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Weidle Verlag Herbst 2012


Literatur  Juli

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Es war Pete Marshall, der Lucys nackte Leiche am Strand fand, nicht weit vom Ende der Rocking Horse Road entfernt. Seit diesem Morgen sind fast drei Jahrzehnte vergangen, und ein Jahrtausend hat geendet, aber wir können immer noch ganz präzise sagen, wo Lucy gelegen hat. Ihre Leiche lag am Fuß der Dünen, dort, wo die Flut sie hingespült hatte, nahe dem Schild mit der Warnung vor Kabbelwellen und der Aufforderung, nicht zu dem tiefen Kanal zu schwimmen, der die Flußmündung mit dem Meer verbindet und das Ende von The Spit markiert. Sofort war klar, daß keine dieser alltäglichen Gefahren Lucy Ashers Tod verursacht hatte. Es war der 21. Dezember 1980, ein Sonntag vier Tage vor Weihnachten. Halb sieben Uhr morgens. Der Sommer schickte sich bereits dazu an, einer der heißesten seit ­Menschengedenken zu werden. Der Himmel war wolkenlos, der Sand bereits warm. Von Anfang an stand fest, daß es ein verdammt heißer Tag werden würde.

Wir haben sehr oft darüber gesprochen, daß in der Nacht davor die Flut sehr hoch gewesen war. Keine Sturmflut, aber höhere Wellen als normal. Gewaltige Wassermassen hatten sich nachts im Südpazifik aufgetürmt und waren Welle auf Welle auf Welle am Strand aufgeschlagen. Jede von einem scharfen Ostwind getrieben. Im Rückblick ist es natürlich leicht, Ereignissen eine Bedeutung zu verleihen, die sie ursprünglich nicht hatten, doch in den ersten Tagen nach der Entdeckung von Lucys Leiche erinnerten sich einige von uns, wie wir in dieser Nacht in unseren Betten gelegen und dem Anbranden der Wellen gelauscht hatten. Wir hatten uns vorgestellt, wie sie an den Dünen fraßen, dem einzigen Schutz unserer Häuser gegen das Meer. Wir waren mit dem ständigen Rauschen der Brandung aufgewachsen, und doch konnten wir es nie ganz ausblenden. Wir hörten es über die Stimmen der Lehrer hinweg, wenn wir Unterricht hatten, und auch, wenn wir auf dem sandigen Gelände der South Brighton High School unseren Lunch aßen. Das Geräusch erhob sich über das Geschwätz unserer Brüder und Schwestern, wenn wir in unseren Küchen aßen. Es b ­ ildete den Soundtrack zu unserer schwierigen Pubertät. Aber für mehr als einen von uns, die wir in der Nacht von Lucys Er­mordung in unseren Zimmern lagen, schien das Geräusch der Wellen einen tieferen und klagenden Ton angenommen zu haben. Ein endloser Zug, der in der Dunkelheit vorbeifuhr, dazu verdammt, auf ewig vorbeizufahren und nie ­anzukommen.


