten des täglichen Bedarfs und bei den Heizkosten sind einem Durchschnittseinkommen von rund 200 Euro kaum zu bewältigen. In dieser Situation können Kinder mit Behinderung oder traumatischen Erlebnissen kaum auf Unterstützung und Förderung hoffen. Die Eltern sind vielfach schlicht überfordert. Leider gibt es kaum Angebote, die über das Schulische hinausgehend das Selbstbewusstsein und die Talente von Jugendlichen

Das von Welthaus unterstützte Sozialprojekt hilft auch Kindern und Jugendlichen, die durch die Flucht aus den umkämpften Gebieten traumatisiert sind. Im „mobilen Zimmer“ bietet man ihnen individuelle Förderung an und in mühevoller Zusammenarbeit mit Schulen und den zuständigen Behörden konnten Integrationsklassen an den staatlichen Schulen eingerichtet werden. Bei jedem Besuch in der Ukraine ist der unerschütterliche Glaube an eine hoffnungsvollere Zukunft spürbar. Die Unterstützung des Jugendzentrums in Konotop wird als Zeichen der europäischen Zusammengehörigkeit verstanden – als ein Zeichen, dass die Ukraine von Europa nicht vergessen wurde. graz.welthaus.at/ukraine


Religionsfreiheit | 15

RELIGIONSFREIHEIT

Ein bedrohtes Menschenrecht

Z

u einem erfüllten Leben gehört neben der Befriedigung der Grundbedürfnisse auch die Verwirklichung der spirituellen Dimension des Menschen. Die Religionsfreiheit ist ein Grund- und Menschenrecht. Doch in vielen Staaten ist die freie Religionsausübung nicht gegeben. Für die Diözese Graz-Seckau ist es wichtig, sich für das Menschenrecht auf freie Religionsausübung einzusetzen und über die vielfältigen Bedrohungen dieses Rechtes zu informieren. Welthaus nimmt diese Aufgabe wahr. 2016 wurden Informationen über die aktuelle Situation von Religionsfreiheit weltweit recherchiert und interessierten Stellen zur Verfügung gestellt. Ein Bereich auf der Website informiert über aktuelle Entwicklungen zum Thema. Unsere Mediathek bietet dazu laufend aktuelle Medien und Beratung an. Welthaus ist auch mit anderen in diesem Bereich tätigen Organisationen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen vernetzt. Gemeinsame Veranstaltungen regen zur Auseinandersetzung mit dem Thema an. Im Herbst 2016 konnten zwei ausgewiesene Kenner des Nahen Ostens über die aktuelle Lage in den Krisenregionen berichten: Der Theologe und Historiker Prof. Dietmar Winkler aus Salzburg beleuchtete die dramatische Situation der Christen in seinem Vortrag unter dem Titel „Brennpunkt Naher Osten. Orientalisches Christentum. Vertreibung und Zerstörung in den bewaffneten Konflikten in Syrien und Irak“.

Der Nahostexperte und Autor Dr. Gerhard Schweizer referierte über die Ursachen des Krieges in Syrien, die auch sein aktuelles Buch „Syrien verstehen“ behandelt: Aus dem ursprünglich politisch-sozialen Konflikt wurde ein politisch-religiöser Konflikt, weil radikalisierte Sunniten die „ketzerische“ alawitische Minderheit von der Macht vertreiben wollten. In Syrien entwickelte sich ein Bürgerkrieg, wie er ein Jahrzehnt zuvor schon im Irak begonnen hatte: Politische Frontlinien deckten sich zunehmend mit religiösen Gegensätzen. Es war vor allem ein Kampf zwischen sunnitischen und schiitischen Glaubensrichtungen wie auch zwischen säkularen und islamistischen Gruppierungen. Sein Vortrag über die Situation in Syrien wurde im übervollen Barocksaal mit gespanntem Interesse diskutiert. graz.welthaus.at/religionsfreiheit

Syrien verstehen: Der Nahostexperte und Autor Dr. Gehard Schweizer beleuchtete im Barocksaal die Ursachen des Bürgerkrieges in Syrien.