Carl Nixon Rocking Horse Road Roman

Kurz vor Weihnachten 1980 wird die Leiche der 17jährigen Lucy Asher frühmorgens am Strand von The Spit gefunden. In der Mitte dieser schmalen Landzunge vor Christchurch verläuft die Rocking Horse Road. Lucys Eltern haben ein Milchgeschäft an dieser Straße, und Lucy arbeitete oft dort, angeschwärmt von einer Gruppe 15jähriger Jungen. Einer von ihnen findet die Leiche, die anderen sind bald ebenfalls zur Stelle. Lucy wurde erwürgt. Für die Jungen ist damit ihre Kindheit zu einem traumatischen Ende gekommen. Die Suche nach dem Mörder schweißt sie zusammen – über 25 Jahre später sind sie ihm noch immer auf der Spur. Im Jahr nach dem Mord, 1981, macht der Staat Neuseeland eine traumatische Erfahrung: Die Springboks, das südafrikanische Rugby-Team, touren durch das Land. Protest gegen das Apartheidsregime erhebt sich. Es kommt zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei, zum ersten Mal in der Geschichte des Landes. Die Jungen sind Rugby-Fans und erleben das Geschehen hautnah mit: »Wir hatten das Gefühl, daß da vor unseren Augen etwas sehr Wichtiges zerbrach. Wir konnten es nicht benennen, es war etwas, das uns zuvor selbst­ verständlich gewesen war und das, wie wir instinktiv wußten, niemals würde repariert werden können.« Carl Nixon (1967 in Christchurch geboren) verknüpft diese beiden Geschehnisse und webt sie in die Biographien seiner Protagonisten ein. Der sehr spannende Roman wird durchgehend in der Wir-Form erzählt, also von der Gemeinschaft der Jungen. Er ist Nixons erster Roman. Die Short story, aus der er hervorging, gewann 2007 den renommierten »Katherine Mansfield Short Story Contest«, und im ­selben Jahr erschien der Roman in Neuseeland. Derzeit wird er verfilmt. Gastland der Frankfurter Buchmesse 2012: Neuseeland. Carl Nixon kommt zur Messe und steht in der Zeit vor und nach der Messe (10. bis 14. Oktober 2012) für Lesungen zur Verfügung. Ein Streifenplakat kann bestellt werden. »I know you’ll never come to harm Walking down Rocking Horse Road, it’s so peaceful« Elvis Costello: Rocking Horse Road (1994)

Dauerbrenner

Photo : John Kirk-Anderson

Aus dem Englischen von Stefan Weidle. Ca. 220 Seiten, Fadenheftung, fester Einband, Schutzumschlag. 19,90 Euro. 978-3-938803-50-9


kunstgaleriebonn im Weidle Verlag  lieferbar

Edition Kritische Ausgabe  Juli

John Zinsser New York Paintings

Martin Bredenbeck, Constanze Moneke und Martin Neubacher (Hg.)

Herausgegeben von Gisela Clement und Michael Schneider. Mit einem Text von Stephan Berg und einem Interview mit John Zinsser von Peter Lodermeyer. Deutsch /Englisch. 102 Seiten, 22 Tafeln, Fadengeheftete Broschur, 21 • 29 cm, 25 Euro. Gestaltung: USARCH, Christoph Schriner. 978-3-938803-46-2

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Diese Malerei verführt auf eine außerordentlich sinnliche Art und Weise dazu, sich auf sie einzulassen. Aber nicht bedingungs- oder besinnungslos. Hier geht es nicht um eine bildnerische Überwältigung, die vom Betrachter einen Akt der Hingabe oder Unterwerfung verlangt, sondern um ein Angebot, in einen Dialog einzutreten. In ein Gespräch, das davon handelt, wie sich aus der Tradition der amerikanischen Nachkriegsabstraktion und insbesondere des amerikanischen Abstrakten Expressionismus Bilder erzeugen lassen, die durchscheinen lassen, woher sie kommen, und zugleich doch auch deutlich machen, was sie von dieser Tradition unterscheidet.  Stephan Berg John Zinsser wurde 1961 in New York geboren und studierte in Yale Kunstgeschichte. Seine Arbeiten sind in zahlreichen Sammlungen vertreten, darunter Sammlung Goetz, München, The Mint Museum, Charlotte, USA, The Wadsworth Atheneum Museum of Art, Hartfort, USA.

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Das ist ein wunderbarer Widerspruch. Malerei ist alles, was man selbst ist – und steht doch völlig für sich. John Zinsser im Gespräch mit Peter Lodermeyer