16 | Welthaus Jahresbericht 2016

UNRECHT BESEITIGEN

Voller Einsatz – laut und leise

W

elthaus tritt für den Zugang zu Land ein, um damit die Basis für eine ausreichende und angemessene Ernährung zu legen. Da österreichische und europäische Politiken oft negative Auswirkungen auf die Lebensbedingungen in Entwicklungsländern haben, engagiert sich Welthaus auf nationaler und internationaler Ebene, um zum Abbau ungerechter Strukturen und Rahmenbedingungen beizutragen. Um diese politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verändern zu können, braucht es Allianzen und eine abgestimmte Vorgehensweise – jeweils auf nationaler und europäischer Ebene. Welthaus hat sich deshalb nicht nur inhaltlich, sondern auch strategisch in Debatten rund um Themen wie Energie, Klima, Ernährung und Landwirtschaft eingebracht. Die Allianzen reichen dabei vom „Agrofuels Network“ auf europäischer Ebene bis zur Bewegung „System Change, not

Climate Change!“ und der Plattform „Wir haben es satt!“ in Österreich. Im entwicklungspolitischen Dachverband „Globale Verantwortung“ arbeitet Welthaus in Arbeitsgruppen zu Themen rund um Landwirtschaft und Anwaltschaft mit. Dabei wurde auch ein Argumentationspapier für die politische Lobbyingarbeit des Dachverbandes erarbeitet. Nicht immer können diese Aktivitäten öffentlichkeitswirksam erfolgen: Die Teilnahmen an Konsultationen zur Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union und der österreichischen Klima- und Energiepolitik oder auch parlamentarische Anfragen zu Themen wie “Nationale Implementierung der reformierten Erneuerbaren Energien Richtlinie (ILUC-Reform)” sind in der Regel medial schwierig bis gar nicht zu transportieren. Durch diese Hintergrundarbeit konnte Welthaus jedoch wesentlich zu politischen Auseinandersetzungen beitragen, wie etwa zur Debatte


um den Einsatz von Palmöl (insbesondere als Agrotreibstoff), die in einer Sondersitzung des österreichischen Nationalrates einen Höhepunkt fand. Andere Aktionen und Veranstaltungen stießen wiederum auf breite Resonanz in Medien und sozialen Netzwerken: Wie etwa die Produktion und Verteilung der alternativen Zeitung „BauernPost“ mit dem Titel „Die Agrarwende seit 2016 – sozial und ökologisch“. Darin zeigt die Plattform „Wir haben es satt!“, wie sich die Zukunft unseres Essens und unserer Regionen im Sinne von Ernährungssouveränität entwickeln wird. Sehr erfolgreich verlief auch die von Welthaus mitveranstaltete Premiere des Films “Bauer unser“ am 7.11. im Grazer Schubertkino. Vor ausverkauftem Haus diskutierten im Anschluss an den Film Regisseur Robert Schabus, Biobauer Ewald Grünzweil sowie Markus Meister und Christian Köpf (Welthaus) über das Thema.

In der Fastenzeit 2016 hat Welthaus wieder gemeinsam mit neun weiteren Einrichtungen der Katholischen Kirche Steiermark die Aktion “Gerecht leben – Fleisch fasten” durchgeführt. Diese regt zum weitgehenden Verzicht auf Fleisch in der Fastenzeit an, um ein Zeichen für einen bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit diesem wertvollen Nahrungsmittel zu setzen. Dabei geht es nicht zuletzt um eine Auseinandersetzung mit den eigenen persönlichen Ernährungsgewohnheiten und den globalen Auswirkungen des derzeit sehr hohen Fleischkonsums. Rund 1400 Personen und 25 Pfarren haben sich 2016 an der Fastenaktion beteiligt.

„Agrarwende jetzt!“ hieß es bei einer Aktion am 8. Februar in Wien. Dabei wurde auch die alternative Zeitung „BauernPost“ verteilt. Foto: C. Liebentritt

Unrecht zu beseitigen erfordert also, dass wir häufig laut und deutlich auf Missstände hinweisen. Hintergrundarbeit, die über weite Strecken von der Öffentlichkeit unbemerkt bleibt, ist aber vielfach genauso wichtig. graz.welthaus.at/unrecht-beseitigen 7


18 | Welthaus Jahresbericht 2016

GEMEINSAM LERNEN

Aktiv für eine gerechte Welt

D

ie Erfahrungen aus den Projektländern bilden die Grundlage für die Bildungsarbeit in der Steiermark. Das Grundprinzip dabei ist, mit Menschen aus anderen Kulturen in offenen Kontakt zu treten, die Welt aus der Sicht anderer zu betrachten und die Konsequenzen des eigenen Handelns in einem globalen Zusammenhang zu sehen.

Das vielfältige Angebot reicht von Workshops mit Schulklassen, Jugendgruppen und Erwachsenen über Vorträge, Diskussionen und Filmvorführungen bis zu Festen und Ausstellungen sowie dem Verleih von Medien zu globalen Themen. Gemeinsam werden Mittel und Wege erkundet, wie man im Rahmen der eigenen Möglichkeiten für eine gerechtere Welt aktiv werden kann.


Gemeinsam lernen | 19

WORKSHOPS

Weltweite Zusammenhänge erkennen

F

ür Schulen, Jugendgruppen und Erwachsene hatte Welthaus 2016 wieder eine Reihe von Workshops im Angebot. Sie ermöglichen interkulturelle Begegnungen, zeigen weltweite Zusammenhänge auf und regen zu einer differenzierten Betrachtung der Globalisierung an. Bei der Welthausreise lernten die TeilnehmerInnen (TN) die Arbeit von Welthaus und die Entwicklungspolitische Mediathek kennen. Dabei stand jeweils auch ein entwicklungspolitisches Thema nach Wahl auf dem Programm. Beim Workshop Auf Entdeckungsreise durch unser Dorf gingen die TN weltweiten Zusammenhängen rund um unsere Ernährung auf die Spur – und zwar im eigenen Dorf oder Stadtteil. Sie begaben sich dabei auf eine Entdeckungsreise, die sie an verschiedene Orte (z.B. Bauernmarkt, Getreideacker, Müllsammelstelle …) führte. Im interaktiven Workshop Geraubtes Land, geraubtes Essen beschäftigten sich die TN mit dem globalen Wettlauf um fruchtbare Böden. Sie erforschten dessen Ursachen und machten sich globale Zusammenhänge zwischen unserem Lebensstil und dem Landraub in vielen Teilen der Welt bewusst. Fährst du schon, oder isst du noch? lautet der Titel eines Workshops, der die sozia-

len und ökologischen Folgen der Produktion von Agrotreibstoffen aufzeigt. Zusammenhänge zwischen Österreich und Lateinamerika machten die weltweite Dimension des Agrarhandels sichtbar. Die bittere Seite der Schokolade zeigt ein weiterer Workshop auf. Die TN lernten dabei die Schokoladenherstellung, beginnend vom Anbau der Kakaopflanzen bis zum Verkauf der jeweiligen Produkte, kennen. Soziale, ökologische und ökonomische Probleme wurden diskutiert und im Hinblick auf das eigene Konsumverhalten reflektiert.

graz.welthaus.at/workshops

Das WeltSpiel wird bei unseren Workshops gerne „gespielt“ und sorgt oft für AhaErlebnisse.


20 | Welthaus Jahresbericht 2016

ENTWICKLUNGSPOLITISCHE MEDIATHEK

Drehscheibe für globales Lernen Studierende werden bei der Recherche für ihre Vorwissenschaftlichen Arbeiten oder Abschlussarbeiten betreut. Mit anderen steirischen entwicklungspolitischen Einrichtungen wird immer wieder kooperiert.

Die Mediathek bietet über 4.700 Medien, interessante Veranstaltungen und fachkundige Beratung.

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thischer Welthandel“, „Der schmale Grat der Hoffnung“, „Tomorrow“ – das sind einige Beispiele aus dem breiten Angebot der Entwicklungspolitischen Mediathek. Mehr als 4.700 Sachbücher, DVDs, CDs, Unterrichtsmaterialien, Spiele und Belletristik kann man im Welthaus Graz entlehnen. Die Themenpalette reicht dabei von den viel diskutierten Themen Migration und Flucht über Welternährung und Klimawandel bis zu Religionsfreiheit und Friedensarbeit. Das Welthaus-Team bietet fachkundige Beratung zum Globalen Lernen und Unterstützung bei der Planung von Projekttagen und Aktionen in Schulen, Pfarren, Solidaritätsgruppen und Gemeinden. SchülerInnen und