Spuren

Eine Suche nach dem kunsthistorischen Lustgewinn von Fabian Apel, Helga Becker, Martin Bredenbeck, Jörn Garleff, Christoph Heuter, Birgit Kastner, Holger Kempkens, Alexander Kleinschrodt, Constanze Moneke, Martin Neubacher, Angelika Oelgeklaus, Heinrich Otten, Ludmila Siman, Lena Weber und Lisa-Marie Wittler. Broschur, 160 Seiten, zahlreiche, teils farbige Abbildungen, 15,5 • 23 cm, 16,90 Euro. Gestaltung und Satz: Constanze Moneke. 978-3-938803-51-6 Manchmal sind Universitäten mehr als bloße Ausbildungs­ stätten – und manchmal gelingt es denjenigen, die unterrichten, der Materie eine noch tiefergehende Faszination zu verleihen. Wenn dann die Neugierde geweckt und Sensibilität vermittelt wurde, wenn aus Unterrichtsstoff eine Lebenseinstellung wird und Lust auf mehr erwacht – dann werden aus den Studierenden Spurensucher, die im Alltag viel entdecken können. Spuren – eine Suche nach dem kunsthistorischen Lustgewinn führt solche Spurensuchen vor und zeigt, wie intensiv Kunstgeschichte aufs Leben abfärben kann. Außerhalb von Hörsaal, Museum und Büro vertiefen sich die Autorinnen und Autoren in neue Facetten von Kunst und gehen ihre eigenen, teils ganz persönlichen entdeckerischen Wege. Seien es Beiträge zur Architektur oder Denkmalpflege, Gedanken über eine Farbe oder die Geschichte der Navigation auf diesen Wegen – stets sind es Beiträge, deren lustvoller Zugriff auf die Gegenstände sich einer ganz besonderen, Geist und Herz ansprechenden Ausbildung verdankt. Prof. Dr. Hiltrud Kier, die die Gabe des begeisternden Lehrens hat, ist der Band als Festschrift zum 75. Geburtstag gewidmet.


Literatur  August

Wsewolod Petrow Die Manon Lescaut von Turdej Roman

Aus dem Russischen von Daniel Jurjew. Mit einem Kommentar von Olga Martynova und einem Nachwort von Oleg Jurjew. ca. 120 Seiten, fadengeheftete Broschur, 16,90 Euro. 978-3-938803-48-6 Ein sowjetischer Lazarettzug auf dem Weg von einer Front zur anderen. Darin ein Petersburger Intellektueller: ­Gepeinigt von Herzanfällen und Todesangst, liest er den Werther (auf deutsch). Aber in die Lektüre drängt sich die Geschäftigkeit der Militärärzte, Apotheker, Kranken­ schwestern um ihn herum. Es ist eine seltsame Gemeinschaft, hervorgebracht zwar vom Krieg, doch bestimmt von ganz alltäglichen Sorgen und kleinen Freuden: »Wir fuhren schon so lange, daß wir nach und nach die Vorstellung von der Zeit verloren hatten ... Niemand wußte, wohin wir geschickt wurden. Wir fuhren von Station zu Station, als hätten wir uns verlaufen. Man hatte uns wohl vergessen.« Bei einem längeren Aufenthalt trifft er auf ein Mädchen, das anders scheint als alle anderen: Vera Muschnikowa, ruhelos und romantisch, grazil und ungestüm – und sie ist jederzeit zur Liebe bereit. Der Feingeist erliegt ihrem vulgären ­Zauber, erkennt in ihr seine »sowjetische Manon« und erahnt damit bereits den dunklen Weg, den ihre Liebe nehmen wird. »   Wir kennen von Petrow viele Bücher zur Kunstgeschichte (die auch in viele Sprachen übersetzt worden sind), aber nur wenige Texte, die zur ›schöngeistigen Literatur‹ zählen dürfen. Eigentlich wäre, abgesehen von ein paar philo­ sophischen Miniaturen, allein unsere Erzählung als solche zu bezeichnen. Dafür aber ist dieser Text einer der schönsten Prosatexte der russischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Diese Erzählung, die erst 2006 veröffentlicht wurde, war nicht in einem Geheimfach verborgen worden: Jedes Jahr an seinem Geburtstag, zu dem viele Dutzend Gäste kamen, die ganze kulturelle Elite Leningrads, begann die Feier damit, daß der Gastgeber Auszüge aus seiner Manon vorlas. Er verheimlichte sein Meisterwerk nicht, er reichte es nur nicht zur Publikation in sowjetischen Zeitschriften und Verlagen ein – wer weiß, warum: Weil er das für sinnlos hielt? Aus Ekel vor den Barbaren in den damaligen Redaktionen? Aus der klaren Einsicht heraus, daß diese kleine Erzählung Inhalte transportiert, die mit der Sowjetliteratur nicht kompatibel sind – stilistisch, philosophisch und auch politisch?«  Oleg Jurjew