Neben dem Standort in Graz gibt es acht Regionalstellen in den Stadtbüchereien in Fürstenfeld, Gleisdorf, Kapfenberg, Knittelfeld, Liezen, Leoben, Mürzzuschlag und Weiz. Diese Bibliotheken sind sehr aktiv und bilden regionale Netzwerke mit Gemeinden, Pfarren, Schulen, Kindergärten und Weltläden. 2016 wirkten sie auch an den Fairen Wochen des Landes mit und bewarben die Aktion „Gerecht leben – Fleisch fasten“. Auch Thementische wurden in den Regionalstellen gestaltet und so konnte auf die verschiedenen Schwerpunkte hingewiesen werden. 2016 fand in der Mediathek und den Regionalstellen eine Reihe von Veranstaltungen statt: Acht WeltCafés, fünf WeltBlick-Veranstaltungen, ein Poetry Slam, zwei WeltGeschichten und 26 Workshops. In der Regionalstelle in Fürstenfeld gab es außerdem eine mit 180 TeilnehmerInnen hervorragend besuchte Filmvorführung vom Film „Landraub“. Auch in Weiz wurde ein WeltKino durchgeführt: „Das Meer des Pilgers Antonio“. Darüber hinaus war die Mediathek bei einigen Veranstaltungen mit Büchertischen präsent. Die Entwicklungspolitische Mediathek wird von FairStyria gefördert. Infos, Termine und Online-Recherche: graz.welthaus.at/mediathek


Gemeinsam lernen | 21

VERANSTALTUNGSREIHEN

Brisante Themen – freier Eintritt

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orträge, Diskussionen, Buchvorstellungen, Filmabende ... Im Jahr 2016 war Welthaus wieder Schauplatz zahlreicher Veranstaltungen. Eine Auswahl: Bei einem „WeltCafé“ im Februar war Yuen Abana von der Freedom from Debt Coalition (FDC) auf den Philippinen zu Gast. Die FDC, ein Projektpartner der Katholischen Frauenbewegung, sensibilisiert die Bevölkerung für wirtschafts- und sozialpolitische Themen und macht sie auf Missstände aufmerksam. Um regionale und saisonale Vielfalt in Küche und Garten ging es bei einer Buchpräsentation im März. Irene Mösenbacher und Gabriele Gauper stellten ihr Kochbuch „Grünes Zebra kocht“ mit 100 großteils vegetarischen Rezepten vor. Margrit De Colle präsentierte ihr Buch „Bio-Schnittblumen aus dem eigenen Garten“. Einen Einblick hinter die Kulissen der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro bot Thomas Bauer bei einem WeltCafé im Mai. Bauer, der seit über 20 Jahren in Brasilien lebt, berichtete, wie durch große Infrastrukturprojekte die sozialen Spannungen in Brasilien wachsen. Migration, Flucht und die Folgen für Europa standen im Mittelpunkt einer Veranstaltung im Juni: Paul M. Zulehner stellte sein Buch „Entängstigt euch!“ vor, in dem er den Ursachen von Ängsten vor Flüchtlingen nachgeht und Möglichkeiten, sie zu überwinden. Im Anschluss diskutierte er mit Karl Lippitz, Leiter

der Flüchtlingsregionalbetreuung der Caritas Steiermark, Gabi Gmeindl, Integrationspatin einer syrischen Flüchtlingsfamilie und Hulud Muhamad, Asylberechtigte aus Syrien.

Spannende Diskussion zum Thema Flucht und Migration: Muhamad, Lippitz, Gmeindl, Kompacher, Zulehner (v.l.).

„Schwein gehabt?“ lautete der Titel einer Diskussionsveranstaltung im September. Heinz Köstenbauer (Bio Ernte Steiermark), Peter Feiertag (Fleischerei Feiertag) und Micha Beiglböck (Nahgenuss) diskutierten mit Markus Meister (Welthaus) über „neue Strategien gegen Preisdruck und Billigwahn.“ Im Dezember waren beim WeltCafé Gäste aus Tansania eingeladen: Victor El-Nshau (ADP-Mbozi) erzählte, wie er Menschen dabei hilft, ihr Land zu sichern und ihre Ernten zu verbessern. Isaya Silwamba, selbst Bauer, gab Einblicke in seine Lebenssituation. graz.welthaus.at/termine 7


22 | Welthaus Jahresbericht 2016

UGANDA | UKRAINE

Begegnung mit Gästen Ssekalegga berichteten, wie sie kreative Antworten auf die wachsenden Müllberge und die Umweltzerstörung in ihrer Heimat gefunden haben: Von der Mini-Biogasanlage über Maisbriketts bis zu Kochtöpfen aus Metallresten. Bei Workshops und Vorträgen im „WeltCafé“ gaben sie ihre Erfahrungen weiter und sprachen über neue, gemeinsame Wege beim Umweltschutz und der Verbesserung von Lebensbedingungen. Neben den Vorträgen und Workshops besuchten unsere Gäste auch Institutionen wie das Umweltamt, das Abfallwirtschaftsservice, BAN und Zotter, um neue Ideen für ihre Arbeit in Uganda zu sammeln.

Unsere Gäste aus Uganda, Lucian und Francis, bei einem Workshop im Welthaus.

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nterkulturelle Begegnungen, die bewegen: Welthaus lädt regelmäßig Gäste aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa nach Österreich ein. In ihren Heimatländern engagieren sie sich für bessere Lebensbedingungen und für eine nachhaltige Gestaltung der Gesellschaft. Workshops, Vorträge und viele persönliche Begegnungen bieten den Rahmen für gegenseitigen Austausch und authentische Einblicke in das Leben in Entwicklungsländern. Im April 2016 besuchten Gäste aus Uganda die Steiermark. Lucian Ichodu und Francis

In der Ukraine leben und arbeiten Tetiana Volosiuk und Larysa Dorosh. Sie waren im November 2016 zu Gast in der Steiermark. Die unsichere politische Lage und der schwelende Konflikt im Osten wirken sich gravierend auf das Leben der Menschen in der Ukraine aus. Als unsere Gäste von der schwierigen Situation in ihrem Heimatland berichteten, machte sich bei den BesucherInnen der Workshops und Vorträge Nachdenklichkeit breit. Unsere Gäste erzählten aber auch, wie sie in ihrer Arbeit in den Städten Konotop und Iwano-Frankiwsk Kindern und Jugendlichen aus sozial schwachen Familien helfen und Flüchtlingen aus der umkämpften Ostukraine wieder Hoffnung geben – mit finanzieller Unterstützung von Welthaus.

graz.welthaus.at/gaeste


Gemeinsam lernen | 23

AUSSTELLUNG ZU „LAUDATO SI´“

Bilder, die den Blick weiten

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s gibt nicht zwei Krisen nebeneinander, eine der Umwelt und eine der Gesellschaft, sondern einen ganzheitlichen Zugang, um die Armut zu bekämpfen, den Ausgeschlossenen ihre Würde zurückzugeben und sich zugleich um die Natur zu kümmern“, schreibt Papst Franziskus in der Enzyklika Laudato si´. In dem bahnbrechenden Dokument lädt der Papst auch dazu ein, den Blick zu weiten. Eine Fotoausstellung zur Enzyklika möchte den Blick besonders auf die Länder des Südens lenken. Kuratiert hat die Ausstellung Ernst Zerche. Er ist Referent für Weltkirche und Mission im Welthaus und freiberuflich Fotograf. Viele seiner Projektreisen nach Afrika, Asien und Lateinamerika hat Zerche fotografisch festgehalten. Für die Wanderausstellung hat er 25 Fotos ausgewählt, die eine Annäherung an den Inhalt der Enzyklika ermöglichen. Themen wie die ungerechte Verteilung von Ressourcen und Umweltzerstörung, aber auch Lebensfreude, Gemeinschaft und die Schönheit der Natur werden so auf beeindruckende Weise sichtbar. „Mit diesen Bildern möchte ich auch zeigen, wie sich Welthaus und die anderen Hilfswerke der Katholischen Kirche weltweit für ein Leben in Würde einsetzen“, meint Zerche. „Gerade sie bemühen sich auch um diesen anderen Blick auf die Welt, den der Papst in seiner Enzyklika meint – ein Denken, eine Politik, einen Lebensstil und eine Spiritualität, um Alternativen aufzuzeigen.“

Die Fotoausstellung war im Oktober 2016 im Pfarrzentrum Gleisdorf zu sehen. Weitere Stationen: das Augustinum in Graz und der KunstRaum Liebenau. Die Ausstellung kann über Welthaus ausgeliehen werden. Die Fotos sind auch käuflich zu erwerben. Der Reinerlös kommt Entwicklungsprojekten zugute. Kontakt: ernst.zerche@welthaus.at In Kooperation mit: Caritas, Dreikönigsaktion, Aktion „Sei so frei“ der Katholischen Männerbewegung, Katholische Frauenbewegung, Katholisches Bildungswerk, Missio und der Umweltbeauftragten der Diözese Graz-Seckau. graz.welthaus.at/news

Arbeiterinnen auf einer Teeplantage in Kerala, Indien.