Dauerbrenner

Wsewolod Petrow (1912–1978) entstammte einer Petersburger Adelsfamilie, er war Kunsthistoriker und arbeitete vor dem Zweiten Weltkrieg am Russischen Museum. Nach dem Krieg, als Offizier in der Roten Armee demobilisiert, widmete er sich wieder seiner wissenschaftlichen Arbeit und veröffentlichte einige Standardwerke zur russischen Kunst.

Manon Lescaut von Turdej, entstanden 1946, erschien erst 60 Jahre später, im November 2006, in der Moskauer ­Zeitschrift »Novyj Mir«.

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Auf der Pritsche liegend, hatte ich mir die Liebe zu dieser sowjetischen Manon Lescaut ausgedacht. Ich hatte Angst davor, mir zu sagen, daß es nicht so war, daß ich mir nichts ausgedacht hatte, sondern tatsächlich alles vergessen und mich selbst verloren hatte und nur davon lebte, daß ich Vera liebte. Ich legte mich so auf die Pritsche, daß ich gleich den ganzen Waggon sehen konnte. Wo Vera auch auftauchte, ich konnte sie sehen. Wie ein Somnambuler drehte ich mich zu der Seite, wo sie war.


Aus grauer Verlagsfrühzeit frisch auf den Tisch

Artur Landsberger Berlin ohne Juden Roman

Herausgegeben und mit einem Nachwort von Werner Fuld 224 Seiten, fadengeheftete Broschur, 19 Euro. Umschlag: Werner Haypeter. 1998 erschienen. 978-3-931135-34-8 Einer der erstaunlichsten Romane der zwanziger Jahre: Erzählt wird, wie eine antisemitische Volkspartei nach dem Gewinn der Reichstagswahlen das Parlament übernimmt und Gesetze gegen Juden erläßt. Alle Juden unter 75 Jahren müssen das Land verlassen, ihr Vermögen wird konfisziert. So weit kommt einem die Geschichte vertraut vor. Doch in Berlin ohne Juden geht sie anders aus als in der Wirklichkeit. Das Ausland stellt sich geschlossen gegen Deutschland und boykottiert die deutsche Wirtschaft. P ­ rotest bricht aus, die Maßnahmen müssen zurückgenommen ­werden. Landsbergers bereits 1925, also im selben Jahr wie Mein Kampf, erschienener Roman ist eine Satire auf die antisemitischen Machenschaften der Nazis. Die Handlung allerdings wirkt durch ihre spätere Realität geradezu gespenstisch. Der heutige Leser fragt sich, ob die von Landsberger in seinem Roman durchgeführte Lösung nicht auch in der Wirklichkeit eine Chance gehabt hätte. Artur Landsberger (1876–1933) war Rechtsanwalt und zu seiner Zeit ein überaus erfolgreicher Schriftsteller. Seine zumeist satirisch gefärbten Berliner Gesellschafts­romane erfreuten sich regen Interesses. Berlin ohne Juden, als Reaktion auf Hugo Bettauers Roman Die Stadt ohne Juden entstanden, bildete da eine der wenigen Ausnahmen. Er schrieb mehr als dreißig Bücher, die heute zum größten Teil vergessen sind, ebenso wie ihr jüdischer Autor, der wohl seiner eigenen Prophetie zu sehr vertraute: Als er sie durch die Wirklichkeit widerlegt sah, nahm er sich am 4. Oktober 1933 das Leben. 2006 erschien ein weiterer Roman von Artur Landsberger im Weidle Verlag: Liebe und Bananen. Eine wilde Sache.