24 | Welthaus Jahresbericht 2016

HILFSWERKE / PFARREN

Werke der Barmherzigkeit Buffet verwies auf die Werke „Hungrige speisen und Durstigen zu trinken geben“. Zum Werk „Fremde beherbergen“ bezauberte der internationale Kinderchor „Superar“ mit portugiesischen, englischen, japanischen und deutschen Liedern das Publikum. Eine „faire Modenschau“ mit fair gehandelter Kleidung verwies auf das Werk „Nackte kleiden“. Zum Werk „Sich um Gefangene sorgen“ führte der Programmpunkt in die Justizanstalt Karlau. Dort sang der „Gefangenenchor“; die Aufzeichnung des Konzertes wurde auf einer Leinwand in der Stiegenkirche gezeigt. Das Programm war in die mystische Lichtinstallation der Künstlerin Nina Ortner eingebettet.

Bei der Langen Nacht der Kirchen gestalteten die Hilfswerke gemeinsam e inen Abend, u.a. mit einer „fairen Modenschau“.

ie tätige Nächstenliebe ist nicht nur ein Auftrag an jeden einzelnen Gläubigen, sondern an alle Pfarren, die diözesanen Einrichtungen und die Diözese als Ganzes. Welthaus hat laut Statut die Aufgabe, die gemeinsamen Aktionen der Katholischen Hilfswerke in der Steiermark – Caritas, Dreikönigsaktion, „Aktion Familienfasttag“ der KFB, „Aktion Sei so frei“ der KMB, Missio, Welthaus – zu koordinieren.

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Im Herbst wurde intensiv an der Vorbereitung eines Pfarrtreffens unter dem Motto „Weltkirche live“ gearbeitet. Dabei wurden u.a. jene steirischen Pfarren erhoben, die Pfarrpartnerschaften in einem Entwicklungsland pflegen. Den steirischen Pfarren bietet Welthaus neben Workshops, Vorträgen und Materialien für Pfarrblätter und Gottesdienste auch Beratung bei der Unterstützung von Projekten und die Vermittlung von Gästen und ReferentInnen für die Bildungsarbeit.

Seit einigen Jahren gestalten die Hilfswerke gemeinsam einen Abend bei der Langen Nacht der Kirchen – im Juni 2016 unter dem Motto „Werke der Barmherzigkeit“. Zu den Werken „Für Lebende und für Tote beten“ und „Kranke pflegen“ wurden Entwicklungsprojekte vorgestellt. Ein bio-fair-regionales

Im Jahr 2016 wurden vier Workshops für Firmlinge durchgeführt. Außerdem war Welthaus bei fünf Spirinights vertreten, bei denen unser Angebot von insgesamt 300 Firmlingen angenommen wurde. Welthaus nahm an der Pfarrerwoche teil und gestaltete dort gemeinsam mit Missio ein „Weltcafé“. graz.welthaus.at/pfarren


Finanzen 2016 | 25 Mittelherkunft I. Spenden

72.494,30

a) ungewidmete Spenden

11.165,34

b) gewidmete Spenden

61.328,96

II. Mitgliedsbeiträge

250,00

III. Betriebliche Einnahmen

64.240,03

a) betriebliche Einnahmen aus öffentlichen Mitteln

2.694,50

b) sonstige betriebliche Einnahmen

61.545,53

IV. Subventionen und Zuschüsse der öffentlichen Hand

65.000,00

V. Sonstige Einnahmen

0,00

a) Vermögensverwaltung

-

b) sonstige andere Einnahmen (nicht unter Punkt I-IV)

-

VI. Einnahmen aus kirchlicher Mitfinanzierung a) von KOO-Mitgliedern

1.525.464,00 55.128,00

b) von sonstigen kirchlichen Organisationen (Kirchenbeitrag)

1.470.336,00

VII. Auflösung von Passivposten für noch nicht widmungsgemäß verwendete Spenden bzw. Subventionen VIII. Auflösung v. Rücklagen

156.687,03

IX. Jahresverlust

-

Summe Mittelherkunft

1.884.135,36

Mittelverwendung I. Leistungen für die statutarisch festgelegten Zwecke

1.561.945,38

Projektmittel (Entwicklung, Humanitär, Andere, Mildtätige)

623.415,71

Aufwendungen für Projektvorbereitung, - begleitung

147.802,99

Aufwendungen für Bildung/Anwaltschaft/Information

479.845,99

Aufwendungen an KOO-Mitglieder (Weiterleitungen, Kofin.)

II. Spendenwerbung

310.880,69

32.352,45

III. Verwaltungsaufwand

146.980,40

IV. Sonstige Ausgaben, sofern sie nicht unter I. bis III. enthalten sind

142.857,13

V. Zuführung zu Passivposten für noch nicht widmungsgemäß verwendete Spenden bzw. Subventionen VI. Zuführung zu Rücklagen

-

VII. Jahresüberschuss

-

Summe Mittelverwendung

1.884.135,36

Gemäß Finanzrichtlinien der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für Internationale Entwicklung und Mission.

D

ie finanziellen Mittel, die Welthaus zur Bewältigung seiner Aufgaben zur Verfügung stehen, stammen zum überwiegenden Teil von der Diözese GrazSeckau, die durch „Selbstbesteuerung“ ihre Solidarität mit der Weltkirche und mit Menschen in vielen Teilen der Welt zum Ausdruck bringt.

Die Arbeit von Welthaus wird kofinanziert durch das Land Steiermark und das Österreichische Außenministerium (Austrian Development Agency). Ein wesentlicher Teil der kofinanzierten Entwicklungsprojekte wird in Kooperation mit HORIZONT3000 durchgeführt. Außerdem wird die Arbeit von Welthaus unterstützt von:

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26 | Welthaus Jahresbericht 2016

WIR STÄRKEN MENSCHEN

Mit Ihrer Hilfe...

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as Jahr 2016 war für Welthaus dank unserer Spenderinnen und Spender wieder ein erfolgreiches Spendenjahr: Mit Ihrer Hilfe konnten wir etwa in Tansania Kleinbauernfamilien dabei unterstützen, mit angepassten landwirtschaftlichen Methoden bessere Ernten zu erzielen. Auch die Hühnerzucht mit robusteren Rassen, Tierimpfungen und eine verbesserte Lagerung tragen dazu bei, dass sich die Familien ausreichend ernähren können. In Brasilien unterstützte Welthaus Kleinbauernfamilien in Bahia bei der Durchsetzung ihrer Rechte auf Land und Wasser. In Kursen lernten sie sich zu organisieren, um die Errichtung von Mega-Windparks auf ihrem Land zu verhindern. Und in der Ukraine half Welthaus mit dem Projekt „Mobiles Zimmer“ Kindern und Jugendlichen mit Beeinträchtigung bei der Integration in die Gesellschaft. Durch individuelle Betreuung, gemeinsame Freizeitaktivitäten und regelmäßigen Unterricht wurden die Kinder und ihre Eltern aus der Isolation geholt. Im Herbst 2016 waren unsere Projektpartnerinnen aus der Ukraine in der Steiermark. Mit ihnen gab es zahlreiche Workshops, Vorträge und persönliche Begegnungen. Passend zum Besuch unserer Gäste waren auch eine Spendenbeilage im Sonntagsblatt und unser Weihnachtsmailing der Ukraine gewidmet. Das Spendenergebnis war sehr erfreulich.