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Die jüdische Bevölkerung entwickelte jetzt eine fieberhafte Tätigkeit. Verständlich, daß alles in Berlin zusammenströmte. Die Zeitungen mit Verkaufsinseraten aus dem ganzen Reich erschienen im Umfang von dreißig bis fünfzig Seiten. Man konnte alles, was schwer mitzunehmen war, vor allem also Häuser, Möbel, Gardinen, Teppiche, Kronen, Porzellane, Bilder, Bücher, Wagen, Geräte, Pferde, Haustiere, Weine, Konserven und anderes mehr zu lächerlichen Preisen kaufen. Die christliche Bevölkerung kaufte sich satt. Die Leute verkauften ihre Papiere und hoben von den städtischen Kassen ihre Ersparnisse ab. Die Billigkeit reizte und die Freude, den

Juden, von denen sie sich sonst übervorteilt glaubten, nun ihrerseits für das, was sie ihnen abkauften, Preise vorzuschreiben, die bis zur Hälfte, oft bis zu einem Zehntel hinter dem wirklichen Wert zurückblieben. Natürlich, sie überkauften sich, und als die Juden raus waren, fehlte ihnen das Geld für das Nötigste. Meist wußten sie gar nichts mit dem Geramschten anzufangen. Was sollte man mit einer Villa vor den Toren Berlins anfangen, wenn man Mühe hatte, seine teure Wohnung in der Stadt zu halten, was mit einem Auto, wenn man sich das Geld für Chauffeur und Benzin vom Munde absparte, was mit echten Persern in Größen von 6 • 5 und 5 • 4, wenn die Zimmer nur 4 • 3 und 3 • 2 groß waren, was mit Handfiletgardinen für 24 Fenster, wenn man nebbich – ach, man brauchte jetzt so gern die jüdischen Worte ! – nur fünf Fenster Front hatte. Die Kronen paßten nicht zu den Möbeln, die Bilder nicht zu den Tapeten, und in den bei der Eile natürlich im ganzen gekauften Bibliotheken fand man statt der gesuchten Rudolfe (Herzog und Stratz) Juden, wie Wassermann, Hirschfeld und Georg Hermann, ja, manchmal stieß man sogar auf Bücher in hebräischer Sprache, vor denen man sich bekreuzigte, sofern man nicht in Krämpfe fiel. Alles das aber bemerkte man leider erst, als der große Taumel sich legte und die Juden schon draußen waren. Sonst hätte man sie gewiß des Wuchers bezichtigt und sie gezwungen, die Geschäfte rückgängig zu machen.


Sachbuch  November Sylvia Asmus, Heinz Lunzer, Victoria Lunzer-Talos (Hg.)

»So wurde ihnen die Flucht zur Heimat«

Soma Morgenstern und Joseph Roth. Eine Freundschaft. Mit Beiträgen von Dan Morgenstern und Ingolf Schulte. 128 Seiten mit ca. 80 Abb., fadengeheftete Broschur, 21 • 29 cm, 25 Euro. 978-3-938803-47-9 Eine Publikation des Deutschen Exilarchivs 1933–1945 der Deutschen Nationalbibliothek. Gefördert von der Stiftung Flughafen Frankfurt / Main. Zwei Schriftsteller aus Galizien: Joseph Roth (1894– 1939) und Soma Morgenstern (1890–1976). Der eine schrieb und veröffentlichte rasch sein Werk und wurde berühmt, während die Romane, Dramen und Erinnerungen des anderen zum größten Teil erst nach seinem Tod publiziert wurden. Soma Morgenstern hat seinem Freund Joseph Roth einen Band mit Erinnerungen gewidmet, der 1994 erstmals erschien (zu Klampen): Darin erzählt er von vielen Schnittpunkten im Leben der beiden und gibt ihre künstlerischen Auffassungen wieder. Das nun anzuzeigende Buch über die Freundschaft zwischen Soma Morgenstern und Joseph Roth erscheint anläßlich der Ausstellung zu diesem Thema in der Deutschen Nationalbibliothek. Es versammelt Dokumente, die sowohl das Leben der Autoren als auch ihr Verhältnis zueinander weiter beleuchten. So finden sich bisher unbekannte Briefe und Notizen zu Morgensterns Texten und zu den jeweiligen Biographien der Schriftsteller, die im Grunde sehr ähnlich waren: Ihre Heimat Galizien mußten sie während des Ersten Weltkriegs verlassen, die sie prägende osteuropäische jüdische Lebenskultur wurde zerstört. Beide schrieben mit einem Bewußtsein des Untergangs einer Epoche; beide flohen vor den Nationalsozialisten, Roth aus Deutschland, Morgenstern aus Österreich. In Paris lebten sie zeitweise gemeinsam in einem ­kleinen Hotel und teilten die Strapazen des Exils bis zum Tode Joseph Roths 1939. Soma Morgenstern ­rettete sich schließlich nach ­Amerika und überwand seine Schreibblockade, die der Holocaust hervor­ gerufen hatte.