Beim traditionellen Adventpunsch der Grazer Wechselseitigen Versicherung wurde 2016 wieder für ein Welthaus-Projekt in der Ukraine gesammelt. Das Spendenergebnis war sehr gut und wurde noch von Porsche Interauto um 500 Euro aufgestockt. Vielen Dank! Liebe Spenderinnen und Spender, seit 2005 durfte ich Sie begleiten, beraten und betreuen. Nun möchte ich mich mit einem herzlichen Vergelts Gott bei Ihnen für Ihre Treue bedanken, denn ich bin seit 1. Mai 2017 in Pension. Meine Nachfolgerin, Viktoria Schichl, wird Sie zukünftig begleiten. Ich bitte Sie, bleiben Sie Welthaus weiterhin treu und unterstützen Sie unsere Projekte! Ihre Claudia Kompacher P.S. Ein wichtiger Hinweis zur Spendenabsetzbarkeit: Als PrivatspenderIn müssen Sie Ihre Spenden, die Sie ab 2017 tätigen, nicht mehr selbst dem Finanzamt melden, um sie steuerlich geltend zu machen. Im Zuge einer Gesetzesänderung sind alle Spenden ab 2017 von uns zu erfassen und im Folgejahr gesammelt an das Finanzamt zu melden. Sie werden dann automatisch bei Ihrer Arbeitnehmerveranlagung berücksichtigt. Voraussetzung dafür ist, dass Sie uns ihren Vorund Nachnamen (wie im Meldezettel) sowie einmalig Ihr Geburt sdatum bekannt geben. Unternehmen erhalten wie bisher eine Spendenbestätigung.


Spenden & Helfen | 27

PRAKTIKUM UND EHRENAMT

„Eine ganz besondere Erfahrung“

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etzten Herbst bekam ich die wunderbare Möglichkeit, bei Welthaus ein Praktikum zu absolvieren. Ich studiere Global Studies an der Universität Graz; und Entwicklungszusammenarbeit (EZA) war schon immer ein Thema, das mich besonders interessierte. Das Praktikum erlaubte mir, einen Blick „hinter die Kulissen“ einer in der EZA tätigen NGO zu werfen. Ich erhielt Einblicke in die einzelnen Arbeitsbereiche wie Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit und durfte darüber hinaus aktiv bei der Abwicklung von Projektanträgen der Partnerorganisationen mitwirken. Dies war für mich eine ganz besondere Erfahrung, da ich unter anderem direkt mit den PartnerInnen aus Guatemala in Kontakt treten konnte. Ein weiterer Höhepunkt waren die verschiedenen Veranstaltungen zu den Themen Ernährungssouveränität und Religionsfreiheit. Dabei lernte ich viele außergewöhnliche Menschen und deren wichtige Arbeit kennen. So traf ich etwa Pater Sebastian Painadath, der sich für interreligiösen Dialog in seiner Heimat Indien stark macht.

Besonders an diesem Praktikum war auch die herzliche Art des Teams, das mich von Beginn an willkommen hieß, stets auf meine Fragen einging und mir einen guten Einblick in die Arbeit von Welthaus ermöglichte. In diesem Sinne möchte ich mich ganz herzlich beim gesamten Team für die tolle Erfahrung bedanken! Magdalena Wippel

graz.welthaus.at/spenden-helfen


Danke für Ihr Vertrauen! Wir bitten Sie auch weiterhin um Ihre Unterstützung. WELTHAUS IST... eine Einrichtung der Katholischen Kirche Steiermark zur weltweiten Verwirklichung von Menschenwürde und Gerechtigkeit. Seit 1970 verbessert Welthaus gemeinsam mit lokalen Organisationen die Situation von Armen in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa. In Österreich zeigt Welthaus globale Zusammenhänge auf und tritt für einen nachhaltigen und sozial gerechten Lebensstil ein. Die Erfahrungen aus den Projektländern bilden die Grundlage für die Bildungsangebote in der Steiermark. Welthaus Diözese Graz-Seckau Bürgergasse 2, 8010 Graz Tel. +43 316 324556 graz@welthaus.at Öffnungszeiten: Mo – Do: 9 – 12 und 13 – 16 Uhr Fr: 9 – 12 Uhr In den Schulferien: 9 – 12 Uhr

Spendenkonto

IBAN: AT79 2081 5000 0191 3300 BIC: STSPAT2GXXX

Spenden steuerlich absetzen

Wenn Sie Ihr Geburtsdatum, Vor- und Nachname angeben, werden Ihre Spenden an Welthaus ab 2017 automatisch steuerlich berücksichtigt (siehe Seite 26). Diese Absetzbarkeit ermöglicht es Ihnen, mehr zu spenden – ohne mehr zu bezahlen!

Online spenden unter: graz.welthaus.at / Welthaus

/ WelthausGraz

Welthaus. Wir stärken Menschen.

Jahresbericht Welthaus 2016  

Jahresbericht Welthaus Diözese Graz-Seckau 2016

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