Dauerbrenner

Vom 7. November 2012 bis zum 19. Januar 2013 zeigt die Deutsche Nationalbibliothek: »So wurde ihnen die Flucht zur Heimat« – Soma Morgenstern und Joseph Roth. Eine Freundschaft. Eine Ausstellung des Deutschen Exilarchivs der ­Deutschen Nationalbibliothek 1933-1945. Kuratiert von Victoria Lunzer-Talos und Heinz Lunzer. Unterstützt von der Stiftung Flughafen Frankfurt / Main und der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main. Sylvia Asmus, Leiterin des Deutschen Exilarchivs 1933– 1945 in der Deutschen Nationalbibliothek, Frankfurt am Main Heinz Lunzer, Leiter der Dokumentationsstelle für neuere österreichische Literatur i. R., Wien Victoria Lunzer-Talos, Bibliothekarin, Kulturhistorikerin.

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Eigentlich sollte das, was ich seit Jahren schreibe, den Titel haben: Ein Leben mit Freunden. Aber leider kann ich diesen Titel nicht verwenden, weil ich zu der unglücklichen Generation gehöre, die in einer Flut von Weltgeschichte verunglückte, aus der nur einige ihr Leben gerettet haben, aber keinesfalls ohne Schaden davongekommen sind. Soma Morgenstern

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In meinen Büchern übersetze ich die Juden für den Leser. Du gibst sie im Original. Joseph Roth an Soma Morgenstern


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Beethovenplatz 4, 53115 Bonn Telephon (0228) 632954 / Fax (0228) 697842 Verleger@Weidle-Verlag.de Rabatt Zahlungsziel BAG Versandweg Liefertermin RR bis ISBN (alt): 978-3-931135-... / ISBN (* = neu): 978-3-938803-... €  25,– 16,90 23,– 19,90 16,90 25,–

Lieferbares Programm 85-0 Bauchwitz, Kurt: Heim-Findungen. 21,–  * 42-4 Bechtold, Erwin: Ventana. 25,–  * 28-8 Beethovenhalle Bonn. 19,90  * 37-0 Bei Dao: Gottes chinesischer Sohn. 19,–  * 38-7 Bicker, Friederich, Trinkwitz: Prinzip Synthese. 15,– 97-3 Böhmer, Otto A.: Der Zuwender. 23,–  * 03-5 Böhmer, Otto A.: Wenn die Eintracht spielt. 21,– 80-5 Borchardt, Hermann: Die Verschwörung der Zimmerleute. 79,– 63-8 Borgemeister, Rainer: »Lokomotive Denken«. 35,– 72-0 Borgemeister, Rainer: Marcel Broodthaers. 49,–  * 41-7 Bredenbeck u. a.: Bauen für die Bundeshauptstadt. 12,– 87-4 Carter, Jimmy: Angesichts der Leere. 21,–  * 20-2 Clement, Gisela: RÄUMEN . 19,– 89-8 Cohen, Albert: Die Tapferen. 23,–  * 32-5 Cole, Max: Quintessence over Time. 25,– 81-2 Crane, Peter: »Wir leben nun mal auf einem Vulkan.« 35,–  * 00-4 Dembitzer, Salamon: Die Geistigen. 19,–  * 13-4 Dembitzer, Salamon: Visum nach Amerika. 21,– 90-4 Eglı-tis, Ansˇ lavs: Homo Novus. 23,– 28-7 Essig, Hermann: Der Taifun. 21,– 38-6 Fantlová, Zdenka: »In der Ruhe liegt die Kraft« ... 21,–  * 10-3 Federman, Raymond: Pssst ! 23,– 35-5 Fülöp-Miller, René: Katzenmusik. 19,– 18-8 Fuld / Ostermaier (Hg.): Die Göttin und ihr Sozialist. 19,– 86-7 Gronius, Jörg W.: Der Junior. 19,– 48-5 Gronius, Jörg W.: Ein Stück Malheur. 19,–  * 02-8 Gronius, Jörg W.: Plötzlich ging alles ganz schnell. 21,–  * 36-3 Gronius, Jörg W.: Horch. 21,– 29-4 Gronius, Jörg W. / Rauschenbach, Bernd: Stücke 2. 19,–  * 34-9 Gunnarsson, Pétur: punkt punkt komma strich. 16,90  * 44-8 Gunnarsson, Pétur: ich meiner mir mich. 16,90 93-5 Gusmão, Ana Nobre de: Die Seherin. 25,– 64-5 Gusmão, Ana Nobre de: Spiegel der Angst. 19,– 58-4 Hauser, Heinrich: Donner überm Meer. 19,–  * 25-7 Hauser, Heinrich: Schwarzes Revier. 19,90  * 45-5 Hauser, Heinrich: Zwischen zwei Welten. 19,–  * 33-2 Haypeter, Werner: Kraftfelder. 25,– 32-4 Heppner, Ernest G.: Fluchtort Shanghai. 21,–  * 31-8 Hilpert, Heinz: Tagebuch für Nuschka. 19,–  * 19-6 Hinsberg, Katharina: binnen. 19,– 65-2 Hinsberg, Katharina: Hors-Champ, Zeichnung. 19,– 17-1 Hollaender, Friedrich: Von Kopf bis Fuß. 24,50 09-6 Hollaender, Friedrich: Menschliches Treibgut. 22,50 05-8 Jackson, Felix: Berlin, April 1933. 21,– 42-3 Janowitz, Hans: Jazz. 23,–

Unsere Bücher erscheinen in unreformierter Recht­s chreibung, und daran wird sich nie etwas ändern.

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Anzahl ISBN Titel €   * 06-6 Jentsch, Ralph: Alfred Flechtheim – George Grosz. 23,– 01-0 Joseph, Albrecht: Portraits I. Zuckmayer, Frank. 19,– 02-7 Joseph, Albrecht: Ein Tisch bei Romanoff’s. 13,– 23-2 Joseph, Albrecht: Der letzte Vorhang. 19,–  * 11-0 Koch, Eric: Die Braut im Zwielicht. 23,–  * 16-5 Kubin, Wolfgang: Alles versteht sich auf Verrat. 21,– 44-7 Kubin, Wolfgang: Das neue Lied ... 15,– 62-1 Kubin, Wolfgang: Narrentürme. 16,–  * 15-8 Kubin, Wolfgang: Unterm Schnurbaum. 19,– 83-6 Kubin, Wolfgang: Schattentänzer. 19,–  * 09-7 Kulessa, Hanne: Der Große Schwarze Akt. 21,–  * 17-2 Kuperman, Nathalie: Frühstück mit Mick Jagger. 19,–  * 12-7 Lafargue, Jérôme: Freund Butler. 23,– 34-8 Landsberger, Artur: Berlin ohne Juden. 19,– 95-9 Landsberger, Artur: Liebe und Bananen. 21,– 74-4 Lawrence, D. H.: Aarons Stab. 23,– 46-1 Lawrence, D. H.: Vögel, Blumen und wilde Tiere. 19,–  * 05-9 Leucht, Robert: 99 Arten, das Ich und die Welt zu erfinden. 23,– 59-1 Lustig, Jan: Ein Rosenkranz von Glücksfällen. 16,– 79-9 Mahler, Anna: Ich bin in mir selbst zu Hause. 25,– 91-1 Mahler, Gustav: »Liebste Justi !« 48,– 19-5 Marienthal, Hal: Schumanns Reise. 21,–  * 23-3 Matveev, Michel: Die Gehetzten. 23,– 55-3 Meisel, Hans: Aguilar oder Die Abkehr. 21,– 78-2 Meisel, Hans: Torstenson. 23,– 22-5 Mohr, Max: Das Einhorn. 19,– 07-2 Mohr, Max: Frau ohne Reue. 19,– 00-3 Mohr, Max: Venus in den Fischen. 19,– 98-0 Muggenthaler, Johannes: Das Fremdenzimmer. 19,– 82-9 Muggenthaler, Johannes: Der Idiotenhügel. 21,–  * 30-1 Muggenthaler, Johannes: Die letzte Trauung. 21,– 68-3 Muggenthaler, Johannes: Regen und andere Niederschläge. 19,–  * 07-3 Muktupa-vela, Laima: Das Champignonvermächtnis. 23,– 92-8 Munk, Bettina: Hundert Zeichnungen. 25,– 66-9 Newman, Richard: Alma Rosé. 34,– 30-0 de Pascoaes, Teixeira: Napoleon. 29,– 31-7 Eric Schaal, Photograph. 44,– 14-0 Schaeffer, Albrecht: Helianth (3 Bände im Schuber). 84,– 33-1 Schmitz, Oscar A. H.: Bürgerliche Bohème. 21,–  * 27-1 Seeber, Ursula / Weidle, Barbara: Edmund Wolf. 25,– 56-0 Sinclair, Upton u. a.: Werter Genosse ... 34,– 16-4 Siodmak, Curt: Unter Wolfsmenschen. Europa. 23,– 27-0 Siodmak, Curt: Unter Wolfsmenschen. Amerika. 28,– 47-8 Thelen, Albert Vigoleis: Briefe an T. de Pascoaes. 19,– 21-8 Thelen, Albert Vigoleis: Literatur in der Fremde. 19,–  * 40-0 Tollens, Peter: Transit. 25,–  * 35-6 Trantenroth, Tim: Subjektive Gewißheit. 25,–  * 26-4 B. C. Tucholski: Im Schloß meiner Erinnerungen. 29,–  * 22-6 Wagner, Karl: Weiter im Blues. Zu Peter Handke. 21,– 88-1 Wander, Fred: Leben und Werk. 23,–  * 01-1 Weidle, Barbara (Hg.): Kurt Wolff. 25,– 96-6 Yau, John / Ikemura, Leiko: Andalusia. 48,– 10-2 Yau, John / Barrette, Bill: Berlin Diptychon. 24,50 77-5 Zhai Yongming: Kaffeehauslieder. 19,–

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Anzahl ISBN Titel Neuerscheinungen Herbst 2012  * 47-9 Asmus u. a.: Soma Morgenstern und Joseph Roth.  * 51-6 Bredenbeck u. a.: Spuren.  * 04-2 Mirbeau, Octave: 628-E8.  * 50-9 Nixon, Carl: Rocking Horse Road.  * 48-6 Petrow, Wsewolod: Die Manon Lescaut von Turdej.  * 46-2 Zinsser, John: New York Paintings.

Fotos: SW (von FF); FF (von SW) auf dem Otkogon in Kassel, Mai 2012

Verkehrs-Nr. Datum Zeichen Stempel der Buchhandlung

Soweit nicht anders erwähnt, werden die Bücher von Stefan Weidle und Friedrich Forssman gestaltet, und auch daran wird sich nie etwas ändern.


Herbst Vorschau 2012